BERLIN Freitag S.September i 1932 Nedaktion u. Expedition: Berlin SW 68, Lmdenstv.8 Tel. A7 Dönhoff 293—297 Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abendausgabe des„Sottnätis*. Bezugspreis fiirbeideAusgabenTZPf. pro Woche, ZLa M. pro Monat(davon«7 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug Z,g7 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungz. und 72 Pf. Postbestellgebühren. 10 Pf. Nr. 426 B 205 49. Jahrgang SlnzeigenPreiS s Die lfpit. aratn- meterzekle ZV Pf. Die Reklamezeile kostet 2 Mark. Rabatten. Tarif. Oer Empfang bei Hindenburg Reichstagspräsidium beim Reichspräsidenten/ Graes contra Göring! Oer Schloßherr von pomedien Ter Reichspräsident empfing heute um 11.30 Uhr das Reichstagspräsidium, den Reichstags- Präsidenten G ö r i n g, die Vizepräsidenten Esser, Gräf und Rauch. Ter Empfang dauerte ungefähr 20 Mi- nuten. Es nahm im übrigen nur noch der Ztaatssekretär des Reichspräsidenten Tr. Meißner daran teil. Zunächst wurden die Herren dem Reichspräsidenten vorgestellt und die üblichen Höflichkeiten ge- wechselt. Ter Reichstagspräsident G ö r i n g begann dann auf die Politische Lage einzugehen, wogegen der Rcichstagsvizepräsident Gräf sofort Einspruch erhob, da es nicht üblich sei, bei diesem formalen Be- such Politische Dinge zu besprechen. Trotzdem entwickelte sich eine politische Aus- spräche, bei der die drei anderen Herren den Reichs- Präsidenten darauf hinwiesen, daß für den Reichspräsi- deuten die Möglichkeit bestehe, mit dem Reichs- tag in seiner gegenwärtigen Zusammen- setzung zusammenzuarbeiten. Sie äußerten zum Schluß den Wunsch und die Bitte, daß der Reichs- Präsident, bevor er irgendwelche Entsckieidungen träfe, doch nochmals mit den Führern der großen Parteien Fühlung nehme. Der Reichspräsident hat sich seine Entscheidung vor- behalten. Amtlich wird über den Empfang nur mitgeteilt, daß Präsident Göring die drei Vizepräsidenten vorgestellt, der Reichspräsi- dent für den Besuch gedankt und den Herren seine besten Wünsche für die Erfüllung ihrer Aufgaben ausgesprochen hat, woran sich eine kurze Aussprache über die politische Lage anschloß. Der Besuch hat nach den Beobachtungen der zahlreichen Leute auf der Straße gegenüber der Reichskanzlei etwa 7 Minuten, nach offizieller Angabe etwa 20 Minuten gedauert. Wie aus der obigen Meldung zu ersehen ist, hat der Besuch des Reichstagspräsidiums beim Reichspräsidenten nur sehr kurze Zeit gedauert. Bei der Rückkehr der Herren in den Reichstag fiel es auf, daß sich der Vizepräsident Graes nicht mehr in jener Gesellschaft befand, sondern allein das Haus betrat. Er beteiligte sich auch nicht an der Besprechung, die im Anschluß an den Besuch des Präsidiums beim Reichspräsidenten im Zimmer des Reichstagspräsidenten Göring stattfand. Dieser Besprechung folgte die Abfassung einer Darstellung über den Verlauf des Empfanges bei Herrn von Hindenburg. An ihr nahm auch der Rundfunkkommissar Dr. Scholz teil. Es dauerte sehr lange, bis die Herren Göring, Esser und Rauch sich über das von ihnen zu veröffentliche Kommunique einig wurden. Zuletzt war noch der nationalsozialistische Fraktionssührer Dr. Frick zu den Verhandlungen des Rumpspräsidiums erschienen. Eine neue Version über die Entwicklung der nächsten Tage im Reichstag will wissen, daß es jetzt nicht zur Auflösung kommen werde, sondern daß eher vor den Abstimmungen über die Mißtrauens- und Aufhebungsanträge eine Vertagung in der Form eintreten werde, daß dem Präsidenten die Ermächtigung erteilt wird, die nächste Sitzung einzuberufen. Es wird behauptet, daß die Hakenkreuzler, die jetzt eine Möglichkeit sehen für einen Erfolg der Verhandlungen mit dem Zentrum, die Weit>-rführung dieser Verhandlungen nicht durch Auflösung und Wahlkampf stören wollen. Ein Erfolg dieser Verhandlungen gebe ihnen schließlich die Aussicht, an die Macht zu gelangen, und sür diesen Preis will die Naziführung schon auch eine weitere Tolerierung der Regierung Papen aus sich nehmen. Dabei spielen sie sich nicht nur aus die„Wächter der Verfassung", sondern auch auf die„Retter der deutschen Sozialpolitik" hinaus und behaupten, daß das Echo der antisozialpolitischen Maßnahmen der Papen-Regierung eine Sinnesänderung beim Reichspräsidenten erzeugt habe. Demgegenüber wiederholt man offiziell, daß die gestrige Besprechung des Reichspräsidenten mit dem Reichskanzler die „volle Einmütigkeit von Neudeck" aufs neue bestätigt habe und daß Reichskanzler von Papen nach wie vor das volle Ver- trauen des Reichspräsidenten von Hindenburg besitze. Neschüher von Bombenwerfern und Mordgesellen Die Verhaftung des Rittergutsbesitzers von Perbandt auf Pomedien im ostpreußischen kreise Tapiau hat bcgreislicher- weise Aussehen erregt. Nicht nur, weil hier die Slaatsanwaltschast ohne Rücksicht aus die„soziale Stellung" des Herrn Iunkers zugegriffen hat, sondern auch weil die Verhaftung einen besonderen Blick freilegt in die Hintergründe der Nationalsozialistischen„Ar- beiter"-partei. Der verhaftete Rittergutsbesitzer betätigt sich seil längerer Zeit nationalsozialistisch. Seine Verhaftung erfolgte, weil er Nazi- Verbrechern, die seinerzeit an den Angriffen auf das Leben mehrerer politischer Persönlichkeiten und an den Bombenattentaten aus das sozialdemokratische königsberger Blatt beteiligt waren, nach vollbrachter Tat und nach der Flucht Anterschlnpf gewährt haben soll. Die Polizei war noch einer ganzen Reihe anderer an den königsberger Vorgängen mittelbar und unmittel- bar beteiligter Personen, in der Hauptsache Nationalsozialisten, aus der Spur. Durch die voreilige Veröffentlichung des Sönigsberger kommunistischen Organs in einem Extrablatt wurden die Täter jedoch gewarnt. Sie sind inzwischen aus Danziger Gebiet geflüchtet. Der Vater des verhafteten Rittergutsbesitzers hatte sich vor Jahren einen Namen als Rlufierlandwirt und Züchter gemacht. Seine beiden Söhne, darunter der jetzt in Haft ge- nommene, gehörten früher dem Stahlhelm an und haben sich dann den Nazis angeschlossen. Seitdem gelten ihre Güter Langen- dors und Pomedien als ein Zentrum der nationalsozialistischen Agi- tation. Gleichzeitig verschärften sich aber auch die Wirtschaft- lichen Schwierigkeiten aus diesen ehemaligen Musterbe- trieben ganz erheblich. Weitere Verhaftungen. Osterode(Ostpreußen), 9. September. Im Zusammenhang mit den zahlreichen Bomben- und sonstigen Anschlägen namentlich in Südostpreußen wurden drei hiesige Nationalsoziali st en festgenommen. Sie sollen vom heldensriedhos in Droebnih im kreise Osterode drei dort ausgestellte alte t5-Zenlimeter- G r a n a t e n gestohlen und bei einem An- schlag auf ein Osteroder Saushaus am 9. August verwendet haben. England für Abrüstungskompromiß? Theoretische Gleichberechtigung ohne Aufrüstung Oeutschlands Paris, 9. September.(Eigenbericht.) Ministerpräsident H e r r i o t hält am Sonntag in Meaux bei einer Gedenkfeier für die erste Marneschlacht eine große politische Rede, in der er, wie die Blätter ankündigen, auch über die schweben- den außenpolitischen Fragen und ihre Lösungen zum Besten der Sicherheit Frankreichs und der Zukunft des Friedens sprechen werde. Man wird dabei wohl zum erstenmal näheres über die Stellung- nähme der französischen Regierung zu der deutschen Militärschrift erfahren. Voraussichtlich wird sich die französische Antwort bis zur nächsten Woche verzögern. Die englische Regierung hat sich nämlich vorläufig noch nicht zu einer Gegenäußerung dazu entschließen können, obwohl Herriot seinen Kabinettschef Marcel Ray in besonderer Mission nach London geschickt hat. Der Quai dDrsay sieht sich am Freitag genötigt, eine Erklärung zu erlassen, worin er ausdrücklich betont, daß England für die französische Antwort an Deutschland keinerlei Mi.tverant- wortung trage. Diese Erklärung sei dadurch veranlaßt, erklärt des„Echo de Paris", daß England mit Frankreich keineswegs durch dick und dünn zu gehen wünsche. Macdonald in Person sei es gewesen, der den Reichskanzler noch in Lausanne ermutigt habe, die Frage der Gleichberechtigung aufzurollen. Natürlich sei England nicht gesonnen, eine Wiederaufrüstung Deutschlands zuzu- lassen, aber es schlage folgende Kompromißlösung vor: das Prinzip der Gleichberechtigung wird Deutschland zuerkannt. die Reichsregierung verpflichtet sich ober, aus dieser Auer- kennung keine praktischen Folgerungen zu ziehen und keinerlei Erhöhung der Rüstungen vorzunehmen: die ehemaligen alliierten Mächte, Frankreich in erster Linie, verpslichlen sich, greifbare Abrüstungsmaßnahmen im Sinne des Hoover-Plans durchzuführen, so hauptsächlich eine herabsehung ihrer stehenden Heere um ein Drittel, und zwischen den vertragschließenden Mächten soll ein allgemeiner Sicherheitspakt abgeschlossen werden. England hoffe, so schließt das„Echo de Paris", bei dieser Gelegen- heit endlich bei Frankreich die Abschaffung der U-Boote durchsetzen zu können. Der griechische Miniflerpröiidcnt venizelos überreichte dem Staatspräsidenten sein Rücktrittsgesuch, doch lehnte der Staats- Präsident die Annahme des Gesuches ab. Die Regierung verbleibt im Amt. Papen-Ziaufch verflogen! Oie Börse ist„verstimmt". Die Börse i st v e r st i m m t, die Spekulation gibt ab— die Kurse weichen! Der Papen-Rausch scheint an der Börse verflogen zu sein. Die heutige Börse war ausgesprochen matt, man sieht die innenpolitischen Entscheidungen, besonders die Frage der R e i ch s t a g s a u f l ö s u n g, mit gemischten Ge- fühlen an. In der schönen Suppe der Steuergeschenke hat man durch die wachwerdende Kritik auch in der bürgerlichen Presse an- scheinend ein Haar gesunden. Jedenfalls ist die Spekulation schon mehr nach unten geneigt und gibt ab. Das Geschäft war sehr uneinheitlich, und da die großen Kundenaufträge fehlen, eröffnete die Börse ihre Kursnotierungen nun gleich mit 3 bis 5 Prozent unter den gestrigen Schlußkursen. I. G. Farben war mit 192� um mehr als 3 Prozent niedriger als gestern und verschlechterte seinen Kurs noch auf 192�. Siemens eröffnete mit 138� rund 5 Prozent niedriger und verlor bis auf 138. Montanwerte waren etwas besser gehalten. Auch bei den Fest- verzinslichen ergaben sich Kursrückgänge von 1 bis 2 Prozent. Oie Verleumdungs-Echlange. Eine Erklärung der verfassungsmäßigen Staatsminister. Seitdem die verfassungsmäßige preußische Regierung gewaltsam an der Ausübung ihrer Pflichten gehindert worden, geht ein« Welle neuer Verleumdungen über das Land, ohne daß die Regierung der Kommissare dagegen etwas unternimmt. Unter anderem wird ver- sucht, der preußischen Regierung die Verwendung von Etatsmstteln zu parteipolitischen Zwecken nachzureden und man gibt sich dabei den Anschein, als stände den Verbreitern amtliches Material dafür zur Verfügung. Hierzu wird nun von der Seit« der bisherigen verfassungs- mäßigen Staatsminister solgendes erklärt: „In der„Berliner Börsenzeitung" vom 9. September und den folgenden Tagen sind Angaben des Inhalts veröffentlicht, daß Steuergelder des Reiches und des Staates, die sür Zwecke der Polizei, des Schutzes der Grenzlande und für oerwaltungspolitifche Reformen bestimmt waren, zu parteipolitischen Zwecken verwendet worden seien. Diese Angaben sind, von anderem abge- sehen, in dem wesentlich« Punkt«, dah eine Verwendung für parteipolitische Zwecke stattgefunden habe, unrichtig. Die Aus- gaben haben zur Bekämpfung von Verbrechen, zu? Abwendung von Hoch- und Landesverrat, zur Wiederherstellung geordneter und gesitteter Zustände, zur S t ä r- kung des Deutschtums und der deutschen Einigkeit, zur Abwehr von Terror und Verleumdung gedient. Parteipolitische Zwecke sind in keinem Falle verfolgt worden. Jede andere Behauptung ist eine Unwahrheit!* „Dummes Zeug." Unter dieser Ueberschrift tut der Verlag der„Rheinischen Zeitung", unseres Parteiblattes in Köln, die Verleumdung ab, die neuerdings besonders in der„Berliner Börsen-Zeitung" des Genera!» v. Stülpnagel oerbreitet wird. Der Verlag erklärt: „Die Wahlente, dah die„Rheinische Zeitung" 250900 M. aus preußischen Staatsmitteln erhalten habe, ilattert jetzt mit neuem Gefieder auf. Die schöne runde Summe, so steht es in der Rechts- presse, sei der Dachgesellschaft unserer sozialdemokratischen Zeitungs- betriebe, der Konzentration AG. in Berlin, überwiesen und von ihr an uns weitergeleitet worden. Wir bedauern aufrichtig, daß auch diese schöne Erzählung nicht stimmt. Weder von der preußischen Staatsregierung noch von der Konzentrations AG., noch leider von sonst irgend jemandem haben wir jemals eine Subvention oder einen verlorenen Zuschuß oder ein sonstige» Geschenk erhalten. Die„Rheinische Zeitung" ist auch ohne fremde Hilf« bisher liquid gewesen und hofft e» zu bleiben!" „Vuchbinder-Zeitong" verboten. Auf drei Wochen. Die Zeilschrist de« Buchbinderverbandes.