Morgenausgabe Nr. 451 A 220 -tS.Iahrgang Wöchemlich 78 PI, monatlich 3,25 M (davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug Z.S7 M. einschließlich 80 Pf. Poilzeiwngs- und 72 Pf. Postdestellge- bllhren. Auslandsabonnement 8,88 M. pto Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucklachenvorto«.88 M Lei Aussall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten aus Erfaß Eis chemungsw eise und Anzeig enpreife stehe am Schluß des redaktionellen Teils. W f Nerlincr volesvlatt Sonnabend 24. September 1932 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Jentralovgan der Sozialdemotrattichen Partei DeutschlauW Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Kernspr.: Dönhoff(A T) 292— 297. Telegramin-Adi.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Derlaa G. m. b. H. BostscheckkoMo: Berlin 37 SZK.— Bankkonto: Bankder Arbeiter. Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3. Dt.B.u.DiSc.-Ges., Depofiienk., Jerujalemer Str. eö<6S Berlin und seine Bezirke. Der Widerstand wächst. Die Arbeiter wehren sich erfolgreich gegen Lohnabbau. ?n der Berliner Meiallindustrie scheint vorläufig der Bedarf an Lohnabbaupleiien gedeckt zu sein. Seil gestern verhalten sich die Airmenleilungen sehr reserviert. An A b- wehrerfolgen sind nur noch drei Zölle nachzutragen: Bei den Deutschen Messingwerken in Biederschöne- weide(Eveking), die rund 400 Arbeiter beschästigen, war ein Abbau der Tariflöhne siir die 31. bis 40. Wochenarbeitsstunde um 20? r o z. angekündigt worden. Rachdem die Belegschaft den Streik gegen diesen Lohnabbau beschlossen hatte, wurde von der Zirma der angekündigte Lohnabbau zurückgezogen. Zn der Gelbmetallwarensabrik Z. hornemann ist das Lohnabbaudekrel der Zirmenleitung, das einen Abbau der Tariflöhne für zehn Arbeitsstunden in der Woche um 50 Proz. verfügte, infolge des energischen Widerslandes der Belegschaft ebenfalls zurückgezogen worden. Die Kabelwerke in Wilhelminenhof, deren Belegschaft zum Kampf gegen den Papenschen Lohnabbau fest entschlossen war, haben nach Verhandlungen mit dem Betriebsrat gleichfalls den Anschlag zurückgezogen, worin sie mit der Begründung, sie Diö R.eicdstagsvaM vom 31. Juli 1932 vernicklet« die Hoffnungen der Hitler-Bewegung, gestützt auf eine erdrückende Mehrheit, zur Macht zu kommen. Zwei Drittel aller Wähler hatten gegen Hitler gestimmt. In blinder Wut und wildem Haß nahmen Hitiersche Bürgerkriegssoldaten Rache an politischen Gegnern, suchten sie in einem wahren Blut rausch Ersatz für ihre Enttäuschungen. In den beiden Wochen nach der Reichstagswahl verübten Nationalsozialisten 53 Bombenanschläge, 39 Feuerüberfälle, 16 Schaufensterstürme.. 8 Tote, 21 Verwundete waren die Opfer. Schreie des Entsetzens und der Empörung gingen durch Deutschland. Die Reichsregierung erließ eine Verordnung gegen den Terror mit schärfsten Strafandrohungen: Todesstrafe für Vernichtung von Menschenleben. Fünf nationalsozialistische Mörder sollten ihre Tat mit ihrem Leben bezahlen. Fünf nationalsozialistische Mörder waren nachts in die Wohnung einer Familie eingebrochen. Fünf nationalsozialistische Mörder hatten, in Gegenwart von Mutter und Bruder, einen Mann aus dem Bett gerissen. Fünf nationalsozialistische Mörder hatten auf den Mann eingeschlagen, ihn mit dem Stiefelabsatz den Kehlkopf zertreten und ihn durch einen Revolverschuß„erledigt". Jeder Mensch war erschüttert davon, daß soviel Bestialität möglich war. Jeder Mensch? Neinl Hitler nicht! Hitler erklärte sich in einem Telegramm mit den fünf nationalsozialistischen Mördern solidarisch und nannte sie„meine Kameraden" Die nationalsozialistische Presse unterschlug ihren Lesern den