Morgenausgabe Nr. 431 A 210 49. Jahrgang Wöchentlich 75 Pf. monttltd) s,25 M (davon 87 Pf. monatlich für gusted lung ins Haust im voraus zahlbar Postbezug Z.S7 M. einschließlich 80 Ps Postzeitungs- und 72Ps.Postbeftellge- bühren-Auslandsabonnement 5.85 M vro Monat; für Länder mit ermäßig» tew Drucksachenporto 4.85 M. Bei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten aus Ersaß. Erscheinungsweise und Anzeigenpreise stehe am Schluß des redaktionellen Teils WG>* Berliner VolWblatt Oiensiag t5. September 1932 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Jentralorgan der Sozialdemokratischen Vavtei DeutschläZZW� Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 l�ernipr.; Dönhoss(A T) 292— 297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 536.— Bankkonto: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 8, Dt.B.u.DiSc.-Ges., Depositenk., Jerusalem« Str. 65/66. An das deutsche Volk! Die Reichsregierung hcü den eben erst gewählten Reichstag in dem Augenblick aufgelöst, als er mit der ungeheuren Mehrheit von 313 gegen 32 Stimmen ihr das Mißtrauen aussprach und ihre Notverordnungen aufhob. Die Regierung Papen hat mit dieser Auflösung bewiesen, daß sie sich gegen den Volkswillen an der Macht halten will. Sie hat damit gegen den Sinn des 1. Artikels der Reichsversassung verstoßen: „vis Ztsstsgevfslt geht vom Volke aus!" Wie konnte die Regierung einer kleinen. Herrenschicht es wagen, sich über den Volkswillen, über eine so ungeheure Parlamentsmehrheit hinwegzusehen? Ein solches Spiel wäre unmöglich gewesen, wenn die Regierung einer geschlossenen Parlamentsmehrheit von über- zeugten Anhängern der Demokratie gegenübergestanden hätte. Solange es eine solche Mehrheit unter FührungderSozialdemokra- tischen Partei gegeben hat, konnte keine Regierung einen solchen Konflikt mit dem Volkswillen wagen. Anders bei der jetzigen Mehrheit des Reichstags: mehr als drei Fünftel der Abgeordneten, die gegen Papen gestimmt haben, sind selbst Anhänger der Diktatur, verachten grundsätzlich den Willen der Volksmehrheil. Rur aus Zweckmäßigkeits- gründen heucheln sie jetzt Verfassungstreue. Die 230 Nationalsozialisten haben nicht gegen die Regierung Papen gestimmt, um gegen das selbstherrliche RegimentdesHerrenklubsdas Volk wieder in seine Rechte einzusehen. Sie wollen an Stelle der Diktatur Papen-Schleicher dieDiktaturHitler setzen, sie wollen das Volk vom Regen in die Traufe bringen. Aber die Ohnmacht des Reichstags, die augenblickliche Macht der Papen-Diktalur sind nicht nur das Werk der Nationalsozialisten allein. Schulter an Schulter mit ihnen haben die Kommunisten stets die Demokratie bekämpft und die Diktatur an ihre Stelle setzen wollen. OeutscKes Volk, jetzt erfährst du, wohin es führt, wenn du einen Reichstag wählst, der in seiner Mehrheit aus Gegnern des Parlaments besteht! Dadurch wird der Reichstag zur Ohnmacht verurteilt! Nur so konnte die Selbstherrschaf! Papen-Schleicher zur Tatsache werden. Eitel Spiegelfechterei ist es, wenn dieNationalsozialisten jetzt so tun, als wollten sie den Kampf für die Rechte des Reichstags und des Volkes gegen die Regierung aufnehmen. Die gleichen Nationalsozialisten haben länger als ein Jahrzehnt gegen«das System" gelobt, haben unzählige Male geschworen, die Demokratie mit Stumpf und Stiel auszurotten. Ein Narr, der glaubt, daß Hitler und seine Partei zum Schuh des bedrohten Parlaments den Kampf führen! Das Volk durchschaut dieses Spiel und wird sich im Kampf gegen die Papen-Regierung nicht zum Vorspann einer Hiller-Diktatur hergeben. »ctler und Göring haben selber die Regierung Papen in den Sattel gehoben, und all ihr jetziges Toben gegen diese Regierung wäscht die geschichtliche Schuld von ihnen nicht ab. „Auf unserm breiten Rücken sind die feinen Herren behende in die Amllichkeit geklettert." So hat wenige Tage vor der Reichstagsauflösung Josef Goebbels im«Angriff" geschrieben. Meint Ihr, die feinen Herren, die Papen- Schleicher, hätten den„breiten Rücken" der Nazis hinaufklettern können, wenn diese ihn nicht geduldig hingehalten hätten?! Hitler selber hat ja am 8. September 1932 in München erklärt: „Die Nationalsoziali st ische Partei hat sich gegen die Regierung Papen solange neutral verhalten, solange ich mich neutral verhalten Hab e." So gesteht Hitler die Tolerierung Popens ein. Ohne Hitler kein Papen! Der Abgeordnete Kube, der Führer der Nationalsozialisten im Preußischen Landtag, hat am 30. August dort erklärt, daß ohne die Vorarbeit Adolf Hitlers die Regierung Papen nicht an der Macht wäre. Die Reichsregierung selbst hat sich in einer amtlichen Erklärung auf die Zu- sagen Adolf Hitlers berufen. Mit ihrem lauten Geschrei wollen die Nationalsozialisten nur verschleiern, daß sie die Regierung der Barone in den Sattel gehoben haben und voll mitverantwortlich sind für alle Maßnahmen, für Todes- und Zuchthausverordnungen, für Rentenkürzungen und Lohndruck. Durch ihre Hetze gegen Demokratie und Marxismus hat die Hitler- Partei lediglich die finsterste Reaktion, die nackteste Kapilalherrfchast an die Mach! gebracht. Für den Sieg des Kapitalismus haben die braunen Horden Hilles unzählige Arbeiter getötet, Gewerkschaftshäuser gestürmt, Konsumvereinsläden demoliert. lim zur Macht zu gelangen, haben die Nationalsozialisten geduldet, daß die Papen-Regierung die Unterstützungen der Sozialrentner, der Kriegsopfer und der Arbeitslosen in der brutalsten Weise kürzte. Sie hätten auch den Angriff auf die Löhne und dasTarif- r e ch t geduldet, wenn nicht ihr Bestreben, in den Alleinbesitz der Macht zu gelangen, gescheitert wäre. Nur weil Hitler nicht Reichskanzler wurde, begannen sie den Angriff auf die Regierung Papen. Das Kapital sieht jetzt den Zweck erfüllt, für den es die Hitler-Partei finanziert hat: durch seine Netze gegen die Marxisten hat Nitler es den Kapitalisten ermöglicht, ihre wirtschaftlichen Forderungen gegen die Arbeiter durchzusetzen. Run mag der treue Kapitalknecht Hiller den Platz frei machen für höher Geborene, man bedarf seiner nicht mehr. Das Volk aber erkennt jetzt: SolangedieSozialdemokratiedie st ärk sie Partei im Reichstag war, konnte der Kapitalismus die Grundrechte der Arbeiterklasse nicht anlasten. Jetzt, wo die Nationalsozialisten die stärkste Partei geworden sind, sind 230 nationalsozialistische Abgeordnete kein Hindernis für das Scharfmacherlum, die Interessen des Proletariats mit Füßen zu treten. Getreu ihrer geschichtlichen Aufgabe stellt sichdieSozialdemo» kl r a t i e wieder an die Spitze im Kampf um die politische Freiheit und am seine sozialen Grundrechte. Sie ruft zur sozialistischen Offensive: Ueberwindung der Krise nicht durch Lohnabbau und Geschenke an die Privatwirtschaft, sondern durch sozial! st ischen Aufbau einer planmäßig geleiteten Wirtschaft. Die. Anträge, die die Sozialdemokratie im aufgelösten Reichstag gestellt hat, zeigen den Weg. Sie fordern Verstaatlichung der Schlüsselindustrien, der Großbanken sowie aller staatlich subventionierten Betriebe. Die Sozialdemokratie führt den schärf st en Abwehrkampf gegen die wirtschaftliche Verelendung der Arbeiterklasse, die durch die jüngsten Notverordnungen auf die Spitze gelrieben wird. Sie richtet ihren Hauptstoß gegen den Lohnabbau und die Bedrohung des Arbeitsrechtes. Sie ruft zum Volksentscheid auf, UM mit dieser Waffe die Beseitigung der sozialpolitischen Maßnahmen der Notverordnung zu erzwingen. Das ganze Volk soll sprechen, un- mittelbar, unmißverständlich! An der Wucht dieser Entscheidung soll der Versuch der Sozialreaktion zerschellen. Berlin, 12. September 1932. Die Diktatur von rechts kann aber nur geschlagen werden, wenn die ganze Arbeiterklasse entschlossen ist, den Kampsboden der Demokratie zu behaupten und sich nicht den Diktatur-IAusionen von links hingibt. Nur weil ein Teil der Arbeiterklasse vom gemeinsamen Kampf ab- gespalten worden ist, konnte die Reaktion in Deulschland zu ihrer jetzigen Macht erstarken! Als Hüterin der wirtschaftlichen und politischen Rechts der arbeitenden Masten ruft die Sozialdemokratie das ganM deutsche Volk zum entscheidenden Kampf gegen politische Diktatur und wirlschastliche Versklavung. Ebenso wie politische Freiheit mit sozialem Fortschritt verbunden ist, ist Diktatur unlöslich verknüpft mit sozialerReaktion Weg deshaSb mit jeder Diktatur, weg mit Papen, weg mit Hitierl Wir fuhren den Kampf für die Freiheit, den Kampf für den Aufstieg der arbeitenden fassen! Gegen das Reich der Reichen, für das Vaterland der Armen! Für ein freies Deutschland, für Demokratie und Sozialismus! Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Unser uoiKsentscheid! Tic sozialdemokratische Rcichstagssraktion beantragt ein Volksbegehren über den solgendcn Gesetz- cntwurf: 8 1. Der zweite Teil„Sozialpolitische Matznahmen" der Verordnung des Reichspräsidenten zur Be- lcbnng der Wirtschaft vom 4. September 1932(Reichsgesctzblatt Nr. 57, S. 428 folgende) wird mit Wirkung vom 4. September autzer llraft gesetzt. 8 2. Dieses Gesetz tritt mit der Verkündung in Kraft.• Der Antrag ist bereits an das Reichsministerium des Innern gegangen, das nunmehr verpflichtet ist, das Volksbegehren in Gang zu setzen. Die Sozialdemokratie ruft das Volk, sie ruft alle Arbeiter und Angestellten. Wehrt euch, greift an! In der letzten Notverordnung hat sich die Reichs- regierung die Ermächtigung erteilt, mit der Sozial- Politik und mit den Arbeiterrechten zu machen, was sie will. So hat es die Reaktion verlangt. Nun soll das Tarifrecht durchlöchert, eine neue allgemeine Lohnsenkung durchgeführt werden. Auch alle übrigen sozialen Einrichtungen sind in Gefahr. Vom Reichstag ist eine Hilfe zunächst nicht zu erwarten. Sein Wille wird mitzachtct, er ist von der Regierung aufgelöst worden. Jetzt mutz das Volk s e l b st sprechen. Unmittelbar und unmitz- verständlich. Es hat das Recht, es hat die Macht dazu. Die Sozialdemokratische Partei weist den Weg. Noch vor der Auflösung des Reichstags hat sie beim Rcichsministcr des Innern den Antrag gestellt, über einen von ihr eingebrachten Gesetz- entwurf zur Aufhellung des sozialpolitischen Teils der Notverordnung das Volksbegehren einzuleiten. Die Grundlage für den Einbruch in die Tarif- vcrträg�, für den neuen Lohnraub und für den Generalangriff auf die Sozialpolitik soll z e r- schlagen werden. Dieses Volksbegehren mutz zu- gelassen, es kann nicht verhindert werden. Die Sozialdemokratie hat sich darauf beschränken müssen, ihren Borstotzgegendensozialpoli- tischen Teil der Notverordnung zu richten. Sie mutzte das tun, da Bestimmungen, die den Haushalts- Plan oder die Abgabengesetze berühren, nach der Ver- fassung nicht zum Volksentscheid gestellt werden dürfen. Älbcr der sozialpolitische Teil verletzt auch Die Auflösungsorder. Die Order, mit der der Reichstag aufgelöst Wörde» ist, hat folgende» Wortlaut: Auf Grund deö Art. LS der Reichs- Verfassung löse ich den Reichstag auf, weil die Gefahr besteht, datz der Reichstag die Aufhebung meiner Verordnung vom 4. September verlangt. Veclin, den IL. September 1932. gez. Der Reichspräsident v. Hindcnburg. gez. Der Reichskanzler v. Pape». gez. Der Reichsminister des Innern v. Gayl. Lobe beruft den Lteberwachungsausschuß ein. Als ZNilglied de» Aellestearals und zugleich als Vorsitzender de» Uebcrwachungsausschusscs des Reichslage» hol der sozialdemokratische Abg. töbe folgenden Brief an den Reichlagspräsidenlen Göring gcrichlel: „Sehr geehrter tzerr Präsident! Die sozialdemokratischen liiil- glieder des Aelteftenrats nehmen an der von Ihnen einberufenen Aelteflenratssihung nicht mehr teil, da der Aeltestenral durch die Auslösung des Reichstages mit betroffen worden ist. die Lebensinteressen der Arbeiter und Angestellten am meisten. Er ist deshalb der wichtigste und entscheidende. Die Reichsrcgierung beruft sich bei ihrem Vor- gehen auf den Willen des Volkes, wie er bei der Präsidentenwahl unmittelbar zum Ausdruck kommt. Wohlan! Wir wollen diesen Weg gehen. Die Sozialdemokratie appelliert an das Volk, fetzt unmittelbar seinen Willen zu b e k u n d en. Es soll der Sozialreaktion sein uncr- bittliches Nein entgegensetzen. Ein direkter Entscheid des Volkes' soll stattfinden über das Recht der Arbeit in Deutschland, diesem Staat, dessen Existenz auf der Leistung der Arbeiter und Angestellten beruht. Der Wille des Volkes soll entgegengesetzt werden dem Diktat einer kleinen Herrcnschicht. Grotzagrariern und Schwerkapitalisten soll die Macht entrissen wer- den, die sie�ich angematzt haben. Der Kampfwird den Sieg bringen. Es mutz ein grotzer und gewaltiger Sieg werden, ein Sieg, der jeden Widerstand erdrückt. Von Haus zu Haus, von Mund zu Mund mutz die Kunde getragen werden: Wir greifen an! Jeder Arbeiter und jeder Angestellte, jeder An- Hänger des Wohlfahrtsstaates, jeder Feind des Ar- mutsstaatcs mutz von unserem Kampf erfatzt werden. Verbunden mit unserer Wahlarbeit für ein arbcits- fähiges» jede Art der Diktatur abwehrendes Par- lament der Freiheit geht die Werbung für die direkte Aktion des Volkes. Unsere Parole lautet:„Kampf der kap i- tali st ischen Offen sive! Baut auf den Staat der Arbeit, des W o h l st a n d e s und dcrFreihcit!"' Die staalsrechllichen Fragen, die in Ihrer Schluß- anspräche aufgeworfen wurden, gehören vor den Ausschuß zur Wahrung der Rechte des Parlaments, der von der Auslösung nicht betroffen wird. Als Vorsitzender berufe ich diesen Ausschuß ein und werde den Zeilpunkt der Sitzung noch heule bekanntgeben. Mit vorzüglicher Hochachtung gez. Lobe." Genosse Paul Vöde tritt am heutigen Tage in die Redaktion des„V o r w ä r t s" ein. Der langjährige be- währte Reichstagspräsident, dessen feste Hand man in den beiden Sitzungen des verflossenen Zwei-Tage-Reichstags nur allzusehr vermißt hat, kehrt damit zu seinem früheren Beruf zurück. Löbe war als junger Buchdrucker in die Redaktion der Breslauer„Volksmacht" eingetreten, die er dann bis zum Jahre 1920 geführt hat. Es war die Zeit, in der die Parteipreffe eine große Zahl ihrer bewährtesten Männer an öffentliche Aemter abgeben mußte. So mußte auch Löbe die Chefredaktion' der„Volksmacht" mit dem hohen Sitz im Reichstag vertauschen. Mit seinem Eintritt in unsere Re- daktion ist jetzt der Parteipresse eine ihrer besten Kräfte zurückgegeben. Dramatische Auflösung! Nun vorwärts zum Kampf? Der„Vorwärts" hat am Sonntagmorgen die Auflösung des Reichstags für Montag angekündigt. Am Montag erhielt er daraufhin eine Auflagenachricht, in der die Reichsregierung ihre Absicht, den Reichstag am Montag aufzulösen, auf das heftigste bestritt. Zwei Stunden, nachdem diese Auflagenachricht im„Vor- wärts" veröffentlicht worden war, hat die Reichsregierung den Reichstag aufgelöst! -c- Die erste und letzte Sitzung dieses Reichstags hat im Plenum nur wenige Minuten gedauert, aber es waren dramatische Minuten. Sowohl der Reichskanzler v. Papen als auch der Reichstagspräsident Göring haben dabei keine gute Figur gemacht. Der Reichskanzler v. Papen hätte sofort die Möglichkeit gehabt, nach der Eeschäftsordnungsrede des Kommunisten Torgler das Wort zu verlangen, um seine Regierungserklärung dem Reichstag vorzutragen. Er hätte das Wort erhalten müssen. Er hat jedoch die Situation nicht erkannt. Er hat nicht verstanden, daß hier ein kräftiger Stoß gegen seine Absichten geführt wurde und daß das Par- lament in der Lage war, die Tagesordnung entgegen dem Programm zu gestalten, das zwischen der Regierung und der schwarz-braunen Koalition vereinbart war. Es scheint, daß sowohl der Reichskanzler als auch der Präsident Göring sich darauf verlassen hatten, daß die deutschnationale Gefolgschaft des Kabinetts Papen den Geschäftsordnungsanträgen wider- sprechen würde. Aber die deutschnationale Fraktion, deren Ziel die Auflösung des Reichstags war, hat beiden diesen Gefallen nicht getan. Entgegen der Erklärung Ober- f o h r e n s im Aelteftenrat wurde kein Widerspruch erhoben, und nun stand die schwarz-braune Koalition un- mittelbar vor der Entscheidung, die sie hatte hinausschieben wollen. Es erhob sich Herr F r i ck und beantragte die Ver- tagung der Sitzung um eine halbe Stunde. Im Laufe dieser halben Stunde haben die schwarz-braunen.Bundesgenossen beraten, wie sie einen Ausweg aus dieser Situation finden könnten. Es war sofort klar, daß die Entscheidung den Nationalsozialisten gänzlich unerwünscht kam. Das schlechte Gewissen ließ sie nach Wegen suchen, auf denen die Auf- lösung und die Neuwahlen oermieden werden sollten. Aber diese Wege ließen sich nicht finden, ohne daß zugleich ein Be- kenntnis zur Tolerierung der Regierung Papen abgelegt werden würde! Diese halbe Stunde hat jedoch Herrn v. Papen gerettet. Wäre ohne diese Vertagung die Entscheidung sofort gefallen, so wären die Beschlüsse des Reichstags durch keine Ueberreichung des Auflösungsdekrets unterbrochen worden. Das Mißtrauensvotum und die Auf- Hebung der Notoerordnungen wäre unbestritten zu Recht be- schlössen worden. In dieser halben Stunde schaffte Herr v. Papen das Auflösungsdekret herbei! Auf den Nationalsozialisten und dem Zentrum liegt die volle Verant- wortung dafür, daß ein rechtsgültiger Beschluß zur Auf- Hebung der Notverordnungen nicht Zustandekommen konnte. Die Art und Weise, wie die zweite Sitzung abrollte, war alles weniger als rühmlich für Herrn v. Papen. Als er sich mehrfach erhob, um unter Handaufheben das Wort zu er- bitten, als er die Mappe mit dem Auflösungsdekret in der Hand hielt, ohne sich schlüssig zu werden, was nun damit anzufangen sei, als er schließlich, offenbar auf eine Anregung des Außenministers v. Neurath