Morgenausgabe Nr. 445 A 212 49. Iahrgang Wöchenllich 7B Ps. monatlid) 3,35 M. (davon 87 Ps, monatlich für Anstel- lung ins Haus) im voraus zahlbar Postbezug Z,S7 M. einschließlich so Pf, Postzeitungs- und 72Pf.Postbestellge» dllhren. Auslandsabonnement 5,65 M. vro Monat; für Lander mit ermäßig- tem Druckfachenporto 4,66 3JI Bei Ausfall der Lieferung wegen bäherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Ersatz. » Erschetnungswetse und Anzeigenpreis, stehe am Schluß des redaktionellen Teils, � f. Berliner Voltsblatt Mittwoch 21 September 1932 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Jentrawvgan der Goziawemokratjschen Partei DeutschlmUS Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 sternspr.; Dönhoff(A 7) 292— 297. Telegrannn-Adr.: Sozialdemokrat Berlin «flr Vlels und Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 539.— Bankkonto; Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 8. Dt.B.«.Ditzc.-Sef., Depositen!., Jerufalemer Str. K5/9S. IM! I.öbs rufen zum Freiheitskampf. Die Berliner Sozialdemokratie hat den Wahlkampf er- öffnet, sieben Wochen vor dem Entscheidungstag. Daß sie gerüstet und entschlossen ist, das bewies der im- panierende Verlauf der überfüllten Kundgebung im Sportpalast. Nicht lärmende, aufflackernde Begeisterung, sondern un- ermüdliche kampfesfrohe Bereitschaft, abermals unter Auf- bietung aller Kräfte den Feinden der Arbeiterklasse und der sozialen Demokratie siegreich die Stirn zu bieten— das war das Kennzeichen dieser Kundgebung im Zeichen der roten Fahnen und der drei Pfeile. Die Berliner Sozialdemokraten, die vor sieben Wochen über 766 666 Stimmen aufgebracht haben, werden durch Agitation und Aufklärung dafür sorgen, daß in sieben Wochen noch we i t mehr Wählerinnen und Wähler sich zu ihrem Programm und zu ihren Zielen be- kennen. Nicht wir sind es, die einen fünften Appell an das Volk zu scheuen brauchen. Mag auch der Name der Eisernen Front neueren Datums sein, die sozialistische Bewegung ist zu alt- erprobt, zu festgeschmiedet, zu diszipliniert, um nicht jeder- zeit bereit zu sein, dem Ruf ihrer Führer geschlossen zu folgen: am 6. November zum fünften Male innerhalb von neun Monaten und, wenn es sein muh, ein sechstes Mal bald danach. Wir sind bereit, jederzeit und immer bereit! Das war das Gelöbnis der 18 666, die aus allen Teilen Berlins in den Sportpalast zusammengeströmt waren. Aber über diese Demonstration der Kraft und des Kampf- willens hinaus gewann die gestrige Kundgebung eine eminent politische Bedeutung durch die aufsehenerregen- den Enthüllungen des Genossen Otto Wels über den Verzweiflungsplan Adolf Hitlers am Vorabend der letzten Reichstagstagung: Als der nationalsozialistische Führer sah, das? ihm der Weg zur Macht durch Hindenburgs Rein versperrt war. wollte er durch die Vermittlung des Zentrums die Sozialdemokratie für eine gemeinsame Aktion zur Absetzung H i n d c n- burgs durch einen Reichstagsbcschluß mit Zwei- drittelmehrheit gewinnen! Die„Marxisten", die „Landesverräter", die„Novemberverl, rcchcr" sollten sich dazu hergeben, seine enttäuschten Machtansprüchc aus Umwegen zu befriedigen! Daß wir uns auf solche betrügerischen Geschäfte nicht eingelassen haben, ist selbstverständlich, und die Versammlung brachte durch Zurufe und Beifall zum Ausdruck, was sie von den Charaktereigenschaften dieses neuen Messias des deutschen Spießbürgertums hält. Und wie es in den obersten Sphären der NSDAP, aus- sieht, dafür lieferte Wels einen neuen Beweis mit der weite- ren Enthüllung eines Schrittes von Gregor Straßer bei Schleicher, ebenfalls am Vorabend der Reichstags- auflösung: Gregor Straßer suchte den Reichswehrminister aus und legte ihm nahe, auf Hitler einzuwirken, da- mit er endlich seinen Anspruch auf den Reichs- kanzlerpostcn Preisgebe, den zu bekleiden er gar nicht fähig sei. Aber Schleicher war offenbar bereits fest entschlossen, den Weg der faktischen Diktatur mit Papen weiterzugehen und lehnte eine solche Einwirkung ab. Diese Enthüllungen werden im In- und Ausland in den kommenden Tagen zweifellos im Vordergrund des politischen Interesses stehen und im Wahlkampf selbst dazu dienen, den nationalsozialistischen Mitläufern zu zeigen, wie es mit ihrer Führung bestellt ist. Zu immer neuer Begeisterung rüttelte unser Parteioor- sitzender die Versammlung auf, als er in ergreifenden Worten das sozialdemokratische Bekenntnis zum Vaterland und zur Heimat im Sinne einer höheren Kultur, im Sinne der staatsbürgerlichen Freiheit ablegte und den Miß- brauch der nationalen Gefühle durch Hitler, den Mann des Bürgerkrieges, und durch Papen, den Mann der Herren- schicht, brandmarkte. Nun folgte Genosse Paul L ö b e, der, wie der Be- zirksvorsitzende Franz Künstler unter immer wieder- holten Beifalls- und Freiheitsrufen feststellte, in Berlin erst recht populär geworden ist, seitdem er durch seinen Eintritt in die„Vorwärts"-Redaktion den Berliner Parteigenossen noch näher steht. Seine teils humorvollen, teils packenden Worte rissen die Versammlung immer wieder zu Beifalls- stürmen aus, als er den Katzenjammer derbetroge- n e n Nazis verhöhnte, die Verantwortung der Kommuni st en eindringlich nachwies, die sozialreaktionäre Gefährlichkeit des kapitalistischen Papen-Kurses feststellte und als er schließlich die Rettung aus der Wirtschaftskrise allein durch den Sozialismus oerkündete. Ein paar zündende, aus dem Herzen kommende, zu den Herzen sprechende Worte des österreichischen Abgeordneten Genossen Karl Ellenbogen, ein flammendes Gelöbnis des Genossen Franz Künstler, ein strammer Abmarsch der Fahnendelegationen unter den Klängen unserer alten Trutzlieder— d i e Berliner Sozialdemokratie zieht siegesbewußt in den neuen Kampf! ** * Stehend, mit zum Schwüre erhobener Faust, grüßte» die Alassen die Banner der Freiheit, die von unseren Kämpfern im Arbeitsrock, in der Uniform des Reichsbanners oder im Sportdreß in den Saal geleitet wurde». Dann eröffnete Franz Künstler die erste Wahlkundgebung der Berliner Eisernen Front mit dem Hinweis darauf, daß in der Eisernen Front Parteigenossen, Gewerkschafts- kollegen. Arbeitersportler und unsere tapferen Reichsbannerkame- raden zu dem geineinsame» Werke der Freiheit vereint sind. Einen ersten Gruß widmete Künstler dann dem im Zuchthaus sitzenden Berliner Reichsbannerkameraden Max Rothe, und er fügte hin- zu: Es wird der Tag konmien, wo die Opfer der Reaktion wieder an unserer Seite für Sozialismus, Demokratie und Freiheit kämpfen werden. Ein Zeichen der innigen Verbundenheit zwischen Berliner Partei und Berliner Reichsbanner waren die Worte, die Künstler an den ain Borstandstisch sitzenden Kameraden Wülfel rich- tete, der noch immer unter den schweren Verwundungen leidet, die er durch einen feigen Uederfall nationalsozialistischer Burschen erlitt. Genosse Künstler erinnerte dann an den großen Wahlsieg unserer schwedischen Genossen und begrüßte mit herz- lichen Worte» den Genossen Ellenbogen aus Deutschösterreich und Vertreter der deutschen Sozialdemokratie der tschechoslowakischen Republik. Mit einem Appell, auch in diesem fünften Wahl- kämpf des Jahres in mutigem Angriff auf alle Gegner die Pflicht zu erfüllen, schloß Künstler seine einleitenden Sätze. Nach- dem dann Martha John hinreißend Verse der Freiheit gc- sprachen hatte, nahm das Wort, stürmisch begrüßt, der Vorsitzende der deutschen Sozialdemotratie Otto WelS: Die Beauftragten des Herrenklubs in der Wilhelmstraße haben entschieden, daß das Seutsche Volk am S November wiederum zur Wahlurne gehen muß. Das Urteil über die Regierung Papen ist bereits gesprochen, noch eh« das Volk zur Wahlurne geht Sie wird wiederum eine Schlappe erleiden und wir wollen dann sei)«», ob es der Reichspräsident nochmals wagt, wiederum einen Vor- wand zur nochmaligen Auflösung des Reichstag» Hoover ermahnt Deutschland. Weitere Beteiligung an der Genfer Konserenz erwünscht. zu miterschrelben. Mehr als n«tu Zehtt&l des Parlaments wtnk» ten dieser deutschnationaien BaronÄregicruug ab. In jedem anderen Staat wäre nach dieser unzweideutigen Willenskundgebung des Reichstags geschehen, was selbst der Vorstand eines neutralen Kegelklubs getan hätte. Der mit der Geschäftsführung beauftragt« Vorstand wäre zurückgetreten. Es entspricht dem Geist der ostetbischen Krautjunker, daß aus die Meinung von neun Zehnteln des DoAes und seiner Der- treter gepfiffen wurde. Damit haben sich die Barone als echte und unverfälschte Nach- kommen jener Itzenplitze und Köckeritze erraiesen, die schon immer den Staat nur als ureigene Domäne betrachtet haben. Die Schlot- barone und Junker sind unverändert geblieben: Wir sind„wir" und schreiben uns„von"! Wenn diese Herrschaften heute wieder an der Macht sind, dann durch Lug und Trug der Braunen Häuser, überhaupt aller Diktatur- anbeter, ob sie nun von Rom oder von Moskau oder von einem schwarzweißen Kuratorium in der Wilhelmstraße aus» gehalten werden. Ohne Hitler kein Papen, ohne Papen keine Not- Verordnung und ohne Hungerverordnung nicht Millionen, die am Leben lieber heute als morgen verzweifeln mochten. Mögen Hitler und Göring heute noch so sehr toben gegen Hugenberg und Papen, es gibt keine Seife der Welt, die Hitler und seine Bandenführer weißwaschen könnte von der ewigen Schmach des Volksverrats. warum stehen denn die Erretter Deutschlands erst heute in Opposition zu Papen, Gay! und Schleicher? Ist Herr von Papen, ist Herr von Gayl, ist der HerrenNub'fMhlich ein anderer geworden? Die Herren Barone habetqjsich nicht gewandelt! Ob Braune Häuser oder Herrenklubs— aus ihren Fenistern ist jahrelang die gleiche Melodie gekommen:„Nieder mit dem Marxismus." Hitler und seine Mannen haben dem �errenklub ermöglicht, Brüning zu stürzen. Sie haben gejubelt, als die Barone die preußisch« Volksregierung mit Gewalt aus dem Anrte holen ließen. Heute läuft Herr Kerrl zu Hindenburg, um ihn um die Entfernung des Herrn Bracht zu bitten. Heute spielen die Diktatur» anbeter die Versassungsschützer. Aber wir wiederholen es immer wieder: Ohne Hitler kein Papen, ohne Hitler kein Ka binett der feinen Leute, ohne Hitler keine Notverordnung des Herrn Papen, ohne Hitler kein Renten- und Unterstützungsabbau von jähr- lich IV2 Milliarden Mark, ohne die Braunen Häuser kejn Herren- klub, ohne die Kettenhunde des Kapitals kein Lohnabbau, ohne Hitler kein Ende des Wohlfahrtsstaates. Hitler ist ausgezogen, um im Auftrage des Herrenklubs den Marxismus zu Magen. In Wahrheit hat er das arme notleidende Volk geschlagen. Seine Ver- sprechungen sind Lug und Trug. Diese angeblich nationale deutsche Arbeiterpartei ist weoer deutsch noch national. Tie verspricht alles: dem Volk die Republik, den Mrsten und Baronen die Wiederherstellung der Monarchie, den Katholiken die Erhaltung des lieben Gottes und des Christentums, den Protestanten die Austilgung der Jesuiten und die Vernichtung des Papstes und der schwarzen Pest. Mit Vertretern dieser„schwarzen Pest", den maßgebenden Führern des Zentrums, haben die maßgebenden Führer der Ratio- nalsozialisten in letzter Zeit wochenlang zu Koalitions- besprechungen zuspmmengesessen. Es hat sich aus ersten Gesprächen ein Kuhhandel entwickelt, wie er in der parlamen- tarischen Geschichte Deutschlands seinesgleichen nicht findet. Für die Zwischenzeit haben sich Zentrum und Nationalso�alisten für den bevorstehenden Wahlkampf gegenseitige Schonung zugelobt. Wir wollen diese Eintracht nicht stören, aber wir wollen den Nationalsozialisten im gegenwärtigen Wahltampf mehr noch denn je die Maske vom Geßcht reißen. Alle saßen wochenlang einträchtig beisammen. Es wurde gekuhhandelt, einmal im.Laiserhof" und das andere Mal in der Dien st wohnung de? Reich s-tagspräsidenten Göring. Dieser bilkloseste aller Reichstagspräsidenten lettete auch die Besprechungen, die einer Aktion gegen den Reiche- Präsidenten galten. Aus der Umgebung des RSlchzpräsidenten waren Nationalsozialisten und Zentrum darüber informiert, daß der Präsi- bent für«in« schwarzbraune Koalition vorläufig noch nicht zu haben sein würde, obwohl die Nazivertreter mit Hitler an der Spitze ihre Verfassungstreue ehrenwörtlich und hundertprozentig versicherten und einiger Ministersessel wegen auch bereit gewesen mären, ihre Agitationsphrasen von der„Iudenverfassung" und dem„System von Weimar" durch schriftliche, sozusagen notariell beglaubigte Er- klärungen zum alten Eisen zu werfen. Aber das nutzte alles nichts, weil der alte Herr— ich will nicht die Ausdrücke gebrauchen, deren sich Hitler bei den schwarzbraunen Verhandlungen im Hause des Reichstagspräsidenten über Hindenburg bedient hat, der ein für alle Male nach Neudeck geschickt werden sollte— nicht wollte. Hitler beschwor deshalb das Zentrum, den alten Herrn abzusetzen. Er hielt eine längere Rede, gespickt mit Redensarten und schönen Wechseln auf die Zukunft, in der er den Zentrumsvertretern an Hand der Verfasiung klar macht«, daß die Abfetzung des Reichspräsidenten durch Beschluß des Reichstags mit Zweidrittelmehrheit möglich sei. Ja, dieser Todfeind der Marxisten, der uns seit Jahren landauf» landab„Novetnberverbrecher" und „Volksverräter" tituliert hat, dessen Mund das Wort vom Köpferollen entsprungen ist— dieser öfter- reichische Ehrenmann beschwor die schwarzen Marxi- sten förmlich, uns, den Novemberverbrechern, die Bnndesgenossenschaft der Nationalsozialisten im Kampf gegen Hindenburg anzubieten. Diese Dinge kennzeichnen die Verlogenheit und Pflichtwidrigkeit der nationalsozialistischen Parteiführer. Die Hitler, Straßer und Goebbels, die sich als Todfeinde des Marxismus ausgeben, bieten uns, den Novemberverbrechern, eine Kampfgemeinschaft ausgerechnet zur Verteidigung jener Volksver- tretung an, die sie jahrelang in den Schmutz gezogen und als„Mi st st all" bezeichnet haben. Während sie uns dies Angebot machen ließen, versuchten sie mit dem Zentrum die künftige Gestaltung der Reichsleitung auszuknobeln. Wenn Brüning als Präsidentschaftskandidat durchs Ziel gegangen wäre, dann hoffte Hitler Reichskanzler zu werden. Und so glaubte man, die schwarzbraune Koalition doch noch auf dies« oder jene Weise zustande bringen zu können. Otto Wels wurde immer wieder von stürmischem Bei- fall unterbrochen. Sein« Enthüllungen über die schwarzbraunen Berhand- lungen und den Vorstoß der Nationalsozialisten gegen den Reichspräsidenten wurden mit der gespanntesten Aufmerksamkeit ausgenommen. Wels fuhr fort: Hitler in seinem krankhaften Ehrgeiz hat die Hoffnung, doch noch wie Herr von Papen Bismarcks Nachfolger werden zu können, noch nicht restlos aufgegeben. Aber die, die ihn groß gemacht haben, haben weder den Glauben an eine Reichspräsidentschast Hitlers noch an seine Reichskanzlerschaft. Sie suchen Hitler so oder so zu torpe- dieren. Am 9. September hat Straßer Schleicher besucht und ihn gebeten, Hitler die Unmöglichkeit seiner Kanzlerschaft klar zu machen. Schleicher sei der einzige, der das könne. Aber Schleicher lehnte ab und veröffentlichte sofort darauf das bekannte Kommunique, In dem es hieß, daß er zu einer Verfälschung des Gedankens einer Präsidialregierung nicht die Hand bieten würde. Wenn eine Systempartei das wäre, waS Hitler und seine Trabanten jahrelang vorerzähtte«. dann ist washingkon. 20. September. Präsident hoover erklärte heute:„Was Pressemeldungen aus Paris über die deutsche Gleichberechligungssrage anlangt, so ist die Haltung der amerikanischen Regierung klar. Die einzige Frage, für die unser Land Interesse hat, ist eine schritt- weise Einschränkung der Rüstungen in der ganzen Welt. Wir gehören nicht zu den llnterzeichnermächten de« versailler Vertrages und daher auch nicht zu den Parinern der Bestimmungen über die deutsche Rüstungsbeschränkung. Dies ist einzig und allein eine europäische Frage. Die Vereinigten Staaten haben immer erklärt, daß sie in eine Diskussion darüber nicht ein- greisen. Es liegt uns daran, daß Deutschland sich weiterhin an der Abrüstungskonferenz beteiligt, die heute für die ganze Welt so erfolgversprechend ist und seine Mitwirkung zur Erreichung dieses großen Zieles zur verfugung stellt." * Bei aller Vorsicht und Zurückhaltung stellt diese Erklärung Hoovers«ine deutlich« Mahnung an Deutschland dar, sich weiter an der Genfer Konferenz zu beteiligen, die er für„erfolg- versprechend" erklärt, während die deutsche These bekanntlich dahin geht, daß von Genf nichts zu erwarten sei. bies« Nazipartei die schlimmste und erbärmlichste Tystempartei, die sich je angemaßt hat, in die Ge- schichte und Geschicke eines Volkes einzugreifen. (Stürmischer Beifall.) 