Morgenausgabe Ar. 427 A 205 49. Jahrgang Wöchentlich 7» monatlich 3,28 31 (baoon 67 Pf. monatlich für Zustellung ins Saus) im voraus zahlbar. Postbezug 3.37 M. einschließlich 60 Pf. Postzeiiungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslandsabonnement 5.68 M. vro Monat! für Länder mit ermäßig- tem Druckfachenporio 4.65 M Bei Ausfall der Lieferung wegen höherer Dewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Ersaß. Erscheinungsweise und Anzeigenpreis« stehe am Schluß des redaktionellen Teils. WV W-'W-f» P. Berliner Volksblall Sonnabend IX). September 1932 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Jenttawvgan der Sozialdemokratischen Partei DeutschlänV? Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Nernspr.! Dönhoff{X 1) 292— 297. Telegrantm-Ldr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. BostscheckkoMo: Berlin 37 533.— Bankkonto: Bank der Arbeuer, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3. Dt.B.u.DiSc..G«s.. Depositeni., Jerusalemer Str. K5'KS. Reichstag wird vertagt! Damit Zentrum und Nazis mit Hindenburg verhandeln können. Reichspräsident von Hindenburg hat für Dienstag- nachmittag die Vertreter der Nationalsozialisten, des Zentrums und der Bayerischen Volks- Partei zu sich gebeten. Unter diesen Umständen wird die Aussprache über die Regierungserklärung im Reichs- tag erst am Mittwochnachmittag beginnen. An dem Termin der Regierungserklärung in der näch- sten Reichstagssiüung am Montag hat sich nichts geändert. Nach der Regierungserklärung wird der Reichstag auf Mittwoch vertagt. * Im Lager Popens hat man bis zur Stunde stolz er- klärt, daß die autoritäre Präsidialregierung keine Parteiver- Handlungen oertrage, weil darin ein Rückfall in den Parla- mentarismus und den Koalitions-Kuhhandel liegen würde. Dennoch hat der Reichspräsident sich bereit er- klärt, am Dienstag, 12 Uhr, zwei Vertreter der National- sozialisten, zwei Vertreter des Zentrums und einen Vertreter der Bayerischen Volkspartei in Gegenwart des Reichskanz- lcrs zu empfangen. Damit ist die„grundsätzlich neue Art der Staatsführung" wieder genau in die gleichen Bahnen gekommen, auf denen zur Zeit der strengsten Jnnehaltung der parlamentarischen Grundgedanken der Verfassung Reichsregierungen auf Koalitionsgrundlagen in Rücksprachen und Verhandlungen vorbereitet wurden. Wären wir boshaft, jo würden wir den unentwegten Gegnern des Parlamentarrs- mus im Nationalsozialismus entgegenhalten, daß auch sie praktisch zugeben müssen, daß es ohne den—„Müllerismus" ebeü nicht geht! Zentrum und Nationalsozialisten haben im übrigen am Freitag ihre Koalitionsoerhandlungen fortgesetzt. Die Ver- Handlungen sind bis nahe an den Abschluß her- angeführt worden und die schwarz-braunen Partner hoffen, am Dienstag dem Reichspräsidenten ein fix und fertiges Programm, auch über die personellen Fro- gen, vorlegen zu können.>m ihrem Lager glaubt man, beim Reichspräsidenten schließlich doch noch ein Kabinett Papen ohne Papen erreichen zu können, und so dem Reichspräsidenten, der erklärt hat, daß er sich nach so kurzer Zeit nicht schon wieder von dieser Regierung trennen könne, den Weg zu erleichtern. Eine Kanzlerschaft Hitlers kommt dabei nicht in Frage. In dieser Richtung liegt auch eine Aeußerung des Berliner Naziorgans, in der es heißt: „Man läßt u. a. Versuchsballons aussteigen, die wissen wollen, die NSDAP, sei heute vielleicht nicht mehr so ganz abgeneigt, dat anzunehmen, was man ihr am 13. Augufl angeboten und sie aus- geschlagen habe. Ein solcher llnsiall der NSDAP, kommt natür- lich gar nicht in Frage. Das einmal Ausgeschlagene nehmen wir nachträglich nicht an. Eine„Not- lösung". die die Auflösung des Reichstags oermeiden könnte, wäre für hie NSDAP, nur insoweit tragbar, als ihr dabei das gegeben wird, was ihr auf Grund der Verfassung zukommt und was das Volk mit Recht fordern kann. Falls in dieser Richtung aussichtsreiche Verhandlungen von der Gegenseite noch an- gebahnt werden sollten, würde eine gewisse Verlang- s a m u n g der Abwicklung der Verhandlungen im Reichstag möglich fein." Der Ton bei dem Satz, daß ein solcher lltnfall der NSDAP, nicht in Frage komme, liegt auf dem Worte „solcher". Das heißt, daß eine Vizekanzlerschaft Hitlers ausgeschlagen wird und auf eine„tragbare Notlösung" losgesteuert wird, die den Nazis einige Ressorts und Verwaltungssitze geben soll. Das sieht sehr stark nach Einschwenken in„das S y st e m". und den Parlamentaris- mus aus, gleichviel ob die angestrebte Papen-Regierung ohne Papen dann als Präsidialregierung oder autoritäre Regie- rung bezeichnet wird. Das Wort von einer„tragbaren Not- lösung" ist bezeichnend. Wir wissen kein anderes Wort, das so sehr die Atmosphäre von Koalitionsregierungen bezeichnet wie das Wort„tragbar"! Der Termin einer Auflösung des Reichstags ist jedenfalls durch diese Einleitung von Verhandlungen in letzter Stunde mindestens bis zum Ende der näch st en Woche hinausgeschoben. Eins aber ist deutlich erkennbar: Die Nationalsozialisten sind mit fliegenden Fahnen auf dem Wege zum System der Koalition! Schwarzbraune Verhandlungen. Am Freitagabend fand im Reichstag ein« Besprechung zwischen Abgeordneten des Zentrums, der Nationalsozialisten und der Bayerischen Volkspartei statt, in der zu dem Ausgang des Empfangs des Reichstagspräsidiums beim Reichspräsidenten Stellung genommen wurde. Es nahmen an dieser Besprechung u. a. von nationalsozialistischer Seite die Abgg. Dr. Frick und Dr. Goebbels, vom Zentrum die Abgg. Esser, Perlitius, Joos, Dessauer, Stegerwald und Bell, von der Bayerischen Volkspartei Vizepräsident Abg. Rauch teil. Der Zorn der Hugenberger. Deutschnationale zum Empfang beim Reichspräsidenten. Die Deutschnationale Pressestelle teilt mit: � „Mit Rücksicht aus die vielfach entstellten Presseveröffent- lichungen über den Besuch des Reichstagspräsidiums beim Reichs- Präsidenten wird untenstehend der Bericht bekanntgegeben, den der deutschnationale Vizepräsident Graes in der heutigen Sitzung der deutschnationalen Reichstagssraktion ent- sprechend den vorher gefaßten Beschlüssen erstattete. Nach der Vorstellung des Reichstagspräsidiums beim Reichs- Präsidenten hielt der nationalsozialistische Reichstagspräsi- dent Göring eine Ansprache, in der er betonte, daß im Reichs- tage eine arbeitsfähige parlamentarische Mehrheit sei, daß der Reichstag sich nicht ausschalten lassen wolle und daß er als Reichs- tagspräsident sich gegen die Gerüchte, daß der Reichspräsident diese Ausschaltung beabsichtige, zur Wehr setzen müsse. Er habe den einstimmigen Auftrag des Reichstages, dies zum Ausdruck zu bringen. Der deutschnationale Vizepräsident Graes wider- sprach diesen Aeußerungcn Göring? auf das schärfste. Er führte aus, daß das Reichstagspräsidium nicht befugt sei, dem Staatsoberhaupt politische Vorschläge zu machen oder gar Rat- schlüge zu erteilen. Das Präsidium sei keine politische Körperschaft und überdies in seiner Meinungsbildung absolut nicht einheitlich. Herr Graes betonte, daß die Einsetzung eines wirklich von den Parteien unabhängigen Kabinetts ein Fortschritt sei, dem gegenüber der Rückfall in den Parlamentarismus und in das Koalitionsspiel, wie es die Nationalsozialisten und das Zentrum erstreben, einen absoluten Rückschritt bedeuten würde. Hierüber sei sich der größte Teil des Volkes einschließlich weiter Kreise der Nationalsozialisten einig. Die Rücksicht auf die Stetigkeit der politischen Entwicklung und auf die Autorität des Staatsoberhauptes verbiete es, einen Kurswechsel in der Regierungsführung vorzunehmen, selbst für diejenigen, die nicht mit allen Maßnahmen des Kabinetts Papen im Reich und in Preußen einverstanden seien. Gegenüber der wiederholt und dringend ausgesprochenen Bitte des Vizepräsidenten Esser, vor der Entscheidung noch einmal die Führer der Nationalsozialisten und des Zetrums zu empfanden, erklärte der Reichspräsident, daß er sich die Entscheidung darüber vorbehalte/ Der Besuch des Reichstagspräsidiums dauerte etwa zehn Minuten." Entsetzliche Not. Vorübergehende Stockung der Zahlungen der Wohlfahrts- Unterstützungen im Saalekreis Halle, st. September. Ter Taalelreis war am heutigen Freitag nicht in der Lage, seinen Gemeinden die Pflichtanteile für Wohl- sahrtsunterstühungen zu zahlen. Ter Kreisfürsorge- verband hat weder von der Reichs-, noch von den Staats- kästen die ihm zustehenden Beträge erhalten, so das; i n sämtlichen Gemeinden des Saalekreises daher die Auszahlung der Wohlfahrtsunter st ühun- gen unterblieben ist. Auf die telegraphischen Vor- stellungen des.Kreises hat dieser die Zusage erhalten, daß die Beträge morgen gezahlt werden, so daß- auch in den Gemeinden morgen die Zahlung der Unterstützungen vor sich gehen kann. Ter Zaalekreis umfaßt über lvv Städte und Dörfer. Etwa 30 P r o z. der Bevölkerung — 2 3000 Köpfe— leben nur von Unter- st ü tz u n g e n. Amerikanische Arbeiterpartei? Eine Ankündigung des Gewerkschastsvorsi'tzenden Green. New Pork, st. September.(Eigenbericht.) Ter Präsident der amerikanischen Gewerkschaften, Green, erklärte sich in New Jersey in einer Rede für die Gründung einer Arbeiterpartei, falls die proletarischen Interessen und das Versagen des herrschen- den politischen und wirtschaftlichen.Kurses einen der- artigen Schritt notwendig mache. Die Ankündigung Grcens, die für das Erwachen der amerikanischen'Ar- beiterschaft bezeichnend ist, wurde st ü r mi s ch begrüßt. Wirtschastsbelebung? «.Kühnes Wagnis� auf Kosten der Arbeiter. Von?aii1 Löbe. Welches Ohr würde nicht aufhorchen, wenn das Ver- sprechen der Wirtschaftsbelebung in den Millionenkreis der Arbeitslosen, zu den morgen in ihrer Existenz Bedrohten, zum ruinierten Mittelstand, zu den verzweifelnden Kleinbauern dringt? Wirtschaftsbelebung verspricht die Regierung Papen. Das Ende der Krise kündigt sich an, behauptet sie. Die Preise der Rohstoffe steigen, also werden Rohstoffe wieder gebraucht und gefordert, also werden die R o h st o f f l ä n d e r wieder Fertigwarenbedarf haben— ein günstiges Zeichen. Das Geld wird billiger, flüssiger, also werden es die Unternehmer leichter leihen, um ihren Betrieb wieder in Gang zu setzen— ein günstiges Zeichen! Die Börsenwerte klettern auffällig, vorzeitig, unregel- mäßig und auch ein wenig unbegründet in die Höhe, In- dustriepapiere steigen, festverzinsliche folgen ihnen— alles Hoffnungen für kapitalistische Wirtschaftsführer. Hoffnungen auch für die Regierung Papen, welche die Symptome der Belebung durch eigene politische Maßnahmen fördern möchte. Aber wie sieht die Kehrseite in Deutsch- landaus? Die Reichsbahn wird nach ihrer eigenen Mit- teilung 30 000 Arbeiter entlasten. Die Rcichspost vermindert die Bestellgängc, um eine unzählige Schar von Helfern zu entbehren. Herr Papen verspricht Kontingentierung der Einfuhr im Interesse der Landwirtschaft. DaS bedeutet Repressalien durch andere Länder, also weitere Verminderung dcS Exports, von dem 3 Millionen deutsche Arbeiter leben. Ermächtigung zu weiterer Verminderung der Leistungen auf allen Gebieten der Sozialgesctz- gebung. ' Lockerung der Tarife, also weniger Verdienst, weniger Kauftraft, daS Gegenteil einer Belebung der Wirtschaft. Dig Einzelheiten sind bekannt: Wer seinen Betrieb durch lokale Umstände gefährdet glaubt, kann die Löhne kürzen. Wie viele werden gefährdet sein? Wer neue Arbeiter ein- stellt, kann die Löhne kürzen. Hier wissen wir nicht, wie das ausgenutzt wird. l'A Millionen als Neueingestellte sollen möglich sein,— auf dem Papier! Wir wünschten, die Er- Wartungen erfüllten sich, aber wir zweifeln. Aber selbst wenn alle diese Erwartungen sich erfüllen, so wird zwar eine Kleinigkeit mehr Lohn an alle dann be- beschäftigten Arbeiter gezahlt, weil die Mehrbezahlung der Eingestellten die Lohnkürzung der schon Beschäftigten in der Gesammtsumme etwas übersteigt, aber alle anderen Reduzie- rungen sind dabei nicht berücksichtigt. Man hat Popens Vorschläge ein kühnes Wagnis ge- nannt. Es ist ein Wagnis auf Kosten der Arbeiter. Der Unternehmer kann nur verdienen dabei, der beschäftigte Ar- beiter kann nur verlieren dabei, ein Teil der Arbeitslosen kann vielleicht gewinnen,— das Gesamteinkommen der Ar- beiterschaft aber wird auf alle Fälle geschmälert. Am Ende kann eine Belebung der kapitalistischen Gewinne, aber keine Belebung der allgemeinen Kaufkraft stehen. Die Sozialdemokratische Partei hat seit Monaten ihren sehr nüchternen, sehr überlegten, absolut nicht utopistischcn Wirtschaftsplan dem Reichs- tag und dem Volke unterbreitet. Erste Voraussetzung: Die Lage der Opfer der Krise, solange sie nicht ganz aus ihrem Elend befreit werden können, darf nicht noch weiter verschlechtert, die ausgesproche- nen Kürzungen müssen rückgängig gemacht werden. Zweitens: Eigene Ankurbelungsversuche durch öffentliche Arbeiten, die nicht erst durch