BERLIN Donnerstag 2Z.September 1932 Nr. 44S B 216 49. Jahrgang Redaktion u. TMedition: Berlin SW 68, Lindenstr. Z Tel. Kl Dönhoff 292— 29T Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts". Bezugspreis f ü r b e i d e A u s g a b e>» 7ö Pf. pro Woche, Z,2Z M. pro Monat ldavon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug S.g? M. einschließlich «o Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Anzeigenpreis: Die Ifplt. Ml»- meterzeile SV Pf. Die Rellamezeil« kostet 2 Marl. Rabatte n. Tarif. Bombentreund wieder frei Nazi-SdiloOherr als„neruenkranK" haflenllassen Königsberg, 22. Tepteinber. Wie die Zustizpressestelle mitteilt, ist der gegen den Rittergutsbesitzer Albert von Perbandt- Pomedien erlassene Haftbesehl wegen Begünstigung der Köuigsberger Unruhestister tzcutc ausgehoben wor- den. Von Perbandt wurde wegen Verschlimmerung eines seit längerer Zeit bestehenden Nervenleidens aus der Untersuchungshaft entlassen. Bon einer Aufrecht- erhaltung des Haftbefehls und der Ueberführung von Perbandts in eine Nervenklinik auf Kosten der ZtaatSkasse ist abgesehen worden, weil ihm lediglich das Bergehen der Begünstigung zur Last gelegt wird. Landtag steuerlos! Nazis lassen ihren Harzburger Freund nicht sprechen! In, Preußischen Landtag kam es heute um"»1 Uhr zu einer höchst amüsanten Szene. Es standen um diese Zeit Anträge zur Beamtensrage zur Beratung. Bekanntlich handelt es sich dabei um den bekannten Kl, ic sali der Nationalsozialisten vor dem Staatskommissar Bracht. Der nationalsozialistische Antrag verlangt unter allerhand verklausulierten Wendungen, daß die Beamten dem Staatskommissar gehorchen sollen. Die Deutsch- nationalen haben dagegen einen klar und deutlich formulierten Antrag eingebracht, der die Nazis zwingen soll, vor dem ganzen Land Farbe zu bekennen. Als der deutschnatiorwle Abg. Steuer, der Adjutant chugenbergs, zur Begründung dieses Antrages die Rednertribüne betrat, schickten sich die Nationalsozialisten zu geschlossenem Auszug au» d e m S a a l an. Von der Linken erschallten höhnische Zurufe:„D e r Harzburger Käse läuft auseinander." Ein Teil der Nazis blieb darauf im Saal, vollführte aber solchen Lärm, daß Steuer nicht sprechen konnte. Noch einigen vergeblichen Klingelzeichen oerließ der Nazipräsident Kerrl seinen� Stuhl und hob d a m it die Sitzung auf. Auf der Linken erregte das Schauspiel stürmische Heiterkeit. Nach fünf Minuten eröffnete Präsident Kerrl die Sitzung von neuem und erteilte Steuer das Wort. Wiederum vollführten die Nazis solchen Lärm, daß Steuer sich nicht verständlich machen konnte, wiederum muhte der Präsident Kerrl nach einigen zaghosten Beruhigungsversuchen, durch das Gebaren seiner Fraktion veranfaßt, seinen Stuhl verlassen und die Sitzung ausheben! Ts fiel übrigens auf. daß kerrl, der gestern den Kommunisten Kasper wegen des Scherzwortes Bracht-Kerrl sofort von der Sitzung ausschloß, gegen seinen einzigen seiner tobenden Parteigenossen mit Ordnungsmaßnahmen vorging! Bei der dritten Sitzungseröffnung kann Steuer end- lich reden— d i e Nazis haben geschloffen den Saal verlassen. Steuer vergießt bittere Träne» über den Undank der Harzburger Brüder. Er, Steuer, habe doch als erster den Antrag mit unterschrieben, daß Hitler in Preußen reden durfte!(Stürmische Zurufe links:„Undank ist der Welt Lohn!") Wieder Haussestimmung. Pfandbriefe gewinnen bis zu 3 Prozent. Nach der Flaute der letzten Tage und nachdem gestern noch die Abwehr der Berliner Metallarbeiter gegen un- gerechte Lohnkürzungen„v e r st i in m t" hatte, kam heute das Börsenschiss wieder vor günstigen Wind. Die Festigkeit der New- Porker Waren- und Effektenbörsen� eine Mitteilung über wachsende Sparkasseneinlagen, die gestrige Diskonlsenkung und die von der Reichsbahn bekannt gegebenen Arbeitsaufträgc wirkten stark anregend. Das Publikum ist überall mit kleinen Aufträgen im Markt. Die Börse hat fest begonnen, und die Tendenz schien fest zu bleiben. Auf dem Aktienmarkt ergaben sich durchschnittliche Ge- winnc von 2 bis 3 Proz. IG.-Farben standen um ff.il Uhr 101 noch gestern 98, Siemens u. Halste 138 nach 1-34, Bamberg sogar 71 nach gestern 65 Proz. Gelsenkirchcn war von 41 auf 43 Proz. erhobt. Rheinstahl van 66'( aus 69'/«. Pfandbriefe und Renten waren und bleiben sehr fest. Bei den Piaiidbnesen ergaben sich Kursgewinne bis zu 3 Proz. Der Gchloßherr von pomedien. Kr gewährte den kkänigsberger Mordbuben Unterschlupf. „Z�eich mir die Hand, mein Leben, komm auf mein Schloß zu mir? Lind sollt' es etwas geben, so bin ich- krank dafür!" Wann wollte papen reden? Untersuchung über die Vorgänge bei der Veichtagsauflösung Der Ueberwachun'gsausschuß des Reichstages, der sich durch seinen Beschluß vom 14. September als Unter- suchungsausfchuß konstituiert hatte, trat heute vormittag 11 Uhr zusammen. Bor Eintritt in die Tagesordnung erklärte der Oberregierungsrat Dr. R a d l a u e r von der Reichspressestelle, der bisher die offiziöse Berichterstattung Uber die Ausschüsse besorgte, daß er seine vorgesetzte Behörde gebeten habe, ihn zur Disposition zu stellen, weil eine weitere Tätigkeit angesichts der Führung der Reichspolitik durch die Reichsregicrung sich mit feiner politischen Ueberzeugung nicht vereinigen lasse, Der Vorsitzende des Ausschusses, Genosse L ö b e, formulierte die Untersuchungsausgabe des öffentlich tagenden Unter- suchungsausfchusfes in zwei Punkten: 1. zu welchem Zeitpunkt hat sich der Reichskanzler zum Wort gemeldet? und 2. zu welcher Zeit ersolgtc die Ueberreichung der Auflösungsurkunde und wie verhielt sich der Reichstagsprösident dazu? Löbe teilte dem Ausschuß mit, daß er die Vertreter der Reichs- regierung und den Reichstagspräsidenten zunächst nicht in der Form der Strafprozeßordnung, sondern durch persönlichen Be- such geladen habe. Die Reichsregierung habe geltend gemacht, daß sie es im Interesse der Klärung der vom Ausschuh zu unter- suchenden Vorgänge für zweckmäßig halte, wenn zunächst die un- beteiligten Zeugen, also nicht Reichsregierung und Reichstags- Präsident, sondern die Journalisten, Schriftführer des Reichstags usw. vernommen werden. Da sich eine längere Geschäftsordnungsdebatte an die Mit- testung des Vorsitzenden zu jchließen begann, nahm der Ausschuß zunächst in geschlossener Sitzung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit die Klärung der Reihenfolge der Zeugen vor. Es entspann sich eine längere Debatte, als deren Abschluß ein Antrag Frank II ange- nommen wurde. Danach wird sofort zu dem innerhalb der ge- fetzlichen Fristen liegenden nächstmöglichen Termine die g e r i ch t- liche Ladung der Mitglieder der Reichsregierung erfolgen, inzwischen aber wird mit der Vernehmung der erschienen Zeugen begonnen. Nach dieser Beschlußfassung wurde die Oeffentlichkeit wieder hergestellt und der deutschnationale Abgeordnete L a w e r- renz(Schriftführer) als erster Zeuge vernommen. Der Zeuge Lawerrenz sagte aus, nach seiner Erinnerung habe sich der Reichskanzler vor dem Beginn der Abstimmung zu Worte gemeldet, während die Zeugen Abg. Schwarz(Z.) und Abg. Linder(Nazi), beide Schriftführer des Reichstages, aussagten, daß die Wortmeldung erst nach dem Beginn der Abstimmung er- folgt sei. Dann begann die Vernehmung des Reichstagspräsidenten G ö r i n g, die zur Stunde noch andauert. Göring gab eine zu- sammenhängende Darstellung. Er habe den Beginn der Abstimmung bereits oerkündet gehabt, dann sei vom Abg. Torgler(Komm.) der Zuruf gekommen:„namentlich", dem er zugestimmt habe. Nur um den Bruchteil einer Sekunde später habe der Reichskanzler ein Wort gerufen, das er, der Reichs- tagspräsidcnt, ebenfalls für dos Wart„namentlich" gehalten habe. Später fei ihm mitgeteilt worden, daß der Reichskanzler durch seinen Zuruf habe um dos Wort bitten wallen und dabei das Wort „amtlich" gerufen habe. Der Staatssekretär Planck habe sich fconn zu ihm gewandt und ihn darauf aufmerksam gemacht, daß der Reichskanzler um das Wort bitte, worauf Göring erklärt habe: „Jawohl, sobald die Abstimmung vorbei ist."„Dann", so fuhr GS- ring fort,„schob der Reichskanzler mit zitternder Hand ein Papier mit der weißen Seite nach oben auf meinen Platz, das ich wieder beiseite schob." In diesem Moment der Vernehmung Görings ereignete sich ein Zwischenfall. Der deutschnationale Abgeordnete B e r n d t stellte an Göring die Frage, wie es sich mit dem in der Presse berichteten Ausspruch Görings bei einem Effen mit dem italiemsch-faschistischen Politiker Federzoni verhalten habe. Göring habe zwar die angebliche Aeußerung, wonach er a b- sichtlich dem Kanzler das Wort verweigert habe, als unzu- treffend dementiert. Er wiederholte dieses Dementi. Nun fragte aber der Wg. Berndt den Reichstagspräsidenten Göring:„Was haben Sie denn Positives bei dieser Gesellschaft gesagt?" In diesem Moment rief Dr. Goebbels, sichtlich nervös, aufgeregt da- zwischen:„Das geht Sie doch gar nichts an, Herr Berndt." Der sehr bezeichnende Ausspruch verschaffte Herrn Goebbels einen Ordnungsruf. Um die Aussagen Görings noch einmal festzuhalten, fragte Abg. Högner(Soz.):„Herr Zeuge, Sie haben also dem Reichskanzler das Wort nicht absichtlich verweigert?" Göring:„Nein!" Högner:„Sie haben auch sonst eine solche Aeußerung darüber nicht gemacht. Zu niemanden? Göring:„Nein!" Die Vernehmung dauert an. Regierungswechsel in Ltngarn. Karolyi zurückgetreten.