40 Jahre lang stehe ich im politischen Leben, aber solch« U n- Wahrhaftigkeit ist mir noch nie vorgekommen. Mit solchen Gegnern gibt es für uns kein Paktteren, da gibt es für uns nur Kampf bis zum letzten! Im Innern dieser Partei sieht es gleich ungesund und unwahrhaftig aus. Goebbels und Straßer selbst sind es, die immer wieder die Pläne Hitlers torpedieren wollen. Wels schilderte dann den Hintergrund der schwarzbraunen Verhandlungen in Preußen. Noch am 16. Juni hat der Führer der nationalsozialistischen Land- tagssraktion K u b e die Angehörigen des Zntrums„Kreuzscharen genannt, die das Kreuz schänden". Heute, zwei Monate später. sitzt man zusammen und verhandelt. Diese Partei trägt das Kainsmal des Brudermordes, das Zeichen der Lüge und des Betruges. Wir haben diese Menschen, die Herr von Papen als„ausbauwillige Kräfte" ansah, immer für die Zerstörer und Totengräber von Volk und Nation gehalten.(Stürmischer Beifall.) Horden, die Bürgerkrieg und Arbeitermord verkünden und dennoch sähig sein sollen, Deutschland wieder aus- zubauen, sind von Kräften groß gezogen worden, die sich jetzt wundern, weil die Bomben in einem Augenblick losgingen, in dem man es nicht wünschte! Eine Partei, deren Führer die Mörder von Potempa Ka- meraden nennt und die einen Fememörder Heines, einen Feme- Mörder Schulz in den Reihen ihrer Abgeordneten hat, soll als ein« wahrhast nationale Kraft bezeichnet werden können? Uns nennt man antinational und undeutsch. Aller- dings, wir schreien unseren Patriotismus nicht auf allen Gassen aus. Wir schämen uns, die hohen Be- griffe Heimat und Vaterland mit Mord und Bürger. krieg in einem Atem zu neuueu.(Erneute, begeisterte Zustimmung.) Uuser Herz schlägt für Friede» und Völkerverständigung(neuer Betfallssturm), aber nach den Worten des erste« Tote« des Weltkrieges, unseres großen Jean JaurSS, ist die Nation für uns das Schatzkästlein der Völker. Wir lieben diese Heimat, in der wir groß wurden, wir ehren die deutsche Kultur, wir beugen uns vor den deutschen Müttern, wir lieben das Land der Arbeit und das Land der Wisseuschast, wir sind eins mit den Ar- beitern und Bauern, wir wissen, was Vaterland und Heimat bedeuten. Und aus dieses Deutschland sind wir stolz von ganzem Herzen, von ganzer Seele! (Wiederholte stürmische Zustimmung.) Aber weil wir diese» Deutschland lieben, weil wir der Millionen Kriegsverwundeten und der Millionen Kriegstoten gedenken, deshalb wenden wir uns gegen die Regierung der Herrenkaste. deshalb kämpfen wir gegen jede Diktatur, mag sie von Hitler, Thälmann oder Papen auegehen. Das deutsche Volk braucht keine Diktatur, es will sie nicht, es will Arbeit, Brot, Frieden und Frethest. Dafür kämpfen wir, dafür siegen wir. Freiheit!(Stürmischer Beifall.) Als zweiter Redner trat Paul Lobe, mit begeisterten Ovationen empfangen, an das Rednerpult: Auf dem Braunen Hau» sitzt«in schwarzer Kater(Anhaltende Heiterkeit), der herzzerreißende Töne über die von Schleicher und Papen ver- schmähte Liebe jault.(Neue Heiterkeit.) Diese Töne klangen uns gestern von den Plakatsäulen entgegen, und am vorigen Donnerstag hallte die Klag« in diesen Räumen wider. Göring und Goebbels fühlen sich um das Erstgeburtsrecht betrogen, das sie sich für da, Linsengericht der Uniformen und der Auflösung erkauft hatten. Sie klagen jetzt, daß Herr von Papen die Volksvertretung mißachte. Sie drohen mit Rache, sie stellen mit Entsetzen fest, daß die Papenheimer noch schlimmer sind al» die marxistischen Bonzen. Wir wollen ihnen sagen: Wir legen nach wie vor Werl darauf, bei ihnen In dieser Konkurrenz die erste Stelle einzunehmen.(Heitere Zustimmung.) Aber wer hat denn den„feinen Herren" den Weg gebahnt, wer sagt«, die Masse will nichts als Brot und Spiele und hat kein Verständnis für Ideale? Wer forderte die Hsrrenschicht, die auf Grund ihrer besseren Rasse das Recht hat, rücksichtslos und brutal zu herrschen? Herr Hitler war e»! Nun hält eben Herr von Papen s i ch für die„bessere Rosse". Er stammt ja aus dem H e r r s n k l u b und trägt das Wörtchen „van" vor seinem Namen. Der nationalsozialistische Ge- lehrte Darre schrieb:„Der Adel ist der naturgegebene Spender deutschen Führertums." Nun ist der Adel da. Im Wettrennen zwischen Has und Swinegel ist Hitler zweiter Sieger geblieben und Schleicher schneller geschlichen.(Langanhalten- der Befall.) Wir können Hitler herzliches Beileid aussprechen, aber herbeigeführt ist die Situation durch sein» eigene Schuld. Im Ernst: Wenn jetzt Rechte und Link« sich deschweren, so wäscht doch kein Regen ab: sie sind die Bahnbrecher des Kabinetts der Barone. (Sehr richtig!) Wenn die Rechte die Herrenmoral verteidigt, die Linke die Demokratie verächtlich macht, und wenn beide Diktatur für das richtige Regierungsprinzip halten, haben sie eben Herrn von Papen den Weg geöffnet. Das müssen wir auch denen von links sagen, die vielleicht unbewußt gehandelt haben.(Sehr richtig!) Man fragt heute im Volke: Lohnt es sich überhaupt noch einmal zu wählen, wenn das Parlament ausgeschaltet und der Reichstag arbeitsunfähig geworden ist? Zeigt nicht der 20. Juli in Preußen die Machtlosigkeit der demokratischen Gewalten? Aber es handelt sich nicht um die politischen Rechte allein, obgleich sie der Ttolz des freien Mannes in allen Kulturvölkern sind. Es geht auch um die Wirtschaft- liche Existenz, um Lohn. Rente und Unterstützung! Je mehr der Einfluß des Reichstags sinkt, um so tiefer sinken Löhne und Renten, um so mehr ist das Tarifrecht bedroht. Volksrecht, Volkseinkommen, Dolksexsstenz stehen in untrennbarem Zusammen- hang. Genosie Löbe wies dann geschichtlich nach, wie unter der Re- gierung Müller-Wissell' eine Hebung der Sozial- b e z ü g e möglich war, wie unter Brüning bei 110 Nazis die Sozialdemokratie schon in die Abwehr gedrängt wurde, und wie unter der Regierung Papen bei 230 Nationcklsozialisten und 90 Kommunisten überhaupt keine Rücksicht mehr genommen zu werden braucht. Papen sagte sich zunächst: Ich habe hinter mir die SA., den Stahlhelm und die Reichswehr, ich kann mir jeden An- griff auf die Lebenshaltung der Arbeiter gestatten. Wer die politi- schen Rechte kürzt und das Parlament entmachtet, bedroht die Existenzgrundlage des Volkes. Beides muß zurückgewonnen werden. wir können unzufrieden sein mit dem Reichslag und einen neuen verlangen. Wir können auch unzufrieden sein mil der Barkel und eine andere Taktik fordern, wir können nnzusricden sein mil den Personen und neue an ihre Stelle sehen. Die Waffen selbst ober, Reichstag und wahlrechl. Parlament und Demokratie, dürfen wir nicht aus der Hand geben. (Stürmische Zustimmung.) Wer anders tut, liefert die Gewalt frei- willig den„feinen Herren" aus, wie man heute sagt.(Neue Zu- stimmung.) Deshalb haben die Kommunisten unfreiwillig daran mit- geholfen, als sie die Machtmittel des Reichstags zerstören halfen. (Lebhafter Beifall.) Indem sie riefen: Weg mit Braun und Severing! Weg mit Brüning! geleiteten sie Bracht und Papen mit auf den Thron Sie mußten wissen, daß in der Zett der Krise ihre Macht wie die unsere nicht stark genug war. bessere an die Stelle der Gestürzten zu setzen.» Der 20. Juli in Preußen war ein« Niederlag«. Es wäre Frevel, sich darüber hinwegzutäuschen. Jeder von uns empfindet es genau wie Ihr. Wollen wir aber daraus lernen, müssen wir die Zusammenhänge und die Ursachen feststellen. Seit April 1932 gab es kein« demokratische Mehrheit mehr in Preußen. Nazis und Kommunisten tonnten die demokratische Regierung stürzen und haben sie gestürzt, aber sie tonnten keine neue Regierung bilden. Andere Parteien sind später in die gleiche Zwangslage gekommen wir wir. Wie hatten die Nationalsozialisten mit dem„M a r s ck> auf Berlin" gedroht und die„Ausrottung des S y st e m s angekündigt. Am 13. August wurde Hitler in der Reichskanzlei mit schlichtem Abschied entlassen! Am 13. September wurde 230 Abgeordneten verkündet:„Ihr habt nichts mehr zu sagen." Wo blieben die kräftigen Töne und das Prahlen mit den 400 000 SA.-Leuten? Sind sie nach Berlin marschiert, baben ü» die Ge-vatt angewendet? Nein. Sie haben sich an die Plakaksöulen geflüchtet, und auck die kräftigen Töne ihres Herrn Göring waren eine halbe Stunde später schon ziemlich matt geworden. Den Kommunisten, die am 31. Juli einen Wahlerfolg errangen, wurde die„Rote Fahne" auf vier Wochen verboten und die Rote Hilfe durchsucht. Ihre Genossen wie die unseren schmachten in den Zuchthäusern. Aber auch dort von den angedrohten Gewaltmitteln keine Spur! Auch der zentrale Betriebsrat der Kommunisten sah mit allen gegen sechs Stimmen ein, daß ein General st reit in der Zeit der Krise aussichtslos bleiben muß. Wenn Herrn Hitler sein« SA,-Leute zu schade sind, dann sind uns Blut und Leben der Proletarier erst recht zu schade.(Stürmischer, minutenlanger Beifall.) Löbe rief dann auf zum Kampf für Volksbegehren und Volksentscheid und zum Angriff für die sozialistischen Ziel«. Die Methode der Koalition hat ihre Zeit gehabt und uns große Dienste getan. Sie ist vorüber.(Beifall.) Die Methode der Tolerierung hat ihre Zelt gehabt, sie war nötig zur Abwehr. Sie ist vorüber. Jetzt ist die Zeit der Opposition wieder gekommen. Wir wollen sie kräftig und tapfer führen, nicht verantwortungslos, nicht sinnlos, fondsrn immer so, daß, wenn wir morgen die Macht übernehmen, wir das ausführen können, was wir gefordert haben. In einer Zeit, da Parlamentarismus und Parteien ver- f e m t werden, erheben wir das Banner der Partei, wir be- kennen uns zu den Versen der eisernen Lerche, zu den Worten Georg Herweghs: Partei, Partei! Wer sollte sie nicht nehmen, die doch die Mutter aller Sieae war! Nur offen wie ein Mann: Für oder� wider! Und die Parole: Sklave oder frei! Selbst Götter stiegen vom Olymp hernieder und kämpften auf der Zinne der Partei! Nachdem sich der stürmische Beifall gelegt hatte, sprach Genosse Ellenbogen-Wien kurz« Worte der Begrüßung und betonte die leidenschaftliche Anteilnahme der österreichischen Genossen an dem Kampf der deutschen Sozialdemokratie. Diese Anteilnahme sei um so glühender, als in den Herzen der österreichischen Sazialdemo- kraten der Satz der äfterreichischen Verfassung lebendig bleibe, nach dem Oe st erreich«In Bestandteil der Deutschen Re- publik ist. Nach kurzen Schlußworten Franz Künstlers beschloh der gemeinsam« Gesang d«r International, die«chebende Kundgebung. per Hansson betraut. Sozialistische Minderheitsregierung? Stockholm, 20. September. �Eigenbericht.) Set schwedische König hak den sozialdemokratischen Abgeordneten Per h a n s s o n mit der Neubildung der Regierung b e- auftragt, hansson hal sich die Entscheidung über die Annahme des Auslragcs vorbehalten. Am Alontag wird sich die sozialdemokratische Parteileitung darüber schlüssig werden, ob hansson ein sozialdemokratisches MInderheltskabinett bilden soll. Mit der Bildung einer derartigen Regierung ist zu rechnen. * Per hansson ist zuletzt Chefredakteur des Stockholmer „Socialdemokraten" gewesen. Er ist 48 Jahre alt und war bereits zweimal Kriegsminister. Mit Gustav Möller oertritt er die schwedische Partei in der Exekutive der Internationale. Konflikt mit Preußen. Oer 20. Juli soll wiederholt werden. Max Glevogt gestorben. Ganz unerwartet für alle Freunde seiner Kunst ist am Dienstag- nachmittag die Nachricht gekommen, daß Max Sleoogt auf seinem Landgut Neukastel bei Landau in der Pfalz an einem schweren Herzleiden kurz vor Vollendung seines 64. Lebensjahres ver- schieden ist. Wer den mächtigen, bis in die letzte Zeit so gesund und ur- wüchsig aussehenden Mann gekannt hat, steht erschüttert vor dem Schlag, der ihn plötzlich gefällt hat. Sleoogt war in diesem Sommer nicht bloß, wie er es oft getan hat, zur Erholung und um dort die ihm so nahestehende Landschaft zu malen in seine pfälzische Heimat gefahren! er hatte einen bestimmten Auftrag zu erledigen, Fresken in der Friedenskirche zu Ludwigshasen am Rhein zu malen. Mitten aus dieser Arbeit scheint ihn der Tod gerissen zu haben. Ez ist seltsam, daß erst am Ende seines Lebens die süddeutsche Heimat sich auf seine künstlerisch« Kraft besonnen hat; in Berlin und Umgebung hatte Sleoogt schon längst Proben seines gewaltigen Temperamentes im Fresko geliefert, wo früher die ebenso heiteren wie malerisch reich gefaßten Wanddekorationcn aus Neu-Cladow jetzt i» Kronprinzenpalais das schönste Zeugnis ablegen. Berlin verliert so nach und nach die großen Vertreter seiner i m p r« s s i o n i st i s ch« n Kunst. Auf Lovis Corinch, der uns vor sieben Iahren entrissen wurde, ist in diesem Jahre Ulrich hübner gefolgt, und nun beklagen wir den unersetzlichen Verlust von Sleoogt. Ueber seine künstlerische Bedeutung soll In Kürze ausführlich berichtet werden. p. F. Sch. Bracht läßt verbieten! Auch das ist eine Antwort. Auf Verlangen Bracht» hat der Oberpräsident der Pro- oinz Sachsen das Bundesorgan des Reichsbanners Schwarz-Rot- GÄd„Das Reichsbanner" auf die Dauer von vier Wochen verbotenl Den Vorwand zu dieser neuesten Unterdrückungsmaßnahm« bietet ein in der Nummer 38 vom 17. September erschienener „Offener Brief an den stellvertretenden Reichskommissar in Preußen O b e r b ü r g e r m e i st e r Dr. Bracht", der die„Schuld von Ohlau" behandelte. Schreiber des Offenen Briefes ist der— Verteidiger der Angeklagten von Ohlau. Rechtsanwalt Dr. Braun- Magdeburg. Auf diesen„Offenen Brief" gibt der stellvertretend« Diktator in Preußen keine andere Antwort al» das— Verbot! Auch das Verbot ist eine Antwort, die verstanden wird. Freilich ander«, als Dr. Bracht es wünschen mag! Nazi als Nundfunk-programmleiter. Oer Intendant wieder kaltgestellt? Die Berliner Funkstund« ist um einen neuen National- s o z i a l i st e n und um eine neue leitende Stelle reicher geworden. Zwischen die Programmabteilungen und den Intendanten wurde eine„Programmleitung' geschaltet. Der Zweck der neuen Einrichtung ist leicht zu erkennen, wenn man weih, daß der — aus München berufene— Leiter dieser Abteilung, Richard Kold, Nationalsozialist ist. Dr. Dust«, der nach Flefch» Verdrängung den Berliner Jntendantenposten bisher kommissarisch Verwalter, ist zwar offensichtlich politisch fchr recht» orientiert: da er indessen einen„hundertprozentig nationalsozialistischen" Rundfunk anscheinend doch ablehnt, bekämpft der„Angriff" ihn schon seit langem. Jetzt wird durch Eingliederung der„Programmleitung" der von den Nazis erwünschte Mann den einzelnen Sende- abteilungen auf die Nase gesetzt. Der Programmleiter untersteht, wie es heißt, unmittelbar dem Intendanten: in dessen Abwesenheit ist er sein Vertreter. Und in dessen Abwesenheit? Der Intendanten- posten und sein Verwalter Dr. Duske haben nach Einschaltung der neuen Stelle doch wohl nur noch dekorative Bedeutung. Der Pg. i. W. Scholz hält sich empfohlen! „Lud Guß" beim Hakenkreuz. Oie Likeraturkundigen per Hitler-preste. Vor dem Landgericht München fand am Dienstag ein B e- leidigungsprozeß des nationalsozialistischen „Illustrierten Beobachter" gegen den Redakteur Genossen Gold- s ch a z g der..Münchener Post' statt, die seinerzeit festgestellt hatte. daß der„Illustrierte Beobachter" einen Roman ohne Kenntnis, Erlaubnis und Angabe des Verfassers abgedruckt hatte. In der Verhandlung konnte von den Vertretern des»Illustrier- ten Beobachter" nachgewiesen werden, daß der Roman In gutem Glauben von einem gewissen Rebenigg erworben und honoriert wurde, der sich als der Verfasser ausgegeben hatte, während der wirklich« Versasser der Wiener Schriftsteller Walter Süß war. Goldschagg wurde wegen übler Nachred« zu SOv M. Geldstrafe verurteilt, da dos Gericht der Ansicht war, der Vorwurf des literarischen D I e b st a h l e iei unbegründet.' Trotz des Prozesies bleibt der Reinsall des Hitler- Blattes ungeheuer. Wie Goebbels den Antrikriegsroman Remarques unbesehen nachdruckte, weil er ihm von einem deutsch- tümeind auftretenden„Autor" unterschoben wurde, so druckte das Ulustriert« hakentreuzblatt ebenso unbesehen den Roman «in«, Juden ab, nur weil er ihm von einem Rebenigg(da» klingt bedenklich an„Rebbe" an!) angeboten wird. Was braucht aber auch ein germanischer Edeling in der deutschen Literatur Bescheid zu wissen! Er kann die Juden jeden Tag zum Frühstück verspeisen, warum soll er nicht einen jüdischen Roman drucken? Die Papen-Regierung lebt mit fast neun Zehnte! des deutschen Volkes im Konflikt. Sie liegt im Streit mit den Parteien, mit den Landesregierungen, mit den Gewerkschaften und mit anderen Jnteressenverbänden, überhaupt mit fast allen Institutionen und Körperschaften, die mit dem Herrenklub nichts zu tun haben wollen. Jetzt steht sie im Begriff auch mit dem Preußischen Landtag einen Konflikt vom Zaune zu brechen. Im Preußischen Landtag haben die„aufbauwilligen Kräfte" des Herrn Papen und ihre kommunistischen Helfershelfer kürzlich einen Beschluß gesaßt, wonach die preußischen Be- amten den Anweisungen der kommissarischen Regierung nicht Folge zu leisten brauchen. Der preußische Reichskommissor von Papen und sein Stell- Vertreter, der Essener Oberbürgermeister Dr. Bracht, fordern nun. daß dieser Beschluß schnellstens rückgängig gemacht werde, da er die Staatsautorität gefährde. Diese Forderung Hot Papen im Verlaus der Unterredung des nationalsozialistischen Landtagspräsidenten Kerrl mit dem Reichspräsidenten am Montag offiziell erhoben, so daß sich am Mittwoch wahrscheinlich der Aeltestenrat des Landtags mit diesem Ansinnen befassen wird. Die Entscheidung über die Aufhebung des Beschlusses liegt selbstverständlich bei den Parteien, die ihn gefaßt haben. Wird der Beschluß nicht zurückgenommen, dann wollen die Barone nach der Papen-Presse in Preußen wie am 26. Juli nochmals die„Ruhe und Ordnung für gestört" erklären und daraus das Recht einer Auflösung des Preußenparlaments folgern. Auf einen Konflikt mehr kommt es bei den Baronen schließlich nicht mehr an! ch Bei der„grundsätzlich neuen Staatsführung", die Papen ein- geführt hat, ist es kein Wunder, wenn auch die deutsche Sprache„grundsätzlich neu" gestaltet wird, wenigstens durch die Presseamtswalter der Regierung. Der klare Tatbestand, den wir oben schildern, wird in der amtlichen Meldung so verkorkst: „Bei der während der Unterredung zwischen Reichs- Präsident von hmdenburg. Reichskanzler von Papen und dem Präsidenten des Preußischen Landtags Kerrl seitens des Reichskanzlers von Papen in seiner Eigenschaft als preußischer Reichskommissar erfolgten Beanstandung eines Landtagsbeschlusses handelt es sich um einen kommunistischen Antrag, der in der Sitzung des Preußischen Landtages vom 36. August d. I. An- nähme fand." Gesegnete Mahlzeit! Goebbels im Gcheinwerferlicht Er streitet mit„Berichtigungen" ab.