BERLIN Dienstag IZ. September i 1932 Nedaktion u. Expedition: Berlin SW 68, Sinbenftr.S Tel. A7 Dönhoff 252—297 Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abendausgabe des„SJocmätls*. Bezugspreis fllrbeideAusgabenVSPf. pro Woche, 3,25 M. pro Monat fdavon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) Im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs. und 72 Pf. Postbestcllgebühren. Anzeigenpreis: Die Ifplt. MM- meterzeile SO Pf. Die Reilamezetl, kostet 2 Mark. Rabatte n. Tarif. 10 pf. 7lr. 432 B 208 49. Jahrgang M Heue Uerlassünnshünnmie ueberwachungsausschuB zitim Pagen- aber er kommt nicht. verfassungswidrige ttanssuchungen im Reichstag 2ltn Dienstagvormittag trat unter dem Vorsitz des Abg. Löbe sToz.) der Ausschuß zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung zusammen,«eine Mit- glteder und Ztellvertreter, insgesamt fitt Abgeordnete, hmren vollzählig erschienen. Für die R e i ch s r e g i e- rung nahm nur Ministerialdirektor Gottheiner teil. Zahlreiche Vertreter der Länder, darunter für die rechtmäßige preußische Regierung, der Ministerial- direktor Dr. Badt, waren anwesend. Abg. Löbe eröffnete die Sitzung mit einer kurzen Schildcning der Vorgänge, die am Montag zur Auflösung des Reichstags geführt haben. Zunächst erhält Ministerialdirektor Dr. Gottheiner das Wort. Er verlas folgende Erklärung der Reichsregierung: Die Reichsregierung hält daran fest, daß das Vorgehen des Reichstagspräsidenten in der gestrigen Sitzung des Reichstags mit der Reichsverfassung und mit der Gefchäftsordnung des Reichstags nicht vereinbar ist. Nach Artikel 33 Absag 3 der Reichsverfassung haben die Vertreter der Reichsregierung das vcrfasfungsnräßigc Recht, auch außerhalb der Tagesordnung, d. h. auch nach Schluß der Debatte und zu jedem beliebigen Gegenstände das Wort zu ergreifen. Entgegen dieser Bestimmung hat der Reichstagspräfident trog wiederholter Wortmeldung dem Reichskanzler das Wort nicht erteilt, obwohl eine Abstimmung noch nicht begonnen hatte. Infolge dieses Verhaltens des Reichstagspräsidentcn war der Reichskanzler genötigt, die Verordnung des Herrn Reichspräsi- denten, die die Auflösung des Reichstags verfügte, in der Weise dem Reichstage zu übermitteln, daß er sofort nach der wiederholten Ablehnung der Wortcrteilung die Urkunde dem Reichstagspräsi- denten übergab. Mit der Uebergobe der Urkunde trat die Auflösung in Wirksamkeit. Ungeachtet dieser klaren Rechtslage hat der Präsident des Reichstags an den Reichskanzler in den gestrigen Abendstunden folgendes Schreiben gerichtet: „Der Präsident des Reichstags. Iourn.-Nr. I 23 41. Berlin NW. 7., den 12. September 1932. An den Herrn Reichskanzler. Hier. Der Reichstag hat in seiner Sitzung vom 12. September 1932 auf Grund der Anträge Torgler und Genossen— Nr. 118, 119 und 44 der Druckfachen— mit 512 bei 559 abgegebenen Stimmen beschlossen: 1. Die Verordnung des Reichspräsidenten zur Belebung der Wirtschaft vom 4.«eptember 1932 lRcichsgesetzblatt l S. 425) ist mit sofortiger Wirkung auszuheben. 2. Die Verordnung der Reichsrcgicrung zur Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheit vom 5. September 1932(Reichs- geseßblati I S. 433) erlassen auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten über Maßnahmen zur Erhaltung der Arbeits- losenhilfc und der Sozialversicherung sowie zur Erleichterung der Wohlfahrtslasten der Gemeinden vom 14. Juni 1932, ist mit sofortiger Wirkung auszuheben. 3. Der Reichstag entzieht der Reichsregierung v. Papen das Vertrauen. gez.: Göring." Die Reichsrcgierung ist jederzeit bereit, mit dem nach Artikel 35 der Reichsoerfassung gestellten Ausschuß zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung zu verhandeln. Sie muß es jedoch ablehnen, in solche Verhandlungen einzutreten, ehe nicht der Reichspräsident sein Schreiben vom 12. September 1932— I 2341— zurückgezogen hat. Unmittelbar nach Abgabe der Erklärung verließ Ministerialdirektor Gottheiner unter dem Gelächter der Sitzungsteilnehmer den Saal. (Fortsetzung auf der 2. Seite.) „pulververschwörung"imReichstag Polizei dringt ein, sucht Bomben und beschlagnahmt Bücher Der Polizeipräsident teilt mit:„Aus Grund einer bei der Polizei eingegangenen zuverlässigen Nachricht hat in der letzten Nacht um 23.30 Uhr der stellvertretende Leiter der. Abteilung, Regierungsrat von Werder, eine Durchsuchung im Reichstag angeordnet, da der dringende Tatverdocht eines Spreng st off- a t t e n l a t s vorlag. Die Untersuchung konnte dem Herrn Reichs- tagspräsidenten und dem �errn Polizeipräsidenten vorher nicht angekündigt werden, da beide Herren fernmündlich nicht zu erreichen waren. Die Durchsuchung war um 1.30 Uhr beendet. Es wurden die Keller des Reichstags und die Fraktionsräume der Kommunisti- Das AullösungsdeKret. Das Auslösungsdekret unterscheidet sich in der Form sehr wesentlich von früheren Auslösungsdekreten. Aus dem Aussehen läßt sich erkennen, daß Herr von Papen ossenbar im Besitz eines in N e u d e ck ausgestellten B l a n k o f o r m u l a r s für die Auslosung war. in das der Text der Begründung einzusehen war. •C-"Y.•»w-/-L -L—-<— u 4. a* J , // 4/'S4 (. Die Zeile: Neudeck. d. ist dürchgesirichen und durch die Worte„Berlin, d. 12. Sept. 1932" ersetzt worden. Angesichts dieser Form des staatsrechtlich wichtigen und interessanten Dokuments erhebt sich die Frage, ob die Formulierung der Auslösungsgründe dem Ermessen des Reichskanzlers überlassen war, und ob der Reichspräsident diese sonderbare, unzulängliche Begründung, die mit dem Sinn der Verfassung und den Rechten des Reichstag kollidiert, ausdrücklich gutgeheißen hat. schen Partei durchsucht. Der nach kurzer Zeil eintreffende Direktor der Reichslagsverwaltung, Geheimrat Galle, erhob gegen die Durchsuchung energischen Protest und teilte mit, daß er die Angelegenheit heule bei den zuständigen Stellen des Reichstages zur Sprache bringen werde. Da Regierungsrat von Werder annehmen muhte, daß Gefahr im Verzuge war, hat er trotz des Protestes von Geheimrat Galle die Durchsuchung weiter fort- geseht, hinweise aus ein Spreng st ofsattentat sind nicht gesunden worden. Zn den Zraktionszimmern der Kommunistischen Partei wurden zwei Zersehungsschristen sowie ein Buch, das sich mit Eisenbahnen beschäftigt, beschlagnahmt. Der Polizeipräsident hat eine Untersuchung der Angelegenheil in die Wege geleitet." Bomben gesucht, aber drei Bücher mitgenommen, darunter— wie gefährlich!— ein Buch über Eisenbahnbau, das ist eine höchst merkwürdige Angelegenheit, bei der nicht einmal Herrn Welcher wohl zu sein scheint! Schärfster Protest des Lleberwachungsausschusses. In der Nacht von Montag zu Dienstag sind die Räume der kommunistischen Fraktion im Reichstag durch 49 Beamte der Kriminalpolizei durchsucht worden. Dieser Vorgang wurde vom Abg. Torgler(Komm.) in der Sitzung des Ueberwachungsausfchusses zur Sprache gebracht. Er erklärte dabei, die Reichsfagsbeamten seien von Polizeibeamten gezwungen worden, sich an der Aktion zu beteiligen. Es seien im Fraktionszimmer die Schränke von den Reichstagsbeamten geöffnet und von den Polizeibeamten durch- sucht worden, ebenso die Schränke in den kleinen Arbeitszimmern der kommunistischen Abgeordneten. Das Eindringen der Polizei sei ohne Genehmigung des Reichstagspräsidenten, dem die Polizei- gewalt im Hause zusteht, erfolgt. Es sei nichts gefunden und nichts mitgenommen worden. Präsident Göring erklärt, daß er von dem Vorgang nicht unter- richtet worden sei. Die Polizei sei ohne seine Genehmigung ins Reichstagsgcbäude eingedrungen. Auf seine Vorstellung beim Polizeipräsidenten habe dieser erklärt, daß auch er von dem Vorgehen der Beamten nichts gewußt habe. Regierungsrat von Werder habe die Aktion auf eigene Verant- wortung übernommen. Nach der Darstellung Werders hätte der dringende'Verdacht bestanden, daß das Reichstagsgebäude in die Luft gesprengt würde. Die Durchsuchung hätte dem Präsidenten vorher nicht angekündigt werden können, da er nicht zu erreichen gewesen sei. Der Präsident legte gegen das Vor- gehen der Polizei schärf st e Verwahrung ein und erklärte, er sei bereits mit der preußischen Regierung in Verbindung getreten, um die Bestrafung der Schuldigen zu verlangen. Er überlege auch, ob er sich wegen dieses Vorganges mit der Reichs- regierung in Verbindung setzen solle. Der folgende von den Kommunisten gestellte Antrag wurde sodann gegen die Stimmen der Deutschnationalen bei Stimment- Haltung des Zentrums angenommen: „Der Ausschuß stellt fest, daß die in der Nacht des 12. zum 13. September in den Büros der kommunistischen Reichslags- sraklion von der Kriminalpolizei durchgeführte Haussuchung ein eklatanter Bruch der Abgeordnetenimmunität ist. Der Ausschuß verlangt die sofortige Bestrafung der für die Durchführung ver- antwortlichen." rese Kundgebung Dienstag. 20. September. M Uhr Im Sportpalast sprechen: Otto Wels und Paul Löbe Neuer Verfassungskonflikt. (Fortsetzung von der I.Seite.) Fünf Bombenleger verhastet Sämtlich Mitglieder der Hitler-Partei! In der Zlussprachc ergriff zunächst Abg. Dr. hoegner(soz.) das Wort:, Es sei kein Zweifel, daß der Ausschuß rechtmäßig tage. Die Regierung habe nicht das Recht, ihr Erscheinen von Bedingungen abhängig zu machen. Cr stelle namens der sozialdemokratischen Mitglieder des Ausschusses den Antrag, auf Grund des Artikels 33 der Reichsversassung das Erscheinen des Reichskanzlers und des Reichs- Ministers des Innern zu verlangen. Reichstagspräsident Göring meint, die Erklärung der Reichs- regierung beruhe auf einer falschen Grundlage. Sein Brief an den Reichskanzler habe nicht den Zweck gehabt, den Fortbestand des Reichstages zu erklären, sondern lediglich der Regierung Kenntnis zu geben von dem Ergebnis der Abstimmung des Reichstags. Er erklärte: Der Reichstag sei rechtskräftig aufgelöst, er habe gestern irrig angenommen, daß der Reichskanzler nach dem Mißtrauensvotum nicht mehr gegenzeichnen könne. Die Auflösung sei jedoch erst in Kraft getreten, nachdem die Abstimmung geschlossen war. Die Beschlüsse des Reichstags über das Mißtrauensvotum gegen die Regierung und über die Auf- Hebung der Rotverordnung seien also rechtskräftig. Zum Beweise dafür verlas Göring das stenographische Protokoll der Reichstagssitzung, aus dem hervorgeht, daß Herr von Papen sich erst mitten in der Abstimmung zum Wort gemeldet hat. Göring erklärte weiter: Der Herr von Papen war so aufgeregt, daß er mir das Aus- lchungsdekret umgekehrt mit der weihen Seite nach oben hinlegte, so daß ich in der Eile nicht erkennen konnte, was es überhaupt war. Ich habe nicht die Pflicht, so ein Papier herumzudrehen. Abg. Berndt(Dnot.) hält die Auffassung der Reichsregierung für richtig. Alles was gestern im Reichstage geschehen ist, sei verfassungs- und geschäftsordnungswidrig. In der weiteren Aussprach« verweist Abg. Löbe als Vor- sitzender auf den Wortlaut des Artikels 35. Danach sei der Aus- schuß bestellt, „für die Zeit außerhalb der Tagung und nach Beendigung einer Wahlperiode oder der Auflösung des Reichstags bis zum Zusammentritt des neuen Reichstages". Daraus gehe klar hervor, daß der Ausschuß auf jeden Fall rechtmäßig tage, auch wenn der Reichstag nicht aufgelöst sei. Die Regierung habe übrigens in ihrer Erklärung die Rechtsmäßigkeit des Ausschusses anerkannt und nur von dem Reichstagspräsidenten eine Erklärung verlangt, ob er die Auflösung des Reichstags anerkenne. Abg. wegmann(Z.) bezeichnet die Haltung der Regierung als eine Politik der doppelten Moral, weil die Regierung auf der einen Seite sagt, sie habe