wahren Hergang der verbrecherischen Tat. Ja, sie verteidigte die nationalsozialistischen Mörder, sie versuchte sogar sie reinzuwaschen und zu Helden umzulügen, die dem . nationalen Volkszorn" entsprechend verdienstvoll gehandelt hätten. Die fünf nationalsozialistischen Mörder sind inzwischen zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt worden. Selbst die gegenwärtige Regierung in Preußen führte nur den formalen Grund, der für die Begnadigung bestimmend war, an, daß die Mörder die Notverordnung nicht kannten. Nationalsozialistische Zeitungen lügen planmäßig, daß die von Nationalsozialisten verübten Gewalttaten nur Akte der Notwehr wären. Die Wahrheit ist. daß von nationalsozialistischen Führern Gewalttaten als..politische Kampfmittel" empfohlen worden sind. Die Wahrheit ist. daß Gewalttaten sich häuften, seitdem die SA.- und SS.-Leute wieder in Uniformen herumlaufen dürfen. Hätten ihre Belegschaft seit dem 15. August von 176 auf 218 Mann erhöht, einen Abbau der Tariflöhne für 10 Stunden pro Woche um 20 Proz. verlangten. Jetzt schwenken auch die Berliner Buchdruckereibesiher in die Lohnabbaufront ein. Heber den Streik bei Elsner haben wir gestern berichtet. Die Buchdruckerei B a h u. G a r l e b in der Bülowslrahe hat gestern. Areilag, der gesamten, ungefähr 200 Köpfe zählenden Selegschast zum nächsten Freitag das Arbeitsverhältnis gekündigt. Die Firma, die seit dem 15. August schon einige Arbeiter eingestellt hat, will noch ungefähr 8 bis 12 Arbeiter einstellen, um von der Berechtigung der Rotverordnung Gebrauch machen zu können, die Tariflöhne für 10 Arbeitsstunden in der Woche um 40 Proz. zu senken. 3n weiteren sechs Firmen des Berliner Buchdruckgewerbes ist den Belegschaften gleichfalls ein Abbau auf Grund der Rotverordnung angekündigt worden; bis gestern abend war jedoch noch nicht bekannt, ob diese Firmen ihren Belegschaften das Arbeitsverhältnis zum nächsten Freitag ebenfalls gekündigt haben. Tsuzsnds von Opfern hat der Hakenkreuzterror schon gefordert: Tote und Verwundete, Verfolgte und Gefangene. Hunderte von Kämpfern der Eisernen F ront sind angeklagt oder verurteilt Viele sitzen schon in Zuchthäusern und Gefängnissen, die sich dem Terror entgegenstellten, die ihr Leben und das ihrer Angehörigen, Freunde und Genossen verteidigten. Aus der Fülle der Fälle sei nur angeführt; In OUau, in Berlin, in Schleswig-Holstein, in Hirschberg, in Breslau sind zahlreiche Kämpfer der Eisernen Front zu schweren Zuchthaus- und Gefängnisstrafen verurteilt worden. Hunderte von Prozessen schweben zur Zeit noch. Diese Kämpfer aus unseren Reihen wären nie ins Gefängnis oder ins Zuchthaus gekommen, wenn es keinen nationalsozialistischen Terror gäbe. Unsere verfolgten und gefangenen Kampfgenossen sind nicht verlassen! Die Angehörigen unserer getöteten und die unserer gefangenen Kampfgenossen werden nicht ihrem Schicksal überlassen! Wir alle müssen, wir alle werden helfen. Wir sind überzeugt davon, daß jeder unserer Genossen und Freunde es als seine Ehrenpflicht betrachten wird, sich an den Hilfsmaßnahmen für unsere Verfolgten und Gefangenen zu beteiligen. Wir sind überzeugt davon, daß über unsere Reihen hinaus jeder menschlich Fühlende ebenfalls helfen wird. Jeder kann heBfen. Auch die bescheidenste Gabe ist willkommen! Geldbeträge sind zu überweisen resp. einzuzahlen auf das Postscheckkonto Nr. 141 528 Berlin der„Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G." Berlin, Depositenkasse Lindenstraße 3, für Konto Nr. 632(„Gefangenen- und Verwundetenhilfe"). Einzahlungen nehmen weiter entgegen: 1. sämtliche Zahlstellen und Filialen obiger Bank, 2. alle sozialdemokratischen Zeitungsexpeditionen