hin, das Dekret auf den Präsidententisch hinaufreichte, da machte er nicht den Ein- druck, den diese Regierung der„autoritären" Staatsführung in der Oeffentlichkeit zu erzielen wünscht. Ebenso erging es seinem Gegenspieler, dem Reichstags- Präsidenten Göring. Als die Abstimmung erledigt war, ver- kündete er: Wir treten morgen wieder zusammen mit der heutigen Tagesordnung. Erst das Gelächter im Haufe machte ihn darauf aufmerksam, daß die gesamte Tagesordnung, die Entscheidung über die Regierung undj über ihre Notverordnungen, durch diese einzige Abstimmung erledigt war. Die Abstimmung im Reichstag, mögen auch ihre staats- rechtlichen Wirkungen bestritten sein, hat eine Mehrheit von 513 gegen 3 2 Stimmen gegen die Regierimg v. Papen ergeben. Herr v. Papen hat dies Abstimmungs- ergebnis in seiner Rundfunkrede dem deutschen Volke nicht mitgeteilt. Aber dies Ergebnis ist kein Geheimnis, das ver- borgen bleibt, und das Volk wird die Programmrede des Herrn v. Papen und die Ansprüche, die sie erhebt, messen an diesem Ergebnis! Diese Programmrede ist in den meisten Punkten eine außerordentlich scharfe Kampfansage an einen großen Teil des deutschen Volkes. Sie erklärt die Epoche der Demokratie für abgeschlossen, sie kündigt einen neuen Verfassungsentwurf an, sie legt Absichten der Reichsregierung dar, die radikal konterrevolutionär sind. Diese Pläne werden verfolgt von einer Regierung, die ein so eklatantes Mißtrauensvotum erhalten hat, wie es wohl in der gesamten Geschichte aller parlamen- tarisch regierten Länder einzigartig dasteht! Dies Mißtrauensvotum— wie immer es auch um seine staatsrechtliche Auswirkung stehen mag— schloß eine Verurteilung der Notverordnung dieser Regierung in sich. Trotz- dem erklärt die Regierung von Papen dem Volke, daß sie ihren Weg unbeirrt weitergehen werde. Die Regierung von Papen beruft sich dabei auf die Autorität des Reichspräsidenten. Wir sagen laut: Wo wäre das Mandat einer Volksmehrheit für den Reichspräsidenten von Hindenburg gewesen, wenn es als Mandat für die Ver- folgung solcher Pläne gefordert worden wäre?! * Auf welche Kräfte will die Regierung von Papen sich stützen, wenn sie ihre Pläne weiter verfolgen und ihren Weg zu Ende gehen will? Die Regierung ist getragen von der Hoffnung und der Ueberzeugung, daß von den 513 Stimmen, die gestern gegen sie abgegeben worden sind, ein sehr erheblicher Teil zu Parteien gehört, die ihre kapitalistischen Pläne und ihre Verfassungspläne in der Tendenz gutheißen. Diese Re- gierung ist durch die Nationalsoziali st en zur Macht gelangt und sie ist überzeugt, daß sie den Plänen und den Absichten der Nationalsozialisten Wirksamkeit ver- leiht. Sie schätzt die Nationalsozialisten nicht ein als eine Kraft für die Demokratie, sondern gegen die Demokratie. � Als eine Kraft nicht gegen den Kapitalismus, sondern f ü r den Kapitalismus, nicht gegen die Sozialreaktion, sondern für die Sozialreaktion. Die Verantwortung der Nationalsozialisten kann nicht dadurch verwischt werden, daß sie jetzt die Formen der parlamentarischen Demokratie benutzen, um ihren Macht- kämpf um die Führung der Diktatur gegen die Demokratie mit der Regierung Papen durchzuführen! Sie werden nicht vertuschen können, daß hinter dieser Ausnutzung der Demokratie gegen die Demokratie sowohl der Wille zur Diktatur wie der Wille zum Klassenkampf von oben steht. Denn das Programm, das der Reichskanzler o. Papen entwickelt hat, ist im Grunde genommen ihr eigenes Programm. Für sie hat der Reichskanzler v. Papen dem Volke gesagt, was sie wollen. ' i- Die Sozialdemokratische Partei wird nicht dulden, daß die großen Entscheidungen, die nun herannahen, durch den Machtkampf zwischen Nationalsozialisten und Papen-Regierung verwirrt werden. Es sind große klaffen- mäßige Entscheidungen, um die nun gekämpft wird. Es geht darum, daß der deutschen Arbeiterschaft der d e m o- kratische Kampfboden entzogen werden soll. Es geht darum, daß unter dem Vorwande der Erhaltung der Sozialpolitik die Sozialpolitik zerbrochen werden soll, es geht darum, daß ein großkapitalistisches Programm der Rettung des Kapitalismus auf Kosten der Arbeiter durch- gesetzt werden soll. Die Sozialdemokratische Partei wird den Kampf unter diesen Gesichtspunkten führen. Sie ruft das Volk auf gegen die gegenrevolutionären Verfasiungspläne des Kabinetts v. Papen, zur Verteidigung der Ar- beiterrechte und der sozialpolitischen Errungenschaften und darüber hinaus zum Bekenntnis zur sozialistischen Aktion, zum Willen, den Weg zum Sozialismus in der Gegenwart entschlossen zu betreten! Mit dem heutigen Tag beginnt für die Sozialdeyiokratische Partei der Wahlkampf zum neuen Reichstag, zugleich aber auch der Kampf mit der Waffe des Volksbegehrens und des Volksentscheids. Die Sozialdemokratische Partei ruft das Volk auf, sich für die Aufhebung der sozial- politischen Maßnahmen in der Verordnung des Kabinetts v. Papen vom 4. September zu erklären. Der finanzpolitische Teil dieser Notverordnung kann durch ein Volksbegehren nach den Vorschriften der Verfassung nicht aufgehoben werden, aber das Volk hat es in der Hand, im Volksentscheid den Anschlag auf die Sozialpolitik, auf das Tarifrecht und die Arbeiterlöhne erfolreich abzuwehren! Jetzt liegt die Ent- scheidung beim Volke! Die Regierung v. Papen bezeichnet sich als die Vertreterin des Volkswillens. Jetzt gilt es, ihr zu zeigen, daß das Volk sie nicht will! Wir führen den Kampf gegen diese Regierung und gegen alle Kräfte, auf die sie sich stützt. Wir kämpfen vor allem gegen die National- sozialisten, die diese Regierung in den Sattel gesetzt haben und die ihr den Mut zu gegenrevolutionären Verfassungs- planen geben. Wer das Hakenkreuz Wägt, Wagt die Regierung papen. Vorwärts für Semolratie und Arbeiterrechte! Freiheit! Dt Bcrtiirfir(Bctgulofi rvirt» offcnbot doch hingerichtet, nachdem Präsident Lebrun die Begnadigung des Mörders seines Vor- gangers Daumer am Montag den Anwälten gegenüber abge- lehnt hat. Wie aufgelöst wurde. Eine noch nie dagewesene Sitzung? Das endgültige Abstimmungsergebnis. Ja, 42 Nein, 5 Enthaltungen. Tie Abstimmung über die verbundenen beiden An- träge, die Notverordnung aufzuheben, sowie dem gesamten Kabinett Papen das Mißtrauen auszusprechen, hatte nach den endgültigen Fest- stellungen folgendes Ergebnis: Es wurden 539 Karten abgegeben. 512 Abgeordnete stimmten mit Ja und 42 mit Nein. Fünf— nicht, wie der Präsident mitteilte. 5V — Abgeordnete haben sich der Stimme enthalten. Unter ungeheurem Andrang hat am gestrigen Montagnach- mittag um 15 Uhr die zweite Sitzung dieses Reichstags begonnen. Das Reichstagsgebäude war wiederum in weitem Umfange ab- gesperrt, die Tribünen gewaltig überfüllt. Das neue Präsidium hat auf der Pressetribüne die Arbeitsplätze neu verteilt, offenbar um den Journalisten der Nazipresse, deren Zahl in diesem Hause bedeutend größer ist als je vorher, bessere Plätze zu verschaffen. Die Regierung war bereits vor Eröffnung der Sitzung voll- zählig erschienen. Auf der Reichsratsestrade sieht man als Ver- treter Preußens den Ministerialdirektor Dr. B a d t, den die Bracht- Regierung seines Amtes entsetzt hat. Unter den Nazis waren nur wenige Uniformierte zu sehen. Präsident Göring erscheint nicht, wie bisher alle Präsidenten, im schwarzen Rock, sondern in einem Tagesanzug mit braunem Hemd. Er teilt zu- nächst das Ergebnis der Schriftführerwahl mit, sowie daß der Nazi- abgeordnete Lohse(Schleswig-Holstein) sein Mandat niedergelegt hat und durch den Postinspektor Backhaus ersetzt worden ist. Vor Eintritt in die Tagesordnung spricht zur Geschäftsordnung Abg. Torgler(Komm.): Seit Festsetzung der heutigen Tages- ordnung sind die Notverordnungen erlassen worden, die den Be- sitzenden ungeheure Geschenke, den Arbeitern Belastungen schlimmster Art bringen. Das Schicksal der Arbeiterklasse duldet nicht, daß hier auch nur ein Tag verstreicht, ohne daß zu den Anträgen Stellung genommen wird, diese Verordnungen aufzuheben. Wir beantragen daher, über diese Anträge sofort abzustimmen, wobei wir auf jedes Wort der Begründung und der Aussprache verzichten. Wir beantragen dasselbe für die Mißtrauensanträge gegen diese Hungerregierung von Papen. Da aber der Einspruch eines einzigen genügen würde, um dies unmöglich zu machen, beantragen wir für diesen Fall Schluß der Sitzung und neue Sitzung um 16 Uhr mit der von uns vorgeschlagenen Tagesordnung. Weg mit dieser Papen-Regierung, weg mit den Hungerverordnungen!(Hände- klatschen der Kommunisten.) Abg. Lobe(Soz.): Wir bitten, als zweiten Punkt auf die heutige Tagesordnung folgenden Antrag zu stellen: Der Reichslog wolle beschließen, die Reichsregierung zu ersuchen, die Verordnung des Reichs- Präsidenten zur Belebung der Wirlschast vom 4. September 1332 und die auf Grund dieser Verordnung erlassene Verordnung auf Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheit vom 5. d. Rl., soweit sie noch nicht in Kraft getreten sind, nicht in Kraft zu setzen, bevor der Reichstag über die Anträge auf Aufhebung dieser Verordnungen entschieden hat. Wir sind mit der soeben beantragten Vorwegnahme der Auf- Hebungsanträge, die auch wir gestellt haben, einverstanden. Da aber geschäftsordnungsmäßige Schwierigkeiten bestehen(Unruhe der Kommunisten)— den bereits im Aeltestenrat angekündigten Wider- spruch Dr. Oberfohrens können Sie nicht aus der Welt schaffen (Sehr gut)—, da darüber hinaus Herr Torgler dem Präsi» deuten noch einen Tip gegeben hat(Heiterkeit), so glauben wir, das gleiche Ziel auf andere Art und auf einem ein- wandfreien Weg erreichen zu können. Wir stimmen in erster Linie für die sofortige Erledigung der Aufhebungsanträge, bitten aber gegebenenfalls dafür zu stimmen, daß die verheerenden Wirkungen der Notverordnung aufgeschoben werden. Sollte dies nicht zustande kommen, so melde ich schon jetzt den gleichen Antrag für die morgige Tagesordnung' an. Präsident Göring fragt nun, ob gegen den Antrag Torgler Widerspruch erhoben werde, was nicht geschieht.(Zunehmende Erregung.) Der Präsident fährt fort: Ich stelle fest, daß damit... Abg. Dr. Arick(Nsoz.) meldet sich zur Geschäftsordnung und beantragt Unterbrechung der Sitzung auf eine halbe Stunde. Unter großer Bewegung, die sich zunächst in ausbrechender Heiterkeit äußert, wird dieser Antrag von den Nationalsozialisten, dem Zentrum und der Bayerischen Volkspartei angenommen. Haus und Tribünen leeren sich. Die zweite und letzte Sitzung. Präsident läßt Reichskanzler nicht reden. Nach halbstündiger Unterbrechung klingeln die Glocken durch das Haus. Im Saale sieht man den Präsidenten Göring mit Dr. Frick sprechen, was ein Kommunist mit den Worten illustriert: „Der Präsident nimmt I n st r u k t io n sst u n d e!* Zunächst bleiben die Regierungsplätze leer, was durch Zuruse äußerst links„Papen ist ausgerissen!" unterstrichen wird. Jedoch erscheinen die Reichsminister wieder, und zwar der Reichskanzler mit einer hellroten Jllappe, die nach dem herkommen zur lleberbringung der Auflösungsurkunde dient. Ihr Anblick löst„AHa!"-Ruse aus. Präsident Göring: Wir führen die Abstimmung durch. Wir Worten: Nachdem vorhin kein Widerspruch gegen die neue Tages- ordnung geltend gemacht wurde, kommen wir jetzt zur A b st i m- mung über die Anträge Torgler.(Abg. Torgler: Namentlich!) Wir stimmen namentlich ab. Reichskanzler von Papen gibt durch Winken mit der Hand dem Präsidenten das Zeichen, daß er das Wort wünsche.— Präsident Göring eröfsnel jedoch die namentliche Abstimmung.— Reichskanzler von Papen, dem es nicht gelungen ist, das wort zu erhalten, geht zum Platz des Präsidenten und übergibt ihm ein Schriftstück, das der Präsident jedoch sofort an den Schrift- sührer weiterreicht. Präsident Göring: Wir führen die Abstimmung durch. Wir waren bereits in der Abstimmung, und ich muß sie erst durchführen, bevor ich andere Maßnahmen treffen kann.— Wir stimmen in einer Abstimmung über die Anträge auf Aufhebung der Notverordnungen und auf Mißtraue.nserklärung für die Reichsregierung ab.(Zurufe der Deutschnationalen, die betonen,, daß die Regierung jederzeit das Wort erhalten müsse. Gegenrufe der Kommunisten und National- sozialisten: Hugenberg raus!) Der Präsident ersucht Ruhe zu bewahren. Die Regierung hat den Saal verlassen, nachdem der Reichs- kanzler seine Kollegen durch Gebärden dazu aufgefordert hat, indem er mit dem Daumen über die Schulter nach der Tür zeigte. Außer- dem machte er eine Geste, die offenbar besagen sollte, daß dieser Reichstag nicht mehr bestehe und keine Bedeutung mehr habe. Kurz nach 16 Uhr verkündet der Präsident das Abstimmungsergebnis: von 553 abgegebenen Stimmen lauten S auf Enthaltung. 32 auf Rein, 513 aus 3a. (Stürmischer langanhaltender Beifall und Händeklatschen der Na- tionalsozialisten und der Kommunisten.) Die Anträge auf Aufhebung der Notverordnungen und auf Mißtrauenserklärung gegen das Kabinett Papen sind somit a n g e- n o m m e n. Der Präsident teilt mit, daß die Abgg. Torgler(Komm.) und Oberfohren sich zur Geschäftsordnung gemeldet haben, er jedoch das Wort jetzt nicht erteile. Er fährt fort: Meine Damen und Herren! Nachdem bereits die Abstimmung begonnen hatte, hat der Herr Reichskanzler um das Wort ersucht, und nach der Abstimmung hatte ich ihm gemäß der Geschäftsordnung das Wort erteilt.(Zurufe der Deutschnationalen: Jederzeit!— Gegenrufe: Hugenberg raus!) Während der Abstimmung hat der Herr Reichskanzler mir ein Schreiben überreicht, das jedoch durch die Gegenzeichnung eines Kabinetts, das nach dem Miß- trauensvotum der Volksvertretung als gestürzt zu gellen hat, hin» fällig geworden ist.(Stürmischer Beifall der Nationalsozia- listen.) Dieses Schreiben lautet: „Verordnung des Reicksvräsidenten über die Auslösung des Re'chsiages vom 12. September 1!,)32.(Zuruf von den Komm: Das kann er sich an den Hut stecken!) Aus Grund des Art. 35 der Reichsverfassung löse ich den Reichstag auf, weil die Gefahr besteht, daß der Reichstag die Aufhebung meiner Rower- Ordnung..' (Lärmende Zurufe äußerst rechts und links, die den Schluß des Schreibens verschlingen). Präsident Göring: Ich nehme den Standpunkt ein, daß vor- läitsig dieses, Schreiben keine Gültrgkeit hat, da die Gegenzeichnung von einem Ministerium erfolgt ist, dem die.. Volksvertretung soebelr das Vertrauen entzogen hat.(Die Deutschnationalen verlassen ge- schlössen den Saal.) Die beabsichtigte Auslösung des Reichstages wurde unterstrichen, wie ich zu meinem Bedauern seststellen muß, durch das verhallen des Herrn Vizepräsidenlea Graes bei der Vorstellung des Reichslagspröfidiums beim Herrn Reichsprösidenlen. In der vorangegangenen Prästdialsigung hatte Herr Vizepräsident Graes die Zusage gegeben, sich nach der formellen Vorstellung nicht mehr an dem politischen Vortrag zu beteiligen. Er hat es doch getan und sich beim Vortrog dagegen ausgesprochen, daß der Herr Reichspräsident zum parlamentarischen Regime zurückkehre und eine entsprechende Regierung bilde. Dies war der erste Versuch, das Ansehen des Reichstages herabzusetzen. Ich bin fest entschlossen, sowohl das Ansehen des Reichstages aufrechtzuerhalten, wie vor allem das Recht der deutschen Volksvertretung, gemäß der Ver- fassung zu arbeiten,(Stürmischer Beifall rechts,— Andauernde Zurufe der Komm., die der Präsident bei weiteren Störungen mit Hinausweisung bedroht.) wir werden alle Schritte lun und INahnahmen treffen, damit ein Auflösungsdekret, das gegengezeichnet ist von einer gestürzten Regierung, die sich lediglich aus die verschwindende Anzahl von 32 Stimmen im gesamten Reichstag verlassen kann, vom Herrn Reichspräsidenten zurückgenommen wird, da es durch diese Gegenzeichnung wirkungslos geworden ist. Ich schlage nun vor, morgen mit der vorgesehenen Tagesord- nung weiter zu tagen.(Zurufe machen den Präsidenten darauf auf- merksam, daß ja gar keine Tagesordnung vorgesehen ist.) Die Tagesordnung wird vom Aeltestenrat festgesetzt werden, der in einer Holben Stunde zusammentritt. Ich hebe hiermit die Sitzung auf.(Stürmischer Beifall rechts., anhaltende große Bewegung.— Abg. Dr. Breitscheid(Soz.) hatte sich während der Rede des Präsidenten zum Wort gemeldet, aber das Wort nicht erhalten.) Schluß 16,26 Uhr. Ein Brief papens an Göring. Zusammentritt des Reichstags würde verhindert werden. Reichskanzler von Papen hat an den Reichstagspräsidenten Göring ein Schreiben gerichtet, in dem er feststellt, daß Göring zwei- mal verfassungswidrig gehandell hat, indem er einmal dem Reichs- kanzler auf dessen Bitte hin nicht das Wort erteill, und indem er zum anderen, obwohl der Reichstag aufgelöst war, noch eine Ab- stimmung hat vornehmn lassen. 