- Wir legen Beweise vor. Goebbels schickt uns auf Grund des Pressegesetzes zu unserem Artikel:„Goebbels, der Palastsozialist" im Nr. 441 vom 18. September eine Berichtigung. hier ist zunächst derWortlautderBerichtigung: „Es ist unwahr, daß meine Frau im Hause derer von Dirksen die Kronprinzessin beknicksen durfte. Diese Behauptung ist schon deshalb unwahr, weil meine Frau niemals im Haufe von Dirksen die Kronprinzessin gesehen hat. Es ist unwahr, wenn behauptet wird, daß ich mit Brüning und Kaas kuhhandelnd in Gärings Zimmer am runden Tisch niedrige parlamentarische Geschäfte abhaspele. Ich habe nie weder mit Herrn Brüning noch mit Herrn Kaas eine Unterredung gehabt und infolgedessen auch keine parlamenta- rischen und andere Krihhandelsgeschäste mit ihnen abhaspeln können. Es ist umvahr, daß ich eine feudale Wohnung am Reichskanzler- platz eingerichtet und von Schulze-Naunrburg für Zehntausende von Mark habe künstlerisch ausstatten lassen. Die von meiner Familie und mir benutzte Wohnung am Reichstanzlerplatz war bereits und ist noch Eigentum meiner Frau. Sie ist alles andere als feudal. Es ist unwahr, daß diese Wohnung von Professor Schulze- Naumburg mit einem Aufwand von Zehntausenden von Mark künstlerisch ausgestattet worden sei: unmöglich schon allein deshalb, weil ich die Zehntausende einfach nicht besitze. Unwahr ist. daß ich den Standartenführern einen mit Blattgold belegten prunkhaften Kronleuchter in meiner Wohnung zeigt«. Ich besitze überhaupt keinen mit Blattgold belegten Prunkleuchter. Unwahr ist die Behauptung, daß ich als armer Studiosus meine Studiengelder von Zentrumsherren gepumpt habe. Unwahr ist endlich, daß ich mir die Riesengehälter für das reich« Leben aus der SA., die meine Zeitungen und Broschüren verkaufen. und aus dem Eintrittsgeld der einfachen Leute verschaffte. Ich beziehe keine Riesengehälter und vermag sie infolgedessen auch nicht zu verleben, da ich dos mir angedichtete reiche Leben nicht führe." Dr. Goebbels. Herr Goebbels läßt ferner im„Angttyf" verkünden, daß in jedem Falle Klage angestrengt werde, in dem die von uns wiedergegebenen Behauptungen weiter verbreitet werden. Wir stellen zunächst fest, daß wir lediglich Behauptungen wiedergegeben haben, die ein bisher im„Angriff" hochgeschätzter Pg.. Herr K l u t e- B ü r g e r, in Nr. 2 von„Der Deutsche Weg" vom 18. September 1932 verbreitet hat. Unter den Behauptungen, die Klute-Bürger aufgestellt hat, sind aber einige, oie ohne weiteres beweisbar sind. Da Herr Goebbels die Stirn besitzt, sie keck a b z u- leugnen und im„Angriff" den„Vorwärts" der Lüge zeihen zu lassen, werden wir sie nunmehr beweisen! Zunächst der Fall Extronprinzessin und Frau Goebbels: „Gesellschaitsbericht der„Neuen Freien Presse". Wien,— des Blattes des jüdisch-liberalen Bürgertums— am Berlin: .. Um neue Mittel aufzubringen für die von der Kronprinzessin schon vor dem Kriege gegründete Cäcilienhilfe, fand unter dem Protektorat und in Anwesenheit der Frau Krön- Prinzessin im Hotel Esplanade eine große Abendveran- staltung statt, die im Zeichen des Goethe-Iahres stand... Der Kronprinz und die Kronprinzessin nahmen mit der Großherzogin von Sachsen-Weimar und ihrer Prinzessin-Tochter, Prinzessin Friedrich Siegis- mund von Preußen, ihrem Bruder, Prinzen Schaum- burg-Lippe und der Herzogin Adolf Friedrich zu Mecklenburg in der ersten Reihe Platz. Auf der anderen Seite Ihrer Kaiserlichen Hoheit, die den Darbietungen mit sichtlicher Freude und Anteilnahme folgte, und da» Zeichen zum lebhast einsetzenden Beifall gab, sah Frau Staudt, erste Vorsitzende der Cäcilien- Hilfe, in deren umsichtigen Händen Vorbereitung und Leitung des Abends lag. Der Kronprinz unterhielt sich lebhaft mit dem Präsidenten der italienischen Handelskammer. Major Renzetti, Pertrauter und naher Freund Mussolinis, und Frau Renzetti, während seine hohe Gemahlin sich in den anstoßenden Saal begab, um dort mit der ihr eigenen bezaubernden Liebenswürdigkeit Cerkle zu halten... Im cause des Abends ließ die hohe Frau noch verschiedene andere persönlichkeilea an ihren Tisch bitten. So die junge Frau Dr. Goebbels, derm erste. Erscheinen in der Gesellschaft lebhaftes Interesse erregte. Frau von Dirksen. die von den führenden Damen der Gesellschaft als erst« ihr Haus den Nationalsozialisten gastfreundlich geöffnet, stellt« sie der Kronprinzessin vor. Eine wunderschön« Frau, In einer Wolke von hauchzartem weißen Chiffon mit gold- blondem haar, strahlenden großen grauen Augen, von dunklen Wimpern umrahmt, und von bezaubernder Anmut. Et» ganz großer Abend-- Träger von Namen, dt««U der Geschichte des alten Preußens und des Kaiserreichs identisch sind... Freifrau von Rheinbaben. der Gatte, der Staatssekretär a. D., sich zur Zeit bei der Abrüstungskonferenz in Genf befindet..." Hier ist nichts mehr zu bestreiten, es war ein öffentlicher Vorgang bei den„feinen Leuten", sogar bei den ganz feinen Leuten, es war ein ganz großer Abend aller reaktionären Kräfte und Frau Goebbels knickste dabei vor der Krön- Prinzessin. Zur Vorsorge! Goebbels spricht ferner etwas verächtlich „vomHausederervonDirkse n." So behandelt man seine Freunde nicht, Herr Goebbels! Nach der Auf- lösung der SA. verwandte Frau Biktoria von Dirksen, die unstreitig ebenfalls zu den„seinen Leuten" gehört, folgenden Bettelbrief: „Exzellenz Frau Viktoria von Dirksen bittet um eine Gabe zwecks Unterstützung der Wohltätjgkeitseinrichtungen der aufgelösten EA.- und SS.-Verbände, wie Küchen, Lazarette, Unterkunftsräum« für Erwerbslose, hauspslege... Quittungen gehen direkt durch das NS.-Hilfswerk zu." Herr Goebbels will keine parlamentarischen Kuhhandelsgeschäfte abgehaspelt haben. Wir wissen in der Tat nicht, ob Herr Goebbels Verhandlungs- auftrag hatte. Aber er war beim Kuhhandel im Reichstag anwesend! Im übrigen anerkennen wir den Eifer, mit dem sich Goebbels von Hitler, Straßer und Göring bist anziert! Er schreit laut:„Seht, d i e haben gekuhhandelt, aber i ch n i ch t! Ich blns nicht gewesen. ich bin ein besserer Mensch!" Das nennt man noch Treue! Goebbels Wohnung: sine Siebenzimmer- wohnung am Reichskanzlerplatz ist immer eine feudale An- gelegenheit, im übrigen: siehe Bild, das von Hitlers Hof- pholograph stammt. Wer die Einrichtung bezahlt hat, ob er oder sie, interessiert uns nicht, der Finanzausgleich in der Familie Goebbels geht uns nichts an. Herr K l u t e, den wir zitiert haben, berief sich auf Zeugen. Da Goebbels klagen will, sehen wir den Dingen mit Spannung entgegen. Schließlich dieStudiengelder von Goebbels. Diese Angelegenheit ist gerichtsnotorisch. Am 31. Januar 1931 be- richtete die„Kölnische V o l k s z e i t u n g": „Gegen Dr. Goebbels hat ein interessanter Prozeß geschwebt, in dem am 3. Juli 1626 vom Landgericht III in Berlin (16.6 228/26/13) das endgültig« Urteil ergangen ist. Daraus ergibt sich folgender Tatbestand: Dr. Goebbels hak fein Studium mlk hisse de, bekannten Albertus-Magnus-Verelns finanziert. der bekanntlich die Aufgabe hat, jungen Katholiken das Universitäts» studium zu ermöglichen, durch Darlehen, die der Atbertus-Magnus- Verein wieder aus den Mitgliedsbeiträgen der deut- schen Katholiken zusammenträgt. Wenn an sich schon die Tatsache, daß Herr Goebbels seinen Doktor auf Kosten der deutschen Katholiken gebaut hat, nicht eines pikanten Reizes entbehrt, so ist die weitere Emwicklung der Sache um so interessanter. Zunächst ließ Dr. Goebbels gegenüber seinem Gläubiaer, dem Albertus-Magnus-Verein, natürlich nichts mehr von sich hören, trotzdem er sich vertraglich zur Rückzahlung des Darlehen» von 666 M. verpflichtet hatte, das ihm in den Jahren 1617 bis 1618 (also Frontkämpfer an der Universität) ausgezahlt worden war. Erst mitten in der Inflation, am 15. Mai 1923, j zahlte Dr. Goebbels das Darlehen von 600 M. mit 106 Gold- Pfennigen zurück. Als der Albertus-Magnus-Verein die Aufwertung gellend macht«, reagierte Dr. Goebbels aus seiner natürlichen Vornehmheit heraus drei volle Jahre hindurch darauf nicht. Schließlich blieb dem Albertus-Magnus-Verein, nachdem alle seine Bemühungen drei Jahr« hindurch ohne jeden Erfolg geblieben waren, nur der Klage weg übrig. Zunächst Versäumnisurteil, gegen da, der vornehme Goebbels prompt Einspruch erhob. Er lieh es auf ein Urteil ankommen und das Landgericht bescheinigte ihm seine Der- pslichtung zur Rückzahlung von 400 IN., die er dann in drei Raten gnädigst abzahlte." Mit dieser Feststellung rundet sich das Bild. Der Student mit großherzig vorgeschossenen Studiengeldern— der politische Abenteurer, der sich seiner moralischen Verpflichtungen nicht mehr erinnert— der Mann einer reichen Frau, dem sich über die Frau und den Salon Dirksen der Weg zur„Hof- fähigkeit" erschließt— der Demagoge, der trotzdem über die „feinen Leute" zetert! Ein Zeitbild, aber kein schönes! Nun ermesse man die Dreistigkeit, mit der dieser Mann „Berichtigungen" fabriziert! Gandhi in de» Hungerstreik getreten. Gandhi teilte am Diens- lag genau um zwölf Uhr mittags mit, daß er mit dem Hungerstreik begonnen habe. Da er unpäßlich sein soll, hat der Arzt ihm vei» boten. Besuche zu empfangen. Kampf gegen Lohnabbau. Lohnsenkung noch über die Notverordnung hinaus. Zn den?? i l e s- W e r k e n in Weihensee ist die gesamte, fast dvo Köpfe zählende Belegschaft am Montag in den Streik getreten. Der Streik richtet sich gegen den versuch, die Tariflöhne für die 3l. bis 40. wochenaibeitsstunde auf Grund der Verordnung der Reichsregierung vom 5. September um SlIPro;. zu kürzen. Die Direktion behauptet, seit dem IS. August über 40 Prozent neue Arbeiter eingestellt zu haben und daher nach Z t der„Ver- ordnung zur Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheit" zu diesem 50prozenligen Lohnabbau für zehn Arbeitsstunden in der Woche berechtigt zu sein. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über diese Zorderung verliefen ergebnislos, worauf die Direktion den geforderten Lohnabbau durch einen Anschlag verfügte. Die gesamte Belegschaft gab daraufhin die Antwort, daft sie die Arbeit niederlegte. Die Niles-Werke führen Russenaustrüge aus und arbeiten schon seit einiger Zeit in drei Schichten 48 Stunden wöchentlich. Der Versuch der Niles-Werke, unverändert in drei Schichten 48 Stunden arbeiten zu lassen, trotzdem außer der Prämie von 400 Mark für jede„Neueinstellung" noch eine Taris- lohnsenkung von SV Proz. für die 31. bis 40. Wochenarbcitsstunde einzustecken, ist selbst mit der Notverordnung der Reichsregierung nicht vereinbar. Die Lohnsenkung würde vom Schlichter glatt ab- gelehnt werden müssen. Die Notverordnung geht s§ 4 der Aus- führungsbestimmungen vom 14. September) davon aus, daß d i e Arbeitszeit verkürzt wird, um dadurch Neuein- stellungen vorzunehmen. Die Niles-Werke haben aber nicht nur die Arbeitszeit nicht gekürzt, sie lassen sogar in drei Schichten je 48 Stunden arbeiten. Damit entfällt auch ihr An- spruch auf die Senkung der Tariflöhne. Dieses Unterfangen und dieser Streik sind symbolisch für die Regierungsmethoden der Barone. Die größten Verdiener und die schlimmsten Ausbeuter bekommen noch Prämien in den Rachen geschmissen. Das ist ihnen aber noch nicht genug. Sie wollen noch mehr haben und damit die Schmutzkonkurrenz und die Ausbeutung j auf die Spitze treiben. Die Arbeiter haben das gute Recht, ja, es ist ihre Pflicht, sich dagegen zu wehren. Im übrigen dürfte im vorliegenden Falle die Gewerkschaft beim Schlichter eine Ent- scheidung durchsetzen, die den Niles-Werken die Lohnsenkung ver- bietet. Protest der Arbeitsinvaliden. Eingaben an die Reichsregierung. Der Zentral verband dcrArbeitsinoaliden und Witwen Deutschlands macht die Reichsregierung in zwei Ein- gaben mit schärfstem Nachdruck darauf aufmerksam, daß gegen das fürchterliche Elend der Invaliden nun bald etwas unternommen werden muß. In der Fürsorge macht die Senkung der Nicht- sätze weit mehr aus als die Senkung der Lebenshaltungskosten. Trotzdem werden neuerdings sogar Stimmen laut, die die Fest- legung der Richtsätze ganz beseitigt wissen wollen, um so bei der Gewährung der Fürsorge überhaupt an keine Regelleistungen mehr gebunden zu sein. Auch wird die Aufheduna der R e i ch s g r u n d s ä tz e als Rechtsverordnung und Mindestpro- gramm verlangt, und darüber hinaus wird weiter gefordert, alle Bestimmungen zu streichen, die die Fürsorgegewährung an die Klein- und SozialreMner und ihnen Gleichgestellte nach den Reichs- grundsätzen zu regeln. Auch die soziale Fürsorge für die O p i c r des Krieges soll beseitigt werden. Der Zentralverband betont, er könne sich nicht vorstellen, daß die-Reichsregierung solchen ungeheuerlichen Forderungen auch nur um ein kleines Stück entgegenkommt. Rücksichtslos müsse er sich gegen den Vorschlag des Deutschen Städtetaaes wenden, der die Differenz zwischen der allgemeinen und der erhöhte» Fürsorge auf 714 Proz. festsetzen wolle. Das gleiche gelte von der Anregung des Preußischen Slädtetages, die Differenz zwischen der allgemeine» und der erhöhten Fürsorge auf die Mietzuschüsse anzurechnen. Die Reichsregierung dürfe auch nicht die Fürsorgebehörden durch Druck auf die Finanzen gewaltsam zum Abbau der Unterstützung zwingen. Der Zentralverband der Arbeitsinoaliden fordert B e s e i t i- g u n g der s ch l i m m st e n Härten, die sich aus den bisherigen Kürzungsbestimmungen ergeben haben, vor allem l Aufhebung der Kürzungen von 6, 5 oder 4 Mark durch die Berordnung von, 14. Juni, Wiedergewährung der Kinderzuschüsse und Waisenrenten, insbesondere bei Schul- und Berufsausbildung, Wredergewährung der Altwitwenrenten, deren Männer vor 1912 gestorben sind, Wiederherstellung der Bestimmungen über den Doppelbezug von Renten nach der alten Fassung, Aufhebung der Unsallrentenkürzung und Rückgängigmachung des Fortfalls der kleinen»mallrenten. Einzelhändler gegen Kaufkrast. Die Arbeiter dürfen nicht Konsumenten fein Der Arbeitgeber-Verband im Berliner Einzel- Handel will offenbar einen großen Schlag gegen seine Arbeiter und Angestellten führen. Wir berichteten bereits über die unver- schämten Abbauforderungen, die er gegenüber den Ange st eilten- gewerkschaften hinsichtlich des Gehalts- und Manteltarif- Vertrags erhoben hat. Jetzt hat er auch dem Gesamtverband die Forderungen übermittelt, von denen er den Neuabschluß des Lohntarifvertrages der Handelsarbeiter abhängig macht, der von ihm auch zum 30. September gekündigt worden ist. Die Zuschläge zum Handelsarbeiterlohn, die die Kraftfahrer und Kutscher erhalten, sollen um 4S Proz. gekürzt werden. Die Familienzuschläge sollen gänzlich fortfallen. Bezeich- nend ist, daß diese Familienzuschläge vor Jahren gegen den Wider- stand des Kesamtoerbandes aus„sozialem Mitgefühl" der Einzel- Händler für ihre verheirateten Handelsarbeiter eingeführt wurden. Zu diesen Lohnobbauforderungen kommt noch das Verlangen der Unternehmer, das gleichfalls von ihnen gekündigte Kurzarbeit s- abkommen nicht wieder abzuschließen. In diesem Abkommen ist für die Handelsorbeiter die Sicherheitsklausel enthalten. daß bei Verkürzung der Arbeitszeit unter 48 Stunden wöchentlich der Lohn nicht mehr als um 10 Proz. reduziert werden darf. Die Funktionäre der im Gssamtverband organisierten Handels- arbeiter des Einzelhandels haben bereits