Milliardenzuschüsse an private Unternehmer verkauft werden müssen. Drittens: Bessere Verteilung der Arbeitsgelegen- heit durch allgemeine und direkte Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden und weniger, Auswechslung der Beschäftigten da, wo es angeht. Viertens: Eine vernünftige Handelsvertragspolitik, die uns Aufträge aus dem Auslud nicht verscheucht und der Industrie wieder Lebensmöglichkeit verschafft. Fünftens: Zwangsmäßige Leitung der vorhandenen Kredite an die der Volkswirtschaft nützlichen Stellen, damit nichl durch Fehlanlagen das vorhandene Kapital totgelegt, f England distanziert sich. Französische Antwort nur zur Kenntnis genommen- keine Mitverantwortung. sondern damit es zu wirklicher Belebung der Volkswirtschaft verwendet wird. Dazu ist eine grundsätzliche Wandlung im deutschen Wirtschaftsleben notwendig, wie sie die Anträge der sozialdemokratischen Fraktion zeigen. Grund st ock dazu bildet die Verstaatlichung der Schlüsselindustrien, der Groß- banken, des Großgrundbesitzes, die Vereinheitlichung der öffentlichen Wirtschaft, die Ueberwachung der Kartelle und Monopole und eine Planstelle für die gesamte Wirtschaft. Die gefeierte„Initiative" des Unternehmers hat zwar genügt, diesem selbst reiche Gewinne zu verschaffen, die in der Krise dann wieder bedroht und teilweise vernichtet wurden. Sie hat sich aber vollständig unfähig gezeigt, die Versorgung der Nation mit den Bedarfsgegenständen des Lebens zu garantieren. Obwohl alle Rohstoffe für Ernährung, Bekleidung und Behausung vorhanden sind, werden a u ch i n diesem Winter wieder Hunderttausende hungern und frieren. Die Unfähigkeit des Kapitalis- mus liegt vor aller Augen. Seine Berufung zur Fortführung der Wirtschaft begegnet selbst in den eigenen Kreisen stärkstem Zweifel! In 95 Proz. des deutschen Volkes lebt eine anti- kapitalistische Stimmung, eine sozialistische Sehnsucht, sagt der nationalsozialistische Abgeordnete Straßer. Nun wohl, die objektiven Vorbereitungen der Umwand» lung der Gesellschaft sind gegeben. Der Produktionsapparat und die Rohstoffe stehen bereit. Die subjektiven Vorbedin- gungen, der Wille der Gesamtheit, sich an die Stelle des bankrotten privaten Unternehmers zu setzen, steigen mit jedem Tag. Zwischen dem Eigennutz., dem Interesse der Kapital- besitzer, an den Herr von Papen appelliert, und dem Ge- meinnutzen, der Versorgung des ganzen deutschen Volkes, geht der Kampf. Dic Sozialdemokratie stürmt vor, um Reichstag und Volk vor die Entscheidung zwischen beiden zu stellen. Gegen das Rote-Fahne-Verbot. Kommunistischer Antrag im Reichstag. Die kommunistische Reichstagsfraktion hat einen Antrag ein- gebracht, der die sofortige Aufhebung des Verbots der„Roten Fahne" und anderer kommunistischer Zeitungen und Zeitschriften verlangt. Gleichzeitig hat die Fraktion mm Verbot der„Roten Fahne" eine Interpellation im Reichstag eingebracht. Verbot auf sechs Monate. Reue Glanzleistung der„neuen Staatsführung". Der Berliner Polizeipräsident hat das Organ des Reichs- einhcitsausschusses der Antifaschistischen Aktion, die„Antisaschi- st i s ch e Aktion" mit sofortiger Wirkung bis zum 2 8. Fe- bruar 1933 verboten. Anlaß zu diesem Verbot gab ein Artikel in der Nummer 1 vom Julis!) 1932„Verjagt die Nazis von den Fabriktoren", in dem angeblich zu Gewalttätigkeiten gegen Anders- denkend« aufgefordert wurde, und ein Artikel in der Nummer 2 vom Juli 1932„Wie können wir den Krieg oerhindern?", der an- geblich zum Ungehorsam gegen die Gesetze auffordert. Spaniens Agrarreform. Entschädigungslose Enteignung des Großgrundbesitzes. Madrid, g. September. Die Nationalversammlung nahm in der Nacht zum Freitag ein Ergänzungsgesetz zur Agrarreform an, das von größter Bedeutung ist. Der genaue Te�t des Gesetzes wird noch festgelegt werden, doch bestimmt es, daß sämtliche Landgüter der ehemaligen Granden von Spanien entschädigungslos ent- eignet werden. Ministerpräsident A z a n o legte den Standpunkt der Regierung dar und führte aus, daß es sich um eine revolutionäre Maßnahme handele, die zum Wohl der Republik nötig sei. Spanien müsse von Grund aus neu ausgebaut werden, und so sei es nicht zu vermeiden, daß soundso viele darunter leiden müßten. Doch sei auch zu bedenken, daß die gleichen Leute früher die Repn- blikaner hätten leiden lassen. Die Opposition, die schärfsten Protest einlegte, ist zahlenmäßig viel zu schwach, um etwas ausrichten zu> können. Die sich im allgemeinen in gemäßigten Grenzen bewegende Agrarreform hat somit urplötzlich einen scharf revolutionären Charakter erhalten, um so mehr, als kürzlich erst beschlossen wurde, daß die Landgüter der Putschteilnehmer entschädigungslos enteignet werden. Jetzt werden auch die Güter solcher Personen vom Staate übernommen, denen keinerlei feindliche Haltung gegen die Republik nachgewiesen zu werden braucht. Veranlassung zu der neuen Gesetzesbestimmung ist der Putsch des Generals Sanjurjo. Das ganze Gesetz wurde am Freitag mit ZIS gegen 19 Stimmen angenommen. Ebenso wurde das katalanische Statut mit 314 gegen 29 Stimmen verabschiedet. Schreckenstat einer Mutter. Dreifacher Kindesmord und Selbstmord durch Ertränken. von einer Brücke in der Spaethstrahe in Berlin-Brih stürzte sich heute abend gegen acht Uhr die 31 Jahre alte Ehefrau Wally Eichner aus der Kolonie Spaethwalde in Rudow, zusammen mit ihren drei Kindern, der vier Jahre alten Waltraul, der ein- jährigen Gudrun und dem dreijährigen Roland, in den Teltow- k a n a l. Alle vier konnten von der Feuerwehr nur noch als Leichen geborgen werden. Bei der Frau wurden drei Briefe gesunden, die an dic Polizei, einen Arzt und an ihre Mutter gerichtet waren. Aus diesen Briefen geht hervor, daß Frau Eichner die Verzweiflungstat verübte, weil sie sich und ihre Kinder schon seit längerer Zeit von dem Ehemann am Leben bedroht fühlte. Die Festnahme des Ehemannes ist veranlaßt worden. Kämpfe in der Mandschurei. Durch Kämpfe bei A n d a ist der Passagieroerkehr auf der Bahn Charbin— Mandschuli unterbrochen. In Mandschuria(russisch für Mandschuli) warten 40 seit dem 29. August angekommene Retsende auf Weiterbeförderung. Deutschösterreichische hakentreuzler provozieren als heimwehr- ersah die snrchtbor notleidende und durch jahrelangen Terror ge- reizte sleierische Arbeiterschaft. In Graz und L e ö b e n ist je ein Hitlerist der proletarischen Verteidigung zum Opfer gefallen. London, 9. September. Der französische Botschaster sprach heute morgen im„Foreign Office" vor und wurde von Sir John Simon empfangen. Der Bot- schafter übergab dem Staatssekretär des Aeußeren zu seiner Jnsor- mation einen Entwurf der Rote, die die französische Re- gierung alz Antwort aus die Rote der deutschen Regierung vom 29. August absendet. Zlngesichts gewisser gegenteiliger Veröffentlichungen betonte das „Foreign Ofsice" die Notwendigkeit, klarzustellen, daß das Dokument nicht zu Beratung?-, sondern zu Jnformationszwecken übermittelt worden sei. Wie erinnerlich, ist die deutsche Note bereits der briti- fcben Regierung zur Information Übergeben worden. Die britische Regierung ist daher in vollem Besitz der Unterlagen der französisch- deutschen Besprechungen, die weiterhin aus das sorgfältigste verfolgt werden. * Der Sinn dieser Verlautbarung ist offenbar der, daß England die Verantwortung für die französische Antwort nicht zu tragen wünscht. Es"will insbesondere nicht, daß aus der Tatsache, daß die französische Antwortnote noch vor ihrer Ueberreichung in Berlin der englischen Regierung zur Kennt» nis gebracht wurde, der Schluß gezogen werde, als trage England zumindest eine moralische Mitverantwortung für ihren Inhalt. Im übrigen verlautet in London, daß die französische Antwort ziemlich scharf ablehnend sein werde.' Paris beschwört London. Paris, 9. September.(Eigenbericht.) In einem ausführlichen Leitartikel beschwört der„Temps' die Engländer, ja nicht auch nur teilweise aus die deutschen Militärs orderungen einzugehen. „Es wäre— so schreibt das Blatt— eine falsche Ansicht der zur Debatte stehenden Prinzipien und Tatsachen, wenn man Deutsch- land gestatten wollte, eine T e i l r e f o r m der Reichswehr vorzunehmen. Deutschland will nichts anderes als wieder auf- r ü st e n. Was es dann später, wenn man ihm das bewilligt hat, an Sicherheitsgarantien geben konnte, wäre ohne jeden Wert. Denn wenn es nicht die Absicht hätte, den Frieden Europos zu stören, um seine nationalen Ziel« zu erreichen, hätte es auch nicht nötig, trotz seiner augenblicklichen Finanznot ungeheure Summen für eine militärische Reorganisation auszugeben. Es wäre also der schlimmste Fehler, wenn man Deutschland im Prinzip teil- weise oder ganz nachgäbe." Die Rüstungsgleichheit auf dem Wege der allgemeinen Abrüstung zu erreichen, scheint dem„Temps" viel logischer und politischer, aber nicht ohne schwere Unzuträglichkeiten. Vor allen Dingen müßt« man, so meint er, absolut wirksame Sicherheits- garantien gegen jede Friedensstörung durch Deutschland schaffen. Deutschland wird sich bald entscheiden müssen. Genf, 9. September.(Eigenbericht.) Die Vermutungen über eine Hinausschiebung des Wieder- zufammentriits des Büros der Abrüstungskonfe- ren; habell sich nicht bestätigt. Nach einer telegraphischen ver- ständigung zwischen dem Generaisekreiär des Völkerbundes und dem Konferenzpräsidenten henderson ist das vüro am Freitag auf den 2 1. September einberufen worden. Die deutsche Regierung wird also schon sehr bald vor die Frage gestellt, ob sie bereits diesen Lürosihungen fernbleiben will, in denen auch über die Behakldiung des deutschen Gleichberechtigungsanspruchs verhandelt werden soll. AOGB. ruft papen-Verordnung entwertet Der Bundesausschuß des ADGB. versammelt« sich am Frei- tag in Berlin zu seiner 9. Sitzung. Mit Rücksicht auf die seltene Wichtigkeit der Tagesordnung nahmen die Bezirkssekretäre des ADGB. und die Redakteure der Gewsrkschaftspresfe an der Sitzung teil. Leipart eröffnete die Beratungen mit einem Hinweis auf die Bedeutung der Stunde und der Aufgabe dieser Tagung. Im Wohlkampse habe die Arbeiterbewegung sich trefflich behauptet. Aber die Kämpfe sind mit der Wahlbewegung nicht abgeschlossen. Di« Ereignisse überstürzten sich. Täglich stehen die Gewerkschaften vor neuen Aufgaben. Die vordringlichst« Pflicht aller tätigen Menschen in ver Bewegung sei es, die Einheit der Organisationen unter allen Umständen gegen alle Ängrisse und Gefahren sicherzustellen. Unter diesem Gesichtspunkt sei die t-akti s ch« Ha lt u n g der- Ge- werkschastsbewegung in seder Etappe, die sie zurückzulegen habe, zu bestimmen. Gegenwärtig gebe ein« vielfach lächerliche Soldatenspielerei dem öffentlichen Leben weithin das Ge- präge. Sie werde zwar vom Ausland« oftmals in ihrer Bedeu- tung überschätzt, aber ihre bürgerkriegsähnlichen Auswirkungen schädigen doch das nationale Ansehen Deutschlands in der Welt. Gegenüber gewissen Erscheinungen der internationalen Politik, die auf eine Zuspitzung der nationalen Gegensätze hindeuten, erkläre er, Leipart, daß die deutsch« Arbeiterbewegung an ver Parole fest- halte: Nie wieder Krieg! Die deutschen Gewerkschaften be- kämpfen alle Aufrüstungsbestrebungen. Sie fordern die Ab- rüstung, aber sie treten im Jntande wie durch ihre internatio- nalen Beziehungen ein für das Recht Deutschlands auf volle Gleichberechtigung neben ollen anderen Nationen. Im weiteren Verlauf seines Berichts ging Leipart ein aus Gerüchte und Behauptungen. nach denen zwischen den Gewerkschaften einerseits und Abgesandten der Nationalsozialisten sowie Mitgliedern des Reichskabinetts anderer- seits Verhandlungen stattgefunden hätten mit dem Ziel einer Um- bildung oder Neubildung der Regierung und der„Tolerierung" einer neuen Regierung- durch die Gewerkschaften. Leipart wieder- holte mit Nachdruck die bereits früher abgegebene Erklärung der Bundesleitung, daß an diesen Behauptungen kein Wort wahr sei. Ueber die Stellungnahme der Gewerkschaften zum Frei- willigen Arbeitsdienst sei eine endgültige Verständigung zwischen den nächstinteressierten Organisationen erfolgt, und zwar auf der Grundlage der Richtlinien, welche die letzte Bundesausschuß- Roche noch im Lazarett. Llrteilsbegründung ist endlich der Verteidigung zugegangen. Genosse Max Rothe, der vom Berliner Sondergericht I(Kammer Tolk) am 31. August zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde und dann einen Helden wütigen Hungerstreik von sieben Tagen als Bekundung seiner Unschuld durchführte, befindet sich noch immer im Gefängnislazarett. Er ist durch die lange llnler- suchungshaft, durch die Anstrengungen der Verhandlung, durch die furchtbare Strafe, die er im Bewußtsein seiner Unschuld auch heute noch nicht zu fassen vermag und durch seinen siebenlägigen Hunger- kämpf sehr mitgenommen, aber nach wie vor aufrecht und stark. Gestern statteten im Auslrage der Bundesleilung des Reichs- bamiers Dr. N o w a ck und für den Vorstand des Gaues Berlin- Brandenburg Gausekretär Neidhardt in Begleitung de? ver- teidigers. Rechtsanwalls Dr. Joachim, ihm einen Besuch ab. Rothe. der immer seine Unschuld betont halte, begrüßte die Reichsbanner- kameraden mit kräftigem Freiheitsgruß. Trotz des Hungerstreiks zeigte er sich keineswegs niedergeschlagen, sondern nahm mit natür- licher Frische die Mitteilung entgegen, daß seine Angelegenheit in breitester Oesfenttichkeit mit größtem Interesse verfolgt, und daß von i«n befreundeten Stellen alles versucht würde, um im Wieder- ausnahmeoerfahren das gegen ihn ergangene Urteil zu beseitigen. Die Urteilsbegründung im Falle Rothe ist gestern der Ver- teidigilng zugegangen. Die Vorbereitung des Wiederausnahmc- verfahren» ist sofort in Angriff genommen worden. zum Kampf. Tarifvertrag und Schlichtung. sitzung beschäftigt hatten. Darauf sei unter dem Namen„Sozialer Dienst" eine Arbeitsgemeinschaft der am Freiwilligen Arbeitsdienst interessierten Spitzenorganisationen der Arbeiterbewegung ins Leben gerufen worden. Die Bundesleitung hat sich ständig mit allen Plänen zur Arbeitsbeschaffung. die in der Oessentlichkeit auftauchten oder aus dem Verhandlung?