rechtmäßig aufgelöst, auf der anderen Seite aber Bedingungen für ihr Erscheinen im Ueber- wochungsausschuß stell«. Sie dürfe unter keinen Umständen ihr Erscheinen von Bedingungen abhängig machen. Erscheine sie nicht, so handle sie gegen den Wortlaut und den Sinn der Derfassung. Nachdem der Reichstagspräsident Göring nochmals erklärt hatte, daß er seine ursprüngliche Meinung über die Ungültigkeit der Reichstagsauslösung nicht aufrecht erhalte, erklärt Abg. Dr. Pfleger (Bayer. Vp.): Die Auslösung sei gültig, gleichgültig wie der Reichstagspräsident darüber denke. Sie sei nur von der Recht- sprechung zu klären. Die Aufgabe des Regierungsvertreters hätte verlangt, daß er sich nicht sofort entfemt, sondern nach Abgabe seiner Erklärung die Stellung des Ausschusses abgewartet hätte. Als dann der deutschnationale Abgeordnete Schmidt-Hannover, früher einer der intimsten Freunde der Nationalsozialisten, über die „formale Argumentation" der Nazis höhnt, kreischt Goebbels unartikuliert, und es kommt zu erregten Auseinandersetzungen auch mit Göring und Straß er. Dabei meint Straß er zynisch:' Die Razis konnten doch nichts dafür, daß Papen ein paar Sekunden pappengeblieben sei. Es sei auch eine Provokation von Papen gewesen, daß er die rote Auflösungsmappe demonstrativ zur Loge HInaufgeschwenkl habe, wo seine Anverwandten saßen. Gegen die Stimmen der Deutschnationalen wird der Antrag auf Erscheinen des Reichskanzlers und des Reichsinnenministers vor dem Ausschuß beschlossen. ltm l Uhr eröffnet der Vorsitzende Löbe die Sitzung wieder mit der Mitteilung, daß die Reichsregicrung ihr Erscheinen ablehne. Nach den Darlegungen des Staatssekretärs Plank aus der Reichstanzlei stehe die Regierung aus dem Standpunkt, daß sie mit den ständigen Ausschüssen des Reichstags so lange nicht verhandeln könne, als nicht der Reichstagspräsident Göring seine Auffassung, die gestrigen Reichstagsbeschlüsse seien rechtsgültig, durch Zurück- nähme seines Schreibens rektifiziert habe. Löbe teilt weiter mit, er habe den Staatssekretär Plank darauf aufmerksam gemacht, daß der Ueberwachungsausschuß nach Artikel 33 der Verfasiung berechtigt sei, das Erscheinen von Mitgliedern der Regierung zu fordern, daß aber die Reichs- regierung kein Recht habe, ihr Erscheinen von Bedingungen ab- hängig zu machen. Der Ueberwachungsausschuß werde zweifellos das Nichterscheinen des Reichskanzlers und des Reichsinnenministers als eine Verletzung der Verfassung betrachten. Darauf habe Plank geantwortet, die Regierung sei auf diesen Vorwurf gesaht, sie halte ihn aber nicht für gerechtfertigt. Die Der- Ictzung der Verfassung sei durch den Reichstagspräsidenten erfolgt, da er nach Ueberreichung der Auflösungorder des Reichskanzlers den Reichstag habe wcitertogen lassen. Der Ausschuß nahm gegen zwei Stimmen der Deutsch- nationalen eine Resolution an, die das Nichterscheinen der Minister als Verfassungsbruch erklärt. Ein zweiter Teil der Resolution wendet sich an den Reichspräsidenten und verlangt von ihm Abhilfe. Ter zweite Teil wurde gegen Deutschnationale und Kommunisten angenommen. Kottbus, 13. September. Ter unter der Leitung eines Berliner Kriminal- kommissars stehenden Untersuchungskommission ist es gelungen, den Spreng st offanschlag auf- zuklären» durch den in der Nacht vom 16. zum 17. August ein neuerbautes Haus der jüdischen Land- arbeite rsiedlung in Groß-Gaglow in Trümmer gelegt wurde. Die Täter sind festgenommen. Es handelt sich um fünf Mitglieder der N STA P., die heute dem Untersuchungsrichter vor- geführt werden. Diese Verhaftung ruft in Erinnerung, daß die Nationalsozialisten am 29. August im Preußischen Landtag folgende Große An- frage Kube u. Gen. eingebracht haben: In Kottbus ist der Oberstaatsanwalt Sturm tätig. Als kürzlich wahrscheinlich von�entlassenen Ar- b eitern(!!!) ein Haus der jüdischen Siedlungsgemeinschaft in Groß-Gaglow durch ein Sprengstoffattentat zerstört worden ist, erlaubte sich der O b e r st a a t s a n w a l t Sturm r or Be- Großfeuer im Äachfiuhl. Gefährliche Schweißarbeiten als Llrsachen. Durch ein Großseuer wurde heule vormittag der Dachstuhl des Vorderhauses Reuenburger Straße 37 völlig zerstört, vier Löschzüge der Feuerwehr waren unter Leitung des Oberbrand- direklors Gempp stundenlang mit den Lösch- und Ausräumungsarbeiten beschäftigt. Seit den Morgenstunden waren auf dem Boden einige Hand- werker tätig, die an einem Wasserkessel der Zentral- Heizung Reparaturen vornahmen. Hierzu wurde auch ein i)er brennende■Darhifnlil des JCaufeslleuenburger Sdnfie 37 Schweißappart verwendet. Durch glühende Metallteile wurde eine Holzstrebe in Brand gesetzt und da die Gefahr nicht so- gleich erkannt wurde, fraß sich das Feuer unbemerkt weiter. Plötz- lich schlugen die hellen Flammen empor. Die Arbeiter, von denen einer leichte Verlegungen erlitt, mußten den brennenden Boden fluchtartig'verlassen. Die alarmierte Feuerwehr rückte zunächst mit zwei Zügen an. Der Brand hatte sich inzwischen jedoch auf sämt- liche Bodenverschläge ausgebreitet. Aus den Dachluken loderten meterhohe Flammengarben empor. Sechs Schlauchleitun- gen und auch eine Reihe von Rauchschutzgeräten mußten wegen der zeitweise starken Verqualmung in Betrieb genommen werden. Hereingelegt! Aber wer hat wen hereingelegt? Man muß die taktischen Wendungen klarlegen, die gestern im Reichstag vorgenommen worden sind, wenn das groteske Ende verständlich sein soll. Im Aeltestenrat, vor dem Beginn der ersten Sitzung, hatte der Kommunist T o r g l e r die kommunistischen Anträge angekündigt. Der Deust'chnational« Obersohren erklärte sofort, daß er Widerspruch erheben würde. Darauf verließen sich die Schwarzbraunen. Es bestanden jedoch schon zu diesem Zeitpunkt taktische Bauchschmerzen bei einigen von ihnen. Die„Vossische Zeitung" berichtet: „Allerdings hatte, wie von einem Mitglied des Aeltesten- ausschusses erzählt wird, der nationalsozialistisch« Abgeordnete S t ö h r dem kommunistischen Abgeordneten T o r g l e r— die beiden kennen und verstehen einander sehr gut— sofort einen Zettel zugeschoben mit der Warnung, daß der angemeldete deutsch- nationale Widerspruch nur eine Finte sei." In der ersten Sitzung wurden die kommunistischen Anträge gestellt— aber wer nicht widersprach, das war Herr Ober- fahren! Hier ist klar: Oberfohren hat zunächst einmal die Schwarzbraunen hereingelegt. Nun kam die Vertagung. Während der Vertagung handelte die Regierung und kuhhandelten die Schwarzbraunen. Die Regierung verschaffte sich schleunigst das A u f l ö s u n g s- dekret— die Zeit dazu hatte ihr der Fricksche Vertagungsantrag kanntm zu erklären:„Nun scheinen ja Ihre Nazis auch hier Bomben zu werfen." Wir fragen das Staatsministerium: 1. Billigt es diese Aeußerung eines zur Objektivität verpflichteten Beamten? 2. Erkennt das«taatsministerium nunmehr, daß es in Preußen zahlreiche Oberstaatsanwälte und Staalsanw iltc gibt, die ohne jede Prüfung bei jedem vergehen oder verbrechen sofort die Rationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei und ihre Ange- hörigen beschimpfen und beschuldigen? 3. was wird in der Angelegenheit des Oberstaatsanwalls Sturm unternommen werden? In einem weiteren Antrag hat die nationalsozialistische Land- tagsfraktion dem Oberstaatsanwalt Sturm die Auslobung einer Belohnung von 1900 Mk. für die Ergreifung der Täler zum Vorwurf gemacht und in diesem Zusammenhang von einer „herausfordernden Haltung" des Oberstaatsanwaltes gesprochen. Mit diesen dreisten und gewissenlosen Methoden suchen die Nazis systematisch die Beamte» einzuschüchtern, die Pflicht- gemäß gegen die braune Mord- und Bombenpest einschreiten In Kottbus haben sie diesmal keinen Erfolg gehabt. gegeben. Ueber den Kuhhandel der Schwarzbraunen berichtet die„Germania": „Während der Unterbrechung der Sitzung gab es ein kleines Zwischenspiel, das erst die Ausklärung über den plötzlichen und in dieser Form unerwarteten Ausbruch des Konfliktes gibt. In einer Besprechung, die beim Reichstags- Präsidenten Göring zwischen Vertretern der Nationalsozialistischen Partei, des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei stattfand, war man übereingekommen, bei Wiederaufnahme der Sitzung die Wiederabsetzung der kommunistischen und sozialdemokratischen Anträge zu be- schließen. Abgeordneter Leicht sollte einen entsprechenden Antrag im Plenum stellen. Unmittelbar bei Beginn der Sitzung machte Präsident Göring jedoch den genannten Parteien die Mitteilung, daß nach einer an ihn gelangten Mitteilung der Reichskanzler noch in der gleichen Sitzung auf jeden Fall die Auflösung verkünden werde. Die Nationalsozialisten erklärten dann, unter diesen Umständen nicht mehr für den An- trag Leicht, d. h. für die Absetzung der sozialdemokratischen und kommunistischen Anttäge stimmen zu können. Damit war in jedem Falle das Schicksal dieses Reichstages besiegelt." Da hat offenkundig jemand aus dem Regierungslager Göring eingeflüstert, daß nun das Auflösungsdekret vorhanden sei. Göring ist offenbar darüber so erschrocken, daß er den Kopf verlor— denn die Auflösung wollten die Nazis gerade oermeiden. In seinem Schreck hat dann Göring Zentrum und Bayerische Volkspartei hereingelegt, und so kam es zur Auflösung, die die Schwarzbraunen nicht wollten! Oer 20. Juli vor Gericht. Preußenregierung und Staatsgerichtshof. wie wir hören, wird die Verhandlung beim Slaatsgerichtshos über die klage der preußischen Regierung Braun-Severing gegen die Reichsregierung von Papen wegen der gewaltsamen Vorgänge am 20. Zull d. Z. Ende dieses Monats beginnen und einige Tage danern. Es dürfte um den 5. Oktober herum mit der verkündung des Urteils zu rechnen sein. Die Verhandlung ist öffentlich. Papen nicht Favorit. Börfe auf ReichstagSauflöfung beunruhigt. Die Auflösung des Reichstages hat auf der Börse b« u n- r u h i g e n d gewirkt. Allerdings ist das Publikucki nicht im Geschäft: seit Tagen hat das Publikum keine Aufträge mehr gegeben, und die Spekulation ist unter sich geblieben. Die Derstimmung auf den internationalen Effekten- und Rohstosfbörsen kann bei den Speku- kanten nicht anregend wirken. So war das Geschäft heute bis 12X außerordentlich klein. Der Verlauf der Börse war unregelmäßig, es überwogen aber ehe die Verkäufe und die Schluß- kurse von gestern waren im großen ganzen gehalten. Auch die Fest- verzinslichen lagen im Durchschnitt unverändert. Naubüberfall im Morgengrauen. 3000 M. geraubt. Ein schwerer Raubüberall wurde heute früh gegen 5 Ahr in der 0 l e o n d e r sl r a h e an der Ecke der Schneeglöckchenstraße verübt. Die Tochter des Grohschlöchtermeifters Weso lowsky. die ihrem Vater Geld in den Schlachthof bringen wollte, wurde überfallen und zu Boden gerissen. Der Angriff geschah so überraschend, daß sie keinen Widerstand mehr leisten konnte. Ehe sie recht wußte, was los war, entriß ihr ein Mann den Koffer, der das Geld enthielt. Als sie sich erhob, sah sie zwei Gestalten im Morgengrauen davonlaufen. Ihre HUferufe verhallten ungehört in der menschenleeren Gegend. Die Räuber haben 3000 Mark erbeutet: davon sind 200 Mark Silbergeld, der Rest besteht aus 10-, 20- und ö0>Markscheinen. Mondfinsternis nicht heute. Die von uns in der Morgenausgabe angekündigte Mond- finfternis ist durch ein Versehen um 24 Stunden zu früh an- gekündigt worden. Die Verfinsterung des Mondes beginnt erst morgen, Mittwoch, abends 8 Uhr. „Fliegende Familie" aufgefunden. Alle Mitglieder unverletzt. Kopenhagen, 13. September. Räch einem bei der Verwaltung von Grönland um 12.15 Uhr eingegangenen Telegramm hat der Trawler„Lord Talbot" heute um 2 Uhr nachts sämtliche Milglieder der Fliegersomilie Hutchinson aus Land bei llkersuak gesunden. Die Geretteten befinden sich wohl, die Maschine aber ist wrack. !lnser Volksentscheid! 