vor der Bekanntgabe der Forderungen der Unternehmer zu der Tarifkündigung Stellung genommen und die Organisotionsleitung beauftragt, bei den Tarif- Verhandlungen mü aller Schärfe jeden Lohnabbauversuch abzu- lehnen. Ueber das Ergebnis der direkten Verhandlungen, für die ein Termin noch nicht festgesetzt ist, wird die gesamte Mitgliedschaft der Branche in einer Vollversammlung entscheiden. Der Manteltarif- vertrag für die Handelsarbeiter im Einzelhandel läuft noch bis zum 31. Dezember d. I., während er für die Angestellten gleichfalls Ende dieses Monats abläuft. Mit der Eisernen Front! Vor über 700 Funktionären der Ortsgruppe Berlin des Ver- bandes der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter sprach am Montagabend im„Hackeschen Hof" der Bevollmächtigte Genosse Schulz über die legte Papen-Notverordnung und ihre Auswirkungen. Er forderte dann die Funktionäre auf, den von der Sozialdemokratie eingeleiteten Volksentscheid gegen den sozialpolitischen Teil dieser Notvero'dnung zu unterstützen und sich nicht van der KPD. und ihrer RGO. beeinflussen zu lassen, die den Volksentscheid offenbar aus dem Grunde sabotieren wollen, weil es kein schwor, zweißroter Volksernscheid wie der von der KPD. unterstützte am 9. August vorigen Jahres ist. An die Adresse der Unternehmeroerbände, Einzelunternehmer und Handwerksmeister der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie waren die Schlußworte des Referenten gerichtet, in denen er ganz unzweideutig erklärte, daß die Organisationsleitung, falls die Unternehmer von der notoerord- neten Berechtigung zur Senkung der Tariflöhne Gebrauch machen sollten, mit allen gewerkschaftlichen Mitteln ihre Mitglieder vor diesem Lohnabbau zu schützen versuchen wird. Alle Diskussionsredner waren sich darüber einig, daß nur unter Führung der freien Gewerkschaften und in Verbindung mit der Sozialdemokratie im Zeichen der Eisernen Front der Kampf gegen die Baronsregierung und ihre Notverordnung mit Aussicht auf Erfolg geführt werden könne. Die Christen gegen Z)apen. Entschließung des Süssetdorfer GewerkschostslongresseS. Der Kongreß der christlichen Gewerkschaften in Düsseldorf hat gegen die Politik der Herrenregierung schärfste Abwehr angekündigt. Die Mitarbeit der christlichen Ge- werkschaften— betont der Kongreß in seiner Kampfentschließung gegen die Papen-Regierung— setze eine Staatsführung vor- aus, der die Gleichberechtigung und Gleichwertung aller Schichtendes Volkes oberstes Gesetz sei. Die Herren- schicht, aus der die Regierung Papen komme, biete dafür keinerlei Gewähr. Mit schärfstem Nachdruck protestiert der Kongreß gegen die sozialen Ungeheuerlichkeiten der letzten Notver- ordnungen. Er warnt vor jedem Spiel mit verhüllter oder offener Diktatur und fordert die Bildung einer wabrhaft nationalen und sozialen, vom Vertrauen des Voltes getragenen Regierung. SPD.-Holzarbeiter des Bezirks Nordwest, Moabit»ad Bedding. Donnerstag, Uhr, LolaI Sachse, Lindowcr Str. 2S, Zusammenlunst. Der Besuch aller Kollegen ist dringend erforderlich, da wichtige Ver- bandsangelgenheitcn besprochen werden sollen. Der Werbeausschnß. Bezirksamt Mitte. Alle Republikaner und Sympathisierenden der Eisernen Front laden wir zu Freitag, IS Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. U— 12, zur Berfammlung aller beim Bezirksamt Mitte beschäftigten Arbeiter, Angestellten uno Beamten ein. Themat..Aapi- talinischer Untergang oder sozialistischer Aufstieg?" Referent Genosse Karl Dresscl. 23. MW „Kapitalistische Irrwege oder sozialistischer Aufbau?" A. Marckwih. Referent Genosse m § Freie Gewerkschafts-Zugenv Der.lin Heute, Mittwoch, 21. September, um 19% Uhr, tagen die Gruppen: Südwesten: Jugendheim Yorckstr. 11(Fabrikgebäude).„Die Kriminal. Polizei."— Schoueberg: Jugendheim Hauptftr. 13(Gartenhaus).„Das Kommunistische Manifest."— Spandau-Reustadt: Jugendheim Lindenufer 1. „Das Mädel in der Gruppe und in der Familie."— Nordring: Jugendheim Sonnenburger Str. 20.„Nationalsozialismus— Sozialismus."— Weihensee: Jugendheim Weißensee. Parkstr. 3H.„Die Gewerkschaften in der beutigen Zeit."— Arnswatder Platz: Jugendheim Rastenburger Str. 14.„Die Gewerk- ichaftsbewegung in Rußland."— Reukölln: Jugendheim Bergstr. 29(Hof). „Jugend und sexuelle Frage."— Flughafen: Jugendheim Flughafenstr. S8 (U-Bahn Boddiustraße).„Die Arbeiterbewegung als Produkt des Kapitalis- mus."— Humboldt: Jugendheim Graun- Eeke Lortzingstraße.„Karussell des Lebens."— Schillerpark: Jugendheim Schule Scboningftr. 17. 218."— Boumfckulenweg: Jugendheim Baumschuienweg, Ernststr. 15. Gutheit kommt und bringt Neues.— Iugendgruppc des Gcsamtoerbandes Jugendheim Gewerkschaftshaus, Gngelufer 24— 25, Aufgang B. Fachgruvpe Gärtnerei und Binderei: Politifch-fatirifcher Abend.— Wir spielen ab 18 Uhr: Südostkrcis: Treptower Diese. Fläche 6; Ostkreis: Sportplätze Treptower Wiese und Fried- richshain; Gesamtverband: Treptower Wiese, Fläche 1. �uqendqruppe des Zentraiverbandes der Anqesiellten jtute, Mittwoch, fiitden folgende Veranstaltungen statt: Schönhauser iorstadt: Jugendheim der schule Kastanienallec»iL Aussprache: Muh der Freigewerkschaftler politisch organisiert sein?" Leiter: Raue.- Nordost I: Jugendheim Danziger Str. 32 iBaraltc Z). Tagcspolitischc Rundschau.— Rcinickcndors: Jugendheim Lindauer'Str. 2(Barackei. Vortrag:„Als Arbeiter in USA.". Referent Grubert.— Stralau: Jugendbeim der Schule Gojilcr- Strasse 1— I, Ecke Kanner Strasse.„Wie erlangt man Menschenkenntnis?" Südost: Jugendheim Manteuffelstr. 7. Arbeitsgemeinschast:„Der Sozialismus als Kulturbewegung" f2. Abend).— Eharlottenburg: Jugendheim Spielhagen. ftrasse L Vortrag:„Bruch übet Berlin", Fliegererlebnisse. Referent: Licdig.— Spandau: Jugendheim Lindenuser t. Ausspracheabend:„Was ist Philo. sophie?". Leiter: Rochow.— Die Vcrfichcrungsgcsellschaft„Sorgenfrei" A.-S. tagt heute pon 16— 18 Uhr im Verbandshaus, Zimmer 24. Der„Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel»Der Abend" Illustrierte Sonntagsbeilage„Bolk und Zeit". Anzeigenpreise: Die einspal t. Millimeterzeile 30 Pf. Reklamezetle 2.- tllt. „Kleine Anzelgeu" das fettgedruckte Wort 20 Pf. tzuläfng zwei fettgedruckte Worte! jedes weitere Wort tv Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über>6 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 2S Pf. Faniilienanzeigen Millimeter- zeile IS Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstrasse Z. wochentäglich von sv, bi» 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeigen vor!' Berantwortlich für Politik: Vietvr Schiff; Wirtschaft:®. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Herbert Lepdre; Lokales und Sonstiges: Fritz Korftädt; Anzeigen: Ott» Hengst: sämtlich in Berlin. Perlag: Borwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Lorwärls, Buchdrucker« und Serlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 68. Lindenstrasse i Hierzu 1 Beilage. Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SW 68, Lindenstrasse Z, parteinachrichten für Groß-Berlin stet» an da» Bezirkssekretartn. 2. Hof. 2 Treppen recht», z» richten Beginn aller Veranstaltungen IHM Uhr, sofern keine besondere Zeitangabc? ZNiktwoch, 21. September: 6. Kreis. Kreisnorstand mit Abteilungsleitern pünktlich 19 Uhr im kleinen Sitzungsraum bei Rabe, Fichtestr. 29. 19. Kreis. Kreismitgliederversammlung im Konzerthau- Linder,� Pankow, Marktpfpss. Thema:„Politische Lage". Referent Genosse Wissest. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. 6. Abt. Dem Genossen Harra Bragenhein, Zionskirchftr. 4S, zu seinem .10. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche. IZ. Abt. Di- Funktionäre holen sofort das Material zur Elternbeiratswahl in der Vorwärts-Spedition ab. ZS. Abt. Die Funktionärflssung heute, Mittwoch, fällt aus. Z7. Abt. Unserem Genossen Ewald Hepn, Strossmannstr. 32, nachträglich zur Hochzeit die herzlichsten Glückwünsche. 17. Abt. Pünktlich 191, Uhr, vor der Mitgliederversammlung, wichtige Sitzung des Abteilungsvorstandes und der Gruppenleiter. 192. Abt. Bezirke AfA-Hof: Zahlabende der Bezirke 14—29 im Lokal Reu-Tivoli, Reue Krugallee 34. Wegen wichtiger Tagesordnung zahlreiches Erscheinen erwartet. Donnerstag, 22. September: 12. Abt. Arbeitsireis junger Parteigenossen: Zusammenkunft bei Schmidt, Wiclefstr. 17. Thema:„Unsere Wirtschaftsanträge im letzten Reichstag". Referent Genosse Markwitz. 13. Abt. Arbeitskreis junger Parteigenossen bei Röstel, Putlitzstt. 19. Thema: „Sozialistische Offensive". Referent Genosse Dr. Hans Cohn. Freitag, 23. September: 29. Abt. Bon 19—21 Uhr Quartalsabrechnung der Bezirksführer bei Buchholz, Prenzlauer Allee 182. 38. Abt. Funktionärsstzung. Alle Funktionäre müssen erscheinen. Frauenveranstaltungen. 2. Srei». Donnerstag, 22. September, um 29 Uhr, bei Hübner, Wilsnacker Strasse, Funktionärinnenlonferenz. Unser« Winterarbeit und Bericht von Bernau. K. Kreis. Donnerstag, 22. September, um 19% Uhr, Funktionärinnensitzung bei Naifch, Cadiner Str. 19. 138. Abt. Freitag, 23. September, Alte» Forsthau», Augusta.Biktoria.Str. 84, Diskussionsabend:„Die radikale Entwicklung der sozialistischen Idee in Russland". Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 9. Krei« Kreuzberg. Der erweiterte Krelsausschuss der Arbeiterwohlfahrt trifft sich Mittwoch. 21. September, bei Rabe, Fichtestrasse, um>9 Uhr. 137. Abt. Sitzung der Arbeiterwohlfahrt am Donnerstag, 22. September, im Pollshaus Scharnweberstrasse, um 29 Uhr. Helfer und Helseilnne» find eingeladen. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groß-Berlin. Mvrgen, Donnerstag, Hclferverfamwlung in der Aula de» Ober- lpzcums, Berlin-Reukälln, Berliner Str. 19. Beginn 19% Uhr. Referent Genosse Kurt Lowenstein. ',1 Fricdrichshain: Donnerstag, 22. September, beteiligen sich alle ' Helfer an der Dross-Berliner Helfervcrfammlung. Alle Abteilungs. ...... 17 Uhr Reulöll» standehalber aus. Neuer Termin'wird bekanntgegeben.— Abt. Jungvolk: Heute, 29 Uhr, Elternversammlung in der Karl-Marx-Echule. Lichtenberg, Abt. Nord: Ab heute sind wir nicht mehr aus dem Spielplatz, sondern im Heim Eunterstrasse. Alle müssen erscheinen, da Reueinteilung der Gruppe.— Abt. Neu: Donnerstag, 22. September, Elternabend mit Licht- bildern, Beginn 19% Uhr, Eunterstrasse. Alle Eltern bitten wir, zu erscheinen. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 27. Abt. Unser Genosse Siegfried Baer, Gleimstr. 21, ist verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Mittwoch. 21. September, um 18% Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, nicht Serichtsttasse, statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. »Matt Theater Mittwoch, den 21. September staatsoper unter den Linden 20 Uhr Salome staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Wallensteins Tod 7831. 5 0.«■, Uhr JACK SHEA WnsoB,Keppel nsw. plA�a ü-ii- Sälin. Stil Ja.a'-'.Stsi. 2,5.1« Ü. E 7 Weida. 4031 Frau in Henoelii VOLKSBÜHNE Theater am BOlowniatz D 1. Norden 2944. Allabendlich 8� Dbr Der Revisor von Qogol- Regie; Heins Hllp«rt CnrtBols/ Kardrow/ Baodt/ VeröoQven Stadl. Oper Cbarlottenbure Fraunhofer 0231 Mittwoch. 21. Sept Turnus I Friedemann Bach Beginn 19.30 Uhr Mallein, Schirach, Friedrich Ludwig, Werhard a. Li. Baumann.Qombert, Conszar. Dirigent: Ladwig. iMMijWMiMIM Schiller Grolmansir. 70771 SteinpL(0 1) 6715 Täglich 8','. Uhr Der IS. Oktober — Theater am Scbiffbaoerdanim D 2 Weideall. 9955 Freilag. 8% Uhr UrauffOhrung ..Kolonne Immergrün" hrl. tM.i.HmlmMTt »st Harald Faslxo Ärf- 8 Okr 18. Flora 3434 namnen er). Daa berühmte DAYELMA- BALLETT 3 Swifts, Rudi Grasl und weitere Künstler-Truppen von internalionalem Rul. WM IHM Weidend. 5201. 8 Uhr Rose Bernd von Corlurt tiäuptmann mit Paulo Wessel* Kammerspieie 8% Uhr Schicksal nachWunsch XraiUi« r. Qmili Wimlot li«0i«: Radtll Bcir Melzer. Ullrich, Riemann, Abel, Brausewetter /beruner thealN I&7 Ntb. 021»Uhr I | Ab Preltm»! I MOISSI | Der lebende I I Leichnam| A'M J Lessing-Theaisr Tägl»>/, Uhr Grete Mosheim Oskar Homolka in Pygmalion r Theater lin-i Admiralspaiast] Täglich 8% Uhr Gitta A l p a i in Kfitharlna l TtieaieriWeslens Ibis 25. Septemb. täglich 8% Uhr Stgs. 4 u. 89. U. Nichard Tauber in vreimäderl» hall! inetropoi-itieater I Täglich 8% Uhr Jrchi Massary I I Elze Frag, die weifl, I waa sie wfll! Rose- Theater ioti Frnklirttr StraSe 137 «. IiidW f 1 U7 8,30 Uhr Aerzte im Kampf mmim Resfouant Herl! ins sv. uhr CflSlllO- THEATER s-.vl» Lothringer Strafte 37. iiiaiiiotiniiiiiiiimiiMiiooniniooiHio Sonntag nachm. 4 Uhr Nor noch venige Aufführungen Jinnemawie Volksopereite.— Musik von Gilbert Dazu buntes Heptember-Progp. Gutschein für die Leser 1—4 Personen Faut. 0.75 Sessel 1.35 M., Park. 0.50 M. Stettiner Sänger Reichsballen-Theater (Dönhoffplatz) Merkur i.«. 1247. Dlr.Meiael Tägl. 8.15 Uhr, Sonntag» 3J0 Uhr(ermäßigte Pr.) EröfThnngfiproifi'amm mit der Burleske Freibad Krumme Lanke Neue Kräfte. Preise 0.50 bis 2.25 M. Vorverkauf 11—2, 5—9 Uhr. UmMMCU BIS|8 MOHWSRATEH «ote Ve'iPiiqer SU.U2-\15 3tr. 445* 49. Jahrgang Beilage des Vorwärts Mittwoch, 24. September 49Z2 Um Tod und Leben. Die neun Kommunisten und der SA.- Sturm 33. Wäre das Gericht, vor dem sich die neun Kommunisten zu verantworten haben, kein Sondergericht und drohten wenigstens fünfen von den neun Angeklagten wegen gemeinschaftlichen Totschlags nicht auf Grund der Notverordnung die Todesstrafe, dieser Prozeß unter- schiede sich in nichts von so und so vielen ähnlichen Prozessen, in denen blutige Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten verhandelt werden. So liegt aber über der Perhandlung eine außerordentliche Spannung, es geht hier um Tod und Leben. Die Anklage behauptet, daß die neun Kommunisten ani 2g. August nach vorgefaßtem Plane die Nationastozialisten, die von einem geschlossenen Sturmabend in den Hohenzollernsälen ihrem Lokal in der Röntgenstraße 12 zustrebten, aufgelauert und niedergeschossen hätten. In scheinbar krassestem Widerspruch zu dieser Annahm« steht die bereits in der gestrigen Verhandlung unwiderleglich festgestellte Tatsache, daß sämtliche Schüsse aus dex Richtung von dem SA.-Verkehrslokal, ja teilweise selbst aus dem Eingang des Hauses, in dem sich das verkehrslokal besindet, abgefeuert worden sind, und daß im Hofe dieses Hauses zwei Pistolen gesunden wurden, von denen ein« unzweiselhast am selben Abend im Gebrauch gewesen ist. Wie versucht nun die Anklage diesen Widerspruch zu losen? Da heißt es, die Kommunisten hätten sich eben im Eingang des Hauses Röntgenstraße 12 verborgen gehalten und von da aus auf die heimkehrenden SA.-Leute ge- schössen; auch die aufgefundenen Pistolen hätten sie im Hose des Hauses versteckt. Die angeklagten Kommunisten halten der Staats- anwaltschaft entgegen: wir waren die Ueberfallenen, zwischen unseren Leuten und den heimkehrenden SA.-Leuten war es zu einem Wortwechsel gekommen; während ein Teil der SA.-Leute noch mit uns herumkrakeelte, hatte der andere Teil bereits das SA.-Lokal erreicht. Die SA.-Leute seuerten auf uns, ohne daran zu denken, daß sie ihre eigenen Leute treffen könnten. Sie schwere Veraniwortunc« des Gerichtes. Die Beweisaufnahme der nächsten Tage wird vielleicht darüber Klarheit bringen, wer recht hat: die Anklage oder die Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft wird aber die ihr von der Notverordnung aufgezwungenen Strafanträge nur stellen dürfen, wenn durchaus keine Zweifel an der Schuld der An- geklagten mehr vorhanden sein sollten, und das Gericht wird mit zehnfacher Borsicht zu Werke gehen müssen, allein schon in An- betracht des Umstandes, daß die angeblich Angegriffenen dem Sturm 33 angehörten, der mindestens drei Tot« und mehr als ein halbes Dutzend verletzte Arbeiter auf seinem Gewissen hat. So locker sitzt bei den Mitgliedern dieses Sturmes das Messer in der Scheide, so leicht lösen sich aus ihren Revolvern die Schüsse. Die klarsten Aussagen machte gestern der Angeklagte Sterbt. Auch er gehört zur Staffel Klafsert. Der Angeklagte Calw hat tatsächlich bei Beginn der Versammlung an die Anwesenden die Frag« gerichtet, wer von ihnen„Material" habe. Gemeint waren damit Waffen. Alle verneinten, im Besitze von Waffen zu sein. Beim Nachhausegehen bewegte man sich in zwei Trupps. Ein kleiner ging voraus, ein größerer folgte. Der Angeklagte Sterbt ging allein hinter dem zweiten Trupp. Beim Einbiegen in die Röntgenstraße kamen drei Nationalsozialisten. Zwischen diesen und der Spitzentruppe entstand ein Wortwechsel. Plötzlich krachten schnell hintereinander aus der Richtung vom Hause Nr. 12, in dem sich das SA.-Verkehrslokal befindet, Schüsse. Die Kommunisten warfen sich zu Boden, jemand rief: Schreckschüsse. Daun stoben alle auseinander. Sterbt will, während er auf dem Boden lag, zwei Nationalsozialisten gesehen haben, die schössen. Der eine Schütze lief zur Apotheke und schoß von dort aus, der andere stand in der Mitte der Straße. Als bei dem einen die Ladung versagte, wollte sich Sterbt aufrichten. Der SA.