'Tie Reichsregierung hat die Absicht, falls der Reichs- tag, obwohl er aufgelöst ist. noch versuche« sollte. zusammenzutreten, einen solchen Zusammentritt un- möglich zu machen. Sie will nur solchen Abgeordneten das Betreten des Reichstags ge- statten, die zum lleberwachungsausschuß oder zum Au s- mörtigen Ausschuß des Reichstags gehören, da nur diese beiden Ausschüsse auch in der Zeit zwischen der Auflösung des einen Reichstags bis zum Gcsamtantritt des neuen Reichstags verfassungs- mäßig weiter im Amt bleiben. Wann wird gewählt? Noch keine Entscheidung der Neichsregierung. Hebt die Presseverbote auf! Der Reichstag ist aufgelöst. Die Schmierenkomödie, die Herr G ö r i n g als Verteidiger der Parlamentsrechte zu spielen versuchte, ist kläglich beendet. Das Leben des Reichs- tags vom 31. Juli zu verlängern, hatte die NSDAP, ein starkes Interesse, die Sozialdemokratie nicht! Die 14 Mil- lionen nationalsozialistischen Wähler haben in den letzten drei Monaten gesehen, was sie angerichtet haben— wenn ihnen Gelegenheit gegeben wird, ihre Fehler wieder gutzumachen, so ist von unserem Standpunkt aus nichts dagegen einzu- wenden. Eine ganz andere Frage betrifft die Rechtsgültigkeit der Notverordnungen. Der Reichstag hat ihre Auf- Hebung gefordert— er ist zuvor aufgelöst worden— mit der Begründung, es bestehe die Gefahr, daß er die Auf- Hebung der Notoerordnungen oerlangen könnte! Formal- juristisch dürfte ein solches Dazwischenfahren mit der Auf- lösung zur Not zu rechtfertigen sein, dagegen kann gar kein Zweifel daran bestehen, daß es dem Sinn der Verfassung nicht entspricht. Die Verfassung hat dem Reichstag doch nicht nur zum Spaß das Recht gegeben, die Aushebung von Notverordnungen zu fordern— wenn aber schon die bloße Absicht, eine solche Forderung zu erheben, durch Auflösung unwirksam gemacht wird, dann wird ein dem Reichstag von der Verfassung gegebenes Recht faktisch aufgehoben. Ueber den Wahltermin ist noch nichts bestimmt. Er muß schleunigst verkündet werden, wenn nicht im Volke die aller- schwerste Beunruhigung entstehen soll. Dieser Winter wird ohnehin hart und schwer genug sein! Die National- sozialisten werden wahrscheinlich nichts unversucht lassen, um Wahlen, vor denen sie sich fürchten, zu verhindern. Die Regierung darf keinen Zweifel daran lassen, daß unter allen Umständen in der verfassungsmäßigen Frist von 60 Tagen gewählt werden wird. Würde auch dieses Ventil verstopft, so könnte niemand für das, was dann käme, die Verant- wortung übernehmen! Die Wahlen müssen rechtzeitig vorgenommen werden, und sie müssen frei und unbeeinflußt sein. Darum fordern wir die sofortige Aufhebung der Zeitungsver- böte! Ob die Regierung nach den gestrigen Vorgängen im Reichstag noch das Recht hat, neue Zeitungsverbote zu erlassen, darüber mag sie selber nachdenken— jedenfalls hat sie im Augenblick noch die Macht dazu. Es muß ihr an- geraten werden, von dieser Macht einen vorsichtigeren Gebrauch zu machen als bisher. Nach der Auflösung. Heute sozialdemokratische Fraktionssihung. Am Dienstag, vormittags 10 Uhr, hält die sozial- demokratische Fraktion eine neue Sitzung ab. Die ständigen Ausschüsse iagen! Der Ausschuß zur Wahrung der Rechte des Reichstags, der sogenannte Ueberwachungsausschuß, ist von seinem Vor- sitzenden, dem Genossen Paul L ö b e, auf heute vormittag 11 Uhr einberufen. Er wird sich mit der st a a t s r e ch t- lichen Lage beschäftigen, die durch die Ereignifle des gestrigen Tages geschaffen worden ist, insbesondere mit der Frage des Wahltermins. Auf 3 Uhr nachmittags ist auch der Auswärtige Aus- schuß von seinem Vorsitzenden F r i ck einberufen. Tages- ordnung: Lausanne und Abrüstung. Die Regierung hat erklärt, daß sie in beiden Ausschüssen, die verfassungsmäßig auch nach der Auflösung weiterbe- stehen, vertreten sein wird. Keine Neichsiagssihung mehr. Die für INontagnachmittag 5 Uhr in Aussicht genommene Sitzung des Aeltestenrats des Reichstags ist abgesagt worden. Die sozialdemokratischen Mitglieder des Aeltestenrats hätten sich an dieser Sitzung nicht beteiligt, weil sie die Auffassung vertreten, daß der Aellestenrat durch die Auflösung mitbetrossen worden ist. Da auch die Vertreter der Zentrumssraktion dem Reichstagspräsidenten gegenüber erklärt hatten, daß nach ihrer Ansicht der Reichstag nicht mehr vorhanden sei, hat sich Präsident Göring veranlaßt gesehen, auch die für Dienstag in Aussicht ge- nommene Sitzung des Reichstags absagen zu lassen. Zentrumsprotest. Die Reichstagsfraktion der Zentrumspartei bezeichnet die Reichstagsauflösung als ein« schwere Schädi- gung von Volk und Wirtschaft. Sie hätte vermieden werden können und müssen. Die Reichsregierung habe jedoch alle dahingehenden Bestrebungen des Zentrums ver- e i t e l t. Die Reichstagsauflöfung entspreche weder dem Wortlaut noch dem Geist der Verfassung. Eine Erklärung GöringS. Reichstagspräsident Göring gab der Presse eine Erklärung in der er sagte: Ich habe die Meitteilung erhalten, daß Länderregierungn die Absicht haben, augenblicklich und unverzüglich beim Staats- gerichtshof«ine Entscheidung und einstweilige Ver- f ü g u n g herbeizuführen, da sie legitimiert sind, während der Reichstag durch eine Lücke der Verfassung nicht legitimiert ist, diesen Streit beim Reichsgericht zu führen. Die Länder werden den Streit dahin präzisieren, ob eine gestürzte Reichsregierung überhaupt durch Gegenzeichnung einen Reichstag auslösen kann. Die Frage, ob der Reichstag vor der Abstimmung bereits auf- gelöst war, verneine ich auf das entschieden st e. Fest steht, wie immer auch das Reichsgericht entscheiden mag, daß die Abstimmung unter allen Umständen zu recht besteht, daß das Kabinett Papen mit erdrückender Mehrheit gestürzt worden ist. Ich werde nun zunächst mit den Parteiführern darüber konferieren, welche Schritte weiterhin zu unternehmen sind. vis zur Entscheidung des Staatsgerichtshoses werde ich Amtshandlungen des Reichstags, soweit e» sich nicht um die fortbestehenden Ausschüsse handelt, unterlassen. .Popens Programm. Gegenrevolutionäre Verfassungspläne. Reichskanzler von Papen hielt gestern die Programmrede, an der er im Reichstag verhindert worden war, im Rundfunk. Er beschwerte sich scharf darüber, daß der Reichstag zwar die kom- munistische Frau Zetkin angehört habe, ihn aber nicht. Dann ging er zu seinem Programm über. Die Reichsregierung habe abgelehnt, Versprechungen zu machen, sie habe vielmehr gehandelt. Sie habe die großen Probleme in An- griff genommen, die seit dem Krieg hätten Ausgabe der Staats- führung sein müssen. Sie sei fest entschlossen, den Weg einer neuen unabhängigen Staatsführung weiterzugehen. Ihre Tätigkeit bestehe im Abschluß einer allen und der Eröffnung einer neuen Epoche. Das System der Reparationen und der Poung-Plan seien tot und werden nie mehr lebendig werden. Jetzt kämpfe die Reichsregierung um die volle Souveränität des Reiches, seine Freiheit und Gleichberechtigung� Einzelne Parteien hätten der Reichsregierung die Berechtigung dazu bestritten, da sie auf einer zu schmalen Basis stehe. Jede deutsche Regierung aber, die diese Frage ausnehme, habe die Zustimmung und die Unterstützung des gesamten deutschen Volkes. Die deutsche Reichsregierung wolle die Abrüstung. Nie- mand würde es freudiger begrüßen als Deutschland, wenn alle Staaten ihre Versprechungen dazu einlösten. Die Ergebnisse der Abrüstungskonferenz seien eine grausame Enttäuschung gewesen. In. diesem Augenblick müsse die Frage der deutschen Gleichberechtigung zur Entscheidung gebracht werden. Die deutsche Regierung werde nicht weiter an der Konseren; teilnehmen, bevor nicht diese Frage im deutschen Sinne geklärt sei. Die französische Antwort sei nicht geeignet, die Lösung dieses ernsten Problems zu fördern. Das Kabinett werde nun in den nächsten Tagen Beschluß darüber fassen, welche Schritte weiter ergrifsen werden müssen. Die deutsche Wirtschast arbeite nach dem Ende der Re- parationen wieder für sich selbst. Die Regierung habe sich ent- schlössen, den Wirtschaftskurs entscheidend zu verändern und den Kurs gegen die Schrumpfung aufzunehmen, um die Arbeitslosigkeit herabzusetzen Schon zeigten sich erfreuliche Zeichen des Stillstands und der Besserung der Krise. Die Regierung habe bei ihrem Pro- gramm den Weg der Vergebung öffentlicher Arbeiten nicht außer acht gelassen. Darüber hinaus fei aber auch ein großzügiger. die ganze Wirtschaft umfassender Plan notwendig gewesen, bei dem auch ein Ausgleich zwischen den Interessen der Gesamtwirtschaft und der Landwirtschast geschaffen werden müsse. Die Verringerung der Arbeitslosigkeit sei die best« Sozialpolitik. Die Regierung von Papen lasse sich von niemandem im deutschen Volke an sozialer Gesinnung übertreffen. Nur wenn die Zahl der Arbeitslosen verringert werde, könnten die Unterstützungen erhöht werden. Eine Reform der Sozialversicherung sei notwendig, sie müsse vereinfacht und verbilligt werden und der Not der Zeit angepaßt werden. Niemand denke daran, wohl- erworbene Rechte des öffentlich-rechtlichen Versicherungsträgers zu beseitigen und das Tarifvertragsrecht zu zerstören. Herr von Papen richtete dann einen Appell an das Unternehmertum. Mißlinge der Plan, dann sei das freie Unternehmertum verloren und die Elemente der staatlichen Regelung der Wirtschaft würden sich durchsetzen. Wehe dem Unternehmertum, wenn es die große Chance nicht er- greife. Der Plan der Reichsregierung gebe Arbeit und Brot. Die Reichsregierung arbeile serner am Umbau des staatlichen Lebens. Wir stehen am geistigen Wendepunkt des liberalen Jahrhunderts. Daraus müssen die Konsequenzen gezogen werden. Die Konstruk- tionsfehler des Notbaus von Weimar und rein formalen Demo- kratie müßten beseitigt werden. Das sei die hi st arische Mission der Reichsregierung. Deshalb werde sie ihren Platz weder einer neuen Parteienkoalition, noch einer Regierung der Diktatur einer Partei räumen. Sei der Kampf gegen das System jahrelang geführt worden, um neue Parteiwirtschaft, neue Parteibuchbeamten nur mit anderen Vorzeichen einzusetzen? Das System der formalen Demokratie habe im Urteil der Geschichte und in den Augen der deutschen Nation abgewirtschaftet und könne � nicht mehr zu neuem Leben geweckt werden. Es gelte die Herstellung einer wahrhast unparteiischen nationalen Staatsführung, gestützt aus Illach t und Autorität des Reichspräsidenten. Der Reichskanzler wandte sich dann beschwörend an die Nationalsozialisten, sie sollten nicht verfälschen und zerschlagen, was sie seit Jahren aufgebaut hätten. Jede Autorität habe ihren Ursprung in Gott. Die Regierung werde den Kulturbolschewismus in jeder Form bekämpfen. Die Erziehung der Jugend muß wieder unter den Gesichtspunkt gestellt werden,«in Geschlecht heranzubilden, das fähig ist, den Staat zu tragen. Die Freiheit der Erziehungsbe- rechtigten, die in der Verfassung gewährleistet wird, setzt voraus, daß die Erzieher sich der Pflicht bewußt bleiben, die ihnen durch die geschichtlichen Uederlieferungen des deutschen Volkes auferlegt wird. Schulen und Lehrer, die diese Pflicht ver- letzen, haben keine Berechtigung. Nicht den Parteien, sondern der Familie und den Religionsgemein- s ch a f t e n gibt die Verfassung das Recht zur Erziehung. Nicht private Weltanschauungen, sondern die ewigen Wahrheiten des christlichen Glaubens müssen die Grundlage sein zur Erziehung der Nation. Die grundsätzliche Beseitigung der Schäden, die aus der Staats- führung der ietzten 13 Jahre entstanden sind, kann folgerichtig in einer Reform der Verfassung gefunden werden. Wir werden diese Frage nicht übereilen und nur in Uebereinstimmung mit den Ländern der Lösung zuführen. wir beabsichtigen, dem deutschen Volk nach sorgfältiger Prüfung einen Gesehentwurs vorzulegen, der aus Grund der Erfahrungen der Geschichte und der Eigenart unserer Heimat für lange Zeit die Grundlage unseres staatlichen Lebens sichern soll. Zch kann heute keine Einzelheiten geben. Rur aus wenige punkte will ich hinweisen. Das Wahlrecht— das ist die Auffassung fast aller politischen Parteien— bedarf eines Ilmbaues. Die heraufsehung des Wahlalters wird Schule und Univerflkät in weitem waße von politischer Radikalisierung befreien, der sie heute zum Opfer zu fallen drohen. Es wird geprüft werden, ob und wie der Ausbau der Volksvertretung in Zukunft organisch mit den Selb st Verwaltungskörpern verbunden werden kann. Zch möchte mir versagen, heule versagen, auf Einzelheiten einzugehen. Rur aus einen Punkt will ich hinweisen: aus das Ver- hältnis zwischen Staat und Preußen. Die Verhältnisse in Preußen haben dem Herrn Reichspräsidenten dazu veranlaßt, die gefchäftsführende preußische Regierung ihres Amtes zu entheben und den Reichskanzler als Reichskommissar dort einzusetzen. Daß ein solcher Schritt notwendig geworden ist, ist ein untrügbares Zeichen für die Dringlichkeit einer Lösung der Frage Reich— Preußen. Es muß in Zukunft ausgeschlossen sein, daß im Reich und in seinem größten Lande gegeneinander und nebenein- ander regiert wird. Es muß auch ausgeschlossen sein, daß, wie bis- her, das Reich der Exekutive seines größtes Landes machtlos preis- gegeben ist. Die Frage Reicks— Preußen wird im Rahmen der Ver- fassungs- und Reichsreform gelöst werden. Die Regelung des Ver- hältnisses zwischen Reich und Preußen wird die Eigenstaatlichkeit der anderen deutschen Länder nicht antasten. Es ist ein einheitlicher und folgerichtiger Plan zur Wieder- Herstellung der deutschen Wirtschaft und des deutschen Staatslebens. Die Reichsregierung betrachtet sich hierbei als Vollstreckerin eines nationalen Willens, der zwar seinen Niederschlag noch nicht in manchen Parteien gesunden haben mag, der aber dem eigentlichen und wahren Volkswillen entspricht. Die Reichsregierung wird dem politischen und wirtschaftlichen Leben die nötige Sicherheit geben, ohne die es nicht arbeiten kann. Diese Sicherheit besteht in unserer unerschütterlichen Entschlossenheit, die Pläne, die wir im Auftrag« des Herrn Reichspräsidenten zur Rettung Deutschlands gefaßt und verkündet haben, bis zum Erfolg durchzu- führen. Darum rufe ich dem Lande in dieser Stunde zu: Mit Hindenburg und für Deutschland! Frankreichs Msiungsantwort. Höfliche Form- sachliche Ablehnung. Die französische Antwortnote auf das deutsche Riistungs- memorandum, deren wesentlichen Inhalt wir an anderer Stelle wiedergeben, trifft das deutsche Volk in einem Augenblick, in dein es auch noch andere Sorgen hat! Es sei darum sllr heute hier nur festgestellt, daß das Dokument sich eines konzilianten Tons de- dient, sachlich aber die deutschen Forderungen mit einer bemerkens- werten dialektischen Geschicklichkeit ablehnt. Es begibt sich damit freilich in die Defenswe. Die Vertröstungen über Genf werden durch die Tatsachen widerlegt und vor allem gibt es in der Sozialistischen Internationale nur eine Meinung darüber, daß die Genser Ergebnisse geradezu kläglich sind. Nachdem die sranzösische Regierung den Vorschlag H o o v e r s aus Abschaffung der Angriffswasfen praktisch abgelehnt hat, kann sie auch nur schwer behaupten, sie habe den Erfolg der Abrüstungs- konferenz gefördert. Die französische Regierung kann sich von ihrem großen und schweren Teil der Verantwortung für den unbefriedigten Stand des Rüstungsproblems nicht befreien. Leider läßt sich aber nicht be- streiten, daß der V e r s a i l l« r Vertrag noch immer besteht und daß sich Frankreich im Sinne dieses Vertrages daraus berufen kann, daß nur der Völkerbundsrat Deutschland von den mili- tärischen Bindungen aus diesem Vertrag befreien kann. Hier würde sich einer vom Vertrauen der breiten Masse des Volkes getragenen Reichsregierung vielleicht ein Weg öffnet� gewisse Wünsche auf Umbau der Wehrmacht, die keine Aufrüstung darstellt, durchzusetzen. Für eine Regierung, die den schwarzen 12. September eben hinter sich hat, sehen wir einen Erfolg verheißenden Weg der Außenpolitik über- Haupt nicht mehr! Sitzung des �eichskabinetts. Das Reichskabinelt trat noch am Montagabend um 21 Uhr zu einer Sitzung zusammen und unterhielt sich eingehend über die innenpolitische Lage. Eine amtliche Verlautbarung hierüber ist nicht erfolgt. tftrcic Gewerkschafts-Iugend Berlin Heut-, Di-nstag, IS. September, 19H Uhr, tagen die Gruppen: Gewer«. schastshaus: Jugendheim Eewerlschastshaus, Engeluser 24—22. Wir sind am Urban.— Steglitz: Jugendheim Flemmingstr. 14b. Eine Stunde Wirtschaftsgeschichte.— Spaadau-Wilhelmstadt: Jugendheim, Sportplatz See- burger Straße. Gewerkschaftsarbeit in der Gegenwart.— Pankow: Jugend- heim ttissingenstr. 48, Zimmer 5. Die Schutzpolizei.— Treptow: Jugendheim Elsenstr. 3 sam Bahnhof Treptow). Ein Tag im Gefängnis.— Franksurter Bllee: Jugendheim Litauer Str. 18. Das Arbeitslofenproblcm.— Lichtenberg: Jugendheim Dossestr. 22. Wir gestalten den Abend selbst aus.— Reu-Lichtcn- berg: Jugendheim Gunterstr. 44. Die Konfumgenossenschasten.— Oftende: Ju» gendheim Karlshorst, Trcskowallee 44 iKant-Schule) Freiwilliger Arbeitsdienst — Arbeitsdienstpflicht und Gewerkschaften.— Arkonaplatz: Jugendheim, Schule Eltsabethkirchstr. Ig. Warum muß sich der Jugendliche organisieren?— Schöne- weide: Jugendheim Hasselwerdcrstratze sMädchenschule, im Keller). Der Aus- gang der Wahlen und ihre Bedeutung für die Arbeiterklasse.— Adlershos: Jugendheim Adlershof, Bismarckstr. 1. Lieder, und Leseabend.— Moabit: Be- sichiigung der„Vorwärts".Druckerei.— Wir spielen ab 18 Uhr: Nordkreis: Sportplatz Humboldthain.— Südostkreis: Sportplatz Am Urban.— Nordostkreis: Sportplatz Einsame Pappel, Platz 2o. * Assi-Arbeiter beim Bezirksamt Friedrichshai». Dienstag, 13. September, 1»Zh Uhr, bei Wittschutz, Petersburger Str. 5, wichtige Besprechung. £7� Iuqendctnippe des Zentralverbondes der Angestellten Heute, Dienstag, finden folgende Beranstaltungen statt: Gesund- bruunen: Jugendheim Schönstcdtstr. 1. Was geht in der Politik vor? — Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44. Arbeitsgemeinschaft: Kulturelle Probleme Asiens.— Nordwest: Jugendheim Lehrter Str. 18— lg. Heute laßt uns fingen und fröhlich sein.— Heute, ab 20 Uhr, Sprechchorprobe in der Turn- halle Baruther Str. 20.— Spiele im Freien: Ab 20 Uhr in Köpenick, Eiche- Sportplatz, Ecke Achenbachstratze. Ab 18 Uhr Sportplatz Rehberge. Der„Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel»Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage..Z�lk und Zeit". Anzetgenpreisr: Die e i n sp a I t. Millimeterzeile 30 Ps., Retlamezeile 2.