Morgenausgabe Nr. 443 A 216 49.Iahrgang Wöchentlich 78 Pf. monatlich 3,28 M, (baoon 87 Pf, monatlich für Zustel- lung ins Hans) im voraus zahlbar, Postbezug 3,»7 M. einschließlich so Pf, Poslzeitungs- und 72 Pf. Posibestellge- bühren-Auslandsabonnement 8,65 2JI Dco Monat; für Länder mit ermäßig- tem Drucksach envorto 4,65 M Lei Ausfall der Lieferung megen höherer Gemalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Ersaß, Erscheinungsweise und Anzeigenpreise liehe am Schluß des redaktionellen Teils W-VMW.». Berliner SolkSblatt Dienstag 20. September 1952 Groß-Lerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Jentvalovgan der Sozialdemokratischen Partei DeutschtanN� Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 kZernspr.: Dönhoff(A T) 292— 297. Telegranini-Adr.: Sozialdeinokrat Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: BeÄin37ö3K.—Banklomo:BanlderArbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. S. Dt.B.u.DiSc.-Ges.. Deposttenk.,J«ruIal«iner Str. KS/KS. Hendersons Antwort. Cr glaubt an den Enderfolg der Konferenz. Genf, 19. September.(Eigenbericht.) Der Präsident der Abrüstungskonferenz Arthur hender- s o n hat am Montag auf die Absagenote Deutschlands an die Abrüstungskonseren; eine schriftliche Antwort erteilt, die gleichzeitig den übrigen im Büro der Abrüstungskonferenz vertretenen Mächten zugestellt wurde. henderson bedauert Deutschlands Absage und widerlegt deren Begründung, dah angeblich in der vertagungsentschliehung vom ZZ. Zuli bereits ein weit hinler den Bestimmungen des Ver- sailler Vertrages zurückbleibendes Konferenzergebnis festgelegt sei. Er verweist dann aus die Formet der Entschließung, wonach eine ollgemeine, fühlbare Abrüstung grundsätzlich beschlossen sei für die e r st e E t a p p e, ohne weitgehende Abmachungen in späteren Etappen auszuschließen. Außerdem lasse die Entschließung ausdrücklich den Weg o s s e n für noch stärkere Abrüstungs- Vereinbarungen im zweiten Teil dieser Konserenz sowie für alle politischen Anträge. Darüber hinaus erinnert henderson an seine Schlußrede vor der Abstimmung am 2Z. Zuli, in der er eine große Ernte aus den monalelangen Vorbereitungen vorausgesagt und erklärt habe, daß er den Vorsitz niedergelegt hätte, wenn er nicht vom Kommen dieser Ernte überzeugt wäre. Er sei auch sicher, daß alle, die für die Entschließung gestimmt hätten, nach Gens zurückkehrten mit dem festen Entschluß, alles für eine gute Ernte und das Zustandekommen einer allgemeinen Konvention zur fühlbaren Herabsetzung aller Rüstungen in der Welt zu tun. Dies sei heute noch seine tiefe und ausrichtige lleberzeugung. Er hosse ernsthast, daß Deutschland seine Entscheidung nochmals an Hand dieser Ueberlegungen prüfen und von neuem sobald wie möglich an den Arbeiten de» Büros teilnehmen werde. Dies um so mehr, als ein längeres Fernbleiben Deutschlands die allgemeine Abrüstung schwer bedrohen könne. henderson hatte am Montagnachmittag mit dem Vizepräsidenten der Abrüstungskonferenz politis und dem Berichterstatter Benesch eine Besprechung über das Programm der Tagung des Büros der Abrüstungskonferenz. Amerika mischt sich nicht ein. Washington, 19. Septeznber.' hohe Beamte des Staatsdepartements erklärten, daß der Streit um die deutsche Gleichberechtigungssorderung eine rein europäische Angelegenheit sei und daß die amerikanische Regierung eine Einmischung ablehne. Stimson lehnte jede Erklärung ab, sowohl über die englische Stellungnahme als auch über den Inhalt der Montagsbesprechung zwischen Herriol, Edge und Reed. Der Staatssekretär betonte lediglich, daß Edge keine Anweisungen bezüglich der amerikanischen Haltung gegenüber der deutschen Forderung erhalten habe. Reed habe zur Zeit keinen Austrag, über Abrüslungssrogen zu verhandeln. Zn hohen amerikanischen Kreisen wird immer wieder betont, daß sich das amerikanische Interesse in Europa aus die Abrüstung beschränke. Die amerikanische Regierung lehne es ab. in internationale Manöver verwickelt zu werde«. Landtag als Zieichstagserfatz. Der neueste Aazidreh.- Der Reichskanzler soll im Landtag gewählt werden. Ueber den Empfang des Landtagspräsidenten K e r r l durch den Reichspräsidenten wird vom Pressedienst der .NSDAP, ein Bericht ausgegeben. Er zeigt Kerrl in strahlender Beleuchtung als den Schützer der Verfassung und Demokratie gegen Papen— ganz nach dem Vorbild von Göring. cherr Kerrl hat danach Beschwerde geführt darüber, daß die kommissarische Verwaltung sich nicht auf„die Wieder- Herstellung von Ruhe und Ordnung" beschränkt habe, sondern unter Ausschaltung des Landtags einschneidende Maßnahmen durchführe. So habe er seine Forderung nicht verstanden, daß der Reichspräsident einschreiten solle, er habe vielmehr eine Notverordnuna gewünscht, in der der Reichspräsident anordne, daß ein preußischer Minister- Präsident mitrelativerMehrheitgewählt werden könne. Nach diesen Darlegungen trug— immer nach diesem Bericht— Herr Kerrl dem Reichspräsidenten den neuesten Plan der Nazis vor: „Nach den Zeitungsmeldungen mußte er annehmen, daß die Reichsregierung und auch der Herr Reichspräsident besonders Gewicht darauf legten, eine Reichsreform durchzuführen, durch welche der Dualismus beseitigt und eine Personalunion Preußen- Reich durchgeführt werden soll. Eine verfassungsändernde Mehrheit, die an sich dafür erforderlich sei, wäre im Landtag wohl kaumzu sinden, Wohl aber könne sich im Einverständnis mit der Mehrheit der Vertretung des preußischen Volkes, dem Land- tage, ein gangbarer Weg dadurch ergeben, daß ein vom preußischen Landtag gewählter Ministerpräsident zum Reichskanzler ernannt wird. Da soll der Preußische Landtag als Reichstagsersatz dienen! In Preußen soll ein Ministerpräsident von Nazis und Zentrum gewählt werden, und dieser preußische Minister- Präsident soll dann Reichskanzler werden. Das ist eine neue Variante in der Fülle der Kombinationen, die die Nazis jetzt anstellen! Man könnte es beinahe einen Dreh nennen! Der Bericht schließt: „Nach dem Vortrage des Herrn Landtagspräsidenten fand ein« Aussprache statt, an der sich der Herr Reichspräsident sowohl. als auch der Herr Reichskanzler lebhaft beteiligten." Leider wird über die Aussprache nicht berichtet, und das ist schade. Es wäre doch interessant zu wissen, ob Herr Kerrl daran erinnert worden ist, daß er den Reichskom» missar für Preußen gefordert hat, und was hindenburg und Papen zu dem neuen Nazidreh gesagt haben. Gtraßers Gorgen. Gegen Göring? Am Sonnabendabend sprach Gregor Straher in den Leipziger Messehallen, die im Gegensatz zu früheren Kundgebungen nur halb gefüllt waren. Seine Ausführungen klangen hier wie am folgenden Tage auf dem nationalsozialistischen Aerzte-Kongreß wenig zu- versichtlich. Straßer will gegen die Papen-Schleicher-Regierung nur deshalb den Kamps führen, weil sie Hitler um die Macht betrogen haben. Erst habe die Nazibewegung die Papen-Schleicher toleriert und dann habe man Hitler fallen lassen. Als Straßer auf die Ver- Handlungen mit den„Zentrumspfaffen" zu sprechen kam, wurde er von den Versammlungsbesuchern durch Zwischenrufe unterbrochen, In Braunschweig meinte er: Wir müssen weiterkämpfen, und nicht nur in der Tonart zu dem Ideengehalt des Kampfes der e r st e n Jahre zurückkehren. Wir werden in diesem Kampfe eine Sorte von Menschen verlieren, denen wir nicht nach- zutrauern brauchen, Die Verluste sieht Gregor Straher also schon als sicher an— aber etwas rätselhaft klingt die Mahnung von der Rückkehr zu früheren Methoden, Geht da-« gegen Göring und seinen Versassungstraum? Geht das gegen die neue Legalität? Will Gregor zu seinem Bruder Otto zurück? In die revolutionäre Periode von 1923? Sehr sicher scheint er sich nicht zu fühlen, sonst wäre er wohl deutlicher geworden. Oer Wahltermin. Der Reichspräsident, hat dem Vorschlag des Kabinetts zu- gestimmt, den Wahltermin für die Reichstagswahlen auf den ß, November festzusetzen. Der Erlaß einer entsprechenden Ver- ordnung steht bevor, Bestürzung in Berlin. Politik mit Wunschgebilden. Von einem besonderen Kenner der englischen Politik wird uns geschrieben: Die Bestürzung in der Wilhelm st raße über das britische Memorandum ist zweifellos aufrichtig. Denn die deutsche Diplomatie war wirklich davon überzeugt, daß sich England gegenüber ihrer Aktion mindestens„wohl- wollend.neutral" verhalten, wahrscheinlich sogar aktiv- fördernd betätigen würde. Ohne diese lleberzeugung wäre übrigens der deutsche Schritt gar nicht zu erklären, es sei denn,, daß man der Reichsregierung einen geradezu sträf- lichen Leichtsinn unterstellen würde, wie ihn selbst die kaiser- liche Diplomatie in der Vorkriegszeit zu Holsteins, Bülows und Kiderlen-Wächters Zeiten nicht an den Tag gelegt hat. Wahrscheinlich hat man im Auswärtigen Amt sogar einen positiven Grund gehabt, auf eine mehr oder minder freundliche Einstellung der Foreign Office zu spekulieren. In gut unterrichteten Kreisen wird versichert, daß M a c d o n a l d während der Konferenz von Lausanne dem Reichskanzler vonPapen.als dieser das deutsche Verlangen nach Gleich- berechtigung in der Abrüstung zur Sprache brachte, geant- wartet habe:„Damit rennen Sie offene Türen ein!" Von diesem Augenblick an war die Reichsregierung fest ent- schlössen, ihre große außenpolitische Aktion mit allen Konse- quenzen in die Wege zu leiten. Denn was konnte uns dabei schon viel passieren? Die Unterstützung durch England würde Italien erst recht ermutigen, uns gegen Frankreich zu sekun- dieren, und auch Amerika würde sich dann wohlwollend ver- halten. Der große außenpolitische Erfolg, der dem Kabinett Papen endlich die fehlende innerpolitische Basis verschaffen würde, schien aus nächster Nähe zu winken.— Und nun diese schroffe, abkanzelnde Antwort! In der Wilhelmstraße steht man vor einem Rätsel über die Gründe dieser plötzlichen Schwenkung in das französische Lager. Ist denn aber das Rätsel wirklich so schwer zu ent- Ziffern? Zunächst muß festgestellt werden, daß man in Berlin die Bedeutung des Konsultativpaktes, der am Ende der Konferenz von Lausanne zwischen England und Frankreich unterzeichnet wurde, erheblich unterschätzt hat. Man wollte eben nicht die unangenehme Tatsache zugeben, daß die alte„Entente cordiale" auferstanden war. Denn diese Erkenntnis hätte allzu leicht zu Vergleichen gereizt zwischen den außenpolitischen Erfolgen des„Systems" und den diplomatischen Früchten der„grundsätzlich neuen Staats- führung". So versicherte man hier, daß es sich bei diesem Pakt um eine bloße Geste, um eine reine Formalität handle, so belanglos, daß auch Deutschland bedenkenlos von dem Recht Gebrauch machen könne, dieser Vereinbarung nachträg- lich beizutreten. Daß aber damit schon ein erhebliches Hinder- nis für die geplante Aktion aufgebaut war, daß insbesondere diese neue Verpflichtung zu einem„offenen, gegenseitigen Meinungsaustausch über alle entstehenden Fragen" mit einer vertraulichen, rein deutsch-französischen Aussprache unverein- bar war, das begriff man hier anscheinend nicht. Denn man trieb jetzt Außenpolitik wie in den Zeiten des Krieges nicht mit Realitäten, sondern mit Wunschgebilden. Und wie in den Zeiten des Krieges wurde auch die deutsche öffentliche Meinung über die wahre Meinung des Auslandes, vor allem Englands, irregeführt. Diese Kriegs- presseamtsmethoden haben sich zu einem wahren politischen Krebsschaden ausgewachsen: wo immer ein ausländisches Blatt ein paar freundliche, schmeichlerische Wendungen über die Reichsregierung gebraucht, prompt werden sie durch die Nachrichtenagenturen ausführlich verbreitet. Die anderen, weniger freundlichen Stimmen des Auslandes werden ent- weder ganz unterschlagen oder mit einigen Worten abgetan. Denn sie könnten die„Stimmung" im eigenen Lande beein- trächtigen. Es ist übrigens nicht einmal sicher, daß wenig- stens die leitenden Persönlichkeiten des Reiches sie zu Gesicht bekommen. Dem Reichspräsidenten, dem Reichskanzler, dem Reichsaußenminister werden die angenehmen Aeußerun- gen des Auslandes bestimmt nicht vorenthalten..Aber die anderen?... Zwischen den freundlichen Worten Macdonalds in den Heute 19'- unr alles in den Sportpalast! ersten IuNtagen fn Lausanne un5 5cm furchtkaren Keulenschlag des englischen Memorandums Mitte September sind nur etwa zweieinhalb Monate verstrichen. Aber in diesem Zeitraum ist in Deutschland allerhand passiert, was von der übrigen Welt mit brennendem Interesse, aber auch mit wachsenderSorge verfolgt worden ist. Frei- lich: wie sollte das deutsche Volk, wie sollten selbst die Spitzen des Reiches über diese kritische Anteilnahme des Auslandes unterrichtet sein, wenn ihnen nur solche Stimmen vor- gesetzt