BERLIN Freitag 23. September 1932 Redaktion u.Expeditioui Serlin SW 68, 2mbenftt.8 SeL A7 Dönhoff 292—297 Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Aiendausgabe des„Borwärts". Bezugspreis furbeld«Ausgaben75 Pf. pro Woche, 3,25 M. pro Monat(davon 87 Ps. monatlich für Zustellung in- Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 8,97 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs. und 72 Pf. Postbestellgebithren. Tluzeigenpceit t Di« Ispit. MtM- «neterzeile 3V Pf. DK Rellamezetk« kostet 2 Mark. Rabatte n. Tarif. 10 Pf. Nr. 450 B 217 49. Jahrgang Sondergerlchle vorm Landlag Sozialdemokratie fordert Nachprüfung der Urteile Im Landtag fand heut« wieder eine Amnestiedebatt« statt. Die Tozialdemokratische Partei hat dazu einen An- trag eingebracht, der eine Nachprüfung der Urteile der Sondergerichte und weitgehende Begnadigungen fordert. Der Antrag wurde vom Genossen Kuttner begründet, der die Praxi«» der Sondergerichte scharf geißelte und dabei vor allem auf das unhaltbare Urteil gegen den Reichsbannermann Max Rothe verwies. Der Antrag wurde vom Landtag angenommen. Harzburger Schimpfduell. Präsident Kerrl eröffnet die Sitzung um 10.15 Uhr. Vor Eintritt in die Tagesordnung gibt Abg. kube(Natfoz.) folgende Erklärung ob: Ich stelle fest, daß ich mit dem Abg. Steuer nie über die Persönlichkeiten der nationalsozialistischen Kandidaten für den preußischen Ministerpräsidenten gesprochen habe und daß e? eine objektive und subjektive Unrichtigkeit des Abg. Steuer ist, daß, wie er hier im chause und auch draußen in der Oessentlichkeit im„Lokalanzeiger" behauptet, ich ausgerechnet cherrn Dr. Bracht als Ministerpräsidenten der Nationalsozialisten für Preußen ge- nannt hätte. Abg. Soch(Dnat.) weist darauf hin. daß in der gestrigen Sitzung gegenüber dem Abg. Steuer aus den Reihen der national- sozialistischen Fraktion der beleidigende Zuruf„Juden junge" gefallen sei. scheiterkeit rechts.) SSsir weifen diesen Vorwurf aufs allerschärfste zurück und erwarten, daß die Fraktion den Zwischen- rufer veranlassen wird, diesen Ausdruck mit Bedauern zurllckzu- nehmen. Abg. Steuer(Dnat.): Tatsächlich habe er gesagt, daß der Abg. Kube ihm erzählt habe, ein Oberbürgermeister einer westlichen Großstadt sei als Minifterpräsidentschoftskandidat in Aussicht ge- nommen.— Als der Redner dann feine Ausführungen fortsetzt, ertönen von den Nationalsozialisten und namentlich vom Abg. Kube stürmische Protestruse. Präsident fterrl entzieht dem Abg. Steuer das Wort, als er sagt: Der Abg. Kube lügt, wenn er... Abg. Sube(Nsoz.) stellt fest, daß er das unkorriaierte Steno- qramm des Abg. Steuer noch gestern abend nachgelesen habe.— Als der Redner von einer lügnerischen Behauptung des Abg. Steuer spricht, wird er vom Präsidenten zur Ordnung gerufen. Was den Zuruf„Iudenjunge" angehe, so nehme er keinen Anstand, für seine Fraktion zu erklären, daß dieser Zuruf bedauert und nicht aufrechterhalten werde. Aber wenn die Deutschnationalen derartige Zurufe zum Gegenstand der Kritik von der Tribüne des chauses mochten, dann müsse man von dieser Stelle auch eine Bemerkung der deutschnationalen Abg. Frau von Watter aufs schärfste zurückweisen, die die Nationalsozialisten„Schweine" genannt habe.(Stürmische Pfuirufe bei den Nationalsozialisten, die sich in erregten Kundgebungen gegen die Deutschnotionalen wenden.) Einschreiten gegen die Wanzenburg. Auf Antrag des Abg. Winzer(Soz.) wird ein auf sozial- demokratischen Antrag zurückgehender Beschluß des Wohnungsousschusses angenommen, der sich mit den Mietverhält- nissen der alten Städtvogtci am Molken markt zu Berlin beschäftigt. Der Reichskommissar wird darin ersucht: 1. Den Vertrag zwischen dem Fiskus und den Schippa- nowskifchcn Erben zum frühesten Termin zu lösen, Z. Mittel bereitzustellen zur anderweitigen Unterbringung der in nicht mehr instandsetzungssähigen Wohnungen untergebrachten Mieter, 3. die Polizei anzuweisen, die Schippanowskischen Erben zur schnellsten Herstellung eines polizeimäßigen Zustandes zu zwingen, 4. Herabsetzung der Mieten auf die durchsäinittljche Höhe, wie sie dem Pachtvertrag entspricht, mindestens aber um 50 Proz., 5. bei etwaiger späterer Weiterverpachtung des Gebäudes im Vertrage die Nutzung als Wohnraum auszuschließen und 5. dem Landtag bis zum 1. November von dem Vcranlaßten Bericht zu erstatten. Weiter wird ein Antrag des B e a m t e n a u s s ch u s s e s bestätigt, der den Reichskommissar ersucht, bei der Durchführung der Verordnung über die Neugliederung von Landkreisen dafür zu sorgen, daß die ausgesprochenen Kündigungen von Angestellten der Landkreise und Amtsgerichte sofort rückgängig gemacht werden, im Einvernehmen niit den Angcslelltenräten und Gewerkschaften die Unterbringung in anderen Stellen durchgeführt wird und Dauer- angestclltc gegen ihren Willen nur unter Bewillsgung der gesetz- lickcn Ruhegelder entlassen werden. Ausscheidende Angestellte sollen auf eine Abfindungssumme Anspruch haben. Das Haus tritt dann in die Tagesordnung ein. Fori mit den Sondergerichten! Als erster Punkt stehen zur Beratung die Antrage der Kam- munisten, des Zentrums und der Nationalsozialisten auf Straf- Unterbrechung für politische Gefangene. Verbunden (Fortsetzung aus der 2. Seite.) Oer Kotau war noch tiefer Was die preußischen Nazis schluckten. Zu unserem gestrigen Bericht über die Annahme der Beamtenanträge im Preußischen Landtag ist noch solgendes nachzutragen: Die Nazis haben nicht nur für ihren eigenen An- trag gestimmt, der die Beamten zum Gehorsam aufforderte, so lange die kommissarische Regierung die Verfassung respektiert, sondern sie haben auch noch für den folgenden Antrag des Zentrums gestimmt: „Der Landtag spricht den Beamten Dank und Anerkennung aus. Gleichzeitig gibt er der Erwartung Ausdruck, daß die preußischen Beamten auch fernerhin ihre dienstlichen Obliegen- heiten getreu der bewährten Berusstradition des preußischen Beamtentums zum Besten von Staat und Volk unparteiisch und gewissenhast erfüllen werden." Die kommissarische Regierung Papen-Bracht hatte aus die An- nähme diese; Antrages besonderen Wert gelegt und sie mit zur Voraussetzung einer Beilegung des Konfliktes gemacht. Die Nazis haben also folgendes fertig gebracht: Sie haben zusammen mit den Kommunisten die Beamten zum Ungehorsam gegen Papen-Bracht ausgefordert und sich hinterher bei ihnen dafür bedankt, daß sie trotzdem gehorcht haben! ZÜtiecliches Harzburg. Freifrau von Watter soll Prügel kriegen. Aus der gestrigen stürmischen Landtagssitzung verdient eine Episode Erwähnung, die gleichermaßen die Ritterlichkeit der Nazis wie die Brüderlichkeit von Harzburg kennzeichnet: Als der Deutsch- nationale Steuer zum zweiten Male von den Nazis am Sprechen verhindert wurde, machte die deutschnationale Abgeordnete Frei- srau von Watter einen erregten Zwischenruf. Sie ries:„Von diesen Schweinen ist ja nichts anderes zu erwarten!" Goebbels kriegt einen Orden. In der Aeltestenratssitzung, über die hier berichtet wurde, führte dann auch der deutschnationale Abgeordnete Borck in sehr sanftem Tone Beschwerde über das Benehmen der Nazis, die den deutsch- nationalen Redner am Sprechen verhindert hotten. Darauf er- klärte der nationalsozialistische Abgeordnete Lohse:„Die Freifrau von Watter hat uns Nationalsozialisten infam beschimpft/ Die Freisrau von Waller kann von Glück sagen, daß sie eine Frau und kein wann ist. Sonst Hölle sie nämlich von uns Maulschellen bezogen. daß sie vierzehn Tage lang das Bett Hölle hüten müssen." Angenehnie Brüder, angenehme Umgangsformen! Anläßlich seiner hervorragenden Oemenüs wurSe Joseph Goebbels mit der„blattvergoldeten Ente" ausgezeichnet. Der Sturm auf das Volkshaus? Landfriedensbruch-Prozeß vor dem Sondergericht. £iegnih, 23. September.(Eigenbericht.) In der kommenden Woche wird am Liegnitzer Sonder» g e r i ch t wieder ein großer Landfriedensbruch-Prozeß verhandelt. Am Abend des 22. Juli kamen gegen 10 Uhr am Bunzlauer Volkshaus vier Lastkraftwagen mit Angehörigen der Stan- darte 54, Sturmbanner 2, Lauban der n a t i o n a l s o z i a- l i st i s ch e n SA. auf der Rückkehr von der Liegnitzer Hitler- Kundgebung vorbei. Vor dem Volkshaus hatten sich Kommu- nisten und Reichsbannerangehörige angesammelt, die die National- sozialisten angeblich mit Gejohle begrüßt haben sollen. Von den Lastkraftwagen wurden die Rufe erwidert und es flogen Wurf- geschosfe. Die Nationalsozialisten verließen die Lastwagen und stürmten in das Bolkshaus, so daß sich sowohl vor dem Volkshaus, als auch im Flur eine furchtbare Schlacht entspann. Der Torhüter des Volkshauses, der HZjährige Reichsbannermann Joseph 2 Schüsse in die Brust Schreiber, erhielt und wurde noch am Kopfe durch Schlagwerkzeuge verletzt. Er wurde sterbend ins Volkshaus gebracht. Außerdem wurden 15 bis 20 Personen oerletzt. Die Nationalsozialisten nahmen ihre Verletzten auf den Autos mit. Am Volkshaus wurden die Fenster- scheiden zertrümmert. Bunzlauer und Görlitzer Polizei stellte dann die Ruhe wieder her. Wegen dieser blutigen Vorfälle wurde nun gegen 20 Personen Anklage erhoben, und zwar wegen Londsriedensbruchs, Roufhandels mit Rädelsführerfchaft, Verübung von Gewalttätigkeiten usw. Zu der Verhandlung, die mehrere Tage in Anspruch nehmen wird, sind bis jetzt etwa 35 Zeugen geladen. Der Liegniger Regierungspräsident hatte für die Ernüttlung des Mörders des Reichsbannermannes Schreiber 1000 Mark Belohnung ausgesetzt. Angeklagt sind 19 Nationalsozialisten und sieben Reichsbannerleute. Hanffon bildet die Regierung. Rein sozialdemokratische Regierung zustandegekommen. S k o ck h o I m, 23. September.