- Budapest, 22. September. Das Kabinett Graf Julius Karolyi ist zurückgetreten. Der Reichsverweser hat das Rücktrittsgesuch angenommen und Graf Julius Karolyi mit der vorläufigen weiterführung der Ge- schäfte beauftragt. Der Entschluß des Kabinetts wurde dem Reichsverweser von Karolyi am Mittwochmittag initgeteilt. Die Unterredung dauerte zwei Stunden. Der Ministerpräsident gab dem Reichsvcrwcser einen Uebcrblick über die innerpolitische und wirtschaftspolitifche Lage des Landes und wies darauf hin, daß der Rücktrittsentschlnß des Kabinetts gefaßt worden sei, um die Vorbedingung sür die E n t- w i r r u n g der schwierigen Lage zu schaffen. Kommt Aethlen wieder? Budapest. 22. September. Für die einzige Hauptursache der Krise halten die Blätter die Gegensätze, die zwischen dem Ministerpräsidenten und der Einheits- Partei entstanden sind. Die Forderungen, die die Einheitspartei der Regierung gegenüber aufstellt und die Ministerpräsi- dent Graf Karolyi als nicht erfüllbar gesunden hat, können „Pesti Hirlap" zufolge in den folgenden fünf Punkten zusammen- gefaßt werden: 1. Regelung der Landwirteschulden, 2. Herabsetzung der Bankrate, 3. starke Hand gegenüber den Kartellen, 4. Herab- setzung der Produktionskosten der Landwirtschaft, insbesondere Ver- billigung gewisser Jndustrieartikel, 5. in der Devisenfrage ist selbst gegen die Nationalbant eine allgemeine Wirtschaftspolitik zur Gel- tung zu bringen, die im Interesse der Aufrichtung der Landwirtschaft notwendig erscheine. Bezüglich des Nachfolgers Karolyis herrscht vollkommene Unsicherheit. Im allgemeinen kommt in den Blättern der Wunsch nach einer Regierung zum Ausdruck, die entsprechende Fähigkeiten besitze, die Wirtschaftskrise zu lösen. Mit Ausnahme des fozialdemo- kratischen Organs„N e p s z a w a", welches die zurückgetretene Re- gierung scharf kritisiert und einen gründlichen Regime- Wechsel fordert, sind die Blätter der allgemeinen Auffasiung, daß bei der Lösung der Krise naturgemäß die Haltung der Einheitspartei ausschlaggebend sein werde. Die Einheitspartei sehe aber nach wie vor den Grasen Stefan Bethlen als ihren Führer an. Graf Stefan Bethlen wird heute in Budapest eintreffen und als erster jener Politiker empfangen werden, die der Reichsverweser über die Lösung der Krise anhören wird. Mehrere Blätter halten es nicht für ausgeschlossen, daß wiederum Graf Karolyi mit der Neu- b i l d u n g der Regierung betraut werden wird. Oer„Ginn des Wahlkampfes". Oberfohren enthüllt ihn. In einer Wahlversammlung in Kiel hat der Vorsitzende der deutschnationalen Parlamentsfraktion den„Sinn des Wahlkampfes" enthüllt. Er hat ganz nüchtern ausgesprochen, daß die Auflösung den Zweck habe, für die Hugenberg-Partei rund 23 Mandate zu gewinnen. Damit wäre dann die Mehrheitsbildung Nazi-Zentrum unmöglich, und die schwerkapitalistischen Deutschnationalen würden Herren der Lage. Die„nationale" Frage löst sich hier ganz einfach auf in ein wohltätiges Rechenexempel zugunsten der eigenen Partei. Nur daß die Rechnung selbst bei den Wählern liegt, die den Hugenberg- Oberfohren schon am 3l. Juli eine Absage erteilten, die nicht von Pappe war. Oevisenschiebung im Hitler-Kreis. Braunhauskantine, Hotel und Kriminalkommissar. In München sind drei Devisenschieber oerhastet worden, dazu ein Kriminalkommissar, der ihnen Beihilf» geleistet hatte. Sie haben wöchentlich Beträge von durchschnittlich 1 80 000 Mark in die Schweiz verschoben. An der Spitze dieser sauberen Kumpane steht der Hotelier Hauser, der bis vor kurzem noch Besitzer des Hotels Reichsadler war, desien 250 Zinimer seit etwa vier Monaten von der Reichs- leitung der Hitler-Partei für den Jahresbetrag von 200 000 Mark gemietet worden sind. Hauser war immer schon e i n Liebling der hiesigen Nazileitung und früher auch einmal Kantinenwirt im Braunen Haus. Auch der verhaftete Kriminalkommissar Paulus ist ein st r a m m e r H i t l e r- mann und aus irgendwelchen Gründen ein Höriger des Hoteliers Hauser. Paulus faß im gleichen Büro mit dem Kriminalbeamten, der die Erhebungen in der Devisenschiebung zu machen hatte, so daß es ihm nicht schwer fiel, die Akten einzusehen und den Inhalt seinem Freunde Hauser mitzuteilen. Außerdem war er in dem- selben Untersuchungsgefängnis, in dem der Juwelier A l t m a n n laß, der die Devisen jeweils in die Sckwesz brachte und als erster oerhastet worden war. Er verhörte diesen Altmann in der Sprech- zelle der Gefangenen und erzählte dann alles, was er erfahren batte, dem damals noch nicht verhafteten Hauser, dem es auf diese Weise gelang, feine Helfershelfer zu instruieren. Kein Zusammenlrilk des Bayerischen Landtags. Die sozialdemokratische Fraktion hat die Forderung der Kommunisten auf sofortige Einberufung id« Landtags zur Stellungnahme gegen die Notver- ordnung der Reichsregierung abgelehnt. Der Bayerisch« Landrag dürste also vor der Durchführung der Reichstagswahlen nicht mebr zujarnmentreten. Englands Standpunkt in Genf Ein Artikel der„Times" London, 22. September. In einem Leitartikel legt..Time s" nochmals den britilchen Standpunkt in der Frage der Rüstungsgleichheit dar. Das Blatt schreibt, je energischer die Delegierten in Genf einen Plan praktischer Verminderung und Begrenzung der Rüstungen fördern würden, desto unmöglicher würde es für Deutschland oder sonst eine Macht werden, sich fernzuhalten. Die deutsche Forderung nach Gleichberechtigung sei zweifellos in legaler Hinsicht ohne Grundlage in dem Sinne, daß kein Artikel oder Satz des Ver- sailler Vertrages Deutschland ausdrücklich Mstungsgleichheit verspreche. Aber zahlenmäßige Gleichheit werde ja gar nicht verlangt, und der Vertrag enchalte reichliche Hinweise, daß keine Absicht be- standen habe, das große Mißverhältnis der militärischen Stärke und die rechtliche Ungleichheit für unbegrenzte Zeit aufrecht- zuerhalten. Es sei zweifellos beabsichtigt worden, daß die Kluft verengert und daß alle Völkerbundsmitglieder aus gleichem Fuße behandelt werden sollten. In Artikel 154 des Verfailler Vertrages und in einer alliierten Ädote an die deutsche Friedensdelegation sei klar die Möglichkeit in Aussicht gestellt worden, daß nach Deutsch- lande Eintritt in den Völkerbund eine Aenderung eintreten werde. Deutschland ist, so fährt das Blatt u. a. fort, vor sechs Jahren Völkcrbundsmitglied geworden. Die erwähnte Verpflichtung ist des- halb nicht weniger bindend, weil sie eher m o r a l i s ch e r als legaler Art ist. Alles spricht dafür, daß die anderen Machte jetzt sobald wie möglich die Unterlassungen der Zuli-Resotulion der Abrüstungs- konferenz gutmachen und Deutschland so eindeutig wie möglich ihre Absicht erklären sollten, ihre moralische verpslichtung zn erfüllen. Was jetzt notwendig ist— und es darf erwartet werden, daß die britische Regierung unablässig darauf hinarbeiten wird,— ist eine gemeinsame Erklärung der anderen Mächte und besonders der vormaligen alliierten und assoziierten Määite, daß die Ab- rüstungskonoention in juristischer und faktischer Beziehung Teil V des Verfailler Vertrages hinsichtlich der nationalen Rüstungen e r- setzen wird. Eine solche Resolution, meint das Blatt, würde in sorgfältig gewählten Worten das Prinzip der Begrenzung wabren und gleichzeitig Deutschland keinen haltbaren Grund lassen, den weiteren Arbeiten der Konferenz fernzubleiben. „Times" schließt: Die öffeatliche Meinung anderer Länder muß lies beunruhigt strn durch einige der Tendenzen, die in Deutsch- land seit dem Amtsantritt der jetzigen Regierung in Erscheinung getreten sind. Aber bisher haben die militärischen Uebungen den Buchstaben des Vertrages beobachtet. Die Tanks zum mindesten, die gerade jetzt bei den deutschen Manövern eine hervorragende Rolle spielen, sind Atrappen. Auch ist zweifellos eine große Anzahl von Deutschen, wahrscheinlich die Mehrheit, gegen eine Erneuerung des Mettrüstens. das eine solche Katastrophe für Europa und vor allen anderen für Deutschland gelrocht hat. Das Wesentliche ist. daß die deutsch« Nation«instimmig oerlangt, nicht länger in eine besondere und untergeordnete Klasse gedrückt zu werden. Diese Forde- rung würde durch keinen Regierungswechsel in Deutschland ver- ändert werden. Ee darf Deutschland keine Entschuldigung dafür gelasien werden, sich vom Grundsatz der Begrenzung der Rüstungen loszusagen, der allein die Welt eine Zeitlang vor beunruhigendem Mißtrauen und unerwünschten Geldausgaben bewahren kann. Zugeständnisse Herriots? London. 22. September. Der Genfer Vertreter der„M o r n i n g Po st" meldet, man glaube, daß Herriot der Anregung der britischen Denkschrift folgen � werde, wonach alle Konferenzteilnehmer sich zu einer wirklich wert- ' vollen Abrüstungsmaßnahme entschließen sollen, die eine genaue Begrenzung der Arten und der Mengen der Waffen einschließt. Ein solcher Schritt würde nach Ansicht des Korrespondenten ein sehr große? Zugeständnis Frankreichs sein und auf«ine teilweise Preisgabe des Grundsatzes„vor allem aniern , Sicherheit" hinauslaufen. Es herrsche in Gens die Empfindung, � daß eine wesentliche Rüstungsoerminderung zustande gebracht wer- den müsie, und wenn Frankreich dabei die Führung übernehme, so würde es den auf ihm haftenden Vorwurf beseitigen, daß es Fort- schritte der Abrüstungskonferenz zu verhindern suche. Leon Blum über Deutschlands Fernbleiben. Paris. 22. September. Im„Populoire" beschäftigt sich der Abgeordnete Leon Blum mit dem Beschluß der Reichsregierung, an den gestern bc- gonncnen Verhandlungen des Büros der Abrüstungskonferen,; nicht teilzunehmen. Cr hält die Abwesenheit Deutschlands von Genf ri6?t für berechtigt und schreibt, die französischen Sozialisten hielten die deutsche Not sür unannehmbar. Man dürfe sich aber keine Illusionen machen: Die deutsche Forderung nach Rüftungsgleichberechtigung würde mit allem Nachdruck Wiederaus- leben, wenn die Abrüstungskonferenz tatsächlich durch den Fehler der anderen Mächte im Sande verliefe. Nur ein Mittel gebe es, »ni das zu vermeiden, nämlich, unverzüglich die in Versailles über- nommene moralische und politische Verpflichtung einzuhalten und so, wie Herriot das getan habe, ohne Umschweife zu proklamieren, daß die allgemeine Abrüstung das Ziel sei, aus das das Streben aller Mächte gerichtet sein müßte. Man müsse nach Annahme dieses Grundsatzes auch eine erste, weitgehende > Verwirklichung vornehmen, und dazu biete der A b r ü st u n g s- . plan Ho Overs die Gelegenheit. Diese Gelegenheit müsse ent- ' schlössen benutzt werden. Tragisches Mißverständnis. ZwischenKrtMinalbeamien und sozialdemokratischem Werder Frankfurt a. Rl., 21. September.