— M. „Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf. lzulässig zwei fettgedruckte Worte) jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über is Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 2S Pf. Familienanzeigen Millimeter- zeile 10 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochentäglich von 0-/, bis>7 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeigen vor! Verantwortlich für Politik: Bictor Schlff; Wirtschaft: S. Kliagelhöfer! Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Herbert Lepsre; Lokafes und Sonstiges: Fritz Karstödt; Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin. Berlag: Lorwärts-Lerlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärls-Buchdruckeret und Verlagsanstalt Paul Singer u. Eo. Berlin SW. 68. Lindenstratze i Hierzu 2 Beilagen. �.431» 49 Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Dienstag, 13. September 1932 Frankreich lehnt deutsche Aufrüstung ab. Ausweichende Stellungnahme zur Gleichberechtigung.— Keine Sonderverhandlungen.— Völkerbund allein zuständig. Die Antwort der französischen Re gierung auf das deutsche Verlangen aus Gleichberechtigung, das dem französischen Botschafter in Berlin am 29. August mitgeteilt wurde, wird nun- mehr veröffentlicht, nachdem die Antwort bereits am Sonntagmittag der deutschen Regierung überreicht worden war. Die Antwort stellt in der deutschen Uebersetzung ein Schriftstück von etwa e l s Schreibmaschinenseiten dar. Frankreich lehnt in der Antwort eine d e u t s che„A u f r ü st u n g" ab und verweist die Entscheidung über den deutschen Anspruch aus Gleichberechtigung auf den Völkerbund, bei dem allein die Entscheidung liege. Die Antwort gliedert sich in zwei Teile, deren erster sich mit der Abrüftungskonferenz beschäftigt, während in dem zweiten Teil die Antwort auf das deutsche Verlangen im einzelnen gegeben wird. In dem ersten Teil der Antwort erklärt die französische Re- gierung unter anderem, daß die deutsche Auffassung, der Verlauf der Abrüstungskonferenz werde unbefriedigend bleiben, den Ereignissen vorgreife und sich bei gerechter Bewertung des bereits Geleisteten nicht rechtfertigen lasse. Die Regierung der französischen Republik sei sich bewußt, alles Erforderliche getan zu haben, um ein ordnungsmäßiges Fortschreiten der Arbeiten der Konferenz zu ermöglichen. Sie habe unter anderem die von ihr aufgestellte These hinsichtlich der Sicherheit für einen späteren Zeitpunkt zurückstellen lassen und habe sich damit einverstanden erklärt, daß die Prüfung dieser These ebenso lange verschoben werde, wie es von Deutschland für die Prüfung seiner Forderung aus Gleich- berechligung verlangt wird. Sie habe überdies ihren Willen zur Abrüstung durch Herab- setzung der Wehrausgaben um 1,5 Milliarden Franken bewiesen. Nach Aufzählung weiterer Zugeständnisse der französischen Regierung weist die Note dann darauf hin, daß nach französischer Auffassung der Schwerpunkt der Abrüstungskonferenz auf Artikel 8 der Völkerbundssatzung liege, woraus sich ergebe, daß man nicht nach Aufrüstung einzelner streben dürfe, sondern nach einer kontrollierten allgemeinen Abrüstung. Wenn die deutsche Regierung sich für berechtigt erklären wollt«, ihren eigenen Rüstungsstand unter Berufung darauf zu ändern, daß von dem jetzt in Vorbereitung stehenden Abkommen nur unzureichende Ergebnisse zu erhoffen seien, so würde sie nicht nur den klaren Verpflichtungen aus dem von ihr unterzeichneten Vertrag zuwiderhandeln, sondern sie würde durch ihre Haltung auch die künftige Verwirklichung der allgemeinen Abrüstung un- möglich machen. Das Ziel sei, zu einem Abkommen zu gelangen, das den Völkern wirkliche Friedensgarantien biete. Wenn Deutsck)- land die Absicht habe, gemeinsam mit Frankreich wie mit anderen Staaten an diesem Werke zu arbeiten, über dieses Werk zu verhandeln und Besprechungen darüber zu führen, so sei nichts berechtigter, nichts wünschenswerter als das. Diese Arbeiten, an denen Frankreich in auftichtig liberalem Sinne teilzunehmen gedenke, würden es ermöglichen, festzulegen, welches die Rechtsstellung Deuffchlands innerhalb einer allgemeinen, unter dem Schutz der Schiedsgekichtsbarkeit und der Kontrolle stehenden Friedensordnung sein soll. Diese Frage stelle sich zunächst in j u r i st i s ch e r Hinsicht. Hier weist die Note auf die Unterschiede hin, die zwischen der deutschen und fran» zösischen Ansicht bestünden. Deutschland erkläre, die Abrüstungs- konvention müsse ipso jure an die Stelle des Versailler Ver- träges treten, und es dürften keine„Sonderbe st immun- gen" für Deutschland vorgesehen werden. Hierzu erklärt die Note: Vom Rechtsstandpunkt aus kann die französisch« N«- gierung dieser These nicht beipflichten. Denn lveder im Teil V des Vertrages von Versailles noch in der Völkerbundssahung findet sich irgendeine Vorschrift, wonach eine allgemeine Beschränkung der Rüstungen die Nichtigkeit der im Bertrage enthaltenen Be- stimmungen dauernden«haraktcrs zur Folge hätte. Mit diesem rechtlichen Vorbehalt erklärt sich Frankreich be- reit, seinerseits an der Prüfung dieses Problems auf dem glei- chen Fuße wie alle anderen Beteiligten und mit dem Wunsche mitzuarbeiten, daß in den künftigen Texten die Fort- schritte berücksichtigt werden, die durch die Arbeiten der Konferenz selbst erzielt sein werden. Zur s a ch l'i ch e n Seite erklärt die Note, die französische Re- gierung brauche nicht zu zögern, die Richtschnur ihres Handelns bekanntzugeben. Sie werde auf dem Wege der Abrüstung um so weiter gehen, je größere Garantien sie in der allgemeinen Organisation des Friedens finde. Die Note weist hier aus die Erklärung hin, die Frankreich bereits in Genf abgegeben habe, als Deutschland zum erstenmal die Frage der Gleichberechtigung anschnitt, in der sie erklärte, mit dem Tage, wo eine internationale Organisation geschaffen wäre, die jedem Ge- währ für seine Sicherheit biete und jedem die gleiche Verpflich- tung auferlege, wäre die Regelung dieser Frage in hohem Maße erleichtert. Frankreich betont sodann, daß der französische Sicher- heitsgedanke und der Ausdruck Sicherheit sich in den Völkerbunds- fatzungen befinde und das Frankreich keinen verschleierten Imperialismus zu vertreten beabsichtige. Frankreich habe in der Sicherheitsfrage positive Vorschläge gemacht. Es sei nicht nur bereit, etwaige Anregungen Deutschlands zu prüfen, sondern es bitte um solche Anregungen, ebenso wie die anderen Staaten. Nichts würde zur Befriedung der Welt zweckmäßiger erscheinen, als ein Zusammenwirken Deutschlands und Frankreichs auf diesem Gebiete. In dem zweiten Teil der Antwort wendet sich die fran- zösische Note dem Abschnitt sieben der deutschen Zusammenfassung. in dem auf organisatorische Aenderungen(Abstufung der aktiven Dienstzeit. Freiheit in der Gliederung der Wehrmacht, Errichtung einer Miliz hingewiesen wird, zu. Um sicher zu sein, daß es in diesem Text keine irrtümliche Aus- legung gebe, habe die sranzösische Regierung sich an die Erklärungen des Reichswehrministers in der„New park Times" vom 8. August des„Heimatdienstes" vom 1. September und des Resto del Corlino" vom Zl. August gehalten. Es handele sich demnach darum, daß für Deutschland aus dem Gebiet des Heeres Luftstreikräfte, Kampfwagen. schwere Artillerie sowie Luftabwehrgeschütze, und auf dem Gebiet der Marin« Unterseeboote, Flugzeugmutterschiffe und Panzerschiffe gefordert würden: kein Zweifel: es handele sich hier um eine Aufrüstung. Sodann fährt die Note wörtlich fort: Schon jetzt muß darauf hin- gewiesen werden, daß diese Ausrüstung sich unabwendbar aus alle die Staaten ausdehnen würde, die durch Verträge an ein ähn- liches Regime gebunden sind wie Deutschland. Eine Aufrollung des ganzen mittel- und osteuropäischen Problems wäre also die un- mittelbare Folge, und auf dieser breiten Grundlage würde das W e t t r ü st e n von neuem beginnen. An der Frage, die Frankreich vorgelegt worden ist, ist also ganz Europa unmittelbar interessiert, und Frankreich kann sich nicht darauf einlassen, auf ein Problem von solchem Umfang für sich allein ein« Antwort zu erteilen. Und es geht offensichtlich um noch mehr. Da nach den Erklärungen, die die Herren Minister von Neurath und von Schleicher am 29. August dem Herrn Botschafter Franeois-Poncet gegenüber abgegeben haben, Deuffchlands Forde- rungen sich auch auf das Seewesen erstrecken, würde das ge- samte Flottenregime der Mächte mit ins Spiel gezogen werden. Diese Unvorsichtigkeit einer Einzelantwort würde also das gesamte Rüstungsregime der Welt berühren. Dieser Gesichtspunkt kann dem Scharffinn der verantwortlichen Staatsmänner nicht ent- gehen. Wenn also Deutschland auf seinen Absichten besteht, so muß eine allgemeine Aktion durchgeführt werden. Auf welchem Boden? Nicht aus dem Boden der Abrüstungskonferenz. Zunächst des- halb, weil die Forderung Deutschlands dem Ziel dieser Konserenz — das darin besteht, Herabsetzungen und nicht Erhöhungen der Rüstungen zu erzielen— seinem Wesen nach direkt zuwider- läuft. Und ferner deshalb, weil an dieser Konferenz Vertreter von Nationen teilnehmen, die an den Friedensverträgen nicht beteiligt waren. Die erforderlichen Verhandlungen könnten zweifellos nicht geführt, ja nicht einmal angebahnt werden ohne Befragung der Mächte, die dem Vertrauenspakt vom 13. Juli 1932 beigetreten sind. Außerdem ist für die Diskussion der vertrag von Versailles maßgebend, der nicht einseitig abgeändert werden kann, und besonders der Ar- tikel IM, in dessen zweitem Absatz es heißt: Es ist keinerlei Aenderung in dem durch den Vertrag be- stimmten Rüftungsstande gestattet, bevor Deuffchland nicht in den Völkerbund aufgenommen worden ifff dieser kann etwa wünschenswert erscheinenden Abänderungen zustimmen. To liegt also die Entscheidung allein beim Völkerbund. Frankreich kann den Verpflichtungen, die es ihm gegenüber eingegangen ist, nicht zuwider- handeln, und wir behalten uns vor, vor dem Völkerbund gegebenenfalls die Gründe darzulegen, die uns hindern, einer Wiederaufrüstung Deutsch- lands zuzustimmen. Krach um die Konimgente. Grüne Kroni und Veichsregierung.— Stellt Warmbold die Kabinettsfrage? Der Reichstag ist aufgelöst, die Regierung Papen amtiert aber weiter. Im Kampf um die Forderungen der„Grünen Front", die Einfuhr sämtlicher landwirffchaftlichen Produkte durch Kontingente zu drosseln, ist durch den sehr scharf gewordenen Widerstand der Exportindustrie und des Großhandels eine Zuspitzung einge- treten, die, wie es scheint, selbst den Bestand dieser Reichs- regierung von innen her zu gefährden vermag Jedenfalls spricht man schon von einer möglichen Teilkrise inner- halb des Kabinetts. Der Reichswirffchastsminister W a r m b o l d soll erklärt haben, daß eine Durchführung der Forderungen der Grünen Front nur ohne ihn möglich sei. Die Vertreter der„Grünen Front" waren am Freitag beim Reichskanzler. Sie trugen ihm und dem anwesenden Reichsernäh- rungs- sowie dem Reichswirtschaftsminister ihre auf generelle Zins- fenkung und generelle Kontingentterung der landwirtschaftlichen Einfuhr hinziehenden Forderungen vor. Das Ergebnis war offen- bar nicht so befriedigend, wie die Grüne Front es wünscht. Die „Deutsche Tageszeitung" bezeichnet Reichswirffchafts- minister Warmbold als den Urheber des Widerstandes. In einem nicht mißzudeutenden Hinweis auf die früheren Beziehungen des Reichswirffchaftsministers zur S t i ck st o f f i n d u st r i e wird ge- sagt, daß Warmbold aus eigener Erfahrung und Praxis unbedingtes Verständnis für die Kontingentforderungen der Landwirffchast aufbringen müsse. Die„Deuffche Tageszeitung" hält es„für ganz un- vorstellbar", daß ausgerechnet dieser Reichswirtschaftsminister sich in so eindeutiger Weise zum Anwalt überspitzter Forderungen der Exportinteressenten gemacht haben sollte. Hier tue Aufklärung not. Mit der Forderung dieser Ausklärung erfolgt das Ansinnen an die Reichsregierung, sich notfalls vom Reichswirtschaftsminister Warm- bold zu kennen. Wir haben vor einigen Tagen darauf hingewiesen, daß die Landwirffchast in ihrem Interesse ein« zweite Papen- Verordnung gefordert hat mit der Begründung, daß das bis- herig« Programm nur ein Torso sei und durch die Erfüllung der landwirffchaftlichen Wünsche ergänzt werden müsse. Demgegenüber hat Reichswirtschastsminister Warmbold wiederholt erklärt, daß er nicht daran denke, die von ihm erwarteten Auswirkungen des Wirt- schaftsprogrammes durch ein„völliges Nachgeben" gegenüber den landwirffchaftlichen Forderungen zerschlagen zu lassen, was sowohl p& tiMige Su. ivähß&n, ist ein Gebot der Klugheit. Deshalb entscheide! sich der Kenner stels für die gute ihm seit vielen Jahren unentbehrlich geuiordene Marke. Joseiii verzieh! ei bewußt duf Zugaben in Form von Werlmarken, Guischeinen oder' Sil eher ei en, um dafür dem Raucher Besseres gewährleisten zu können, nämlich: Feinste Qualität und volles Format! hinsichtlich der Kontingente als auch hinsichtlich der generellen Zins- senkung gelte. Innerhalb der Regierung scheint auch schon eine gewisse Klä- rung in dem Sinne erfolgt zu sein, daß die Kontingentierung bestimmter Einfuhrartikel bereits jetzt aufgegeben sei. Man spricht davon, daß die Einfuhr von Därmen, Fellen und chäuten, aber auch die Einfuhr von Holz von der Kontingentsliste des Reichsernährungsministers gestrichen sei. Wenn Warmbolds Widerstand Sinn haben folj, so muß er viel weiter gehen und muß sich grundsätzlich gegen die Kontingentspolitik richten, bei deren Durchführung die deutschen Handelsverträge samt und sonders zer- schlagen werden müßten. Freilich ist es nach allen bisherigen Er- fahrungen höchst zweifelhaft, wie weit Warmbolds Widerstandskraft reicht! Der Fluch der Subventionen. Hausbesitzer wollen mehr.— Stützung für Eisenwaren- industrie.- Die Garagenbesitzer. Das Papen-Programm ist mit seinen Steuer- und Lohnsub- ventionen ein Jnteressentenhaufen-Programm für die ganze kapita- listische Unternehmerklasse. Wo Subventionen verteilt werden, ist der Appetit unersättlich. Bei der Landwirtschaft hat er schon zur Forderung eines zweiten Papen-Programms geführt, das so extrem ist, daß möglicherweise selbst diese den Junkern so wohl- geneigte Regierung in ihrem Bestände gefährdet werden kann. Jetzt ' melden andere Unternehmerkreise ihre Forderungen nach staatlichen Liebesgaben an. Vorstand und Reichsausschuß des Zentralverbandes Deutscher Haus- und Grundbesitzer haben vom 8. bis 10. September getagt. Das Geschenk von 50 Millionen Mark, das ihnen die Papen-Verordnung vom 4. September ge- macht hat, ist ihnen nicht genug. Sie haben jetzt die Frage der Zinssenkung diskutiert, sind zwar zu einer Ablehnung der generellen Zinssenkung gekommen, haben aber um so weitergehende Forde- rungen erhoben. Das Reich soll billige Kredite zur Verfügung stellen, damit der Hausbesitz jene Hypotheken zurückzahlen kann, die infolge einer höheren als bprozentigcn Verzinsung vorzeitig gekündigt werden dürfen. Die Hausbesitzer könnten diese Schutzvorschrift nicht aus- nützen, weil das Kapital zu Ersatzhypotheken fehle. Solange das Reich diese Mittel noch nicht zur Verfügung stellt, müsse eine steuerliche Sonderentlastung— offenbar ein weiterer Abbau der Hauszins st euer zugunsten der Hausbesitzer— durchgeführt werden, um außerdem eine systematische Sen- kung des Pfandbriefzinses herbeiführen— natürlich auf Kosten der Psandbriefinhaber— und die unter öffentlicher Aussicht stehenden Hypothekenbanken sollen dazu veranlaßt werden, unver- züglich die Hypothekenkredite entsprechend zu verbilligen. Die Eisen- und Stahlwarenindustrie hat sich eben- falls zum Wort gemeldet. Diese Industrie leidet in der Tat unter den auch von der Regierung geförderten Erportschwierigkeiten und der von den deutschen Regierungen bis heute geduldeten Auswucherung der inländischen Eisenverarbeiter durch die Eisenkartelle. Aber es ist charakteristisch, daß die Hauptfoederungen dieser Industrie s i ch nicht gegen den Kartellwucher und gegen junker« liche Abschließungspolitik richten, sondern öffentliche Subventionen betreffen. Eine Hilfsaktion der Regierungen müsse Entlastungen auf steuerlichem Gebiet bringen— also über die Entlastungen der Papenregierung hinaus! Die Aufbringungsum- läge müsse erlassen, die Umsatzsteuer gesenkt und die Gewerbesteuer zu einem erheblichen Teil niedergeschlagen werden. Außerdem müsse der Industrie ein ausreichender Kredit für die Umschüldung gewährt "werden, deren Gesamtzinskösten nicht über IV? Proz. hinausgehen dürfen. Endlich müsse die Eisen- und Stahlwarcnindustrie von den öffentlichen Arbeitsbeschasfungsftellen bevorzugt bedacht werden. Der Reichsoerband der Garagenbesitzer knüpft ebenfalls an die Steuersubventionen der Papen-Verordnung an und fordert, daß die K r a f t f a h r z e u g st e u e r in das System der Steuergutscheine einbezogen werden müffe. Im letzten Winter seien 25 bis 30 Proz. der in gewerblichen Garagen untergebrachten Wagen polizeilich abgemeldet worden. Der kommende Winter werde noch eine Erhöhung der Zahl der Stillegungen bringen. Eine Ermäßigung der Kraftfahrzeugsteuer durch Ausgabe von Steuergutscheinen bringe für das Reich, weil die Stillegungen geringer fein würden, keinen Steuerausfall. Damit versucht man die Ausdehnung des Steuergut- scheinsystems auch der Reichsregierung schmackhaft zu machen. Wir sind grundsätzliche Gegner der Arbeitsbeschaffungsmethoden der Papenregierung, weil eine Arbeitsbeschaffung auf diesem Wege nicht zu erwarten ist. Die neuen Subventionsforderungen beweisen, daß den Unternehmern in der Tat verflucht wenig an der Arbeits- beschaffung, aber alles an den geldlichen Vorteilen liegt, die ihnen aus den Subventionen zufließen. Oer Skandal der Hausbesiherbank. Das Aktienkapital ist nach der Bilanz 23 mal verloren! Die Bilanz für den 3t. Dezember 1931 enthüllt die skandalösen Zustände bei der Berliner Bank für Handel und Grundbesitz A.