Morgenausgabe 49. Jahrgang Ar. 423 A 206 WSchentUch 75 Ps, monatlich 3,25 M. (davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,S7 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellge- bllhren. Auslandsabonnement s.ss M. vro Monat; für Länder mit ermäßig- tew Drucksachenporto 4.65 M Sei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gemalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Ersaß. Erscheinungsweiseund Anzeigenpreise liehe am Schluß des redaktionellen Teils. P. Berlin er Voltsblatt Donnerstag 8. September 1932 Groß-Äerlin IN k>f. Auswärts it 5 Z)f. Jentralovgan der Gozialdemotrattschen Oartei DeutLÄla«W Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernspr.: Dönhoff(A 7) 292— 297. Telegraimn-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkomo: Berlin 37 536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3. Dt B.u.DiSc.-Gef., Deposttenk., Jerusalemer Str. SS/KS. Kesseltreiben! Antwort an bürgerliche Kritiker der Sozial« demokratie. In einem Teil der bürgerlichen Presse, den man als linksstehend zu bezeichnen pflegt, geht es seit einiger Zeit seltsam zu. Der angekündigte Milliardensegen der Steuer- gutscheine, das Haussetreiben an der Börse, die Aussicht auf Rüstungsaufträge und auf bequemere Ausbeutung der Arbeiter— das alles, was die„Deutsche Allgemeine Zeitung" so treffend unter dem Namen der kapitalistischen Offensive zusammenfaßt, hat bei nicht wenigen Kündern demokratischer Weltanschauung eine Art von Rauschzustand erzeugt. Mit der Notverordnung in der einen Hand, dem Rüstungsmemorandum in der anderen, schleichert man sich, selig schmunzelnd, an P a p e n heran. Mit dieser Erscheinung, die für den Kenner eigentlich nicht viel Auffälliges hat, verbindet sich aber auch noch eine andere: In demselben Teil der bürgerlichen Presse findet man jetzt in überraschender Häufung Angriffe auf die Sozialdemokratische Partei. Fahren z. B. die sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten nach einer voll- kommen normal und harmonisch verlaufenen Fraktionssitzung nach Hause, so werden ihnen alsbald Zeitungen nachgeschickt, in denen sie mit Erstaunen lesen, was für furchtbare Kämpfe sich in besagter Sitzung abgespielt haben. An einem der nächsten Tage meldet dann ein anderes Blatt derselben Couleur, daß sich das Reichsbanner in vollem Aufstand gegen die Partei befinde. In ausführlicher Breite, mit Ausmalung aller Einzelheiten wird das alles dargestellt und ist höchst spannend zu lesen. Daß kein einziges Wort davon wahr ist, scheint nichts zu verschlagen. Es gibt immer Leute, die es glauben, also erzeugt es Unruhe und erfüllt so seinen Zweck. Das Bemerkenswerteste an diesen und anderen Angriffen ist, daß sie alle scheinbar„von links" her erfolgen. Damit soll keineswegs behauptet werden, daß die Redaktionen und Journalisten, die die Sozialdemokratische Partei zum Gegen- stand ihrer Kritik machen, sich in allen Fällen bewußt zu Werkzeugen eines Komplotts hergeben. Zweifellos erfolgt die Kritik mitunter auch in bester Absicht und mit dem red- lichsten Willen der Welt. Nur daß es leider wenig auf den guten Willen ankommt und desto mehr auf die Wirkung. In bester Absicht und mit dem redlichsten Willen haben diese Herren von der bürgerlichen Presse, die heute ihren Witz an der Sozialdemokratie üben, auch der weiland Demo- kratischen Partei ihre Ratschläge erteilt. Nachdem nun dort nichts mehr zu beraten übrig geblieben ist. wenden sie ihre Sorgfalt der Sozialdemokratie zu. Ja, die Herren sind mit der SPD. unzufrieden, schrecklich unzufrieden! Warum hat sie, als sie noch an der Regierung beteiligt war, nicht so geniale Einfälle gehabt wie die Papen- Regierung? Warum hat sie nicht festedruff mit dem Be- lagerungszustand regiert? Warum hat sie ihren Gegnern nicht gezeigt, was eine Harke ist! Und wenn sie jetzt Sozia- lifierungsanträge einbringt, warum hat sie dann nicht sozialisiert, solange sie„an der Macht war"? Auf alle diese Fragen könnten die Herren von der bürgerlichen Presse die Antwort mindestens ebenso gut wissen wie wir. Stehen sie doch den Kräften, die in der Zeit unserer Teilnahme an der Regierungsgewalt hemmend wirkten, bedeutend näher! Wenn die Sozialdemokratie in politischen, wirtschaftspolitischen, sozialpolitischen Fragen oft zum Kurz- treten genötigt war, so deshalb, weil sie sich mit b ü r g e r- l i ch e n, auf dem Boden kapitalistischer Privatwirtschaft stehenden Parteien in die Macht teilen mußte, mit denselben Parteien, zu deren Wahl unsere Kritiker von heute auf- gefordert hatten! Wir sind gegen Kritik keineswegs empfindlich. Aber, wenn wir die Kritiker ernst nehmen sollen, so verlangen wir von ihnen, daß sie sich erst einmal zu uns bekennen und versuchen, in unserem Reihen für Besserung zu wirken. Wenn sie das nicht können oder nicht wollen— aus den verschiedensten Gründen, für die wir menschliches Verständnis haben— so steht ihnen ein hochmütiges Absprechen von oben her nicht an. Zwischen der steigenden Erwärmung der bürgerlichen Linkspresse für den Papen-Kurs und den gehäuften Angriffen auf die Sozialdemokratie besteht ein innerer Zu- sammenhang. Wir wiederholen, daß er den Angreifern gar nicht zum Bewußtsein kommen mag— ist dem aber so. so ist das kein Beweis für die Schärfe ihres politischen Urteils. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden wir in ein paar Auf ihrem Lücken! Aus unserm breiien Rücken sind die feinen Herren behende in die Amtlichteit geklettert. Goebbels im„Angriff". Llnö wer hat fein stille dazu gehalten?! Genosse Rothe im Lazarett. Nach siebentägigem Hungerstreik. Der von der Tolk-Kammer des Berliner Tonder- gerichts zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilte Reichs- bannerkamcrad Genosse Max Rothe, der aus dem Be- wußtsein seiner Unschuld heraus seit dem vergangenen Freitag im Hungerstreik stand, ist ins Gefängnis- lazarett übergeführt worden. Beim Genossen Rothe hatte sich gestern sehr starkes Fieber eingestellt. Er phantasierte, und die Gefängnisleitung ordnete deshalb feine Ueberführung ins Lazarett an. Hier wurde die gewaltsame Zu- fuhr vpn Nahrung angeordnet, falls Genosse Rothe weiter auf seinem Hungerstreik beharren würde. Max Rothe hat daraufhin nach siebentägigem heldenhaftem Kampfe gegen daS ihm nach seiner festen Ueberzeugung zugefügte Unrecht im Zustande völliger Erschöpfung den Hungerstreik einstellen müssen. DaS Befinden deS Genossen Max Rothe ist nicht unbedenklich, gibt aber zu ernsten Besorgnissen bei seiner erfreulich kräftigen Körperkonstitution keinen Anlaß. Tie Begründung des am Mittwoch, dem 31. August, ergangenen Urteils, die für daS von der Verteidigung in die Wege geleitete Wiederaufnahmeverfahren von der größten Wichtigkeit ist, ging auch gestern dem Vertreter deS Genossen Rothe noch nicht zu. Tag für Tag sind von diesen Kammern nach den sondergeseßlichen Bestimmun- gen neue Urteile zu fällen, und eS scheint, als ob die Kammer nicht die Zeit habe, der Verteidigung eines in einem mehr als zweifelhaften Falle Verurteilten die Begründung mit der nötigen Beschleunigung zuzustellen! Gefängnis für Kassenbewachung. Das Hirschberger Sondergerichl verurteilte einen sozial- demokratischen Gemeindeverlreter, der bei einer sozialdemokratischen Versammlung die Kasse bewachte und sich zu seinem Schuh einen Schlagring neben die Bank gelegt hatte, zu drei Vlonaten Gefängnis. Das Gericht erklärte offen, daß es ihm sehr leid tue. diesen milden Fall so schwer ahnden zu müssen, man sei aber an das Geseh gebunden. Die Dunkelkammer. Die Arbeitsmarktlage nach dem Bericht der Reichsanstalt. Stach dem Bericht der Reichsanstalt für ArbeitSver- mittlung und Arbeitslosenversicherung für die Zeit vom 16.— 31. August 1932 waren am 31. August bei den Arbeitsämtern rund 3 225 000 Arbeitslose gemeldet. Gegenüber dem«tand von Mitte August ist diese Zahl um rund 158 000 niedriger. Während der BerichtSzeit haben sich die neuen Bestimmungen über die Prüfung der Hilfsbedürftigkeit und über die Abgrenzung des Perfonenkreises der Arbeitslosen noch weiter ausgewirkt, gleichzeitig hat aber der Arbeitsmarkt einzelner Berufsgruppen auch eine tatsächliche, überwiegend in der Jahreszeit be» gründete Entlastung erfahren. Welchen Anteil diese der- schiedcnartigen Einflüsse an der Gestaltung deS zahlen» mäßigen Gesamtergebnisses haben, entzieht sich der Fest- stellung. Am 31. August entfielen auf die Arbeitslosenver- sicherung rund 698 000, auf die Krisenfürsorge rund 1 298 000 HauPtunterstüßungSemPfänger. Bei Not- standsarbeiten der wertschaffenden ArbeitSlosenfürsorge waren schähungSweise 65 000 Personen beschäftigt. Im freiwilligen Arbeitsdienst wurden Ende August rund 130 000 tatsächlich beschäftigte Arbeitsdienstwillige ge- zählt. Die Zahl der von den Gemeinden betreuten�Wohl- fahrtserwerbSlofen, die nach den neuen Grundsätzen der Notverordnung von den Arbeitsämtern anerkannt wur- den, belief sich auf rund 2 016 000. * Von den 5K Millionen Arbeitslosen, die noch zu den Arbeits- ämtsrn gehen, sind nur noch 698 000 oder 13 Proz. von der Arbeits- Tagen schon wieder in einem' W a h l k a m p s stehen. Da von der bürgerlichen Demokratie so gut wie nichts übrig geblieben ist, da das Zentrum mit den Nazis kuh- handelt, die KPD. aber für den Wert politischer und sozia- ler Volksrechte prinzipiell kein Verständnis haben darf, gibt es in Deutschland nur noch eine einzige Macht, die im- stände ist, gegen feudale und faschistische Reaktion den Kampf zu führen: das ist die S o z i a l d e m o k r a t i s ch e P a r t e i! Diese Macht zu st ä r k e n. ist jetzt die gemeinsame Aufgabe aller, die Deutschland nicht als eine großkapitalistische Despotie, sondern als sozialen Volks st aat wollen. Zur Schärfung der Waffen mag Kritik nützlich und not- wendig sein; aber nur dann wird sie heilsam wirken, wenn sie von Begeisterung und Opfermut für die große Sache der kämpfenden Arbeiterklasse und des Sozialismus getragen ist. Versuche von der bürgerlichen Presse her, durch er-� fundene Meldungen und scheinradikale Kritik Unruheund Zersetzung in die Reihen der Sozialdemokratischen Partei zu tragen, kann nur der für aussichtsreich halten, der die Disziplin und die politische Urteilsfähigkeit ihrer An- Hänger nicht kennt! losenversicherung unterstützt. Rechnet man hinzu die Nichtunter- stützten. Die auch der Reichsarbeitsminister auf hunderttausende schätzt, dann dürften heute nicht viel mehr als zehn von hundert auf sechs Wochen einen problematischen Rechtsanspruch auf Unterstützung haben. Praktisch ist die Arbeitslosenversicherung also beseitigt. Wie hoch die Zahl der Arbeitslosen in Wirklichkeit ist, das wagt die Reichsanstalt nicht einmal zu schätzen. Wie wird es erst werden, wenn die Schiebungen einsetzen werden zur Erlangung der 400-Mark-Prämie und der gesenkten Löhne! Die Lsnternehmer sind zufrieden Weitgehende Llebereinstimmung mit der Reichsregiernng. Kampf der Reaktion! Schritte des Bundesvorstandes des AOGB. Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes hat seine Vertreter bei der vom Reichsarbeitsminister zum 8. September anberaumten Besprechung beauftragt, energischen Pro- test gegen die ungeheuerlichen arbeiterfeindlichen Maßnahmen der Reichs- regierung zu erheben. Darüber hinaus wird in den nächsten Tagen der vom Vorstand einberufene B u n d c s a u s s ch u p zu den durch den Erlaß der neuen Notverordnung drohenden wirtschaftspolitischen Gefahren und den sozialpolitischen Angriffen gegen die Arbeitnehmer Stellung nehmen. Ferner soll von der Rcichsrcgicrung gefordert werden, daß die deutschen Rcgierungsvcrtrctcr auf der am 21. September in Genf beginnenden Tagung des Vcrwaltungsxats des vsA A.» in der über den Antrag der italienischen Regierung betreffend Durchführung der Vierzigstundenwoche entschieden werden soll, sich mit größter Entschiedenheit für die internationale Verständigung über eine allgemeine gesetzliche Einführung der Vierzigstundenwoche einsetzen. Neichsiags-Auflösung? Göring geht zu Hindenburg.— Die Entscheidung liegt beim Reichspräsidenten. Der Empfang des Reichstagspräsidiums beim Reichs- Präsidenten von Hindenburg ist jetzt endgültig auf Freitag vormittag 11� Uhr festgesetzt worden. -i- Am Montag tritt der Reichstag wieder zusammen. Sein Schicksal entscheidet sich aber bereits in den Besprechungen, die für Ende dieser Woche zwischen dem Reichspräsidenten und dem Reichstagspräsidium vorgesehen sind. In diesen Besprechungen will Reichstagspräsident Göring dem Reichspräsidenten einen Ueberblick über den Stand der Verhandlungen zwischen Nationalsozialisten, Zentrum und Bayerischer Volkspartei geben. Man be- absichtigt, dem Reichspräsidenten zugleich in großen Zügen das Regierungsprogramm einer schwarz- braunen Koalition zu unterbreiten und wird ins- besondere Wert auf die Feststellung legen, daß die schwarz- braune Koalition nur verfassungsmäßig regieren wird und auf lange Sicht zu arbeiten gedenkt. Von diesem Gesichtspunkt aus soll gegenüber dem Reichspräsidenten ferner unter Beweis gestellt werden, daß der gegenwärtige Reichstag arbeitsfähig ist und eine arbeitsfähige Mehrheit besitzt. Alles das läßt erkennen, daß die Verhandlungen der schwarz-braunen Koalitionspartner in ihren Grund- zügen ziemlich weit fortgeschritten sind. Allerdings konnte man nach dem Wortlaut einer Rede, die am Dienstagabend in Berlin von dem Reichstagspräsidenten Göring vor SA.-Lsuten geholten wurde, das Gegenteil an- nehmen. Aber sowohl von maßgebender Seite, des Zentrums als auch vqn nationalsozialistischer Seite wird immer wieder die Entschlossenheit betont, den schwarz-braunen Block zu- standezubringen und übereinstimmend darauf verwiesen, daß die Besprechungen„gute Fortschritte" machen. Am Donners- tag werden die Wirtschaftssachverständigen der an den Veichandlungen beteiligten Parteien zur Be- ratung wirtschaftlicher Fragen zusammen- treten. Man hofft in dieser Beziehung auf eine grund- sätzliche Klärung noch vor den Besprechungen bei Hindenburg. Die Entscheidung darüber, inwieweit die Verhandlungen der schwarz-braunen Koalitionspartner einen praktischen Nutzen haben werden, liegt schließlich beim Reichs- Präsidenten. Nach der Papen-Prcsse wird er sich gegen eine Koalition von Nationalsozialisten, Zentrum und Bayerischer Volkspartei für von Papen entscheiden. Jnwie- weit das richtig ist und inwieweit der Reichspräsident eine derartige Stellungnahme mit der Verfassung vereinbaren will, bleibt abzuwarten. Eine Entscheidung gegen' die schwarz-braune Koalition ist gleichbedeutend mit der Aus- lösung des Reichstags: denn in diesem Falle besteht kein Zweifel darüber, daß die Aufhebung der letzten Not- Verordnung der Barone mit überwälngender Mehrheit beschlossen und der Reichstag der Papen-Regierung zugleich fast einstimmig sein Mißtrauen bekunden würde. Selbst- verständlich würde die Papen-Regierung derartigen Ent- scheidungen durch die Auflösung des Reichstags zuvorkommen. Im anderen Falle, also wenn der Reichspräsident sich seine Entscheidung über die Pläne der schwarz-braunen Koalitionspartner vorbehalten oder sich gar zustimmend äußern sollte, würden Nationalsozialisten und Zentrum bis auf weiteres auf Abstimmungen über die Aufhebung der letzten Notverordnung bzw. die Mißtrauensanträge gegen die Regierung durch Vertagung des Reichstags verzichten und versuchen, ihre Besprechungen mit Volldampf zu Ende zu führen und eine Regierung auf die Beine zu stellen. Aber wahrscheinlich ist dieser Fall nicht. Man muß damit rechnen, daß schon in der nächsten Woche ein neuer W a h l t a m p f beginnen wird. Ltnsere Redner. Lobe und Tornow sprechen zur Ziegierungderklärung. Der vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion hielt am Mittwoch eine durch zwei Fachausschüsse erweiterte Sitzung ab. Er beschäftigte sich mit der i n n e n p o l i t i s ch e n L a g e und dem bevorstehenden Zusammentritt des Reichstags. Auch wurden die mit dem Wehrmemorandum der Reichsregierung im Zusammenhang stehenden wehr- und außenpolitischen Fragen be- sprachen. Als Redner für die Debatte über die Regierungserklärung wurden zunächst die Abgeordneten L ö b e und T a r n o w bestimmt. Die Herren Kapitalisten sind mit Papens Programm der kapitalistischen Offensive zufrieden. Das Wolff-Büro teilt mit: „Am Mittwochvormittag fand im Reichswirtschaftsministerium eine Aussprache zwischen den an der Durchführung des Wirtschafts» plans hauptbeteiligten Ministern, der Reichsbank und führen- den Persönlichkeiten der Unternehmerschaft statt, die hinsichtlich der Bedeutung und des Zweckes der erlassenen Rot- Verordnung und der weiteren Behandlung der noch bevorstehenden Aussührungsbestimmungen ein« weitgehende Ueberein- st i m m u n g erzielte." Aber selbstverständlich, warum sollte dabei auch nicht eine weitgehende Uebereinstimmung erzielt worden sein! Wenn die Arbeitgeberverbände die Notverordnung selbst fabriziert hätten, wäre sie nicht anders ausge- fallen! Die Herren Unternehmer