und 3. die örtlich bekanntgemachten Hilfsstellen der„Gefangenen und Verwundetenhilfe". Von den Hilfsstellen werden auch Sachspenden(Nahrungsmittel, Kleidung, Bücher) gern entgegengenommen. Der Kasn&ff seilt weiter! Er wird Niehl enden, bevor nkehl die volkaverderb. liehe Hakenkreuzbewegung Uberwunden ist. Er wird nicht enden, bevor nicht die kapitalistische Reaktion der Geschichte angehört. Er wird nicht enden, bevor nicht Jede« Freiheit und Vc7oh Jahr, zu'ell geworden s nd. Keine Macht, keine Opfer we.'d.n das verhindern. „Freiheit" Der Partei vorstand Grundlagen für eine sachliche Oiskujsion über Berliner Verwaltungsreform. 93 einst selbständige Ortschaften, 8 Städte, 59 Land- gemeinden und 27 Gutsbezirke, bilden das neue Berlin, Schon � die äußere Umgrenzung dieser neuen, allmählich gewachse- nen und noch immer wachsenden Wirtschafts- e i n h e i t, die nun zur politischen Einheit werden sollte, bot im Jahre 1929 ganz ungewöhnliche Schwierigkeiten. Doppelt schwierig aber war die Aufgabe, dieses Gebiet wieder aufzugliedern in engere Interessengemeinschaften, in Verwaltungseinheiten, in Bezirke. Ueberall türmten sich die Schranken des historisch Gewordenen auf, nicht nur lokalpatriotische Empfindlidikeiten, sondern auch harte Tatsachen auf dem Gebiete der Bebauung, der Leitungsnetze, des Verkehrs. Und dort, wo man Zusammengehörendes aus Gründen der Parität gliedern, zerreißen mußte, wie im alten Berlin, war der Willkür und dem Zufall mehr Spiel- räum gelassen, als wünschenswert. Auch wenn jetzt Berlin daran geht, zwölfIahre der Erfahrung auszuwerten und eine neue, zweckmäßigere Bezirksgliederung zu schaffen, wird es diese Schranken nicht in unbekümmerter Gründerlaune überspringen können. Nichts leichter als dies: sich ein Wunschbild zu konstruieren, Stätten der Arbeit und Stätten der Siedlung, Fabrikviertel und Wohnquartiere voneinander zu trennen oder Flußläufe und Ausfallstraßen zur Grundlage einer naturgegebenen Auf- gliederung zu machen. Doch hart im Räume stoßen sich die Sachen. Die Aufgabe ist nicht, eine Stadt zu gründen, sondern zusammengewachsene Gemeinden zweckmäßig zu verwalten. Und da kommt man nicht um die Tatsache herum, daß Charlottenburg oder Neukölln auch heute noch Verwaltungseinheiten sind, daß man aus dem alten Berlin nicht beliebige Stücke mit dem Seziermesser herausschneiden kann, ohne eine heillose Verwirrung und riesige Kosten zu veranlassen. Gewiß soll man Verwaltungsfragen nicht aus- schließlich unter dem Gesichtswinkel des K o st e n p u n k t e s sehen. Einfachheit und Zweckmäßigkeit sind im Interesse der Bevölkerung auch dann anzustreben, wenn sie nicht unbedingt Ersparnisse einbringen. Aber wer wollte es verantworten, etwa heute die gesamte Kanalisation Berlins umzubauen! Man wird sich also damit abfinden müssen, die bis- herigen Bezirksgrenzen bis zu einem gewissen Grade als gegeben hinzunehmen, sich im allgemeinen auf Z u s a m- menlegungen zu beschränken und sich zu Zerreißungen nur dort zu entschließen, wo die Bezüge alle Nachteile ein- schließlich der Kosten offenkundig überwiegen. All jene kleinen Regulierungen an Stellen, wo die Launen der alten Ge- markungsgrenzen gar zu närrisch sind, sollten allerdings bei dieser Gelegenheit endlich mit erledigt werden. Einig sollte man sich darin sein, daß die alte Einteilung vom Jahre 1920 zu v i e l e und zu k l e i n e Bezirke geschaffen hat. Hierüber dürften in der Sozialdemokratie, die in der Verwaltung wie auch sonst stets für die größtmögliche Konzentration um des höchsten Nutzeffektes willen eintritt, keine Meinungsverschiedenheiten herrschen. Den Unterbau der Verwaltung der Millionenstadt