Morgenausgabe Nr. 425 A 202 49.Iahrgang WSch-ntttch 78 Pf, monatlich 3,28 M. (davon 37 Pf monatlich für Zustil- lung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug Z,S7 M. einschließlich so Pf. Postzeirungs- und 72 Pf. Postbestellge- bühren. Auslandsabonnement S,SS M. pro Monat; für Länder mit ermäßig- tem Drucksachenporto 4.68 M. Bei Ausfall der Lieferung wegen höherer Eemall besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Ersaß. Erscheinungsweife und Anzeigenpreise siehe am Schluß des redaktionellen Teils. P> Verliner Voltsblatt Freitag 9. September 1951 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 Pf. Zentralovgan der SozialdemokratisÄen Partei DeutschläKN? Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernspr.: Tönhoss D 292— 297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlins? 536.—Bankkonto: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3. Dt.B.u.Disc.-Ges., Depofitenk., Jerui alemer Str. Kü-KS Vor dem Konflikt. Schwarzbraune Verlautbarungen.- Ein„verbesserter" Papen-Plan ohne Papen mit Hitler.— Das Ergebnis des Kuhhandels. Der Eindruck befestigt sich immer mehr, daß nach der politischen Aussprache im Reichstag der Reichskanzler von Papen den Reichstag auflösen wird, ohne es auf Ab- stimmungen ankommen zu lassen. In den Wahlkampf wird die Sozialdemokratische Partei mit dem Programm der sozialistischen Aktion gehen, die Regierung Papen mit ihrem Programm der k a p i t a l i st i s ch e n O ff e n si v e, womit aber Zentrum und Nationalsozialisten? Die schwarzbraunen Koalitionsverhandlungen sind zu einem gewissen Abschluß gebracht worden. Der Zentrums- abgeordnete Ivos hat programmatische Erklä- r u n g e n der Oeffentlichkeit übergeben. Wirtschaftsführer der NSDAP, und der Zentrumspartei hatten am Donners- lag eine mehrstündige Aussprache. Ueber den Verlauf dieser Aussprache wurde folgender Bericht ausgegeben: „In einer gemeinschaftlichen Besprechung, die zwischen Abge- ordneten der NSDAP, und Zentrumspartei am Donnerstagnach- mittag stattfand, beschäftigte man sich mit wirtschaftlichen Fragen. Im Vordergrund standen das drängende Problem der Arbeitslosig- kcit, ferner die Konjunkturlage, das Wirtschaftsprogramm der Re- gierung Papen und die Sorge für den Winter. Die Sachver- ständigen beider Parteien äußerten ihre ernsten Bedenken, daß die Subventionierung der gesamten Betriebe durch Steuernachlaßjcheine das gesteckte Ziel, Arbeiter an ihre Stätten zurückzubringen, nicht erreichen, vielmehr in eine schwere Enttäuschung münden würde. Der sozialpolitische Teil der Notverordnung, der den ganzen Bestand sozialer Rechte und Einrichtungen in das E r- messen einer Regierung stellt, die nur eine kleine Minderheit in der Volksvertretung und sicher keinen Rückhalt in Arbeitnehmer- kreisen besitzt, fand überein st immende Ablehnung. Darüber hinaus klärten die Besprechungen hinsichtlich wirk- licher Arbeitsbeschaffung und des Konjunkturausschlusses Möglich- leiten, für deren Durchführung auch eine arbeitsfähige, vom Vertrauen des Volkes getragene Mehrheit vorhanden ist." Wir fragen: Ist das alles an Opposition, was die schwarzbraune Koalition gegen das Papen- Programm zustande bringt? Ist die unbestimmte Redensart von„M ö g l i ch k e i t e n" hinsichtlich der Arbeitsbeschaffung alles, was sie dem Volke bei der Entscheidung zu sagen haben? Von den Möglichkeiten reden die Nazis schon seit Jahren, davon redeten sie schon, als Hitler auf die Geheimrezepte in der Kommode pochte! Was wollen sie wirklich? Aber diese Verlautbarung und die Erklärungen des Herrn Ivos verraten immerhin genug! Wo ist die kräftige, lärmende, beschimpfende Sprache der Nazipresse gegenüber dem Papen-Programm hingekommen, wo die Kennzeichnung seines kapitalistischen und reaktionären Charakters? Hier ist keine grundsätzliche Kritik am Papen-Programm und seinem kapitalistischen Grundcharakter, viel eher die Absicht, ohne Papen an das Papen-Programm anzuknüpfen! Aus der Verdammung sind ernste Bedenken an der Wirk- samkeit geworden, die Anprangerung sozialer Ungerechtigkeit ist ganz' verschwunden— kurzum, Nationalsozialisten und Zentrum haben sich den Weg offen gehalten zu einem kapi- talistischen Wirtschaftsprogramm. Der verbesserte Papen-Plan ohne Papen mit Hitler. Im übrigen dienen die Darlegungen von Ioos der Verteidigung des Zentrums im Hinblick auf den herannahenden Konflikt mit dem Reichspräsidenten. Zoos verteidigt das Zentrum. Der geschäftssührende Vorsitzende der Zentrumspartei. Reichs:agsabgeordneter Zo o s. äußerte sich am Donnerstag vor den Berliner Vertretern der Zentrumsprcsse über dir politische Lage. Ioos befaßte sich einleitend kritisch mit den jüngsten Maß- nahmen der Papen-Regierung. Derartige Maßnahmen, die einer Anregung und Finanzierung stärkerer Produktion dienen sollen, seien möglich und erwünscht. Aber in wichtigen Punkten hätten andere Wege als die erwähnten den Zweck besser erreicht und wesentliche Gefahren vermieden. Jedenfalls feien die jetzt geplanten Maßnahmen in erheblichem Maße verbesserungs- bedürftig. Ivos fuhr dann fort: Wir sind überzeugt, daß der Konjunktur- antrieb nur dann anhält und die staatlichen Eingriffe nur dann die beabsichtigte Wirkung hoben können, wenn eine Beruhigung und Festigung der politischen und staatlichen Verhältnisse auf längere Sicht gewäh leiste: ist. Nur dann wird die für den Wirtschaft�. anirieb notwendige Unternehmungslust angeregt, nur dann die Rück- Verwandlung von Geld in Kapital stattfinden, die an das Ver- trauen der W:rtschaststräg«r anknüpft Wir sind nun ebenso da- von ü erzeugt, daß in dei augenblicklichen Regierung s- konstellation diese politische Stabilität nicht gegeben ist und ganz offenbar durch sie auch nicht erreicht werden kann. Klar ausgedrückt: solange die jetzigen politischen Verhältnisse bleiben wie sie sind— Gefahr von Staatsstreich, Auflösung der Par- lamente, Neuwahl, mehrfache Neuwahl— wird auch beim schönsten Wirtschaftsprogramm die Unternehmungslust nicht geweckt. Ich darf zur vollen Klarstellung unserer Auffassung und unseren politischen Handelns noch folgendes feststellen: Das Ziel unserer gegenwärtigen Bemühungen ist die Schaffung von Möglich- leiten, eine Regierung zu bilden, die sich auf eine parlamentarische Mehrheit stützt, Vertrauen im Volke hat und die volle I n n e- Haltung der Verfassung garantiert. Mit einer solchen Regierung kann der Gedanke eines Vertrauenskabinetts(sogen. Präsidialkabinetts) durch- aus in Einklang gebracht werden. Der normale Zustand ist der, daß das Kabinett das Vertrauen des Herrn Reichspräsidenten besitzt und das der Volksvertretung findet. Dem Zentrum hat in keinem Zeitpunkt der Verhandlungen der Gedanke eines einseitigen „Parteienkabinetts" vorgeschwebt. Die volle Mitwirkung des Parla- ments war in Krisenzeiten zwar schwierig: was aber möglich sein muß, ist, eine Mehrheit im Reichstag zu finden, die in Selbst- disziplin einer Regierung auch ihres Vertrauens die Möglichkeit zu starker politischer Führung und zu entscheidenden Entschlüssen gibt. Nach unserer Ueberzeugung stehen solche Möglichkeiten, wie ich sie hier andeute, auch heute noch offen. Mit 2Röhm An der Besprechung zwischen der NSDAP und dem Zentrum am Donnerstagnachmittag nahmen für die Nationalsozialisten Reichstagspräsident Göring, Staatsminister Frick, Präsident des preußischen Landtages Kerrl, Abgeordneter Kube, Dr. Goebbels, Straher und Hauptmann a. D. Röhm teil. Hugenbera verliert die Fassung. Die deutschnationale Reichstagssraktivn hat eine Entschließung gefaßt, in der es heißt: „Die Deutschnationale Reichstagsfraktion nimmt mit E.npö- rung von den lügnerischen Veröffentlichungen Kenntnis, die besonders die nationalsozialistische Presse planmäßig im ganzen Lande, und zwar offenbar auf Anweisung von zentraler Stelle, über die Deutschnatio- nale Volkspartei und ihren Führer verbreitet. In der Deutsch- nationalen Volkspartei gibt es weder eine„Führerkrife", noch „Zerwürjnisse". noch„Unzufriedenheit". Diese unwahren und ge- hassigen Behauptungen haben nur den Zweck, von der in den Reihen der Nationalso,zialisten herrschenden schweren Unruhe ab- zulenkcn, die durch das parlamentarische Kuhhandeln der natio- natsozialistischen Führer mit der„nationalen" Zentrumspartei entstanden ist." Dieser Aufschrei erinnert an das Gekeif eines verlassenen alten Mädchens, das mit Entrüstung den Vielumworbenen im Techtel- mechtel mit einer anderen sieht. Wo sind die schönen Tage von Hugenberg geblieben? Junker begünstigt Mordbuben. Ostpreußischer adliger Agrarier wegen Begünstigung verhastet. Königsberg, 8. September. Im Zusammenhang mit den Vorgängen vom 1. August, an dem bekanntlich durch mehrere politische Attentate der kommunistische Stadt- verordnete Sausf ermordet, der Chef- rcdaktcur Genosse Wyrgasch von der„Königsberger Volkszeitung" und mehrere andere linksgerichtete Personen, sowie der in Ruhestand verschte Rc- gierungspräsident Dr. von Bahrfeld zum Teil schwer, zum Teil leichter verwundet, und Bomben- anschlage in verschiedenen Stadtteilen begangen wurden, ist heute der Nittergutsbesiher von perbandi aus pomedien auf Schloß Langendorf bei Tapiau auf Grund eines Haftbefehls des Oberstaatsanwalts in Untersuchungshaft genommen und sein Privatauto sichergestellt worden. Zu der Verhaftung teilt die Justizpressestelle mit, daß von Perbandt unter dem dringenden Ver- dacht stehe, zwei Tätern der Verbrechen vom 1. August Begünstigung geleistet zu haben. Jcrncr seien zwei weitere Verhaftungen erfolgt, doch könnten Mitteilungen hierüber nicht gegeben werden. Sturm gegen papen. Die Gewerkschaften beim Ztochsarbeitsminister. Am Donnerstag hatte der Reichsarbeitsminister mit den Spihenverbänden der Arbeiter- und An- gestelltengewerkschaften eine Aussprache über Nicht- linien für die Anwendung der Beschäftigungs- Prämien und der Verordnung zur Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsmöglichkeit. Harmonisch und friedlich ist die Besprechung des Reichs- arbeitsministers mit den Spitzen der Unternehmer am Mitt- woch verlaufen. Kein Wunder: die Regierung hat den Unter- nehmern mehr gegeben als sie erhofften. Millionenfubventio- nen, Steuererleichterungen, Einstellungsprämien und Lohn- abbau. Eine Selbstverständlichkeit also, wenn sich Regierung und Unternehmer in ihrer Besprechung über die Durch- führung des Wirtschaftsprogramms einig waren. Ein ganz anderes Bild entrollte sich am Donners- tag in der Aussprache zwischen Regierung und Gewerkschaften. Dramatische Szenen gab es in dieser Aussprache. Zusammenstöße drohten zeitweilig die Be- sprechung zu sprengen, und das will schon etwas besagen. Gewerkschaftsvertreter sind ja zumeist nicht Leute, die leicht die Nerven verlieren. Sie haben in unzähligen VerHand- lungen Selbstbeherrschung gelernt. Aber das schreiende Unrecht, das der neue Regierungskurs fortgesetzt an der Arbeiterschaft verübt und in der neuesten Verordnung auf die Spitze treibt, wurde nicht mit einem bloßen Vorbehalt gegen die neuen Vorschriften— wie in der amtlichen Mit- teilung über die Besprechung angedeutet wird— beantwortet. Anklagen, wuchtig und scharf, wurden gegen die Verantwortlichen des neuen Verordnungsunrechts gerichtet. Der Schrei der Erbitterung, der durch die Arbeiter- fchaft des ganzen Reiches geht, fand in den Vertretern der Gewerkschaften unerschrockene Dolmetscher. Das Wesentliche der Aussprache war nicht die Erörterung der technischen Seite der Durchführung der neuen Verordnung, sondern der leiden- schaftliche Protest gegen ein unmögliches Be- ginnen. Der Reichsarbeitsminister versuchte unter dem Eindruck dieses Protestes immer wieder die Gewerkschaftsvertreter mit dem Hinweis zu beruhigen, daß das Ziel der Regierung doch die Beschaffung von Arbeit sei und dieses Ziel doch auch das Ziel der Gewerkschaften sei. Die Antwort der Vertreter der Arbeiter und Angestellten war: Gewiß soll Arbeit ge- schaffen werden. Gewiß ist das auch unser Ziel, vor allem unser Ziel; aber der Weg, den die Regierung einschlägt, ist falsch. Das Lohnprämienspftem ist nicht nur sozial- politisch, sondern auch wirtschaftspolitisch mehr als bedenklich. Es schafft unlautere und unsaubere Konkurrenzverhältnisse und garantiert trotzdem noch lange keine fühlbare Mehrein- stellung von Arbeitskräften. Der neueLohnabbau.den die Tarifauflockerung im Gefolge hat, ruft die Gefahr einer neuen allgemeinen Lohnabbauwelle hervor. Neue Schwächung der Kaufkraft bringt keine Beendigung der Deflation. Senkung der Löhne bis tief unter die Hungergrenze ist keine Lösung der gestellten Aufgabe. Die Verallgemeine- rung des Hungers, unter dem die Arbeitslosen zu- gründe gehen, ist kein Weg i n s F r e i e. Die Regierung ist bereits mit ihrer Verordnung zur Senkung der Arbeits- lofenunterstützung in eine Sackgasse geraten. Der Reichsarbeitsminister, der von den Gewerkschafts- Vertretern ein erschütterndes Bild gezeichnet bekam über das Elend, das infolge der Unterstützungskürzung über die Massen der Arbeitslosen hereingebrochen ist, erklärte, auch er sei da- von überzeugt, daß dieser Zustand u n h a l t b a r sei und un- bedingt etwas zur Abhilfe geschehen müsse. Auch in der Frage der Blankovollmacht, die sich die Regierung vom Reichspräsidenten für die U m g e st a l t u n g der deutschen Sozialpolitik geholt hat, versuchte der Reichsarbeitsminister mit vielen Beteuerungen und Versiche- rungen den Sturm zu beschwichtigen. Die Gewerkschaftsvertreter machten den Minister darauf aufmerksam, daß eine solche Blankovollmacht, wie sie sich die Regierung zur Umkrempelung aller sozialen Einrichtungen vom Reichspräsidenten habe geben lassen, einem Bruch der Verfassung gleichkomme. Nach der Reichsverfassung stehe dem Reichspräsidenten nicht das Recht zu, von vornherein alle gesetzlichen Best im- mungen auf sozialpolitischem Gebiet von sich aus völlig umzugeft alten. Die Antwort des Ministers war:„Das wollen wir auch nicht." Worauf von den Gewerkschaften erwidert wurde.„Wozu" dann soviel Ellbogenfreiheit, wenn man sie gar nicht braucht und auch gar nicht ausnutzen will?" Und ein Spötter im Hintergrund Henderson zur deutschen Wehrnote. Warnung vor Konferenzboykoii.— Für Abschaffung aller Angriffswaffen. fragte: Will man etwa ktinftig nur die Reife nach Neudeck sparen? Viereinhalb Stunden dauerte die Aussprache. Sie war mehr eine Abrechnung als eine Besprechung. Der Regierung wurde klarer Wein eingeschenkt und nichts geschenkt. Schärfste Verwahrung wurde von den Gewerk- schaften gegen die neue Notoerordnung erhoben. Die Re- gierung wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die gesamte Arbeiterschaft mit allen zulässigen Mitteln gegen dieses V e ro r d n un g s u n r e ch t a n- kämpfen wird. Die Regierung ist jetzt genau im Bilde über die Stim- mung und das Urteil der Arbeiter gegenüber dem neuen sozialpolitischen Kurs. Auffallend wirkt, daß sie selbst jetzt nach der Aussprache mit den Gewerkschaften ihre iBcrordnung eine „Versuchsverordnung" zur Vermehrung und Erhal» tung der Arbeitsmöglichteit nennt. Ist das bereits ein Rück» zug? Auch die Regierung nennt ihr Experiment� jetzt selbst einen Versuch. Nur ein Versuch ist's, aufgebaut auf U n- recht._ Rote Fahne verboten. Auf vier Wochen bis zum 6. Oktober. Amtlich wird mitgeteilt: Auf Grund des Z 6, Ziff. 2 u. 4, der Verordnung des Reichspräsidenten gegen politische Ausschreitungen vom 14. Juni 1932 wird die in Berlin erscheinende Tageszeitung „Rote Fahne" mit Wirkung vom 9. September bis zum 6. Oktober 1932 einschließlich wegen schwerer Beschimp- f-ung und böswilliger Verächtlichmachung der Reichsregierung in der Rr. 183 vom 8. September d. I. im Artikel„Rüstung gegen das Volt" verboten. # Dies Verbot des Zentraloraans der Kommunistischen Partei auf vier Wochen stellt eine Maßnahme von ungewöhnlicher Härte dar. Dies Verbot bedarf dringend der Abkürzung! Wenn Mitte nächster Woche die Reichstagsauflösung er- folgt und der Wahlkampf beginnt, so müssen alle laufenden Verbote aufgehoben werden. Im Wahlkampf, in dem Dauer» verböte von solcher Länge aufrechterhalten würden, würde dem Grundsatz der Wahlfreiheit widersprechen. Asphaltblatt und Leichenverwertung. Nationale Gespräche. Der„Stahlhelm" läßt seinem Zorn gegen die National- sozialisten freien Lauf. In seiner Nr. 36 bindet er sich Goebbels vor: „Von rechts her umspritzt uns mit einem Male der Geifer parteipolitischen Hasses, schillernd vor Wut und ent< läuschter Eigensucht. Es ist ebenso bekannt wie häufig dementiert, daß in der Nationalsozialistischen Partei verschiedene Richtungen gegeneinander stehen. Hauptträger der Angriffe gegen den Stahl- Helm ist die Richtung, deren Exponent der Berliner nationalsozia- listische Agitator Dr. JosephGoebbelsund deren Sprachrohr seine Tageszeitung„Der Angriff" ist. In diesem noto- rischen Asphaltblatt sind vor und während der 13. Rcichs- frontsoldatentage täglich die infamsten Hetzereien gegen den Stahlhelm veröffentlicht worden, deren Ziel es war, einen Keil zwischen die Führer und die Gefolgschaft des Bundes zu treiben. Die Niedrigkeit dieser Hege erhellt aus der Tatsache, daß das Blatt des Herrn Goebbels, das sich im Untertitel als das„Deutsche Abendblatt" bezeichnet, zu den undeutschen und unsauberen Mitteln persönlicher Verunglimpfung sachlich unangreifbarer Führer- persönlichkeiten griff. Und noch widerlicher wirkt die Methode, aus dem Tode der eigenen Parteigenossen parteipolitisches Kapital zu schlagen. Der„Angriff" nimmt die Tatsache, daß während des Frontsoldatentages ein erschossener SA.-Mann beerdigt wurde— auch wir haben manchen im Freiheitskampf gefallenen Kameraden zur legten Ruhe betten müssen—, zum Anlaß folgender Gegenüberstellung: „Wir haben einen Toten begraben Der„Stahlhelm" hat ein Fest gefeiert. Wir haben das Volk und der„Stahlhelm" hat die „seinen Leute". Das ist i n s a m st« L e l ch e» o e r w e r t u n g zur Gewinnung demagogischer Gijtwafsen. Psui Deubell" Wie lang ists her, daß beide noch ein Herz und eine Seele waren und daß der Stahlhelm schweigend schluckte, daß seine Leute von den Nazis zusammengeschlagen wurden! Jetzt redet man in echt„nationalen" Tönen miteinander. Hiilers Geständnis. Oer„Angriff" bestätigt eel' Der„Angriff" berichtete am Donnerstag ausführlich über Hitlers Münchener Rede. Sein Bericht enthält— durch fetten Druck hervorgehoben— den von uns bereits hervorgehobenen Satz, der dos volle Geständnis der zeitweiligen Tolerierung der Papen-Regierung durch Hitler enthält. Nach dem„Angriff" hat 5)itler in München folgendes gesagt: ..Wo sind denn die Massen, die heute angeblich hinter Herrn von Papcn stehen sollen? Wenn Papen glaubt, daß sich die nationalsozialistischen Anhänger ihm gegenüber neutral verhalten. so ist das eine falsche Spekulation. Die Partei hat sich nur neutral verhallen, solange ich mich neutral verhalten habe." Mit dem Abdruck dieser Sätze im Berliner Naziblatt entfällt jede Ausrede, daß es sich etwa um eine gegnerische Falschmeldung bandeln könne. Es ist nunmehr authentisch festgestellt, daß die Nationalsozialistische Partei sich gegenüber Papen neutral verhalten hat und zwar solange Hitler persönlich diese Haltung anordnete.