hatten sich also bereit erklärt, die Beute einzukassieren, die ihnen zufällt. Sie sind gewohnt, Riesenbeträge als Geschenke entgegenzunehmen, seitdem sie Liquidationsentschädigungen und Ruhr- gelber erhalten haben. Was haben sie mit diesen Geldern angefangen? Die Herren Unternehmer haben bisher immer, wenn sich ihnen der große Säckel öffnete, Riesenbeträge aus denSubventionenabgezweigt.um ihre Fonds zur Bekämpfung der Republik und der Ar- beiterfchaft zu verstärken. Sie werden es auch diesmal tun und mit Hilfe der Steuergutscheine die Löcher wieder zu- stopfen, die die Finanzierung des Faschismus in ihre Fonds gerissen hat. Das ist auch eine Form der Ankurbelung der Wirtschaft! Sie haben Anlaß, in jeder Richtung zufrieden zu sein! Das Geschäft mit Hitler, in dessen Verfolg Papen zur Macht gelangte, hat sich gelohnt. Klausener noch nichi gegangen. Ein amtliches Dementi. Am Miltwoch oerlautete, daß Ministerialdirektor K l a u s e n e r, der Leiter der Polizeiabteilung im preußischen Innenministerium, und der Leiter der Kommunalabteilung dieses Ministeriums, Mini- sterialdirektor Dr. von Leyden, ihrer Aemter enthoben werden sollen. Amtlich wird die Nachricht dementiert. Tatsache bleibt dennoch, daß Ministerialdirektor von Leyden sein Amt in nächster Zeit oerlassen soll, um eine Funktion beim preußischen Verwaltungsgericht zu übernehmen, und daß schon seit langer Zeit Bestrebungen im Gange sind, an Stelle des Ministe- rialdirektors Klausener einen Schle'icher-Mann zu setzen. Dabei ist von Leyden rechtsstehender Volksparteiler und Ministe- rialdirektor Klausener rechtsstehender Zentrumsmann. Aber sie haben zusammen mit Seoering gearbeitet und das ist in den Augen derer von der„neuen Staatssührung" immerhin eine Sache, die einer Sühne bedarf. Die„Vorwärts"-Interpellaiion. Und die verfassungstreuen Nazis. Die sozialdemokratische Fraktion hat ihre Interpellation gegen das jüngste„Vorwärts"- Verbot, die wegen eines Satzes von dem nationalsozialistischen Reichstagspräsidenten beanstandet wurde, jetzt in veränderter Form wieder ein- gebracht. Sie hat den von Herrn Göring beanstandeten Satz, in dem von der Sozialdemokratie als der großen, auf dem Boden der Ver- fassung stehenden Partei gesprochen wurde, dahin abgeändert, daß der„Vorwärts" als das Zentralorgan der„zweitgrößten" auf dem Boden der geltenden Reichsverfassung stehenden Partei bezeichnet wird. Die Nationalsozialisten können sich jetzt also nicht mehr ge- kränkt fühlen. Ihr Reichstagspräsident wacht streng darüber, daß ihre Treue zur republikanischen Verfassung nicht angezweifelt wird! Deutsche Helden unter sich. SA. über Stahlhelm.— Stahlhelm über SA. „Nachtwächter der Reaktion" hatte der„Angriff" die Stahlhelmer genannt. Daraufhin hat er aus dem pikfeinen Hotel Exelsior folgenden Brief bekommen, den er im Facsimile wiedergibt: Schriftleikung des„Angriff" z. H. des Dr. Goebels. M.d.R. Sie erlauben sich uns— alte Frontsoldaten—„Nachtwächter" zu nennen. Sic, der feige Drückeberger, der nie Pulver gerochen! Besehen Sie doch zuerst die scheißfarbig bedreßten SA.- und SS.-Operettensiguren, diese bunte Gesellschaft größtenteils jugend- lichcr Idioten, Narren, Abenteurer, Desparados, Kommunisten und sonstiger Verbrecher! Die sind— mit wenig Ausnahme— nichtmal für Nachtwächter geeignet! Dämpfen Sie Ihre Stinkdrüsen, mähigen Sie Ihre Kloppe, Sie hysterischer Scheißhausen, sonst gibts Maulschellen.— Ein Scheiß- Haufen und nicht Scheißkerl nennen wir Sie, denn nichtmal in Verbindung mit Scheiße sind Sie vor uns ein„Kerl",—. Mit gebührender Mißachtung Drei alte Haudegen des Stahlhelms. Das ist dsr Ton, in dem die Helden der Nation sich mit- einander unterhalten. Wie wär's, Herr Scholz, wenn man für den nationalkonzentrierten Rundfunk ein kleines Hörspiel daraus machte, natürlich mit dem Deutschlandlied zum Schluß: „Wenn es nur zu Schutz und Trutz« Brüderlich zusammenhält." Hitler fühlt sich gesund. Eine Rede im Zirkus Krone in München. Hitler hat gestern in München im Zirkus Krone«ine Rede gehalten, die einige interessante Dinge enthüllt. Nach heftiger Polemik gegen Papen heißt es in dieser Rede: „Wenn Papen glaube, daß sich die nationalsozialistischen Anhänger ihm gegenüber neutral verhalten, so sei das eine falsche Spekulation. Die Partei habe sich nur neutral verhalten, s o- lange sich Hitler neutral verhalten habe." Das ist das Zugeständnis, daß Hitler sich Papen gegenüber neutral verhalten, also ihn toleriert hat. Weiter folgt ein Bekenntnis zur Koalitionspolitik: „Man wirft uns vor, wir wollten jetzt plötzlich mit anderen Parteien eine Koalition bilden. Darauf sagen wir: Wir wollen mit anderen Parteien die Rechte des Volkes wahren, wenn es schon nicht anders geht. Wir schrecken vor gar nichts zurück. Wenn Hugenberg mir sagt, dann geben Sie Ihre heiligen Parteigrundsätze preis, so erwidere ich: O, Herr Hugen- berg, sorgen Sie sich nicht um meine Grundsätze, sondern um die Ihren I" Schließlich wird er großmäulig wie immer: „Ich verkaufe die Partei nicht für einen Ministerstuhl, für einen Titel, den sie mir anbieten. Da kämpfe ich lieber weiter, ein Jahr, zwei Jahre, wenn es fein muß, drei Jahre. Und wenn die Herren sagen, wir werden es nicht aushalten, so sage ich, mein großer Gegenspieler, der Herr Reichspräsident, ist 85 Jahre alt und ich bin 43 Jahre alt und ich fühle mich ganz gesund, das kann ich den Herren oersichern, und habe die Ueberzeugung, daß mir gar nichts zustößt, weil ich daran glaube, daß mich die Vorsehung für eine Arbeit bestimmt hat. Ich kann Ihnen weiter sagen, daß meine Zähigkeit und Beharrlich- keit durch nichts erschüttert wird, und bis ich einmal 85 Jahre alt bin, lebt Hindenburg schon längst nicht mehr. Wir kommen einmal an die Reihe, nachgeben werde ich nicht." Daß Hitler 43 Jahre alt ist, läßt sich nicht bestreiten, daß er sich dabei ganz gesund fühlt, ist eine sehr subjektive Auffassung. Wenn er im übrigen bis zum 85. Lebensjahre warten will, um daim sicher zu sein, daß Hindenburg nicht mehr lebt— so hat er noch reichlich Zeit. l�öhm kapituliert. Er gibt die Echtheit seiner Briefe endgültig zu. München, 7. September.(Eigenbericht.) Am Mittwoch sollte vor der Ferienzivilkammer des Landgerichts München Rohm» Einspruch verhandelt werden, den er gegen die Abweisung der Klage gegen den Schriftsteller Dr. Helmut Klotz und dessen bekannte Broschüre über Röhms Liebesbriefe erhoben hatte. Bis zur Reichstagswahl Ende Juli hatten es Röhm und sein Anwalt Luetgebrune verstanden, die endgültig« Entscheidung über die Klage immer wieder hinauszuschieben. Jetzt sollte Röhm für seine Behauptung, die veröffentlichten Briefe seien Fälschungen, geradestehen. Unmittelbar vor Beginn der Verhandlung ließ Röhm dem Verteidiger des Beklagten Klotz und ebenso dem Gericht eine Erklärung zustellen des Inhalts, daß er seinen Einspruch und damit die Klage zurückziehe. Der Antrag auf ein Verbot der Weiterverbreitung der Klotz-Broschüre ist damit rechtskräftig zurückgewiesen, und Röhm hat alle Kosten des lang- wierigen Verfahrens zu tragen. Zur Sicherstellung der Bezah- lung dieser Kosten durch Röhm wurde die Verhandlung auf den 2t). September vertagt. Mit der Zurückweisung der Klage ist auch die Verleumdungs- anzeige Röhms gegen Severing hinfällig, in der Röhm behauptete, Seoering habe als preußischer Innenminister die angeblichen Briefe amtlichen Akten entnommen und zum Zwecke politischer Ausnutzung photographieren lassen. Alie Spruchdichiung. Zum Thema Eteuergutscheine. Zahl nicht mit Geld, das dir erst winkt, Iß nicht den Fisch, eh' man ihn bringt! Kollegen. Der Reichskanzler von Papen übermittelte dem früheren Reichskanzler Michaelis zu seinem 75. Geburtstag telegraphifch seine ausrichtigsten Glückwünsch«. Richtig, Herr Michaelis! Warum ist er nicht Reichskanzler als Brünings Nachfolger geworden? Der sogenannte polizeiunlersuchungsausschuß des Preußischen Landtags trat gestern zusammen. Der nationalsozialistische Bericht- erstatter trug vor, daß zunächst 300 Fälle geprüft werden sollten. Am Donnerstagvormittag soll der Ausschuß die Vorgänge auf der Lynarwache in Berlin prüfen. In Glogau wurden zwei Kommunisten festgenommen, die mäh- rend der Manöverübunge» urner den Magdeburger Pionieren Zer- setzungsschriften verteilt"hatten, was aber die Soldaten sofort an- gezeigt hatten. Luftkrieg. Die Perspektive zum nächsten Krieg. An der Ostseeküste von Schleswig-Holstein und Mecklen- bürg Hai unter Teilnahme der Marine, der Behörden, der Polizei, der Feuerwehr und von Verbänden eine sogenannte Luftschutzübung in größtem Ausmaße stattgefunden. Es wurde Krieg gespielt. In Kiel stand die ganze Stadt unter dem Eindruck der Uebung. Schulkinder erhielten Mullbinden um den Mund und wurden so ins Freie geführt. Hunderte von Angestellten eines Warenhauses mußten die Flucht in bombensichere Keller üben, die Sirenen heulten, und am Abend wurde die Stadt völlig verdunkelt— alles wie im Kriege. Es fehlten nur noch das Krachen der einschlagenden Bomben, die Giftgaswolken und die wirklichen Todesopfer. Man bereitet sich würdig vor auf den nächsten Aus- bruch des Wahnsinns. Der Friede ist im Kurs ge- s u n k e n, und während ein System von Verträgen den Krieg ächten und den Frieden sichern soll, rechnet man"immer stärker mit dem nächsten Kriege mit den fürchterlichsten Waffen. Denn wäre das nicht der Fall— welchen Sinn und welche Bedeutung hätte ein Kriegsspiel, das eine ganze Provinz und ihre Städte ergreift und beteiligt? Es geht von solchem Kriegsspiel, das nach dem Vorbild anderer Länder nun auch in Deutschland geübt wird, eine psychologische Wirkung aus, die dem Willen zum Frieden und zur Verständigung der Völker schweren Abbruch tut. Dies Kriegsspiel setzt einen Feind voraus, der unter Bruch der Verträge zum Kriege schreitet und den Krieg mit den grausamsten Mitteln des Gaskrieges aus der Luft gegen die Zivilbevölkerung führt. Wer soll dieser Feind sein? Die Bevölkerung, die unter dem Eindruck dieser Uebung steht, muß sich Gedanken über diese Frage machen. Sie wird zu dem technisch-militärischen Bild, das vor ihr aufgerollt wird, sich das politische Bild ergänzen. Daraus erwächst be- stimmt nicht der Geist des Friedens und des Willens zur Verständigung, sondern Haß, der die Beziehungen zwischen den Völkern vergiftet. Wir denken mit Schrecken daran, wie ein solches Kriegsspiel auf die heranwachsende S ch ul j u g e n d wirken muß, die aktiv daran beteiligt wird. Es wird in ihr das Gefühl erzeugt, daß sie in einer Zeit lebt, in der täglich ein feindliches Luftgeschwader über ihrer Heimat erscheinen könnte, Tod und Vernichtung säend! Vor dem Weltkriege haben Sensationsschriftsteller sich bemüht, Bilder vom kommenden Kriege zu entrollen. Heute werden diese Bilder in größtem Maßstab behördlich vor- geführt! Mit Schrecken denken wir angesichts dieser Spiele, die nicht nur in Deutschland geübt werden, an die Zukunft Deutschlands und Europas. Diese Spiele legen Zeugnis ab von wachsendem Mißtrauen, nicht von wachsender Ver- ständigung! Das ist nicht moralische Abrüstung, sondern un- moralische Aufrüstung, und es wäre die Aufgabe einer wirk- lichen Abrüstungskonferenz, solche Kriegsspiele international zu verbieten. Wie viele der Kinder, die in Kiel Zeugen und Mitspieler der Uebung: Fliegerangriff auf Kiel gewesen sind, werden die Frage stellen:„W ann kommt der nächste Krieg?" Zweierlei Lustiztempo. Gerichte mit und ohne Zeit. Di«„große Sensation" von Moabit ist der Prozeß Taro gegen Petschek. Nicht zwei Menschen, nicht zwei Familien, zwei Jnter- essentengebiete prozessieren gegeneinander. Stickstosf gegen Braun- kohle, Caro gegen Petschek— das Beweismaterial füllt ein halbes Dutzend Lederkoffer und ein halbes Dutzend Advokaten kämpsen für Caro und Petschek. Der Vorsitzende. Herr Ohnesorg«, ist bemüht „die Psyche jedes Zeugen nach Möglichkeit bis ins Letzte zu ver- stehen". Wie lange wird der Prozeß dauern? Ein paar Wochen, einige Monate... Die Justiz hat Zeit, die Rechtsanwälte ver- dienen an jedem Derhandlungstag mehr als gewöhnliche Sterblich« in einem Monat, und die bürgerliche Sensotionspresse hat ihren großen Gerichtsfaalschlager: Stickstoff-Caro gegen Braunkohlen- Petschek! Das Streitobjekt sind 400 000 Mark Mitgift. Unter dem gleichen Dach, fast Tür an Tür mit Herrn Ohne- sorges„großen" Prozeß, verhandelt das Sondergericht. In der- selben Zeit, in der bei Herrn Ohneforge e i n Zeuge vernommen wurde, traten vor dem Sondergericht Tolk fünf bis zehn Zeugen an die Barre. Dort bemüht man sich die Psyche jedes Zeugen bis ins Letzte zu verstehen, hier genügt es. daß die Angeklagten„in dem Haufen waren", der angeblich gegen Hakenkreuzler gewalttätig vorging. Die Psyche der Angeklagten? Einer von ihnen will erzählen, wie die Hitler-Soldoten Tag für Tag die Arbeiterschaft bis aufs Blut gereizt und bedroht haben. Man winkt ab: das gehört nicht zum Prozehgegenstand! Kronzeuge gegen die acht angeklagten Arbeiter ist ein'nationalfozialistifcher Edelmenfch, der sich aufs Denunzieren versteht, der Verteidiger will die Glaubwürdigkeit dieses Zeugen erschüttern und stellt unter Be- weis, daß der Hakenkreuzler gelogen hat: er hat dem Gericht eine Adresse angegeben, unter der er bis Jannuar gewohnt haben will— die Adresse soll falsch sein! Der Vorsitzende winkt ab: wozu soll man das feststellen? Bor zehn Minuten waren wir drüben im Verhandlungssaal Ohnesorge, da drehte sich die Verhandlung eben um die weltbewegende Frage, ob Iustizrat Beering im Mai 1930, just als ihn der gegnerische Anwalt suchte, ins Riesengebirge verreist war und nicht einmal seine Adresse zurückgelassen hatte. Und ob auch der Herr Petschek zur selben Zeit nach München verreist war. Vor dem Sondergericht berichtet inzwischen einer der Angeklagten: „Am Abend, vor dem Zusammenstoß hatten die Nazis die Straße abgesperrt und gerufen: Wollt ihr nicht verschwinden, jetzt wird hier ausgeräumt wie in Treptow." Darauf der Vorsitzende:„Haben Sie noch etwas zu erklären?" Und der Angeklagte:„Wer gehört eigentlich in die Höchste Straße, wir, die wir dort wohnen oder die anderen?" Aus diese Frage ist das Sondergericht die Antwort schuldig geblieben. 5)err Tolk halte es eilig, auf dem Gang warteten noch so viele Zeugen. Gestern um 12 Uhr wurde vor dem Sondergericht das Urteil gefällt, fünf Arbeiter wurden für 1 bis 2 Zahre ins Zuchthaus geschickt. unter ihnen ein ISjöhriger Bursche. Die Angehörigen schluchzten laut auf, als man die Verurteilten abführte. Nebenan bei Caro und Petschek ging die Verhandlung munter weiter. 400 000 Mark Mitgift sind zwar für Caro und Petschek ein« Kleinigkeit, eigentlich führen beide den Prozeß mehr um die Ehre als um das Geld— ober die Justiz hat's nicht immer eilig, manchmal nimmt sie sich sogar Zeit, die Psyche der Zeugen zu studierenV Zweierlei Maß? Auch zweierlei Tempo! Und beides unter dem gleichen Dach in Moabit. Krankreichs Antwort. Eine offiziöse Verlautbarung: gegen Aufrüstungspläne. Paris, 7. September. Wie havas nach dem Heuligen Kabineltsrat mitteilt, hat Ministerpräsident h e r r i o t den Entwurf der Note verlesen. den er alz Antwort aus die deutsche Denkschrisk in der Frage der Rüstungsgleichberechtigung vorbereitet hat. Dieser Text werde endgültig erst nach dem Ministerrat angenommen werden, der wahr- scheinlich am Freitag stattfindet, und wenn die englische Regierung dem MmisterprSsidenlen ihre Ansicht zur Kenntnis ge. bracht haben wird. Obwohl die sranzösischen Minister keine bestimmten Angaben über den Inhalt der Rote machten, ist es doch klar, so heißt es in der Havas-Depesche weiter, daß dieses Dokument eine Prüfung der juristischen und politischen Probleme enthält, die durch das deutsche Schriftstück aufgerollt wurden. Die Rüstungsmöglichkeiten Deutschlands seien durch den Versailler Vertrag f e st g e s e h l. Dieser Vertrag sehe übrigens nur eine a l l g e- weine Beschränkung der Rüstungen vor. aber entholte keine Bestimmungen im Hinblick aus jene Rüstungsver- mehrung, die Deutschland fordere. Es stehe weder Frankreich noch Deutschland zu. die Klauseln des Versailler Vertrages zu ändern: ollein die Unterzeichner dieses Vertrages hätten diese Macht. Aber die für eine solche Re. vision notwendigen Verhandlungen könnten nach den Be- stimmungen des Vertrages selbst zu einer Herabsetzung der Rüstungen nur führen, wenn man für die interessierten Mächte aus das Mindestmaß Rücksicht nehme, das mit ihrer nationalen Sicherheit und mit der Durchführung der durch eine gemeinsame Aktion ihnen auserlegten Internationalen Verpflichtungen vereinbar sei sArlikel S des Friedensverlrages). In einer besseren Organisierung des Friedens könne sich schließlich die Lösung des durch die Reichsregierung aufgerollten Problems finden lassen. Poris verweist Deutschland an Genf. Paris. 7. September.