(Eigenbericht.) Ein tragisches Mißverständnis hat einem Hanauer Kriminalbeamten das Leben gekostet. In der Nacht zum Sonnabend begegneten sich um 2 Uhr früh auf menschenleerer Landstraße in Wilhelmsbad bei Hanau ein radelnder Kriminalbeamter in Zivil, der gerade eine Razzia nach Felddieben durchgeführt hatte, und der sozialdemokratische Zeitungs- werber Holl aus Frankfurt-Sindlingen, der von einer Werbetour nach Frankfurt zurückkehrte. Der Kriminalbeamte, der ohne Licht fuhr, begann Holl zu oerfolgen in der Annahme, einen flüchtigen Felddieb vor sich zu haben. Er rief:„Halt, absteigen", ohne sich jedoch als Beamter zu erkennen zu geben. Holl fühlte sich bedroht und gab einen Schreckschuß ab. Darauf schoß der Beamte, während beide in schnellem Tempo auf Waldwegen dahinsausten, fünfmal in einer Entfernung von 13 Meter auf Holl, ohne ihn zu treffen. Nun schoß Holl seinerseits rückwärts auf seinen Verfolger und traf ihn so unglücklich in den Bauch, daß die Därme siebenmal zerrissen wurden. Holl alarmierte sofort die Rettungsstation und die Polizei. Arbeitersamariter brachten den Schwerverlegten ins Krankenhaus. Als inan feststellte, daß der Verletzte ein Kriminalbeamter ist, wurde Holl festgenommen. Er war im Besitz eines Waffenscheines und gab an, daß er sich in höchster Gefahr geglaubt habe. In der Nacht zum Dienstag ist der Kriminalkommissar seinen schweren Ver- letzungen erlegen. Holl wurde inzwischen aus der Haft entlassen, weil auch die Staatsanwaltschaft„vermeintliche Notwehr" annehmen dürste. Holl ist als Werber für die sozialdemokratische„Volksstimme" und das sozialdemokratische Wochenorgan für Hessen-Nassau„Rote Post" mit einzigartigem Erfolg tätig gewesen. Binnen Halbjahres- stift hat er als Werber mehr als 3000„Rote-Post"-Abonnenten ge- wonnen. Die MitteUung von dem Tode des Kriminalassistenten hat Holl so erschüttert, daß er die Sprache verloren hat und in eine Nervenheilanstalt übergeführt werden mußte. GA.-Vandalen im Vororizug. Polster und Wandbekleidungen zerschnitten und zerschossen Ein tolles Stück leisteten sich in der vergangenen Rächt zwei uniformierte SA.- Leute. Auf der Fahrt von Wann- see nach Berlin zerschnitten die beiden Hiller-Gardistea in einem 2.-Klasse-Wagen die Polster und zerfetzten die WandbeNeidungen der Abteile. Dann zog einer der Burschen eine Pistole hervor und feuerte in die wagenwand sechs Schüsse ab. Die vandalen wurden festgenommen und der politischen Polizei übergeben. Die SA.-Leute benutzten den Personenzug 4329, der um 1.36 Uhr auf dem Wannseebahnhof in Berlin eintrifft. Beide waren die einzigen Fahrgäste in dem 2.-Klasse-Wagen 23 940. Während der Fahrt hörten Fahrgäste des anschließenden Wagens Detonationen und hin und wieder flog ein Stoffetzen an den Fenstern vorüber. Auf dem Wannseebahnhof wurden sofort Bahnbeamte von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt. Die Beamten trauten ihren Augen kaum, als sie fast sämtliche Abteile des Wagens, in dem sich zwei uniformierte Hitler-Leute befunden hatten, in einem chaotischen Zustande vorfanden. Bon den Wänden waren die Wandbekleidungen heruntergerissen, die Polster waren zer- schnitten und eine Wagenwand wies sechs Kugeleinschläge aus. Die SA.-Leute hatten alles zum Fenster hinausbefördert, um die Spuren ihrer Schandtat zu verwischen. Ein Beamter des Bahn- Überwachungsdienstes könnt« di« Burschen gerade noch stellen, als sie die Sperre bereits passiert hatten und das Weite suchen wollten. Bei einein der Täter wurde eine 7,K3-Millimeler-D r e y s e- Pistole gefunden, deren Magazin leergeschossen war. Die in dem Wagen vorgefundenen Patronenhülsen hatten dasselbe Kaliber. Die Täter, ein 2öjähriger Willi Schmidt und ein 21 Jahre alter Handlungsgehilfe Rudolf Steinle, gaben an, wohnungslos zu sein._ Zwei Gchulklassen geschlossen. Wegen Scharlach und Ziegenpeter. Aui Anordnung des zuständigen Kreisarztes sind zwei Berliner Schulklassen wegen des Auftretens ansteckender Krankheiten mit Wirkung vom heutigen Donnerstag bis zu den Herbstferien ge- schlössen worden, und zwar die Klass« 5b der 9 4. Gemeinde- schule in der Strausberger Straße 8—9 wegen Scharlach, und die Klasse 7b der 103. Kemeindeschule in der Prenzlauer Straße 227 wegen Ziegenpeters. Todessturz im Treppenhaus. Im Hause Falkstraße 18 in Neukölln ereignete sich in der vergangenen Nacht ein todlicher Unglücksfall. Der 38 Jahre alte Arbeiter Hugo M u s e l i k trat in der Dunkelheit auf der Treppe fehl und stürzte so unglücklich hinab, daß er mit einem Schädel- b r u ch bewußtlos liegen blieb. M. wurde zur Rettungsstelle 3 in Neukölln gebracht, wo der Arzt nur noch den Tod feststellen konnte. Die Schüsse in der Röntgenstraße. Aussagen neutraler Zeu<> im Kommunistenprozeß. Die heutige Rlorgensihung in dem Prozeß der neun Kommunisten vor dem Berliner Sondergcricht brachte eine äußerst wichtige Aussage. Sie ist um so entscheidender, als sie von einem völlig neutralen Zeugen gemacht worden ist. Die Frage. Obaus der Richtung des SA.- Lokal» auf die entgegengesetzte Seite der Röntgenstraße hin geschossen worden ist, hat nun ihre endgültige Lösung erhalten: es ist geschossen worden. Die Angestellte der Apotheke in der Röntgenstraße, Frau Dr- P. war gerade mit Schreibmaschinenarbeiten beschäftigt, als sie Schüsse hörte. Sie lief zum Fenster, im selben Augenblick er- tönten weitere Schüsse. Sie sah ganz genau, wie die Aufschläge der Kugeln am Hause Nr. 13. also auf der Seite, die dem SA.-Lokal gegenüberliegt, Funken ausblitzen ließen. Eine Bestätigung findet diese Aussage in dem Vikar der Kirche am Lützowplatz Ecke Röntgen- straße. Auch er beobachtete das Schießen und stellte fest, daß mehrere Kugeln durch die Baume des Gartens vor seinem Hause drangen. Also waren di« Schüsse gegen die an der Ecke der Röntgen st raße versammelten Kommuni st en ge- richtet. Anders lautet die Aussage des Zeugen Donner, der in der Röntgenstraße wohnt. Er will einen Trupp junger Menschen laufen gesehen haben, die sich in der Richtung zum Verkehrslokal bewegten und hier mehrere Schüsse abgegeben haben sollen. Der Trupp lief gleich darauf zurück, ein junger Mensch löste sich ab, stellte sich auf den Fahrdamm und schoß noch mehrmals. Der Schütze auf dem Fahrdam.n muß nach der Statur und nach der Kleidung seiner Ansicht nach der Angeklagt« Chall gewesen sein. Der Zeuge Janaschik will gleichfalls die Angeklagten Sterdt und Chall, aller- dings bereits nach Eintreffen der Polizei, auf der Straße stehen ge- sehen haben: außer diesen beiden noch den Angeklagten Beier. Von Bedeutung war auch die Aussage des Mitgliedes des Sturms 33. Schwertner. Im Gegensatz zu seinen Kameraden gab er zu. daß sich vor dem SA.-Lokal Nationalsozialisten aufgehalten haben. Natürlich bestrick auch er, daß von hier aus di« Schüsse abgegeben wardin seien. Glossen zurMusik- MusikuntertichS von heuie und vvt Wer in dieser Zeit die kulturpolitischen Abteilungen einer gewissen Presse beobachtet, muß erstaunen, mit welch heiligem Eiser neuer- dings das Gebiet der Musik p olit i k dort gepflegt und einer wahrhaft angstvoll zärtlichen Kritik unterzogen wird. Sei es der „Tag", wo der zielstrebige Direktor der Akademie für Schul- und Kirchengesang seine klangvolle Stimme erhebt, sei es er„Lokal- Anzeiger", wo ein kleines Unglück sich musikkritisch angesiedelt hat, sei es die„Deutsche Allgemeine Zeitung", wo sich der Autor als„Schrift- fiihrer des Bundes deutscher Musikpädagogen" legitimiert, seien es noch andere Quellen des Lichtes und der Freude— alle wittern Morgenluit. Alls glauben, den günstigen Moment nicht verpassen und den Finger zur Wortmeldung aufheben zu müssen. Was aber wollen sie eigentlich? Das ist das Rätsel. Die Auslassungen der genannten Kritiker selbst geben keine Antwort auf diese Frage, soweit es sich um positive Mahnahmen handelt. Der Akademiedirektor im„Tag" ist Real- Politiker. Er oersaßt einen Programmartikel, der einem Bewer- bungsschreiben zum Verwechseln ähnlich sieht, Motto: rechts ist gut, aber nicht allzu weit rechts ist besser. Dabei nickt er freundlich nach allen Seiten. Sein Kollege in der anderen Scherl-Filiale weih über- Haupt nichts zu sagen, möchte aber oder muß doch nun einmal. Also entrüstet er sich darüber, daß die künstlerisch und kunstpädagogisch interessierten Organisationen gegen die angeblich geplante Aufhebung der Kunstabteilung beim Kultusministerium protestieren. Der deutsche Mensch dars protestieren, dock) nur, wenn es sich um Gefährdung Hugenbergscher„Belange" handelt. Der„Schriftführer" Pringsheim schließlich stellt wieder einmal sest, daß Schüler der verschiedensten Altersstufen laut Umfrage erklärt haben, sie hörten lieber Tanz- und Schlagernmsik, als Mozart und Beethoven. Hieran offenbart sich ihm der Mißerfolg der heutigen Schulmusikpflege. Prinzsheim weiß also ein Mittel, die Jungens alle dahin zu bringen, daß sie für die Klassiker ihr Leben lassen, nur noch das„wohltemperierte Klavier" hören wollen und jeden Detektivroman wegwerfen, wenn sie dafür den„Laokoon" lesen