- wcge an sie herangetragen wurden, auseinandergesetzt. Im Hinblick auf die bevorstehende Verwaltvngsratssitzung des IAA. verlangt der ADGB. von dem Vertreter der deutschen Regierung im Ver- waltungsrat, daß er sich tatkräftig und wirkungsvoll für ein inter- nationales Abkommen zur Einführung der Vierzig- stundenwoche einsetzt. Schlimme berichtet über ein« Vorsprache beim preußischen JnnettmkNisker wegeiif d« oucks durch die Presse bekanntgewordene» Verantosiung� von Nachforschungen über die Organisation de» Reichsbanners und der H a m m e r s ch a f t e n. Gegen dieses Verfahren hat die Bundesleitung in der Unterredung mit Minister Bracht Einspruch erhoben. Eggert gibt einen Ueberblick über den Papen- Plan und seine Tendenzen. Der Plan der Regierung beruht auf der Annahm« einer bald zu erwartenden wellwirtschaftlichen Besse- rung. Diese Annahme ist bisher nicht durch unzweideutige, deutlich sichtbare Tatsachen begründet. Der Plan geht jener davon aus, daß große Arbeitsmöglichkeitcn am Produktionsapparat der deutschen Wirtschaft, große Mengen Reparaturen usw. vorhanden seien. Diese Annahme sei e r st recht unzutreffend. Der Produttionsapparat übersteige bei weitem die Konsummöglichkeit in der Gegenwart. Er sei sogar in dem Konjunkturjahre 1929 nur zu 7S Proz. ausgenützt worden. Die mangelnde Beschäftigung beruht auf dem Mangel an innerem und äußerem Absatz. Der Papen-Plan geht einen Weg, der demjenigen unseres Arbeitsbeschaffungsplanes genau«nt» gegen gesetzt ist. Der antisozialistische Arbeitsbeschaffungsplan der Regierung Popen will die Kräfte des privaten Unternehmertums enl- fesseln und diesem den Arbeitern gegenüber weitestgehende Willkür gewähren. Eggert bespricht eingehend das System der S t e u e r a n r e ch- nungsschcine. Nach Lage der Dinge sei anzunehmen, daß die Steueranrechnungsscheine in weitem Ausmaße zur Zahlung der Steuern verwendet werden. In welchem Umfange dabei Arbeits- beschaffung herbeigeführt werden soll, bleibe das Geheimnis der Reichsregierung. Große Verwirrung stifte bereits jetzt ihre zweite Maßnahme: Die Bereitstellung von weiteren 700 Millionen(neben den 114 Mit- liarden Steueranrechnungsscheinen) als Prämie für Mehreinstellung von Arbeitern. Eine dritte Ungeheuerlichkeit ist zu nennen, daß Unternehmun- gen, die Aufträge von der öffentlichen Hand erhalten, die Prämie gleichfalls erhalten sollen. Als vierter Widersinn der Verordnung sei zu erwähnen, daß auf der einen Seite die Steueranrechnungsscheine die Wirtschast in Gang setzen sollen, während gleichzeitig die Lohnsenkung eine Ver- ringerung der Massenkauskrast mit sich bringt. Der deutsche Produktionsindex zeige 54 Proz. gegenüber der Produktion von 1928. Und bei dieser Tatsache wolle die Regierung den Ausbau des Produktionsapparates finanzieren, der heute nur zur Hälfte genützt wird. Dieser Plan müsse von den Gewerkschaften bekämpft werden. Spliedt berichtet über die Besprechungen von Bundesvertretern mit dem Reichsarbeitsminister am 8. September, über die der „Vorwärts" bereits berichtet hat. Wenn der sozialpolitische und tarifpolitische Teil der Verordnung zur Durchführung käme, so würde sich eine Unzahl von Mißbräuchen herausstellen, und die Wachsamkeit und Geschlossenheit der Arbeiter in den Betrieben müsse größer sein denn je zuvor. Womöglich noch schlimmer als der erste sei der zweite Teil der Verordnung, der die Senkung des Tariflohnes in„g e- fährdeten Betrieben" gestattet. Es sei keine Frage, daß dieser Weg von den Gewerkschaften auf das entschiedenste a b g e- lehnt werden muß. Auch das seit langem bestehende Bestreben, die Löhne der Gemeindearbeiter und der Arbeiter in den gemischt- wirtschaftlichen Betrieben an die Löhn« der Reichsarbeiter anzu- Jetzt gang i ans Brünnele... 'a r- � Da fetz' i mein' herziausigen Schah bei ein'm andere steh'n... Nazi-Llntersuchungscheater. Die Vorgänge am Gkagerraktag.- Die Polizeibeamten wehren sich. Die Fortsetzung der Zeugenvernehmung im Polizeiunter- suchungsausschuß ergab, daß die Berliner Nazis am 31. Mai, dem Gedenktag von Skagerrak, Tausende ihrer Anhänger zu einer Demonstration in jene Straßen bestellt hatten, durch die die Skagerrak-Wache zog. Diese Demonstranten haben sich nicht nur damit begnügt, in der Bannmeile mit gewaltigem Geschrei für Hitler zu demonstrieren und die Polizei zu beschimpfen und tätlich zu bedrohen. Sie haben auch mehrfach versucht, die Polizei- ketten zu sprengen und die Polizei anzugreifen. Dagegen haben sich die Polizisten gewehrt und die Angreiser mit dem Gummiknüppel dort zurückgeschlagen, wo es mit Worten nicht ging. -i- Bors. Schwenk untersagt in der Bormittagssitzung das Photographieren. Dann wird als erster Zeuge Polizeimajor Schmer» deck gehört, der einen Teil der polizeilichen Sicherungsmahnahmen am Skagerräk-Tag geleitet hat. Die Mahnohmen hätten sich genau im Nahmen derjenigen der Vorjahre gehalten! es seien sogar einige Milderungen vorgesehen gewesen. Im Einver- ständms mit dem Gruppenführer habe er ausdrücklich angeordnet, Heil-, Hurra- und Hochrufs nicht als politische Demonstrationen an- zusehen. Die Aufgabe der Polizei sei gewesen, im Rohmen des Bannmeilengesetzes und des Demonstrationsverbotes den ruhigen Verlauf des Aufzuges der Marinewache zu sichern und gegebenen- falls Demonstrationen zu oerhindern. Schon am ZV. Mai bei dem ersten Aufzug der Wache hätten sich sofort nach Verlassen der Kaserne kleinere Demonstrationszüge gebildet, die aber durch güt- liches Zureden zur Auslösung oeranlaßt werden konnten. Anders sei das Bild am 31. Mai gewesen. Schon in der Rathenower Straße, besonders vor dem alten Kriminalgericht. hätten sich größere geschlossene Demonstrationszüge gebildet. Ein gütliches Zureden habe an diesem Tage nicht geholfen. Neben den Rufen„Heil Hitler",„Deutschland erwache" und andererseits auch„Heil Moskau" wurde ein wüstes Geschimpfe auf die Polizei laut. An der M o l t k e b r ü ck e sei zum Schutz der dort beginnen- den Bannmeile ein Kommando von etwa ZV Polizeibeamten aufgestellt gewesen, das von den marschierenden Demonstranten ange- griffen wurde. Infolgedessen habe der Befehl zum Gebrauch des Gummiknüpvels gegeben werden müssen. Man müsse bedenken, daß die an der Brücke postierten etwa 30 Beamten den Austrag hatten, die Bannmeile gegen Tausende von Demonstranten zu schützen. Nach der Mittagspause wird Polizeioberstleutnant Schindler, der stellvertretende Gruppenkommandeur Berlin-Mitte, vernommen. Er bekundet, er sei selbst mit dem Kraftwagen durch die Demon- strationsstraßen gefahren. Er gibt an, die Masse sei neben der Wache in mindestens acht Reihen nebeneinander marschiert und habe politische Demonstrationsrufe gebrüllt. Es erfolgte dann weiterhin die Vernehmung der beiden Polizeileutnants Gchrmann und Petter, die den Befehl hatten, an der Moltkebrücke die Absperrung durchzuführen. Beide sagen übereinstimmend aus, daß sich ihnen gegenüber eine nach Tausenden zählende Menge von politischen Demonstranten an- gesammelt hätte, die auf ein Kommando hin den Versuch gemacht hätten, die Sperrlinie zu durchbrechen und sie tatsächlich auch durchbrochen hätten. Sie seien deshalb genötigt gewesen, den Befehl zum Eingreifen mit dem Gummiknüppel zu geben. Alle Versuche nationalsozialistischer Abgeordneter, aus den Be- amten im Kreuzverhör herauszuholen, daß sie ohne zwingenden Grund hätten einschlagen lassen, stellten die beiden Beamten fest entgegen, daß sie nur um dem Bann meilengesetz Achtung zu oerschassen und die Sperrlinic nicht durch- brechen zu lassen, gegen die ofsenkundig organisierte Demonstration eingeschritten seien. Es kam dabei wiederholt der mysteriöse Brief de« verstorbenen Polizeimajors Maaß zur Sprache, der an die Nationalsozialistische Partei gerichtet ist und die Polizei- offiziere an der Moltkebrücke strafbarer Handlungen beschuldigt. In dem Brief schildert Maaß, daß er in einem Polizeiwagen zur Moltkebrücke gefahren sei und dort auch von einem der Polizei- ossiziere gesehen worden sei. Alle Polizeiosfiziere, die an der Moltkebrücke waren, sogen mit der größten Bestimmtheit aus, daß sie weder einen Polizeiwagen, noch einen Polizei- o s s i z i e r einer anderen Inspektion dort gesehen hätten, obgleich sie ihn hätten sehen müssen. Es ergab sich ein eklatanter Widerspruch zwischen den Angaben dieses mysteriösen Brieses und den bestimmten Aussagen oller Polizeizeugen. Danach wurde Zeuge Syndikus Jansen vernommen, der in Tönen höchster Entrüstung vortrug, daß die Polizei grundlos und brutal in eine unpolitische Menge einge» schlagen habe, die keineswegs einen Demonstrationszug ge- bildet habe. Er schilderte u. a., wie ein Ellernpaar geschlagen worden sei, das mit einem Kinderwagen in die Menge geraten war. Auch hier ergaben sich eklatante Widersprüche. Der Zeuge Jansen behauptete, es fei lange vor de in Herannahen der Reichswehr geschlagen worden und dann wieder ein zweites Mal, als die Wache aus der Brücke gewesen sei. Die Polizeiosfiziere hielten dem entgegen, daß ein Teil der Bereitschaft er st nach dem Zeitpunkt eingetroffen sei, den der Zeuge Jansen angab und daß der Befehl zur Absperrung über- Haupt beim Herannahen der Wache gegeben worden sei. Zum Vorfall mit dem Kinderwagen sagen die Beamten über- einstimmend aus, daß der Wagen und die Eltern hinter die Sperr- kette gezogen worden sei, um ihn zu schützen, daß dabei nicht ge- schlagen worden sei, daß dagegen Demonstranten sich bemüht hätten, den Kinderwagen festzuhalten, um ihn nicht durch die Sperrkette bringen zu lassen. Der Zeuge Jansen beschuldigte schließlich den Polizei- leutnant Petter, schon vor dem Herannahen der Wache ein- geschlagen zu haben. Leutnant Petter bestritt dies auf das ent- schiedenste. Die Vernehmungen werden am Dienstag fortgesetzt, aber da« Bild ist jetzt schon ganz klar: eine verbotene Nazidemonstration, die in die Bannmeile eindringen wollte, wurde daran durch den Ge- brauch des Gummiknüppels gehindert. Die Nationalsozialisten, die erst dem Untersuchungsausschuß zugesetzt haben, bemühen sich jetzt noch täglich, neue Zeugen für ihre Behauptungen aufzutreiben. gleichen, wird jetzt von neuem wieder aufgenommen. Das erst kürzlich abgeschlossene Tariswerk für die Gemeinde- a r b e i t e r werde dadurch zerschlagen. Es wurde dem Minister kein Zweifel darüber gelassen, daß die Arbeiierschasi alle Wege beschreiten werde, um den sozial- politischen Teil der Verordnung, insbesondere den Eingriff in den Tariflohn, zu Fall zu bringen. Clemens Rörpel gab dem Bundesausschuß eine Darstellung der arbeitsrechtlichen Fragen und Wirkungen, die sich aus der Notoerordnung ergeben. Die Notverordnung der Regie- rung von Papen unterscheidet sich von den Notverordnungen des Kabinetts Brüning grundsätzlich dadurch, daß diese im Rahmen der Verfassung zwar eine andere Vertrags e r f ü l l u n g vorschrieben, ober die feste Vertragsgrundlage nicht antasteten, während die neue Notoerordnung die Vertrags grundlage tatsächlich beseitigt und damit die Vertragstreue sinnlos macht. Damit ist aber auch dem Tarifvertrogswesen die Grundlage genommen, denn wenn die Tarif- vertrüge nicht mehr ihrem Inhalte nach gelten, können sie auch nicht den Wirtschaftsfrieden sichern, und wenn die Vertrags- treue als solche beseitigt worden ist, können die Gewerkschafts- Mitglieder unmöglich noch ein Verständnis für die Friedens- und Durchführungspflicht haben. Es ist eine ganz neue Sachlage ein- getreten, nämlich der Zustaad völliger Auflösung oller vertragsgrundsähe. Die Beseitigung der Unobdingbarkeit hält Nörpel für verfassungswidrig. Er legt dar. daß er sich mit dieser Auf- sassung