BERLIN Donnerstag S.September 1932 Nr. 424 B 204 49. Jahrgang Redaktion u. Expedition: Lerlm SW SS, Andenstr.S Tel. AI Dönhoff 292—297 Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Wendausgaie des„Vorwärts". Bezugspreis silrbeid, Ausgaben 75 Pf. pro Woche, 3,25 M. pro Monat ldaoon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 39 Pf. Postzeitungs. und 72 Pf. PostbestellgebUhren. Anzeigenpreis: Di« Ifplt. Milli- meterzeile 30 Pf. Die Retlamezeil« kostet 2 Mark. Rabatte n. Tarif. Zuchthaus aus Zwang Das Gondergericht Berlin gegen die papen-Verordnung Einen interessanten Beschluß faßte heute die zweite Kammer des Sondergerichts unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Marsch- n e r in einem zur Aburteilung stehenden unpolitischen Falle. Der Maurer Hermann W i e s e m a n n hatte vor kurzem, am 24. August, in seiner Wohnung in Birkenwerder bei einem Streit Frau und Tochter mißhandelt. Als aus Veranlassung eines Nachbarn zwei Polizeibeamte den bedrängten Frauen zu Hilfe kamen, wurden auch sie von dem wütenden Maurer beschimpft und geschlagen. Dieser Tatbestand, Widerstand gegen die Staatsgewalt und tätlicher An- griff gegen einen Polizeibeamten, unterliegt nach der Antiterror- Notverordnung der Aburteilung durch das Sondcrgericht. Die Mindeststrafe für diesen Fall ist ein Jahr Zuchthaus. Vor Eintritt in die Hauptverhandlung bat nun der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Liebknecht, das Sondergericht, den H a s t b e f e h l gegen den Angeklagten aufzuheben, da doch die Inhaftierung des Angeklagten in diesem unpolitischen Fall nicht notwendig sei. Staotsanwaltschastsrat Dr. Mittelbach schloß sich diesem Antrag mit der Begründung an. daß es in einem Fall wie dem vorliegenden nicht Sache des Sondcrgenchts oder der Staatsanwaltschaft sei, auf ein« sofortige Vollstreckung des zu ver- hängenden Urteils hinzuwirken. Das Gericht habe keinen Anlaß, der Gnodeninftanz vorzugreifen, durch die allein das Urteil ab- geändert werden könne. Das Sondergericht entsprach diesen An- trägen und hob den Haftbefehl bereits vor der Verhandlung auf. Nach kurzer Beweisaufnahme über den eindeutigen Tatbestand beantragte der Staatsanwalt die Verurteilung des Angeklagten. Der Fall habe allerdings nichts mit dem politischen Terror zu tun, der durch die Verordnung des Reichspräsidenten bekämpft werden soll, ober an der Mindeststrafe von einem Jahr Zuchthaus gebe es nichts zu deuteln, da bei dem Totbestand des Angriffs gegen einen Beamten nach dem betreffenden Paragraphen der Verordnung keine politischen Beweggründe notwendig seien. Das Sondergericht müsse es daher dem Gnadenversahren über- lassen, die Strafe in einer weise zu mildern, die den tatsächlichen Verhältnissen enlspreche. Das Sondergericht verurteilte den Angeklagten wegen Ver- brechens nach Z 3 Ziffer 3 der Verordnung des Reichspräsidenten gegen politischen Terror vom 9. August zu der Mindeststrafe von einem Jahr Zuchthaus. In der Begründung sprach Landgerichts- direkter Marschner aus, daß Vergehen, wie das zur Aburteilung stehende, schon immer vorgekommen seien, und daß sie sonst nicht besonders tragisch genommen worden seien. Nunmehr sei es Auf- gab« der Strafverfolgungsbehörden, zu prüfen, ob der Angeklagte eines Gnadenerweises würdig fei. Hindenburgs Rückkehr. Popen, Neurath und(Höring bereits empfangen. Der Reichspräsident, der heute morgen aus Neudeck zurück- gekehrt ist, hat bereits am Bornütiag zunächst den Reichskanzler und sodann den Reichsaußenminister zum Vortrag empsangcn. Um 12.39 Uhr fand danach ein Empfang des Reichstagspräsidenten G ö r i ng statt. Diese Zusammenkunft war bisher nicht angekündigt worden. Unabhängig davon findet der Empfang des Reichstags- Präsidiums— also Görings und der Vizepräsidenten— durch 5iindenburg, wie vorausgesehen, am Freitag statt. Ruhe im Börsentempel. Aber eel wird offenbar nur auf neues Einsteigen gewartet. Nachdem gestern die Kursrückgänge bis zum Börsenschluß angehalten hatten, war der heutige Lörsenverlauf wesentlich ruhiger. Es wird ofsenbar nur kurze Zeit abgewartet, um wieder in das Housteschiff einzusteigen. Der Beginn der Börse war im Ver- hältnis zu gestern f e st. Die Notierungen eröffneten mit 1 bis IVi Proz. über den gestrigen Schlußkursen. Der Verlaus war un- eküheitlich, gegen Ml Uhr erwartete man aber eine feste Tendenz für den Schluß der Börse. Es liegen nämlich bei den Banken wieder neue Publikumsausträge.vor, wenn diese auch kleiner und mit Kursbegrenzung für den Ankauf(Limitet versehen sind. Auf dein R e n t e n m a r k t haben sich die Abgaben ver- r i n g e r t. Die Vorzugsanleihe der Reichsbahn blieb mit 82� ün wesentlichen unverändert. tfoStkurie genügt! Leipzig, den 7, September 1952. \ betr.; Verbot der Tageszeitung.Vorwärts", Beschluß des 4. Strafsenats des Rgi chsge r ichts vom 6. September 1932. Die Beschwerde wird als unbegründet verworfen. Die Geschäftsstell e des 4.Strafsenats des Reichsgerichts Minister i al amtmann. Die obenstehende Postkarte ging uns heute aus dem Reichs- gericht zu. Sie ist die Antwort auf eine ausführliche Beschwerde gegen das letzte dreitägige Verbot des„Vorwärts" durch die Papen-Regierung. Die lapidare Kürze dieses„Kurzbescheids" beleuchtet schlaglichtartig die herrlichen Zeiten, in die uns das Kabinett der Barone geführt hat. Gchleicher-JMan und Völkerbund Deutsche Privatarmeen in der Rechnung Paris, 8. September.(Eigenbericht.) Die französische Regierung hat nach einem vielstündigea Kabinettsrat ein nichtssagendes Kommunique herausgegeben, in dem sie die Beratung der Antwort auf die deutsch« Wehrdenkschrift unter—„laufende Angelegenheiten" aufzählt. Die Pariser Presse aber weiß zu berichten, daß die französische Antwort negativ ausfallen werde: Zunächst lehnt Frankreich jede Separatverhandlung mit Deutschland ab. Dann wird unter Berufung auf den Versailler Artikel 161 erklärt, daß Deutschland die Verpflichtung habe, sich in den Grenzen des Militär- statuts in Teil V. zu halten. Der Völkerbundsrat kann durch einstimmige Entscheidung«ine Revision vornehmen. Zum Schluß folgt eine kleine Polemik über das Dilemma „Gleichberechtigung noch unten oder nach oben": Wenn Deutsch- land die Gleichberechtigung nach oben, d. h. die Aufrüstung fordere, widersetzt es sich dem Versailler Grundgedanken, der allgemeine Abrüstung fordert. Verlangt Deutschland die Gleichberechtigung nach unten, dann muß es die Ergebnisse der Abrüstungskonsercnz abwarten. Aber auch in diesem Falle darf es sich nicht das Recht herausnehmen, einseitig zu entscheiden, ob die Abrllstungs- konserenz weit genug gegangen sei.. Selbst die nationalistische Presse ist mit diesem Inhalt der französischen Antwort recht zufrieden, wenn auch einige Ueber- Nationalisten ein glattes Nein gefordert hatten. Wie der„Petit Parisien" mitteilt, hat sich herriok noch einen diplomatischen Druck in Reserve behalten: er will eventuell den Völkerbund aus Grund des Artikels 213 anrufen und eine besondere Untersuchung über den Stand der legalen und illegalen Rüstungen in Deutschland beantragen. Die Presse der Radikalen Partei tritt nach dem Vorbild der Sozialisten auf das Entschiedenste für eine weitere Abrüstung Frankreichs ein. Die„Er« Nouvelle" erklärt, daß„dos im Versailler Vertrag vorgesehene Minimum der Rüstung leider noch nicht erreicht" sei. Die„Republique" schreibt: Es liegt auf der Hand, daß wir nicht bei einem Nein stehenbleiben dürfen, so berechttgt es auch sein mag. Wir müssen der deutschen Forderung einen positiven Abrüstungsplan ent- gegensetzen, und zwar den Plan Hoover-Herriot. WasHoooer fordert, ist die greifbare und gleichzeitige Abrüstung: was Herriot fordert, ist die international« Kontrolle unter Berück- fichtigung auch der irregulären halbmilitärischen Verbände." Der sozialistische Parteiführer Leon Blum kündigt der Regierung im„Populaire" nochmals schärfste Opposition an. wenn sie etwa die Beibehaltung der französischen militärischen Ucberlegenheit durch Konzessionen an Deutschland erkaufen wollte. „Wir wollen keine Ausrüstung Deutschlands, denn die Entwaffnung Deutschlands ist für uns der Anfang und die beste Garantie für die allgemeine A b r ü st u n g. Wir fordern die Gleich- heit unter allen ehemaligen Kriegführenden durch ständige und progressive Verminderung aller Rüstungen." Kommunistische Lügenhetze. Die„Rote Zahne" überschlägt sich. Es ist immer dieselbe Geschichte! Die Sozialdemokratie kämpft gegen politische und soziale Reaktion, und die KPD. kämpft— gegen die Sozialdemokratie! Um Papen, Hitler, Lohnraub, Verfassungsbruch kümmert sich die„Rote Fahne" höchstens nur nebenbei. Hauptfeinde bleiben nach wie vor die Sozialdemokratie und die Gewerk- schaften. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat vom Reichs- tag die Aufhebung der Lohnraubverovdnung gefordert. Die „Rote Fahne" weist in ihrem Leitartikel nach, daß das„Ar- beiterbetrug" und„Verrat" ist. Die kommunistische Fraktion hat denselben Antrag gestellt— aber das ist dann natürlich nicht Verrat, sondern eine bolschewistisch-revolutionäre Heldentat. In einem anderen Artikel bringt es ein Schmierfink fertig, folgenden Satz zu schreiben:„Schluß mit den ADGB.- Führern, die an der Durchführung dieser Verordnung mitarbeiten wollen!" Wann wird endlich Schluß gemacht mit dem erbärm- lichen Verleumderpack, das die Arbeiter belügt und durch- einanderhetzt? Blättert man Um, findet man folgenden Kernsatz: „Stampfer und Wels sind mit der Aufrüstung Papens I und Schleichers hundertprozentig einverstanden." Oer Mord an der Gprachlehrerin Oer Mann mii dem grauen Hut- �000 Mark Belohnung Woher weiß der Bursche das? Er saugt sich's aus den Fingern. Das genügt vollständig! Haben Redakteure eines sogenannten„Arbeiterblattss" in dieser Zeit nichts anderes zu tun, als solche idiotischen Lügen über die Gewerkschaften und die Partei zu erfinden? Aber so haben sie es ja alle die Jahre getrieben. Sie haben zum Nutzen und zur Freude aller Feinde des Proletariats an der Arbeiterbewegung systematische Zerstörungsarbeit ge- trieben. Täglich und stündlich sind sie der Sozialdemokratie bei ihrem Kampf um die politischen und sozialen Rechte der Arbeiter in den Rücken gefallen, bei neun- undneunzig von hundert Parlamentsabstimmungen haben sie mit den Faschisten gegen die Sozialdemokratie gemeinsame Sache gemacht! Und jetzt, wo das Unheil da ist, das s i e an- gerichtet haben, heulen sie:„Die SPD. hat schuld!" Wir sind der Meinung, daß Parteien, die wirklich Arbeiter Parteien sein wollen, in dieser Zeit etwas an- deres zu tun hätten, als gegeneinander Krieg zu führen. Darum haben wir zu den Angriffen der Kommunistenpresse in unzähligen Fällen geschwiegen. Aber schließlich hat alles seine Grenzen. Die Kommunistenpresse selbst zwingt zur Er- kenntnis, daß derKampfgegendenKommunismus ausgekämpft werden muß, wenn die Arbeiterbewegung wieder gesunden und erstarken soll. Röhms Liebesbriese. Vor Gericht aufs neue als echt erwiesen. München, 8. September.