werden, die ihnen angenehm in den Ohren klingen? Glaubt man denn in der Wilhelmstraße wirklich, daß England all dem gleichgültig gegenübersteht, was sich seit Lausanne bei uns abgespielt hat? Der Streich gegen Preußen ist drüben als der Triumph der Männer des Vorkriegsdeutschland empfunden worden, denen der„Mann auf der Straße" heute noch die Schuld dafür zuschiebt, daß nahezu eine Millipn junger Staatsbürger des Britischen Reiches in Flandern, in Rordfrankreich, in Mazedonien und bei den Dardanellen gefallen sind. Die 14 Millionen Stim- men, die Hitler als protegierter Bundesgenosse Popens bei den Reichstagswahlen erzielt hat, find in England als eine schwere Zukunftsdrohung für den europäischen Frieden be- trachtet worden. Dann folgte das deutsche Memorandum an Frankreich, das als solches gar keinen schlechten Eindruck machte, obwohl es schon peinlich vermerkt wurde, daß nicht nur der Reichsaußenminister, sondern auch der Reichs- w e h r m i n i st e r die Ueberreichung vollzogen; denn diese Aeußerlichkeit wurde als symptomatisch für den militari- st i s ch e n Charakter der heutigen deutschen Politik emp- funden. Indessen: geradezu katastrophal wirkten die fol- genden Ereignisse der letzten Wochen: 1. die säbelrasselnden Kommentare des Reichswehrmmisters v. Schleicher in Königsberg(„Auf jeden Fall!"), die als ultimative Drohung und als ein Zeichen dafür betrachtet wurden, daß es Deutschland gar nicht auf einen diplomatischen Verhandlungserfolg ankomme, sondern daß es entschlossen sei, sich über den Friedensvertag auf eigene Faust hinwegzusetzen; 2. die S t a h l h e l m p a r a d e auf dem Tempelhoser Feld, mit ihrer herausfordernden Schau einer noch unbe- waffneten, aber sonst feldmarschmäßig ausgerüsteten Armee von 150 000 Mann, mit Hohenzollernprinzen und Reichs- ministern als offiziellen Ehrengästen; 3. die als offizielle Militarisierung der Iugendverbände empfundene Schaffung des„Reichs- kuratoriums" unter Leitung eines Generals; 4. die Kiellegung des Panzerkreuzers C, just in dem Augenblick, in dem Deutschland so schwierige diploma- tische Verhandlungen eingeleitet hat. Ist es ein Wunder, daß diese Summierung von„Zu- fälligkeiten", die trotz aller schönen Beruhigungserklärungen herausfordernd wirken mußten, schließlich auch England auf die Nerven gegangen ist? Das Gegenteil wäre ein Wunder gewesen! Jetzt steht man in der Wilhelmstraße dieser„Schwenkung" hilflos gegenüber. Wie ist das bloß möglich, nach all den schönen aufmunternden Pressestimmen, die man täglich hat verbreiten lassen? In demokratisch regierten Ländern würde man eine Re- gierung, die ein solches diplomatisches Desaster, wie es das englische Memorandum darstellt, unverzüglich zur Rechen- schaft ziehen. In Deutschland ist es unter der„grundsätzlich neuen Staatsführung" nicht möglich. Es wird eben weiter präsidialregiert. Es fragt sich nur wie. Es fragt sich auch, wie lange noch. Wahrscheinlich so- lange, bis die„grundsätzlich neue Staatsführung" alles wieder zerschlagen hat, was das„System" in vierzehnjähriger, mühevoller, geduldiger Arbeit an außenpolitischen Erfolgen erreicht hatte, um Deutschland aus der Isolierung und dem Zusammenbruch wieder emporzubringen. Dann wird wohl das„System" wieder gut genug sein, um von vorne wieder anfangen zu dürfen._ Gemeindewahlen am 6. Aovember? Oer Gemeindeausschuß des Landtags beschließt Neuwahlen der Gemeindevertretungen am 6. November.- Entscheidung beim Staatsrat. Gestern fand eine Sitzung des Gemeindeausschusses des Preußischen Landtags statt. Auf der Tagesordnung stand ein An- trag der Nationalsozialisten, die Neuwahl der Gemeinde- Vertretungen und der Vertretungen der Gemeindeverbände am 6. November vorzunehmen. Zur Begründung wurde ausgeführt, daß die jetzige Zusammensetzung dieser Körperschaften dem Willen der Wählerschaft nicht mehr entspreche. Die Kommunisten sprachen sich für diesen Antrag'aus und beantragten weiterhin, daß alle diejenigen wahlberechtigt sein sollten, die am 1. November ihren Wohnsitz in der Gemeinde haben. Mit einer Mehrheit aus Nationalsozialisten und Kommunisten wurde demgemäß beschlossen. Der Staatskommissar war nicht vertreten. Ein Beauftragter des Staatskommissars wurde vom Ausschußvorsitzenden, dem Nationalsozialisten Lohse, aus dem Saale gewiesen mit der Begründung, daß er rechtzeitig zu erscheinen und ordentlich an der Sitzung teilzunehmen habe. Wenn er das aber nicht wolle, dann solle er seinem Staatskommissar sagen, daß auf eine solche Ver- tretung verzichtet wird. Mit diesem Antrage des Ausschusses wird sich am Mittwoch, 21. September, das Plenum beschäftigen. Da an der Annahm« im Plenum des Landtags jedoch kaum gezweifelt werden kann, liegt die endgültige Entscheidung, ob der Beschluß des Ausschusses Gesetz wird, beim preußischen Staatsrat. Es ist kaum anzunehpien, daß der Staatsrat auf sein Recht des Einspruchs verzichtet._ Unentwegte Splittersabrikantcn. In Kiel wurde dieser Tage die Nationaldemokratische Partei(NDP.) gegründet. Die neue Partei will unter Betonung des nationalen Gedankens alle republikanisch- demokratischen an der Privatinitiative festhaltenden ausbauenden Kräfte sammeln, die die tollektioistische wie auch die kapitalistsch« Idee ablehnen. Sie wird, wie erklärt wird, bei der kommenden Reichstaqswahl im Wahlkreise Schleswig-Holstein mit einer eigenen Liste auftreten.. Der Völkerbundkommissar In Dauzig, Graf Gravina, ist gestern abend gestorben. Milde für GA.-Banditen! Das Llrieil im Prozeß wegen der Eckernförder Ltnruhen. Siel, 19. September. Nach fünftägiger Verhandlung wurde am Montag abend vom Sondergericht das llrteit im Prozeß wegen des Sturmes aus dasEckernsörderGewerkschaftshausamItZ. 3uli d. 3. verkündet. Bei den Zusammenstößen waren zwei Reichs- bannerleute gelötet worden. Sechs Nationalsozialisten wurden freigesprochen. Der An- geklagte Hermann Schröder wurde wegen schwerer Körperverletzung und wegen Beteiligung am Landfriedensbruch zu insgesamt einem 3ahr drei Monaten Gefängnis, der Angeklagte Rhode wegen Landsriedensbruches, Körperverletzung und Raufhandels zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Die übrigen angeklagten Nationalsozialisten erhielten Gefängnisstrafen von drei Monaten bis zu einem Jahr. Die angeklagten vier Reichsbannerleute wurden wegen Körperverletzung zu fünf Monaten bzw. drei Monaten Gefängnis verurteilt. Die Untersuchungshaft wird angerechnet. Bei den drei Jugendlichen sehte das Gericht die Vollstreckung auf drei Zahre aus. -i-— Das Urteil ist von einer empörenden Milde. Man ver- gleiche dies Urteil mit dem Urteil gegen die Reichsbannerleute von O h l a u! Der Staatsanwalt hatte gegen Schröder 3 Jahre 6 Monate Zuchthaus, gegen R h o d e 3 Jahre Zucht- Haus beantragt. Das Gericht aber war milde, sehr milde, obwohl es sich um einen der schlimmsten Fälle von organi- siertem Terror handelte, bei dem zwei Menschen auf das brutalste ermordet worden sind! Die sozialdemokratische Arbeiterschaft wird dies Urteil wie manches andere nie- mals vergessen! Das sind Hitlers Kameraden? Die Beweisaufnahme im Eckernförder Sondergerichtsprozeß wegen des blutigen„Deutschen Tages" in Eckernförde war am Sonn- abend abgeschlossen worden. Rund 150 Zeugen sind vernommen worden. Das Sondergericht hat den nationalsozialistischen Angeklagten zu ihrer Verteidigung die weitest gehen- den Möglichkeitei- eingeräumt. Jeder von der Verteidigung gestellte Beweisantrag ist zugelassen worden. Daß dabei eine ganze Reihe vyn SA.-Leuten, die als Entlastungszeugen geladen waren, im Laufe der Vernehmung zu Belastungszeugen wurden, lag ganz zweifellos nicht im Sinne der Naziverteidigung. Da ober diese Nazizeugen zum großen Teil mehr oder weniger an den Vorgängen, die objektiv längst als Schuld der National- sozialisten geklärt sind, teilgenommen haben, war ihre Mand- lung durchaus erklärlich, handelte es sich doch zum großen Teil um ganz einfache Leute vom Lande, die einem Kreuzverhör nicht gewachsen waren und unter dem Druck der Vereidigung dann die Wahrheit sagten. Auffällig ist bei einer ganzen Anzahl von Nazi-Entlastungs- zeugen, daß sie immer gerade in dem Augenblick nichts mehr ge- sehen haben oder weggegangen sind, wenn die Sache für die Angeklagten brenzlich wurde. Verflucht hart om Meineid schien es zum Beispiel bei dem Sturmbannsührer Brennwert vor-, beizugehen. Dieser Naziführer gab z», daß er die Ss. hinters Gewerkschastshaus geführt habe. Angeblich sollte er verhindern, daß die Reichsbannerleute von hinten die SA. und SS. umzingelten. (Man stelle sich d<*s vor- 500 SA. und SS. werden von 30 Reichsbannerleuten umzingelt!). Dieser Nazisührer nahm auch auf seinen Eid, daß von hinten kein« SS.-Leute ins Gewerkschaftshaus ein- gedrungen seien. Zum mindestens habe er das nicht gesehen. Da er aber von Ansang bis Schluß dabei war und Dutzende von Zeugen von beiden Parteien übereinstimmend ausgesagt haben, daß die SS. von hinten zuerst eingedrungen ist. muß man schon annehmen, daß der tapsere SS.-Jührer Brennert im entscheidenden Augenblick die Augen zugemacht hat. Don beispielloser Roheit zeugt auch der Ueberfall aus den Kommunisten Kock, der sich ganz in der Nähe des Gewerkschasts- Hauses auf der sogenannten Holzbrücke zugetragen hat. Kock war auf der Brücke in eine große Meng« nach dem Gewerkschaftshaus marschierender SS.- und SA.-Leute hineingeraten. Der SA.-Mann Schröder erkannte ihn. Mit dem Ruf:„Das ist der größte Kom- munift von Eckernförde!" stürzte er sich auf Kock, schlug ihm die Fäuste ins Gesicht und versetzte ihm Fußtritte in den Unterleib. An der schweren Mißhandlung beteiligten sich auch die anderen SS.-Leute. Zwei Nationalsozialisten zogen schließlich Messer aus der Tasche. Kock sah keine andere Rettung als den Sprung in den Hafen. Als er im Hafen schwamm, bombardierten Dutzende von SS.- und SA.-Leuten ihn mit Steinen. Dieses Bombardement sehten die entmenschten Horden auch noch sorl, al» Kock von einem Motorboot ausgefischt wurde. Daß Kock mit dem Leben davonkam, hat er zweifellos nur seinem entschlossenen Sprung ins Wasser zu verdanken. Rufe wie: „Schlagt ihn tot!",„Ersauft ihn!" sind mehrfach gefallen. ÄeliischiKllivnale Scheiben zerstachen. Harzburger Bruderkrieg mit Stinkbomben. Weimar, 19. September. �Eigenbericht.) Das gegenwärtige Verhältnis zwischen den Ha�z» bürgern, also Nationalsozialisten und Deutschnotionalen, wird u. a. durch den Verlauf einer deutschnationalen Versammlung in Erfurt mit dem Vizepräsidenten des Reichstags Graes als Redner charakterisiert. Die in Erfurt erscheinende volksporteiliche„Thüringer Allge- meine Zeitung" berichtet darüber, daß das Versammlungslokal schon lange vor Beginn der Veranstaltung zum größten Teil von Nationalsozialisten besetzt war. Die Nationalsozialisten sangen ihre Kampflieder, riefen„Heil Hitler!", schimpften fortgesetzt und hinderten lange Zeit den Redner am Sprechen. Die Polizei mußte zweimal eingreifen. Sie entfernte eine ganze Anzahl Nationalsozialisten aus dem Saal. Trotzdem konnte sich der Redner nur schwer durchsetzen. Der Versammlungsleiter der Deutschnationalen Volkspartei sprach sein Bedauern darüber aus, daß sich die Anhänger einer nationalen Partei wie Flegel benähmen. Rufe fielen:„Ihr alten Ritter!" Ein Versammlungsteilnehmer oersucht« Hundegebell nachzuahmen. Als Graes von der endgültigen Beseitigung des parlamentarischen Systems sprach, riefen die Nazis:„Verfassungsbruch." Als er das Work Harzburg gebrauchke, rief man:„Das war der größte verrat." Graes meinte, der Sinn der letzten Wahl wäre gewesen, das Zentrum nicht wieder zur.Macht kommen, zu lassen, trotzdem hätten die Nationalsözsallsten versucht, mit dem' Zentrum eine Koalition zu bilden. Hitler habe die große Gelegenheit bei dem Empfang durch den Reichspräsidenten für immer verpaßt. Dem Reichstags- Präsidenten Göring warf Graes Unkenntnis der Versassung und der Geschäftsordnung vor. Die Zukunft gehör« der nationalen Bewegimg. Die Nazis riefen:„Aber nicht unter deutsch- nationaler Führung." Die„Thüringer Allgemeine Zeitung" berichtet schließlich:„Wie wir hören, sind in der deutschnationalen Geschäftsstelle am Kaiser- platz in Erfurt zw e i große F« n st e r, in denen di« Plakat- ankündigung für die Graef-Versammlung aushing, eingeworfen worden. Auch wird uns von deutschnationaler Seite mitgeteilt. daß in der Versammlung selbst Stinkbomben geworfen worden seien." Oer Oank der»Aufbauwilligen". Köln, 19. September.