in Uebereinstimmung befindet mit den Unioersitätsprofessoren Sinzheimer, Hipperdey und Dersch. Es würden also Arbeiter, denen vom Tariflohn Abzüge gemacht werden, den vollenTariflohn einklagen können. Eine solche Klage würde zugleich zur Nachprüfung der Verfassungsmäßigkeit der Bestimmungen der Not- Verordnung führen. Eine derartige Klage kann weiterhin aber auch auf eine Ueberschreitung der der Reichsregierung übertragenen Be- sugnisse gestützt werden. Der§ 1 des zweiten Teils der neuen Notverord- nung, der sich mit den sozialpolitischen Mahnahmen beschäftigt, gibt der Reichsregierung das Recht, die sozialen Einrichtungen zu vereinfachen und zu verbilligen. Ein Eingriff in die Unabdingbarkeit der Tariflöhne kann aber un- möglich unter diese Begriffe fallen, denn sie ist keine Vereinfachung und Verbilligung einer sozialen Einrichtung, sondern ein s o z i a l e s Recht. Soziales Recht kann man aber nicht vereinfachen und verbilligen, sondern nur ganz oder teilweise aufheben. Dies letztere ist aber durch die Notverordnung der Reichsregierung tat- sächlich nicht zugebilligt worden. Im Gegensatz zur Notoerordnung vom 8. Dezember 1931, durch welche die Tarifparteien verpflichtet wurden, die Löhne zu kürzen, ist diesmal dem Arbeitgeber nur das Recht zur Kürzung zugesprochen worden. In der Notverordnung besteht nach fj 1 die „Berechtigung", nach§ 7 die„Ermächtigung" zur Kürzung der Löhne. Der Arbeitgeber kann also die Löhne kürzen, er m u ß es aber nicht. Eine etwa mit der Gewerkschaft getroffene Ver- einbarung, daß kein Abzug vorzunehmen ist, würde den Arbeit- geber binden. Der Arbeitgeber hat auch nur ein einmaliges Recht zur einseitigen Kürzung, es sei denn, daß neue Verhältnisse ein» treten, durch die er das Recht zur einmaligen Kürzung von neuem erwerben würde. Zahlt der Arbeitgeber ausdrücklich oder still- schweigend die bisherigen Löhne weiter, obwohl die Voraussetzungen nach der Notoerordnung zur Inanspruchnahme des Rechts auf Lohnkürzung vorliegen, oder stimmt er nur einen teilweistn, Abzug vor, so tritt eins Berwirkung dez Rechts ein. In der Aus- fllhrungsverordnung wird ausnahmslos von den „jeweiligen karifvertraglichen Lohnsätzen" gesprochen. Was es damit auf sich hat. erläuterte Nyrpel an folgen- den Beispielen: Beträgt der Tarifstundenlohn 89 Pf., der im Betrieb tatsächlich zu zahlende Lohn aber 100 Pf., so sind 20 Pf. davon llbertariflicher Lohn. Bei der Berechnung eine» Abzugs von 10 Proz. darf also nur von 80 Pf. abgezogen werden, so daß der Abzug 8 Pf. beträgt. Es verbleiben somit 72 Pf. an Tariflohn, zu denen 20 Pf. übertariflicher Lohn treten. Der neue Lohn ergibt mithin 92 Pf. gegen 100 Pf. des früheren Lohnes. Auf die A k k o r d l ö h n e-hat die Ermäßigung keinen un- mittelbaren Einfluß. Denn da fast alle Tarifverträge nur be- stimmen, daß bei Akkordarbeit IS oder 20 oder 25 Proz. Mehr- oerdienst zu garantieren ist. kann sich nur die Akkordbasis er- mähigen. Beträgt also der Tariflohn 80 Pf. und sinkt er nach dem Abzug von 10 Proz. auf 72 Pf., dann hat der Arbeitgeber nur das Recht, den garantierten Akkordüberverdienst nunmehr auf 72 Pf. aufzubauen. Tatsächliche Kürzungen de» Akkordverdienstes wären nur durch Aenderung der Arbeitsverhältnisse möglich. Will der Arbeitgeber übertarifliche Löhne oder tatsächliche Akkordver- dienste abbauen, weigert sich aber die Belegschaft hierauf einzu- gehen, und sperrt der Arbeitgeber deshalb aus, so kann die Gewerkschaft die Ausgesperrten unterstützen, weil es sich um einen reinen Abwehrkampf handelt. Das Reichsarbeitsgericht hat in solchen Fällen wiederholt in diesem Sinne entschieden. Die Berechtigung der Arbeitgeber zur Lohnherabsetzung und die Ermächtigung des Schlichters hierzu auf Grund der Notverord- nung hat in keinem Falle tarifliche Wirkung. Sic wird nicht Inhalt der Tarifverträg«. Die Notoerordnung verpflich- tet nicht die Tarifparteien zur Tariflvhnherabsetzung, sondern sie berechtigt oder ermächtigt nur den Arbeitgeber dazu. keine gewerkschaftliche Organisation ist daher bei solchen Blaß- nahmen an die Friedens- und Durchführungspflicht gebunden. Jede Gewerkschaft hat es nur mit dem Arbeitgeberverband oder mit dem Arbeitgeber als T a r i s p a r t e i zu tun. Jede Gewerkschaft kann vom Arbeitgeberverband oder vom Arbeitgeber als Tarif» parte! Zahlung der Tariflöhne verlangen. Das schuldrechtliche Per- hältnis der Tarlfparteien, wie ez schon immer bestanden hat, ist durch die Verordnung nicht geändert. Geändert wurde nur die nor- matioe Wirkung der Tarifverträge. Es bleibt dabei, daß die Ge- wertschaft auf die Durchführung des Tarifvertra- ges in vollem Umfange dringen kann. Wie in der Vorkriegszeit die Organisation in der Lage war. in einem solchen Falle den Arbeltgeber zu bestreiken, ohne Tarif- bruch zu begehen, so kann sie es im gleichen Falle auch jetzt tun. Auf diese Feststellung legte Nörpel entscheidenden Wert. Recht- lich und verfassungsmäßig führen wir unseren guten Kamps zur Erhaltung der Arbeiterrechte. Und die Abwehr der ungeheuerlichen Eingriffe der Notoerordnung in die infolge der Krise ohnehin stark verkümmerte Lebenshaltung der Arbeiterschaft ist nur möglich durch ein wagemutiges und entschlossenes Auftreten der gewerkschaftlichen Mitgliederschast. In der anschließenden Aussprache, die L e i p a r t mit einigen Erläuterungen über die taktische Lage der Gewerk- schasten, die er nicht ungünstig beurteilt, eröffnete, wurde die Er- örterung der rechtlichen und tatsächlichen Wirkungen der Notverord- nung auf Grund der vorgetragenen Referate sortgesetzt und bis in die Einzelheiten hinein verfolgt. Leipart faßte das Ergebnis der Beratungen zusammen. Es wird jetzt eine der Aufgaben der Gewerkschaftsbewegung sein, gegen- über dem neugeschaffenen Recht ihre Rechtsauffassung in der Oessentlichkeit mit überzeugender Wirkung zu vertreten. Trotz der verschiedenartigen Lage in- den einzelnen Berufen haben alle Ge- werkschaften das gemeinsame Interesse, gegen die lohn- politischen Auswirkungen der Notoerordnung schärf st en Wider- stand zu leisten. Den Bemerkungen über Wert ustd Unwert der Tarifverträge in der gegenwärtigen Lage, die in der Debatte „Schicksal nach Wunsch." llraufführung in den„Kammerspielen". Nach einem Vorspiel, das sehr witzig den Senderaum nutzt, vier(von Christa Winsloei geschriebene dialogisierte Feuilletons über mancherlei Probleme' der modernen Ehe, insonderheit der der höheren Kreise. Eine reizende kleine Frau tändelt zwischen zwei prominenten, sehr beschäftigten Männern und wird von einem stechen Sportlümmel genommen. Moral: Zur Liebe braucht man freie Zeit. Das sonst sehr anspruchsvolle Publikum dieses Literatur- theaters schien sich bei den harmlosen Plaudereien zu belustigen. R. Sr. gefallen waren, fügte Leipart hinzu, daß auch das Schlich- tungswesen in seiner heutigen Form seinen Wert immer mehr verliert, je mehr die Staatsgewalt dazu übergeht, es nur noch als Mittel zur Behinderung der Gewerkschaften zu handhaben. Wir wiederholen, fuhr Leipart fort, daß nach unserer Auf- sassung, die sich auf Erfahrungen der letzten Jahre stützt, der weitere Lohnabbau die von der Regierung erwartete Wirkung ihrer Maß- nahmen, die Ankurbelung der Wirtschaft, durchkreuzen wird. wir erklären unseren entschiedenen Prolest und unseren Willen zum energischen Widerstand gegen den geplanten Lohn- abbau und gegen die Durchbrechung der llnabdingbarkeil der Tarisverträge. Diese Durchbrechung der Unabdingbarkeit hebt den Sinn der Tarif- vertrüge auf. Di« Gewerkschaften sind im besonderen Gegner dieser Maßnahinen, weil die Tarifverträge die tiefste Grenze der Ent- lohnung, den Schutz der Lebenshaltung der Arbeiterschaft nach unten festsetzen. Dieser Schutz entfällt durch die Bestimmungen der Not- Verordnung. Damit werden die Tarifverträge für die Arbeiterschaft wertlos. Damit' verliert die Arbeiterschaft das Interesse an ihnen. Und dansit schwindet auch das Interesse der Gewerkschaften an der tarifvertraglichen Regelung. Aus dieser Erkenntnis werden die Verbände im einzelnen ihre Konsequenzen ziehen. Leipart schloß die Sitzung mit der Feststellung, daß diese von ihm gezogenen Folgerungen aus dem Verlaus der Beratungen die ungeteilte einmütig« Zustimmung des Bundesausschusses gefunden haben. Reichsbahn gegen Hindenburg? Massenentlassungen statt Arbeitsbeschaffung. Die Eisenbahnerorganisationen hatten am Freitag eine Besprechung mit dem Reichsverkehrsmini st er über die Abbaupläne der Reichsbahn. Der Minister teilte mit, daß mit der Hauptverwaltung im Sinne der Forderungen der Gewerk- schaften zur Vermeidung der geplanten Entlassungen oerhandelt worden sei. Ein abschließendes Ergebnis liege im Augenblick noch nicht vor. Der v o r l ü u s i g e Abschluß der Verhandlungen mit der Reichsbahnhauptverwaltung sehe folgendermaßen aus: Die Reichsbahn-Hauptverwaltung verfüge auf Grund der ihr im nächsten Jahr zufallenden Steueranteilscheine ab November über etwa 130 bis 143 Millionen Kapital. Das gebe ihr die Möglichkeit, Bahnunterhaltungsarbeiten, die zurückgestellt werden sollten, nun doch in Angriff zu nehmen. Die Reichsbahn-Haupt- Verwaltung habe sich bewegen lassen, von dieser Möglichkeit(gebrauch zu machen. Sie sei bereit, zunächst ab 1. Oktober mit Umbauten zu beginnen, und zwar in einem Umfang, daß dadurch etwa 12()(>(> Arbeiter für die Zeit von zwei Monaten Beschäftigung erhalten. � Die Verhandlungen zwischen dem Reichsverkehrsministerium und der Reichsbahn-Hauptoerwaltung werden, wie der Minister oer- sichert«, weitergeführt, sobald der Generaldirektor Dr. Dorp- müller nach Berlin zurückgekehrt sein wird. Die Vertreter der Organisationen machten im Verlauf der Besprechung den Verkehrs- minister nochmals darauf aufmerksam, daß auch auf dem Weg der Arbeitszeitverkürzung die Reichsbahn etwas zur Ver- meidung der drohenden Entlassungen tun könne und müsse. Der Generaldirektor der Reichsbahn Dr. Dorpmüller weilt zur Zeit in Genf. Man darf wohl annehmen, daß Dr. Dorpmüller von Genf, wo er für die Förderung der internationalen Arbeits- beschafsung tätig ist, mehr Bereitschaft für die heimische Arbeits- beschaffung mitbringt, als sie bisher die Hauptverwaltung gezeigt hat. Wohltätigkeit beginnt, wie die Engländer sagen, zu Hause. Gewiß wird der Generaldirektor auch in der Frage der Arbeitszeit- Verkürzung von Genf, wo ja in Kürze der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes gerade dieses Problem der Arbeits- beschafsung und-erhaltung von neuem anpacken wird, neu« Impulse mitbringen. Die Arbeitszeit bei der Reichsbahn paßt herzlich schlecht zu dien Arbeitszeitverkürzungsbestrebungen, die sich heute in der ganzen Welt regen. Das Volk kann es auch absolut nicht verstehen, wie der größte Unternehmer Deutschlands 52 000 Arbeiter abbauen will, wenn 62 Proz. der Belegschaft bei der Reichs- bahn 54 bis 57 Stunden pro Woche arbeiten. Schließlich darf nzan erwarten, daß ein Mann wie Dr. Dorp- müller, der auf internationalem Parkett zu verhandeln aewohnt ist, mehr Fingerspitzengefühl besitzt, als bisher so manche Männer des neuen Kurses verraten haben. Unter den Tausenden von Eisen- bahnarbeitern, auf denen die Furcht vor dem Arbeitsloswerden lastet, sind viele, die bis zu 35 Jahren bei der Reichsbahn beschäftigt sind. Diese Leute haben aus eigenen Mitteln unter schwersten Opfern die bei der Reichsbahn vorhandenen sozialen Ein- richtungen wie Betriebskrankenkasse und Arbeiterpensionskasse mit ausgebaut. Sollen diese Arbeiter, die doch alle diese Opfer nur gebracht haben, weil sie glaubten, sie hätten bei der Reichsbahn in ihrem Leben ein gesichertes Brot, nun mit der Entlassung die Rechte an den sozialen Einrichtungen verlieren? Oder will die Haupt- Verwaltung der Reichsbahn sich den Richtlinien, die der Reichs- Präsident der Regierung zur Ueberwindung der Arbeitslosigkeit gegeben hat. widersetzen? Papen übertrumpft! Draunkohtenbesiher wollen noch proz. Lohnabbau Die Arbeitgeberverbände für den mitteldeutschen und oft- elbischen Braunkohlenbergbau haben die Gehaltstarife der technischen und kaufmännischen Angestellten gekündigt. Ihre Grundgehälter sollen um 5 bis 15Proz. und die Dienst- alterszulagen durchweg um die Hälfte, außerdem die sozialen Zulagen um 10 Proz. herabgesetzt werden, so daß sich ein durchschnittlicher AbbauumetwaltzProz. ergeben würde. Die stärkste Kürzung soll bei den unteren Gruppen eintreten, z. B. bei den technischen Aussehern von 220 aus 17 0 Mark. Und dies alles, nachdem im Januar d. I. die Gehälter der Braunkohlenangestellten bereits um 15 Proz. gekürzt und die Leistungszulagen fast vollständig„abgebaut" worden sind. Die Erregung der Angestellten über die Abbauforderungen ist um so größer, als das Vorgehen der Unternehmer jeder fach- lichen Begründung entbehrt. Kaum ein zweiter Industrie- zweig dürste sich als so k r i s e n f e st erwiesen haben wie die Braunkohle. Bei der Mehrzahl der großen Braunkohlengesell- schasten haben die Dividendenzahlungen überhaupt keinen Rückgang erlitten. Die Rationalisierüng hat den Zechenbesitzern außer- ordentliche Vorteile gebracht. Ungefähr 5 0 Proz. der Arbeiter und Angestellten sind entlassen worden. Die L e i st u n g pro Mann und Schicht ist ganz engrm g e st i e g e n und der L o h n a n t e i l sehr beträchtlich gesunken. 