(Eigenbericht.) Am Donnerstag hielt die schwedische Sozialdemokratie zur Feier des Wohlsieges im Stockholmer Konzerlhaus einen Festabend ob. Im Verlaus des Abends machte per hansson die witteilung, daß eine rein sozialdemokratische Regierung zustandegekommen sei. Die Ministerliste werde noch am Freitag verössenllicht. Spanien soll vermitteln. Damit Deutschland in die Konferenz zurückkehrt. Paris, 23. September.(Eigenbericht.) Der Sonderberichterstatter des„Petit Parisien" in Genf teilt mit, daß das Büro der Abrüstungskonferenz eine äußere uro- p ä i s ch e Macht ersucht hätte, mit Deutschland wegen seines Ver- zichts auf weitere Mitarbeit in dem Büro zu konferieren und es zur Rückkehr aufzufordern. Diese außereuropäische Macht— wahr- scheinlich ist an I a p a n gedacht— hat das ihr gestellte Ansinnen angesichts ihrer schwierigen außenpolitischen Lage jedoch für den Augenblick abgelehnt. Man soll daraufhin das gleiche Ersuchen an den spanischen Delegierten zur Abrüstungskonferenz gerichtet haben, der ihm wahrscheinlich entsprechen wird. Uro die Ehre seiner Krau Oer Beleidigungsprozeß des Polizeivizepräsidenten Or. Weiß. In dem Prozeß gegen die„Angriff"-Redakteure Dr. Lippert und Krause wegen Beleidigung des Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß fand heute die Vernehmung des Kriminalkommissars F u t h statt. der auf Grund eines Beweisantrages der Angeklagten als Zeuge geladen war. Kommissar Futh bestritt zunächst die Behauptung der An- geklagten, daß er an die Gastwirte Bast und jetzig herangetreten sei, um sie in der Angelegesiheit Conrad Weiß auf Veranlassung des Polizeivizepräsidentcn zu beeinflussen. Der Zeuge erzählt dann weiter: Vor einiger Zeit wurde ich in das Dienstzimmer des Polizei» Vizepräsidenten Dr. Weiß gerusen. Es war gerade zu der Zeit, als die nationalsozialistisch« Landtagsfraktion in einer Anfrage Be- l)auptiingen über Frau Dr. Weiß ausgestellt hatte. Dr. Weiß war sehr empört, daß er die Urheber dieser Behauptungen wegen ihrer Jminunität nicht zur Rechenschaft ziehen konnte, und da beaujtragte er mich, daß ich mich nüt einem Journalisten in Verbindung setzen sollte, der sich diese Vorwürfe zu eigen machen sollte, damit man ihn verurteilen könne. Dafür sollten ihm 300 M. zugeleitet werden. Als ich das Zimmer des Polizeivizepräsidentcn mit diesem Auftrage verließ, sind mir dann Zweifel über die Zulässigkeit dieses Vorgehens ausgestiegen, und ich wollte d«m Polizeivizepräsidenten am nächsten Morgen mitteilen, daß ich in der Angelegenheit nichts unternehmen wolle. Ehe es aber dazu kam, wurde mir mitgeteilt, daß der Polizeivizeprästdent seinen A ns t r a g zurückziehe. Dr. Weiß wurde dann zu diesem Punkt selbst als Zeuge gehört und erzählt:„Meine Frau war in einer Art und Weise angegriffen worden, daß es sogar sämtliche Rechtszeitungen empört und sich der Abg. Kube nachher selbst zweimal schriftlich bei meiner Frau ent- schuldigt hat. Die Angriffe gegen meine Frau waren derart, daß ich notgedrungen suchen muhte, ihre Ehre zu verleidigen. Da wurde ich von einem Rechtsanalt auf einen ähnlichen Fall hingewiesen, ähnlich dem Fall des Fürsten Eulenburg und Maximilian charden. Diesen Fall erzählte mir der Rechts- anwalt und sagte mir, ich könnte doch jemanden finden, der sich die Behauptungen gegen meine Frau zu eigen machte und den ich dann verklagen könnte. Ich fragte mich, ob ich nicht dafür einen Journalisten finden würde. Nachdem Kommissar Futh den Auftrag vn mir bekommen hat, hat er überall mit Kollegen über die Angc- legenheit im Präsidium gesprochen, obwohl das schwer mit seiner Pflicht zur Dienstverschwiegenheit zu vereinbaren ist Ich habe dann einen sicheren Herrn aussindig gemacht, und dieser hat sich die Be- Häuptlingen gegen meine Frau zu«igen gemacht und ist wegen Be- leidigung angeklagt worden. In dem Prozeß hat dann meine Frau und der betreffende Herr, der mil ihr in Zusammenhang gebracht war, beschwören können, daß an den Vorwürfen nicht das mindeste dran war. Der Mann, der zunächst dem Reichsbanner angehört hat und gegen den sich der Prozeß richtete, ist dann aber in der Zwischenzeit nach rechts abgewandelt, und vor einiger Zeit habe ich eine Zivilklage von ihm bekommen, er wäre durch den Prozeß, den er freiwillig gegen Geld auf sich genommen hat. in seinem Ansehen geschädigt und ich müsse Schadenersatz an ihn leisten.(Bewegung.) Polizeivizepräsident Dr. Weiß verwahrte sich dann in großer Er- regung gegen den Vorwurf, daß er sich einer unerhörten Polizei- Methode bedient habe und erklärte:„Es gibt keinen preußischen Polizeibeamten, der mit unsauberen Mitteln kämpft. Jeder wird verstehen, daß mir nichts anderes übrig blieb, als auf diese Weist die Ehre meiner Frau wiederherzustellen." Sondergerichte vorm Landtag. (Fortsetzung von der I.Seite.) mit der Beratung ist der sozialdemokratische Antrag über die Nachprüfung der Urteile der Sondergerichte. Abg. Kuttner(Soz.) Als die Notoerordnuikg vom 9. August erlassen wurde, schrieb der„Vorwärts": Dies ist die Aufhebung sämtlicher R e ch t s g a r a n t i e n. Die Praxis hat das bestätigt. Das Aller- traurigste ist vielleicht, daß in ganz unpolitischen Fällen auch die Sondergerichte wüten. Wenn früher Couleurstudenten wie die Bonner Borussen einen Schutzmann verprügelt haben, dann hat man das als Ulk- und Jugendtorheit entschuldigt und mit ein paar Mark Geldstrafe abgemacht. Heute bekommen un- bescholten« Arbeiter, die in der Trunkenheit sich mit Schutzleuten prügeln, ein Jahr Zu cht haue— die gesetzliche Mindeststrafe. Roch viel schlimmer steht es in politischen Prozessen aus. Durch die Aenderung des Prozeßverfahrens ist es vollkommen in das Belieben der Gerichte gestellt, wie weit sie den Vcrteidigungsanträgen der Beklagten folgen wollen. Ich erinnere an den Fall de» zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilten Reichsbannermanns Max Rothe. Verschiedene Zeugen haben Rothe alz den Mann bezeichnet, den sie bei einer nächtlichen Schießerei als Revolverschützen erkannt hatten. Rothe hatte zu seiner Verteidigung geltend gemacht, daß es in der betreffenden Straße, der Hollmannstraße, viel zu dunkel gewesen sei, als daß die Zeugen ihn mit solche Bestimmtheit hätten erkennen können. Und er hat einen Lokaltermin hierüber beantragt. Trotzdem hat das Gericht den Lokaltermin abgelehnt, obwohl es mit der Straßenbahn in einer halben Stunde hätte nach dem Tatort gelangen können. Dies in einer Sache, in der es unter Umständen um die Todesstrafe gegangen wäre! Wie steht es überhaupt mit den Zeugenaussagen in diesen Prozessen? Ich stehe durchaus nicht auf dem Standpunkt, daß nur meine Perrteifreunde glaubwürdig und alle politischen Gegner unglaubwürdig sind. Aber die Gerichte sollten konsequent scinl In Fällen, wo Nationalsozialisten angeklagt waren, erklärten sie: Reichsbannerleute und Kommunisten sind politische Gegner der Angeklagten, wir glauben ihnen daher nicht. Im .ralle Max Rothe dagegen hat das Gericht die nationalsozia- listischen Belastungszeugen für voll glaubwürdig erklärt. Ein sehr merkwürdiger Zufall!(Sehr richtig bei den Soz.) Mr stellen sest, daß die Urleile der Sondcrgerichie im Widerspruch zum Rechteempsinden der Bevölkerung stehen und ersuchen deshalb, unseren Antrag anzunehmen.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Steinfurth(Komm.) begründet einen Antrag auf sofortige Haftentlassung der kommunistischen Angeklagten'im Felseneck- Prozeß. Insbesondere wendet sich der Redner dagegen, daß der Lanbtagsbeschluß vom 1k. Juni nicht durchgeführt werde, da die- jenigen Verurteilten, die länger als sechs Monate Strafe zu ver- büßen haben, jetzt ihre Strafe antreten sollten. Er verlangt Frei- lassung der im Felsencck-Prozeh angeklagten Kommunisten und spricht von der Tätigkeit der Sondergerichte. Abg. Dr. Zreisler(Nsoz.) richtet scharfe Vorwürfe gegen die komnnssarische Regierung, die den Beschluß der Braun-Severing- Regierung, bis zur Erledigung der Amnestiegesctzentwürf« politische Gefangene von der Vollstreckung der Haft zu verschonen, aufgehoben habe. Die gegenwärtige Regierung verfolge besonders die Ratio- nolsozialisten. Niemals ist solche Erregung durch das Volk ge- gangen wie aus Anlaß des Urteils de- Beuthener Sondergerichts, durch das fünf deutsche Kämpfer für das deutsche Volk— mögen sie sich vergangen haben oder nicht— zum Tode verurteilt wurden, weil sie einen Unterweltmcnschen, einen polnischen Insurgenten, töteten.