— Dieses Geständnis muß überall den Nazis entgegengehalten werden, wo sie sich darauf herauszulügen suchen, daß sie mit der Papen-Regierung„nichts zu tun" hätten. Letzt höhere Eierzölle. wie gemeldet wird, hat die deutsche Reichsregierung am K. Sep- lember den Handelsvertrag mit Jugoslawien zum 7. Mär; nächsten Jahres, also mit der vorgeschriebenen halbsährigen Frist, gekündig». Der entscheidende Grund der Kündigung ist die Absicht der deutschen Regierung, die Eierzölle allgemein zu erhöhen und die Eiereinsuhr abzudrosseln. Die Zölle waren allein noch gegenüber Jugoslawien gebunden: deshalb wird fetzt der Handelsvertrag gekündigt und ein vertragsloscr Zustand vorbereitet, dessen Folge» für die übrige deutsche Wirtschaft noch nicht abzusehen sind. Rewcastle, S. September. Jv der heutigen Sitzung des Gewerkschaftskongresses erklärte henderson, der Präsident der Abrüstungskommission. er müsse frank und frei bekennen, daß die Ergebnisse der Abrüstungskonferenz nach sechsmonatigen Bemühungen noch weit vo» dem Ziel entfernt seien, das er erhosst habe. henderson ging dann auf die deutschen Wehrforderungen ein und äußerte, man solle die Augen nicht vor der G e s a h r verschließen, die sich aus den deutschen Forderungen ergäbe. Er vermöge nichk zu erkennen, was Deukschland ge- Winnen könne, wenn es sich von der Abrüstungskonferenz zurückziehe. lieber die Forderungen sollten in erster Linie die ehemaligen Alliierten und Associierlen verhandeln. Diese sollten ihre Verpflichtungen gegenüber den besiegten Ländern erfüllen und der Konferenz ein Abrüstungsprogramm unterbreiten, nach dem offenbare Angriffswaffen allgemein verboten würden, wie sie Deutschland durch den versailler Vertrag untersagt wären. Ein solches Programm würde auf die ganze Welt Ein- Breslau, 8. September.(Eigenbericht.) In dem Bre-lauer Sondergerichtsprozeß gegen den sozialdemo- kratischen Parteisekretär Kukielczynski und zweiundzwanzig Reichs- bannerleute wurden am Donnerstagvormittag wieder zahlreiche Zeugen vernommen. Die Bekundungen dieser Zeugen fielen wesentlich eindrucksvoller und glaubwürdiger aus als die merk- würdig gleichlautenden Aussagen, die am Vortage von den unoerkennbar nationalsozialistischen Zeugen gemacht worden waren., Keiner der am Donnerstag gehörten Zeugen hat gesehen, daß Kukielczynski ein ausreizendes Verhalten zur Schau getragen hat. Dagegen wurde von mehreren Zeugen einwandfrei klargestellt, daß Kukielczynski schon vor Eintreffen des Reichsbanner- wagens von Nationalsozialisten angefallen und blutig ge- schlagen wurde. Ein Zeuge bestätigte, daß in dem Reichsbannerauto bei der Abfahrt vom Gewerkschaftshaus weder Latten noch sonstige waffenartig- Gegen st ände lagen. Von mehreren Zeugen wurden die beiden Mitangeklagten National- sozialisten Lux und Scharwentke stark belastet. Diese beiden Haken- kreuzler sind bei dem Ueberfall auf Kukielczynski als Haupt- s ch l ä g e r beteiligt gewesen. Der Vater Kukielczynskis äußerte bei seiner Vernehmung, daß sein Sohn von den Hitler-Leuten i n der gemein st en Weise mißhandelt worden sei. Tiefen Eindruck dürste die Bekundung des auf Wunsch der Ver- teidigung als Zeuge geladenen Breslauer Polizeipräfi- d e n t e n Thaiß beim Gericht hinterlassen haben. Der Polizei- Präsident schilderte den Angeklagten Kukielczynski, mit dem ihn sein Dienst häufig zusammengeführt Hobe, als einen besonnenen Menschen. Oer Antrag des Staatsanwalts. Trotz alledem wagte es der nationalsozialistische Llaatsanwalt Patschowskl folgende Strafanträge zu stellen: gegen den Parleisekretar kukielczynski wegen schweren Landfriedens- bruchs unter erschwerenden Umständen der Rädelsführerschast und öffentlichen Zusammenrottung zwei Jahre Zuchthaus, gegen den Chauffeur Wolf und den Reichsbannermann kifsors j e anderthalb Zahre Zuchthaus, gegen weitere vierzehn An- geklagte ein Zahr sechs Monate Gefängnis, gegen einen Reichs- bannermann ein Jahr drei Monate Gefängnis wegen schweren Land- sriedensbrnches und gegen weitere fünf Reichsbannerleute je ein Jahr Gefängnis wegen einfachen Landfriedensbruches. Gegen die Nationalsozialisten SA.-Mann Lux wurden acht Monate, gegen den Bäckermeister Scharmentke zehn Monate Gefängnis wegen gefährlicher Körperverletzung au» politischen Motiven beantragt. Der Staatsanwalt behauptete, die Nationalsozialisten wären überfallen worden und hätten sich zweifellos i n der Notwehr(?) befunden, wenn sie sich auf den Anstifter Kukielczynski gestürzt hätten. Den Angeklagten seien mit Rücksicht aus die politisch erregle Zeit, in der die Vorfälle sich ereigneten. keine mildernden Umstände zuzubilligen. Das Ltrieil. Nach vierstündiger Beratung wurde folgendes Ur- teil gefällt: 15 der angeklagten Reichsbannerleute wurden wegen gefährlicher Körperverletzung, begangen aus politischen Motiven, zu je vier Monaten Ge- fängnis verurteilt. Tie anderen Angeklagten, dar- unter auch der Parteisekretär Kielczhnöki und die beiden N a t i o n a l s o z i a l i st e n wurden f r e i g e- sprachen. Bei der Begründung des Urteils führte der Vor- sitzend« u. a. aus, daß bei dem in Frage stehenden Zusammenstoß von Landsriedensbruch nicht die Rede sein könne. Ts sei zwar Zusammenrottung erfolgt, aber dieser habe der Charakter der Oeffentlichkeit gelehlt, da di« Reichsbannerleute, die am Gcwerkfchastshaus auf den Lastkraftwagen gestiegen waren, nicht wußten, daß sich auf der Fahrt weitere Leute zu ihnen gesellen würden. Es dürfte daher nur gemeingefährliche Körperverletzung angenommen werden und diese auch nur bei jenen Reichsbannerleuten, die gemeinsam vom Lastauto gesprungen seien, um gegen das Publikum vorzugehen. Den übrigen Reichsbannerleuten, die sich zu- fällig in der Nähe des Talorts aufgehalten hätten, als der Last- wogen herankam, sei eine Beteiligung an dem Angriff nicht nach- zuweisen gewesen. Dem AngeNagten Kukielczynski habe dos Gericht zugebilligt, daß er sich durch das provozierend« Verhakten des Mitangeklagten Nazis Lux berechtigt fühlen konnte, das Reichsbannerauto zu seinem Schutz heranzuwinken. Das Gericht betrachte es nicht als erwiesen, daß Kukielczynski die Absicht gehabt habe, aggressiv g�gen Andersdenkende vorzugehen. Er habe überdies auch nicht annehmen können, daß einzelne Reichsbanner- leute ohne eine Anordnung losschlagen würden. druck machen und die Regelung der deutschen Schwierigkeiten be- lrächtlich erleichtern. Aus dem Gewerkschaftskongreß stellte ein Vertreter der Staats- und Gemeindearbciter den Antrag, die Regierung zu ersuchen, nach neuen Arbeitsmöglichkeiten für diejenigen Arbeiter zu suchen, die durch die Beschränkung der Rüstungen arbeitslos würden. Oer Kongreß nahm sodann eine Entschließung an, in der eine durchgreisende Abrüstung verlangt wird. Herriots Kabineitschef in London. Paris. 8. September.(Eigenbericht.) H e r r i o t scheint gegenüber den deutschen Militärsorderungen immer dringlicher dos Bedürfnis zu fühlen, sich an England anzulehnen. Aus diesem Bedürfnis heraus hat er am Donners- tag seinen Kabinettsches Marcel Ray nach London geschickt. Ray soll der englischen Regierung den Entwurf der französischen Antwort auf die deutsche Militärschrift überreichen und gleichzeitig- ihre Ansicht darüber einholen. Den übrigen Mitgliedern des Ver- trauenspaktes einschließlich der Staaten der Kleinen Entente ist die französische Antwort auf diplomatischem Wege zugestellt worden. Der Freispruch der beiden nationalsoziali st i- s ch e n Angeklagten habe erfolgen müssen, weil diese nur durch ie einen Angeklagten belastet worden seien. Gegen den angeklagten Nationalsozialisten Scharwentke bliebe allerdings der schwere Verdacht bestehen, an dem Ueberfall auf Kukielczynski teil- genommen zu haben. Während der Sitzung hatte sich vor dem Gericht eine große Menschenmenge versammelt, die dauernd „Freiheit"! rief. Di« Polizei räumte schließlich den Platz. » Die lange Beratung des Dreimännerkollegiums, das als Sondergericht amtiert, läßt darauf schließen, daß selbst diese Richter über die Anträge des Staatsanwalts zeitweilig sprachlos waren. Bis vor kurzem hat man es für unmöglich gehalten. daß ein ausgesprochener Nationalsoziali st als Anwalt des Staates amtieren könne, den seine Partei mit allen Mitteln bekämpft. Aber in der„grundsätzlich neuen Staatsführung" des Kabinetts der Barone ist auch das mög- lich geworden. Ja, dieser nationalsozialistische Staatsanwalt darf sogar politische Prozesse bearbeiten, in denen seine Pgs. eine besonders bösartige Rolle spielen. Die Straf- a n t r ä g e dieses Staatsanwalts, der nach unserem Vres- lauer Parteiblatt eine führende Stelle in der Fachgruppe Justiz der nationalsozialistischen Betriebsorganisation hat, zeugen wie die ganze Anklage gegen den mißhandelten Par» teisekretär der Sozialdemokratie wegen angeblicher Rädels- führerschaft von einer so starken, milde gesagt: Vorein- genommenheit, daß er unfähig erscheint, als Staats- anwalt in politischen Prozessen weiter zu amtieren. Vor allem in Sondergerichtsverfahren, bei denen es die üblichen Rechts- garantien wie Voruntersuchung so wenig gibt, wie ein Rechts- mittel nach Urteilsspruch, bedeutet die Auffassung des Staats- anwalts noch mehr als sonst. In diesem Falle hat das Bres- lauer Sondergericht den Herrn Staatsanwalt so eklatant ab- laufen lassen, daß er sich das Urteil wahrscheinlich nicht hinter den Spiegel stecken wird. Aber es wird trotzdem zu fragen sein: Darf ein Mann von der„Staats"auffassung dieses nationalsozialistischen Staatsanwalts weiterhin Prozesse vorbereiten, in denen prügelnde Nationalsozialisten als Zeugen und Republikaner als Angeklagte auftreten müssen, weil sie sich nicht prügeln lassen wollen?_ Neichöbannermann erschossen— Strafe: Sechs Monate Gefängnis. Waldenburg. 8. September. Bor dem Waldenburger Sondergericht stand der national- sozialistische Landwirt Kurt Rolkc aus Dittmannsdorf, der in der Nacht zum 18. Juli den Reichsbannermann Geis- w i n k l e r in Reußendorf bei Waldenburg niedergeschossen hatte. Gei-winkier ist wenige Stunden danach seinen Ver- legungen erlegen. Die Anklage lautete auf schwere Körper- Verletzung mit Todesersolg und Vergehen gegen dos Waffengeietz. Rolke war von einem SA.-Treffen aus Striegau zurückgekehrt, als er auf dem Heimweg dem Reichsbannermann Geiswinkler und dessen Freund begegnete. Es kam zu einem Wortwechsel, dem die Bluttat folgte. Während Rolke behauptet, in Notwehr ge- handelt zu haben, stellte sich der Staatsanwalt auf den Standpunkt, daß«ine wesentliche lieberschreitung der Notwehr vorlieg«. Er beantragte 2>j Jahre Gefängnis wegen Körperverletzung mit töd- lichem Ausgang bei lieberschreitung der Notwehr. Das Urteil lautete auf 6 Monate Gefängnis wegen wafsenmißbrauchs: wegen schwerer Körperverletzung mit Todesersolg erfolgte F r e i s p r u ch, da das Gericht annahm, daß Rolle in berechtigter Ueber- schreitung der Notwehr(!!) gehandelt habe. Arbeitsgericht gegen Funkstunde. Oer„Tendenzbetrieb" des Herrn Scholz. Vor dem Arbeitsgericht fand gestern die Hauptverhand- lung in der Klagefochc des ehemaligen Leiters der aktuellen Abtei- lung der Funkstunde, Dr. Arthur Kürschner, gegen die Funk st und« statt. Di« laut Kündigungsschreiben„auf Wunsch des Reichsrundfunkkommissars" Erich Scholz er- folgte Entlassung Dr. Kürschners wurde für unzulässig er- klärt und die Funkstunde zu seiner Wiedereinstellung, im Weig«-- rungssolle zur Zahlung einer Abfindung von 3990 M. verurteilt. Der Kläger Dr. Kürschner hatte bereits seit drei Jahren seinen Pasten im Funkhaus verwaltet, ohne daß je die geringste Be< anstandung ausgesprochen worden war. Der Funkstund« wurden auch die Kosten für den Rechtsstreit auferlegt. Hakenkreuzler als Staaisanwali. Eine Gefahr für die Rechissicherheii. Abschied von Heinrich Schulz. Ein Kämpfer gegen politische Barbarei. Gestern wurde der verstorbene Genoste Heinrich Schulz im Krematorium Wilmersdorf eingeäschert. Eine große Zahl von Leid- tragenden erwies ihm die letzte Ehre. Der Parteivorstand der Deutschen Sozialdemokratie war durch seine Mitglieder vertreten, die Genossen aus Wilmersdorf, deren nächster Kampfgefährte Hein- rich Schulz gewesen ist, waren fast alle erschienen. Doneben sah man die Vertreter von Kunst und Wissenschaft, die zu fördern Heinrich Schulz immer bemüht war. Rote Banner waren über dem Sarge erhoben, zu dem die schmerzgebeugten Angehörigen des Toten geleitet wurden. Beethooensche Musik bildete den Ausklang der Trauerfeier. Dann nahm für die Sozialdemokratische Partei Genosse Arthur Crispien dos Wort.„Heinrich Schulz, vom Tod bezwungen, mußte seinen Platz verlassen. Es war kein Platz der Ruhe, des Zufriedenseins und des Genießens. Es war ein Platz in der vordersten Front des kämpfenden Proletariats. Aus der sozialistischen Welt erhielt Hein- rich Schulz die Kräfte, die ihn befähigten, Kämpfer, Fichrer und Lehrer der Sozialdemokratie zu sein. Wie jeder aktive Sozial- demokrat, gab Heinrich Schulz unserer Bewegung bleibende Werte. In dem, was er zur Bereicherung der sozialdemokratischen Bewegung beitrug, bleibt er lebendig unter uns." Noch einmal rollte vor dem geistigen Auge der Trauergemeinde das Leben des Genossen Heinrich Schulz ab: wie er in der frischen Jugend Sozialdemokrat wurde, wie er als junger Lchrer aus dem Staatsdienst ausschied, um mitzuwirken, daß den Todfeinden des klassenbewußten Proletariats eine Macht entgegenstellen werde, die von einem Willen beseelt, nach einem Ziel strebend, den Gegnern geistig ebenbürtig, ja überlegen ist. Heinrich Schulz sagte sich, die schönen, die edlen Werte der menschlichen Arbeit werden den Unter- drückten vorenthalten. Das soll nicht sein! Am Anfang der sozial- demokratischen Bewegung müssen auch Wissen und Bildung stehen. Diesem Ziel gilt seine Arbeit, ihm gibt er sich hin, begeistert, stolz und trotzig nach seinem Wort aus dem„Bekenntnis eines Erwachen- den", das er 1892 schrieb:„Mag die Bourgeoisie mit Fingern aus mich weisen, mich als Gefallenen, Geächteten schelten und behandeln, mag mein Körper Hunger oder Durst leiden, nichts wird imstande sein, mir mein großes Ideal, mein Lebensziel zu verdunkeln. Ich habe den Kampf begonnen— ich werde ihn durchkämpfen." Diesim Bekenntnis ist Heinrich Schulz treu geblieben bis zur letzten Stunde! Er hat sich durchgeschlagen für sein Ideal als sozialistischer Schrift- steller und Redakteur, und er nahm seine Lehraufträge von der Sozialdemokratie entgegen. 1905 war es, als er in Bremen über Kunst, Wissenschaft und Klassenkamps sprach und das Wort von der sozialistischen Bildungsarbeit prägte, das heute Allgemein- gut geworden ist. 1998 war dieses Problem wichtiger Verhandlungs- gegenständ auf dem Parteitag von Mannheim. Heinrich Schulz referierte neben Klara Zetkin, und die Folge war die Einsetzung eines Zentral-Bildungsausschusses. Es folgte die Parteischule, deren Lehrer Heinrich Schulz war. Er hat den Begriff der Arbeiterbildung zur Geltung gebracht im Gegensatz zur sogenannten allgemeinen Bildung, zur kapitalistischen Bildung. Schon aus dieser Zielsetzung heraus mußte er auch zu einem Bahn- brecher und Führer in der sozialistischen Jugend- bewegung werden, und unsere Jugend wird ihn immer zu ihren Besten zählen. Crispien behandelte dann die Tätigkeit des Genossen Schulz als Staatssekretär und Leiter der kulturpolitischen Abteilung im Reichs- nünisterium des Innern. Gerade hier vergoß er nicht, daß bei der wachsenden politischen Bedeutung der Sozialdemokratie auch der Kampf um die geistige Befreiung des Proletariats immer mehr in den Vordergrund treten müsse. Dann sagte Crispien:„So stand Heinrich Schulz 40 Jahre lang in einem aufreibenden, ununter- brochenen Ringen. Auch ihm blieben die Bitternisse gegnerischer Niedertracht nicht erspaxt. Bolschewistische und nationalsozialistische Menschenjäger fanden sich in Gemeinschaft gegen Heinrich Schulz zusammen. Wie er darunter litt,— nicht um seiner selbst, sondern um seiner Angehörigen willen— weiß, wer ihm nahestand!" Mit einem Appell an die alten Mitstreiter und an die jungen Kämpfer, die alle an dem Beispiel und an dem Wirken von Heinrich Schulz gelernt haben, in seinem Geiste weiterzuarbeiten, schloß Crispien: ..wir wollen nach den Worten von Heinrich Schulz„mehr noch als früher in der sozialistischen Bildungsarbeit, aller Unkultur und politischen Barbarei zum Trotz. Politik und Bildung zu vereinen bestrebt sein, durch geistige Arbeit, die die Berhältnisse des Lebens durchdring» und sich umseht in praktischen Kampf bis zum Sieg wahren Menschentums." Für den Sozialistischen Kulturbund und die sozialistischen Lehrer widmete Genosse Alexander Stein sprach für die Deutscher K u n st g e m e i n j ch a f t dem toten Reichzausschusses für sozialistische Bildungsarbeit und des später be- gründeten Sozialistischen Kulturbundes hat Heinrich Schulz sein organisatorisches Talent und seine Fähigkeit entfaltet, den neuen Strömungen im gesellschaftlichen Leben nachzuspüren und Menschen au, den verschiedenen proletarischen Organisationen zusammenzu- führen, sie zu vereinige» zu einheitlichem solidarischem Wirken. Dem ist mancher praktischer Erfolg beschieden gewesen. Wichtiger war aber die aus diesem Wirken entspringende Erkenntnis, daß die politisch« und wirtschaftliche Massenbewegung des Proletariats kulturell untermauert werden muß, daß sie den ganzen Menschen ersassen muß. daß es neben politischen und wirtschaftlichen Werten auch geistige Werte und Persönlichkeitswerte zu erobern gilt."„Wir danken ihm im Namen der vielen Tausenden, denen er den Weg zur sozialistischen Erkenntnis gebahnt hat." Genosse wolsgang Heine sprach für die Deutsche K u n st g e in e i n s cha s t dem toten Heinrich Schulz den Abschiedsgruß.„Die Schassung der Deutschen Kunstgemeinschast war der Gipfel dessen, was. Heinrich Schulz getan und geleistet hat. Es entsprang seinem eigensten, persönlichsten Leben. Sein Streben war die Herstellung eines von innen kam- wenden Zusammenhanges zwischen der Kunst und dem ganzen Volk. Der deutschen Kunst, den deutschen Künstlern und dem deutschen Volke ein Förderer zu sein, war sein Ziel. Eugen Spiro dankte dem Förderer der Künstler im Namen der Künstler der Deutschen Kunstgemeinschast Er betonte, wie rein das Streben von Heinrich Schulz, das von vielen verkannt wurde, im Interesse der deutschen Künstler gewesen sei. Professor Amsel rühmte als Vertreter des Deutschen Stenographenbundes den Schöpfer der deutschen Einheitskurzschrift. Werner Schle- s j n g e r sprach ein kurzes, ergreisendes Schlußwort im Namen der engeren Freunde von Heinrich Schulz. Dos Ave Verum von Mozart ertönte, von einem Streichquartett gespielt. Während dze Fahnen sich senkten und der zweite Satz aus Beethovens Appajsionata, die Heinrich Schulz liebte, erklang, ver- sank der Sarg mit der sterblichen Hülle des toten Freundes. Alie Regierungskunsi. C3m Zeichen des Goethe-Jahres.) »Wir speisen Jahr um Zahr voraus. Die Schweine kommen nicht zu Fette/ Verpfändet ist der Pfühl im Bette Und auf den Tisch kommt vorgegessen Brot.