(Eigenbericht.) Gestern fand in dem Prozeß des Schriftstellers Dr. Helmut Klotz gegen den Redakteur an der nationalsozialistischen Zeitung in Han- nover, Behrens, Zeugenvernehmung in München statt. Das Hannoversche Nazrblatt hatte anläßlich des Ueberfalls im Reichs- tage auf Dr. Klotz diesen als den„Fälscher der Röhm- Briefe" bezeichnet. Deswegen hatte Dr. Klotz Privattlage wegen Beleidigung und verleumderischer Beleidigung erhoben. Als Z e u- gen waren durch Dr. Klotz der Hauptmann Röhm und der Oberlandesgerichtsrat Dr. Kemmer geladen worden: letzterer hatte seinerzeit in dem Strasverfahren gegen Röhm wegen Ver- gehens gegen den§ 175 des Strafgesetzbuches als Unterfuchungs- richter amtiert. Herr Röhm war, wie zu erwarten war, nicht erschienen, sondern hat sich„entschuldigt". Dafür erschien der Oberlandesgerichtsrat Dr. Kemmer, der von seiner vorgesetzten Dienststelle die volle Aussagegenehmigung erhalten hatte. Dr. Kemmer er- klärte unter Zeugeneid, daß er den Hauptmann Röhm am 28. Jult 1931 vernommen und daß Röhm hierbei gestanden habe, die später durch Dr. Klotz veröffentlichten berühmten drei Liebes- briefe selbst verfaßt, selb st geschrieben und selb st unterschrieben zu haben. Aazi ins Zuchthaus. Lleberfoll auf der Landstraße. Düsseldorf, 8. September. Das Düsseldorfer Sondergericht verhandelte gegen drei Na- tionalsozialisten aus Düsseldorf-Benrath, den 26 Jahre alten Elektriker Himken, den 28 Jahre alten Arbeiter Berhoeven und den 23 Jahre alten Lademeister Boes. Die Angeklagten waren am 23. Juni d. I. nach Urdenbach gegangen. Unterwegs kam ihnen der 46jährige Arbeiter Ulrich, der Antifaschist ist, auf seinem Fahrrad entgegen. Die drei Nationalsozialisten rissen Ulrich vom Rade und mißhandelten ihn mit Stöcken schwer. Himken soll außerdem auf den Parteilosen Bruhn, der zufällig des Weges kam und den Streit schlichten wollte, einen Schuß abgefeuert haben, der Bruhn am rechten Arm streifte, in die Brust drang und vor dem Brustbein stecken blieb. Das Gericht verurteilte Himken unter Versagung mildernder Umstände zu einem Jahr acht Monaten Zuchthaus, Boes zu sieben und Berhoeven zu sechs Monaten Gefängnis. Sondergericht über Erwerbslose. Beuthen, 8. September. Vor dem Sondergcricht hatten sich 18 Arbeiter, die der Kom- munistischen Partei angehören, wegen Aufruhrs zu verant- warten. Der Verhandlung lagen die Vorgänge in dem Industrie- ort Rokittnitz zugrunde, wo es anläßlich der Kürzung der Er- werbslosenunterstlltzung zu schweren Zusammenstößen zwischen etwa 200 Arbeitslosen und Polizeibeamten gekom- men war. Das Gericht verurteilte die Rädelsführer zu Gefängnis- strafen von zwei Jahren, einem Jahr drei Monate» und einem Jahr. Die übrigen Gefängnisstrafen bewegten sich zwischen sechs und zehn Monaten. Fünf Angeklagte wurden freigesprochen. In der Urteilsbegründung hob der Vorsitzende hervor, daß die Taten zum Teil aus der Not der Zeit heraus geboren seien und das Ge- richt sich deshalb entschlossen habe, allen Angeklagten mil- dernde Umstände zuzubilligen. Gchülertragödie. Ein Vierzehnjähriger erhängt aufgefunden. 3n der Wohnung feiner Mutter in der Brandenburgi- schen Straße Zö in Wilmersdorf erhängte sich gestern abend der tljährtge Gymnasiast Erich Darbt. Der Junge, der das Wilmersdorfer Gymnasium besuchte, war abends mit seiner Mutter, einer Witwe, allein in der Wohnung. Nach dem Abendbrot suchte der Sohn sein Zimmer auf. Als nach einiger Zeit Frau B. sehen wollte, ob der Knabe schon zu Bett gegangen sei, fand sie die Tür verriegelt. Als nicht geöffnet wurde, bekam es die Frau mit der Angst und rief Nachbarn herbei. Die Tür wurde schließlich gewaltsam geöffnet. Den Eintretenden bot sich ein erschütterndes Bild. Der Vierzehnjährige hatte sich mit einer Gardinenschnur am Bett erhängt. Obgleich die Feuerwehr sofort zur Hilfe gerufen wurde und lang- wierige Wiederbelebungsversuche anstellte, konnte der jugendliche Lebensmüde nicht ins Leben zurückgerufen werden. Die Kriminal- Polizei ist zur Zeit bemüht, die Gründe zur Verzweiflungstat des Kindes zu klären. Leo Trotzky darf nun doch nach Bad Pistyan(Tschechoslowakei) kommen, jedoch muß er sich zur Eiichaltung gewisser B e d i n g u n- gen verpslichten, so daß er die Tschechoslowakei nicht zum dauernden Ausenthalt wähle, daß er sich jeder politischen Tätigkeit enthalte und erst nach Schluß der Kurfaison hier antonnne. Bis in die frühen Morgenstunden hinein hat die Mordkommission Zeugen vernommen, um die mysteriöse Bluttat an der 5ö Zahre alten Sprachlehrerin Emma Earl-Broscato aufzuklären. Durch die Vernehmungen hat die Kommission eine ganze Reihe Anhaltspunkte gewonnen, die aber im Lause des Heu- tigen Tages erst ausgewertet werden müssen. Die Ermordete, eine gebürtige Italienerin, war mit dem Lektor Alfons Carl verheiratet. Die Ehe ist aber feit fünf Jahren geschieden. Der Ehemann ist bei der Pressestelle der Reichsregierung beschäftigt. Zwei Töchter im Alter von 19 und 22 Jahren, Margarete und Bianca, wohnen bei dem Vater in der Bülowstraße. Sie entdeckten, als sie am Mittwoch abend ihre Mutter besuchen wollten, das Verbrechen. Die Sechs-Zimmer-Wohnung, die Frau Broscato zur Zeit der Ehe bewohnte, hatte sie beibehalten. In der Wohnung war auch das Büro der italienischen Emigranten-Liga unter- gebracht. Es handelt sich um eine Gründung der Frau B., der in Kriegszeiten Italiener angehörten, die nicht gegen Deutschland kämpfen wollten. Frau B. vermietet« mehrere Zimmer und gab Stunden als Sprachlehrerin. Sie konnte sich von ihrer gut ein- gerichteten Wohnung nicht trennen und tat alles, um den Hausstand zu erhalten. Auf der rechten Seite von der Diele aus gesehen, tritt man in ein großes Eckzimmer und von hier aus in ein kleineres, das nur wenige Möbelstücke enthält. In diesem Zimmer wurde auch das Verbrechen verübt. Frau B. waren die Kleider vom Leib gerissen. Mehrere Schläge hallen den Kops gelrofsen. Ein Schlag war so heftig gegen den Mund geführt, daß drei Zähne ausge- schlagen waren. Blutspritzer waren an den Wänden. Mit einem Leinensehen war die Frau erwürgt worden. Die Durchsuchung der Wohnung ergab merkwürdig« Funde, die vorläufig noch nicht geklärt sind. Aus einem Schreibtisch fand man eine leere Aktentasche und einen grauen weichen Hut mit schwarzen! Bande. Aus dem Bett eines Untermieters, der seit April d. I. dort wohnte, fand die Kommission einen blutbefleckten Bademantel und außerdem Hosenträger. Das Bett des Mannes war �durchwühlt. In dem Zimmer des Untermieters wurde unter einem Schrank ein Mieder geftinden, das zweifellos der Frau gehört. Diese Funde lassen aber noch keine Rückschlüsse zu. Die Tatzeit steht mit ziemlicher Sicherheit fest. Danach muß der grauenhafte Mord am Dienstag etwa gegen 12 Uhr mittags ausgeführt worden sein. Am Dienstag vormittag kam zunächst e i n Mann zu Frau B. Er wurde von dem Pförtner, der jedem Besucher die Tür öffnen mutz, gesehen. Nach etwa 20 Minuten hat dieser Mann das Haus wieder verlassen. Kurze Zeit danach kam ein anderer Mann, von dem die Polizei eine ziemlich genaue Beschreibung hat. Dieser Mann soll auch den grauen Hut mit dem schwarzen Band, den man aus dem Schreibtisch gefunden hatte, ge- tragen haben. Der Mann fragt« den Psörtner nach Frau B., ging hinauf und man hörte ihn oben klingeln. Dieser Mann ist nicht mehr gesehen worden. Man vermutet in ihm den Mörder. Beide Männer sind wahrscheinlich auf Grund des Aushängeschildes„Zu vermieten" gekommen. Der Untermieter ist der 26 Jahre alte Land- wirt Dr. Siegfried Cyrcaci-Wantrup aus Langenberg. Wamrup ist Landwirtschaftsberater und bei einer Treuhandgesell- schaft in der Dessauer Straße angestellt. Das Zimmer hat er ge- mietet, um eine Unterkunft zu haben für die wenigen Tage, die er sich in Berlin aushält, da er sonst ständig aus Reisen ist. Ein großer Teil seiner Garderobe, soweit er ihn nicht mitnahm, befand sich noch in seinem Schrank im Zimmer. Der Bruder des jungen Mannes, der in der Uhlandftraße wohnt, ist von der Mord- kommiffion herbeigeholt und vernommen worden. Frau Broscato wird als ein« lebenslustige, noch gut aussehende und temperamentvolle Frau geschildert. Sic unterhielt einen regen Verkehr mit ihren Schülern und Schülerinnen und soll eine aus- gezeichnet« Sprachlehrerin gewesen sein. Auf die Ergreifung des Mörders ist von der Polizei eine Belohnung von 1000 vlark ausgesetzt worden. Oas Mordzimmer. Das Zimmer, in dem Frau B. ermordet aufgefunden wurde, ist an ein Fräulein H. vermietet. Diese Tatsache ist erst heute morgen bekannt geworden. Fräulein H. schlief auch in dem Zimmer und aus dem Ruhebett, aus dem die Frau ermordet aus- gefunden wurde. Aufsollend ist weiter der Umstand, daß die Er- mordete noch einen Schuh an den Füßen hatte, während der andere im Wohnzimmer gesunden wurde. Allem Anschein noch hat sich in dem Hause Tempclhofer Ufer 32 ein Kriminaldrama abgespielt, dessen Urgründe noch vollkommen dunkel sind. „Untersuchung" unter Blitzlicht Nationalsozialistisches Theater wird photographiert Der sogenannte Polizei-Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtags begann seine Arbeit ain Donnerstag mit der Untersuchung der Vorkommnisse b«im Eingreisen der sogenannten Lynaer Wache a ni Wedding in Berlin in der Nacht vom 11. zum 12. Juli 1932. In dieser Nacht war der Rcichsbannersührer Wölsel von Ra-ionalsozialisten übersollen und schwer verletzt worden. Die Täter flüchteten in ein Verkehrslokal ihrer Partei. In diesem Lokal wurden später von einein U e b e r s a l l k o m m a n d o der Polizeiwache in der Lynaer Straße mehrere Nationalsozia- listen verhaftet.