1932 ist nur ein ganz geringfügiger Produktionsrückgang eingetreten. Die Haldenbestände in Briketts sind zum größten Teil geräumt worden, so daß im Effekt im Laufe dieses Jahres eine Absatzvermehrung zu verzeichnen ist. Das Vorgehen der Unternehmer findet eine Erklärung nur in der veränderten politischen Lage. Die riesigen Steuergeschenke und die Einstellungsprämien zuzüglich Lohnabbau der Regierung von Papen genügen ihnen noch nicht; sie wollen noch eine allge- meine Kürzung der Tarifgehälter. So sieht die berühmte„Initiative der Privatwirtschaft" aus. Was sagt die Regierung zu dieser Auslegung ihres Wirtschasts- Programms? Die ersten Verhandlungen zwischen den Tarifparteien sind g e- scheitert. Neue Nerhandlnugen finden am 14. September in Halle statt. Die Braunkohlenunternehmer wollen scheinbar aufs Ganze gehen. Sie drohten in der ersten Verhandlung, Ende Sep- tember sämtlichen Ange st eilten zwecks Abschluß von EinzeKdienstverträgen zu kündigen, wenn die Gewerkschaften dem Gehaltsabbau nicht zustimmen würden. Im Vertrauen darauf, daß die Schlichtungsinstanzen in der Frage der Verbindlichkcitserklärung sich passiv verhalten, hofft man von dem lästig empfundenen Tarifvertrag los zu kommen. Das ist die wahre Kalkulation der Unternehmer. Die. Tarif- oerträge sollen erhalten bleiben, aber die Verantwortung der Tarif- Parteien müsse gestärkt und deshalb dürfte nur in seltenen Fällen von der Derbindlichkeitserklärung Gebrauch gemacht werden, so sagte Herr von Papen in Münster. Der Vorgang in der Braunkohle zeigt, daß die Unternehmer in den Erklärungen des Herrn von Papen in Münster ein Signal zur Zerschlagung der Tarifverträge er- blicken. So hat der neue tarispolitische Kurs das Verantwortungsbewußtsein der Unternehmer gestärkt! Maßschneider wehren sich erfolgreich. Es ist manckes möqlich- wenn die Arbeiter einig sind- Im Reichsarbeitsininisterium zerbricht man sich schon mehrere Tage den Kopf oarllber, ob man den Lohnabbauschiedsspruch für das Maßschneidergewerbe für verbindlich erklären soll oder nicht. Di« Entscheidung dürfte, wenn das Reichsarbeitpministerium wirklich noch an d«r tariflichen Regelung der Lohn- und Arbeits- bedingungen ein Interesse hat, jetzt nicht mehr schwer fallen, nach- Sem einige Berliner Maßschneidereigeschäste den Beweis erbracht haben, daß sie ohne Schaden für ihr Geschäft nicht nur die Löhne des Schiedsspruches, sondern noch mehr zahlen können. Es handelt sich dabei um die ersten Maßgeschäfte Berlins, den I o ck e y k l u b sowie die Firmen Fabian u. Hirsch und Meyer u. Engel Un:er den Linden. In diesen drei Betrieben waren die Maßschneider am Montag nicht mehr zur Arbeit er- schienen, weil sie zu den Diktatlöhnen der Berliner Unternehmer des Maßschneidergewerbes nicht arbeiten wollten. Das Unter- nehmerdiktat sah einen Stundenlohn von 87 Ps. in der Spitze vor, während der Schiedsspruch für Berlin einen Spitzenlohn von 90 Pf. gegenüber bisher 1,03 M. festgesetzt hatte. Durch Verhandlungen zwischen den Firmenleitungen und den Betriebsräten ist in den beiden ersten Betrieben erreicht worden, daß zu den diktierten Löhnen von 87 Pf. pro Stunde noch ein Oualitätszuschlag von 7 Pf. gezahlt wird, insgesamt also noch 4 Ps. mehr als der Schiedsspruch gebracht hatte. Zu diesen Bedingungen ist im Jockeyklub und bei der Firma Fabian u. Hirsch am Freitag die Arbeit wieder aufgenommen worden. Bei der Firma Meyer u. Engel ist eine ähnliche Regelung getrofsen und bereits am Mittwoch die Arbeit ausgenommen worden. Bei den Firmen F a ß k e s s e l u. M i n t m a n n, Neue Wilhelmstraß«, Skala, Neue Wilhelmstraße und M i ch a l> d e s, Unter den Linden, in denen aus den gleichen Gründen am Montag die Arbeit nicht wieder ausgenommen wurde, schweben ebenfalls Einigungsverhandlungen, die auf der gleichen Grundlage geführt werden wie bei den oben angeführten Firmen. Es ist jedenfalls durch diese Maßgeschäste der unwiderlegliche Nachweis erbracht worden, daß oie Unternehmer des Maßschneider- gewerdes noch höhers als die Löhne des von ihnen abgelehnten Schiedsspruches zahlen können. Allerdings hat die geschlossene Abwehr der Maßschneider wesentlich zu dieser Erkenntnis bei- getragen. Konflikt im Ruhrbergbau. Gescheiterte Verhandiunaen In Essen fanden am Freitag die ersten Verhandlungen zwischen dem Zechenverband und Bergarbeiter- verbänden zur Neuregelung des Mehrarbeitsabkom- mens und des L o h n t a r i f s statt. Das Mehrarbeitseinkommen ist von den Gewerkschaften, der Lohntarif von den Zechenbesitzern gekündigt worden. Die Verhandlungen verliefen ergebnislos. Der Termin für die weiteren Verhandlungen unter dem Vorsitz des Schlichters steht noch nicht fest. In der A r b e i t s z e i t f r a g e hat der Zechenverband bean- tragt, an der jetzigen Arbeitszeit von 8 Stunden unter Tage und an den entsprechenden Bestimmungen für die Arbeitszeit über Tage im wesentlichen s e st z u h a l t e n. Die Gewerkschaiten forderten demgegenüber unter Tage eine Schichtdauer von 6% Stunden, über Tage eine solche von 6 Stunden und 40 Minuten; wobei die Möglichkeit zu geben wäre, an fünf Tagen eine Achtstunden- schicht zu verfahren. In der L o h n f r a g e wiederholte der Zechenverdand seine Forderung, die Lohnregelung den unterschiedlichen Verhältnissen der 160 Schachtanlagen des Ruhrbergboues„besser anzupassen". Diese Forderung geht dahin, die heutigen Tariflöhne um 12 Proz. zu senken. Mindestens zwei Drittel der Gesamt- belegschaft soll angeblich bei dieser Regelung in ihrem Lohn nicht schlechter gestellt werden als heute. In nicht allzu ferner Zeit wird auf einen Ruhrbergmann die gleiche Leistungsmenge entfallen wie auf zwei vor einigen Iahren. Dieser Tatbestand zwingt zu einer Verkürzung der Arbeitszeit, d. h. zu einer systematischen sozial gerechten Ver- teilung des vorhandenen Arbeitsquantums. Jnfvlge der Steigerung des Schichtförderanteils und der wieder- holten Lohnkürzungen bewegt sich heute der absolute Lohn- anteil im Bergbau trotz des unveränderten Geldwertes erheblich unter dem Stand der Vorkriegszeit. Der Rückgang der Gesamtlohnsumme von 99,3 Mi!» lirnen auf 37,8 Millionen Mark im Monat hat die Geschäftstätig- keit im Ruhrbezirk erheblich gedrosselt und weite Bevölkerung?- schichten in Mitleidenschast gezogen. 3n der Hochseefischerei hat der Verein der Reeder den Organi- sationen der Seeleute Lohn- und Manteltarif zum 1. Oktober ge- kündigt. Die Heuer soll in ähnlichem Grade herabgesetzt werden wie bei der Handelsschisfahrt. Die Logik der Lohndrückerei! t Freie Gewerkschafts-Zugend Berlin Heute, Sonnabend, tl). September, finden folgende Veranstaltungen statt: Achtung! Autofahrt zum Jugendtreffen in Brandenburg a. d.H. am 11. September. Abfahrt heute, 20� Uhr, vom Verbandshaus, Berlin N. 24, Iohannisstr. 14— 15.— Sprechchor-Iugendspiel- und Musik- gruppenmitglieder treffen sich zur Fahrt nach Brandenburg spätestens 19 Uhr Potsdamer Bahnhof, Freitreppe. s Zagendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten teute, Sonnabend, findet folgende Beranftaltung statt: Spiele im reien ab 18 Uhr Sportplatz Humboldthain. Der„Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntag» und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit". Anzeigenpreise: Die einspal t. Milkimeterzeile so Pf., R-klamezetl- 2.— M, „Kleine Anzeigen-- das fettgedruckte Wort 20 Pf. lzuläfstg zwei fettgedruckte Wortes jedes weitere Wort>0 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über IS Buchstaden zählen für zwei Worte- Arbeitsmarkt Millimetcrzeile 2B Pf. Familienanzeigen Millimeter- zeil« tS Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochentäglich von 8Vi bi» 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeigen vor! Verantwortlich für Politik: Victar Schiff; Wirtlchalt: S. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: Z. Steiner; Feuilleton: Herbert Lepdre; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstadt; Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin. Verlag: Porwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckeret und Verlagsanftalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 68. Lindenstraß» 1 Hierzu 1 Beilage. Themcr Sonnabend, den 10. September Staalsoper unter den Linden 20 Uhr R i g o I e 1 1 o staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Was ihr wollt Tflfll. 5 u,%yt Uhr JACKSHEA WILSON, KEPPEL BETTY/ TOGARE LAI-FOUN/GENIA NIKOLAJEWA TRIO DARESCO plAza Bähe Sdiln. BM. 5 u. 8W. Stgi. k.S.B16 ü. El Weichsel 4031 Der liebe Augustin Stadl. Oper Charlottenburs Frauenhofer 0231 Sonnabend, 10. Sept. Turnus III Die Banditen Beginn 20 Uhr Dirigent; Breisach Pfahl, Eisinger, Sydow, ßurgwinkel, Gründgens. Kandl. Egenlauf, Gonszar ÄT ü Uhr 15. Flora 3454 Raudien en. Das berühmte DAYELMA- BALLETT 3 Swifts, Rudi Grasl und weitere Künstler-Truppen, von internalionalem Rai. sonnaDend o. Sonntag le 2 Voniellg. 4n. 8.15 Dir. 4 Ohr kltlno Preise VOLKSBUHNE Theater am BQIewpiatz 01, Norden 2 944 Eröffnung Honteg. 12. Sept., 8 Uhr Der Revisor von Gogol- Regie: Heinz Hilpert CnrtBols/ Kanhov/ Haaft/ Verhoevan Stettiner Sänger Reichshallen-Theater (Dönhoffplatz) Merkor*. 6. 1247. Dir. Mtisel Tägl. 8.15 Uhr, Sonntags 3�0 Uhr(ermäßigte Pr.) EröfrtinngaprogrBmm mit der Burleske Freibad Krumme Lanke Neue Kräfte, Preise 0.50 bis 2.25 M. Vorverkauf 11—2, 5—9 Uhr. fy ste (4 Der Fall Ivar Kreuger| Genie? Wehnsinn? Verbrechen? Die erste umfassende Antwort, gestützt auf bisher völlig unbekannte Dokumente Mitteilongen u Briefe gibt diese Neuerscheinung.— Ganzleinen, origineller Schutzumschlag M.3.50. Versand dch. Nachnahme Bestellen Sie noch heute beim Bund gogon unlautere FlnanzgMChhfto, Abtlg.i Literatur, Manchen 28. riOüTo o unr* Letztes Kinderfest KINDER-FLUGTAG Kl.- Piccards Slratosphären- Flug Das lebende Fliegerspiel Gratis-Tombola Fackelzug SIs 4 Uhr: Attraktionen frei ronoruiork Kinder: Eintritt frei rcuaimn Ebren. v.Freilcort. gvlt.] ilt-HHiHVJIIU'in] r-Theater Im lAdmlralspaiast 1 Täglich 814 Uhr Gitta A l p a r I l | Katharina| I ThGatemWestens Ibis 25. Septemb. 1 täglich 8V« Uhr 1 Stgs. 4 u. 8V* U. I Richard Tauber in Dreimäderi- haus metropol-Theater Täglich 8>l. Uhr~ Jrißi Massary Eine Frau, die wdfi, was sie will! 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Weidttel E 7 3427 5 Uhr Premiere Aschenbrodel 8,30 Uhr Aerzte im Kampf 11 30 Uhr Nachtvorstellung aenovenehre lesslng-Thealer Tägl 8V» Uhr Grete Mosheim Oskar Homolka in Pygmalion Schiller Groimansir. 70,7 1 SteinpL(0 1) 6715 Täglich 8 Uhr „Die versunkene Glocke" Kassenstunden tägl. 10—20 Uhr Herl ins BETRIEB K KEMPIHSklM.5 Rennen zu Karlshnrst Heute nachm. 2/s Uhr Sdimldt- Pauli-Jagdrennen Am 7. September 1932 entschlief meine iiede Frau Anns Riede geh. Sdiolz Kastanienallee 21. Die Einäscherung erfolgt am Mon- tag. dem 12. September, 13 Uhr, im Krematorium Eerichtstraße. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme beim Heimgange meines lieben Mannes und guten Vaters Otto Kraate sagen wir allen Freunden, Bekannten, Parteigenossen und Verbandstollegen unfern herzlichsten Dank. Berts Krasiz u. Kinder. | nerhauie Kochherde feder Art u. Größe. Riesenauswahl, Teilzahlung, trans» portable Kachelöfen, Badewannen-Oefen, Kesselöfen. Die alte Firma Semmler und Bleyberg, Dresdenerstraße 99. 