dürfen. Alles das ist so rein komisch, daß es eigentlich nicht lohnt, ernst- hast Wort« darüber zu verlieren, soweit nämlich der sachliche Kern in Betracht kommt. Anders ist es, wenn man fragt, was die Re- daktionen der Blätter wollen, die solche Aufsüße veröffentlichen. Niemand kann bchaupten, daß Kunstpolitik im allgemeinen, Musik- Politik im besonderen sich jemals einer ähnlichen Fürsorge zu erfreuen hatten— es sei denn um Protestaktionen gegen einzeln« mißliebige Persönlichkeiten gegangen. Erst die Ereignisse der letzten Zeit haben anscheinend sogar den Gedanken angeregt, daß hier etwas zu holen sei. Vielleicht sogar Stellungen für gesinnungstüchtige Leute. Sehen wir ab von der so lieblichen wie rassenreinen Ungeniert- heit dieses Treibens, sehen wir auch ab von dein Fehlen konkreter Sachziels bei den Angreifern, der Kläglichkeit ihrer kritischen Be- schwerdcn. Fragen wir zunächst einmal: was ist das überhaupt für ein Ding, das plötzlich so umkömpst wird? Was ist Musik- Politik? Als Mufikpolitik bezeichnet man das Bemühen, die'Angelegen- hellen der Musikpflege aus einem vereinheitlichenden Gedanken, so zu führen, daß die Verbindung von Mensch und Kunst so nahe, so intensiv, also so sachlich produktiv wie nur möglich werde. Di« Bc- Zeichnung Musikpolitik hat demnach mit realer Parteipolitik und Parteigesinnung grundsätzlich nicht das mindeste zu tun, sie ist dem Sinne nach eine Uebertragung. Ursprünglich sollte sie nur andeuten, daß ebenso, wie in der realen Polllik, Ziele aufgestellt, Weg« geebnet und Theaterpoiiiik übermorgen/ Von Pau! Bekker werden, planvolle Aufbauarbeit getrieben wird, ähnliches der Musik gegenüber nötig sei, weil hier alles derartig im argen lag, schranken- lose Subjektiollät und Willkür ein so schändliches und wüstes Durch- einander angerichtet hatten, daß eine gewisse Ordnung geschaffen, gewisse Grundgesetze des Verkehrs aufgestellt, gewisse Gesichtspunkte fiir den Ueberblick gegeben werden mußten. Es ist festzustellen: keine der preußischen Bor- triegsregierungen hat gewagt, in dieses Wespen- n e st zu greifen Dabei soll gern und ausdrücklich anerkannt werden, daß der konservative Landtagsabgcordnete von Goßler ein besonderer Befürworter gesteigerter Regierungsaktioität auf diesem Gebiete war. Aber erst die„System"rsgierung hat ernst damit gemacht, hat Wandel geschaffen, hat durch ihre Erlasse und Richt- linien einen Damm aufgerichtet, in unendlich mühseliger Arbeit, umtobt von dem Gebelfer derer, die zwar nichts besseres wußten. sich aber tief gekränkt fühlten, well sie nun nicht dabei waren. „Politik" schrien sie nach dem Rezept„Haltet den Dieb"— weil es ihnen nicht paßte, daß die Arbeit, die längst hätte getan werden müssen, nun endlich getan wurde. Oder ist es Politik, wenn man Mittel schafft, den anständigen Lehrer vom Kurpfuscher zu unterscheiden? Ist es Politik, wenn man bemüht ist, der Jugend den Sinn für Musik zu erschließen, statt ihr einen Schulsack von Liedern mechanisch einzudrillen? Ist es Politik, wenn man den Amtsstellen Fachberater beigibt? Ist dies alles Politik, wohlgemerkt als Parteipropaganda, als einseitige Be- einflussung im Sinne parteilicher Einstellung? Nein, bisher war es keine Politik. Nun aber soll es Politik werden. Hier liegt der Hund begraben. Nicht falsche parteipolitische Anlagen auszurotten gilt es, sondern sie dahin zu pflanzen, wo sie bisher eben nicht waren. Darum erfindet man den Popanz..Entpolitisierung" der Musik, denn man muß doch schließlich irgendeinen Vorwand haben. Der naive Zeitungsleser versteht nichts von Musik. Er läßt sich alles einreden, und wenn er nun fort und fort hört und liest, wie der satanische Marxismus Lehrer med Schüler durch das Mlltel der Musik vergiftet und seinen Zwecken dienstbar gemocht hat, so graust es ihm. Aber siehe da— die Teufelskralle steckt in der stammen Anklage, und sie winkt-„Sichert euch dieses Gebiet, kluge Männer, wir werden euch behilflich sein, daß ihr auch dort euren Samen säen könnt. Ordnung ist geschaffen van den anderen, nun nützt sie aus für eure Zwecke. Falls ihr 5)ilfe braucht— hier habt ihr unsere Programme— wir stehen zu Diensten." Knicks. Was aber werden sie sachlich tun? Sie werden sroh sein, wenn sie noch von vorhandenem Jdeenvorrat zehren können. Sie haben selbst zwar alles mögliche: sie haben ein großes Mundwerk und kunstgeübte Organe, sie sind gewandt in alle» Fechterstellungen. Sie sind vor allem bemerkenswert betriebsam, vereinigen So- zialismus und Doppelverdienst, Beamtentum und freie Borufsübung, sie können staatliche Institute leiten und Kritiken schreiben in einem, Dirigieren und Geige spielen zugleich. Etwaige Hemmungen kämpfen sie mannhaft in sich nieder, indem sie sich sagen, daß eben niemand das so gut machen kann wie sie. So können sie alles und haben auch alles. Nur eines haben sie nicht: eigene Ideen. Sollten sie etwa das Jdeen-Haben für Politik halten? Das könnte es freilich sein, und so mag sich das Rätsel lösen. In diesem Sinne dürfen wir allerdings sicher sein, daß sie die Musik„entpolitisieren" werden, so gründlich, daß weder von den Ideen noch von der Musik etwos übrig bleibt. Gondergsrichie für alles? Der Abbau der ordentlichen Gerichtsbarkeit. Die tztotverordnung vom S. August 1932, die durch Schaffung der Sondergerichle in die Gerichtsverfassung eingreift und das be- stehende Strafgesetz über den Haufen wirft, betitelt sich offiziell: „Verordnung des Reichspräsidenten gegen politischen Terror." Anlaß zur Notverordnung gaben die nationalsozialistischen Terrorakte in Königsberg: ihr Zweck war, durch Ab- schreckung die politischen Gegner von Gewaltanwendungen abzp- halten. Die Sozialdemokratie hat sich mit aller Schärfe gegen die Sondergerichte gewandt: sie ist der Zlnsicht, daß eine schärfere Handhabung der b e st c h e n d e n Gesetze auch den ordentlichen Gerichten ausreichende Möglichkeiten geboten hätte, durch Ab- jchreckung das gemeingefährliche Treiben der radikalsten Elemente zur Vernunft zu bringen. Wenn aber jetzt die Soudergerichto ent- gegen selbst dem Runderlaß des preußischen Justizministers ihre Tätigkeit in einer Weise erweitern, daß sie auch nichtpolitische Delikte nunmehr in ihr Bereich einbeziehen, so muß dagegen sehr ernst Einspruch erhoben werden. Nur zwei Beispiele aus den aller- letzten Tagen. In Waldenburg wurde vom Sondergericht der frühere kommunistische Landtagsabgeordnete Richard Schulz wegen Mißhandlung seines 11jährigen Sohnes zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Ueber die unglaubliche Roheit dieses wirklich entmenschten Vaters und über die Höhe der Strafe soll hier kein Wort verloren werden. Da schwere Körperverletzung vorlag, gab die Notverordnung der Staatsanwaltschaft die Möglich- keit, die Sache vor das Sondergericht zu bringen. Hätte aber nicht im ordentlichen Verfahren diese Tat mit der gleichen Strafe und vielleicht auch mit der gleichen Schnelligkeit ihre Erledigung finden können?§ 4 der Verordnung über die Bildung von Sondergerichten sagt ausdrücklich: Ist die Tat nicht aus politischen Beweggründen getan, oder ist ihre alsbaldige Aburtellung mit der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung oder für die Staatssicherheil von m i n- derer Bedeutung, so kann die Anklagcbehörde die Untersuchung an die Staatsanwaltschaft zur Behandlung im ordentlichen Ver- fahren abgeben. Hier lagen weder politische Beweggründe vor, noch war die öffentliche Ordnung oder die Staatssicherheit gefährdet. Allerdings war Schulz Kommunist. Der zweite Fall spielte in Königsberg. Das Sondergericht ver- urteilte hier wegen Totschlags und versuchten Totschlags. Nötigung und verbotenen Waffenbesitzes den Angeklagten Otto Altrock zu IS Jahren Zuchthaus und den Schlosser Paul Kluge wegen Beihilfe zu versuchtem Totschlag zu 1 Jahr 9 Monaten Zuchchaus. Die Sache hatte mit Politik nichts zu tun. In der Nacht zum 9. Dezember 1931 wurde der Polizeihauptwachtmeister Wenendt von Altrock erschossen, als er chn nach seiner Herkunft fragte. Altrock flüchtete nach Frankreich und wurde Mitte August ausgeliefert. Zur Zeit der Begehung der Tat dachte kein Mensch an die Sondergerichte Sie existierten wohl auch noch nicht, als der französische Ausliefe- rungsbeschluß gefaßt wurde. Auch in diesem Falle soll über die Gemeingefährlichkeit der Tat kein Wort verloren werden. Weshalb aber das Sondergericht? Das ordentliche Gericht hätte in gleicher Weise auch seine Schuldigkest getan. Gegen eine derartige Anwen- dung der„Notverordnung wegen politischen Terror", gegen ein derartiges Eingreifen in die ordentliche Gerichtsbarkeit kann nicht scharf genug Protest erhoben werden. Es eröffnet ungeahnte Perspektiven in der Richtung des Abbaus der ordentlichen Gerichts- barkeit überhaupt. Das ist aber um so gefährlicher, als alle, also auch die un- politischsten Affären mit der Verhandlung vor dem Sondergericht jedes Rechtsmittel einbüßen. Hat das wirklich in der Absicht des preußischen Justizministeriums gelegen? Kampf der Kinderlähmung. Die Höchster-Werke sammeln Serum. Die Gesundheilsbehörden führen seit langem den Kamps gegen die spinale Kinderlähmung. Schon vor dem epidemischen Anflrelea der Krankheil, die in den Sommermonaien. vor allem im Späl- sinnmer, am stärksten grassiert, sind vorbeugende Maß- nahmen eingeleilek worden. Diese Maßnahmen haben es ermöglicht, das Umsichgreijen der Krankheit, die in diesem Jahre besonders heftig aufzutreten drohte, in befriedigendem Maße einzuschränken. Dazu hat vor allem beigetragen ein« Besprechung der Ländervertreter im Reichs- gesundhsitsamt, in der die Schaffung von Landeszentral- stellen für die Verteilung des Rekonvaleszenten- Serums an die einzelnen Aerzte. Vor allem aber werden die Höchster Farbwerke mit der Sammlung und Herstellung dieses sehr teuren Serums beauftragt. Das Serum ist so teuer, weil es nur aus dem Blute der an epidemischer Lähmung erkrankten Kinder ge- wonnen werden kann und weil sich sehr wenige Eltern dazu ver- stehen, ihren Kindern Blut entnehmen zu lassen. Die Bereitstellung des Rekonvaleszenten-Serums war um so erforderlicher, als es sonst kaum Mittel zur wirksamen Bekämpfung der Krankheit gibt. Man hat in letzter Zeit aus Veranlassung der Gesundheits- und Wohlfahrtsbehörhe in verschiedenen Städten die Alumnate und Internale veranlaßt, die Herbstserien zu verschieben, damit die eventuell angesteckten Kinder die Krankheit nicht in anderen Gegenden weitertrogen. Aus dem gleichen Grunde sind auch verschiedene Ferienkindertransporte abgesagt worden. Zumindest ist es durch olle diese Maßnahmen gelungen, die Zahl der Erkrankungen an epidemischer Kinderlähmung» nach der letzten Zählung aus 268 zu beschränken. Noch keine Entscheidung in Schweden. Beschluß der Sozialdemokratie heute zu erwarten. Stockholm, 22. September.