(Lärm bei den Kommunisten.) Abg. Dr.Iubkc(Dnat.) stellt fest, daß auf Grund des Ent- schließungsantraqes des Landtags ein großer Teil der Gefangenen tatsächlich entlassen worden sei. Die Abstimmungen. Es folgen die Abstimmungen. Angenommen wird der n a t i o n n l s o z i a l i st i s ch e Antrag, der das Staatsministerium ersucht, in den Strafsachen, in denen auf Grund der Entschließung des Landtags vom 1k. Juni 1932 eine Strafunterbrechimg oder Richtvallstreckung angeordnet worden ist, die Strafe weiterhin nicht zu vollstrecken, bzw. falls inzwischen eine Vollstreckung wieder an- geordnet ist, dieselbe zu unterbrechen, sofern es sich um Freiheit»- strafen oder Reststrafen von nicht mehr als sechs Monaten handelt. In allen übrigen Fällen soll die Strafe dann rrnterbrochen werden,- wenn die Weitervollftreckung für den Verurteilten oder seine An- gehörigen insbesondere auch unter Berücksichtigung einer bereits erfolgten Strafunterbrechung eine besondere Härte darstellen würde. Der gleichlautende Zentrumsantrag ist immit erledigt.— Annahme findet auch der kommunistische Antrag, der die Durchführung der Landtagsentschließung vom Iß. Juni fordert. Angenommen wird weiter ein sozialdemokratischer Antrag, worin das Staatsministerium ersucht wird, alle von den Sonder- gerichlen gesälllen Urteile mit größter Beschleunigung nachzuprüfen und in allen geeigneten Fällen durch Begnadigung unverhältnismäßig schwere Strafen entsprechend herabzusehen. Ein hierzu von den Nationalsozialisten eingebrachter A e n d e- r u n g s a» t r a g, wonach das Staatsministerium ersucht werden sollte, alle von den Sondergerichten gefällten Urteile mit größter Beschleunigung nachzuprüfen und alle die Verurteilten, die nicht gegen die Lebensbelange des deutschen Volkes verstoßen haben, so- fort aus de» Strafanstalten zu entlassen, wurde abgelehnt. An- nah m e findet dagegen ei» weiterer nationalsozialistischer Antrag, der die Regierung ersucht, unverzüglich bei der Reichsregierung die sofortige Aufhebung der Verordnung der Reichs- regier» ng über die Bildung von Sondergerichten vom 9. August 1932 zu fordern. Auch ein deutschnationaler Entschließungsantrag wird an- genommen, der die Regierung ersucht, die Anklagebehörde anzu- weisen, von der im Z 4 der Verordnung über die Bildung von Sondergerichten vorgesehenen Befugnis, die Strafsachen an die Staatsanwaltschaft zur Behandlung im ordentlichen Verfahren ab- zugeben, im weitesten Umfange Gebrauch zu machen. Unter Ablehnung eines Zentrumsantrages, den kommunistischen Antrag auf Hastentlassung der Angeklagten des Felseneck-Pro- z e s s e» der Ausschußberatung zu überweisen, wird an Stelle des kommunistischen Antrage« ein nationalsozialistischer Aenderungs- antrag angenommen, wonach die kommissarische Staatsregierung be- auftragt wird, die Staatsanwaltschaft beim Landgericht III Berlin anzuweisen, sofort alle Mahnahmen zu treffen, damit die im Felsen- eck-Prozeß angeklagten Untersuchungsgefangenen aus der Unter- suchungshaft entlassen werden. Mehr Gold als Banknoten! Ueber ilOOproz. Golddeckung bei der Bank von Frankreich. Von», 23. September.(Eigenbericht.) Der letzte Wochenauswei« der Bant von Frankreich ist durch eine Eigentümlichkeit charakterisiert, die ohne Beispiel in der Ge- schichte der Notenbanken sein dürste. Der Goldbestand der Bank, der die Summe von 82 Milliarden Franken erreicht hat, ist nämlich höher als der Betrag der im Umlauf befindlichen 'Banknoten, der sich aus 80,3 Milliarden Franken beläust. Die Bankrwtend eckung beträgt also über 100 Prozent. politischer Mörder verhaftet. Oie Bluttat in Ziöntgental- Mit falschem paß. Durch die Ausmerkjamkeit der Voßüberwachungsstelle an der vstgrenze ist gestern der 21 Zahre alle Kommunist Kurt Kuhnert verhastet worden. 9,uhnert war einer der Haupttäter bei dem kommunistischen Feucrübersall auf das Lokal„E d c l- w e i h" In Rönkgental, der ein Todesopsec und zwei Schwerverletzte forderte. In den Abendstunden des 17. Februar 1931 feuerten in Rönt- genial Mitglieder des„Kommunistischen Kampfbundes" in das Lokal„Edelweiß", in dem sie Hakenkreuzller vermuteten, mehrere Schüsse ab. Das Lokal war aber kurz zuvor in andere Hände übergegangen, und an dem verhängnisvollen Abend hatten sich gerade einige Republikaner an dem Stammtisch eingesunden, um ein Glas Bier zu trinken. Ein Parteigenosse, der kl Jahre alte Maler Paul Arlt aus Rönkgental, wurde von einer Mörder- kugel getroffen und tödlich verletzt. Zwei Oberpvstschaffner, die mit Arlt zusaminen am Tisch saßen, wurden schwer verlegt. Wie die Nachsorschungen der Politischen Polizei ergaben, hallen die Kommunisten angenommen, daß sich in dem Lokal Nationalsozia- listen besänden. Zwei Mann standen„Schmiere", um die Haupt- akteure Kuhnert und Schiemann vor etwaigen Ueberraschungen zu sichern. Nach der Tat flüchteten die Täter auf Fahrrädern in Richtung Berlin. Kriminalkommissar Dr Braschwitz, dem seinerzeit die Leitung der Untersuchung oblag, tonnte bereite nach acht Tagen zwei an dem Feuerüberfall Beteiligte ermilleln und festnehmen. Von den Haupttätern fehlte zunächst sede Spur, Dann kam die Politisch« Polizei dahinter, daß die Mörder mit Hilfe kommunistischer Organisationen die Flucht nach Moskau ergriffen chatten. Kuhnert muß jetzt aus noch unbekannten Gründen Rußland verlassen haben. Mit einem falschen Paß versuchte er die Paßkontrolle in Tilsit zu passieren. Dort ereilte ihn sein Geschick. Die Paß- beamten stellten Unstimmigkeiten fest, und als sie sich den Mann genauer ansahen, erkannten sie auf Grund des damals erlassenen Steckbriefes und Haftbefehls Kuhnert wieder. K. leugnete zu- erst, als er aber keinen Ausweg mehr sah, legte er ein Teilgesländnis ab. Heut« früh ist Kuhnert bereits in Berlin eingetrossen und der Politischen Polizei und kurz darauf dem Untersuchungsrichter vor- geführt worden. „Ihr erschießt eigene Leute". Oeutschnationaler Zeuge im Kommunistenprozeß. Au» der heutigen Bormiltagssitzung im Kommunistenprozeß vor dem Berliner Sondergerlchk ist die Aussage des siebzigjährigen Steinsehmeisters Engelhardt hervorzuheben. Engelhardt hat seine Wohnung gegenüber dem SA.-Lokal in der Röntgenstraße. Der Steinsetzmeister Engelhardt war am 29. August mit seinem Hund auf die Straße gegangen. Als er zurückkam sagte er zu zu seiner Frau, daß unten dicke Lust sei: es würde etwas passieren. Um die kommenden Ereignisse besser beobachten zu können, begab er sich mit seinem Sohn auf den Balkon. Kurz nach 10 Uhr sah er N a t i o n a l s o z i a l i st e n kommen, hörte, daß sie mit jemand„stänkerten". Vlöhlich liefen aus dem Verkehrslokal Leute heraus und begannen zu schießen. Unter anderem bemerkte er einen Mann in schwarzer Reithose mit zwei Revolvern. Die Schießenden liefen bis zur Milte des Fahrdammes und fuhren fort, aus ihren Pistolen zu feuern. Als da« Polizeiamo heransauste, liefen mehrere Leute in der Richtung zuro Ufer davon. Die ersten Schüsse sielen aus dem Lokal. Eine Kugel verirrte sich auch in seine Wohnung. Ob auch von der Seite geschossen worden sei, auf der sich sein Haus befindet, könne er nicht sagen. Auf der Polizei hat der Zeuge erklärt, daß nur Nationalsoziali st en geschossen haben. Es wurden ihm Photographien vorgelegt. Er war überzeugt, daß es Bilder von Nationalsozialisten seien, er erklärte, die gestrigen Angeklagten Kalm, Chall, Zweig und S t e r d t als Schützen wiederzuerkennen. Als er aber später erfuhr, daß die Leute, die er auf den Photographien wiedererkannt hatte, nicht Nationalsozialisten, sondern Kommunisten seien, war er dar- über höchst erregt und hat den Kriminalbeamten deswegen Vor- ftellungcn gemacht. Diese erklärten aber, es hätten nur Kommu- nisten geschossen. Jetzt erkenne er die Angeklagten nicht wieder, insbesondere habe er sich in bczug auf Sterbt geirrt, dessen Doppel- gönger er später vor dem Nazilakal wiedergesehen habe. Dieser sei der Schütze gewesen, nicht Sterbt. Als der Staatsanwalt das jetzige Nichtwicdererkennen der An- geklagten durch den Zeugen anzweifelt, ruft dieser aus: Ich bin ein alter Deutschnationaler, ich tue keinen» zu Liebe, keinem zu Leide was. Recht muß aber Recht sein. Ich bin nicht dazu da. Menschen ins Gefängnis zu bringen. Die zahlreichen Vorhaltungen des Vertreters der Nebentiäger führen zu einer sensationellen Bekundung des Zeugen. Er erklärt: Di« Nationalsozialisten, die unterwegs zum Verkehrslokal waren und ihre Gegner angestänkert hatten, riefen nach den ersten Schüssen, die aus dem Lokal kamen, unter Hochhebung der Hände:„Kinder, schießt nicht, ihr erschießt eure eigenen Leute" Gleich darauf fiel einer der Nationalsozialisten zu Boden. Die Bemühungen der Nebenkläger, den 70jährigen Mann zu verwirren, bleiben ergebnislos. Er beharrt bei seiner Aussage. Völkerbundskommission gegen Japan? Lytton« Bericht gegen Anerkennung von Mandschukuo. London, 23. September.(Eigenbericht.) Ueber den Inhalt des gestern in Genf«ingetroffenen Berichtes der nach dem Fernen Osten entsandten Bölkerbundskommis» s i o n. die unter der Führung von Lord Lytton stand, weiß Per- tinax dem„Daily Telegraph" aus Genf zu melden, es ver- laute zuverlässig, daß in dem Bericht die Ansicht vertreten werde, daß die Regierung des neuen Staates Mandschukuo keine offizielle Anerkennung erhalten solle. In Völkerbundskreisen würden anscheinend, so berichtet Pertinax weiter, Anstrengungen gemacht, um einen Mittelweg zu finden. Dieser könnte beispielsweise darin bestehen, daß die Mandschukuo- Regierung durch eine andere örtliche Behörde ersetzt würde, daß die japanischen Behörden die volle Kontrolle über die Eisen- bahnen, auch die kürzlich gebauten chinesischen Eisen- bahnen, erhalten würden, und daß im Interesse Japan« Garan- tien, darunter die Entwaffnung oller chinesischen Streitkräfte in Mandschukuo, oerlangt würden. Ratstagung eröffnet. Genf, 28. September.