— Als Zeuge erschien dann der I4jährige nationalsozialistische Strahenbahnschassner Sagerl. In diesem Augenblick stellte ein Photograph seinen Apparat auf, um eine Ausnahme von dem Ausschuß und dem Zeugen zu inachen. Die Sozialdemokraten erhoben dagegen Wider- spruch. Die Nationalsoziali st«n wünschten jedoch di e Aufnahme. Die Zulassung des Photographcn wurde schließlich gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und des Zcn- trums beschlossen. Sagert sagte aus, er habe in dem Lokal Ravenestr. 10 in jener Nacht die Telephonwache des S-Sturmbannes 10 der NSDAP, gehabt. Gegen%5 Uhr habe er laute Hilferufe auf der Straße gehört. Draußen habe sein Kamerad Kring blutüberströmt gestanden. Kring sei dann nach Hause gegangen. Bald darauf sei wieder an die Tür geklopft worden, er selbst habe vorn im Gastraum Rufe gehört„Hände hoch!" und ein wüstes Gebrüll. Als«r nach vorn ging, sei«ine Maschinenpistole auf ihn gerichtet worden, und er habe die Hände hoch genommen. Auf seine erstaunte Frage, was denn los sei, habe er einen Stoß mit dem Kolben oder der Faust in den Rücken bekommen. Ein Beamter habe ihn in äußerst brutaler Weise aufs Auto gestoßen. Dieser Beamte habe ein„äußerst brutales Gesicht" gehabt, daß man nie vergesse: er würde ihn deshalb wiedererkennen. Auf dem Auto habe sich Kring bereits befunden. Die Festgenommenen seien von den Beamten als„Arbeitermörder" und„Nozistrolche" beschimpft worden. Kring, der sich empörte, habe derartig eins auf den Mund bekommen, daß ihm die Zähne herausflogen. Auf die Frage nach der Nummer des Beamten, der ihn geschlagen habe, will der Zeuge Sagert die Antwort erhalten haben:„Die Nummer brauchen Sie nicht, Sie können sich die Nummer unseres Wagens merken." Auf der Rcoierwachc sei die Behandlung dann sehr anständig gewesen. Auf eine Frage des Berichterstalters Engel(Nfoz.) erklärte der Zeuge, ein Taxi-Chauffeur habe ihm nachher erzählt, das Heber- fallkommando sei alarmiert worden von einem dicken Herrn, der einen Schäferhund bei sich hatte. Dieser habe den Kring ver- folgt und den Hund auf ihn gehetzt. Auf weitere Fragen bekundete der Zeug«, er sei einmal im Lokal und einmal beim Besteigen des Wagens geschlagen worden. Nach Feststellung der Personalien aus der Wach« in der Lynarstraße sei er sofort wieder entlassen worden. Aus Verlangen des Abg. Dr. Hamburger verlas darauf der Be- richterstatter Engel den Inhalt des polizeilichen Meldebuches. Danach ist der R e i ch s b a n n« r f ü h r e r Max Wölsel in jener Nacht mit einer blutenden Kopfwunde aus dem Bürgersteig liegend aufgefunden worden. Auf der Rettungsstelle wurde«in Beinbruch und eine Stirnwund« festgestellt. Volksküche geschlossen. Zwölf Erkrankungen in Steglitz.— Bakteriologische Untersuchung. Die Ausgabestelle der Volksküche im Lichlerselder Rathaus ist von den Behörden bis auf weitere» geschlossen worden, da vor «inigen Tagen nach dem Genuß von Heringsklopsen 12 Per- sonen erkrankt sind. Bisher war es noch nicht möglich, die Ursache der vergistungserscheinungen, denn um solche handelt es sich Zweifel- los, zu ergründen. Drei Erkrankte sind ins Binzenz-Krankenhaus übergeführt worden, die übrigen neun Erkrankten befinden sich In hauspslcge unter scharser ärztlicher Beobachtung. Wie von Medizinalrat Dr. Marks, der die Untersuchung leitet, ermittelt wurde, äußerten sich die Vergistungserscheinugen in Durchfall und Erbrechen mit Fiebererscheinungen. Sämtliche Er- krankungsfälle verlaufen, wie von den Behörden oersichert wird, durchaus gutartig. Ob es sich um eine Nahrungsmittelvergiftung oder einen Krankheitserreger handelt, steht noch nicht fest. Eine bakteriologische Untersuchung bei dem Personal der Ausgabestelle der Zentralküche Steglitz in der Poulsenstraße sowie der Erkrank- ten ist eingeleitet worden: das Ergebnis liegt aber noch nicht vor. Die Voltsspeiseanstalt im Lichterselder Rathaus ist bis zum Ab» schlug der Untersuchung auf Anordnung des Medizinolrotes Dr. Marks geschlossen worden. Oroschkenquadraie und-kreise bleiben. Ingenieur Eonrad mit seiner Klage abgewiesen In dem Droschkenkrieg um die Quadrate und Kreise liegt nun« mehr die erste Gerichtsentscheidung vor. Die 3. Ferienkammer des Landgerichts II hat di« Klage des Ingenieurs Conrad gegen den Droschkenbesitzer Syring aus Zahlung von 60 Mark Lizenz- gebühr wegen Benutzung der angeblich patentarntlüh geschützten Quadrate und Kreise abgewiesen. Die Gründe für diese Eni- scheidung liegen noch nicht vor. In der Widerklage Syrings gegen Conrad auf Löschung des Gebrauchsmusters mußte aus formalen Gründen neuer Terniin auf den 12. Oktober anberaumt werden. Sobald das ausführlich« Urteil gegen Conrad vorliegt, wird sich er- kennen lassen, aus welchen Gründen dos Gericht die Ansprüche Conrads, die zu den! ganzen unerquicklichen Streit Anlaß gegeben haben, zurückgewiesen hat. Sozialdemokratische Lehrer danken Heinrich Schulz. Bei Beginn der letzten Vorstandssitzung der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands gedachte der Vorsitzende, Kurt L ö w e n st e i n, mit ehrenden und herzlichen Worten des verstorbenen Genossen Heinrich Schulz, der der Be- gründe? der Arbeitsgemeinschaft und mehrere Jahre der erste Vor- sitzende war. Unter falscher Flagge. Vom Deutschen Freidenkerverband wird uns ge- schrieben:„Unter dem Namen Deutscher Freidenkerverband(Opposition) wird an den Berliner Plakatsäulen zu einer am Freitag, dem 9. September, in Kliems Festsälen stattfindenden öffentlichen Versammlung mit dem Thema:„Wird der Deutsche Frei» denkerverband verboten?" aufgerufen Wir ersuchen unsere Mitglieder, dieser Veranstaltung fernzublei- b e n, da der Verband damit nichts zu tun hat. Diese ver- werfliche Methode bedeutet einen Mißbrauch unseres Namens, gegen den wir uns zur Wehr setzen werden. Zur Beunruhigung der Mit- gliedschast liegt keine Veranlassung vor." Major a. D. Kurt Anker hat dieser Tage seinen Austrift aus der Sozialdemokratischen Partei erklärt, der er etwas über ein Jahr angehört hatte. Er hat sich einer politischen Splittergruppe angeschlossen, die sich sozialrepublikamsch nennt. Der Berliner und sein Wald Er soll ihn hegen und pflegen, nicht verschmutzen und schänden Seit Kriegsende ist das Drängen der Berliner Bevölkerung nach außen, nach Wald und Wasser, nach Luft und Sonne noch weit stärker geworden, als es vor dem schon war. Glückliches Berlin, du hast neben den vielen Seen und Flußläufen in nächster Nähe W a l d f l ä ch e n von einer Ausdehnung, wie kaum eine zweite Weltstadt. Nicht weniger als 22 000 Hektar Wald befinden sich im Besitz der Stadt Berlin. Anschließend erstrecken sich aber noch die weit umsangreicheren staatlichen Waldgebiete. Die ersten Waldungen kamen um das Jahr 1875 in den Besitz der Stadt. gleichzeitig mit größeren Flächen R i e s e l l a n d. Es handelte sich damals um 3400 Hektar Forst. Bis 1013 waren es 7800 Hektar. Die Berliner Waldungen dienen nicht in erster Linie dem Nutz- effekt, obgleich immerhin etwa 70000 Fe st meter Holz im Jahre gewonnen werden können Auch als Jagdgebiet kommen unsere Wälder nur wenig in Betrocht. Hasen und Kar- nickel nehmen ab und Rehe und Hirsche werden gepslegt zur Be- lebung des Landschaftsbildes. Auch hier die Mahnung an die Waldbesticher: Erschreckt nicht das Wild! Genießt den Anblick der munteren Tiere im stillen. Und stört und verfolgt auch nicht die Schar der gefiederten Sänger, die unsere Wälder so freudig beleben. Die Berliner Waldungen sollen in erster Linie der Gesund» heit und Erholung der Berliner Bevölkerung dienen. Als das Gesetz vom 29. Juli 1022 betreffs die Erhaltung der Baumbestände und Ufcrwege erschien, das an sich nur für den Stadtbezirk einschließlich eines ihn umgebenden Streifens von 8 Kilometer Breite, Geltung hatte, hat die Stadt freiwillig den Gesamtforst diesem Gesetz unterstellt, um die Schönheiten des Waldes der Bevölkerung zu erhalten. In glücklicher Ergänzung und Abwechslung einen sich um Berlin See und Wald und Flußläuse zu Bildern eigener Schönheit. Wald und Wasser gehören zusammen. Und längs der Wasserläufe haben sich die lufthungerigen Berliner große Zeltlager aufgebaut. Die Ruderer und Segler legen an bekannten Stellen an und bauen dort ihre Zelte auf. Etliche Zehntausende sind es, die ihr Wochen- ende so verleben. Die Forstverwaltung weist die Plätze gegen eine geringe Gebühr(2 Mark für drei Tage) an. Dann die Dauer- zeltlager. Hier werden die Plätze für das ganze Sommer- Halbjahr für eine Zusatzgebühr von 3 Mark, sür Erwerbslose für 1,50 Mark oergeben. Das sind die„Kolonien" mit ständiger Be- völkerung, wie z. B. die Kolonie ,.K u l e Wampe" am Müggel- see, eine Republik mit erwählter Leitung, dem Obmann. Unge- schriebene aber streng durchgeführte Gesetze regeln das Lagerleben. Auch hier sind es einige tausend Zelte in den Berliner Forsten. Natürlich haben sich die Inhaber der Dauerzclte die schönsten Plätze herausgesucht: sie sind der Forstverwaltung sehr viel lieber, als die„Eintagsfliegen", die es häufig an Sauberkeit fehlen lassen. In den Dauerlogern herrscht peinlichste Ordnung und Sauberkeit. Nichts von Siullenpapier, Schokoladen- und Zigaretten- schachkeln, Flaschen und Konservenbüchsen. Wie oft schon wurde die Mahnung an die Berliner Bevölkerung gerichtet, den Wald sauber zu halten. Die verwesenden Ueberrcste sonntäglichen Picknicks sind nicht bloß ein Gefahrenmoment bei Waldbränden, sie ziehen Taufende von Fliegen und anderes Ungeziefer an, und verderben den nach- folgenden Besuchern den Appetit. Ein guter Fang. Kriminalbeamter schnappt Kolonne von Autodieben. Einen guten Fang machte gestern abend ein Kriminalkommissar- anwärter am Biktoria-Luise-Platz. Der Beamte war mit einem Auto dienstlich unterwegs. Am Biktoria-Luise-Platz bemerkte er mehrere Männer, die an einem großen Mercedes standen. Cr hielt an und beobachtete die Leute. Dabei gewann er den Eindruck, daß der Wagen verkaust werden solle. Unauffällig ging er an den Wagen vorbei und mußte dabei feststellen, daß das Nummernschild oerändert und gefälscht worden war. Die„Käufer" fuhren jedoch wieder davon. Nach kurzer Zeit hielten sie aber wieder aus dem Biktoria-Luise-Platz. Plötzlich kam ein anderer Wagen heran, der dicht vor dem Mercedes hielt. Der Chauffeur brachte eine Stahl- trosse heraus, um den großen Wagen abzuschleppen. Jetzt sprang der Beamte hinzu und nahm die Leute fest. Auf dem Präsidium stellte sich heraus, daß der große Mercedes tatsächlich gestohlen war. Bon den Festgenommenen wird der Diebstahl geleugnet und auf einen großen Unbekannten geschoben. Zm Jahre-1974 „Der Reichspräsident ist 85 Lahre alt und ich bin 43 Lahre alt und fühle mich ganz ge- sund. Wir kommen einmal an die Reihe.. Hitler im Zirkus Krone. Hitler:„Dunnerlittchen, jeht bin i ch SS Lahre alt, jetzt wird's aber Zeit, daß ich die Macht ergreife!