-Mann schoß aber in demselben Augenblick von neuem, Sterbt warf sich wieder zu Boden und er- hob sich erst, als der SA.-Mann alle Schüsse verfeuert hatte. Dann versteckte er sich hinter einer Litfaßsäule und bewaffnete sich dort mit Steinen, um sich der Angreiser zu erwehren. Diese Aussage wird von sämtlichen Angeklagten in der einen oder anderen Form b e st ä t i g t, auch von denjenigen, die sich im Spitzentrupp befanden. Dem Angeklagten Zweig wird vorgeworfen, daß er sich im Eingang zum Hause Nr. 12 aufgehalten habe. Man will in ihm«inen der kommunistischen Schützen erkannt haben. Der Angeklagte Heine will wie der Angeklagte Zweig erst nach der Schießerei im Hausflur gewesen sein. Die Aussagen-der polizeibeamien. Die Aussagen der zahlreichen P o l i z e i b e a m t e n, die un- mittelbar noch den Vorgängen an Ort und Stelle erschienen waren. brachten nichts Wesentliches. Es bestätigte sich, daß der Angeklagte Calw dem Streifewagen zugerufen hat, die Nationalsozialisten hätten geschossen. Es ergab sich ferner, daß die Polizeibeamten den Hauseingang nicht besetzt hatten, die SA.-Leute' also auf diese Weise mit den Waffen entkommen konnten. Der Wirtdes SA.- Lokals schilderte, wie ganz unerwartet auf der Straße Schüsse krachten und gleich darauf die ver- wundeten SA.-Leute ins Lokal gebracht wurden. Er gibt zu, daß er in jedem kommunistischen Haufen, der vorüberging,„Lokal- stürm er" vermutete. Mag sein, daß auch seine SA.-Leute der gleichen Ansicht waren, und daß eben deshalb an diesem Abend die Schüsse so leicht losgingen. Der Sachverständige, Professor Brüning, stellte fest, daß alle Schüsse von der Seile her abgefeuert worden sind, auf der sich das SA.-Lokal befindet, teils un- mittelbar vom Hauseingang Nr. 12, teils von dem Haufe Nr. 13, teils von der Apotheke her. Die Schüsie stammen mindestens aus drei Pistolen. Eine davon wurde im Hofe des Hauses Nr. 12 gesunden.— Die Verhandlung geht heut« weiter. Die gestern tagende außerordentliche Sitzung der Stadtver- ordneten fetzte die endgültige Verabschiedung des haushaltplanes für 1932 abermals von der Tagesordnung ab, weil die Vorberatun- gen im haushaltausschuh noch nicht beendet waren. An erster Stelle der Verhandlungen stand der Antrag der sozialdemokrati- schen Fraktion, der die Erhaltung der Schulspeisung für Erwerbslosenkinder fordert. In der Sitzung am Donnerstag war diesem Dringlichkeits- ontrag von den Deutschnationalen widersprochen worden, was die Sozialdemokraten zu lebhaften Protesten veranlahte. Gestern wurde der Antrag von der Versammlung ein st immig angenommen. Wenn die Deutschnationalen aus ihren Widerspruch verzichtet hätten, wären die Kinder der Erwerbslosen einige Tage früher wieder in den Genuß des unentgeltlichen Mittagessens gekommen! Dem Antrag lag eine Verfügung des Oberbürgermeister zugrunde, nach der die kostenlose Abgabe von Mittagessen an die Kinder von aus öffentlichen Mitteln Unterstützter so eingeschränkt wird, daß von einer Freispeisung keine Rede mehr hätte sein können. Die Sozialdemo- kraten forderten selbstverständlich die Aufhebung dieser Ver- fllgung. Welche Auswirkungen die Anordnung des Oberbürger- meisters gehabt hat, schilderte Stadtverordneter Zaust(Soz.) in längeren Aussührungen. Nach der Magistratsverfügung sollten die erwerbslosen Eltern für die Speisung des ersten Kindes wöchentlich 50 Pfennig, für das zweite und dritte Kind je 39 Pfennig bezahlen und erst das vierte Kind sollte sreies Esten erhalten. Daß bei den ungeheuer gekürzten Unterstützungen die Eltern nicht in der Lage sind, die geforderten Beträge auszubringen, bedarf keiner besonderen Hervorhebung. Der Zweck der Verfügung sollte offenbar der sein, die Schulspeisung auf eine einheitliche Linie zu bringen, weil bisher die verschiedenen Bezirke ganz verschieden vorgegangen waren. Der beabsichtigte, sich rein bürokratisch auswirkende Zweck ist nicht er- reicht worden, wohl aber wurde eine Umwälzung in der Speisung bedürstiger Kinder hervorgerufen, die geeignet war, den Gesund- Heilszusland der an sich schon durch die bedrängte wirtschaftliche Lage der Eltern stark mitgenommenen Kinder noch mehr herabzusehen. Die Bersügung des Oberbürgermeisters sah ein umständliches An- trags- und Prüfungsverfahren auf die Bedürftigkeit der Antrag- Kinder sollen nicht hungern! Sozialdemokraten sichern freie Speisung bedürftiger Schulkinder. steller hin vor; das Esten sollte nicht mehr wie bisher von den Volksküchen direkt in die Schulen geliefert werden, sondern die Kin- der sollten das Esten in besonderen Wohlfahrtsanstalten einnehmen. Kinder wären ohne Mittagessen geblieben. Genosse Faust konnte an einem Beispiel aus einer Schule auf dem W e d d i n g recht eindeutig darstellen, wie die Auswirkun- gen der Magistratsverfügung aussehen: Die beobachtete Schule hat 693 Kinder, von denen 598 Eltern haben, die nur auf öffentliche Unterstützungen angewiesen sind. Ueber 399 Kinder erhielten Frei- speisung, nach dem Erlaß des Magistrats wurden 218 Anträge auf Freispeisung eingereicht, aber nur 39 bewilligt. Ergebnis: Von den 399 bedürftigen Kindern, die früher des Mittags kostenlos ein warmes Esten bekamen, sollten jetzt nur noch ein Zehntel in den Genuß dieser Fürsorge kommen. Faust stellte fest, daß die Jugend- ämter bei Bereitstellung der im Etat für die Freispeisung eingesetzten Mittel durchaus in der Lage wären, den Kindern im bisherigen alten Umfange kostenloses Esten zukommen zu lasten. Stadlrat Wuhky erklärte für den M a g i st r a t, daß die Verfügung sofort nachge- prüft und im Sinne der Antragsteller geändert werden wird. Der sozialdemokratische Antrag wurde dann, wie bereits erwähnt, ein- stimmig angenommen.. Die zukünstige Musikpfleae der Stadt Um das Berliner Philharmonische Orchester sicher zu stellen, soll zwischen dem Orchester und der Stadt ein Vertrag geschlossen werden, der gestern in Gestalt einer Dringlichkeitsvorlage den Stadtverordneten vorlag. Der Vertrag sieht die Auflösung und teilweise Uebernahme des Berliner Sinfonie-Orchesters, das bisher auch von der Stadt unterstützt wurde, in das Philharmonisch« Orchester vor. Die Stadt, die beispielsweise 1931 für das Sinfonie- Orchester 157 999 Mark und für das Philharmonische Orchester 219 999 Mark Zuschüsse leistete, will trotz der Verstärkung der Philharmoniker auf 195 Musiker laut Vertrag nur noch 189 999 M. jährlich an Zuschüssen leisten, während der Restbetrag vom Reich übernommen werden soll. Die Vorlage ging ohne Debatte an den chaushaltausschuß. Zum Schluß wurden in der Stadtverordnetensitzung in schneller Folge«ine ganze Reihe Grund st ücksoorlagen ohne Debatte verabschiedet und Vorlagen zur Kenntnis genommen. Darunter be- fand sich eine Vorlage, in der der Oberbürgermeister mitteilt, daß er, gemäß einem Beschluß der Stadwerordnetenversammlung die Bezirksämter angewiesen habe, besondere Mittel für Berfas- sungsfeiern nicht mehr einzustellen, soweit das Verwaltungs- jähr 1932 in Frage kommt. VerbrechervormGondergericht 45 Lahre Zuchthaus wegen Totschlags am Polizeibeamten. Königsberg i. pr., 29. September. Das Sondergericht verurteilte den Angeklagten Otto Alt- rock wegen Totschlags, versuchten Totschlags, Nötigung und unbe- fugten Waffenbesitzes zu 15 Jahren Zuchthaus und zehn Iahren Ehrenrechtsocrlust und den Schlosser Paul K l u w e wegen Beihilfe zum versuchten Totschlag, unbefugten Waffenbesitzes und Munitionsabgabe an Unbefugte zu insgesamt einem Jahr neun Monaten Zuchthaus und drei Jahren Ehrenrechtsverlust. Die Unter- suchungshaft wurde bei Kluwe voll angerechnet. Der Verhandlung lag folgender Tatbestand zugrunde: In der Nacht zum 19. September 1931 bemerkte der Polizeihauptwacht- ineister W e n e n d t in Labiau bei einer Nachtstreife die beiden An- geklagten, die neben einem Motorrad am Straßenrand saßen. Die Angeklagten kamen dem Beamten verdächtig vor, und er fragte nach ihrer Herkunft. Sofort krachten drei bis vier Schüsf«, die Wenendt tot niederstreckten. Die Täter ergriffen hierauf die Flucht. Ein großes Aufgebot von Polizei- und Kriminalbeamten nahm sofort die Verfolgung auf. Am nächsten Tage wurden die Täter auch in einer Ortschaft gesichtet, und es entspann sich zwischen der Polizei und den Verbrechern ein F e u« r g e s e ch t. Kluwe konnte dann, als er auf der Flucht stürzte, festgenommen werden, während Altrock entkam und nach Frankreich flüchtete, wo er wegen eines falschen Passes festgenommen wurde. Mitte August erfolgte die Auslieferung Altrocks an die deutschen Behörden. Der Staats- anwalt hatte gegen Zlltrock wegen Mordes die Todesstrafe deantragt. Zu Tode gebrüht. Furchtbarer Tod eines Arbeiters.— Mangelnder Schutz? wie erst jetzt bekannt wird, ereignete sich vor wenigen Tage« in der Stralauer Glashütte A.-G. in Alt-Slvalau 63— 65 ein tödlicher Unfall. Auf dem Hof des Großbetriebes befinden sich mehrere große Bassins, die mit brühend heißem Wasser gefüllt sind. in denen weidengeslechte für die Umhüllungen der Glasballons be- arbeitet werden. Der 44 Jahre alte Arbeiter Heinrich Riehn au« der Förster Straße 29 im Südosten Berlins, der mit dem heraus- fischen der weidengeslechte beschäftigt war. glitt aus einem schmale« Berbindungsslcg plötzlich aus und stürzte in das heiße Wasser, da« eine Temperatur von etwa 89 Grad Celsius hat. R. erlitt am ganzen Körper schwere Verbrennungen. Bewußtlos wurde der ver- unglückle Ins Auguste-Vikloria-Srankenhaus übergeführt, wo bei seiner Einlieserung nur noch der Tod sestgestellt werden konnte. * Es erscheint dringend nötwendig, daß sich die G e w er b«« polizei mit den Verhältnissen an der Unfallstelle einmal genauer befaßt, denn offenbar ist der Unglücksfall durch mangelnd« Schutz- maßnahmen verursacht worden. Wie uns mitgeteilt wird, sollen die gefährlichen Bassins in keiner Weise gesichert sein. Mit dem Dolch auf die Frau. Tragödie im Lokal.- Die geschiedene Frau niedergestochen. In dem Lokal„Brennpunkt" an der Ecke Rosenthaler und Gormannstrahe spielte sich gestern abend eine blutige Tragödie ab. Der Arbeiter h e r g e l stach dort mit einem D o l ch m e s s e r aus seine geschiedene Frau wargarete ein und verletzte sie leben»- gefährlich. Der Täter wurde von Gästen überwältigt und der Polizei übergeben. H. wurde vor einiger Zeit von seiner Frau geschieden. Als er gestern gegen 18.39 Uhr die Gastwirtschaft„Brennpunkt" aufsucht«. traf er zufällig mit seiner früheren Frau zusammen. E« kam zu einer sehr erregten Szene, in deren Verlauf Hergel«inen Dolch hervorzog und auf seine Frau einstach, ohne daß die anwesenden Gäste den Rasenden zurückhalten konnten. Mit sieben schweren Stichen in den Oberkörper und den Unterleib brach die Unglückliche blutüberströmt zusammen. Der Täter versuchte bann zu flüchten, er wurde ober festgehalten und den Beamten des alarmierten Ueberfall- kommandos übergeben. Die Schwerverletzt« wurde ins St.-Hedwigs» Krankenhaus gebracht, wo sie bewußtlos daniederliegt. Messerstecherei am Wiiienbergplah. Nach Schluß des Marktes auf dem Wittenbergplatz kam es gestern am frühen Nachmittag zu einem blutigen Zwischenfall. Der 38 Jahre alte Schleifer Otto W i l l m a n n aus der hochmeisterstr. 1 war mit dem ö2jährig«n Händler Ferdinand Spann aus und«- kannter Ursache in einen Wortwechsel geraten, der sich bald derart zuspitzte, daß Spann«in Messer zog und sich damit auf seinen Widersacher stürzte. Durch einen Stich in die Hüfte wurde W. schwer verletzt. Er wurde ins Wilmersdorfer Krankerchaus nach der Achen- bachftraße gebracht. Der Messerstecher wurde festgenommen. Beisetzung des erschossenen BVG.-Beamien. Auf dem Luisen-Friedhof am Fürftenbrunner Weg in Char- lottenburg wird heute um 13 Uhr der Vetriebsinspektor der BVG. Otto Meyer, der bei dem Geldraub in Charlottenburg von den Autobanditen niedergeschossen wurde, beigesetzt. Mitglieder der BVG.-Direktion und zahlreich« Kollegen sowie Beamte der Verkehrs- gefellschaft werden dem Toten das letzte Geleit geben. Mondschein über Alt-Berlin. Die nächste Wanderung ,u den vergessenen Winkeln Alt-Berlins im Lichte des Mondes findet auf Veranlassung de» Be- zirlsamts öchönederg am Mittwoch, dem 21. September, statt. Georg Barn- berget hat wiederum die Fithrung. Treffpunkt 20 Uhr im Ephraimhau», Post» straße IS, Ecke Mllhlendamm. Teilnehmergebühr 1 M. O D O I." Z A I I v I» A S T A mit Sfinc/neir- Gedenkmünzen-... sie haben kraft. Erna und ihr Freund. Es lostet Geld, wenn man den Schupo schlägt. Vor den Gerichtsschranken stehen Fräulein Erna und ihr Freund. Die beiden haben sich des Widerstandes gegen die Staats» gewalt, der Beamtennötigung und sogar der Körperverletzung schuldig gemacht. Der Tatbestand der Anklage ist der traurige Aus- gang einer Kneiptour. Und das kam so: Die beiden Angeklagten hatten eine vergnügte Bummelreise unternommen— es galt, Erna, die schlecht gelaunt war, in rosiger« Stimmung zu oersetzen. Unter dem Einfluß reichlich genossenen Alkohols schaltete der Freund mit dem Auto eine allzu forsche Ge- schwindigkeit ein und hätte bei dieser Gelegenheit fast den Verkehrs- schupo an der Ecke Joachimsthaler und Schaperstraße aus dem Ge- wissen gehabt. Der Beamte notierte sich daraufhin die Nummer dieses temperamentvollen Herrenfahrers: das bemerkte Fräulein Erna, machte ihren Freund darauf aufmerksam, woraus dieser wendete und den Vertehrsbeamten zu Rede stellte: als der Beamte jetzt die Vorweisung des Führerscheins verlangte, wurde ihm dies verweigert, ja noch mehr, Ernas vom vielen Alkohol er- hitztes Gemüt lief über und sie Ich lug dem Beamten ins Gesicht. Das konnte der Freund schließlich nicht aus sich sitzen lassen und so schlug er mit den Worten:„Sie wagen es, eine Dame anzupacken?" seinerseits auf den Beamten ein. Mit Hilfe des Publikums wurden die beiden Rabiaten dann schließ- lich nach der Wache geschafft, wo Fräulein Erna einen zweiten, hinzukommenden Schupo mit der liebenswürdigen Begrüßung empfing:„Wenn ich einen Revolver hätte, würde ich euch nieder- schießen, ihr verfluchten Schupos!" Die schlagfertige Dame fiel auch noch über diesen Beamten tätlich her. Vor Gericht oerließ sie dann plötzlich ihr Gedächtnis, sie stand jetzt klein und bescheiden vor dem Richter und schrieb die Schuld lediglich dem Teufel Alkohol zu. 240 M. Strase für„sie" und 1000 M. für„ihn", den kühnen „Rennfahrer", wird die beiden hoffentlich wieder auf den Boden der Wirklichkeit stellen. Dabei kamen sie noch mit blauen Augen davon. Muttchen singt... In einer stillen Seitenstraße des Berliner Westens, mit schön gepflegten Vorgarten und stattlichen Wohnhäusern, vollführt eine armselige Alte allerlei Kapriolen. Mit zittrigen Knien macht sie kokette Tanzschrittchen, mit brüchiger Stimme singt sie Schlager. Die musikalische Begleitung hat ein Kosferapparat, der, alters- schwach wie seine Besitzerin, alle paar Minuten die Puste verliert und wieder aufgezogen werden muß. Chauffeure und Zeitungs- Händler ringsherum machen ihre Glossen,„die is doch aber mindestens ihre 17 Jahre alt", meint der eine, worauf die ganze Korona in ein orkanartiges Gelächter ausbricht. Die Männer amüsieren sich, die Frauen dagegen erleben das Tragische der Situation und es gibt kaum eine, die nicht in ihre Tasche greift. „Wenn man verliebt ist, dann gibt es keine Uhr", entströmt es ihren welken Lippen. Starr, wie«ingefroren, sitzt ein neckisches Lächeln auf ihren verhärmten Zügen.„Na, so jut gelaunt, Muttchen, bei den schlechten Zeiten", ruft ihr der Bollejunge zu.„Grade", meint die Alte,„immer feste singen und hopsen mußte, dann weeßte nämlich nich, bist du eijentlich meschugge oder sind? die anderen, die dich auf deine alten Tage auf die Straße treiben!" Und mit einem Knixchen quittiert sie den Sechser, den ihr der Milchjunge in ihre zittrige Hand drückt... Fallschirmabsprung aus 6 000 Meter Höhe. Siel, 20. September. Die Fallschirmpilotin Lola Schröter sprang aus einem Flug- zeug in 6000 Meter Höhe zwischen Neumünster und Siel ab und landete wohlbehalten in der Nähe des Selenter Sees. Unter dem Schatten der Sondergerichte. Aus dem Moabit von 1932. Wie eine große, schwere Hand liegt auf Menschen und Dingen in Moabit der Druck der Sondergerichtsbarkeit. Man spürt ihn nicht nur in den Verhandlungsräumen, in denen Verstöße, für die sonst kleine Gefängnisstrafen verhängt wurden, mit schwerem Zuchthaus belegt werden. Hier, wo gegen den öSjährigen Familienvater ebenso wie gegen den jugendlichen Arbeiter das furcht- bare Urteil„Zehn Jahre Zuchthaus" verkündet wird, weil sie ge- schoflen haben sollen, ist die Luft gewiß besonders drückend. An- geklagte brechen zusammen, Frauen schluchzen und aus dem Publi- kum heraus erwacht machtlose Erbitterung. Man merkt die Wandlung schon, wenn man durch das Portal in der Turmstraße schreitet. Der Zustand, den man sonst nur bei Monstreprozessen erlebte, ist Alltäglichkeit geworden: Gleich am Eingang muß sich jeder, der das Gebäude betritt, legitimieren, und der P 0 l i z e i s ch u tz draußen und drinnen ist verstärkt. Man sieht, vor allem, wenn man noch die vielen Zeugen aus den„Militär- ähnlichen Verbänden" hinzuzählt, mehr Uniformen als Talare. «.Das Wort hat der Herr Staatsanwalt!