(Eigenbericht.) In einer nationalsozialistischen Versammlung in Köln, in der General L i tz m a n n und der Redakteur Winkelnkemper vom„Westdeutschen Beobachter" sprachen, antworteten die„aufbauwilligen Kräfte" des Herrn Papen auf die Frage, wie man P a p e n beseitigen könnte, durch Zurufe:„Totschlagen!" Winkeln- kemper beantwortete di« Frage schließlich selbst, indem er die Koa- litionsoerhandlungen der Nazis mit dem Zentrum erörterte. Neue Oolchstößler. Niiver gegen.Plattfuß-Indianer'. In Oldenburg haben es die Nazis arg mit den Beamten ver- schüttet. Statt Aufhebung früherer Kürzungen hat die national- sozialistische Regierung weitere Kürzungen der Beamtengehälter vor- genommen, und zwar je nach der Gehaltshöhe von 3 bis 20 Prozent. Dies« Art von Beamtenfreundschaft hat die Betroffenen und die zu ihnen haltende Bürgerschaft nicht schlecht in Harnisch gebracht: besonders weil Röver schon vorher die Gewerbesteuer erhöhte und die Schlachtsteuer einführte. Herr Ministerpräsident Röver hat selbst in einer Versammlung in Oldenburg am letzten Freitag darüber be- richtet. Er erklärte,„daß man wegen der neuen Gehaltskürzung die «»mpflsttung Berlin der Eisernen Front Dienstag/ 20. September, 1972 Uhr, im Sportpalast, erste UiahlHundgebung Musikalische Darbietungen des Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Fahneneinmarsch derSportler. Redner: OttO Wels und Paill LÖbe. Kasseneröffnung 17 Uhr. Eintrittspreis 50 Pf., für Erwerbslose(Vorzeigung der Stempelkarte) 10 Pf. Die Banner- und Fahnenträger treffen sich bereits um 19 Uhr in der Vorhalle des Sportpalastes. Anzeigenakquisiteure des nationalsozialistischen„Freiheitskämpfers" aus den Geschäften hinausgeschmissen hat". Die Gehaltskürzungen seien aber notwendig gewesen, um die Auszahlung der Unter- stützungen und Lehrergehälter weiter zu ermöglichen. Seine besondere Wut galt aber den Deutschnationalen, weil sie die Nationalsozialisten bei Hindenburg angeschwärzt haben und deshalb durch Hugenberg und Papen aus der ihnen zustehenden Führung in der Reichsregierung ausgeschaltet worden sind. Wenn sie wegen der preußischen Regierung mit dem Zentrum in Verhandlungen getreten seien, so geschah dies nur, um Hitler schneller an die Mächt zu brin- gen.„Der Klüngel von Hugenberg und Genossen hat der großen nationalsozialistischen Bewegung den Dolch in den Rücken gebohrt." Im Herrenklub, in dem kürzlich ein großes Festessen stattgefunden habe, säßen die Deutschnationalen, Schwerindustriellen, Bankiers und Wirtschaftler.„Es sind darin", so sagte Rover wörtlich,„die Elite der deutschen Plattfußindianer, die Schuld tragen an dem deutschen Unglück, am Dawes- und Doung-Plan, an Locarno und am Londoner Vertrag." Hugenberg und Papen als Plattfußindianer— man sieht: die Harzburger Begeisterung hat einen Grad erreicht, bei dem sogar das Konversationslexikon eine Erweiterung erfahren muß. China fordert rasche Maßnahmen. Protest in Genf gegen das Vorgehen Japans. t Genf, 19. September.(Eigenbericht.) China hat an den Präsidenten der Außerordentlichen Völker- bundsoersammlung. Hymans-Belgien, eine dringende Note gerichtet, in der die Anerkennung des Mandschukuo-Staates als tat- sächliches Protektorat und Vorspiel der späteren A n n e k- tion der Mandschurei durch Japan bezeichnet wird. China erwarte rasche Maßnahmen, di« geeignet seien, Japan zur Achtung der Völkerbundsbeschlüsse zu bringen Deutsche Würde. Wie man sie sich bei Goebbels vorstellt. Zu der deutschen Aufrüstungsforderung bringt der Moniteur des Herrn Goebbels«ine große Zeichnung mit der Unterschrift„Wir stehen nicht mehr allein mit unserer Forderung". Auf dieser Zeichnung steht man. wie ein zwerghafter Deutscher von einem riesengroßen Mussolini gegen den Franzosen ge- schützt wird, dem darob vor Schrecken der Stahlhelm von den ge- sträubten Haaren fliegt. Das kleine Deutschland hinter den großen Mussolini ver- krochen,— das ist die deutsche Würde bei den Nazis. Dolchstoß? Dolchstoß? Der„Angrifj" macht aus der Schadenfreude, die die Nazis über die außenpolitische Niederlage der Popen-Regierung empfinden, gar keinen Hehl. Das Blatt will seinen Lesern einreden, daß allein eine Naziregierung die Widerstände des Auslandes zu brechen imstande wäre! Selig, wer das glaubt. Im übrigen erklärt das Goebbels-Organ die Reichsregierung außenpolitisch für ver- handlungsunfähig: „Mit keiner Regierung wird das Ausland weniger geneigt sein, in Verhandlungen einzutreten, als mit der jetzigen, die allzu deutlich das Gepräge der Dorkriegszeit trägt." Wenn andere das schreiben würden, würde die Nazipresse als erste fordern, daß die Urheber eines solchen„landesverräteri- schen Dolchstoßes" sofort an die Wand gestellt werden. Hugenbergs Naupennester. Lltid die Mitschuld der Nationalsozialisten. In einem Leitarfikel des„Lokalanzeiger" ergreift Hugenberg persönlich das Wort, um für die Papen-Politik Propaganda zu machen. Er bekräftigt dabei, daß die Deutschnationalen die eigent- liche(und sogar die alleinige) Partei Popens sind, aber er ver- schweigt auch nicht, „daß die jetzige autoritäre Regierung ohne uns(die Deutschnatio- nalen) und den Rationalsozialismus nicht möglich gewesen wäre." Die Nationalsozialisten werden von Hugenberg lediglich des- wegen getadelt, weil sie nicht bei der Stange geblieben sind. Im übrigen scheint Hugenberg, obwohl er sich bereits auf dem„Aufstieg zu dem Berge wähnt, hinter dem sich das gelobte Land aus- breitet", doch den bisherigen„Erfolgen" der Papen-Regierung nicht ganz ohne Skepsis gegenüberzustehen. Er meint nämlich: „Wir(die Deutschnationalen) haben zu verhindern, daß aus Nationalismus Reaktion' wird, daß Gouvernementalis- mus das freie Wachstum des Neuen und Jungen ertötet, daß hinter den Kulissen Sonderinteressen und Geld- beutelgesichtspunkt« aus gesunden Früchten— R a u- penne st er machen."» Uns will scheinen, daß alle diese Folgeerscheinungen der Papen- Politik von Herrn Hugenberg gar nicht verhindert werden können, dieweilen sie— sch o n d a sind. Das gilt namentlich für die „Raupennester"! Laßt Hunde beißen! Die neueste Kampfwaffe der EA. Aus dem„Illustrierten Beobachter" erfährt man, daß die Nazis sich eine neu« Kampfwaffe ausgedacht haben: sie wollen Hunde aufs Bolk hetzen. Wir erfahren: „Bor wenigen Wochen erst haben Pa. Bitter und Rudolf Kahn(ist der auch roffeecht?), Hotzminden, sich ent- schloffen, einen Hundetrupp auszubilden und in Dienst zu stellen. Als vorzüglich geeignet wurde der deutsche Schäferhund befunden.... wenn eine S S.-Abteilung mit gul arbeitenden Hunden marschiert, werden KPD. und Rotmord bald die Freude an feigen Ueberfällen verlieren." Daß gerade der deutsche Schäferhund eine notwendige Er- gänzung der SA. ist, wird uns aus folgender Eigenschaft des Köters bewieten: „... Dann wird auch der Hund selten versagen, der einen außerordentlich feinen Instinkt auch für die Eigenschaften feines Führers hat." Somit hat der deutsche Schäferhund das, was der SA. g ä n z- l i ch abgeht. Der deutsch« Schäferhund wird viel schneller als die SA. wittern, welch wertvolle Eigenschaften in dem O s a f Röhm, in Pastor Münchmeyer, in Herrn Joseph Goebbels und in anderen Edelingen schlummern. Allerdings zu diesem Zweck wird der Schäferhund nicht eingestellt: Man will auf den Mann dressierte Bestien gegen das Proletariat hetzen, womit die SA. glücklich auf dem Standpunkt der a m e r>- konischen Sklavenhändler angelangt ist, die bekanntlich besondere Bluthunde gegen ihre Negersklaven züchteten und ab- richteten. Die Frage ist bloß, ob sich der deutsch« Arbeiter von dieser Gesellschaft mit Hunden hetzen lassen wird. Ghandis hungerslreikdrohung zum Teil erfolgreich. Die eng- lische Regierung hat beschlossen, Gandhi in Freiheit zu setze», sobald er mit dem angedrohten Hunaer st reik beginnt. Er soll in einer Prioatwohnung untergebracht, aber verpflichtet werden. diese Wohnung nicht zu verlassen. Raupennester. „Wir haben zu verhüten, daß hinter den Kuliffen Sonderinieressen und Geldbeuteigesichtepunlte aus gesunden Krüchten- Raupennester machen." Hugenberg. Und da war es schon geschehen! Heute Diskontsenkung. Roiverordnung des Reichspräsidenten zur Aenderung des Bankgesehes. Der„Reichsanzeiger" vom IS. September enthält eine sofort in Kraft tretende Rotverordnung, durch die die Vorschrift des Paragraphen 29 Absah 3 des Lankgefehes bis zum 30. September 1934 außer Kraft gefetzt wird. Dieser Absah, der sich mit der Diskontpolitik der Reichsbank beschäftigt, lautet:„Der Diskontsatz muß. wenn die Deckung während einer Bankausweiswoche oder länger ununterbrochen unter 40 Proz. liegt, mindestens 5 Proz. betragen." Der Zentralausfchuß der Reichsbank wird voraussichtlich heute nachmittag zur Entgegennahme einer Mitteilung des Reichsbankdirektoriums zusammentreten, nach der der Reichsbankdiskont von S auf 4 Proz. herabgesetzt wird. Dieser Notverordnung sind Verhandlungen der Reichsbank und der Rsichsregierung mit den großen Notenbanken der Welt voran- gegangen, die am gestrigen Nachmittag in der Verwaltungssitzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zu dem beabsichtigten Erfolg gebracht worden find. Noch dem recht- lich noch gültigen Poung-Plan war die Zustimmung der BIZ. für eine Unterschreitung des fünfprozentigen Diskontsatzes notwendig. Der Verwaltungsrat der BIZ., an dessen Sitzung der Reichsbank- Präsident und zwei weitere deutsche Delegierte teilnahmen, hat seinen Vorsitzenden ermächtigt, dem deutschen Reichswirtschafts- minister zur Kenntnis zu bringen, daß er keinen Einspruch gegen die Außerkraftsetzung der einer Diskontsenkung im Wege stehenden Bestimmung des deutschen Bankgcsetzes bis zum 30. Sep- tember 1934 erhebt. In der gleichen Sitzung wurde von der Ver- längerung des noch 90 Millionen Dollar betragenden inter- nationalen Notenbank-Kredits der Reichsbank auf weitere drei Monate, d. h. bis zum 5. Dezember d. I., Kenntnis genommen. Die mit der Diskontsenkung einhergehende Kredltverbilligung trägt der Geldverflüssigung in Deutschland Rechnung. Sie ist aber auch eine von Reichsregierung und Reichsbank bewußt er- strebte Maßnahme zur Unter st ützung des wirt- schaftlichen Papen-Programms. Der Reichsbankpräsident hat sich bekanntlich für seine Person mit dem Wirtschafts- Programm der Reichsregierung identifiziert. Daß im Rahmen des Programms auch die Diskontpolitik der Reichsbank wirksam wird, braucht kein Fehler zu sein. Es ist freilich zu beachten, daß die Zins- sätze auf dem Geldmarkt bis gestern noch höher als 4 Proz. lagen. Der Zinssatz für Privatdiskonten(Geldbeschaffung zwischen Banken) wurde erst gestern um% aus 4 Proz. herabgesetzt. Weniger un- bedenklich ist es, daß die Diskontsenkung auch eine Plattform für die von der Reichsregierung gegenüber der Landwirtschaft ver- folgte mehr oder weniger allgemeine Zinssenkung sein soll. Daß die Rsichsbank sich mit der von anderen Stellen gewollten Ver- quickung der Diskontpolitik mit zweifelhaften Zinssenkungsmaß- nahmen für bestimmte Wirtschastskreise in einer Gefahrenzone bewegt, liegt auf der Hand. Bombenverbrecher werden ausgeliefert. Noch zwei Königsberger Attentäter in Oesterreich verhastet. Die in Linz in Oesterreich verhafteten vier Nationalsozialisten, die sich an den K ö n i g s b e r g e r B 0 m b e n a t t e n t a t e n be- teiligt hatten, werden nach Deutschland ausgeliefert werden. Es be- steht zwischen Deutschland und Oesterreich ein Gegenseitigkeits- Abkommen für die Auslieferung von strafrechtlich verfolgten Per- fönen. Nach deutschem Recht ist Anstiftung zum Mord«, die im Falle der vier Personen aus Königsberg in Frage kommt, kein politisches Vergehen, sondern ein absolutes Strafdelikt. Infolgedessen werden der Auslieferung auch keine internationalen Bindungen über das Afylrecht für politische Vergehen im Wege stehen. Allerdings dürfte sich die Auslieferung noch ein wenig ver- zögern, weil das österreichische oberste Landesgericht noch über die Zulässigkeit der Auslieferung entscheiden muß. Auch in Wels(Oberösterreich) wurden am Sonnabend zwei reichsdeutsche Nationalsoziali st en verhaftet, die eben- falls mit den Königsberger Attentaten in Verbindung stehen sollen. Auf dem Wege zum partikularismus. Geheime Verhandlungen zwischen Neich und Bayern. München. 