-G. in seinem ganzen Umfange. Das Jahr 1931 allein brachte einen reinen Betriebsverlust von 4,1 Mill. Mark, das ist mehr als das Doppelte des Aktien- kapitals(2 Mill. Mark). Der Gesamtverlust beläuft sich— nach allen Abschreibungen und Berichtigungen der schwindelhaften frühe- ren Ansätze— auf nicht weniger als 46,8 Mill. Mark, das ist mehr als das 23fache des Aktienkapitals! Für die Gläubiger hat sich die Situation seit Eröffnung des Vergleichsverfahrens(Januar-Februar) etwas gebessert. Ein- mal sind 1,65 Mill. Mark Steuerschulden erlassen worden, zum anderen hat die den Konkurs nachprüfende Deutsche Reoisions- und Treuhandgesellschaft einig« Aktiven günstiger bewertet. Eine Quote von 30 Proz. erhalten die Gläubiger auf alle Fälle, da dieser Satz van der Dresdner Bank(mittelbar also vom Reich) garantiert ist. Bezeichnend für die Methoden der früheren Verwaltung, die von dem Marxistenfresser Ladendorsf angeführt wurde, ist ein kleiner Absatz im Geschäftsbericht der jetzigen Verwaltung. Es wer- den nämlich die Bezüge von Aufsichtsrat und Vorstand für 1931 mit dem ganz unwahrscheinlich niedrigen Satz von 41 252 M. an- gegeben. Die jetzige Leitung muß aber betonen, daß sie nicht in der Lage ist, für die Richtigkeit dieser Angab« irgendeine Gewähr zu übernehmen. Es habe nämlich«in Dispositions- Konto der früheren Direktion bestanden, aus dem im Jahre 1931 insgesamt 177 000 Mark ge- zahlt wurden. Es konnte nicht festgestellt wer- den, ob nicht aus diesem Konto einige Beträge in die Taschen des früheren Aufsichtsrats und Bor- ftandes disponiert worden feien! Wir wollen hoffen, daß nach diesen Vorgängen auch die hier in erster Linie betroffenen Gruppen des Mittelstandes endlich ein- sehen, wie notwendig die von der Sozialdemokratie geforderte B a n k e n k o n t r o l l e ist. Kreuzers pleiSebilanz. Das Inventar seiner Wohnungen gehörte ihm nicht! Wir hatten bereits mitgeteilt, daß Kreuzer seinen Erben eine Schuldenlast von 1171 Millionen Kronen bei einem Vermögen von nur 98 Millionen Kronen hinterlassen hat. Dabei sind die Verpflichtungen, für die Kreuzer die Bürgschaft über- nommen hatte, in dieser Aufstellung noch gar nicht enthalten. Es gibt also einen Rachlahkonkurs, wie ihn die Welt noch nicht ge- sehen hat. Der größte Teil des Vermögens besteht aus Wertpapieren aller Art, die mit 93,8 Millionen Kronen angegeben werden. For- derungen belaufen sich auf 25 Millionen Kronen, Bargeld und Bank- guthaben auf 1,6 Millionen Kronen, schließlich Gebäude und Grund- stücke auf etwa 0,5 Millionen Kronen. Jnteressanterweise hat sich herausgestellt, daß das I n o e nt a r von Kreuzers Luxuswohnungen in Paris, New Park und Berlin dem genialen Betrüger gar nicht gehört. Nur das Inventar der Warschauer Wohnung ist mit 1800 Kronen in der Vermögensaufstellung enthalten. Unter den Schulden sind die Hauptposten die Schadens- ersatzforderungen der von Kreuzer geschädigten Gesell- schaften. Die Schwedische Zündholzgesellschaft fordert nicht weniger als 602 Millionen Kronen, die Hauptgesell- schaft Kreuzers, die Kreuger-Toll-Aktiebolaget, 331 Millionen Kronen und die Niederländische Kreuger-Toll-Gesellschaft in Amsterdam runk» 89 Millionen Kronen Schadensersatz. Einen erheblichen Betrag, nämlich 27,6 Millionen Kronen oder 20,7 Millionen Mark, hat auch die Deutsche Union-Bank in Berlin von ihrem Großaktionär Kreuger zu fordern. Da aber mit einem fast völligen Ausfall zu rechnen ist, kann diese Berliner Bant(10 Millionen Mark Kapital) in erhebliche Schwierig- leiten kommen. Der Status der Kreuger-Toll-Gesellschaft weist Aktiven von 509 Millionen Kronen und Passiven von 781 Millionen Kronen aus. Nicht enthalten sind die Bürgschaftsverpflich- tun gen von 194 Millionen Kronen, für die die Gesellschaft Zweifel- los in Anspruch genommen wird. Ueberhaupt ist an diesem Status jede Ziffer fragwürdig. Unter den Forderungen von Kreuger- Toll befinden sich mehrere Posten gegen Berliner Grund- stücksgesellschaften: die Dorotheenstadtbaugesellschaft 4,5 Millionen, die A.-G. für Hausbesitz Berlin 3,9 Millionen, die Schillerkolonnode G. m. b. H. 0,4 Millionen Kronen. Der Konkursstatus für Kreuzers Freund, Ingenieur L i t t o r i n, zeigt 20,7 Millionen Kronen Schulden gegenüber 1,9 Millionen Kronen Aktiven. Noch phantastischer ist die Aufstellung für den Direktor Sjöström(1,7 Millionen Kronen gegen 34,7 Millionen Kronen). Auch mehrere kleinere Kreuger-Gesellschaften haben ihre Ziffern bekanntgegeben. Eine von ihnen, die Aktiebolaget USA., zeigt als einziges(!) Aktivum eine Forderung an Kreuzers Nachlaß, die natürlich zum größten Teil ausfällt. I�nser Extrablatt gestern abend in Riesenauflage verleilt. Wenige Minuten nach 16 Uhr war die Auflösung des Reichstags in der Redaktion des„Borwärtö" bekannt geworden. Kurze Zeit danach teilte ein Extra- blatt des„Vorwärts" der Berliner Bevölkerung das große politische Ereignis und die Folgerungen, die aus ihm durch die Sozialdemokratie gezogen werden, mit. Nach wenigen Minuten bereits hing das Flugblatt im großen Schaufenster dcS„VorwärtS"-Hauses aus, und eS war etwa 16 Uhr, als die ersten Exemplare auf der Straße verteilt wurden. In der Druckerei wurde auf Hochbetrieb eingeschaltet, und auf dem Hofe des„Vorwärts"-Hauses versammelten sich unsere Flugblattoerteiler, die sich, Genossen und Reichsbannerkameraden jeden Alters, mit Eifer und Begeisterung an die Arbeit begaben. Für eine Gruppe von vier Genossen ist es jetzt wieder so weit! 2000 Exemplare werden jedem zugeteilt, die Marschroute— Hermannplatz, Humboldthain, Wittenbergplatz oder Schlesischer Bahnhof, Süden, Norden, Westen oder Osten— wird jeder Gruppe bekanntgegeben, und eine letzte Paroleausgabe folgt: „Durch niemanden provozieren lassen! Anordnungen der Schupos sofort Folge leisten!" Die Packen sind geschultert, und die Reise kann losgehen. „Nu aber(oö!* Der Absatz ist ungeheuer stark. Männer und Frauen, alte und junge,— alle drängen sich, reißen sich und verschlingen den Inhalt. Noch ist das Ereignis der Reichstagsauflösung den meisten der eilenden, zum großen Teil von der Arbeit kommenden Menschen nicht bekannt. Sie haben sich noch nicht die Zeit genommen, die Ueberschriften der Spätabendblätter zu lesen. Straßenbahnschaffner lassen sich vom fahrenden Wagen aus ein Blatt heraufreichen, die Menschen laufen über den Damm und packen zu. Viele bleiben stehen, um an Ort und Stelle das ganze Flugblatt zu lesen, andere wieder, vor allem die Frauen, falten es mit Sorgfalt zusammen, um es mit nach Hause zu nehmen. Viele bekunden ihre Zu- stimmung, rufen ein aufmunterndes: Nu aber los! Besonders groß ist der Andrang in den Arbeiter- vierteln, in denen die Verbundenheit zwischen Bevölkerung und „Vorwärts" besonders stark ist. Hier werden die Verteiler wie gute Freunde empfangen. Wir können mit Freude feststellen: Die Verteilung unseres Flugblatts mit seinem Appell zum Kampf für Freiheit und Sozialismus ist ein großer Erfolg gewesen! M gehl an die Arbeit Erste Sitzung nach der Sommerpause/ Die Gestastung des Haushaltes. Am Donnerstag versammelt sich dos Stadlparlamenl zu seiner ersten Sitzung nach den Sommerserien. Heute treten die Fraktionen wieder zu Beratungen zusammen, nachdem schon gestern die ersten Ausschußsihungen stattgefunden haben. Die Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung birgt mit ihren?S Punkten reichen Arbeitsstoff. In einer besonderen Vorlage zur Verabschiedung des Haushaltsentwurfes berichtet der Oberbürgermeister über den augenblicklichen Stand des Haushalts und seine voraussichtliche Eni- Wicklung. Nach der Unterbrechung der Haushaltsberawng für 1932 vor den Sommerferien der Stadtverordnetenversammlung schloß der Haushaltsentwurf unter Einbeziehung der von der Versammlung und dem Haushaltsausschuß beschlossenen Aenderungen einschließlich der später unterbreiteten Nachträg« in Einnahme mit 882 Millionen und in Ausgabe mit 996 Millionen M. ab. Somit blieben un- gedeckt 113 769 730 Mark. Unter Berücksichtigung der Mehreinnahmen und Entlastungen würde sich der haushaltsmäßige Fehlbetrag für ISZZ auf 67 269 730 Mark ermäßigen. Nach der Entwicklung der letzten Monate könnte sich jedoch in einer Reihe von wichtigen Fällen die Notwendigkeit ergeben, den Haushalt nachträglich zu verändern. So erscheint es u. a. fraglich, ob der Eingang des vollen Betrages der Reichs- und Landes- iVerdt lllrÄen„Vorwärts"! Hilfe zur Erleichterung der Wohlfahrtslasten von ursprünglich 48 Millionen, mit der erwähnten Erhöhung aber 80,1 Millionen M. erwartet werden kann. D�r Oberbürgermeister nimmt zwar an. daß der preußische Sta,at entweder von dieser Ermächtigung — worauf er besonderen Wert legen würde— keinen Gebrauch machen oder Berlin eine entsprechende Sonderhilse zuweisen wird,'aber er hält es doch für erforderlich, auf diese unerfreuliche Aenderung des bisherigen Rechtszustandes hinzuweifen. Die Steuereinnahmen entsprechen nach Ablauf der ersten vier Monate des Rechnungsjahres ungefähr dem Soll, aber die Befürchtung von Rückschlägen ist nicht von der Hand zu weisen. Jedenfalls ist die Lage zur Zeit nicht zu übersehen. Das gleiche gilt für die Ablieferungen der großen Gesellschaften. Bei den Gas- werken hält der Konsumrückgang an: die BVG. klagt über weitere Verminderung der Verkehrszisfern. Bei der Höhe der fixen Kosten reichen die Sparmaßnahmen bisher nicht aus, den wahrscheinlichen Einnahmeausfall auszugleichen. Die Frage des Ausgleichs. Die Verwaltung ist auch weiterhin unermüdlich bei der Arbeit, alle Haushaltspositionen auf weiter« Sparmöglichkeiten zu prüfen oder die im Augenblick nicht benötigten Beträge zu sperren. Es wird jedoch erklärt, daß die Stadt bei der gegenwärtigen Sachlage außerstande ist, die finanziellen Anforderungen der ihr gesetzlich aus- erlegten Fürsorge au« eigenen Kräften zu erfüllen, da sowohl Ein- nahmeerhöhungen als auch ausreichende Ausgabesenkungen nicht in Betracht kommen. Es muß. daher weiterhin Hilfe von Reich und Land gefordert werden. Ileuwahl von drei Magistraismiigliedern. Die Wahlzeit der Stadtbauräte Dr. A d l e r, H a h n und Stadt- rat W u tz k y läuft am 31. Oktober ab. Der Oberbürgermeister gibt der Stadtverordnetenversammlung hiervon bei ihrem Wieder- zusammentritt offiziell Kenntnis und bittet sie in einer Vorlage zur Beschlußfassung, das Erforderliche wegen der Wiederbesetzung der Stellen zu veranlassen. Berliner Olympla-Sieger im Dachaus. Der Berliner Magistrat empfing gestern nachmittag die Ber- liner Olympia-Sieger, die von Oberbürgermeister Dr. S a h m begrüßt und mit einer Plakette der Stadt Berlin als Ehrenpreis für sportliche Leistungen ausgezeichnet wurden. An dem Empfang nahmen zahlreiche Mitglieder des Berliner Magistrats sowie Vertreter des Präsidiums der Stadtverordnetenversammlung und der Fraktionen teil. 22 Olympia-Sieger waren zu dem Empfang geladen, unter ihnen befanden sich als prominente Olympia-Kämpfer der Pistolen- schütze Oberleutnant H a x, der deutsche Zehnkampfmeister E b e r l e, die Leichtathletin Ellen B r a u m ü l l e r, die siegreichen Berliner Ruderer sowie der Hockeyspieler'I ä n i ck e und die Sieger im Bob- f fahren der Winterolympiade Ludwig und Dr. M e h l h o r n. Auch zahlreiche Leiter der Sportverbände waren der Einladung gefolgt. Der Oberbürgermeister kam bei seiner Begrüßung auch darauf zu sprechen, daß die nächsten Olympischen Spiele irv B e r l i n stattfinden sollen und sagte: Das Stadion im Grunewald genüge heute nicht mehr den Forderungen, die eine einwandfreie Durchführung der olympischen Wettkämpfe gewährleisten. Es bedürfe umfangreicher baulicher Veränderungen, die den Jnnenraum zweckmäßiger gestalten und die Zahl der Zuschauerplätze wesentlich erhöhen sollen. Die An- und Abfahrtstraßen müssen oerbessert, eine neue, dem Massenandrang Rechnung tragende Verkehrsregelung müsse getroffen werden. Das alles bedinge, abgesehen von der wirtschaftlichen Fundierung der Spiele selbst, die Bereitstellung nicht unerheblicher Mittel, die bei der heutigen Wirtschaftslage gewiß nicht leicht zu beschaffen seien. Dr. Sahm gab aber der Zuversicht Ausdruck, daß es allen Beteiligten gemeinsam möglich sein würde, die vor uns liegenden Ausgaben auch in finanzieller Hinsicht zu lösen und eine einwandfreie Grundlage für die erforderliche Durchführung der Olympischen Spiele 1936 in Berlin zu schaffen. Der Berliner verein für Ferien-Kolonien beabsichtigt, einige Gruppen von Kindern auf drei Wochen an die See oder in das Gebirge zu schicken. Die Kinder sind mit Abschluß der Herbstferien wieder in Berlin. Anmeldungen nimmt das Büro in der Zeit von 9 bis 3 Uhr entgegen. ?n sctllosren Zeiten zeigt slch's erst reckt, wie wichtig Kaffee Hag für Herz und Nerven ist« Kohlenmagnat verhaftet. Tschechischer Großindustrieller in Berlin festgenommen. Zn einem Hotel am Anhalter Bahnhof wurde heule, Montag früh, der tschechische Grohindustrielle Franz S t e j s k a l, ein Mann von S0 Zähren, festgenommen. Ein tschechischer Detektiv machte den Großindustriellen in dem Hotel ausfindig und benachrichtigte die hiesige Kriminalpolizei. Do ein Haftbefehl aus Prag vorlag, wurde der Industrielle festgenommen und ins Polizei- gefängnis eingeliefert. Der Unternehmer gehört zu den reichsten Leuten in der Tschechoslowakei. Früher war er Leiter großer Bergwerksbetriebe, arbeitete sich empor und verstand es, durch geschickte Geschäfte selbst in den Besitz mehrerer Gruben zu kommen. Sein Name ist in der Kohlenindustrie sehr bekannt. Im Jahre lSZ1/Z2 hatte sich vor dem Prager Strafgericht der tschechische Minister Stribrny in einer üblen Korruptionsaffäre zu ver- antworten. Der jetzt Berhaftete sollte bei dem großen Prozeß, der im Dezember�und Januar in Prag stattfand, als Zeuge vernommen werden. Cs erregte großes Aufsehen, als Stejskal plötzlich ver- schwand. Er reiste zunächst nach Wien und hielt sich in einem Sanatorium in Purkersdorf auf. Bon dort reiste er in die Schweiz und wurde von tschechischen Detektiven bis noch Zürich verfolgt. hier verloren sie feine Spur. Jetzt haben ihn die Detektive in Berlin aufgespürt und veranlaßten seine Festnahme. Neunzehnjähriger erschlage«. Ziätselhaste Mordtat. Oderberg(Kr. Angermünde), 12. Sept.(Eigenbericht.) Am Bollwerk in Oderberg wurde die Leiche des lgjährigcn Heinz Schmidt aus Oderberg aufgefunden. Der Tote hotte schwere Verletzungen am Kopfe: die Schädeldecke war eingeschlagen, der Hinterkops wies tiefe Riffe auf und die Gehirn- schale war zertrümmert. Die Staatsanwaltschaft Prenzlou und die Eberswaldec hilfsmordkommiffion erschienen sofort am Tatort und nahmen die Ermittlungen auf. Heinz Schmidt, der Sohn des pensionierten Polizeibeamten Schmidt aus Odevberg, begab sich am Sonntagabend m das Hotel Jrrlitz, wo er sich mit mehreren Bekannten einige Stunden aufhielt. Gegen 1.15 Uhr verließ er das Lokal, um sich nach Haufe zu be- geben. Am Montagmorgen wurde dornt fein« Leiche aufgefunden. Schmidt war weder politisch tätig, er war bei keiner Partei organisiert, noch äußerte er irgendwelche Sympathien für irgendeine Partei, so daß politische Beweggründe aller Wahrscheinlichkeit nach ausschalten. Staatsanwaltschaft und Mordkommission, die bisher keinerlei Spuren finden konnten, stehen vor einem Rätsel. * Eberswalde. 12. September.(Eigenbericht.) In einem Wassergraben in Eberswalde wurde am Sonntagvormittag die Leiche einer etwa 8l)jährigen Frau aufgefunden, die zwei tiefe Schnittwunden an der Stirn über den Augen aufwies. Die Ermittlungen haben ergeben, daß es sich um eine gewisse Klara Westphal, geboren« Teißler, handelt, die in Berlin-Rosenthal, Kurfürstenstraße 25, wohnt«. In der Tasche der Frau wurden zwei Brief« vorgefunden, von denen einer an ein Fräulein Reich, Berlin-Tempelhof, Stolbergstraße 5, der andere an den Lehrer Westphal, Berlin-Rosenthal, Kursürstenstraße 23, adressiert war. Es wird angenommen, daß es sich um einen Selbstmord handelt. Die Herkunst der Verletzungen ist noch nicht geklärt. Polizei am plah der Republik. Oer Reichstag war wieder stark geschäht. Die Polizei hatte es gestern den nationalsozialistischen Kra- keelern unmöglich gemacht, in der Umgebung des Reichstages erneut zu randalieren. Die Absperrungen wurden in weit umfangreicherem Maße als sonst durchgesllhrt. Wie immer an großen Parlamentstagen, war zunächst das Reichstagsgebäude durch ein« mehrfache Postenkette gesichert und nur Personen mtl Ausweisen durften die Sperrkette passieren, um in den Reichstag zu gelangen. In vorsorglicher Weise war diesmal auch der Platz der Republik mit Polizeibeamten besetzt worden. Di« Gruppe Mitte der Berliner Schupo sah sich zu dieser Mahnahme um so mehr veranlaßt, als erst bei der kürzlichen Reichstagseröfsnung die Hitler-Gardisten auf dem Platz der Republik ihre üblichen inszenierten Tumulte entfesselten. In gleichem Um- fang« war das Regierungsviertel in der Wilhelmstraße, die Leip- ziger Straße und Friedrichstraße und der Potsdamer Platz durch Polizeiposten sowie Reiter und Autopatrouillen gegen all« Zwischen- fälle gesichert. Dank der polizeilichen Maßnahmen ist es dann auch nirgends zu nennenswerten Zwischensällen gekommen. In Johannistal schlägts elf In Johannisthal, das bekanntlich zum Berliner Berwaltungs- bezirk Treptow gehört, gibt es ein Rathaus, das einige Jahre zu früh gebaut wurde, hätte man es nämlich später errichtet, so wäre das wahrscheinlich von wohltuender Wirkung auf den Stil gewesen. Man hat hier leider etwas voreilig gehandelt. So ist denn eine Promenadenstilmischung entstanden, für die heute kaum noch jemand die Verantwortung tragen möchte. Wenn er es dennoch täte, dann wäre ihm eben nicht mehr zu Helsen. An diesem wundersamen Rathaus prangt auch protzend und I'#&&&£?