(Eigenbericht.) Unter Vorsitz des irischen Ministerpräsidenten De V a l e r a begann die K8. Tagung des Völkerbundsrates mit einer Trauer- f e i e r für den verstorbenen Hohen Kommissar in Danzig, Graf G r a v i n a- Italien. Die Versammlung hörte stehend De Valeros warmen Nachruf, auf den nach fünf Minuten Unterbrechung zum Zeichen der Trauer Aloisi-Jtalien mit einem Dank seiner Regierung antwortete. Matos-Guatemala gab als derzeitiger amerikanischer Rats- Präsident eine Darstellung seiner Maßnahmen zur Beilegung de« Gran-Chaco-Streites zwischen Bolivien und Paraguay. Matos schlug vor, der Rat möge den neutralen südamerikanischen Vermittlern seine Unterstützung ausdrücken und die neuen Nach- richten abwarten(!). Dagegen wünschte Madariaga« Spanien, der Rat solle sich auf Grund seiner Verpflichtungen aus dem Völkerbundspakt d i- r e k t mit dem Fall befassen durch Einsetzung eines Berichterstatters oder kleinen Komitees, die dauernd Nachrichten einzuholen und weiteres Eingreifen zur Wahrung des Friedens vorzuschlagen hätten. Paul-Boncour, Sir John Simon-England, Garay-Panama unterstsitzten diesen Vorschlag sehr lebhast. Der Ratspräsident schlug die Bildung des Komitees für einen der nächsten Tage vor. Die Börse wird nervös. In Erwartung des„Regierungsprogramms". Die Kabinettsberatungen über Kontingentierung der landwirtschaftlichen Einfuhr und Zinssenkung bei den Rentenwerten haben an der Börse eine sehr nervöse Spannung ausgelöst. Viel diskutiert wurde der Vorstoß des Reichsoerbandes der deutschen Industrie gegen die cxportvernichtenden Kontingemspläne der Grünen Front. Man nimmt in der Burgstroße an, daß die Regierung Pape» diesen eindringlichen Appell der In- dustrie unmöglich ignorieren könne. Der Aktienmarkt war ausgesprochen schwach. Publi- kumsaufträge wurden so gut wie gar nicht erteilt. JG.-Farben unterschritten den Parikurs. Man hörte gegen l Uhr einen Kurs von 99Va Proz., Vereinigte Stahlwerke waren auf die Gerüchte über eine bevorstehende Kapitolzusammenlegung gleichfalls auf 19r/« gegen 2054 Proz. gedrückt. Nachfrage herrschte nur noch Kunstseidewerten, die in Erwartung von Preissteigerungen und Absatzbesserung weiter im Kurse anzogen. Die Tendenz aus den» Rentenmarkt war allgemein freundlich, da sich hier die Zinssenkung der Banken nach dem Ab- bau des Reichsbankdiskontes günstig auswirkte. Pfandbriefe und Kommunalobligationen konnten ihren Kursstand um'A bis 1 Proz. oerbessern. Diktatur über Gera. Nazircgierung seht Mogistrat und Stadtverordnete ab. In Gera hat die Diktatur des Staatsbeauf- t r a g t e n. des Ministerialdirektors Dr. Jahn, einen Höhepunkt erreicht. Dieser Dr. John hat die gesamten Verwaltung s- g e s ch ä s t e des Stadtvorstandes(M a g i st r a t s) wie auch des Stadtrates(der Stadtverordnetenversammlung) selbst in die Hand genommen, Oberbürgermeister Arnold und drei Beigeordnete, nämlich Oberbaurat Sausse, Dr. Trautner und unseren Genossen Stadtrat Drechsler ihrer„Amtsobliegenheiten" enthoben und beurlaubt, weil sie angeblich seinen zur Gesundung der Stadt notwendigen Maßnahmen Widerstand entgegengesetzt haben. Dem Stadtrat mutet er zu, daß er nur noch mit Genehmi- g u n g des Staatsbeauftragten Sitzungen abhält und vorher zu srogen, welche Aufgaben dort behandelt werden sollen. Ein solcher geradezu unglaublicher Eingriff in eine Stadtverwaltung ist bisher in ganz Deutschland noch nicht vorgekommen. Und was dos merk- würdigste in der Sache ist: die n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e thüringische Regierung deckt den Staatskommissar, hat seine Vollmachten sogar nach ij 144 der GKO. noch erweitert und alle Beschwerden des Stadtvorstandes und des Stadtrates zurückgc- wiesen. Kein Wunder, daß auch die nationalsozialistische Presse den Staatskommissar und alle seine Maßnahmen deckt. Was ist nun in Gera geschehen? Nach dem letzten Bericht des thüringischen Innenministers an die thüringische Presse kann weiter nichts angegeben werden, als daß der Etat nicht ausge- glichen worden sei, daß die Stadtverwaltung den> eingesetzten Kommissar Widerstand entgegensetzt, seine Anordnungen durch- kreuzt und erschwert habe. Und der Stadtrat habe die Tätigkeit des Staatsbeauftragtcn in öffentlichen Sitzungen in herabwürdigender Weise kritisiert, ihre Rechtmäßigkeit angezweifelt,„sogar" den Stadtvorstand angewiesen, die schädigenden Anordnungen des Staatsbeauftragten zusammenzustellen usw. Das find, vom Stand- punkt der verletzten Selbstverwaltung aus, alles Selbstverständlich- leiten, in den Augen des Staatskommissars und der Naziregieruncf sind es aber Verbrechen, die mit der Beurlaubung des Sladtvor- standcs und der völligen Ausschaltung des Stadtrates gesühnt wer- den mußten. Die Einwohner in ihrer übergroßen Mehrheit betrachten die Eingriffe als etwas ganz anderes, nämlich als durch nichts be- gründete Gcwaltniaßnahmen. Man ist empört über die Gel w a l t st r c i ch e und besonders gegen die legten Maßnahmen hat auch die bürgerliche Presse in schärfster Weise Stellung genommen. Am Mittwochabend hatte der Stadtratsvorsigende, Genosse Gitbler — weil der Staatskommissar die Genehmigung zur Abhaltung einer Stadtratssitzung nicht erteilte— kurzerhand eine Bürgerver- s a m in l u n g einberufen, um der Oeffentlichkeit Bericht zu erstatten. Diese Versammlung war von mehr als 1000 Personen besucht und gab ihrer Entrüstung über die diktatorischen Gewaltakte freien Lauf. Schließlich aber löste die Polizei die Versammlung nach mehr als dreistündiger Dauer auf! Zur Sachs selbst sei noch gesagt, daß auch der Staats- kommissar den Etat nicht ausgleichen kann, es bleibt noch annähernd eine Million Mark Fehlbetrag. Die Finanznot der Stadt ist auf die Steucrrückgänge, den die Gemeinden schädigenden thüringischen Finanzausgleich und vor allen Dingen auf die ständig steigenden Erwerdslosenlasten zurückzuführen. Die Zahl der vom wohlsahrtsaml zu unlerstühenden Erwerbslosen ist aus fast 6000 gestiegen, die llnlrrstühungssumme aus monatlich 250 000 Mark. Daß durch solche ungeheuren Lasten, die eigentlich dem Reich obliegen, die Haushaltspläne über den Hausen geworfen werden müssen, ist ganz selbstverständlich. In die Lage der Stadt Gera werden in «in bis zwei Monaten alle Industriestädte kommen, weil sie die Unterstützungslasten nicht mehr auszubringen in der Lag« sind. Daraus aber einer Linksmehrheit einen Vorwurf zu machen, ist eine nicht mehr zu überbiercnde politische Brunnenvergistung. Und die thüringische Naziregierung wird wahrscheinlich schon in aller- nächster Zeit vom Landtag gezwungen werden, den bedrohten Jndustriegemeinden finanziell« Hilfe zu leisten. Oberbürgermeister Arnold hat gegen Dr. Jahn bei der Staats- onwaltschaft Strasantrag gestellt, da dieser die drei beurlaubten Beigeordneten und den Oberbürgermeister selbst durch Presse- orklärungen beleidigt und wissentlich falsch angeschuldigt habe, indem er sie der Untreue beschuldigte. Berüchtigter Einbrecher verhastet. Nach wochenlanger Suche. Der berüchtigte Gentlemaneinbrccher Erich Marggras, der seit Monaken von der Dolize! gesucht wurde, ist gestern abend in einem Lokal an der Ecke der Schönhauser Allee und Danziger Straße von Kriminalbeamten festgenommen worden. Erich Marggras ist 30 Jahre alt. E» gibt keine Art des Ein- bruches, die er nicht ausgeführt bat. Er arbeitete als Dachspczlalist, 'als Fassadenkletterer, als Knacker usw. In seinen Kreisen war er dafür bekannt, daß er die stärksten Sicherheitsschloßkombinationen— bis zu zehn Zuhaltuiigcn, wie der Fachmann sagt— mit Dietrichen offnen konnte. Ende September vergangenen Jahres wurde er aus dem Untersuchiinoegesängni» entlassen. Irrtümlich war die Hastsrist Vicht verlängert worden. Seit der Zeit wurde eine große Anzahl Einbrüche im Westen Berlins ausgeführt, die auf die Mitwirkung Marggrass schließen ließ. Seitdem hielt er sich wieder verborgen. Er verfügte über zwei Privatwagen, die von der Polizei beschlag- nahmt werden konnten. Marggras halte aber erhebliche Geldreserven, denn bald danach hörten die Beamten, daß er wieder unter der Hand einen neuen Wagen erstanden hatte. Das Schicksal creille ihn jetzt in der Schönhauser Allee, wo ihm ein Zusammentreffen mit seiner Braut zum Verhängnis werden sollte. Marggraf fing als Erpresser an. Dann wurde er Hoteldieb, 1926 bekam er 4 Jahre Zuchthaus. Sein Vater war kleiner Beamter und schickte den Jungen aufs Gymnasium. Bald geriet er in schlechte Gesellschaft und auf die abschüssige Bahn. Er ist der typische Genllcmaneinbrecher. Stets elegant gekleidet und von so sicherem Austreten, daß er nirgends Mißtrauen erregte. Tausend Volkstrachten im Zoo. Am Sonnabend, d(m 1. Oktober, veranstaltet der E l s ä s s c r- u n d L o l h r i n g c r- C l u b B c r I i n fein alljährliches und bereits traditionell gewordenes„Großes Volks- lrachtensest" im Marmorsaol und in sämtlichen Nebenräumen des Zoologischen Gartens. Etwa 1009 deutsche Volkstrachten der Trachtenoemeinjchajt deutscher Landsmannschaften werden sich daran beteiligen. Der Zoologische Garien wird an diesem Abend in ein ganz besonders buntes Bild verwandelt. Wetter für Berlin: Bewölkt bis trübe mit Regenfällen und sinkenden Temperaturen.