19. September. Zu dem Empfang des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held und des Vorsitzenden der Bayerischen Volkspartei, Staatsrat S ch ä f f e r, beim Reichskanzler am Montagmittag wird der„Bayerischen Staatszeitung" aus Berlin in einem Drähtbericht folgendes mitgeteilt: Ursprünglich hatte der Reichskanzler mit Staatsrat Schäffer und mit dem bayerischen Ministerpräsidenten getrennt verhandeln wollen. Aus Wunsch beider Herren wurde dann eine gemein- same Besprechung vereinbart. Sie dauerte bis in die Mittagsstunden hinein. Dabei dürste es sich um Wahlvorbereitungen, aber im Zusammenhang damit auch um die Frage der Reichs- r e f o r m gehandelt haben, ferner aber auch um die vom Kabinett Pape» geplante Verfassungsreform. Anscheinend will sich die Reichsregierung gegenwärtig immer stärker den Gedanken an- passen, die in der bayerischen Denkschrift über die Frag« der Reichsreform entwickelt worden sind. Eine Rolle bei der Aus- spräche spielte auch die Ankündigung des Führers der Bayerischen Volkspartei in seiner gestrigen Rede, der Reichsrat werde die Initiative bei der Neugestaltung des Reiches ergreifen und von sich aus den Gesetzentwurf ausarbeiten, der die Grundlage für die Neugliederung des Staates bilden soll. ->- Man wird diese Verhandlungen aufmerksam beobachten müssen. Hier wird offenkundig eine tiesgreifende Umgestal- tung der Reichsverfassung vorbereitet, und es besteht der begründete Verdacht, daß eine Auflockerung des Bandes zwischen Reich und Ländern dabei in Frage steht. hillqiiik Bürgermeislerkandidat in Rem Jork. Die Sozialistische Partei Amerikas hat ihren Vorsitzenden, Morris Hillguit, als Kandidaten zur Neuwahl des New Porter Oberbürgermeisters aufgestellt. Die Sozialistische Partei erwartet«ine starke Zunahme ihrer Wahlstimmen. Wo immer Aulomobile um Würdigung von Leistung und Schönheil kämpften, war MERCEDES-BENZ an der Spitze und konnte überragende Siege gewinnen. Auch im Absatz unserer Erzeugnisse konnten wir steigende Erfolge erringen. Es gibt keine technische Neuerung, die wir nicht erproben und— wenn ihre Ueberlegenheit bewiesen ist- anwenden l Diesen Weg gingen wir durch Jahrzehnte, diesen Weg werden wir auch weiter gehen! Wer einen MERCEDES-BENZ kauft, erwirbt das vollkommene Erzeugnis der ersten Automobilfabrik der Well, genießt die Vorteile ihrer umfassenden Erfahrungen und ihres wohlorgamsierten Kundendiensfea. DIE PREISE EINIGES LIMOUSINEN: DIE P E EI SE EINI G EB C AB RI OL ET S> Typ 170, 1,7 Lir.............. M, 4400,- 4 sitzig 1\ Typ 170, 1,7 Ltr............ M. 5575, 4sUzig Typ Stuttgart. 2 Ltr........... M. 5000.» 4/5 sitzig S J Typ Stuttgart, 2 Ltr......... M. 6400.» 4 sitzig Typ Mannheim, 3,7 Ltr.. �... M. 10800.» 6 silzig Typ Mannheim. 3.7 Ltr... von M. 11500.» an 4/5 sitzig Typ Nürburg. 4.6 Ltr..........'M. 14000-- 6/7 silzig Typ Nürburg. 5 Ltr...... von M. 15500.» an 4/5 sitzig Ä Berlin-Charlottenburg 2, Verkaufslokal und BUro; Salzufer 2-3(an der Charlottenburger Brlicke). Fernruf: Sammel-Nr. C 6, Tiergarten 6031. nAIMI F f?- R 5- r J 7 U l-, Verkaufslokel: tinterden rinden 6.-61. Fernruf: a 2, Flora 2113.— Verkaufsbdro: Cottbus, MoltkestraSe 1—2 Fernruf; 4167. L.' 1 1 f 1 � L- 1\ f—r 1- 4m 1-4.�4, Vertretung: Berlin W 16, Ing. Theo Schoth& Co. Q. m. b. H., Kalaerallee 208. Farnruf: B 4, Bavaria 3412. Lohnkürzung bedeutet Kampf! Stellungnahme der Berliner Buchdrucker. Die Betriebsräte der Berliner graphischen Betriebe nahmen gestern abend in einer vom Graphischen Kartell einberufenen Versammlung im Gewerkschastshaus zu der letzten Botverordnung der Baronsregierung Stellung. Zn einem längeren instruktiven Referat machte Genosse S p l i e d t vom ADGB. den versammelten die ein- zelnen, zum Teil in sehr schwer versländlichem Amtsdeutsch obge- sohlen Bestimmungen der Rolverordnung klar, die für die Arbeiter- schasl am einschneidendsten sind. Genosse Spliedt stellte zum Schluh seiner beisällig ausgenommenen Aussührungen mit besonderem Rochdruck die Aussassung des ADGB. heraus, dah sich die Gewerkschaften, wenn die Unternehmer von den Möglichkeiten der Senkung der Tariflöhne auf Grund � der Rotverordnung Gebrauch machen sollten, an die Iriedens- und Durchführungspslicht nicht mehr gebunden fühlen. Unter voller Zustimmung aller Betriebsräte gab Gauvorfihender Genosse Braun eine Erklärung ab, in der er einleitend betonte. dah die Gewerkschaften der graphischen Arbeiter Berlins nicht erst zu Beratungen über Kampsmahnahmen zusammentreten werden, wenn die Unternehmer schon den Kamps eröffnet haben. Obwohl für ein organisiertes vorgehen der Berliner Buchdruckunlernehmer keine Anzeichen vorhanden sind, erklären die Buchdrucker schon heute, dah sie dem Kampf um die Tariflöhne nicht ausweichen werden. Die Unternehmer sollen nicht glauben, die graphische Arbeiterschaft sei durch Arbeitslosigkeit, Rot und Meinungsverschiedenheiten so geschwächt, dah sie keinen Widerstand mehr leisten könne. Die Buchdrucker werden von der langersehnten Kampffreiheil in jedem Falle Gebrauch machen: es wird ihnen die moralische, organisatorische und finanzielle hilse bestimmt und sicher zuteil werden. Genosse Braun gab weiter die Richtlinien bekannt, die der Gauvorsland der Luchdrucker für die Einleitung und Durch- sührung der Kämpfe auf Grund der Papen-Rotverordnung ausgestellt hat. Er ermahnte zum Schluh die Mitglieder seiner Orga- nisation, in den bevorstehenden Kämpfen nur den Weisungen des Gauvorstandes zu folgen und alle Parolen unverantwortlicher Elemente unbeachtet zu lassen, damit in dem schweren Kamps keine Verwirrung und Zersplitterung eintritt. Herr Echöffer macht Sprüche. Das Mißtrauen bleibt. Der Reichsarbeitsmini st er Schäffer hat es gewagt, in Düsseldorf auf dem Kongreß der christlichen Gewerkschaften die Notoerordnung der Regierung zu rechtfertigen. Wiederholt wurde seine Rede durch Zuruf und Zischen unterbrochen. Ein scharfer Wind wehte, und auch die sehr friedlichen Töne im Austakt seiner Rede konnte» die Gemüter nicht beruhigen. Das Mißtrauen blieb. Mißtrauen läßt sich nur durch Taten aus der Welt schaffen. Was der Reichsarbeitsminister in Düsseldorf den Gewerkschaften sagte, blieb weit entfernt von einer solchen Tat. Erhöhung der Unterstützung der Arbeitslosen— in Aussicht, Verbesserung der Renten— in Aussicht, wenn der neue Wirtschastsplan gelingt! Und wenn er nicht gelingt? Soll dann wieder gekürzt werden? Arbeiter und Unternehmer sind— so lautete das Bekenntnis des Ministers— Mitarbeiter am selben Werk, mit Ueberordnung und Unterordnung, aber ohne das Verhällnis von Herren zu Knechten. Die Verheißung, daß in der völlig freien Wirtschaft auch der Arbeiter selbst zur Freiheit und Würde, zum Glück und Wohl- stand gelange, habe sich nicht erfüllt. Die Kultur eines Volkes beurteile sich nicht nach dem Lebensstande der oberen Bolksklassen. Der Anstoß zur Schöpfung des sozialen Rechtes sei oft von unten, von den Gewerkschaften gekommen. In der Volkswirtschaft seien die Gewerkschaften nicht mehr zu entbehren. Wer von den Gewerk- schafte» die Abrüstung verlange, müsse gleichzeitig mit dem Abbau der Kartelle und dem Abbau der Unternehmerverbände beginnen. Das alles ist ebenso wie die Forderung nach Einfachheit und Sparsamkeit in der Sozialversicherung wirklich nicht neu. Auch die vom Minister gegebene Erläuterung der neuen Lohnregelung war kein Schritt zur Einkehr. Und Anhören und Mitwirken der Gewerk- schaften ist noch lange keine Verständigung mit ihnen. Die Sach- und Fachkenntnisse der Gewerkschaften— warum soll man sie nicht benutzen?— Will man aber auch den Forderungen der Gewerkschaften gerecht werden? Wenn man da.;u die Absicht hätte, dann brauchte die Regierung nicht diese fürchterliche Ermächtigung, mit der sie alles vergewaltigen kann. Das Mißtrauen der Gewerkschaften bleibt. Es bleibt auch gegenüber der orakelhaften Frage des Ministers, ob sich nicht aus der Durchführung der neuen Verordnungen die Not- wendigkeit eines weiteren Ausbaues des Schlichtung s- wesens ergebe. Einstweilen müssen die Arbeiter sich s e l b st helfen. Und sie werden sich selbst Helsen. Die Nazis steilen sich um. Die„Wahrheit" über Düsseldorf. Vom Genossen G e n z, Mitglied des Arbeiter- und Gesamt- betriebsrates des Osram-Konzerns, geht uns folgender Bericht zu: In einer Betriebszellenoerfammlung der Nazis der Osram- werke kam auch die Zusammenkunft des„Osaf" Hitler mit den Industriellen in Düsseldorf zur Sprache. Der Reserent, der Pg. Kl�gert(früher bei der Stahlindustrie in Düsseldorf selbst in gehobener Position beschäftigt), behauptete u. a., die Aussassung. die auch in der Tagespresse verschiedenster politischer Richtungen unwidersprochen veröffentlicht wurde, daß Hitler den Industriellen bestimmte Zusagen zum Schutz des Kapitals gemacht habe, sei falsch. Klugert behauptete, selbst an der Düsseldorfer Tagung teil- genommen zu haben. Hitler hätte den Jndustrieherren dort un- zweideutig gesagt, daß die Nationalsozialisten nicht daran dächten, sich schützend vor das Kapital zu stellen, auch bei einer Machtergreifung im Staate durch die Nazis nicht, denn der Arbeiter als schaffender Faktor müsse eine ganz andere ausschlaggebende Macht im Staate haben als jetzt. Auch habe Hitler den Herren deutlich gesagt, was er von ihrer Wirtschaftsführung halte und daß es höchste Zeit sei, mit der Prositwirtschaft Schluß zu machen und die den Bedarf deckende Planwirtschaft einzuführen, die Massen- kauskraft zu heben und nicht durch Lohnsenkung zu schwächen. (Danach will man also glauben machen. Hiller habe dort das Gegenteil von dem gesagt, was er in seinem Buch„Mein Kampf" geschrieben hat. Thyssen begeistert sich wohl auch deshalb so für Hitler, weil dieser die Prositwirtschaft angeblich beseitigen will.) Der Pg. Klugert verstieg sich dann zu der Behauptung, die Nazis seien die einzigen, die es mit der Aufteilung des Groß- grundbesitzes und Ueberführung der Schlüssel- industrie und-Banken an den Staat ernst meinen! Wenn es bisher nicht gelungen sei, so etwas zu ermöglichen, dann seien nur die verbonzten Gewerkschaften und die SPD. daran schuld, die ja 13 Jahre lang„allein die Macht in Händen gehabt" und„keinen" Finger für die Interessen der ausgebeuteten Arbeiter gerührt hätten. Ja, man hätte sich schon vor Veröffentlichung der Notverordnung von feiten der Gewerkschaften mit dem Abbau der Löhne einverstanden erklärt.(Also genau die gleiche blöde Lüge, die die Kommunisten aufbrachten.) * Daß die gut bezahlten Bonzen der NSDAP, das Blaue vom Himmel herunter lügen, ist weiter nichts Besonderes. Nur das Gegenteil würde aufsallen. Bemerkenswert ist jedoch die radikale U m st e l l u n g, die die Nazis vollziehen. Schutz- truppe des Kapitals, möchten sie jetzt als Sturmtrupp gegen das Kapital angesehen werden. Sie haben der Papen-Regierung in den Sattel geholfen, sich dessen noch ausdrücklich gerühmt, und möchten nun, daß man das alles vergesse. Sie brauchen jetzt wieder die Stimmen der Arbeiterschaft. Das ist der einzige Zweck dieser Spiegelfechterei. Aber so kurz von Gedächtnis, wie die Nazis sie gern haben möchte, ist die Arbeiter- schaft nicht. Gchuhfabrikanien auf dem Rückzug. Tarifkündigung zurückgenommen. Die Unternehmer der Schuhindustrie haben im � Tarifstreit vorerst den Rückzug angetreten. Dieser Tage wurde in der Hauptausschußfigung der vertragschließenden Unter- nehmerverbände beschlossen, die Tarif kündigung zurück- zunehmen und den Vertrag bis zum 31. Oktober zu verlängern. Im Lause des Oktober sollen Verhandlungen über , einen Neuabschluß stattfinden. Die Unternehmer hatten den Reichstarisvertrag zum 30. Septem ber gekündigt und eine ganze Reihe tief einschneidender V e r- schlechterungsanträge gestellt. Die Verhandlungen für einen Neuabschluß waren bereits aus den 15. September fest- gesetzt: sie wurden aber im letzten Augenblick von den Unter- nehmern abgesagt. Allem Anschein nach haben sie Angst vor ihrer eigenen Courage bekommen. Jedenfalls haben ihnen die Arbeiter und der Zentralverband der Schuhmacher unzweideutig zu ver- stehen gegeben, daß jegliche neue Verschlechterung der Tarif- bestimmungen und der Lohnsätze unter allen Umständen abgelehnt wird. Ob die Verschlechterungsanträge wieder- kehren, steht im Augenblick noch nicht fest. Vielleicht haben die Unternehmer in der von ihnen angerührten Suppe ein Haar gefunden. Giemens-Belegfchast für Eiserne Froni. Absage an Nazis und Kozis. Am Sonntag beschäftigte sich die Belegschaft der Siemens- Werner-Werke in einer gemeinsamen Betriebsversammlung der Arbeiter und Angestellten in den Germaniasölen mit den Not- Verordnungen und deren Durchführungsbestimmungen. Genosse Schlimme vom ADGB. hielt einen sehr instruktiven Vortrag über die Ursachen der Wirtschaftskrise und die Politik der Popen- Negierung, und sorderte zum Schluß die Versammelten auf, auf der Hut zu sein und den Parolen der Gewerkschaften Folge zu leisten. Nur so können die Pläne des Unternehmertums und der Papen-Regierung zunichte gemacht werden. In der anschließenden Debatte oersuchten die Kommunisten eine ihrer üblichen Resolutionen zur Abstimmung zu bringen. Aber nicht ein einziger ihrer Anhänger wagte es, den Arm zu erheben, was mit einem großen Gelächter der Versammlung guitiiert wurde