„Die Buchbinder- Zeitung", ist ab sofort bis zum ZS. September einschließlich o e r b o t e n worden. Als Grund für das verbot wird ein Artikel in Ar. Z7 des vcrbondsorgans angegeben, der den Titel„Eine unmögliche Verbotsandrohung" trögt. Zn diesem Arstkel wird eine Beschimpfung der Reichsregierung gesehen. Theater im Landtag Die Aazis„untersuchen" die Vorfälle bei der Gkagerrak-Kundgebung Gauckel verbietet auch. Die AaziS ahmen Preußen nach. Gera, 9. September.(Eigenbericht.) Die„Ostthüringer Tribüne" in Gera ist heifte von dem nationalsozialistischen Innenminister Sauckel auf die Dauer von Ii Tagen verboten worden. Damit setzt offen die Macht- Politik der nationalsozialistischen Regierung in Thüringen gegen die oppositionelle sozialdemokratische Presse ein. Das Verbot wird mit kritischen Aeußerungen an den Maßnahmen des Polizeidirektocs Kehrl und an der Finanz- und Wirtschaftspolitik der Regierung Papen begründet. Gegen das außergewöhnlich lange Verbot von l4 Tagen wird sofort Beschwerde erhoben werden. Begleitmusik zuIoos. Komponiert vom braunschweigischen Landtogsprasidenten Zörner. Gegenwärtig wird auf dem Wedding ein vierseitiges Razislng- blatt verteilt, das sich„Deutschland erwache! Kampsblatt der Schaffenden" betitelt. Der Inhalt ist ganz auf den Wedding zu- geschnitten. In Steglitz, Potsdam oder Perleberg wird es bestimmt nichr durch die Türritzen gesteckt. Es trieft förmlich vor radikaler Arbeiterfreundlichkeit. Natürlich auch vor ekelhaften Lügen, z. B. daß Hermann Müller als Reichskanzler ein Iahresgehalt von 122 000 Mark bezog, während sich die Naziministcr Thüringen» mit 7000 Mark begnügten. Besonders aktuell ist aber ein kleiner Propaganda-Artikel des Rcichstagsabgeoodnctem E r n st Z ö r n e r, des Präsidenten des Braunschweigischen Landtag», in dem sür die Naziliste„Deutsche Christen" bei den bevorstehenden Kirchenwahlen Propaganda ge- macht wird. Es soll darin bewiesen werden, was die Nazis an Leistungen des„positiven Christentums" bei der Bekämpfung der weltlichen Schulen, der Erschwerung des Kirchenaustritts und der- gleichen in Braunschweig und Anhalt aufzuweisen haben. Das fängt so an: „Jahrelang ist das angeblich„a l 1 e r ch r i st l i ch st e" Z e n t r u ni in engster Zusammenarbeit mit der gottesfeindlichcn Sozialdemokratie durch dick und dünn gegangen. Trotzdem bringen diese schwarzen Heuchler es fertig, immer wieder die Behauptung aufzustellen, der Nationalsozialismus fei christen- tumsfeindlich." Das Flugblatt ist nicht etwa überholt, es ist sogar mit dem 11. September vordatiert. Man kann sich danach vorstellen, mit welcher Ausrichtigkeit die Nationalsozialisten gegenwärtig über ein gemeinsames Koalitionsprogramm mit dem Zentrum ver- handeln. Sie heucheln die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den„schwarzen Heuchlern" vor und genieren sich nicht einmal, ihre künftigen Regierungspartncr mitten während der Verhand- lungen zu beschimpfen. Sind sie erst zu Rand« gekommen, dann werden sie nur noch darauf ausgehen,„des Teufels Großmutter" zu besch— windeln. Ltnterschlagungen bei Aschinger. „Schmu"-Bons in den Vierquellen. In den„Bierquellen' der Firma Aschinger ist mar, Unter- schlagungen aus die Spur gekommen. In verschiedene» Bierquellen verübten die Angestellten die Betrügereien, ohne daß einer vom anderen etwas wußte. An anderen Stellen wußten alle davon. Die Untersuchung brachte bald zutage, daß die angestellten Kellner ihren Schwindel nur dann in Szene setzen konnten, wenn sie sich mit der Küche einig waren. Hier waren meist die Anrichterinnen oder Annonceusen mit im Bunde. Sie haben die Austräg« an die Küche weiterzugeben und die Kontrollbons aufzuspießen. Hatte ein Kellner einen„Schmuboi," fertiggeschrieben, so gab er— durch Zeichen— zu verstehen, was er in Wirklichkeit wünschte. Die„Geschäfte", die einzelnen Angestellten durch den Schm» geinacht haben, sind ganz verschieden.„Raffinierte" verdienten tag- 'ich 5 M„ andere, die es weniger gut konnten, brachten es auf 5 M. in der Woche. Für diese Beträge riskierten die Angestellten ihre Stellung! Am Freitag beschäftigte sich der sogenannte Polizei-Unter- suchungsausschuß des Preußischen Landtages mit den Vor- fällen bei der S t a g e r r a k- K u n d g e b u n g am 31. Mai in Berlin, bei der die demonstrierenden Nazis sich an der Berliner Schutzpolizei politisch wund rieben. Der Berichterstatter Engel(Nsoz.) schilderte zunächst das Auf- ziehen der Wache, die vom Linienschiff„Schlesien" gestellt war und schon von Moabit aus von einer großen Menschenmenge begleitet wurde. Di« Polizei versuchte, das Volk von der Wache abzudrängen. „Festgestellt wurde", so erklärt'Abg Engel,„daß, sobald Beifalls- lundgebungen für die Marine vorkamen, die Polizei sofort mit dem Guinmiknüppel gegen das Volt vorging." Ofsiziere hätten sogar Schießbefehle gegeben. Minister Seoering habe nichts gegen die schuldigen Beamten unternommen, obwohl selbst im Ausland kein Mensch verstanden habe, daß die deutsche Polizei so brutal gegen eine begeisterte Menge vorgegangen sei. Abg. Zürgensea(Soz.) protestiert gegen die Art dieser Bericht- erstattung, die mi! Objektivität nichts mehr zu tun habe. Eine Beratung sei gar nicht möglich, da der Ausschuß noch keine Einsicht in die Akten habe nehmen können. Auch der Berichterstatter habe die Akten noch nicht. Berichterstatter Engel: Die Akten sind angefordert, aber von der Polizei noch nicht vorgelegt worden. Hier stehen jedoch Aus- sagen gegen Aussagen. Nur aus den Aussagen der Zeugen, die zumeist gar nicht Nationalsozialisten sind, wird sich der Ausschuß ein Urteil bilden können. Abg. Dr. Hamburger(Soz.): Der Berichterstatter hat diese Sache nicht genügend vorbereitet. Der„Angriff" hat deshalb auch gestern erst einen Ausruf erlassen, e» möchten sich Zeugen melden. Abg. hinkler(Nsoz.): lieber diese Vorgänge sind zum Teil Akten gar nicht angelegt worden, zum Teil sind solsche Berichte gemacht worden. Wir haben diesen Untersuchungsausschuß nicht eingesetzt, damit Sie(nach links) ihn abwürgen.- Abg. Mehinger(Z.): Der Berichterstatter hat als erster den Austrag, die Vorarbeit zu leisten sür die Klärung der Tatbestände. die allein Sache des Ausschusses ist. Große Reden zu hal.en ist nicht Aufgabe der Ausschuhmitglieder, was wir von dem Berichterstatter gehört haben, ist nicht eine Vorarbeit, sondern eine Rede, ein Urteil. So können wir hier nicht verfahren. Zch bitte den Be- richlerstotter, Tatsachen vorzutragen und Zeugen dasür zu benennen. Abg. Daluege(Nsoz.) erklärt, die Nazis wollten endlich einmal die Methoden und die Handhabung unter die Lupe nehmen, die Sie(nach links) angewendet haben, als Sie am Ruder waren. Drei Aktenblätter sind uns vom Polizeipräsidium zur Verfügung gestellt worden, nämlich die Befehle, wieviel Mannschaften die einzelnen Dienststellen bereitzustellen hatten. Daraus ergibt sich gar nichts. Abg. Diirgensen(Soz.) betont, daß die Kommandeurbesprechung bei Heimannsberg mit dem Skagerrakfall gar nichts zu tun habe. Dabei kommt es zu einem erregten Wortwechsel mit den Nationalsozialisten, weil der Redner dem Abg. Daluege nicht das Prädikat„Herr" zubilligt. Iürgensen erwidert darauf, dann müßten die Nationalsozialisten die Sozialdemokraten mit Herr anreden, ebenso die Zeugen, auch wenn sie nur einfache Wachtmeister seien! Abg. Frau Zigahl(Z.): Dieser Ausschuß hat nur die Wahr- heit zu suchen. Damit die Methoden des Ausschusses in den Augen der Oefsentlichkeit nicht verfälscht werden, bitte ich, daß der Bericht- erstatter sich der größten Objektivität befleißigt und nicht ein Urteil vorwegnimmt. Abg. Borck(Dnat): Der Berichterstatter hat seinen Bericht eben so gegeben, wie er dazu in der Lage war. Ich bin über den Vorgang auch nicht so unterrichtet, wie der Berichterstatter von den Mitgliedern des Ausschusses anzunehmen scheint. Wenn aber der Berichterstatter glaubt, er könne weiteres Material nicht bekommen, so ist es das beste, jetzt in die Zeugenvernehmung einzutreten. Berichterstatter Engel(Natsoz.j: Minister Seoering hat sich geweigert, Zeugen zu vernehmen, die ihm genannt wurden. hier vor dem Ausschuß aber gibt es für die Polizeiburschen, von Heimannsberg angefangen, keine Gnade, hier wird einmal ganze Arbeit gemacht. (Große Unruhe bei den Soz. und dem Zentrum.) Wir haben als Ankläger unser Material in unserem Antrag niedergelegt und die Grzesinski, Heiniannsberg usw. sind die?lngeklagten.(Zurufe bei den Sog. und dem Zentrum: Angeklagtegibteshier nicht!) Der Berichterstatter verliest dann einen langen Brief eines Augen- zeugen über das Vorgehen gegen die Demonstranten beim Aüiziehen der Skagerrakwach«. Er fragt im Anschluß daran: Soll ich all diese zahllosen Briefe und Berichte vorlesen? Vors. Schwenk(Komm.) läßt nunmehr den nationalsozialistischen Antrag verteilen und gibt bekannt, daß das Ministerium des Innern in einigen Minuten weitere Akten schicken wolle. Dann schlägt er vor, zunächst die anwesenden Posizeibeamten zu vernehmen. Abg. Iürgensen(Soz.): Wer hier vernommen wird, darf aber nur als Zeuge behandelt werden, nicht als Angeklagter oder Kläger. Vors. Schwenk: Das ist selbstverständlich. Als nunmehr 25 Polizeibeamte, an ihrer Spitze Major Schmerbeck, aufmarschieren, macht sich ein Phtotgraph bereit zur Aufnahme. Abg. M e tz i n g e r(Z.) protestiert dagegen: Ich sehe wieder das unwürdige Schauspiel, daß das photographische Objektiv auf die Polizeibeamten gerichtet wird wie gestern, sobald sie im Saale erscheinen. Dieses Photographieren hat einen politisch e-n Zweck. Ich beantrage, es zu ver- bieten.(Zuruf bep den Nationalsozialisten: Meckerei!) Abg. Dr. homburger(Soz.): Dazu bedarf es keines Beschlusses, sondern nur einer Anweisung des Vorsitzenden. Abg. Daluege(Natsoz): Wenn Herr Metzinger solche Aus- führungen in Gegenwart der Polizeibeamten macht, verfolgt er damit einen bestimmten Zweck. Wir wollen nur den Ausschuß photographieren.(Große Erregung im ganzen Saale.) Kätsel um Frauenmord. Die Feststellungen in der Wohnung. Durch die schnelle Rückkehr des llnlermieler» Dr. PZonlrup konnte die Kriminalpolizei in der Wohnung der Ermordelen wich ige Zeststellungen machen, die für die weitere Untersuchung von großer Bedeutung sind. D'e Feststellungen in der Wohnung zogen sich bis in die späten Rachtslunden hin. Außer Kleidungsstücken nahm der Mörder eine Remington-Reiseschreibmaschine mit. einen Hirschfänger mit hirjchhorngriss, etwa ZU Zentimeter lang. Alles verpackle er in einen dunkelbraunen Glanzlederkoffer von 80 mal 50 Zentimeter Größe. Der Mörder l'eß bekanntlich ein blutiges Smokinzjackeck zurück, dos den Firmenstempel„Karl Speiser, Stultgort". tragt. Für die Mordkommission ist es von größter Wichtigkeit, wenn sich die Hausfrau melden wollte, die eventuell diese Jacke an einen Bettler verschenkt hat. Sie könnte der Kriminal- Polizei zweisellos wertvolle Fingerzeige geben. Die Annahm«, daß sich der Mörder in der Wohnung aufgehalten hat, erfährt weiter in der Tatsache ihre Bestärkung, daß das Bett noch nicht in Ord- nung gebracht worden war. Es ist wohl möglich, daß er in diesen« Bett geschlafen hat. Bei dein Kampf hat 0«r Mörder Ver- letzungen davongetragen, die er mit Leukoplast ver- band. Bei Nachbarn in den Nebenhäusern, in beimchbarten Lokalen, überall wurde nachgesragt, ob ein Mann mit Reiseschreibmaschine, dunkelbraunem Kofser und mit Leukoplast, entweder a» den Händen oder im Gesicht, gesehen worden sei. Bisher war di« Nachfrage leider ohne Erfolg, linier Hiniveis auf die Belohnung von 1000 Mark werden alle Personen, die irgendwelche Angaben machen können, gebeten, sich bei der Mordkommission im Zimmer 134 zu melden. Auch Frl. H., eine andere Mieterin, di« vor fünf Tagen verreist ist, wurde befragt. Leider konnte auch sie keine wichtigen Angaben machen, da sie das Zimmer ebenfalls nur vorübergehend für ihren Berliner Aufenthalt gemietet hatte. Attentat auf I�-Bahnzug. Oer Zugführer leicht verleht. Auf einen in Richtung Pankow fahrenden ll-?ahnzug wurde gestern zwischen den Stalionen Sencselder Platz und Vanzlger Straße ein Anschlag verübl. Gegen N Ahr abends wurde gegen einen in Richtung Pankow fahrenden Zug an der Stelle, wo er aus dem Tunnel heraustritt, um die Rampe zum Hochbahnhof Vanzlger Straße hinaufzufahren, ein Sondpaket geschleudert, das die Stirnscheiben am Führerstand des ersten wogen» zertrümmerte. Der Zugführer wurde durch Glossplitter leicht verletzt, konnte aber den Zug ungehindert bis zur Endstation weiterführen, von dem oder den Tätern fehlt bisher jede Spur. Man nimmt an. daß es sich um einen Dummenjungenstreich handelt. Lm planterwald niedergeschossen. • lleberfall auf einen jungen Mann. Mit der Ausklärung eine» seltsamen Ueberfalles beschäf- ligt sich die Kriminalpolizei. Kurz nach Mitlernacht ertönte im P l ä n t e r w a l d in der Nähe von Alt-Treptow die Detonation eines Schusses. Einige Zeit später fanden nächtlich« Spaziergänger am Rande eines Weges einen jungen Mann mit einer blutenden Kopfverletzung be- wußtlo« auf. Die alarmierte Polizei schafft« den Bewußtlosen in; Bethanien-Krankenhaus, wo ein schwerer Kvpfsteckfchuß festgestellt wurde. Wie au» vorgeiundenen Papieren ermittelt wurde, handelt es sich um einen 21 Jahr« alten Laustnirfchen Alwin Richter aus der Boppstraße 9 in Berlin SO. Allem Anscheine nach ist R. über- fallen worden. Der Angeschossene konnte wegen feines Zufrandes noch nicht vernommen werden. Llnter Kohlenmaffen begraben. Vier Vergleute umgekommen. Gl ei wich, 9. September.