(Eigenbericht.) Die Pariser Presse ist sich über den Inhalt der französischen Antwort vollkommen einig. Sie dürste insofern eine Absage darstellen, als Frankreich jedes weitere Zwiegespräch mit Deutsch- land, jede Sonderoerhandlung ohne Hinzuziehung der übrigen Mächte, ablehnt. Im übrigen behauptet man hier, daß Frankreich der Reichsregierung die Alternative stelle: entweder handele es sich bei den deutschen Militärforderungen um eine glatte Abänderung und Ersetzung des Teils V des Versailler Ver- irages und in diesem Falle sei der Völkerbund zuständig, oder es handele sich tatsächlich um die Gleichberechtigung, aber in der allgemeinen Abrüstung. In diesem Falle habe sich Deutschland an die A b r ü st u n g s k o n s e r e n z zu wenden. Gewisse Bläter, wie das„Journal des Debats", wollen wissen, daß die sronzösische Regierung gleichzeitig gegen die letzten Aeußerungen des Reichs wehrministers v. Schlei» cher Protest erheben werde. England wartet ab. London, 7. September.(Eigenbericht.) Schleichers O st preußenrede ist in der englischen Presse bisher kaum besprochen worden. Man erkennt mehr und mehr, daß die Hoffnung, Deutschland wolle durch seine Forderungen nach Rüstungsgleichheit vor allem lediglich einen Druck auf die Abrüstungskonferenz ausüben, sich nicht rechtfertigen läßt. So wird das„i n j e d e m F a l l e" Schleichers auf die Frage, ob er in jedem Falle zum Schutze Ostpreußens gerüstet ist, ausgelegt. Das Foreign Office ist nicht überrascht und weder Schleichers noch Neuraths Aeußerungen ändern etwas an der bisherigen außen- politischen Haltung der englischen Regierung. Diese Haltung ist abwartend. Gonderjustiz gegen Reichsbanner. Neuer Fall in Breslau, das fthwerverlehte Opfer der Nazis auf der Anklagebank. Breslau, 7. September.(Eigenbericht.) Vor dem Sondergericht beim Landgericht in Breslau be- gann am Mittwoch vormittag die in der politischen Oeffentlichkeit Breslaus mit großer Spannung erwartete Verhandlung gegen den Breslauer Ortssekretär der Sozialdemokratischen Partei, Genossen Max Kukielczinski, sowie gegen 2 2 Reichsbannerleute und zwei Nationalsozialisten, denen vor- geworfen wird, am 29. Juli, allo unmittelbar vor der letzten Reichs- tagswahl, an einem schweren Aufammenstoß In der Breslauer Süd- vorftadt beteiligt gewesen zu sein. Die Anklage lautet gegen die Reichsbannerleute auf Landfriedensbrych, zum Teil auf schweren Landfriehensbruch, gegen die beiden SA.-Leute auf schweren Land- friedensbruch und Körperverletzung. Gegen Kukielczinfki, der von den Nazis überfallen und niedergeschlagen wurde und dann eine schwere Gehirnerschütterung erlitt, isf Anklage wegen Rädelsführerschaft und schweren Landfriedenzbruchs erhoben. Zwei Propogandawagen der SPD. mit wenigen Mann be- setzt— wurden in der Gallestraße angepöbelt Dos wurde Kukiel- czinfki, der zu Haufe in der Nähe dieser Borsälle weilt, mitgeteilt. Er machte sich auf den Weg, allein, unbewassnet und ohne Abzeichen, wurde überfallen und mit ollen mög- lichen Werkzeugen mißhandelt und schwer verletzt Währenddessen kam ein Wagen mit Reichsbannerleuten, die Fahnen- stangen abgeholt hatten, des Weges. Die Reichsbannerleute ver- suchten. Kukielczynski zu befreien. Den 20 Reichsbannerleuten auf dem Auto standen etwa 200 bis 300 tobende und lärmende Nationalsozialisten auf der Straße gegen- über, die wahrscheinlich, wäre das Auto nicht dazwischen gekommen, Kukielczinski nicht mehr lebend aus ihren Fängen gelassen hätten. Das Ueberfallkommando— von Sozialdemokraten, nicht etwa von den Nazis angefordert— aber machte sich die Arbeit leicht und nahm die Reichsbannerleute, die im Be- wußtsein ihrer Unschuld keinen Versuch«lachten, sich der Festnahme zu entziehen, mit, während aus der Razimeute schließlich mir zwei Mann, der Bäckermeister Paul Scharmentke und der- Angestellte G. Lux identifiziert wurden, sich nun ob der Mißhandlungen an Kukielczinski zu verantworten haben. ?die Verhandlung wird voraussichtlich wci Tage in Anspruch nehmen. Als Zeugen werden insgesamt 53 Personen vernommen. Die Zeugen xekrutieren sich f a st a u s s cb l i e ß l i ch aus dem Lager der Hakenkreuzler. die Kukielezinski überfallen und mißhandelt hatten. Im Laufe des Mittwcch wurden die Verhafteten und die Be- lastungszeugen vernommen. Von den Angehörigen der Eisernen Front, die aus der Anklagebank sitzen, hak sich, wie die Reichsbannerleute bekunden. niemand an den Täklichkeiten beteiligk. Die Reichsbannerkameraden waren auf einem Lastkraftwagen vom Gewerkfchaftshaus gekommen und hatten Fahnenstangen aus der Bauhütten-Tifchlerei holen wollen. Unterwegs wurde ihnen bekannt, daß zwei Propagandawagen der SPD. von Nationalsozialisten überfallen worden waren. Darauf änderte der Reichsbannerwngen die Fahrtrichtung. Am Ort des Zusammenstoßes angelangt, sprangen fofort mehrere Reichsbannerleute vom Wagen herab, um dem von zahlreichen Nazis angefallenen und blutüberströmt am vürgersteig liegenden Parteisekretär kukielczynski behilflich zu sein. Zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen ihnen und den um- stehenden Passanten kam es nicht, da die Polizei die Reichsvonnsr- leut«, die übrigens ausnahmslos ohne Waffen waren, sofort vcran- laßt«, ihr Lastauto wieder zu besteigen. Einige der angeklagten Reichsbannerleute. die sich nicht auf dem Kraftwagen befanden, sondern zufällig in der Nähe geweilt hatten, betonen gleichialls, mit den Ausschreitungen nichts zu tun gehabt zu haben. Kukielczynski, der in den Prozeh als Nebenkläger auftritt, sagt« aus, daß er schon an den Tagen zuvor des öfteren von Nationalsozialisten in der Nähe seiner Wohnung bedroht worden sei. Unmittelbar vor dem Ueberfall sei ihm mit- geteilt worden, daß Nationalsozialisten in der Nähe seiner Wohnung die Werbewayen der Eisernen Front bedrängt hätten. Er habe des- halb seine Wohnung verlassen, um nach diesen Wogen Umschau zu halten. Auf der Straße sei er nach wenigen Schritten von Nazis, unker denen sich u. a. der Mitangeklagte Lux befand, erkannt, aus das unflätigste beschimpft und geschlagen worden. In diesem Augenblick sei zugleich das Reichsbannerauto eingetroffen. Dann fei er besinnungslos zusammengebrochen. Als er das Bewußtsein wieder erlangte, habe er neben sich zwei Reichs- bannerleute gesehen, die von den Nationalsozialisten auch brutal ge- schlagen worden waren. Schließlich sei er, ohne auch nur ein einziges Wal zurückgeschlagen zu haben, von seinen Kameraden nach Hause und später zum Arzt'geschafft worden. Die beiden Mitangeklagten Nazis leugnen, wie man das aus ähnlichen Prozessen gewohnt ist, trotz schwerster Belastungen durch die anderen Angeklagten jede Teilnahme an der gemeinen Nieder- knüppelung des sozialdemokratischen Parteisekretärs sowie an den sonstigen Ausschreitungen. Sie stellen ihre Mitschuld hartnäckig in Abrede. Die Belastungszeugen, ohne Ausnahme Leute, die der NSDAP. angehören oder den Nazis politisch nahestehen, machen ihre Aussagen im Sinne der Anklage und in ausfälliger lleberein- sllmmung.* Sie alle haben angeblich deutlich gesehen, daß die Reichsbanner- leute vom Wagen gesprungen seien und dann mit Latten auf das Publikum eingeschlagen hätten. Aus die Frage des Vorsitzenden an die Angeklagten, wie sie sich zu der Darstellung der Belastung?- zeugen stellen, antworteten alle 22 Reichsbannerleute, daß keiner von ihnen mit Latten geschlagen habe. Ein Teil der Be- lastungszeugen ist von interessierter nationalsozialistischer Seite e r st wenige Tage vor der Verhandlung zusammen- gesucht und dem Gericht benannt worden. Einer der Belastungs- zeugen wurde von Kukielczynski als einer der Naziraufbolde er- kannt, die ihm während des Ueberfalls die schweren Kopfver- letzungen beigebracht hatten. Die Berteidigung Kukielczynskis sowie der 22 Reichsbanner- leute liegt in den Händen von Dr. Bandmann- Breslau und Dr. Braun-Magdeburg. Den Vorsitz führt Landgerichts- direktor Schauwecker, die Angeklagebehörde oertritt Staatsanwalt Patschowsti, dessen nationalsozialistische Gesinnung in Breslau zur Genüge bekannt ist. Patschowsti ist prominenkes Mitglied der Breslauer NSBO.. Fachgruppe Justiz. Nachprüfung der Gondergerichtsurteile. In den letzten Tagen hat sich in zunehmendem Maße die Not- wendigkeit herausgestellt, die sofort rechtskräftig gewordenen Urteile der Sondergerichte nachzuprüfen, die von den Richtern in einem beschleunigten Verfahren unter Anwendung hoher durch die Notoerordnung vorgeschriebener Mindeststrafen gefällt werden mußten. Die Deutsche Liga für Menschenrechte hat es daher ehrenamtlich übernommen, die erforderliche Nachprüfung durch einen bei ihr zusammengetretenen Ausschuß hervorragender Juristen durchführen zu lassen. Diese Nachprüfung wird sich-icht nur auf die tatsächlichen Grundlagen des Urteils beschränken, sondern insbesondere auch darauf, ob bei aller Notwendigkeit der Bekämpfung des politischen Terrors einzelne Strafen als-u bart erscheinen, wie dies bei einzelnen Richtcrsprüchen von den Gcilchte» selbst angedeutet worden ist. Die Deutsche Liga für Menschenrechte bittet, ihr die Urteilsausfertigungen der Sondcrgcrichte und etwa vorhanden« Anklageschriften unverzüglich zuzustellen sowie Tag des Strafantritts und die Adresse des Verurteilten mitzuteilen und zwar unter folgender Anschrift: Deutsche Liga für Menschenrechte, Sonder- gerichtsansschuß, Berlin N. 24, Monbijouplatz 10. Die Märtyrer. Vor einiger Zeit wurde in dem in Dresden erscheinenden Nazi- blatt, dem„Freiheitskamps", gemeldet, daß aus den SS.-Anwärter Zimmermann aus Klottendorf bei Meißen von einem Reichsbanner- mann ein Schuß abgegeben wurde, der in der linken Hand Zimmer- manns steckenblieb. Wie die Meißener„Volkszeitung" jetzt dazu mitteilt, hat Zimmermann sich den Schuß selb st beige- bracht, um vor seiner Verwandtschast und seinen Kameraden als Märtyrer zu erscheinen! Katzenjammer vor dem Trunk. Die grundsätzlich neue Staatsführung enthüllt sich. Noch ist die neue Notverordnung für den Lohnabbau nicht in Wirksamkeit getreten und schon stellt sich bei den Kapitalisten die Ernüchterung ein, die gestern auf der Börse zu den Kurs- einbrüchen gesührt hat. Es ist gewissermaßen ein Katzenjammer vor dem Alkoholgenuh. In der Abendausgabe der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" vom Dienstag wurde ausführlich dargelegt, welche unliebsamen Folgen die Notverordnung über den Lohnabbau für die Unter- n e h m e r haben kann.(Die unliebsamen Folgen für die A r b e i t e r und Ange st eilten lassen die„DAZ." natürlich völlig kalt.) Statt einer Beseitigung des Schlichtungswesens sieht die„DAZ." eine Hochkonjunktur für die Schlichter voraus. Der Schlichter soll das Recht haben, dem Unternehmer den Anspruch auf Lohnsenkung bei Einstellung von Arbeitskräften ab- zusprechen, wenn die Mehreinstellungen z. B. durch Verschiebungen der Arbeit zwischen mehereren Betrieben oder Betriebsabteilungen möglich gemacht würden. Mit Recht meint die„DAZ.". daß ein Außenstehender gar nicht in der Lage sei. sich darüber ein richtiges Urteil bilden zu können. Wenn Anteilsquoten ver- ändert werden, so seien die arbeitsmarktpolitischen Verschiebungen überhaupt nicht erfaßbar. Ebenso verhalte es sich, wenn ein Unternehmer T e i l a u f t r ä g e, die er bisher nach außen vergeben habe, in �eigener Regie erledige, um in den Genuß der Prämie zu kommen, um die Löhne für die gesamte Belegschaft senken zu können. Unlösbar erscheine auch die Aufgabe des Schlichters, zwischen s a i s o n m ä ß i g bedingter Mehrbeschäftigung und k o n j u n k t u- r e l l e r zu unterscheiden. Die besten' Gelehrten hätten sich über dieses Problem bisher vergebens die Köpfe zerbrochen. Entweder stelle man ein Schema auf, das alle Mißbräuche zulasse, oder aber jeder einzelne Betrieb werde einer Kontrolle unterzogen, „die bis in die letzten Bücher hineingeht." Entsetzlich! Eine Kontrolle bis in die letzten Bücher hinein! Dadurch gerate die amtliche Lohnpolitik— es ist nicht auszu- denken— in eine Planwirtschaft hinein, die alle bisherigen Staatseingriffe auf die Spitze zu treiben geeignet sei. Mit Planwirtschaft hat nach unserer Auffassung die ganze Notverordnung nichts zu tun. Diese Notverordnung ist vielmehr die planloseste Dilettäntenarbeit. die man sich vorstellen kann, bei der die reaktionärsten Unternehmer- forderungen das Leitmotiv abgaben. Doch hören wir weiter die Kritik des Unternehmerorgans. Werde die Belegschaft in einer einzelnen Betriebsabtelluiig vermindert, so können dadurch auch die Löhne in anderen Betriebsabteilungen getroffen werden, das heißt die normalen Tariflöhne müssen wieder gezahlt werden. Durch die Einschränkung der Produktion steigen aber die fixen Kosten, die dann sich noch um so schwerer fühlbar machen, weil auch die Lohnkosten steigen. Allerdings habe der Unternehmer dann die Möglichkeit, sich als„gefährdeter Be- trieb" zu erklären und vom Schlichter eine ZOprozentige Ermäßigung der Löhne zu verlangen. Schon wieder der Schlichter!— schreibt mißmutig die„DAZ.". Der Kernpunkt der Kritik liegt nach unserer Auffassung in folgender Darlegung: „Die Lohndisferenzierung soll grundsätzlich nicht mehr nach der Leistung des Arbeiters, sondern nach einem arbeitsmarktpolitischen Maßstab erfolgen." Die l e i st u ii g s s ä h i g st e zz Betriebe, die zusätzliche Auf- träge erhalten oder noch auf Lager arbeiten lassen können, würden außerdem noch den Vorteil der Prämien und der Lohn- k ü r z u n g haben, während die weniger begünstigten Unternehmer davon ausgeschlossen werden. Weiter würden die Betriebe, die die Arbeitszeit verkürzt haben, um Arbeiter möglichst nicht zu entlassen, benachteiligt gegenüber den Unternehmungen, die die Arbeiter rücksichtslos entlassen haben und weiter voll arbeiten ließen. Diese würden in den Genuß der Prämien und der Lohnkürzung kommen, während jene davon ausgeschlossen blieben. Dadurch werde auch der natürliche Start bei einem Konjunkturaufschwung umgekehrt. Außerdem nehme der Staat einen arbeitsmarktpolitischen Effekt vorweg, der sonst erst als Wirkung des Konjunkturaufschwungs eintrete. Weiter treffe die Prämie von 400 Mark für jeden neueingestellten Arbeiter die Betriebe durchaus verschieden, je nachdem ob diese kapital- oder arbeitsintensiv seien. Das ganze System könne sehr leicht zu einem Maisenauslrilt aus den Tarisgemeinschasten führen, so daß die Regierung wieder zum Zwangstaris greife» müsse, „auf den sie jetzt erfreulicherweise verzichtet hat". Das sind die Bedenken vom rein kapitalistischen Standpunkt. Sie sind auch volkswirtschaftlich gesehen zum guten Teil durchaus zutreffend. Vom Standpunkt des A r b e i t e r s ist die ganze Notverordnung nicht nur eine elende Pfuscharbeit, sie führt auch zu Differenzierungen in der Entlohnung innerhalb desselben Berufes und desselben Ortes, die durch niwts gerechtfertigt sind. Aus purer Affenliebe zu der soviel gerühmten Unternehmerinitiative werden den Spekulanten und de» skrupel- losen Gründungsschwindlern Geschenke in den Rachen geworfen und es wird ihnen auf Kosten der Arbeiter und der Oeffentlühkeit eine Schmutzkonkurrenz ermöglicht, die erprobte alte und anitändige Firmen gefährden muß. Der Lohn des Arbeiters wird von teute auf morgen allen möglichen Zufälligkeiten ausgesetzt. Er kann grundlos über Nacht um 25 Proz. sinken und wieder steigen, je nachdem ob die Zahl der Arbeiter sinkt oder steigt. Diese ganze Notverordnung zeigt, daß die„grundsätzlich neue Staatsführung" nur imstande ist, Porzellan engros zu zerschlagen. Massenenilassungen. Die?iegierunq kurbelt die Wirtschast an. Die Eisenbahnerorganisationen haben bei der Reichsregierung gegen die Massenentlassungspläne der Reichsbahn einen Protestschritt unternommen. Die Hauptverwaltung hat bisher auf den Protest der Tarijorganisationen gegen die Vorbereitung der Massenentlassungen stets erklärt, es sei kein Geld da. Die Eisenbahnergewerkschaftcn fordern daher von der Reichsregierung die Bewilligung von Mitteln, da es an Arbeitsgelegen- heit bei der Reichsbahn nicht fehlt. B a u st o f f e und Bau- Material für größere Umbauarbeiten sind vorhanden. Not- wendig wären lediglich verhältnismäßig geringe Ausgaben für Arbeitslohn. Der Reichsverkehrsminister hat den Eisenbahnerorganisationen mitgeteilt, daß der Hauptverwaltung der Reichsbahngesellschaft im Rahmen des vom Reichskanzler bekanntgegebenen Wirtschafts- Programms Mittel in Form von Steuergutscheincn zufließen werden. Diese Mittel würden zur Finanzierung von Arbeitsaufträgcn Verwendung sinden. Auch werde das Verkehrs- Ministerium bemüht fein, aus diesen Zuwendungen an die Reichs- bahn Mittel zur Finanzierung von Oberbauarbeiten einzusetzen. Diese Beritstellung von Mitteln wird, wenn nicht in letzter Stunde die Reichsbahnhauptverwaltung einlenkt, den Abbau kaum aufhalten i denn die Mittel werden nur in ungenügendem Maße bereitgestellt oder zu spät kommen. Zurzeit ist schon Zehntausen- den von Eisenbahnarbeitern das Arbeitsverhältnis ausgekündigt. Nach wie vor sind trotz aller Dementis und Beruhigungsversuche nach den Anordnungen der Hauptverwaltung im ganzen Reich 52 lM„Bahnunterhaltungearbeiter" aufs