* Beschwerden nicht erwünscht. Oer Herr Kommissar gegen mögliche„Anmaßungen". An Hand eines Einzelfalles wurde in einer Kleinen Anfrage im Preußischen Landtag Beschwerde über die Republikanische Be- schwerdestelle geführt und das Staatsministerium gebeten,„die Re- publikantschen Beschwerdestellen als Herd« ständiger Beunruhigung sofort zu schließen". Nach einer Mitteilung des Amtlichen Preußischen Pressedienstes hat nunmehr der kommissarisch« Innenminister Dr. Bracht ge- antwortet, daß es sich bei der Republikanischen Beschwerdestelle um ein« private Einrichtung ohne jeden amtlichen Charakter handele. Ueber ihre Beziehungen zu Privatpersonen Ermittelungen anzustellen, fehlt daher der Staatsregierung die rechtliche Handhabe. Um mm aber sich recht deutlich von der Beschwerdestelle zu distan- zieren, fährt der Minister fort, daß Borsorge getroffen sei, daß der Berkehr der Republikanischen Beschwerdestelle mit amtlichen Stellen auf das Maß deschränkt bleibt, das sich aus der Gewähr- leistung des Petitionsrechtes im Artikel 128 RB. ergibt. Ein« Anmaßung ihr nicht zustehender Aufsichtsrechte über Behörden und Beamte wird nicht geduldet werden. Eine Schließung der Beschwerdestelle ist aus rechtlichen Gründen unzulässig. Hierzu teilt die Beschwerdestelle mit, daß sie sich Aufsichtsrechte über Behörden oder Beamte niemals angemaßt, sondern sich immer streng in dem oersassungs- und gesetzmäßigen Rahmen gehalten Hat- Der bekannte Sozialistenfresser K o r o d i hat aber inzwischen von sich aus eine„Abwehrstelle gegen bolschewistische Umtriebe" ge- gründet, die ein« Nachahmung der Republikanischen Beschwerdestelle, nur nach der anderen Seite, darstellt. Das Paradies von gestern. Die schöne Zeit der Militärdienstpflicht. In der Stunde„Die jung« Generation" im Programm der Berliner Funkstunde sprach Werner Rautenberg über„Die wandernde Landjugen d". Seine Befähigung zum Vortragsredner der Berliner Funkstunde bewies er mit den einleitenden Sätzen seiner Ausführungen, in denen er das V e r- schwinden der allgemeinen Dienstpflicht beklagte und sich zu der Erklärung ausschwang:„Wer weiß, ob unsere Landwirtschaft vor dem Kriege so vorangekommen wäre, wenn nicht... die Soldatenzeit den jungen Leuten den Blick geweitet hätte." Nun, wir marschieren jenen gesegneten Zeiten ja hurtig entgegen. Deutschland, das, um in den Bildern des Herrn Rauten- berg zu sprechen, dornröschengleich eingeschlafen war, wird von den nationalen Rittern mit heldischem Trompetengeschmetter und„Er- wache-Deütschland-Rufen" ermuntert, und die Herren der Funk- bürgen sind nicht die letzten bei diesem minniglichen Bemühen. An diesem Tage führte das kriegerische Leipzig den Zug auf der Aetherwelle, an dem der D e u t s ch l a n d s e n d e r sich be- teiligte. Eine Stunde lang erklangen am Abend die herzerquickcn- den Märsche. Nach dieser Poesie der schönen Vorkriegszeit kam ihre Prosa: aus Köln Johannes Schlafs naturalistisches Drama„M e i st e r O e l z e". Der Menschentyp, den jene Atmosphäre züchtete, stellt sich hier vor. Der beherrschende Machtwillen mit seinen Stützen Neid, Haß. Mißgunst, wenn es sein muß: Verbrechen, zeigt seine Umrisse im Lebensraum der einzelnen Individuen: Menschentum und Mensch- lichkeit werden von ihm erdrückt, im kleinen wie im großen. Das Drama, das Johannes Schlaf 1892 schuf, ließ im Hörbild gespenstisch jene Welt auferstehen, in deren Moderluft man uns heute so gerne zurückführen möchte.__— 1z. Der acht« Kongreß der Znternational-'n Union zur Bekämpfung der Tuberkulose wurde Dienstag im Haag erössnct. Zu dem Kongreß, der bis zum 10. dieses Monats dauert, sind 700 Vertreter aus 29 Ländern, darunter auch aus Deutschland, erschienen. Das Notwerk der Künstler. Heinrich Schulz und die Kunstgemeinschast. Das Hinscheiden von Heinrich Schulz wird allen seinen Freunden aus den Künstler- und Kritikerkreisen so schmerzlich wie unerwartet gekommen sein. Was dieser unermüdlich tätige und ideenreiche Mann in den letzten sechs Iahren für die Künstlerfchast getan hat, genügt ollein, um sein Gedächtnis für olle Zeiten in Ehren zu halten, und wenn deutsche Künstler eine Bürgerkrone zu vergeben hätten, so wäre er der erste gewesen, sie zu empfangen. Leider darf nicht verschwiegen werden, daß es gerade Künstler oder vielmehr ein Teil der Künstlerschaft waren, die ihm durch unsinnige Anklagen und Hetzereien die letzten Lebensjahre verbittert und wesentlich zu seiner schweren Erkrankung und vorzeitigen Tode bei- getragen haben. Das Werk, das Heinrich Schulz aus ernstem Idealismus für die Künstlerfchast unternommen hat, ist die Deutsche K u n st- gemeinschast, die er 1920 begründet und zu den glänzendsten Erfolgen geführt hat. Die Idee war noch nirgends oersucht worden: ein regeres Verhältnis zwischen Künstler und Publikum von der Seite der Konsumenten aus herzustellen, in Gestalt einer Organisation von Liebhabern moderner Kunst, die durch Beiträge und Teilzahlungen sich Anrecht auf Besitz von Kunstwerken sicherten. So konnten Werke lebender Künstler jeder Art zu Leuten dringen, die bisher nicht gewagt hatten, an Erwerb von Originalwerken zu denken: echte Kunst gelangte in weiteste Kreise, und den Künstlern selber war mit dem Wichtigsten geholfen, das ihnen heute so not tut: mit Borverkäusen. Wer-die Ausstellungen in den Parterre- räumen des Schlosses besucht hat, wer den großartigen Versuch mit- erlebt hat, ein Netz solcher Verkaufsgelegenheiten über ganz Nord- deutschland zu spannen und die fruchtbare Idee bis in die ent- ferntesten Teil Deutschlands zu tragen, wird dem verehrten Mann seine selbstlose Tatkraft nie vergessen. Wie fruchtbringend sie war, erfährt man aus den Jahresnachweisen: insgesamt sind von April 1920 bis Ende 1031 2890 Werte für 787 233 M. abgesetzt worden— darunter eine überraschende Zahl von Bildern und Skulpturen unserer besten Künstler von europäischem Ansehen. Zu hassen ist, daß dies Werk, das Schulz mitten im schweren Kriscntum hat verlassen müssen, in seinem Geiste weiter geleitet und in einer besseren Zukunft zu der Allgemeinbedeutung fortgeführt wird, die ihm vorschwebte. p. f. scb. „Die zwei vom Südexpreß." Marmorhaus. Der Titel schädigt das Werk: das Publikum erwartet Ber- liner Tempo und bekommt bayerische Bierruhe serviert: das Publi- kum erwartet einen Eisenbahnerfilm und sieht einen Bergsteiger- film. Denn daß der alternde Mann und der junge Mann, die beide die Dirne lieben: der Alte mit aller Romantik der Selbsttäuschung, der Junge mit oller Erkenntnisnüchternheit eines neuen Geschlechts — daß also„Die Zwei" eine Lokomotive führen, scheint trotz einiger Knallausnahmen nebensächlich. Wichtiger ist, daß die scharfe Tat- sachenkenntnis des Jüngeren die romantische Vorkriegserotik des Aelteren vor Dummheiten bewahrt, so daß alles mit einem Lochen enden darf. So siegte der Film über den Titel, die Darstellerschast lOtto W e r n i ck e vor allem, dann Trude Berliner und Ernst Busch) über das Publikum, die Ruhe über das Tempo, siegten die Berge über die Lokomotive, die schöne Einfalt des Manuskripts (Joseph Thon) und die unmanirierte Ehrlichkeit von Regie und Photographie(R. Wohlmuth, Koch, Illing, Wirsching) über ge- legentlichen Klamauk. Und vor allem, das ist zuzugeben, siegte die breite Anwendung des guten alten Stummfilms mit sehr schöner Musik(Friedrich Jung) über den geheiligten hundertprozentigen Tonfilm. Bei diesen Aufnahmen stummer Menschen in stummer Natur setzte der lauteste Beifall ein. Ein Film der bescheidenen Haltung; und darum vielleicht kein epochemachender, aber ganz gewiß ein sympathischer Film. b. m. Lochum stellt sich vor. Oer neue Musikdirektor der Funkstunde. Hätte ein junger unbekannter Kapellmeister gestern abend im Runtsunk Beethovens„Eroica" so dirigiert, wie Eugen Iochum es tat, es wäre unter anderem allerhand Rühmendes zu sagen gewesen. Von unzweifelhaftem Talent hätte man sprechen müssen, von enthusiastischer Hingabe an das Werk, die sich in fast sakraler Haltung manifestiert: vom Klangsanatismus, vom glühenden Wollen, vom zukunftsträchtigen Wenden(soweit man solches frei- lich überhaupt zu prophezeien wagt). Nun ist Iochum zwar noch sehr jung. Sein Berliner Debüt aber ist das des neuen Generalmusikdirektors der Funkstunde: mehr noch: wir werden ihn an der Spitze unserer Philharmoniker hören, in der Städtischen Oper sind ihm die Neueinstudierungen so reprä- sentativer Werke wie der„Meistersinger", der„Elektro" anver- traut: ehe wir ihn noch richtig kennen und schätzen, ja, auch nur abschätzen gelernt haben, ist er bereits als Machtfaktor erster Ord- nung ins Berliner Musikleben eingeschaltet. Da ist es nur selbst- verständlich, daß an ihn ein anderer, und zwar der höchste Maß- stab angelegt werden muß. Tun wir's, dann fällt vor allem eines auf: die ausfällig große Spannung zwischen Wollen und Können Bon überlegener Sicher- heit, von der Ruhe der Reif«, van meisterlicher Uebereinstimmung zwischen geistiger Werkvorstellung und erklingender Wirklichkeit kann gar keine Rede sein. Handtechnisch ist er durchaus nicht sehr geschickt, auch hierin übrigens ein getreuer Nachahmer Furtwäng- lers, dem er unzweifelhaft nacheifert(was freilich sehr gefährlich werden kann). Musik aufblühen, in naturgesetzlicher Selbstverständ- lichkeit sich entfalten zu lassen, gelingt ihm nirgends: noch steht er zwischen dein Werk und der Wiedergabe; noch will er sich selbst, will zuviel, wie es alle wollen, die zu wenig können, um der Weis- l)eit freiwilliger Beschränkung teilhaftig geworden zu sein. Er ilt ein leidenschaftlicher, ein glühender Jünger, aber noch lange kein Meister. Ist auf dem Wege, ein interessanter Dirigent zu werden, aber noch weit davon entfernt, ein guter Kapellmeister zu sein. Er ist mitten im Wachsen, im Werden— und ist plötzlich Herr von Aemtern, die Eigenschaften erfordern, die er noch gar nicht haben kann: sicherste Ueberlegenhest, pädagogische Qualifikation. Ohne nach der gestrigen kurzen Probe Endgültiges formulieren zu können oder auch nur zu wollen, ist jcstzustellen, daß diese Berufung durch- aus«rperimentellen Charak.er trägt. Verträgt dies aber eine solche Position? Zrnold Walter. „Llnheimliche Gsschichien." Ll.