* Zaust II. Teil, I. Akt. Am Hose des Kaisers. Nazi-Llntersuchungstheater. Anschuldigungen gegen Schupo- Razi-Zeugenaussagen brechen zusammen. Im sogenannten Polizei-Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtags wurde die Zeugenvernehmung über die angebliche Mißhandlung von Nazis durch Polizeibeamte fortgesetzt. Die Ab- ficht, die die Nazis damit verfolgen, ist, von dem heimtückischen Ueberfall auf den Reichsbannerkameraden abzulenken, die Polizei einzuschüchtern, und auf diese Weise ihren Schlägern Bei- stand zu leisten. Der Verlaus der Zeugenvernehmung war kläglich für die Nazis. Es ergab sich, daß die meisten Aussagen der Nazizeugen nicht st i m m t e n, die von der Polizei aus einer SA.-Kaserne nach dem Ueberfall auf Wölsel herausgeholt worden Der Führer des Ueberfallkommando«, Oberwachtmeister G r o ß k o p s, schildert dann, wie das Kommando von dem Kranken- Pfleger Senftleben alarmiert worden sei, wie man den schwerverletzten Relchsbannermann oussanh und wie Zuschauer erzählten, die Täler seien zum wcddingplah gelausen. sie hätten blaue Hosen und weiße Hemden an. Als erster von den SA.-Leuten wurde Be st mann eingeholt und aus dem Wogen des Ueberfallkommandos mitgenommen, auf dem bereits der schwerverletzte Reichsbannermann Wölsel lag. Da Zuschauer erklärten, die Täter seien in das SA.-Heim ge- flüchtet, fuhr Grohkopf deshalb dorthin. An der Tür hat nach seinen Angaben K r i n g gestanden. Großkops will zusammen mit dem Wachtmeister Rudolf in das SA.-Heim hineingegangen sein, wo dann außer Kring noch die. drei anderen SA.- Leute fe st genommen wurden. Ein Herr Lindenberg habe sich unterwegs als Zeuge gemeldet, er habe angegeben, er sei von Kring mit der Pistole bedroht worden. Aus diesem Grunde habe er alle Insassen des Heims als tatoerdächtig betrachtet. Das Ueberfallkommando fuhr dann zunächst zur Rettungsstelle, um den Schwerverletzten abzuliefern. Auf dem Revier habe Kring gesagt, er sei geschlagen worden. Später auf der Ueberfallwach« habe Großkops seine Leute gefragt:„Hat jemand Widerstand gehabt oder hat jemand geschlagen?" Darauf hätten die Beamten mit Rein geantwortet. Damit sei für ihn die Sache erledigt gewesen.(Lachen bei den Rsoz.) 3n seiner Gegenwart sei niemand geschlagen worden. Abg. Engel(Rsoz.): Der SA.-Mann, der die Tür öffnete, erklärt, der erste Beamte, der eintrat, habe ihm sofort eins aufs Auge geknallt. Zeuge: Das ist nicht wahr: denn das hätte ich sehen müssen, vor mir ging nur Rudolf hinein. Aus wiederholtes Befrage» durch den Abg. H e n z e(Nsoz.) bleibt der Zeuge dabei, er hätte es sehen müssen, wenn der vor ihm gehende Wachtmeister Rudolf den öffnenden SA-Mann geschlagen hätte. Es folgten nun versuche des Naziabgeordneken hinkler. den Beamten anzuschnauzen, zu disqualifizieren und einzuschuchiern und seine Aussagen zu verdrehen. Der Zeuge läßt sich nicht einschüchtern. Ein anderer nationolsoziaiistischer Abgeordneter möchte wissen, welcher Partei der Zeuge angehört. Abgeordneter M e tz i n g e r(Z.) widerspricht dieser Frage jedoch: Rein, das inter- esjiert uns nicht! Die Entscheidung über die Zulässigteit der Frage soll in einer nichtösfentlichen Sitzung getroffen werden. Der Vorsitzende fragt nun die Nazizeugen Sagert, Wolter und Wie m er, ob sie von Großkops geschlagen worden seien. Der Zeuge Wolter will daraufhin den Zeugen Großkopf als den Beamten mit der Maschinenpistole wiedererkennen, der den Wiemer geschlagen habe. Großkops erwidert darauf: Das stimmt nicht, ich habe die Maschinenpistole über- Haupt nicht gehabt. In nichtöffentlicher Sitzung wurde dann die Frage noch der Parteizugehörigkeit des Zeugen Kroßkopf von den Fragestellern zurückgezogen. In der Nachmittagssitzung werden weiter die Beamte» vom Ueberfallkommando vernommen. Wachtmeister Rudolph gibt eine Schilderung der bereits bekannten Vorgänge. Der Zeuge Sagert, der hierauf dem Beamten gegenüber- gestellt wird, kann nicht sagen, ob er derjenige sei, der ge- ichlagen habe. Der Zeuge Wiemer bekundet, daß derjenige, der geschlagen habe, eine Mütze trug. Nach den Aussage» der Beamten kommt dafür nur der Kroftsahrer in Frage. Dieser habe aber das Lokal nicht als erster betreten, wie behauptet worden sei. Wachtmeister Wolzin, der Majchinenpistolenschütze, hat das Lokal mit durchsucht. Cr fand im Bett eine scharf geladene Pistole, die beschlagnahmt worden sei. Bei der Gegenüberstellung des Wachtmeisters Welzin mit den Zeugen Sagert, Wolter und Wiemer erklärt der Zeuge Wolter, der Beamte, der ihn geschlagen habe, habe ein ganz auffälliges Gesicht gehabt, das er sofort wiedererkennen würde. Er habe eine gespaltene Nase gehabt.— Oberwachtmeister G r o ß k o p f erklärt darauf, daß es sich dann nur um den Wachtmeister Szodenmg handeln könne, der gegenwärtig beurlaubt sei.— Der Vorsitzende behält sich vor, den Wachtmeister Szadening für eine spätere Sitzung zu laden. Abg. Engel(Nsoz.): Auf der Wache soll ein Beamter ge- äußert haben:„Bielleicht haben Sie sich an dem Wagen gestoßen!" Zeuge Sagert: Jawohl, das war dieser hier(auf Rudolph weisend). Wachtmeister Rudolph: Ich war ja gar nicht auf der Wache. (Heiterkeit.) Der Uebersallwagen wurde von dem Kraftwagens llhrer C z.i« m u He ws k i gelenkt. Dieser bekundet als Zeuge, er habe als erster den Wagen.verlassen und verhindert, daß die Tür des SA.-Heims geschlossen wurde. Zu diesem Zweck habe er mit beiden Händen«inen Herrn im blauen Anzug ergrissen, der die Tür zu- machen wollte, und ihn den anderen Beamten übergeben. Dann habe er sich wieder auf den Führersitz gesetzt. Der Zeuge Wiemer bestreitet unter Berufung aus seine Eigenschaft als Chauffeur, daß das möglich gewesen sei. Der Wagen habe Rechts st euerung gehabt und habe gegen die Fahrt- richtung gehalten. Abgesprungen sei der Beamte, der links neben dem Fahrer saß: dieser habe ihn verhaftet. Cziemnijewski erwidert jedoch, der Wagen habe Linkssteuerung. Auf Fragen des Abg. Engel(Rsoz.) erklärt auch Cziem- n i j e w s k i, er wisse nichts davon, daß die Beamten jemand miß- handelt hätten. Der eine Festgenommene, der neben dem Wagen hergelaufen sei, hätte schon vorher an den Zähnen geblutet. Es sei auch möglich, daß die Zivilpersonen, die den Täter ja vorher oerfolgt hätten, diesen geschlagen hätten. Abg. Henze(Rsoz.): Das ist doch ein komischer Täter, der hinter dem Uebersallwagen her- läuft! Zeuge: 3a, der war auch komisch. Entweder handelte er noch im Blutrausch oder im Alkoholrausch. Durch telephonische Anfrage ist inzwischen festgestellt worden, daß der Wagen des Ueberfallkommandos Links st euerung hat, daß sich also der Zeuge Wiemer geirrt hat. Dann werden noch zwei Zeugen vernommen, die sich am Morgen des 12. Juli in der Nähe der Stelle aufgehalten haben, wo in der Chousseestraße der Zusammenstoß zwischen dem Reichs- bannermann und einige» Nationalsozialisten stattgesunden hat. Der Chauffeur Kühn sagt aus, er sei mit seinem Wagen durch die Chausseestraße gefahren, als' er plötzlich laute Hilferufe hörte, einen Mann am Boden liegen und andere davonlaufen, sah. Mit einem anderen des Weges kommenden Kraftwagen habe er d i e Davonlaufenden verfolgt. An der Verfolgung habe sich auch ein älterer Herr mit einem Hund beteiligt. Gleich darauf sei auch das Uebersallkommando gekommen. Cr habe die Verhaftungen genau verfolgt. Die verhosteten seien selbst aus den wagen geklettert, von INißhandlungen habe er nichts gesehen, obwohl er dicht neben dem Wagen stand. Schimpsworte seien auch nicht von den Poltzeibeamlen. sondern von den herumstehenden Zivilisten gefallen. Hierauf wird noch einmal der Untersuchungsgesangene Kring vorgeführt, der aus Befragen erklärt, daß ihm die Zähne bereit» während der Verfolgung von einem im Verhandlungsraum nicht anwesenden Ehaussenr mit einer Kurbel eingeschlagen worden seien. Bei seiner Verhaftung sei ihm in brutaler Weise der Arm nach hinten gedreht worden. Als er den Beamten zur Rede ge- stellt habe mit der Bemerkung, er würde das im Dritt?» Reich zu Protokoll geben, habe er einen Faustschlag ins Gesicht erhalten. Bei einer Gegenüberstellung mit den anwesenden Polizeibeamten erklärt der Zeuge Kring, daß sich der Beamte, der ihn geschlagen habe, nicht darunter befinde. Der Vorsitzende schlägt daher vor, die Untersuchung noch nicht abzuschließen, sondern sie fortzusetzen, wenn der beurlaubte und der erkrankte Polizeibeamte zur Verfügung stehen. Auch soll dann ent- sprechend einer Anregung des Abg. Iiirgcnfen(Soz.) der verletzte Reichsbannerkamerad Wölsel vernommen werden. Am Freitag will der Ausschuß die Untersuchung der Vorfälle anläßlich des Auszugs der Stagerrat-Wache in Berlin beginnen. Oer Kampf in Niederschlesien. Oer Lohnabbau muß endlich abgestoppt werden! Breslau, 8. September.(Eigenbericht.) Am Montag hat im mederschlesischen Tarifgebiet des Metallarbeiterverbandes ein Abwehrkamps begonnen, der von Tag zu Tag an Umfang zunimmt. Rein zahlenmäßig steht diese Bewegung zwar in keinem Vergleich zu früheren Konflikten mit den Nordwest- lichen Metallindustriellen, den Unternehmern der Berliner Metall- industrie usw. In allen Betrieben des Verbandes niederschlesischer Metallindustrieller, mit dem der Lohnkonflikt besteht, sind zur Zeit etwa 4000 bis S000 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt, von denen bis Mittwoch rund 2500 im Kampfe standen. Dieser Kamps ist aber trotz der verhältnismäßig geringen Zahl der daran Be- teiligten von grundsätzlicher Bedeutung, denn die niederschlesischen Metallarbeiter führen ihn unter der Parole: Schluß mit dem Lohnabbau! Der Konflikt hat mehrere Wochen unter der Oberfläche geschwelt. Zum 31. August war von den Metallindustriellen Niederschlesiens der Lohntarif gekündigt worden, der einen Spitzen- lohn von 68 Pf. sowie einen Akkordsatz von 63 Pf. vor- sah und seit dem 1. Januar d. I. Gültigkeit hatte. Die Unternehmer verlangten einen Abbau dieser schon so geringen Löhne u m 8 bis 10 Proz. Nach der Ablehnung eines Vergleichsvorschlages des Schlichtungsausschusses in Görlitz, wonach die Löhne in den ver- schiedenen Gruppen um 5 und 6 Proz. gesenkt werden sollten, wurde von dem gleichen Schlichtungsausschuß ein Schiedsspruch ge- fällt, der von der Woche an, in die der 27. August fiel, einen A b- bau der Stunden- und Akkordlöhne um 4 Proz. brachte. Für die Annahme dieses Schiedsspruchs hatten sich in allen Betrieben des niederschlesischen Tarifgebiets nur ganze 152 Be- schäftigte entschieden. Die Unternehmer hatten den Schiedsspruch gleichfalls abgelehnt, weil die um 4 Proz. reduzierten Löhne bis zum 1. Januar 1933 gelten sollten und ihnen diese Geltungsdauer zu lang war. Die niederschlesischen Metallindustriellen versuchten dann durch ein Diktat die Löhne um 4 Proz. zu kürzen. Sie gaben durch Anschläge in den Betrieben am Freitag und Sonnabend voriger Woche bekannt, daß alle Arbeiter sich als entlassen zu betrachten haben, die nicht zu den diktierten Löhnen weiterarbeiten wollen. Die niederschlesischen Metallarbeiter, die gut organisiert sind, haben dieses Diktat nicht hingenommen. Nach Ablauf der in den Be- trieben ganz verschiedenen Kündigungsfristen, haben sie die Weiter- arbeit zu den Lohnsätzen des Diktats der Unternehmer a b g e- lehnt, worauf sie entlassen wurden. Im Kampf stehen bis jetzt die Arbeiter der Waggon- und Maschinenfabrik in Niesky, der Maschinensabrit Raupach in Görlitz, der Karl-Hütte in Waldenburg, der Keulahüte in Keula, der Arons- werke und der Firma Främbs und Freudenberg in Schweidnitz. Der Metallarbeiterverband ist fest entschlossen, den niederschlesischen Metallarbeitern in ihrem Kampfe alle Unter st ützung ange- deihen zu lassen. Mit dem Lohnabbau, der in die Wirtschafts- katastrophe hineinführt, muß endlich Schluß gemocht werden. Durch die neue Schlichtungspraxis— und das ist das einzige Gute an ihr— ist nicht nur den Unternehmern, sondern auch den Gewerkschaften ihre volle Handlungsfreiheit wieder- gegeben worden. AOGÄ. zur Notverordnung. Heute tagt der Bundesausschuß. Infolge des leidenschaftlichen Protests der Gewerkschaftsvertreter beim Reichsarbeitsminister gegen die Notverordnung, worüber wir in unserem Leitartikel berichten, schlug der Minister vor, die Ge- werkschasten mögen ein« Kommission bilden, um die Forde- r u n g e n und Beschwerden der Arbeiterschaft im Hinblick auf die noch zu erlassenden Ausführungsbestimmungen zu formulieren. Die Vertreter der christlichen und der Hirsch-Duncker- schen Gewerkschaften erklärten sich bereit, dem Vorschlag des Reichs- orbeitsministers zu entsprechen. Die Vertreter der freien Gewerk- schaften behiesten sich ihre Entscheidung vor. Es ist anzunehmen, daß der Bundesausschuß des ADGB., der heute zusammentritt, die Entscheidung fällen wird. Wenn der Bundesausschuß des ADGB. dem Vorschlag zustimmt, dann wird er sicher von vornherein jede Verantwortung auch für die Aus- führungsbestimmungen ablehnen. Die Gewerkschaften sind vielmehr entschlossen, die Nowerordnung mit allen zulässigen Mitteln zu bekämpfen. Kampf gegen den Abbau. Llnverstand bei der Reichsbahn.- Entgegenkommen der Post Der Hauptbetriebsrat der Deutschen Reichs- bahngefellschaft wendet sich in einer Entschließung, die von ihm am Donnerstag angenommen wurde, mit aller Entschiedenheit gegen den Masse nabbau in der Bahnunterhaltung. Dieser Abbau stehe mit den Maßnahmen der Reichsregierung zur Ent- lastung des Arbeitsmarktes in unlösbarem Widerspruch. Er sei auch sachlich nicht gerechtfertigt, weil man bereits die Arbeits- rotten in der Bahnunterhaltung so stark geschwächt habe, daß eine ordnungsmäßige Arbeit nicht mehr möglich sei. In der Entschließung wird ferner zum Ausdruck gebracht, daß die Entlassung von etwa 52 000 langjährig beschäftigten Arbeitern, die auch um ihre Altersversorgung gebracht werden, eine ungeheure Härte darstelle und für die betroffenen Eisenbahnerfamilien unsagbares Elend zur Folge haben müsse. Der Hauptbetriebsrat stellt fest, daß die Entlassungen ver- mieden werden könnten, wenn bei der Hauptverwaltung der gute Wille dazu vorhanden wäre. In diesem Zusammenhang wird vom Hauptbetriebsrat erneut auf die wohlbegrllndeten Vorschläge der Gewerkschaften verwiesen. Die geforderte Arbeitsbeschaffung könne mit geringen Mitteln durchgeführt werden, während die Arbeits- st r e ck u n g im Betriebs- und Verkchrsdienst ohne weitere Kosten möglich sei. Durch die Entlassungen komme das Gleiserneue- r u n g s p r o g r a m m um ein volles Jahressoll in Rückstand, obwohl das Material für 1800 Kilometer Gleis vor- Händen sei. Die Eisenbahner erwarten, daß die der Hauptverwaltung und der Reichsregierung unterbreiteten Vorschläge für ein weitgehendes Arbeitsbeschaffungsprogramm unter Ausnutzung aller geeigneten Kreditmöglichkeiten verwirklicht werden. Die neuen Verhandlungen der Gewerkschaften mit der R c i ch s p o st zur Vermeidung von Massenentlassungen, wie sie aus der Einschränkung der Briefzustellung drohten, sind nicht ganz ohne Erfolg geblieben. Der Staatssekretär erklärte bei den Verhandlungen, die ganz« Abbaufrage sei aufgebauscht worden. Die Reichspost habe nicht die Absicht gehabt, Masse nentlassungen vorzunehmen. Die Anpassung des Zustellungsdienstes an den Verkehr sei bereits erfolgt, und wo das noch nicht der Fall sei, werde die An- passung noch nachgeholt werden müssen: das mache allerdings noch einig« Cntlasiungen notwendig Wichtiger als dieser Entschuldigungsversuch ist die Bereitschaft des Reichspostministeriums, auf dem Weg der Arbeitszeitver- k ü r z u n g zur Vermeidung des drohenden Abbaues mitzuwirken. Die Vertreter der Organisationen haben dem Ministerium diesen Weg vorgeschlagen. Sie machten daraus aufmerksam, daß die Post- Helfer noch eine Arbeitszeit von 51 Stunden haben; man solle eine Verkürzung der Arbeitszeit um ein Siebentel vornehmen. Der Staatssekretär war damit e i n v e r st a n d e n. In den Bezirken sollen sofort Verhandlungen zwischen der Post und den bezirklichen Organisationsvertret»ru-.aufgenommen-werden, um mit Hilfe der Arbeitszeitverkürzung drohende Entlasftttigen zu verhindern. Der Staatssekretär rechnet im übrigen auch mit der Möglichkeit, daß auch die II r l a u b s h e l s e r, die stets im Herbst wieder zur Entlassung kommen, im Dienst verbleiben können. Oer Vergleich im belgischen Bergbau. Ein Prozent Lohnzulage. t Brüssel, 8. September. In der Gemischten Bergbau-Kommission ist es gestern zwischen den Delegierten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu einem Vergleich gekommen, der auch vom Ausschuß des sozialistischen Kohlenarbeiterverbandes gebilligt wurde. Dagegen behielt sich der Verband der Kohlenzechenbesiger seine endgültig« Entscheidung bis heute vor. Wenn sie günstig ausfällt, dürfte das Ende des Streiks in der Kohlenindustrie unmittelbar bevorstehen. Sachlich enthält die Einigungsformel eine allgemeine Lohn- «rhöhung von allerdings nur einem Prozent ab 1. Oktober 1932 entsprechend den Sätzen, die die einheimische Produktion durch das vorläufige deutsch-belgische Kontingentierungs- abkommen erhält. Eine Unterkommission aus Vertretern der Arbeitnehmer und Unternehmer soll je noch dem endgültigen Ergebnis der Verhandlungen mit Deutschland die neuen Lohnsätze festsetzen. Im Borinage- Gebiet wird nach Möglichkeit die gesamte Arbeiterschaft wieder«ingestellt, wobei ein System des Ar- beits Wechsels zur Vermeidung der völligen Arbeitslosigkeit eingeführt wird. Auch in den anderen Kohlenrevieren soll eine ähn- liche Arbeitsweise angevdnet werden. Schluß mit der Lohnverschlechterung! Die sächsischen Texitlarbefter haben genug davon. Der Verband der Arbeitgeber in der w e st s ä ch s i s ch e n T e x t i l i n d u st r i e hat in dem Lohnstreit den Schlichter um Ver- tragshilfe gebeten. Am Mittwoch wurde im sächsischen Arbeits- Ministerium oerhandelt. Die Unternehmer brachten erneut zum Aus- druck, daß sie eine Lohnkürzung bis zu 20 proz. haben wollen. Die Gewerkschaftsvertreter lehnten mit aller Entschiedenheit eine weitere Lohnkürzung ab und wiesen nach, daß die Löhne in der sächsischen Textilindustrie so niedrig sind, daß sie nicht abgebaut, sondern erhöht werden müßten. Die Gewerkschaften erklärten: Lieber keinen Tarifvertrag als eine neue Lohnkürzung. Die Verhandlungen sind gescheitert. Der Schlichter hat daraufhin die Schlichterkammer gebildet, die am Montag, dem 12. September, zusammentritt. Butler erhofft Besserung. Vor dem englischen Gewerkschastskongreß. London, 8. September. In der gestrigen Sitzung des Gewerkschaftskongresses in New- c a st l e betonte der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, Butler, die Aussichten Europas und Amerikas seien heule Hofs- nungsvoller als vor sechs Monaten. Der Vertreter der amerikanischen Gewerkschaften teilte mit, daß in Amerika, wo zwölf Millionen Personen arbeitslos seien, viele Gewerkschaften die Hälfte ihrer Mitglieder verloren hätten. Die Arbeitslosigkeit verteile sich in Amerika auf die einzelnen In- dustrien wie folgt: Die Bauindustrie verzeichne 63 Pro.;. Arbeits- lose, in der Kleidungs- und Metallinvustrie zähle man 41 Proz. und im Druckereigewerbe 18 Proz. Unbeschäftigte. Der Führer der britischen Arbeiterpartei, Lansbury, rich- tete einen scharfen Angriff gegen die Banken, die viel- leicht eine Erholung verspürten, während die Lage der Arbeiter täglich tragischer werde. Es müßten alle Anstrengungen gemacht werden, um eine gewisse Kontrolle über den Geldmarkt der Lon- doner City zu erlangen. Wendung im holländischen Geeschiffahrtsstreik. Bresche in der Llnternehmerfront. % Amsterdam, 8. September. In dem Streik der holländischen Seeschiffahrt ist insofern eine neue Wendung eingetreten, als vier der größten Reedereien ihren Austritt aus dem Reedereiverband erklärt haben. Es sind dies die Holland-Amerikalinie und der Rotterdamsche Lloyd zu Rotterdam, sowie die Stoomvaart Nederland und die Koninllyke-nederlandsche Stoomboot Vj. zu Amsterdam. Wahrscheinlich wird sich auch die holländische Stoomboot Vj. in Amsterdam dem Vorgehen der ge- nannten Gesellschaften anschließen. Die vier Reedereien sind bereit, die von der Streikleitung als Voraussetzung für eine Aufhebung der Streikparole geforderte Garantie für die unveränderte Beibehaltung der derzeitigen Arbeitsbedingungen und Bezüge des Schiffahrts- Personals bis zum 31. März 1933 zu geben. G Gewerkschafts-Iugenö Berlin Heute, Freitag. 