ernsteste vom Abbau be- droht. Sie sollen bis Ablauf des September entlassen sein. Diele „Bahnunierhaltuugsarbeiter" sind in Wirklichkeit zum allergrößten Teil Leute aus dem Betriebs- und V�rkehrsdienst, die zum Teil sogar jahrzehntelang Beamtendienst verrichtet haben, aus ihren früheren Dienststellen jedoch in die Bahnunterhaltung überwiesen wurden. Und warum erfolgten diese Ucberweisungen? Weil im Betriebs- und Verkehredienst der Reichsbahn trotz der großen Arbeitslosigkeit 54 Stunden und noch länger gearbeitet wird. Gegen Lohnabbau. Kür Fünftagewoche mit Lohnausgleich. Iii Bern nahm ein außerordentlicher Kongreß der schweizerischen Gewerkschaften gegen den Lohn- a b b a u Stellung. Der Kongreß forderte Herabsetzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden unter Aufrechterhaltung des Lohnes. Als Deckung für die durch die Arbeitsbeschaffung und die Unterstützung der Arbeitslosen entstehenden Ausgaben schlug er eine eidgenössische Krisensteuer auf hohe Vermögen und Ein- kommen vor. Am 41 September finden in allen größeren Orten des Landes Massenkundgebungen für diese Forderungen statt. Llntermenschen. Was sich ein Führer einer„Arbeiterpartei" leistet. Eine unglaubliche Naziroheit eines nationalsozialistischen Guts- besitzers gegen eine wehrlose Landarbeiterin hal sich vor einiger Zeit in C a m m e r a u in Schlesien zugetragen. Die Deputantensrauen waren dort wie üblich am Sonnabend- nachmittag mit dem Brotbacken für die Familie beschäftigt. Als die Landarbeiterin L., Mutter von acht Kindern, ihren sertig herge- richteten Brotteig züm Backhaus trug, das sich in der Nähe der Wohnung befindet, kam der Rittergutsbesitzer Mendrzyk auf sie zu und sagte:„Die Feldarbeit ist wichtiger als euer Brotbacken. Los. raus aufs Feld!" Da die Landarbeiterin L. den Backofen bereits angeheizt und den Brotteig fertig hatte, machte sie darauf auf- merksam, daß sie aus diesen Gründen nicht aufs Feld gehen könne. Weiter wies sie darauf hin, bereits 5'A Tage in der Woche Feldarbeit geleistet zu haben und daß der Sonnabendnachmittag ihr gehöre. Den Brotteig lasse sie sich nicht verderben', denn sie wisse nicht, wie sie sonst für die starke Familie Brot auf den Tisch bringen solle. Auf den Herrn Rittergutsbesitzer machten derartige Einwände keinerlei Eindruck. Er schloß das Backhaus zu, um das Backen zu verhindern. Da die Landarbeiterin ihren Brotteig nicht verderben lassen wollte, oersuchte sie sich trotzdem Eingang zu dem Backofen zu verschaffen und entfernte mit einer Axt dys Vorhänge- schloß. Der Rittergutsbesitzer Mendrzyk schloß daraufhin kurzerhand die Arbeiterin in dem erhitzten Backhaus ein. In ihrer Verzweiflung schlug die Frau mit der Axt wiederholt von innen gegen die. Tür, worauf der Ritterguts- besitzer die Tür öffnete und die Landarbeiterin L. derartig ver- prügelte, daß die Arbeiterin den Arzt aufsuchen mußte. Als besondere Vergeltung zog der Rittergutsbesitzer dann der Frau a l s Strafe für ihr Verhalten 2,50 Mark von dem verdienten Wochenlohn ab! Eine derartige Handlungsweise, verübt an einer wehrlosen Frau, Mutter von acht Kindern, kann nicht scharf genug verurteilt werden. Der Rittergutsbesitzer Mendrzyk ist führend bei den Nationalsozialisten in Schlesien tätig. In Cammerau und ilmgegend nennt man ihn nicht anders als den„N a z i h a u p t- mann", da auch seine beiden Söhne als SA.-Führer für die Hakenkreuzler tätig sind._ Die Zahl der Arbeitslosen in Großbritannien betrug am 22. August 2 8 59 8 28, das ist 48 04 6 mehr als am 25. Juli ur d 126 046 mehr als zur entsprechenden Zeit des Vorjahres. »�reie Gewerkfchafts-Iugend Verlin Heute, Donnerstag. 8. Sevtember, um IS',- Uhr, tagen die Gruppen: Südosten: Jugendheim Reichenberger Str. 88.„Das Iugcndprogramm des ÄDGB."— Tcmpelhos: Jugendheim Lyzeum lSermaniastr. 4— Der Zugang erfolgt durch den Eingang Götzstraße, auf der hinteren Seite der Schule.„Der Arbeiter in Italien."— Moabit: Jugendheim Lehrter«tr. 18—1». Altuellc Sewerffchaftssragen: X.„Der Faschismus im Betrieb".— Staalcn: Jugendheim 17. Volksschule, Gartenstadt, Nirchplatz, Endhaltestelle Autobus 31. „Gewerkschaften und Generalstreik."— Schönhauser Tor: Iutzcndheim Tieck. strage 18.„Dir Frau in der Politik."— Osten: Jugendheim Frankfurter Allee 307. Lönszimmrr.„Folgen der Reichstagswahl."— Landsberger Platz! Jugendheim Dicstclm�erstr. 5.„Hat der Proletarier ein Vaterland".— Lichten- borg: Jugendheim Doyestr. 2ll. Heimbesprcchung. Berbandsbüchkontrolle.— Ren-Lichtenberg: Jugendheim Guntcrstr. 44.„Nazis und Kirche."— Gewerk- lch-ftshaus: Jugendheim Engelufer 24—25, Saal 11.„Wir schieben Reklame". — Gesundbrunnen: Jugendheim Rote Schule, Gotenburger Str. 2.„Umbau der Wirtschaft, eine zeitgemäße Forderung."— Schlesischcs Tor: Jugendheim Man- tcuffclstr. 7.„Reformismus oder Repolution" lTaktik der Fragcl.— Köpenick: Jugendheim Grünauer Str. 5(Nähe Bhf. Spindlersfeld). Wir lesen aus dem Buch„Bub und Mädel".— Iugcndgruppc des Deutschen B-ileidungsarbeiter- Verbandes: Jugendheim Sedastiansrr. 27— 38. Froher Sing- und Spielabend.— treffen sich" zur Abfahrt' nach' Brandenburg am Sonntag,"!!. Septembir,' um 7>„ Uhr, Bcrnburger Ecke Köthener Straße. t Iuaendaruppe des Zentralverbandes der Anoestellten Heute. Donnerstag, finden folgende Veranstaltungen statt: Norden: Jugendheim Lortzingstr. Ig. Kurzreferate.— Osten: Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. Ein wirklich bunter Abend.— Treptow: Jugendheim Elfenstr. 3 lPrioathaus). Vortrag:„Die Lage im Fernen Osten: Rußland".— Die„Freie A»gestelltenb-n« e. S. m. u. A. tagt beute von 1g>� bis 22 Uhr im Verbandshaus.— Spiele im Freie» ab 18 Uhr Sportplatz Tiergarten. Der„Vorwärts" erscheint wochenläglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel»Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage«Boll und Zeit". Anzeigenpreise: Die e i n sp a I t. Millimeterzeile 30 Pf.. Reklamezeile 2.— M» „Kleine Anzeigen'- das fettgedruckte Wort 20 Pf.(zulässig zwei fettgedruckte Worte) jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über td Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Millimeterzeile 25 Pf. Familienanzeigen Millimeterzeile IS Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße z, wochentäglich von SV, bi» 17 Uhr Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeigen vor! Verantwortlich für Politik: Victor Schiff; Wirtschaft: S. Kliagelhöser; Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner; Feuilleton Herbert stepöre;� Lokales und"' � Verla: _ Hierzu I Beilage. nchmcr er, um Für die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme an dem Verlust meiner lieben Frau Lmm! Uticlner tzeb Traube sage ich hierdurch meinen herzlichsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Krifo Llnckner »MMMMM-Willll! Adilung! Adilnng! Verwalt angsinilgüeder! Freitag, den 9, September 1932, keine Sitzung der Mittleren Orteverwaitung. «ruppen- Versammlung der lauaaulsleiler. Sonnabend, den 49. September, abends S Ahr(20 Ahr), im Lokal von Aafehte, 0Z4, Matternflr. 44 eine Iufammentnnft aller Zaunaussteller Sroy-vertins. Tagesordnung wird in der Versammlung ietanntgegeben. Ohne Mitgliedsbuch kein gutritt. Die Ortsverwaltung. ■■—..... Genossen finden sreundl. RS Ausnahme, gute Verpfl ■ Pension 3 M bei 5 Mahl- zeiien, teine Nedenlost Schön. Rosengart. m. anschiieß. Liegewtese nahe lannenwaid. Deinrldi Karges, Harrlehausee Del Seesen. Augias-Rennen Hoppegarten HEUTE 3% Uhr Staat» Theafer Donnerstag,, den 8. September staatsoper Unter den Linden 20 Uhr (Neueinstudiert) Othello staaiiiches Schauspielhaus 20 Uhr Die Räuber TBol. 5 u.»yt Uhr JACKSHEA WILSON, KEPPEL BETTY /TOGARE LAI-FOUN/ GENIA NIKOLAJEWA TRIO OARESCO usw. PLA«a Nlhc Sdiln. M. S e. 815, Sigs. 2,5, 816 U. E7 Wtldnil«131 Oer liebe Augustin Rose"Theater InSi Frankfurt, r Stnti 132 Id. Wildiul E 1 3421 8,30 Uhr Aerzte im Kampf Qeiitsdies Thcaler Weidendamm 520'.. 8 Uhr Wunder um Verdnn Dram.Dichtung von Hans Chlumberg Begie: Karl Heinz Martin. Kassenpreise von 0,50 M. bis 11.50 M Kammerspiele Weidendamm 5201 Morgen Freitag. 9. Sept.. 8 Uhr Uraufführung: „Schicksal nach Wunsch" Komöiliev. Christa Winsli» Regia; Rudolf Beer Milnr. Uli tick, ffiinauo. Abel, Mishiini. Bnusnrih» o llvr l z. Flora 3434 Haofflen en. Das berühmte DAYELMA- BALLETT 3 Swifts, Rudi Grasl und weitere Künstler-Truppen, die überall als VARIETE> ELITE bezeichnet werden Berlins« BETRIEB% KEMPIHSK1* J Stettiner Sänger Reichshallen-Theater (Dönhoffpiatz) Merkur 4.«. 1247. Dlr.Melsel Tägl 8.15 Uhr, Sonntags 3�0 Uhr(ermäßigte Pr./ ErUfrnongnproeramin mit der Burleske Freibad Krumme Laake Neue Kräfte, Preise 0.50 bis 2.25 M. Vorverkauf 11—2, 5— 9 Uhr. sv, uhr CflSiUO-IHEfllEH s,'.uh. Lothringer Strafte 37. iimitiitniiniiiiiimMiiiiMHiiiiiiiniiiiHiiiiiiiiHMHiiiiiimiiiiiilii Gutschein für die Leser l— 1 Personen Fauteuil nur 0,75 M., Sessel 1,25 M. Gültig auch Sonntag nachm. 4 Uhr Jinnemarie Volksoperette- Musik von Gilben l>azn ein bunter Teil. StädLOper Charloilenburi! Frauenhofer 0231 Donnerstag, 8. Sept. Turnus III Und ine Anfang 19,30 Uht Dirigent: Breisach Nettesheim, Cavara, Hflsch, Schirach, Baumann, stand l. Gombert Schiller Grolmansir. 70/71 SteinpL(C 1) 6715 Täglich 8 Uhr „Die versonkene Glocke" Kassenstunden tägl. 10—20 Uhr fTheater Im-4 lAdmlralspaiast I Täglich 8>4 Uhr Gitta A l p a r in Katharina J I eulni-fliBi« Heute 8 Uhr Premiere Grete Mosheim Oskar Homolka in Pygmalion Theaterd.Vestens Ibis 25. Septemb. 1 täglich 8*1* Uhr 1 Stgs. 4 u. 8lJ* U. 1 Richard| Tauber in Dreimäderl- haus metropoi-iheater I Täglich S'U Uhr I Sritzi Massary Eine Frau, öle«eil, wa« sie will I Erstklassige Qualitäten Liter l/i Fl. Feinster Weinbrand-Verschnitt....... 2.85 2.25 Reiner deutscher Weinbrand***....... 3.80 2.95 Feinster Jamaika-Rum-Verschnitt........ 3.70 2.90 Pa. Nordh. Branntw. u. Richtenberger ca. 32% 2.25 1.86 Extra prima Getreidekorn 40%......... 3.20 2. SO Prima Edelliköre, alle Sorten............... 2.45 Prima deutscher Wermut„Triestine"..... 0.85 0.70 Original ital. Vino Vermouth........... 1.16 0.95 Original süße Südweine.............. 1.20 0.95 Original spanischer Rotwein........... 1.00 0.80 Echte weiße, süße und rote Bordeauxweine.— 1.50 Prima deutsche Weißweine............ 0.60 0.50 bei Preise exkk Glas Extra-Angebot„1925— 30 Tischweine"..... nur O.SO Prima Dessertobstweine, süß.... Liter von 0.70 an Erstklassige Fruchtsäfte, ganz rein.... Liter 1.30— 1.45 Ausschank vom Faß vom kleinsten Quantum ab Kostproben gratis in allen mit* versehenen Geschäften •N, Brunnenstraße 42 •N, Müllerstraße 144 "N, Chausseestraße 76 O, Koppenstr. 87 *N, Prenzlauer Allee 50 *N. Schivelbeiner Str. 6 •O, Petersburger Str. 42 *SO, Grünauer Str. 15 •SO, Köpenicker Str. 121 *SW, Bergmannstr. 11 •W.Martin-Luther-Str.86 •Steglitz; Schloßstr. 121 ♦NW. Gotzkowskystr.31 •NW. Wilsnacker Str 25 ♦Charlottenburg; Wilmersdorfer Str. 157 ♦Neukölln: Berliner Str. 12, Hermannstraße 27 und Bergstr. 66 •Schöneberg: Kolonnenstraße 7 *Oberschöneweide;Wilhelminenhofstr.40 ♦Spandau: Potsdamer Straße 23 ♦Weißensee: Berliner Allee 247 ♦Tempelhof: Berliner Straße 152 •Pankow: Wollankstr. 98 ♦Lichtenberg: Wismarplatz 1 Reinickendorf: Markstr. 45 Schmargendorf: Berkaer Straß« 5 Potsdam: Charlottenstraße 69 •Oranienburg: Berliner Straße 1 Eduard Süßkind Nr. 423* 49. Jahrgang Beilage des Vorwärts Donnerstag, 5. September 4932 Wieder ein Frauenmord. Bluttat an 56 jähriger Sprach'ehrerin. Die Mordkommission wurde in den gestrigen Abendstunden nach dem Hause Tempelhofer Ufer 32 alarmiert, wo die 3K Jahre alte Sprachlehre» rin Emma C a r l» Brüscato in ihrer Wohnung tot aufgefunden wurde. Verdächtige Umstände und einige Verletzungen am Kopf und Hals der Toten gaben zu dem Verdacht Veranlassung, datz ein Verbrechen vor- liegt. Nach den polizeilichen Ermittelungen und dem Ergebnis der ärztlichen Untersuchung scheint es sich um einen Lustmord zu handeln. Die Wohnung zeigte größte Unordnung und es besteht außerdem der Verdacht, daß der Täter die Behältnisse durchwühlt und nach Geld oder Wertsachen gesucht hat. In unmittelbarer Nähe der Stelle, an der die Tote gefunden wurde, entdeckten die Be- amten an der Tapete mehrere B l u t s p r i tz e r. Allem Anschein nach ist die Tat in den gestrigen Nachmittagsstunden verübt worden. Das mutmaßliche Verbrechen wurde durch die Tochter der Er- mordeten entdeckt, als sie ihre Mutter in den Abendstunden bcstchen wollte, jedoch keinen Einlaß erhielt. Frau Carl ist die Gründerin der italienischen Emigranten-Liga. Die Büroräume dieser Liga sind in der Wohnung der Frau Carl untergebracht. Das Verbrechen an Frau Carl scheint bereits am Dienstag verübt worden zu sein. In den Büroräumen der Liga war zur Zeit wenig zu tun und Frau Carl wollte daher verschiedene Räume oermieten. Am Dienstag war bereits ein Interessent dort und hat auch bei Frau Carl vor- gesprochen. Nach dem Besuch dieses Mannes, der auch von Hausbewohnern beobachtet wurde, ist Frau Carl nicht mehr gesehen worden. Der Ehemann der Ermordeten ist Lektor bei einer staatlichen Pressestelle. Die beiden Töchter im Alter von l9 und M Iahren wohnen bei dem Vater. MieiersfreiK in der Sladivoglei Führungen durch die wohnzelien der Berliner Wanzenburg. Die skandalösen wohnzustände in der ehemaligen Sladlvogtei am Molkenmarkl, die der„v o r w ä r l s" vor wenigen Wochen ausdeckle und die eine Znterpellalion der sozialdemokratischen tandtagssraktion zur Folge hatten, haben seht die teidlragen- den Hausbewohner in den Mieterstreik getrieben. Am Molkenmarkt herrscht Hochbetrieb. Massenansamm- l u n g e n von Menschen scharen sich vor der ehemaligen Hausvogtei, die, reich illustriert mit Zeichnungen, Sprüchen und Aufrufen, die Aufmerksamkeit jedes Vorübergehenden erregt.„M ieterstreikin der Berliner Wanzenburg", die gesunde Empörung von Menschen, die von einem allzu geschäftstüchtigen Hausgestrengen in ganz unglaublicher Weise übers Ohr gehauen wurden. Wir haben das Aussehen dieser„Appartements" in unserem oben erwähnten Artikel bereits ausdrücklich geschildert, ebenso die geradezu horrenden Mietpreis«, die die Hausbewohner dafür bezahlen müssen. Im Hose stehen, erregt debattierend, die Mietparteien und geben jedem der vielen Neugierigen bereitwilligst Auskunst. Jeder kann die„Pracht- räume" selbst ansehen.„Von meinen 34 M. Unterstützung muß ich 21 M. für dieses Loch bezahlen", schreit eine Frau voll Verbitterung: „bitte, sehen Sie sich den Raum doch an, ob ich zuviel gesagt habe." Und wirklich, was sich den Beschauern da präsentiert, das kann man nicht als eine menschenwürdige Wohnstätte bezeichnen. Ein muffiger, moderiger Raum, an den Wänden nur mehr schäbige Reste des Verputzes, kein Ofen, das Loch, wo das Ofenrohr in die Wand mündete, mit Papier verstopft, kein Licht. Eine armselige Petroleumfunzel verbreitet kümmerliche Helligkeit. Die Gänge finster, verschmutzt, richtige Gesängniskorridore, jede der Türen trägt ja auch noch die Zellennummer und die stabile Türsassung. „Der Herr Pächter traut sich ohne Schupo überhaupt nicht mehr in sein Haus", erzählen die Mieter:„er weiß auch warum." Die Verbitterung dieser armen Menschen ist zur Siedehitze gestiegen, sie haben genug des Wuchers und des menschenunwürdigen Wohnens. Durch Chikagoer Erpresser ruiniert. � Unterschlagungen auf dem Generalkonsulat in Chikago. Mit der Unterschlagung von Geldern, die auf dem deutschen Generalkonsulat in Chikago geschehen war, hatte sich die 3. Straf- kammer des Landgerichts I zu befassen. Der Täter, der Konsulatssekretär Willi S t r e h l o w, gab die Schuld an seinen Verfehlungen einem Erpresser aus der Chikagoer Unterwelt, der ihn ruiniert und seiner Konsulatslaufbahn ein vorzeitiges Ende bereitet habe. Strehlow hatte in Chikago eines Abends nach Beendigung seiner Tätigkeit auf dem Konsulat eine Bar besucht, in der geschmuggelter Alkohol ausgeschenkt wurde. Nachdem er sich dort an Whisky be- trunken hatte, wachte er am nächsten Morgen zu seiner Ueberraschung in dem Zimmer eines jungen Mädchens auf. In dieses Zimmer trat dann ein Mann, der sich als Kriminalbeamter vorstellte und nur gegen die Zahlung einer hohen Kaution von einer Verhaftung Strehlows Abstand nahm. Von diesem„Krimi- nalbeamten", einem Angehörigen der Chikagoer Unterwelt, will nun Strehlow fortgesetzt erpreßt worden sein. Als er die geforderten Beträge nicht mehr von seinem Gehalt bezahlen konnte, vergriff er sich an Geldern, die auf dem Konsulat von Amerikanern deponiert waren. Kurze Zeit darauf wurde Strehlow nach Rotterdam versetzt. Um seine Versehlungen zu ver- tuschen, nahm er die Akten über diese Konten mit. In Rotterdam fand man eines Tages die Chikagoer Papiere und entließ den un- getreuen Konsulatssekretär, der bald daraus in Berlin ver- hastet wurde. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Ange- klagten zwei Jahre Zuchthaus. Das Gericht verurteilte ihn wegen Amtsunterschlagung und Urkundenbeseitigung zu einem Jahr dr«i Monaten Gefängnis. „Zest der Schule" im Stadion. Im Grunewald st adion veranstaltet am Sonntag, dem 11. September, der Verein für das Deutschtum im Ausland(Deut- scher Schulverein E. V.) ein„Fest der deutschen Schule". Mit dieser ersten großen Kundgebung, mit der der VDA. in Berlin an die Oefsentlichkeit tritt, will der VDA. an seine Gründung erinnern, an den unter Mitwirkung sllhrender österreichischer Sozialdemo- kraten, wie Pernerstorfer und Viktor Adler, ins Leben gerufenen Deutschen Schulverein, aus dem der VDA. hervorging und dessen Namen er noch heute führt. Sport, Turnen, Bewegungsspiele, Massenchöre, Tänze, Trachten- bilder, ein Fackelzug und der Zapfenstreich, gespielt von den Schupo- kapellen, vereinen die IS tzllö Schüler und Schülerinnen aller Berliner Schulen, darunter 8000 Volksschüler, die beim Fest der deutschen Schule mitwirken. Alle Deutschen im Reich und im Auslande eint die Sorge um Erhaltung und Ausbau khrer Schulen, denen sie ihr höchstes Gut. ihre Kinder, anver- trauen— mit diesem Ruf wendet sich derJBDA. in einem Aufruf, den der Berliner Oberbürgermeister Dr.«ahm, der Oberpräsident Dr. Maier und Vizepräsident König des Berliner Provinzialschul- kollegiums mitunterzeichnet haben, an alle Schulen Groß-Berlins mit der Bitte um Mitarbeit. Kommt doch die Arbeit des VDA. Haupt- sächlich de» etwa 14 000 deutschen Schulen im Ausland zugute, und da im Ausland nur eine ganz geringe Zahl höherer Schulen besteht, handelt es sich dabei fast ausschließlich um die Betreuung der d«ut- schen Volksschulen Die nationale Phrase gleitet notwendigerweise an dieser Jugend ab, die sich ja gerade im vollen Bewußtsein ihrer Gegensätze und im vollen Bewußtsein ihrer weltanschaulichen, poli- tischen und klassenmäßigen Trennung in bestimmter sachlicher Be- treuungsarbeit zusammenfindet und sich eine praktische Aufgabe gestellt hat: Die deutsche Schule im Inland hilft der deutschen Schule im Ausland. Messerstecher in der Linienstraße. Fünf Passanten von einem Betrunkenen verletzt. In einem Lokal in der Linienstraße hatten gestern am späten Nachmittag zwei Männer eine größere Zeche gemacht und als es ans Bezahlen ging, stellte sich heraus, daß beide kein Geld hatten Der Wirt wies den Zechprellern die Tür. Auf der Straße be- gannen die Männer, die angetrunken waren, zu randalieren. Einer von beiden zog ein Messer und drohte, in das Lokal einzudringen und dem Wirt einen Denkzettel zu verabreichen. Mittlerweile hatten sich zahlreiche Passanten angesammelt. Einige Männer versuchten den Betrunkenen zu entwasfnen, bevor er Unheil anrichten konnte. Dabei kam es zu einem Handgemenge, bei dem der Bcwasfnete fünf Passanten erheblich verletzte. Erst als das alarmierte Ueberfallkommando eintraf, konnte der Messerstecher überwältigt werden. Die Verletzten erhielten aus der Rettungsstelle in der Lothringer Straße erste Hilfe. Reichshilfe für Berlin? Stadthauechattsdefizit um 45 Millionen verringert. Der Stadtkämmerer berichtete in der gestrigen M a g i st r a t»- sihung über den augenblicklichen Stand des Haushalts. Das Defizit von 113 7Sg 730 Mark, mit dem der Etat bei der Beendigung der Beratungen der Stadtverordneten vor den Ferien ab- schloß, hat sich inzwischen durch die Notverordnung vom 14. Juni 1932 um rund 32 Millionen(erhöhte Beichshilse). durch die preu- hische Notverordnung um 6,4 Millionen(Sparabzug bei den Gehältern) und durch die letzte Reichsnotverordnung um etwa 7 Mit- lionen(Bürgersteuer in den Monaten Oktober bis Dezember) ver- r i n g e r t. Dieser Verbesserung stehen eine Reihe von Unsicherheit»- f a k t o r e n gegenüber, durch die das Defizit im Laufe des Jahres unter Umständen vergrößert werden kann. Die Steuer- e i n g ä n g e haben zwar in den ersten vier Monaten des Haushalts- jahres ungefähr die Höhe des Voranschlags erreicht, aber es ist mindestens fraglich, ob sie auch im Rest des Jahres diese Höhe halten werden. Es muß weiterhin mit der M ö g l i ch k e i t« i n e r S t« i- gerung der Wohlfahrtsausgaben im lausenden Jahre gerechnet werden, denn den Voranschlägen ist ein Jahresdurchschnitt von 300 000 Wohlfahrtserwerbslosen zugrunde gelegt. Diese Zahl ist bereits im Juli erreicht worden, so daß sich der Jahresdurchschnitt auf 330 000 bis 340 000 erhöhen kann, wodurch eine Mehrausgabe von 20 bis 2S Millionen entstehen würde. Schließlich ist auch die Abführung der W e r k s ü b e r s ch ü f s e in der vorgesehenen Höhe nicht unbedingt sicher. Eine Verminderung des noch verbleibenden Defizits von 6S bis 70 Millionen durch Mahnahmen der Stadt ist nicht mehr möglich. Auch eine weitere Erhöhung der Bürgersteuer, des einzigen noch beweglichen Einnahmefaktors, kann nicht verantwortet werden. Der Magistrat wird deshalb entsprechend dem Vorschlage des Kämmerers der Stadtverordnetenversammlung noch zu ihrer ersten Sitzung nach den Ferien eine Vorlage zur endgültigen Feststellung des Haushalts auf der dargelegten Grundlage unterbreiten. Da die Stadtverordnetenversammlung den Etat selbst bereits durchberaten und den Umlageverteilungsbeschluß gefaßt hat, so handelt es sich jetzt in der Hauptsache um die Festsetzung der Höhe der Bürgersteuer (dreifacher Landessatz wie bisher) und um die Etatifierung des ver- bleibenden Defizits als„zu erwartende Beihilfen des Reiches und Staates." Zu dieser Erwartung ist die Stadt um so mehr berechtigt, als das Reich ausdrücklich eine weitere Hilfe für die Gemeinden zugesagt hat, wenn sich die Berechnungsgrund- läge des bisherigen Zuschusses verschieben sollte. Das ist aber bereits jetzt der Fall. Disziplinarverfahren oegen einen Berliner Notar. Aus Antrag des Generalstaatsanwalts hat der Dienststrassenat des Kammergerichts gegen den Berliner Rechtsanwalt und Notar Kurt Alexander die Einleitung der Disziplinar-Voruntersuchung wegen seines Verhaltens in der Devisenaffäre des Dr. G u t h« r z, des Vertreters des Londoner Bankhauses Singer u. Friedländer, beschlossen. Alexander hatte bei den Transaktionen des Dr. Gut- herz eine Tätigkeit entfaltet, die objektiv geeignet war, diese nach der Devisenordnung verbotenen Geschäfte zu ermöglichen, während in subjektiver Hinsicht es dem Anwalt bei seiner Zeugenvernehmung im Prozeß Gutherz und Genossen geglaubt wurde, daß er von der Rechtmäßigkeit dieser Geschäfte überzeugt war. Durch die jetzige Disziplinaruntersuchung soll festgestellt werden, ob sich Alexander in seiner Eigenschaft als Notar in dieser Sache irgendwelcher Ver- fehlungen schuldig gemacht hat. Ein Berliner Kronichpaar. Auf dem Stadtgut Lanke, das hinter Bernau gelegen ist, hat in diesem Jahre ein Kranichpaar gehorstet. Diese letzten Kraniche der Millionenstadt hatten ihr Heim am Wischsee aufgeschlagen Genosse Pfarrer Bleier spricht am Sonntag, 11. September, 18 Uhr, in der Trinitatiskirche, Charlottenburg, im Rahmen einer religiösen Feierstunde über das Thema„Der Jüngling und der Tod". WtiiMlen Mir lal§dic S-NarKslfldte. Vier Fälscher festgenommen und geständig. Drei Falschgeldwerkstätten. in denen 5-Biark- Stücke hergestellt wurden, sind in den letzten Tagen von der Berliner Kriminalpolizei ausgehoben worden. Die Fälscher sind der 40 Jahre alle Hermann Kaiser aus der Dolziger Straße, der 33 Jahre alte Fritz Küchler aus der Friedrichsberger Straße, der 36 Zahre alte Karl Simon aus Rlahlsdorf und ein jüngerer bisher noch nicht vorbestrafter Mann namens L e o, der am Schtesifchen Bahnhof wohnt. Die vier Männer kennen sich untereinander und haben, anscheinend unter An- leitung von Kaiser. 5-Mark- Stücke en ßros hergestellt. Die vier Festgenommenen sind g e st ä n d i g und dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden. Mitte Juli tauchten in Berlin falsche 5-Mark-Stücke auf, die der Falschgeldstelle merkwürdig bekannt vorkamen. Die Untersuchung ergab, daß sie Aehnlichkeit mit bereits früher ausgetauchten falschen S-Mork-Stücken hatten, die aus der Werkstatt eines bekannten Falschmünzers Hermann Kaiser in der Dolziger Straße herrührten. Als die Beamten Kaiser in seiner Wohnung überraschten, wurde er rabiat und protestierte energisch. Es half aber alles nichts. Bei der Durchsuchung wurden außer falschen S-Mark-Stücken auch das Werkzeug und die Formen gefunden. Kaiser wurde sofort festgenommen und ins Gefängnis gebracht. Aber auch K ü ch l e r und sein Freund Leo hatten von ihm gelernt. In der Wohnung Leos am Schlesischen Bahnhos wurde die zweite Falschgeldwerk statt gefunden. Als die Beamten noch bei der Durchsuchung waren, kam Kllchler, der noch von nichts wußte, ahnungslos hinzu. Er hatte die Tasche voller falscher ö-Mark- Stücke. Im Kreuzverhör auf dem Präsidium legten beide ein Geständnis ab. Der vierte im Bunde war der 36 Jahre alte Karl Simon. S. wurde von anderen Dienststellen bereits wegen Diebstahls gesucht. Er wußte das und hatte sich in einer einsamen Laube zwischen Mahlsdorf und Höhnow«ingemietet, wo er ver- hastet wurde. Kaiser, Simon und Kllchler kennen sich schon lange. Simon, der sich bisher noch nicht mit Falschmünzerei befaßte, hat anscheinend von Kaiser im Gefängnis den ersten Unterricht theoretisch bekommen. Alle drei haben nun getrennt voneinander eine Werkstatt errichtet und auf eigene Faust Falsch st ücke hergestellt. Wie- viel im Ganzen hergestellt wurden, läßt sich nicht übersehen, da die Untersuchung noch im Anfangsstadium steht. m ir■ m in die« ' am Sonntag, 11. Septemher Nadi d. Spreewalfl(Lüöbenau) Q_ Hin- und Rückfahrt RM. ö» NadiAllenliof(WerDElllnsee)R 51) Hin- und Rückfahrt RM. U»ÜU Nadi Bad Saarow 7 Sfl Hin- und Rückfahrt RM.■»tlU Vom Leipziger Platz(Palast-Hotel) Abfahrt 8 Uhr Nadi Bad Freimtwalfle Abfahrt 10 Uhr, Hin- u. Rückfahit RM. Nadi Budtow(Märk. Sdiweiz) R. Abfahrt 11 Uhr, Hin- u Rückfahrt RM. U* Nadi FUtUenonind(Braöowsee) Abfahrt 11 Uhr, H n- u. Rückfahrt RM. N di dem Bötzsee b. Straushern Abfahrt> 3 Uhr. Hio- u. Rückfahrt RM. Nadi dem Samlthsee Abfahrt 13 Uhr, Hin- u. Rückfahrt RM. »nBaof Zd 6.- 4.- 4.- 4.- Auskunft und Karten-Vorverkauf ohne Aufschlag durch die BVQ.-Verkehrsab- teilung, Berlin W 9, Köthener Straße 17, Zimmer 51, Fernruf B 2, LUtzow 9014-19, Apparat 117, werktags von 8—16 Uhr, Sonnabends von 8—13 Uhr und nachdem Auskunft BVG., Leipziger Platz, Fernruf A2 Flora 0038. Verlangen Sie kostenlos Prospakt und August-Programm« Der Meüsule„Wohllahrissisai". Wie die Wohlfahrtspflege jetzt aussieht. Die Mietbeihilfe. lieber die Auswirkungen der durch die Papen-Regierung angeordneten Verschlechterungen in der Wohl- fahrtspslege gehen uns von einer parteigenössischen Wohlsahrtspslegerin INitteilungen zu, die den Abbau des „Wohlfahrtsstaates" sehr deutlich illustrieren. In den neuen Richtlinien ist die„F a m i l i e n H i l f«" als erste Bedingung herausgestellt, die von den um Unterstützung Ein- kommenden beachtet werden muh. Darunter versteht man aller- dings jetzt nicht mehr den Zuschuß, den die mit Familie gesegneten Volksgenossen erhalten, sondern die chilfe, die sich die in einer söge- nannten„F a m i l i e n g e m e i n s ch a f t" Lebenden gegenseitig leisten sollen. Das sieht in der Praxis so aus: Ein älteres Ehepaar— der Mann gehört den freien Berufen an— sieht sein Einkommen immer mehr schwinden. Seit Jahr und Tag wohnt die Witwe ihres sehr jung verstorbenen Sohnes bei ihnen, die noch so glücklich ist, Stellung zu hoben. Der kleine Zuschuß, den sie zur Wohnungsmiete zahlt, ist den alten Leuten sehr willkommen, früher hatten sie ihn nicht nötig. Der Antrag der Leute bei der Wohlfahrt auf Bewilligung wenigstens einer M i e t b e i h i l f e, da die Befreiung von der Hauszinssteuer nicht möglich ist, mußte von der Wohlfahrtskommission mit der Be- gründung abgelehnt werden, daß die bei ihnen wohnende Schwiegertochter verpflichtet wäre, von ihrem an sich nicht hohen Einkommen die Schwiegereltern so zu unterstützen, daß eine Leistung des Wohlfahrtsamtes unnötig ist. Was nun, wenn die Schwieger- tochter diese neuen Bestimmungen für sich nicht für bindend ansieht, die häusliche Gemeinschaft aufgibt und die alten Leute allein in der Wohnung läßt? Dann muß das Wohlfahrtsamt zahlen! Ein anderer Fall: Ein geschiedenes Ehepaar wohnt immer noch in der alten Zweizimmerwohnung. Bis vor kurzem hatten beide Arbeit, der Mann zahlte für das Kind, die gemeinsame Wohnung war billiger, als wenn jeder ein Zimmer oder eine Woh- nung genommen hätte. Da verliert der Mann feine Arbeit, er kommt um Unterstützung ein, weil die Erwerbslosenhilse nicht aus- reicht. Entscheid des Wohlfahrtsamtes: Die Frau hat für die Woh- nungsmiete allein einzustehen, da sie mit dem Antragsteller in „häuslicher Gemeinschaft" lebt. An den Mann wird keine Miet- beihilfe gezahlt, er muß mit seiner Arbeitslosenunlerstützung aus- kommen. Sollte der Mann diese häusliche Gemeinjchast aufgeben, so wird die Wohlfahrtspflege wohl nicht darum herumkommen, dem Arbeitslosen die verlangte Unterstützung zu gewähren, will sie ihn nicht obdachlos machen. Wahrscheinlich kann dann aber auch die Frau bei ihrem geringen Verdienst ihre Wohnung nicht mehr halten. Der Wohlfahrtspflege würden dann also drei Menschen mit einem höheren Betrag zur Last fallen, als wenn man dem Antrag des Mannes auf Mietbeihilfe stattgegeben hätte. Wie jemand mit 90 Mark Monatseinkommen, von dem 30 Mark an Spesen abgehen, ohne Mietbeihilse auskommen soll, dürfte das Geheimnis derer sein, die für die neue Notver- ordnung verantwortlich sind. Der alt gewordene Reisende, um den es sich in diesem Fall dreht, der von 60 Mark im Monat leben und sich kleiden soll und seine bescheidene Wohnung erhalten will, hat zwar hin und her gerechnet: das Ergebnis war eine Eingabe um Gewährung einer Mietbeihilfe. Der Antrag wurde ebenfalls ab- gelehnt, obwohl eine„häusliche Gemeinschaft", die hätte helfen können, nicht besteht. Mit SO Mark im Monat könne man seinen Lebensunterhalt einschließlich Wohnungsmiete bestreiten— so muhte das Wohlfahrtsamt entscheiden. So sieht der abgebaute„Wohlfahrtsstaat" jetzt aus. Inzwischen häufen sich in den Wohlfahrtskommissionen und aus den Wohl- fahrtsämtern die Anträge um Mietbeihilfen, um Gewährung oon Geld, Kleidungs- und Möbelstücken, weil den Opfern der Wirt- schaftskrise die Unterstützungen unerhört gekürzt wurden. An eine fristgemäße und ordentlich« Erledigung der Anträge ist nicht mehr zu denken, es mangelt an Personal, doch wird die Hilfe sich ehrenamtlich zur Verfügung stellender Bürger gern an- genommen— obschon Hunderttausende Angestellter erwerbslos aus den Nachweisen herumsitzen! Linter Kindesmordverdacht. Früherer kommunistischer Landtagsabgeordneter verhostet. Waldenburg(Schlesien), 7. September. Wegen bestialischer Mißhandlung seines elf- jährigen Sohnes wurde der frühere kommunistische Landtags- abgeordnete Bergarbeiter Richard Schulz aus Dittersbach fest- genommen und dem Waldenburger Amtsgericht zugeführt. Die ärztliche Untersuchung des Kindes ergab, daß durch die dauernden Mißhandlungen dem Kinde das Schädeldach eingedrückt ist. Weiter war der rechte Unterarm angebrochen und der Mittel- finger der rechten Hand durchgebrochen. Auf der Schulter. an den Armen und an den Beinen wurden Blutergüsse festgestellt. Der Rücken des Kindes war über und über blutunterlaufen und das Gesicht völlig verquollen. Bei der Durchsuchung der Wohnung fand die Kriminalpolizei den 10jährigen Sohn nicht vor. Schulz erklärte, das Kind befinde sich in Rußland. Bei dem Ver- hör verwickelte er sich jedoch in Widersprüche. Gegen Schulz wurde daher die Untersuchung auch wegen Mordes eingeleitet, da man annimmt, daß er den verschwundenen 10jährigen Sohn zu Tode mißhandelt hat. Der Zustand des unglücklichen 11jährigen Kindes gibt zu Besorgnissen Anlaß. Der Verhaftete ist 33 Jahre alt und spielte in der kommunistischen Bewegung des Waldenburger Berglandes seinerzeit eine führende Rolle. Vor einiger Zeit wurde er aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen. Schulz galt als ein ä u ß e r st b r u t a l e r M e n s ch. Er hatte vor«inigen Jahren die Frau des sozialdemokratischen Abgeordneten O st e r r o t h schwer beleidigt und wund« deshalb oon ihren Söhnen auf der Straße mit der Hundepeitsche gezüchtigt. 40 Eisenbahnwaggons Obst ins Meer. So wirischastet das Kapital. Für 170 000 Mark Obst mußten an der s p a n i s ch- f r a n z ö- sischen Grenze in das Meer geschüttet werden, weil das Obst an der Grenze erst eingetroffen war, als das französisch-spanische Ab- kommen über die Kontingentierung des Obstes bereits in Kraft ge- treten war. An eine Verwertung des Obstes in dem kleinen Grenz- ort war nicht zu denken, Rücktransport in größere Städte hätte sich nicht verlohnt. Also blieb als einzigster Ausweg die Vernichtung des gesamten Obstes, das in 40 großen Eisenbahnwaggons verladen war. Millionen auf der ganzen Welt hungern und Millionenwerte an Lebensmitteln werden aus der ganzen Welt vernichtet, weil die heutige Wirtschaftsordnung die Verwendung der Wirtschastsprodukte nicht wünscht oder nicht durchführen kann. Das ist der Fluch unserer Zeit oder die mit merkwürdigem Stolz gepriesene„kapitalistische Wirtschaftsführung". Der Tod anf der Straße. Beim Ueberfchrdten des Fahrdammes in der Wühlischstraße in Lichtenberg wurde der 77 Jahre alte Rentner Wilhelm Erb aus der Weserstraße 36 in Lichtenberg von einer Autodroschke überfahren und schwer verletzt. Der Greis wurde ins Krankenhaus am Friedrichshain gebracht, wo er seinen Verletzungen er- legen ist.