Ein Herr Dr. Dorsch versuchte dann der Versammlung klar- zumachen, dah nur die Nationalsozialisten>n der Lage seien, die Wirtschaftslage der Schaffenden zu heben. Er trat vor allen Dingen für die Autarkie ein uns versuchte, genau wie einer seiner kom- munistischen Vorredner, eine Resolution an den Mann zu bringen. Auch er mußte unter großem Gelächter und Zurufen aus der Ler- jammlung abtreten. Körer vom Gewerkschaftsring(HD.) sowie Gen. Günther vom Butab setzten sich— wie auch der Genosse Schlimme in seinem Schlußwort— mit den Kommunisten und Nationalsozialisten aus- einander. Die Kommunisten hätten gar keine Ursache, sich heute für Tarifverträge einzusetzen, da sie es ja gerade waren, die jeden Tarisabschluß als Schandwerk und Verrat der Gewerkschaften bezeichneten. Herrn Dr. Dorsch sowie seine» anwesenden Fraktions- kollegen wurde geraten, sich ihr Lehrgeld wiedergeben zu lassen. Di« Gewerkschaften werden bemüht sein, mit allen Mitteln die Ver- schlecknerungen abzuwehren, die für die Arbeiterschaft aus der Not- Verordnung entstehen können. � Die Versammlung stand im Zeichen der Eisernen Front. Die Mehrzahl ver Versammlungsteilnehmer trugen die drei Pseil«. Die Belegschaft hat bewiesen, daß sie von den Maulhelden der Nazis und Kozis nichts wissen will. Werben und die Leihen schließen! Eine vom Gesamtverband zum Donnerstagabend nach den Germania-Sälen einberufene Mitgliederversammlung der Reichs- und Staatsarbeiter zeigte, dah auch diese Arbeiterkategorie zum Kampfe gegen die Reaktion auf dem Posten ist. Während im Erd- geschah des bekannten Versammlungslokals im Berliner Norden die Braunhemden, größtenteils auch Proleten, zusammensaßen, und sich am Trommelwirbel und Trompetergeschmetter ergötzten, folgten im großen Saal des gleichen Etablissements über löllll dicht beinander sitzende organisierte Männer und Frauen einem Referat des Ge- nassen S t e t t e r vom Hauptvorstand des Gesamtverbandes, das ihnen die gegenwärtige wirtschaftliche und politische Situation klar- legte. Wenn in der anschließenden Diskussion ein offenbar„oppositio- neller" Redner auch erklärte, nicht zu wissen, wie er auf Grund der bisherigen Taktik der Gewerkschaften für seine Organisation werben solle, so gab doch die erdrückende Mehrheit der Versammlung zu erkennen, daß sie sich ihrer agitatorischen Aufgabe voll bewußt und um werbende und aufklärende Worte in der kommenden Zeit nicht verlegen sein wird. Frister, Oberschöueweide. Belegsckaftsversammlung am Mittwoch, � 16� Uhr, im Lokal„Kühler Grund", Siemensstraße 1, Referent: � Gen. Franz Künstler. Thema:„Die Notverordnung und ihre Aus» � Wirkung auf die Löhne." »Freie Gewerkschafts-Zugend Berlin f'i...... Heute, dienstag, 20. September, um 19� Uhr, tagen die Gruppen: Ge- werkfchaftshaus: Jugendheim Gewerkschaftshaus, Engeluser 24— 25.„Die Entstehung der Jugendherbergen."— Steglitz: Jugendheim Flemming» straße 14k.„Ein Tag in der Iugendzentrale."— Spandau'Wilhelmstadt: Jugendheim Sportplatz Seeburger Straße. Heiteres.— Pankow: Jugendheim Kispngenstr. 48, Zimmer 5. Lustiger Heimabend.— Treptow: Jugendheim Elsen- straße 3(am Bhf. Treptow). Warum organisiert sich der Jugendliche?"— Frank- furter Allee: Jugendheim Litauer Str. 18. Aber heut' sind wir fidel!— Lichten- berg: Jugendheim Dossestr. 22. Wir lesen aus:„Der Sozialist an der Front". — Rcu-Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44.„Schipp, schipp, Hurra!" (Arbeitstotstpflicht.)— Ostende: Jugendheim Karlshorst, Treskowallee 44(Kant- schule). Aktuelles Thema(Distussionsabend).— Arkonaplatz: Jugendheim Schule Elisabethkirchstr. 19. Heiterer Abend.— Schöneweide: Jugendheim Sasselwerder- straße, Mädchenschule im Keller.„Jugendgerichtssitzung."— Adlershof: Jugendheim Adlershof, Bismarckstr. 1. Die Mädchen gestalten den Abend aus.— Wir spielen ab 18 Uhr: Nordostkreis: Sportplatz Einsame Pappel, Platz 2c; Nordkreis: Sportplatz Humboldthain; Südostkreis: Sportplatz am Urban. 0 Lugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Dienstag, finden folgende Veranstaltungen statt: Sesundbrunnen: Jugendheim Schönstedtstr. l. Wir lernen neue Lieder.— Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. it. Arbeitsgemeinschaft:„Politische Probleme Asien»". — Nordwest: Jugendheim Lehrter Str. 18— lg. Ausspracheabend:„National» sozialismus und wir."— Heute ab 20 Uhr Sprechchorprabc in der Turnhalle Baruthcr Str. 20.— Arbeitsabend der Photagruppe ab Igf-, Uhr im Verbands» Haus, Zimmer 2«. Mercrcdcs-Benz.Ersolge 1032. Die graste deutsche Marke Mercedes-Benz schliestt auch in diesem Jahre mit einer Überragenden Zahl von Erfolgen bei Rennen, Zuverlässtgkeitsfahrten und Schönheitskonkurrenzen ab. Es nimmt daher nicht wunder, dost diese Erfolge den Absast der Mercedes-Venz-Wagen in Deutschland und auch im Auslande trost rückläufiger Konjunktur wesentlich steigern Helsen. Besonders der preiswerte und konstruktiv interessante Typ 170 findet beim Publikum außerordentlichen Anklang und lebhaftes Interesse. Seine vielen technischen Vorzüge sSchwingachsen, Tiefrahmen, Oeldruckbremse usw.) haben ihm schon Tausende von Anhängern gebracht. Sind Männer oder Frauen häufiger krank? Mit dieser ssragc haben sich 935 Krankenkassen mit 2>/b Millionen Mitgliedern beschäftigt. Die Antwort wird die meisten überraschen. Die Kraniheitsbäufigkcit war nämlich in sämtlichen Altersklassen bei den Frauen geringer als bei den Männern. Besonders ge» fährliche Jahre für Frauen find die zwischen 2Z und 34, dann das Alter zwischen dem SO. und öS. Lebensjahre, bei Männern nehmen die Krankheiten zwischen dem SO. und KS. Lebensjahre erheblich zu. Jeder, od Mann oder Frau, kann sich freilich einer deneren Gesundheit erfreuen, wenn er recht. zeitig beginnt, etwas für seine Gesundheit zu tun. In lestter Zeit wird dazu Knoblauch immer wieder empfohlen, den es in recht bewährter Form als Zinsser-Knablauchsaft oder geruch- und geschmacklos als Zinsser-Knodlouch. Tabletten und Zinsser-Knoblauch-Kapseln gibt. Man vergleiche dazu das heutige Inserat von Dr. Zinsser in Leipzig. Der.Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Sonntagsbeilage.Volk und Zeit". Anzeigenpreise: Die einspalt. Millimeterzeile 30 Pf., Reklamezetle M. „Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 90 Pf. lzulässtg zwei fettgedruckte Worte) jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte Uber is Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzcile 90 Pf. Familienanzeigen Millimeter- zeile lS Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraste 3, wochentäglich von SVt bis 17 Uhr. Der Verlag behält stch das Recht �der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vorl Verantwortlich für Politik: Victor Schiff; Wirtfchaft: S. Kliagelhiser; Gewerkschaftsbewegung: I. Steinet; Feuilleton: Herbert Lepcee; Lokales und Sonstiges: Frist Karstadt; Anzeigen; Otto Hengst; sämtlich in-Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck; Vorwärts-Buchdruckeref und Berlagsanstalt Paul Singer u. Eo. Berlin EW. 68. Lindenstraste st Hierzu l Beilag«. D KW-Front-Zwelsi«.- Road ster 600 ccm, jetzt statt RM 1750.- nur RM 1390. 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Bei der Untersuchung der Angelegenheit wurde festgestellt, daß er mit der ganzen Sache nichts zu tun hatte. Das gleiche Ergebnis zeitigte die Nachprüfung der Sache durch das Ministerium des Innern. Noch eine zweite Episode kam gestern zur Erörterung. Nämlich der Fall Dr. Weiß-Steinmeyer. Steinmeyer, der Inhaber des bekannten Nachttanzlokals, hatte einem Bekannten gegenüber geäußert, daß er in Monte Carlo Dr. Weiß getroffen habe. Er wurde darauf vor das Finanzamt geladen, damit er hier über Dr. Weiß' Geldausgaben bekunde. Man hatte sich im Finanzamt darüber aufgehalten, daß Vizepolizeipräsident Dr. Weiß keinen Antrag auf Devisen gestellt hatte. Steinmeyer war über diese Ladung äußerst ungehalten: die Sache verrann in nichts. Herr Steinmeyer, der in Monte Carlo 100 Franken täglich für Pension zahlte und auch ziemlich hoch spielte, kann sich natürlich nicht vor- stellen, daß man in Monte Carlo auch billig leben kann und glaubte das Gericht davon überzeugen zu können, daß man dort unmöglich mit 200 M. eine Woche lang auskommen könne. Er bestätigte übrigens, daß Dr. Weiß in Monte Carlo mit niedrigen Einsätzen spielte. Die nächste Sitzung findet Mittwoch statt. Verlust von 5,44 Millionen. Die Spargläubiger des Wirtschastsvereins sollen voll, die Warengläubiger mit 60 Prozent befriedigt werden. Der Beamten-Wirtschasts-Verein e. G. m. b. H. zu Berlin hat gestern dem Amtsgericht Berlin-Tempelhof einen Ver» gleichsoorfchlag eingereicht. Dieser Vorschlag muß aber jetzt erst von Sachverständigen geprüft werden, so daß bis zu seiner Annahme noch Monate vergehen können. Die Vermögensllbersicht verzeichnet Vermögenswerte von 12,6 Millionen Mark und Schulden von 18,0 Millionen Mark, so daß ein Verlust von 3,44 Millionen Mark entstanden ist, der durch die offenen Reserven und die Geschäftsguthaben gedeckt fein soll. Die Geschästsguchaben— die Einzelsumme wurde bekanntlich wenig« Wochen vor Zahlungseinstellung von 30 auf 60 Mark er- höht— sind also restlos verloren. Uebrigens rechnet der Vor- stand selbst nur mit dem Eingang von etwa 60 Proz. der Hast- summe, da vielen Genossen die Zahlung heute einfach unmöglich ist, abgesehen von der großen Zahl derer, die ihre Zahlungspflicht bestreiten, weil sie schon vor Iahren ihre Mitgliedschaft aufgegeben hätten. Nach dem Vergleichsvorschlag sollen die Warengläubiger 60 Proz. ihrer Forderungen erhalten. Di« Sparkassengläubiger sollen zwar ihr Spargelder voll zurückerhalten, aber nur unter der Voraussetzung, daß sie die eingezahlten Beträge fünf Jahre lang zinslos stehen lassen. Da dieser Vorschlag für viele Spar- kassengläubiger zweifellos eine große Härte bedeutet, soll versucht werden, den ganzen Sparkassenbestand auf ein anderes Institut zu übertragen. Sollte das nicht möglich sein, so soll die allmähliche Rückzahlung der Sparkassenguchaben nach einem Jahre(nach Befriedigung der Warengläubiger) beginnen, vorausgesetzt, daß dem Beamten-Wirtschafts-Verein dann die nötigen Mittel zur Verfügung stehen. Protest gegen den Rundfunk. In einer überfüllten Kundgebung der republikanischen Rund- funkhörer von Falkenberg, Alt-Glienicke und Grünau wurde mit Entrüstung von den parteipolitischen Maßnahmen der Berliner Funkstunde Kennwis genommen. Die versammelten Rundfunkhörer erklärten, daß sie sich einstimmig den vom Arbeiter-Radio- Bund im Rahmen der Eisernen Front zu treffenden Maßnahmen anschließen, daß sie auch vor einem H ö r e r st r e i k nicht zurück- schrecken werden, wenn die Programme des Berliner Senders nicht unverzüglich auch die Würde der republikanischen Hörerschaft berück- sichtigen. wetterausjichlen für Berlin: Veränderlich und kühl, einzelne Schauer, nordwestliche Winde.— Für Deutschland: Ueberall kuhler, namentlich im Süden und Osten Regenfälle, im Küstengebiet stark windig. Massenflndif von Fflr$or$ezttpn§en Auflehnung im Erziehungsheim.— Eine zweite Waldhof- Anstalt? Limburg(Lahn). 19. September. Im Landeserziehungsheim Schloß Dehrn brach unter den Zöglingen am Sonntagabend eine Revolte aus, die bedrohlichen Umfang annahm. Unter großem Lärm zerschlugen die Zöglinge die Fensterscheiben und einen großen Teil der Einrichtungsgegen- stände. Zerschlagene Türen, Tische und Beleuchtungskörper bildeten ein tolles Durcheinander, als die alarmierte Feuerwehr aus Dehrn und ein Landjägerkommando im Heim eintrafen. Inzwischen war ein großer Teil der Zöglinge geflüchtet. Es gelang schließlich den Beamten, die Ruhe wiederherzustellen und fünf Zöglinge als Rädels- sichrer zu verhaften. Die meisten Ausreißer wurden noch in der Nacht wieder aufgegriffen und in die Anstalt zurückgebrocht. Die übrigen geflüchteten Zögling« stellten sich schließlich freiwillig. * Es ist die Aufgabe der berufenen Stellen, hier sehr energisch den Hintergründen dieser Revolte nachzuspüren. Es ist nur zu billig, die Gründe solcher Auflehnungen in„politischer Verhetzung" zu sehen. Der Prozeß um die Prügelanstall W a l d h o f hat der Oeffentlichkeit erschreckend gezeigt, wie es noch heute in manchen „Fürsorgeheimen" zugeht.___ In Notwehr den Vater erschlagen. Köln, 19. September.