«T Kurfürstendamm. Die artige Kunst, Gruseln zu lehren und damit starken Nerven- kitzel auszulösen, ist von manchem Filmregisseur ausprobiert wor- den. Der stumme Film hat einige seiner besten Leistungen auf diesem Gebiete aufzuweisen. Nun geht auch der Tonfilm daran, diese dankbare Stoffwelt zu erschließen. Richard Oswald, in manchen Sätteln gerecht, wiederholt jetzt einen stummen Film von sich mit mancherlei Aenderungen als Tonfilm.„Die schwarze Katze" von Poe und„Der Selbstmörderklub" von Stevenson dienen seinen Manuskriptverfassern G o l d b e r g mid S z a t m a r i wiederum als Vorlage, in die sie andere unheimliche Geschichten (der nächtliche Spuk im Panoptikum und die tolle Szene im Irren- Haus) hineingearbeitet haben. Der Zusammenhang ist ganz ge- schickt hergestellt, und die Spekulation auf die Nervenprobe schlägt keineswegs fehl. Oswald arbeitet mit mancherlei mechanischen Effekten, das Kabinett des Mörderersinders, seine Zentrale im Klub der Selbstmörder ist mit allen möglichen Maschinerien und Einrichtungen ausgerüstet, die von vornherein unheimlich wirken. Das Schwergewicht des Films ruht in dem, was auch der stumme leisten kann, im Optischen. Doch sind auch einige akustische Reize, besonders das Schreien der Katze, für die Tendenz des Films aus- genützt. Mancherlei Stimmungszauber wirkt in der gleichen Rich- tung. Ein gewisser Widerspruch klafft zwischen dem modernen Zuschnitt(Kleidung, Auto) und dem romantisch-phantastischen Milieu. Der Ball in der Irrenanstalt dürfte in einem modernen Irrenhaus nicht gut möglich sein. Paul W e g e n e r, selbst einst Manuskriptoerfasser, Regisseur und Darsteller auf dem gleichen Gebiet, wirkt nur als Darsteller mit. Er verbreitet die Atmosphäre des Verbrecherischen, Grau- sigen, die seltsame Mischung von Brutalität und Verstiegenheit, die ihm eigen ist, mit stärkstem Erfolg um sich. Als Irrer, der den Chefarzt spielt, hat Eugen Klöpfer passende Wirkung. Auch sonst werden die Irren einprägsam verkörpert.(Maria Koppen- h ö f e r, Greil Bernd, C h a r e l l.) Im Selbstmörderklub werden von Blondine Ebinger, Ferdinand Hardt u. a. inter- essante Typen vorgeführt. Den Journalisten, der da- Bindeglied zwischen den verschiedenen Handlungen darstellt, gibt Harald Paulsen sehr vil. r. „Mein Leopold" im Zentraltheater. Die dauerhafteste Notorganisation hält sich im Zentraltheater der Alten Jakobstraße. Dort leitet Frau Christi Storm das Kollektiv. Da die kaufmännische Geschicklichkeit sich mit schönem Soubrettentalent oerbindet, kann sie schon die zweite Saison er- öffnen. Sie ist ein Liebling ihrer Gegend. Christi Storm singt und spricht das rührende Couplet des Volksstücks:„O schäm« dich der Tränen nicht—— Vor sechzig Jahren wurde das Lied schon gesungen, und es bewegte tief. Das ist heute noch ebenso. Der Schuster Weigelt, der wegen seines verschwenderischen Sohnes an den Rand der Verzweiflung gerät, dann aber sein Familien- und Altersglück wieder erlangt, ist die unvergänglichste Figur des rührenden Volksstücks. Das Stück bietet die prachtvollsten Rollen. DerSchauspieler braucht seineRollen nicht zumachen, sie machen ihn. So wurde den Künstlern ein großer Erfolg bestätigt. dl. H. Rundfunk am Abend Donnerstag, den 8. September Berlin: 16.03 Zeitgemäße polizeiliche Winke aus praktischem Selbsterloben(PoL-Hauptwachtmstr. P. Eggertl. 16.30 Lieder. 16.43 Violinmusik. 17.03 Chöre. 17.30 Was ich photographieren möchte(M. Raschke). 17.30 Vom Hockeywettkamp f Indien— Brandenburgische Silbersdiildmannschaft. 18.23 F. Schreyvogl: Eigene Dichtungen. 18.50 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Konzert.» 20.00 Das bleiche Sterben(Lehrstück). 21.35 Kabarett. 22.23 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. 24.00 3. Sinfonie(Eroica)\on Beetho\en (Dirigent; Eugen Jochum). Königswusterhausen: 16.00 Pädagogischer Funk. 17.30 Rasse und Religion(Pfarrer Henneberger). 18.0!) Entwicklungslinien der zeitgenössischen Klaviermusik(Dr. F. Thöne). 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene(Gertrud van Eyseren. Dr. F. Armesfo). 18.33 Wetterbericht. 19.00 Stunde des Landwirts(Prof. Dr. Ebert). 19.23 Wegweiser durch die Zeit(Dr. R. Pechel). 19.40 Zeitdienst. 20.00 Aus München: Bunte Stunde. 21.00 Aus Hamburg: Schiller. 22.20 W etter-. Tages- und Sportnachrichten. 22.40 Aus Hamburg: Unterhaltungskonzert. Sonst: Berliner Programm. 'JJecantmortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Otto Hengst. Berlin Berlrg: vorwärts Verlag Cli m. d H. Berlin Denck: Vorwärts Buch- drueterei und Berlogsanstalt Paul Singer\ Co. Berlin SW KS Linde, estr. 8 Hierzu 1 Beilage. � ßefchäfts-Jlnsmur NeuS Neu! Ciiamotte-Kadielöfen in farbiger Glasur, 35 cm breit, 35 cm tief, 135 cm hoch, mit Rostfeuerzeug nur 58.80 RN. sind zu haben bei der Berliner Töpferhütte G.m. b.H. Berlin SO. 36, Schlesischestr. 42 Fernsprecher Amt F. 8, Oberbaum 0319 Fliesenarbeit- Baukeramik Gegen EinMlaSKr siaö-, Noll-. SGüisüe-, zieh- und Faltoilter Ein. MW. BitterfaDrili und Schlosserei Berlin-SchOneDerg. 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Zwischen den Papieren des völlig über- hungerten und erschöpften Jungen befindet sich ein oerschmuddeltes Kontoheft mit Gedichten, die ditrch diesen Satz eingeleitet werden: „Aus diesen Gedichten können Sie sehen, wie es manchmal in mir tobt!" Eins der Gedichte heißt: „S ch w e r m u t." Im Wartesaal der 3. Klasse l Sitz ich voller Gram und Schmerz. Denke nach mit ganzem Hasse, Was erschüttert mir mein Herz? Ich habe oft Selbstmordgedanken, Wie sie mir noch gar nicht stehn, Sie kehren wieder ohne Schwanken, Ich kann das selber nicht verstehn. Der Fürsorger blickt über den Heftrand hinweg in Gerhards Gesicht. Das ist eine starre Maske aus Hunger und stumpfer Er- gebenheit. Nur in den Lippen schwillt noch Trotz und Anklage. Bald werden auch sie sich entsagungsvoll verbreitern. Dann wird dieses ausgezehrte Maskengesicht das Antlitz einer ganzen Generation sein, von der heute schon jeder zweite Gerhards Berfe geschrieben haben könnte. „W a s wird aus mir...?" Denn es sind nicht nur die Augen von Proletarierkindcrn, die so stumpf ins Leere starren, wenn man nach ihren Zukunftsplönen fragt. Abiturienten und Studenten antworten auf die Frage, weshalb sie angesichts der Ueberfüllung aller akademischen Berufe unter oft größten Entbehrungen noch ein kostspieliges Studium durchführen:„Eh man untätig herumsitzt und versauert, kann man ja auch noch sein Eramen machen. Vielleicht ist's doch noch einmal zu etwas nütze." Die höhere Schule und die Universität sind in einem ungeahnten Ausmaß Asyle für jugendliche Arbeitslose und Zukünftige Wohlfahrtsempfänger geworden. Nach neuester statisti- scher Feststellung müssen jährlich llOOO fertig ausgebildete Akademiker ohne Anstellung bleiben! Und diejenigen Bürgersöhne, die heute noch dank„guter Beziehungen" zu Amt und Brot gelangen. brauchen nicht gerade den wertvollsten Teil unseres Nachwuchses darzustellen. „Und ich muß stempeln g e h n, das ist schön." Die proletarischen Jugendlichen und die Kinder des Kleinbürgertums, die heute zu ungefähr 60 Proz. arbeitslose Väter haben, be- finden sich naturgemäß in einer noch viel trostloseren Lage als ihre— vorläufig noch von den Eltern behüteten— bürgerlichen Altersgenossen. Und sie sind sich dieser Hoffnungslosigkeit mit ihren 12 und 14 Jahren durchaus bewußt. Singen doch schon die Kleinen auf der Straße: „Waldeslust, Waldeslust, Oh, wie einsam schlägt die Brust. Mein Bater ist arbeitslos, Meiner Mutter geht's famos, Und ich muß stempeln gehn, Das ist schön." Uird Groß-Berliner Volksschüler, die in einem halben Jahre „ins Leben treten" sollen, rechnen in ihrer schriftlichen Beantwortung der Frage:„Was wird aus mir, nachdem ich die Schule verlassen habe?" im vornherein mit der Wahrscheinlichkeit, daß sie„Arbeits- lose" werden. Hier eine der Antworten statt viele* ähnlich lautender: „Ich werde jetzt 14 Jahre. Ostern ist die schöne Schulzeit vorüber. Ich möchte Maschinenschlosser werden. Aber was nutzt das? Wenn man ausgelernt hat, muß man doch stempeln gehn. Erst wollte ich Tischler werden, aber mein Vater sagt, ich soll nicht Tischler lernen. Denn mein Batcr ist Tischler und er ist schon drei Jahre arbeitslos." Die sämtlichen Befragten sind sich darüber im klaren, daß ihnen keine große Wahl bleibt. Jungen, die als Bäckerlehrlinge, Modell- tischler oder Pagen angenommen zu werden hoffen, fügen sogleich hinzu, daß sie aber auch schon froh sein wollen, wenn sie schließlich als Laufburschen eingestellt werden. Von den Mädchen wollen die meisten Schneiderin werden, da sie befürchten, als Verkäuferin doch nicht anzukommen und da sie die weitere Ausbildung für jegliche Bürotätigkeit nicht bezahlen können. Kein eigenes Bett. So düster wie der Ausblick in die Zukunft ist auch schon die Kindheit der Großstadtjugendlichen. In überalterten Wohnungen, die ohne Licht und Luft, dafür, aber oft voll Ungeziefer sind, oder in dumpfen Kellern wachsen sie heran. In einem Aussatz„Unser Haus" wünschen sich die Elfjährigen nahezu einstimmig und sehn- süchtig eine Neubauwohnung und setzen traurig hinzu:„Aber die können wir natürlich nicht bezahlen." 47 Proz. aller Berliner Schulkinder besitzen kein eigenes Bett, acht Personen in Stube und Küche, sind keine Seltenheit,— im Durchschnitt sind es fünf. Der Vater ist arbeitslos und daher ver- bittert und schnell gereizt. Vielfach versorgt er den kleinen Haus- halt. Das nimmt ihm um so inehr an Autorität, je starrer er am patriarchalischen Hausvaterwm festhalten will. Die Mutter geht möglichst als Reinemachfrau tagsüber auf Arbeit. In den Nächten sitzt sie bei erbärmlich bezahlter Heimarbeit, bei der ihr die Kinder wieder häufiger als früher helfen müssen. Oder sie müssen um S Uhr Zeitungen oder Milch austragen. Ehezerrüttungen, vorzeitige gefchlechtlicke Reizung der Jugendlichen und häufig ein erbitterter Kampf aller gegen alle, das sind die Folgeerscheinungen dieser unmenschlichen Verhältnisse. Die über- bürdete Mutter kämpft heldisch darum, den Kindern ein aller- bescheidenstes Glücksgefühl am Elternhause zu erhalten. Aber die geschilderten grausamen Gewalten sind vielfach schon stärker als sie.