müssen eine Reihe wirklicher Großstädte bilden. Die Möglichkeiten und Wahrschein- lichkeiten der Siedlungstätigkeit wie der industriellen Eni- Wicklung soll man dabei in Rechnung stellen, aber zugleich bedenken, daß für die absehbare Zeit, in der die Neueinteilung gelten wird, mit einem Millionenstrom von Zuwanderern auch in der Reichshauptstadt nicht zu rechnen ist. Selbstverständlich wird es weiter für die Sozialdemo- kratie fein, daß man an die Frage der Neugliederung nur von einheitlichen großen Gesichtspunkten aus heran- tritt, daß für lokale Eigenbröteleien und partikulariftifche Sonderwünsche dabei kein Platz ist. Ebensowenig dürfen Er- wägungen der W a h l g e o m e t r i e die fachliche Entschei- dung beeinflussen. Wir treten an die Aufgabe heran mit der ausgesprochenen Absicht, eine Reihe von großen Verwaltnngs- gebilden zu schaffen, die in ihrer Leistungsfähigkeit möglichst aufeinander abgestimmt, sind, und bemühen uns dabei, organisch Gewachsenes nicht ohne Rot zu zer- reißen. Alle Pläne und Vorschläge, die diesen beiden Hauptforderungen genügen, können in die Diskussion einbe- zogen werden, und über alle Einzelheiten sollte dann ein sachlicher Meinungsaustausch und eine sachliche Verständigung möglich sein. Eine Fülle der verschiedenartigsten Vorschläge liegt bereits vor. Aus der städtischen Verwaltung heraus, vom Oberpräsidium, vom Polizeipräsidium, in der Presse sind Hilfe unseren Verfolgten und Gefangenen, kbumuicip— nM Nie Partei im Kam Große Kundgebungen in Nord und Süd! die mannigfachsten Lösungsmöglichteiten mit guten Gründen empfohlen worden. Zwei Prinzipien streiten dabei um den Vorrang, jedes von beiden vertretbar: es gilt, entweder Gebilde mit je einem speziellen Aufgabengebiet zu schaffen oder umgekehrt ausgebaute Stadtteile mit aufbaufähigen zu vereinigen, um jedem Bezirk die ganze Mannigfaltigkeit kommunaler Auf- gaben zu schenken. Folgt man dem ersten Prinzip, so legen sich um den Block des alten Berlin als Kern eine Reihe von Großstädten, die teils ganz oder nahezu ausgebaut, teils Siedlungsgebiete mit ausgedehnten Bauterrains, Freiflächen oder Wald- beständen sind. Im z w e i t e n Falle strahlen ohne ein eigent- liches Zentrum von der Mitte aus langgestreckte Bezirke fächerförmig zur Peripherie hin, die in ihrem schmalen zen- tralen Teil ausgebaut, in ihren breiten Randgebieten aus- baufähig sind. Praktisch ergeben sich hierbei wieder eine große Zahl v o n M ö g l i ch k e i t e n. Die radikalste Lösung nach dem ersten Prinzip würde zu nur 5 Bezirken, Alt-Berlin und 4 annähernd gleich großen Außenbezirken führen. Teilt man jeden dieser vier Außenblocks noch einmal auf, so kommt man zu der viel propagierten Neunerzahl. Gliedert man aber nur die kleinsten der jetzigen Außenbezirke, Zehlendorf, Tempel- Hof, Köpenick und Weißensee, einem Nachbarbezirke an, so er- hält man draußen zehn Bezirke. Und wenn man dann noch auch im Innern nur je zwei Alt-Berliner Bezirke kombiniert, so entstehen insgesamt 13 Bezirke. Diesen Weg und diese Zahl schlägt, soweit bisher bekannt geworden ist, das Gut- achten des Stadtrats Dr. H e u e r vor. Auch hier sind natür- lich viele Barianten möglich, je nachdem, ob man außerdem noch gleichartige Bezirke wie Schöneberg und Wilmersdorf zusammenlegen und ob man Bezirke wie Tiergarten und Weißensee als Ganzes erhalten oder zerlegen will. Auch die Frage eines etwaigen Zusammenschlusses von Spandau und Charlottenburg taucht auf. Jede der hier möglichen Lösungen darf für sich in Anspruch nehmen, daß sie die Grundbedin- gungen der gleichen Leistungsfähigkeit aller Bezirke erfüllt. Eben dasselbe gilt von den Lösungen auf Grund des zweiten