(Eigenbericht.) Di« beiden Brüder Junker in Brühl bei Köln, die vor einigen Tagen ihre Mutter gegen die brutalen Angriffe ihres Vaters beschützten und den Vater, einen früheren kommunistischen Stadtverordneten, töteten, sind aus der Haft entlassen worden. Die Staatsanwaltschaft ist der Aufsassung, daß die beiden Brüder in Notwehr gehandelt haben Es ist damit zu rechnen, daß ein Versahren gegen die Brüder nichl eingeleitet wird. Motorboot m Flammen. In der Großen Krampe unweit Müggelheim ging gestern am späten Nachmittag ein Motorboot in Flammen auf Ehe die alarmierte Feuerwehr, durch schlechte Waldwege stark behindert, an die Unfallstelle gelangen konnte, war das acht Meter lange Motorboot, das aus einem Holzkörper bestand, nahezu herunter- gebrannt. Wie die späteren Feststellungen ergaben, war beim An- werfen des Motors ein Vergaserbrand entstanden. Das Feuer griff mit rasender Schnelligkeit um sich und den Insassen blieb gerade noch Zeit, aus dem Boot zu springen und sich in dem seichten Wasser ans Ufer zu retten. Ein Strandbad am Liepnitzsee. Der schöne Liepnitzsee an der Straße von Bernau nach Wandlitz wird jetzt ein Strandbad erhalten, das die Stadt Bernau errichten läßt. Mit den Arbeiten ist bereits begonnen worden: zu Beginn des nächsten Sommers wird das Bod fertig- gestellt sein. Zwischen dem Bahnhof Bernau und dem Bad soll dann eine Postautolinie eingerichtet werden. Preußenkasse mang„die Herren"! Mit Hurra vorwärts zu neuen Subventionen! Mit der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse geschehen jetzt „große" Dinge. Der 20. Juli und die Abhängigkeit der Popen Regierung von den Junkern haben hier freie Bahn geschaffen. Für den Tüchtigen freilich nicht und auch nicht für«ine vernünftige Politik. Denn wer und was etwas taugt In der Preußenkasse, ist gegangen worden oder wird liquidiert. Die Preußenkasse wird jetzt bald ein Reichsinstitut werden und sie wird in die Popen-Pro gramme zur Wirtschostsbelebung Nr. 1, Nr. 2 und folgende eingegliedert wenden. Das Nächste, was kommt. sind neue Subventionen für die landwirtschaftlichen Genossenschaften im Betrage von etwa einer Viertelmilliarde Mark. Die Dinge liegen ziemlich einfach. Die einzelnen landwirtschaft lichen Genossenschaften, besonders die des Ostens, haben Hunderte von Millionen Kredite ausgeliehen. Natürlich ist ein Teil dieser Kredite zweifelhaft. Besteht man aber auf Eintreibung, dann be kommt man den größten Teil auch herein. Das entspricht den Er' fahrungen, die die Genossenschaften in den letzten drei Jahren gemacht haben, als sie selbst von oben, d. h. von der Preußenkasse, zu Rückzahlungen angehalten worden sind. Jetzt aber herrscht in Deutschland ein junkerfreundlicher Wind. Die landwirt- schastlichen Organisationen züchten die Hoffnung auf neue Sub- oentionen, und so wird der Zahlungswille auch da untergraben, wo Zahlungsfähigkeit besteht. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Und so erfährt die Oeffentlichkeit jetzt, daß nach amtlichen Erhebungen im Unterbau der Genossenschaften, d. h. bei den einzelnen Genossenschaften, ein Abschreibungsbedarf von mehreren hundert Millionen Mark bei den ausgeliehenen Krediten besteht. Da man die In- onspruchnahme der genossenschaftlichen Haftung der Landwirtschaft nicht zumuten will, wird der Druck von unten nach oben weiter- geleitet, der Druck landet schließlich bei der Preußenkass«, und so kommt es zu der„Notwendigkeit", durch Inanspruchnahme des Kapitals der Preußenkasse(eingezahlt sind heut« 141,6 Millionen Mark) und durch neue Reichssuboentionen das l a n d w i rt- s ch a stli ch e Genossenschaftswesen wieder einmal zu sanieren. Was dahinter steht, ist nach der jetzigen Struktur der Regie- rungsoerhältnisse im Deutschen Reich ganz klar: die landwirkschaflliche Besiherhaltung, besondere im Osten, wird durch neue riesenhafte Geschenke des Steuer- Zahlers auf eine breilere Grundlage gestellt. Das ist«in Ziel, dem die bisherige solide Politik der Preußenkasse im Wege stand, ein Ziel, das unter der früheren preußischen Regie- rung nicht erreicht werden konnte, und zu desien Durchsetzung— man erinnere sich an Brünings Sturz wegen seines bolschewistischen Agrarprogramms— mit der„Reform" in Preußen auch die Neu- Orientierung der Preußenkasse erfolgte und ihr Ausbau zu einem Institut des Reichs jetzt vorwärtsgetrieben wird. Bei der Preußenkasse selbst war nämlich nichts faul. Bei der Preußenkasse selbst besteht keinerlei Ab- schreibungsbedürfnis. Was für die jetzige von den Ostagrariern abhängige Reichsregierung abschreibungsbedürftig war, das war die bisherige Politik der Preußenkass«. Die frühere Preußenkasse wollte die S e l b st H i l s e, die die Landwirtschaft immer wieder proklamiert hat, zur Wirklichkeit machen. Sie wollte die Ablösung des schlechten Landwirts durch einen besseren, sähigeren Landwirt. Sie wollte die Erhaltung der gutgeleiteten und lebensfähigen Güter durch Aus- merzung, d. h. die Auffiedlung oder Aufforstung der schlechtgeleiteten und nicht lebensfähigen Güter. Sie wollte eine saubere Kredit- Politik im Genossenschaftswesen, von der breiten unteren Basis bis zur Spitze. Und das Allerwichtigste: sie hatte diese Politik durch- geführt und hatte in hohem Maße erfreuliche Grundlogen geschaffen, von denen aus eine Gesundung des landwirtschaftlichen Ostens mög- lich gewesen wäre. Aber den Junkern wäre es großenteils dabei an den Kragen gegangen. Mit dieser Politik wird jetzt Schluß gemacht: daß die Verreichlichung der Preußenkass« organisch notwendig geworden sei, st nur ein Vorwand, und daß die landwirtschaftlichen Genossen- chasten nach der Bonkensanierung mit der Reichshilfe auch An- pruch aus eine Sanierung mit Stoatshilse hätten, ist nur«ine Attrappe, hinter der der Wille zu neuen Subventionen zum Zweck der Besitzerhaltung auch devastierter Betriebe sich oerbirgt. Alan ist ja nicht mehr gewöhnt, in Deutschland zu fragen. woher die Gelder zu solchen neuen riesigen Subventionen genommen werden sollen, in diesem Lande, in dem die Parole von der Anpassung an die Armut der Ilation gelten soll. Ebensowenig fragt man sich noch, ob nicht in derartigen neuen Subventionen, wenn sie sachlich heute unvermeidlich wären, die ver- nichtend st e Kritik der offiziellen Agrarpolitik steckt. Vor drei Jahren wurden die landwirtschaftlichen Genossen- schafter mit einem Aufwand von mehr als hundert Millionen Mark öffentlichen Geldern saniert. Der Stützung und Rettung des Ostens dienten drei Osthilfegesetze, der Stützung der Getreidepreise zuliebe erfolgte eine, in keinem Lande der Welt sonst feststellbare Verteue- rung der Ernährungsbasis. Wir haben Zollgesetz auf Zollgejetz ge- macht, wir sind jetzt auf dem Wege, zugunsten einer falschen Agrar- Politik den Export zu vernichten. Der ersten Zinssenkung mit 300 Millionen Zinsersparms soll jetzt eine zweite folgen mit 200 Millionen Zinsersparnis. Von den unzähligen sonstigen direkten und indirekten Subventionen wollen wir gar nicht sprechen. All das Hot nichts genützt. Auch die neue Viertelmilliarde wird schließlich hinausgeworfen sein. Aber Subventionswille fragt weder nach Vernunft noch Logik! Arbeitsabschaffung? Materialien zum Wahnsinn der Kontingentspolitik. Nachdem die gesamte deutsche Industrie durch den Brief kastls gegen den Wahnsinn der Einsuhrkontingentierung protestiert Hot, wird dieser Protest seht von einzelnen Industriegruppen durch un- widerlegliches Material unterstrichen. Kontingente für die Einfuhr von Häuten und Fellen? Das würde bedeuten: Produktionseinschränkung der Leder- industrie um 50 Proz.: Verteuerung des Leders im Inland:. Verlust de» Exports und Vordringen der Auslandskonkurrenz im Inland. Der groß« deutsche Export an Leder und Lederwaren beruht aus dem Oualitätsoorsprung des deutschen Leders: diese Qualität ist nur zu erreichen bei Verarbeitung von Wildhäuten und Fellsortcn. die in Deutschland nicht vorkommen. Sollte der Bedarf an häuten und Fellen im Inland gedeckt werden, müßte der Rindviehbestand ver- dreifach», der Pserdebestand vervierfacht, der Schasbestand verzehn- sacht, der Ziegenbesland verzwanzigsacht werden! Die deutsche Deoisenlage duldet keine Aenderung der geltenden Bestimmungen: von Ianuar bis Zuli 1932 übertraf die Ausfuhr von Leder und Lederwaren die Einsuhr dieser Artikel und die Ein- fuhr von häuten und Zellen um 23,2 Millionen Mark. Die bei Kontingentierung der Einsuhr von häuten und Fellen unvermeid- lich« Preissteigerung für Leder müßte den Absah und die Beschästi- gung der Schuhfabriken— die gerade eben Reueinstellungen vor- nehmen— katastrophal verschlechtern. Wirkungen der Verärgerungspolitik. Die feinkeramische Industrie, die 50 Proz. ihrer Gesamtproduk- tion exportiert, weist für die Zeit Ianuar bis Iuli 1932 gegenüber 1930 folgende Aussuhrverluste auf, die vor allem aus die deutsche Butlcrzollregelung zurückzuführen sind: Rückgang der Ausfuhr nach Finnland um 92 Proz., nach Lettland um 91 Proz., nach Schweden um 68 Proz., nach Estland um 66 Proz., nach Dänemark um 60 Proz., nach Litauen um 54 Proz., nach Norwegen um 44 Proz., nach den Niederlanden um 39 Proz. Diese Länder bilden in normalen Zeiten die wichtigsten Absahmärkte für die deutsche keramische Industrie. Die Rückwirkungen solcher Absahverluste(wegen des Butlerzolls!) aus die Beschösliguno�einer arbeitsintensiven Industrie, die ihren Standort Im Thüringer und Im Bayerischen Wald hat. brauchen nicht näher geschildert zu werden. wird die Regierung es wagen, entgegen allen Versprechungen durch Verordnung von Einsuhrkontingenten eine Politik der Arbeits- abschaffung zu betreiben? OerBauerund der Arbeiierlohn Im zweiten Vierteljahr 1932 betrug das Einkommen der Ar- beiter, Angestellten und Beamten 6,8 Milliarden Mark gegen 8,6 Milliarden Mark im zweiten Vierteljahr 1931. Die Folg«: der Frischmilchabsatz ist im Juni um 15,6 Proz. kleiner geworden als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Der Absatz in hoch- wertiger Floschenmilch hat sogar eine Einschränkung um 30 Proz. erfahren. Ebenso ist der Z u ck e r a b s a tz in diesem Jahr um 16 Proz. geringer als im Vorjahr, Der F l e i s ch a b s a tz ist eoffein geht in die Muttermilch über«— Für stillende Mütter nur Kaffee Hagf nur deswegen unerheblich zurückgegangen, weil die Viehpreise zum Schaden der Landwirtschaft sehr tief gesunken sind. Insgesamt be» trugen die Einnahmen aus dem Verkauf der wichtigsten landwirt- schaftlichen Erzeugnisse im jetzt abgeschlossenen Wirtschaftsjahr 7,3 Milliarden Mark, während in den Jahren vor dem Lohnabbau die deutsche Landwirtschaft, obwohl sie damals weniger lieferte als jetzt, 10,3 Milliarden Mark durch Verkauf ihrer Erzeugnisse ver> einnahmte. Di« Landwirtschost tut also das D ü m m st e, was sie nur machen kann, wenn sie den reaktionären Phrasendreschern glaubt, daß es ihr besser gehen könnte, wenn einfach die Preise für Lebensmittel erhöht werden. Hohe Löhne für Industriearbeiter find hohes Ein- kommen für die Bauern. Lohnabbau und Arbeitslosigkeit des Industriearbeiters sind niedrige Preise und der Tod des Bauern! Widersprüche um papen. Zwei Zitate zur Kontingents- und Zinspolitik. Die Reichsregierung will, um die Forderungen der Agrarier zu befriedigen, die landwirtschaftliche Einfuhr drosseln(Kontingents- Politik) und eine mehr oder weniger generelle Zinssenkung durch- führen. War schon das erste Papen-Programm in sich höchst wider- spruchsooll, so daß Erfolge kaum zu erwarten sind, so muß das zweite, das zugunsten der Landwirtschaft verkündet werden soll, die Chancen des ersten restlos zerschlagen. Am Sonnabend hat eine Gruppe von Unternehmervertretern nochmals beim Reichskanzler gegen die Kontingentspolitit protestiert. Der ehemalige Reichs- minister Hamm hat dabei erklärt: „Die Einführung des Kontingentssystems nach den Wünschen der Landwirtschast würde den Unternehmern die finan- zielle Möglichkeit dazu nehmen, sich der Mitwirkung an dem Auftriebsprogramm voll zur Verfügung zu stellen." Die„Frankfurter Zeitung", die sich voll für Popens Wirtschafts- Politik eingesetzt hat, schreibt zum Thema der Kontingente und der Zinssenkung: „Das Ankurbelungsprogramm beruht trotz mancher Mängel doch auf einem klaren Grundgedanken, während weder die Zins- senkung noch die Kontingentierung das Mindeste mit diesem Pro- gramm zu tun haben. Im Gegenteil: diese beiden Maßnahmen sind nur geeignet, den Erfolg der ganzen Aktion in Frage zu stellen." Die„Frankfurter Zeitung" unterstreicht den Widerstand, den die Forderungen selbst im Kabinett finden. Aber dos Kabinett glaube, auf die wenigstens teilweise Erfüllung dieser Forderungen nicht verzichten zu können, weil die Landwirtschaft„unbedingt etwas für sich haben will". Das ist freilich genug, um deutsche Wirtschaftspolitik zu „begründen". Wieder �0 Prozent Dividende. Bei der Elektrizitäts-A.-G. Lahmeyer u. Co. Die Eleklrizitäls A.