— Drei bis vier Exmissionen sind keine Seltenheit. Und eben- sooft müssen die Kinder die Schule wechseln. Der Spielplatz ist die Straße,„das Spielen auf dem Hof ist verboten!" und die Grün- flächen liegen zumeist zu weit draußen. „Kaum ein Kind noch seelisch oder gesundheitlich normal." Das Spielen in ständiger Gefahr auf der Straße, die Freud- losigkeit der Jugendjahre und der von klcinauf erlebte elendste Existenzkampf züchten jene Instinkte der Abwehr, nämlich Gefühls- abstumpfung und blinden Haß gegen Staat und Gesellschaft, wie auch jene Gier nach Sensationen, die den Jugendlichen nur gar zu leicht den Banden und Cliquen, der Homosexualität oder Prostitution ausliefern. Es wurden kürzlich in Berlin 3ti Kinderkolonnen ge- zählt, die Diebstähle organisieren, 13- und 14jöhrige Mädchen gehen „auf den Strich". Im übrigen mag die folgende Statistik sprechen: lMIOOO Jugendliche befinden sich in Deutschland in Fürsorgeerziehung, für 2l)lXM> Berliner Kinder können die Eltern Ernährung und Kleidung nicht mehr aufbringen. SlZlXXI Berliner Schulkinder kommen täglich mit leerem Magen in den Unterricht, IS 000 mußten im letzten Jahre in Krippen und Horten aufgenommen werden, davon waren bei der Einlicferung 30 Proz. unterernährt, 38 000 kamen in Krüppelfürforge, 6000 mußten den Eltern genommen werden, weil sie sonst seelisch und physisch zugrunde' gegangen wären, 4000 stehen wegen Strafsälligkcit unter Jugendschutz. Mehrere Berliner Rektoren äußerten übereinstimmend, daß „kaum ein Kind mehr als seelisch oder körperlich normo l" zu bezeichnen sei. Die Schulärzte stellen fest, daß sich die Symptome der Unterernährung, der Rachitis und Tuberkulose mehren. Verschmutzungskrankheiten und besonders schwere Er- mlldungserscheinungcn nehmen seit 1031 zu. Die Kinder der Arbeitslosen bleiben in ihren Schulleistungen hinter den anderen merklich zurück, und zwar sind es gerade die begabten, die schlechtere Jen- suren aufweisen. Hertha B SC. statt A r b e i t e r s p o r t k l u b. Seltener tritt der günstige Fall ein, daß die durch das Jugendelend gezüchteten Abwehr- und Haßinstinkte rechtzeitig von einer sportlichen oder politischen Jugendbewegung gebunden und zum Positiven entwickelt werden. Das Klassenbewußtsein der Proletarier- kinder ist noch immer viel weniger stark, als man erwarten müßte. Sie laufen lieber zu Hertha BSC., um die„Kanonen" zu bewundern, als zum Arbeitersportklub. Wie denn-überhaupt alle. Sportgrößen, Rekorde und Auto- wie Flugzeugtypen viel besser gekannt werden als etwa einer der historischen Führer des proletarischen Freiheitskampfes. Das Interesse für Sportt und Technik ist- weitaus größer. als jenes für geistige Dinge und für politische Fragen. Die im Winter überfüllten Kinderlesehallcn und Iugendbüchereien können darüber nicht hinwegtäuschen, sie werden sehr oft nur als Wärme- hallen benutzt. lind die Behörden? Was tun Reich und Länder zur Rettung dieser so mannigfach bedrohten Jugend, die nach der Vokabulatur der heute herrschenden Leute„die Blüte, die Hoffnung und Zukunft der Nation" sein soll'� Nun, sie baue» ab! Abbau auf der ganzen Linie, heute schon bis zu 50 Proz.! Dajür sollen wir ja nun aufgerüstet werden. Die Erholungs- und Heimfllrsorge hat 1920 noch 312 287 Jugendlichen Hcimausenthalt gewährt, 1030: 280 412, 1031: 221303. Und 1032? Man kann sich's leicht ausrechnen, wenn man z. B. weiß, daß die Stadt Berlin von ihren sämtlichen Heimen nur noch zwei, Arendsee und Suderodc, offenhalten konnte. Weiter: Nach der Vierten Notverordnung darf die Krankenkasse Mehrleistungen an Familienhilfe nicht mehr vornehmen. In den Kinderheimen dürfen nur noch die Kinder erwerbstätiger Mütter Aufnahme finden, die Arbeitslosigkeit des Vaters ist kein Aufnahmegrund mehr(man denke an die oben geschilderte soziale und hygienische Lage jener Kinder!). Der Mutter- und Säuglingsschutz werden fortschreitend eingeschränkt, bewährte Pflegerinnen werde» entlassen— 4000 von ihnen sitzen stellungslos herum—, Jugendherbergen und-Heime und Kindergärten werden geschlossen. Dabei haben wir 5 000 000 Kleinkinder zwischen 1 und 5 Jahren, für die, als noch alle Heime offen waren, nur insgesamt 422 000 Plätze zur Verfügung standen! Die Verschickung von Jugendlichen auf das Land ist um 40 Proz. zurück- gegangen. Die öffentlichen Milchküchen der Stadt Berlin, die an 40 Proz. aller Säuglinge versorgen müssen, geben heute nur noch täglich einen Viertel Liter Milch. 1031 war es noch ein halber. Weiter: Schulspeisungen dürfen nur naci) an„schulärztlich be- dürftige" Kinder ausgegeben werden. Kinder, die zu Hause nur Margarine und Kartoffeln bekommen, brauchen noch lange nicht „schulärztlich bedürftig" zu sein. Einer Berliner Jugendwohlsahrtsstelle, die einen Fünfzehn- jährigen von der Landstraße gerettet und der besorgten Mutter zurückgeschickt hatte, werden deshalb von der Heimatbehörde des Jugendlichen schwere Vorwürfe gemacht, weil die Mutter Unter. stützung bezieht, die nun, nach Heimkehr des Sohnes, erhöht werden muß! Ein anderer Sechzehnjähriger hat die Landarbeit nicht aus- gehalten und will' in seinen Hcimatsort in Westfalen zurückkehren. Das Berliner Jugendamt kann" die Mittel für die Heimreise nicht verauslagen, die westfälische Hcimatbehörde lehnt telegrnphisch die Hergäbe der Mittel ab und teilt mit, daß auch der Vater, der die Heimkehr des-Jungen wünscht, jedoch nur wöchentlich 7,80 Mark Krisenunterstützung bezieht, das Fahrgeld nicht schicken kann. Berlin muß den Sechzehnjährigen wieder der Landstraße preisgeben! Diese Beispiele ließen sich vermehren. „Aus'Mangel an Mitteln bedauern wir..." D a s i st d i e Antwort der heutigen Machthaber an„die Hoffnung der OUi.tioy"! In weiteren Berichten wird die hier skizzierte Lage unserer Großstadtjugend im Spiclalter und im Entwicklungsalter eingehender dargelegt werden. Ein vergleichender Bericht über die Jugend in der Provinz wird die Reihe abschließen. Gm französischer Möagoge über die Karl-Marr- Schule Von der Rechlsprcsic,;iilc?t besonders seitens der„Berliner Börfen-Zcilung", werden plamnäßig gegen die Karfcn-Tchulc die gebäsfigflen Angriffe gerichtet, deren(scgcnstandslosigkcit an maß- gcblichcr Stelle bekannt ist. Neuerdings führen nationalsozia- liftisebc Blätter eine» nebelhaften Franzosen als Ankläger auf. Es ist daher wichtig, einen wirklichen Franzose», den Volksschul- lcbrcr Maurice Wullens, im zustimmenden Sinne zu hören. Der lebhafte Bericht erschien in seiner Zeitschrift„Lcs Humblcs" tParis, Fcbruart, zugleia, mit einer llcberschnng des Guilbcanx-Artikels aus dem„Abend" vom 18. Dczcniber 1931. Im September 1931 wurde ich in Berlin aus meiner Durchreise von meinem Freund R., Lehrer an der Karl-Marx-Schule Neukölln, eingeladen, seine Klasse zu besuchen.(Im vorangegangenen Juli hatte er mit etwa fünfzehn seiner Schüler in Paris die Erlaubnis erwirkt, meine Klasse auszusuchen.) Als ich in den Hof kam, erkannten mich die Parisiahrer sehr schnell und nahmen mich herzlich aus... Es läutete zum Unterrichts- beginn. Eine Menge von Mädchen und Jungen begeben sich in fröhlichem Durcheinander in ihre Klassen, die sie ohne Zwischenfall erreichen: die scheinbare Unordnung regelt sich wie durch ein Wunder. Ich wünschte nur, einige meiner Kollegen, die sich auf ihre Disziplin versteift haben, hätten wie ich dem beigewohnt, und dazu in einem Lande, das als„militärisch" verschrien ist!— Der Unterricht beginnt. Die Schüler bitten darum, die geplante Stunde zu verschieben und mir diese Zeit zu widmen: sie wollen mich ausfragen. Das macht keine Schwierigkeiten... Ich sitze also auf dem Fragestuhl. Und was für Fragen stellt man mir!... Ich war anfangs ein wenig verlegen und fragte R., ob ich frei sprechen dürste.„Aber gewiß! Warum denn nicht?... Es handelt sich doch um eine sachliche Aussprache." Hier wären, nach dem Gedächtnis, ein paar Fragen, die mir fünfzehn- bis achtzehnjährige Schüler gestellt haben: „Was halten Sie von den Vereinigten Staaten? von Rußland? von den Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland? von dem Problem der Mechanisierung? von der Planwirtschaft?" „Wie stark und wie einflußreich sind in Frankreich die Kommu- nisten? die Sozialisten? die Monarchisten?" „Wie gruppieren sich Ihre Schüler? Läßt man ihnen in dieser Hinsicht volle Freiheit?" usw. usw. Ich antwortete, so gut ich konnte. Ein Schüler brachte mich recht in Bedrängnis, als er mir folgende Frage vorlegte: „Weshalb behaupten die Franzosen, wir wären ein mllita- ristischcs Volk, da' sie doch selbst die militärische Dienstpflicht beide- halten haben, die bei uns feit dem Kriege abgeschafft ist?" Ich bemühte mich, ihm zu erklären, daß gewisse Franzosen, zu denen ich mich nicht rechne, zu dieser Vorstellung kommen müßten aus Grund der Pariser Pressescldzüge, welche die geheimen Rüstun- gen Deutschlands anführten und feine getarnten militärischen Ver- bände: Stahlhelm, Heimwehr, Schupos,., hier unterbrach mich ein allgemeines stürmisches Gelächter, nicht böse gemeint, aber unauf- haltsam. Bestürzt wartete ich, bis sich der Sturm gelegt hatte und fragte einen von ihnen: „Was habe ich denn nun für eine Dummheit gemacht?" „Entschuldigen Sie", so antwortete er mir,„wenn Sie von den Schupos als einer getarnten Heeresmacht sprechen, so klingt das grad so, als wenn jemand die Feuerwehr von Paris verdächtigte, sie wolle das Saargebiet erobern!" Die Stunde schloß sehr lustig über diesen Scherz, und mehrere Schüler stellten sich später mir zur Verfügung, um mir Berlin zu zeigen. * Am nächsten Morgen kam ich wieder. Diesmal wurde der Unter- richt nicht verschoben. Ein Schüler berichtete über Balzacs„Vater Goriot". Der Vortragende erklärte mir zuerst, das Arbeitsprogramm dieses Jahres beschäftige sich mit der Darstellung des Bürgertums und der Arbeiterschaft in dem gegenwärtigen französischen Schrift- tum. Man habe mit Balzac begonnen und würde bis zu Zola, Maupassant und Mirabeau gelangen. Ich hörte also ein Referat, ich muß sagen, ein sehr gut angelegtes Referat über Wesen und Wechselbeziehung de5 Balzacschen Gestalten, anschließend eine Zusammenfassung der Handlung und eine kurze Beurteilung des Werks. Nach einem Austausch von Fragen und Antworten blieb noch eine Viertelstunde zur Verfügung, und ich wurde gebeten, über die gegenwärtige französische Arbeiterliteratur zu sprechen. Wir mußten uns miteinander über die Grundbegriffe verständigen, einige Namen und Werke wurden angeführt, und schon läutete es. Wir trennten uns, und es tat uns leid, daß es so bald geschehen mußte. Seitdem stehen die Schüler der Karl-Marx-Schule mit meinen kleinen Parisern im Briefwechsel.