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Wie die gefährliche Krankheit verläuft— Der Erreger noch nicht bekannt Alljährlich um tne cherbstzeit wird die Kinderwelt immer wieder von der spinalen Kinderlähmung heimgesucht. Auch jetzt wieder ist die tückische Krankheit in verschiedene Gegenden Deutschlands eingefallen und hat Erkrankungen in größerer Zahl hervorgerufen. Indessen soll nach Feststellung des Landesaus- schusies für hygienische Volksbelehrung zu irgendwelcher B e- unruhigung keinerlei Veranlassung vorliegen. Di« Krankheit befällt in erster Reihe Kinder vom ersten bis zum vierten Lebensjahr, verschont aber auch ältere Kinder oder Erwachsene nicht. Anfänglich treten unbestimmte Erkältungs- erscheinungen, wie Fieber, Benommenheit, Husten und Schnupfen, gelegentlich auch ein Darmkatarrh auf. Nach einigen Tagen, an denen besonders starke Neigung zu großen Schweißen besteht, stellen sich dann die für die Krankheit charakteristischen LäHmungs- erscheinungen an Armen oder Beinen, am Rumpf oder an den Schultern ein. In leichteren Fällen gehen diese Lähmungen in wenige,, Tagen restlos zurück, doch ist dieser Ausgang leider nicht die Regel, sondern vielsach bleiben auch dauernde Lähmungen oder Verkrüpplungen zurück, und in ganz schweren Fällen er- greift die Lähmung schließlich den ganzen Körper und führt so zum Tode. Den Krankheitserreger selbst kennt man zwar noch nicht mit Sicherheit, allein wir wissen, daß er sich besonders im Nasenschleim, im Auswurf, im Harn und im Darminhalt findet. Aus diesen gelangt er ins Rücke n mark und ruft hier einen Entzündungsprozeß hervor, als dessen Folgen die erwähnten Lähmungen anzusprechen sind. Da die Weiterverbreitung des Krankheitsstoffes durch keimbeladene Tröpfchen beim Husten, Niesen und Räuspern erfolgt, wird man sich also vor Ansteckung hüten können, wenn man venneidet, sich von anderen Personen anhusten zu lassen, wenn man Kranke veranlaßt, beim Husten ein Taschen- tuch vor den Mund zu halten Im übrigen besteht sür die Erkrankung an spinaler Kinder- lähmung eine polizeiliche Meldepslicht, die einen weit- gehenden Schutz gegen die Weiterverbreitung der Krankheit gewährt. Dabei ist es wichtig, daß vor allem das Publiküm keine Krankheitsfälle zu verheimlichen sucht und schon beim geringsten Verdacht einen Arzt zu Rate zieht, d. h. schon bei Erkältungskrankheiten und Magendarmstörungen der lähmung einleiten kann. Kinder, mit denen sich ja die Kinder- Magdeburger Gebiet noch immer heimgesucht. Magdeburg, g. September. Der in den ungewöhnlich heißen Augusttagen erfolgte Anstieg der Erkrankungen an Kinderlähmung zeigt noch keinen deutlichen Abfall. In der Zeit vom 1. bis 7. September sind neun neue Erkrankungen festgestellt worden, von denen sechs allerdings noch auf den Monat August entfallen. Die Erkrankung eines 17jährigen Schülers ist tödlich verlaufen, während es sich bei der Mehrzahl der übrigen Erkrankten um leichte Fälle handelt, die auch bisher an Zahl überwiegend waren. Mehr als die Hälfte der Gesamtzahl der Erkrankten sind schon jetzt restlos geheilt, während bei den übrigen erfahrungsgemäß im Laufe der nächsten Monate ein weiterer Rückgang der Lähmungserscheinungen zu erwarten ist. Nur bei einem Teil dürste ein dauernder Schaden zurückbleiben. Auch in den in der Umgebung Magdeburgs gelegenen Landkreisen hält die Krankheit noch an. In der Woche vom 28. August bis zum 3. September wurden gemeldet aus den Kreisen Wanzleben sieben. Wolmirstedt drei, Jerichow I vier, Jerichow II eine und Neu- Haldensleben drei Erkrankungen. Schließung aller Siettiner Schulen. Slettin, S. September. Der Regierungspräsident und das Provinzialschulkollegium haben am Freitag beschlossen, alle Stettin er Schulen wegen der Ausbreitung der spinalen Kinderläh- m u n g auf drei Wochen zu schließen. Diese Maßnahme ist, so wird von amtlicher Seite betont, nicht auf«inen Vorschlag der Medizinalbehörden, sondern vor allem auf das dringende Ver- langen der Elternbeiräte zurückzuführen. Die Herbstferien werden dafür fortsallen. Bisher waren in Stettin drei Todesfälle an spinaler Kinderlähmung zu verzeichnen. In Swinemünde wurde das Lyzeum vorsorglich auf 14 Tage geschlossen, da eine Lehrkraft an spinaler Kinderlähmung erkrankt ist Fährbooikatafirophe. Explosion fordert 37 Todesopfer im 7lew-�orker Hafen. New Bork, v. September. («ine schwere.Kesselexplosion ereignete sich heute vor- mittag auf einem Fährboot auf deme»slrah» 3 stets an das Btitrtsfctcctartal t. öot. 2 Trevven-echis. zu richte» Verloren wurde das Mitgliedsbuch des Wenossen L e w e n, Weißensee, Charlottenburger Str. W. Der Finder wird gebeten, es an obige Adresse ab- zugeben. Beginn aller Veranstaltungen Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe? I.«reis. Die Mitglieder der„Eisernen Front" beteiligen ssch am Gartenfest de» Reichsbanners, das zugunsten der erwerdslosen Mitglieder in der Hachlchulbrauerei stattfindet. Eintritt M Pf.. Beginn lK Uhr. 7. und 8. Nreis. Erste juristische Sprechstunde»ach den Serichi-serien findet am Sonnabend, lll. September, von 17—18 Uhr. im Jugendheim Rosinen. strafte 4 statt. Gelegenheit zum stirchenauslritt. 18. Kreis. Sonntag. 8 Uhr, treffen sich alle radfahrenden Senoffen mit ihren Rädern bei Gallas, 17. Abt. Außerordentliche Funktionärkonferenz bei Klinge, Sellerstr. 14. Thema:„Die pdlitifche Lage". Referent Genosse g. P. Maner. 99. Abt. Das Reichsbanner Schwarz.Rot.Gold, Orisverei» Reukölln-Briß löportadteilungi, veeanftaltel am Sonnabend. 19. September, ad 17 Uhr, in den Gesamträumen des Erwerdslofenheims, Rudower Str. 80,«in Sohltätigteitsfeft. bestehend aus Garientonzert und Tanzmusik. Mit. glieder der„Eisernen Fraitt" haben gegen Ausweis freie» Eintritt. Die Parteimitglieder werden gebeien. sich recht zahlreich zu beteiligen. 99». Abt. Sonntag vormittag Ireffen wir uns um 9>„ Uhr zur Flugblatt. Verbreitung in den Laubenkolonien an der Halle am Hufeilen. >Zl. Abt. Am Sonnabend, lll. September, 2ll Uhr, Funkttanärverfqmmlung im Lokal Wolfschlucht, Treskowstrafte. Arbeitsgemelnschask der kindersreude Groh-Verlin. Zalkenfest in der Siedlung Lindenbos morgen, Moniag. Trefs, punit der beteiligten Kreise um 14 Uhr Böse- Ecke Alboinftraße. Ansprache: Kurt Löwenstein. Mitte, Abt. Ernst Toller: Montags Turnen Mittwochs Bade- abend. Donnerstags Heimabend.— Abt. W. Liebknecht: Wir treffen uns morgen zur Fahrt nach dem Grunewald um 7U Uhr am Bahn. r Sonnowitzbritcke(Ecke Holzmarktftraftei. Unkosten tä Ps, Rest. .«reuzdeeg: Der Kreis trifft sich zum Falkentag in der Siedlung Lindenhof am Sonntag, 11. September, um 14 Uhr Böse- Ecke Alboinstrafte.— Abt. Bergmann: Alle Falken treffen sich um 13Vi Uhr Bergmann.?cke Belle-Allianre. Strafte. 30 Pf. Fahrgeld mitbringen.— Abt. Kottbusier Tor: Alle Fallen Ueiien sich um 12-„ Uhr Kattbllsier Tor, Falken-Ecke. zur Teilnahme am Foikcnfest in der Siedlung Lindenhof. 3V Pf. Fahrgeld mitbringen. Tempelhos: Wir treffen uns morgen. Sonntag, 1Z>„ Uhr, zur Teilnahme am Falkenfest in der Siedlung Lindenhof Bose- Ecke Manteufselftrafte, Köpenick: Sonntag, 11 September, Fahrt nach Rahnsdorf. Rot- Falken: Treffpunkt lll Uhr. Alle anderen Falken um 13 Uhr Bhf. Köpenick. Lichtenberg, Abt. Mahlsdorf: Sonntag, II. September, für Rote Falken und Iuugfalken Schnitzelfahrt nach Raasdorf. Treffpunkt 8-.: Uhr Rosenhag Ecke Högower Strafte oder g Uhr Bhf. Mahlsdorf. Kreis Reukölln, Rote Falken: Kreistrelfahrt morgen, Sonntag. Die Gruppen Avanti. Bauvolk. Jungvolk, Kurt Eisner und Lichtkämpfer sind um Uli Ubr am Bhf. Reuköllst. Alle anderen Gruppen um 7t..- Uhr Rote Wimpel mitbringen. Die Gruppen muffen in der gemeldeten Stärke vertreten fein. Ä Pf Unkosten.— RF., Heiter: Heute Radfohrt noch Falkenhorst. Treii- Punkt um 15-... Uhr am Bhf. Kaiser-Friedrich, Strafte.— Jungfalken: Treff. vunlt zur Kreistresfahrl für die Gruppen Aufdau, Jungvolk, Sturmfalke und Lichtkämpfer um 7z-.. Ubr Rathaus Neukölln. Die anderen Gruppen um 8 Uhr am Rathaus. 3V Pf. Unkosten. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 93. Abt. Der Genosse Hermann Schüler, Steinmeß str. 14(76. Bezirk ist verstorben. Die Beerdigung findet am Sonnabend, lll. September, 1314 Uhr, auf dem Luisenfriedhof. Hermannstraße, statt, Ehre seinem Andenlen! Sozialistische Arbeiterjugend Groß-V erlin Einlendungen fllr diese Rubrik nur an das Jugendf-kretoriat Berlin SW 88. Lindenstraße 2. vorn 1 Treppe rechts Alle Funktionäre kommen am Montag. 12. September, um 1gl„ Uhr zur Funktionärkonferenz im Sitzungssaal des Bezirksamtes Kreuzberg, Porckstr. 11. Der Genosse Aufhäuser spricht. Mitgliedsbuch ist mitzubringen. Sonnabend, 10. September. SSG. 16 Uhr Lindenstraße 4 Eruppenbefprechung.— Hallelches Tor: Treffpunkt zum Un.terbezirkstreffen 18 Uhr Rote Ecke oder 19 Uhr Stettiner Bahnhof.— Karlshorst: Alle Rodfahrer lll Uhr„Fiele. Ecke Rachziigler 20 Uhr Hohenneuendori.— Faltplatz I: Fahrt. Treffpunkt 18 Uhr Bhf. Gesundbrunnen.— Neukölln lV: Fahrt nach Uetzdorf. Treffpunkt 20 Uhr Bhf. Neukölln. Unkosten I M.— Kottbusser Tor:' Bolkstonzobend.— Wedding: 17 Uhr am Heim Willdenowstraße.— Köpenicker Biertel: WB.-Fahrt nach Hohenneuendorf. Trefipunkt 18 Uhr Schief. Bhf. Nachzügler 20 Uhr Stettiner Bahnhof.— Schöneberg II: Pflichtfohrt zum Iugendtag Hohenneue»- darf.— Neukölln XI: Treffpunkt zur geltfahrt 14 und 20 Uhr Selchower Straße. — Köpenick II: Ab 19 Uhr Volkstanzabend. WB. Tempelhof: Spielgemeinschaft„Drei Pfeile" tagt wegen der Funk- tionärsitzung am Montag heute, 20 Uhr, Heim Gbtzstraße. Mustkgruppe fällt aus. Werdebezirk Prenzlauer Berg: Sonnabend, lll. September, und Sonn- tag, 11. September, Beteiligung am Unterbezirkstreffen in Hohenneuendorf. Treffpunkt: Radfahrer mit Wimpel Sonnabend, 18 Uhr, Prenzlauer Straße Ecke Schönhauser Allee. Die Gruppen 18 Uhr Bhf. Prenzlauer Allee, 18 Uhr Bhf. Gesundbrunnen und Weiß-nfee. Nachzügler 20 Uhr Prenzlauer Allee. Sonnlag, 11. Seplember. Karlshorst: Alle Mitglieder 14 Uhr Roon- Ecke Bismarckstraße. Alle er- scheinen in Falkentracht.— Weddinga Fahrt, 7 Uhr Bhf. Wedding.— Steglitz: Fahrt.— Friedrichshagen: Fahrt.— Gesundbrunnen NF.: Bon 18—22 Uhr Heimobend Heim Koloniestr. 8. WB. Westen: Ab 17 Uhr alle Im Heim Rosinenstr. 4. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". GelchLIts stellet Berlin S. 14, Eebastianstr 37—38, Hof I Tr. Berlin-Mitte, 4 Kameradschaft: Sonntag, 11. September, 12 Uhr, Treffpunkt Kaiser, Ecke Schillingstraße, zur Fahrt»ach dem Schießplatz Friedrichsfelde mit Angehörigen.— Pankow, Kameradschaft Pankow- Rord: Sonnabend, 10. September, 2014 Uhr, außerordentliche Mitgliederoer- sammlung im„Türkischen Zelt". Arbeiter- Samariker-Vund e. V., Kolonne Berlin. '■ Geschäftsstelle: SO. 43, Iostystr. 4. Telephon: E 3«önigstodt 3440. Montag. 12. September. Wedding: Lokal Duwe, Schulstr. 109. Neukölln: Lokal Sauer, Pannierftr. 34� Köpenick: Lokal Krüger, Schönerlinder Str. ö. Bohnsdorf: Lokal Heimann. Waltersdorfer Str. 100. Weißenfee: Lokal Bohaeek. Wilhelmstr. 29. Kleingärtner: Geschäftsstelle, Tegeler Weg 44.— Dienstag, 13. September. Friedrichshain: Lokal Bauer, Tilsiter Str. 27. Wilmersdarf: Lokal Mefeck, Gasteiner Str. 28. Schöneberg: Lokal Sehrke, Ebersstr. 08. Tempelhof: Lokal Lindisch, Mariendorf, König. flraße 44. Hermsdorf: Schule Freiherr, vom. Stein, Straße.— Donnerstag, 15. September. Reinickendorf: Lokal Matter, Eichbornftr. 94.— Freitag, 18. September. Neukölln. Britz: Lokal Hannemannstr. 40. Adlersbof: Barocke Friedländerstr. ö.— Montag, 19. September. Jugendadteilung: Geschäftsstelle, Ioftnstr. 4.— Dienstag, 20. September. Mitte: Schule Gipsstraße. Prenz. lauer Berg: Schule Kastanienallee 82—83. Efperanto Gruppe iveelip Mitte. Montag, 12. September, 20 Uhr, Kon. ditorei Bindelbandt, Sepdelstr. 31(am Spittelmorkt), einführender Bortrag über Esperanto. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag. 11 Uhr, Pappelallee Ig. Vortrag des Herrn H. Alfken:„Krifenihearie und ihre Kritik". Deutscher Verein für den Schlitz des gewerbliche« Eigentums. Vereinsoer- sammlung am Donneralag, 22. Seplember, 20 Uhr, Plenar-Sitzungssaal des Reichspateniamles, Berlin SW. 61, Eitfchiner Str. 97. Ecwinnauszug 5. Klasie 39. Preubijch-Eüddtuische Staats-Lottene. Ohne Gewähr Nachdruck verholen Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gcjaUcn, und zwar je einer aus die Loje gleicher Nummer in den beiden Adleilvr.gen I und II 28. Ziehungstag 9. September 1932 Ln der heutigen Vorwittagiziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Gewinne ,u 10000 M. 59205 18»ewiun-«u 5000 M. 24488 80284 113980 174311 178698 199271 210977 300294 379714 209l 22®"Din"e SOOO 92. 158585 158660 169947 175070 192083 54»ewitroc«u 2000 an. 18411 20136 41985 42098 44911 71880 108561 107406 112635 137005 151713 152085 163348 163469170607 182119 217166 237679 248419 255583 295432 302341 345871 356460 363905 373445 378830 112«-Winne ju 1000 M. 5936 7203 44542 46515 50677 52307 53562 79502 82299 85320 97843 102172 110300 112395 116954 138503 142832 143455 154904 160095 162290 171680 173702 176919187416 191336 206043 211034 213119 223006 223562 233053 239379 240444 281020 285337 287999 291)61 292836 299551 303904 308193314166 321403 323658 334923 339774 340571 340308 346156 356401 361162 363097 374151 385565 397317 186... 