-G., vorm. Lahmeyer u. Co., Frankfurt, weist für das am 30. Zum zu Ende gegangene Geschäftsjahr 1331/32 einen Reingewinn von 2,1ö Millionen Mark aus, der den Reingewinn des Vorjahres von 2,12 Millionen Mark noch ein wenig überschreitet. Dieses für dos abgelaufene Srisenjahr außerordentlich günstige Gewinnergebnis gestattet wieder die Zahlung einer Divi- dende von 10 Proz. auf das IS-Millionen-Mark-kapital, das sich zu mehr als 75 Proz. in Händen des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks befindet. Der Lahmeyer-Konzern, der in erster Linie Holdinggesellschaft für eine Reihe süddeutscher Stromversorgungsunternehmen ist, be- müht sich zur Zeit bei der l e t t l ä n d i s ch e n Regierung um die Konzession für den Bau des Kraftwerkes Düna, das ein Objekt von 25 bis 30 Millionen Mark darstellt. Wertheim zeigt neue Dekorationen. Bei W e r t h e i m, Leipziger Straße, sieht man eine reich- haltige, vielseitige Schau gedeckter Tische und moderner Fenster- dekorationen. Der Gedanke, das Heim auch mit geringen Mitteln freundlich und behaglich zu gestalten, ist' gerade in der heutigen Zeit nicht von der Hand zu weisen. Es kommt ja nicht darauf an, auf schwerem Damastgedeck von feinstem Rosenthal-Porzellan zu speisen, man kann und soll es sich vor allem auch in der Wohnküche, im Atelier oder in der Iunggesellenbude behaglich machen. Mit einem Stückchen billigem, buntem Kattunstoss, ein paar Blumen im Stein- guttopf und dem hübschen, lustigen Keramikgeschirr ersteht mit Ge- ichwindigkeit und ganz wenig Kosten ein netter Tisch. Die Tisch- oeckkunst, die sich reicherer Mittel bediente, zeigte dann noch sehr geschmackvolle Dekorationen von Tischen für alle möglichen fest- lichen Gelegenheiten, daneben die charakteristische Eßdekoration des Rohköstlers, des Krebsfreundes, des eiligen Junggesellen, der alles aus der Tüte verzehrt, und noch vieles andere. Der moderne Fensterschmuck bringt Baumwollstoffe, Kunstseide, oder auch beides kombiniert, daneben leichtere Gewebe in gemustertem Tüll, Filet und Marquisette. Die Ausstellung bietet viel Anregung zur Nach- ohmung. Bei allem gezeigten wirklich schönen Material ist das Hauptaugenmerk auf die Anschoffungsmöglichkeit in Form einer vernünftigen Preisgestaltung gerichtet. vtalenImDgen ffil diel« Rubrik find Berti» EB 68, Liadenftruß« i. Groß-Berlin stet, an da» Beztrt-letretaria« i. Hak, 2 Trennen«echt»,)B richte» Obleute der kreisbildungsausschüsse! Die Karten zur Vortragswoche Luitpold Stern:„Das Antlitz der Weltwirt. schalt", sind heut« im Sportpalast beim Pförtnerhäuschen abzuholen. Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Dienstag. 20. September: 8. Abt. Arbeitskreis junger Parteigenossen bei Dobrohlaw, Swinemitnder Straße IL Genosse Kurt Fuchs spricht über politische Tagessragen. lt. Abt. Arbcitslreis junger Parteigenossen: Die gulammenkunit wird wegen der Sportpalast-Kundgebung auf Donnerstag, 22. September, im Lokal Lauritfen. Putbusser Str. 11, perlegt. Referent Genosse I. P. Mayer. ZZ. Abt. Unserem Genossen Rudolf Buchmann, Mühlenstr. 8, zu seinem 7d. Ge- burtstage, und unserem Genossen Ernst Krüger, Gubener Str.st, Köpenick II: 4st8N, Neukölln III: 4st8st. Gewerkschaftshaus: 348st. Zehlcndorf.Dohlem: 316«, Arlonaplatz:«sistst, Neukölln l: 2488, Arnim. Platz: 2488. Genossen, die Kontrabaß, Eello oder Bratsche spielen lernen wollen, wenden sich an das Orchester der SAJ.(Harry Dommnick, N. 58, Ahlbecker Str. 17). Instrumente stehen zur Bersügung. heute Sportpalast-Kundgebung. Fahnen und Transparente mitbringen! Alle Sruppenveranstaltungen fallen aus! Eintrittskarten werden von den Abteilungsleitern ausgegeben. Treffpunkte der Abteilungen: Gesundbrunnen II: 1?lz Uhr bei Barr.— Humboldtbain: 176� Uhr„Rote Allee".— Köpenicker Viertel: 18 Uhr„Roter Treff".— Andreasplatz I und II: 176L Uhr auf dem Andreasplatz.— Warschauer Viertel: l7>4 Uhr Warschauer Brück«.— Steglitz I: 18 Ubr Rathaus.— Zchlendorf-Dablem: 18 Uhr U-Bahn Onlel-Toms. Hütte.— Nenlölln XI; 18 Uhr Sclchower Straße.— Hcrmsdors: 18 Uhr Endhaltestelle des Autobus 15. Falkcntracht.— Britz: ltzl� Uhr Jahn- Ecke Rudower Straße.— Wcrbcbczirk Osten: 17>h Uhr Hochbhf. Warschauer Brücke.— Wcrbebezirk Wedding: 18>b Uhr Weddingplatz, Erwerbslose 1764 Uhr ebendort. 4° Werbebezirk Besten: Morgen, Mittwoch, 26 Uhr, Mitgliederversammlung, Eharlottenburg, Rosinenstr. 4. Thema:„Das Rußland der Degenwart". Vorkrage, Vereine und Versammlungen Polizei-Sportverein Berlin e. B., Abt. Einbeitskurzschrist. Regelmäßige Uebunasabenoe an allen Wochentagen, außer Sonnabends, von 18ih— 2164 Uhr, im Polizei. Echulgcbäude, Hannoversche Str. 28—36, 2. Stock, Z' sänger-, Fvrtbildungs. und Redeschriftlurse. Auch für Zivile. Am 17. September verschied nach längerem schweren Krankenlager meine liebe Mutter und Schwiegermutter, Witwe s Blankenfeldt im 7«. Lebensjahre. Berlin SO 36. Manteuffelsir. 68. GeHruck Bcrndt. als Tochter nebst Gatten. Einäscherung am Donnerstag, dem 22. September, nachmitlags 2 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Für die uns beim Hinscheiden un» seres unvergeßlichen HehiHck Schulz erwiesene herzliche Teilnahme sprechen wir allen Bekannten und Freunden. Genossinnen, Genossen und Organi» sationen unseren wärmsten Dank aus. ramlile NklnNG Mol?. Bcfcocbhinq Auch bis zu 16 Monatsraten ttaddätz& teicziuerätelZZ-lZäH Theater, Lichtfpiele ufw. Sllldl. Oper Chnrlottenburz Fraunhofer 0231 Dienstag. 20. Scpt Turnus I Rigoletto Beginn 20 Uhr Berger, Amerling, Pataky, Reinmar, Baumann Dirigent: Ladwig. WTi jaoi. 5 u.*y, uhr JACKSHEA WILSON, KEPPEL BETTY /TOGARE LAI-FOUN/GENIA NIKOLAJEWA TRIO OARESCO usw. Zch mache Ihnen die freudige Mitteilung, daß ich mich nach Gebrauch Ihres Knob- lauchsaftes wie neugeboren fühle. Meine Herzbeschwerden u. Echwindeianfälle, so- wie Rheumatismus u. Schlaflosigkeit sind seitdem verschwunden. Ich spreche Ihnen meinen herzlichsten Dank aus und werde Ihren Knoblauchsaft in meinem großen Kunden» u. Bekanntentreiie aufswärmfte empfehlen.— Nikolaus Bernhard, Heü» gehiife u Masseur.BadHomdurg od. Höhe 60000 Anerkennungen über Zlnsser- HausmitteL Zinsser- Knoblauchsaft bewährt sich bei zu hohem Blutdruck, Ar- terienverkaIkung.Herzbeschwerd..Aithma, Hämorrhoiden, Leber- u. Gallendejchwer- den, Verdauungsstörungen, Rheumatis- mus und allen Stoffwechieistörungen. Geruchlos u. ohne Geschmack sind Knob- lauch-Tabletten u. Knobiauchöl-Kapseln. Schachtel je M. 3.—. iN den meisten Apotheken zu haben. noblauchsaft auch in den Drogerien. 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Arbeitslosen- Uermiltlung und Arbeitslosen-verstcherung. Referent: Kollege Bernhard Krüger. 2. Diskussion. 3. Brauch lnangelegenheiieu. Mitgliedsbuch legitimiert! Oonnerslag, den 22. Seplembet, abend» 7 Ahr. im Geinertfchafls- haus, Engclufer 24-2»(Großer Saal) fiemeinsame Brandien-Versatninlung der Rohrleger. Heller, Bau- u. Werkstaltklempner, Koptersdimfede Tagesordnung I. Bericht vom 20. verbnndslng In vertmnnb. 2. Branchenangeiegenheiten. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreicher Besuch wird erwärm. vonnerstnn. den 22. September, abend» 7>;; Ahr. im ColaI„Schlefl- fch«©elmaf, Tleue Zriedrichstr. 1 fnahe Iannowitzbrücke) Brandien-Versamntlang der Aatoden' and Elektro- sdtweifter u. SöiweiSerlnnen Tagesordnung: 1. Bericht vom 20. Berbondslag in Oortmnnd. 2. Aussprache. 3. Beruisangelegenheiten und Per- fchiedene». Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. »diians. Bilfsarbeifer! Die Konferenz der Hilfsarbeiter fällt am Donnerstag, dem 22. September, aus. Ol« OrlsverwaUang, DeutstiigsMet Weidend. 5201. 8 Uhr Rose Bernd von Ceihart Hauptmann Regle: Karl Heinz Martin Hantmerspiele , 8'/. Uhr Schicksal nachWunsch Komödie v. Christa Winsloe Regie: Rudolf Beer Melzer, Ullrich, Riemann, Abel, Brausewetter Tiieaterii.Weslens bis 25. Septemb.| täglich 8Vs Uhr 1 Stgs. 4 u. 8lli U- I Richard Tauber in Dreimäderl- haus inetropol-Tlieater Täglich 8V« Uhr Jrißi Massary Eine Frau, die weift, was sie will! /berliner theaA I It 1 Donh. 625 3 Uhr 1 1 Ab Preltagri 1 MOISSI 1 Der lebende 1 1 Leichnam 1 IbOPf.— 4M J Lessing-Tlieaier Tägi SV« Uhr GreteMosheim Oskar Homolka in Pygmalion Schiller rolmansir. 70/71 Steinpl(C 1) 6715 Täglich 8 Uhr Der 18. Oktober Rose- Theater IrtBi Frankfortir Stnie 132 Iii. Wiimiil 1 1 3422 8,30 Uhr Aerzte im Kampf Theater am Schiffbauerdamm D 2 Weidend. 9935 Freitag, S1/» Uhr Urnutführung ..Kolonne Immererlln" Bsrl.Rom.y.Kins Brennart mit Harald Panlsen Zimmer I Bult». 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Weißt du, wer gesund ist und keinen Hunger hat, der hat einfach kein Recht, unglücklich zu sein.— Uebrigens Martin— am schlimmsten sind so Alte, die sich auf neue Zeit umgestellt haben. Da schreiben welche von moderner Sportjugend, Autofahren, kurzen Kleidern, kurzen Haaren und Jazzmusik und haben ein kolossales Talent, den Nagel gerad' neben den Kopf zu treffen. Die gehn mit der Jugend mit! Als wenn die Wert darauf legte! Und blasen sich auf mit einer Urteilskraft, die sie nicht haben. Die neue Generation! Die neue Zeit! Tun so, als Hütt'„die neue Zeit" eine Verbeugung vor ihnen gemacht: ach bitte, kommen Sie doch mit, Herr T, ohne Sie bin ich glatt aufgeschmissen. Und dann nickt Herr T gnädig und geht mit. Ist furchtbar ver- ständnisvoll und gütig und zerdrückt hin und wieder eine konservative Träne im Auge." Gilgi steht auf, räumt die leeren Teller und Schüsseln zusammen und trägt sie in die Küche. Kommt zurück, setzt sich zu Martin auf die Sessellehne und zündet sich eine Zigarette Qilgi jrtu jirh»u tllurUu auf die SeSfellehne Phot. Paramount an.„Die Alten! Entweder sie schimpfen auf die neue Generation oder oerherrlichen sie— in jedem Fall: wenn wir unter dreißig uns nur halb so wichtig nähmen, wie die uns nehmen— wir wären schon allesamt erstickt an unserem eigenen Größenwahn. Ach, und die haben sich und uns überfüttert mit ihren fetten Worten und ihrem ewigen Gequatsche." Mit einem Plumps fällt Gilgi von der Sessel- lehne runter— Martin auf den Schoß.„Die — die— man sollte sie alle mit Strychnin impfen! Daß die sich nicht schämen, von Herz und Gefühl zu reden, ich— also ich würde mich eher nackt auf den Domplatz stellen—" —„Na, aber mir wirst du doch sagen, daß du mich magst, Gilgichen?"—„Ach du,— als wenn du das erst noch hören müßtest!" Er biegt ihren Kopf zurück— grell liegt das Licht der Stehlampe auf ihrem Gesicht. Junges Gesicht. Junges, junges Gesicht. Und doch— hier und da, unter den Augen, auf der Stirn, um die Mundwinkel— noch keine Runzeln und Fältchen— nein— nur leise, entfernte Andeutungen, kleine Ahnungen, die sich in vier, fünf, zehn Jahren so traurig er- füllen werden— trotz Creme, trotz Salbe, trotz Mandelkleie. Kleines Mädchen, man muß nett zu dir sein, sehr viel ärmer bist'du als ich. Tausend eigene und fremde Gedan- ken, Zeit, Luft und Wünsche haben sich frech und unaufgefordert in mein Gesicht hineinge- schrieben— schadet ja nichts, solange sich ein Mädel wie du von mir küssen läßt. Was aber, wenn dein blankes, kleines Gesicht zer- schrieben ist! Und wenn man dich lange be- hielte? Wenn dann die kleinen Falten, die kommen werden, mir gehörten? Kannst du so sein, daß man alt werden möchte— mit dir zusammen? Braves, dummes, kleines Bürgermädchen— arbeitest dir Spinnweben ins Gesicht— warum? Wozu? Soviel Willen um so wenig Wert. Soviel verkrampfter Ehrgeiz um so kleines Ziel. Trrr— trrr— trrr spritzt der Regen an die Scheiben. Ein kaltes, trauriges, unfreundliches Land, dieses Deutschland! Man müßte noch Geld haben. Müßte den Koffer in die eine Hand, das kleine Mädchen an die andere Hand nehmen — weit fort fahren, irgendwohin, wo's heller, lustiger, sonnensatter sein wird, ihr beibrin- gen, wie dumm und unwichtig das ganze tagefressende Getriebe hier ist. „Bist du müde, Kleine?— Das geht so nicht mehr, ich komm' mir schon ganz brutal vor! Wir werden uns acht Tage lang nicht sehen." „Acht Tage nicht sehen!! Martin! Was heißt das? Acht Tage nicht sehen??? Wie? Meinetwegen?— Ach, Martin", Gilgi lächelt beinahe hoffnungslos—„was das schon nützte? Was glaubst du— machte mich müder: eine schlaflose Nacht mit dir— oder eine schlaflose Nacht allein? Wählen wir von zwei Uebeln das kleinere— man muß immer logisch denken! Prost!" Olga holt Gilgi vom Geschäft ab.