**'.■„- W | r- Ä Die Oiebelwand am Rathaus mit der seit Jahren streikenden Uhr. golden eine Uhr. Und diese vergoldete Uhr ist ein amtliches Räder- werk. Vor Jahren hat sie einmal elf geschlagen. Seitdem schlägt sie nicht mehr. Das amtliche Räderwerk steht still. Seit Iahren zeigt es auf elf. Das kann nun elf Uhr vormittags oder eine Stunde vor Mitternacht fein. Seit Jahren mahnt diese streikende Uhr: Beeilt euch, es ist höchste Zeit,«ine Stunde vor zwölf! So viel noch muß im letzten Augenblick geschehen, mühte geschehen und geschieht nicht. Im kleinen wie im großen ist oft der letzte, der richtige Augenblick, eine Minute vor zwölf, verpaßt worden. Die Uhr von Johannistal ist ein Symbol der von Amts wegen und auch sonst verpaßten Gelegenheiten. In Johannistal hat man seit Jahren vergessen, die Uhr am Rathausturm aufzuziehen. Man sagt, daß der Uhrmacher nicht bezahlt werden könnte, daß er kein Geld von der Stadt bekäme, weil er Steuerschulden hätte und weil er sie nicht im Dienste der Stadt abarbeiten wolle. Ach, die Menschen sind ja so phantasiebegabt und schaffen immer neue Legenden. Man würde sich gar nicht wundern, wenn sie noch andere und noch dazu romantische Geschichten erfänden, denn irgendwie muß doch das Stillestehen des amtlichen Räderwerks erklärt werden können. Und was ranken sich heute schon für Geschichten um diese ruhende Uhr! Da ist der gehorsame Ehemann, der sich mit einem Blick aus die Rathausuhr von Johannistal überzeugte, daß er noch «ine Stunde Eheurlaub habe, und der nun diesen Urlaub ungebllhr- lich überschritt, weil ihn die Uhr irreführte. Da gibt es Geschichten van verpaßten Terminen und Geschichten von zerbrochenen Lieb- schaften. Und immer war die Uhr am Rathaus schuld. Die Behörden sollten für alle Trümmer, die diese Uhr auf seelischem und materiellem Gebiet schon angerichtet hat, v«rontwort!ich gemacht werden. Wir wissen nicht, was der Uhr fehlt. Vielleicht mutz man sie nur auf- ziehen. Zlber in jedem Falle würden die Schadenersatzansprüche der von ihr Geprellten größer sein als die Kosten, die ihre Ingangsetzung erforderte. Auch das Ansehen des Staates wird durch eine solche Uhr, die nicht geht, gemindert. Also, da steht ein braver Mann vor dem Turm mit der unnützen Uhr, betrachtet sie aufmerksam. Dann sogt er- aus tiefster, innerer Ueberzeugung:„Sie jeht ja imma noch nich. Und daran is bloß die Republik schuld und die Sozis." Ja, in Johannistal hat es einmal elf geschlagen. Aber der deutsche Spießer wacht auch nicht aus, wenn es zwölf schlägt, er weiß alles und hat nichts begriffen. Aber trotzdem sollte man die Uhr einmal in Gang setzen. Es sieht nicht gut aus, wenn'eine Rathausuhr nicht geht. Mißgestimmte Seelen schließen gar zu leicht von dem verrosteten Räderwerk, das nicht geht, auf andere Dinge, und das kann manchmal peinlich sein. Sechzig Häuser durch Erdbeben zerstört. London, 12. September. In Amboina(Holländisch-Jndien) ereignete sich am Montag ein außerordentlich schweres Erdbeben, das als daS heftigste seit dem Jahre 1888 bezeichnet wird. In Kampong stürzten 60 Häuser ein. Die gesamte Bevölke- rung hat den Ort geräumt, da das Eintreten eines weiteren Erdbebens befürchtet wird. Der Ort Piroe auf der Insel Eeram ist bereits von einer Flutwelle heimgesucht worden. Das Gespenst der Kinderlähmung. Auch sämtliche Stralsunder Schulen geschlossen. Skralsund, 12. September. Am Sonntag früh sind in Stralsund zwei neue Fälle von Kinderlähmung aufgetreten, so daß jetzt insgesamt acht Er- krankungen vorliegen. Daraufhin hat die Stadtverwaltung im Verein mit dem Kreisarzt und auf Anordnung der Regierung am Montag sämtliche Mittel- und Volksschulen geschlossen. Die Dauer der Schließung ist noch nicht vorauszusehen. Die Stralsunder höheren Lehranstalten stellten ebenfalls am Montag den Unterricht ein. Soweit bekannt, dürften im ganzen Regierungsbezirk die Schulen geschlossen werden. Darüber hinaus werden Maßnahmen getroffen, alle übrigen Kinderversammlungen sofort zu verhindern. Demnach werden neben sämtlichen Schulen auch die Kindergärten, Kinderhorte und Erholungsstellen geschlossen. Tragischer Tod eines Kindes. Auf tragische Weise ist gestern der zweieinhalbjährige Ernst Ma r k s in der Straßburger Straße in Weißensee ums Leben ge- kommen. Die Mutter des Kindes hatte in einem Geschäft etwas einzukaufen und während der Zeit ließ sie das Kind, das in einem Ein Tag politischer Prozesse. Fünf Urteile in Berlin.— Betrunkener SA.-Mann als Hitler-Held. Die Marschner-Kammer des Sondergerichts Berlin ver- urteilte gestern den 40 Jahre alten Arbeiter Wilhelm R o h d« zu 1 Jahr 7 Monaten Zuchthaus. Rohde bekannte sich nicht schuldig. Das Gericht. hatte die von dem Angeklagten bean- tragt« Ladung des Hauptzeugen abgelehnt. Rohde soll am Stahl- helmtag diesen nicht einmal namentlich ermittelten Stahlhelmer in Tatgemeinschaft mit anderen Personen verfolgt, niedergerissen und bedroht haben. Vom Schöffengericht Berlin-Mitte wurde ein Reichsbanner- mann wegen Vergehens gegen das Schußwafsengefetz unter Gewalt- anwendung zu einem Jahr zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Reichsbannermann hatte am 21. März von einem Motorrad aus während des Borbeifahr«ns an einem Auto, das mit zwei Nationalsozialisten besetzt war,«inen Schuß abgegeben. Das Schnellschöffengericht verurteilte zwei Kommunisten, die am 8. August im Kleinen Tiergarten in Moabit einen SA.-Mann in Uniform überfallen und zu Boden gelchlagen hatten, wegen ge- fährlicher Körperverletzung zu acht und sechs Monaten Gefängnis. Eine Gruppe von Kommunisten hatte sich vor der Ferienstraf- kammer des Landgerichts Iii wegen schweren Landfriedens- b r u ch e s zu verantworten. Am 22. April hatte«in Laubenbe- sitzer der vorwiegend von Kommunisten bewohnten Laubenkolonie „Heinze" in Wittenau, der selbst früher Kommunist gewesen, aber zu den Nationalsozialisten übergegangen war, den Besuch mehrerer seiner neuen Parteifreunde erhalten. Di« Gäste hatten eine Haken- kreuzfahne mitgebracht, die sie aufpflanzten. Darüber entstand große Unruhe, man oerlangt« die Entfernung. Ein Kommunist schlug dem Nationalsozialisten ins Gesicht und gleichzeitig wurde«in Stein- bombardement auf die Laube eröfsnet. Die Strafkammer verurteilte einen Angeklagten als Rädelsführer zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust, zwei Angeklagte zu je 1 I a h r Gefängnis und erließ gegen sämtliche drei Angeklagten Haft- besehl. Ein vierter Angeklagter wurde zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Dem Schnell s/höffengericht Berlin-Mitte wurde gestern der 24jährige'arbeitslose SA.-Mann Kurt Kirchner vor- geführt, der in der Nacht zum 26. August Ausschreitungen in der Näh« des Belle-Miance-Plages begangen hatte. Der Angeklagte hatte in der Lindenstraße einen ISjährigen Friseurlehrling angegriffen. Er bezeichnete den jungen Mann als„dreckigen Juden" und drohte, ihn mit seinem Taschenmesser zu„schlachten" Dann wandte er bei dem jungen Mann den Polizeigriff an, so daß der Arm umgedreht wurde, und schleppte ihn in dieser Stellung durch mehrere Straßen. Passanten, die die beiden jungen Leute trennen wollten, wurden von dem Angeklagten geschlagen. Schließlich griffen am Belle-Alliance-Platz zwei Polizeibeamte ein. Der Angeklagte leistete seiner Verhaftung Widerstand und warnte die Beamten, ihn festzunehmen, da er„als SA.-Mann die Staatsgewalt für Hitler ausübe". Ein Polizeibeamter wurde sogar von dem Angeklagten ins Gesicht geschlagen. Das Schnellschöffengericht verurteilte den Angeklagten wegen Frei- heitsberaubung in Tateinheit mit Nötigung, wegen Körperverletzung und Widerstandes zu nur fünf Monaten Gefängnis. Von einem Haftbefehl wurde Abstand genommen. Sportwagen faß, allein. Da die Straße etwas abschüssig ist, kam der Wagen von selbst ins Rollen, geriet aus den Fahrdamm und stürzte um. Das Kind fiel so unglücklich aus das Pflaster, daß es einen schweren Schädelbruch erlitt, an dessen Folgen es im Weißen- seer Krankenhaus gestorben ist. Schweres Booisunglück au? öerMürih. Tragisches Ende einer Segelpart:e.- Drei Tote. waren, 12. September. Auf der M ü r i tz am sogenannten Rosenberg ertranken gestern nachmittag der Lehrer Langmacher, dessen Sohn Günther und dessen Onkel Walter Langmachcr. Der Lehrer war mit fünf anderen Verwandten auf einer Segelpartie unterwegs, als plötzlich ein« heftige Boe das Boot zum Kentern brachte. Während die drei Personen den Tod fanden, konnten die übrigen sich nach mehr als zweistündigem Schwimmen retten. Die Leichen konnten bisher noch nicht geborgen werden. Bahnhof Zannowihbrücke neu. Bolltreppe zum Bohnsteig. Die Notwendigkeit, den Eisenbahnbetrieb und-verkehr während des Umbaues des Bahnhofs Iannowitzbrücke möglichst wenig einzuschränken. Zwingt zu einem schrittweisen Vorgehen. Bisher wurde außerdem die Durchführung der Bauarbeiten dadurch besonders erschwert, daß der Zugang der Notbrücke über die Spree innerhalb der Baustelle der Reichsbahn lag. Dies Hindernis soll jetzt beseitigt werden, denn voraussichtlich soll am 15. September der östliche Fußsteig der neuen Spreebrücke dem Verkehr übergeben werden. Dann könnten die Notbrücke und der öffentliche Durchgang durch die Vorhalle des Bahnhofes gesperrt werden. Gleichzeitig werden auch die neue Fahrkartenausgabe und die Zugangstreppe zum Bahnsteig mit Rolltreppe, d. h. der südliche Teil der neuen Bahnhofsvorhalle, dem Verkehr übergeben werden. Die westliche Zu- und Abgangstreppe bleibt in Zukunft nur als Abgangstreppe bestehen, und die behelfsmäßige Fahr- kartenausgabe am Durchgang zur Notbrücke wird dann geschloffen werden. Die Fertigstellung dieser Slrbeiten bringt dem Reise- verkehr eine wesentliche Erleichterung und bedeutet zugleich einen tüchtigen Schritt vorwärts zur Vollendung des Baues. Es bleibt nur noch der innere Ausbau des nördlichen Teiles der Vorhalle und des Stadtbahnbogens übrig, in dem der öffentliche Durchgang lag. Bis zum Jahresschluß werden die Bauarbeiten für den Bahn- Hof Iannowitzbrücke voraussichtlich im großen und ganzen be- endet fein. Deutschlands Beileid zum Tode Zcnrko.S. Reichsverkehrsminister Freiherr von E l tz- R ü b e n a ch hat an- läßlich des tödlichen Absturzes der beiden Sieger im Europafluge, Z w i r k o und W i g u r a, dem polnischen Geschäftsträger in herz- lichen Worten sein Beileid ausgesprochen. 600 000 Mark Prämie gezogen. In der Ziehung der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotteri« entfiel die Prämie von 500 000 Mark auf das mit 1000 Mark gezogen« Los Nr. 3 419 7 6. Das Los wurde in der I. Abteilung in der Provinz Brandenburg, in der II. Ab- teilung in Westfalen in Achtellosen gespielt. Leonardos„Abendmahl" als Mosaik. Sonderausstellung im Berliner Pergamonmuseum. Angeregt durch die vor einiger Zeit in Berlin gezeigte originalgrohe Kopie des berühmten Mailänder „Abendmahls von Leonardo da Vinci, die d«r deutsche Maler Robert Richter in zweijähriger Arbeit schuf, hat eine große Berliner Mosaikwerkstatt ein Mosaikbild des„Slbendmahl?" her- gestellt. Das Werk wird jetzt im Vortragssaal des Berliner Pergamonmuseums gezeigt. Eine Führung„Alt-Berlin bei Nacht" macht Dr. Franz Leder er Dienstag- 13. September, 20 Uhr, Spittelmarkt. Heute Mondfinsternis. Heute abend werden wir wieder einmal das Schauspiel einer Mondfinsternis genießen, allerdings nicht einer totalen(voll- ständigen), sondern nur einer partiellen(teilweisen), die sich jedoch von einer totalen nur in sehr geringem Maße unterscheidet, denn der Mond wird zu 98 Proz., also bis auf einen ganz geringen Bruchteil, verfinstert erscheinen. Klares Wetter vorausgesetzt, wird man den Vollmond um K7 Uhr im Osten über den Horizont heraufsteigen sehen, 1% Stunden später werden aufmerksame Beobachter links unten eine Ab- nähme der Helligkeit wahrnehmen— der Mond ist bereits in den Halbschatten der Erde eingetreten: die Berfinsterung hat zwar noch nicht begonnen, da alle seine Teile noch von der Sonne beleuchtet werden, aber nicht mehr'von allen Teilen des lichtspendenden Ge- stirns. Um 8 Uhr beginnt die eigentliche Verfinsterung, der Kernschatten der Erde wird als kleine schwarze Einkerbung links unten an der hellen Mondscheibe sichtbar. Schnell wächst der verdunkelte Teil, er erscheint jedoch nicht völlig schwarz, sondern leuchtet schwach je nach der größeren oder geringeren Klarheit der Luft in mehr oder minder düsterm rötlichem Licht, das von Sonnenstrahlen herrührt, die durch die Lufthülle der Erde bis in ihren Schatten hinein ge- brachen und gebeugt werden. Um 19 Uhr, wenn der Mond schon 27 Grad über dem Horizont im Südosten steht, ist der Höhepunkt der Finsternis erreicht, die Scheibe ist fast ganz vom Erdschatten bedeckt, nur eine kleine schmale Sichel rechts oben, nur etwa ein Fünfzigstel der gesamten Fläche, leuchtet noch im hellen Sonnenlicht. Aber schnell wird die helle Sichel größer, um 11 Uhr ist der halbe Mond schon wieder klar, um �12 Uhr ist nur noch eine kleine schwarze Einkerbung rechts unten wahrzunehmen, und eine Viertelstunde vor Mitternacht, genau 2 Minuten früher, verschwindet die letzte Spur der Einkerbung, die Vollmondscheibe leuchtet wieder in völliger Rundung, doch nicht ganz im gewohnten Glänze, weil die rechte untere Partie noch im Halbschatten der Erde liegt. Erst eine Viertel- stunde nach Mitternacht— der Mond steht dann-hoch im Süden— wird die letzte Spur geringerer Helligkeit verschwunden sein, der Mann im Mond sein freundliches Antlitz wieder wie sonst zeigen. Wenn der launische Wettergott es erlaubt, lohnt es sich, das Schauspiel, das erst nach zwei Jahren wiederkehrt, auf der Treptow- Sternwarte mit den dort aufgestellten Fernrohren zu verfolgen. Schwindel mit Gas. Werkbetrügereien aus Angst vor Stillegung. Bremen, 12. September. Vor einigen Wochen wurde über sonderbare Betrügereien bei dem von der Firma I. Pintsch u. Co., A.-G., Berlin, betriebenen Reichsbahngaswerk berichtet. Das Gasmeister D u f f n e r hatte, um die Rentabilität seines Werkes trotz schwindenden Absatzes nachzuweisen, Zehntausende von Kubikmetern Gas durch betrüge- rifche Machenschaften in die Luft gejagt und die Reichsbahn um nahe- zu 199 999 Mark geschädigt. Jetzt hatte sich Duffner vor der Großen Strafkammer zu oerantworten. Es ergab sich, daß den Vorteil aus diesem Betrug nicht Duffner, sondern die Firma I. Pintsch AG. hatte, die sich inzwischen mit der Reichsbahn ausgeglichen hat. Duffner stand wegen Urkundenfälschung und Betrug vor der Großen Strafkammer, mit ihm zusammen an- geklagt wegen Beihilfe der Schlosser Bohne. Duffner gab vor Gericht an, daß die Gasanlage bereits a l t gewesen sei, und er nicht mehr das herausholen konnte, was er zu Anfang herausgeholt habe. Um vor seiner Firma nicht als schlechter Gasmeister dazustehen, habe er die betrügerischen Manipulationen begangen. Auch soll der Gas- verbrauch der Reichsbahn zurückgegangew sein. Cr will Angst davor gehabt haben, daß die Anlage in Bremen stillgelegt werden könnte, und darum den Verbrauch künstlich erhöht haben. Einen geldlichen Vorteil scheint Duffner von seinem Treiben nicht gehabt zu haben. Der Staatsanwalt beantragte gegen ihn eine Gefängnisstrafe von 18 Monaten und acht Monate gegen den anderen Angeklagten. Das Gericht verurteilte Duffner zu einem Jahr, Bohne zu fünf Monaten Gefängnis, letzterem wurde Bewährungsfrist zugebilligt. Polizei qegen Lugendgenossen. Die Sozialistische Arbeiterjugend veranstaltete am Sonntag in B e r g f e l d e einen Sporttag, der durch das rücksichtslose Vorgehen einiger Polizeibeamten ein unerwartetes vorzeitiges Ende fand. Für Sonnabend hatten die Jugendgenossen einen Fackelumzug in Hohenneuendorf geplant. Da aber die Hakenkreuzler zü einer Gegendemonstration aufgerufen hatten, hielt es der Amts- Vorsteher für richtig, beide Kundgebungen zu verbieten. Dagegen hatten die Jugendgenossen und Sportler von der Polizeibehörde des Nachbarortes Bergfelde die Genehmigung zu einem Umzug am Sonntagnachmittag erhalten. Vom Treffpunkt am R o t p f u h l marschierte ein ansehnlicher Trupp von etwa SS9 bis 699 Jugendgenossen und das Reichsbanner "ach der Ortschaft Bergfelde. Weil angeblich entgegen der Polizei- Uchen Bestimmung einige Wimpel der SAJ. nicht eingerollt waren und einige Hoch- und Niederrufe ertönten, lösten die Landjäger den Zug in Bergfelde kurzerhand auf. In losen Gruppen wollten die Jugendlichen das Lokal„Waldschlößchen" aufsuchen, wo der zweite Teil der Veranstaltung vor sich gehen sollte. An der Eisen- bahnunterfllhrung, in nächster Nähe des früheren Bahnhofes Stolpe. nahmen einige Polizeibeamte dann einen belanglosen Zwischenfall zum Anlaß, auf die Jugendlichen, unter denen sich viele Mädchen befanden, mit dem Gummiknüppel einzuschlagen. Drei Jugendgenossen wurden festgenommen. Nach den übereinstimmen- den Berichten mehrerer Augenzeugen sind einige Beamte weit über ihre Befugnisse hinausgegangen. Sollten tatsächlich kleine Ueber- tretungen der mehr als kleinlichen Polizeivorschriften erfolgt sein, hätte es sicher nur eines Hinweises bedurft, um Mißverständnisse aufzuklären. Mutiger Lebensretter! Verhängnisvoller Wohnlaubenbrand. In einer Wohnlaube auf dem Grundstück S ch o t t st r a ß« 96 in Lichtenberg brach ein gefährliches Feuer aus. Die Bewohnerin, eine 59 Jahre alte Frau Ernestine Schleithauer, wurde aus der brennenden Laube von einem Straßenbahnschaffner gerettet. Kurz nach 9 Uhr schlugen aus der Wohnlaube, in der sich Frau Sch. allein besand, plötzlich helle Flammen empor. Der Straßen- bahnschafsner Paul Bruder aus der Psarrstraß« 31 in Lichten- berg, der draußen ein Laubengrundstück hat, drang in die bren- nende Laube ein, wo er Frau Schleithauer bewußtlos auf- fand. Es gelang dem Mann, die Bewußtlose ins Freie zu bringen. 