2(uf zum Kampf gegen Papen!- Fort mit kommunistischen Saboteuren. Was ist das Gebot der Stunde? Dereinheitlich« Kampf des arbeitenden Volkes gegen jede Art von Gewaltherrschaft, mag sie vom Herrenklub oder von den Nazis her drohen! So fassen die Massen den Sinn der Reichslagsauflösung auf, und dieser Auffassung hat die Sozialdemokratie Ausdruck gegeben, als sie den sozialdemo- kratischen und kommunistischen Anträgen auf Aufhebung der Notverordnung und den Mißtrauensanträgen gegen das Kabinett Papen zur Annahme verhalf. Die Sozialdemokratie begnügt sich jedoch nicht mit dem parlamentarischen Kampf, sie ruft durch ihr Volksbegehren die Massen selbst zur Entscheidung auf. Der kommunistischen Führung ist aber schon die halbe proletarische Einheitsfront zu viel, die sich in der Reichstagssitzung vom Montag gebildet hatte. Die kommu- nistische Reichstagsfraktion veröffentlicht ein.Kommunique", Aus! „Oer Revisor" in der Volksbühne Großer Erfolg des neuen Spielleiters Heinz Hilpert t&ttr Herr Göring, das war nur einmal, das kommt nicht wieder! in dem die Lüge enthalten ist, das von der Sozialdemokrati- schen Partei eingebrachte Volksbegehren sei„ü b e l st e r P e- t r u g", da es praktisch die Anerkennung jenes Teils der Notverordnung bedeute, der den Trustkapitalisten Milliarden- geschenke zuschanze. Das kommunistische Morgenblatt ergänzt das noch durch eine Reihe anderer Verlogenheiten. Es sagt, daß das Volksbegehren eine indirekte Bestätigung und A n- erkennung der Papen-Notverordnung sei, die Sozialdemokratie wolle die Steuergeschenke an den Besitz, die Zerschlagung der Tarifverträge und den generellen Lohn- abbau„für angenommen" erklären. Das alles sei„im An- schluß an das Einschwenken der Sozialdemokratie in die Papen-Front" geschehen. Was das letzte anlangt, so sei nur daran erinnert, daß die Kommunisten die einzige Partei waren, die nach der Auf- lösung des Reichstags im Aeltestenausschuß erschienen sind und damit die Schmierenkomödie unterstützt haben, die die Nationalsozialisten mit der Verfassung und den Rechten des Reichstags ausführen wollten. Während also die Sozial- demokratie den Sturm auf die Papen-Front durchführte, sind die Kommunisten tatsächlich in d i e N a z i- front eingeschwenkt. Die anderen Behauptungen sind nur aus der Unkenntnis der kommunistischen Parteiführung und ihrer Presse zu er- klären, wenn man nicht vorbedachte Verleumdungssuchr an- nehmen will. Nach Artikel 73 der Verfassung können Bestimmungen, die den Haushaltplan oder die- Abgabegesetze berühren, nicht zum Volksentscheid gestellt werden. Nur aus diesem sehr einfachen Grunde hat die Sozialdemokratie sich darauf beschränken müssen, ihren Vorstoß gegen den sozialpolitischen Teil der Notverordnung zu richten. Das genügt aber auch, um den Schutz der Lebenshaltung des Volkes zu erreichen. Dieser Teil enthält die Grundlage, von der aus der Einbruch in dasTarifwesen und der Lohnabbau vorgenommen werden sollen. Indem die Sozial- demokratie das Volk aufruft, durch Volksbegehren und Volksentscheid den sozialpolitischen Teil der Notverordnung zu beseitigen, schlägt sie der Reaktion die Waffe aus der Hand, mit der die Lebensinterefsen der arbeitenden Klassen getroffen werden sollten. Fällt der sozialpolitische Teil, so fällt der Tarisbruch und die Lohnsenkung. Ein wesentliches Kennzeichen enthält allerdings das Volksbegehren der Sozialdemokratie, und das unterscheidet es deutlich von anderen Aktionen der gleichen Art. Während in Preußen, in Sachsen und in anderen Ländern die K o m- mu nisten Bündnisse mit Nationalsozialisten, Deutschnationalen und Stahlhelm eingegangen sind, um ihre Volksbegehren durchzuführen, appelliert die Sozialdemokratische Partei an das ar- beitende Volk. Und wir haben die Gewißheit, daß unser Ruf auch von den kommunistischen Arbeitern gehört werden wird! In dem Programm, das Heinz Hilpert, der neue Spielleiter der Volksbühne, aufstellte, bekannte er sich über jede Tendenz hin- weg zu dem Menschen, wie er ist, wie er immer war und sein wird. Gleich der erste Abend im Haus am Bülowplatz brachte eine Ein- löfung solchen Versprechens. Hilpert spielt Gogols unsterblichen „Revisor" weder als geschichtliche Episode noch als ein getreues Stück Volkskunde, weder als demagogische Anklage noch als Frühgewitter des Aufstandes. Er spielt das Zeitstück, das die Verkommenheit der Bürokratie unter dem ersten Nikolaus geißelt, beinahe zeillos. In Kostümen, die dem Bezirk des zweiten Napoleon gehören, während Gogol schon t8S2 gestorben ist. Hilpert sucht hinter den diebischen Sausbolden der zaristischen Despotie, hinter der geknebel- ten Wut der ausgebeuteten Untertanen, hinter dem Bauchrutsch der Subalternen und der Frechheit des Hochstaplers das Ewig-Mensch- liche, das ewige Laster und den ewigen Hopser nach Erlösung. Und dient gerade so der letzten Weisheit Gogols: nicht den Spiegel klage an, die Frabe rührt von dir selber ber. Hilpert mobilisiert aufs neue das Gelächter, das unerfchöpf- lich aus Gogols Gestalten explodiert. Ein Gelächter der Menschen- kenntnis, ein zugleich weinendes und übermütiges, zugleich selbst- mörderisches und emporreißendes, ein zündendes, ein befreiendes Gelächter: Ihr seid allzumal Gauner und mangelt der Tugenden, mit denen ihr euch schminkt. Ein jeder von euch ist zugleich dieser Bürgermeister und dieser Revisor. Das ist nämlich die Fabel des Stückes: In irgendeinem russi- schen Landstädtchen tobt die Tyrannei einer beamteten Clique un- sähig, ungerecht und bestechlich. Da wird die Ankunft eines Re- visors gemeldet. All« erbleichen und sehen sich schon gehängt. Wo ist der Revisor? Dann ausatmen: er ist gesunden. Seit vierzehn Tagen sitzt im verdreckten Hotel der Stadt ein junger Mann, ein kleiner, ein wenig leichtsinniger Beamter aus Petersburg, er tut nichts, er bezahlt auch nicht seine Rechnung. Das ist er. Die blind gewordene Angst zeugt Gespenster. Der verplüffte Jüngling begreift erst langsam, dann aber um so schneller und intensiver: er folgt huldreichst der bürgerlichen Deputation und beginnt seine Laufbahn. Er wird angebetet und bestochen. Cr regiert, empfängt Audienzen und immer wieder Rubel. Er gibt Versprechungen, Leutseligkeit, Achselklopfer. Er poussiert mit des Bürgermeisters geschmeichelter Madame und verlobt sich mit der Tochter. Dann verduftet er. Di« Bürokratie aber schwimmt in Glückseligkeit. Das Gewitter zog vorüber, nichts wurde entdeckt, niemand nach Sibirien geschickt. Laßt Champagner spritzen. Da platzt die Bombe Der Entschwundene schreibt eine saftige Verhöhnung der gerupften Rupser. Zugleich wird die Ankunft des wirklichen Revisors gemeldet: grausige Ver- wandlung in Salzsäulen Den dreisten Burschen aus Petersburg sprudelte Kurt B o i s mit geistiger Akrobatik sehr einprägsam, aber keineswegs aufdring- lich. Er log umschmeißend, er stahl wie nur irgendein großer Herr. Alles an ihm war dauernd in Fluß, die Augen, die Glieder, die Tanzhüften, die Schandschnauze, die Zigarre. Ein Spring- brunnen aus Quecksilber, doch immer künstlerisch besonnen und dem Ensemble dienend. Das ist auch sonst an dieser Aufführung zu rühmen, daß sie das Zusammenspiel fest fügt. Wir sehen nicht einzelne, sondern ein Ganzes, eine kleine tolle Welt. Jeder an seinem Platz, jeder zu loben. Ernst K a r ch o w gab den Bürger- meister derb und hinterwäldlerisch, verschlagen, brutal, mit Seele. die in Alkohol schmilzt. Käte Haack, angenehm rundlich und immer gut bei Laune und Zunge, war die Gattin, Gisela v. C o- lande(noch ein wenig tastend, aber hoffnungsvoll) die Tochter. Heinrich Marlow als feudal verwelkter Kreisrichter, Karl Hell- m e r als zitterndes Schulmeisterleim Hans Halden als Hospital- vermalter im Dämmerzustand des Kalkes, Paul D a h l k e als Post- meister Niemalsnüchtern waren unwiderlegliche Möglichkeiten, wie sie das Leben nun einmal ausspuckt. Eine Anmerkung darf nicht unterbleiben: Wie würde es einem Verwegenen gehen, der solch«ine Entblößung zermürbten Regi- men's über die geltenden Zustände schriebe? In starrem Hinblick auf die unausbleiblichen Folgen wurde schon hier Gogols immerhin etwas manarchiüisch an-"'ll'--chener Kaunerneur zum schlichten Bürgermeister, wird«in Bestechungspelz in simple Zigarren ver- wandelt, wird die weltgeschichtliche Anklage ein wenig gedämpft und die Posse in ihr beflügelt. RoKdrt Breuer. Greta Garbo als„Mata Hart". Mozarifaal. Einer der sensationellsten Stoffe der Kriegszeit, eine der faszinierendsten Frauen und die unbestritten größte Darstellerin des Films von heute— wenn diese drei Mächte sich vereinen, müßte es den wunderbarsten Film geben. Mata Hari, die große Kurtisane und die vielleicht ebenso große Spionin, hat ja der Literatur und dem Film in ausgiebigster Weise als Vorlage gedient. Aber Greta Garbo in dieser Rolle zu sehen, das erweckte die kühnsten Hoff- nungen. Leider gehen sie nicht in Erfüllung oder doch nur sehr zum Teil. Es ist ein Film wie viele andere geworden. Die Handlung ist wohl auf Spannung eingestellt, das Spionagemotio reichlich ausgenützt, das Hin und Her zwischen Spionage und Gegenspionage wirksam ins Spiel gesetzt. Daneben ist das Hauptgewicht auf die sehr kitschige und süßliche Liebesgeschichte gelegt, die Mata Hari mit einem jungen russischen Leutnant erlebt. Und hier allein tonnte Greta Garbos große Kunst echter Menschengestaltung sich entfalten, hier konnte sie uns glauben machen, daß die Kurtisane, die bisher immer mit der Liebe gespielt hat, nun selbst vom echten Feuer der Liebe ergriffen wird und damit zum tiefempsindenden Weibe wird. Ergreifend sind die Szenen, in denen sie den verunglückten und des Augenlichts beraubten Geliebten im Lazarett aussucht, erschütternd ist der Abschied von ihm, als sie des Landesverrats überführt zum Tode geführt wird und ihn in der Illusion erhält, es handle sich um eine Operation. Aber als Männerverführerin und gar als Tänzerin(wo sie mehr verdeckt als gezeigt wird) entspricht sie nicht dem Bilde, das wir uns von Mata Hari machen. Bei anderen Rollen der Garbo haben wir uns von dem Zauber ihrer tiefen metallischen Stimme bezaubern lassen. Aber hier ist ein deutsches Double in der Nachsynchronisicrung für sie eingetreten, das zwar im ganzen den Klangcharaktec nachahmt, aber doch das Vorbild nicht erreicht. Ueberhaupt die Sprache! Manches wirkt in der Uebersetzung direkt lächerlich. Und auch die anderen deutschen Vertreter sowohl des süßlichen Ramon N o v a r r o wie des Lionel Barrymore(russischer General) sind stimmlich nicht auf der Höhe. So nimmt man bei aller Bewunderung für die Garbo von diesem Film Abschied wie sie von Hollywood Abschied genommen mit dem Gefühl, daß der kapitalistische Filmbetrieb von heute höheren Aufgaben nicht mehr gewachsen ist und in den echten Künstlern selbst schließlich das große Unbehagen mit ihm zurückläßt. v. Schiffahrt ahoi! Kriegsmarine auf drahtloser Welle. Die Regierung der Freiherren und Barone ist unermüdlich bemüht, mit Hilfe des Rundfunks dem Volk die Segnungen seiner Herrschaft zu beweisen und sie für künftige aufnahmebereit zu machen. In der Produktion von Rundfunk-Ministerreden hat sie bereits einen schwerlich zu überbietenden Rekord ausgestellt, in der Produktion von heiteren militärischen Spielen desgleichen. Herr von Schleicher und seine Mannen tun ihr Bestes, die Begeisterung für ein kräftig aufgerüstetes Heer und eine zwar kostspielige, aber herzersreuende Kriegsflotte im Volke zu wecken. Heldenhafte Er- innerungen aus-dem Weltkrieg werden heraufbeschworen; am Sonn- abend aus Hamburg für die Hörer des Berliner und des Deutsch- landsenders in der Sendung„Die U-Boot-Mess e". Im Bs- ginn eine Erinnerung an die U-Boot-Toten und ihre Hinter- bliebenen. Man horchte auf, ergriffen und überrascht: rückte diese Sendung ab von dem nationalistisch-militaristischen Rummel? Wollte sie eine echte Gedenkstunde sein für die Kriegsopfer, eine Friedens- Mahnung an die Lebenden? Sehr rasch wurde dem Hörer klar- gemacht, daß solche Verirrung militärischen Geistes hier keinesfalls vorlag. Drei Panzerkreuzer wurden von U 9 in 1 Stunde und 35 Minuten versenkt. Was wußte die Sendung dazu zu sagen? Ein Wort des Bedauerns,, der Totenklage über die Menschenleben, die vernichtet wurden? Nichts dergleichen.