(Eigenbericht.) In den gestrigen Abendstunden ereignete sich auf dem Richthofen-Schacht der Giefe Aktiengesellschaft bei Janow eine schwere E i n st u r z k a t a st r o P h c. Auf der 450- Meter-Sohle stürzten große Kohlenmassen ein und be- gruben vier Bergleute. Sämtliche Bergleute sind tot. Tie Rettung gestaltete sich insofern schwierig, als eine große Strecke von der Kohle bedeckt ist. Tie Detonation war in der weiteren Umgebung von Gleiwitz zu hören. Bergung der Toten sehr schwierig. Den Rettungsmanisichaften auf dem Richthofen-Schacht bei Janow ist ez nach großen Anstrengungen gelungen, sich auf acht Meter an die Bruchstelle heranzuarbeiten. Nachdem ein Teil des niedergebrochenen Gesteins weggeräumt ist, hat man sich daran- geinacht, einen jchinalen Stollen vorzutreiben, ujn an die Unglücks- stelle heranzukommen. Da man nur schrittweise vorwärts kommt, dürfte die Bergung der Toten nicht vor zwei bis drei Tagen erfolgen können. Zwei Artisten abgestürzt. In einer Freiluftarena ereignete sich ein schwerer Unfall, bei dem zwei Artisten erhebliche Berletzungen davontrugen. In der Jordanstraße in Spandau, nahe der Pichelsdorfer Straße, befindet sich seit einiger Zeit eine Freiluftarena, bei der u. a. auch artistische Vorführungen an einem 14 Meter hohen Mastbaum gezeigt werden. Aus bisher ungeklärter Ursache stürzten gestern abend gegen %10 Uhr während der Vorstellung zwei Artisten ab, und zwar der 25 Jahre alte Erwin G o ß l a u aus der Hermannftr. 177 in Neu- kölln und der 31 Jahre alte Karl Eger, der in der Kolonie Westend in Eharlottenburg wohnt. Beide wurden mit einem Rettungswagen in das Spandauer Krankenhaus gebrocht, wo sie mir Gehirnerschütterungen und schweren Armbrüchen danieder- liegen. Oer angebliche Kriegsgefangene. Als Schwindler entlarvt. Freiburg i. Br.,-8. September.(Eigenbericht) Das gemeldete Auftauchen eines gewissen Eugen Fischer in Sigmaringen und seine Angaben über die angebliche Zu- rllckhaltung deutscher Kriegsgefangener in Sibirien haben eine rasche Aufklärung gefunden. Fischer konnte auf Grund von Nachfor- schungen in seinem Heimatort Amoltern am Kaiserstuhl rasch a l s Schwindler entlarvt werden. Er stand unter Vormund- schaft und war von Kind auf schon nicht ganz zurechnungsfähig. Seine Gefichtsverletzung stammt nicht von einem Schuß, sondern von einem früheren Kieferbruch her. Naiionalkonzentnerter Funkbetrieb Die politische Wandlung des Reichsrundfunkkommissars Wir berichteten heute morgen bereits kurz über das Urteil, das vom Arbeitsgericht in Sachen Kürschner-Funtstunde gefällt wurde. Der persönliche Streitfall des Leiters der aktuellen Abteilung Kürschner gegen die Funkstunde ist mit der Verurteilung der Funk- stunde zum Abschluß gekommen. Die Verhandlung ergab ein aufschlußreiches Bild von dem Wirken des Reichsrundfunkkommissars Erich Scholz, der sich bemüht, alle Wünsche der Nazis zu erfüllen. Auf seinen Wunsch mußte die Funkstunde Dr. Kürschner entlassen. Am 13. August wurde Dr. Kürschner entlassen und mit sosortiger Wirkung beurlaubti am 6. September endlich erfuhr er, woraus die Funkstunde diese Entlassung vor Gericht zu stützen gedachte. Dr. Kürschner, so wurde von der Funkstunde erklärt, sei als Ausländer nicht geeignet, an der beabsichtigten Neugestaltung des Rundfunks mitzuarbeiten, die, nach den Worten des Reichskanzlers von Popen, ihn mehr als bisher zum Mittler deutscher, christlicher Kultur und deutschen Geistes machen solle. Der Rundfunk sei ein politischer Tendenzbetrieb. Dr. Kürschner setzte sich�egen diese Argumente lebhaft zur Wehr. Er erklärte vor Gericht, daß er in Budapest geboren sei, aber seit seinem 13. Jahre in Berlin lebe. Vor anderthalb Jahren wurde er hier naturalisiert. Sein Kollege und Nachfolger, der Ratio- nalsozialist Arnold Bronner(genannt Bronnen, jüdisch« Her- kunfts, sei bis heute noch Oesterreicher: er hatte im Kriege übrigens mit ihm im gleichen Regiment gestanden. Dr. Kürschner erinnerte weiter daran, daß z. B. D r. Klein, der Chefredakteur der„DAZ.", dem von dem nationalkonzentrierten Kabinett von Pape» dreimal ohne Erfolg die Stellung des Reichs- Pressechefs offeriert worden ist, nicht nur gebürtiger Budapester sei, sondern daß er sich lange Zeit seine journalistischen Lorbeeren als Schriftsteller in ungarischer Sprache erobert habe. Dr. Kürschner legte nun dar, daß er mit weitherzigster Ob- jcktivität nach rechts(mit viel zu weitherziger sogar! D. Red.) sein Amt verwaltet habe. Bei dieser Darlegung entrollte er ein Bild des Entwicklungsganges des Reichsrundfunkkommissars, das für die deutsche Rundfunkhörergemeinschast durchaus kennenswert ist. Als Herr Scholz unter Minister Severing noch Ministerialrat war, zeigte er sich außerordentlich eifrig, den Rundfunk und den Staat gegen die Nationalsozialisten zu schützen. Der Ministerialrat Scholz war es— so sagte Kürschner aus—, der noch vor wenigen Monaten die Wiederholung jener Rede Brünings veranlaßt«, in der dem Chefredakteur des„Völkischen Beobachters", Alfred Rosenberg, vorgeworfen wurde, daß er 1918 noch gar nicht entdeckt hatte, welches sein Vaterland sei; Ministerialrat Scholz verfaßte in dem politischen Klima jener Tage auch eine recht unfreundliche Ab- lehnung an den„Führer" Adolf Hitler, als dieser im Rundfunk zu reden wünschte: Ministerialrat Scholz stimmte auch für einen Vortrag, der mit den österreichischen Nationalsozialisten ab- rechnete. Als Scholz Nationalsoziali st und Rundfunk- kommissar geworden war, setzte unter seiner Führung nicht nur eine rege Tätigkeit zur kulturellen Hebung des Rundsunknioeaus, sondern auch eine entsprechende zur Senkung der Unkosten ein. Zwar war neben den Kommissar des Reichspostministeriums Herr Erich Scholz als zweiter Reichskommissar mit dem entsprechen- den Gehalt eingeschaltet worden. Um jedoch die gebotenen Spar- maßnahmen keinesfalls außeracht zu lassen, wurde ein dritter Kom- missar als Sparkommissar dem Betrieb eingefügt. Als Stab von Herrn Scholz kamen ebenfalls drei neue Männer— Krukenberg, Beumelburg und Stapelfield— in den Rundfunkbetrieb. Dr. F l e s ch, der noch für zwei Jahre gemäß seinem Vertrag sein Gehalt weiterbezieht, wurde durch einen anderen Intendanten ersetzt. Die bis Mitte August von Dr. Kürschner betreute„Aktuelle Abteilung" werde jetzt von dem Nationalsozialisten Arnolt Bronnen und einem Stahlhelmmann verwaltet. Das Gericht hat der Klage Kürschners stattgegeben. Die Funkstunde hat noch drei Monatsgehälter, zusammen 3990 Mark, an Kürschner zu zahlen, außerdem hat sie die Kosten des Rechtsstreits zu tragen. Die Kosten für den Prozeß zahlt die Funkstunde? Die Kasten für den Rundfunk zahlen die Hörer. Reichsrundsunkkommissar Pg. Scholz wirtschaftet mit ihren Geldern! Für diesen Prozeß ober müssen wir ihm dankbar sein. Wir verdanken ihm eine eindrucke- volle Röntgenaufnahme des heutigen Betriebes des nationalsozia- listischen Rundsunks! Tes. Goethe über Gerechtigkeit. Ein Beitrag zum Goethe-Iahr. Gerechtigkeit!— Was alle Menschen lieben, Was alle fordern, wünschen, schwer entbehren, Es liegt an ihm, dem Volt es zu gewähren. Doch ach! Was hilft dem Menschengeist Verstand, Dem Herzen Güte, Willigkeit der Hand, Wenn's i i e b e r h a f t durchaus im Staate wütet, Und Uebel sich in Uebcln überbrütet. Wer schaut hinab von diesem hohen Raum Ins weite Reich, ihm scheint's ein schwerer Traum, Wo Mißgestalt in Mißgestalten schaltet, Das Ungesetz gesetzlich llberwaltct, Und eine Welt des Irrtums sich entfaltet Jetzt drängen Kläger sich zur Halle, Der Richter prunkt auf hohem Pfühl, Indessen wogt in grimmgem Schwalle Des Aufruhrs wachsendes Gewühl. Der darf auf Schand' und Frevel pochen, Der aus Mitschuldigste sich stützt. Und: Schuldig! hörst du ausgesprochen, wo Unschuld nur sich selber schützt. Faust II. Teil. Gtaaisrai gegen Reichskommissar. Ein Protest gegen den Gewaltakt. Im Preußischen Staatsrat stand der folgende Antrag des Ver- faffungs- und Hauptausschusses zur gegenwärtigen staatsrechtlichen Lage in Preußen zur Entscheidung: „Der Staatsrat ist der Aussassung, daß die Verordnung des Reichspräsidenten über die Einsetzung eines Reichskommisfars für Jedem sein Prinz! Hugenberg-„Königliche Hoheit, lassen«Sie den Goebbels stehen, der ist ja so'n gemeiner Hetzer, der »st höchstens was für den Auwi." das Land Preußen vom 29. Juli 1932 und ihre Anwendung, insbesondere die Enthebung des preußischen Ministerpräsidenten und der preußischen Staatsminister von ihren Aemtern und von der Führung der lausenden Geschäfte mit der Reichsver- fassung und der preußischen Versassung nicht im Einklana steht. Da die Entscheidung dieser verfassungsrechtlichen Frage vom Staaisgerichtshos erst in einiger Zeit zu erwarten ist, wird der Staalsrat die ihm von der kommissarischen Stoatsregiemng auf Grund des Art. 19 der preußischen Verfassung zugeleiteten Vor- lagen sachlich bearbeiten, ohne dadurch deren Rechtsgültigkeit anzuerkennen." Zu diesem Antrage gab die sozialdemokratische Fraktion des Staatsrats folgende Erklärung ab: „Die Vorgänge vom 29. Juli 1932 stellen nach unserer Aus- fassung einen in der Versassungsgeschichte des Deutschen Reiches und Preußens beispiellosen Gewaltakt dar. Weder die Vorschrift des Artikels 18 Abs. 1 der Reichsversassung noch die Vorschrift des Artikels 18 Abs. 2 der Reichsversassung kann zur Begründung dieses Vorgehens herangezogen werden. Eine Pflichtverletzung des Landes Preußen, die Artikel 18 Abs. 1 zur Voraussetzung einer Reichsexekution macht, läge selbst dann nicht vor, wenn man die Tatsachen als wahr unterstellen wollt«, die der Reichskanzler von Papen in seiner Rundfunkrede vom 29. Juli zur Begründung des Vorgehens gegen Preußen angeführt hat. Aber die Behauptungen dieser Rundfunkrede über angebliche Verfehlungen einzelner preußischer Beamten sind nach unserer Kenntnis der Dinge durchweg unrichtig. Die Vorschrift des Artikels 18 Abs. 2 der Reichsverfassung kann gleichsolls eine verfassungsmäßig« Grundlage für das Vorgehen gegen Preußen nicht geben. In keinem Falle können auf Grund des Artikels 18 Abs. 2 die preußischen Staotsminister ihrer Funk- tionen entkleidet werden, in keinem Falle kann aus Grund dieser Vorschrift in das Verhältnis von preußischer Staatsregierung zum Preußischen Landtag ur>d Staatsrat und in die Stimmverhältnisse im Reichsrat eingegrissen werden. Das ist die nahezu einmütige Auffassung der maßgebenden Rechtslehrer. Mit Rücksicht hieraus kann die sozialdemokratisch« Fraktion des Staatsrats dem Reichskommisjar nicht die Befugnis zugestehen, an Stelle der preußischen Staatsregierung zu handeln. Sie behält sich jedoch vor, auf Grund der Tatsache, daß der Reichskommissar zur Zeit den gesamten Slusgabenkreise des preußischen Minister- Präsidenten