500 an. 11630 15173 16790 17133 26968 27015 27041 36898 45754 46492 49675 53048 53330 60031 63144 65305 68930 63054 75523 77420 83595 100147 100483 100558 107759 112858 119038 140340 141857 145727 143558 152748 159343 159995 160528 103145 172078 173890 174009 183024 188032 190644 199504 205223 205492 209354 210386 219245 219499 226664 227157229115 240338 242180 243876 248403 252589 257720 260284 260954 285107 269039 272371 230210 305111 315783 323052 324809 331194 332074 333739 325585 335-524 333502 333951 339673 341108 344144 345574 346731 316749 348249 343363 354878 357798 382955 383563 383793 339651 339662 395842 396398 397746 In der Heuligen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Gewinne ,u 75000 W. 278731 2 Idewinne 8« 1 0000 M. 33676 8 Gewinne zu 5000 M. 70427 184801 314673 344203 10 iueaunne in 3000 AI. 45226 90183 150573 321231 321365 43 Gewinne zu 2000 an. 4084 14996 241-33 65512 35402 95753 101 134 1 06773 1 17803 131650 161093 175362 189629 206519 211704 221130 224532 238526 263474 272345 285986 331794 242676374923 «3 Gewinne zu 1 000 in. 24897 25756 38690 56148 60938 68762 69532 103244 109667 120433 137275 144771 147640 189268 194013 201337 213069 214433 223034 228809 230362 255309 250624 273743 284390 285790 306774 322507 326441 328007 337253 339959349123 353165 353933 359902 366612 371773 372411 374026 374731 385962 337227 397714 150 Gewinne Ml 500 M. 19288 30967 33394 34700 38222 47015 47097 54043 57,33 71224 71592 75403 73671 88712 90375 98219 98494 98325 99938 121003 122767 130661 134093 134682 149020 149398 150841 167587 170649 171749 178053 193515 197089207789 211904 221205 227580 229353 232774 238917 245658 250417259660 260836 285745 266878 271263 276071 277547 278453 279250 291130 293165 296337 301460 303977 312450 313303 317389 322466 324170 333975 342665 344378 348141 355426 364075 3781)8 381558382420 382828 385592 390887 391123 391657 JinALewinnrads verblieben: 2 Prämien je zu 300000, 100 Schlußprämien zu je 3000, 2 Gewinne zu je 30000, 2 zu je 10000, 18 zu j« SOOO. 42 zu je 3000, 60 zu j« 2000, 13« zu je 1000, 338 zu je 500, 664 zu je 400 M. Troh Riesenernte teures Brot! Wir brauchen keine Getreideeinfuhr mehr.— Aber herauf mit den preisen! Das Statistische Reichsamt hat nach der jetzt überall voll- zogenen Einbringung der Ernte seine neuesten und wohl e n d- gültigen Erntefchätzungen oerofsentlicht Deutschland hat für 1932 eine Rekordernte zu verzeichnen. Man rechnet bei Winterroggen mit 8,3 Mill. Tonnen gegen 6,K> Mill. im Vor- jähr, bei Winterweizen mit 4,4 gegen 3,7 Mill. Tonnen im Vor- jähr, bei Sommergerste mit 2,6 gegen 2,S Mill. und bei chaser mit 6,7 gegen 6,2 Mill. Tonnen im Vorjahr. Die gesamte Weizenernte seinschliehlich Spelz) würde damit die Vorjahrsernte um 6,87 Mill. übertreffen, die Roggenernte wäre sogar um 1,7 Mill. Tonnen höher, die gesamte Brotgetreideernte wäre um 2,6 Mill. Tonnen größer als im vorigen Erntejahr. Jedes Volk müßte über eine solche Riesenernte glücklich sein. Die Preise müßten sinken, die Ernährung müßte auch für die Aermsten billiger werden. Aber in Deutschland kann man ja auch bei vollen Scheuern unter Umständen oerhungern. Die G e- treidepolitik der gegenwärtigen Regierung hat die offenbare Absicht, den Segen dieser Riesenernte für die Volks- Massen nicht zu einem Segen werden zu lassen. Denn die Grundzüge einer neuen Roggenaktion, d. h. der Methode zur Hochhaltung des Brotpreiscs, sind gerade jetzt festgelegt worden. In der darüber veröffentlichten amtlichen Mitteilung wird gesagt, daß diese Roggenaktion eine ausreichende Brotverforgung nicht hindern werde und— nun höre man— daß„keine über das Vorjahr hinausgehenden Brotpreis- erhöhungen eintreten" werden! Die Lage ist so, daß mit der jetzigen Ernte Deutschland«ür Brotgetreide überhaupt keinen Einsuhrbedarf mehr hat. Die Lage ist weiter so, daß bei dieser Riesenernte selbstverständlich entsprechend den mehrgeernteten Mengen auch die Erlöse steigen. Der Preis von 166 Mark, den wir jetzt haben, reicht nach den eingetretenen Kosten- senkungen in der Landwirtschaft für die Rentabilität des Getreide- baues aus. Es wäre also ganz selbstverständlich, daß eme auf eine vernünftige Volksernährung in so furchtbaren Zeiten wie jetzt bedachte Reichsregierung aus eine Senkung des Brotpreises aus wäre. Mindestens müßte man die Erklärung erwarten, daß wenigstens die jetzigen, kürzlich etwas gesenkten Brotprcise unter keinen Umständen überschritten werden dürfen. Das mühte man auch von einer scharf agrarisch einge'tellten Regie- rung erwarten. Aber davon ist keine Rede. Man muß mit der Möglichkeit rechnen, daß die Roggenpreise vielleicht aus 186 M. noch hinaufgetrieben werden, um so die Möglichkeit für Brotpreis- erhöhungen zu haben, die den„Stand des Vorjahres nicht über- schreiten"! Die neue Roggenaktion will die bisherige Einlagerung von Roggen aufheben. Der Roggen soll sofort von der Getreide- Handelsgesellschaft gekauft und der Verfütterung zugeführt werden. Die aufzukaufende Menge richtet sich natürlich nach dem Preis, den man erreichen will. An die Schweinemäster soll die Tonne Roggen für 149 M. gegeben werden. Da die Getreidehandels- gesellfchaft mehr dafür zahlen muß, bekommt sie Gerstenscheine, die zur zollverbilligten Einfuhr von Gerste berechtigen. Bei 49 M. Zoll je Tonne und einer Verbilligung auf 19 M. wäre dieser Schein dann 39 M. wert. Verfütterung von eingeführter Gerste soll aber erst dann erfolgen, wenn für die Hochhaltung der Roggenpreise im ganzen Jahr keine Gefahr mehr besteht, d. h. frühestens am Ende des kommenden Winters. Die Zinsen bis dahin werden der Land- Wirtschaft noch geschenkt. Jedenfalls ist eine großangelegte Politik im Gonge, um trotz des riesenhaften Erntesegens die Preise so hoch wie möglich und auch das Brot so teuer wie möglich zu halten. Erfahrungen mit der von der Papen-Regierung verfolgten Wirt- schaftspolitik stark bezweifelt werden. Von dem Ueberschuß aus Dienstleistungen sSchisfstransport, Versicherung) und Zins- einnahmen sind die Beträge abzusetzen, die die Ausländer aus dem Besitz an deutschen Aktien und Grundstücken einnehmen. Der verbleibende Ueberschuß wird 299 Mill. M. nicht über- schreiten. Es bleiben also 1,6 Milliarden M. Zins- und Tilgungsverpflich- tungen aus dem Ausfuhrüberschuß zu decken. Im ersten Halbjahr 1932 hat der Außenhandel aber nur einen Ueberschuß von rund 609 Mill. M. gebracht, so daß nach dieser vorläufigen Auf- stellung mit einem Jahresfehlbetrag an Devisen von 399-Mill. M. zu rechnen ist. Und da plant die Reichsregierung Autarkie, und dabei soll die Ausfuhr von Fertigwaren versacken? SO Milliarden Kursgewinne. Auf der Rew-Porker Börse dauern die Kurssteigerungen schon seit Juli an und haben, besonders im Monat August, einen großen Ugzsang angenommen. Anfang Juli betrug der Marktwert der auf der New-Iorker Börse zugelassenen Aktien erst 16,63 Milliarden Dollar. Er ist im Juli um 4,86 Milliarden, im August um 7,29 Mil- liarden Dollar auf 27,78 Milliarden Dollar gestiegen. Die Ber- besserung des Kurswertes beträgt nicht weniger als rund 12 Mil- liarden Dollar oder 69 Milliarden Mark. Die Bedeutung solcher Kurssteigerungen braucht nicht überschätzt zu werdeni denn, wie bekannt, sind ja in der vorhergehenden Börsenbaisse noch viel größere Summen verlorengegangen. Bessert sich aber die Konjunktur, so ist ein steigendes und hochbleibendes Kursniveau eine Grundlage für neue Kreditgewährung, weil mit der Erhöhung des Wertes der Sicherheiten auch mehr Kredite gewährt werden können. Unter diesen, Gesichtspunkt sind natürlich auch die Kurssteigerungen auf den deutschen Börsen jetzt von einer gewissen wirtschaftlichen Be- deutung.- Sind das angemessene Gehälter? l Oer Abschluß ber Hamburgischen Elekirizitätswerke. Der meist ge Das Beispiel vom Rindvieh. Oer Schwindel der Kontingentspolilik.- Ein s�all für viele. Kontingentierung, d. h. mengenmäßige Einschränkung der land- wirtschaftlichen Aussuhr, soll Trumpf werden. Die landwirtschast- lichen Jnteressentenvertreter fordern so auch mit der Absicht der Viehpreissteigerung die Kontingentierung der Einsuhr von Rind- vi«h mit der Begründung, daß in diesem Jahr viel mehr einge- führt worden sei als im vorigen Jahr. Deshalb müsse unbedingt die Einfuhr ganz beträchtlich eingeschränkt werden. Wie steht es mit der Wahrheit und der Berechtigung der Forderung? Erstens ist jede weitere Einfuhrbeschränkung an Vieh oder Fleisch für die Preisgestaltung in Deutschland völlig einfluß- los. da jetzt der Bedarf an Fleisch zu 99 Pro z. von der deutschen Landwirtschaft gedeckt wird und die Einfuhr von 1 Proz. überhaupt nicht ins Gewicht fällt. Zweiten» ist es«ine Irreführung, wenn man behauptet, daß die Einfuhr von Rindvieh jetzt größer als früher fei. Wohl ist sie größer als im vorigen Jahr, aber die Einfuhr im Jahre 1931 war anormal niedrig. Während im Durchschnitt der drei Jahre 1927 bis 1929 wöchentlich 5999 Stück Vieh eingeführt wurden, kamen 1939 wöchentlich nur 2899 und 1931 wöchentlich nur 1999 Stück Bich über die Grenze. Selbst wenn in den letzten Wochen 1599 Rinder nach Deutschland aus dem Ausland eingeführt wurden, so ist das immer noch viel weniger, als in früheren Jahren die normale Einfuhr betrug. Man sieht hieraus, wie skrupellos die Oeffentlichkeit und die Minister, die wahrscheinlich von den Einzelheiten auch keine rechte Ahnung haben, irregeführt werden. So kommt der größte Teil der Kontingentsforderungen, mit denen man der Landwirtschaft angeb- lich helfen will, zustande. Die Sozialdemokratie fordert, daß man den Massen Arbeit und anständige Löhne gibt. Dann kann auch die Landwirt- schaft zu anständigen Preisen Vieh verkaufen. Die Kontingents- Politik ist gleicherweise Betrug an Bauern und Arbeitern. Vor der Oiskonisenkung. Kräftige Entlastung derReichsbank. ReueOevifenzunahme. Der Reichsbankausweis vom 7. September zeigt eine Senkung der Wechselbestände um 66,9 Millionen, der Bestände an Reichsschatzwechseln um 22,3 Millionen und der Lombarddarlehen um 193.9 Millionen Mark, also eine sehr kräftige Verringerung der Kreditinanspruchnahme mit rund 59 Proz. der Zunahme Knde August. Die Devisenbilanz war ausgeglichen. Die Gold- und Devisenbestände haben sich gegenüber der Vorwoche noch um 9,5 Millionen auf 925,6.Millionen Mark erhöht. Die Deckung der umlaufenden Roten(Verringerung gegen die Vorwoche um 128,1 Millionen aus 3 688,8 Millionen) stieg von 24,2 auf 25,1 Proz. 20,6 Milliarden Auslandsschulden. Ausfuhrüberschuß decktnichtmehrZins-undTilgungsbeträge In„Wirtschaft und Statistik" Nr. 16 wird die amtliche Er- Hebung über die deutschen Auslandsschulden nach dem Stand« vom 29. Februar 1932 oeröjsentlicht, deren Durchführung durch Notverordnung angeordnet war. Ersaßt wurden olle Beträge über 5999 Mark: die Schuldbeträge wurden nach den Ber- liner Devisenkursen vom 29. Februar in Mark umgerechnet. Die Summe der deutschen Auslandsschulden wurde sür den 29. Februar mit folgenden Beträgen ermittelt: kurzfristige(bis Februar 1933 fällig).. 10 153 Mill. Mark langfristige(nach Februar 1933 fällig).. 10 470„ Summe... 20 623 TUilL Mark Di« Schulden mit einem Einzelbetrag» von mehr als 59 999 M. haben sich in 3 Monaten, von Ende November bis Ende Februar um 671 Mill. M. verringert: davon kamen auf kurzfristige Kredite allein 596 Mill. M. Di« Gesamtverschuldung erhöht sich um 5 bis 6 Milliarden M.. wenn man die direkten Kapitolsanlogen des Auslandes in Deutschland mitrechnet und als Verschuldung zählt: denn die Ge- Winne und Erträgnisse werden in der Regel ins Aueland gebracht (transferiert). Der ausländische Grundbesitz wird auf zwei Milliarden Mark, der Besitz an Aktien und Beteiligungen auf 2,5 bis 3,5 Milliarden und der an innerdeutschen Schuldverschrei» Hungen auf 9,4 Milliarden M. geschätzt. Bon der Verschuldung im engeren Sinn« von 29,6 Mil- liarden M. entfallen 47 Proz. oder 9,6 Milliarden M. auf die p r i- o a t e Wirtschaft 32 Proz. oder 6,7 Milliarden M. auf Banken aller Art und nur 21 Proz. oder 4,3 Milliarden M. auf die gesamte öffentliche Hand. Wenn alfp die deutsche Verschuldung ans Ausland ein gefahrbergendes Ausmaß angenommen hatte, dann am wenigsten bei der ösfentlichen Hand, zumal von ihren Auslands- schulden 81 Proz. l a n g f r i st i g, von den Auslandsschulden der Privatwirtschaft aber nur57 Proz. langfristig waren. Unter die Stillhaltung fällt nur etwa die Hälfte der gesamten Kurz- kredite. Zugleich wurde versucht, die Höhe der im Jahre 1932/33 fälli- gen Zins- und Tilgungsraten zu ermitteln, und zwar nach den jetzt geltenden Bedingungen. Die fälligen Zinsbeträge wurden mit 1225 Mill. M. ermiitelt: dazu kommen die planmäßi- gen Tilgungen von 213 Mill. M. und die einmaligen mit etwa 299 Mill. M., macht alles in allem eine Gesamtverpstichlung von rund 1.7 Milliarden M. Ob aber die deutsche Zahlungsbilanz in ihren anderen Posten einen so hohen Aktivposten aufweisen wird, muß nach den Die Hamburg ische Elektrizitätswerke A.