„Gott stand u n s b e i." Gott half die Besatzung von drei englischen Kreuzern ertränken? Ja. so hieß es im Kriege; um diese Hilfe beteten die Geistlichen damals von den Kanzeln. Weil wir uns jener Tage schaudernd erinnern, wollen wir den Frieden. Als Nachkur zu diesem„volkstümlichen" Marinespiel gab es im Sonntagmorgenkonzert aus Hamburg ebenfalls für Berlin und den Deutschlandsendcr zwischen den Musiksendungen nette See- m a n n s a n e k d o l e n. So ein wackerer deutscher Seebär erzählte, wie er während des Krieges einen Dampfer kapertet Die Sprache der Besatzung kannte er nicht. Aber es waren Schweine, und es war Dreck an Bord— also mußte der Dampfer den Portugiesen gehören! Da sage noch jemand, der Rundfunk tue heute nicht genug, um den deutschen Hörern die Kenntnis fremder Kultureigentümlich- leiten zu vermitteln! Heute wird im Ausland deutsche Sprache und deutsches Geistesleben hoch geschätzt. In einem Bericht über „Deutsche Sprache und Literatur in Südafrika" erzählte Dr. B r e y n e, der in der Südafrikanischen Union als Universitätslehrer gewirkt hat, daß in dem Völkergemisch der Weißen, daß hier die Herrenschicht stellt, die überwiegende Mehr- zahl reges Interesse für deutsche Kultur hat. Was würde Deutsch- >and sagen, wenn aus dem benachbarten portugiesischen Kolonial- gebiet heute ein Rundjunksender ähnlich geschmacklose Kriegsanekdotcn über Deutschland verbreitete?— 1z. „Der selige Balduin." Karows Lachbühne. Der Zuschauerraum dieses Theaters, das seinen Namen so sehr mit Recht trägt(ein großes und amüsiertes Publikum kommt fünf Stunden lang aus dem Lachen gar nicht heraus) präsentiert sich in neuer Fassung. Erich Carow aber ist ganz der Aste geblieben: ein hinreißender Clown, ein großer Schauspieler in seiner Art, ein vollkommener Typus in iinmer neuen Varianten. Bei aller Echtheit und Derbheit ist er von subtilster Feinheit und der hundertfältigen Uebergänge, bei aller zwerchfellerschütternden Komik voll seelisch- erschütternder tragischer Hintergründe, bei aller grotesken Verzerrung voll lebensnaher Wahrhaftigkeit. Diesmal ist er der„selige Balduin" (nach dem Russischen von R a s u m n y), dem Frau und Arzt vor- machen, er sei am Suff gestorben, um ihn zu kurieren. Ein Balduin, der von seliger Besosfenheit bis zur wachen Angst höchsten Ent- sctzens alle seelischen Register mit Virtuosität durchläuft— um schließlich in die Seligkeit des Saufens aufs Vergnügteste wieder einzulenken. Groteske Tragik, tragische Groteske— eine Meisterleistung Carows. Vorher ein lustiges Liederspiel von Loewe und Zehr„Flug in die Liebe"; eine nette, sauber gearbeitete, kleine Sache mit Lucie Carow, Fredy Sieg und Konstanze G a f f r e y. Ganz ent- zückend ein« eingelegte Ballettparodie: die kleine Primaballerina und der Ballettmeister mit unsäglich komischem Assyrerbart verdienen leb- hafteste Anerkennung. Ferner gab es das Curmann-Trio zu sehen(prachtvolle Artisten), C a v a l i n i s humorvolle Hundetruppe und vieles andere sehr Vergnügliche noch. Srebserkennung im Frühstadium? Bisher war es der Forschung nicht gelungen, den Krebserreger festzustellen; man mußte Krebs den sogenannten„Viruskrankheiten" zurechnen, die erst mit dem?luf- treten der ihnen eigentümlichen Symptome erkannt werden. Wenn die Forschungsergebnisse, über die jetzt zum erstenmal berichtet wird, ihre Bestätigung finden, darf nian auf Früherkennung und gesteigerte Heilaussichten hoffen. Dem Direktor der Biologischen Reichsanstatt in Berlin-Dahlem, Dr. von Brehm er, ist die Herstellung eines Bifo-Tum genannten Präparats gelungen, das acht bis zehn Stunden nach erfolgter Injektion im Blut Krebskranker bisher unbekannte Körperchcn erkennen läßt. Die Versuche wurden an einer Anzahl gesunder, krebsverdächtiger und krebskranker Personen unternommen, und da eine Reaktion auf die Einspritzungen bei Gesunden nicht ein- trat, nimmt man au, daß die beobachteten kleinen Körper Krebs- erreger sind, die durch das neue Mittel in den Blutkreislauf gespült werden. Die erste Untergrundbahn in Rom. Roms erste Untergrund- bahn-Station wird Anfang Oktober eröffnet werden; sie ist die End- station der neuen Bahnlinie nach Viterbo, die in den letzten zwei Iahren vollendet worden ist. Die neue Strecke verläuft unter- irdisch, bis sie den Tiber erreicht und führt dann über eine 123 Meter lange Brücke, die ganz aus Beton errichtet ist und fünf Bogen hat. Von der Brücke aus führt die Linie zu der l6 Kilometer von Rom entfernten Prima Porta und dann nach der uralten Flaminifchen Straße, der sie bis nach dem 191 Kilometer von Rom entfernten Viterbo folgt. Eine Schauspieler-Nachtvorstcllung von„Wunder um V e r d u n" findet Mittwoch, abends 11.15 Uhr, im Deutschen Theater statt. Karten im Bezirksverband. Das Deutsche Kiinftlertheatcr wird unter der Direktion Eugen Robert am 3. Oktober mit dcw Lustspiel„Das Märchen vom Wolf" von Franz Rlolnar eröffnet. Tie Erössnungsvorstellung des Komödicnhauses(Victor Barnowsky) mit LudwigTbomas'„M oral" findet Donnerstag 8 Uhr statt. Di« weiteren Vorstellungen beginnen um 8.15 Uhr. Anrechnung von Gelegenheiisverdienst. Falsche Berechnung zum Nachteil der Arbeitslosen Ein Arbeitsloser b«kl Mark. Durch Zufall bekam er eine einmalige Aushilfe, die ihm an dem einen Tage 11 Mark ein- brachte. Er meldete am nächsten Zahltage unter Vorlegung der Verdienstbescheinigung die Tatsache des Gelegenheitsverdienstes. Statt der 13,80 Mark zahlte ihm das Arbeitsamt nur 5,16 Mark aus, so daß dieser Arbeitslose statt 13,80 Mark Unterstützung trotz des verhältnismäßig hohen Arbeitsverdienstes in der Woche m i f V e r d i e n st nur 16,16 Mark hatte. Er hatte also durch seine Arbeit nur 2,76 Mark mehr, als wenn er sich nicht um Arbeit bemüht hätte. Mit Recht lautete nun seine Frage, ob es sich bei einer derartigen Verrechnung des Gelegenheitsverdienstes noch lohne, sich tagelang, ja, wochenlang selbst um Arbeit zu bemühen, um dann endlich eine Aushilfe zu finden und anzutreten. Eine Rückfrage an zuständiger Stelle bestätigt uns, daß d i e Arbeitsämter angewiesen worden sind, nur 20 Proz. des Unter st ützungssatzes von dem Verdienst f r e i z u- lassen und den Rest des Verdienstes voll auf die Unterstützung in Anrechnung zu bringen. Es wurde uns erklärt, daß diese An- rechnung in dieser Höhe deswegen erfolgt, weil noch keine Richtlinien mit der Wohlsahrtsbehörde getroffen seien, wie die Hilfsbedürstigkeit im Falle des Gelegenheitsverdienstes fest- gestellt werden soll. Dazu muß gesagt werden, daß diese Art der Anrechnung mit der Ausführung des Arbeitslosenversicherungsgesetzes nichts mehr zu tun hat, sondern vollkommen willkürlich ist. Das Arbeits- losenversicherungsgesetz kennt die Anrechnung nur in der Form, daß 20 Proz. des Unter st ützungssatzes vom Ge- legenheitsoerdienst anrechnungsfrei sind und der Rest zu 50 proz.(nicht zu 100 proz.) verrechnet werden muß. Glaubt mmt an der Hilfsbedürftigkeit eines Arbeits- losen, der eine eintägige Gelegenheitsarbeit verrichtet hat, zweifeln zu müssen, so hat man die Wohlfahrt zur Prüfung unter Hinweis auf den Gelegenheitsverdienst zu veranlassen. Daß die Arbeits- ämter nun ober von sich vorsichtshalber einfach die Para- graphen des Arbeitslosenversicherungsgesetzes abändern und dem Arbeitslosen mehr abziehen, als es das Gesetz verlangt, ist ein Unrecht. Man erzieht so die Arbeitslosen leicht zur Unehrlich- keit, weil sie bei einer derartigen Verrechnung schließlich jeden Ge- legenheitsverdicnst verschweigen. Den Arbeitslosen muß dennoch geraten werden, jeden Ver- dienst zu melden. Rechnet dos Arbeitsamt den Gelegenheits- verdienst falsch an, so muß eben Einspruch eingelegt werden. Die oberen Spruchbehörden können eine willkürliche Auslegung des Gesetzes nicht zulassen. Oer Rollfuhrstreik beendet. Die Reichsbahn-Paket-Verkehrsgesellschast, G. m. b. H., Konzern Schenk, Hausoogteiplatz 6, teilt mit, daß der Transportarbeiterstreik im Bereich des Konzern beigelegt ist. Die Arbeit wurde heute früh wieder aufgenommen. Internationaler Vergarbeiterkongreß. Heute Eröffnung des Kongrefses in London. Der 13. Internationale Bergarbeiterkongreß wurde heute eröffnet. Rund 1.50 Delegierte der angeschlossenen Landesorganisa- tioncn sind erschienen. Im Mittelpunkt der Verhandlungen steht die Ratifizierung des internationalen Entwurfs über die Regelung der Arbeitszeit in den Kohlenbergwerksbetrieben. Streik beim freiwilligen Arbeitsdienst. Weil die Enffchodigung um 25 Pf. gekürzt wurde. Eisenach, 12. September(Eigenbericht.) In Eisenach haben 50 im freiwilligen Arbeitsdienst beschäftigte junge Leute, die den Exerzierplatz in ein Stadion um- wandeln, die Arbeit niedergelegt, weil der Bezirks- k o m m i s s a r die tägliche Entschädigung von 1,45 M. auf 1,20 M. herabgesetzt hat. Das Arbeitsamt ist gegen den Abbau und hat sofort Schritte unternommen, um den Abbau rückgängig zu machen. Die Arbeiten werden unter Leitung der Reichswehr ausgeführt. 102. Abt. Baumschulenweg. Mitgliederversanrmlung Mittwoch, 14. September, 10.30 Uhr. Bezirke 1— 13 im Lokal van Schefseler (Borgmann Nach' olger) � 14— 20 im Lokal Neu-Tivoli, Neue Krug- allee. Thema: Die politische Lage. Reserenten: Karl Litke, M. d. R. und Aufhäuser. Ivelter sür Berlin: Meist bewölkt, mit etwas Rcgenncigung, etwas mildere Nacht. Tagcstcnrperaturen wenig verändert, leichte südwestliche Winde.— Für Deutschland: Im Süden Besserung und Erwärmung, in Nordosten leicht veränderlich, im übrigen Peiche überwiegend bewölkt lind namentlich im Nordwesten Rcgenfölle. Rundfunk am Abend Dienstag, den 13 September 1932 Berlin: 16.03 Die Entwicklung de� arabisdien Orients (Iii. Hasdimi). 16.30 Nachmittagskonzert, 17.30 Doktor Ueber- ali erzählt. 17-35 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18,00 om Krieg zum Frieden"(Bücherstunde). 18.30 Klaviermusik. 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag 19.10 Rettungswesen. Krankentransport und Planwirtschaft (Oberregierungsrat Dr. Hesse). 19.35 W ie es wirtschaftlich in Amerika aussieht(L. Bcndix). 20.00 Unlerhallungsabend. 21.00 und 22.00 IVetler-, Tages- und Sportnadi richten. Königs Wusterhausen; 15.45 Künstlerische Handarbeiten(Ursula Scherz, W. Mauer). 16.30 Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30 Das Gesicht der modernen Zeitung (P Steinborn). 18.00 Musikalische Hörübungen(W. Dieker mann). 18.30 England als Weltwirtschaftsmacht(Staatssekretär Prof. Dr. Hirsch). 18.35 Wetterbericht. 19.00 Neue Wege der Völkerkunde(Dr. L. F. Claufi). 19.30 Denkwürdige Reden(M. Maur). 20.00 Aus Leipzig: Abendkonzert. 21.00 Tages- und Sport nach richten 21.10 Ans Leipzig: Aufruhr im Sudan(Hörspiel). 