9. September, um 19% Uhr, tagen die Gruppen: Frei- heit: Jugendheim Wassertorstr. 9.„Altmärkische Sagen."— Charlotten- bürg: Jugendheim Spreestr. 30. Die Mädel gestalten den Abend aus.— Nordring: Jugendheim Schule Sonnenburqer Str. M.„Freie Fahrt."— Flug- Hafen: Schule Mariendorfer Weg 69— 7Ü.„Friedrich Eberl."— Neukölln: Äugendheim Treptower Str. 96.„Entstehung und Formen des Kapitalismus." — Hcrmannplatz: Jugendheim Eanderstr. 11, Ecke.Hobrechtstraße.„Frauen im Gefängnis".— Wcdding: Willdenowstr. 5, 2 Tr., Zimmer 11. Wir feiern unser zehnjähriges Bestehen.— Jjeppelinplatz: Jugendheim Turiner Ecke Eecstraße. „Fahrten im Herbst und Winter."— Reinickendorf-Ost: Jugendheim Lindauer Straße«Baracken).„Russische Arbeiterbewegung."— Adlershof: Jugendheim Adlershof, Bismarckstr. l.„Die Stellung der Frau in der Vergangenheit."— Prenzlauer Berg: Jugendheim Gleimstr. 35.„Das Iugendprogramm des ADGB."— Schoneberg: Wir baden ab 19 Uhr im Hallenbad Hauptstraße.— Achtung, Jugendtreffen Brandenburg! Treffen Sonntag, 11. September, um 7% Uhr Bernburger Ecke Köthener Straße. @Zugendgn>ppe des Jentralverbandes der Angestellten Heute, Freitag, finden folgende Veranstaltungen statt: Südwest: Iugendheiin Vorckstr. 11<2. Hof, Quergebäudc 1 Tr., Zimmer S0>. Brettspielabend.— Die Berliner Druckerei- und Verlagogcsellschaft m. b. H. tagt heute von 20—22 Uhr im Jugendheim Sbertnstr. 12.— Spiele im Freien: Ab 18 Uhr Sportplatz Rchberge, Sportplatz Schönhauser Allee lEinsame Pappel), Platz 2b, Bollsparl Neukölln lNodelbah»), Treptower Pari, Wies« 7, und Stadion Spandau. Halcnielde.— Photogruppe: Von 19!»�— 22 Uhr im Jugend- heim Frankfurter Allee 307. Der.Vorwärts" erscheint wochenläglich zweimal. Sonntags und Montags einnutf die Abendausgabe fiir Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend, Illustrierte Sonntagsbeilage„Boll und Zeit". Anzeigenpreise! Die« i n sp a l t. Millimeterzeile Zo Pf., Rcklamezeile 2.— M. „«leine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf. fzuläfsig zwei fettgedruckte Worte) fede» weitere Wort>0 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über IS Buchstaben zählen fiir zwei Worte. Arbeitsmarkt Mtllimelerzeile 2S Pf. Familienanzeigen Millimeter- zeile IS Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochenläglich oon 8V> bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeigen vorl Berantwortlich für Politik: Biet»» Schiff; Wirtschaft: S.«lingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: Z. Steiner; Feuilleton: Herbert Lep.re; Lokales und sonstiges: Fritz Zkarstädt; Anzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Berlag ffi. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärls-Buchdruckeret und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin EW. 38, Lindenstraß« il Hierzu 2 Beilageu. WERTHEIM Zusendung von 5M an. Obst, Gemüse u. leicht verderbliche Artikel werden nicht zugesandt. Frisches Fleisdt Mastochsen-Brust. Pfd. 0.52 „ Schmorfleisch o. KnocW Schwanzstück..Pfd. 0.78 Oberschale u.BIume 0.88 Roulade....... Pfd. 0.98 Kalbskamm........ Pfd. 0.58 Kalbsbrust u.-Rücken 0.68 Kalbskeule o.Haxe, o.Blg. 0.78 Kalbskotelett...... Pfd. 0.98 Kalbsroulade...... Pfd. 0.98 Schweinebauch.... Pfd. 0.74 Schweineschulter..Pfd. 0.76 Schweineschinken. Pfd. 0.78 Schweinekamm.... Pfd. 0.94 Kaaierkamm.SchuftPfd. 0.88 la Berliner Bratwurst Pfd. 0.58 Bratfert. Rückenfett Pfd. 0.54 Fr. Schweinenieren Pfd. 0.64 Querrippe�O (Mastochsenfl.)"l'wPf. Obst Melonen.......... Pfd. 0.05 Tomaten......... 3 Pfd. 0.10 Kochbirnen........ Pfd. 0.10 Musäpfel.......... Pfd. 0.12 EBäpfel............ Pfd. 0.18 Tafelbirnen........ Pfd. 0.24 Weintrauben...... Pfd. 0.25 Gemüse Rot- und WelBkohlS Pfd. 0.10 Wirsingkohl...... 3 Pfd. 0.10 Schmorgurken...3 Pfd. 0.10 Mohrrüben...... 3 Pfd. 0.10 Senfgurken...... 3 Pfd. 0.10 Sellerie........... Pfd. 0.10 Blumenkohl Kopf ton» 0.08 Kartoffeln...10 Pfd. 0.22 0.28 Pflaumen blaue, 3 Pfund 28 Pf. Geflügel, Wild Tauben....... Stück 0,58 0.68 Wolgahühner, gefror. 0.53 0.68 Hünner, frieok... Pfd. 0.65 0.82 Brathühner.... Pfd. 0.86 0.98 Gänse, frifeK ße-cKl. 0,70 0.88 Junge Enten...Pfd. 0.88 0.98 Kolonialwaren Olumpia-Mehl 5 Pfd.-Beutel 1.30 bü 1.48 Weizenmehl....... Pfd. 0.19 Auszugmehl... Pfd. 0.24 0.26 Sultaninen....Pfd. 0.38 0.58 Zitronat........... Pfd. 0.95 Mandeln...... Pfd. 1.28 1.68 Kartoffelmehl...... Pfd. 0.19 Haferflocken...... Pfd. 0.22 Bruchreis 0.11 Tafel 0.140.20 Eier-Schnittnudeln 0.34 0.50 Weiße Bohnen Pfd. 0.140.16 0 e br. Kaff ee Pfd.1.80 2. 20 2.60 Billige Lebensmittel Soweit Vorrais Fisdie Kabeljau ganze Fische, Pfd. 0.14 Seelachs panzcFisebe. Pfd. 0.14 Kabeljaufilet....... Pfd. 0.20 Austsrnfisch g». F., Pfd. 0.18 Hornaale gz. Fi,ot«. Pfd. 0.18 Heringe, Makrelen 3Pfd. 0.35 Zander gefroren, Pfd. ▼. an 0.28 Lebende Schleie Pfd. an 0.68 Lebende Aale... Pfd. an 0.78 gerftadzeii Fettbücklinge....2Pfd. 0.35 Makrelen.......... Pfd. 0.20 Seelachs in Stückan, Pfd. 0.28 Fleckheringe.... Pfd. 0.32 Seeaal abgezogen.... Pfd. 0.38 Spickaal Bd.an0.22 Pfd..» 1.40 NeueFettherlnge,10Stck. 0.38 Fischmarinaden Do« 0.35 ScheElfisch u. Rotbars gz. F. 14 Pf. Wurst Hausmacher-Sülze Pfd. 0.44 Blutwurst(geräuchert) Pfd. 0.50 Dampf- u. Speckwurst 0.75 Landleber-u. Jagdwurst 0.84 Mettwurst Braunschw. Art 0.98 Feine Leberwurst. 1.08 1.24 HolstZervelat-u.Salami 1.18 ZervelatwurstimFendarm 1.28 Speck fett Pfd. 0.78 mager 0.98 Schinkenspeck in Stück. 1.23 Käse u. Fett Camembert ToUf..Schackt. 0.18 Harzerkäse ea.i-Pfd.-Pak. 0.25 Emmentaler Art 6 Port. 0 48 Blockkäse Tita. An halbf. 0.38 Brlekäse Tollfctt.. Pfd. 0.64 Tilsiter u. Steinbuscher 0.66 Holländer, Edamer»ollf. 0.66 Schweizer bayr.. vollf. an 0.95 Margarine.... 3 Pfd. 0.88 Kokosfett..... 3 Pfd. 0.88 Molkereibutter Pfd. 1.08 1.34 Markenbutter... Pfd. 1.40 Konserven Gemischt Gemüse V.. 0.58 Erbsen junge 0.60 aebr fein 1.05 Gem. Gemüse mittelfein 0.83 Bruchspargelat.1.35dünn0.90 Stangenspargel 50-60 St. 1.20 Erdbeeren............ 0.95 Wein äÄ; 1931 Obermoseler-.. 0.58 5 besonderi preiswerte Weine 1930 Burwell. Schloßbg. 0.80 1929 Wöllst. Pfaffenpfad 1.20 1930 Wehin. Rosenberg 1.25 1928 LiebfraumilchroteK.1.40 1921 Chat. La Lagune...1.20 Weißwein Ltr.0.58 5 Liter 2.75 Montagne Rotw.1.05 SLtr.5.00 Dtsch. Wermut 0.9ö5Ltr.4.50 Wildschwein Blatt....... Pfd. 0.68 Klicken..... Pfd. 0.82 Keule...... Pfd. 0.98 Nr. 425» 49.Iahrganq ± Beilage des Vorwärts Freitag, 9. September 1932 Deutsche Städte am Ende! Köln und Frankfurt stellen Zinsendienst ein!— Sollen Arbeitslose verhungern? Tie Spikenorganisation der deutschen Städte, der Deutsche Städtetag, hat Gelegenheit genommen, mit seinen sfinanz sorgen vor die Leffentlichkeit zu treten. Die Lage der deutschen Städte wird nach außen hin gekennzeichnet durch die Tatsache, daß Köln und Frankfurt am Main nicht in der Lage sind, den am 1. Oktober fälligen Zinsendienst und die Anleiheabzahlung zu leisten. Wenn die deutschen Städte mit ihren Geldsorgen bis jetzt zurückgehalten haben, dann war diese Zurückhaltung wohl von der Sorge diktiert, den Wirtschaftsoptimismus der Reichsregierung nicht zu stören. Eine solche Zurückhaltung ist aber nur bestimmte Zeit möglich. Der Zwang, aus der Zurückhaltung herauszutreten, ergab sich durch die Finanzlage in Frankfurt und in Köln. Die Reichs- Politik ist nun einmal darauf abgestellt, die Last des ungeheuren Erwerbslosenheeres auf die Städte abzuwälzen. Daraus resultieren die Sorgen der Städte. Run gehl es nicht mehr weiter! Köln und Frankfurt— diese beiden Städte werden darin leider nicht allein stehen— haben am 1. Oktober die Wahl, entweder die Erwerbslosennnterstühungen einzustellen oder den Zinsendienst aus ihre Anleihen nicht zu leisten. Die Wahl wird selbstverständlich nicht schwer fallen. Ter Dienst für die VrwcrbSlosen muß und wird vorangehen. Was aber die Tatsache, daß zwei der wichtigsten deutschen Städte am 1. Oktober ihre Verpflichtungen nicht erfüllen, für unseren Anleihemarkt, der eben erst zum Leben erwacht ist, bedeuten muß, brauchen wir wohl nicht weiter auszuführen. Die Folgen werden sich besonders deshalb mißlich gestalten müssen, weil es sich sowohl bei Köln als auch bei Frankfurt um Auslands- a n l e i h e n handelt. Die Maßnahmen, die die Reichsregierung in ihrer letzten Notverordnung getroffen hat, genügen nicht, um chilfe zu bringen. Das Reich muß also eingreifen und das Reich hat ja auch das Versprechen gegeben, einzugreifen, wenn die von ihm angenommenen Durchschnittszahlen in der Wohlfahrtserwerbslosen- fürsorge überschritten sind. Dieser Fall ist nun, nach den a m t- l i ch e n Zahlen, eingetreten. Daß die Städte unverschuldet in den gegenwärtigen Zustand geraten sind, ist klar. Das Reich hat im vorigen Jahr den Banken in ausreichender Weise geHolsen, hat bei den großen Privatunternehmungen helfend eingegriffen. Es hat zum mindesten die Pflicht, die öffentliche Wirtschaft nicht anders zu behandeln als die Privatwirtschaft. Städtetag gegen Finanzpolitik der Barone. Der Deutsche Städtetag wendet sich in seiner Zeitschrist in einer besonderen Darstellung gegen die Finanzpolitik der Reichsregierung, die den Fehler der Brüning-Regierung macht und der Entwicklung der Gemeindefinanzen nicht die nötige Sorgfalt zukommen läßt. Viele Städte, so betont der Deutsche Städtetag, waren ange- sichts des Ausbleibens genügender Reichs- und Staatshilfe genötigt, einkommende Staats st euern für die Ernährung der Arbeitslosen in Anspruch zu nehmen. Die Städte könnten nicht mehr darauf warten, ob die von der Reichsregierung erhoffte Entlastung des gesamten Arbeitsmarktes auch bei ihnen zu einer beachtlichen Vermehrung ihrer Fürsorgelasten führen wird, zumal die praktischen Auswirkungen eines Aufschwungs der Konjunktur die öffentlichen Körperschaften erst verhältnismäßig spät entlasten werden. Die von der Reichsregierung angenommenen Jahres- durchschnittszahlen in der Arbeitslosenversicherung und in der Krisenfürsorge würden nicht wesentlich unterschritten, in der gemeindlichen Wohlfahrtssürsorge dagegen überschritten. Nach den Berechnungen des Städtetages würden in der Arbeits- losenversicherung 170 Ww Personen weniger, in der Krisenfürsorge 195 000 Personen weniger, in der wohlfahrlserwerbslosensürsorge dagegen 350 000 Personen mehr vorhanden sein, als die Reichsregierung bei der letzten Roiverordnung angenommen Hot. Bei den ersten beiden Instituten würde das Reich also eine Entlastung von 163 Millionen Mark erfahren, während die Bezirksfürsorgever- bände eine Mehrbelastung von 155,5 Millionen Mark zu trogen haben werden. Diese Entwicklung mache notwendig, daß die bei der Arbeitslosenversicherung und der Krisenfürsorge im Jahres- endergebnis voraussichtlich eintretenden wesentlichen Ersparnisse zunächst und ausschließlich zur weiteren Entlastung der Gemeinden von ihren gestiegenen Wohlsahrtslosten verwandt werden. Die Ersparnisse des Reiches feien dabei höher als die Mehrbelastung der Gemeinden. Die Reichsregierung habe den gesamten Gemeinde- aufwand für die Arbeitslosenhilfe 1932 ausdrücklich auf 6 8 0 M i l- l i o n e n Mark begrenzt. Nachdem sich diese Summe um mehr als 150 Millionen Mark erhöht, müsse die Reichshilfe wenigstens um diesen Betrag gesteigert werden. Diese Maßnahme bedeutet auch keine Belastung des Reichs- Haushalts, da die Notoerordnung vom Juli 1932 bereits für die erforderliche Deckung Sorge getragen hat. Explosion in der Sebastianstraße Ein Greis schwer verletzt— Ganzer Stadtteil in Erregung In der Sebastianstraße 7i> ereignete sich gestern in den späten Nachmittagsstunden eine folgenschwere Gas- explosiv». Der Portier Ohls des Hauses, ein 7V Jahre alter Mann, erlitt schwere Brandverletzungen. Ter Verunglückte wurde durch die Feuerwehr ins Urbankrankenhaus gebracht. Da die Gxplosion unter einer ungewöhnlich heftigen, weithin hörbaren Tetona- t i o n erfolgte, die so stark war, daß die benachbarten Wohnhäuser in ihren Fundamenten erbebten, herrschte wenige Augenblicke nach dem Unglück in der Sebastian- straße größte Grrcgung. Erst als die Feuerwehr anrückte und es sich herausstellte, daß die Explosion trotz deS ungeheuren Luftdrucks keine Todesopfer gefordert hatte, trat wieder Beruhigung ein. Im 3. Stockwerk des Vorderhauses stand seit einiger Zeit eine Wohnung leer. Die ausgezogenen Mieter hatten offenbar die Gasleitungen nicht sorgfältig genug abgedichtet, denn aus der leerstehenden Wohnung drangen Gase in darüberliegende Räume der 4. Etage Als der Gasgeruch immer stärker wurde, benach- richtigten die Mieter den Portier. Der alte Mann schloß die leere Wohnung auf, um nach der Ursach« des Gasausströmung zu forschen. Er stellte eine Leiter aus und es wird vernmtet, daß er in Ver- kennung der surchtbaren Explosionsgefahr vielleicht ein Streichholz angezündet hat, um die 5)ähne an der Decke abzuleuchten. Dabei entzündeten sich die Gasmengen, die sich in der Wohnung an- gesammelt hatten. Ohl- wurde von der Leiter geschleudert, und durch eine Stichflamme erlitt der Greis schwere Verletzungen. Mit lautem Krach wurden die Fensterkreuze aus den Verankerungen gerissen und die Wohnungstür zertrümmert. Der Lustdruck war noch so stark, daß mehrere Flurfenster zersplitterten. Es war ein besonderer Glücksumstand, daß der Luftdruck sich nach allen Seiten verteilen konnte, die Folgen wären sonst weit schlimmer gewesen. Die starke Detonation hatte im Augenblick die ganze Sebastianstraße alarmiert. Eine unübersehbare Menschenmenge sammelte sich und bald kursierten die unsinnigsten Gerüchte. Von der Polizei ist eine Untersuchung eingeleitet worden. Wieder ein„Angriff"-Gchauermärchen. Gestern wußte das Berliner Naziblatt wieder von einer schaurigen Bluttat„einer Bande Kommunistenstrolche" zu berichten. Auf dem Tegeler Schießplatz— so heißt es— sei ein 17jähriger Hitler-Junge von den Verbrechern bewußtlos geschlagen worden,[ dann hätte man ihm die Augen mit einem Tuch verbunden und an der Mäckeritzbrllcke in den chohenzollernkanal geworfen. Glücklicher- weise sei das Opfer wieder zu sich gekommen und an Land ge- schwömmen. Die Polizei, die erst viele Stunden nach dem angeblichen Ueberfall davon Kenntnis erhielt, hat bisher nicht die geringsten Anhaltspunkte für die Richtigkeit der Behauptung des Jugendlichen. Man muß uns daher vorerst gestatten, diese An- gelegenheit unter die üblichen erlogenen und erstunkenen Uebersälle zu registrieren, wobei wir nur an den Fall des Nazis R e n d c r s denken, der vor einiger Zeit von einem ähnlichen schaurigen Ueber- fall„vertierter Marxisten" erzählte und von der Potsdamer Brücke in den Landwehrkanal geworfen sein wollte. Sehr schnell kam der Schwindel heraus, als die Politische-Polizei den Fall unter- suchte und den nationalsozialistischen„Märtyrer" ins Gebet nahm. Für Max Roche! Treuebekenntnis des Berliner Reichsbanners. In allen Kreisen Perlins haben in den letzten Tagen Veranstaltungen des Reichsbanners Schwarz-Rol-Gold in Form von ZNitgliederverfammlungen oder Diskussionsabenden stattgefunden. Lei allen diesen Zusammenkünften stand am Beginn der Veranstaltung ein e r n st e r Gruß und ein festes Treuebekenntnis zu dem Z4jährigen Kameraden ZNax Rothe, der durch ein Urteil des Sondergerichts I Berlin auf Grund von Zeugenansfagen aus der SA. zu der ungeheuerlichen Strafe von fünf Jahren Zuchlhaus verurteilt worden ist. Die Kameraden gedachten dabei vor allem auch des Helden- mlltigen Hunger st reiks Max Rothes, der ihnen als eine Bc- kundung seiner Unschuld gilt, von der sie in Einmütigkeit fest überzeugt sind. Die Kreisversammlung Berlin-Süden wurde zu einer bc- sonders eindrucksvollen Kundgebung gegen dieses unfaßbare Urteil des Sondergerichts. Hier kennen alle Kameraden Max Rothe. Den meisten ist er seit Jahren ein guter Freund. Sie wissen ganz genau, daß ihr Max Rothe der Tat, die man ihm vorwirst, überhaupt nicht fähig ist. Mit vollem Recht konnte der Kreisführer Jockel- Meier ausführen, daß die Kameraden mit tiefster Erschütterung und bitterster Enttäuschung von diesem surchtbaren Zuchthausurtell Kenntnis genommen haben. Jockel-Meier sagte:„Jahrelang gehört unser Max als einer unserer besten Jugendführer dem Kreis Süden an. Unser Max ist unschuldig verurteilt worden. Welche unge- heure Wirkung diese unfaßbare Verurteilung ausgeübt hat, das merke ich an den vielen Zuschriften, die mir zugehen." Jockel- Meier schloß:„Es gilt für uns als höchste Pflicht, einen so ehren- hasten Kameraden wie Max Rothe nach allen unseren Kräften zu helfen. Wir werden kein Rechtsmittel unversucht lassen, um dieses furchtbare Urteil aus der Welt zu schaffen." Der Mann im Smoking. Die Suche nach dem Frauenmörder. Mit einem großen Stab von Beamten ist die Mordkommission bemüht, den Mord an der Sprachlehrerin Emma E a r l- B r u s- rata zu klären. Gestern ist der Untermieter der Ermordeten von seiner Reise nach Berlin zurückgekehrt und hat sich unverzüglich der Mordkommission zur Verfügung gestellt. Bei einer nochmaligen Durchsuchung der Wohnung fanden die Beamten im Schrank des Untermieters, eines Doktors M., ein blutbeflecktes ziemlich abgenutztes Smokingjakett. Wie Dr. M. feststellte, fehlte sein neuer Smoking und mehrere andere Anzüge sowie Wäsche, Der Mörder muß die Sachen nach der Tat zusammengepackt und in einem Koffer, der dem Untermieter gehört, mitgenommen haben. Es besteht danach kein Zweifel mehr, daß der Täter bei der Aus- führung des Mordes einen Smokinganzug trug. Die weiteren poli- zeilichen Ermittelungen bewegen sich jetzt in einer ganz bestimmten Richtung. Der Hut, der bereits gestern in dem Zimmer des Unter- mieters gesunden wurde, kann ebenfalls nur dem Mörder gehören. Dr. M. hat den Hut jedenfalls nie vorher in der Wohnung geseh.m. Unter den Habseligkeiten der Ermordeten wurden noch einige Devisen in holländischen Gulden und Schweizer Franken gefunden. Hiernach scheint sich