— Für Devlschland: Im Süden und Süd- asten noch warm bei irischen südwestlichen Winden. Im Nordwesten lcicbt veränderlich: einzelne Schauer, kühl. Im übrigen Reiche be- wölkl bis trübe mit Rcgcnsällen und erneuter Abkühlung. ..Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Glossen zurMnsik- und Theaterpolitik Das„Kampfbund"-Theater/ Von Faul Bckker Der„Kampsbund für deutsche Kultur" ist eine Bereinigung, der auch der Neid die Betriebsamkeit nicht absprechen und deren Rührig- keit mancher anderen Organisation zum Muster dienen kann. Der„Kampsbund" möchte gern Theater spielen, aber nicht das „Theater der anderen", sondern das eigene. Er gibt— Geld genug hat er dafür— etwa seit Beginn dieses Jahres eine eigene Bühnenkorrespondcnz Heraue, in der mißliebige Theater- leiter an den Kampfbundpranger gestellt und die von ihnen auf- gesührten Stücke(Werke von Zuckmayr und Weill an erster Stelle) als gemeingefährlich für die Kampfbundkultur gebührend gebrand- markt werden. Dagegen ist grundsätzlich gewiß nichts einzuwenden. Es ist ober mit dem Kampfbundtheater genau so wie mit der „E n t p o l i t i s i e r u n g" der Musik. Sie wissen zwar, was sie nicht wallen, soweit sie sich nicht doch manchmal in den Geburtsscheinen irren. Sie wissen aber ganz und gar nicht, was I i e e i g c n t l i ch wollen. Da hat sich kürzlich eine„Kampfbund- bühne" organisiert, selbstverständlich als„kullurell-nationale und gemeinnützig-soziale Gesinnungsgemeinschaft". Am 1. Oktober soll Im Berliner Wallner-Theater die Spielzeit beginnen. Pro- gramm:„Fritzische Rebellion" van Ernst Geyer(?),„Heinrich der Hohenstaufe" von Dietrich Eckart,„Jahrmarkt in Pulsnitz" von Harlan,„Marschall Vorwärts" von Borgelt,„Der Freikorporal", Oper von Vollerthun-Lothar,„Schill" von Hoser— dazu die üblichen Klassiker.„Das sind nur die Ramen, nun lernt sie erst singen", sagt Wagners David. Wahrhaftig, es ist schwer, dieses Verzeichnis zu lesen und ernst zu bleiben. Ein richtiger Ouartaner-Theaterplan und als solcher harmlos belustigendes Kinderspiel. Wenn nur dieses Spiel nicht zugleich so traurig wäre und über die phantastische Un- wissenheit hinaus das Maß von Frivolität erkennen ließe, mit der diese Leute den Angelegenheiten des Theaters und der Ange- hörigen des Theaters gegenüberstehen. Das gilt nicht nur für diese Gründung. Es gilt vor allen Dingen von der erstrebten Einwirkung aus das Theater überhaupt. In diese Zeit schwerster Not und Daseinssorge hinein wagt es eine politische Organisation, das Theater zu terrorisieren mit einem Spielprogramm, dem der Pleitegeier ebenso als Wappen eingebrannt ist wie die Minderwertigkeit der Sache selbst. Ee soll nicht etwa be- hauptet werden, daß alles, was bisher an unseren Theatern geschehen ist und heule noch geschieht, gut und schön sei. Gewiß hat der Geist des G e f ch ä f t e m a ch c n s unsere großen gemeinnützigen Bühnen, mehr als richtig und verantwortbar ist, unter seine Gewalt bekommen. Wie aber, wenn hier ein Programm ausgestellt wird, das ebenso schlecht in künstlerischer wie in geschäftlicher Beziehung ist?„Fritzische Rebellion",„Heinrich von Hohenstaufen".„Schill",„Marschall Vor- wärts" als Theaterhelden— ist das nicht wie einst in Caftans Panoptikum der Fürstensaal? Glaubt irgend jemand im Ernst, mit Werken dieses Zuschnittes dein„Weißen Rößi" oder dem„Drei- mäderlhaus" Abbruch tun oder damit nur in Wettbewerb treten zu können? Aber lassen wir diese Werke der neuen deutschen Kultur-Aera zunächst außerhalb der Diskussion. Was eigentlich ist sonst noch da. um die„kv.lturcll-nationale und gemeinnützig-soziale Gesinnungs- geinemschast" zu repräsentieren? Wir wollen ganz bescheiden sein. Also fordern wir nicht Werke 1n der Mehrzahl— aber eines, ein ein- ziges mir muß dach wohl da fein, eine Schöpfung literarisch ernst- hafter und dabei theatralisch wirkungsvoller Art als Dokument des nenen Kulturwillens? Wie— nicht ein einziges? Wo und wer ist er denn dann, dieser angebliche neue Kulturwille, dieser Kamps-Hannes, der ein neues Theater für sich allein braucht und alle anderen reformieren muß, um sich die nötige Geltung zu verschaffen? Siehe da— er ist unsichtbar, er ist von so ätherischer Beschaffenheit, daß man ihn nicht einmal als Geist fassen kann. Er ist— nennen wir ihn beim rechten Namen— ein Parteiparagraph, der da sagt: „Sichere dir das Theater, wenn du schon selbst nichts rechtes damit anzufangen weist, so kannst du doch die anderen oerhindern, ihrer- seits etwas zu tun. Und wenn es dir gelingen sollte, das Theater kaputt zu machen, so hast du ein wichtiges und gefährliches Instru- ment des Geistes der„anderen" vernichtet." Die Schlußfolgerung beruht zwar auf einem Irrtum, denn das bringen sie doch nicht zuwege. Aber der Gedankengang an sich ist so und die Praxis bestätigt es in täglich zunehmendem Maße. Eines nur ist sonderbar: das Verhalten eines Teiles der Theater- an gehör igen selbst. Es sei hier abgesehen von den Kon- junkturüberlä ufern, die es jetzt ebenso gibt, wie es sie früher gegeben hat. Daß von den anderen viele unter dem Druck der Notverordnungen in den bisherigen Ueberzeugungen wankend geworden sind, ist zu verstehen— wer küßte gern die Hand, die ihn schlägt? Daß im übrigen gerade die Leitung der preußischen Theaterpolitik in den letzten Jahren katastrophale Fehler gemacht hat, wird kein Einsichtiger leugnen.. Aber selbst wenn diese Fehler doppelt und dreifach so groß wären, als sie sind— ist dies ein Grund, die Verbindung aufzunehmen mit einer Gruppe, die weder richtig noch falsch handeln will, sondern die das deutsche Theater vernichtet? Menschen des Theaters können den verschiedensten Parteien an- gehören, denn alle haben irgend eine organische Beziehung zur Kunst. Der Bühnenangehörige jedes Berufszweiges aber kann niemals einer Organisation angehören, für die Kunst grundsätzlich nur soweit Geltung hat, al» sie Propaganda treibt. Eine solche Organisation verneint aus ihrem Wesen heraus das Wesen der Kunst. Wenn sie es aber nicht glauben wollen, daß es so ist— nun so mögen sie sage», was eigentlich beabsichtigt ist und welches die Wege sind, die zum Ziele führen sollen. Sie mögen nichts weiter tun als nur einmal einen wirklichen Theaterspiel- plan ausstellen für Oper und Schauspiel, einen Spielplan, dem gegenüber auch der Gegner zugeben muß, daß er in sich Haltung, Charakter, Abwechslung und— Qualität hat. Können sie das, können sie es so, daß die Lebensfähigkeit eines solchen Institutes auch nur acht Wochen lang gewährleistet erscheint — so sei alles hier Gesagte falsch. Aber sie können es nicht. Sie werden es nie können, denn sie sind und bleiben arme Wind- macher. „�osenkavalier" neumszenieri. Lindenoper. Gustaf G r ü n d g e n s hat sich hier eines der interessantesten, freilich auch eins der schwierigsten Inszenierungs- und Regie- Probleme gestellt: und hat es nicht gelöst. Diese wundersame Partitur, in der der Porkriegstraum vom kaiserlichen Oesterreich so herrlich eingefangen ist, wie es nie war: die Partitur, die einer ganzen musikalischen Generation, in Süddeutschland wenigstens, das Gepräge gegeben hat— sie hat ihre eigene einmalige Atmosphäre, in ihr ist Hosmannethalsche Lust: alte Kultur und luxuriös« adlige Dekadenz, zu frühes Wissen, wache Skepsis, Müdigkeit, peroerse, traurige und todgeweihte Schönheit. Schönheit aber spürt man. trifft man— oder spürt und trisst ee nicht(wie Gründgens). Oper und Drama sind hier merkwürdig verschränkt. Seltsamer- weise packt Gründgens nur die Oper an. So wird es, wie es immer opernhafter wird, auch immer besser gegen Schluß: und wenn der Vorhang zum letzten Male fällt, wünscht man sich brennend, sie möchten doch noch mal beginnen und den Anfang so spielen wie den Schluß. G I i e s e s Bilder sind durchweg dürftig, absichtlich obhoid dem Prunkvollen, ohne durch Einfäll« und Geschmack für die Askese zu entschädigen: das des ersten Aktes aber ist besonders unglücklich und in den Farbendissonanzen sozusagen scheußlich atonal. Und so sicher Anni Konetzni keine Marschallin ist, so sicher sie keine Ahnung hat vom Wesen dieser wunderbaren Frau— so wenig ist es ihre Schuld allein. Wie sie ging und stand, lächelte und ernst war, verliebt war, angstvoll, traurig— alles falsch. Mit Opernregie kommt man hier freilich nicht mehr durch, hier ist der letzte Rest des Typus über- wunden, der in jeder echten Oper steckt. Selbst aber die Opern- regle war nicht von besten Eltern. Das lahme Spiel in den Ber- klcioungs. und Bcrwechslungsszenen! der Auftritt Lerchenaus! das Lever, der Chor im zweiten, im dritten Akt! Fritz K r e n n war ein stimmlich ausgezeichneter, wohl zu robuster, um nicht zu sagen ordinärer Lerchenau(sein Wienerisch war aus Hernals) und keine Spur von einer„Standpersan". Octavian war Maria Fuchs, ein Gast aus Dresden, mit schönem dunklein Mezzosopran. Sophie endlich Lotte Schöne, klein und zierlich, mit kristallklarem leichtem Stimmchen. Otto Klein perer am Pult. Hier geschieht