„Man sieht und hört ja nichts mehr von dir?" Sie hakt Gilgi unter, schweigend gehen sie neben- einander her. „Hab' höchstens eine halbe Stunde Zeit", sagt Gilgi, als sie die Tür zu ihrem Man- sardenzimmerchen aufschließt. Beinahe vier- zehn Tage ist sie nicht mehr hier gewesen. Sie hat ein beschämendes Gefühl von Untreue gegen Olga, Pit, das Zimmer, ihre kleine Prioatarbeit, ihr ganzes Leben. Olga zieht sie neben sich auf den Diwan, sieht sie an mit ihrem erfahrenen Blick: un- trügliche Symptome— bißchen schlappe Schultern, unruhige Augen, fremder weicher Zug um Mund und Kinn. „Martin?" fragt Olga. Ja." '�Jst es ernst?" „Ja." „Und?" „Na, was denn: und! Vorläufig bin ich glücklich." Gilgi zieht das Grammophon auf ... es geht alles vorüber... Bestürzt sieht Olga ein paar Tränen auf die Platte purzeln. „Sentimental neuerdings?" „Quatsch. Nur nervös. Die ganze Hetzerei, die ganze— ach, alles." Büro, Zuhause, Arbeit, Liebe— wie hat sie das früher nur vereint? War anders, ganz anders. Den langen Klaus, der vor zwei Jahren für sechs Monate ihr Freund war, den hat sie die Woche zwei-, dreimal gesehen. Tanzen, Kino, Sommerausflug an den Rhein, Paddelbootfahrten, kleiner Week- endzauber— alles sehr nett, lustig und nicht weiter aufregend. Wenn man sich sah, war's gut— wenn nicht— hatte man eben anderes zu tun. Beide. Partner und Partnerin. Hauptsache blieb Arbeit und Weiterkommen. Man hatte sich gern auf eine etwas nüch- terne, unbeschwerte Art, und daß ein freund- lich verliebtes Gefühl für einen Mann sich je zur Betriebsstörung auswachsen könnte, das wäre das letzte gewesen, das Gilgi für mög- lich gehalten hätte. Und nun! Der Martin ist eine Betriebsstörung Und das schlimmste: diese Störung ist ihr lieber als der ganze Betrieb zusammen. „Und von neun bis fünf sitzt man auf dem Büro, rennt dann schnell mal nach Haus, tippt ab sieben beim alten Mahrenholz, und erst um neun ist man glücklich mit Martin zusammen Kannst dir wohl denken, wie schnell die Zeit dann vergeht— fängt um neun ja erst an. der Tag. Ach, und von den Krons muß ich weg, es ist die höchste Zeit. Wenn man in der Karnevalszeit erst morgens nach Hause kommt, findet ja keiner was dabei. Aber nach Karneval! Wenn man da nachts nicht zu Haus ist, wirkt das verdächtig — muß ja auffallen. Wär' ich man erst fort—! Ich kann nur den richtigen Dreh nicht finden." Olga hat nachdenklich besorgte Augen. Gilgi und Martin! Eigentümliche Kon- stellation. Wenn das nur gut geht. (Fortsetzung folgt.) 3. Amdurfki Schuherl: Wie /färb Wlickiemcm? A öa m Mickieroicz ist der polnische Klas- siker, der Dichter, den Polen zur Weltliteratur beigesteuert hat, dazu einer der großen Heroen im Befreiungskamps«. Man weiß von seine n Besuch bei Goethe, man weiß, wie Goethe ihn schätzte. Die polnischen Literaturprofessoren(und nicht nur die polnischen) haben unzählige Werke über ihn geschrieben, und von Mickiewiczs Leben sind gewisse Einzelheiten des langen und breiten dargestellt, mit Legenden verbrämt, mit patrioN- schem Zierrat ausgeschmückt worden. Von seinem Tod wußte man so gut wie nichts. Man hatte sich, offenbar nicht ohne Absicht, damit begnügt, zu konstatieren, daß Mickieroicz an der Cholera sehr plötzlich verstorben wäre. Die Literaturpro- fessoren hatten nicht weiter nachgeforscht, die ganze Angelgenheit blieb ein wenig dunkel. Tadeusz Boy-Zelenski ist ken Literaturprofessor, sondern bloß ein ousgezeich- neter Schriftsteller, er wird von den zünftigen Wissenschaftlern wenig geschätzt. Aber er ist wissenschaftlicher als sie. Er hat in die polnische Literaturgeschichte Schwung gebracht, er hat die patriotischen Ausschmückungsmethoden gründlich diskreditiert und er hat das Dunkel über Mickie- wiczs Leben und Tod besser zu lichten verstanden als zwei Professorengenerationen. Die Profes- soren hatten eiserne Tatsachen darstellen wollen und gaben gipsernes Ngtionalheiligtum, der Out- sider hatte den Menschen gesucht und ein Genie gefunden. Boy zerstört« den emsig um das HaUpt des„Propheten"(Mickieroicz ist den Polen aller Parteien mehr als Nur-Dichter, er ist ihnen: Ver- kündung, Banner, das Vaterlandssymbol) ge- wobenen Glorienschein des Patriotismus und löst jetzt zum Entsetzen aller Hüter der Tradition das Rätsel von Mickiewiczs Tode. Boy behauptet, daß der Dichter ermordet wurde. Vergiftet von reaktionären A r i st 0 k r a t e n. Vergiftet für die„Sache des Glaubens und des Vaterlandes". Es hieß bis jetzt, daß Mickiewicz an Cholera gestorben fei, als er 18öS während des Krim- krieges an der Bildung einer polnischen Frei- willigenarmee in Konstantinopel mitarbeitete. Boy weist die Wahrscheinlichkeit der Ermordung mit zwingenden Argumenten nach Als Mickiewicz nach Konstantinopel kam, war er noch keineswegs der vergottete Volksheilige. Er war ein heftig befehdeter Publizist, radikali- sierender Emigrant, ketzerischer Mystiker und— bei einem polnischen Adligen völlig unbegveif- lich— enragierter Philosemit. Ein anderer großer Dichter der Epoche, Graf Zygmunt Kra- sinski, schimpfte ihn also einen Juden und Juden- knecht, einen Landesverräter... einen Unter- menschen. Seine Popularität war ein Trumpf in den Händen der nationalen Romantiker, aber seine Gesinnung war oft anstoßerregend und konnte„Polen und ihn selber nur mit Schmach und Schande behecken" Mickiewioz war nach Stambul im Auftrage der Pariser Emigrationszentrale gekommen. Er sollte dort zwei rivalisierende polnische Regiments- führer aussöhnen. In einer dieser Legionen be- gegnete er einer Gruppe junger Juden, die mit den Polen, Engländern, Franzosen und Türkei zusammen gegen den Zaren kämpfen wollten. Da hatte Mickiewicz die Idee, eine eigen e jü- dische Legion zu schaffen. Diese Idee«nt- sprach durchaus seiner mystisch-messianistischen Ideologie, in der die Hochachtung für„Israel" von jeher einen breiten Raum eingenommen hatte. Er lehrte,„ohne die Befreiung der Juden könne Polen nicht wieberauferstehen" Mickiewicz geht nun mit Leidenschaft an die Verwirklichung dieses Planes, leitet Verhandlun- gen mit der türkischen Regierung ein, die jüdische Legion soll nicht nur Polen helfen, sie soll auch das nationale Bewußtsein der Juden wecken und ihnen— ein Menschenalter vor Theodor Herzl!— die eigene nationale Unabhängigkeit erkämpfen. Der Sekretär des Dichters, Armand Lövy, als Katholik getauft, ober unter dem Einfluß Mick!«- wicz wieder Jude geworden, stellt eine Verbin- dung zwischen dem Sultan und den Pariser Roth- schilds her. Die Türken sind in finanziellen Schwierigkeiten, sie fürchten sich aber, die Idee einer jüdischen Legion zu verwirklichen, sie fürch- ten, die Sache könnte allzu gut gelingen, und ihre Juden, einmal erwacht, könnten Palästina der Türkei abnehmen. Die Rothschilds beabsich- tigen sogar, Jerusalem mit Umgebung abzukaufen, wo sie, Vasallen des Sultans, als Fürsten Herr- schen würden. Zuerst einmal aber sollen die Türken eine jüdische Legion ausitellen, unter dem Patronat von Mickiewicz und Rothschild und unter der Führung eines polnischen Obersten Bednarczyk. Mickiewicz war überzeugt, daß die Juden im russischen Heer und in Polen sich auf die Kunde von„seiner" jüdischen Armee gegen den Zaren auslehnen und den Sieg beschleunigen würden. Die klerikalen Elemente Europas verfolgten diese Pläne und die Verhandlungen mit Rothschild mit begreiflichem Mißtrauen. Den klerikalen und adligen polnischen Emigranten verschlug es den Atem. Am 26. November 1865 wird Mickiewicz von heftiger Uebelkeit befallen. Oberst Bednarczyk. dessen Bericht über den Tod des Dichters erst kürzlich veröffentlicht worden ist, geht zu einem Arzt, einem polnischen Emigranten. Der Arzt konstatiert— auf Entfernung— Cholera und erklärt kurzerhand, es gebe keine Rettung mehr. Den Kranken zu besuchen, lehnt er mit der Be- gründung ab:„Man wird sagen, ich hätte ihn umgebracht." Erst als Bednarczyk ihm eine Pistole vor den Kopf hält und ihn zu erschießen droht, folgt er ihn zum Kranken. Dort unter- nimmt er keinen Rettungsversuch und wiederholt aufgeregt:„Wozu hat man mich hierher gebracht, es gibt keine Rettung, man wird sagen, ich hätte ihn vergiftet." Der Arzt stand den gegnerischen Emigrationskreisen nahe und muß anscheinend von dem geplanten Anschlag auf Mickiewiczs Leben gewußt haben. Zumindest aber wußte er, daß Mickiewiczs plötzlicher Tod manchen einfluß- reichen Landsleuten nicht ungelegen kam. Nach dem Tode wurde ganz offen von Giftmord gesprochen. Man nannte auch die Anstifter und die unmittelbar Schuldigen. Als der spiritus rcctor tot war, zerflatterte die Idee der jüdisch-polnischen Legion. Mickie- wicz selbst war nun ungefährlich, er konnte das adlig-katholische Polen nicht mehr kompromit- tieren. Um so eher konnte man aber seinen Nimbus für die nationale Sache ausmünzen. Eine Verschwörung des Schweigens war schnell ge- bildet. Das bloßstellende Material kam in die Geheimwinkel der Privatarchive. Der vater- ländischen Legend« stand nichts mehr im Wege. Mickiewicz wurde zum Argument des frömmelnd-undulosamen Patriotismus. Thomas Qlogger: Qefchichlen um Chaplin Charlie Chaplin liebt es, inkognito zu reisen und in Gesellschaft zu gehen, um zu studieren, wie groß seine Volkstümlichkeit sei. Natürlich ist er überzeugt, daß er ein beliebter Filmstern ist, denn täglich bekommt er Tausende von Lobbrieien aus dem Publikum und fühlt, wie begeistert die Menschen von ihm sind. Aber er ist doch mitunter neugierig zu wissen, was die Menschen für eine Meinung von ihm haben, wenn er nicht unter ihnen ist. Einmal maskierte er sich als Schuhmacher, der eben die bekannten großen Bühnenschuhe Chaplins über der Schulter trug. In dieser Aufmachung erschien er in dem Pariser Hotel, in dem er selbst wohnte. „Herr Chaplin ließ bei mir seine Schuhe be- sohlen", sagte er zum Portier,„die Schuhe sind fertig." „Lassen Sie die Schuhe hier, ich werde sie Herrn Chaplin übergeben", sagte der Portier. „Leider kann ich das nicht tun", sagte darauf der maskierte Chaplin,„weil Herr Chaplin schon einmal vor zwei Jahren bei mir Schuhe besohlen ließ und diese auch nicht bezahlt hat. Ohne Okld kann ich die Schuhe auf keinen Fall hier lassen. Herr Chaplin liebt es, überall schuldig zu bleiben!" Der Hotelportier wurde rot vor Wut.„Hören Sie, was kosten die Schuhe?" „Sieben Franken." „Und die frühere Arbeit?" „Ebenfalls sieben Franken." „Da haben Sie 14 Franken und noch 14 Fran- ken für die nächsten Sohlen. Aber jetzt machen Sie schnell, daß Sie von hier fortkommen, sonst..." rief der Portier und hob seine riesigen Fäuste. Nie hat er die 28 Franken von Chaplin oder dessen Sekretär zurückverlangt. Auf diese Weise erfuhr Chaplin, daß seine wahren Verehrer ihn so lieben, daß sie auch bereit sind, materielle Opfer für ihn zu bringen. Ein anderes Mal setzte er sich eine schwarze Brille auf, um sich unkenntlich zu machen, und erschien vor der Kasse eines kleinen Vorstadtkinos und fragte:„Kann ich noch eine Karte bekommen?" „Jawohl", sagte der dicke Kinobesitzer, der selbst an der Kasse faß,„Sie können noch einen reser- vierten Platz haben." „Ader ich möchte erst wissen, was gespielt wird?" sagte Chaplin. „Ein Chaplin-Film", antwortete stolz der Kino- besitzer. „Schon wieder ein Chaplin?" bemerkte Chaplin geringschätzend,„wann wird endlich mal bei Ihnen ein ordentlicher Film gezeigt?" Der Kinobesitzer sprang empört von seinem Sitz auf, nahm einen dicken Stock und wollte seinen unzufriedenen Kinobesucher schlagen. Chaplin mußte flüchten. Der Besitzer lief ihm nach und ließ seine Theaterkasse inzwischen unbeaufsichtigt. Nur mit großer Mühe konnte sich Chaplin vor dem rabiaten Menschen retten, der wütend hinter ihm her eilte. Als der Kinobesitzer zurückgekehrt war, fand er seine Kasse ausgeplündert. Nicht nur seine Tageseinnahme, sondern sein ganzes erspartes Geld waren geraubt. Am nächsten Tage erschien der Sekretär Chaplins bei dem traurigen Kinobesitzer und teilte ihm mit, daß Chaplin ihn nicht nur entschädigen, sondern sein Kino modern umbauen lassen werde. Der Kinobesitzer weiß heute noch nicht, daß der Mann, der ihn so aufgeregt hatte, Chaplin selbst war. Ein anderes Mal ging dieser zu einer Polizei- wache. Er trat ein und sagte den amerikanischen Polizeibeamten, die dort Dienst hatten:„Bitte, kommen Sie schnell mit mir, ich habe soben ge- sehen, wie Charlie Chaplin 60 Flaschen oerschie- dener Alkoholgetränke auf sein Auto lud!" Be- kanntlich wird der Alkoholschmuggel in Amerika streng bestraft. Kein Polizist bewegte sich. Nur ein alter Wachtmeister brummte drohend:„Hören Sie, wenn Sie nicht gleich fortgehen, wird man Sie ins Gefängnis werfen!" Chaplin, den keiner von den Beamten erkannte, eilte davon und ging zu einer anderen Polizei- wache. Dort sagte er wieder zu den diensttuenden Beamten:„Bitte, kommen Sie mit, Charlie Chaplin ist in größter Gefahr. Hier in der Nähe haben ihn Strolche überfallen!" Die ganze Wacht- stube, ungefähr dreißig Beamte, sprangen wie ein Mann auf, um Chaplin aus der Gefahr zu retten. Jetzt enthüllte Chaplin sein Inkognito, und lachend lud er die ganze Mannschaft zu einem abendlichen Festessen ein.