- Aber(und das ist sehr bedenklich) dos Bestehen von Sonder- gerichten wirkt auch in die Säle hinüber, in denen vor ordentlichen Gerichten verhandelt wird. Da stehen beispielsweise zwei junge Leute vor Gericht, weil sie mit einem Mosaikpflasterstein nach politischen Gegnern geworfen haben. Niemand ist dabei zu Schaden gekommen, und die Sache ist etwa zwei Monate vor dem Erlaß der Ver- ordnung über die Bildung von Sondergerichten vom 9. August passiert. Die beiden Angeklagten, die natürlich, wie so viel« chrer proletarischen Altersgenossen, seit Monaten oder Jahren arbeitslos sind, waren nicht in Untersuchungshaft genommen worden. So geringfügig schien ihre Tat. Der Staatsanwalt aber sagt in seiner Anklagerede:„Wie froh können die Angeklagten sein, daß ihre Tat nicht nach dem 9. August begangen ist. Dann säßen sie jetzt hinter jener Barriere und ihre Strafe würde sicher sehr hoch ausfallen." Diese Art zu plädieren, ist ohne Zweifel ganz außerordentlich g«- f ä h r l i ch:«ine solche Sprache muß befürchten lassen, daß vor allem Laienrichter zu einer Härte veranlaßt werden, die bei einer durch den 9. August unbeeinflußten Würdigung mit der Schwere der Tat in keinerlei Einklang steht. Menschen unier sich. Wie sehr sogenannte politische Auseinandersetzungen mit der Faust oder dem Pflasterstein zwischen Anhängern der radi- kalen politischen Gruppen oft von Gericht und Oefsentlichkeit in ihrer Bedeutung überschätzt werden, zeigte eine Szene„zwischen den Schlachten", die man letzthin bei einem Prozeß erlebte. Die drei jungen kommunistischen Angeklagten, die sich hier wegen einer der beinahe alltäglichen Keilereien zu verantworten haben, sitzen vor, nicht in der Anklagebank. In der Anklagebank aber muß ein national- sozialistischer Zeuge Platz nehmen, der wegen eines anderen Ver- gehens in Untersuchungshaft sitzt und vorgeführt wird. Das Gericht beschließt, den drei Angeklagten während der Zeit der Beratung wegen der vielleicht zu erwartenden hohen Strafe das Verlassen des Verhandlungssoales zu verbieten. Kaum sind Staatsanwalt und Richter aus dem Raum heraus, als sich zwischen nationalsozialistischen Belastungszeugen und kommunistischen Angeklagten ein munteres Palaver abspielt. Man fragt, wie es denn„drin" ist, der Unter- suchungsgefangene erkundigt sich bei seinem„politischen Feind", wie es dem und dem Mädchen geht, ob in der und der Kneipe immer noch Musik ist und so fort. Aus dem Wandelgang kommt ein anderer nationalsozialistischer Zeuge und sein Pg. hinter der Barriere will von ihm Zigaretten. Der wachhabende Justizbeomte, ein jovialer Mann, der gern ein Auge zudrücken möchte, darf das nicht. Da fetzt sich der eine Kommunist neben den Nationalsozialisten auf die Zeugenbank, läßt sich die Zigaretten in die Tasche stecken und schmug- gelt sie dem Untersuchungsgefangenen zu. Diese jungen Leute nehmen eben eine kleine Keilerei lange nicht so ernst, wie das Gericht sie nimmt. Ein Zeuge von der Schutzpolizei meinte mit Recht:„Wenn doch die jungen Leute draußen auch so kameradschastlich zueinander wären! Bei den politischen Sachen sieht man gerade unter den Jugendlichen nur selten richtige Verbrechertypen..." In dem Haus« in der Turmstraße geschieht in diesen Wochen Furchtbares, und die Menschlichkeit scheint verbannt. Achtung, SPD.-Betriehsuertrauensientel Donnerstag, den 29. September, 19H Uhr In den MusikersSlen, Kaiser- Wllhelm-Str. 31 Funktionarhonferenz aller SPD.- Beiriebs- und OewerhschattslunKtionSre Tagesordnung:..Der Machtkampf fUr sozialistische Weltgestaltung". Ref.: Arthur Cri spien Ohne Funktionärausweis der Partei und Parteimitgliedsbuch kein Zutritt. Das Betriebssekretariat Die silberne Hochzeit begeht heute da- Ehepaar Ernst und Margarete L i e b i n g, gleichzeitig das 2Sjährige Jubiläum der In- haberschaft des„Saalbau Friedrichshain". Der Maurer August Buder und Frau Selma, Graudenzer Straße 10, begehen am 24. September das Fest der silbernen Hochzeit. Das Fest der Goldenen Hochzeil feiert heule Genosse Gustav H e i d e r und seine Ehefrau Emilie, geb. Nitschke, SO 30, Cuvry- straße 17. Seit dem Bestehen des„Vorwärts" gehört Genosse Heider zu seinen Abonnenten. Die Lcsczeit beginnt. Dazu ein Nuckerfeldzug gegen die Leihbüchereien. Die von Tag zu Tag länger werdenden Herbstabend« lassen das Buch wieder zu Ehren kommen. Im Vordergrund wird natürlich wieder das Leihbuch stehen. Gegen die Unter- nehmer jedoch, die meist mit Hilse ausgedehnter Fllialnetze diese Bücher ausleihen, ist ein Feldzug in Vorbereitung, der noch zum mindesten einigen Staub aufwirbeln wird. Die Superinten- deuten Sachsens haben nämlich beschlossen,„im Namen der evangelischen Oefsentlichkeit den Kampf gegen das zweifelhafte Schrifttum in den Leihbüchereien mit allen gesetzlichen Mitteln auf- zunehmen". Heute so etwas aussprechen, heißt ja, es bereits halb erfüllt sehen. Nun sind diese Lechbüchereien aus dem Berliner Leben fast nicht mehr wegzudenken; noch im letzten Jahre hat ihre Zahl um etwa 50 Proz. zugenommen und besonders die Arbeitslosen ge- hören zur Stammkundschaft dieser Geschäfte. Wenn allerdings gesagt wird, daß sie in Berlin monatlich 4 Millionen Bücher aus- leihen, dann scheint das reichlich übertrieben, aber soviel steht doch wiederum fest, daß weiteste Kreise der Berliner Bevölkerung ihren Lesehunger in der Leihbücherei stillen. Trotz der gegenüber den öffentlichen Bibliotheken sehr hohen Leihgebühr: aber der„Bücherfritze" wohnt um die Ecke und jeder Weg zur Stadt- bibliothek kostet leider 50 Pf. Fahrgeld. Nun könnten dies« Leih- büchereien ein Kulturfaktor außerordentlichen Ranges sein, wenn sie ihre Regale mit etwas dankbarerem Lesestoff füllen würden. Aber der Buchankauf der Berliner Leihbüchereien richtet sich an- scheinend nach der Farbigkeit des Buchumschlags: je knalliger, desto besser. Darunter jede Art von Sittenroman, beschränkt« Mach- werke, die— gar keiner liest! Man kann in einer beliebigen Stadt- gegend die Ausleiherinnen fragen:„Sagen Sie bitte, gehen diese Bücher eigentlich?" und immer wird die Antwort lauten:„Fast gar nicht." Also eine ganz verfehlte Spekulation mit diesen„Sittengeschichten", aber ein willkommenes Angriffsfeld für alle Sorten Mucker. Weiter: der Star jeder Leihbücherei ist noch immer Edgar W a l l a c e. Obwohl diese Wallace-Bände in ein geradezu sträf- liches Deutsch übersetzt sind, glauben die Leihbüchereien nicht ohne diese Kriminalschmäcker auskommen zu können. Dies« und die Abenteurerliteratur ginge am besten. Nun ist das mit Wallace nebst Verwandten abermals ein Trugschluß. Man frage einmal den Nachbar:„Nanu, Sie gehen ja gar nicht mehr in die Leih- bücherei?"—„Das habe ich doch alles gelesen", wird der Mann sagen. Selbstverständlich hat er nicht alles gelesen, er hat nur seine 3, 4 Wallace hinter sich, er kennt Scotland Pard vom Keller bis zum Dach, dje Mister Clk und Reeder verfolgen ihn wie sein Schatten, das Dornröschen jedes Bandes dazu und nun schenkt sich der Mann die übrigen 27 Bände von Wallace. Er bleibt weg, denn wollte er eine der nur spärlich gesäten Neuerscheinungen von Wert haben, dann könnte es passieren, daß er 40 oder 50 Pf. Leihgebühr für eine Woche aufwenden müßte. Es hat nicht an Versuchen gefehlt, in den Arbeitervierteln Leihbüchereien mit gewähsterem Lesestoff auszuziehen. Die sind dann nur wieder ins andere Extrem gefallen und haben gleich Marxens„Theorien über den Mehrwert" auf die Bretter gestellt. Das las überhaupt niemand. Dabei ließ« sich schon ein Mittelweg finden, beginnend etwa beim„Uilenspiegel" und vorläufig endend in der Richtung Hamsun und Traven. Denn die Courts- Mahler-Rechnung der Berliner Leihbüchereien stimmt eben nicht, auch die Volksschüler kennen noch ihren „Michael Kohlhoas". Um im 20. Lebensjahr schließlich bei Pitti- gvilli zu landen, dazu brauchen sie nicht in die Leihbücherei gehen. Ein entmenschter Vater. Schnlz-Waldenburg vor dem(Sondergericht. Waldenburg, 20. September. Bor dem hiesigen Sondergericht begann am Dienstagmittog der Prozeß gegen den früheren kommunistischen Land- tagsabgeordneten Richard Schulz wegen grausamer Mißhandlung seines elfjährigen Sohnes Werner. Der Andrang des Publikums war schon lange vor Beginn der Verhandlung derart stark, daß schließlich Polizeibeamte eingreifen und die Menschen- massen aus dem Gerichtsgebäude entfernen mußten. Die Vernehmung des Angeklagten ergab, daß Schulz mehrfach vorbestraft ist, jedoch behauptete er, daß hier nur politische Der- gehen vorgelegen hätten. Hinsichtlich der Mißhandlungen an seinem Sohn Werner gab er zu, von seinem Züchtigungsrecht oftmals Gebrauch gemacht zu haben, weil der Junge ungehorsam gewesen sei. Habe er dabei die Grenzen des Züchtigungsrechts überschritten, so sei dies aus„psychologischen Gründen" ersolgt. Schwere Mißhandlungen im Sinne der An- klage stritt Schulz entschieden ab; er erklärte, daß sein Sohn Werner öfters hingefallen sei und sich dabei die Verletzungen zugezogen habe. Nach längerer Verhandlung beantragte der Staats- a n w a l t gegen Schulz wegen Vergehens gegen§ 224(Körper- Verletzung) eine Zuchthaus st rase von 4 Iahren und 6 Jahr« Ehrverlust. Das Gericht verurteilte den früheren kommunistischen Land- tagsabgeordneten Schulz wegen Körperverletzung in lebensgefährdender Weise und grausamer Art zu vier Iahren Gefängnis. Das Urteil ist sofort rechtskräftig. Anschlag aufGchnellzugBerlin-Moskau Feldgeschützgranate auf den(Schienen. Riga. 20. September. Am Montagabend wurde, wie erst jetzt bekannt wird, auf den Schnellzug Moskau— Berlin auf lettländischem Gebiet west- lich Dünaburg ein Spreng st ossanschlag oerübt. An den Schienen war mit Draht eine scharfe noch aus der Kriegszeit stom- wende deutsche Feldgeschützgranate befestigt. Die Zünder waren so angebracht, daß bei einer Berührung mit den Rädern die Explosion erfolgen muhte. Glücklicherwelse schoben die Räder de» Schnellzuge» die Granate beiseite, wodurch eine Explosion vermieden wurde. Die sofort angestellten polizeilichen Nachforschungen sind bisher ergebnislos verlausen. Oer Wintergarten hat die Herbstsaison mit einem hervorragenden Programm ein- geleitet. Das Dayelma-Ballett ist wieder eingekehrt, tanzt seinen schnell beliebt gewordenen Cancan, aber auch einen neuen spanischen Tanz, den Fado, in der Musik dem Rumba ähnlich. Rudi Grosl ist einer der besten Tonimitatoren, die der Wintergarten je auf der Bühne hatte, er würzt seine Darbietungen mit allerlei Scherzen. Die drei Swifts, Keulenjongleure von Weltruf, sind gleichfalls im Wintergarten eingekehrt. Die beiden Hartwells zeigen Schwungseilakrobatik in höchster Vollendung. Die vier Resuas wir- beln auf Rollschuhen über ein rundes Podium, das leider zu weit im Hintergrund der Bühne steht Mercadante, eine schöne neapolita- nische Mandolinenvirtuosin, entlockt ihrem Instrument ein- schmeichelnde Melodien. Paul Beckers bringt als Hofmusikant die Lacher auf feine Seite, aber im zweiten Teil als saxophonspielender Hasenmatrose verpuffen seine Scherze. Die tönende Filmrevue zum Schluß verdient wieder Anerkennung. .. QXixQ. VCH UHS Gilgi sitzt zu Hause am Kaffeetisch. Herr Krön liest die Leitung, Frau Kran schlürft den Kaffee, Gilgi streicht sich ihre Brötchen. Keiner spricht. Wie gewöhnlich. Aber Gilgi kommt das Schweigen heute morgen unheim- lich vor. Natürlich haben die gehört, daß sie wieder erst gegen Morgen nach Hause ge- kommen ist.„Ich Hab' bei Olga geschlafen". erzählt sie unaufgefordert. Herr Krön brum- melt was Undeutliches. Frau Krön stippt Brötchenkrümel vom Tisch auf und sagt kein Wort. Das Schweigen wird peinlich. Gilgi ist rot geworden vor Scham und Aerger über ihre dumme Ausrede. Hat sie das nötig? Ist sie nicht selbständig und erwachsen? Kann tun und lassen, was sie will? Herr Krön faltet die Zeitung zusammen, geht aus dem Zimmer und vermeidet allzu auffällig, seiner Frau einen Blick zuzuwerfen. Sein breiter Rücken sieht böse und entschlofsen aus, als er sich zur Tür hinausschiebt, so nach: dulde das nicht— sowas— in meinem Hause! Und Gilgi findet betrübt, daß er von seinem Standpunkt aus recht hat, der Rücken. Und natürlich haben die beiden Krons ge- sprachen über sie, über... es ist unerträglich, u wissen, daß sie über sowas gesprochen aben, so unsagbar peinlich. „Gilgi", sagt Frau Krön plötzlich mit leicht jammerndem Unterton in der Stimme und vergißt ganz ihren kölschen Dialekt.„Gilgi. du tust doch nichts Schlechtes, du bist doch nicht schlecht, du bist doch nicht so eine?" Gilgi verkrampft die Hönde, bis die Knöchel sich wachsweiß von der Handfläche abheben. Das ist furchtbar, so ein Gespräch! Sie hätte schon längst von hier fortziehen sollen. Die Mutter bohrt ihr fragende Blicke ins Gesicht. Das ist nicht zum Aushalten.„Du warst doch nicht etwa bei einem Mann in der Nacht, Gilgi?" Gilgi schämt sich unbegreiflicherweise— für die Mutter. Daß die das so aussprechen kann! Vorwurf, Teilnahme. Interesse, Neu- flier— alles berechtigt— ja doch, ja— aber o ekelhaft. Alles zwischen Martin und mir, das geht doch nur mich an. Daß sie nicht begreift, daß sie sich da nichts vorstellen darf — ich tu' das doch auch nicht— ich denk' doch auch nicht an Dinge zwischen ihr und ihrem Man»... „Gilgi, du hast doch nichts Häßliches getan? „Was du häßlich nennst, Mutter— wird immer und nur häßlich, wenn ein Dritter darüber denkt und spricht." Gilgi hofft bren- nend, die Mutter würde verstehen, daß diese Unterhaltung unmöglich ist. Die aber hört nur die Bestätigung für Gefürchtetes.„Gilgi. ich hätte nie gedacht, daß du...", sie weint leise—„du warst so ein braves Mädchen, da hat dich einer hypnotisiert, da hat dich einer verführt, warum ist er nicht ins Haus gekommen, wie sich das gehört?" Ach. du all- mächtiger Gott, wie rührend sie bemüht ist, eine Schuld von mir abzuwälzen— eine Schuld, die überhaupt nicht existiert. Und Gilgi möchte so gerne erklären: daß sie den Martin lieb hat, daß sie sehr froh zusammen sind! und das Ganze ist das Einfachste, Nor- malste, Natürlichste von der Welt. Aber hier im Zimmer ist gar nichts einfach, hier ist alles furchtbar dunkel und kompliziert und widerlich dramatisch. Die Mutter schluchzt. Das sollte einen weich machen, macht einen aber wütend. Himmelherrgott, was ist denn da tragisch zu nehmen? Hör' doch auf, du. Ein böses Ge- fühl steigt in Gilgi auf: Fremdheit— Abneigung— Feindseligkeit. Frau Krön hebt den Kopf:„Wer ist es denn eigentlich? Und Gilgi?"— ihre Stimme wird hoffnungshell —„wird er dich heiraten?" Na, das hat mir noch gefehlt! Gilgi steht auf:„Ob— er mich heiraten wird? Weiß ich nicht. Ick werde ihn nicht heiraten— das weiß ich" Gilgi verschwindet in ihr Zimmer und riegelt die Tür hinter sich zu. Sie angelt ihren großen Koffer vom Schrank herunter, packt ein: Kleider, Wäsche, Schuhe. Hantiert schnell, leise, behutsam. Nebenan im Eltern- fchlafzimmer unterscheidet sie Herrn Krons brummelnden Dortmunder Union-Baß und Frau Krons aufgeregtes Flüstern. Sie muß fort— das einzig Anständige, was sie tun kann. Ach. sie versteht sehr gut, daß die Eltern empört sein müssen über sie, die haben so festgewurzelte moralische Anschauungen, die lassen sich nicht von heut' auf morgen über den Haufen werfen. Sie hält inne mit Packen: hört nebenan den Vater was von „Machtwort sprechen" sagen. Herrgott, ist das eine lächerliche, armselige Geschichte. Hastiger als zuvor wirft sie Wäschestücke in den Koffer. Schnell fort. Ist die einzige Lösung. Man kann doch nicht hierbleiben, sich als Fehltritt behandeln, großmütig verzeihen lassen, wo's gar nichts zu verzeihen gibt.— Von außen wird die Klinke niedergedrückt: „Iilgi!"