Seltsames: die Partitur wird in nie gehörter durchsichtiger Klarheit, in einer Art trockener Schärf«, in einem in vielen aufblitzenden Einzelheiten be- zauterndem Secco musiziert. Aber dieser Interpretation fehlt die eigentliche Atmosphäre, die unter anderem in eben dem besteht. was Klemperer, bewußt wohl, fort ließ: in!der glitzernden Grazie, der wollüstigen Weichheit, der immer wieder neu ansetzenden crescendo-lcchnit, der überströmenden Süßigkeit. Grllndgens und Klemperer— sie wollten beide die Tradition durchbrechen. Nahmen dem Werk aber auf diese Art und Weise, um so zu sagen, die seelische Pointe. Arnold Walter. „Ikarus"- der plüschow-Mlm. Ufa-pavillon. Dem Andenken des kühnen Wikings, der in der Nußschale wie im Flugzeug seinen Mann stand, war dieser Filmabend gewidmet. Schöne Worte der Würdigung sprach einleitend Plüschows Freund, der Ozeonfliezer Köhl. Dann kam ein entbehrliches Borspiel, in dem Plüschows militärische Vergangenheit(T s i n g t a u und die Flucht) erzähl! wird. Und nun folgt die Hauptjache: die Filme, die Plüschows Seereisen und die Entdeckung des Feuerlandes für de» Film wiedergeben. Herrlich find die Btder von der Südamerikareise des Viermastsegelschiffes„P o r m a". Die Arbeit in den Segeln, der Sturm am Eap Horn— das sind unvergeßliche Eindrücke. Nun hat Plüschow sein Ziel gefunden: das sturmumtobte Fcuerland mit seinen bis ins Meer reichenden Gletschern, dem blauen Wasser und den grünen Wäldern, unmittelbar neben den Gletschern. Plüschow bringt eine eigens Expedition zustande, überquert mit seiner Nußschale eines Kutters den Ozean und erschließt nun mit seinem Gefährten D r e b 1 o w die ungeahnten Schönheiten dieses seltsamen Landes, die Pracht der phantastischen Berge mit ihren kühnen Umrissen, die weiß strahlenden Gletscher, die plötzlich ganz ungeure Massen Eises ins Meer stürzen lassen, die nie gestörte Tier- weit der Robben und Pinguine, die tiefeinschncidendcn Fjorde. Wir schauen Wunder der Natur, deren Ursprünglichkcit bisher kein Film enthüllt hatte. Man versteht es, daß Plüschow von dieser Welt nicht wieder los kam und eine neue Expedition unternahm, auf der er die bisher unentdcckten Eordilleren für den Film erobern wollte. Man sieht noch seine ersten Flüge, die mannigfachen Vorbereitungen, die er getroffen hatte, dann erfolgt der rekonstruierte Absturz: Plüschow und Dreblow sind die Opfer ihres leidenschaftlichen Suchens geworden. Voran ging ein interessanter Filmbericht von der vorletzten Expedition des Prof. Frobenius im Innern Afrikas, auf der er die merkwürdigen prähistorischen Bauten und Grabablagen einer verschollenen Negerkultur gesunden hat. O. Ostasiatische Altertümer. Ausstellung im Ostasiatischen Museum. Die Leitung des Ostasiatischen Museums gehört zu den modern- sten und tätigsten unserer Kunstverwaltung und hat uns schon oft überrascht mit schönen Sonderveranstaltungcn. Jetzt hat man dort eine Besonderheit aus alter Zeit dem Dunkel der Depots entrissen und mit großem Geschmack im Erdgeschoß Prinz-Albrecht-Str. 7 ausgestellt: die noch vorhandenen Bestände der K.urfürst- 1 i ch- B ra n d enib u rg i sche»„K u n st ka m m e r", aus dem 17. Jahrhundert, China- und Japansachen aus den Sammlungen des Großen Kursürsten und Friedrich III. Das Verdienst, diese Raritäten aufgestöbert und Identifiziert zu haben, gebührt dem trefflichen Kustos der Ostasiatischen Sammlung, Dr. Reibe- nie ister, der auch den aufschlußreichen Katalog bearbeitet hat. Wer Sinn für das eigentümliche Parfüm historischer Be- Ziehungen an alten Dingen hat, wird diese klein« Sammlung mit Neigung betrachten. Wichtiger aber ist der Geist barocker Kultur, der aus der Wahl dieser ostasiatischcn Gegenstände durch die Ber- liner Kursärsleu spricht. Am unmittelbarsten aber berühren uns 5)«iitige wohl die Kunstwerke selbst: wenig Porzellan(was sehr ausgefallen wirkt), einige Bestellungen der Fürsten, vermittelt durch die Holländische Ostasiatische Kompanie(gelackte Schilde und ein- gelegte Möbel, in Japan gefertigt): Hauptstucke: ein erstaunlicher Porzellanbecher in Durchbrucharboit, ein prächtiges Schränkchen im sogenannten Koromondellack, chinesische Kleinarbeiten, und das chinesische Pruntbett um 1700, dos alle Chancen internationaler Berühmtheit in sich trägt. Es ist ohne alle Nägel, nur durch Ber- zopfung zusammengesetzt, ein noch heute zur Popularität bestimmtes Hauptftiick von exotischer Kuriosität, auch künstlerisch durchaus ernst zu nehmen. p. k. sdi. Tie Bruckner-Vereinigunq begebt in diesem Winter ihr lOjähriges Konzertjubiläum: fic veranhaltei wiederum 6 Sinsonie.Adonnemenis- konzcrtc zu bcdculciid crniäßiglen?lbonncmcnlspreiscn. Wilhelm Vendow wird im Theater om Kottbusser Tor im Lltobe» eine Variete- und Kabarettbühne cröjsncn. Abwehr! Gegen Einbruch in das Tarifrecht. Dresden, 23. September.(Eigenbericht.) In einer vom Bezirksausschuß Sachsen des ADGB. einbe- rusenen Konferenz der Betriebsleiter und Ortsgruppen- fiihrer der freien Gewerkschaften in Dresden wurde nach einem Referat von N ö r p e l eine Entschließung angenommen, in der ge- sagt wird, die Tarislohnsenkung vom 5. September tSZ2 sei nicht nur eine raffinierte Methode des Lohndrucks, sondern auch ein verfassungswidriger Einbruch in das Tarifrecht. Gegen diese rechtlich unhaltbare und in jeder Beziehung un- soziale Berordnung würden sich die Gewcrkschatsen mit allen gefeh- lichen Mitteln zur Wehr sehen und ihre Anwendung durch Kampfmaßnahmen in den Betrieben beantworten, überall da. wo die not- wendigen Voraussetzungen dazu gegeben sind. Streik in Leipzig. Gegen mißbräuchliche Ausnutzung der Notverordnung Leipzig, 23. September.(Eigenbericht.) Die Belegschaft der Pittler Werkzeugmaschinen A.-G. ist am Donnerstag in den Streik getrete». Die Belegschaft erklärt, die Firma wolle in Verkcnnung der Bestimmungen der Notverordnung Tarifsenkungen vornehmen. Sie sei gezwungen gewesen, zur Aus- sührung bereits vorliegender Aufträge unter allen Umständen Neu- einstellungen vorzunehmen. Für einen solchen Fall seien die Tarif- senkungsbestimmungen der Notverordnung nicht getroffen. Arbeits- zeit und Lohn unter falschen Voraussetzungen kürzen zu lassen, müsse abgelehnt werden. passive Resistenz. Gegen Zvprozentige Notverordnungslohnkürzung. Kiel, 23. September.(Eigenbericht.) In der Lederfabrik von ch a l l e n st e i n u. Co. in Krempe ist die gesamte Belegschaft in passive Resistenz getreten, weil die Firma auf Grund der Papenschen Notoerordnung eine Lohnkürzung um 20 P r o z e nt vornehmen wollte. Versuche, zu einer Vereinbarung zwischen Gewerkschaften und Be- triebleitung zu gelangen, sind gescheitert, so daß die Belegschaft gc- zwungen war, die Fortsetzung der Arbeit abzulehnen. Die Arbeiter erfreuen sich der Solidarität auch der zahlreichen Arbeitslosen, die sich weigerten, mehrere Waggons Kohle, die auf dem Bahnhof standen, für die Firma zu verladen. Der„Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabc fllr Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend", � Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit". Bezugspreise: Wöchentlich 7ä Pf., monatlich 3,2ä M. ldavo» 37 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) in, voraus zablbar. Postbezug z,»7 M. einschliestlich W> Pf. Postzeitung» und 72 Pf. Postbestellgcdiihren. Auslands, abonnement 5,65 M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachenporto 4,63 M. Bei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht lein Anspruch der Abonnenten auf Ersaß. Anzeigenpreise: Die einspaltige Millimeterzeile 31) Pf., Reklame- WßHHtH"118™"5"'" iRülcolx lefpiiqer narnen-iYianlel zu ganz niedrigen Preisen Maßanfertigung spez. für starke Damen Paul LlncK, Damen-Maniel-FaDrik u Hdlg., Neukölln, Rcnterstr. 63 XUeeiler. LicUlspiele usw. Q -u___ m_________________—__ jjjK. Staats Theater Freitag, den 23. September staatsoper unter den Linden 20 Uhr B o h 6 m e staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Die Räuber VOLKSBUHNE Theater am BOIewpiatz D 1, Norden 2944. Allabendlich 8*4 Uhr Der Revisor von Gogol- Regie; Heinz Hilpert CurtBois/ Karöiow/ Haaik/ Verhoeven plAza llihe Söll«. Bhl 5 D. 8". Stgs. 2,5.z15 ü. E 7 Weichs. 4031 Frau im Hermelin Fomilienanzeiyen Millimeterzeile 1B Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Ltndenstraße 3, wochentäglich von 8',z bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Verantwortlich für Politik: Pjttor Schiff; Wirtschaft: 6>. Klingclhöfer: Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner; Feuilleton: Herbert Lep.'re; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstadt; Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwarts-Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei . und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Stimm theäl\ I A7 Dönh. 625»Uhr 1 | Heute 8 Uhr I Premiere MOISSI Der lebende I Leichnam IsOPf— 4'M J Rose� iheater Sreli Frankfurter Sirale 137 Iii. Weichsel£ 7 3427 8.30 Uhr Aerzte im Kampf $iädt.oper Charlottenburs Fraunhofer 0231 Freitag, 23. Sept. Turnus I Fidelio Beginn 20 Uhr Helm, Frind, Fidesser. Rode. Hofmann, Hüsch, Steier. Dirigent: Breisach. 5 eh i II e r rolmanstr. 