'Als die Feuerwehr anrückte, stand die Wohnlaube in ihrem ganzen Umfange bereits in Flammen. Frau Sch. wurde ins Krankenhaus am Friedrichshain übergeführt. Die Entstehungsursache des Brandes ist noch unbekannt. Ver- mutlich sind glimmende Kohleteilchen aus dem Herd gefallen und haben den Fußboden in Brand gesetzt. Unter der Einwirkung der Rauchgas« ist die Laubenbesitzerin dann ohnmächtig geworden. Wohltätigkeitskonzert des Pankower Reichsbanners Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Ortsverein Pankow, veranstaltet am Sonntag, dem 18. September, in den Gesamträumen des Saalbaues„Schloß Schönhaufen", Berlin-Niederschönhausen, Lindenstr. 11, ein W o h l t ä ti g k e i t s k o n z e r t zugunsten der erwerbslosen Kameraden. Das Konzert wird ausgeführt von zwei Reichsbannerkapellen des Ortsoereins Weißensce, humoristische und künstlerische Darbietungen, Kinderbelustigungen und die Ausführung eines Theaterstückes vervollständigen das Programm. Tanz im Freien und im großen Saal. Der Eintrittspreis ist äußerst niedrig bemessen und beträgt inklusive Tanz und Steuer nur 39 Pf., für Erwerbslose gegen Ausweis nur 29 Pf.. Kinder haben freien Zu- tritt. Für den Nachmittag ist ein großer Fahneneinmarsch vor- gesehen, an welchem sich viele Berliner Ortsvereine beteiligen. Wegen oes guten Zwecks ist der Veranstaltung ein starker Besuch zu wünschen. Gute Wellerbildung für junge begabte Erwerbslose bietet der Volkshochschultursus des Volkshochschulheims Ulmenhof der Sozialen Arbeitsgemeinschaft E. V. in Berlin-Wichelmshagen vom 3. Oktober 1932 bis 29. Januar 1933. Welleraussichlen für Berlin: Teils heiter, teils wolkig und weiterhin kühl, abflauend« westliche Winde.— Für Deutschland: Im Westen allmähliche Wetterverschlechterung: im Süden heiter, nachts recht kühl, im übrigen Reiche fortschreitende Wetterberuhigung. Partemachrichten fürGroß-Berlin Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SW 68, Lindenstrahe 3, stet» an da» Bezirk-sekr-tartat 2. Hof, 2 Treppen recht», zu richten in den bekannten Lokalen. aus. Morgen gahlabend« in den Beginn aller Veranstaltungen 19M Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Mittwoch. 14. September: 2. Abt. Mitgliederversammlung bei Lohann, Briiderstr. 16. Thema: Die Aus- gaben der Partei im Kampf gegen die Reaktion» Referent: Genosse t. Abt. Mitgliederversammlung im Delvedere, Alexanderstr. 21. Thema: Die politische Lage. 7. Abt. Zahlabende in den bekannten Loka 8. Abt. Die Funktionärsitzung fällt heut« bekannten Lokalen..„ 13. Abt. Heute, Dienstag, 13. September, 20 Uhr, Funktionärsitzung bei Rostel. 1«. Abt. Z-hlabend« bei Rover, Swincmiinder Str. KZ: Sottschalk, Putbusser Str. 24. Thema: Die politische Lage. Referent: Genosse Schumann. Sehloh, Putbusser Str. 11. Roock, Graunsir. 11. 15. Abt. gahlabende in den bekannten Lokalen. 16. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 17. Abt. heute, Dienstag, Funktionärsitzung bei Dose, Nordhafen 6. Morgen, Mittwoch, Zahlabende in den bekannten Lokalen. 1». Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. Referenten im Bezirk 815: Dr. H. Wiener, im Bezirk 816: Genosse Schoodt. Bezirk« 805— 806; Genosse Rosenthal._ 28. Abt. Zahlabende in den Lokalen: Bontke, Schulstr. 71; Machalett, Drontheimcr Str. 1; Pose, Koloniestr. 15; Tillner, itoloniestr. 13, Ecke Zechliner Straße; Stenzel, Schwedenstr. 13. 21. Abt. Zahlabende in den Lokalen: Kroll, Utrechter Str. 21. Referent: Genosse Dziobeck. Schrepel, Antonstr. 8. Referent: Genosse Dewald. Böhm, Max» straße 18. Pimpler, Razarethkirchstr. 11. Referent: Genosse Freudmann. Sccseld, Schulstr. III. Referent: Genosse Ezarlinski. Damme, Schulstr. 21. Referent: Genosse Elchlepp. Herms, Miillerstr. 26. Referent: Genosse Echte. Meier, Prinz. Eugen. Str. 7. Geußner, Seestr. 62. Scholz, Adolsstr. 12. Cchcrhag. Reinickendorfer Str. 20. Referent: Genosse Hoffmann. 22. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 23. Abt. Zahl, und Diskussionsabende in allen bekannten Lokalen. Bortrag in allen Bezirken über die politische Situation. 21». Abt. Zablabende bei Wenske und im Hermannsheim. 25. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 26. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 27. Abt. Zablabende in den bekannten Lokalen. 28. Abt. Unser langjähriges Mitglied Hermann Wolfram, RO. 55, Ehodowiecki- straße 22, beging am Sonntag, dem II. September, seinen 75. Geburtstag. 36. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. Die Bezirksfllhrer treffen sich zu einer kurzen Aussprache um 18 ff, Uhr bei Pohst. »1. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 32. Abt. Zahlabende in den nachstehenden Lokalen: Gruppe 1 bei Ewest, Große Frankfurter Str. 30. Referent: Dr. Landauer. Gruppe 2 bei Jordan, Koppenstr. 23, Ecke Ritdersdorfer Straße. Gruppe 3 bei Drescher, Stralauer Platz 5. Referent: Genosse Kommendzinski. Gruppe 1 bei Saberland, An- dreas. Ecke Holzmarktstraße. Referent: Genossin Elvira Krüger. Gruppe 5 bei Pallentin, Krautstc. 36. Gruppe 6 bei Wilkow, Krautstr. 58. Bezirk 301 und 305 bei Schröder, Friedrichsfelder Straße. Thema in allen Zahl- abenden: Unsere Anträge im Reichstag. 33. Abt. Zahlabende bei Mllller. Aussprache. Petzold fällt aus, dafür bei Müller am Donnerstag. Hoffman, Bollenbach. Aussprache. Wertalla. Die politische Lage. Referent: Genosse Drunsel. Lojack. Aussprache. Referent: Dr. A. Elkin. 31. Abt. Zahlabende in nachstehenden Lokalen: Bei Gaul, Boxhagener Str. III. Bei Seydlitz, Romintener Str. 7. Referent: Genosse Zippel. Bei Reusch, Cadiner Str. 10. Bei Neumann, Gubener Str. 15. 35. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 36. Abt. Zahlabende in folgenden Lokalen: Bauer, Tilsiter Str. 27. Horn, Zorndorfer Str. 3. Wittschuß, Petersburger Str. 5. Referent: Genosse Günther. Kirsch, Petersburger Str. 81. Referent: Genosse Adolf Lau. Thema in allen Zahlabenden: Die politische Lage. 38. Abt. Zahlabende in allen Bezirken mit Ausnahme der Bezirke 188», 188d und 135, die am Mittwoch, dem 21. September, bei Pahlow, Barnimer Straße 13, tagen. 11. Abt. gahlabende in den bekannten Lokalen. 12. Ab«. Zahlabende in den bekannten Lokalen. Bei Selack. Referent: Ge- nasse Robinson. 13. Abt. Zahlabende in folgenden Lokalen: Bezirk 125 bei Adv, Fichteftr. 23. Thema: Arbcitsdienstpflicht. Referent: H. Schließstädt. Bezirk 130 bei Krüger, Drimmstr. 1. Thema: Politische Lage. Referent: Genosse Rose- mann. 11. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 15. Abt. gahlabende in folgenden Lokalen: Gruppe Rüden bei Schutsch, Forster Straße 3. Thema: Unsere Aufgaben in der gegenwärtigen Situation. Gruppe isioch bei Winzler, Reichenbcrger Str. 101. Thema: Unsere Forde- rungen im Reichstag. Gruppe Kinski bei Minnich, Lausitzer Str. 13. Thema: Das Wirtschaktsprogeamm der Partei und des ADGB. Gruppe Groß in der Friedcnshütte, Wiener Str. 57». Das Pavcn-Proqramm. 17. Abt. Zahlabende in den folgenden Lokalen: 82. und 83. Bezirk bei Ro- varius, Adaldertstr. 13. Referent: Dr. Gurau. 37. Bezirk bei Lier, Naunyn- straße 3. 38. Bezirk bei Siedentopf, Muskauer Str. 35. Referent: Genosse Jakubowicz. Bezirk 33 und 100 bei Taube, Manteufselstr. 8. 101. und 105. Bezirk bei Lehmann, Muskauer Str. 1, Ecke Zeughosstraße. 18. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 51. Abt. Zahlabende für die Gruppen 1— 1 in den bekannten Lokalen. 53. Abt. Zablabende in den bekannten Lokalen. 51. Abt. Zahlabende in folaenden Lokalen: 5. Gruvve bei Müller. Franklin- straße 13. Gruppe 6 und 7 im Jugendheim Rosinensir. 1. Thema: Die An- träge der Fraktion im Reichstag und die letzte Notverordnung. 56. Abt. Zahlabende in folaenden Lokalen: Gruppe 1 und 3 bei Liersch, Kant- straße 62. Referent: Alexander Rosenbach. Thema: Das Gewerkschafts- Programm. Gruvve 2 bei Zaskowiack, Holtzendorffstr. 20. 57. Abt. Zahlabende in folgenden Lokalen: G ru p v e l bei Arndt Kantftr. 51. Referent Genosse Tietgens. Gruppe 2 bei Tbunack, Wielandsir. 1. Rcfe- rent Genosse B-rgien. E r u p p e 3 in der Eportklause, Wielandsir. 10. Refe- rent Dr. F. Neumann. Thema in allen Zahlabenden:„Das Programm der Herren, das Programm der Arbeiter". 62. Abt. Bez. Siemensstadt. Mitgliederversammlung bei Marsandt. 67. Abt. Mitgliederversammlung bei Wurzbachcr, Bahnhof Grunewald. Referent Genosse Braunthal. Thema: Wirtschaftsfragen. Wirtschaftsumbau. 72. Abt. Zablabend bei Rosenau, Laubenheimer Ecke Barziner Str. 76. Abt. Mitgliederversammlung und Zahlabend bei Schilling. 77. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 78. Abt. Die am Sonntag angegebene Mitgliederversammlung bei Höhnisch, Gothenstr. 60, findet nicht statt. Dafür in sämtlichen Bezirken Zahlabende in den bekannten Lokalen. Referenten erscheinen, wie in der Funktionär- Versammlung mitgeteilt. 81. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 83. Abt. Zahlabende in folgenden Lokalen: Süd bei Fritsche, Berliner Str. 123b. — Oft bei Buberick, Loren, str. 56.— West bei Rohde, Kinhenburgdamm Ecke Roonstraßc. Referent Dr. S. Krüger. 82. Atzt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. Bez. 8: Referent Genosse W. Pähl. Bez. 3: Referent Genosse Kürschner. Bez. 3/1: Referent Genosse S. Marc. 85. Abt. Zahlabende in folgenden Lokalen: Bez. 3 bei Scnnia. Friedrich-Wilhelm- Ecke Manie» ffclstraße Bez. 5 bei Henning. Kaiser-Wilbelm- Ecke Molike- llraße. Referent Genosse Burgemeister. Bez. 7. im Lokal Wanzlick, Oberland. straße 1. Referent Genosse Günther Joachim. 86. Abt. Zahlabende in den Lokalen Görlitz. Ehaussecstr. 13, Neumeper, Kaiser- Ecke Schöneberger Straße, Dhonau, Friedenstr.' 6. Referenten: Genossen Dr. Adler. Reh, Baurichter. Thema: Aktuelle Tagesfragen. 87. Abt. Mitgliederversammlung bei Schufter. Kirchstr. 68. Thema:„Die Be- deutnna der Konsumgenossenschaft". 88. Abt. Zahlabend in der Schule Roansiraße. 86. Abt Zahlabende in folgenden Lokalen: bei Ramm. Erkftr. 10; bei Klemt, Berliner Str. 100. »1. Abt. Mitgliederversammlung im Restaurant Bergschloßhöh«, Karlsgarten- ftr. 6/11. Referent Genosse Brandes, Borsttzender des Deutschen Metall- arbeiterverband«». 82. Abt. Reukölln. B-zirksmitgliederv-rsammlungen Mittwoch, 20 Uhr: Bezirk- 23», 51 und 55 bei Rippert. Harzer Str. 88. Bezirle 51, 58 und 60 im Sägcrheim, Wildcndruchstr. 31. Bezirke 52, 53 und 57 bei Fiedler, Elbe- Ecke Echandauer Straße. Bezirk 56 bei Fischer, Heidelberger Str. 31. Be- zirke 53, 8l und«2 bei Wolfs, Kaisrr.nricdrich.Str. 172� Bezirke 62, 80 und 85 bei Borchert, Rofeggerstr. 3. Bezirke 63 und 73 bei Simon, Berthels- dorferstr. 3. Vortrag: Demokratie oder Diktatur. Bezirke 87 und 88 bei Schneider, Rofenstr. 7. Tagesordnung: Di- neue Notverordnung der Baronsregierung._,. 93. Abt. Zahlabende in folgenden Lokalen: 83. n. 193. Beä.. Schumann, Treptower Str. 90. Referent Genosse Scharfstadt.— 84., 86. u. Damm. Her�bcrgstr. 22. Referent Genosse Mermuth.— 104., III. u. 114.«ej. bei Slolze. Böhmische Str. 43 44. Res. Genosse Schmidt.— 196.. 19�. u. 119. Vcz. bei Einkopf. Kaiser.Friedrict)- Ecke Mareschstraßc. Referent Genosse Schweizer.— 108. u. 199. Bez. bei Bärwinkel. 112., 113. u. Iis. Bez. bei Just. Riemedstr. 19. 116. u. 117. Bez. bei Pritfow, Richard- Ecke cdione- weider Straße.„ 94. Abt. Zahlabende in folgenden Lokalen: Schröder. Steinmchstr. o2.— Knclla. Schillerpromenade Ecke Ockerstraße.— Kuhfeld, Lichtenrader Str. 08.— Breuer, Schillcrpromenade 39.— Lepk, Selchower Str. 6 »3. Abt. Zahlabende in folgenden Lokalen: 1. Viertel bei Keusch. Sag er ftr. 10. Referent Genosse Broido.— 2. Viertel bei Klein. Prinz-Handlerp-Str. 34. Referent Genosse Sans Franke.— 3. Viertel bei Keil. Prinz-Handlery. Str. 38. Referent Genosse Raujacks.— 4. Viertel bei Grieger, Lesslngftr. 9. Referent Genosse Dr. H. Cohn. �• 96. Abt. Zahlabende in nachstehenden Lokalen: 191., 192. u. 129. Bez. bei Lohann, Wipperstraße.— 118. u. 119. Bez. bei Brand, Thüringer Ecke Wippcrstraße.— 121., 122., 123., 124., 126. u. 127. Bez. bei Vogel, Nogat- straße 56. � r 99. Abt. 147. n. 148. Bez. bei Schmidt, Chausseeftr. 27. Referent Genosse Scheele. — 134. u. 133. Bez., Ideal-Halle, Hannemannstraße.— 169. Bez. Buckow bei Discher, Ehaussecstr. 12.— 136. bis 159. Bez. bei Tristan,' Bstrgeritr. 48/49. Referent Genosse Neumann. 169. Abt. 19 Uhr, Funktionärsißung. � m« 101. Abt. Zahlabende in folgenden Lokalen: Stephen, Graßftr. 1. Referent Ge- nosse Neumann.— Manz. Kiefholzftr. 21. Referent Genosse Eberlem.— Dähling, Kiefholz. Ecke Elsenstraße. Referent Genosse �Bredow.— Kol- latschny, Beerniannstr. 10. Referent Genosie H. Gotthelf.— 6. Bez. der Fromm, Treptower Park 68. Referent Genosse Walter Friedländer. 163. Abt. Zahlabend- in folgenden Lokalen: 1.. 4., u. 5. Bez. bei Knappe. West- endstr. 18.— 2. u. 3. Bez. bei Krause. Siemens- Ecke Tabbertstraße.— 6.. i. u 8. Bcz. bei Winktler, Bilhclminenhofftr. 82d.— 3. u. 16. B-z. bei Tromp- ter, Luifenstr. 1.— II.». 12. Bez. bei Emmerich. Wilhelminenhofftr. 64. 116. Abt. Mitgliederverfammluna im Lokal Werner, Berlm-Grünan, Köpenrcker Str. 125. Vortrag:„Politische Lage". Referent Genosse Hanebuth. 114. Abt. Der Genosse Echierle, Wühlischstr. 24. vollendete in diesen Tagen sein 70. Lebensjahr. Trotz feines Alters fehlt er bei keiner Parteivcranstaltung. Wir wünschen dem Genossen, daß er der Partei noch lange erhalten bleibt. — Mitgliederversammlung im Logenkafino, Knorrpromenade 2. Referent Genosse Bernstein.,. 115. Abt. Zahlabende in folgenden Lokalen: Gruppe 1 be, Stöb-r. Jung. Eck- Oderstraße.— Gruppe 2 im Restaurant Tivoli. Weichselstr. 5.— Gruppe 3 bei Radtkc, Miiqgel- Ecke Echarnweberstraße.— Gruppe 4 bei Seivke. Krön- prinzenstr. 47. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. 124. Abt. Zahlabend- finden statt für Siedl. 1. Teil>m Lokal Nordstern. Konower Str. 43. Referent S. Wagner: für Siedl. 2. Teil im Lokal Schmidt. Marren- burger Str. 8. Ref. Genosse Rogge; für Mahlsdors-Ort im Lokal Anders, Bahnhofftr. 35/37. Referent Genosse Poetfch.— Für Mahlsdorf-Söhe bei Jakob. Lemkestr. 150. Referent G. Ott. 125. Abt. Unserem langjährigen Genossen Max Lein zu seinem 60. Geburt? ta« die herzlichsten Glückwünsche der Abteilung, 128. Abt. Die gahlabende finden in folgenden Lokalen statt: 1. Bcz. im Lokal Roock, Kaiser-Friedrich-Etr. 53. Referent Heinz Hirschfeld. Thema: Außen- politische Fragen.— 2. Bez. bei Franz. Kaiser-Friedrich-Etr. 68, Referentin Genossin Schmitz, M. d. L.— 4. Bez. bei Fulde, Berliner Str. 37.— 5. Bez. im Lindengarten, Berliner Str. 40. Referent Genosse Schlesinger. 6. Bez. bei Bader, Kissinaenstr. 4. Referent Genosse Schloß.— 7. Bcz. bei Heinz«, Kissingcnftr. 46. Referent Genosse Schaffer.— Bez. 8» bei Grass«, Kisslnlien- straße 11. Referent Genosse Paul Lemke. Thema:„Was hat die Arbeiter- schaft von dem neuen Kurs in der Kulturpolitik zu erwarten?"— Bez. 8d bei Kaeqler. Kissingenstr. 24». Referent Genoss- Räder-Großmann.