und des Ministers des Innern sür sich in Anspruch nimmt, je nach Bedarf tatsächliche Auskünste von ihm zu verlangen." Der Antrag, der von Sozialdemokraten. Zentrum und Staats- Partei gestellt war, wurde gegen die Rechte und die Kommunisten angenommen. � wegen Teilnahme am Ansikriegskongreß in Amsterdam trotz verbot haben die ironzösischen sozialistischen Abgg. Planche und Mannet vom Parteivorstand einen öffentlichen Tadel ausge- sprachen erhalten. Ghaw:„Pygmalion." Lessing-Theater. Das Experiment, die kleine plebejische Blumenhändlerin zur Lady zu dressieren, gelingt dem Professor Higgins vollkommen. Aber nun hat das Mädchen auch gelernt, aus eigenem Herzen und Ver- stand zu reden. Higgins- will das Juwel, das er entdeckte, zum Spielzeug, und sie sagt nein. Sagte sie ja, dann wäre die Komödie ein sentimentaler Schmarren. Und sie soll doch mehr sein, beweisen soll sie, daß bei einiger Behaglichkeit aus Plebejern auch echte Aristokraten werden können. Unbedingt! Doolittle, der Müllkutscher und Dater, widerlegt die beinahe einleuchtende Erfahrung. Auch e r erhält die Behaglichkeit und 3999 Pfund Jahresrente. Und er bleibt trotz Bratenrock, Zy- linderhut und Glaces das Lümplein. Und er spuckt immer lustig weiter auf alles, was Monier, Moral und ähnlicher Luxus ist. Ist der Plebs also doch nur mit der Zange anzufassen? Keine Flausen, wehrt Shaw ob. Es gibt Plebs oben, es gibt Plebs unten. Plebs ist auch Higgins, der kleinen Eliza Dresseur. Er wird erst Aristokrat sein, wenn er von seinen dressierten Aristokraten dos wahre Aristokratentum erlernt. Bei Shaw sind häusig die armen Leute klüger und gefühlvoller und wohlhabender als die Wohlhabenden. Oder sind die Nabeln komisch, dann nur unfreiwillig, oder fühlen sie richtig, dann müssen sie von den anderen, die leider kein Scheckbuch haben, erst ein bißchen Seele borgen. Das ist Chaws Genugtuung, über die er sich amüsiert, mit der er uns auch heute noch amüsiert. Er verwandelt den korrektesten Salon in ein Irrenhaus, gar in ein« Spelunke. Dagegen wirken alle feine Spelunken und Spitzbuben verblüffend erzieherisch und veredelnd. Wird Shaw, der witzige Faun, noch lange in unsere Zeit passen, die um jeden Preis das seine Gelächter verlernen und nur pathetisch feixen oder hämisch grinsen, oder patriotisch slennen, oder unduld- sam heulen möchte? Schon begreifen ihn selbst die guten Schau- spieler gar nicht mehr ordentlich. Aus seiner Komödie machen sie eine Reihe von Skerschen. Sie denken sich nichts Böses dabei, wenn sie faustdick auftragen und damit zu erkennen geben, daß dieser geist- reich« Unsinn für sie gar keinen tieferen Sinn hat. Frau Grete Mosheim sündigt aus gutem Glauben. Sie spielt als Blumenmädchen an der Ecke mehr Tingeltangel als Theater. Erst allmählich findet sie sich in das graziösere Spiel, bis sie dann zum Schluß ihre Mittel vorsichtiger disponiert und zu ent- zückender Einfachheit gelangt. H o m o l k a, der den Menschen- dresseur Higgins, den bestraften Egoisten, spielt, bietet aus seinem Grundirrtum heraus zuviel des Tölpischen. Er soll ein ungefüger Pedant sein, doch er macht sich zum ungeschlachten Jobber. Homolka, der auch Regie führt, donnert sogar den Effekt für die Maske seiner Künstler auf. Frau Olga Engl hat eine von den prüden Haus- Hälterinnen zu spielen, die Shaw so gerne zeichnet. Sie sind eigcnt- lich ganz gemütliche Sittengendarmen. Stößels zerlumpter Vater leidet auch darunter, daß die Virtuosität eher aufs Grobe als aufs Satirische drückt. Zuviel mimischer Krampf, zu wenig durchgefeilte Kunst des Jonglierens mit Worten ist spürbar. dlax Hachdorl. „Othello" in der Gtaatsoper. „War es denn wirklich nötig/ diese Spielzeit mit„Othello" zu beginnen"— so tönt es lieblich von rechts, wo man wieder einmal dabei ist, unsere deutschen Meister aus deutsche Art zu ehren, sie dadurch zu erhöhen, daß man ihre fremdländischen Kollegen miß- versteht, herabsetzt, schmäht: wo man an der Arbeit ist, den wahren Reichtum der viel zitierten deutschen Seele(der von je im Auf- geschlossensein der Schönheit aller Welt bestand) in engherzige Dürftigkeit und Armut zu verwandeln... Ja, es war nötig, es war schön, daß mit„Othello" angefangen wurde Es gibt kein Werk, in dem sich alle Kräste und Herrlich- keiten der Oper und des Dramas glücklicher vermählen: es gibt keins, das die ganze sinnliche Glut südlicher Jugend mit der reifen Weis- heit erfahrener Meisterschaft vollkommener eint— und gäbe es eins: es mühte vom alten Verdi stammen Wer diesen letzten Akt nicht liebt in seiner unheimlich eindrucksvollen Schwarzweihtechnik, wem bei Othellos Klage:„Jeder Knabe kann dies Schwert mir entreißen" das schmerzensreiche Glück der großen Kunst versagt ist— der bilde sich nicht ein, darum ein besserer Deutscher zu sein: er ist bloß ein armer Narr. Die Aufführung, die etwas matt begann, wuchs zusehends von Akt zu Akt. Fritz W o l f f s„Othello" ist in Kraft und Ausdruck eine großartige, sich immer reicher erfüllende Leistung: die Heidersbach freilich ist bei allem schönen Singen eine recht farblose Desdemona. Janssen? Jago war im Charakter der Rolle völlig verfehlt: kein großer Schurke, ein Theaterbösewicht, kein Mephisto, ein kleiner dummer Teufel nur: stimmlich allerdings hatte er große Momente, das„Credo" glückte ihm in ausgezeichneter Steigerung. Am Pult Kleiber, der dramatische Wucht und bloßen Lärm immer konsequenter und peinlicher zu verwechseln fort- fährt und den Sängern manche überflüssige Schwierigkeiten bereitet. A.W. Deutsche christliche Kultur. Rundfunk gegen Gerhart Hauptmann. Die Sonntagsstunden im Programm der Berliner Funkstunde, in denen Alfred Kerr wissend und weise die Hörer durch die großen und kleinen Geschehnisse unserer Zeit führte, sind verschwunden, seitdem Pg. Scholz sür die Freiherrnregierung und seine aufbau- willigen Parteigenossen den Rundfunk verwaltet. Die Form dieser Darbietungen hat die Deutsche Welle übernommen mit dem Zyklus „Für und wider; Wegweiser durch die Zei t", dessen Sprecher Dr. Rudolf P r e ch e l ist. Sein„Wegweiser" gibt dem deutschen Republikaner keine Richtung an: er zeigt mit fröhlicher Klarheit ins Dritte Reich. Immerhin hat Herr Dr. Prechel es nicht verschmäht, den Auf- bau seiner Vorträge von Alfred Kerr zu übernehmen:„Ich sprach von... und von... und von:.. Ja, wovon sprach er an diesem Donnerstag? Von dem schauderhaften Verdacht, den die politisch Linken verbreitet hätten, daß nationale Gesinnung und Geistigkeit einander ausschlössen, und der denn auch wahrhaftig zu einem Minderwertigkeitskomplex bei allen anderen Parteien bis ins äußerste rechte Lager geführt hätte. Bon ihnen nun erwartet Herr Prechel eine Erneuerung des Kunstschaffens, und da er vor- läufig mit Literaturerneuerern nicht aufwarten konnte, empfahl er wenigstens den nationalsozialistischen Geiger Gustav Havemann. Und dann bekam von diesem„zeitgemäßen" Rundsunkredner Gerhart Hauptmann«ins auf den Kopf: er habe sich von der Lebensmitte des deutschen Volkes entfernt; denn„zu willig hat er sich von einem Teil sür sich reklamieren lassen". Jawohl— von dem republikanischen Teil Deutschlands. Der Nazi-Freiherrn-Rundfunk empfindet diesen Dichter, der noch dazu weltberühmt ist, begreis- licherwcise als«ine recht störende Erscheinung. Um die nationalsozialistische Seele rang, ebenfalls im Pro- gramm der Deutschen Welle, Psarrer Henneberger. Nebenher kam dabei ein« hübsche Werberede für die Nationalsozialisten her- aus, denen zwar Alfred Rasenberg eine arteigene nordische Re- ligion predigt, denen aber gleichzeitig ihr„Führer" Hitler befiehlt, auf dem Boden des positiven Christentums zu stehen. Der Herr Pfarrer fand diese„bedeutsamen Erklärungen" Hitlers überzeugend und begeisterte sich also herzlich für die Kräfte völkischen Wollens und völkischer Weltanschauung der machtvoll aufsteigenden national- sozialistischen Bewegung. Die christlich-deutsche Kultur, die Herr v. Papen vom Rundfunk forderte, macht täglich Fortschritte.— lr. 200 000 obdachlose Sinder— in USA.! Nach Statistiken, die von der amerikanischen Regierung veröffentlicht wurden, gibt es zur Zeit in den Vereinigten Staaten 299 999 Kinder ohne Obdach, die wähl- und ziellos kreuz und quer durch das Land irren und zu einer schweren sozialen Gefahr zu wenden drohen. Ehrensäule sür Piccard. Auf Anregung Marconis soll in Italien an der unweit Ntantua gelegenen Stelle, wo am 18. August Piccards Gondel landete, eine hohe Marmorsäule errichtet werden, auf der die Namen Piccards und seines Begleiters, die erreichte Höhe des Stratosphärenflugs, Tag und Stunde der Landung und der Name der Ortschajt, zu der die Landungsstelle gehört(Monzam- bano), verzeichnet werden sollen. „Kamps um Kitsch" im Ausland.„Kamps um Kitsch", das erfolgreiche Schulslück von Robert Adolf Stemmte, wurde in der vergangenen Spiel- ,eit von 36 Bühnen ausgeführt. Fn den nächsten Monaten wird das Stück in Paris, Berlin, in Holland und in der Tschechoslowakei aufgeführt werden. Tie Erössnungsvorstellung der Boltsöühnc:„Der Revisor", unter der künstlerischen Leitung Hein, Hilperts, findet Montag, 8 Uhr. statt. „Willi Schacffers Kabarett für Alle" im Femina-Palast veranstaltet Sonntag, 12 Uhr. eine erste Morgenfeier. Die Jutta-Klamt-Schulc wird mit neuen rhythmischen und Bewegungstänzen vor die Oessentlichkcit treten. Konirotte der Gewerkschastspresse. Eine neue Verwarnung. Der Verwarnung der„Buchbinder-Zeitung" ist jetzt eine Ver- Warnung an den Redakteur des Nachrichtendienstes der Ortsgruppe Berlin der Reichsgewerkschaft Deutscher Kam- munalbeamten im Gesamtverband gefolgt. In dem Artikel vom 1. August:„Unter dem Belagerungszustand" sei dem Reichsprüsi- denten und der Reichsregierung der Vorwurf des verfassungs- widrigen Handelns gemacht. Darin wird eine Beschimpfung und böswillige Verächtlichmachung erblickt, die ein Verbot recht- fertigen würde. Der Berliner Polizeipräsident ließ es aber dies- mal noch mit einer nachdrücklichen Verwarnung bewenden, im Wiederholungsfalle sei jedoch mit einem längeren Verbot zu rechnen. herrschte in der Funktionärversammlung darüber, daß der Kampf- ansage gehörig begegnet werden muß. Für die Angestellten des'Einzelhandels aber ist es die höchste Zeit, daß sie sich auf ihre Klafsenlage besinnen und durch einen strafferen orga- nisatorischen Zusammenschluß die Voraussetzungen schaffen helfen, die zum erfolgversprechenden Kampf gegen das Unternehmertum notwendig sind. Zieht die 400-Mark-prämie? Die ersten Neueinstellungen in Remscheid. Die Verwaltung des Alexanderwerkes von der Nahmer A.