22.25 Wetter-, Tages- und Sportnadi- richten. 22.40 Aus Hamburg; Alte Tanzmusik. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im..1 olksfunk". monatl. 96 Pf. durdi alle onvarts"-Boten oder die Postanstalten. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. Berlin-Kreu.zberq: Die Bastechelser treffen sich heute, Dienstag. 20 Uhr. in der Yorkstraße zu einer Besprechung mit Heinz Jlgensritz. Lerantwortl. sür die Redaktion: Rich. Bernstein. Berlin: Anzeigen: Ott» Hengst Berlin Bertaa: Borwärtz Verlag CS m. d. H.. Berlin Druck; Vorwärts Buai- drnckerei nnd Verlagsanstalt Paul Singer& Ca.. Berlin SW öS Lindenstr Z Hierzu 1 Beilage. »ttal, Dienstag, cken 13, September staatsoper unter den linden 20 Uhr Sizilianisdie Vesper staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Wallensteins Tod VOLKSBUHNE Theater am Bttiewolatz 0 i, Norden 2944. Allabendlich 8� Uhr Der Revisor von Gogol- Regie: Heinz Hilpert Cart Bois Karrtiow/ Haatk/ Vcrhoeven ▼Hol n•• ai/ in.. Tlol. s u. Uhr JACKSHEA WILSON, KEPPEL BETTY/ TOGARE LAI-FOUN/ GENIA NIKOLAJEWA TRIO DARESCO usw. Inserate im A vorwärts sichern Erfolg! PLAZA b«.!)-Mtjt.2,5,«1»U. \nr noch| 3 T n g e I Rose- Theater iroBe Frankfortsr Strafie 132 Tel. Wcithil E 7 342? 8,30 Uhr Aerzte im Kampf Slädl.Oper Charlonenbure Frauenhofer 0231 Turnus IV Dienstag, 13. Sept. Tosca Beginn 20 Uhr Nemeth, Reinmar,| Fidesser Dirigent: Ladwig 5 t hi lle r Grolmanstr. 70/71 Stelnpl.(C 1) 6715 Täglich 8 Uhr „Die versoukene Glocke" Kassenstunden tägl. 10—20 Uhr uhr CflSIHO- THEATER«v,uh. Lothringer Strafe 37. IIIMIIIIIIIIIHIIIIIII Outschein für die Leser 1— 4 Personen Fauteuil nur 0,75 M., Sessel 1,25 M. Gültig auch Sonntag nachm. 4 Uhr Jinnemarie Volksoperette— Musik von Gilbert Dazu ein bnuter Teil. Stettiner Sänger Reichshallen-Theater (Dönhoffplatz) Metkor A. 6. 1247. Dir.Meisel Tagt. 8.15 Uhr, Sonntags 3.30 Uhr(ermäßigte Pr.) Krörrnunsraprograinm mit der Burleske Freibad Krumme Laake Neue Kräfte. Preise 0.50 bis 225 M. Vorverkauf 11—2, 5—9 Uhr. d Uhr 15. Flora 3434. Rauöien en. Das berühmte DAYELMA- BALLETT 3 Swifts, Rudi Grast und weitere Künstler-Truppen, von internationalem Rut. Wte Theater Weidendamm 520t. 8 Uhr letzte 4 Vontellungeii Wunder am Verdun Dram. Dichtung von Hans Chlumberg Regie: Karl Heinz Martin. Kassenpreise von 0,50 M. bis 11.50 M. Kammerspiele Weidendamm 5201. Beginn SV* Uhr „Schicksal nach Wunsch" Komödie«.thristaWinsloe Regie; Rudolf Beer Melzer. Uilridt, Riemann, Abel. Braasewetter Cimr&QtäR WMAHELH 8ßwn0HWSRATEW PROGRAMM für die Zeit vom 13. bis 15. Septembt. I N O-T A F E L PROGRAMM für die Zeit vom 13. bis 15. Seplember ©OG Primas-Palast Potsdamer Straße 19. Uraufführung: Da».Tlädel vom Hoiitparna»»e mit F- Schulz, Emmi Bossel. Alfred Abel, Erika Gläßner, Jak. Tiedtke W. 5, 7. 9 Uhr Z e n t r u i Potsdamer Straße 38 Eine Stunde mit dir mit iWau- rice Chevalier. Jeanette Macdonald W. 5, 7. 9 Uhr Odeon.PotsdamerStrJS Zwei s:lückliche Tage mit CI. Rommer, P. llörbigser, Käthe Haack, J. Tiedtke W. 5. 7. 9 Uhr Turmstraße 12 Flucht von der Teufel»iii»e! (Die Hölle von Guayana) mit Ronald C'olman, E. Wolheini W. 5. 7, 9 Uhr Alexanderstraße 39-40 (Passafise) Ein Lied, ein Kuß. ein Mädel mii.Tfartha Ejfßrorth. Gvist. Fröhlich. Gretl Thei- mer, Fritz Grünbaum Den ganzen Tag geöffnet Für Jugendliche freigegeben Alhambra MüUerstr. 136, Ecke Seeslraße. Ja. treu ist die Soldatenliebe mit Fr. Schulz, Ursula Grab- lej-, Ida Wüst, Cam. Spira W. 5, 7, 9 Uhr Germania-Palast Wilmersdorfer Str. 53/54. Schuß im �lorjtengsrauen mit €'. E. Diehl, Ery Hos, Herrn. Speelmanns.— Her falsche Tenor mit Franz Haumann W. 5. 7. 9 Uhr Kant-Lichtspiele Kantstraße 54. .tfoderne �litgift mit IIorthA FR�erfh. Leo Sletak W. 5. 7. 9 Uhr Bio-Lichtspiele Hackescher Markt 2-3 Tageskino ab 12 Uhr. Sonnt, ab 2 Uhr Jugend Vorstellung Eied einer Nacht mit Jan Kie- pura.— Gr. Tonbeiprogramm Jugendliche haben Zutritt! Steglitz C Friedrichstadt Titania-Palast s�e'so.gu. Steglitz. SchloDstr. 5. EckeGutsmuthsstr. Crauff.: Ich will nicht wissen, wer du bist mit L. Haid. Gustav Fröhlich. Sondrock. Szakall. Musik: R. Stolz— G. Tonfilmbpr. Franziskaner Georgenstraße(Ecke Friedrichstraße) 9. 12. 3. 6. 9 Uhr Jonny stiehlt Europa mit Harry Piel 10.30. 1 30. 4.30. 7.30. 10-30 Uhr Der Raub der Hona Lisa mit Willy Forst, Trude v. Holo Neueste Ton-Bild-Reportage Die Kamera unde'nH W. 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5, 7. 9 Uhr Wer nimmt die Liebe ernst mit Rax Hansen. J. Juso.— Husik aus der Luft.— Tonw. a Mo.bit a Arfnvhnf!:Vochent-»d 6 Uhr nflUoHOf Sonntags ab 5 Uhr Perleberger Str. 29 2 Großtonfilme: Frau Lehmanns Töchter mit Kompers— Da» .Millionentestament— Tonu. Schlüter-Theater �"Suhr Schlüterstr. 17 Stg. 3 Uhr: Jugd.-V. Lied einer Vach» mit Jan Kie- puru, M. Schneider, Fr. Schulz Jugendliche haben Zutriltl U Wilmersdorf T| Wochent. 7. 9% ü. Stg. ö. 7. 914 U. Kaiscrallee. Ecke Berliner Straße Urauff.: Ich will nicht wissen, wer du bist mit L. Haid. Gustav Fröhlich. Sandrock. Szakall. Musik: R. Stolz— G Tonfilmbpr. Atrium W_»ehlendorf'Hitte H 7«/; Leginn tägl. 5. 7. 0 Uhr Stg. 3 Uhr Jugend vorstell Potsdamer Str. 56 Zu Befehl, Herr Fnteroffizier mit B- A. Roberts.— Gutes Beiprogramm Friedenau Kronen-Lichtspiele Rheinstraße 65 Beg. 7. 9 Uhr. Sonnt. 5. 7. 9 Uhr Quick mit Lilian Harvey. Hans Albers.— Gutes Tonbeiprogr. ���Schöneberg��p Alhambra Tonrfim Hauptstraße 30 Ein Tonfilm in deutscher Sprache: Hlutter— Tonbeiprogramm— Bühnenschau— Jngcndl. Zutritt. Titania Schöneberg Hauplstr. 49 W. 5, 7. 9 Uhr S. ab 3 Uhr Großlonfilm: Quick mit Lilian Harvey. Hans Albers.— Ton beiprogramm.— Tonwoche U«fldwasten � Film-Palast Kammersäle Tcltower Str. 1. W. ab 5.30. S. ab 3.30 2 Großionfilme; Schuß im mor- gengrauen mit C. L. Diehl.— Der falsche Tenor mit Baumann fCnrfür** w-7» 9' sbd- St8 �7,9 Mlur/ursi Stg. 3 Uhr: Jgd.-Vorst. Dorfstraße 22. Ecke Berliner Straße Quick mit Lilian Harvey, Hans Albers, Paul Hörbiger.— Ton- beiprogramm Neukölln F-rt*ol Theater am Moritzplatz W 6, 8.45 Uhr. S. ab 4.30 Uhr So'n Windhund mit R- A. Roberts. Lucic Englisch. Tlav Adalbert.— Die Pranke mit Charl. Susa. Eugen Klopfer U Südosten M Deatsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68. Tägl. 5, 7. 9 Uhr Schuß im Morgengrauen mit L. C. Diehl.— Der falsche Tenor mit F. Baumann Filmeck W. 6.30 U., Stg. 5 U. Am Görlitzer Bahnhof Die elf Schillschen Offiziere Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt! Luisen-Theater W. ab 6.30 5 ab 5 U. Reichcnberger Str. 34 Ja treu ist die 8oIdaten1iebe mit Fritz Schulz Ferner; Die Nacht der Versuchung mit Werner Fuetterer, Elga Brink Stella-Palast W. ab 6.30 Uhr Sonnt, ab 5 Uhr Köpenicker Straße 12—14 Jarmila Xowotno, Domgraf-Faßbender in der Tonfilm-Oper Die verkaufte Braut Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt! Treptow Treptow-Sternwarte Dienstag 8 Uhr; Das blaue Licht. Mittwoch, Donnerstag 8 Uhr: Die letzten Segelschiffe ■ 0'te"■ Germania-Palast sf'abVü: Frankfurter Allee 314 Großtonfilra: Ich bin|o so verliebt mit Feliv Bressan, Charl. Ander, Jul. Falkenstein. Oskar Sirna Bühne: 3 große Variete-Attraktionen Dr. Knauer. dirigiert das hervorragende Jazz- und Tanzorchester Lana-Palast Woch. 6 Uhr Sonnt, ab 3 Uhr Gr Frankfurter Sir. 121. 3 von der Kavallerie mil Paul Hörbiger.— Moderne Mitgift mit Georg Alexander.— Tonw. Schwarzer Adler ai?«1» W. 5. 7. 9 Uhr. S. 3. 5. 7. 9 Uhr 2 Tonfilme: Das Licbeslied mit Renate Müller.— Dick u. Dof hinter Schloß und Riegel Viktoria- Theater Ä 3 u5 Frankfurter Allee 48 2 Tonfilme: Die Nacht der Versuchung mit Werner Fuetter- rer.— Der Feldherrnhügel mit Ivan Petrovich W Nordosten> ,Elysium" \V. 5.15, 6.30, 9.15. S. 3. 4.20, 6.50, 9.15 Orchester! Film! Bühne! Nur drei Tage: Schuß im Morgen grauen mit C. L. Diehl.— Bühne: Karraanow. 14 Hunde. Morris u Ford. Martha Hübner Flora-Lichtspiele�� Täglich 5. 7 9 Uhr. Sonntags ab 3 Uhr 2 Tonfilme; Schuß im Morgengrauen.— Der falsche Tenor mit Franz Baumann Volks-Kino Königstadt Schönhauser Allee 10/11 Wochent. 6.45 Uhr, Sonnt. 4.43 Uhr 2 elücklirhe Tage mit Ida »üst. Paul Hörbiger.— Ton- worhe— Bübnensrbau W Neu-Llchtenberg Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70. W. 6.45, 8.45 U. Stg. 4.45, 7. 8.45 U. 2 Großtonfilme: Kitty schwindelt sich ins Glück mit Tony van Eyck.— Entfesseltes Afrika Friedrichsfelde Kino Busch\ � Alt-Friedrichsfelde 3. Tonwoche Grock mit Liane Haid.— Die Wasserteufel von Hieflau.— Jugendliche haben Zutritt > Pankow Palast-Theater Breite Straße 21a. W. 7 u. 8.30 Uhr Ja, treu ist die �oldatenliebe mil Fr Schulz. Ida Wüst.—. Rächer des Tong Filmpalast Tegel Bahnhotslr. 2. W. 6, Stg. 4H Uhr Sonntag 2 Uhr: Jugend-Vorslellung 8 in einem Auto mit Jlagda Mcbnoider, R. Romano.,»KI— Verge.aen Sie nicht, die Antenne zu erden W. 6, 8'i Uhr S. iVt. 6%. 8% Kosmos Hühne Hauptstraße 6. 2 Großtonfilme: Johann Strauß mit Lee Pary, Mich. Bohnen. — Die Affen von Suchum Union-Theater Hauptsir. 3. Stg. 2 Uhr: Jug.-Vorst. Der Rlöekner von Xotre-Dame mit I-on Chaney— Mexikanische Brautfahrt W Hennigiaorf�'�fc Film nnlnvt Be- w 6 8-30 Uhr nimpaiasi sus 4%. s»«,. 8% u. Berliner Sir 5ft Mädchen in Cniform mit H. Thiele. Doroth. Bieek.—, Zwischen 12 a. Vil. föeilage Dienstag, 13. September 1932 S?rÄbi>nö rlok Itbfi&dsdi Von der Mol zur Freiheit...? Ein Beitrags zur Frauenfrag'e/ Von Suse Bork Im Berliner Rathaus verkündet ein großer Wandspruch auf einem der Korridore die weisen Worte:„Das Amt ist der Lehrmeister des Mannes!". In diesen wenigen Worten liegt die Erklärung für die Stellung der Frau in unserer heutigen „M ä n n e r g e se l l s ch a f t": aus diesen Worten klingt es jeder Frau wie Hohn entgegen und voll Bitterkeit erkennt sie, daß ihre Zeit erst gekommen sein wird, wenn„das Amt auch der Lehr- meister der Frau" sein wird. Alle, die über die Unzulänglichkeit der Frau im Leben Klage führen, und das sind Männer, aber auch viele Frauen selbst, werden in diesen Worten ja nur eine neu« Bestätigung für die Erkenntnis der Genossin Alice Rühle-Gerstel sehen, die behauptet, daß der Eharakter der Frau sich in einer Minderwertigkeit s- Position bildet und daß daraus die verschiedenen Reaktionen auf die Umwelt erklärbar sind, d. h. daß sich die Frauen je nach der individuellen Veranlagung und nach dem Platz, auf den das Leben sie führt, durch Einfügen, schroffes Protestieren, Auflehnung usw. durchzusetzen versuchen. Ein Amt für Frauen hatte nur die Kriegsnot geschaffen: da mußten sie in die Bresche springen und dursten Straßenbahn- schaffner, selbständiger Leiter eines Geschäfts, Bauer, kurz Erhalter der Wirtschast, Ernährer der Kinder sein: sie dursten arbeiten ohne Rücksicht auf ihre physische Leistungssähigkeit. Es ver- gingen Jahre und schließlich nahm auch dieser Krieg ein Ende. Die Männer kamen zurück und stellten verwundert fest, was für eine Veränderung mit ihren Ehefrauen oder Bräuten usw. vor sich ge- gangen war. Manche konstatierten, daß die Frauen durch diese Arbeit vennännlicht worden seien, und machten den Frauen zum Vorwurf, daß sie„die weibliche Anmut und Weichheit" verloren hätten. Viele Bindungen zwischen Männern und Frauen wurden dadurch gelöst und die aus den vielen gelösten Ehen stammenden Töchter hatten dadurch, daß sie das erlebten, zwangsläufig eine ganz veränderte Lebensauffassung. Sie wollten eine Enttäuschung wie die Mutter nicht erleben, sie wollten unabhängig von den Männern leben können, nicht auf jeden Fall heiraten. Sie be- einflußten auch ihnen nahestehende jung« Mädchen und ihre An- sichten gaben ihnen das Gepräge. Sie waren kampflustig und nicht sehr männerfreundlich gesinnt. In dieser Hinsicht ist auch in unserer sozialistischen Frauen- bewegung heute noch viel zu hm, bis erreicht sein wird, daß „in önnlichc und weibliche Tendenzen in einem übergeschlechtlichen Ziel verschmolzen sind". Hier aber liegen die Ausgaben der Sozialistini sie imiß die Fehler er- kennen und daran arbeiten, über die Minderwertigkeitsgefühle(die Ursache dieser Charakterbildung) hinweg zu kommen. Erkennt- nis ist Wissen, was man weiß, kann man ändern, wenn man es für schädigend hält. Einige Beispiele hierzu: Jede von uns hat bestimmt schon einmal gesagt:„ich habe lieber mit Männern zu tun als mit Frauen!" Welche sind die Gründe dafür?.