(Eigenbericht.) In der am Mittwoch stattgefundenen Sitzung des Partei- v o r st a n d e s der Sozialdemokratischen Partei wurde noch keine Einigung über die Kabinettsbildung erzielt. Di« Ent- Icheidung des Parteioorstandes und die Bekanntgabe der Minister- liste werden für heute erwartet. In einem Presseinterview erklärte der mit der Regierungsbildung beauftragte Abg. H a n s s o n, daß«r den Abbau des hemmenden Zollsystems und die Ein- sührung weitgehender Staatsmonopole als Grundlage der Handelspolitik eines unter seiner Führung stehenden Kabinetts be- trachte. Führerslucht bei den Nationalsozialisten. Dem Austritt des Lehrers Fischer- Plauen aus der Naeipanei und aus der Frok- Hern seiner Partei im Sächsischen Landtag dürsten noch weiter« Austritte von Lehrern folgen. So hat jetzt der Haupt'ehrer Weih- mann in Böckingen seinen Auetritt aus der Partei e klärt. Der Führer des Nationalsozialistischen Lehrerbundes in Württemberg. Mitte's'uillebrer.n e m m i n a- Heilbronn, beabsichtigt ebenfalls der Hitler-P-artei den Rücken zu kehren. Der ReichskanLcr schon wieder im Rundfunk. Der Reichs- kanzler wird am Donnerstagabend um 7 Uhr über all« deutschen Sender über die Winterhilfe sprechen. Oer Gipfel des Ltnfinns. Die.Kultur" der Deutschen Welle Der Rundsunkvorirag. von dem hier berichtet werben soll, ist nicht etwa ein« Ausgeburt bösartiger Jounialistenphantasie oder «in mitternächtlicher Alpdruck. Er fand statt am 21. September 1932. also gestern, nachmittags um 5.39 Uhr, im Programm der Deutschen Well«. Ein Dr. T h. Scheffler sprach zu dem Thema:„Der Mensch und die Kräfte der Heimat." Er sowohl als auch die Deutsche Welle nahmen seine Ausführungen zweifellos völlig ernst. Dr. Scheffler erklärt« darin u. a., daß heute viele Hausfrauen nicht einmachen könnten, weil ihnen der Zucker zu teuer ist. Früher hätte Deutschland genug natürlichen Süßstoff besessen, da es in allen Teilen des Landes ausgedehnte Bienenzucht gab; sie sei in- folg« der Einsuhr ausländischen Rohrzuckers fast völlig eingegangen. Ebenso habe man den Anbau der bei uns heimischen Farbpflanze Waid ausgegeben und ganz unnötigerweise dafür den Indigo ein- geführt. Damals, in dem zerrissenen Deutschland, hätte noch keine Möglichkeit bestanden, sich durch Zollmauern vor solcher Einfuhr zu schützen. Das seien, so sagte Herr Scheffler, Erfahrungen, die uns klug machen sollten: Weltwirtschast dürfe nicht Deutschlands Schicksal werden. Denn ohne die Weltwirtschaft hätten z. B. die Hausfrauen gemig Zucker. Das weiß sogar Dr. Scheffler: der Einfluß des Rohrzuckers ist heute überwunden: wir bauen Zucker- rüben an. Ja, meinte er— ober das muß man wörtlich zitieren: „Wir hätten genug Zucker, wenn wir damit nicht Auslandsgeschäfte machen würden." Man könnte über diesen grenzenlosen Blödsinn herzhaft lachen, wenn er nicht eine sehr ernsthafte Seite hätte. Das ist die„Volks- bildung", die von der Deutschen Welle in das Reich, zur Land- bcvölkerung, getragen wird! Dort weiß man schließlich nicht über- all, dag Deutschland zu den wichtigsten Zuckerexportländern gehört und heute, infolge der ungeheuer gestiegenen Weltproduktion an Zucker, gar nicht weiß, wo es mit seinem Zuckerreichtum hin soll. Der von der deutschen Zuckerindustrie künstlich hochgehaltene Zuckerpreis hat dazu geführt, daß der Verbrauch ständig zurückgeht Die Zuckersteuern, die 1913/14 rund 189 Millionen einbrachten, ergaben 1929/39 nur 159 Millionen Mark. Die Einfuhr des viel billigeren Auslandszuckers(Welt- Marktpreis etwa 6 M. pro Zentner gegen 21 M. für den Zentner Magdeburger Zucker) ist durch Zollmauern verhindert. Die Deutsche Welle hat sich mft der Zulolsung dieses Vortrages ihr Urteil als„Kultursender" gesprochen.—h. „Achi Madels im Boot." LlT Kursürstendamm Nach dem Titel vermutet man lustiges Mädchenlachen, aber es kommen hochdramatische Akzente in sehr schöne Landschaftsbilder. Eine Gymnasiastin, eins der acht Mädels aus dem Boot, fühlt sich Mutter. Sie besteht das Abitur nicht, sie verdirbt der trainie- renden Rudermannschast viel, bis sie nach schweren Seelenqualen ihr Geheimnis preisgibt. Ihr Vater bekommt einen Tobsuchtsanfall. die Bootsmannschaft will opferbereit einspringen und dann kommt, als guter Abschluß, der Abschied von den Mädels. Und das junge, zusammengehörige Paar ist einer freundlichen Aufnahme bei dem Vater gewiß. Die Konflikte, wenn sie auch in ein Einzelleben lastend eingreifen, liegen doch nur an der Oberfläche, denn es be- darf in diesem übertrieben gut situierten Bürzermilieu doch nur der großen Geste des Vaters, um einem neuen Lebewesen ein sorg- loses Dasein zu sichern. Erich W a s ch n e ck führt eine unausgeglichene Regie mit großer Verliebtheit in den Richersport. Er macht einmal das miß- glückte Experiment, seelisches Erleben nicht allein optisch durch das Mienenspiel der Darsteller, sondern auch durch die Geräuschkulisse zu übermitteln. Doch bleibt das hämische Flüstern und Tuscheln ziemlich wirkungslos, zumal der Film sprachlich schlecht gelungen ist. Die Hauptrolle spielt Karlin Hardt. Sie ist jung und wahr und berechtigt zu den allerbesten Hoffnungen, da sie nicht kopiert. Möchten sich für sie stets die richtigen Regisseure finden, die von ihr keine Bergner und keine Lilian Gish Nummer 2 machen wollen, sondern sie einstweilen das kleine Mädel bleiben lasten. e. h. Kleiber in der Philharmonie. Mit einem Slawischen Abend eröffnete Erich Kleiber gestern einen Zyklus von Konzerten mit dem Philharmonischen Orchester, die sein Publikum und ihn für sein diesjähriges Ber- schwinden vom Pult der Staatsopernkonzertc(die Heuer K l c m- p e r e r allein leiten wird) entschädigen sollen. Er begann mit Strawinskys„Feuerwerk": auch dann aber, als er mit D v o r a k s Cellokonzert, mit Tschaikowskys Fünfter Sinfonie fortsetzte, blieb es— Feuerwerk: kaltes, funkelndes Spiel mit immer neu aufblitzenden lleberraschungsesfekten, Blendwerk des Teufels, vollkommene Maskerade, ei» in tausend Nuancen flimmerndes musikalisches„Als ob"— ohne Tiefe, ohne Wärme, ohne(wir scheuen uns nicht, es so altmodisch zu sagen) Seele. Wenn man die Technik so beherrscht wie er(er ist ein großartiger Kapell- meister). dann entscheidet nur mehr der Grad menschlicher Größe über den Charakter einer künstlerischen Leistung: hier aber scheint er uns immer wieder entscheidend zu versagen. Arnold Földesy, Solist des Cellokonzerts, erwies sich als Künstler von Geschmack, als Meister einer noblen Kantilene, ohne allzu viel Kraft aber und ohne den hier nötigen slawischen Clan. __ A. W. Verewigung von Leonardos Abendmahl. Bon Leonardos Abend- mahl, das allen Restaurierungsversuchen zum Trotz unaufhaltsamer Vernichtung entgegensieht, hat der deutsche Moler Robert Richter eine fast originalgroße Kopie yon nie erreichter Treüe hergestellt, die in Verlin ausrichtige Bewunderung hervorgerufen hat. Um der Nachblldung des gewaltigen Werkes Dauer zu sichern, ist sie jetzt von den Mosaikwerkstätten Puhl-Wagner-Heinersdorff in Berlin- Treptow unter ständiger Kontrolle und Mitarbeit Richters nach- gebildet worden. Das Mosaik, das aus über 399 999 Steinchen besteht, ist verkäuflich und gegenwärtig im Berliner P e r g a m o n- Museum ausgestellt. Zpielplaniü.derunz. Tic sür heute im Theater am K u r f ü r st e n- dämm angesetzte Aussührung von„Ter Better au,. Dingsda" ist aus Freitag verschoben worden. Karten behalten Gültigkeit. Gehälter bei der Reichsbahn. Einstellungen oder Entlassungen? In einem„Vorwärts"-Artikel ain Sonntag,„E n t l a s s u» g s- plane der Reichsbahn" überschrieben, hat der Verfasser die ihm bekonnten Gehälter der leitenden Beamten der Reichsbahn angegeben, Hierzu wird uns von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß es sich bei dieser Aufstellung um Sätze in der 5)ohe vor etwa zwei Iahren handelt. Inzwischen sind prozentuale Herabsetzungen u m 4 0 Pro z. bei dem Generaldirektor, um 20 bis 30 P r o z. bei den sonstigen leitenden Beamten vorgenommen worden. Indem wir unseren Lesern davon Kenntnis geben, möchten wir bemerken, daß es lediglich die Sorge um das Schicksal der 52 000 Eisenbahner, die Ende September entlassen werden sollten, war, was den Verfasser des Artikels bewogen hat, bei der Prüfung von (irsparnismöglichkeiten an anderen Stellen, auch die Gehälter der höheren Beamten der Reichsbahn zu erwähnen, die ja trotz der Kürzungen noch einigermaßen auskömmlich zu sein scheinen und im schlimmsten Falle noch eher eine weitere Kürzung vertragen könnten, als