-G. weist für das am 3lf. Juni zu Ende gegangene Geschäftsjahr 1931/32 einen Reingewinn von 7,9(Im Vorjahr 15,4) Millionen Mark aus. Es wird eine Dividende von 8,5(19) Proz. verteilt. Von den 88 Millionen Mark Stammaktien sind mehr als 25 Millionen Mark, die eine Million Vorzugsaktien voll im Besitz des hamburgi- i ch e n S t a a t e s. Die Entwicklung des Stromabsatzes war verhältnismäßig günstig. Im Berichtsjahr war ein Rückgang von 9 Proz. zu ver- zeichnen. Bemerkenswerterweise war der Rückgang bei den Großabnehmern geringer als bei den Klein- abnehm ern(bei diesen 11,6 Proz.). Oder sind einfach neue Großabnehmer dazugekommen? Die Stromlieserung an die Ham- burger Straßenbahnverwaltung ist um 15 Proz. gesunken. Di« Strompreise sind nach Ansicht der Verwaltung so niedrig, daß auch der Hamburger Lichtstreik im März keine weitere Senkung erzwingen konnte. Der hamburgische Staat stellt in diesem gemischtwirtschastlichen Unternehmen den Aussichtsratsvorsitzcnden. Um so befremdlicher ist, daß die drei Vorstandsmitglieder sür dieses Elendsjahr 1931/32 nicht weniger als 215999 Mark, jeder also mehr als 79 999 Mark, bezogen. Und von den 19 Aufsichts- ratsmitgliedern erhielt' jeder 15999 Mark! Die drei Vorstandsmitglieder der viel größeren und wichtigeren Preußischen Elektrizitäts-A.-G.(Preag) bezogen jedenfalls für 1931 zu- sammen 81 499 M., zusammen etwas mehr, als in Ham- bürg jeder einzelne erhielt. Bis zu den hamburgischen Pa- I r! z i e r n, die am stärksten im Slussichtsrat vertreten sind, ist Popens Parole von der„Anpassung an die Armut der Ration" noch nicht gedrungen. Aber freilich— die müssen ja .Kapital bilden"! psychologisches Rätsel. Unternehmer fordern Verstaatlichung der Reichsbahn. Es vergeht keine Unternehmertagung, auf der nicht mit gröbsten Ausdrücken die'wirtschaftliche Betätigung der öffent- lichen Hand in Grund und Boden verdammt wird.„Reprivati- sürung!", so rauscht es in allen Unternehmerblättern: überall soll die öffentliche Hand das Feld räumen, ob es sich nun um Elektrizitätswirtschaft oder um ösfentliche Baubetriebe oder um städtische Fuhrparks oder sonst etwas handelt. Um so überraschender, wenn das Berkehrsgewerbe, die Sped» teure, jetzt dringend die Verstaatlichung der Reichsbahn verlangen, die ja nach Ratifizierung des Lausanner Abkommens möglich ist. Warum mißfällt plötzlich die Tätigkeit der Reichsbahn als P r i v a t u n t er n e h in e n? Ist man doch nicht hundert- prozentig von der ollein seligmachenden Wirksamkeit des Privat- kapitalismus überzeugt? Vielleicht glauben ja die Spediteure, daß eine staatliche Reichsbahn auf Rentabilität verzichten und den gewinnbringenden Güterverkehr den privaten Konkurrenten(Last- wagenverkehr) überlassen kann. Bk-oun Boxcalf Art. 5656 �75 11) UH.Q. VOH UMS „Tach Gilgi." Pit hält ihr die Hand hin und setzt sich an den Tisch, klopft der Nutte auf die Schulter:„Na, wie geht's, Lenchen?" „Wie soll's jehn? Dreckich jeht's." Lenchen steht auf:„Tschö, Pitter— tschö Fröllein— muß laufen." „Pit", fängt Gilgi nach einer Weile an, „Pit, was für einer ist eigentlich dein Vater, und wie ist deine Mutter, und— Pit, ich mächt' dir da erzählen---" Pit fährt auf:„Warum störst du mich hier, was willst du? Hast du neuerdings den Tick, psychologische Studien machen zu wollen?" „Son Quatsch zu reden, Pit!" Gilgi sieht müde und blaß aus:„Wie böse du geworden bist in der letzten Zeit, Pit." Das ist eben die Politik, denkt sie, die macht die Menschen so unangenehm, richtig bösartig. „Ich weiß ja, Gilgi", Pit sieht einen Augenblick lang aus wie ein dummer, trau- riger Junge,„ach, du kannst mich lange nicht so ekelhaft finden, wie ich mich finde. Ich .....-pit s«tst J/ch an den Tifeh" Fhot,: Paiamount bin so voll Bitterkeit und Haß, ich seh' nur noch Ungerechtigkeit und Verbohrtheit". Und dann fängt er wieder mit seinem Sozialis- mus an, und was alles anders werden muß, und Gilgi sitzt da und lauert auf einen Augenblick, wo sie ihn unterbrechen uiw von den Dingen erzählen. kann, die ihr jetzt wich- tiger und näher sind. Ja doch, ihr soll's schon recht sein, wenn's kein Privatkapital mehr gibt— und der Paragraph 218— gewiß Hütte der schon längst abgeschafft wer- den müssen, obwohl sie ihm vielleicht das Leben verdankt— ja, und das ganze Wirt- schaftssystem—. Daß Leute, die von Politik reden, das immer so ganz besonders kom- pliziert und verworren tun müssen— und die Revolution haben sie verkorkst—„ach Pit, ich kann nicht mehr!" „Ja, du— du gehst gleichgültig und un- beteiligt deiner Wege, Gilgi, hast du die Volkswirtschaftsbücher, die ich dir gab, über- Haupt gelesen?" „Ich oersteh sie nicht, Pit. Ich bin nicht furchtbar klug, und wenn ich da anfange zu denken, verlier' ich den Boden unter den Füßen, ich brauch' mein bißchen Verstand für mich und mein Fortkommen—" „Ekelhast, wie wichtig du dich nimmst!" „Ja, zum Donnerwetter nochmal, wen soll ich denn wichtig nehmen, wenn nicht mich selbst! Ich glaub's einfach nicht, ich halt's für eine verdammte Lüge, wenn einer sagt, daß er erst an die Allgemeinheit und dann an sich denkt. Wer ist denn die Masse? Die hat doch kein Gesicht, die ist doch kein Mensch, den man gern hat und darum ihm helfen möchte. Halt den Mund, Pit, ich rede! Ihr seid so fürchterlich eitel, ihr Jungens, ihr wollt was Besonderes sein und was Beson- deres tun. Immer wollt ihr Helden sein und glauben, die Welt käme ohne euch nicht aus. And weil ihr heldenhaft sein wollt, darum braucht ihr was, das euch ärgert, gegen das ihr kämpfen könnt, und wenn's nicht da ist. dann schafft ihr's euch—" „Den Vortrag kannst du den Nazileuten halten." Pit steht auf.„Du bist armselig, Gilgi, wenn du nicht begreifst, daß es einem keine Ruhe läßt, daß— ach, was soll ich dir noch mehr erklären, du oberflächlichs, kleines Ding du." Pit setzt sich wieder ans Klavier — Mariechen, Mariechen, hür op mich... Das ist ein Junge, der Pit! Ist denn das nun ein Verbrechen, wenn man ruhig und anständig seiner Wege geht und mit Politik nichts zit tun haben will? Und was sollte einem denn keine Ruhe lassen? Vielleicht hat Pit doch recht— hier und da. Vielleicht sollte man— ach, lieber nicht denken, wo käme man hin, wenn man da anfangen wollte. Gilgi stützt den Kops in die Hände. Rote Buchstaben: Mensch, was läßt du mit deinem Leben machen!... einmal am Rhein und dann zu zwein alleine fein... Der eine Reisende ist eingeschlafen, er schnarcht, sein Kopf wackelt, die roten Lampions wackeln, das Klavier wackelt, die Dantebüste drauf wackelt Dante in der Animierkneipe! Wie kütt die Mösch... Gilgi leckt mit der Zungenspitze eine Träne auf, die ihr zeit- lupenhaft langsam übers Gesicht gerollt ist. Sie wundert sich, daß sie sich nicht über sich wundert, würde darüber nachdenken, wenn's ihr nicht zu kompliziert wäre. Daß der Pit so ekelhast zu mir ist! Er ist doch mein bester Freund! Jetzt hat sie ihm immer noch nicht ihre Geschichte erzählt, hat auch keine Lust mehr dazu. Die ganze Atmosphäre hier, das Halbdunkel— sie kann's nicht mehr ver- tragen. Gilgi zahlt. Ohne noch einen Blick auf Pit zu werfen, geht sie an ihm vorbei. Hinaus auf die Straße. Nach Haus? Schließlich hat Gilgi noch anderes zu tun, als nach ihren Eltern zu suchen. Sie be- schließt, sich für's erste um die Sache nicht mehr zu kümmern. Früher oder später wird sich schon eine Gelegenheit finden, die Fa- milie Greif kennenzulernen. Zu den Krons ist Gilgi sanft wie eine Taube. Den Entschluß, fortzugehen, hat sie zunächst bis nach Karneval aufgeschoben und hat sich vorgenommen, so nett und liebens- würdig wie nur irgend möglich zu fein, solange sie noch hier ist. Sie ladet die Mutter zu Kino- und Konditoreibesuchen ein. Schimpft nicht, wenn ein Film zum Uebel- werden rührselig ist, und sieht schaudernd, aber schweigsam mit an, wie Frau Krön ohne Rücksicht auf ihr Monumentalgewicht ganze Himalajagebirge von Cremeschnittchen, Mohrenköpfen und Obsttortletts verschlingt. Frau Krons Schwester wird mit ihren beiden Töchtern aus Hamburg erwartet. Die Verwandten wollen Karneval in Köln ver- leben— und dann hat man sich seit Jahren nicht gesehen. Die drei Hamburger werden bei Krons wohnen. Das Haus birst vor Auf- regung. In Gilgis Zimmer werden ein Bett und ein Diwan gestellt— für die beiden Kusinen. Das oberste wird zu unterst gekehrt. Ein Großreinemachbetrieb geht los: „die Hetty ist so penibel", und Frau Krön will Ehre einlegen mit ihrem Haushalt. Wenn Gilgi nach Geschöstsschluß nach Haus kommt, rast sie mit dem Staubsauger durch die Zimmer, macht neue Gardinen an die Fenster bohnert den Parkettboden in der guten Stube Das tut sie auch alles gern. Sie hat den innigen Wunsch, sich nützlich zu machen. Aber dann muß sie mit zum Bahn- Hof, die Verwandten abholen, das paßt ihr schon weniger. Mit Lärm und Geschrei und„nein" und „aber" strömen Tante Hetty'und Gerdachen und Jrenchen aus dem Coupö. Und eine Umarmerei geht los! So groß geworden! Und die Kinder! Ja, wer das gedacbt hätte! — nach so langer Zeit— wie gut du aus- siehst, Hetty!— Und du erst, Berta! Gilgi hat ein Gefühl wie eine Katze, die gegen den Strich gestreichelt wird, als Tante Hetty ihr einen saftigen Kuß gibt. Sie möchte sich gern den Mund abwischen, weil's da so nah ist über der Oberlippe, aber sie wird dauernd beobachtet. „Nein, wir können mit der Straßenbahn fahren, Hetty." Frau Krön ist ein bißchen aufgelöst, trotzdem aber strategisch auf der Höhe. „Wir wollten ja schon immer mal zum Rhein— aber der Krieg! Und dann die Be- satzung! Ihr Armen, was müßt ihr gelitten haben." Tante Hetty flüstert und sieht sich ängstlich nach allen Seiten um. Gewiß, die Engländer sind fort, aber so ganz sicher ist sie immer noch nicht— man kann nie wissen... Frau Krön macht schmerzliche Augen:„Ja, es waren schwere Zeiten für uns, Hetty." Frau Krön»genießt das Be- dauertwerden. (Fortsetzung folgt.) 'Was gibi es Ifleues? £in ffitick in die Zorfchung Ein aktuelles Steckenpferd der Forschung ist die biologische Strahlung. Da sich aber di« sensatio- nellen Berichte über das geheimnisvolle Elektri- zitätswerk im lebenden Körper förmlich über' stürzen, scheint es angebracht, den nüchternen Kern aus den phantastischen Uebertreibungen herauszuschälen. Gesichert ist eigentlich nur die Existenz dieser Strahlen, mehr nicht. Wir wissen nicht, woher sie kommen und wohin sie gehen, wir kennen weder ihre exakte Wellenlänge noch Intensität. Vielleicht hat Lakhoosky als Autorität auf diesem Gebiete recht, wenn er meint, daß jede elektrische Körperzelle einen elektromagnetischen Schwin- gungskreis darstellt, der sich erst mit dem Tode entladet. Lakhoosky, der in Paris arbeitet, will seine Entdeckungen, vor allen Dingen für die Me- bizin, insbesondere den Krebs, verwerten, und nach einer Schrift, die vor wenigen Tagen er- schienen ist, sind seine Erfolge auf diesem Gebiet von weittragender Bedeutung. Nach neuen Untersuchungen von Dr. Rajewsky (Amerika) handelt es sich bei der biologischen Strahlung um Schwingungen, die im Ultraviolett ungefähr zwischen den Wellenlängen l1,e Kultur ist „triebsfeindlich", sie erzeugt daher„Unlust", es kommt zu dem„Unbehagen", das nach Freud mit jeder Kultur notwendig verbunden ist Es ist nach Freud eine Schicksalsfrage der Menschheit. ob es gelingt, einen Ausgleich zwischen�den individuellen Trieben und den trebfeindlichen Ansprüchen der Kultur zu finden, oder ob dieser Konflikt unversöhnlich bleibt. Freud endet mit einem tiefen Pessimismus. Es ist klar, daß diese Konstruktion kein wissen- schaftliches Ergebnis ist, sondern eine Wissenschaft- lich nicht begründete Einstellung, eine sogenannte „W eltanschauung". Vom Standpunkte des Sozialismus aus ergeben sich zum Beispiel wcsent- lich andere Anschauungen über das Wesen der Kultur. Das Buch von Freud hat auch nicht die volle Zustimmung seiner engeren Schule gefunden. So versucht neuerdings F. M. F s l l e r. der sich im übrigen ganz als Schüler Freuds erweist, eine Kulturphilosophie auf Grundlage der Psycho- analyse zu entwickeln, die genau zu dem ent- gegensetzten Ergebnis, also zu einer optimisti- schen Anschauung, kommt. In Anlehnung an das Werk von Freud trägt das Buch von Feller den Titel:„Das Unbehagen in der Zivil i- sation."(Verlag A. Francke, Bern, gebunden 6 Mark.) Feller baut auf dem Unterschied von Zivilisation und Kultur auf. Nur für die Zivilisation, beim Kampf ums Dasein und um materielle Vorteile, soll der Konflikt mit den Trieben gelten: in den kulturellen Betätigungen sei dagegen eine Be- freiung von den unterdrückten Triebregungen möglich. Die pessimistische Schlußfolgerung Freuds besteht also nach Feller nicht zu Recht. Wenn heute nur wenige Menschen die befreiende Wir- kung der kulturellen Arbeit genießen können, so ist daran der Kapitalismus und das Privateigen- tum schuld. Feller setzt seine Hoffnungen auf den Sozialismus; er oersucht Psychoanalyse und Marxismus zu oereinigen So bestechend dieser Gedanke ist, so wird er doch dem Wesen des Marxismus nicht gerecht Der Fehler liegt darin, daß auch Feller die psychoanalytischen Prinzipien zu absoluten philosophischen Erklärungegründen erhebt Dadurch wird seine Gesamtansicht dog- matisch und konstruiert. Trotz dieser angreifbaren Grundhaltung entwickelt Feller eine Reihe sehr interessanter Gedanken über Einzelprobleme. Dr. S. Weinberg.