— An der Ecke Stolpische und Driesener Straße, unweit der Schönhauser Allee, wurde gestern abend der 21 Jahre alte Werner R i p p k e aus der Schivelbeiner Straße 3 mit seinem Motorrad von einer Straßenbahn der Linie 34 ersaßt. Das Rad wurde zertrümmert und der jugendliche Motorradfahrer lebensgefährlich verletzt. R. fand im Lazarus-Kranken- haus in der Bernauer Straße Aufnahme. fingierter Ucbersall. Ein Raubüberfall sollte sich— wie berichtet— am Sonnabend vergangener Woche in der K ö r n e r st r a ß e im Tiergartenviertel auf eine Portierfrau abgespielt haben, wobei der angebliche Täter 118 Mark erbeutete. Die Ermittlungen des Roubdezernates ergaben jetzt, daß der Uebersall fingiert war. Die Portier- frau hatte die einkassierten Mieten schon abgeliefert. Durch einen leichtsinnigen Verwandten, dem sie Geld geliehen hatte, war sie in Bedrängnis geraten und kam auf den Ausweg, einen Uebersall zu fingieren, um die Tatsache des verliehenen Geldes vor ihren näheren Angehörigen zu verschweigen. Oer paß nach Güdfrankreich. Couragiertes Mävel deckt einen Schwindel auf. Dem entschlossenen Zugreifen eines jungen Mädchens ist es zu danken, daß ein gemeingejährlicher Schwindler dingfest gemacht werden konnte. Am vergangenen Sonntag stand in einer vielgelesenen Berliner Zeitung ein Inserat: Herren und Damen werden für Filmaufnahmen gesucht, sie mögen sich in der Kantine des Theaters des Westens melden. Viele meldeten sich, bekamen einen Zettel zum Ausfüllen und bald darauf die Aufforderung, unterzeichnet oon einer„Filmbundgemeinschaft", sich in einem Lokal in der Französischen Straße einzufinden. Auch das geschah. In dem Lokal wurde jedem— merkwürdigerweise waren nur junge Mädchen aufgefordert worden, zu erscheinen— 3 M k. Gebühr für einen Paß nach Süd- f r a n k r e i ch abgenommen, wo gefilmt werden sollte, und dann konnten die Erschienenen wieder gehen. Einer Mißtrauischen gefiel dieses ganze Gebaren nicht: sie ging zur Polizei. Ein Beamter kam mit zu dem Lokal, sah sich den merkwürdigen„Agenten" an und verhastete ihn. Eine große Menge um 3 Mk. geprellter junger Mädchen hat sich bereits bei der Polizei gemeldet. September in der Scala. Das Septemberprogramm der S c a l a ist auf Tempo und Bewegung eingestellt. Den Auftakt bilden die guten Reckturner, 4 Rastellis. Das Trio D a r e j e v glänzt im akrobatischen Tanz: zwei Tänzer, die ihre weibliche Partnerin in den ungeheuerlichsten Verrenkungen durch die Luft wirbeln lassen und wieder auffangen. Genia Nikolajewa zeigt Parodien auf Ballett- und Wigman- Tanz. Japanische Artisten, die L a i- F o u n- T r u p p e, sind Akrobaten mit Spitzenleistungen. Ein Untermann, der sich mit seinem Partner mit gestreckten Armen auf der Matte dreht, sich wendet und wieder aussteht, ohne jemals das Gleichgewicht zu verlieren. H o v a r d R i ch o l s ist ein Reifenjongleur. Aber mit welcher Routine kann er gleich mit einem ganzen Dutzend zu gleicher Zeit spielen und ihren Lauf dirigieren. Wilson, Keppel und Betty sind die tollsten Steptänzer, die man sich denken kann. Treppauf, treppab, im Takt der Musik wird gestept, nach einem besonderen System, das den Radstößen eines fahrenden O-Zuges ähnlich ist. Die sieben Fredysons landen vom Sprungbrett zwei, drei Mann hoch, wobei der eine einen Doppelsalto dreht. T o g a r e zeigt Königstiger, die recht böse sind, aber trotzdem ihrem Bezwinger folgen. Schließlich der Clou des Programms: Jack S h e a mit seinen Musikexentrikern. Jeder einzige von ihnen ist ein Meister seines Instruments. Sie machen einen Höllenlärm, aus dem sich schließlich doch immer wieder eine Melodie herausschält. Sie tanzen und singen und dann kriegen sie sich in des Wortes wahrster Bedeutung in die Haare, hauen sich ihre Instrumente um die Köpfe und demolieren alles Erreichbare, so daß die Bühne am Schluß einem Trümmerfeld gleicht. Das ganze hundertprozentiges Amerika, aber auch in Berlin amüsiert es. In der Plaza ist bis zum 15. d. M.„Der liebe A u g u st i n" in der Rotter-Inszenierung zu sehen. Diese beliebte und zeitlose Operette mit der einschmeichelnden Musik von Leo Fall feiert jetzt auch im Osten ihre Triumphe. Das Publikum ist sehr beifalls- freudig. Zu dem guten Gelingen trägt vor allem die ausgezeichnete Kapelle unter der Leitung ihres Dirigenten Franz Rich. Haas bei. Den Darstellern merkt man die Freude am Spiel an. Jgo G u h l- mann als Augustin muß immerzu wiederholen und die„feune Anna" wird durch Heidi E i s l e r lebenswahr dargestellt. Erika F a l g a r ist eine sympathische Prinzessin und Guido G e r o l l ein lebensfroher Operettenfürft. Auch olle anderen Darsteller machten ihre Sache ausgezeichnet. Wetkeraussichken für Berlin; Teils heiter, teils wolkig, am Tage etwas kühler als bisher, keine wesentlichen Niederschläge, westliche bis südwestliche Winde.— Für Deutschland: Im Osten Uebergang zu lühlerem Wetter, im Süden keine Aenderung oon Bedeutung, im übrigen Reiche leicht veränderlich und nur mittags mäßig warm. parteinachnchten für Groß-Berlin Einlcnbnngen fix ttitft Rubrik sind Berlin S« 68«inbenitrafer J slel»«n Bat•Bejirlsjctretortat i. Kol. 2 Trrvven rechts, zu richten 2». ZO. 81. 53. 7». 80. 83. 89. 90. 97. 99, 106. 114, 117, 120, 129, 138. 139. 141. Arbeilsgemeinjchast sozialdemokratischer Lehrer u. Lehrerinnen, Bezirksgruppe Berlin. Genosse Heinrich Schulz, der Gründer der ASL., ist oerstorben. Wir er- rneisen ihm die letzte Ehre durch vollzählige Teilnahme an der Trauerfeier im Krematorium Wilmersdorf, heute, Donnerstag. 1ö Uhr. Krcisaruppe Neukölln: Mitgliederversammlung am Donnerstag, 8. Septem- der, 18 Uhr. in der Karl-Marx. Schule. Beginn aller Veranstaltungen liiM- Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 4. Abi. Keule FunktionSrftiiunü an bekannter Stelle. 21. Abi. Achtung! Die Bczirlsfllhrcr werden gebelen, die Freibeitsouser und Sammellisten bis spätestens 10. September bei dem Abteilungskassierer abzurechnen. Abt. Bis Sonnabend, 10. September, müssen sämtliche Sammellisten und Marken beim Abteilungskassierer abgerrchnet sein. Abt. Morgen. Freitag, Funkiionärsitzung bei Pohst. Partei» und Gewer'. schaftsbuch sind mitzubringen. Abt. Die Bezirkssührer rechnen die Freiheitsopsermarken nebst Sammel- listen umgebend, spätestens aber am Maniag, 12. September, beim Kassierer ab. Sine Bitte Genossen: Laßt euch nicht mahnen! Abt. Freitag, 9. September. 20 Uhr, Vorstandssitzung mit gahlabendleitern Abt, Freitag, 9. September, Funktionärsitzung bei Arndt, Bautzener Ecke Großgörschenstrahe, Abt. Freitag, 9, September, 18� Uhr, Vorstandssitzung an bekannter Stelle, Anschließend 20 Uhr Funktionärsitzung. Abt. Heute, Donnerstag, sindet die Zusammenkunft der Bezirke 8 bis 11 im Lokal Wollenberg, Berliner Str. I, statt. Genosse Burqemeister spricht über„Die politische Lage und die Aufgaben der Partei".— Morgen, Freitag, 9. September, 20 Uhr, erweiterte Vorstandssttzung im Lokal vennig, Manteuifel. Ecke Kaiser-Wilhelm-Straße. Abt. Morgen, Freitag, 9. September, 19 Uhr, Vorstandssitzung, 20 Uhr Funklianärsitzunq bei Stein, Eanderstr. 10. Abt. Margen, Freitag. 9. September. Funktionärsitzung. Abt. Morgen, Freitag, 9. September, Funktionärsitzung an bekannter Stelle. Abt. Die Agitationstruppe trifft sich beute um 20 Ubr im Keller. Abt. Heute, 20 Uhr, Funktionärsitzung bei Blockwitz. Bestimmtes Erscheinen ist unbedingt erforderlich. Abt. Heute. Donnerstag, 8. September, Borstands, und Funktionärsitzung an bekannter Stelle. Abt. Freitag, 9. September, 20 Uhr, Funktionärsitzung bei Eievert, Sammellisten und Freiheitsopsermarken müssen an diesem Tage abgerechnet werden. Abt. Freitag. 9. September, 20 Uhr, Funktionärsitzung an bekannter Steve. Abt. Freitag, 9. September, 20 Uhr, Funktionärsitzung im Türkischen gelt. Abt. Die für heute abend anaesebte Borstandssitzung fällt aus. Abt. Freitag, 9. September, 20 Uhr, im Jugendheim Schöneberger Str. 8, Diskussionsabenb. Abt. Freitag, 9, September, Funktionärsitzung im Lokal Hoffmann, Edel. weitzstr. 5. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreude Grysz-Verlin. Abt. Mitte, Pappelplatz: Bollversammlung aller Falken am Frei- tag, 9. September, im Jugendheim Tieckstraße. Wichtige Tage«» ordnung. Tiergarten! Heute. 20 Uhr, Elternversammlung bei Scholz, Levctzaw. Ecke Jagowftraße. Am Freitag treffen sich all« Jung, und Ijm Roten Falken zum Besuch des Planetariums um 16 Uhr am Otto- 'mfl platz. 25 Pf. mitbringen. Sreuzberg: Dienstag, 13. September, 20 Uhr, treffen sich all« Baftelverant. wortlichen mit Hein Jlgenfritz zur Besprechung im Heim Parckstr. 11. Alle Helfer, die am Bastelkreis teilnehmen, müssen erscheinen. Eharlottenburg: Freitag Helsersitzung im Heim Rostnenstraße. Beginn 191, Uhr. 20.«reis. Heute, Donnerstag. 17 Uhr, Falkenvollversammlung Turnhalle Wittenau. Rosenthaler Straße. Turnzeug mitbringen.— Voranzeige! Sann- abend/Sanntag, 10./11. September, Fahrt zur Jugendherberge Lehnitz. Kreil. Geländespiel. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das Jugcndsekretariat Berlin SÄ 68. Lindenstraße 2, vorn 1 Treppe rechts. Achtung, Sozialistischer Wettbewerb! Alle«ruppc» müssen, soweit noch nicht geschehen, die Kampssondsmarten abholen. Vertrieb der Kampliond-markcn bis zum 1. Oktober.— Vom 1. bis 10. Oktober Vertrieb bei„Arbeiter-Iugeub". Achtung! Für die Mitgliederwerbung ist die Quote für 1 Proz. Mitglieder. Werbung von 30 aus 60 Punkte erhöht worden. Bolksbühaeumitglieder: Für die bis zum 30. August eingereichten Mitglieder. karten bzw. Neuanmeldung können die Mitgliederkartcn abgeholt werden. Erste Borstellung am 18. September. Reuanmeldungen werben noch entgegen. genommen. Proletarische Orchester: Heute Probe um 191tz Uhr im Zeichensaal der KMS.» Neukölln, Kaiser.Friedrich.Str. 208—210. heule, Donnerslag. 13� Uhr. Norden: Spielen auf der Sportwiese im Humboldthain.— Weddiua: Spielen im Schillerpark.— Arnimplatz: Wir gehen werben. Treffpunkt 19 Uhr Telephonzelle.— Arnswalder Platz N: Schänlanker Straß«: Politisch.satirischer Abend.— Falkplatz I: Sonnenburger Straße:„Roter Ausbau im Osten".— Hnmannplatz: Gleimstr. 33—35: 10, Minuten. Rcicrato.— Nordosten B: Dauziaer Straße 62:„Tagespolitik".— Schönhauier Vorstadt: Sonnenburger Straße: „Tagespolitik".— Andrcasplatz II: Drammpstr. 1:„Katholische Jugend. bewegung".— Aasenhcidc: Wassertorstr. 4: Wir üben Kampflieder.— Kottbussee Tor: Urbanstr. 167: Mitgliederversammlung.— Köpcnicker Viertel: Manteuffel- straße: Schallplattenabend.— Südwest: Lindenstr. 4: lO-Mi nuten- Referate.— Schöneberg M: Hauptstr. 15:„Politische Tagesfraaen".— Westend: Sportplatz Westend: Arbeitsgemeinschaft.— Wilmersdorf: Wilhelmsaue: Arbeitsgemein. schaft„Proletarische Kunst".— Dahlem: Zinnowald-Schule: Zeitungsschau.— Neukölln IV: Ganghaferstraße: Aktivgruppe 18u Uhr.— Neukölln XI; Gang. hokerstraße: Funktionärsitzung 19 Uhr.— Friedrichshagrn: Friedrichstraße: „Seruelle Fragen".— Tegel: Schöneberger Str. 3: Liederabend. Nerbedezirk Westen: 16'? Uhr Vorstandssttzung an bekannter Stelle. LSG. Neukölln: 19—22 Ubr KMS. Tbema:„Unsere Anträge im Reichstag". Wcrbebezirk Neukölln:„Der Querschnitt" probt heute, pünktlich 19H Uhr, Heim Steinmetzsir. 114. Werbedezirk Kreuzberg: Kassenreviston des Bezirks 20 Ubr Heim Urban- straße 167. Werbedezirk Reinickendorf: Pionicrzusammenkunft 10 Uhr Heim Reinicken- dorf.Ost. Lindauer Straße. Werbebezirk Pankow: Heute, 20 Uhr, Kreisvarftandssitzung, Görschstraße. Werbebezirk Reinickendorf: Evieltruppe„Galgenvögel" pünktlich 20 Uhr Tegel, Schöneberger Str. 3, wichtige Probe für alle. Vorträge, Vereine und Versammlungen Esperantogrnppe Vcrliu-Rorde», Iasmunder Str. 3, gasmunder Vereins. haus, Heute, 20 Uhr, Ucbungen, Konversation, geselliges Beisammensein, Gäste willkommen, English Eircle Perfeverance. Donnerstag, 21 Uhr, Im Bräu-Stübl, Reu« kleine Hütte, R. 65, MUllerstr. 176, am Weddingplatz. Englische Borträge und Diskussion. Gäste willkommen. Deutsche Landsmannschaft der Prouinz Pose». Monatssttzuno am Donner». tag, 8. September, 201b Uhr, in der Kindl-Braucrei Berlin-Reukölln, Hermann- n 214-219. und Berlin für Einheitskurzschrift. Uobung in allen Geschwindigkeiten ieden Dienstag und Freitag von 19—22 Uhr im Staatlichen Französischen Gymnasium, Reichstaasuser 6, am Reichstagsgebäude. Anfängerkurse sowie Aufnahme neuer Mitglieder zu jeder Zeit. Verein der Heimotireiind« Krei« Sreifenhage» in Pommer» e. P. zu Verli». Vorsitzender: H. Arndt, Köpenick, Wcstendstr. 1 Monatssitzung am Sonntag, 11. September. 19 Uhr. im Vereinsheim Mut». Brunnrnstr. 140. Deutscher Arbeiter-Abstinenten-Vund. Bezieksgruppe Norden: Donnerstag, 8. September. 20 Uhr. Gaststätte llferstr. 5.— B-zirksgruppe„August Forel": Sonnabend, 10. September. 20 Uhr, Gaststätte llferstr. 5, Zusammenkunst. In der jetziqe« schweren Zeit, wo Gemüse, und Kartoffelgerichte immer häufiger ohne Fleisch al» v-vständige Mahlzeit auf den Tis» kommen, ist Maggis Würze eine wertvolle Hilfe bei deren Zubereitung. Wenige Tropfen den fertig gekochten Gerichten zugeletzt, geben kräftigen Wohlgeschmack und machen die Gemüse auch bekömmlicher. dh. Qmüse weedm schmdckaßtec ducckMAGGI5 Würze ''Auch beim Nachfüllen erhalten Sie Gutscheine• QJLHd%WH UMS „Sie sind das Kind!" schreit die Täschler hellsichtig und sinkt auf den Stuhl zurück. Gilgi überlegt, ob das die Stimme des Bluts war, die eben gesprochen hat. Stimme des Bluts wäre jetzt vorschriftsmäßig. Mein Blut ist taubstumm, ich muß mal zum Arzt gehn, vielleicht Hab' ich auch nur zuviel ge- trunken. „Nee, nee, nee, daß da was mit Ihn' nich richtich war, Hann ich mir doch jleich jedacht, also Sie sin das Kind!" In Gilgis Kopf surrt ein Ventilator, ihre Hände liegen schlaff und müde im Schoß. „Warum sagen Sie denn erst, Sie hätten kein Kind, da ist doch nichts bei, das ist doch nichts Unanständiges." Da lacht die Täschler, hoch und blechern, ihr Kopf fällt von einer Seite auf die andere, peinlich zu hören, pein- licher anzusehn. Und die lacht und kichert und wiegt sich auf dem Stuhl.„Na, Fröllein, darauf müssen wa noch en kleinen trinken." Ihr Lachen endet in trockenem Husten, am Kinn klebt Speichel, die klobige Nase ist mit Mitessern schwarz punktiert wie ein Kiebitzei. Warum bist du so geworden! Wer ist schuld, wer? Du selbst, ja gewiß, aber du nicht allein. Gilgi zieht zackige, rote Buchstaben in grauem Nebel: Mensch, was machst du mit deinem Leben! Sie regt sich nicht, sie spricht nicht— was ist noch zu sagen?— sie wartet nicht. Sie ist ein Ausrufungszeichen hinter roten Buchstaben: Mensch, was läßt du aus deinem Leben machen! Die Täschler erzählt. Sie hat die Arme weit über den Tisch gebreitet. Gilgi hört zu. „Das sinn nu als einundzwanzig Jahr her, ich näht damals in feine Häuser. Immer aus alte Kleider neue machen, was ne bessere Schneiderin nich jetan hätt. Un Qihjis tTluUer Phot.: Paramouni das könnenfe jlauben, Fröllein, en lecker Mädchen bin ich jewesen. Un da näht ich auch bei ne Familije, Mutter un Tochter. Kreil Hießense. Fröllein, jebense mir Ihre Hand!" Gilgi gibt sie.„Schwörense, Fröllein, dasse niemand weitersagen, was ich Sie jetzt erzähle." „Schwör ich Ihnen", sagt Gilgi. „Vielleicht känn wa beide noch unser Ilück machen!" Die Täschler hat glitzrige Pünktchenaugen.