die vollständige Streichung der Löhne der zur Einlassung verurteilten Eisenbahner. Aus dem inzwischen bekannt gewordenen zusätzlichen Arbeits- beschaffungsprogramm der Reichsbahngesellschaft ergibt sich, daß bei der Reichsbahn selbst 24 000 Mann dadurch Arbeit finden, Außerdem können— wie uns berichtet wird— durch Einlegen von Feierschichten bei der Bahnunterhaltung mindestens weitere 5000 Arbeiter in Beschäftigung bleiben. Mithin brauchten elwa Z0 000 ZNann nicht entlassen zu werden. Es blieben aber immer noch 22 000 Mann, die entlassen werden, trotz Umstellungen und Feierschichten, ohne daß an eine Verkürzung der Arbeitszeil, die 54 bis 57 Stunden wöchentlich für fast zwei Drittel der gesamten Belegschaft beträgt, gedacht wird. Jeder einzelne Eisenbohnorbeiter, der noch der Beteiligung der Reichsbahn am Programm der Reichsregierung„zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und zur Belebung der Wirtschast" noch entlassen wird, bildet eine Anklage gegen ein Siistem, das auch jetzt noch an einer selbst weit über 43 Stunden hinausgehenden Arbeitszeit festhält, anstatt durch Verkürzung der Arbeitszeil, wenigstens Entlassungen zu verhüten, wenn N e u e i n st el l u n- gen nicht möglich sein sollten. Sabotage des Schlichtungswesens. Arbeitgeberbeisiher kneifen Das„Berliner Tageblatt" erinnert daran, daß bereits im Mai dieses Jahres dic� Arbeitgeberbeisitzer der Schlichtungskammer die Verhandlungen verließen, als in der m ü n st e r l ä n d i s ch e n Textilindustrie ein Schiedsspruch gefällt werden sollte. Ein ähnlicher Vorfall hat sich jetzt bei Verhandlungen in der Münchener Zentralheizungsindustr.l, zugetragen. Als die Gewerkschaftsvertreter die Fällung eines Schiedsspruches forderten, erhoben sich die Arbeitgeberbcisitzcr, um den Vcrhand- lungsraum zu verlassen Auch die Androhung einer Ordnungsstrafe konnte die Herren nicht bewegen, zu bleiben, Sic sollen erklärt haben, daß ihr Verband die angedrohte Geldstrafe bezahlt. Anscheinend handelt es sich um eine absichtliche Stellungnahme gegen das Schlichtungswesen, Das„Berliner Tageblatt" meint daher, das Reichsarbeitsministerium müsse gegen eine derartige Sabotage mit schärferen Maßnahmen vorgehen, dem gesetzwidrigen Verhalten solcher Unternehmer entgegenzutreten, Da das Schlichtungswesen bei der gegenwärtigen Regierung nicht besonders beliebt ist, wird man mit einigem Interesse dem Verhalten des Reichsarbeitsministers gegen eine absichtliche Ver- trctung der gesetzlichen Bestimmungen entgegensehen, Rimdlimk am Abend Donnerstag, den 12. September 1932. Berlin: lö.O.'Z Illusion und irklidikeit(Dipl.-Ing. F. Ben- janiinl. 16.30 Kaninierordieslerkonzert. 17.30 Sind � rihlfahrt-; Unterstützungen Darlehen oder Gesdienke?(R- Bechtold). 17.33 Flektrische Musikinstrumente i Fheremininstnimente). 18.15 Prosa(A. Manns S. Lux). 18.35 Lrinnerung an Weddigen (Jiapitänleutnant a. D J. Spieß). 18.3-> Die b unkstunde teilt mit. 19.00 Stunde für die Winterhilfe:..Mir wollen helfen. 20,00 Mandolinen-Ürdicstei kunzert. 20.30 Der Nationalitätenkampf in der Sordmark(E. Sdiröder). 20.50 lages- und Sport- nad, richten. 21.00 Orchesterkonzert. 22.00 M etter-. Tages- und Sportnachrichten 22.13 Aus M ien: lanzweisen. 24.00\olks- licder der Sudetendeutschen(Schallpl.). Königs Wusterhausen: 16.00 Pädagogischer Funk. 17.30 Ein Besuch im geheimen Staatsarchiv in Berlin-Dahlem (Staatsarchivrat Dr. Meißner). 18.00 Entwicklungslinien der zeitgenössischen Klaviermusik(F. Thöne). 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18,33 M etlerhericht. 19.00 Auftakt zur diesjährigen Winterhilfe. 20.00 Aus München;„Othello\ou M. Shakespeare. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im..Aolksfnnk. monatl. 96 Pf. durch alle„Vorwärts"-ßoten oder die Postanstalten. Wetter für Berlin: Bewölkungszunahme, später auch aus- kommende Regenneigung. Tagestemperawren nur langsam an- steigend. Frische Südost- bis Südwinde.— Für Deutschtand: Im Südwesten wolkig und ziemlich warm. In der übrigen westlid)en Reichshälste oieliäch Regenfälle. Weiter östlich Bewölkungszunahme ohne nennenswerte Temperaturänderung. Verantwortlich für die Rrdaktion: Victor Schiff. Berlin: Anzeigen: Stto Hengst, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag s. m. 6. H.. Berlin. Druck: Lorwärt- Buch. dructerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 63. Lindenstr. 3. Hierzu l Beilage. * GeDaM-Jtnjetger �=> Genossen? Unterstülzt Eure eigenen Betriene: Deckt Euren Bedarf a. Urnen U.Grabdenkmälern nur in d. CtninmntTfliUtn Gemeinnutzige G. m. b. H-, Baumschulenweg, JlBlIllliCiLllUlc, Kiefholzstr., gegenüber dem Krematorium. Tel.: F3, Oberspree 1685. Lieferung nach allen Friedhöfen in Groß-Berlin. Bitte auf die Firma achten. Sonntags geöffnet. IntTt 9lirh* �erichfts!r.46y gegenüber Kremat. JcKI uUUl. Seestr. 59, gegenüb. Urnenfriedhof alousfe- Fabrik Seit 1910 (241 Ernst<3arf, Inli. E.& J. Garf SO. 30. 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Unter diesen Einwirkungen verirren sich die Kinder allzu jung iin Geschlechtsverkehr. Hilflosigkeit, Ratlosigkeit, Weglosigkeit und Preisgabe an die Katastrophen unseres Jahrzehnts auch bei den Kindern des„glücklichen Landes"! Und alles das ist über die Kinder schon verhängt, ehe noch die Wirrnis des Entwickl?ii?gsalters über ihnen hereinbricht.(Die Tragik dieser Lebei?sjahrc in der Wirrnis unserer Zeit wird der abschließende Aussatz von Dr. Birkenfcld behandeln.) Uns bleibt nur eine 5) o s s n u n g. Uns bleibt nur eine Hoffnung: ui?d die ist arinselig: Aus einem sorglosen Elternhaus stam?nen keineswegs immer lebenssicherc und lebensfrohe, aus dein Bereich der Verelendung ebensowenig immer gedrückte uird verbitterte Kinder. Aber ineist... An die van einer unbarmherzigen Epoche bedrängten Kinder ist im letzten Jahrzehnt von? Säuglingsaltcr an ui?c??dlich viel Sorgfalt, Kenntnis !?ind Hilssbereitschaft gewendet worden. Man erfuhr e-mas davon, daß dieses Jahrhrindert in seinem Anbruch„Das Jahrhundert des Kindes" überschrieben worden war. Genau ein Kindesalter, 14 Jahre hindurch, nach der Opferung einer Generation im Kriege, wurde ein nnponlerender Apparat von Jugendwahlsahrts-Bestrs- bungen an Körper und Geist in Bewegung gesetzt. Die Not wurde übermächtig. Die Mittel schwinden: die Grundlagen wanken. Auch diese Maschine droht stillzustehen. Auch rinter den Helfern der Kinder wird es bald erschreckend viel Arbeitslose geben, während iininer inehr Kinder um Schutz betteln und das Jahr- hundert anklagen, das nach ihnen heißen sollte. itmusik in Lugano I Kram zusainmenhält. Musik löst jede Verpackung!— Seht die schwarze, junge Person! Sie bedient in einein Restaurant der dunkelsten Stadt. In cinein vcrdrecktcn, uralten Kellerloch... oh, lvic inalcrisch!! Für de», der nicht drin?voh??t. Jetzt hat die Schwarze alle Makkaroni vergessen. Sie steht, döst, lächelt. Alle Küsse trinkt sie nochmal... vermischt?nit einem Tropfen Musik. Das Publikrrm spielt init! Man kann auf den Gesichtern das Prograinu? ablesen. Eine Jubelrakete tönt auf. Alles blitzt vor Freude. Auch die Bambinos auf den Ar»?en der Mütter. Bei Moll werden sie ernst, ganz dunkel... man wünscht so viel... es bleibt so wenig nach... eigentlich das meiste ver- geblich... Tusch!— Die Bitternis ist schnell verschluckt: hinuntergcspült mit einein Schuß Musik. Doch was ist das? Zwischen einer vollfetten Käsehändlcrin und einem freundlichen versoffenen Großvater steht plötzlich ein sauber- aeseiiter Engländer. Im großen Abendkleid. Er hat sich aus den? Paradiso hierher verirrt. Er schüttelt unsichtbar den feinen weißen Kopf. Er möchte sofort auf die Promenade an? See zurück. Dorthin, wo der Monte San Salvatore in den Nachthiinmcl wächst: ge- schiitiickt mit einer Schnur winziger Leuchtperlcn.(Das ist a?n Tage die Zahnradbahn.) England mächte sofort in sein Hotel allerersten Ranges zurück. Die Preise siird dort ebenfalls eine Zumutung aller- ersten Ranges. Die Gäste passen sich den Preisen an. Sic sind eine Zu mu--- Hier bricht der Sag... laßt inich doch ausreden! Hier bricht der Satz ab. Mittler?veilc ist der sreiitde Herr ins Paradiso zurückgerollt. Jetzt tanzt er wieder hinter Glas init handgcmalten Damen. Mit fremden Wachspuppcn— rosig, leblos, nicht billig. Sie drehe?? sich langsam im fast leeren Rauin... Wer kann heute ins Paradiso reisen?... Tra??riger Tango...(La specialite de la maison!!} Nachtmusik in Lugano, Der Gigolo???acht Eindruck und wenig Kasse. Der See van Lugano stört fast gar nicht uin diese Stunde... Ein Jazz stöhnt auf:„I want to be happy!" Wer noch? lind während in Ltigano-Paradiso säintliche Lichter flammen, so daß die Ufer auf entfernt wie alte Luxusmärchen wirken— alles schwarz und Gold und zu teuer— geht die Musik auf der Piazza weiter. Geht direkt in die Ohren. Wcnn's auch nur einheimische Ohren sind... tbey want to be happy! Alle sind jetzt iin Paradisa... Wie die schönen, steifen Ausländer, für die?nan den ganzen Tag hoppst, rennt, springt, fliegt. Schluß!— Die offene Musik macht den Laden zu. Langsam verlöscht der letzte Ton... das legte Licht. Der Mond geht nach Haus. Das Volk geht ab. Lugano gähnt. Ringen, Heben, Boxen Arbeiter'Alhleten rüsten zu den Serienkämpfen Wieder stehen die bundestreuen Arbeiter-Mhletenoereine des 4,(Berlin-Brandenburger) Kreises vor dem Beginn der alljährlichen S e r i e n m a n n s ch a f t s k ä m p j e im Boxen, Ringen und Ge- ruichtheben um die 5lreismelsterjchast. Stärker als in den ver- gangenen Jahren gehen die Vereine in die Wettkämpfe der Serie 1932— 1933. Die alten Meister werden diesmal recht arg be- drängt, sie müssen sich gewaltig strecken, um nicht von der nach- drängenden Schar neuer guter Gegner abgesetzt zu werden. llngewöhnlich stark beschickt sind die Sericnkämpfe der Ringer; 13 Mannschaften, eingeteilt in drei Klassen, streiten hier um die Würde eines Kreismeisters.