-- Erstens;„Die Frauen sind unsachlich, sie nehmen alles per- sönlich, sie sind empfindlich und nachtragend und von Stimmungen mehr abhängig als der Mann", diese Antwort geben Männer und Frauen, und es ist gewiß viel Wahres an ihr. Rur wird immer vergessen, daß es die meisten Frauen im Beruf schwerer haben als viele Männer. Der Mann ist meist fertig, wenn er die Berufsarbeit hinter sich hat: er kann nun seinen persönlichen Dingen und Beschäftigungen nachgehen: gan,; anders die Frau. Die verheiratete Frau mit Kindern hat nach der Berufsarbeit zu Haufe soviel zu tun, daß der Tag, wenn er 48 Stunden hätte, auch noch mit Arbeit auszufüllen wäre.'(Leider wird die Hausarbeit auch in unseren Kreisen noch immer nicht genügend eingeschätzt, selbst die lieben Ehemänner nehmen sie nicht sehr ernst!) Unverheiratete Frauen haben es aber auch nicht soviel besser. denn wenn sie bei den Eltern wohnen, ist es selbstverständlich, daß sie der Mutter nach Geschäftsschiuß zur Hand gehen, und wohnen sie möbliert, so haben sie genügend zu tun, wenn sie nebenbei ihre Sachen in Ordnung halten müssen, usw. usw.— Der Gedanke an diese Arbeit guält sie vielleicht bereits im Berus, wenn sie abge- spannt sind und ost sehr erschöpst das Ende der Dienststunden her- anwünschen. Sie sind leicht gereizt: dann aber heißt es nicht: „heute war Fräulein TP wenig nett", sondern: diese Weiberwirt- schaft! Wann haben die Frauen mal nicht zu meckern!" Es wird immer gleich verallgemeinert. Uns Frauen mangelt am meisten die„Berufsroutine", die der Mann eben durch seine hundertjährige Erfahrung uns voraus hat. Er hat sich besser in der Hand, für den Augenblick wenigste Betrachten wir einmal einen Beamten bei der Arbeit und die i- fällig neben ihm sitzende Kollegin. Ihm merkt man selten Nerv- sität an, ist das Zimmer voll, so scheint er das gar nicht zu merke während die Beamtin nervös ist und versucht, so schnell als möc lich zu arbeiten, um„Luft" zu bekommen und auch: weil sie vie intensiver die Strapazen mitfühlt, die das wartend« Publikum aushalten muß! Sie ist weniger vcvspieht als ihr Kollege und diese an sich gute Eigenschaft wird ihr doch zum Nachteil. Ferner: Die Frauen, die in höheren Positionen sind, die neben Männern verantwortungsvolle Ministerialstellungen einnehmen, die Chef einer Abteilung sind usw. usw. seien besonders wenig geeignet, für die Frau im Beruf Propaganda zu machen— wird auch vielfach be- hauptet. Sie sind voll Ehrgeiz, lassen ihre Kenntnisse ständig leuchten und machen ständig Betrieb.(Sie müssen aber auch tag- täglich neu einen Befähigungsnachweis liefern, der Mann hat das nicht nötig!) Sie benehmen sich weniger kollegial als die Männer, verlangen aber als sachliche Mit- arbeiter behandelt zu werden und nehmen es letzten Endes doch bitter übel, wenn man sie nur als sachlichen Mitarbeiter wertet. Stets wollen sie auch als Frau beachtet werden, sonst fühlen sie sich in ihrer Weiblichkeit gekränkt. Auch hierin steckt ein Kern Wahrheit und es gibt solche Frauen: aber auch viele, die das Wort Kollegin schon heute rein menschlich aufgefaßt wissen wollen! Auch auf diese Kritik kann man nur mit dem Hinweis ant- warten, daß der Mensch nur werden kann:„wenn er in der Kontinuität von Jahrzehnten wächst und in Strenge durch eine Folge von Schritten gebildet wird.(Jaspers:„Die geistige Sihiahon der Zeit".) Wir sind ja, gemessen an der Ersahrung der Männer im Berns, gerade erst da- bei, eingermaßen die Balance beim Gehen halten zu können. Trog dieser Mängel bin ich aber mit vielen der Ueberzeugung, daß wir Frauen für den Staat der Zukunft, wie wir ihn als Sozialisten uns wünschen, sehen und erkämpfen, eine bedeutende Rolle spielen werden. Ich glaube an eine Entwicklung zum Mutterrecht hin. Das heißt aber keineswegs, daß wir nun unsere heutigen Zustände einfach umkehren, daß nun die Männer den von uns abgelegten Minderwertigkeitskomplex aufnehmen und pflegen und groß ziehen sollen. Das heißt nur, daß die Kraft der Frau richtig erkannt und ausgenutzt werden wird. Sie ist die staatserhaltende Macht. Wie sie die Familie und das Privat- Haus in Ordnung hält, so ist sie befähigt, den Staatshaushalt in Ordnung zu halten. Sie ist ein fabelhafter Finanz- mann, und wird mit weniger großzügiger Einstellung als der Mann die Finanzen regeln können. Trotzdem wird sie F r a u und Mutter bleiben können, weil sie biologisch dafür bestimmt ist: und wird doch von ihrer Gleichwertigkeit dem Mann gegenüber sein, ohne zu verkennen, daß die Natur ihr physisch« Grenzen gesetzt hat, die kein körperliches Training zu überwinden vermag, die sich psychisch ebenso auswirken: denn Leib und Seele bilden nach un- seren philosophischen Erkenntnissen eine Einheit. Die Frau wird klug genug sein, die Ueberlcgenheit des Mannes anzuerkennen, die sich im Forschcrtricb und der Sehnsucht nach Entdeckungen kund tut, ohne daß sie dadurch sich beeinträchtigt fühlt. Wenn die Frau diese Tatsachen erst erkannt hat, wenn sie das Mann-Weib-Problem sieht, wie ich es hier zu skizzieren versuchte, dann erst wird die Harmonie in derZusammen- arbeit der beiden Geschlechter gewährleistet sein. Sie werden ihre aus natürlichen Anlagen hervorgehenden Eigenheiten anerkennen lernen und werden in der Zukunft weder eine Männer-, noch etwa gar eine-Frauengesellschaft haben, sondern eine Gesellschaft von Menschen. Ein Woelieiieude in Bernau In der Biiiidesschule des ADOB./ Von Kläre Sclmcli In der Vorhalle des Stettiner Vorortbahnhofs steht ein kleiner Trupp von Stahlhelm-„Frontsoldaten". Plötzlich verwunderte Blicke: aus der anderen Ecke schallen frische kräftige Rufe„Freiheit"! Ja- wohl, ihr sehr jungen„Frontsoldaten", ihr habt euch nicht getäuscht, es ist der stolze Kampfruf der Eisernen Front, den ihr da hört, und es ist eine Gruppe sozialdemokratischer Frauen, die sich mit„Frei- heit" begrüßen. Funktionärinnen aus allen 2» Berliner Kreisen, denen es der Berliner Bezirksvorstand ermöglicht hatte, zu einem Wochenendkursus in die Bundesschule des ADGB. nach Bernau zu fahren. Die Fahrt verging wie im Fluge, und als wir im Postauto durch das alte märkische Städtchen fuhren, hinaus in den Wald, fühlten wir erst so ganz, was es heißt, einmal alles hinter sich zu lassen und losgelöstt zu sein von allen Sorgen des Alltags. Schon aus dieser Freude erwuchs das Gefühl stärkster Gemeinschaft, das unserer Tagung sein Gepräge gab. Und als Berg- arbeitergenossen aus ganz Deutschland, die zu einem vierwöchigen Kursus in der Bundesschul« sind, uns mit Freiheitsrufen begrüßten und als wir mit ihnen zusammen in der schönen Halle standen, da war das lebendigste Zeugnis für sozialistische Verbundenheit, für die Gemeinschaft aller arbeitenden Menschen. Hinzu aber kam das stolze Erkennen: wir stehen in unserem Haus, das gehört uns allen, weil es das Werk sozialistischer Organisationen ist. Nach einem Willkommen des Genossen Timm wies er uns unsere Zimmer an und zeigte uns dann die ganze Schule. Wer könnte be- schreiben, mit welchem Glück und Stolz wir durch diese weiten sonnigen Räume gingen, mit welcher Liebe die Bücher in der Biblio- thek, mit welcher Freude die Blumen auf den Tischen und noch mehr die leuchtenden Beete im Garten betrachtet wurden! Wie fein war es, im Turnsaal Ringe und Leitern zu probieren, mit welchem Jvteresse sahen wir uns die große Oelfeuerungsanlage an und mit welch kritischem Sachverständnis wurden die Einrichtungen der Küche begutachtet und für mustergültig befunden! Es muß aber auch ge- sagt werden, daß der Genosse Timm es in jamoscr Weise ver- standen hat, uns Einzelheiten zu erklären und auf Besonderheiten hinzuweisen. Kein Luxus, wie die bürgerlichen Blätter es ihren Lesern immer wieder erzählen wollen, aber alles von einer bis ins kleinste durchdachten Zweckmäßigkeit. Hier wurde von innen nach außen gebaut, d. h. man hat den entscheidenden Wert auf die Räume und nicht auf die Fassade gelegt. Alles Unnütze, Nur-Schmückendc, ist vermieden— die klare ruhige Form paßt so ganz zu der herben Schönheit unserer märkischen Kiefernwälder. Wieviel haben wir schon in diesen paar Nachmittagsstunden gelernt! Um?L8 Uhr pünktlich waren wir alle im Vortragssaal, und nun ging es an die ernste Arbeit. Die Genossin Wurm arbeitete in konzentrierter Form mit uns heraus, welches die Grund- lagen des Sozialismus sind. Wir sprachen über das Kam- munistische Manifest, das bis heute wegweisend und richtunggebend für die Arbeit sozialdemokratischer Organisationen in der ganzen Welt ist: wir gingen auf die Folgen imperialistischer Wirtschafts- Politik ein und auf die Notwendigkeit der internationalen Solidarität aller arbeitenden Menschen. Eine Revolution, so lernten wir, ist nur dann wirksam, wenn sie von positivem revolutio- närem Willen getragen wird, d. h. wenn man die bestehenden ökonomischen Grundlagen ändert, durch die der politische und juristische Ueberbau eines Staates bedingt sind. Wir arbeiteten in kurzer Zeit unter Leitung der Genossin Wurm ein sehr großes Stoffgebiet durch und schufen damit die Grundlage für die Arbeits- gemeinschaft der Genossin Kern(Sonntag vormittag) über den Sozialismus Hitlers. Es wurde uns da ganz klar, daß die Nationalsozialistische Partei mit Sozialismus auch nicht das aller- geringste zu tun hat. Hitlers These„Gemeinnutz vor Eigennutz" heißt nichts anderes, als daß die Arbeiterschaft und damit die große Masse des Volkes sich ohne Widerspruch unterdrücken und beHerr- scheu lassen soll von einer kleinen sogenannten Fllhrerschicht. Daher auch Hitlers Stellung zur Wehsfrage, gefügige Unterordnung und Kadavergehorsam. Das sind auch die Grundlagen seines Erziehungs- Programms, die Jugend solle lernen, selbst Unrecht schweigend zu ertragen. Aus solcher Basis kann man aber niemals eine Wirtschaft ändern, kann man niemals einen sozialistischen Staat errichten. Wir kamen zu dem Schluß, daß sich die Arbeiterschaft von dem Blendwerk und den nebelhasten Phantasien der Nazis nicht irremachen lassen darf und daß sie all ihre Kraft daransetzen muß, auf den Wegen, die uns Karl Marx und Engels gewiesen haben, weiterzuarbeiten und weiterzukämpfen für die Verwirklichung des Sozialismus. Die letzte Arbeitsgemeinschaft war die der Genossin Böhm- Schuch über die Stellung der Frau in den Programmen der politischen Parteien. Ein äußerst interessantes Gebiet, dessen Behandlung gerade uns Funktionärinnen manches verstand- licher machte und uns neue Möglichkeiten erschloß für die Werbung der Frauen für die Sozialdemokratische Partei. Ganz deutlich konnten wir verfolgen, wie die weltanschauliche Bindung aus da« Programm jeder Partei ursächlich einwirkt. Nachdem im November 1918 die sozialistischen Volksbcauftragten den Frauen das Stimmrecht gegeben hatten, haben auch die bürgerlichen Por- teien Frauen zur