— Glauben wir auch nicht an die Allmacht der Erziehung, so hinterläßt sie doch oft genug tiefe Spuren... Was leisten die Wasserballspieler? Bevorstehende Austragung der Serienspiele Das Wasserballspiel erfreut sich im 1. K r e i s des Ar- beiter-Turn- und Sportbundes von jeher einer starken Pflege, und so nimmt es nicht wunder, wenn dieses Kampfspiel, dessen Ausubungsmöglichkeiten durch den Einfluß der Jahreszeiten stark begrenzt sind, einen enormen Serienspielbetrieb aufzuweisen hat. Neben der Spitzenklasse(.�-Klasse), der bisher stets zehn der besten Mannschaften des Kreises angehörten, finden während der warmen Jahreszeit noch Spiele der L-Klasse und der Jugendmann- schaften statt. In der �-Klasse sind sämtliche Teilnehmer Berliner Mannschaften, was um so weniger erstaunlich ist, als diese Mann- schaften im Winter den nicht zu unterschätzenden Vorteil der Trainingsmöglichkeiten in den Hallenbädern haben und weiter in der Lage sind, die geräumigen Hallen des Luna-Wellen- b a d e s und des Stadtbades Berlin-Mitte zur unter- brechungslosen Fortführung des Spielbetriebs ausnutzen zu können. Die Provinzmannschaften sind auf das Training in den Sommer- badeanftalten angewiesen und erreichen daher selten die Spielstärte der Reichshauptstädter. Bei den diesjährigen Spielen wirkten sich die ungünstigen Zeitverhältnisse auf das Meldeergebnis fühlbar aus. Die unvermeidlichen Fahrgeldunkosten hinderten manchen Verein daran, an den Spielen um die Punkte teilzunehmen. Die vier Bezirke des ersten Kreises trugen nun ihre L-Spiele gesondert aus. Der erste und der vierte Bezirk (Süden und Osten) einigten sich aus gemeinsame Austragung ihrer Spiele. Ueberlegener Sieger wurde hier mit beträchtlichem Punkte- vorsprung die erste Mannschaft der Freien Schwimmer Berlin 12 vor Möwe 2, Luckenwalde, Union 2, Schöneberg und Berlin XII 2. (Möwe 1 und Union 1 spielen in der �-Klasse!) Im zweiten Bezirk(Norden) hatte der ASB. Hellas mit seinem reichen Spielmaterial wenig Mühe, neben der Spitzenstellung der ersten Mannschaft in der Kreisklasse auch noch die Führung in der V-Klasse zu erreichen. Mit zwei Mannschaften liegt Hellas hier vor Freiheit 2, Weißens« 2 und Tegel in Front.(Freiheit 1 und Weißensee 1 gleichfalls �.-Klasse!) Meister des dritten Bezirks(Westen) wurde zur all- gemeinen Ueberraschung die Sieben der Freien Schwimmer Pots- dam. Die favorisierte zweite Mannschaft der Freien Schwimmer Charlottenburg endete nur auf dem zweiten Tabellenplatz. Durch einen Verstoß gegen die sehr strengen Spielregeln des Bundes wurde dieser Mannschaft ein gewonnenes Spiel als verloren ge- rechnet, womit der Punktgleichstand mit Potsdam verscherzt war. Man kann fast von einer Pechsträhne Charlottenburgs sprechen. Zu der überaus knappen Niederlage der ersten Mannschaft im Entscheidungsspiel um die Kreismeisterschast gegen Hellas nun auch noch das Dekabel der„Zweiten". An die angegebene Placierung von Potsdam und Charlottenburg 2 reihen sich als nächstfolgende Teilnehmer die Mannschaften von Brandenburg, Nowawes und Spandau 2 an.(Spandau 1 �-Klasse!) Die Meister der Bezirke stehen somit in den Mannschaften Freie Schwimmer Berlin XII, ASV. Hellas 2 und den Freien Schwimmern Potsdam fest, und es bleibt der technischen Leitung der Schwimmersparte im 1. Kreis überlassen, in welcher Form diese Mannschaften die Aussicht haben werden, über eventuelle Aus- scheidungsspiele in die Kreisklasse aufzusteigen. Wir teilten bereits vor einiger Zeit mit, daß eine Neueinteilung der Leistungsklassen geplant ist und somit noch nicht feststeht, wie viele Mannschaften überhaupt für die Spitzenklasse des Kreises in Betracht kommen werden. Bei der Jugendklasse waren nur Berliner Vereine be- teiligt, womit eine Zusammenlegung der Spiele über das Kreis- gebiet gegeben war. Bemerkenswerterweise waren es auch hier die Vereine Charlottenburg und Hellas, deren Nachwuchs über- legen in Front kam und zuletzt, untereinander punktgleich, an der Spitze stand. Man verzichtete hier vorerst auf das Entscheidungs- spiel, wodurch sich die Jugendmannschaften brüderlich den Titel eines Kreismeisters in ihrer Klasse teilen können. Die nächstfolgen- den Mannschaften stellen nacheinander Weißensee, Neukölln und Freiheit. Als interessantes Ergebnis der gesamten Serienspiele aller Leistungsklassen stellt man die unzweifelhafte Führungsstellung der Vereine ASV. Hellas und der Freien Schwimmer Charlottenburg fest, die sich in sportlicher Beziehung fraglos noch geraume Zeit er- halten dürfte. Um den Bundes-Handbalimcister Pfeddersheim gegen Leipzig-Paunsdorf In der Arbeiter-Handballbewegung finden die Meisterschafts- spiele nur alle zwei Jahre statt. In diesem Jahre wird über den Meister 1932/34 in Frankenthal in der Pfalz entschieden. Aus all den 3000 Mannschaften haben sich der süddeutsche Meister Pfeddersheim und der Vertreter Mitteldeutschlands Leipzig- Paunsdorf alz Endspielmannschasten qualifiziert. In den Aus- fcheidungsspielen um die Beteiligung am Endspiel gab es harte und erbitterte Kämpfe. So hatten die Leipziger nur durch reichlich Glück gegen den ostdeutschen Meister Volkssport-Wedding mit 10: 9 ge- wiunen können. Das Ergebnis hätte aber auch ebensogut umge- kehrt lauten können. Die Weddinger standen ihrem Gegner in nichts nach. Ja, durch den fast vollständigen Ausfall der Leipziger Läufer- reihe wäre es beinahe doch noch zuin Siege Weddings gekommen. Das zweite Spiel sah den süddeutschen Meister Pfeddersheim und Hannooer-Hainholz als norddeutschen Meister zum Gegner. Die Hannoveraner standen schon einmal 1930 mit dem mehrjährigen Bundesmeister Wien-Ottakring im Endspiel. Auch in diesem Jahre hatte man die Norddeutschen wieder in der Endrunde erwartet. Es sollte ober anders kommen. Die Süddeutschen, mit deren Teilnahm« man bestimmt nicht gerechnet hatte, zeigten überraschende Spiel- stärke. Die Hannoveraner zeigten in diesem Spiel nicht das, was man von ihnen erwartet hatte. Wenn sie auch technisch besser waren als ihr Gegner, so vermißte man doch das gute Verständnis zwischen der Läuferreihe und dem Sturm. Und dieser Fehler kostete der Mannschast den Sieg und die Beteiligung am Endspiel. Welche Mannschast hat nun die größere Aussicht. Bundesmeister zu werden? Ohne Zweifel muß man den Pfeddersheim er mehr Chancen einräumen. Die heimatliche Umgebung, die Tatsache, daß sie den Platz bereits vom ersten Spiel her kennen, sprechen sehr für die Süddeutschen. Außerdem verfugt Pfeddersheim über eine sehr gut eingespielte Mannschaft, die in allen Teilen bestens befetzt ist. Wenn die Stürmer dann noch den emzigen Fehler, das eigensinnige Spiel des Sturms, verbessert haben, dann sollte es zur Bundesmeisterschast reichen. Die Leipziger müssen die Schwächen beim Spiel gegen Wedding abgestellt haben, sonst wird ein Sieg für sie unmöglich sein. Der ihnen unbekannte süddeutsche Boden ist ein weiterer schwerer Nach- teil Aber mit etwas Siegeswillen und Energie lasten sich auch die größten Hindernisse aus dem Wege räumen. Hoffen wollen wir nur, daß das Spiel auf der gleichen technischen Höhe stehen möge, wie seine Vorgänger. Die beiden Meisterschastsonwärter haben zu ihrem letzten Gang folgende Mannschaften ausgestellt: Pfeddersheim: Haupt Fick Werner Herth Schafer Reis A. Sänger PH. Sänger Petry K. Sänger Echrath Schöber »äfel Marx Mehner! Schwede Kregfchmar Willmar Sottfchltng Sander Hehler Leipzig-Paunsdorf: Zakob R.eidh»b»iiiier'Wassersport Wie im vorigen Jahre, so nimmt auch in diesem Jahre die Reichsbannerwassersportabteilung in ihren Ruder- und Paddelabteilungen neue Mitglieder auf. Di« Reichsbanner- wastersportabteilung beginnt am 1. Oktober d. I. wieder mit neuen Ruderanfängerkursen. Um allen Interessenten Einblick in den Spartbctrieb geben zu können, wird auf die am 18. September d. I. stattfindende Ruder-, Kanu- und Outbordmotorregatta, die in Tegel, vor dem Seepavillion nachmittags 2 Uhr beginnend, statt- findet, aufmerksam gemacht. In den Bootshäusern in Tegel, Köpenick-Wendenschloß und Tieswerder sind noch Bootsstände für jegliche Art von Booten frei. Anfragen an die Geschäftsstelle, Her- bert Stöber, Berlin W, Steinmetzstrahe 03. Der Loxklub Brilania 32, Mitglied des AABD., beginnt jetzt mit seinem 2. Lehrkursus im Boxen. Männer, Jugendliche und Schuler, welche wirklich Interesse am Boxen haben, wollen sich melden in der Trainingshalle. Turnhalle Köpenicker Straße 2. Uebungsabende Dienstags und Freitags 20 bis 22 Uhr. Das Haupttraining sowie der Kursus liegen in Händen des Berufsboxers Ernst Urban. Der Verein sucht für seine gute 1. Mannschaft aus- wärtige Kämpfe.