„Alt-Wsdding" und„Sparta" stellen je drei Mannschaften, Tegel entsendet zwei Staffeln. In der.�-Klasse hat der Meister„Alt-Wedding" in den unbesiegten Teglcrn und in den wieder sehr stark gewordenen Luckenwaldern und in„Sparta"- Neukölln sehr kampfftarke Gegner zu überwinden, wenn sie auf ein weiteres Jahr Tabellenerster bleiben wollen. Auch in der L-Klasse hat„Alt-Wedding" den ersten Platz zu verteidigen. In der neu- geschaffenen C-Klasse werden einige neue Staffeln mit den V-Mann- schaftcn gemeinsam um die Berechtigung zum Start in der.�-Klasse streiten. Besonderes Interesse beanspruchen die Kämpfe der Boxer; hier hoben die„Lichtenberger"— Faustkämpfer, nachdem sie Lucken- walde geschlagen haben, in Tegel, Alt-Wedding und in dem jüngsten Verein des Kreises, Britania, Gegner, die in der Lage sind, den Meister ernstlich zu gefährden. Die Lichlenberger verfügen aller- dings über die größere Kampferfahrung. Auch im Lager der G e- w i ch t h e b e r sind die Mannschaften der Vereine Tegel, Alt- Wedding und Sparta zu achtbarer Form aufgelaufen. Sparta hat u. a. zwei Rekordheber in ihren Reihen. Der achtfache Kreismeister „Lichtenberg-Friedrichsfeldc 94", der auch in diesem Jahr den Titel eines Bundesmeisters zu verteidigen hat, wird van all diesen Gegnern bedrängt, und wird sich gewaltig ins Zeug legen müssen, um den Titel für ein weiteres Jahr behaupten zu können. Die zahlreichen und gutoeranlagten Schüler und Jugendlichen aller Sparten werden auch in diesem Winter Kämpfe austragen und können hier am besten ihre Qualifikation als Nachwuchskämpfcr beweisen. Es geht weiter vorwärts, unter dieser Parole haben die Ber- liner Vereine in den Wochen vor den Serienkämpfen geworben und gewirkt, und der Ersolg ist nicht ausgeblieben. Eine ungewöhnlich starke Beschickung in allen Sparten hat bewiesen, daß die bundes- treue Athletenbewegung auch in diesen Krisenzeiten mit kämpf- und abwechslungsreichen Wettkampftagen aufzuwarten vermag. Neben- her hat Berlins Ztädtemannschaft im Ringen die Berliner Bewegung durch Kämpfe im Bundesgebiet zu vertreten.(?. WL Sie haben die Nase vol! von der„Deutschen Turnerschaft" Ueberall in den Vereinen der in ihrer reaktionären Einstellung von uns oft gekennzeichneten„Deutschen Turnerschaft" kriselt es. Die Mitglieder beginnen einzusehen, daß sich In der DT., dem Verbände mit der„völkischen Eigenart", Strömungen und Rich- tungeu gebildet haben, die sie als Arbeiter und Angestellte unmög- lich weiter tatenlos mit ansehen können. Ja, es sind nicht nur Strömungen, es ist ein so scharfer Rechtskurs eingeschlagen worden. daß selbst Vereine, die sich bisher sehr aktiv in diesem Verbände betätigten, keinen anderen Weg mehr sahen, als endgültig die Kon- sequenzen zu ziehen. Nun hat aber die DT. für ihre Vereine Satzungen heraus- gegeben, die einen Austritt sehr schwer machen. In irgendeinem Paragraphen steht nämlich, daß ein Verein sich nur von der Deut- schen Turnerschaft loslösen kann, wenn alle seine stimmfähigen Mitglieder dafür sind. Eine solche Einmütigkeit wird aber wohl in keinem Verein zu finden sein, also bleiben die Vereine in der DT. Aber die Mitglieder treten aus. Zwar nicht alle. Einige bleiben noch. Das find die konservativen„alten" Turner, die sich nicht von ihrem Verband trennen können. Aber die anderen, die Aktiven, die vorstürmende Jugend, sie wollen sich von den DT.- Führern nicht mehr für ihre nationalistischen Pläne mißbrauchen lassen. Sie gehen dorthin, wo sie wirkliche Freunde und Genossen finden, zum Arbeiter-Turn- und Sportbund. So erging es dem TSV. 1911 Neukölln, der eine zwar kleine, aber sehr eifrige Schar aktiver Turner und Sportler hatte, die in letzter Zeit ständig im Kampf gegen die konservativen Kräfte des Vereins standen. Am letzten Sonnabend taten sie kurzentschlossen den entscheidenden Schritt, kehrten dem Verein und somit der DT. den Rücken und bekannten sich zum Arbeitersport, lieber vier- zig Mitglieder traten zum„Volkssport Neukölln- Britz" über, sie haben sich hier zusammengeschlossen unter dem Namen„Volkssport 2. Männerabteilung(1911)". jheute Don- nerstag. 20 Uhr, findet in der Turnhalle Lesiingstraße der erste Uebungsabend dieser neuen Abteilung statt. Turner. Sportler, Republikaner! Ihr alle, die ihr noch der DT. angehört, macht es den Neuköllnern nach und kommt zum Arbeitersport. Die heutige Zeit erfordert klare Fronten. Blickt um euch, dann werdet ihr sehen, daß die„unpolitische" Deutsche Turner- schaft" schlimmste reaktionäre Politik treibt. Die Arbeiterschützen trugen ihre Meisterschatten aus Der Gau Berlin-Brandenburg der Arbeiterschützen trug in Friedrichsfelde seine diesjährige Gaumsi st erschaft im Luft- büchsenschießen aus; gleichzeitig wurde um den Wanderpreis im Kleinkaliberschießen gekämpft. Die Beteiligung war etwa doppelt so stark als im Vorjahr, trotzdem viele Ortsgruppen aus finanziellen Gründen an der Teilnahme verhindert waren. In der Gaumeisterschaft konnten die sieggewohnten Lichter- selber Kampfmannfchaften auch diesmal ihre Titel wieder erfolg- reich behaupten. In der K-Klasfe siegte Lichterfeldc mit 847 Punkten vor Wedding mit 801 und Grünefeld mit 799 Punkten. Vierter wurde Charlottenburg knapp vor Britz mit k>50 zu 046 Punkten. In der L-Klasse siegte ebenfalls Lichterfelde mit 776 Punkten vor Teltow mit 725 und Grünefeld mit 547 Punkten. Gau-Einzelmeifter der.�-Klasse wurde Schütz-Wedding mit 179 vor Gagstetter-Lichter- selbe mit 178 und Römer-Grünoseld mit 177 Punkten. In der V-Klassc wurde Wenzel-Teltow Einzelmeister mit 171 Punkten vor Lehmann und Lüdtke-Lichterfeldc mit 169 und 164 Punkten. Den Gau-Wanderpreis holte sich die in diesen Kämpfen schon immer besonders erfahrene K-Mannschaft von Grünefeld mit 600 Punkten vor Lichterselde I 548, Teltow 480, Eharlottenburg 477, Britz 472, Wedding 464. Am Nachmittag wurde die Berliner Ortsgruppen- Meisterschaft im Kleinkaliberschießen ausgetragen. Auch hier siegte Lichterfeldc I mit 633 Punkten vor Britz 534 und Charlotten- bürg mit 407 Punkten. Einzelmeister: Maschke-Lichterfelde mit 161 vor Wendland-Lichterfclde und Dachmann-Charlottenburg. Alle am Schießsport interessierten Genossen werden gebeten, sich an die Gauleitung W. Maschke, Berlin-Dahlem, Unter den Eichen 5/10, zu wenden. Die„letzten Acht" Weltmefsterschatten der Tennisprofis 'Auch am Mittwoch, dem zweiten Tage der Berufsspieler» Tennisweltmei st erschaft en, waren die Anlagen des Ber- liner Rot-Weiß-Klubs wieder ganz ausgezeichnet besucht. Ein besonderes Lob verdient die mustergültige Organisation; die Turnier- leitung sorgte für«ine pünktliche Abwicklung des Riesenprogramms, und so konnten noch am zweiten Tage von den 65 zur Einzelmeister- schaft gestarteten Bewerbern die„letzten Acht" ermittelt werden, die nun nach amerikanischem Muster jeder gegen jeden in zwei Gruppen zu spielen Haben. Von den acht Spielern schied nur einer vorzeitig aus, und zwar chermann Bartelt, der von dem Frankfurter Messerjchmidt mit 6: 2, J: d, 3:6, 6:1 ausgeschaltet wurde. Messerschmidt setzte sich dann auch gegen den Holländer Waasdorp durch und kam damit unter die„letzten Acht". Zu diesen gehören in der oberen Hälfte Tilden, Ramillon, Plaa und Najuch, während in der unteren Hälfte Albert Burke, Messerschmidt, Barnes und der deutsche Meister Hans Nüßlein übriggeblieben sind. Bei den Spielen am Mittwoch wußten wieder Tilden, Nüßlein und der junge Amerikaner Barnes besonders zu gefallen. Der Nachmittag brachte ferner noch das Erstauftreten des leider nur zum Doppel gemeldeten Tschechen Karl Kozeluh, der mit Albert Burke als Partner gegen die Deutschen H. Richter-Stubbe nur ein einziges Spiel abgab. >Vas bringt die„Dcla"? Zur Deutschen Luftsport- Ausstellung Vom 1. bis 23. Oktober findet in den Ausstellungshallen die „Dela", Deutsche Lustsport- Ausstellung statt, die im Gegensatz zu der 1928 abgehaltenen„IIa", die das gesamte Flugwesen umfaßte, sich nur auf den Lufrsport und der damit zusammenhängen- den Bodenorganisation beschränken wird. Die Berechtigung für eine solche Ausstellung ergibt sich aus dem Interesse der gesamten Bevölkerung für den Luftsport und aus den ideellen und wirtschaftlichen Werten, die eine Ausstellung mit sich bringt. Die Aufgabe der Dela wird es daher sein, den Luitsport zu fördern und feine Verbreitung zu beschleunigen. Das Programm der Ausstellung sieht folgende Abteilungen vor: Geschichte der Luftfahrt. Hier wird ein historischer Ueber- blick auf die Entwicklung der Luftfahrt gegeben, angefangen von den Pioniertaten eines Mongalfier, Lilienthal, Wrighr bis zu den Er- rungenschasten der Neuzeit. Flugmodell- und Flugzeug- bau zeigen die Drachenspielerei der Kinder, Segeljlug. und Motor- flugzeuge. In' einer besonderen Werkstatt kann man die Jünger des Flugsports beim Bau ihm Maschinen sehen. In der Abteilung Lehren undLernendes Flugsports werden Arbeitsplane und Unterrichtsmaterial der Luftfahrtlehrgänge an den Berufs- und Fachschulen gezeigt, ebenso die Darstellunzen der Ausbildungs- merhoden im motorlosen Flug. Weiterhin wird man in dieser Ab- toilung die Gleit- und Segelflugzeuge schen, aus denen die Prüflinge ihre Examen machen. Schnittmodelle und Filmvon'ührungen zeigen die Ausbildung der Motorsportflieger. Der Freiballonsport, als Zlusgang der Luftsportbewegung überhaupt, wird ebenfalls berück- sichtigt. Die Erzeugnisse der Industrie werden in einer besonderen Schau