„Also die Kreils, das warn nur Mutter un Tochter, der Alte war tot. Ield hattense mächtich, Ield, fach ich Ihn'! Un die Tochter war en nett Mädchen, un so mit zwanzig Jahrn, da hat se sich mit em Kerl einjelassen, der war nichts un hatte nichts, und die Aal war gegen ihn, weil die für die Tochter ein wollt mit Titel, Iraf oder Doktor oder sowas. Na, un dem Mäd- chen sein Kerl hat sich dann dünn jemacht, un alles wär jut jewesen, aber auf einmal kommt's raus, dasse im fünften Monat is. Da hättense mal die Aal sehn solln, wie die en Kopp oben behalten hat un alles je- deichselt. Kommt se auf einmal zu mir jelaufen— ich hatt da janz allein für mich en Zimmer aufer Weyerstroß. Ich hatt' keine Anjehörige, das wußtse und das war ihr jerad recht. Und da sagtse, dasse mit ihre Tochter son Mallör hätt. und das jing nich. ihre Zukunft wär ruiniert, wenn da was rauskäm, un bei mir käms nich so drauf an. die Männer in unsere Kreise, die wärs ejal, wenn en Mädchen en Kind hätt. Un die Sache sollt so jemacht werden, daß das Kind nachher von mir wär, und ich sollt zehn- tausend Mark bekommen. Denkense— zehn- tausend Mark Fröllein! Un sie wllrd' alles arranfchieren. Na. un für hundert Mark hätt ich schon allerhand jetan. aber noch lang nich alles, aber bei zehntausend Mark! Wie ich das hört, war ich jarnich mehr bei mir selber. Un dann hett die Aal alles arran- schiert. In Bayenthal, inne janz einsame Iejend hatse en Wohnung jemietet, un da wohnten denn ich und das Fröllein die letzten drei Monate. Un das Fröllein mußt immer in die Wohnung bleiben, die dürft man jar- nich vor die Tür jehn. Ich dürft manchmal raus, aber da hett die Aal jesorgt, daß ich mir en Sofakissen aufen Bauch binde, damit die Leute in die Iegend alle denken, bei mir kommt bald was Kleines. Die Aal, die hett an alles jedacht. Un das Fröllein, das sagte jarnichts, die lag immer janz still aufem Scheselont und muckste sich nicht, die war wie vorn Kopp jehaun un tat nur alles, was die Aal wollt. Und wie's denn soweit war, da war nur en Doktor da und die Aal, un sonst keiner. Un der Doktor, der hett wohl jewuß, daß was nicht stimmt, aber secher hett dä auch Ield jekricht, un wie er das mal jenommen hat, da mußter schon still sein für immer, weil er sonst selber hätt fiese Unan- nehmlichkeiten hätt kriejen können. Un alles is jut jejangen, un die Fröllein, die hett noch als acht Tags im Bett jelegen, un ich mußt auch im Bett liegen für alle Fälle. Un das Wurm war bei mir, son mickriges Ding, un bekam die Flasche. Das Fröllein bskams jarnich zu sehn, un ich sollt mir schon immer dran jewöhnen, wollt die Aal. Son mickri- ges Ding war's, wir dachten, es stirbt, das wärs beste jewesen, dann hätt ich die zehn- tausend Mark janz allein für mich jehabt und nich davon für das Wurm sorgen müssen. Un nach acht Tage, da habenfs das Fröllein nach Hause in ihr Filla in Linden- thal jebracht, un ich Hab' mir'n Zimmer inne jute Iegend genommen, da bin ich hin mit dem Wurm." Aber da wolltense mich nich wejen dem Kind, un da bin ich hier in de Thieboldsjaß. Und die Aal hett jesagt, wenn was rauskäm, dann könnt ich ins Je- fängnis kommen, un ich sollt immer den Mund halten un auch beichten sollt ich nichts. Und dann jing ich wieder bei mein Kund- schaft und saacht überall, ich hätt was Kleines jekricht, ich wär darum drei Monate fort jewesen, da wollten viele nichts mehr von mir wissen Un da jing ich auch bei de Frau Krön, ob die nich wieder Arbeit für mich hätt. Da lag die im Wochenbett, un ihr Kleines war tot, un der Herr Krön war da und war sehr unjlücklich, weil sein Frau sich so sehr eines jewünscht hätt, un nach diese fchwere Entbindung könntse nie mehr eins kriejen. Un dann sprachen wa von mir un meim Kleinen, un der Herr Krön wurde janz hellhörich, un was ich nu wollt mit fom Kind, wär doch nur en Last für mich, un da hat ja recht jehabt, un dann Habense das Kind adoptiert, un jetauft wars auch noch nich, war man erst vierzehn Tage alt, un ich war noch zu nichts jekommen. Un das Habense alles erledicht, un von heut auf morgen war ich das Wurm los. Un ich hatt auf einmal furchtbar viel Ield, da wär ich aufen jerad Weis' nie zu jekommen. Un dann bin ich doch innen jute Iegend un Habs mir jut jehn lassen, un ein Bräutjam hatt ich auch, da is aber nichts draus jeworden. Der hat jesoffen wien Loch, un wie er mir tausend Mark alles in allem abjelotst hat, da dacht ich, die richtije Liebe is das nich un jing wieder für mich allein. Un wie ich nur noch so fünftausend hatt. da bin ich zurück in die Thieboldsjaß und Hab wieder mehr jenäht und dacht, das Ield sparste für deine alte Tage. Aber in die Inflazijon jing alles weg, un ich war ärm wie zuvor Da dacht ich mal an die Aal Kreil un Hab mir er- kundicht, die is aber schon lang tot, un die Fröllein hat jeheirat, jleich en Jahr nach der Jeschichte, en janz Reichen, un se haben en fein Wohnung aufem Kaiser-Wilhelm-Ring. Un das is ihr Mutter, Fröllein— Magda- lene Greif heißtse jetzt. Un wennse mal bei ihr jehn, dann machense, daß der Mann Sie nicht sieht, un vielleicht jibtse Ihn Ield, un dann denkense an mich, weil ich Ihn alles jesaacht Hab, un weil ich doch so ärm Frauen- minsch bin, aber tunse von mir jarnichts er- wähnen..."(Fortsetzung folgt.) Heues aus Schiida Qroleske ton Jiurt Schmellmer Eines Tages fiel mir ein: Du lieber Himmel, wie mags denn eigentlich den Schildbürgern in dieser verkorksten Zeit gehen? Wenn man etwas, das man nicht weiß, gerne wissen möchte, tut man am besten, man geht hin und guckt es sich an. Ich fuhr also nach Schilds. Ganz bis hin kam ich nicht gleich, vielmehr traf ich auf eine Mauer,— also, eine ganz mordsmäßige Mauer aus Backsteinen Mauern sind ja eigentlich dazu da, daß man irgendwo hindurchgehen kann, das war hier nicht der Fall, fo weit ich auch daran entlang lief. „Aha!" dachte ich.„Na ja. Schilda!" Endlich entdeckte ich eine sonderbare Gestalt, die oben auf der Mauer entlang spazierte Sie blitzte und funkelte in der Sonne: ich rief und psisf, da ließ sie an einer Strippe ein Körbchen herab. In dem Körbchen lag ein Zettel, darauf stand: Paß! Ich legte meinen Paß dazu, das Körbchen wurde hochgezogen und nach einer Weile kam eine Strickleiter herunter. Sind Sie schon mal eine Strickleiter raufge- klettert? Nein?— Ich wünsche es Ihnen auch nicht, ich bin ein freundlicher Mensch. Ich haspelte mich also hoch, dann stand ich oben auf der Mauer neben der funkelnden Gestalt. Das Funkeln kam von einer Blechrllstung. in die diese Gestalt gekleidet war. Vorn aus der Brust hatte sie ein Schildchen, daraus stand: Gustav Braumüller. Ich nahm an, daß das der Name der Gestalt sei, und hatte das Richtige getroffen. „Guten Tag, Herr Braumüller", sagte ich also. „Haben Sie denn Krieg?" „Nein", antwortete Herr Braumüller,„bloß Autarkie." „Dazu brauchen Sie doch aber keine Rüstung", sagte ich erstaunt. „Die Rüstung ist von wegen Sittlichkeit", meinte Herr Braumüller etwas gekränkt. Dann ließ er die Strickleiter auf der anderen Seite der Stadt- mauer, denn um eine solche handelte es sich, hin- unter, und setzte seine Wanderung oben drauf fort, ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen. Mühselig krabbelte ich hinab und traf auf der Straße ein paar Kinder, die in Blechanzügen her- umklöterten. Ich fragte sie nach dem Bürger- meister, denn den kannte ich von früher her noch gut. Die Kinder sagten, er heiße jetzt nicht mehr Bürgermeister, sondern Stadtkommandant. Dabei betasteten sie neugierig meinen Anzug und wollten sich totlachen, weil der nicht aus Blech war wie die ihren. Sie trabten auch gleich mit, weil ich ihnen so merkwürdig erschien, und zeigten mir den Weg, andere Blechleute schlössen sich an. so daß ich mit einem stattlichen Gefolge gewappneter Gestalten an der Stadtkommandantur landete. Der Stadtkommandant war wirklich noch mein alter Freund Gottlieb Knasterbart, mit dem ich früher manchen freundlichen Schildbürgerstreich ausgeheckt hotte Jetzt sprang er erschrocken vom Kanapee, fuhr eilig in seine Blechjacke, die er zur Mittagsruhe ausgezogen hotte, und lötete sie ge- schwind vorne zu „Mensch, Gottlieb, sei doch nicht so offiziell. kennst du mich denn nicht mehr?" sagte ich zu ihm. Ein freundliches, etwas verlegenes Grinsen. „Mein Lieber, so in Knickerbockern und Polo- bluse darfst du aber hier in Schilda nicht herum- laufen! Das vertrögt sich bei uns nicht mit der Moral. Komm mal her!" Er ging an den Kleiderschrank, nahm einen der darin stehenden Blechanzüge heraus, faltete ihn mir um die widerstrebenden Glieder und lötet« ihn gleichfalls, eins, zwei, drei! zusammen. Ich kam mir vor wie eine Oelsardine, und es erwies sich als nicht ganz einfach, auf einem Stuhl Platz zu nehmen, den mir Gottlieb Knasterbart jetzt anbot.— Im übrigen war er aber noch ganz der alte, holte Wein und Tabak heran und setzte sich mir gemütlich gegenüber, daß es nur so klapperte und krachte. „Prost alter Junge!" rief er strahlend.„Da staunst du, wie wir hier auf der Höhe sind, was?" Ich staunte wirtlich. „Ja, wenn wir hier in Schilda was machen, dann machen wirs gründlich, darauf kannst du dich verlassen. Und Autarkie und Sittlichkeit sind doch wohl das Modernste, nicht wahr?" Ich schüttelte ihm still begeistert die Hand, fragte dann dies und das, nach der Frau, nach den Kindern,— so kamen wir auch auf die Arbeits- losigkeit. „Gibt? in Schilda nicht!" schrie Gottlieb.„Das heißt, gegeben hat es sie schon, wie überall, aber ich habe sie abgeschafft. Radikal!" „Großartig!" sagte ich atemlos.„Und wie hast du das fertig gebracht?" „Da haben wir zuerst die Mauer gebaut", er- zählte Gottlieb.„Du mußt doch drüber geklettert sein?!" „Ja, ja", sagte ich schmerzlich berührt und ver- suchte die Schultern zu bewegen, denn mein neuer Anzug hatte doch nicht den richtigen Sitz. Gott- lieb war etwas schmaler, dafür aber länger als ich. „Und nun", fuhr der Stadtkommandant fort, „müssen die Leute nachts auf Posten ziehen. Da haben sie Arbeit." „Und wer bezahlt sie?" „Na, die Stadt" „Und woher kriegt die Stadt das Geld?" '„Bon den Konservenbüchsen." „Von den Konservenbüchsen?" Gottlieb lachte wieder pfiffig.„Siehst du, das ist meine beste Idee. Die Blechanzüge müssen alle Leute von der Stadt kaufen, und die werden eben aus leeren Konservenbüchsen gemacht. Du kannst deinen übrigens gleich bezahlen. Einheits- preis neunundzwanzigfünfzig, mit Büchsenöffner und Lötkolben zum Aus- und Anziehen fix und fertig zwounddreißig Mark. Preiswert und dauerhaft, nicht wahr?" Ich konnte nicht an meine Brieftasche und Gott- lieb machte mir gleich vor, wie man Büchsen- öffner und Lötkolben handhabt. Es war freilich ein bißchen kompliziert für einen Anfänger! aber man lerne es bald, tröstete er mich. „Wo kriegt ihr denn nun aber die vielen Kon- servenbllchsen her?" fragte ich, als ich dann be- rappt hatte. „Wir haben doch eine Konservenfabrik am Ort", sagte Gottlieb stolz. „Ach so!" „Ja, Und von den Konserven leben wir." Das war ja nun wunderbar. Ich schnappte gradezu nach Luft vor Staunen. Es war mir auch ziemlich heiß geworden in meiner unge- wohnten Hülle: ich schlug Gottlieb einen Gang zum Ratskeller vor, den ich noch in freundlicher Erinnerung hatte.— da kam klirrend und klappernd der Ratsdiener mit einem Arm voll Akten, die er vor Gottlieb aufbaute. Er komme bald nach, sagte Gottlieb, da sei noch schnell was zu erledigen. So stelzte ich allein zum Ratskeller, tappte die Stufen hinunter und traf unten— wen? Den Klempnermeister Kieke- busch. „Menschenskind!" schrie Kiekebusch, als ich mein Visier hochgeklappt hatte,„auch mal wieder da?" Er hatte es sich bequem gemacht, und saß nur in Hemd und Blechhojen aus der Bank. „Na, das freut einen denn ober auch!" Er schüttelte mir die Eisenhand„Nun setz dich mal zu mir! Wie gehts denn immer noch?" Ich dachte, was Kiekebusch darf, wirst du auch dürfen, und begann mit meinem Büchsenöffner, den man samt Lötkolben wie Dolch und Pistole im Gürtel trug, vorn an meinem Blechhabit zu hantieren. Kiekebusch lachte. „Du weißt noch nicht Bescheid. Komm mal!" Damit griff er mir unter die Arme— ratsch! ratsch!— da lag meine blecherne Hülle. Und ich merkt jetzt erst, daß daran Reißoerschlüsse ange- bracht waren. „Donnerschlag!" entfuhr es mir.„Das geht ja ganz einfach. Aber warum hat mir denn das Gottlieb nicht erzählt?" „Der als Stadtkommandant darf das doch nicht. Das wäre ja gegen alle Reputation", erklärte mir Kiekebusch.„Komm mal her, trink erst mal, und dann erzähle ich dir, wie das bei uns jetzt zugeht." Er nahm einen mächtigen Zug aus seinem Humpen, ich trank auch, und dann legte er los: „Gottlieb Knasterbart in allen Ehren, aber so einfach, wie der sich das denkt, gehts eben doch nicht. Die Mauer ist gut und die Blechanzüge sind gut, aber wovon sollen wir denn leben?" „Von Konserven, denke ich", warf ich ein. „Und wo kriegen wir die her?" .„Na, aus der Konservenfabrik." „Gott ja, aus der Konservenfabrik", sagte Kiekebusch ungeduldig,„und die Rohstoffe und das Blech?" „Na?" machte ich gespannt. „Die schmuggeln wir!" lachte Kiekebusch. „Schmuggeln?" fragte ich entgeistert.„Die Mauer ist doch besetzt." „Freilich! Oben!" Kiekebusch lachte wieder. „Aber wir haben Tunnels darunter gebaut. Also die 5)älfte von uns steht oben auf der Mauer und guckt in die Luft, und die andere Hälfte geht unten durch und holt rein, was wir brauchen." „Eines Tages muß da doch aber euer Geld zu Ende fein", wandte ich ein. „Müßte es, freilich." Kiekebusch nahm einen neuen Schluck. Dann beugte er sich zu meinem Ohr und flüsterte:„Aber wir haben doch den Nachtbetrieb!" „Den Nachtbetrieb? Ich denke, um neun Uhr ist Polizeistunde?" Das stand nämlich im Rats- keller angeschlagen. „Für Gottlieb Knasterbart schon, ober um zehn Uhr, wenn er schläft, gehts wieder los bis zum anderen Morgen. Was denkst du wohl mein Lieber, was unsere Damenwelt in ihren Blech- kostümen für eine Anziehungskrast auf die Männer von draußen hat? Das glaubst du nicht? Das wirst du erleben! Die strömen abends bloß so durch unsere Schmuggellöcher, kaufen sich Büchsenöffner, und dann geht der Betrieb los! Junge, das bringt Geld! Aber pscht! nichts ver- raten! Schnell, zieh deine Harnischjacke an. So, ruck zuck! Reißverschluß zu! Da seh ich nämlich gerade Gottlieb um die Ecke kommen. Der als Stadtkommandant braucht ja schließlich nicht alles zu wissen!" S)en SSeflen Die Abgeschied'nen betracht' ich gern, Stünd' ihr Verdienst auch noch so fern; Dach mit den edlen lebendigen Neuen Mag ich wetteifernd mich lieber freuen. (Goethe.) Ein zweites Pape«-Programm. Auch der Landwirischast soll der Tisch gedeckt werden. Morgen wollen nach einer Mitteilung der„Landwirtschaftlichen Wochenschau" die Führer der Grünen Front dem Reichskanzler Papen Forderungen für die Erweite- rung des Wirtschaftsplans und dessen sofortige Ergänzung durch einen zweiten Teil vortragen. Die„Deutsche Tageszeitung" ist der Auffassung, daß die„Verordnung zur Belebung der Wirt- schaft" die Landwirtschast nicht berücksichtigt habe und von Reichs wegen der Tisch nur für die Industrie gedeckt worden sei. Man ist ebenso mangelnde Bescheidenheit bei der Landwirtschaft gewöhnt, wie man sicher sein kann, daß die Landwirtschast bei der feudalen Papen-Regierung ihre Forderung durchdrücken wird. Hat doch Herr von Papen Herrn Hugenberg gegenüber bereits erklärt, daß er zur grundsätzlichen Einführung von land- wirtschaftlichen Kontingenten bereit sei. Es wird also so kommen, daß die Reichsregierung den Tisch für die Landwirtschaft noch extra decken wird. Die„Landwirtschaftliche Wochenschau" erwartet denn auch, daß der Reichskanzler schon am Montag die Grundlinien, des zweiten, d. h. des landwirtfchasllichen Wirlschastsprogramms im Reichstag bekanntgeben wird. Als vor acht Tagen mit einem Federstrich weit über hundert Industriezölle erhöht worden sind, haben wir voraus- gesagt, daß die Agrarier für sich ein politisches Geschäft daraus machen werden. Die„Landwirtschaftliche Wochenschau" sagt denn auch, daß die Landwirtschaft einen Anspruch aus die Politik der Einfuhrkontingente habe, nachdem„die Industrie eben erst wieder eine gewaltige Verstärkung ihres Zollschutzes erfahren" habe. Aber es geht der agrarischen Front keineswegs nur um die Kontingentierung. Trotz der grundsätzlichen Ablehnung einer generellen Zinssenkung durch den Reichskanzler v. Papen hält die agrarische Front an dieser generellen Zinssenkung fest, und nach den mit der Reichsregierung gemachten Erfahrungen wird man auf grundsätzliche Festlegungen nscht bauen dürfen. Außerdem wird„eine Umlagecung der Konsumbe- l a st u n g von den heimischen Erzeugnissen auf die ausländischen Erzeugnisse" verlangt. Hinter dieser etwas geheimnisvollen Formu- lierung verbirgt sich nichts anderes als der alte Plan, eine Margarine st euer zu erheben, um die Zuckersteuer und die Schlachtsteuer zu ersetzen. Das sind alles phantastische, wirtschaftszerstörende und letztlich auch die Landwirtschast schädigende Pläne. Aber man muß sich in Deutschland ja an den größten wirtschaftlichen Wahnwitz gewöhnen. Jedenfalls liegen im Reichsernährungsministerium l ä n g st die Listen für die Einfuhrkontingentierung fertig- gestellt bereit. Auf Widersprüche aus dem Reichswirtschafts- Ministerium und aus der Industrie dürfte man um so mehr pfeifen, je fester man sich auf die nicht bezweifelte„Gutmütigkeit" des Reichswirtschaftsministers Warmbold verläßt. Es sind schöne Dinge, die bei der Einfuhrkonlingentierung herauskommen sollen aus allen Gebieten, wo man nicht schon bisher unüberfkeigbare Einfuhrbarrieren errichtet hat: bei käse, häuten und Därmen soll im Verhältnis zum Vorjahr die Einfuhr auf 50 Vroz.. bei Speck und Schmal; auf KO, bei Eiern auf 70 Proz. verringert werden. Sei frischen Bananen will man aus 25. bei Hülsenfrüchten. Sohl. Zwiebeln. Gurken, Heringen und Sprotten aus ZO. bei hol; ebenfalls auf 30, bei Buller auf 40. bei Aepfeln, Birnen und Pflaumen ebenfalls auf 40. bei Trauben auf 45. bei Federvieh mit Ausnahme von Gänsen auf 50 proz. der vorjährigen Einsuhr heruntergehen! In einer Menge von Fällen ist die baldige Durchführung der Kontingentierung gar nicht möglich, weil man sonst Handels- vertrüge zerreißen muß. Das scheint aber selbst