immer mehr die Vermutung zu bestätigen, daß es sich um einen ausgesprochenen Lustmord handelt. Fortgang der vorstädtischen Kleinsiedlung. Im zweiten Bau- abschnitt sind bisher insgesamt 1367 neue Kleinsiedlcrstellen bewilligt worden, so u. a. in Königsberg(Preußen) 40, Gleiwitz(Bez. Oppeln) 30, Stuttgart 44, Aachen 48, Wiesbaden 50, Heilbronn(Württem- berg) 36, Lübeck 80 und Waldenburg(Bez. Breslau) 30. An Klein- garten st eilen sind bis jetzt 6568 neu bewilligt worden. KON UNON denn mir geben dieser beliebten Josetti-Cigarette das Beste mit. Jeder Kenner genießt «runo's Wohlgeschmack, epfreut sich am köstlichen Aroma, lobt ihren Tabak und schätzt ihr volles Format. Eigenschaften, die aufrecht zu erhalten den Ausschluß von Wertmarken, Gutscheinen und Stickereien verlangen, Juno siegt Zug um Zug! Aktion der Jugend Ein Wettbewerb der sozialistischen Arbeiterjugend In den großen Kämpfen, in denen wir jetzt stehen, hat die Sozialdemokratie ihre Stellung zu den Problemen der Gegenwart eindeutig aufgezeigt. Die organisierte Arbeiterschaft kämpft gegen das kapitalistische System und ruft der Gesamtarbeiter- klasse zu, daß der Sozialismus nicht mehr Zukunftsideal, sondern Gegenwartsaufgabe ist. Die Sammlung aller antikapitali- stisch eingestellten Kräfte ist uns selbstverständliche Voraussetzung für die Durchführung dieser Gegenwartsaufgabe. Die S o z i a l i- st i f ch e Arbeiterjugend hat in den zurückliegenden Wahl- kämpfen ihre enge Verbundenheit mit der Sozialdemokratie be- wiesen. Sie schlägt dem Geschrei der Gegner von der„Partei ohne Jugend" ins Gesicht durch aktivste Teilnahme an dem gegenwärtigen Kampf der Partei. Diese Beteiligung hat jetzt ihren organisatorischen Ausdruck in dem Aktionsprogramm der SAJ. Groß- Berlin gefunden. Unter der Parole: Alles für die Arbeiterklasse, alles für den Sozialismus! wird in der Einleitung die unmittelbare Absicht in folgendem Satz formuliert:„Die Sozialdemokratie und die Soziali- stische Arbeiterjugend müssen so stark werden, daß niemand es wagen kann, ihre öffentliche Wirksamkeit einzuschränken oder zu verbieten." Das Eindringen in weite Kreise des Jungproletariats soll vor allem ermöglicht werdet, durch Aufstellung Wirtschaft- licher Kampfforderungen, die dem unmittelbaren Inter- esse und Verständnis der Jugendlichen angepaßt sind. Die wichtigsten dieser Forderungen sind die �Herabsetzung der Arbeits- zeit auf höchstens sechs Stunden täglich ohne Kürzung des Lohnes oder der Kostgeldsätze und die Weiterbeschäftigung der Lehrlinge als Junggehilfen, mindestens ein Jahr nach Beendigung der Lehrzeit, bei Weiterbeschäftigung oller erwachsenen Arbeitskräfte. Außerdem wird die Einführung eines neunten Schuljahres unter Ge- Währung von Erziehungsbeihilfen gefordert. Für die e r w e r b s< lose Jugend tritt die SAJ. für die Wiedereinbeziehung der Jugendlichen in die Arbeitslosenversicherung und für die Aufhebung der Bedllrftigkeitsprüfung ein. Daneben läuft noch die Forderung zur Erweiterung der Hilfsmaßnahmen für die erwerbslose Jugend und Verwendung der Mittel des freiwilligen Arbeitsdienstes für diese Zwecke. Auf politischem Gebiet wird allen Bestrebungen für die Arbeitsdienstpflich: und zur Militarisierung der Jugend schärffter Kamps angesagt. Organisatorisch soll die Propagandierung dieser Forderungen vor allem dadurch erreicht werden, daß man von dem Prinzip all- gemein gehaltener Flugblätter abgeht. Besonders geschaffene E r- werbslosenpioniergruppen werden, unter zentraler Leitung, in den verschiedenen Bezirken den lokalen Verhältnisien angepaßte Aufgaben durchführen. Engste Zusammenarbeit mit den anderen sozialistischen und republikanischen Organisationen wie Freie Gewertschaftsjugend, Arbeitersportler und Jungbanner und aktivste Mitarbeit in den Gewerkschaften ist selbstverständlich. Die SAJ. führt im Reichsmaßstabs einen„Sozialistischen Wettbewerb" durch, in dem auch die Berliner SAJ. alle Kräfte anspannen wird. Dieser in der SAJ. zum ersten Male durchgeführte Wettstreit soll die gesamte Organisation aktivieren. Nach einem bestimmten Punktsystem werden Erfolgs in der Mitgliederwerbung, im Vertrieb der„Arbeiterjugend" und der Kampffondsmarten be- wertet. Laufend werden die Ergebnisse veröffentlicht, um so immer die Höchstleistung als Maßstab für alle Gruppen zur Nacheiserung herauszustellen. Neben der zahlenmäßigen Stärkung winken den Siegergruppen werwolle Preise in Gestalt von Sturmfahnen, Bibliotheken und Sportgeräten. Bei der Lebendigkeit und Aktivität der Jugendgenossen kann gar kein Zweifel darüber bestehen, daß hier Erfolge erzielt werden können, wie sie in dieser Form sicher noch nicht da waren. Es ist nur zu wünschen, daß die Partei- genossen das ihre dazu tun, um dieser Aktivität der Jugend all« Förderung zu gewähren. Da jede Stärkung der SAJ. eine Stärkung der Reihen der Eisernen Front bedeutet, ist diese Tätigkeit nur zu begrüßen. Diese Aktivität der Jugend, die paralell läuft mit einer intensiven theoretischen Schulung, gibt die beste Gewähr dafür, daß hier Kräfte für die Arbeiterklasse heranwachsen, die fähig sind, das Werk der älteren Generation später fortzuführen und den Sozialismus zum Siege zu führen. Die Bestie im Menschen. Gchulz-Waldenburg im Verhör.— Mordverdacht erhöht sich Waldenburg(Schlesien), 8. September. Die Untersuchung gegen den wegen bestialischer Miß- Handlung seines elfjährigen Sohnes Werner und unter dem Verdacht der Ermordung seines zehnjährigen Sohnes Horst ver- hafteten früheren kommunistischen Landtagsabgeordneten Richard Schulz hat neues belastendes Material ergeben. Bei seiner Vernehmung gab er zu, bereits früher die Absicht gehabt zu haben, den zehnjährigen Jungen wegzuschaffen, weil er zuviel lüge. Schulz, dessen erste Frau sich von ihm wegen dauernder Mißhandlung scheiden ließ, wurde auch von seiner zweiten Frau, mit der er im Gefängnis getraut wurde, wegen Mißhandlung ver- lassen. Sehr belastend für ihn ist ein Brief, den er am Tage vor seiner Festnahme an seine erste Frau gerichtet hat und in dem es heißt:„Du bist nicht ganz auf Deine Rechnung gekommen. Ein Loch in diese Rechnung habe ich schon gemacht!" Man vermutet, daß er dabei die Beseitigung des zehnjährigen Horst gemeint hat, an dem die erste Frau mit besonderer Liebe hing. Das Verschwinden des zehnjährigen Horst geschah zu einer Zeit, als sich der elfjährige Werner während der großen Ferien bei Verwandten in Berlin aufhielt. Als das Kind nach Waldenburg zurückkehrt«, erzählte Schulz, daß er Horst ebenfalls nach Berlin geschickt habe. Erst später gab er an, daß Horst in Rußland sei. Für 400000 Mark Devisen verschoben. Die Prokuristen von Baer Sohn flüchtig. Eine neue große Devisenasfäre, die die bisherigen leitenden Persönlichkeiten der bekannten Herrenkonfektionsfirma Baer Sohn betrifft, ist soeben aufgedeckt worden. Die Zollsahndungs- stelle hat festgestellt, daß der Geschäftsführer und Teilhaber der Firma Leo L e i m a n n und der Prokurist Leo Wolf sich durch einen Scheinvertrag mit der inzwischen in Konkurs gegangenen Firma für rund 400 000 Mark Devisen von der Devisenbewirt- schafhingsstelle beschafft haben und mit dieser Summe, die angeblich für die Firma Baer Sohn verwendet werden sollte, ins Ausland geflüchtet sind. Ein Helfershelfer der beiden soll kurz vor Aus- deckung der Affäre gestorben sein. Die Ermittlungen sind in dieser Sache noch nicht abgeschlossen. Warnung vor einem Schwindler. Die Allgemeine Ortskrankenkasse der Stadt Berlin teilt uns mit: Ein angeblicher Agent einer Ortskrankenkafs« versucht in öst- lichen und nordöstlichen Vororten freiwillige Mitglieder zu werben. Er gibt an, hierzu von der Ortskrankenkasse beaustragt zu sein, die jetzt auch feiwillige Mitglieder in den Kreisen der Gewerbetreibenden suche. Als Adresse gibt er an:„Filiale der Ortskrankenkasse Berlin, Strausberger Platz." Die Allgemeine Ortskrankenkasse der Stadt Berlin wünscht das Publikum vor Schädigungen durch solche Agenten zu bewahren. Scheinbar ist es den Werbern von Mit- gliedern für die Ortskrankenkasse nur um eine Anzahlung zu tun. Die Ortskrankenkassen sind gesetzmäßig gar nicht in der Lage, außerhalb des satzungsmäßig festgesetzten Personenkreises frei- willige Mitglieder aufzunehmen, am ollerwenigsten suchen sie solche durch Agenten zu werben. Llnglück bei den Zteichswehr-Manövern. Zwei Autos zusammengestoßen.— Vier Schwerverletzte. Gotha, 8. September. In der Nacht zuiy Donnerstag stieß auf der Landstraße Gotha— Ohrdruf ein mit Reichswehrangehörigen besetztes Per- s o n e n a u t o aus Gotha mit dem Anhänger eines zum Truppen- Übungsplatz Ohrdruf ausrückenden Manövertransportes der Reichs- wehr zusammen. Bei dem Zusammenstoß wurden drei Reichswehr- ungehörige und eine Zivilperson schwer, drei weitere Soldaten leicht oerletzt. Was brauchen wir Steuern zahlen! Oer Herr Rittergutsbesitzer aus Gleiwitz in Oavos. Gegen den Rittergutsbesitzer John G r a e g e r und sein« Ehe- frau Erna, geborene Iuretzek, beide zuletzt wohnhaft in Sacharzowitz, Kreis Gleiwitz, zur Zeit in D a v o s oder Zürich(Schweiz), die dem Reiche eine Reichsflucht st euer von 118 443 M. und 73 Pf., die am 4. März 1932 fällig gewesen ist, s ch u l d e n, ist ein Steuersteckbrief erlassen worden. Der„Vater" des Märkische» Museums gestorben. Am 4. September ist Professor Rudolf B u ch h o l z, der ehe- malig« Kustos des Märkischen Museums, im Alter von 93 Jahren gestorben. Die Einäscherung hat am 7. September auf Wunsch des Verstorbenen in aller Still« stattgesunden. Der Ober- bllrgermeister und die Leitung des Märkischen Museums haben der Tochter den Ausdruck des Beileids übermittelt. In dem Schreiben des Oberbürgermeisters heißt es:„Der Verstorben« hat sich durch seine wissenschaftliche Arbeit am Aufbau des Märkischen Museums, dem er sein ganzes Können mit seltener Pflichttreu« und Hingebung gewidmet hat, einen unvergeßlichen Namen gemacht. Er ist durch das Märkische Museum mit der Geschichte Berlins unlösbar verbunden." Wieder Todesfturz eines Klempners. Bei Dacharbeiten in der Wiclefstraße 30 in Moabit ist gestern nachmittag der 48 Jahre alte Klempnermeister Emil Haas« aus der Ruppiner Straße 3 tödlich verunglückt. H. glitt auf dem schrägen Dach aus und stürzte kopfüber auf den Hof hinab, wo er mit einem doppelten Schädelbruch und schweren Arm- sowie Bein- brüchen bewußtlos liegen blieb. Durch die Feuerwehr wurde der Schwerverletzte ins Moabiter Krankenhaus überführt. Dort ist er bald nach seiner Einlieferung gestorben. Ein Iugendwerbefest im Treptower park feierten die Treptower Kleingärtner auf der Wiese des Treptower Parkes. Es war ein richtiges Volksfest. �Die Kinder wurden reich beschenkt, und sie waren mit Begeisterung und Freude bei der Sache. Die Spielleiter hatten an ihren Kindern ein schönes Stück Arbeit geleistet. Ganz besonders fanden die drolligen Schreberspiele der kleinsten vier- bis achtjährigen Kinder großen Anklang. So konnten alle Beteiligten mit dem Verlaus des Festes zufrieden sein. Wetteraussichien sür Berlin. Ziemlich heiter mit neuem Temperaturanstieg, leichte, vorwiegend südöstliche Winde.— Für Deutsch- land. Allgemein warm, in Westdeutschland wolkig, im übrigen Reiche vorwiegend heiter._ Sport. Rennen zu hoppegarten. LentuluS-Revnen. 1. Filittenau lKnoblech): 2, Mausi: 3, Nebuketmezar. Tote: 21:10. Platz: 13, 18:10. Ferner liefen: Prolongobarde(4.). See!» sorge. Waldsned-Rennen. 1. Scni lPrintenh 2, wregereriuS: 3. Hasicm. Toto: 25; 10. Platz: 11, 11, 11; 10. Ferner Uesen: Mussolini(4.). Prerß. träger, Arjaman, Progretz, Roman, Lordmajor. Amorino-Rennen. l. Feldwebel(Göbl): 2. Majordornus: 3. Dillkomm. Toto: 190,; 10. Platz:.36, 21, 17: 10. Ferner Uesen: Schwede(4.), Hero- dias, Goliath, Bittsteller, Tonatello. Augias-Rennen. 1. Enal(L. Schmidt!: 2. Rochu5: 3. Napoleon, �oto: 57: 10. Platz: 38, 45: 10. Ferner liefen: Instanz<4.), Piaduct, Winkelrred. Farnesina-Rennen. 1. Luxus lPrinieni: 2. Talfin: 3. Marion. Toto: 71: 10. Platz: 26, 25, 28: 10. Ferner Uesen: Novalis 14.). Pandur, Mg- bert, Chinafeuer, Fiametta, Tarnschild, Hella T., Siegwart. Orkade-Rennen. 1. Bestönder(C. Schmidt): 2. Paua: 3. Rosegger; 4. Chilos. Toto: 39; 10. Platz: 14, 29 16, 14: 10. Ferner liefen: Gaur- brinu-, Scävola, Perlit, Jota. Svbille, Lauderis, Fehlzündung. Mittelmeer. Laland-Rennen. 1. Loe(Binzenz): 2. Himmclgeist: 3. Senator; 4. Pol-. fchin. Toto: 69: 10. Platz: 19, 41, 129, 19: 10. Ferner liefen: Winter- märchen, Varro, Henriette. Hoheit, Kerner, Dorfschone, Morgenwind. Ad Arenam, Maientaa, Meermädchcn, Lysander, Wunderblume(blieb stehen). Doppelwette: Feldwebel— Luxus 1516: 10, �NSozialistischeArbetterjugendGroß-Berlin Einsendungen silr diese Rubrik nur an das Jugendsekretariat Berlin SW KZ, Lindenstraße 2. vorn 1 Treppe rechts. Achtung, Sozialistischer Wettbewerbs Alle Sruppea mi-si-u, soweit aoch nicht geschehen, die stampssondswarkeu abholen. Vertrieb der stampssond»- marken bis zum 1. Oktober.— Dom 1. bis 10, Oktober Bertrieb der„Arbeiter- Jugend". Achtung! Für die Mitgliederwerbnng ist die Quote sür 1 Proz. Milglicdcrwcrbung von ZO aus 60 Punite erhöht worden. Alle Funktionäre kommen am Montag, 12. September, um ISZh Uhr, zur Funktionärkonferen, im Sitzungssaal des Bezirksamts Kreuzberg, Bor-kstr. 11. Der Genosse Siegfried Aufhäuser spricht. Mitgliedsbuch ist mitzu- bringen. Heule. Freitag. S. September, 19K Uhr: Arionaplatz: Elisabethkirchstr. IS: sturzreferaie.— Rosenihaler Borstadt: Tieckstr. 1: Liederabend.— Sewertschastshaus! Köpenicker Etr. 92:„PoUtische Satire".— Zentrum: Waisenstr. 18: Die Mädels haben das Wart.— Hansa: Bochumer Str.«d:„Warum muß stch die Jugend gewerkschaftlich organisteren?" — Moabit I: Waldenserstr. 20—21: Mitgliederversammlung.— Moabit Ilt Bremer Str. 69—70:„Arbeitsdienst".— Sportpalast: Genthiner Str. 19:„Einführung in den Sozialismus".— Gesundbrunnen II: stoloniestr. 8:„Bürger» licher und Arbeitersport".— Arnimplatz: Sannenburger Str. 29: Mustkabend.— Arnswalder Platz I: Schönlanlcr Str. 11:„Sozialistische Bewegungen in der Welt".— Balkan: Mandelstr. 2: Äampfliederabend.— Fallplatz II: Aastanien, allee 81:„Proletarische Dichtung".— Hohenschönhausen: Freienwalder Str. 6: „Tagespolitik".— Rorbost I: Danziger Str. 62:„Nikotin und Alkohol".— Andreasplatz I: Brommystr. 1:„Die heutige Gewerkschaiisbewegung".— Balten- Platz: Tilstter Str. 4— S:„Bub und Mädel".— Franksurter Viertel: Frankfurter Allee 307: lO-Minuten.Referate.— Petersburger Viertel: Ebertpstr. 12: Gesell- schastsspiele.— Stralauer Viertel: Goßlerstr. 62:„Berussfragcn".— Friedrichs- h-in: Diestelmenerstr. 0—6: Liederabend.— Warschauer Viertel RF.: Litauer Straße 18: geitunasleseabend.— Warschauer Viertel: Litauer Str. 18: lO-Minu- ten-Referate.— Luiseustadt: Wassertorstr. 4: Lustiger Abend.— Friedenau: Ofsenbacher Str. 0a: Schallplattenabend.— Eharlotteuburg: Rosinenstr. 4: „Astrologie und Politik".— Eharlotteuburg-Süd: Pestalozzisir. 40:„Kamps. Möglichkeiten der Gewerkschaften".— Siemeusstadt: Jungfernbeideweg:„Was will die SAJ,?"— Spandau(Jüngeren): Lindenuser 1:„Die Rechte des Lehr. lings".— Eichiampf: Lärchenwez 26:„Klassenkämpfe in den letzten 20 Jahren". — Lichtcrsclde: Albrechtstr. 14a:„Was ist Nationalsozialismus?"— Britz: Parchimer Allee: Arbeitsgemeinschaft.— Neuköllu It Sander- Ecke Hobrechr. straße:„Wirtschaftsgeschichte",— Reukölln II: Steinmetzstr. 94: Seimabenb.— Reuköll» III: Svielen auf Platz 6.— Neukölln IV: Kanner Ecke Böhmische Straße:„Bracht".voller Abend.— Neukölln VI: Sportabend.— Neukölln III: KMS.:„Sexuelle Fragen".— Neuköllu IX: Mariendorfer Weg:„Erziehungs, fragen",— Neukölln XI: Sportabend.— Baumschuleuweg: Ernststr. 16:„Die Machtmittel de» Bürgertums im Kampf gegen die Arbeiterklasse".— Treptow: Elsenstr. 3:„Vom Zunftgesellen zum freien Arbeiter".— Schöneweite II: Ber- liner Str. 31: Schallplattenabend.— Adlershof: Bismarckstr. 1: Fragekasten. abend.— Falkeuberg: Gemeinschastshaus:„Warum Klassenkampf".— Köpenick l: Grünauer Str. 0: Aussprache über die Werbung.— Frirdrich-Hagen: Kahn- sahrt.— Köpenick II: Dahlwitzer Str. 10: Die Jüngeren gestalten den Abend aus.— Karlshorft: Treskawallee 44: Propagandaabend.— Friedrichsfelde: Gunterstr. 44:„Vor dem Sozialistengesetz".— Kaulsdorf: Adolmr, 20:„Frei. körperkultur".— Lichtenberg.Ritte: Scharnweberftr. 22: Brettspielabend, Neu-Lichteuberg: Gunterstr. 44:„Warum find wir in der SAJ.?"— Lichte». derg.Rord: Gunterstr. 44: Tisch-Tennis-Abend.— Lichteuberg-Norbwest: Dosse, straße 22: Ausspracheabend.— Mahlsdors: Melanchthonstr. 63: Liederabend.— Hermsdorf: Roonstraße: Mitgliederversammlung.— Rcinickendorf-Ost: Lindauer Straß« 1:„Proletarische Jugendorganisation�— Reiuick-udors.W-st: Seidel- straße 1:„Unser Parteivrogramm".— Wittenau: Hauptstr, 8—12: Brettsviele.— Tegel, Freie Scholle: Schollenkrug, Hermsdorfer Straße: Mitgliederversammlung. Werbebezirk Schöneberg: Mitgliederversammlung im Heim Hauptstr. 10. Derbedeziri Webding:-WB93.-Sitzung pünktlich ISsh Uhr im Heim Will. benowstr. 0. Werbebezirk Pankow: Funktionärsttzung im Heim Görfchstraß«. Alle Funk. tionäre müssen erscheinen. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Sonnabend, 19. September, und Sonntag, 11. September, Beteiliguna am Unterbezirkstreffen in Hohenneuendorf. Tref). punkte: Radsahrer mit Wimpeln Sannabend 18 Uhr Prenzlauer Allee, Ecke Schönhauser Allee. Die Gruppen 16 Uhr Bhf. Prenzlauer Allee. 18 Uhr Bhf. Gesundbrunnen und Weißensee. Nachzügler 20 Uhr Prenzlauer Allee. SUNLICHT SEIFE Sie kostet weniger« als sie wert ist... I DOPPELSTÜCK JETZT 27 PF. BLOCKSTÜCK JETZT 23 PF. 10 PF PACKUNQ. O. Gl« K«Ja« f»i»r- oAn« Ma/ar Einienfiungen fit diele Safirtf sind B c c I i s SW 68, Siadcnftrotc 8. parieinachrichten��fürGroß-Verlin fttt» es da» SStjlrtsftfieJetria* S. Hof, 2 Treppen rechts, zu richte» Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! jtreis Tiergarteu. Achtung I jkeismltgliederversammlung heut«, Freiwg, S. Lep- tember, LS Uhr, in de» Arminiushallen, Klemer Str. 78. Tagesordnung: „Unser Kampf gegen die Reaktion". Referenten: Siegsried Aufhauser, M. d. R., Otto Meier, M. d. L. Mitgliedsbiicher find zwecks Kontrolle September, pünttlich Jemeinde, SAI., Kinder. aden. W�MWWMMMWWWWMWWMM, 17 Uhr, m Abt. Flugblattverbreitung am Sonnabend, 17 Uhr, von bekannten Lokalen aus. Keiner, auch die Jugend, darf fehlen. 32. Abt. Heute, Freitag, 20 Uhr, Funktionärversammlung bei Vallentin, Krautstr. 36. Jeder Bezirk muß vertreten sein. 54. Abt. Sonnabend. 10. September, pünktlich 19� Uhr, Vorftandssitzung, an. schließend Funktionärsitzung im Jugendheim Rosinenstr. 4. � Sonnabend, 10. September, Mitgliederversammlung im Lindenhof, Wilhelmplatz. Thema:„Unsere Aufgaben im Kampf gegen die Reaktion", Referent Paul Bernstein. 77. Abt. Heute. Freitag, 9. September, Funktionärversammlung. 83. Abt. Heute..Freitag, 9. September, Funktionärsitzung bei Schumann, Treptoroer Str. 90. Ecke Weserstraße. 99. Abt. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Ortsverein Neukölln-Britz lSporiabteilung). veranstaltet am Sonnabend, 10. September, ab 17 Uhr, in den Gesamträumen des Crwerbslosenbeimes, Rudower Str. 30, ein Dohltätigkeitsfest, bestehend aus Gartenkonzert und Tanzmusik. Mit- glieder der � Eisernen Front haben gegen Ausweis freien Eintritt. Die Parteimitglieder werden gebeten, recht zahlreich zu erscheinen. Frauenveranskallungen. 94. Abt. Zur EinSscherung der Genosfin Anno Kunow, Selchower Strohe 88, treffen fich die Genosfinnen um 12 Uhr am Lob, U-Bahnhos Loddinstrafie. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Freitag, 8, September, 12 14 Uhr, Danziger Straße 62, Baracke 7, im Hortraum, wichtig- FunltionSrfitzung der Arbeiter. wohlkahrt. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Groß-Verlin. Die Sreisleiter werden gebeten, die Seuofieu für de» Arbeits» regelmaß„„>. Kungfalken von 17%— 12% Ubr, Mittwoch» Restfalken von 171h bis 12% Uhr, Donnerstags Rote Falken von 17%— 121h Uhr, Dienstags Turnen von 18—22 Uhr in der Turnhalle Köpenicker Str, 12s, D>« Restfalken treffen fich Sonntag, 11. September, 7% Uhr, zur Fahrt an der Falkenecke. Wedding: Heute, 12% Uhr, Elternversammlung mit Lichtbildern vom Loger Jugendheim Schönstedtstr. 1. Mariendorf und Maricuselde: Die Jung» und Roten Fallen tressen sich Sonntag, 11, September, um 13% Uhr, in Tempelhof, Bose» Ecke Manteusfel» strafie. zum Folkentreffen in Lindenhof, 22. Kreis: Sonnabend/Sonntag Fahrt zur Jugendherberge Lehnitz— Kreis» geländefpiel. Kreis Neukölln, Rote Falke»! Sonntag, 11, September, Kreistrefiahrt nach Falkenhorfi. Fitr die Gruppen Avanti, Bauvolk, Jungvolk, Kurt Eisner und Lichtk-impfer ist Treffpunkt um 6% Uhr am Bhf, Neukölln. Alle anderen Gruppen um 7% Uhr, Unkosten 82 Pf. Alle RF. nehmen daran teil. Gruppen. fllhrer bekanntgeben. RF,.Helfer morgen, Sonnabend Radfahrt nach Falken. Horst. Treffen um 15% Uhr Bhf. Kailer. Friedrich. Straße.— Iungsalkeu: Kreis- werbcfahrt am Sonntag, 11. September. Die Gruppen Aufbau, Jungvolk, Sturmfalke und Lichtkämpfer treffen fich um 7% Ubr am Ratdaus Neukölln. Alle anderen Gruppen um 8 Uhr Rathaus, Jeder IF. bringt«in Mädel oder Jungen zum Werden mit.— Helferlreis: Die Monatsderichtsdogen für August mtisten bis Montag, 12. September, abgeliefert werden,— Abt. Lichtkämpfer: RF, find in der Baracke Ganghofcrstraße um 17% Uhr. IF,: Wir find heute um 17% Uhr im Heim Bergstr. 22, Ausweise mitbringen. Sterbetafel der Groß«Berliner Partei«Organisation 24. Abt. Unsere langlähriae Genoffin Anna Kunow, Selchower Straße 88, ist verstorben, Ehre ihrem Andenken! Einäscherung am Sonnabend, 12. September, 18% Uhr, Krematorium Gerichtstraße, Rege Beteiligung erbeten, Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold". Geschäfts stelle: Berlin S. 14, Sebaftianftr, 87—88, Hof 2 Tr, Lichtenberg: Freitag, 2. September, 12% Uhr, Mitglieberverfamm. lung des gesamten Ortsvereins bei Bruno Tempel, Friedrichsield«. Referent Kamerad Kllter. Saalkontrolle, Obne Mitgliedsbuch kein Einlaß,— Weißeusee.Hoheuschönhausea(Ortsverein), Iungba: Freitag, 2, September, 22 Uhr, bei Huckwitz.— Oranienburg: Freitag, 2, September, 22 Uhr, Mitglieder. verfammlunq bei Breuer, Mllhlenstraße.— Eharlotteuburg. Kameradschaft Stuttgart: Freitag, 2. September, 22 Uhr, Appell und Kameradschaftsversamm- lung im Edenpalast, Kaiser.Friedrich.Str, 24, KKS. Republik,«erliu.vfte». schießen. 8—2 Uhr Probeschießen. 2 Uhr Sonntag, 11. September, Gaumeisterschaft». eginn der Meisterschaften, Arbeiier-Samariier-Bund e. V.. Solonne Berlin. Sefchästsstelle: RO. 48, Iostqstr. 4. Telephon: E 3 Königstadt 5442. Armbinde Zir. 825 und Ausweis Nr, 862 sind verlorengegangen und werden hiermit für unaitltig erklärt. Finder werden gebeten, die- selben nach oben angegebener Adresse abzuliefern. Zither, Club 1827 Reuköllu.(Dirigent: Adolf Wollenschläger.) Jeden Freitag Uebungsstunde im Restaurant Meißner, Eck« Kaifer-Frietrich. und Anzengruber- ftraße. Leginn 22% Uhr. githerfpieler und Gaste herzlich willkommen. Reichsvcrcinioung ehem.»riegsg-faugener s. P., Ortsgruppe Berlin- Karben I. Mitgliederversammlung am 12. September, pünktlich 22 Uhr, im Bereinslokal..Wöhlert. Garten", Pflugstr. 2, Ecke Wöhlsrtstraße.— Berlin- Süden: Sonnabend. 12, September, 22 Uhr, bei D. Krüger, Grimmstr, 1. Berein der Landsleute der»rafichast Glatz zu Berlin. Versammlung am Sonntag, 11, September, 18 Uhr, Restaurant zum Schultheiß, Hasenheid« 26—81. Dlatzer Landsleute herzlich willkommen. Esperanto-Seiellichast Eharlottcnburg. Montag. 12. September, 22 Uhr, Kaiser-Friedrich-Schule, Knefebcckstr. 24(Saviannplatz), öffentlicher Vortrags- abend:„Esperanto, die Plansprache des gebildeten Menschen". Eintritt frei! Gäste willkommen, Arbeiter. Radio-Bunb Deutschlands E. V., Ortsgruppe Gruß-Berlin. Unter- grupvc Friedrichshain: Tagungslokal: Wertava, Hohenlohestr. 8, Montag, 12. September, 22 Uhr, Gruppenabend,— Untergruppe Lichtenberg: Tagung«- lokal: Bibliothek, Weichselstr. 28. Freitag, 16. September, 22 Uhr, Gruppen- abend.— Untergruppe Neukölln: Tagungslokal: Linn» Klemt, Neukölln, Ber- liner Str, Ivo, Freitag, 16, September, 22 Uhr. Selbstgebaute JAvparatr und Teile mitbringen zur Ausstellung, Sonnabend, 17, September, Bastclfchau von 14—23 Uhr: Sonntag, 18, September, von 2—22 Ubr.— Untergruppe Brenz- lauer Berg: Tagunaslokal: Klug, Berlin NO. 55, Danziger Str, 71, Dienstag, 18, September, 22 Ubr, Gruppenabend,— Untergruppe Kreuzberg-Temvelboi: Togungslokal: Restaurant Thiele, Fürbringerstr, 2, Freitag, 18. September, 2» Uhr, Gruppenabend, fingllkb Lonre-sgllanul Club founded 1878. Meetings every Fridav 8 p. m, Cafd König, Leipziger Straße 117118 Lecturer: Mr. J. Bulrnan-Smith MA. on: „Record Breaking• Guests, Ladies& Gentlemen. are welcome. Gardinenausstellung bei Teppich-Burfch. „Wer die Wahl hat, hat die Qual", fasst der Käufer, der bei Teppich-Bursch, Spandauer-Straße, seinen Bedarf an Gar- innen decken will. Diese Ausstellimg moderner Fensterdekoration stehit wohl an Größe und Vielseitigkeit des Gebotenen in Berlin einzig dal durch chin, zunähme eines weiteren Stockwerkes hat man sogar die helle, duftige und die dunklere, schwerfallende Gardine räumlich voneiiionder getrennt. Der eine Riescnraum zeigt also ausschließlich Gardinen in zarten, hellen Farbtönen und Musterungen, vor ollem ist gemusterter Tüll in weiß, zartroia und zartblau große Mode, doneben einfarbige leichte Gewebe, dann wieder Kombinationen von Unistosfen mit' bunten Volants, Rüschen oder Blenden, Sehr hübsch und praktisch ist der Einsall, lieber- und Untergardine durch Zusammennähen zu einem Stück zu vereinigen»nd io Stoff- und Gcldersparnis zu erzielen. Präsentiert sich der eine Raum in strahlender chelle, so gibt es im Ausstellioal der gedeckteren Muster sehr hübsche, moderne Baumwollgardinen in ungemein aparten Dessins, meist bunten Querstreiien, dann wieder Baumwolle mit Kunstseide verarbeitet und Kunstseidenstosfe in neuartigen Forben und Mustern, Die Verarbeitung ist ebenso vielseitig wie das Stofsmaterial, man garniert mit und ohne Quer- behänge, mit schräger, einseitig geraister oder lose fallender Drapierung, Neuartige, praktische«tänder unterstützen die Wirk- samkeit der gezeigten Ware, aus«ckiiebewagen wird das Gewünschte rasch zu- und wieder weggerollt, Stuhle mit neuvriigem Kaitgeflecht sorgen iur des Käufers Keguemlichkeit, Die Preise sind trotz guter Qualität niedrig gehalten, ebenso bei den Möbel, und Dekorauons- jloffen und un Riesenlaser der TexxW,_ Nach langer Krankheit verschied am 7. September mein inniggeliebter Mann, iiitsn Bater und Großvater kViedricIi Senger im Aller von 66 Jahren, In tiefer Trauer Martha Senger und Kinder, Di« Einäscherung erfolgt am Sonn- abend, dem 12, September, 16»/, llhr, im Krematorium Daumschulenweg, SPD.— 44. Abtellang. Unser langjährige» Mitglied Friedrick Senger ist am 7. September verstorben. Die Einäscherung findet am Sonn» abend, dem 10. September, 16»/, Uhr, im Krematorium Baumschutenweg statt. Um rege Beteiligung ersucht Oer Vorrinnd. Deotsöier Metallarbeiter-VeM Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern»ur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Rudolf Schmidt geb, 28. Oktober 1866, am 6. Sep- tember gestorben ist. Ehre seinem Andeuten! Die Einäscherung stndet am Sonn. abend, dem 12, September, IT/, Uhr, im Krematorium Gerichtftraße statt. Rege Beteiligung wird erwartet. vir Ortsvcrwaltang. | wme|[ Linoleum SzMat, Kolonie- straße 2. >i>e!liliii!i!Sllle»s. uasene usw. 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Die Frage der Urheberschaft hat aber eine erhebliche politische Bedeutung erhalten durch eine Veröffentlichung von Dr. Hans I. Schneider„W agemann und das Wirt- f ch a f t s p r o g r a m m" in der gestrigen Morgenausgabe der„Ber- liner Börsen-Zeitung". Die„Börsen-Zeitung" gehört zu den Blättern, die die wildeste soziale Unterdrückungs- und schwerindustrielle Rüstungspolitik treiben. Dr. Schneider ist nicht der nächstbeste Artikelschreiber. Er gehörte mehrere Jahre dem Konjunkturinstitut an, war bei dem schwerindustriellen Handelskonzern Schweitzer u. Opplcr tätig und hat schwerindustriesreundliche Konjunkturschriften veröffentlicht, von denen man sagt, daß sie im Interesse der Schwer- industrie gefärbt waren. Dieser Dr. Schneider behauptet jetzt, daß Prof. Wagemann, der Verantwortliche für eine der entscheidensten Reichsbehörden, nicht nur der Autor des Papen-Programms sei— das wäre, wie gesagt, unter bestimmten Umständen ohne Bedenken—, sondern Schneider unterstellt auch ganz deutlich, daß Wagemann seine Wirt- schaftspolitik einfach den jeweiligen politischen Machtverhältnissen anzupassen bereit sei. Damit wird die Möglichkeit nahegelegt, daß wir in Deutschland auch eine Konjunkturforschung haben, bei der es zweifelhaft sein kann, ob sie nicht zu l i t i s ch e n Z w e ck e n gefärbt wird. Wir behaupten das nicht, aber die von Schneider angeschnittene Frage ist viel zu bedeutungsvoll, als daß die Oeffentlichkeit jetzt nicht auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht werden müßte. Auch die letzte Prognose des Instituts berechtigt dazu. Dr. Schneider erweckt den Eindruck, ols ob man Prof. Wage- mann zu politischen Geschäften mißbrauchen könnte. Nachdem er unterstellt hat, daß Wagemann für das Papen-Programm verant- wortlich sei, versucht er Wagemann für die Förderung bestimmter politischer Zwecke unter Druck zu setzen und zwar mit dem ganz klaren Ansinnen, daß er das seiner amt- lichcn Tätigkeit notwendigerweise entgegenzubringende V e r- trauen für politische Zwecke der reaktionären deutschen Rech ton einsetzt, d. h. mißbraucht. Gegen die höchst unnoble Weise, in der das geschieht, nehmen wir Prof. Wagemann selbst gerne in Schutz. Jedenfalls fragt Dr. Schneider, ob Prof. Wogemann ein„wirtschaftspolitischer" „Schleicher" wäre, ob Wagemann sich als Wirtschaftspolitiker als der große Kopf, der eiserne Wille erweisen werde,„der un- beirrt um die Stimmen der Massen seinen Weg zu gehen versteht und zielbewußt dem von i h m gewollten Ende zusteuert". Persönlich und sachlich wird wagemann dann unter Druck ge- setzt. 3n einfaches Deutsch überseht, sagt Schneider, daß Wagemann den Zufluß ausländischer Kredite und die Reparationsleistungen in früheren Konjunkturprognosen deshalb nicht in ihrer wahren Bedeutung gewürdigt habe, weil„der deutsche Konjunkturpapst" als wirtschastspoliliker seine„Zeit noch nicht gekommen" gesehen habe und„mit den bestehenden wachtgruppen zu rechnen" genötigt gewesen sei! Dem schließt sich eine Kritik des Wagemann zuge- schriebenen Papen-Programms an, die mit der Feststellung, daß das Papen-Programm die Vereisung der Kredite nicht löse und auch eine sofortige Entlastung des Arbeitsmarktes höchst unwahrscheinlich mache, einen Widerspruch mit den öffentlich verkündigten Zielen des Programms und seinen inneren Erfolgsmöglichkeiten zu Lasten der Person von Pros. Wagemann konstruiert. Dieses publizistisch sehr ungewöhnliche Verfahren, den verant- wortlichen Leiter des Statistischen Reichsamts und des Konjunktur- instituts zu kritisieren, wird dann zum Ausgangspunkt genommen, um Prof. Wagemann auf der ihm von Schneider zugeschriebenen Bahn der Politisierung der Konjunkturforschung zu extrem rechls- politischen Zwecken vorwärts zu treiben. v V»| 99 wj ♦ Ein wirtfchastspolitischer„Schleicher"? In diesem Zusammenhang schreibt Schneider zur Unzulänglichkeit des Papenschen Wirtschaftsprogramms: „Wer da glaubt, durch dosierte Kampferspritzen von zusätz- licher Kaufkraft, durch Autarkie als Prinzip oder als Kampf- mittel, durch die mannigfachen kleineren Konjunkturmaßnahmen wie Arbeitsdienst, Zinskontrolle usw. die strukturelle Krise des deutschen Arbeitsmarkts, die Not des deutschen Lebensraumes en d g ü l t i g beheben zu können, dürfte sich in einem Verhängnis- vollen Irrtum befinden, in einem Irrtum, der auf lange Sicht vielleicht noch gefährlicher wäre als der eben überwundene Irrtum über die deutschen Tributleistungen. Nach wie vor bleibt der außenpolitische Kamps um einen gerechten Lebensraum das Gebot der Stunde! Das Institut für Konjunkturforschung würde sich ein ungeheures geschichtliches Verdienst erwerben, wenn es in diesem kommenden Kampf mindestens die gleiche Energie an den Tag legen würde wie bei der Propagierung des Papen-Programms. Diese Forderung muß gerade am Vorabend der Welt- wirtschastskonferenz, die ernste Entscheidungen für die deutsche Zukunft in sich birgt, mit neuer Energie erhoben werden." Die„Berliner Börsen-Zeitung" unterstellt hier durch ihre Ver> öffentlichung Prof. Wagemann, dem Leiter des Statistischen Reichs- amts und des Instituts für Konjunkturforschung, glatt die Möglich- keit, daß er das seiner Amtsführung entgegengebrachte öffentliche Vertrauen seinen Neigungen als Wirtfchaftspolititer zu opfern bereit sein könnte und setzt ihn durch die vorher geübte Kritik zur Er- reichung eines solchen Zweckes geradezu unter Druck. Selbstver- ständlich trifft für dieses ungeheuerliche Verfahren die Verant- wortung allein die„Berliner Börsen-Zeitung" und ihren Artikel- schreiber Dr. Schneider. Da wir in Deutschland aber eine Rechts- regierung haben und die„Börsen-Zeitung" einer der ent- schiedensten Versechter des jetzigen Kurses ist, da Prof. Wagemann einer der wichtigsten Beamten des Deutschen Reichs ist, in dessen Amtsführung auch nicht der geringste Zweifel bestehen darf, muß das Vorgehen der„Börsen-Zeitung" amtliche Beachtung finden. Wir müssen von Prof. Wagemann und der gegen- wärtigen Reichsregierung eine Erklärung dar- über verlangen, ob die Tätigkeit des Statistischen Reichsamts und des Instituts für Konjunktur- forschung nicht nur heute, sondern auch in aller Zukunft von jeder Z w e ck o r i e n t i e r u n g frei und jeder politischen Z w e ck b e c i n f l u s s u n g von außen unerreichbar bleiben wird. Wirischafisbelebung? Oie Boraussehungen des Papen-Programms sind falsch' Die Adelsregierung nimnü für sich in Anspruch, bei Ausstellung ihres Wirtfchastsprogramms von hoher k o n j u n k t u r- politischer Einsicht geleitet gewesen zu sein. Diese„hohe kon- junkwrpolitische Einsicht" erforderte es angeblich, den Privat- kapitalismus zu stärken und die Arbeiter die Kosten dieser Stärkung tragen zu lassen. Herrn Papens diesbezügliche Sätze in Münster lauteten wie folgt: „Deutschlands gesamter Produktionsapparat muß zunächst einmal instand gesetzt werden, um an dieser Belebung(der Weltwirtschaft nämlich— D. Red.) teilzunehmen." lind weiter: „Es hat sich ein ungeheurer Bedarf an Erhaltungs- und Not- ftandsarbeiten aufgestaut, der in die Milliarden geht. Die amtliche Regierungsweisheit belehrt also das»n- wissende Volk dahin, daß Deutschlands Produktionsopparat, der Besitz an Fabriken, Moschinen, Anlagen usw., mit Milliardenbe- trägen zu verbessern und daß deshalb das Diktat von Hunger- löhnen ein« volkswirtschaftliche Notwendigkeit sei. Das Kon- junkturinstitut bemüht sich im letzten Wochenbericht, diese amtliche Weisheit mit Zahlen zu belegen. Trotz aller Bemühungen kann es aber nicht beweisen, daß sich tatsächlich«in„ungeheurer Bedarf an Erhaltungsarbeiten aufgestaut" hat; es kann nur ganz unverbindlich erklären, es sei„anzunehmen" und es„scheine", daß seit 1331„an vielen Stellen"(!) die notwendigen Ersatzanlagen unterblieben seien.„Im Jahre 1332 dürften(!) die Anlagen in ihrer Gesamtheit sogar vermindert worden sein." Die tatsächlich belegten Feststellungen aber ergeben das Gegenteil dessen, was man zu beweisen suchte. Einmal steht fest, daß noch im Jahre 1333 die Ersatzanlagen im Betrage von 6,8 Milliarden Mark höher als im Hochkonjunkturjahr 1327 waren. Die Kapitalanlagen des Jahres 1331 werden auf etwa 7 Milliarden Mark geschätzt. Neuanlagen sind auch nach An- ficht des Konjunkturinstituts in diesem Jahre in nennenswertem Umfang« nicht erfolgt, so daß dieser Betrag fast ganz— bei er- heblich gesunkenen Kosten!— auf Ersatzanlagen entfiel. Da muß man sich in der Tat sehr vorsichtig ausdrücken, wenn man bei diesen Feststellungen das Unterlassen von Ersatzanlagen„anüehmen" will! Aber es kommt noch besser: Das Konjunktur-Jnstitut muß selbst die Behauptung, der heutige Produktionsapparat sei nicht aus- reichend, als konjunkturpolitischen Dilettantismus entlarven. Aber das muß man wörtlich genießen:„Die vorhandenen Anlagen sind nur zu Bruchteilen ihrer Kapazität ausgenutzt. In vielen Teilen der Wirtschaft kann selbst eine Verdoppelung der Produktion gegenüber dem heutigen Stand sehr wohl mit den gegebenen An- lagen bewältigt werden." Das ist die Wahrheit, die Feststellung, auf die es allein ankommt: der heutige Produktionsapparat kann sehr wohl das Doppelte der heutigen Produktion leisten. Damit ist auch Papens wirtfchasts. Programm, das hungerlöhne diktiert zu einer angeblich notwendigen Verbesserung des Produklionsopparates, von einer halbamtlichen Stelle entlarvt als das. was es tatsächlich ist: als das Programm des klasjenkampses von oben, das hungerlöhne diktiert zur Bereicherung der Unternehmer!_ Eine ausgeplünderte Bank. Die Fälle skandalöser Geschäftsführung von Banken und un- erhörter Ausplünderung von Einlegern sind im„gesegneten" kapita- listischen Wirtschaftssystem zahllos. Wie unerläßlich die Einführung der von der Sozialdemokratie immer wieder geforderten Banken- kontrolle ist, beweist wieder einmal die Geschichte der In- dustrie- und Privatbank A.