-G., die seinerzeit rund 400 Arbeiter und Angestellte enl- lassen hatte, hat seht„nach Räumung der großen Lagervorräte" ZZv Arbeiter wieder eingestellt. Die Kampsansage im Einzelhandel. Stellungnahme der Funktionäre des ZdA. Die Kündigung des Mantel- und Gehaltstarises durch den Arbeitgebervcrband im Berliner Einzelhandel zum 30. September war Gegenstand der Beratung einer Konferenz, die der Zentral- verband der Angestellten am Donnerstag für die Funktionär« der Fachgruppe Einzelhandel«inberufen hatte. Bei den Unternehmern herrscht offenbar noch keine Klarheit darüber, was sie alles an Abbauforderungen aufstellen sollen, denn noch waren dem ZdA. keine„Wünsche" der Herren des Einzelhandels übermittelt worden. Diese abwartende Haltung der Einzelhändler mag nicht zuletzt auch in der Notverordnung vom 5. September begründet sein, die den Unternehmern bei einer Verkürzung der Arbeitszeit und Der Neueinstellung von Angestellten«in Unter- schreiten der Tarifgehälter bis zu 50 Proj. gestattet. Der Fachgruppenleiter, Genosse B a r t e l, wies an mehreren Beispielen nach, daß die Kauf- und Warenhäuser noch einen ganz ansehnlichen Betrag von der jetzigen Gehaltssumme einsparen wür- den, wenn sie die Arbeitszeit auf 40 Stunden verkürzen und Neuein st ellungen vornehmen. Daß die Kauf- und Warenhausbesitzer von diesem Recht Gebrauch machen werden, ist ohne Zweifel, denn sie haben ja in der letzten Zeit sogar entgegen den tariflichen Bestimmungen Herabgruppierungen von An» g e st e l l t e n vorgenommen zum Zweck« des Gehaltsdruckes und somit nach ihrem freien Ermessen eine„Tarifauflockerung" durch- geführt. Die Einzelhän-dler sind eine eigenartige Sorte von Unter- nehmern. Sie bekommen es fertig, nach außen für die Erhaltung der Kauskrast der Massen und gegen den schematischen Lohnabbau einzutreten, aber ihren Ange st eilten gegen- über spielen sie sich in der Gehaltspolitik als die reaktionärsten Scharfmacher auf. Der Arbeitgeberoerband im Berliner Einzel- Handel ist die einzige größere Unternehmerorganisation in Berlin, die von der Kündigungsmöglichkeit Gebrauch gemacht hat. Schon diese Tatsache kennzeichnet den reaktionären Geist in diesem Unternehmerverband zur Genüge. Die Funktionäre gaben ihrer Empörung über das Vorgehen der Einzelhändler in scharfen Worten Ausdruck. Uebereinstimmung Oie Aot bis in die Kirche gedrungen. Der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchenausschusses hat an den Reichskanzler ein Schreiben gerichtet, in dem auf die durch die Kürzung der Renten verursachte ungeheure Verschärfung der Rot hingewiesen und Abhilfe verlangt wird. „Vor allem in den Industriestädten", so heißt es in dem Schreiben,„haben die evangelischen Pfarrer im Norden und Süden des Reiches in ihrer seelsorglichen Tätigkeit einen erschütternden Ein- druck von der bis zur Unerträglichkeit gesteigerten Not der ver- schiedenen Gruppen der Rentenempfänger empfangen." Wir werden bald sehen, in welcher Weise die verlangte Abhilfe herbeigeführt wird._ Oer englische Textilarbeiterstreik. Streikabstimmung der Baumwollspinner. Von den 200 000 Webern stehen jetzt etwa 1 70 000 im Streik. Durch den Weberstreik werden auch die Spinnerei- betriebe in Mitleidenschast gezogen, so daß etwa 10 Proz. der Spinnereiarbeiter zur Untätigkeit gezwungen sind. Jetzt fällt die Entscheidung der Baumwoll- s p i n n e r, ob auch sie in den Generalstreik eintreten, um die Lohn- kürzung zu bekämpfen. Die Unternehmer haben die Einladung des Arbeitsministers zu Besprechungen angenommen. Da das System der Kollektiv- Verhandlungen für die gesamte Weberei sich in den letzten drei Jahren als erfolglos gezeigt habe, will der Arbeitsminister die Einsetzung besonderer Kommissionen vor- schlagen. Od die Gewerkschaften auf diesen Vorschlag eingehen, ist noch sehr fraglich._ Klärung in Norwegen. Bruch mit der Moskauer Richtung. In Norwegen hatte die russische Gewerkschastsinternationale geraume Zeit starken Einfluß. Dieser wurzelte jedoch nicht tief und ist jetzt im völligen Absterben begriffen. Ein Beispiel dafür ist der Beschluß des Berg-, Bauhilfs- und Steinarbeiteroerbandes, der auf seinem jüngsten Kongreß mit 79 gegen 39 Stimmen beschloß, den sogenannten Freundschastsvertrag mit dem rujiischen Bergarbeiterverband aufzulösen. Der Vertrag ver- hinderte die Zusammenarbeit mit den skandinavischen sreigewerk- schaftlichen Fachverbänden und der Bergarbeiterinternationale. Diese Zusammenarbeit wurde als praktisch notwendiger und zweckmäßiger erkannt wie die bisherige fonderorganijatorische Verbindung. Gtreikabschluß im belgischen Bergbau. Brüssel, 9. September. sEigenberichl.) Die Zcchenbesitzer und die Vertreter der vergarbeiterorgani- sationen haben die Vermittlungsvorschläge der Regierung zur Bei- legung des Bergarbeiterstreiks angenommen. Der Streik ist damit beendet. Die Arbeit wird bereits heute bzw. morgen wieder aus- aenommn werden. welter sür Berlin: Heiter, und am Tage wieder sehr warm. leichte, südöstliche Winde.— Für Deutschland: Im Nordwesten noch zeitweise stärkere Bewölkung, sonst allgemein beständiges und sommerlich warmes Wetter. Rundfunk am Abend Freitag, den 9. September Berlin: 16.05 Wehrerziehung: durch Sport(Dr. C. Krümmel). 16.30 Volkstümliche Unterhaltung. 17.10 Zehn Minuten Funkhilfe(Dr. E. Nesper). 17.25 Das neue Buch. 17.35 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 17.40 Heiteres (K. Zander). 18.10 Elektrische Musikinstrumente(Das Trau- tonium). 18.30 Akademische Selbsthilfe(F. Söhlmann, Ass. Crantz). 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Orchesterkonzert. 19.30 Das Ziel der preußischen Verwaltungsreform(Reidiskomm. Dr. Bracht). 20.30 Schall- plattenrückblick auf den Monat August. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Der Domchor singt. 22.10 Interview Ellen Braumüller(Silberne Medaille im Speerwerfen. Los Angeles), Dr. Chr. Pfeil. Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Abendunterhaltung. Königswusterhausen: 16.00 Pädagogischer Funk. 16.30 Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30 Neue Wege der Völkerkunde(Dr. L. Clauss). 18.00 Neuschöpfungen im Pflanzenreich(Priv.-Doz. Dr. A. Arland) 18.30 Die Industrialisierung der Balkanländer(Dr. G. Schacher). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Neue Wege zu deutscher Innerlichkeit(Dr. M. Krammer). 19.20 Wohnlaube und Siedlerheim(Dr. W. Lötz). 19.40 Zeitdienst. 20.00 Aus Breslau:„Waldheimat" (P. Keller zum Gedächtnis). Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle„Vorwärts"-Boten oder die Postanstalten. Bercmtwortl. für die Redaktion: Aich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Otto Hcngst. Berlin. Verlag: Borwärts Verlag S. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckersi und ZZerlagsanstalt Paul Singer& Go„ Berlin SW 68, Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. Od» Primus-Palast Potsdamer Straße 19. Drei von der Kavallerie mit Paul Hörbijffer, Paul Heidemann, Fritz Kampers W. 5.15, 7.15, 9,15 Uhr Sonntags 3.15, 5.15, 7.15, 9.15 Uhr Potsdamer Straße 38 Teilnehmer antwortet nicht mit Dorothea Wieck. Gustaf Gründgens, Gustav Diesel W. 5, 7. 9 Uhr, S. 3, 5, 7, 9 Uhr Odeon.Po tsdamerStr.75 Jonny stiehlt Europa mit H. Piel, D. Holm. A. Abel Für Jugendliche freigegeben! W. 5. 7. 9 Uhr, S. 3, 5. 7, 9 Uhr Turmstraße 12 Zwei glürkliche Tage mit Ciaire Roramer. Paul ilör- biger. Scnta Söneland W. 5, 7, 9 Uhr, S. 3, 5. 7, 9 Uhr Alexanderstraße 39-40 (Passage) Goldfieber mit Tom Mix— Die große Liebe mit Hansi Xicse— Jugendliche haben Zutritt W. d. ganz. Tag geöffn. S. ab 3 Uhr Alhamhra Mütlerslr. 136, Ecke SeesLraße. Ja, treu ist die Soldatenliebe mit Fr. Sichulr. Cr» ftrabley, Ida Wüst W. 5, 7, 9 Uhr, S. 3, 5, 7. 9 Uhr Germania-Palast Wilmersdorfer Str. 53/54. Schuß im Morgengrauen mit Carl Ludwig Diehl W. 5, 7. 9 Uhr, S. 3, 5, 7. 9 Uhr Kant-Lichtspiele Kantslraße 54. Teilnehmer antwortet nicht mit Dorothea Wieck, Gustaf Gründgens. Gustav Diesel W. 5, 7, 9 Uhr, S. 3, 5, 7, 9 Uhr Zentrum Friedrfchstadt Franziskaner Georgenstraße(Ecke Friedrichstraße) 9. 12. 3, S. 9 Uhr Liebeskommando mit Dolly Haas» G. Fröhlich n. a. 10.30. 1.30. 4.30. 7.30. 10-30 Uhr Jonny stiehlt Europa mit Harry Piel Neueste Ton-Bild-Heportage Bio-Lichtspiele Hackescher Markt 2-3 Tageskino ab 13 Uhr. Sonnt, ab 2 Uhr Jugendvorstellung Hallo, hallo! hier spricht Berlin— Falscher Glanz und Stiefelwichse Die Kamera uÄd" W. 5. 7. 9 Uhr. S. 3. 5. 7. 9 Uhr Russenprogramm! Men.chen-Ar- •enal— Die Affen v. Suchum ■ Moabit■ Arfnthnf?rochent-»d e Uhr Sonntags ab 5 Uhr Perleberger Str. 29 3 Großlonfilme: Frau Lehmanns Töchter mit Kampers— Das Hillionentestament— Tonw. U_ Charlottenttürg- � Schlüter-Theater Suhr Schlfllerstr. 17. Stg. 3 Uhr: Jugd.-V. liled einer\arht mit Jan Kle- pura. 31. Schneider, Fr. Schulz Jugendliche haben Zutrittl A trinm wochent. 7. 9% u. siinum stg. 6. 7. 914 u. Kaiserallee. Ecke Berliner SlraDe Urautf.; loh will nich« wi.Hen. wer du bi.t mit h. Haid.«lu.laT Fröhlich. Sandrock. Szakall. Musik: II. Stolz— ti. Tonfilmbpr. >_»ehl«nclorf.Mltt« U To/; Beginn lägl. 5. 7. 9 Uhr Stg. 3 Uhr Jugendvorsteil. Potsdamer Str. 56. Mamsell\itouche mit A. Ondra — Liebeslied mit R- Müller, G. Fröhlich ■ St a g Ii t« 1 Titania-Palast Tw'Am. Steglitz, Schloßslr. 5. EckeGutsmuthsstr. Urauff.: Ich will nicht wissen. wer du bist mit L. Haid. Gustav Fröhlich. 8androck. Szakall. Musik: R Stolz— G. Tonfilmbpr. Friedenau Kronen-Lichtspiele Rheinslraße 65. Beg. 7, 9 Uhr. Sonnt. 5, 7, 9 Uhr Helodie der Liebe mit Richard Tauber, Lien Deyers Jugendliche haben Zutritt! Alhamhra Tontfim Hauptstraße 30 Ein Tonfilm in deutscher Sprache MLutfer— Tonbeiprogramm— Bühnenschau— Jugendl. Zutritt, Titania Schöneberg Hauptstr. 49. W. 5, 7. 9 Uhr S. ab 3 Uhr Kriminaltonfilm; Teilnehmer antwortet nicht— Wer gibt, der bat mit Paul Henkel« Film-Palast Kammersäle Tellower Str. I. W. ab 5.30, S. ab 3.30 2 Großlonfilme: Ich bin Ja so verliebt mit Felix Bressart— Das Haus an der Grenze ti xfli YV f � Sbd. Stg. 5, 7, 9 nunursi Stg. 3 Uhr; Jgd.-Vorst. Dorfstraße 22. Ecke Berliner Straße Die elf sttchillschen Offiziere mil Friedrich Isaytller— Ton- beiproeramm— Jugendl. Zutritt Kukuk Wochentags ab 6�2 Sonntags ab 3 Uhr Koltbusscr Damm 92 Zwei glückliche Tage Koffer des Herrn O. F. Die Mercedes-Palast Hb's u. Herraannstr. 212. Strafsache van Geldern mit E. Richter, Kampers Freitag 9 Uhr persönlich anwesend— Ich bin ja so verliebt mit Bressart Primas-Palast Woch. 6M5, 9 Sonnt, ab 5 U. Ära Hermannplatz, Urbanstr. 72/76. Teilnehmer antwortet nicht mit Gründgen». Wieck— Bei Programm— Bühne: v. Waiden Titln 1! Irlich 5, 7. 9. 1 IVO II stgs. 3 Uhr: Jugcndvorstcli Berliner Straße 97. Großtonfilm: Moderne Hitgift mit -Hartha Eggerth. Leo 8lczak— Gutes Tonbeiprogramm Mn // Jlariendorfer W. 7, 9, IflU-Ll Tonlichtspiele S. 5, 7, 9 Chausseestr. 305. Großtonfiim: Das große Ereignis: Hlutter— Tonbeiprogramm Jugendlich« haben Zutrittl W Neukölln p Pyrnlcinr Wochentag» ab W4 t�-Kd-lvlOT Sonntags ab 4 Uhr Kaiser-Friedrich-Straße 191 Schuß im Horgengrauen mit Ery Bos. Ludwig Diehl— Tonbeiprogramm Stern, Hermannstraße 49 Wochentags ab 6% Sonntags ab 4 Uhr Das große Tonfilmereignis: Hutter — Gutes Tonbeiprogramm Jugendliche haben Zutritt! S Q d e n Theater am Moritzplatz W. 8. 8.45 Ubr, S. ab 4.30 Uhr Ein Lied, ein Kuß. ein ilfäd- chen mit<•. Fröhlich, Marihn Eggerth— Holzapfel weiß alle» mil Felix Bressart Südosten Deutsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68. Tägl. ab 5 Uhr Ja, treu ist die Soldatenliebe mit Fritz Schulz— Goldfieber mil Tom 3Iix Filmeck Arn Görlitzer Bahnhof W. 6.30 U. Stg. 5 U. Zwei große Tonfilm-Lachschlager: Ich bin|a so verliebt mit Felix Bressart Ferner; Vater geht auf Reisen Tonfilmschwank Stella-Palast Z'Ji. Ihi uhrr Köpenicker Straße 12—14 Der grandiose deutsche Tonfilm: Hutter Ferner: Johann Strauß mit Lee Parry, 3IIchael Bohnen Jugendliche haben Zutrittl Treptow-Sternwarte Sonnabend 8 Uhr. Sonntag 4, 6, 8 U Das blaue Licht. Eine Berglegende Ein Leni-Riefenstahl-Film W Osten W Germania-Palast �VbVu. Frankfurter Allee 314 Großtonfilm: Ich bin|o so verliebt mit Felix Bressart, Charl. Ander. Jul. Falkenstein, Oskar Sima Bühne: 3 große Variete-Attraktionen Dr. Knauer, Dirigent des hervorragenden Jazr- u. Tanzorchesters J nnfl-Pn Jnvf Woch. 5 Uhr LiUna-raiaSl Sonnt, ah 3 Uhr Gr Frankfurter Sir. 121. Sichuß im Horgengrauen mit (J.L. Diehl— Der falsche Tenor mit Franz Baumann— Bühne: Dückcr, d. deutsche Crock— Ton- w och© Schwarzer Adler aÄ W. 5, 7. 9 Uhr. S. 3. 5, 7. 9 Uhr Jonny stiehlt Europa mit Harry Piel— Bühne; Ladies Hingers— Jugendl. haben Zutritt Luisen- Theater 1; s* R eichen berger Str. 34. Kriminaltonfilm: Schuß im Morgengrauen Ferner; Der falsche Tenor mit Franz Bau mann Viktoria- Theater s*0 ab 3au£ Frankfurter Allee 48 Tonfilm: Ein Ereignis: Mutter— Tonbeiprogramm Jugendliche haben Zutrittl ����Nordosten��J ,Elysium" Äuer Wochent. ab 6� Uhr. Sonnt, ab 4 Uhr Orchester! Film! Bühne! Ja, treu ist die 8oldatenliebe mit Fr Schulz, Urs. Grabley— Bühne; Karmanow. 14 Hunde— Morris u. Ford, Martha Hühner Flora-Lichtspiele kÄT Täglich 5. 7 9 Uhr. Sonntags ab 3 Uhr 2 Tonfilme; Moderne Mitgift mit Martha Eggerth. G. Alexander, Silezak— Galgenhumor Volks-Kino Königstadt Schönhauser Allee 10/11 Wochent. 6.45 Uhr, Sonnt. 5 Uhr Eine Stunde mit dir mit Maurice Chevalier— Auf der Bühne: Gastspiel Theremin AetherweUen- musik Neu- Lichtenberg Kosmos-Lichtspiele Lückslr. 70. W.%7, 9 Uhr. Stg. 5. 7. 9 Uhr 2 große Schlager: Der Rächer des Tong— Flachsmann als Erzieher mil A. Braun. Henkels W Friedrichsfeide"fc Kino Busch s�nÄsuhl Alt-Friedrichsfelde 3. Ton woc be Eied elnor\acli( mit Jan Kie- pura..11. Srhneidor, Fr. Schulz Jugendliche haben Zutrittl Palast-Theater Breite Straße 21a. W. 7 u. 8.30 Uhr, Stg. ab 4.30 Uhr Hchuß Im Morgengrauen mit Ery Bos, C. L. Diehl, Tb. Loos u. a. m. ■ Tegcl■ Filmpalast Tegel Bahnhofslr. 2. W. 6, Stg. 4�4 Uhr Sonntag 2 Uhr: Jugend-Vorstellung Das Millionentestament mit Ch. Ander. J. Riemann— Ton- beiprogramm— Tonwoche h ilm w- 6; llhr liOSmOS Bühne S. 414. 