Mitarbeit herangezogen, da ja jetzt für jede Partei die Frauen als Wählerinnen von großer Bedeutung waren. Hitler sagt in seinem Programm nichts Ausdrückliches gegen die politische Betätigung der Frauen, diese Aufgabe hat er seinen einzelnen Pg.s überlassen. Und daß die Nazis praktisch gegen jede Mit- b e st i m m u n g der Frauen an der Gesetzgebung sind, haben sie ja bewiesen, befindet sich doch in ihren Reihen nicht eine einzige weibliche Abgeordnete. Allein innerhalb der sozialistisch organi- sierten Arbeiterschaft gibt es keinerlei gesonderte„Frauenfragen", es gibt bei uns nur den gemeinsamen Kampf von Männern und Frauen für die Interessen der Arbeiterklasse. Die Genossin Bohm-Schuch zeigte die große unüberwindliche sittliche Kraft, die uns den Kampf für das Wohl des internationalen Prole- tariats und damit für die Aufwärtsentwicklung der ganzen Mensch- heit führen läßt. Nachdem wir mit Kaffee und Pflaumenkuchen in nettester Weise bewirtet worden waren, kamen wir in dem großen Festraum der Schule zusammen, wo die Genossin Röder-Großmann dem Bezirksvorstand, der Schulleitung und den Reserentinnen unseren Dank für diesen Kursus aussprach. Und dann klang, gemeinsam gesungen mit unseren Bergarbeitergenossen, die I n t e r n a t i o- n a l e durch den Raum. Freude, Kampfesmut und Zuversicht und das Wissen von der Verbundenheit aller arbeitenden Menschen über alle Grenzen hinweg im Kamps für den Sozialismus, das war die Quintessenz dieses Wochenendes. tt „Eine Frau wie du und ich Sie war für ihre Zeit bedeutend, ungewöhnlich und berühmt. Man schrieb über sie und sprach von ihr. Ihr eigenartiges, nach außen hin exzentrisches Wesen und ihre LeberGweise waren All- gemeingut einer Epoche und entsachten erbitterte Parteinahme für und gegen sie in Literatur und Gesellschaft. George Sand, die berühmte Französin des vorigen Jahr- Hunderts, die nach außen hin selbständig, frei, männlich war, sie führte in ihrem Alltag hinter den Kulissen des öfsentlichen Lebens den Kampf, den jede Frau ausfechten muß. Auch sie suchte Er- füllung im Mann, im Kinde: auch sie ging den Leidensweg über eine unbefriedigende, unglückliche Ehe, über Leere und Ziellosigkeit zu einem erträumten, dann lebendig gewordenen Inhalt. Ihr Lebensweg ist ein ewiges Ringen nach restloser Erfüllung in der Liebe, eine ewige Sehnsucht nach imaginärem Glück im Eros. Sie verband ihr Leben mit dem der berühmtesten Männer der da- maligen Zeit: Sandeau— M u s s e t— Chopin— Flau- b e r t: die brachten ihr alle fruchtbare, schöne Stunden, aber auch Qual, Kampf und Unruhe. Keine der Verbindungen schenkte ihr den ersehnten Frieden, keine das ersehnte Glück. Sie fand es nur in ihrer Arbeit vielleicht, die den größten Teil ihres Lebens aus- füllte. Sie schrieb ungeheuer viel, sie schuf Welten und Gestalten im Ueberschwang einer gesegnet reichen Phantasie— Gestalten, die Erfüllung des nie Erreichten und ewig Erträumten bedeuteten. Es ist wahr, daß sich im Leben und Ringen der George Sand — in der Freude, im Leid— jede Frau der Gegenwart wiederfindet. Die in ihrer Zeit mißverstandene und eigen- artige Frau ist hundert Jahre später eine Schwester vieler Frauen, die erst heute, nach hundert Jahren, ihre Lebensform gefunden haben. Die Verfasserin des Buches„Eine Frau wie du und i ch"(Roman der Liebe um George Sand, Carl Reihner Verlag), Victoria T. Wolf, hat sich die lohnende Ausgabe gestellt, diese vielumstrittene Persönlichkeit ans Licht der Wahrheit zu heben und ihr Leben darzustellen, wie es sich außerhalb der Literaturkritik und Zeitmoral abspielte. Sie wollte George Sand, die Mihver- standene, verstehen und unserer Zeit, deren Kind sie sein könnte, nahebringen. Leider ist ihr dieser Versuch nicht ganz gelungen. Das Buch ist ein merkwürdiges Gemisch von wissenschaftlichen Literaturexzerpten und dichterischer Komposition. Es ist weder eine Biographie noch eine freie dichterisch empfundene Lebensskizze. Für eine Biographie ist das Leben der George Sand zu dürftig, zu flüchtig und zu matt geschildert, zur Dichtung reichte die Begabung nicht aus— der Versuch, durch laienhafte psychoanalytische Alltags- Weisheit die seelische Problematik der George Sand zu erklären, wirkt geradezu grotesk. Galt es, uns George Sand als eine Frau nahezubringen, die den Mut hatte, alle Fesseln der damaligen Moral zu zerreißen, sich selbständig zu machen und ein eigenes, aus tiefster Erkenntnis geformtes Leben zu führen—, uns, die wir heute alle die Freiheiten genießen, die sie sich erst erkämpfen mußte—, so ist das der Verfasserin durchaus nicht gelungen. Dr. Mana Fassbender, Was der Sport bringt Die nächsten Veranstaltungen im Arbeitersport Der Damen-Wassersportk�b Schwarz-Rot-Gold, der Frauen- Wassersportverein„Republik", der Wassersportverein Havel e. V. und die Wassersportabteilung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold veranstalten am Sonntag, 18. September, 14 Uhr, vor dem See- Pavillon in Tegel ihre diesjährige große Ruder-, Kanu- und Außenbord motor-Regatta. Bei dieser Vereinregatta wird verschiedenartigster Sport gezeigt, so z. B. Außenbordmotorenrennen mit Start vor den Tribünen bei stehendem Motor, Vierer- und Achterrennen, Stilrudern, Paddelrennen und Paddeloierer- rennen um die Meisterschaft. Um allen Interessenten Gelegenheit zu geben, der Ragatta beizuwohnen, ist der Eintritt frei. Großkampftag der Schwerathleten. Der Berliner Kreis des Arbeiter-Athletenbundes bringt am Freitag, 16. September, 19� Uhr, im Viktoriagarten, Am Treptower Park 25, einen Großkampftag in allen Sparten zur Durchführung. Im Ringen stehen sich in allen sieben SÜassen die besten des Kreises gegenüber, um die Berliner Sädtemannfchaft zu ermitteln. Im Heben starten von Lichtenberg-Friedrichsfelde Schulz, Pöckern und Walluschuk gegen Wiese, Hinze und Ecks von Sparta und es dürste zu einem spannen- den Duell im zweiarmigen Reihen und Stoßen zwischen den zur Zeit stärksten Hebern kommen. Die I i u- I i t s u e r werden eben- falls mit ihrer sanften Kunst vor die Oesfentlichkeit treten. Jm� Boxen dürfte es manche Ueberrafchung geben. Im Fliegen- und Bantamgewicht stehen die Sieger in Kloß-„Tegel" und Henneberg- „Faustkämpfer" wohl schon fest, während es in den anderen Klassen hoch hergehen wird. Es kämpfen im Federgewicht Gymrek-Britania gegen Knauf-Alt-Wedding, im Leichtgewicht Preller-Faustkämpfer gegen Rickisch-Tegel, Weltergewicht: Koch-Britania gegen.Thomae- Alt-Wedding, Mittelgewicht: Molinski-Faustkämpfer gegen Hedrich- Britania, Halbschwergewicht: Jacobson-Faustkämpfer gegen Schmidt- Britania, Schwergewicht: Amelung-Faustkämpfer gegen Löschen- Tegel. Herbsksportfest am Wedding! Am Sonntag, 18. September, ver- anstalten die im Kartell für Arbeitersport und Körperpflege, Bezirk W e d d i n g, zusammengeschlossenen Arbeitersportvereine im Volks- park Rehberge ein großes H e r b st s p o r t f e st. Beginn der Beranstaltung um 14 Uhr mit dem Einmarsch oller Teilnehmer und der allgemeinen Gymnastik. Es folgen neben den leichtathletischen Dreikämpfen für Mitglieder aller Sparten zahlreiche Spiel«'aller Art, Stafetten und Sonderoorführungen der Vereine. Die Medizin- ballübungen und das Turnen an Geräten vom Volkssport Wedding werden ebenso wie die Box- und Ringkämpfe und das Gewicht- heben von Alt-Wedding aus dem reichhaltigen Programm hervor- ragen. Je ein Hockey-, Puhsball-, Handball- und Fußballspiel im Stadioninnenraum und die Faustballspiele und Spiele der Kinder auf der großen Spielwiese werden dem Fest einen großen Rahmen geben. Zum Fußballspiel treffen die bekannten Weddinger Vereine BFC. Hansa 31 und BFC. Alemania 22 mit ihren ersten und zweiten Mannschaften zusammen, während im Hockey der ASV. Wedding die Freie Turnerschaft Groß-Berlin, Bezirk Osten, zum Gegner hat. Den Handballfreunden wird durch das Spiel der ersten Weddinger Bolksfport-Frauenmannschaft gegen die erste Mannschaft von Frohe Stunde ein sehr gutes Werbespiel geboten. Ein kreis- offenes Faustballturnier unter Durchführung durch die Freie Lehrer- sportvereinigung wird zahlreiche Mannschaften des Kreises zu- fammenführen. Meldungen hierzu sind bis spätestens Freitag. 16. September, an die Kartellgeschäftsstelle zu richten. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei: Programm 19 Pf Alle Meldungen und Anfragen an Karl Müller, R. 65, Reinickendorfer Str. 47. 4- Zweistunden-Dauerrennen auf der Olympiabahn. Mit einem Dauerrennen über zwei Stunden wartet die Berliner Olympia-Rad- rcnnbahn am kommenden Sonntag, 18. September, auf. Als Teil- nehmer gelten bisher der Spanier Prieto, der Franzose Maronnier sowie Metze-Dortmund und Dederichs-Köln. Argentinier in der„Reuen Welt". Zwei internationale Be- gegnungen stehen auf dem B o x p r o g r a m m, das am Donners- tag, 15. September, 29.39 Uhr, im Ring der„Reuen W e l t" zur Abwicklung kommt. Onofrio Russo, einst Halbschwergewichtsmeister von Argentinien, tritt gegen Trollmann-Hannover an, und sein Landsmann Carlos Zaoala, ein Federgewichtler, geht mit Schiller- Hannover in den Ring. Mehr noch als diese beiden Treffen dürfte jedoch der KaOpf zwischen dem erstmalig im Halbschwergewicht sich versuchenden�eutschen Mittelgewichtsmeister Erich Seelig und dem starken Spandauer Eggert interessieren. Vervollständigt wird das Programm durch die Begegnungen Hopp-Berlin gegen List-Zwickau im Bantamgewicht und Felten-Dresden gegen L. Hofsmann- München im Schwergewicht. AcUvUe-l&mis Friedrichshain-Lichtenberg 10: 8 Das herbstlich-kühle Wetter wird nunmehr endgültig den Schluß der Tennissaison bringen, die in diesem Jahre ganz besondere reich an wichtigen Treffen war. Eines dürfte feststehen, daß auch im Bundesmaßstab Berlin und hier besonders die Frauen ein- wandfrei die führende Stellung einnehmen. Am vergangenen Spieltag ianden zwei wichtige Treffen statt: Tennis-Rot- Friedrichshain gegen Tennis-Rot-Lichten- berg und das Vereins tu rnier der FTGB. Beide Ver- anstaltungen konnten des Wetters wegen nicht bis zum Schluß durchgeführt werden. Das Torsotreffen Friedrichshain— Lichtenberg endete erwartungsgemäß mit einem Sieg der Friedrichshainer. Mit dem einsetzenden Regen führte Friedrichshain 19: 8, bei drei ab- gebrochenen Treffen führte Friedrichshain sicher, z. T. überlegen. Den Friedrichshainern wird in allen Kämpfen vorläufig die Ueber- legenheit der Frauen nicht zu nehmen sein, sie versagen eben nie, was man von den Männern nicht so ohne weiteres behaupten kann. Bei Lichtenberg zeigte sich aber eine einwandfrei« Ueberlcgenheit der Nachwuchsspieler. Das dürfte andere spielstarke Abteilungen veranlassen, sich intensiv um den Nachwuchs zu kümmern. Die Lichtenberger Techniker haben best« Erfolge zu verzeichnen, sie sind mit ihrer Methode auf dem richtigen Weg. Das Treffen dürste aber auch den Beweis erbracht haben, daß Friedrichshain und Lichtenberg auf jeden Fall die beiden spielstärksten Abteilungen des 1. Kreises sind. Ueber das Bereinsturnier der FTGB. haben wir gestern berichtet. Die Tennisspieler werden nun, ganz besonders bei Tennis-Rot, den Tennis- mit dem Hockeyschläger vertauschen, andere Gruppen spielen Handball. „Solis" Bahnmeisterschaft Vor zahlreichen Zuschauern veranstaltete die Bennfahrer- abteilung Berlin-Mitte des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer-Bundes „Solidarität" ihr letztes diesjähriges Bahnrennen auf der Stadionbahn in Wannsee. Leider konnte das Programm nicht voll durchgeführt werden, da beim Beginn des Regens sich die Rennleitung genötigt sah, die Rennen abzuläuten. Doch konnte das Fliegerrennen und ein Iugendrennen noch ausgefahren werden. Das Fliegerrennen, das über einen Kilometer als Berliner Meister- schaft ausgefahren wurde, mußte in fünf Vorläufen, vier Zwischen- laufen und 15 Endläufen gestartet werden. Weil bei den Endläufen nur immer zwei Mann auf der Bahn waren, da ja Mann gegen Mann kämpfte, machten sich die vielen Endläufe notwendig. Der Charlottenburger Sachtleben holte sich den Titel als Berliner Meister. Das Iugendrennen über 5 Kilometer mit Punktwertung sah den Berliner Kracke als sicheren Sieger. Fliegerrennen, Berliner Meisterschaft, 1 Kilometer: 1. Eachtlcben, 10 Punkte: 2. Herzog, 9 P.; 3. Schulze, 8 P.; 4. istcinholz, 7 P.