70/71 SteinpL(G 1) 6715 Täglich 8Vi Uhr Der 18, Oktober Heilinger, Strömer. v. Alten, Heuser Regie: K e n 1 e r. �ür die Dame, ebenso sorgfältig und elegant verarbeitet, wie Sie es von derI33-Herrenkleidung her kennen. Sie finden eine reiche Auswahl von reizenden Neuheiten--- Dazu überraschend niedrige Preise Flotter Domenmantel, grau, blau- marengo, ganz auf Futter gearbeitet m 28.- Reinwollener Diagonalstoff, dunkle Fa rb.,ga nz gefüttert (Form wie Abbildg.) m 48.- Feiner melierter Diagonalvelour, sehrfescheVerarbei- tung, ganz gefüttert m 38.- Aparter Sportmantel, braun- gemustert, ganz gefüttert m 58.- 57» Peek& Cloppenburg BERLIN C 19• GERTRAUDENSTR. 25-27 PRO GRAMM iür die Zeit vom 23. bis 26. September ©IO10 Primus-Palast Potsdamer Straße 19. (irafin Jlariza mit Dorothea TV ieck. Hubert Harischka, .Szöke Sx.akall Für Jugendliche freigegeben! W. 5.15, 7.15. 9.15 Uhr S. 3.15, 5.15, 7.15, 9.15 Uhr Potsdamer Straße 38 Die grofle Sensation: W olkenstürmer W. 5, 7, 9 Uhr. S. 3, 5. 7.» Uhr Odeon.PotsdamerStrJS Quick mit Lril. Harvey, Hans Albers. P. Hörbi�er W. 5, 7. 9 Uhr. S. 3, 5. 7. 9 Uhr Turmstraße 12 Moderne Jlitgift mit-Hartha Hagert. Leo.Slezak. G. Alexander W. 5, 7, 9 Uhr. S. 3. 5. 7. 9 Uhr Alexanderstraße 39-40 (Passage) Drei von der Kavallerie mit Paul Hörbifiter, F. Kampers, P. Heideniann Den ganzen Tag geöffnet. S. ab 3 U. Alhambra Müllerslr, 136, Ecke Seestraße. Die große Sensation: H'olkensttirmer W. 5, 7, 9 Uhr. S. 3, 5, 7. 9 Uhr Germania-Palast Charl., Wilmersdorfer Str. 53/54 Unheimliche Geschichten m. P. Wegrener, Har. Paulsen W. 5, 7. 9 Uhr. S. 3. 5. 7, 9 Uhr Kant-Lichtspiele Kantslraße 54. Quick mit Lil. Harvey. Han» Alber», P. Horbijrer K I N O-T A F E L Zentrum W. 5, 7. 9 k'b S. 3. 5, 7.» Uhr Bio-Lichtspiele Hackescher Markt 2-3 Tageskino ab 12 Uhr Sonntags ab 2 Uhr Jugendvorslcllung Zwei glückliche Tagre mit Hor- biffer. Rommer— Nacht der Versuchung mit Brink c Zehlenderf-Mitte W c Friedrichstadt A 1 nrlin Tonfilm- S+lUUin Tageskino Friedrichstraße 112a (am Oranienburger Tor) Eröffnungsvorstellungen: Sonnabend, 24. September, 7 und 9.30 abends Sonntag ab 3 Uhr nachm., Montag ab 9 Uhr früh: Der SchiiB im.Morgengrauen Kriminallonfilm nach dem Bühnenstück..Die Frau mit dem Smaragd" Die Kamera 7*%1i Beginn lägl. 5, 7. 9 Uhr Stg. 3 Uhr Jugendvorstell. Potsdamer Str. 56. Teilnehmer antwortet nicht mit Gustav Gründgens. Dorothea Wieck— Gr. Beiprogr. Wochentags ab 6% LXCelSlOr Sonntags ab 4 Uhr Kaiser-Friedrich-Straße 191 Quick mit Lilian Harvey, Hans Albers. Hörbiger— Tonbeipr. St eglitz Frnnyishnnpr ��mgensti aße, ••TlllZlo Rdll�T E. Friedrichstr. Um 9. 12, 3. 6. 9 Uhr beginnend: Der Rächer des Tong mit Edward Robinson. Lorettu Voung u. a. Um 10.30. 1.30, 4.30, 7.30, 10.30 beginn.: Das Mädel vom.Tlontparnasse mit Fritz Schulz, Alfred Abel u. a. Neueste Ton Bild Reportage Unter den Linden 14 W. 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5. 7. 9 Uhr Erfahrene Frau gesucht mit Poll. Moore— Die grausame Freundin mit A. Andra— Ton woche ■ H O■ I» 1 1 1 Artushof Perleberger Str. 29. 2 Großlonfilme: 2 Großtonfilme: Mutter— Hurra, ein Junge, mit Roberts, Eucie Englisch, Adalbert W Charlottenburfl'"H Schlüter-Theater Bv Schlütcrslr. 17 Stg. 3 Uhr; Jugd.-V. Ich bin|a so verllebt mit Fei. Bressart— Das Haus an der Grenze Wochent. 7. 9% ü. Stg. 5, 7. 914 U. Kaiserallee. Ecke Berliner Straße Urauff. Ich will nicht wissen. w er du bist mit Liane Haid. G. Fröhlich. Sandrock. Szakall Musik: R Stolz— Tonfilmbeipr. Titania-Palast sIÄsmü. Steglitz. Schloßstr. 5. EckeGutsmuthsstr. Urauff.: Gräfin �lariza mit Hub. Marischka, Szakall, D. Wieck. A. Printner.(Nach der Operette von Kaiman.)— Tonfilmbeipr. Kronen-Lichtspiele Rheinslraße 65 Beg. 5. 7, 9 Uhr Sonnt, ab 3 Uhr Quick mit Lllian Harvey. Hans Albers.— Gutes Tonbeiprogr. Alhambra ronnim Hauptstraße 30 Johann StrauB rn. 31- Bohnen, Lee Parry— Tonbeiprogr.— Bühnenschau— Jugend!. Zutritt Atrium Neukölln Kukuk Wochentags ab G1!' Sonntags ab 4 Uhr Kollbusser Damm 92 Die elf Schillschen Offiziere — Tonbeiprogr.— Jugdl. Zutritt Titania Schöneberg Hauplslr. 49. W. 5, letzte 9 Uhr S. ab 3 Uhr Großtonfilm: Unheimliche Geschichten mit Paul Wegener. Eugen Klopfer— Tonbeiprogr. M Südwesten> Film-Palast Kammersäle Tellower Str. 1. W. ab 5.30, S. ab 3.30 j Großtonfilm: Quick mit Lllian Harvey, Hans Albers— Gutes Tonbeiprogramm B Tempelhof V-ißte*** W- 7. 9. Sbd. Stg. 5, 7. 9 Aurrursi Stg. 3 Uhr: Jgd.-Vorst. Dorfstraße 22. Ecke Berliner Straße Die Herrin von Atlantis mit Brigitte Helm— Tonfilmbeipr. /* Täglich 5, 7. 9, 1 IVO II stgs 3 Uhr: Juacnd vorstell Berliner Straße 97. Großtonfilm: Teilnehmer antwortet nicht mit Dor. Wieck, Gründgens— Tonbeiprogramm 5/5 /• Mariendorfer W 7, 9. Tonlichtspicle S. 5. 7. 9 Chausseesir. 305 Großtonfilm: Schuft im Morgengrauen mit Ery Bos. Karl Lud wlg Diehi— Tonbeiprogramm Mercedes-Palast U Hermannstr. 212 Unheimliche Geschichten mit Wegener— Jloderne.�litgifl mit». Eggerth Primus-Palast sig6'J av. Am Herraannplatz, ürbanslr. 72/76. Johann Strauß mit 51- Bohnen. Lee Parry— �Volkenstürmer Stern, Hermannstraße 49 Wochentags ab 6V2 Sonntags ab 4 Uhr Drei von der Kavallerie mit Kampers. Hörbiger. Heidemann— Tonbeiprogramm Theater am Moritzplatz W. 6, 8.45 Uhr. S. ab 4.30 Uhr Johann Strauß(Liebe im Walzertakt) mit Lee Parry, 51. Bohnen W Südosten Deatsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68. Beginn 5, 7. 9 U Quick mit Lilian Harvey. Hans Albers— Tonbeipr.— Tonw. Filmeck W. ab 6 Vi U. Stg. ab 3 U- Am Görlitzer Bahnhol Dor. Wieck, Gust. Gründgens in dem Kriminaltonfilm Teilnehmer antwortet nicht Fritz Schulz in der musikalischen Komödie Das �lädel vom Iflontparnasse Stella-Palast sLftb � uhJ Köpenicker Straße 12—14 Fritz Kampers. Paul Hörbiger in dem lustigen Tonfilm Drei von der Kavallerie .�1. Eggerth. H. Brausewetter in dem Tonfilmschwank Jloderne Mitgift W Treptow � Trepto w-Ste rn wa rte Sbd. 8, Stg. 4. 6, 8. Dienst. 8 Uhr: Das blaue Licht. Eine Berglegende. Leni-Ricfenstahl-Film ■ 0,ten» Germania-Palast � abVu. Frankfurter Allee 314 Der spannende Kriminaltonfilm: Schuß im Morgengrauen mit Ery Bos, Karl Ludwig Diehl Auf der Bühne: Wieder 3 große Variete-Attraktionen Dr. Knauer dirigiert das hervorragende Orchester Luna-Palast''wabsuhr Gr. Frankfurter Str. 121. Ich bin|a so verliebt mit Fei. Bressart— 2 vom Sude.vpreß mit Trude Berliner— Tonw. Schwarzer Adler W. 5. 7. 9 Uhr. S. 3. 5. 7. 9 Uhr Die Herrin von Atlantis mit Brigitte Helm— Tonbeiprogr. — Tonwoche— Bühne: Dücker Viktoria- Theater s«ocahb au5 Frankfurter Allee 48 Großionfilm; Die Herrin von Atlantis mit Brigitte Helm— Gutes Tonbeiprogramm Luisen-Theater stgabab3u: Reichcnberger Str. 34 Lilian Harvey. Hans Albers in dem Großtonfilm Quick Da?u Großes Tonbeiprogramm PROGRAMM für die Zeit vom 23. bis 26. September Volks-Kino Königstadt Schönhauser Allee 10/11 Wochent. 5 Uhr. Sonnt. 3 U.: Jgd.-V. Das Mädel vom Montparnasse mit Fritz Schulz— Tonbeipr. — Bühnenschau � Heu-lichtenbcra � Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70. Beginn: W. 5, Stg. 3, letzte 9 Uhr Die Herrin von Atlantis mit Brigitte Helm— Tonbeipr.— Tonwoche � Friedrlctisleld« � tz Kino Busch SnmaTfb 5 Uhl Alt-Fricdrichsfeldc 3. Tonw oche Erstaufführung! Welterfolg! Mutter. Höhepunkt menschlicher Darstellungskunst— Tonwoche Jugendliche haben Zutritt • Pankow» Palast-Theater Breite Straße 21a. W. 7, 9 Uhr. Sbd. u. Stg. 5, 7. 9 Uhr Quick mit Lllian Harvey, Hans Albers ■ Teg"» Filmpalast Tegel Bahnhofslr. 2. W. 6, Stg. 4� Uhr Sonntag 2 Uhr: Jugend-Vorstellung Ja, treu ist die 8oldatenliebe mit Fritz Schulz— Tonbeipr. — Emelkatonworhe Film W. 6. 8J2 Uhr Ii OS mOS Bühne S. lU. 6H. 8% Hauptstraße 6. Der neue Tonfilm: Die elf Sc hillschen Offiziere mit Friedrich Kayßler— Tonbeiprogramm Jugendliche haben Zutritt. W Nordosten W f?»im** i€ Prenzlauer „Llysium AUee 56 W. 5.15, 6.30, 9.15. S. 3, 4.15, 5.30, 9.15 Unheimliche Geschichten mit Wegener— Moderne Mitgift mit Martha Eggerth Flora-Licht$pielel{n"i�m" W."16, ca. 7. Uhr S. ab 3 Uhr 3 von der Kavallerie mit Kam pers— Das Mädel vom Montparnasse mit Schulz Union-Theater MAI* Hauplslr. 3. Stg. 2 Uhr: Jug.-Vorsl. Madame hat Ausgang m. Liane Haid. Brauseweiler— Tonbeiprogramm— Tonwoche �_ Mennig»dorf M Leg W. 6. 8.30 Uhr riimpaiQSi sus 4�. ev�.g�u. Berliner Str 59 Quiek mit Lilian Harvey, Hans Albers— Wer zahlt heuta noch föellage Freitag, 23. September 1932 SrrAlnmO SjiäJaiil&tßeJu Ibaärä Die Zukunft des Films oder: die Technik des Phantoms Von Frank Warschauer Das Gespräch war wieder mal auf den Film gekommen.„Eigent- lich seid ihr die wahren Herren des Films", sagte ein Schriftsteller, zu dem Ingenieur gewandt.„Oder solltet es wenigstens sein. Erst habt ihr die bewegte Schattenwelt des stummen Films in die Welt gesetzt, dann habt ihr euren Gespenstern auch noch die Sprache gegeben, zuerst recht dürftig und nun immer vollkommener. Früher klang es zuweilen wie Husten und Bellen, was dort von der Lein- wand her ertönte, jetzt aber sind es wirkliche Stimmen, die uns anreden, und es fehlte nur das eine, daß ihr auch noch die Macht bekommt, sämtliche Generäle, Unteroffiziere, Muschkoten samt weib- lichem Anhang von der Leinwand zu verbannen und an die Stelle dessen eine bessere und sinnvollere Welt von Figuren und Ge- schehnissen zu setzen." „Die Macht haben wir ja leider nicht", lachte der Ingenieur, „und wer weiß, ob wir sie mal erhalten werden. Vorläufig arbeiten wir weiter, um alles Technische am Film so vollkommen wie möglich zu gestalten." „Und was habt ihr in dieser Hinsicht in der nächsten Zeit vor?" fragte der Schriftsteller.