-G., Berlin, über die am Montag der Konkurs verhängt wurde. Diese Bank war die Hausbank des Großjpekulanten Jakob Michael, die Holdinggesellschaft für seine einst zahlreichen Beteili- gungen. Michael war kein Inflationsgewinnler, sondern ein Stabilisierungsgewinnler. Er verkaufte sofort nach der Stabilisierung alle seine Sachwerte und„arbeitete" mit dem dafür erhaltenen Geld durch Ausleihen, als die h ö ch st e n Zinssätze gezahlt wurden. Wie er seine Hausbank ausbeutete, wurde auf der Gläubigerversammlung erörtert. Die Bank hatte im Jahre 1327 fast 16 Millionen Mark Barmittel. Um sich diese anzueignen, ver- kaufte Michael seiner Hausbank etwa 4 Millionen Mark ihrer eigenen Aktien zu etwa 433 Prozent. Die Bank mußte dann sanieren und die 4 Millionen Mark eigener Aktien einziehen— somit waren 16 Millionen Mark Bargeld gegen nichts an Michael gewandert. Er persönlich ging trotzdem pleite und sollte den Offenbarungseid leisten— und floh noch Holland. Die Bank hat zur Zeit Aktiven von 3,3 Millionen Mark, aber eigene Schulden von 13 Millionen Mark; und mit Ein» rechnung der übernommenen Bürgschaften erhöhen sich die G e- samtpassiven auf fast 38 Millionen Mark. Angeb» lich wollte Michael von Holland aus Mittel zur Verfügung stellen, um einen Vergleich durchzuführen. Er scheint aber nicht daran zu denken, so daß das Gericht das Konkursverfahren erössnete. Znieressengegensähe in Siresa. Ein überraschender Borschlag Italiens. Die Verhandlungen aus der Konferenz in Stresa, aus der über Hilfsmaßnahmen für die s ü d o st e u r o p ä i s ch e n Staaten beraten wird, gestalten sich immer schwieriger. Die Gläubigerländer(Frank- reich, Italien, England, Schweiz, Deutschland) sind nicht geneigt, neue Finanzhilfen zu gewähren. Bezeichnend für die Situation auf der Konferenz wie vielleicht auch für die deutsche Außenpolitik ist, daß die anfangs so stark betonte Zusammenarbeit der deutschen mit der italienischen Delegation zu nichts geführt hat. Es ist jetzt so, daß die deutschen und die französischen Vertreter fast die gleichen Ziele ver- treten, nämlich eine Hilse für Südosteuropa im Ausbau von Präferenzverträgen zu suchen. In diesen Verträgen soll die Ge- treideausfuhr Südosteuropas gegenüber der überseeischen b e- g ü n st i g t werden. Dem Abschluß solcher Verträge steht allerdings das Meistbegünstigungsprinzip, das in den meisten Handelsver- trägen festgelegt ist, entgegen.* Völlig überrascht waren sämtliche Konferenzteilnehmer von dem neuesten Vorschlag Italiens, der dahin geht, den notleiden- den Agrarstaaten einen Geldbetrag zu zahlen, der eine Auf- besserung der unzulänglichen Weltmarktpreise für Getreide bedeuten soll. Alle Länder, die für eine Einfuhr südosteuropäischen Getreides in Frage kommen, haben sich gegen diesen Plan ausgesprochen. Es ist wahrscheinlich, daß dieser italienische Plan von seinen Urhebern nicht als ernster Vorschlag gemeint war, sondern als politisches Mittel, die Vormachtstellung Frankreichs auf dieser Konferenz irgendwie zu erschüttern. Unsere Lebens- mittel-Abteilungen stehen unter stün- eidigte'n Chemikers arztes!. R. Herrn Dr. FRISCH-FLEISCH Gehacktes............. Pfd. 0.48 Suppenfleisch...... an Pfd. 0.48 Goulasch............... Pfd. 0.68 Schmorfleisch o.K. gesp.Pfd. 0.78 Schweineschinkenm.B.Pfd. 0.78 Hammel, VopderfleisdianPfd.0.68 Hammelkeule...... an Pfd. 0.78 GEFLÜGEL UND WILD Wolga-Hühner....an Pfd. 0.58 Frische Hühner..... an Pfd. 0.65 Enten, gefr.......... an Pfd. 0.65 Enten, junge........ an Pfd. 0.88 Junge Tauben....an Stdt. 0.58 Brathühner......... an Pfd. 0.98 Rehblait............ an Pfd. 0.85 Hirschblaft......... an Pfd. 0.78 FISCHE, RÄUCHERW. Kabeljau, Seeiaduo.K. an Pfd. 0.14 Grüne Heringe..... 3 Pfd. 0.35 Lebende Aale..... an Pfd. 0.70 Lebende Schleie...an Pfd. 0.75 Fettheringeo.K. entgr. 3St. 0,20 Bundaale.............. Bd. 0.22 Aale ger., U.v, St.,'/j Pt-t. 0.88 Flundern, geräuch....Ffd. 0.36 Makrelen, geräuch...Pfd. 0.30 WURSTWAREN KOLONIALWAREN Konsum-Sülze......... Pfd. 0.26 Fleisch-u.Sülzwurst...Pfd. 0.68 Landleberwurst....... Pfd. 0.84 Streichmettwurst...... Pfd. 0.98 Schinkenpolnische....Pfd. 0.88 Cervelat u. Salami...Pfd. 1.18 Speck, durchwachs....Pfd. 0.98 Fetter Speck........... Pfd. 0.78 Schinkenspeck....... Pfd. 1.28 Nußschinken.......... Pfd. 1.32 Filetwurst............... Pfd. 1 35 Burma-Reis............ Pfd. 0.13 Weiße Bohnen...an Pfd. 0.14 Linsen............... an Pfd. 0.16 ViKtoria-Erbsen..... 2 Pfd. 0.29 Hartweizengrieß..... Pfd. 0.24 Eier-Nudeln........... Pfd. 0.36 Eier-Makkaroni...... Pfd. 0,44 Eier-Figuren-Nudeln Pfd. 0.48 Mischoost.............. Pfd. 0.40 Sauerkirschen, getr. Pfd. 0.48 Aprikosen, getr....an Pfd. 0.60 BUTTER, FETTE, EIER D I V E R S E KÄSE Gutsbufter............. Pfd. 1.08 Molkereibutter........ Pfd. 1.24 Tafelbutterl........... Pfd. 1.34 Markenbutter......... Pfd. 1.40 Margarine u.Kokosfett, an 3 Pfd. 0.88 Pohsdimalz.BrotensdinialzPfd. 0.46 Griebenschmalz...... Pfd. 0.62 Flomenschmalz........ Pfd. 0.54 Fr. rum. Eier........ 10 Stck. 0.73 Kräuterkäse........... Stck. 0.10 Harzer Käse. ca. i Pfd.-Pak. 0.25 Camembert vollfett 2 Sdnl. 0.35 Peinst.RahmkäsesOVi.Pfd. 0.30 Feinkostkäse..%Schadifel 0.38 Limburger, halbfett..... Pfd. 0.42 Edamerod. Holländer Pfd. 0.66 Stchnbuscher, vollfett..Pfd. 0.66 Bayr.Schweiz.,voiif.anPfd. 0.95 Innvrhalb dar Nachschau zur greBen Deutschen Funk-Ausst. madit die Deutsche Grammophon A. G. Sdiallplatten-Aufnahmen von prominenten Künstlern e heute Freitag sind anwesend: zwischen II und 12 Uhr zwischen 4 und 6 Uhr Adolf Ginsburg, vom Caf4 Berlin• Half Sandcw, der flüsternde Tenor DIVERSES OBST Melonen.............. Pfd. 0.05 Kochäpfel............ 2 Pfd. 0.25 Tafeläpfel............. Pfd. 0.18 Tafelbirnen Calobassen Pfd. 0.24 Pflaumen............. 3 Pfd. 0.28 Pfirsiche............. an Pfd. 0.26 Wein.................... Pfd. 0.25 DIVERSES GEMUSE Tomaten.............. 3 Pfd. 0.10 Möhren.............. 3 Pfd. 0.10 Rot-, Weiß-, Wirsingkohl 3 Pfd. 0.10 Bohnen.............. 2 Pfd. 0.C9 Rosenkohl............. Pfd. 0.20 Salatgurken.......... std<. 0.15 Zwiebeln............... Pfd. 0.05 Kartoffeln.......... 10 Pfd. 0.22 WEINE, SPIRITUOS» Fronkenweiler.. 10 Ltr. G.03, Ltr. 0,65 Liebfraumilrh..10 Ltr. 10.50, Ltr. 1,10 Rüdesh.Schloßb.lOLtr. 11,50, Ltr. 1.20 Schloß Bödcelh. 10 Ltr. 13.50, ltr. 1.40 Oürkh. Feuerberg 10 Ltr. 7.50, Ltr. 0.80 26er Haut Sauterncs m. Flasche 1.75 28er Fronsac, rot. Bord. m. FI. 1.6b Jam. RumVerschn.380'oLtr.m.FI. 4.20 Korn-Ähre 38 ol Ltr. m. Flasche 2.90 U-BAHNHOP HIRMANNRATZ OER KARSIÄOt- BAHNHOF In den Dachhallen spielen Marek Weber• O. JCermbach• Telephonische Bestellungen über 5 Mark unter F 6 Baerwald OOI2 SCHLAGER DER WOCHE Pflaumen- H AR Marmelade...... 400 gr. GL■ W Himbeer- f) Cfl KonfltUre........ 400 gr. Gl. Vierfrucht- H 71; Marmelade..... 2 Pfd Ilmer■ w Johannisbeer- f) 7R Marmelade..... 2 Pfd Eimer f O Erdbeer- u. Kirsch- fl OQ Syrup 550gr.PI. 0.73, 250gr. WiÜJi ....... 0.75 Tilsiter oh. Rinde fk 40 viertelfett............. Pfund■ W Frische Pol. Eier fl£7 10 Stück...................... U,u f .................. 0.65 29er Sommeracher 1 Cfj Katzenkopf... Boxbeutel Fl.■■%J Rebhuhner fl Qfi an Stück...................... W«UU Bücklinge 0.18 an Pfund..................... wi■ w ?Zanas................. 0.55 Senf- und Schmor- 0 10 g u r k.............. 3 Pfund Ui I U Nr. 425• 49.Iahraang 2. Beilage des Vorwärts Freitag, 9. September 1932 QJLMLVCHUHS Gilgi stürzt durch die Straßen, sie muß zu Pit, ihm erzählen, mit ihm reden. Ob man der Täschler nicht ein bißchen helfen könnte? Sie ist eine armselige Kreatur, gewiß— und wahrscheinlich ist nichts mehr an ihr zu retten. Mit langen Schritten überquert Gilgi den Neumarkt. Die große Normaluhr zeigt elf, jetzt ist Pit nicht mehr zu Hause, der spielt jetzt in einer dreizehntklassigen Kneipe As» erste, ira» sie sieht... in einer Rheingasse Klavier. Da wird man Hingehn und warten, bis er fertig ist. Gilgi ist auf dem Heumarkt angelangt, vor ihr liegt der Rhein. Sie schwenkt rechts in die Seitenstraßen. Dufte Gegend. Enge Gassen, schmale, gebrechliche Häuser. Sie kommt auf den Älttn Markt, ein Zauber- Haftes Stückchen Mittelalter liegt vor ihr, aber Gilgi hat weder sonst noch heute sonder- liche Vorliebe für Mittelalter. Sie biegt in eine Gasse ein, die hinunter zum Rhein führt. Lintgasse. Hier muß es sein, wo Pit spielt. Sie kennt diese Gegend kaum. Die Gasse verengt sich zr�m Rhein zu. Wenn man die Arme ausbreitete, könnte man mit den Fingerspitzen beide Häuserseiten berllh- ren. Irgendwo patrouilliert ein Schupo, aus einem Fenster winkt ein wasserstoffgelber Frauenkopf, ein paar junge Burschen schien- dern mit sichtlichem Zuhausegefühl auf und ab. Gilgi rennt ratlos bis ans Ende der Gasse, sie muß das Lokal übersehen haben— Frühstücksstube— das kann's nicht sein. Sie kehrt um. Läuft schneller, als ein Junge ihr eine kräftige Schweinerei zuruft. Da— Weinstube! Sie stößt die Tür auf. Gott sei Dank— das erste, was sie sieht, ist Pits roter Haarschopf. Da sprach der Marabu, der weise Ma- rabu... sie tippt ihm mit dem Zeigesinger auf die Schulter:„Ich möcht' dich sprechen, ich warte, bis du fertig bist." Pits Gesicht verrät weder Staunen noch Freude... mein liebes Mädel, mach beim Küssen deine Augen..„kann zwei Uhr werden", brummt er, ohne auch nur sekundenlang die Finger von den Tasten zu lassen... es sprach der Marabu, der... Gilgi setzt sich an einen Ecktisch. Trübselige Bude! Von der Decke hängen wcißrote Papierfransen herunter, über dem Klavier baumeln ein paar rote Lampions hin und her. Vor der Bar räkelt ein dicker Glotzkopf, in der Ecke, Gilgi gegenüber, sitzen zwei Reisende, einer hat ein Mädchen auf dem Schoß... da sprach der Maro... Die beiden Reisenden schreien vor Lachen, wahrscheinlich weil das so dazu gehört, und weil sie morgen sich und anderen erzählen wollen, daß sie sich glänzend amüsiert haben. Unterm Tisch liegen verbeult und mißachtet zwei schwarze Musterkoffer. Ein Mädchen kommt hinter der Bar vor, fragt Gilgi leidlich wohlwollend, was sie möchte.„Tasse Kaffee." Gibt's hier nicht. Das Billigste, was sie haben kann, ist Port- wein. Also Portwein. Furchtbar, wieviel Geld sie heute ausgegeben hat! Sie fängt an, unruhig zu werden, was soll sie hier die ganze Zeit machen? Noch drei Stunden! Sie kramt aus ihrem Köfferchen ein paar Butterbrote vor und fängt an zu essen, weniger aus Hunger als aus Langeweile. Pit spielt das Lied von der Mösch—... wie kütt die Mösch, die Mösch, die Mösch... die beiden.Reisenden singen mit. auch die Bardame singt Ein Lampion geht vor Be- geisterung aus, durch den Raum weht ein Lüftchen Lokalpatriotismus. En Mösch höht en dä Bösch— ach, wenn se doch als Wigger flöch— die Mösch, die Mösch, die Mösch... Gilgi schreibt in ein kleines Notizbuch. Eingaben— Ausgaben. Ordnung muß sein. Besonders in Geld- fachen. Süße, kleine Krämerseele!" sagt Olga, wenn Gilgi mitunter eine halbe Stunde überlegt, wofür sie fünfzig Pfennig ausgegeben hat. Olga hat nie eine Ahnung, wofür ihr Geld draufgegangen ist. Sie hat kein System und kein Einteilungsvermögen. Wenn Gilgi an Olgas Finanzen denkt, wird ihr schwindlig. Richtig seekrank wird sie, wenn sie Olga von Geld sprechen hört. Ein- nahmen— Ausgaben. Mariechen, Mariechen, hür op mich... Dä Engelbäät is keine Mann für dich... Bums, die Tür sauft auf, ein kunterbuntes Wesen fegt rein, fliegt an Gilgis Tisch:„Se jestatten doch, Fröl- lein?", schreit zum Bü- fett rüber:„Iib mirn Schnaps und fünf Zi- garetten!" Das kunterbunte Wesen sieht betrübt aus. Gilgi bietet ihm eine Zigarette an. Sie packt ihr Notizbuch wieder in den Koffer, kaut an ihrem Butterbrot und besieht sich die bunte, kleine Nutte.„Is nichts los", seufzt die, und Gilgi weiß nicht recht, ob das nun allgemein Phot.: Paramount oder nur bezüglich des Lokals gemeint ist. „Wo kommen Sie denn her?" Gilgi ant- wartet nicht. Die Nutte hat ein Korallen- kettchen um den Hals, ihre Strickjacke ist an den Ellbogen sauber gestopft— ob sie das selber getan hat?— sie hat die breiten, schmutzigen Fingernägel dick mit Nagellack beschmiert, sie hat kein Gesicht, so wenig wie Fräulein Täschler ein Gesicht hatte. Mariechen, Mariechen, hür op mich. Was gehn mich solche Menschen an, denkt Gilgi. Jeder is da, wo er hingehört. Wenn einer so'n Dreckpamps aus seinem Leben macht, ist's seine eigne Schuld.„Iott, jetzt hätt ich's als wieder bald verjefsen", lacht die Nutte,„jerad' wollt ich mein Arm wieder aufstützen, aber denn jeht die Jacke an den Ellbogen immer jleich kaputt." Sie legt die Arme vorsichtig auf den Tisch wie ein braves Kind in der Religionsstunde.„Draußen is kalt", sagt sie. Gilgi nickt. ,. Willst? en Butterbrot?" fragt sie unsicher und freundlich und deutet auf das Päckchen vor sich. „Iott. wennde jenug hast." Die Nutte nimmt sich eine Stulle, Gilgi legt auch die nächste vor sie hin, die Nutte hat sie mit dem Finger berührt, das ist ihr eklig. En Mäd- chen so schön wie du— dem steht ne Ka— va— lö— res zu... Die Nutte kaut, sie kann nur links kauen, rechts im Backenzahn hat sie ein großes Loch. „Könnt ich mir noch nicht machen lassen, hach, mieser Beruf, den man hat." „Warum hasten dir ausgesucht?" fragt Gilgi. „Hab' ich mir eijentlich janich ausjesucht." „Dann such' dir doch jetzt'nen bessern." Gilgi hat das dunkle Empfinden, daß ein Mädchen, das seine Strickjacke sauber stopft. nicht Straßendirne zu sein hat. Die Nutte zuckt die Achseln:„Iott, man is nu' mal dabei, was soll man machen?" Daraus weiß Gilgi keine Antwort. Nur nicht die Nase so hoch tragen, nur nicht immer denken, es wäre so ganz und gar eignes Verdienst, wenn man was Besseres ist. Wenn die Krons sie nun nicht adopiert hätten, wenn sie von der Täschler aufgezogen worden wäre, hinten in der Thieboldgasse, wenn sie — man lieber gar nicht dran denken--- (Fortsetzung folgt.) Erinnerungen an Herdt Hon 3>ietro Hllascagni An die Lichtgestalt Giuseppe Verdis knüpfen sich einige meiner schönsten Erinnerungen, und zeitlebens muß ich dem Verleger Ricordi dankbar sein, daß er mich dem Unsterblichen vorgestellt hat. Kurz nach der Uraufführung der„Cavalleria rusticana" war es,.n Mailand, wo ich im Hotel Milano abgestiegen war, im Appartement, das für gewöhnlich Verdi bewohnte. Aus einem spontanen Entschluß heraus hatte ich gerade dieses Zimmer gewählt. Dort logierte auch Verdi, hatte etwas von schicksalshafter Vorbedeutung für mich und stärkte mich seelisch. Natürlich beeilte ich mich sofort wieder, mein Quartier zu räumen, als die Ankunft des Meisters bekannt wurde. Ich wollte aber unbedingt in seiner Nähe bleiben und zog daher in ein benachbartes Zimmer. Eines Tages nun erschien Giulio Ricordi bei mir und sagte:„Kommen Sie, ich werde Sie Verdi vorstellen." Zitternd folgte ich ihm. Verdi!... Man muß es nur verstehen, was es für einen jungen Komponisten hieß, einem Verdi vors Angesicht zu treten! Kaum hatte er mich erblickt, drückte er mir die Hand mit großer Herz- lichkeit. Was mich sofort an ihm faszinierte, das waren feine Augen. Fast sah man sie nicht, so tief lagen sie unter den buschigen Brauen in den Höhlen: aber man fühlte ihre Gestalt. Es waren zwei lebhafte, durchdringende, inquisitorische Augen, Augen von jener Art, die auch das zu entziffern verstehen, was der andere als Ge- heimnis bewahren möchte. Verdi konnte aber auch reizvoll lächeln: jene Befangenheit schwand da beim Ankömmling sofort und man fühlte sich wie von einer magischen Kraft zu ihm empor- gehoben. Im allgemeinen wortkarg und reserviert, hatte er eine wohltönende, sympathische Stimme und sprach nur mit großer Ueberlegung. Doch was er sagte, das war schwergewichtig wie Gold. Einmal fragte er mich lächelnd, ob mich die Kritiker gut behandeln. Verwirrt durch diese un- erwartete Frage, fand ich nicht sofort die Antwort. Verdi aber verstand recht wohl, was ich nicht sagte. Und immerzu lächelnd, rief er:„Ja, ja, lieber Mascagni, um geschätzt und geliebt zu sein, muß man eben erst alt werden." Was er da fest- gestellt hatte, war durchaus keine Phrase: es war nur die einlache Erinnerung an seine per- sönlichen Erlebnisse. Eines Tages, zu einem späteren Zeitpunkt, schien er mir noch etwas oertraulicher und wohl- wollender zu fein: er begehrte da zu wissen, welche Stoffe ich für meine nächsten Werke ausersehen hätte. Und ohne erst eine Antwort abzuwarten, sagte er mir daß es ihm bekannt wäre, ich denke an den„König Lear"„Wenn die Sache richtig ist", setzte er fort,„kann ich Ihnen sagen, daß ich ein sehr umfangreiches Studienmaterial zu diesem . monumentalen Werk besitze und daß ich glücklich wäre, es Ihnen zu geben, um Ihnen auf diese Weise die schwere Arbeit zu erleichtern." Eine tiefe Rührung ergriff mich, als mir der geniale Meister all diese großen Dinge in so schlichter Weise vorbrachte. Im ersten Moment war ich ganz außerstande, eine Antwort zu geben, denn ich fühlte, wie meine Kehle zusammenge- preßt war: dann aber überwand ich mich und fragte mit bebender Stimme:„Maestro, und warum haben S i e nicht den„König Lear" in Musik gesetzt?" Verdi schloß für einige Sekunden die Augen, vielleicht, um sich zu erinnern, vielleicht aber auch, um zu vergessen. Dann aber sagte er langsam und leise:„Vor der Gewitterszene, in der König Lear auf der Heide steht, bin ich zurückgeschreckt!" Ich sprang van meinem Sitze, die Augen weit aufgerissen und sicherlich bleich wie die Mauer. Also er, der Gigant des Musikdromas, war vor dieser Szene zurückgeschreckt... und ich.. ich... Mein„König-Lear"-Plan war für alle Zeit damit erledigt. So sehr es auch Verdi vermied, über sich selbst und über seine Werke zu sprechen, so rege war sein Interesse für die Kunst im allgemeinen. Die Tiefe seiner geistigen Kultur kam in solchen Ge- sprächen zu unvergeßlichem Ausdruck. Und er lernte auch noch, lernte immer. Eines Tages blieb ich vor seinem Klavier stehen, aus dessen Notenständer eins der Werke Bachs aufgeschlagen lag. Verdi bemerkte es, näherte sich mir und sagte:„Das, ja das muß man studieren. Und es gefällt mir,, daß es gerade die Werke Bachs sind, die Sie in den Konzerten Ihres Konservatoriums ausführen lassen." Es stimmte. Dem Meister waren auch meine Programme geläufig. Nach den ersten Aufführungen der„Cavalleria rusticana" wurde eine Legende in die Welt gesetzt, die allgemein Glauben fand. Man sagte, Verdi habe nach dem Durchlesen der Partitur meines Werkes ausgerufen:„Jetzt kann ich zufrieden sterben!" Der Wahrheit zuliebe sei festgestellt. daß Verdi niemals diese Worte gesagt hat, die sicher von einem Enthusiasten stammen, der nur ungenau über eine freundliche Episode Bescheid wußte. Wie es sich in Wirklichkeit damit oer- hielt, erzählte mir Giulio Ricordi, Verdis Ver- leger. Eines Abends, in Sant' Agata war es, befanden sich dort als Gäste Verdis Ricordi, Boito und noch zwei andere Herren. Zu einer bestimmten Stunde— es war immer die gleiche, denn Verdi lebte genau wie die Uhr— zog sich der Meister in seinen Schlofraum zurück. Die anderen blieben noch im Salon, plauderten und spielten Karten. In Sant' Agata hatte der Meister ein Klavier in seinem Zimmer. Wer die Villa Verdis besucht hat, wird sich ohne Zweifel an dieses Instrument erinnern: es steht entlang jener Wand, in der sich die Tür zu der schlichten Kammer befindet, wo Verdi zu schaffen pflegte. Einige Zeit war bereits vergangen und Verdi hätte wohl schon zu Bette sein müssen. Da ver- nahmen die Gäste plötzlich den Widerhall einiger Akkorde. Komponierte der Meister? Zu dieser Swnde? Beunruhigt näherten sich Ricordi und Boito ganz leise dem Schlafzimmer und horchten. Wenige Töne genügten, um zu wissen, daß Verdi am Klavier saß, mit dem Lesen der„Cavalleria rusticana" beschäftigt. Die Partitur war ihm auf sein Verlangen von Giulio Ricordi gebracht worden.