Prinzips, der radialen Aufteilung der Stadt- gemeinde. Der Vorschlag, den vor Iahren das Oberpräsidium ausgearbeitet hat, versucht einen Kompromiß zwischen den beiden theoretischen Möglichkeiten und zeigt, daß man auch dann zu einer Lösung kommen kann, die mindestens Vis- kutabel ist. Er gliedert: Mitte-Kreuzberg, Tiergarten- Charlottenburg, Wilmersdorf-Zehlendorf, Schöneberg-Steglitz- Tempelhof, Neukölln-Treptow-Köpenick, Friedrichshain- Lichtenberg, Prenzlauer Berg-Weißensee-Pankow, Wedding- Reinickendorf, Spandau. Bei allen Einzelentscheidungen muß natürlich neben den anderen Gesichtspunkten auch die Verkehrsverbin- d u n g innerhalb des Bezirks und zum Verwaltungszentrum des Bezirks berücksichtigt werden. Alles in allem aber sollte man sich grundsätzlich zu einer sehr wesentlichen Ver» ringerung der Zahl der Bezirke entschließen, und die 5?ächstzifer von 10, die im Entwurf der preußischen Re- gierung seinerzeit angegeben war, dürfte ungefähr das Richtige treffen. Ueber die Einzelheiten aber sollten die Sach- kenner recht bald und recht zahlreich diskutieren. Ge- rade wenn die Entscheidung so schnell fallen sollte, wie es jetzt den Anschein hat, erscheint es uns dringend erwünscht, daß nicht nur die Verwaltungsorgane, sondern auch die Oeffentlichkeit, nicht nur die Subjekte, sondern auch die Objekte der Gesetzgebung zu Worte kommen. Da uns der grundsätzliche Standpunkt der Sozialdemokratie gegeben zu sein scheint, sollten sich die parteigenössischen Kenner der Ber- liner Verfassung und Verwaltung gründlich mit dem Vielerlei der Cinzelvorfchläge auseinandersetzen. Möglich, wahrscheinlich sogar, daß auch dann die Wahl schwer sein wird, daß Gründe und Einwände sich bei etlichen Vorschlägen die Waage halten. Aber auch dann wird eine klare Entscheidung nötig sein. Die Sozialdemokratie hat erkannt, daß durch Verfassungsbestimmungen oder Ver- waltungsmaßnahmen die Entwicklung nicht gemeistert werden kann. Sie weiß, daß die Verfassung immer nur der Entwick- lung folgen, vollzogene Wandlungen zum Ausdruck bringen kann. Darum wird auch die neue Bezirkseinteilung kein WerkfürdieEw�gkeit fein, sondern der Ausdruck des gegenwärtigen Zustandes und die Grundlage für die Entwicklung. Das dürfte manchem die Entscheidung leichter machen. Papen wird zeugen. Auch Gayl und Planck werden kommen. Der Vorsitzende des Ueberwachungs-Ausschuss«» des Reichstags hat am Freitag den Reichskanzler, den Reichs» innenmini st er sowie den Staatssekretär der Reichs- kanzlei Planck schriftlich in der Form der Strafprozeßordnung auf- gefordert, am Dienstag als Zeugen vor dem Ausschuß zu erscheinen. Das Ztabinett hat beschlossen, daß die Geladenen mit Ausnahme des in Genf weilenden Reichsaußemnlnisttrs dieser Zeuginladung Folge leisten. Im iibrigen aber halten sie an ihrer Auffassung fest, daß die Mitglieder der Regierung im Sinne der politischen Vertretung erst dann in den Ausschüssen wieder erscheinen werden, wenn sowohl der Reichstagspräsident wie auch die Ausschüsse selbst sich auf den Stand- punkt stellen, daß die in der letzten Reichetagssitzung erfolgte Ab» stimmung rechtsunwirksam sei. Zorn» wieder im Amt. Nach längerer Unterbrechung trat Reich»anwalt Jörne zum ersten Male wieder öffentlich als Vertreter der Reichsanwaltschaft in der Sitzung des 1. Straf- fenat» des Reichsgericht» auf. Jörns war im Zusammenhang mit seinem Prozeß beurlaubt worden, konnte ober seit längerer Zeit schon wieder inneren Dienst tun. Daß dieser Mann wieder als Rcichsanwalt amtieren kann, ist auch ein Zeichen der Zeit! Votschaflerschub. Di« angekündigten Ernennungen von choesch als Botschafter in London, Roland Köster in Paris, von