„Ich finde, ihr seid oft zu bescheiden. Von euren Plänen und Zukunstshoffnungen laßt ihr wenig hören. Da- bei ist es doch auch gerade für uns andere wichtig, sich einmal klar zu machen, was ihr eigentlich vorhabt und wohin die technische Ent- wicklung zielt." „Ganz richtig", entgegnete der Ingenieur.„Bei allen Ueber- legungen und Phantasien über solche Themen sollte man immer davon ausgehen, welches das eigentliche Ziel der Technik dabei ist. Ich will Ihnen etwas davon erzählen.— Es ist ganz gewiß nicht nur für Techniker interessant. Man weiß, daß intensiv an dem Film in natürlichen Farben gearbeitet wird— und man weiß auch, daß es unsere nächste Aufgabe sein muß, dem Filmbild die Flächen- hastigkeit zu nehmen und es plastisch erscheinen zu lassen. Dies letztere ist ja jetzt besonders dringend; denn der Tonflim läßt den Gegensatz zwischen dem räumlich erscheinenden Ton und der Zwei- dimcnsionalität, der Flachheit des Bildstreifens ganz besonders stark und störend in Erscheinung treten. Gut: man wird sich also mit dem Gedanken vertraut machen müssen, daß der Film in relativ kurzer Zeit farbig und plastisch sein wird und dabei imstande, alle Laute und Geräusche als dazugehörige Musik in einwandfreier Weise wiederzugeben. Das ist aber noch keineswegs alles. Wir Ingenieure gehen in unseren Hofsnungen und Zielsetzungen schon heute viel weiter. Wir wollen nichts Geringeres als das Leben mit seinen Gestalten, Land- schaftcn und Geschehnissen in vollständiger Treue nachschaffen." „Also eine Art genial vervollständigtes Panoptikum", warf der Schriftsteller ein. -„Ja, wenn Sie wollen, gewiß. Es wird uns sehr bald nicht mehr genügen, Filme der gekennzeichneten vervollkommneten Art herzustellen; wir werden auch dann weiter streben. Was wir vor- haben, ist: Der Wirklichkeit so nahe wie möglich zu kommen. Wir sind heute schon Zauberer— und unsere Zukunftszaubcreien werden noch weit kühner sein, als die der Gegenwart. Sehen Sie, jetzt sind wir noch an die Projektionsfläche ge- bunden. Ein Bild aber, das auf so eine Fläche geworfen wird, muß immer und unter allen Umständen etwas Bildhaftes, also dem Leben nur entfernt Nahekommendes haben. Schon jetzt beschäftigen sich besonders die phantasievollen amerikanischen Ingenieure intensiv mit der Frage, wie man diese Projektionsfläche entweder verändern oder aber überhaupt vollständig abschaffen könnte. Die Luft selbst wird ein�s Tages unsere Leinwand sein— so hat erst kürzlich einer dieser Pioniere der künftigen Filmtechnik geäußert. Wir werden, so sagte er, Mittel und Wege finden, um die Bilder in die Luft zu projizieren. Aber das wird wiederum nur der erste Schritt zu einer weiteren Vervollkommnung sein. Stellen Sie sich vor, daß so eine bewegte Gestalt in natürlicher Größe, mit natürlichen Farben und Tönen in einem Luftraum erscheint." „Aber da kommen Sie ja zu einer Technik des Phantoms!" rief der Schriftsteller dazwischen. „Richtig— damit haben Sie unsere künftige Arbeit bezeichnet. Wir wollen Gespenster crschassen— nur werden es keine Gespenster sein, sondern Abbilder des Lebens. Sie werden vielleicht gelegentlich in einem Theater gesehen haben, wie weit wir es schon jetzt in der Technik der eigentlichen Gespenstererscheinung gebracht haben. Das hat natürlich nur für das Theater oder die Oper Gültigkeit— aber es ist zugleich der erste Schritt auf dem Wege, den wir künftig auch beim Film einschlagen werden. Denken Sie sich also'eine solche Gestalt in einen Luftraum projizert— natürlich eine Gestalt wie in unseren jetzigen Filmen, also eine lebendige, die sich in einer kinematographisch aufge- nommencn Umgebung naturgetreu bewegt. Sie wird bei aller Voll- kommenheit wahrscheinlich noch immer den Fehler haben, daß sie nicht ganz plastisch erscheint. Denken Sie sich nun weiter dieses geradezu magische Bild in die Mitte eines Zimmers projiziert. Sie haben vor sich dieses flimmernde Etwas, das Ihnen hundertmal besser, als es jetzt geschieht, das Leben vorspiegelt; und nun werden Sie vielleicht den Versuch machen, um dieses höchst lebende Bild herumzugehen— Sie werden es von der Seite ansehen wollen—, und dann wird es natürlich entweder zusammenschrumpfen oder allmählich verschwinden. Sehen Sie— das paßt uns Ingenieuren nun auch wieder nicht. Wir werden bis dahin den Ehrgeiz haben, lebende Bilder zu schaffen, um die man herumgehen kann, genau so. wie um einen lebenden Menschen; sie sollen ebenso mit allen drei Dimensionen im Räume stehen. Denken Sie sich, Sie sehen vor sich Chaplin zappeln; Sie gehen etwas näher und betrachten ihn von der Seite— dann werden Sie ihn eben von der Seite sehen; oder Sie kommen von hinten, dann erblicken Sie eben die Hinterscite des Herrn Chaplin." „Entsetzlich", stöhnte der Schriftsteller,„das ist wirklich die Technik des Phantoms!" „Und wenn die einmal vollendet sein wird, so werden Sie sich ebensowenig darüber ausregen wie jetzt über Film oder Rundfunk, bis dahin hat man sich schon daran gewöhnt. Aber ich will Ihnen noch etwas darüber erzählen, wie wir uns das technisch denken. Diese„stereoskopische Vision", wie man sie nennen könnte, wird in der Weise geschaffen werden, daß man die Darsteller nicht wie jetzt von einer Seite, sondern von allen Himmelsrichtungen aus auf- nimmt. Sie werden dabei im Mittelpunkt eines Ringens von Film- aufnahmeapparatcn und Mikrophonen stehen. Nach ähnlichen Prinzipien wird dann auch die Projektion erfolgen, nämlich derart, daß die verschiedenen Bilder und Klangaufnahmen zu einem einzigen Totaleindruck zusammengefügt werden— und daß dieses Gesamtbild die Darsteller von allen Seiten wiedergibt, so wie sie vorher aufgenommen wurden. Und nun denken Sie sich weiter, daß Fernsehen und F�rn- film derartige Gebilde überallhin drahtlos verbreiten werden— und daß in jedem Zimmer ein Aufnahmeapparat stehen wird, der den Raum mit derartigen Phantomen aus aller Welt erfüllen kann. Dann haben Sie ein Bild von der Technik, an der wir arbeiten, dann haben Sie eine Vorstellung von der Zukunft des Films!" „Tolle Dinge haben Sie mir da erzählt", sagte der Schrift- steller.„Aber was hilft das alles, wenn ihre phantastische und zauberhafte Technik wirklich im wesentlichen nur dazu dient, eine alte, verklungene und verstaubte Welt von Parademärschen' und Kasernenhoftypen ganz besonders lebendig neu erstehen zu lassen. Mir persönlich scheint schließlich der Inhalt der Filme noch wichtiger als ihr technische Ausführung." „Da bin ich ganz Ihrer Ansicht", antwortete der Ingenieur. „In dieser Hinsicht wird nur eins helfen und daran müssen wir gemeinsam arbeiten: Zusammenschluß der fortschrittlich Gesinnten und Kampf gegen die Reaktion." Felix stössmger: Glück und Sorgen der Schweiz In meinem letzten Schweizer Brief, der hier unter dem Titel „Auf Schweizer Bahnen" erschienen ist, habe ich ein Wort unseres alten Genossen Seidel zitiert, der die Schweiz„noch immer einen fremden Erdteil" genannt hat. Es ist nicht Seidel allein, der es als unrecht empfindet, wie alljährlich hunderttausende Fremde dieses kleine, herrliche Land durchfahren, und souverän über die Menschen und ihr Leben hinweg den Blick nur auf die Berge und Wälder richten. Auch Romain Rolland, ein tiefer Kenner der Schweiz, hat im Johann Christoph den Hochmut dieser Ferien- und Vergnügungsreisenden gegeißelt, die, wie er schreibt,„an der Schweiz nur die Auswüchse sahen, den Aussatz der Hotels, die Fremdenstädte, allen den Unsinn aus den Ladenfenstern... Nicht- kennen sie vom Leben des Volkes, bei dem sie zu Gaste sind. Sie ahnen nichts von den Schätzen sittlicher Kraft und bürgerlicher Freiheit, die sich seit Jahrhunderten in ihm ausgespeichert haben, nichts von den Kohlen aus der Feuersbrunst eines Calvin und Zwingli, die noch unter der Asche glühn... Nichts von dem Bei- spiel, das diese Vereinigten Staaten der drei Hauptstraßen des Okzidents, dieses Miniaturbild des zukünftigen Europas, der Welt gebe." Es waren allerdings gute Geister, die mich schon an meinem ersten Tag in Zürich gegen mein Programm in ein Museum führten, in dem mir im Fluge eines Vormittags die ganze Schweiz im Bilde, im Schaffen, im Werke gezeigt wurde. Das schweizerische Landesmuseum gibt uns einen hinreißen- den Querschnitt durch die schweizerische Kultur als ganzes. Von den prähistorischen Funden bis zum modernen Kunstgewerbe ist hier die Schweiz als ganzes repräsentiert. Gar nicht kunstgewerblich, sondern eben wirklich das Schaffen, die Entwicklung, die kulturelle Organisation des Landes selbst. Und es ist kein schlechtes Symbol, daß inmitten des Museums, in einem prachtvollen kirchenartigen Zunahme der Kinder Aus zahlreichen Orten Deutschlands wird in der letzten Zeit das Auftreten einzelner Fälle von spinaler Kinderlähmung gemeldet. Viele Eltern, vor allein diejenigen, die sich vielleicht noch der furchtbaren Epidemie aus dein Jahre tW8/l9