für Herrn von Papen noch ein zu riskantes Geschäft zu sein. In anderen Fällen ist die Kontingentierung völlig sinnlos, beispielsweise bei Vieh und Fleisch, da die Einfuhr überhaupt ke ne Rolle mehr spielt. In fast allen Fällen könnte man den gleichen Zweck mit anderen Mitteln erreichen, die billiger und zweckmäßiger sind, und im übrigen treibt die produktionstechnische Entwicklung in der Land- Wirtschaft und die Bevölkerungsbewegung in Deutschland ohnehin auf vielen Gebieten zur Selbstversorgung. Aber die agrarische Front will ja gar keine praktischen Erfolge: sie hängt an der verrückten lldee, daß durch Einsuhrdrosselung ohne weiteres auch Preissteigerungen herbeizuführen sind. Der Reichsregierung aber, die nur auf ihre politische Rückendeckung bedacht ist, fällt es gar nicht ein, bei diesem Sturmlauf zur Durch- führung des größten volkswirtschaftlichen Unfugs den Interessenten die Augen zu öffnen. Nicht Zölle, nicht die ohnehin stark gesunkene ausländische Einfuhr nach Deutschland bestimmen in Zeiten der Krise den Preisstand für landwirtschaftliche Erzeugnisse, sondern aus- schließlich die Kaufsähigkeit der städtischen Be- völkerung. Der Bauer weiß das schon längst, die sogenannten Führer der agrarischen Front aber machen mit ihren volks- und landwirtschaftszerstörenden Forderungen ihre politischen Geschäfte und niemand hindert sie daran. wenn das llnstilul für Konjunkturforschung für das Hahr 1332 das gesamte deutsche Arbeitseinkommen nur noch auf 26 bis 27 Milliarden Mark schätzt gegenüber nicht weniger als 45 Milliarden noch im Jahre 1323, so brauch! man für den Tiesstand wichtiger agrarischer preise keine Erklärung mehr zu suchen. Ebenso unzweideutig ist aber der Grund dargetan, weshalb Zölle nichts nützen können und weshalb das einzige Hilfsmittel, das der Landwirtschaft zur Ueberwindung schwerer Krisenzeiten dienen kann, die Steigerung der Massenkaufkraft ist. Aber freilich— wenn Vernunft nur bei wenigen ist, so war sie sicher nicht bei den Mitgliedern dieses Reichs- k a b i n e t t s, als die sogenannte Verordnung zur„Belebung" der Wirtschast beschlossen wurde. Alle Hoffnungen auf diese„kühne konjunkturpolitische Konstruktion" sind ja von vornherein zunichte gemacht durch den Wahnwitz der neuen gewaltsamen Kaufkraft- Zerstörung durch Lohn- und Gehaltsabbau. Die Landwirtschaft hätte schon Grund gehabt, ein zweites Wirt- schaftsprogramm zu fordern, ein Programm, das den Wiederaufbau der Kaufkraft der städtischen Bevölkerung zum Ziele gehabt hätte, weil mit der Kaufkraft der Städte die Landwirtschaft steht und fällt. Dazu freilich hätten die Führer der Grünen Front klüger, ehrlicher und vernünftiger sein müssen als sie sind. Was sie jetzt an Forderungen herausstellen und was sicher von der Papen-Regierung großenteils durchgeführt werden wird, das wird mit unerbittlicher Notwendigkeit nicht nur das Elend der Städte, sondern auch das Elend der Bauern noch weiter verschärfen. g e n d s festzustellen. Uebrigens wirb Kupfer an den amerikanischen Märkten für den amerikanischen Markt bedeutend niedriger, zu 5,9 bis 6 Cents je Pfund, abgegeben. Frankreichs Stellung in Stresa Deutsche Erklärungen Bei der Fortsetzung der Generaldebatte auf der Oststaatenkonferenz in Stresa machten der rumänische, tschechoslowatische, österreichische und italienische Delegierte Ausführungen über die Lage in ihren Ländern bzw. ihre Bereitschaft zur Vorzugsbehand- lung osteuropäischer Produkte in Präferenzverträgen aus Gegen- seitigkeit. Zur Debatte trugen sie nichts wesentlich Neues bei. Große Aufmerksamkeit fand aber Bonnet, der Ver- treter Frankreichs. Er erklärte, Frankreich glaube nicht an die Wirksamkeit einzelner Hilfsmaßnahmen für einzelne Staaten: er wolle einen umfassenden Neubau für ganz Mittel- und Osteuropa. Hier klingt Tardieus Konzeption von der Donausöderation an, die bekanntlich von Italien, Deutschland und Oesterreich bekämpft wird Zum erstenmal erwähnte Bonnet als mögliche Hilfsmaßnahme den W i e 0 e r a u f b a u f o n d s, der schon bei den Lausanner Ver- Handlungen eine große Rolle gespielt hat. Er meint«, die Handels- bilanzen der notleidenden Agrarstaaten müßten aktiv gestaltet werden: dabei könne auch die Schaffung eines„Spezialfonds" nütz- lich sein. Der deutsche Delegierte, Ministerialdirektor Posse, wies nochmals auf die Schlüsselbedeutung der Kaufkraststärkung in den Agrarländern hin. Deutschland sei das erste Land gewesen, das Präferenzverträge mit den östlichen Agrarländern abgeschlossen habe, wobei das Nichtinkrafttreten der Verträge nicht Deutschlands Schuld sei. Freilich mühten die Präferenzen sich auf den rein landwirt- schaftlichen Export beschränken, weil sonst die bei Handelsverträgen meistbegünstigten Länder das Präserenzsystem zum Scheitern bringen müßten. Deutschland sei mit allen Abkommen einverstanden, die die Not lindern. Es fei aber die Stunde gekommen, um den Worten auch Taten folgen zu lassen. Vor Beginn der gestrigen Sitzung wurden zwei Unterausschüsse für landwirtschaftliche und finanzielle Fragen gebildet, die heute ihre Arbeit beginnen wollen. Gpekulaiionen am Kupfermarkt. Preissteigerungen trotz anwachsender Vorräte. Seit mehr als zwei Monaten zeigen die Kupserpreise an allen Weltmärkten eine stetige Aufwärtsbewegung. Das inter- nationale Kupferkartell hat soeben den Ausfuhrpreis für Kupfer aus den Vereinigten Staaten auf Dollarcents je englisches Pfund erhöht, so daß der Preis seinen Tiefftand von 5s4 Cents im Mai um etwa 20 Proz. überschritten hat. Nichts aber wäre falscher als die Annahme, daß diese Kupferhaufse ihren Grund in vermehrter Nachfrage, in einer kon- junkturellen Besserung hätte. Die Entwicklung am Kupfermarkt bietet keinerlei Grundlage für die optimistische Einschätzung der weit- wirtschaftlichen Entwicklung durch Konjunkturinstitut und Reichs- regierung. Sie findet ihre einzige Erklärung in spekulativen Maßnahmen der Interessenten, Zunächst ist festzustellen, daß die W e l t v o r r ä t e von Kupfer (Ende Mai etwa 880 000 Tonnen) sich bis in die letzte Zeit erhöht haben und mindestens der gejainten Weltproduktion von 10 Monaten stmbau w WirWast In deutschen Zeitungen bieten holländische Zementfabriken Zementlieferungen nach Deutschland an. Da muß man stutzen. Da kann doch etwas nicht stimmen. Zement kostet kolossal viel Fracht, denn es ist ein sehr schweres Gut. In Deutschland liegen vier Fünftel der Zementindustrie still. Wie können sich da die Holländer aus dem Verkauf von holländischem Zement in Deutschland ein Geschäft versprechen? Aber die Antwort ist ebenso einfach wie Vernich- t e n d für den wirtschaftlichen Wahnwitz der deutschen privat- kapitalistischen Kartellwirtschaft. Holländische Zeitungen klären das Rätsel. Sie weisen darauf hin, daß die deutschen Zementkartelle nach Holland Zement zu einem Preise liefern, der nur ein Drittel des deutschen Zementpreises ausmacht. Im eigenen Lande, d. h. in Holland, könne die holländische Zementindustrie mit solchen Preisen nicht konkurrieren. Aber sie könne es sehr gut in Deutschland, wo die Zementpreise weit höher als in Holland seien, und sie könnten bei gutem Verdienst auch noch die Fracht tragen! Was die holländischen Zeitungen erzählen, stimmt bis auf das i-Tipfelchen. Die deutschen Zementpreise liegen heute, mitten in der furchtbarsten Krise, noch rund 30 Proz. über dem Friedenspreis. Die deutsche Bauwirtschaft ist nicht zuletzt deshalb so vollständig auf dem Hund, weil die privatkapitalistische Monopolwirtschaft mit dem Zement die Auswucherung des Inlandes zugunsten des Schleuderexports ms Ausland erlaubt. Die deutsche Zementindustrie ist trotz und gerade wegen dieser wucherischen Kartellpreispolitik finanziell bankerott, denn sie hat ihre gewaltigen Profite aus der guten Konjunktur zu Fabrikneubauten in einem solchen Umfang benützt, daß niemals mehr als 50 Proz. der Lei- stungsfähigkeit verwendbar waren und die Schuldenberge durch die überhohen Zinslasten einfach nicht mehr abzutragen waren. Gegen diese privatkapitalistische Mißwirtschaft hilft nur die Verstaatlichung der Monopolindustnen! entsprechen. Nach einer englischen Schätzung über- steigt die monatliche Produktion immer noch den Verbrauch um 9000 Tonnen. Es überrascht also nicht, wenn die amerikanische Industrie trotz der steigenden Preise die Abficht hat, die Produktion weiter einzuschränken. Wenn es dem Kupferkartell gelang, die beachtliche Preiserhöhung durch- zudrücken, dann lediglich deshalb, weil es die zur Verschiffung nach Europa freigegebenen Mengen künstlich niedrig hielt. Eine oermehrte Nachfrage der Verbraucher(Elektroindustrie) war n i r» Die Konsumvereine im Luli. Der Zentralverband deutscher Konsumvereine meldet für den Monat Juli— bei 153 berichtenden großen Ge- nossenschaften— einen Umsatz von 52,34 Millionen Mark gegen- über 51,29 Millionen im Juni und 49,65 Millionen im Mai. Der Umsatz je Mitglied betrug 24,55 M. gegenüber 24,04 M. im Juni und 22,88 M. im Mai. Wenn auch die höheren Umsätze der Monate Januar, März und April nicht erreicht sind, so zeigt die Entwicklung doch deutlich, daß die konsumgenossenschaftlichen Warenverkäufe sich von Mai bis Juli auf ihrem durch den syste- matischen Kauskrastmord so tief gesunkenen Niveau w e n i g st e n s stabilisiert haben._ Der Großhandelsindex lag im Durchschnitt des Monats A u g u st mit 95,4 gegen 95,9 Proz. noch um>4 Proz. unter dem des Juli. Die Preissenkung ging aber nur auf Kosten der Agrar- stoffe, Kolonialwaren und industriellen Fertigwaren, da fast sämtliche industriellen Rohstoffe und Halbwaren ihr Preis- Niveau erhöht haben. Die Erhöhung betrug gegenüber Juli bei Baumwolle nicht weniger als rund 22, bei Jute 18, bei Kupfer 10, bei Blei 17. bei Zink 12 und bei Zinn und Kautschuk 9 Proz. Aller Voraussicht nach wird der Monat September beim Groß- Handelsindex den Umschwung nach oben bringen. Eewinnauszug 5. Klaffe 39. Preußisch-Süddeutsche Staats-Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Rummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 26. Ziehungstag 7. September 1932 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Gewinne zu 25000 M. 5022 2 Gewinne zu 1 0000 M. 1 05936 14 MDhme 6000 W. 92377 94458 116864 156791 165480 283039 305266 22 S-winn« tu 3000 M. 86004 100201 159348 173866 238944 252013 306013 320741 344679 347966 366640 68»tBinn« jn 2000 m. 15810 30703 30835 32851 55999 57941 58535 61140 62061 91435 96657 97733 104461 1 04639 1 1 3530 1 3891 7 148132 167535 187660 187974 208830 212923 229041 267922 283523 292006 322166 322819 330846 331807 344244 354553 359987 389339 108«.winn-«u 1000 M. 1659 5030 13136 20580 24111 24203 30133 3631 9 37862 39359 42037 54852 57643 59155 61334 62772 81173 871759485799819 113305 114462 115234 147325 148234 171333 137206 193609 204339 215054 229832 230627 233947 235837248255 257239 258396 271749 273823 287198 292678 315572 316143 321073 326204 347740 343743 353327 362410 369029 392497 393183 393775 394441 172 B-ü-ta.« iu 500 M. 9708 18073 18408 22791 23844 29683 32642 34611 47260 47834 50723 58858 65447 74364 75826 30229 88626 90052 94037 102582 113416 119550 123916 132257 136151 140319 141384 145449 151793 153076 165912 167337 170931 171730172235 173455 176356 183502 134181 203344 204210 205849 206075 213630 216436 222414 225849 226780 223603 232447 235326 241235 253578 261386 268810 271133 279077 282770 290970 294297 298196 299139 299313 300600 303035 313132 313919 323109 325244 326240 330677 339702 345183 353036 355517 368407 374262 379110 380419 385113 387426 387722 331339 331911 395159 398344 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne üb« 400 M. gezogen 2 Gewinns>u 1 0000 M. 369330 14 vswinn»|B 5000 38. 26613 35269 835» 96681 172476 197798 282636 12»rtmin«!» 3000 90. 19854 119532 195943 278621 296867 332012 32 CtotDinnc tu 2000 M. 2281 2727 96347 96542 97577 98870 99598 103744 107237 179876 221148 235843 235951 354898 363710 368870 90 Sewinn« 1 000 M. 10358 16453 20631 43108 46596 52113 60387 73576 83263 35612 109804 112518 118190 113205 119273 125314 129481 144249 150361 153374 173914 175150 175547 194717 196719 201757 222482 223924 227974 260861 263432 273221 286505 316425 317499 323341 329007 336325 343644 346390 365346 375936 331369 387322 399291 154 Gewinn« in 500 M. 275 6231 9379 9879 11788 12551 13001 14375 17056 26482 26641 36540 37130 37441 43710 46985 69197 61330 62316 63680 65960 68413 63947 80403 86191 83294 90340 101711 109750 120512 123063 135833 140274 152498 154737154821 160261 170719 170722 172194 175946 191975 193253 198779 204104 216604 213434 225361 232179 232416 232527 243210 256852 257930 258057 259107 266560 273020 273163 236245 297103 297727310067 322263 331152 333308 343291 357133 358397 368160 377725 381546 384356 334583 336595 336875 399199 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien je zu 500000, 100 Schlußprämien zu je 3000, 2 Gewinne zu je 75000, 2 zu je 50000, 13 zu je 10000, 6S zu je 5000, 102 zu je 3000, 272 zu je 2000, 590 zu je 1000. 924 zu je 500. 283S zu je 400 M. uerKäuie ]i Radio Tapeten S,illat. Kolonie- ftrafte 9. KisidungsstocKo, (uascoo UM. Wenig netrag«»« Kavaliergarderobe von Millionären, Aerzten, Anwälten. Fabelhaft billige Preise. Empfehle Taillenmäntel, Pa- letots. Fracks, Emo- lings. Sehrockan» .ziige, Hofen. Sport- Kehpcl,«. Damen- Mäntel. Gelegen- heitsläufe in neuer Garderobe. Weite- fter Weg lohnend. Lothringerfirahe bg, l Trevpc. Rosen thaler Plag Radio. Sprechmaschinen, Netzanschluganlage, komplett mit Röh- ren, Lautsprecher, anschlußfertig,«tz,—, Lautsprecher 4,7b, 7,50, vierpolig 13,—, 18,—, 22,—, Enstem 4,75, 6,50, Elektro. dosen 3,50, 5,50, Anoden, 100 Volt, 3,25, 4,40, 4,95. Netz. anöden 13,—. Bast. lermaterial, Sprech. Maschinen, Kosser» apparate 9,—, 12,—, 15,—, Schrankappa- rate 28,—. 32.—, 35,—, 45,—, 10 000 Werk» 3.- 4,-, 6,— sowie alles Zu» behär billig. Mach. now, Weinmeister, firaße 14. Filiajen: . Friedenau, Rhein i firaße 48; Ehar Gebrauchte Fahrräder 15,—. 20,-. 25,-. 80,—. 35,—. Machnow. Weinmeisterstr. 14.• MOOS! Zurückgenommene Möbel unter Preis. Eichenkrcdenzcn jottenburg. I! scheid» Ecke Ziraße, und " fttätze 54. Bind. Kant. Kant. Radioanlagen. KWWWMWWW tzul« Marken 60.—, Bücherschränke Deinste Monats- 29,—. Kamerlina. raton, billige Preise. Kastanienallee 56 Szilafi, Dresdener. (Ecke Fehrbellinei- straße 99. Kein La- siraße). t.en. Telephon: Jan vualltätsräder und alle Zubehör. teile, spottbillig. Grob, Oranien» straße 120._ Fabrikneue Fahrräder 28,—, 33,—. 35,—, 40,—. 45,—, verchromte Fahrräder von 59,— an. Ballonräder, fabrikneu. 83,— an, mit Freilauf und Rllcktritt»Bremse, jetzt 40.—, 45,—. 55,—, Brennabor. Räder 70,—, Marke Stern 6«,—, 75,—, Arcona jetzt 95,—. Machnow, Wein» meisterstraße l4, Filialen-Friedenau, Rhcinstr, 48 Ehar» loitenburg. Wind. scheidstraße. Ecke Kantstraße, und Kantstraße 54.' Sdciobstbäume. Beerenabst, Hecken» pflanzen, Rosen, Ziersträucher, Koni. leren usw. Preis- liste kostenfrei! M. Haufe.Baumschulen, Zehlcndorf- Mitte, Lichtcrfelderstraß«. Fernspr.: Zehlen- darf 1090.» Zadnaebtsie. Vlatinabkälle Quecksilber Zinn- metalle, Silber- fchmelze. Doldschmel- »erei. Ebristionai. Kövenickerslraße 89. Haltestelle Adalbert. ftrafte. | Krattlaurieuge Pateutmatraken ..Primissima" Me- tallbetten Auflege. Matratzen. Walter. Stargarderstroße acht�elin Kein Laden Tischlerei fertigt Einzelmöbel und Schlafzimmer an. Regel. Skalitzer. straße 17.* nowitz 043;'). Ab 15. September Ne anderstraße 10, I. faküTLfl?!' Motorradtcile und Sportartikel. größte Auswahl. billigste Preise. ! Machnow. Wein. �meisterstraße l4. Fi. lialen: Friedenau. Rheinstr. 48: Cbar. lottenburg. Wind- scheidstraße. Ecke Kantstraße, und Kantstraße 54.* Rgsiniazeiünso Nähmaschinen. große Auswahl. Mark 85.— an. in Rundschiffchen und Centralbobbin 95,— Machnow meisterst!.....------- liale: Friedenau,! Weinmeisterstraße Rheinstratze 48, 1 vier. Balloaräder Riesenauswahl, allerbilligst. Opel. chromballon. Dia. mantballon, Göricke. ballon, Wanderer. Erpreß. Multipler- Monopol» Wittler. Brennabor. Teilzahlung monatlich. ballon. ballon. ballon. ballon. ballon. ballon 19,— Wein Spezialballon. 35,—. 14. Fi»! 45,—. Schlawe, Banon. Lauoo und Baikon 1,10 Reichsmark pro lau. fender Meter konu pleiter Drahtzaun mit neuen T-Eisem Ständer, 40x5 mm »nd la verzinktem viereckigem Draht. geflccht, 50>2 im», Drahtzaunfabrik Sffl 61, Urbanstr. 6. F 6 8477. Kauigesucnel Ohne Stnlchreibegeld vermittelt Woh» nungsheld, Reu» Köingstraß« acht. unddreißig diren Aleranderplaft- Baumschulcnweq, selten gllnINge Zwei-Zimmer-Woh. nung, Bad, 43,—. Haupert, Magbach. ufer 4. itiioigomno Festangestellter, kinderlos, sucht Ein», gwei.Zimmer. Wohnung, auch Vorort, Haupert, Magbachuser 4, 'Reukölln 1029. Berusstätiae Mutter mit Schul. find sucht möblier» tes Zimmer, mög. lichst Reubau, Reu» kölln, Körnerparl» gegend, Kinderbett vorhanden, Offerten unter St. 237 an Vorwärts, Linden» straße 8.