— Herrn Krons Stimme klingt ge- reizt. Daß die Tür verschlossen ist. läßt ihn xoütend werden:...Entweder du bist heut abend um acht im Haus oder du brauchst überhaupt nicht mehr wiederzukommen!" Stapfende Schritte, und mit heftigem Penggg fällt die Flurtür ins Schloß. Gilgi trampelt mit beiden Beinen auf dem Koffer herum, bis das Schloß zugeht. Leise öffnet sie die Tür, hört Frau Krön in der Küche hingebungsvoll mit der Putzfrau zan- ken:„Un wenn Ihnen die Butter nich gut genug is..." „In andere Häuser..." „Ich krieg zehnfachen Ersatz für Sie." „Die schweren Mülleimer runtertragen un Kohlen außem Keller eraufschleppen un dann ranzige Butter zum Frühstü..." „Die Butter is nich ranzich." „Die is doch ranzich-,." Mit unsäglicher Mühe schleppt Gilgi den schweren Koffer die Treppen hinunter, die rechte Schulter wird ihr ganz schief gezogen, die Hand tut ihr weh... draußen fährt ein leeres Taxi vorbei— Haaalt! „Was ist denn, Gilgichen? Mitten in der Nacht kommst du an— mit einem Riesenkoffer?" „Es ist neun Uhr morgens, Martin", lächelt Gilgi trübe und läßt den Koffer mit einem Plumps mitten ins Zimmer fallen. „Freu' mich, daß du da bist", sagt Martin einfach und überzeugend. Noch etwas ver- schlafen, sieht er abwechselnd auf das unge- wohnt elegische Gilcsi-Mädchen und auf den Koffer. Sein Haar ist verstruppelt, auf der linken Backe hat sich das Muster von der .Kopfkissenspitze abgedrückt, über den Pyjama hat er einen alten, zerzausten Regenmantel geworfen. Er sieht ein bißchen nach Flücht- ling, Nachtlager von Granada oder Nicht- Gentleman-Einbrecher aus. Langsam fährt er sich mit dem Handrücken über das hart be- stoppelte Kinn und wird plötzlich wach. „Wart' einen Augenblick! Bevor du mit deiner zweifellos langwierigen Erklärung an- fängst, möcht' ich dir einen Kuß geben, dazu muß ich mich erst waschen und rasieren." Mit Nurmi-Geschwindigkeit stürzt er ins Bade- zimmer. Und Gilgi tut etwas, was sie noch nie getan hat, etwas, das für sie verwirrender und ungeheuerlicher ist, als ihre Flucht von zu Haus: sie telephoniert ins Geschäft, läßt sich mit Herrn Reuter verbinden:„... fühl' mich so krank und elend..." „Doch keine Grippe?" „Nein, nein, nur..." „Im Bett bleiben..." Ja, morgen ist sie wieder da— „Gute Besserung"—„Dante." Sie legt den Hörer auf, kommt sich pflichtvergessen, unfair, faul und schlampig vor. Setzt sich auf ihren Koffer, heult ein bißchen, freut sich dann wieder, daß sie nun den ganzen Tag bei Martin sein wird, und hat ein schlechtes Gewissen, weil sie sich freut. Fühlt einen ziehenden Schmerz, als ihr das Endgültige ihrer Trennung von den Krons dunkel auf- dämmert, sehnt sich plötzlich ganz sinnlos nach dem albernen, grünplüschenen Washington- Zimmer und schüttelt sich bei dem Gedanken, noch einmal da zu sitzen— es ist ein furchtbares Durcheinander, ihr ganzes Innere ist �um Kriegsschauplatz wüst streitender Emp- findungen geworden, alles rollt, saust, wackelt, nichts steht fest— nur Martin. Der erscheint stolz mit einem Tablett, hat sich in der kurzen Zeit nicht nur fix und fertig ange- zogen, sondern auch schnell noch Kaffee ge- kocht. Brötchen. Butter, Iam, Honig— alles da. Mit ein paar Griffen baut er den Kaffeetisch auf, bricht nebenbei schnell mal einer Tasse den Henkel ab. Schmeißt die Honigbüchse äußerst geschickt gerade aus das schmale Spältchen nackten Parkettfußboden zwischen Läufer und Teppich, wo sie sich mit einem sanften Knacks in Scherben auflöst. (Fortsetzung folgt.) Erfolg. Aber der Engel des Schicksals hielt seine Hand über meinem Haupt und zwang mich, weiter zu suchen. Ich hatte kaum meine Arbeit wieder begonnen, alz ich eine klar« und fast voll- kommen kreisrunde Umrißlinie von etwa 12 Mi- krons(1 Mikron— 1 Millionstel Millimeter) im Durchmesser erblickte. Ich forschte nun weiter. Da war noch eine andere und dort wieder eine genau solche Zelle. In jeder Zelle war ein Bün- del winziger Körnchen, pechschwarz, ganz so wie die schwarzen Pigmentkörnchen des Plasmodium." Wie Roh bald zweifelsfrei feststellen konnte, waren es Malaria-Mikroben, die er im Magen der Fliege entdeckt hatte, und nun war das grohe Geheimnis kein Geheimnis mehr. Der Kampf gegen dies« Menschheitsgeißel konnte ausgenom- men werden durch die Vernichtung der Brut- platze der Moskitos, und seitdem ist ein« außer- ordentliche Abnahme der Erkrankungen«ingetre- ten. Kulturtaten, wie der Bau des Panama- Kanals, der in den maloriaverpesteten Gebieten auf die größten Hindernisse stieß, wurden erst jetzt ausführbar. 3)ie erfle deulfche SMberjarm Um die letzten Elbbiber zu erhalten, besteht zwischen Anhalt und Magdeburg eine Kolonie, die unter Naturschutz sieht und deren Vermehrung nur langsam fortschreitet. Während diese Anlage nur der Erhaltung eines„Naturdenkmals" gilt, hat man in neuester Zeit aus praktischen Gründen eine Bibersarm eingerichtet, die die Bedeutung des Bibers als Pelzlieferanten dartun soll. Ueber diese erste deutsche Freilandbiberfarm, die seit dem Spätfommer 1S28 mit kanadischen Bibern in Dinnies bei Borkow in Mecklenburg eingerichtet wurde, berichtet Dr. H. W. Frick- hinger in der„Umschau". Der Biber kann nur in einem Gelände mit fließendem Wasser gedeihen, dessen Fläche an den Rändern mit Schilf und Wasserrosen bewachsen ist. Außerdem müssen Weichhölzer, wie Pappeln, Weiden, Erlen ufw. vorhanden fein, da der Biber sich von der Rind« der Stämme und den jungen Blättern nährt und das entrindete Holz zum Bau von Burgen und Dämmen benutzt. Der Wasserstand darf nie so niedrig sein, daß das Wasser im Winter ganz zu- stiert, denn der Biber hält keinen Winterschlaf und muß daher die Möglichkeit haben, unter der Eisdecke zu schwimmen. Alle Forderungen sind nun auf der Biberfarm in Dinnies erfüllt. Um den Tieren auch das für sie wichtigste Holz, die Pappel, zugänglich zu machen, hatte der Züchter zahlreiche dieser Bäume angepflanzt und um den See herum eine Reihe künstlicher„Burgen" er- baut, die teils aus festem Astgerüst, teils auch nur mit Schilf umkleideten Holzkisten bestehen. In diese mit solcher Sorgfalt vorbereitete Farm wurden 1928 IS Paar Biber eingesetzt, und schon im Juni 1929 zeigten sich die ersten Jungtiere. Der Biberstand ist heut« aus SO Tiere angewachsen, doch könnte das Gelände etwa 200 Bibern zur Wohnstätte dienen. Jedenfalls ist mit dieser Pionierarbeit gezeigt, daß die Züchtung des Bibers in Deutschland möglich ist, und manche sonst brach liegenden Teich- und Forstgebiete könnten dazu benutzt werden. 3ns Weile Da» geht so fröhlich In« Allgemeine! Ist leicht und selig. Als wär's auch reine Sie wisien gar nichts Von stillen Riffen: Und wie sie schiffen, Die lieben Heitern, Sie werden, wie gar nicht», Zusammen scheitern. fSoith»., Siiigrogel: Taf/fl/jUlUf MI 5 III Schon zieht der Herbst herauf. Die Buchen- krönen sind mit einem goldgelbschimmernden Saum überreift, blutrote Eschen tauchen auf, hellgelbe Lärchen, goldlameleuchtende Birken und schwefel- gelbe Ahorn«, reines, edles Mahagonibraun über- zieht die Eichen, und das flammendste Rot, das wir in der Natur haben, wird vom wilden Wein und vom Essigbaum ausgelegt. Die Dörfer atmen einen herbdiesigen Dust aus. Es riecht, als wenn grünes Holz verbrannt wird und wie saure Milch. Gestern hat es geregnet. Ich hotte im Walde übernachtet und als ich wach wurde, jagten blei- graue Wolke über den Himmel. Zwischen dem Filigran der Aeste pfiff der Wind. Als ich auf die Landstraße kam, fielen die ersten Tropfen. Bald nahmen die Schottersteine ein« stahlblaue Farbe an. Der Wind peitschte mir den Regen ins Gesicht. Von dem Hutrande klingelten die Tropfen- girlanden, die Feuchtigkeit sammelte sich in den Rocktaschen. Ich suchte in einer Feldscheune Zu- flucht. Durch die Ritzen in den Wänden, durch die Löcher im Dach kam der Regen. Ich kroch unter einen Strohhaufen. Ich verfchlies den Tag und fischte Träume aus den bewegten Teichen des Strohs. Abends weckte mich eine verblichen« Sonne aus den silbergelben Halmen. In der Fremdenstubee der Herberge war eine dumpfstickige Luft. Um den fettigen Tisch drängten sich die verwitterten Gestalten der Kunden. Ein buckliger Hausierer, der feinen Kasten mit Zwirn, Gummiband und Druckknöpfen durch ganz Deutsch- land schleppt, verschlang ein Zeitungsblatt mit der Inbrunst eines Menschen, der nur zeitweise eine Zeitung zu sehen bekommt. Er las den politischen Teil und den unterhaltenden mit Andacht und ver- wandte viel Zeit auf die Nachrichten aus der Provinz. Zuletzt machte er sich über die Anzeigen her, wie ein Feinschmecker über den Nachtisch, der ihm Zusammenfasfung und Höhepunkt eines Mahles ist, dessen Ende er bedauert. Umständlich faltete der Alte die Seiten.— Drei Mann droschen mit abgegriffenen Karten einen Skat. Sie rauchten Zigaretten, die aus Zeitungspapier und zerblätterten Zigarrenstummeln gedreht waren. Der Geruch des schwelenden Zeitungs- papiers vermischte sich mit den Ausdünstungen der feuchten Kleider. Der„Vize", der Vertreter des Herbergsvaters, ließ uns antreten und besah unsere Hemden, ob sie sauber waren. Weil keiner etwas verzehrte, mußten wir schon um 7 Uhr schlafen gehen: für Kartenspieler und Zeitungsleser zündet der Her- bergsvater kein Licht an. Wir muhten nach unten, in den Keller. Der Vize leuchtete uns die lebensgefährlichen Stufen hinunter. Die Flamme seiner Kerze zuckte im Lustzug aus und nieder. Unsere Schatten an den feuchten Wänden waren groteske Zerrbilder unfe- rer Umrisse. Wir spürten den feuchten Moder- geruch des Kellers. Der Vize wartete, bis wir auf die Holzpritschen gekrochen waren, die an den Wänden übereinander ausgestellt waren wie die Kojen in den Schifsskabinen. Nur: diese Schlaf- prtischen ähnelten den Regalen, die in den Ge- müsekellern zum Ausbewahren von Aepfeln und Kartoffeln dienen. Keiner von uns legte sein« Kleider ob. Jeder drehte sich in eine der bereit- liegenden zerrissenen Decken, die übel rochen und schmutzig waren. Der Vize klapperte die Keller- stufen hinauf. E» war dunkel... Von irgendwo aus dem Hause klangen die Töne eines Posaunen- chore» zu uns herunter. Sie spielten eine fromme Melodie. Die Pritsche war hart. Mich fror.-Ich vergrub die Hände in die Hosentaschen und krümmte mich unter der Decke. Meine Zähne schlugen aufeinander. Dicht bei mir klapperte es auch, ganz leise, klack, tack, tacktack... Ein Kumpel fluchte böse. Aber was half es? Di« feuchte Kälte kroch den Rücken entlang. Ich konnte nicht einschlafen. Neben mir auf der Pritsche stöhnte jemand. Das helle Quadrat des Fensters mit dem dunklen Geflecht der Gitterstäbe war sichtbar. Oben bliesen sie noch immer an der frommen Weis«.— Endlich siel ich in«inen biet» fchweren, traumlosen Schlaf. Am frühen Morgen standen wir zerschlagen und matt von unserem Lager auf. In der Fremden- stube schenkte der Herbergsvater Zichorienbrühe aus und verkaufte alte Schrippen. Wir torkelten ins Freie. Die Sonne schien vom wolkenlosen Himmel und tanzte auf den Dachfirsten der Häuser. Aus den Schornsteinen kräuselte sich der Rauch, leicht be- wegt vom Morgenwind. Der Rücken straffte sich, die böse Nacht war schon wieder vergessen. Neuer Mut belebte die Schritte. Ich ging ins Dorf, mir die Frühstücksstullen zu erbetteln. Die Kinder liefen mir nach und verhöhnten mich, weil meine morschen Schuhe auseinandersielen: die Sohle löste sich vom Oberleder und schlappte beim Gehen auf dem Boden, daß es aussah wie ein junger Hund, der gähnen möchte und zu faul dazu ist. Eine mitleidige Bäuerin gab mir«inen mächti- gen Kanten Brot und ein Ende Wurst. Ich ließ mir eine Flasche mit Kaffee füllen und trollte weiter. Am Ausgang des Dorfes traf ich meine Schlaf- kameraden wieder. Sie hatten ebenfalls Glück gehabt und saßen nun im Chausseegraben und tauschten die erbettelten Eßwaren aus. Etliche hatten Geld bekommen und Tobak dafür gekauft. Sie bekamen nun für den Tabak Brot und Wurst. Wir saßen eifrig schmatzend da und hatten alle Sorgen vergessen. Die Sonne lachte uns wieder! Wir drehten uns Zigaretten und sahen den Rauch- kringeln nach. Zwei ältere Damen kamen vorbei und sahen uns mißtrauisch an. Wir lächelten leise. Jemand holte eine Mundharmonika hervor und spielte ein Lied. Wir lagen still und sahen einem Zug Störche nach, die gen Süden flogen. Wie Seine Wlalaria- enldeckung gelang Mit dem Tode des englischen Forschers Ronald Roß ist ein großer Wohltäter der Menschheit da- hingegangen, denn Roß hat durch seine Ent- deckung der Verbreiter der Malaria die Mittel zur Bekämpfung dieser furchtbaren Krankheit ge- funden und dadurch Millionen Menschenleben gerettet. Der Erreger der Malaria war zwar schon lange bekannt: man wußte, daß dieses bereits von den Alten gefürchtete Fieber durch Parasiten im Blut hervorgerufen wurde, aber man konnte sich nicht vorstellen, wie diese Bazillen von dem Kranken auf den Gesunden übertragen werden konnten. Roß wurde während seiner ärztlichen Tätigkeit in Indien einer der Begründer der mo- dernen Tropenmedizin und ging in langjähriger Forschung der Frag« nach der Verbreitung der Malaria nach. Schließlich befestigt« sich in ihm der Glaube, daß der Molaria-Bazillus von einer bestimmten Art von Moskitos oder Gabelmücken, der Anopheles, übertragen werden müsse, und zwar nur von dieser. Aber es gelang ihm nicht, für dies« Ansicht nun einen zwingenden Beweis zu finden. Wie er schließlich dieses Ziel erreichte und sich dadurch einen unsterblichen Namen in der Er- innerung der Menschheit errang, das hat er selbst erzählt Es war ein furchtbar heißer Nachmittag am 20. August 1897, und er hatte in seinem Laboratorium Hunderte von Moskitoteilen der genauen Untersuchung durch da» Mikroskop unter- warfen— immer vergeblich. Da kam er schließ- lich an das letzte Tier, das für diesen Nachmittag noch präpariert war.„Das Präpiuat war aus- gezeichnet", so berichtet er,„und ich untersuchte sorgfältig die Gewebe, die mir nach tausendfachen derartigen Arbeiten so geläufig waren. Wieder fand ich nichts. Doch die Gewebe des Fliegen» magens blieben noch zu prüfen. Da lagen sie auf der Glasplatte, ein großes, weißes Gebilde von Zellen, von denen jede genau betrachtet wer- den mußte. Dos war wenigstens noch eine halb« Stund« Arbeit. Ich war müde und mutlos. Wo- zu das alle»? Ich hatte die Magen von mehr gl» 1000 Mo»klto» damal» untersucht ohne Der Hering wird verteuert! Verdreifachung des Heringszolls.- Ein Schlag gegen die Aermsten! Es gibt Dinge, die kein Mensch, und erst recht kein« Regierung tun darf. Auch nicht in so bitteren allgemeinen Krisenzeiten wie jetzt, wo es zwar den meisten schlechter geht als früher, wo gleichzeitig aber Millionen kaum noch das nackt« Leben fristen können. Das, was man auch in solchen Zeiten nicht tun darf, das ist die Armut strafen durch Verteuerung des Letzten, was ihr als Zuflucht noch geblieben ist. Das ist jetzt geschehen. Eine Verordnung der Reichsregierung erhöht den Einfuhrzoll für Heringe von 3 Mark auf g Mark je Zatz! Die gegenwärtige Reichsregierung hat die Arbeitenden und die zu ihrer Verzweiflung Feiernden Deutschlands bisher nicht ver- wähnt. Aber daß jetzt auch der Hering verteuert wird, das wird wie ein Schlag durch die Massen des deutschen Volkes gehen, das wird wie ein Fanal gegen den Herrencharakter der jetzigen Regierung zeugen. Der Hering ist die Nahrung der Aermsten. Er ist das armselige Stück„Fleisch", das die Millionen der wohlfahrtsunterflühten noch zu sehen bekommen. Sie essen es zur Kartoffel, die den Magen füllen muß, denn Brot kann schon nicht mehr das Hauptlebensmittel sein. Und sicher kommt nicht auf jedes Familienmitglied bei einer Mahlzeit ein ganzer Hering. Was aber kann der Arme noch kaufen, wenn auch der Hering für ihn noch zu teuer wird! Die Zollerhöhung von 3 auf 9 Mark je Faß bedeutet eine Ver- tetierung des einzelnen Herings je nach Größe um 1 bis 2 Pfennig. Die Händler können davon erzählen, daß sie mit ihrem Aufschlag schon heruntergehen mußten, um den Absatz zu halten. Die Handelsspanne ist in der Krisenzeit um fast SO Prozent gesenkt worden. Das zeigt schon vom kaufmännischen Standpunkt aus, daß der Hering, wenn der Absatz nicht stark zurückgehen soll, nicht mehr verteuert werden durfte. Es ist gar kein Zweifel, daß die Verteuerung von 1— 2 Pf. in Deutschland Hunderttausende und wahrscheinlich Millionen der Aermsten um einen Teil der einzigen, ihnen gebliebenen Fleischnahrung bringen wird. Es steht fest, daß der Hering am allerstärksten in den- jenigen Gegenden verkauft wird, in denen die größte und am längsten dauernde Arbeitslosigkeit herrscht. Diese Gegend ist genau bekannt in Deutschland, sie liegt in dem Gebiet zwischen Erfurt in Thüringen und Breslau in Schlesien. Man fragt sich vergebens, wie eine solche Maßnahm« ge- troffen werden konnte. Weshalb sie gar unter den jetzigen Verhältnissen getroffen werden muhte. Es gibt einfach keinen vernünftigen Grund zur ver- teuerung der Heringe. Die Mode, Deutschland in der Ernährung vom Ausland unabhängig machen zu wollen, eine sehr schlechte Mode und eine höchst ge- fährliche Mode, hat selbst kein Argument für die Verteuerung der Heringe. Deutschland hat im Jahre 1931 967 OOO Faß einführen müssen, in den ersten acht Monaten 1932 mußten 489 000 Faß eingeführt werden. Von deutschen Heringsflotten konnte nur ein Viertel des gesamten deutschen Bedarfs befriedigt werden. Selbst wenn man die größten Anstrengungen machen würde, Deutsch- land aus Eigenem mit Heringen zu versorgen, könnte das niemals gelingen, denn es ist einfach so, daß die Eng- länder, die Holländer und die