6Vj, 8?4 Hauptstraße 6. 2 Großtonfilme: Johann Strauß mit Lee Parry, Mich. Bohnen — Die Affen von Suchum Union-Theater Hauptstr. 3. Stg. 2 Uhr: JuR.-Vorat. Der Clöckner von Notre-Dame mit Eon Chaney— Hevika- nisebe Braulfahrt Filmpalast Berliner Str. 59 Madame Satan; Revue-Tonfilm mit Reg. Benny— Opernredout« (Beilage Freitag, 9. September 1932 SrriUmiÜ %JUauXga8c da[oftoädi Gerhart Herrmann Mostar: Regenbitte Der Weg bog um einen letzten Felsen und gab den Blick auf Felder frei: zum erstenmal feit zwei Tagen bebaute Flächen! Aber fast die Hälfte der Maisstauden sah schwarz aus, die andre Hälfte war gelb, so daß es aussah wie Reise, aber der zweite Blick zeigte, daß die Aehren noch schmal waren— auch hier verdarb die Ernte in der unerbittlichen Sonne, die seit einem Monat Tag sllr Tag strahlte. und jeder Tag schien ihr Glühen zu steigern; die Lust hüpste wie ein Satan über den oersengten Saaten, die Hitze war dick um den Leib gelegt wie eine Flüssigkeit. Nicht weit vor mir lag das kleine bosnische Dorf. Aus der Häuserreihe scholl Gesang. Es war nicht der langgezogene Choral einer Bittprozession, wie ich ihn oft gehört hatte in diesen dreißig Tagen, ost und immer umsonst; es klang flinker, heller, merkwürdig lebendig in dieser würgenden, lastenden Hitze. Als ich in die Dorf- straße trat, in den dürftigen Schatten der niedrigen Häuser, sah ich die Sänger: es waren die Burschen und Mägde des Dorfes; sie hatten sich an den Händen gefaßt und sangen eine Gestalt in ihrer Mitte an, die mit einem Kleid aus Gräsern und Blumen behangen war. Ich trat näher und sah, daß sie nichts darunter trug, nicht einmal ein Hemd, und daß es eine Zigeunerin war. Während die anderen sangen, tanzte sie; das vertrocknete Gras und die krajtlosen Blumen flatterten traurig um ihren dunkelbraunen, nicht mehr jungen Körper; ihr Lächeln zeigte schlechte, schwarze Zähne. Ich begriff, daß sie als„Dodola" von den Burschen gemietet war, als Regenbitterin. Das Heidentum ist wach in den Balkanesen unter der dünnen Schicht Christentum oder Islam, welche die Jahrhunderte brachten, und wenn die Bittprozessionen der Popen bei Gott nicht versangen, so tuts vielleicht der Tanz der Dada. In der heidnischen Zeit, aus der diese Dada sich herleitet, verstieß es nicht gegen die sinnen- freudigere Moral, wenn das schönste Mädchen des Dorfes zur Doda bestimmt, entkleidet und mit Blumen geschmückt und am Ende der Zeremonie mit Wasser begossen wurde. Seit aber das Christentum herrscht, mietet man sich als Doda eine Zigeunerin— irgendeine ist immer in der Nähe; hübsche gibt? wenige, auch tun die es wohl nicht, also nimmt man eine alte und häßliche, und so ist denn das ganze Bild in sein Gegenteil verkehrt, ist aus dem Leichten, Schönen etwas Groteskes, Derbes geworden. Der Kreis um die Doda fingt schneller, die Doda läßt sich mit- reißen und tanzt lebendiger als zuvor, sie vergißt langsam, daß sie um die dreißig Dinar, die sie bekommen hat, lange hat feilschen müssen; sie sieht weniger schön als komisch aus, wie sie so tanzt mit ihren vom Alter angefetteten Schenkeln, über denen ein merkwürdig magerer Oberkörper mit ties hängenden Brüsten sitzt; so mischt sich oft ein Kichern ins Singen der Dorfjugend, ein Schmunzeln ins Hinlauschen der Aelteren, die den Kreis umstehen. Die Zigeunerin steint es nicht zu merken; sie tanzt nach den immer gleichen Worten des Dodolaliedes: „Dodola, du sollst Gott bitten, Ioi, Doda,' joi, Dodola, Daß ein sanfter Regen falle, Ioi, Doda, joi, Dodola, Auf die Knechte soll es regnen, Ioi, Doda, joi, Dodola, Aus die Bauern soll es regnen, Ioi, Doda, joi, Dodola, Selbst ins Haus rein soll es regnen, Ioi, Doda.. Es ist nun soweit, daß die symbolische Handlung des Wasser- gießen? kommen muß. Sonst ist es Sitte, daß ein kleines Kännchen lauen Wassers diesen Dienst tut. Heute haben sich aber schon vor einiger Zeit ein paar Burschen aus dem Kreise gelöst und in einer Ecke miteinander getuschelt. Diese Doda fordert geradezu Unfug heraus; sie ist nicht alt genug, um die Würde der Greisin zu haben, nicht jung genug, um Mitleid zu erregen; sie ist nicht hübsch genug, um das Begehren der Burschen zu wecken, nicht häßlich genug, um sie abzuschrecken; sie ist nicht sehr rührend, aber sie ist komisch und hilflos. Wie sie nun erregter tanzt, nach Osten das Gesicht, wie es Sitte ist, schleicht sich einer der Burschen mit einem ganzen Kübel voll Wasser, kaum kann er ihn tragen, an die Doda heran; die, stutzig geworden durch das nicht mehr zu unterdrückende Kichern der Mädchen, will sich gerade umwenden— da trifft sie der Guß des eiskalten Wassers, aus der Tiefe des Brunnens geholt, auf den Kopf; sie schreit auf, schlägt die Hände vor die naß überrieselten, wasserblinden Augen; noch sieht sie nicht, daß die Blumen und Gräser um ihren Leib sich zu einzelnen Büscheln geballt haben und sich zu lösen beginnen— aber die anderen sehen es, die Mädchen wenden sich ab, die Burschen johlen und sangen an, Kalo zu tanzen, und johlen um das Weib herum: „Auf, so gießet sie mit Wasser, Joi, Doda, joi, Dodola.. Und einer gießt einen zweiten Kübel über die Doda aus... Plötzlich tritt ein junger Zigeuner in den Kreis und auf die Doda zu. Er hat eine Peitsche in der Hand, wohl zur Abwehr etwaiger Angriffe, aber keiner denkt daran, man lacht noch immer, doch der Kreis bleibt langsam stehn. Der Zigeuner faßt eine Hand des Weibes, die immer noch ihre Augen verdeckt hält, aber zusam- mengesunken ist, zitternd in der jähen Kälte— nun steht sie auf, an- gehoben von der Hand des Mannes, blickt um sich und an sich herab, schreit leise auf und dann laut— ihr Blick, eben noch wirr, wird hart und glänzend, ihr Zittern der Kälte wird zum Beben der Wut, mit einer raschen Bewegung streicht sie sich das Haar aus der Stirn, dann hebt sie beide Hände gegen den glühenden Himmel und schreit etwas in ihrer Sprache, im Zigeinesch, man versteht es nicht, es ist aber immer derselbe Satz... sie schreit mit merkwürdiger, schneiden- der und zorniger und doch gehaltener Stimme, etwas wie Gebetston ist darin— es ist gewiß, daß sie flucht, daß sie dies Dorf und seine Häuser und Aecker und seine Menschen insbesondere verflucht. Der Mann zerrt an chrem Arm. sie scheint es eine ganze Weile nicht zu bemerken, schreit noch immer ihren gleichförmigen satz; kaum ein paar Grasbüschel umhängen noch ihren dunklen, häßlichen Körper. ihre schmutzigen Füße stehn auf den nassen Blumen ihres Kleides von vorhin und treten darauf... Außer ihr und dem Mann ist niemand mehr da; alle haben sich zitternd davongemacht, verhüllt die Häupter, alle liegen jetzt wohl vor ihren Muttergottesbildern und beten, denn olle sind aber- gläubisch. Ich selbst gehe auch weg, ich mag nicht nachher dem erregten Weibe allein gegenüberstehen. Weil ich vor keinem Hause einen Menschen sehe, trete ich auch in keines ein. sondern zwinge meinen Hunger zurück und gehe weiter, aus dem Dorf hinaus. Hinter den letzten Häusern steht ein Zigeuncrwagen, ein junges Mädel will mir die Karten legen, eine Schar Kinder bettelt mich an, und sie klettern, als sie ersaßt haben, daß ich wirklich nichts habe, wieder auf die Maulbeerbäume, von denen sie heruntersprangen, als ich kam; das find also die Angehörigen des Weibes, das ich eben als Doda sah. Die Pferde sind angeschirrt vor dem zerfetzten Plan- wagen, sie warten also nur auf jene beiden, um weiterzuziehn. Ich wandere die Straße geradeaus, drei Stunden lang— sie holen mich nicht ein; entweder sind sie noch geblieben oder sie fahren sehr langsam oder sind irgendwo abgebogen. Ich finde ein paar verwahrloste Feigengärten zu seiten des Weges, von Mauern um- hüllt, die leicht zu übersteigen sind und in einer der inneren Ecken immer ein Unterkunftshäuschen aus rohen Steinen haben. Von den Bäumen hole ich mir die übersüßen Früchte, sauge mich satt und lege mich in das Steinhaus. Obgleich es noch früh am Abend ist, schlafe ich sofort ein; es ist ein tiefblauer Schein in der Luft und «in seltsames Summen, als ob es ein Gewitter geben wollte. Von einem Rollen wache ich auf. Schnell besinne ich mich, wo ich bin, und stehe auch schon auf der Steinmauer, die den Garten gegen die Straße hin abgrenzt— man lernt unterwegs das schnelle Bereitsein. Es ist nichts zu sehen; am Himmel fahren Wolken schwarz und zottig unter unsicher zitternden Sternen hin; Blitze zucken, Donner brummen fern, aber es fällt kein Tropfen Regen. Das Rollen, das ich hörte, ist noch da und ist näher als der Donner, kommt auch näher: jetzt biegt der Zigeuncrwagen um die Kurve der Straße, der Mann mit der Peitsche schlägt auf die beiden Pferde, daß sie galoppieren und der Wagen hin und her schwankt; er sieht mich nicht; schnell ist das Gefährt vorüber, auf dem schmalen Raum. der hinten zwischen Plan und Erde bleibt, sitzt mit angezogenen Knien die Doda und blickt starr zurück. Als der Wagen nicht mehr zu sehen ist, gehe ich den Weg ein Stück rückwärts und sehe in die Richtung des Dorfes, aus dem ich kam. Dort ist ein heller, roter Schein... Ich weiß genug. Blitze zucken; Donner brummt; die ersten Tropfen fallen. Den ersehnten Regen hat die Dodola gebracht... das andere wird ihr nicht nachzuweisen sein... E. C. Haedicke: Seidenbau inDeutschland In Friedrichshagen bei Berlin, am schönen Müggelsee, ver- anstaltet seit mehreren Jahren die„Vereinigte Deutsche Seidenkultur" in jedem Sommer eine Seidenbauausstellung, die auch in diesem Jahre wieder erössnet worden ist, um Ver- ständnis für den Seidenbau zu erwecken und dem breiteren Publikum vorzuführen, daß es überhaupt so etwas wie deutsche Seidenkultur gibt. Schon im 16. Jahrhundert hatte man sich in Deutschland im Seidenbau versucht, und zwar wurden die Ansänge in den süd- deutschen Staaten, vor allem in Bayern und Württemberg gemacht. Der Dreißigjährige Krieg machte diese Versuche wieder zunichte, und erst im 17. und 18. Jahrhundert wurden unter Mitwirkung von Emigranten in einigen Ländern Deutschlands, namentlich in Sachsen und Preußen, Seidenbau und Seidenbauindustrie von neuem ins Leben gerufen. Bis zum Weltkriege wurde Seidenbau in Deutschland nur ver- einzelt betrieben, es gab hier und da einig« Seidenbauvereine, aber die wiederholten Bemühungen, den Seidenbau zu einem Erwerbs- zweige zu machen, kamen aus wirtschastlichen und politischen Gründen immer wieder zum Stillstand, verschwanden aber doch niemals vollständig. Während des Weltkrieges, als Rohstoff« nicht mehr eingeführt werden konnten, kam man nun dazu, die Pläne zur Ausbreitung des heimischen Seidenbaus wiederaufzunehmen, und in letzter Zeit plant man, die Frage des Seidenbaus als Erwerbsquelle im Zusammenhang mit den Erwerbslosen- und Kleinbauernsiedlungen von amtlicher Seite einer neuen Prüfung zu unterziehen. Daß es technisch möglich ist, in Deutschland Seide zu kultivieren, hat die Praxis bereits bewiesen. Die bei uns zulande erzeugten Kokons und die daraus gewonnene Rohseide stehen in keiner Weise der italienischen oder o st asiatischen Rohseide nach, z. T. übertrisst unsere Seide die ausländisch« an Qualität, wie durch Unter- suchungen des Materialprüfungsamts in Berlin-Dahlem festgestellt wurde. Sehr umstritten ist dagegen noch die Frage der Ren- tabilität, die von den Produktionskosten, den Kokonpreisen und den Absatzmöglichkeiten abhängt. Die in den Schriften über Seiden- bau enthaltenen Rentabilitätsberechnungen geben leider meistens ein falsches Bild und rechnen verhältnismäßig zu hohe Gewinn« aus oder aber verfallen in das Gegenteil und stellen den Seidenbau in Deutschland als entschiedenes Risiko hin. Das Risiko ist jedoch bei der Seidenraupenzucht nicht größer als in jeder anderen landwirtschaftlichen Produktion, die von Witterung?