gezeigt. Freiballons, Flugzeugs mit und ohne Motor für Segelflug, Ausbildung. Sport und Reise werden ausgestellt. Da- neben die wichtigsten Baustosfe und Zubehörteile, wie Metalle, Hölzer, Webwaren. Luftschrauben. Räder. Bremsen, Rettung«- und Aus- rüstungsgeräte. Modelle von Flugplatzanlagen und Unterbringung der Sportflugzeuge auf den Flugplätzen zeigen die Loden- Organisation. Wetter- und Flugberatung, Flugsicherung und Luftüberwachung vervollständigen das Bild. In der Abteilung L u f t t o u r i st i k soll alles gezeigt werden, was irnt der Luftreife in Zusammenhang steht, da ja auch das Spartilugzeug in seiner Eni- Wicklung immer mehr zu Reisezwecken Verwendung findet. Der Spichernring bringt am Freitag, dem 23. September, als Hauptkampf die Meisterschaft von Deutschland im Leichtgewicht zwischen Franz Dübbers uitt» Walter Heinisch. Weitere Kämpfe: Neszger gegen Volkmar, Stein(München) gegen W Beier, Sa- bottke gegen Ostermeier. Das neue Autorecht Der aus dem Gebiete des nationalen und internationalen Auto- rechts bekannte Autospartler und Rechtsanwalt Dr. Fritz Oppen- heimer hat im Verlag G. Braun, Karlsruhe(Baden) die neue Fassung der Verordnung über Kraitfahrzeugverkehr vom 10. Mai 1932 mit gemeinverständlichen Erläuterungen der Aenderungen nebst Verweisungen, Uebergangsbeslimmungen, Straf- bestimmungen des Kraftfahrzeuggesetzes, Verzeichnis der Fernverkehrsstraßen und einem Sachregisrer herausgegeben. Die sehr handliche Broschüre ist 135 Seiten stark und koster nur 2,80 M. Jeder Prakliker, sei er Kraftsahrer, Polfzeibeamter, Jurist, technischer Sachverständiger, aber besonders auch unsere Berufs- und Herren- fahrer, sollien vor allem eine auf den neuesten Stand gebrachte Texlausgabe der Kraitfahrzeugverordnung, wie es diese von Dr. Oppeicheimer herausgebrachte ist, stets zur Hand haben.�damit er sich zu jeder Zell und Stunde über alle auftretenden Fragen unterrichten kann. Die am 27. Mai 1932 in Kraft getretenen Zlenderungen der Kraftfahrzeugverordnungen bringen eine Reihe wichtiger Bestim- münzen über Voriahrtsrecht, Ueberholen, Einbahnstraßen, Verhalten am Bahnübergang. Warnungszeichen, Trunkenheit, Schlußlicht. Kennzeichen bei Motorrädern, Fahrtrichtungsanzeiger und Fahrten- bücher heraus, die vom Verfasser in knapper für die Praxis be- stimmter Form erläutert sind. Tagtäglich treten Schwierigkeiten und Zweiselssragen über die neuen Bestimmungen aui. die sofort geklärt werden müssen, und wofür dieses Büchlein als eines der besten zu bezeichnen ist. Was die Broschüre besonders hervorhebt, ist die gute Art der Schreibweise, die neben der juristischen auch die praktische und fahrtechnische Seite berücksichtigt hat und wo man sofort erkennen kann, daß hier nicht nur der sormale Jurist, sondern auch der praktische Autler mitgewirkt hat, so daß jeder erfahrene Kraftfahrer die Erläuterungen sehr leicht verstehen kann. Da der gesamte Text der Neufassung der Krastsahrzeugverordnung ausge- nommen ist, stellt die Schrift gleichzeitig für jeden Kraftfahrer die notwendige neue Handausgabe dar. Die schlagwortartigen Ueber- schristen in Verbindung mit dem Inhaltsverzeichnis und dem am Schlüsse alphabetisch ausgenommenen Sachverzeichnis sowie die Hin- weise auf die zahlreichen Querverbindungen erleichtern das Zurecht- finden in der nicht immer übersichtlichen Kraftfahrzeugverordnung. Die im Anhang aufgenommenen Strafbestimmungen, ein Auszug aus dem Gesetz über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen, geben d«n> einzelnen gleich einen Ueberblick über die sich aus etwaigen Ver- stoßen ergebenden Maßnahmen. Für den praktischen Automobilisten ist es sehr angenehm, das Verzeichnis der Fernoerkehrsstraßen ge- ordnet in der Nummerierung von 1— 138 in diesem Büchlein vorzn sinden, wodurch man sich bei größeren touristischen Veranstaltungen rasch orientieren kann. Alles in allem kann gesagt werden, daß dieses Büchlein eins der wenigen übersichtlichen Werke ist. so daß wir es jedem einzelnen Motorfahrer empfehlen können. Verlegung des Berliner Sechstogerennens. Mit Rücksicht auf die für den 6. November angesetzten Reichstagswahlen dürfte das 28. Berliner Sechstagerennen im Sportpalast kaum in der vorge- sehenen Zeit vom 4. bis 10. Nowember zur Durchführung kommen. Eine Verlegung des Rennens bringt aber erhebliche Schwierigkeiten mit sich. Da der genaue Termin noch nicht festliegt, hat die spart- liche Leitung des 28. Berliner Sechstagerennens bisher erst wenige Vertröge abschließen können, fest engagiert sind nur Piet van Kempen, Max Bulla. Pijnenburg, Bre-ciani, Guimbretiere und Thicrbach-Siegel. 3iu-3itsu-Surfus. Der Arbeitersportklub Einigkeit" beginnt in der Turnhalle Markusstr. 49 einen Jiu-Jitsu-Kursus. Frei- gewerkschaftlich Organisierte können sich sofort in der Turnhalle oder bei A. Dietze, O. 17. Madaistr. 2, melden. Die Kursusgebühren sind so gering, daß sich auch Erwerbslose daran beteiligen können. Bu(*cUsiceut Vu&mc itiit* wi: 7M.«rcmonnlo 22 sucht zur BsreeANijndiauvg sei»er Mönncr-, duaeu!'- und Eckiitlermannschakten ndcki Mitglieder. Intercssentc» finden fich Dor. n»r»tags.>!b 19 Uhr, im Sitzungslolol R. Duwe, Schulstr. Ivg.«>n. Der Svortplatz befindet sich in der Ch�istianioitraße und steht ab kommenden sonn- tag fz.-i.'Sevlemberi wieder zur Verkilguna. Freie Schwimmer Sroß-Beriin, SUerertege«eukäll». Sitzung im oounen. bad am Sonnabend, dem Zl. September, 20 Uhr; vorher ab 17 Uhr Faustboll und chnmnastik.. ItSSi. Hockey. Sitzung Donnerstag, 22. September, 20 Uhr, bei Juschkat, ""''IK~' Hoheniohe, Ecke Hotzlerstrake. ?reic Turnerschaft Schönow. Zb. September, in .WWW______...__.. W Absporteln Sonntag. Schünow mn 13 Uhr auf dem Bemeind-iportplotz in Zepernick. Genossen aller Vereine können sich noch melden. Fahrt bis Röntgental. Umkleidelokal: Meisel, Bahnhofstrog«... Freie Faiibootfahecr Berlin. Donnerstag, 22. September, 20 Uhr. Gruppe Norden: Zugendheim Brunncnplatz Ecke Schönstcdtstr. 1. Bunter Abend.— Gruppe Südosten: Jugendheim Grostc Frankfurter Str. 16. Die-tänse der Nationen.— Srupvc Nordosten: Zugendbeiin Christburgcr Sir. 7. Genosse Ewald Nunge vom ASB.: Erste Hilfe dci Unglückslällen.— Sonntag, 25. September, Abpaddeln. Treffpunkt: Krosstnsee tMatorboothafen). Der Bäk. Hansa Zl shcht zum kommenden Sonnlag Gegner fstr die»weite Mannschaft. Anruf heute ab 20 Uhr l< 6 Wedding 2165. Freie Nudrrcrvrrcinigung 1913. Sitzungen jede» Freitag im Strandschlog, Dberschdnewcidc, Spreestraßc. Ucbungsabendc Dienstags und Freitag». Mit» gliedcr werden noch in den Frauen-, Jugend» und Männcrabtcilungcn aus- genommen. Die Handballspieler trefsen(ich jeden Sonntag im Bootshaus. Altcrsricgcn, 1.»reis. Sonnabend, 21. September, ad lä Uhr, Tresspunlt in Mahlsborl bei„Ginlracht" zur tztz-Zahr-Feier. Spielmaterial ist mitzubringe». Mille Oktober kommen zum Sport, und Spieltag im Ariedrich»hain die Mit- lcilungcn Zir. l heraus. Bis 15. Oktober niustcn die Mannschaften für die Breismeisterschait im Faustball an Hermann Stanislaus, Hohenschönhausen, Berliner Str. 72», gemeldet sein. ASstö-Britz. Aiadchenabtcilung: Sonnabend, 21. September,' Autofahrt zur .«inderabteilnng In Teltow, dort Mitwirkung beim Elternabend. Teilnehmer meiden sich heute, Donncrotag, ob 20 Uhr. in der Hufeisenhallc, oder morgen, 18—20 Uhr, Turnhalle Chausscestrahc. Männer, Frauen, Jugendliche und Zungmädchcn: Sonntag, 25. September, gemeinsame Tageswanderung. Trefs- Punkt 8 Uhr Parchiiner Ecke Zritz-Neuter-Allee. TUea.{et, Liehlsptele usw Donnerstag, den 22. September staatsoper unter den Linden 19 Uhr Der Rosenkavalier staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Was ihr wollt pl Aza w« SdiUl.»I iii.au.St|t2.S,8uU. E 7 wtldtt. 4031 Frau im Rermeiin ix h i n e r Urolmansir. 70/71 Stcinpl.(C 1) 6716 Täglich SV« Uhr Der IS Oktober /berliner iheat\ I k 7 Odah, 625»Uhr I 1 Ab Fraltacr I MO i SS I Der lebende I 1 Leichnam laOPf,— 4'M J Kose- ineater ireli Fragklirttr Sinti 13? Iii. Wiiitul E 1 342? 8.30 Uhr Aerzte Im Kampf 8 Uhr 15. Flora Z4Z4 Randien erl. Das berühmte DAYELMA- BALLETT 3 Swifts, Rudi Gras! und weitere Künstler-Truppen von Intcrnallonaiem Ruf- Stettiner Sänger Reichshallen-Theater (Dönhoffplatz) Merkur A. 6. 1247. Dir. Meitel Täel 8.15 Uhr. Sonntag« SJOUhr(ermäßigte Pt.i Eröffn uiierr-pro-iram in mit der Burleske Freibad Kramnie Laake Neue Kräfte. Preise 0 50 bis 2.25 M- Vorverkauf II— 2, 5—9 Uhr. SiadhOper Charlotieahure Fraunhofer 0231 Donnerstag.22.Sept Turnus l Die verKaufte Braut Beginn 20 Uhr Friedrich, Cavara, Steier. Baumann, Frind, Heyer. Dirigent: Uadwig. »■.Uhr CflSlllO-THEflIER»V-Uh. Lothringer Slragc 57. lUimniimittiiiiiiiiiifiiiiiiiiiMiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiu Sonntag nachm. 4 Uhr Nur nodi wenige Anftührungen Jtnmem&rie Volksopereite- Musik von Gilben Dazu bunte» Septeniber-Prosr. Gutschein für die Leser l— t Personen fallt. 0.75 M.. Sessel 135 JVL, Park. 0.50 M. MesU Weidend. 5201. 8 Uhr Rose Berod voa Ctiliirt llauplmann mit Paolo Wetsely Kammsrspieie 8V. Uhr Schicksal nachWunsch HiniMii r. Cliriiti WinlN Rijie: Raioi; Beer Melzer, Ullrich. Riemann. Abel, Brauseweuer VOLKSBUHNE Theater am Bdlewolatz 0 I. Nordel 29«. Allabendlich H'/t Uhr Der Revisor von Gogol• Regie: Heinz Hilpert CnrtBols' Karüic»/ Hsaffi/ Terboeven mimmt föfliiuguiig* R�ußau Berlind ZSmmer I Bett v. RM. 5.» an 8 Battan v.RM.IO.-flg Hotel-FrOhstOcIc kompl. RM. 1.50 Berlin Ä Hotel EXCELSIOR. Elgent. Curt ttiduier im C3ie und«alle spielt täglich seorgnefteiinann mit seinem berühmten Orchester, Im Hause: \ugus1iner- Keller München• Berlin (1200 Pers. Sitrfl.) 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