Norweger, die nach Deutschland einführen, ihre Fangplätze vor der Türe haben, daß Deutschland viel zu hohe Kosten bei der Aufsuchung der Fangplätze und beim Hereinbringen des Fanges hat und daß die deutschen Heringssischer niemals gegenüber den begünstigten Ausländern konkurrenzfähig werden können. Man hat ja doch die Fangprämien bisher schon vergeblich gezahlt. Die Hoffnung ist also umsonst und damit auch der Grund für die Verteuerung sinnlos, daß Deutschland jemals durch eine Zollerhöhung die ausländische Einsuhr fernhalten könnte. Daran ändert auch die Möglichkeit nicht das geringste, daß die Zolleinnahmen aus der Heringsverteuerung zum Bau von ein, zwei oder drei Dutzend Heringsloggern Verwendung finden sollen. Die Zollerhöhung wird aber unmittelbar und voll sich als Verteuerung des Herings auswirken, denn wenn drei Viertel des deutschen Heringsverbrauches eingeführt werden, dann erfolgt der entsprechende Preisaufschlag automatisch. Also gibt es keinen anderen Grund für die Verteuerung des Herings als die vollbewuhte Absicht, dieses Nahrungsmittel der Aermsten verteuern zu wollen. Es braucht die Absicht nicht bestanden zu yaben, in den jetzigen Zeiten bitterster Not die Aermsten der Armen zu quälen, aber daß man überhaupt heute eine solche wirtschasts- politisch sinnlose Maßnahme trifft, deren Wirkung diese Bedrückung der Aermsten ist, das ist erschreckend. Freilich, diese Regierung ist besessen von dem Gedanken, daß Deutschland sich selbst ernähren müsse, und diese Besessenheit ist, die Ursache ihrer sozialen Blindheit. Diese Be- sessenheit läßt diese Regierung ja auch übersehen, daß man England, Holland und Norwegen, die zu den wichtigsten Käufern deutscher Exportwaren gehören, von neuem um einer wirtschaftlich nicht zu rechtfertigenden Maßnahme willen auss schwerste verärgert und die deutsche Exportindustrie von neuem gefährdet. Daß jetzt noch der Hering verteuert wird, ist ein Beweis dafür, daß eine von den Beauftragten des Volkes nicht kontrollierte Re- gierung nicht zu ertragen ist. Solche Regierungen müssen ver- schwinden und der Wiederkehr solcher Regierungen muß ein- für allemal ein Riegel vorgeschoben werden. Es ist ja nicht nur der Hering: die Herrenregierung war es, die das Salz verteuert hat. die jetzige Reichsregierung ist es. die das Brot so leuer als nur möglich hält. Die jetzige Regierung Hot noch nichts getan, um dem unerhörten Wucher zu begegnen. der mit dem Petroleum getrieben wird, mit dem landauf, landab die Aermsten noch ihre ärmlichen Räume beleuchten. Der Hering, das Brot, das Salz, das Licht in Not- zeiten wie jetzt verteuert oder im Preise hoch gehalten zu sehen, das ist ein Einwand gegen jede„Autoritätsregierung", wie er schwerer und durchschlagender nicht sein und lebendiger im Bewußt- sein darbender Massen nicht existieren kann. Merkwürdige Sanierung. Draubank seht Kapital herab, troh beträchtlicher Neingewinne Wenn man bedenkt, wie schwer sich die deutschen Kapitalisten zur Sanierung wirNicher Krisenherde(Schwerindustrie!) ent- schließen, so muß der entgegengesetzt« Fall, daß ein gut rentierendes Unternehmen das Kapital herabsetzt, doch einiges Aufsehen erregen. Es handelt sich um die Bank für B r a u i n d u st r i e, die ihr Aktienkapital im Verhältnis 6 zu 5 von 11,9 Millionen auf 9,9 Millionen Mark herabsetzen will, ohne daß ein plausibler Grund dafür sichtbar ist. Denn noch für das letzt« reguläre Geschäftsjahr(1. April 1931 bis 30. März 1932) konnte die Braubank aus einem Rein- gewinn v o n 0, 77 M i ll i o n e n Ma rk eine Dividende von 6 Proz.(in den Vorjahren 11 Proz.) verteilen. Die Kapitalherabsetzung war schon bei Vorlage dieses Gewinn- abschlusses geplant gewesen; sie wurde zurückgezogen, weil eine Gewinnverteilung und gleichzeitig eine Kapitalherabsetzung nach den handelsrechtlichen Vorschriften nicht vereinbar waren. Also hat man ein Zwischengeschäftsjahr vom 1. April bis 30. Juni eingelegt, um die Kapitalherabsetzung von der neu berufenen Generalversammlung nachholen zu lassen. Der Buchgewinn von 2 Millionen Mark und der größte Teil der offenen Reserven von 2,2 Millionen Mark sollen zu Abschreibungen auf Wertpapiere und Beteiligungen benutzt wenden. Bei den Beteiligungen handelt es sich um die rentabelsten deutschen Brauereien, die jetzt zu den heutigen Börsenkursen und nicht als Dauerbeteiligungen zu 100 Proz. bewertet wenden sollen; ein echter Abschreibungsbedarf liegt tatsächlich nicht vor. Theoretisch ändert sich für die Aktionäre nichts, da fi« für ihre oerminderte Kapitalbeteiligung eine h ö h e re Dividende, eine höhere Verzinsung erwarten können. Um so unsinniger erscheint die Kapital- Herabsetzung. Der Grund, daß sich die Tantiemenberechnung für Vorstand und Aufsichtsrat günstiger gestaltet, kann nicht ernst- hast mitgespielt haben. Bleibt nur die Möglichkeit, daß die Brau- bank sich die Voraussetzung für eine baldige Kapitalerhöhung schasten wollte, um die neuen Aktien zum Erwerb von Beteiligungen an weiteren Brauereien benutzen zu können. Dann erscheint die Kapitalherabsetzung als eine Aktion im Interesse des Groß« aktionärs der Braubank, des Bankhauses Gebr Arn hold, Berlin-Dresden, das seinen Jnreressenkreis in der Brauindustrie erweitern möchte. Zollerhöhung für Düngemiiiel. Bom Neichsernährungsminister mitunterzeichnet gegen Die Landwirtschaft. Gleichzeitig mit dem Heringszoll ist auch der' Einfuhrzoll für Superphosphate, einem wichtigen Düngemittel neben dem Stickstoff, aus 1,S0 M. je Doppelzentner verdreifacht worden. Die Gelegenheit dazu gab die in diesem Frühjahr wieder aufgehobene Zollfreiheir der Einfuhr, die gegenüber Belgien gebunden war.«eit- dem war der Zoll von 50 Pf. je Doppelzentner essektiv, der jetzt aus 1,50 M. erhöht wird Auch diese Zollerhöhung ist ein volkswirtschaftlicher Unfug. Der Verbrauch betrug im letzten Düngejahr 710 000 Tonnen, wovon rund 80 000 Tonnen eingeführt worden sind. Der Einfuhrpreis liegt— nach dem Einfuhrwert berechnet— unter dem deutschen Inlandspreis. Die Möglichkeit der Preis st eigerung durch Zollerhöhung ist also gegeben. In der Praxis kann sich eine Preissteigerung, besonders bei der jetzigen Lage der Landwirtschaft, aber nur in einer Verringerung des Verbrauchs aus- wirken. Was am Preis gewonnen wird, geht also am Absatz ver- loren. Die Landwirtschaft kann, wenn die Kaufkraft für landwirt- schaftliche Produkte so gering ist wie jetzt, ihre Erzeugnisse kaum teurer verkaufen. Infolgedessen bedeutet die Zollerhöhung der Superphosphate letzlich nur eine Auspowerung der Land- Wirtschaft. Die Zollerhöhung ist auch unterzeichnet vom Reichsernäh- rungsminister Freiherrn von Braun. Man möchte sich dar- über wundern, daß der Reichsernährungsminister dieser Zollerhöhung zustimmt. Aber Superphosphate sind eine Angelegenheit für den wirtschaftspolitischen Kuhhandel. Will man das Reichsfinanz- Ministerium und das Reichswirtschaftswinisterium für Dinge haben, die wichtiger sind als Superphosphate, dann kann man die Der- teuerung eines Düngemittels ruhig als Handelsobjekt dreingeben. Aber der Reichswirtschaftsminister Warmbold wird das Gefühl ge- habt haben, daß er der Superphosphatindustrie auch etwas geben muß, nachdem früher der S t i ck st o f f i n d u st r i e das Ein- fuhrverbot gegeben wurde. So wäscht eine Hand die andere. Das ist nicht schön und alles weniger als erfreulich; aber das scheint nun einmal im jetzigen Deutschland nicht anders zu gehen. Grund- sätzlich neue Staatsführung ist e» übrigens auch nicht. Preiserhöhung für Porzellan. Die Porzellanindustrie hat Mindestpreise festgesetzt. Das Kartell der deutschen Porzcllangeschirr- fabriken verbreitet eine Mitteilung, daß wieder Mindestpreise sestgesetzt seien.„Maßgebend für die Preishöhe waren die Werks- kalkulationen und das Bestreben, die Vorkriegspreise nicht zu über- ichreiten. Die neuen Preise gelten für alle ab 1. Oktober 1932 ein- gehenden Austräge." hinter dieser harmlos Ningenden Meldung verbirgt sich nicht mehr und nicht weniger als eine estettive Preiserhöhung. Das zeigt wieder einmal, wie wenig die deutschen Kartelle geneigt sind, volks- wirtschaftliche Vernunft walten zu lassen und auf die tatsächliche Lage der Verbraucher, auf die gesunkene Kaufkraft der breiten Massen Rücksicht zu nehmen. Selbstverständlich wird die Preis- erhöhung einen Absatzrückgang und eine schlechtere Beschäftigung der Porzellanindustrie zur Folge haben. Anscheinend hat sich diese volkswirtschaftliche Binsenweisheit auch bei den zuständigen Stellen des Reichswirtschaftsmini st eriu ms noch nicht durch- gesetzt; denn diese müssen dem Vorgehen der Porzellanindustrie zu- gestimmt haben. Vor etwa zwei Monaten nämlich hat die Porzellanindustrie in einer Eingabe an das Reichswirtschaftsministerium die Zustim- mung für die geplante Stabilisierung der Preise gefordert. Diese „Stabilisierung" war aber nichts weiter als eine Erhöhung um m i n d e st e ns 10 Proz. Wenn man jetzt die„Wertskalkula- tionen" zur Grundlage der Mindestpreise genommen hat, dann sind natürlich die Kalkulationen der teuer st en, der schlechte st en Betrieb« herangezogen worden. Das„Bestreben, die Vorkriegspreise nicht zu überschreiten", b e st ä t i g t die tatsächlich erfolgte Erhöhung. Glaubt man, auf solche Weise die Absatzkrise zu überwinden? �iSoziMWeArbeiterjugendGroß-Verlm Einsendungen sllr diese Rubrik nur an da» Iugendsekretariat Berlin SW 68, Linbenstraße 2, vorn 1 Treppe recht». Scnossen, die Kontrabah, Cello oder Bratsche spiele» lernen wolle», wenden sich an da» Orchester der SAI. sHarri, Dommnick, 31. 58, Ahlbecker Str. 17). Instrumente stehen zur Verfügung. heute, ZNittwoch, 20 Uhr. Gesundbrunnen 915.: Koloniestr. 8:„Warum bin ich in der EAI.?"— „Warum Arbeitersport?"— Petersburger Viertel: Ebertqstr. 12:„Tagespolitik". — Warschauer Viertel RA.: Litauer Str. 18: Leseabend.— Spandau: Linden- ufer 1:„Grundlagen de» Marxismus".— Tempelhaf: Luteum, Giihstrage: „Tagespolitik".— Rcukölln XI: Eanghoferftraße: Funktloniirfltzung.— Adlers- Hof: Bismarckstr. 1: Löns-Abend.— Bohnsdorf: Wachtelstr. 1: Heimabend.— Friedrichshage»: Friedrichstr. 87:„Vcrfafsungsfragen".— Aalkenberg: Gutshof: Leseabend.— Itaulsdors: Adolfstr. 25: lv.Minuten.Refcrate.— Lichtenberg. Mitte: Echarnweberstr. 22:„Aufgaben der Gewerkschaften".— Ren-Lichtenberg: Gunterftr.„Geschichte der deutschen EBD."— Lichtenberg-Rord: Gunter. strahe 4t: Leseabcnd.— Mahlsdors: Melanchthonstr. 68: Lichtbilder:„Rund um Berlin".— Reinickendorf-West: Eeidelstr. 1: Leseabend.— Kohenschönhousen: Epieltruppe Junge Hammerschaft übt bei Benens, Buschallee 23. Werbebezirk Westen: Mitgliederversammlung, Eharlottenburg, Rostnenstr. 4. „Das Rußland der Gegenwart", Referent Genosse Prof. Abramowitfch. Wcrbebezirk vberspree: Delegiertcnsttzung ISlb Ahr Niederschöneweide, Ber- liner Straße: Vorstandssshung 18>� Uhr ebendort. Werbe bezirk itreuzberg: IgZo Uhr Vorstandssitzung, Urbanstr. 167. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Roi-Gold". D-schSftsstelle: Berlin S. 14, Eebaftionstr. 87-38, Ho« 2 Tr. Tiergarten f2. Kameradschaft): Mittwoch, 21. September, 20 ü, Uhr, außerordentliche Kameradschaftsversammlung bei Röstel, Putlitz. straße 16. Funktionäre 1 Stunde früher. Buchkontrolle.— Friedrichshai» (Kameradschaft Stralau): Mittwoch, 21. September, 26 Uhr, Kameradschafts» Versammlung bei Wertalla, Hohenlohestr. 3.— Reukölln-Britz(Bortrupp): Mitt» woch, 21. September, 1614 Uhr, Heimabend Jugendheim Berqstr. 26.— Adlers» dos: Donnerstag, 22. September. 26 Uhr, Mitgliederverfamm. lung bei Katerbaum, Sedanstr. 3. Borstand 1614 Uhr.— Schöneweide-Iohannis. thal(Kameradschaft): Mittwoch, 21. September. 26 Uhr, Kameradschaftssstzung bei Promter. Funktionäre 16 Uhr.— Rahnsdorf(Kameradschaft): Donners. tag, 22. Sevtember, 16z4 Uhr, Zusammenkunft bei Molkenbuhr, Fürstenwalder Straße. Aktive in Uniform.— Prenzlauer Berg: Unser Kamerad Siegfried Baer ist verstorben. Einäscherung Mittwoch, 21. September, 1814 Uhr, Krema. torium Baumschulcnweg, Kiefholzstraße. Beteiligung Pflicht. Rcichsbund der Kriegsbeschädigte», Kriegsteilnehmer und ikriegerhinter- dliebeucn, Sau Berlin, Ortsgruppe Norden 14. Donnerstag, 22. September, 26 Uhr, in den Eassno-Festfälen, Pappelallee 15, Mitgliederversammlung. Rcserentin Frau Dr. Schulz. Gaevernitz. Arbeiter. Ttenographenvercin Groß. Berlin. Redeschriftkurs« in Reichskurzschrift sür Fortgeschrittene. Norden: Jugendheim Willdenowstr. 5, Zimmer 6, nahe Bhf. Wedding, jeden Freitag von 1914—22 Uhr.— Nordosten: Jugendheim Danziger Straße 62, Baracke 2, jeden Dienstag von 26—22 Uhr.— Neukölln: Karl-Marx. Schule, Kaiser-Friedrich-Str. 266—216, jeden Donnerstag von 1614—2114 Uhr. Monatsbeitrag für Erwachsene 1,56 M., für Jugendliche und 56.Proz..Kurz. arbeiter 1 M., für Erwerbslose 56 Pf., für Krisen, und Wohlfahrtsunter. stützungsempfänger 16 Pf. Weitere Auskunft, auch über Anfänger, und Fort. fchrittskurse, in Verkehrsschrift, erteilt Otto Wcnghoefer, Vorsitzender, Bellen i. d. Mark, Wilhelmstr. 16». lanxtelia« English Dedatlng Club, Bülowstr. 104. Heute abend 814 Uhr: Mr W. W. Mann:„A Dutchrnan's Opinion of the English". Gäste willkommen. Verwalhmgulelle Berlin N 54 Llnienilrabc 83-85 Sonnersfog, den 22. September, abends 1 Ahr. im Sitzungssaal de» Oer band shauies, Oinienstr. 83-85. Zugang SIsSsser Skr. 88-88, Sing, dt, 2 Treppen «onlerciu der weiblidien Vertrauenspersonen und Beirlebsraie Tagesordnung: 1. Bericht vom 20. verband»«»« in Dortmund. 2. Veebandsangetegenheiten und Per. schiedenes. Da wichtige Fragen zu behandeln sind, werden die Funkiionärinnen ersucht, be» stimmt und panklltch zu erscheinen. Weibliche Mitglieder können als Säfte an der Konserenz teilnehmen. Die OrtsTerwallonft. Unser allseil» geachteter Mitarbeiter und Kollege, der Hilfsarbeiter ?Sll8 Dannenberg ist nach langer, schwerer Krankheit am 18. September im blühenden Alter von 37 Iahren verstorben. Ein Mann mit schlichtem Wesen. Gerechtigkeitssinn und Pflichttreue hat seine Augen sllr immer geschlossen Alle Kollegen und Genossen, die den Perstordenen kannten, schätzten ihn infolge seines vornehmen Charakters. seiner Hilfsbereitschaft und guoer» läjsigkeit. Dem viel zu lrüh Dahin- geschiedenen werden wir ein ehrendes Gedenken dewahren. Berlin, den 26. September 1932. KkZiligllZlelillng und Personal der Vorvdrts-BudidnllKerel. Die Einäscherung findet am Freitag, dem 23. September, 12 Uhr, im Kre» matorium Gerichtstraße statt. Am Sonntag, dem 18 September 1632. verschied nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau, uusere gute Mutier. Schwieger» und Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante A.tiiia Stahmann geb. Kelzcl im 66. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen. Neukölln, den lö- September 1632. Ern»» Stahmann Familie Willi Köhler Die Einäscherung erfolgt am Don- nerstag, dem 22. September, nach» mittags 6 Uhr. im Krematorium Baumichulenweg. DeDtsdier WsiMM-WM Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser kran? Zimmermann geb. 18. Dezember 1869, am 19. September gestorben ist. Die Einäscherung findet am Freitag. dem 23 September, 13 Uhr, im Kre- matorium Gerichtstraße statt. Ehre seinem Andenken! Rege Beteiligung erwartet vir Orisverwaltan», III Blumen IIIIIIIIIHIIIIIIillltllilllllllllll Paul Golletz Marlannanstr. 3 F8, Oberbaum 1303 Am Sonnabend, dem>7. September. 4»/, Uhr, verschied nach langer, schwerer Krankheit mein lieber Sohn und Bruder Fnt� Kronfeld im Alter von Ii Iahren. In tiefer Trauer: Hermsdorf, Neue Bismarckstr. 34 krana Kronfeld Margarethe Kronfeld, als Schwester Die Einäscherung findet Donnerstag. den 22. Sevtember, 13 Uhr, im Krematorium Berlin N, Gerichtstraße 37/38, stall. III mm ANZEIGEN Jedes Wort 10 Pf. FcttqedrucktesWort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedru Ate Worte (Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen für 2 Worte) Annahme durch den Verlag, Lindenstr.3 (VtP— 5 Uhr) sämtl. ,Vorwärts"-Fifialen u.-Ausoabestellen, sowie alle Annon- cen-Expeditionen uerHMe Linoleum Szillat, Kolonie- straße 6. Kochherde jeder Art u. Größe, Riesenauswahl, Teilzahlung, trans- portable Kachelöfen, Badewannen-Oesen, Kesselöfen. Die alle Firma Semmler und Bl-yberg, Dresdenerstraße 66. Iannowitz F 7 6651. Rur noch 10 Tage. Zurückgenommene Schlafzimmer 166,—, Schlafzimmer, Birke, Mahagoni, Ruß- bäum, rund gebaut, nur 325,—, Speise- zimmer 175,—, Her» rcnzimmer 165,—, 56 Kuchen 55,—, Ankleideschränke, Nußbaum, 55,—, R achtschrank 9,—. Alles unter Wert. preis. Kommen Sie schnell zu Möbel. Schräger. Kastanien. allee 45, Hofge- bände.'" Im Marstall- aebäude, Breite- straße 36, gebrauchte Möbel spottbillig.- Eouches, Palentmatratzen Auflegematratzen Metallbetten. Wal. ter, Stargarder- straße achtzehn. 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