- und Bodenverhältnissen abhängig ist, und vor allem— und das fällt ja heute am meisten ins Gewicht— sind die Produktionskosten sehr niedrig. Sofern anbaufähiges Land vorhanden ist, kann mit ganz geringen Mitteln begonnen werden. Grundlage der Seidenraupenzuch ist die Maulbeerpflanzung. Man kann die Maulbeerpslanzen aus Samen züchten; die Nutzung tritt dann vom dritten Jahre ab ein, oder n>an verwendet zwei- bis dreijährige Stecklinge, die schon im solgenden Jahre als Raupen- futterpflanze dienen. Man beschränkt sich heute auf die Seiden- raupeyzucht kleineren oder mittleren Umfanges, meistens auf einen Morgen Land mit etwa 4006 Maulbeerpflanzen. Eine solche Plantage kann durch«ine Familie ohne Hinzunahme fremder Ar- beitskräfte bewältigt werden. Arbeitslöhne sind im Kleinbetrieb schwer herauszuwirtschasten. Auch der Dünger muß dem Seidenbauer aus seinem Nebenbetriebe, etwa aus der Kaninchen-, Hühner- oder sonstigen Kleintierzucht abfallen. Di« für die Raupenzucht erforderlichen Gestelle und Hürden stellt er sich leicht selbst her. So bleiben als Produktionskosten nur die Ausgaben für Raupeneier, von denen 1 Gramm, das sind etwa 1206 Raupen, SO Pf. kostet, und die geringen Unkosten für Heizung in den kühleren Sommer- monaten. Die Seidenraupenzucht ist an sich nicht schwierig, sie erfordert nur einig« Sorgsalt in der Fütterung und Reinigung. Der Seidenbau bietet allerdings keine Vollexistenz, denn er beschränkt sich ja nur auf 3 bis 4 Monat« im Jahr; immerhin wird dem erfahrenen Seidenbauer bei 1 Morgen mit vier- bis fünf- jährigen Maulbeersträuchern ein Reingewinn von 306 bis 406 Mark übrig bleiben, der sich noch steigern kann bei Aelterwerden der Sträucher. Wie in jedem anderen landwirtschastlichen Betriebszweig ist die Kuppelung mehrerer Produktionsarten, etwa wie schon be- merkt Kleintierzucht, van Vorteil. In der Absatzfrage bedarf noch manches der Klärung. Die deutsche Seidenindustrie hat es bisher abge- lehnt, die Kokons der deutschen Seidenbauer zu kaufen. Sie führt keine Kokons, sondern die fertigen Seiden- garne ein. Erst der„Reichsbund Deutscher Seiden- baue r", der sich 1936 bildete, hat diese wichtige Frage geregelt. Die Seidenbauer sind jetzt in Vereinen und Verbänden zusammen- geschlossen, deren Dachorganisation der„Reichsbund" ist und haben Gelegenheit, ihre Kokons in der„S e i d e n w e r t, S p i n n h ü t t e A.- G." in Celle abzusetzen. Der Ankauf findet vorläufig durch den Magistrat von Celle(Abteilung Kokonabnahme) statt. Man kann dort für ein� Kilogramm Trockenkokons 8 Mark erzielen. Die „Seidenwerk, Spinnhütte A.-G." ist ein S e l b st h i l f c w e r k der S e i d e n b a u e r, die zugleich Aktionäre der Gesellschaft sind. In Celle werden die Kokons nach einem neuen verbesserten Versahren abgehaspelt, und die Rohseide wird zu Fabrikaten verarbeitet. Die Zahl der deutschen Seidenbauer beträgt gegenwärtig etwa 16 060. Es ist eine Frage der Zeit, ob der Seidenbau auch auf die breiteren Schichten der Siedler ausgedehnt werden kann, wobei eine staatliche Unter st ützung in Zuweisung von Land oder Uebereignung von Raupeneiern und Maulbeerpflanzen vor- gesehen werden müßte. Gelänge es den wertvollen Rohstoff in größerem Maße bei uns zu erzeugen, so wäre Gelegenheit zur Ausnutzung von Arbeitskräften und Verdienstmöglichkeiten gegeben, die gerade jetzt in Anbetracht des Kleinsiedlungswerkes von größter wirtschaftlicher Bedeutung sein würden. Deutschland hat in dem Jahrfünft von 192S bis 1929 durchschnittlich für 130,5 Millionen Mark Rohseide und Florettseide, das ist Abfkallseide, ein- geführt. Erwähnt sei noch, daß z. B. auch Sowjetrußland dem Seidenbau seit einigen Jahren großes Interesse zuwendet. Die Kokonproduktion ist dort in den letzten Jahren von 8066 Tonnen jährlich auM7 500 Tonnen gestiegen. Gewiß gibt«s auf dem Gebiete des Seidenbaues praktisch und wissenschaftlich noch manche Probleme zu lösen, die hier nicht erörtert werden können. Jeden- falls ist die vielsach gemachte Behauptung, daß der deutsche Seiden- bau mit Ostasien, das mit geringeren Produktionskosten zu rechnen habe, nicht konkurieren könne, nicht stichhallig. Eine andere Frag« ist, ob die Naturseide durch die Kunstseide verdrängt werden kann. Mengenmäßig ist ja der Verbrauch der Kunstseide über den der Naturseide gestiegen. Naturseide ist ein tierisches Eiweißprodukt, das noch kein Chemiker künstlich herstellen konnte. Kunstseide wird aus Zellstoff oder Zellstoffderivaten her- gestellt und sollte eigentlich gar nicht„Seide" heißen, denn völlig ersetzen kann sie die Naturseide, der sie doch an Qualität und Schönheit nicht gleichkommt, ebensowenig wie irgendein Kunst- Produkt etwa den echten Traubenwein ersetzen kann. So wohne alle Tage! ton Alice Skerl-Stolhhote In jeder Großstadt, die auf sich hält. wird von Zeit zu Zeit Wohnkultur ausgestellt. — So wohne alle Tage! Da wanderst du nun durch die Ausftellungsräumc und besiehst deutsche Architektenträume: „So wohne alle Tage!" Und dann kaufst du ein wanderndes Schlafbüffet und ein Kulturklosett mit selbsttätigem S-Uhr-Tee. Alles neu, sonnig, praktisch!— Alles gemäß der heutigen Lage! Und du denkst:„So wohnt man jetzt alle Tage!" — Wohnt man so alle Tage? Wie wohnt die Masse der Menschen für viel zu viel Geld? Die kommt nie in Ausstellungswelten zur Welt... Wohnen die heute praktischer, schöner, Heller? ... Besichtige mal einen Familienkeller! (Der ist zwar nirgends ausgestellt aber ist um so häusiger auf der Welt.) Wie wohnt man da alle Tage? Am Tag muß dort(Neuheit!) küirstlicher Sonnenschein brennen. Jroßvater mutz(Neuheit!) in der Kochkiste pennen. Die Wand ist in grau(Vlendston!) dekoriert. Das Mobiliar ist mit den Tränen der Hausfrau lackiert... Der Wind pfeift durch(Neuheit!) verklebte Fenster. In dem Einheitsbett(Neuheit!) hocken Krankheitsgcspenfter... Diese„Ausstellung" läßt allen Fortschritt gefrieren. Du siehst die Kulturwelt rückwärts marschieren... — So wohn mal alle Tage! — So wohn mal alle Tage! So wohn rnal alle Tage! In jeder Großstadt, die auf sich häll, wird von Zeit zu Zeit etwas Kullur ausgestellt. ... So wohne alle Tage??? Bis nicht jeder Menfch menschenwürdig wohnt gehört Wohnkultur und so auf den Mond! Sport am Sonntag Ae&eäec-Tuß&aii Kommt es zur Entscheidung? Augenblicklich lenken sich alle Blicke auf den zweiten Be» z i r k. Hier soll am Sonntag die Entscheidung fallen, ob Fortuna wirklich zu den besten Mannschasten des 1. Kreises zählt oder nicht. Fortuna erhält auf dem Play in der Schönhauser Allee den Be- such der Freien Sportvereinigung Pankow. Die Pankower haben sich vorgenommen, es ihrem Vorgänger, Vorwärts- Wedding, nachzumachen. Genau wie Vorwärts, wollen auch die Pankower dem Favoriten eine Niederlage bereiten. Ob es ihnen gelingen wird? Dann dürste es allerdings mit der Meisterschafts- Hoffnung Fortunas vorbei fein.— Auf dem gleichen Play spielen Nord und Zehdenick. Dieses Treffen sollte eine sichere Sache der Nordleute sein. Alemannia trifft in der Christianiastraße auf den abteilungsführenden Adler 08. Die Pankower, die gegen Fortuna bereits einen Punkt abgeben muhten, werden sich auch hier sehr strecken müssen, wollen sie das Spiel gewinnen. Eintracht- Reinickendorf trifft in der Scharnweberstrahe aus H a n s a 31 und sollte wenig Aussicht auf Gewinn der Punkte haben. Auch im vierten Bezirk geht es um die Führung. In Lucken- walde, Hetzheide, treffen sich Luckenwalde I und Teltow. Die Teltower haben durch Hertha bereits einen Punkt verloren. Gewinnt Luckenwalde I, so sind die Meisterhosfnungen der Tel- tower dahin. Minerva 28 erhält auf dem Play 6 des Neu- köllner Sportparks den Besuch der Schöneberger, denen sie auch die Punkte abnehmen sollten. Weitere Spiele: Kickers gegen Charlottenburg in Lichten- berg, Normannenstraße. Lichtenberg I gegen Saxonia in Lichtenberg, Kynaststraße. Nowawes gegen Baumfchulenweg in Nowawes, Priesterweg. Herzselde gegen Ost in Herzselde. Weißenfee gegen Borsigwalde in Weißenfee, Rennbahnstraße. Friesen gegen Eintracht- Mahlsdors in Fürstenwalde. Werlsee gegen Normannia in Werlsee. Spandau 2S gegen Werder in Spandau, Seeburger Straße. Staaken gegen Butab in Staaken. Luckenwalde V gegen Rotweiß. Wolters- dorf gegen Vorwärts 31. Jüterbog gegen Kloster Zinna. Lucken- walde III gegen Treuenbrietzen. Ruhlsdorf gegen Dahme. Jugendmannschasten: Nowawes gegen Borsigwalde. Drewitz gegen Fortuna. Teltow gegen Normannia. Lichtenberg 1 gegen Wilmersdorf.— Schülermannschaften: Werls«« gegen Herzfelde. Saxonia gegen Zossen. Adler gegen Mahlsdorf. Nowawes gegen Pankow. Elstal gegen Wilmersdorf. Weißensee gegen Forwna. Cladow gegen Normannia. Hansa gegen Vor- wärts 31. Beginn der Spiele: Erste Männermannschaften 16 Uhr. Vorher spielen die unleren Mannschasten. Jugend- und Schüler- Mannschaften vormittags 10 bzw. 11 Uhr. Der Bezirk Lichtenrade der FTGB. beabsichtigt, dem Wunsch verschiedener Sport- und Parteigenossen folgend, in der nächsten Zeit eine Fußballabteilung ins Leben zu rufen. All« Jntcr- cssenten melden sich an den Trainingsabenden, Mittwochs und Sonn- abends 18 Uhr, auf dem Sportplatz an der Halker Zeile. Die Anschrift der Fußballabteilung ist: Paul Zachow, Lichtenrade, Nürnberger Straße 29. Ae&eäee-Hockey. Hockey wird in der Arbeitersportbewegung in diesem Herbst seit zwanzig Jahren gespielt. Hockey ist heute nicht nur„Herren- sport", sondern dank der bisherigen Vorarbeit, ein durchaus dem Arbeitersportler liegendes und mögliches Spiel. Durch Ueberwin- dung vieler Schwierigkeiten ist es heute möglich, mit geringen Mit- teln auszukoinmen. Hat doch der Tennissport in Arbeiterkreisen bei ungleich höheren Anforderungen weit größere Kreise gezogen. Bleibt noch die erhöhte Anforderung an die Spieltechnik. Da muß fleißiges Ueben und Heranziehen guter Leiter Hauptaufgabe sein. Der 1. Kreis Berlin hat durch einen technischen Kursus für Leiter in diesem Sommer für gute Auegestaltung vorgcsorgt. Ein Jubiläums Hockey-Werbe-Turnier wird in der Woche vom 18. bis 25. September d. I. die kommende Saison eröffnen. Interessenten und Spielern ist die Möglichkeit gegeben, in zahlreichen Mannschaften Berlins noch unterzukommen. Auskünfte erfolgen durch die Kreisgeschäftsstelle des Arbeiter-Turn- und Sportbundes, Berlin C., Elfafser Str. 86/38: ebenfalls findet hier die Aufnahme von Vereinen statt. Anläßlich der zwanzigsten Wiederkehr der Aufnahme des Hockeysports in der Arbeitersportbewegung findet am 17. S e p- tember ein Iubiläums-Vertretertag in den Union- Festsälen, NO., Greisswalder Str. 221, statt. Ac&eäee-MaHd&oU Da sich die H a n d b a l l er an den Aereinsmehrkämpfen der Leichtathleten sehr stark beteiligen, ist am Sonntag schwacher Spiel- betrieb. FT. Erkner und FT. Großbesten treffen sich um 14 Uhr in Erkner.— In der Jungsernheide spielen um 16 Uhr Kleingärtner Charlottenburg gegen Eisenbahner Sportvereinigung Tempelhof. Die Freien Schwimmer Falkensee werden um 15 Uhr von ATV. Pots- dam besucht.— Freiheit Schönwalde hat in FT. Finow um 15 Uhr einen gleichwertigen Gegner.— Germendorf und Sportklub 30 stellen sich 14 Uhr in Germendorf dem Schiedsrichter.— MTV. Sperenberg erwartet die FT. Zehlendorf um 15.35 Uhr.— FT. Wilmersdorf und Berlin 12 geben eine gute Paarung. Um 10.45 Uhr wird sich auf dem Eiceroplatz ein schönes Spiel abwickeln.— FT. Wilmersdorf 2— Kleingärtner Charlottenburg um 9.80 Uhr— FT. Saarmund 2— FT. Bornstedt 2 um 15 Uhr.