— 16. B«� bei Mithlenbeck. Mühlen. Ecke Bremer Straße. Referent Senosfe P scheidende Anregungen empsangen. Kaum jemand lfct in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der modernen Freidcnkerbewegung so starke Waffen gegen intoleranten Konsesfionolismus urrb beschränkten Dogmatismus der Kirche geliefert. Die Bedeutung der Feuerbachschen Philosophie beruht vollkommen auf ihrem heißen Ringen um das religiöse Problem. In der«rkenntnistheoretisch- logischen Fundamentierung seiner Weltanschauung ist dagegen Feuerbach immer mehr oder weniger ein Schüler seines großen Lehrers Hegel geblieben, dessen„Idealismus" er nur, wie sein Mitkämpfer Karl Marx,„vom Kopf auf die Beine" gestellt hat. Die Forschung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und des beginnenden 20. Jahrhunderts hat seither zweifellos gegen den kirch- lichen Dogmotismus neue Erkenntnisse zutage ge> fördert, und die wissenschaftlichen Leistungen Feuerbachs sind in dieser Beziehung nicht dos letzt« Wort geblieben. Trotzdem ist es kein« leere Geste der Höflichkeit gegenüber einer Mndegröße der Vergangenheit, wenn wir den Anlaß des 50. Todestages dieses Denkers benutzen, um uns auf das zu besinnen, was er nicht nur für die vorige Generation gesogt hat, sondern erst recht noch heute bedeutet. Beruht doch das wahrhaft Bedeutende des großen Denkers gar nicht einmal auf seinen tot- sächlichen wissenschaftlichen Ergebnissen, die von der unaufhörlichen Kleinarbeit der nächsten Gene- ratio» bald überholt und erweitert werden, son- dern wie beim Künstler auf einem starken, von der eigenen Persönlichkeit getränkten Erleben des Daseins, auf der persönlichen„W e l t- a n s ch a u u n g". Der Philosoph unterscheidet sich vom Künstler nur darin, wie er das Schicksal eines bestimmten Menschen sieht, sondern etwa das Gesetz der Gesellschaft zu formulieren strebt, das hinter allen Einzelschicksalen ist: daß er nicht wie der Dichter die Hingabe eines Einzelmenschen an eine religiöse Idee zu gestalten beabsichtigt, son- dern die Ursachen zu erkennen sucht, die solche Empfindungen und ihre Beziehungen zu den anderen Erscheinungen des gesellschaftlichen Leben« bewirken. Er will nicht nachgestalten, was er erlebt hat, sondern er sucht es zu begreifen und das Ergebnis in Begriffen, Gesetzen und Theorien ollgemeingültig zu formulieren. Welche der unendlich vielen Perspektiven der Wirklichkeit ihn besonders fesselt, hängt ganz von ihm, von seiner„Persönlichkeit" ab. Er wird der Menschheit einen um so größeren Dienst geleistet haben, je mehr seine neue Wahrheit dazu beiträgt, den Menschen äußerlich und innerlich freier zu machen. Ein solcher Denker, der die religiösen Erscheinungen von der ganz neuen Perspektive der gesellschaftlichen Erscheinungen und der Men- slbenkunde sah, und der seine Erkenntnis so aus- zudrücken verstand, daß Tausenden mit einem Mole die Augen aufgingen: ein solcher Befreier von unnatürlichen Fesseln ist Ludwig Feuerboch gewesen. Feuerbach erkennt»läßlich allen konfessionellen Dogmatismus als ein Gespinst leerer Worte, und es taucht vor ihm das Problem auf, die I l l u- s i o n zu erklären, durch die er entsteht. Denn fein kritischer Scharfsinn erkennt bald, daß auch die Metaphysik des großen Hegel, um dessentwillen er das Studium der Theologie aufgegeben hatte, nur leere Spekulation war, und daß, um mit Kant zu reden, alle Spekulation nichts als lauter Schein und nur in der Erfahrung Wahrheit ist. So wird ihm zum Gegenstand oller Erfahrung und zum Ausgangspunkt jeder Erklärung allein die Natur und der Mensch Hotte Schleiermacher das religiöse Gefühl des Menschen aus ihm selbst entwickelt, wie die Spinne ihren Faden ouz ihrem Leib, indem er es zurück- führte auf das Gefühl der völligen Ohnmacht einer„schlechthimügen" Abhängigkeit des Menschen von der Allmacht Gottes, so sucht Feuerbach es zu bcgreisen als die seelische Antwort auf die Einwirkungen der Natur auf den Menschen. Er erkennt di« Wurzeln dieses Schwächegefühls in der ursprünglichen Hilflosigkeit des Menschen gegenüber den Gewalten der Natur und der Angst vor dem Unbekannten. Im Gegensatz dazu kommt der Mensch dorm zu der Vorstellung eines Wesens, das alle die Eigenschaften, die er sich selber ersehnt oder die er überhaupt denken kann, in der Voll- lommenheit besitzt. Dennoch bleiben diese immer menschliche Eigenschaften. So hat der Mensch eigentlich Gott nach seinem Bilde geschaffen, wie auch der Unsterblichkeitsglaube auf der Hoffnung einer Fortsetzung unserer Erlebnisformen und Empfindungen beruht, die doch völlig an unsere Sinne und Organe gebunden sind. Alle Anschau- ungen des Menschen von Gott und der Inhalt seines Glaubens wandeln sich mit seiner geschieht- lichen Entwicklung. Tiefere Einsicht läßt erkennen, daß alle derartigen Lehren nichts weiter sind als Phantasiegebilde, die die Not des Menschen er- zeugt. So kann die Theologie keine Wissenschaft sein, da sie van dem konfessionellen Dogma aus- geht.„Wer", jagt er ober, und an seiner Duld- samkeit könnte sich mancher, der heute auf der andern Seite steht, ein Beispiel nehmen,„an ein � ewiges Leben glauben kann und will oder viel- mehr mutz, um sich selbst bei Verstand und Ge- sundheit zu erhalten, der glaube es in Gottes Namen, aber er lasse auch andern den entgegen- gesetzten Glauben". �Dennoch ist für Feuerbach die Aufklärung der breiten Massen eine moralische Notwendigkeit und ein« heilige Pflicht, da auch der Glaube an das Dogma wahre Sittlichkeit nicht verbürgt. Ist nicht unter Berufung auf das Dogma, das nicht durch die Vernunft kontrolliert ist, schon Schlimmstes. Scheiterhausen und Hexenprozesse gerechtfertigt worden? Es verleitet aber auch den Menschen zu falschen Zieljetzungen, indem es seinen Blick vor allem auf das Jens«its richten will und ihm sogar Diesseits- und Siimenseindlichkeit lehrt. Unsere Aufgabe ist es, unser irdisches Leben wertvoll zu gestalten. Nichts Gutes kann dos Dogma lehren, was die Vernunft nicht schon vertritt. Sie ollein braucht keine fremden Stützen, um den Menschen den Weg der Menschlichkeit und Liebe zu weisen. Sie allein weiß, daß die Menschen einander lieben müssen, wenn sie die Not des Daseins überwinden wollen, daß die Menschlichkeit auf der gesellschaft- lichen und menschlichen Verbundenheit der Men- schen beruht. Daraus ergibt sich di« praktische Philosophie Feuerbachs, die er in den Worten zusammenfaßt: „Gott war mein erster Gedanke, die Vernunft mein zweiter, der Mensch mein dritter und letzter Gedanke." So mündet Feuerbachs praktisch« Philosophie schließlich in die Idee des Menschentums und d«r Humanität. 11. A. Bernhard. Sinnlofe Wotken Jimer ihn heute/ r»».««h moener Der größte Eindruck für den Europäer, der zum ersten Male nach Amerika kam. war stets die berühmte„Skyline" von New Pork. Noch be- vor der Reisende seinen Fuß auf den geheiligten Boden der Vereinigten Staaten gesetzt hatte und noch ehe er wußte, ob er überhaupt durch die strenge Sperre der Einwanderungsbehördcn kommen würde, stürzte sich das verwirrende Bild der Türme, Gipfel und tiefen Täler der New- Parker Wolkenkratzerstadt auf ihn. Stundenlang während der Hafeneinfahrt konnte er dieses grandiose Schauspiel beobachten, das durch den Lärm und die atemlose Geschäftigkeit auf dem Hudson noch verstärkt wurde und so im Innersten durch seine Kleinheit gedemütigt, konnte er die neue Welt betreten, die über ein Jahrzehnt als das Heilslond des Kapitalismus gegolten hat. Wer dagegen heute vom Hudson aus die Halb- insel Manhattan betritt, bekommt von diesem Herzen der amerikanischen Wirtschaft einen nieder- schmetternden Eindruck. Schon an den Lager- platzen im Hasen sitzen die Arbeitslosen in dichten Haufen zusammen und warten auf eine Arbeits- gelegenheit. Manche haben sich aus Zeitungen ein Lager auf dem Boden gemacht und schlafen in der heißen Mittagssonne. Auf einem kleinen Plag entsteht eine regelrechte Keilerei, weil ein paar Schauerleute gesucht werden. Schließlich sucht sich der Vorarbeiter die stärksten aus der vorderen Reihe aus, die übrigen kehren auf ihre Ruheplätze zurück Die Lagerhäuser an der elften Avenue sind ge- füllt, ober es herrscht nur wenig Betrieb. Die Waren liegen jahrelang und niemand verlangt nach ihnen, während zu gleicher Zeit in der Bowery ganze Familien verhungern. Jetzt wird der Neuangekommene von einem Mann ange- sprachen. Der Strohhut lüftet sich:„Verzeihung, ein arbeitsloser Angestellter, haben Sie nicht ein paar Cents für ein Nachtlager übrig?" Das miederholt sich dann noch mehrere Male, bis der Fremde in dos Getriebe des Zentrums kommt. Ueberall sieht er ober auf seinem Wege noch wartende Menschen stehen: di« einen lauern aus eine warme Suppe, andere auf eine Tasse Kaffee oder ein paar Cent- Unterstützung von privaten Wohltätigkeitsvereinen, Dann steht der Besucher plötzlich vor einem der unheimlichen chäuserriesen, emporgewachsen in der Treibhausluft immer steigender Prosperi- tat. Der Boden bot nicht mehr Platz genug, also bauten die Menschen in die Luft hinein, sich dabei aus kleinlichem Konkurrenzneid immer mehr überbietend. Seit dem Jahr« 1313 galt das Woolworth Building mit feinen 35 Stockwerken als eine Sensation. Die andauernde Wirtschosts- konjunktur der Nachkriegszeit drückte sich aber dann auch in neuen Mammutbauten aus, von denen jetzt da» Empire State Gebäude das ge- waltigste ist. Um dos kurz vorher fertiggestellte Chrysler-chochhaue zu übertrumpfen, wurden nicht nur noch ein paar Stockwerke mehr gebaut, sondern darüber noch ein wahrscheinlich ganz un- brauchbarer Zeppelinankermast gesetzt. Die beiden Paläste— Chrysler und Empire State Building— wurden erst nach dem Zu- sammenbruch der Börse im cherbst 1329, der dos Zeichen zur allgemeinen Weltkrise war, sertigge- stellt. Sie haben heute unter den Folgen schwer zu leiden. Das über hundertstöckige Empire State Bürahaus ist nur zu etwa 33 Proz. besetzt, alle anderen Räume stehen leer. Unter diesen Umständen muß die Idee und da? Dasein der Wolkenkratzer zu einer Farce werden. Trotzdem plant man noch immer die Errichtung einer ganzen chochhausstadt. die weiter nördlich gelegen sein soll. Di« Grundstücke dafür sind schon von der Familie Rockefeller zur Verfügung gestellt. In dieser„Radio City" soll die Elek- trizitäts- und Radiotndustrie ihr Zentrum er- holten. Vielleicht wirkt aber die katastrophale Lage der übrigen Gebäudekonsortien doch noch genügend abschreckend. For Rent— zu vermieten, die beiden Worte leuchten in großen Buchstaben von jeder Haus- wand. Der früher nicht bezahlbare Grund und Boden auf Manhattan hat feinen Wert verloren. Man läßt selbst Mieter wohnen, die nicht voll bezahlen können, nur um nicht alles leer stehen zu lassen und auf die Zukunft hoffend, die dem Amerikaner immer noch voll Hoffnung erscheint. Zu vermieten sind auch große Mietwohnungen, Villen und kleine Einzelhäuser. Ganze Apparte- ments in den vornehmen Wohnhotels der Park Avenue stehen leer und draußen in den Vor- orten glänzen die leeren Scheiben der geräumten Holzhäuser, deren Inhaber wegen Arbeitslostg- feit die Abzahlungen nicht mehr leisten konnten. Sie wohnen jetzt mit Verwandten zusammen, in kleinen Löchern oder in Zelten. Vorbei sind die Zeiten der Ueberfüllung de» amerikanischen Kontinents. Ueberfüllt ist er heute nur mit hungernden Arbeitslosen. Die Einwände- rung ist so rigoros gesperrt worden, daß jetzt mehr Leute das Land verlassen, als wieder herein- kommen. Dazu kommt dos Rückströmen in die Agrargebiet«, wo sich die einzelnen immer noch besser durchschlagen können. Die Stadt aber ge- winnt Raum, ganze Viertel stehen leer, auch in den anderen Städten, dort sogar vielleicht noch schlimmer: in Chikago, Lo» Angeles und Detroit. Die Weisen der amerikanischen Prosperität aber schütteln ihr müdes Haupt und warten. Sie bofsen aus eine Entscheidung, die nicht mehr in ihrer Kraft liegt. Die Hochburg des Weltkapitalis- mus ist zerschlagen und ohne dos„System der Novemberverbrecher". Vlenfchen und menschliche Qrojßen Ton-Cur Sturlain Wer erwartete wohl, ein menschlicher Körper hätte drei Augen oder zehn Arm« oder ein Ge- Hirn, das auch nur ein Kilo mehr wiegt ol»«in normales? Und doch macht man sich auf so fetischistische, naturwidrige Art ein Bild van den Größen der Menschheit. Nicht Genies, nicht Verbrecher, nicht Dumm- köpfe! Immer und überoll nur geringe Schwankungen: nur«ine winzige Abweichung in der geistigen Geste unterscheidet den ersten besten von einem Balzac oder einem Goethe. Nicht um dem Geist seine Höhen zu rauben, sei dies gesagt, sondern um ein Schlaglicht aus die geheimen Möglichkeiten jedes Menschen zu werfen. Um ollem, was um uns her atmet, Achtung zu verschaffen! * Der große Künstler ist nicht mehr wert ol» der erste best? Mensch. Er versteht nur m i t z u> teilen, was er denkt. Da» bedeutet, daß olle anderen Menschen inwendig denken. Seine Kraft zeigt sich nicht darin, dos Unbekannte, Un- gewöhnliche zutage zu fördern, sondern jene Schranken in uns aufzuheben, die jeden von sich selber trennen. Er verhilft un» zu Selbstvertrauen, indem er sich un» vertrauensvoll nähert. Ebenso weiß der Gelehrte nicht» anderes als der unwissendste Mensch Macht ein unge- bildeter Mensch vier Schritte im Freien, so nimmt er unklar da? ganze unendliche Spiel der Kräfte wahr. Der Gelehrte aber wird unruhig und zer- streut den Nebel des„äez,»»" tschon gewußtl�- diesen Nebel, der jener unklaren Kenntnis von sich selber ähnlich ist, die jeder besitzt, ehe er lernt, woraus sich das Meisterwerk zusammensetzt. Wozu sollte das Meisterwerk dienen, wenn es nicht da» Leben lehrt«, was da- Leben ist? * Unmöglich, sich über da? menschliche Niveau zu erheben. Was den Horizont dieses Hochplateaus überragt, ist nicht» ol» Gewölk, ist Phantos- magorie., * Die neuen Ideen— die Schvpsung von In- dsviduen? Die ummälzenden Geschehnisse— das Werk von Führern? Klassische Ausfassung. Gerade die anonyme und verstreute Art. wie seit einem Jahrhundert die Wilsenschast aufgebaut worden ist, wie die Erfindungen, die Nationen, die Massaker ihre gegenseitigen Rechnungen beqlickien hoben, ist wohl geeignet, da» Phantom de» Helden zu zerstören, oder vielmehr in ihm ein optisches Phänomen zu zeigen. Er erscheint ol- eine jener „aus unbekannten Gründen wirkenden Kräfte", die, jenseits des Realen, durch die von ihnen aus- gehenden Strahlen rekonstruiert werden. Nichtsdestoweniger ist weder die eine noch die ander« dieser Ausfassungen für sich allein für alle Tatsachen gültig: Zwei Richtungen de? Geiste», die für den Geschichtsforscher immer anwendbar und fruchtbor bleiben werden Di« Entscheidung ist immer willkürlich, wo es sich darum handelt, zwischen den Hauptströmun- gen der Ideen zu wählen. Man beweist nicht, daß sich der Berkehr auf den Straßen nach rechts oder noch links abzuwickeln habe, man ordnet da?»ine oder das andere an Die Wahrheit ist rechts- und linkshändig wa-> ihr nicht» van ihrer Kraft nimmt, sondern sie verdoppelt. * Da» Verbrechen ist kein Akt„wider die Natur" — es gibt nichts, was die Natur nicht in sich be- greift—, sondern ein unvollkommener Äkt: der Messerstich z. V. wird vom Arm und vom Zorn ausgelöst, läßt ober die Menschlichkeit außer acht Ebenso auch ein schlechtes Buch oder, wie man früher so schön sagte,„ein elendes Machwerk". Auch da» elende Machwerk ist nicht aller Schönheit bar, die sich unbezwinglich an jedes Menschenwerk heftet. Nur: es enthält nicht genug davon. * Wir sind Fragmente de» All». Körper und Geist enthalten seinen Urftoff:„W i r sind« r." Ein« Art göttliche Klausel vermerkt im geheimen noch da» belangloseste Urteil, die übelste Dummheit. WTTtKL�«IHrT�(���i/TT�L�«WtTFKlyi«fyTWKlJi*KTTWKlJX�fTWKl Staats Theater Dienstag, den 13, September Staatsoper unter cen Linden 20 Uhr SlzlUanisdie Vesper staatliches Schauspielhaus 20 Uhr• Wallensteins Tod Vinter • Garten� VOLKSBUHNE Theater am Bülewpiatz D I, Kontra 2»44. tllrbeadllcb«Vi vdr Der Revisor von Gogol- Regle: Heinz Hilpert rurtBols/ Kardiow/ Haaöi/ Vernaeven siüdi.Oper Clurloitenbure Prauenholer 0231 Turnu» IV Dienstag, 13. Sept. Tosca beginn 20 Uhr Nemeth, Reinmar, Fidesser Dirigent: Ladwig T3oi. 5 u. Byt Uhr JACKSHEA WILSON, KEPPEL BETTY /TOGARE LAI-FOUN/ GEN?A NIKOLAJEWA TRIO DARESCO utw. pi, Aza 5 y. B14, Stzi. Z.S.a18 ü. Nur noch■ it T a b e S Oer liebe Augustin p-Theater im-m lAdmiralspaiast 1 Täglich 8% Uhr Gitta A l p a r L In Katharina Theatenwestens Ibis 28. Sepiemb. täglich S'U Uhr Sigs. 4 u. 8'/- U. Richard Tauber Iin Dreimäderl- haus metropoi-itieaier I Täglich 8'/« Uhr" Srchi Massary Ein Frsu, die weit, was sie will 1 Schiller Urolm»nstr.7u/71 StoinpL(C 1) 6715 Täglich 8 Uhr „Die veHonlteiie Glocke" Kassenständen tägl. 10-20 Uhr Höhr 13. Flora 3434. Raofflen en. Das beröhmte DAYELMA- BALLETT 3 Swifts, Rudi Grasl und wöltere Künitler»Truppön, „ von tnternaiionalem Rat. Vzsnnnnnn» Dose-Theater IreBi Fmklarter SlnBi 132 Tel. Wiidnei E 1 3422 8.80 Uhr Aerxte im Kampf Mmi TOeater Weidendamm 520;. 8 Uhr letite 4 Vorstellungen Wunder um Verdun Dram. Dichtung von Hans Chlumberg Regie; Kirl Heins Marlin. 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Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogen« Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Rummer in den beiden Abteilungen I und U FUr dl« vielen Veweise herzlicher Teilnahme anläßlich des e>insch«id«ns meines liehen Mannes. Vaters und Krohpaters Rriedrfcl, Senger sprechen wir allen Verwandten, Freun- den und Bekannten. Parteigenosten und Perbandskollagen unseren herz- iichsten Dank aus. blurtba Senger und Kinder. vsnkzsgung. stllr die herzlich« Teilnahme beim Helmgang« unseres lieben Sohnes Waller sagen mit allen Freunden und Bekannten, den Parnigenossen der 48. Abt. sowie den Berbandskollegen unseren innigsten Dank. Im Namen der Hinterdllebenen Hermann Wildenhayn. 30. Ziehungstag IL. September 1932 In der heuiigen Schluß. Ziehung wurden Gewinne über 499 M. gezogen 2 Setpinn« ,u 1(KK> SB. u»b 2 Prämien zu 500000 SB. aus Str. 341976 Ferner fielen: 2 Sewinne SOOOO M. 167099 6 Setpinn. ,u 5000 TO. 88199 159593 329640._______...... 12 VeBinne ,u 3000 M. 12602 74804 86000 107613 214401 340125 2S»ewinn, 2000«. 1923 27714 88103 105932 105988 1 35670 147091 155984 251157 271231 3019SS 323292 339700 40»eipinn.«u 1000 m. 6519 7814 13621 14397 32602 63768 661 79 57823 68708 100433 115319 163471 191872 271482 232643 303610 328891 336893 366234 386479„ 72»«Wnn. ju 500 9JL 667 1212 29465 31835 37285 47JM9 66693 81277 1RH57 138788 163912 162617 173397 1 94552 2021 5| 211056 218501 218783 250182 251264 254247 262676 280839 281333294763 308086 310039 322434 327030 338069 348909 353924 363791 384677 386117 393460 EchlußprSmieu. Auf fed« gezogen« Nummer sind zwei Prämien zu je JWOO NM gefallen, und zwar je«in« auf die Lose gleicher Nummer in den Abteilungen I und llt 1340 1315 l 46034 58592 103139 108536 113963>16302 122874 129077 .0 134561 135180 140432 144457 168141 161135 135029 1 72364 175566 184376 194701 201394 222276 229112 231002 249234 255591 266698 271949 273347 275132 277629 281969 282078 292256 299792 306096 306479 309420 314375 317444 323293 332869 357909 369069 379246 387478 391259 392T1 7 395100 Die Ziehung der 1. Klaffe der 40. Preußisch- Süddeutschen (266. Preußischenj Staatslotterie findet am LI. und 22. Oktober 1632 statt. ihren Urlaub im schönen Thüringer Walde im herrlichen Erzgebirge in stimmungsvoller Heidelandschaft im märkischen Seengebiet In den Helmen derADEFE Allgemeine DeufsmcGeselisdiatl für Ferien- and Erholanasiielme m.u.H. Siu Jen«, Marienstr.4— Prospekte gratis Elnlamllieiiiiauser (eventl für 1 Familien) zum I. Okiober d. 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