— Jugend. rennen, ä Kilometer: I. Krolle, 20 Punltc, Zeit: 7: 43: 2. Ludwig, 11 P.I 3. Glllck. 6 P._ «Alt-Wedding 83" beschließt den Sommer Der bundestreue Sportklüb„A l t- W e d d i ng 8 3" beendete auf seinem idealen Trainingsplatz, dem Wassersportplatz in Plötzen- see, das diesjährige Sommertraining. In Luft und Sonne haben sich hier die Kraftfportler glänzend für die Veranstaltungen des Winters vorbereiten können. Die Abwicklung einer großen Werbe- Veranstaltung oerhinderte— nach einem schönen Beginn— der einsetzende Regen'. Es konnten gerade einige flotte Kämpfe im Box- ring abgewickelt werden. Die beiden Klubkameraden Dabbert und Wölbling trennten sich im Fliegengewicht mit einem Unentschieden. Die drei Runden der Leichten Potzkowski-NO. gegen Ullmann-A.-W. blieben offen. Unentschieden trennten sich auch Munter-NO. gegen Reimers-A.-W. und die Weltergewichte Thonrae-A.-W. gegen Grande-NO. Trotz des reichlich kühlen Wetters zeigten einige H e b e r an der Scheibenstange recht achtbare Leistungen. JPreiwlauer Berg II" Segelflugzeug-Taufe auf dem«Exer" Erst vor wenigen Wochen zeigte die„S e g e l f l u g- B e r- einigung Prenzlauer Berg" in einer Rohbauausstellung eine Anzahl von Segelflugmodellsn, unter denen sich auch eine große Maschine befand. Wohl wenige der interessierten Besucher jener Ausstellung dachten wohl daran, daß es nur kurze Zeit später oereits zur Taufe dieses Apparates kommen würde. Am Sonntag fand sie statt. In seiner Begrüßungsansprache streifte der Vorsitzende kurz die Geschichte des Vereins. Im Januar fanden sich 18 Mann zu- sammen, die dem Flugsport auf dem Exerzierplatz in der Schönhauser Allee eine neue Heimat geben wollten. Sofort wurde auch mit dem Bau einiger Modelle begonnen, von denen das eine dann zum Muster für die zur Taufe stehende große Maschine oerwendet wurde. Bereits im Juni konnte der Verein 36 Mitglieder zählen, die es durch unermüdliche Werbung jetzt auf 54 Gleichgesinnte brachten. Daneben vergaß man auch nicht, die Jugend und Schüler für die Sache zu interessieren, die unter der Leitung ihres Jugendleiters mit einer Modellschau auswarten konnten. Stadtrat Friedländer vom Bezirksamt Prenzlauer Berg betonte in seiner Taufrede den Idealismus der Erbauer.„Prenzlauer Berg II"(so heißt bin harter Bord-an-Bord-Kampf zweier 2V-Quadratmeter-Jollenkreuzer bei den Regatten Freien Segler. Das Bild zeigt„Min-Ruh"-T«gel „Frohsinn II"-Nordstern. der und die neue Maschine) wird aus seinen Flügen beweisen, daß durch Kameradschaft und Einigkeit auch von nur wenigen beachtenswertes geschaffen werden kann. Koegreij der SASI Wo fändet die nächste Olympiade statt?— Drei Ptcäle sind das Zeichen..! Der Kongreß der Sozialistischen Arbeitersport- Internationale, der in Lüttich tagte, beauftragte in seinen weiteren Verhandlungen das Internationale Büro, einen Ausschuß zu wählen, der zu prüfen hat, ob das 3. A r b e i t e r- O�l y m p i a 19 37 in Antwerpen, Helsingfors oder in einer anderen Stadt ver- anstaltet werden soll.— Die Arbeiter-Schachinternat o- nale hat sich aufgelöst und ist der SASI. beigetreten. Um jährlich in allen Ländern zu gleicher Zeit die Idee des Arbeitersportes in den Vordergrund zu rücken, ist festgelegt worden, jährlich am 24. Juni einen Weltarbeitersporttag abzu- halten.— Verschiedene Landesverbände der SASI. haben in Amerika Vereine und Ortsgruppen. Um dem Gedanken des Arbeiter- sportes in USA. mehr als bisher Ausdruck zu geben, sollen alle dortigen Arbeitersportvereine mit Hilfe der europäischen Arbeiter- sportverbände zu einer gemeinsamen Organisation vereinigt werden. — Die Anträge des Erziehungsausschusses wurden nach vorzüglichen Vorträgen von Dr. Steinemann-Bern und Devlieger- Lüttich einstimmig angenommen. Entsprechend den Anträgen hat jeder Verband die Pflicht, seine Mitglieder für die freien Gewerk- schaften und die politische Partei zu gewinnen. Neben der„Jnter- nationale" ist auch das Lied„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit" internationales Bundeslied.— Deutschland ist beauftragt worden, die Grundlagen zu fchassen für die Gründung eines Gesund- heitsausschusses innerhalb der SASI. Empfohlen wird, die Freiheitspseile Deutschlands als einheitliches Abzeichen, und den Gruß„Freiheil" mit geballter, er- hobener Faust als einheitlichen Gruß der wellarbeitersporller einzuführen. Die Wahlen ergaben die einstimmige Wiederwahl des bis- herigen Büros, der Untersekretäre und der Ausschüsse. Die Unter- drückung des Arbeitersporte in Polen kam dadurch wieder einmal deutlich zum Ausdruck, daß den polnischen Dele- gierten von ihrer Regierung die Ausreise verweigert wurde. Meiuec Sped i/ou ü&eccdt volksbühnen kabarett beim„Volkssport Reukölln-Brih". Im Rahmen der Werbeveranstaltungen für die Volksbühne findet am Mittwoch, 14. September, im städtischen Saalbau. Bergstraße 147 in Neukölln, ein Kabarettabend für den„Volkssport" und seinen großen Freundeskreis statt. Beginn der Veranstaltung 19.39 Uhr, Eintritt 49 Pf. bzw. 29 Pf. für Erwerbslose und Jugend. Karten sind noch zu haben bei den Funktionären und in der Volkssport- Geschäftsstelle, Neukölln, Stuttgarter Straße 18. Vereinigung Lichtenberger Faustkämpfer. Die Vereinigung, die dem Arbeiter-Athletenbund angeschlossen ist, beginnt demnächst mir neuen Kursen im Boxen und in Gymnastik. Anmeldungen von Schülern, Jugendlichen und Erwachsenen werden in der Uebungs- Halle Bromberger Straße 14(nahe Bahnhof Warschauer Straße) Montags und Donnerstags von 19)4 bis 21 Z4 Uhr entgegen genommen. Der Boxkampf Schmeling— Walker verlegt. Den neuesten Mel- düngen aus New Jork zufolge, ist der für den 19. September ge- plante Kampf zwischen Max Schmeling und dem einstigen Mittel- gewichtsweltmeister Mickey Walker auf den 23. September oerlegt worden. Mickey Walker hatte sich einen Furunkel am linken Arm zugezogen. Es erscheint etwas merkwürdig, daß der Kampftag nur um vier Tage verschoben wurde. Die Vermutung liegt nahe, daß die veranstaltende Gesellschaft mit dem Vorverkauf nicht zufrieden ist und auf diese Weise noch einige Tage Zeit gewinnen will. Und wieder«leuchtender Ball". Schon einmal, vor Jahresfrist, wurden die Sportler mit einer Neuigkeit auf dem Gebiete des Sportmaterials beglückt: Zwei Fuß- ballmannfchaften spielten mit einem leuchtenden Ball. Die Sache konnte sich beim Fußballspiel nicht durchsetzen, jetzt versuchen die Handballer ihr Glück damit. In der Niebuhrstrahe, am Bahnhof Charlottenburg, werden morgen die beiden spielstärksten Handball- Mannschaften der Berliner Arbeitersportler, Volkssport Wedding und FTGB. Süden, ein Probespiel mit dem Ball austragen. Wenn der Platz, wie angekündet, durch Scheinwerfer beleuchtet wird, ist«in leuchtender Ball eigentlich nicht mehr notwendig. Andererseits aber kann man bei unbeleuchtetem Platz die Spieler nicht mit der not- wendigen Sicherheit unterscheiden. Das Spiel beginnt um 19.39 Uhr. Vorher werden sich die Frauenmannschaften des ASV.-Schöneberg und der FTGB.-Südost gegenüberstehen. Asphalt, und Scheren-vlelslerschaften im FKLD. Der Gau Berlin des republikanischen Freien Keglerbundes Deutschlands trug in der Berliner Kegelsporthalle die diesjährigen Meisterschaften auf Asphalt und Schere aus. Im Gau I errang die Klubmeifterschaft auf Asphalt der SKK. Marathon mit 2S9ü-Holz bei Fünicrwertung je 199 Kugeln, die Einzelmeisterschaft W. Meier(Hohe Kante) mit 544 Holz. Die Klubmeisterschaft auf Schere holt« sich ebenfalls der SKK. Marathon mit 3198 Holz, die Einzelmeisterschast E. Sorgalla (Aha) mit 715 Holz. Im Gau II: Asphaltmeisterschoft SKK. Olympia mit 2624 Holz, Einzelmeisterschaft O. Wieland mit 548 Holz. Scherenklubmeisterschaft SKK. Derby mit 3399 Holz, Einzelmeister- schaft K. Voigt(Derby) 799 Holz. Buud&siceut l/esewte teilen u*ii: Ilnnis.Rst Groß-Berlin e. B. Alle Vorstandsmitglieder und die Obleute der Abteilungen treffen sich Mittwoch, 14. September, 20 Uhr, in der Geschäfts- stelle, Elsässer Str. 83— 88, zu einer außerordentlichen erweiterten Vorstands- sitzung. Vollsfport Neutölln-Briß, Sportabteilung. Das Hallentraining in der Turnhalle am Hergbergplan beginnt Dienstag. 13. September, 20 Uhr, für die Frauen- und Kindersportabteilung erst im Oltober. Interessenten melden sich bei Willi Braunsdorf, Neukälln, Knefebeckstr. 88, bei Schmidt. Die Hilfe gegen Gicht und Rheumatismus. Sie wissen kein sicheres Mittel gegen diese Plage- geister'? Einreibungen, Packungen, Bäder,«salben usw. lindern meistens nur für einige Zeit oie Schmerzen, aber sie packen nicht immer das Uebel an der Wurzel. Ich empfehle Ihnen ein wirklich erprobtes Mittel, und Sie sollen es selbst versuchen, ohne daß es Sie etwas kostet: aber ehe ich Ihnen mehr jage, lesen Sie die folgenden Briefe: Ich kann nicht umhin, Ihnen meinen herzlich- der sten Dank für die ausgezeichnete Wirkung Gichtosint-Tabletten auszusprechen. Es ist doch ein Radikalmittel zur Beseitigung jeglicher schmerzen. Ich bin alle Schmerzen los, ja selbst die Schwellungen im Hüft- und Knie- gelenk sind verschwunden und kann bei meinem Alter von 64 Jahren, jetzt bei jedem Wetter, täg- lich Fußmärsche von 3— 4 Stunden ohne Unterbrechung unternehmen und ohne hernach Schmer- zen oder übermüdete Anstrengungen zu verspüren. F. L. in G. Vor einem Jahre bekam�ich Jschiasleiden und war so weit, daß ich ohne Stock kaum noch gehen konnte. Da los ich etwa» von Gichtosint-Tabletten. Als ich eine Woche diese Kur durchgemacht halt<, konnte ich schon den Stock in die Ecke stellen. Nach 4 Wochen war ich vollständig geheilt und konnte die schwerste Arbeit in der Landwirtschaft mitmachen. Auch bei Wetterumschlag spüre� ich nichts mehr. Ich gehe in landwirtschaftliche Stel- lung, welches mir früher meine Gesundheit nicht erlaubte. Ich danke Ihnen für die wunderbare Kur usw.... mit freundlichem Gruß. A. Z. in B. Gichtosint hat mir sehr gute Dienste getan. Der letzte Rheumaanfall im Januar d. I. war nach kurzem Gebrauch der Trinkkur behoben. Ich habe nach 19jährig«m Leiden einen angenehmen Winter verleben dürfen, wofür ich Ihnen von Herzen dankbar bin. Hochachtend O. I. in F. Solche Briefe besitze ich über 11 999(notariell beglaubigt), und nun hören Sie weiter: Gicht und Rheumatismus können nur von innen heraus wirklich kuriert werden, durch Entgiftung des Blutes. Dieses ist verunreinigt durch zurück- gebliebene harnsaure Salze, und diese müssen heraus, sonst nützt alles Einreiben und Warm- halten nichts. Zur Beseitigung der Harnsäure dient das Gichtosint. Äie können das glauben oder nicht, aber Sie sollen keinen Pfennig dafür ausgeben, ehe Sie sich überzeugt haben. Teilen Sie uns Ihre Adresse auf einer Post- karte sofort mit und adressieren Sie diese an: Dr. Schwanz, Berlin A. 275, Friedrichstraßc 19: es geht Ihnen dann vollständig kostenfrei eine Probe Gichtosint mit weiteren Aufklärungen und genauer Gebrauchsanweisung zu.