— SC. Rehselde gegen Eintracht Mahlsdorf 2 um 16 Uhr in Rehfelde. „80I15" Bahnmeisterschaften Am Sonntag, dem 11. September, haben die Rennfahrer vom Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer-Bund„Solida- rität" ihr letztes diessähriges Bahnrennen auf der Radrenn- bahn Wannsee. Da diese Veranstaltung um die Berliner Meisterschaft geht, sind auch die Meldungen sehr stark eingelaufen. Im Programm findet sich ein Fliegerrennen, ein Aus- scheidungsfahren, ein Runden-Zeitfahren, ein Mannschaftsverfolgungsrennen, zwei Jugend» rennen und ein 50-Kilometer-Mannschaftsrennen nach 6-Tage-Art. Alle diese Läufe werden spannende Momente zeigen, da jeder Fahrer sein Bestes hergeben wird, um den Berliner Meisterschafts- titel zu erringen, zumal das Fliegerrennen Mann gegen Mann aus- gefahren wird, um wirklich den Besten der Besten herauszufinden. Beim Mannschaftsverfolgungsrennen bilden drei Fahrer eine Mann- jchaft, und zwar haben sich dazu Fahrer aus Luckenwalde, Erkner, Charlottenburg und Berlin-Mitte gemeldet. Dieses Rennen führt über 5 Kilometer und wird den Charlottenburgern wohl nicht zu nehmen sein. Das Ausscheidungsfahren ist durch überaus starke Besetzung ein vollkommen ungewisses Rennen, doch dürfte die Eni- fcheidung nur zwischen den beiden Charlottenburgern Sachtleben und Herzog liegen. Zum Runden-Zeitfahren haben sich 10 Fahrer ge- meldet, doch wird hierbei nur die gute Bahnkenntnis der ausschlag- gebende Faktor sein. Anders ist es bei den beiden Jugendrennen, welche über 3 und 5 Kilometer führen. Hier dürsten die Sieger in Krocke und Glück, beide Berlin-Mitte, zu suchen sein. Den Abschluß der Veranstaltung bildet ein 50-Kilometer-Mannschastsrennen nach 6-Tage-Art. Hierzu werden sich 10 Mannschasten dem Starter stellen, die uns die Gewähr geben, daß wir hier mit einem sehr schnellen und interessanten Rennen zu rechnen haben, das nur durch Rundengewinn entschieden werden kann, zumal sich daran Mann- schaften wie Sachtleben— Herzog, Beuth— Klemowicz und Rindfleisch— Unger beteiligen. Die Rennen beginnen nachmittags 2 Uhr. Alle Fahrer müssen bis 1 Uhr auf der Bahn sein. Der Start für die Berliner Renn- sahrer ist 12 Uhr, Rathaus Steglitz. Vereinsmeisterschaft im>Vr§B. Tag der Leichtathleten Im gesamten Bundesgebiet tragen am kommenden Sonntag die Arbeiter-Leichtathleten ihre Vereinsmehrkämpse aus. Es gilt an den besten Mehrkampfleistungen der Männer, Frauen, Jugendlichen und Alterssportler der Ver- eine einen Maßstab anzulegen, um den Verein mit den besten allseitig durchgebildeten Sportlern festzustellen, was Rückschlüsse auf die allgemeine Schulungsarbest in den Vereinen zuläßt. Die Aus- tragungsbeftimmungen find im ganzen Bunde gleich. Kleine Refultatsunterfchiede werden lediglich durch die Verschiedenheit der Austragungsorte unvermeidlich sein. Im 1. Kreis Berlin-Brandenburg hatten die Vereinsmehrkämpfe von jeher eine große Anziehungskraft. Etwa 1000 Sportler und Sportlerinnen waren im Vorjahre an den Kämpfen beteiligt. Die Austragungsbestimmungen waren jedoch leichter, da jeder meist in seiner Spezialsportart startete. Von den sechs Sportlern und je vier Sportlerinnen, Jugendlichen und Alterssportlern muß in diesem Jahre jeder einzelne Fünf- bzw. Dreikampf bestreiten. Dayi kommen noch in jeder Klasse Stafetten. Zur Vereinswertung müssen alle Klassen eines Vereins besetzt sein. Daneben finden noch Wer- tungen in den einzelnen Mannschaftsklassen statt. Während im Vor- jähre die Kämpfe an zwei Sonntagen stattfanden, finden die Weit- kämpfe in diesem Jahr in den Sportbezirken am gleichen Tage statt. Der 1. Bezirk sammelt seine Anhänger aus dem E i ch e- P l a tz in Köpenick, der 2. und 4. Bezirk hat den Sportplatz Tier- garten vorgesehen und für den 3. Bezirk kommen die Kämpfe in Brandenburg zum Austrag. Die Ansangszeiten sind je nach der Besetzungsstärke verschieden. Auf jeden Fall wird man aus allen Plätzen am Nachmittag ein schönes Sportfest zu volkstümlichen Eintrittspreisen zu sehen bekommen. Der Besuch ist daher der Arbeiterschaft der betreffenden Wohnbezirke zu empfehlen. Berhstsporttest«ier FTGB. Das in großen Ausmaßen angelegte Sportfest der Freien Turnerschaft Groß-Berlin bringt am Sonntag, dem 11. September, über 800 Sportler und Sportlerinnen an den Start. Im Stadion am Faulen Tee in Hohen- schönhausen, Busch-Allee, beginnen um 8 Uhr die Tennisspieler mit den Kämpfen um die Vereinemeisterschaft. Um 9 Uhr ist der An- sang der Drei- und Einzelkämpfe. Um 15 Uhr treten alle Teil- nehmer zu den Massen-Gymnastik-Uebungen an, denen sich die Aus- scheidungstämpfe der Leichtathleten anschließen. 29 Handballspiele, 15 Faust- und Völkerballspiele bieten dem Auge reiche Abwechse- lung. Um 16.30 Uhr spielen die Fußballer des Vereine Friedenau 1 gegen Buch 1. Das Musikkorps des Vereins wird am Nachmittag mit seinen Darbietungen unter der Leitung seines Dirigenten Walter aufwarten. Am Abend treffen sich die Teilnehmer im Wirtshaus am Orankesee zur fröhlichen Stunde. Sonntag wieder Segelregatten Der zweite und letzte Tag der Gruppenwettfahrten der F r e i e n Segler auf dem Langen und S e d d i n s e e und auf der Unterhavel verspricht am Sonntag interessanten Sport. Der Start ist für die Gruppe Ost um 11 Uhr vor dem Bootsplatz der Tourensegler Grünau in Schmöckwitz, für die Gruppe West bereits um 10 Uhr vor dem Bootsplatz des Segelklub Weinmeisterhorn. Volkssport Weihensee wartet am kommenden Sonntag aus dem Rennba hngelände(Rennbahn- Ecke Gustav-Adolf-Straße) mit seiner letzten Veranstaltung im Freien auf. Neben oereins- internen Wettkämpien, bei denen alle Altersklassen ihr sportliches Können zeigen werden, führen die 1. und 2. Fußballmannschaft des Vereins die fälligen Serienspiele aus. Beide Mannschaften haben Borsigwalde als Gegner. Bei der Gleichwertigkest der einzelnen Gegner sind spannende Kämpfe um die Punkte zu erwarten. Ge- zeigt werden noch 1 Handballspiel der 1. Mannschaft, gymnastische Vorführungen, sowie eine Reihe volkstümlicher Spiele und Hebungen der Jüngsten des Vereins. Den Weißenseer Parteigenossen ist der Besuch dieser Veranstaltung, die den Abschluß der Sommersaison bildet, sehr zu empfehlen. Das reichhaltige Programm wird bereits ab 12.45 Uhr abgewickelt. Der Eintritt ist frei. Im eigenen Heim ist außerdem für billige und gute Bewittung der Gäste Sorge getragen._ Indisches Hockeyspiel gegen Berlin 4:1 Vor zehntausend Zuschauern Die indischen Hockeyspieler, die auf dem Olympia als Sieger hervorgingen, haben auf der Heimreise über Europa nun auch in Berlin ein Gastspiel gegeben. Die Weltmeisterschaft haben sie mit einem 11: 1 gegen Japan und 24: 1 gegen Amerika gewonnen. Auch Europa verlassen sie nun ungeschlagen Gegen Holland ein 9: 1-Sieg, gegen Westdeutschland 5:1, gegen Norddeutfchland sogar 14: 1. Das Spiel gegen Berlin-Brandenburg offenbarte erneut hohe Ueberlegenheit. Die Brandenburger, die gleichzeitig den Stamm der deutschen Nationalmannschaft bilden, war das Beste, was man den Indern entgegenzusetzen hatte. Die Berliner spielten sehr ehrgeizig, gaben sich die erdenklichste Mühe und erzielten sogar das erste Tor, mußten sich aber der wunderbaren Technik, der fabelhaften Stocksicherheit und einem ausgezeichneten Zu- und Stellungsspiel der Inder ergeben. Ball- und Stockkünstler von ganz besonderem Können, zeigten diese große Schnelligkeit, Gewandtheit und sicheren Torschuß. Das einzige Tor der Berliner resultierte aus einer Strafecke. Dabei waren die Inder im allgemeinen sichtbar ermüdet. Zehntausende von Zuschauern wohnten dem Spiel bei, eine bisher im Hockey nicht erreichte Menge. Zv 000 Zuschauer beim Radrennen Möller und Sawall in Amsterdam geschlagen Ein Erfolg auf der ganzen Linie war die Radrennveranstaltung, die am Donnerstagabend auf der Amsterdamer Stadion- bahn durchgeführt wurde. Schönes Wetter, ein Rekordbesuch— das Stadion war bei 30 000 Besuchern ausverkauft— dazu ausgezeichneter Sport und gute Stimmung waren die Hauptmerkmale dieses Abends. Zunächst wurde Hollands Olympiasieger van Eg- mont vorgestellt und gefeiert. Leider wurde aus seinem Zweikampf mit Weltmeister Richter-Köln nichts, da der Deutsche keine Start- erlaubnis erhalten hatte. Nachdem dann noch die Weltmeister Paillard und Scherens Ehrenrunden gefahren und viel Beifall ein- geheimst hatten, begannen die Rennen, die sehr anregend verliefen. Die neuen Weltmeister beherrschten das Feld vollkommen, wenn sie auch alles hergeben mußten, um auch diese Revanchen siegreich zu bestehen. Scherens hatte in dem Holländer Moeskops seinen gefährlichsten Gegner, der Michard, Gerardin und Falck Hansen sicher auf die nächsten Plätze verwies. Bei den Stehern enttäuschte allein der Hannoveraner Möller, der«inen müden Eindruck machte und von Paillard fast zweimal überrundet wurde. Sawall hielt sich sehr gut, es langte aber bei 70 Meter Rückstand doch nur zum dritten Platz. Ergebailsc. Dauerrennen, UX> Kilometer: 1. Poillard l:Zl:Zl: 2. Schledaum 4l) Meter;!!. Sawall 7ll Meter; 4. Linart lllä Meter; 5. Thollemdeek"W Meter; «. Möller 963 Meter zurück.— Ftlegertampf. Gesamtergebnis: 1. Scherens 4 Punlte; 2. Maeslops 3 Punkte; Z. Falck Hansen, Gerardin und Michard s« 7 Punkte._ Der Srast Turn verein„Sparta" 1896, Neukölln, veranstaltet heute in der Turnhalle der Schule, Elbestr. 11—12, einen Mann- schaftskampf im Ringen gegen die erste Mannschaft der Sport- lichen Vereinigung Lichtenberg-Friedrichsfelde 04. Die Lichtenberger wollen hier ihre neue Mannschaft ausprobieren, mit der sie sich wieder an den Serienkämpfen beteiligen wollen. Die bewährten „Spartaner" werden ein harter Prüfstein sein. Die Kämpfe be- ginnen um 19.30 Uhr. Der ASE. vorwärts-Wedding sucht für Sonntag für seine 2. und 3. Männermannschaft Spieler auf eigenem Platz, sowie für seine erste Schülermannschast. Ellangebote heute ahend unter 0 6 7319. Die Freie Sportvereinigung tritt Sonnabend mit ihrer Hand- ball- und Hockey-Männer- und Frauenmannschaft die Fahrt nach Leipzig an. Gegen VfL. Leipzig soll diesmal die Probe be- standen werden. Für das Paforee-Zagdrennen. das am 29. Oktober in Karls- h o r st zur Enrscheidung gelangt, wurden auch die beiden Franzosen Double Dutch und Jeune Chef aus dem Stall Tillement genannt. Jeune Chef gewann das über 7500 Meter führende Rennen bereits vor zwei Jahren gegen Bandola. Buudcstceut\Jeteiuc teilen imü: ZTKB..«ezirl Sudsn. Tresspunkt zum Vereins-Sviel- und Sportfest 8 Uchr Sermonnplati.— l. M-nnerabteilung. Dienstag, lZ. September, nach dem Turnen im Vereinslokal außerordentliche Versammlung. Wichtig« Tagesordnung. Die Sportadteilung des Arbeitersportiereias Reukiilln hat bereits das Wintertraining ausgenommeil. Die Abteilung Übt jeden Mittwoch ab 26 Uhr in der Turnhalle Weisestr. 26 in Neukölln. Daneben finden, solange es die Witterungsverhaltnisfe zulassen, jeden Dienstag und Freitag ab 18 Uhr Trai- ningstage im Neuköllner Stadion statt. Weitere Uebungsabende der Männer-, Iungmädchen», Frauen, und ssinderabteilungen sind Dienstags, Donnerstags und Freitags in der Walter-Rathenau-Schnle, Voddinstraße. Alle Abteilungen betreiben innerhalb ihres vielseitigen Uebungsbetriebes Gymnastik nach Musik. Nähere Auskunst auf den Uebungsstätten. Trnnis-Rot Srosi-Veriin G. V., Hockenabteiluaa. Sonnabend, 16. September, 14 Uhr, Training auf dem Sportplatz Ost, Laskerstraße(nicht Freitag). In unserer st i n o t a f e l sind nachstehende stinos neu aufgenommen: „Bio", Am Hackeschen Markt 2— Z;„stukuk", stottbusser Damm 22, Neu- kölln;„ssrelsior", staiser-Friedrich-Str. 191, Neukölln;„Stern", Hermann- straße 46, Neukölln. »todis tfe Theater Freitag, den 9. September staatsoper unter den Linden 20 Uhr Boheme staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Wallenstelns Lager Die Plccolomlnl Stettiner Sänger Riichshallen-Theater (Dönhoffplatz) lierkor 4.0.1247. Dir. Meist! Tigl. 8.15 Uhr, Sonntags 3.30 Uhr(ermäSigte Fr.) EröffnanKsprosramm mit der Burleske Freibad Krumme Lanke Neue Kräfte, Preise 0.50 bis 2.25 M. Vorverkauf 11—2, 5—9 Uhr. M t M 8 mir 18. Flora 3434. Raudiea eri. Das beröhmte DAYELMA- BALLETT 3 Swifts, Rudi Grasl und weitere Künstler-Truppen, die überall als VARIETE- ELITE bezeichnet werden. Sonnabend u. Snnnian je 2 Vontelig 4u. e.is unr. 4 übt meine Preise SlädlsOper Charlottenbure Frauenhofer 0231 Freitag, 9. Sept. Turnus III Petmsdika (Abramowitsch, Oroke, Frank) Dirigent: Preiss. Giannl Sdilcdii (Hüsch, Friedrich, Fidesser) Dlrig,: Teichmann. Beginn 20 Uhr PI/Aza Nilw Sdiln, Btif. i o. 3", Slji. 1,5,6" II. E 7 Weichsel 4031 Rose-ineater Orth frankforter Ittel« 132 Iii. Weiduel E 7 3422 8,30 Uhr Aerzte im Kampf Detts Mor Weidendamm 5201. 8 Uhr Wunder am Verdan Dram.Dichtungvon Hans Chlumberg Regie; KarlHein! Martin, Kassenpreise von 0.50 M. bis n.5z)_M Kammersplele Weidendamm 3201 Heute 8 Uhr CrautTUhrung; „Schicksal nach Wunsch" Komödie v.thrislaVIinsloe Regie: Rudolf Beer Heiter. Ullridi. Riimann, Ud, aitsheim, Bnosnitter GanzselleneGfileflenlieit! ca. 300 Herren-Anzüge 8.-. 10.-, 12.., 18.-, 25.- M. ca. 400 Winter-Ulster und Paletots 10... 12.. 18... 20... 26� M. ca. 200 Knaben-Anzüge und Ulster S... 8... 8.-. 12.. M. Da» gibt's nie wieder! Der weiteste Weg lohnt sich.— Fahrgeld wird Käufer vergütet. ■ a Herrenbekleldangskanfliaus Frankfurter Allee«5 direkt Ring- und U-Bahnhof Frankfurter Allee. Sfnfccate im A Vorwärts Üchern Erfolg! namen-Riamei zu ganz niedrigen Preisen Maßanfertlgiins spez. für starke Damen Paul Llnch, Damen-lüBnlel-Fabrlk ll. Hdlg., Neukölln, Rculerstr. 01 »v.uhr CASIilO- THEATER Lothringer Straste 37. IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIII IIUIIIIIUIIIIIIIIIIIIIIIIIiiiihiiiiiik Gutschein für die Leser l— 4 Personen Fauteuil nur 0,75 M., Sessel 1,25 M. Gültig auch Sonntag nachm. 4 Uhr. Jlnnemavie Volksoperelte.— Musik von Gilbert Dazu ein bunter Teil.