— Der Boxklub Briiania 32 eröffnet ferner eine Gymnastikabteilung für Frauen und Mädchen. Die Schäden, die dem Körper in den dunklen Fabrik- und Büro- räumen zugefügt werden, sollen durch fleißige Atmungs- nastikübungen ausgemerzt werden. Anfragen sind zu Leo Kunz. SO 36, Waldemarstrahe 28. und Gym- richten an Tagung der Sportärzte Auch ein Wetikarnpf Unter dem Vorsitz seines Präsidenten, Dr. Michaelis, hielt der Bund Deutscher Sportärzte in Stuttgart seine Jahrestagung ab. In der Festansprache ging Professor Dr. G a st p a r besonders auf den Hochschulsport ein. Er forderte im Sport den Wettkampf, den man aus Angst vor Uebertreibungen nicht abzulehnen brauche. Fortdauernde Uebungen müssen zu einem Teil unserer täglichen Ge- sundhcitspslege werden, doch sei die ärztliche Ueberwachung der Sporttreibenden notwendig. Beim gesunden Menschen hat der sport- ärztliche Dienst den Zweck, Art und Umfang der sportlichen Leistung dem jeweiligen körperlichen Zustand anzupassen. Bei allen Sport- treibenden ließe sich bei sorgfältiger Ueberwachung eine Steigerung der Leistungsfähigkeit des gesamten Körpers erzielen. Professor v. Bayer sprach über„Praktisch« Muskelmechanik", Profestor Dr. Koch über„Die neroenbetätigt« Blutkreisregulierung bei körperlicher Anstrengung", Professor Dr. H e r; h e i m« r über„Das Verhalten des menschlichen Körpers bei hohen Anstrengungen" und über„Die Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit in Geschwindigkeit und Daueranstrengung". Auch im Weltkampf zeigten sich die Sportärzte. Dr. Jokl-Bres- lau gewann die 100 Meter in 11,8 Sekunden, den Hochsprung mit 1,55 Meter und den Weitsprung mit 6,99 Meter. Einen Doppcl- erfolg feierte Dr. Lang-Drcsden, der auf das Kugelstoßen mit 11,71 Meter und auf das Diskuswerfen init 35,18 Meter Beschlag legte. Dr. Koch-Wilhelmshaven erreichte im Speerwurf 46,29 Meter. In den einzelnen Klassen des Dreikampfes siegten Dr. Koch-Wil- helmshaoen, Dr. Rudloff-Leipzig, Dr. Kabus-Dresde», Dr. Böhmig- Leipzig, Dr. Michaelis-Leipzig und Ministerialrat Dr. Mallwitz, der als 53jähriger die 50 Meter in 7,2 Sekunden lief, 1,35 Meter im Hochsprung erreichte und im Kugelstoßen 8,52 Meter bewältigte. Plackt Kinder froh! Unter diesem Motto wird auch in diesem Jahre das Freund- schafts-Kindertreffen am 17. und 18. September in der Großsiedlung Britz stattfinden. ASKö-Britz trifft alle Vorbereitungen, werden doch Knaben- und Mädchenabtcilungen unserer Bruderoereine aus Luckenwalde, Zossen, Spcrenbcrg, Trebbin, Dahme, Stülpe, Woltersdorf, Iänickendorf erwartet. Außerdem sind die örtlichen Kinderabteilungen der Freien Turner- schast Britz 88 und die Kinderfreundegruppen der Abteilungen 99 und 99a eingeladen. Partei- und Gewerkschaftsfreunde, die am 17. September Quartiere für Kinder, Helfer und Leiter ge- währen können, werden gebeten, ihre genaue Adresse bis Sonn- abend, 10. September, abzugeben beim Ouartierobmann Willi Lesche, Britz, Moses-Löwenthalstr. 53, oder ASKö-Geschäftsstelle Britz, Lowise-Reuter-Ring 21(Otto Schiftan). Der Sportklub All-Ivcdding 83 veranstaltet aus dem Wasser- sportplatz Plötzensee anläßlich des diesjährigen Absportelns am Sonntag, 11. September, 15)4 Uhr(kleine Wiese), eine große Werbeoeranstaltung im Ringen, Heben, Boxen, sowie Jiu-Jitsu. Gleichzeitig wird daraus hingewiesen, daß der Verein in der Turn- halle Utrechter Str. 30 31 seinen vollen Uebungsbetrieb wieder aufgenommen hat und am heutigen Donnerstag wieder mit einem neuen Kursus im Jiu-Jitsu beginnt. Englands Fußballmeister geschlagen. Eine Ueberraschung gab es bei den am Montag in England durchgeführten Fußballspielen der 1. Liga, wo die Meisterelf von Everton eine 1:3- Niederlage von Sheffield Wednesday hinnehmen mußte. In den übrigen Spielen siegten Leicester City gegen Hudderssield Town mit 3: 1, Leeds United gegen Blackpool mit 3: 1 und Bolton Wanderers gegen Wolverhampton Wanderers mit 2: 0._ BuMdedceue l/eteiuc teilen mi: SS®®., Ruderbezirk. Anschrift: Oelac Noack, Neukölln, äioflotftt. 46. Donnerstag. 8. scptcmbcr, 20 Uhr. Sigung im Bootshaus Köpeniet. Grünauer Straße SZ. Uebungsabende: Jeden Dienstag und Donnerstag. Gäste jederzeit willkommen. Mitglieder können in allen Abteilungen noch aufgenommen werden. Radfahrer..Solidarität", Ortsgruppe Berlin. Sprechstunden Dienstag» 7 Uhr, Schmöetwitz tZur Palme), Start: 13 Uhr. Beide Marianncnplaß. Prenzlauer Berg: Etolzenhagencr See. Start: 7 Uhr Oderbergcr Str. 39.— Wedding: Schnelle Havel. Start: g Uhr hei Schreiber, Triftstr. SZ.— Weißen. fee: Mllhlenbeäer See. Starl: S Uhr Piftoriusplaß.— Eharlottenburg: Große« Fenster. Start: 13 Uhr Eriinstr. 0—10.— Wilmersdorf: Rundfahrt: Berlin— Dremmen— Nauen— Berlin. Start: li Uhr Hildegardstr. 14.— Die Abteilung Charlottenburg begeht am 10. September ihr ZZjähriges Stiftungsfest im Restaurant Spandauer Bock. Alle Genoffen und Freunde stnd freundlichst ein- geladen.— Achtung, Fahrwarte! Dienstag, 13. September, Fahrwartesttzung bei Lohann, Brllderittaßc, 20 Uhr. Jede Abteilung muß vertreten fein. Volkssport Weißenscc. Freitag, 18 Uhr, Abbaden im Seebad. Anschließend Beisammensein im Baderestaurant. Am Sonntag muß jedes Mitglied zum Ab» sporteln auf der Rennbahn erscheinen. Anfang 1ZZL llhr. An der gemeinsamen Gymnastik beteiligen stch alle Altersklaffen. Sennis-Rot Groß-Berliu S. V. Donnerstag, 8. September, 20'4 Uhr, Mit- glicdervcrsqmnilung im Ca st Reinhardt, Hasenheide 57. Souristcnvercin„Die Naturfreunde-. Freitag, d. September. Photoarbeits- gemcinschaft Franke: Iohannisstr. 15, Dunkelkammer.— Photoarbeitsgemcin. schaft Neukölln: Bergstr. 20.— Photoarbeitsgemeinschaft Osten: Frankfurter Allee 307. Berichte. Bilderkritik.— Faltbootabteilung: Iohannisstr. 15. Geschäftliches.— Südost: Manteuffilsti. 7. Unterhaltungsabcnd.— Charlotten- bürg: Spreestr. 30. Geschäftlicher Abend.— Treptow: Clsenstr. 3 lam Bahn- Hof Treptows. Die russische Agrarrevolution und ihre Lehren für die deutsche Landwirtschaft.— Briß. Großsiedlung: Halle im Hufeisen, Friß-Reuter-Allee. Geschäftliches.— Rontag. 12. September. Malgemeinichaft: Manteuffelstr. 7. — Photostammabteilung: Iohannisstr. 15.— Gesundbrunnen: Spielgemein- schast. Gotcnburger Straße, Rote Schule. Arbeitcr-Lichtbilb-Bnab, Arbeitsgemeinschaft Berlin. Photofahrt zum Rlldersdorfcr Kalkbergwerk. Treffpunkt Sonntag, U. September, 10 Uhr, End- Haltestelle der Straßenbahn in Kaltberge. Beginn der Besichtigung 11 Uhr (Hauvteingang des Alvcnsleben-Bruchs). PfK. Proics. Das Abturnen und-svorleln findet kommenden Sonntag auf der neuen Sportplaßanlaqe in Hohenschönhausen. Sommer- Ccke Hoffstraße, statt. Beginn für alle Wcttkämpfe um 14 Uhr. Nachdem Faust, und Hand- ballspiele. Alle Funktionäre muffen um 13 Uhr zur Stelle sei». Montag. 12. September, Sißung der technischen Kommission zum 20. November bei Kienbaum, Naunynstr. 8. 20 Uhr.— Gruppe«edding. Uebungsstätten für die Männer, und Frauenabteilung in der Turnhalle, Antonstr. 38—40. Dienstags: Jugendabtcilung Dienstag» und Freitags in der Turnhalle Wiefenstraßc. e Buch Quf/ar siegler: Waffer, SJrol und blaue Siohneu Die Gefängnis- und Justizromane häufen sich. Ein Zeichen der Zeit. Rechtspflege und Strafvollzug gehören heute mit zu den stärksten Erlebnissen. Immer weitere Kreise werden in Mitleiden- schast gezogen— durch wirtschaftlich« Not und politische Verhältnisse. Die Verfasser dieser Romane sind größtenteils Fachleute: entweder Organe der Rechtspflege oder deren Objekte und Opser. Gewisse literarische Unebenheiten nimmt man mit in den Kauf. Gustav Reglers Roman„Wasser, Brot und blaue Bohnen" (Neuer Deutscher Verlag.) legt Zeugnis ab von einem starken Talent. Er spielt im Zuchthaus. Einen Arbeitslosen ereilt das Schicksal— wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Bei einer Meuterei trifft ihn später im Gefängnis die Kugel. Anführer der Revolte ist ein linksradikaler Redakteur. Er schliddert in diese Rolle hinein gegen seinen Willen. Dann ist er aber die Seele des Aufruhrs. Er allein rettet sich in die Freiheit, die anderen, die sie erreicht haben, erhalten die blauen Bohnen. Keiner kommt lebendig über den Fluß. Man erlebt das Gefängnis, erlebt die Gefangenen und perfolgt mit größter Spannung Vorbereitung, Beginn, Entwicklung und Ausgang der Meuterei. Auch dieser Autor verläßt sich nicht allein auf seine Darstellungskrast, er schiebt Re- flexioncn ein, wendet sich direkt an die Leser, überspitzt manches— weniger wäre mehr. Vielleicht hat das aber einen psychologischen Grund. Wer ist Regler? Möglicherweise einer, der aus eigener Anschauung das Gefängnis kennt, es durchlitten hat; so muß er dieses Erleben abreagieren, er tut's, indem er andere fein eigenes Erleben nacherleben läßt. Wenn er dabei Uebertreibungen anheim- fällt, wenn er sich in mancherlei gedanklichen und polemischen Exzesse» gefällt. Dinge in seine Darstellung hineinnimmt. die vom Wesentlichen ablenken, den Gesamteindruck stören und wie Fremd- körper wirken, so soll ihm das zugute gehalten werden. Leo Rosenthal. IfftOlS Theater Donnerstag,, den 8. September staatsoper unter dan Linden 20 Uhr (Nsuelnatudlert) Othello staatliches sohausaieihaus 20 Uhr Die Räuber plAza Kähe SihlB. Bhf. Si.n»,si5i.i5j»o. kl Weichsel 4011 Oer liebe Augustin Heute 8 Uhr Premiere Grete Mosheim Oskar Homolka in Pygmalion Schi //er (Irolmanstr. 70/71 StelnpL(0« 6715 rsglich 8 Uhr „Die versunkene fllocke" Kassenstunden tägl. 10—20 Uhr öaoEöisi Rose- Itieater Gnle Fmkltrtir Strelc 132 Tel. Weidiul E 7 342/ 8,30 Uhr Aerzle im Kampf 6 Uhr i S. Flora 3434 ßouOien en. Das berühmte DAYELMA- BALLETT 3 Swifts, Rudi Grasl und welter© Künstler-Truppen, die Uberall als VARIETE. ELITE bezeichnet werden BETRIEB-Z H KEMPIMSKIS<5, städi. Oper Charlottenbum Frauenhoter 0231 Donnerstag, 8. Sept. Turnus III Undine Anfang 19,30 Uhr Dirigent; Breisach Nettesheim, Cavara, Hüsch, Schlrach, Baumann, stand!, Gombert ÜDCATlrtDirC vlrkiam eilt Sil 4121818 48211018 OcaUUUcra..evon-pt-»-»-!- hillitil ta.Teenrie- esS Mefca HlenrtHtlia v 1111t, 1 Kammerspiele Weidendamm 5201 Morgen Freitas. 9. Sspt., 8 Diu trauffUhruiis „Schicksal nach Wunsch" Kamäiiiev.ClmslaWIiuloe Regia: Wolf Biet Heizer, Ullridi, Riemer;, Abel, Mosheim, Bnusewetter Großdestillation zum weißen Hirsch StHlerslraße 106, Ecke Jrlnaenslraßc FrUhstUckstube— Mittagstisch 40 pr. Gutgepflegte Biere Willy Scidlltz Dßotsdies Theater Weidendamm 5201. 8 Uhr Wunder nm Verdnn Dram.Dichtungvon HansChlumberg Regit: Karl Hein Martin. Kassenpreise von 0,50 M. bis 11.50 M. »v.uhr CASIUO- THEATER»v.uhr Lothringer Strohe 37. iMiiMnHiiiii|iiiiiiinuinMiiiiiiiiiiiinMiHiilli'|t"ltiiiiltM""'iiiiv Gutschein für die Leser I— 4 Personen Fauteuil nur 0,73 M, Sessel 1,33 M. Gültig auch Sonntag nachm. 4 Uhr. Annemarie VolKsoperette.— MusiK von Gilbert nazn ein bunter Teil. Stettiner Sänger Reichshallen-Theater (Dönhoffplatt) Merkur X. 6. 1247. Dir. MeUel Tägl 8.13 Uhr, Sonntags 3J0Uhr(ermäßigte Pr.) FriiffuunjjHpi oernnini mit der Burleske\ Freibad Kruninie Laake Neue Kräfte, Preise 0.50 bis 2.25 M. Vorverkauf II— 2, 5—0 Uhr.