„Am nächsten Morgen"— nun lasse ich Ricordi sprechen—„fand ich den Meister allein im Park seiner Villa unter den Riesenbäumen, deren Schweigen für ihn von einer so furchtbaren Beredtheit war. Wir wechselten einige Worte. Dann aber, als wir in sein Zimmer zurückgekehrt waren, wies er auf die Partitur der„Cavalleria" und sagte:„Es ist also nicht wahr, daß die Tradition der italienischen Melodie ein Ende ge- funden hat!" Dies war die Anerkennung Verdis für meine Oper, und kein anderes Lob hätte mir jemals wertvoller sein können., Dolksgericht Nicht mit der Kühle des Historikers, der an die Geschichte herantritt wie der Mediziner an eine zu sezierende Leiche, behandelt Dr. Eugen Fischer- B a l i n g, rühmlich bekannt nicht nur durch sein Werk„Die kritischen 39 Tage", in„V o l k s g e- r i ch t"(bei Rowohlt, Berlin) seinen Vorwurf. Vielmehr sagt der Untertitel des Buches„D i e Deutsche Revolution von 1918 als Erlebnis und Gedanken", worum es geht. Ein Zeitgenosse jener Ereignisse, und zwar ein denkender Zeitgenosse, keiner, der ein mit Haken- kreuzen geziertes Brett vor der Stirn trägt, macht sich und seinen Lesern klar, wie damals alles ge- kommen ist. Diese Schilderung, wahrheitsgetreu, den Tatsachen gerecht werdend, aber warmherzig, unmittelbar, vom Fluidum eigenen Erlebens um- webt, wirkt überzeugender, als es eine aus der Distanz geschriebene„objektive" Darstellung ver- möchte. Wer sich in diese Seiten vertieft, erlebt alles mit: den dumpfen Ungeist des preußisch. deutschen Kommiß im Frieden, den„Geist von 1914", die Enttäuschung derer, die bei Kriegsaus- bruch an das einige Volk von Brüdern geglaubt hatten, die Wirkungen der Blockade, den Hunger, den Schleichhandel, das Treiben der Schieber und Kriegsgewinnler, und wieder den Hunger, die feindliche Uebermachl, das Schrumpfen der eigenen Kräfte, das Annexionsgeschrei der Vaterlands- parteiler, die Verblendung der Obersten Heeres- leitung und zum dritten den Hunger. Und den Zusammenbruch. Sicher sordert manche Aussas- sung zum Widerspruch heraus: in der berühmten Augustnacht von 1789 gaben die Feudalherren ebensowenig ein Vorrecht auf, wie der verspätete Achtundvierziger Ledebour ein„rechtgläubi- ger" Marxist" ist, und auch zu Fischers An- schauung von„Klassenkampf" und„nationaler Gemeinschaft" ließe sich einiges sagen. Aber „Volksgericht" ist ein Werk aus einem Guß, an dessen Einzelheiten man nicht mäkeln soll. Nirgends kommt so scharf wie hier das System der Lüge heraus, mit der deutsch- land gefüttert und vergiftet wurde. Weil„die oben" das Volk gering einschätzten, im Grunde verachteten, mußte ihm die Wahrheit vorenthalten werden. Selbst die Wirklichkeit des Krieges war durch ein ideales Scheinbild zu ersetzen:„Von Mühsal, Seelenqual und Widerwillen durfte nichts bekannt werden. Die Heimat sollte nicht hören, daß wir im August 1914 in der Mittagsglut neben stinkenden Leichen und Kadavern unsere Feldsuppe löfselten, nicht, daß unsere Leute im Feuer zittern, schreien und verzweifeln konnten, nicht, daß das Gefühl menschlicher Gemeinschaft mit dem Mann drüben, auf den geschossen wurde, unausrottbar fest saß. Das hätte die in der Hei- mat zum Nachdenken darüber bringen können, wie es draußen eigentlich zugehe, und ab man nicht so bald wie möglich ein Ende finden sollte". Daß schließlich nach diesem Ende des Mordens und Duldens nicht nur die Arbeiterschaft rief, sondern auch die Schichten, die heute das tückische Märchen vom„Dolchstoß und von den„No- nemberverbrechern" kritiklos nachplappern, hebt Fischer gebührend hervor:„Vielleicht war beim kleinen und mittleren Bürger die Abneigung gegen den Krieg im stillen noch leidenschaftlichck als bei den organisierten Arbeitern", und vom Herbst 1918:„Im Kleinbürgertum und bei der Masse der Bauern zitterte der Boden nicht min- der. Alle wollten Frieden." Endlich unterstreicht Fischer auch mit ge- ziemender Deutlichkeit, was mit dem schweren Entschluß von Weimar, den Gewaltsrieden nicht abzulehnen, trotz allem gewonnen wurde:„Es wird der ewige Ruhm der Revo- l u t i o n sein, daß sie in dem Augenblick, in dem der Feind ins Land gebrochen wäre, dem Hasard- spiel des Krieges ein Ziel gesetzt, die tobenden Massen der Feinde an der Grenze festgebannt und das Reich, wenngleich unter Verlusten, er- halten hat." So ist es. Aber wird dieses wahre, kluge und packende Buch in einem so rettungslos oerhetzten Volt nicht tauben Ohren predigen? Hennann Wendel. 3)ie ISngfte&ohrteUung derTTell Petroleumfelder des 3rak werden erfchloffen Englisches, amerikanisches und französisches Kapital ist an dem mit Beschleunigung durch- geführten Bau der längsten Erdölröhrenleitung beteiligt, die jemals angelegt wurde. Es ist die Röhrenleitung im Irak, die sich von Kirkuk, dem Petroleumgebiet von Mosul, nach dem Mittel- meer über rund 186» Kilometer erstreckt. Den großen neuen Hasen von Haifa und der schmalen Bucht von El Mino, dem Meereszugang von Tripolis zum Libanon, eröffnet sich, wenn die Anlage erst fertiggestellt sein wird, eine große Zukunft. In Haifa sind große Terrains für die Magazine und die zu errichtenden Sammel- und Reinigungsbecken bestimmt worden, in die sich der Strom des Rohöls von den Petroleumseldern Mosuls ergießen soll. Das raffinierte Oel soll dann durch unterirdische Röhrcnleitungen zu den Hafentanks geführt werden. Die Kosten der Gc- samtaussührung sind auf lg Millionen Pfund Sterling berechnet. Die Flüsse Tigris und Euphrat werden von zwei hochgsführten Drahtseilbohnen überspannt, um die Transporte des Materials und der Lebensmittel zu erleichtern. Das Felsenbett der beiden Flüsse wird mit großen Kosten ge< sprengt für die Anlage der Tunnels, in denen die Röhren der Leitung eingebettet werden. Diese Röhrenleiwng selbst durchläuft das britische Mandatsgebiet Irak, Transjordanien und Palästina in einer Länge von rund S6g Kilometer. An einem Punkt lg Kilometer westlich des Euphrat gabelt sich die Doppclleitung, eine Ab- teilung führt von dort über Palmyra nach Tripolis in Syrien, die andere über Rutba nach Haifa in Palästina. Es sind l3 bis IS Pumpstationen auf der Strecke vorgesehen. An einer Stelle im Iordantal senkt sich die Röhrenleitung bis zu 280 Meter unter den Meeresspiegel. während sie sich an einer anderen aus dem Hoch- plateau von Transjordanien bis zu rund 900 Meter über den Meeresspiegel erhebt. Die er- forderlichen Pumpstationen, denen die Aufgabe zufällt, den Druck aufzubringen, um das Oel durch die Röhren bis zu solchen Höhen emporzuheben, haben eine ungewöhnliche Leistungsfähigkeit. Nach den Verträgen mit dem Irak muß die Petro- leumgefellschaft das gewaltige Werk bis Ende des Jahres 19ZZ zu Ende geführt hoben. Die Bagdad- Haifa-Eisenbahn. die längs der Petroleumröhren- leihing projektiert ist, soll ein ausgedehntes jung- fräuliches Hinterland, das seit ungezählten Jahr- Hunderten von der Welt abgeschnitten war, dem Handel und Verkehr erschließen. Ein 200 Nlillioncn Zahre alles Krokodil. Der Urvater oller Krokodile und Alligatoren ist im Museum für Naturkunde in New Park zu sehen: freilich nur als Skelett, denn nach der Ansicht der Archäologen sind es etwa 200 Millionen Jähr- chen her, seit sein Lebenslicht erlosch. Das Skelett ist, obwohl von einem ausgewachsenen Tier stammend, nur 9g Zentimeter lang. Die Familie der Krokodile hat dasselbe Gesetz befolgt, das für die Entwicklung fast aller Tierarten gilt: klein anfangen und immer größer werden! Jedenfalls würden sich die riesigen Nachfahren von heute in den Seen und Flüssen Afrikas, in den Strömen Südamerikas, ihres unansehnlichen Urahnen schämen. Sein Kops fst merkwürdig kurz und klein: die riesigen Kiefern der heutigen Krokodile, am größten bei den Gangesgabialen, haben sich erst im Laufe der Entwicklung herausgebildet. Auch der furchtbare Panzer war bei dem Urahnen noch nicht so stark entwickelt. Sonst ist er aber ein richtiges Krokodil. Jlits dem goldnen ITiener Werken Vor einigen Tagen war ich in Wien. In einem Beisel, wie die kleinen Kneipen dort heißen, geriet ich mit zwei Bewohnern der schönen Donauskadt in ein politisches Gespräch über Deutschland. „Auf jeden Fall", bemerkte der andere,„haben wir uns durch die Ueberlassung Hitlers bei den Deutschen für die W ru cke n(Kohlrüben), die sie uns während des Weltkrieges geschickt hoben, gebührend revanchiert!!" 5.>l. Mi! ÜiUitä JU&eHsmittei 198 M bei__ HERMANN UETZ Preise nur Freitag und Sonnabend. Zusendung von Lebensmitteln bei Bestellung von 5,00 an. Fleisch cnd leicht verderbliche Waren vom Versand ausgeschlossen. Mengenabgabe vorbehalten. Verkauf soweit Vorrat Unsere Lebensmittel• Abteilungen unterstehen ständiger Kontrolle und Aufsicht eines Nahrungsmittelchemikers und eines Tierarztes Wurs�waren Hausm.- Leberw.Pfd 0,84 Speckwurst..... Pld. 0,84 Jagdwurst....... Pfd. 0.92 Wien. Würstchen Pld. 0,95 Mettw. Brauntch». Art, Pfd. 0,98 Schinkenpoln,...Pfd. 0,98 Fleischwurst.... Pfd. 0.78 ff. Leberwurst... Pfd. 0,98 Teewurst......... 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Pfd. von 0 Räucherwaren Schellfisch........ Pfd 0,28 Seelachs........ Pfd. 0,28 Rotbars.......... Pld. 0,38 Stückenflundern Pfd. 0,38 Fleckheringe....Pfd. 0,32 Seeaal........... Pfd. 0,42 Fettheringei.Tomit.iD. 0,95 Sardinen.... S Dosen 0,88 Delikatessgurken neue Ernte.... 2 Stück 0,25 Dillgurken neue Ernte____ 2 Stack 0,15 Pfeffergurken nene Ernte....... Stack 0,10 Heringssalat oder Mayonnaiie.... Pfd. 0,58 Obst Melonen........ Pfd. 0,05 Pfirsiche..... Pfd. von 0.26 Essäpfel......... Pfd. 0,18 Kochäpfel....2 Pfd. 0,25 Essbirnen........ Pfd. 0,24 Pflaumen..... 3 Pld. 0,28 Weintrauben itslien.GoIdwein, Pfd. v. 0,25 Bananen... 2 Pfand 0,55 Gemüse Rotkohl....... 3 Pld. 0.10 Weisskohl.... 3 Pld. 0,10 Wirsingkohl.. 3 Pfd. 0,10 Möhren........ 3 Pld. 0,10 Spinat...... 2 Pfand 0,15 Sellerie......... Pld. 0,12 Schmorgurken 3 Pld 0,10 Senfgurken...3 Pfd. 0,10 Grüne Gurken St v. 0,12 Koloniatworen Tafelreis........ Pfd. 0,14 Auszugmehl... Pfd. v. 0,24 Eierbandnudeln Pfd. 0,34 Hartgriess...... Pfd. 0,24 Viktoria-Erbs. 2 Pfd. 0,29 Linsen............. Pfd. 0,18 Weisse Bohnen Pld 0,14 Kakao atart«n»lt..Pfd 0,58 Gebr. Gerste... Pfd. 0,20 Käse und Fette lllcrfelnste deutsche Markenbutter... Pfd 1,40 lllerfslnsts deutsche Molkereibutter. Pld 1,34 Bratenschmalz Pld. 0,48 GriebenschmalzPfd 0,52 Holländer«0°i...Pfd 0,88 Edamer 40»/o..... Pfd 0,66 Tilsiter voiiiett... Pfd. 0,68 Steinbusch, volll, Pfd 0,88 Allg. Stangen 20»/»?« 0,42 Romadour 20»/«.Stack 0,18 Harzer........... Pfd. 0,25 Gemischte Marmelade?-Pti).-EiinetO,68 Erdb.-Konfit.;-Ffd.-[im. 0,98 toeizeTfigsl 1 vollfett, Pfd. v. wj W �| Konserven i�Dose Brechspargel mittel.. 1,20 Brechsparg. lg.»bschn. 0,90 Kaisererbsen........ 1,15 Junge Erbsen lein.. 0,88 Junge Erbsen»«sifeic 0,71 Gemüse-Erbsen..... 0.58 Gem.Gemüse nütsii. 0,88 Leipziger Allerlei.. 0,73 Jg.Bredi-u.Sdinittbohn. 0,42 Erdbeeren........... 0,95 Stachelbeeren...... 0,68 Kürbis................ 0,39 Hawai-Ananas BSehb. 1.25 Suppenfleisch..M Sch(i)eineKonini!"0,94 Kolbskeule bis 9 Pld schwer, ganz oder geteilt...Pfd von 0,78 KoMMn BficKlinse 018 deutsche....... Pfd. von w f M MW Sa.. 0,98 KiMila 11,22 10 Pfand 0,28, Margarine oder ft 06 Kokosfett 3 Pid Ü9OÖ DompfourstO,� Enten gefroren....... Pfd. von Gfinse frisch........ Pfd von Hühner 0.58 gefroren....... Pfd. von w J W w Suppenhühner fl CS frisch........ Pld von U|Uw Brathühner 0 88 Pfd. von UfUU Frische Enteil ß fig Pfd von w|ww Rebhühner 0 98 Stack von wjww Hirschhlüttero 58 Pfd. von 4» D-M WM Freitag, den 9. September staatsoper unter Pen Linden 20 Uhr B o h 6 m e Staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Wallensteins Lager Die Piccolomini Tlgl. 5 u. Sv. Uhr JACK SHEA Wilson, Keppel usw. PLAZA lUbt Sdiln. Bbf. 5B.8".Stji.2,S.8>5l). El Weidnel 4031 Der IMugiistin 5 c h i 1 1 e r Grolmanstr. 70/71 lf>«inpL(C 1) 6715 Täglich 8 Uhr „Di. msonkene Olockt" Kassenständen tägl. 10—20 Uhr lesslng-Ttieaier Tägl 8-/, Uhr Grete Mosheim Oskar Horaolka in Pygmalion r-Thester Im— i lAdmlralspaiastl I Täglich 8�4 Uhr I | Siita A l p a r I n t | Katharina| TheateriLWestens Ibis 25. Septemb. I täglich SV. Uhr I Stgs. 4 u. SV. U. 1 Richard j Tauber in Dreimäderl- hans nteiropoi-ltieaier I Täglich 8V. Uhr 1 Srchi Massary Eise Frau, die weiß, was sie will! Ärf. ö Uhr 15. Flora 5434 Rauöien eri. Das berQhmto DAYELMA- BALLETT 3 Swifts, Rudi Grasl und weitere Künstler-Truppen, die überall als VARIETt. ELITE bezeichnet werden. Sonnabend». Sonnlag|e 2 Vontellg. 4u. 8.15 Ubr. 4 Uhr kleine Preise $mdl.Oper Chariottenburg Frauenhofen 0231 Freitag, 9. Sept. Turnus III Petrusdika (Abramowitsch, Groke, Frank) Dirigent; Preiss. Glanni Sdilcdii (Hilsch. Friedrich, Fidesser) Dirig.: Teichmann. Beginn 20 Uhr Rose- Theater Iroli Fiaotfirtir Stnls 132 Iii. Wiidiul 8 1 3422 8.30 Uhr Aerzte im Kampf Deutsdies Theater Weidendamm 320!. 8 Uhr Wunder um Verdun Dram-Dichtung von Hans Chlumberg We: Kari Hein: Martin. Kassenpreise von 0,50 M. bis 11.50 M. Kammersplele Weidendamm 5201 Heute 8 Uhr CraufTUhraiis „Schicksal nach Wunsch" Miile v.ttirisbWinsloe Regie: Rudolf Beer Melier, Ullrich. Riemain. Abel, Mosheim, Bnuscwtter »vaukr CflSinO- THEATER Lothringer Strafe 37. Gutschein für die Leser 1—4 Personen Fauteuil nur 0,75 M., Sessel 1,25 M. Gültig auch Sonntag nachm 4 Uhr Annemarie Volksoperette.— Musik von Gilbert l>aza«ixt bunter- Teil. Stettiner Sänger Reichshallen-Theater (Dönhoflplatz) Merkur A. S. 1247. Dir. Mdsel Tägl. 8.15 Uhr, Sonntage 130 Uhr(ermäßigte Pr.) Eröffnnngsprogramni mit der Burleske Freibad Kromme Laake Neue Kräfte, Preise 0.50 bis 2.25 M. Vorverkauf 11—2. 5—9 Uhr. WWW- Re&jfflat Herlins pr�sw6 Wohnungen mit Bad, elektr. Licht, Gas u. allem Zubehör. In ruhiger Lage, In NeabaDtcn, in der ida6nen Hanstedt Blankenburg zu vermieten mietpreiSb�Rbi BaDgenossenschaft f. d. Kreis Blankenburg eGmbH Biankenbug- Harz, Ait« HaJbmtidter str. s namen-Hiamei zu ganz niedrigen Preisen Maßaii fertig uns spez. für starke Damen Paul Linen, DamsD-MaBiel-Fafirlk iL Hdlg., Neukölln, Reuierstr. 63 f nserate im Vorwärts 1 sichern Lrfolxl Fall lyarKreopr! Suditij Sit tirübar Uirr xorgieis Ituttl— Baad FonKtlonare! 2. Bezirk! Montag, den 14. Sepfembec, naC mittag» 41, Uhr, in CEtnefl Gele! Idtoftshone, Sc. Franlfncter Str. 30 BezlrKS'Tersammluni des 2. Bezirks Tagesorbnung: Sectthtecffattung oom Oetbanbatag in Sortmnnb. Bettchtetstaltcr: PoIItge Uri ch. Reger Besuch wirb erwartet. vie Ortsvem-attnng. InvBliäeu-vuteTstlitzunxskssse tler Zteiuilnicker u. Lithoxrapdeu zn Berlin Generalversammlung Trcifag, den 16. Sepfembec, nachm. 5 Ahe, int Saal I des Sewerfschastshauses, engelufer 25 Tagesordnung: 1. Seschists» unb Kassenbericht tüt 1931. 2. Bericht de« Rechnungsprüsuitas-Aue- schusse» unb Abnahme ber Jahre». rechnung. 2. Ergenzungswahlen zum Borstanb unb Wahl be» Rechnungsprütungs-Au- schuiie«. 1.»Die Auswtrlung ber Wirtschaftskrise aus blc Lage ber Kasse.' 5. Berschiebene». Wegen ber Wichtigkeit ber Tagesordnung wirb um rege Beteiligung bringend ge. beten. Gemäß§ 17 de» Statut« ist jedes Mitglied berechtigt, an der Seneraioer sammiung teilzunehmen. Der vorstand Hugo Albrecht, Botsttzenber. Ortskraokeiillasse fflr die Cewerbe der Tisdiler und Pianoforteartieiter zu Berlin SO SO, Oranlenztr, SS. An Jeelfog. bem 16. September 1832 16-, Uhr, findet im aofienlofol Ora »ienstrahe 381, ein« außerordentliche Ansschußsitrung statt. Die Bertreter ber Arbeitgeber unb der Berficherten werben hiermit eingeladen. Tagesordnung: 1. Satzungsiinberung. 2. Verschiedene». Oer vorstand Hermann Ehrlich ZSUhel» Attenberg, Jorsttzeud«, Schriftführ«. Gewümaoszog 5. Klasse Zg. Prk»bisch-�üdt>eutsche etoats-Lotterie. Auf jede gezogeile Kammer sind zwei gleich hohe Gewiaae gesalle», aad zwar je einer auf die Los« gleicher Nummer in dea beide» Abteilaagea I mw ll 27. Ziehungstag 8. September 1932 Ja der Heuligen Bormittagsziehung wurden Gewiaae über 400 M. gezogen 12»ewiau« SS 10000 M. 9518 31009 38S71 243801 281378 327038 10 eetoinna zu 5000 M. 43948 137179 142145 379653 394106 24 9«n>inne jB 3000 m. 16367 28704 56985 71502 73879 77564 143301 1 70433 20281 9 205077 28831 7 309576 60 Sewinn» ,n 2000 M. 8256 22047 47339 54156 61371 66370 71571 103372 110968 145999 16016! 174574 190266 196902 213931 225705 237921 253301 293956 311703 313777 325841 335958 348439 349142 355433 356647 372500 375467 387084 1 36»etoiime»a 1 000 M. 1154 20552 28908 31477 33312 33953 34959 41508 4351 1 45349 45577 49310 51570 53662 64077 65157 66251 67513 63137 72733 78407 35012 90663 96492 100733 102942 112257 113942 114534 136939 143381 143685 157182 175140186967 192407 193835 203616 205730 206065 207126 214539 213138 229648 233306 235722 233113 244593 251335 257260 264662 275973 282390 233393 295050 305250 311395 320203 320752 323629 326I8I 332359 3331 32 337170 337502 342590 343742 346917 182©esrnm« ,« 500 W. 390 13044 16291 25222 25762 30219 30968 32130 33543 33433 44236 47031 48792 57044 58869 67510 69754 72995 82607 39609 91727 101340 104083 117152 119576 124723 137692 133987 144317 145085 146720 160110 161495 162675164499 174273 174522 130130 186696 193243 193536 193911 199451 201768 209350 217073 224003 224134 226436 229264 242633 246937 256983 259236 259636 270150 270680 271045 271730 275499 275537 285930 289922 290347 292307 294643 295735 297395 300614 303069 303093 304913 306105 303962 313376 319750 321503 324226 324538 325284 332263 334137 340688 341248 344441 348755 355712 380379 371885 373599 376377 Ja der heutigen Nachmittagsziehrmg wurden Gewinne üb« 400 M, gezogen 12 Sewiiuie zn 5000-m. 30534 134603 134321 201395 207944 382820 . 14»ewi-me zu 3000 M. 4531 1 72195 106985 116809 208755 243852 244112 44©ewina« zn 2000 Dl. 51480 62394 159520 166389 181656 188254 193363 200328 214467 236222 244583 258621 268083 272839 233077 353443 353980 359691 366776 374723 382973 384733 1 1 6 S-Wino- ,u 1 000 M. 5063 52986 62028 63480 72771 73393 7961 2 79879 79943 83301 91 034 103772 110202 115988 118305 120397 122219 133867 143150 153372 I7I537 174031 177079135970 136473 187148 195850 197024 210864 214411 222556 232717 243314 245162 246534 249095 250329 252939 253634 256502 265267 233521 293461 293601 297947 298236 300910 314S23 315476 323383 331857 336110 340913 353553 355350 359663 363333 380490 163 Gewinne ,ll 500 SE. 6322 16643 17834 19836 20896 24963 25351 26289 27381 27553 28422 30863 34657 34760 37535 37796 46289 51112 59935 60853 65072 68436 74514 92021 95901 103433 103939 109760 121191 122757 126241 137230 144061 146210146551 147206 160433 160892 161377 193249 201934 207461 210294 210461 211040 215746 221349 221463 223203 225545 225335 232464 232654 237546 242726 249259 250761 250905 253762 257961 261499 231359 261941 271895 278472 230132 232231 288330 239705 305913 313252 317271 319514 321332 322930 324504 330334 337035 344607 353250 361435 361343 373592 331513 Im Gewianrad: verblieben: 2 Prämien je zu S00000, 100 Schlußprämieu zu je 3000, 2 Gewinne zu je 75000, 2 zu je 50000, S zu je 10000, 44 zu je 5000, 64 zu je 3000, 16S ,aOOCL_838ütt je IflOQ. 6?4 m fr BOQj. 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