Hassel in Rom werden jetzt amtlich bekanntgegeben, Mit sieben großen Versammlungen, in denen u. a. die Genossen Dr. Schumacher, Toni Sender, Fleißner und Dobbeck sprachen, eröffnete die Dresdener Sozialdemokratie den Mahl- kämpf. Ueberall wurde das Gelöbnis abgegeben, dem Faschismus in Deutschland seine erste Niederlage zu bereiten. Zm velodrom zu Nürnberg versammelten sich viele hunderte Parteigenossen, um den Bericht des italienischen Genossen Wolf- gong Dolenz über die Untaten des Faschismus entgegen- zunehmen. Die Versammlung, die tief unter dem Eindruck des Gehörten stand, eröffnete den neuen Kampf gegen den Faschismus in Deutschland. Zn Saarbrücken sprach in einer grohm Kundgebung der Eisernen Front Genosse Max Braun scharf gegen die Spaltungstendenzen der Kommunisten, welche immer auf» neue die Arbeiter- klaffe in ihrem Kampfe gegen die Gewaltpolitik von rechts schwäche». Die Parteifunktionäre in Bremen schlugen einstimmig wieder den Genossen F a n st als Spitzenkandidat des Bezirkes vor. Die Chemnitzer Sozialdemokratie eröffnete den Wahlkamps mit einer großen Kundgebung im proletarischen Sonnebergoiertel. Die Genossen U h l i g und p e t r i ch fanden mit ihrer Kritik der Tlaziumfälle stürmischen Beifall. Ebenso kampsbegeistert verliefen die Kundgebungen in der Rheinlandhalle in Köln, wo Genosse hilserding gegen die Braunschweig. 23. September.(Eigenbericht.) Am Freitag erschien in der Redaktion des„Volks- freund" in Braunschweig ein Gerichtsvollzieher in Be- gleitung von zwei Schugpolizeibeamten, die einen Be- schluß der 4. Zivilkammer des Landgerichts Braunschweig vorlegten, nach dem dem„Volksfreund" bei Androhung einer Strafe von 500 Mark für jeden Fall der Zuwiderhandlung untersagt wird, in Zukunft noch Schreiben oder Geheimbefehle des braunschweigtschen Sturmführers Rechtsanwalt A l p e r s und des zweiten Sturmbanns zu veröffentlichen. Als Bevollmächtigte des Sturmfllhrers kamen der Bürovorsteher und ein Mann des Stabes mit Namen Buff, von dem die Polizei ver- mutet, daß er an den letzten Bombenattentaten in Braunschweig beteiligt war. Trotz des Protestes des Abgeordneten Thiele- mann durchsuchten sie auch seinen Schreibtisch und sein Zimmer. Gegen den � Beschluß werden alle Rechtsmittel eingelegt. Die Durchsuchung war völlig ergebnislos. In seiner neuen Nummer kündigt der„Volksfreund" an, daß er nun dazu übergehen werde, in regelmäßigen Abständen G e- Heimdokumente des Braunen Hauses in München abzudrucken. Er beginnt am Sonnabend mit einem Befehl de» Hauptmanns Röhm, der die Zusammenfassung der gesamten SA. vor der ersten Reichspräsidentenwahl anordnete. Es kracht in den Stürmen. Die SA. in Zersetzung. Köln, 23. September.(Eigenbericht.) In verschiedenen Städten des Rheinlandes kracht es bei den Nazi» merklich. Erst vor kurzem sind in Köln zwei SA.» Stürme ausgelöst worden. Jetzt kommen au» dem Ober- bergischen Meldungen von Austritten aus den nationalsozialistischen Stürmen. So wurde der Sturm in einem Orte bei Gummersbach infolge mehrerer Austritt so schwach, daß sein Rest dem Sturm in einem anderen Ort angegliedert werden mußte. In der Nazi-Hoch- bürg Waldbröl hat der größte Teil der SA.- Mannen der Hitler-Partei ebenfalls den Rücken gekehrt. Schlimm sieht es besonders auch in B o n n aus, das schon immer da» Schmerzenskind der Nazis im Rheinland gewesen ist. Auch dort haben die ehrlichen Elemente die SA. und SS. bereits in großer Zahl verlassen. Gegenseitige Denunziationen usw. sind an der Tagesordnung. Sie zeugen von dem„echten Kamerad- schaftsgeist", der die SA.-Leute angeblich beseelt. Das Menschen- Material, daß jetzt noch in den„Stürmen" vorhanden ist, ist so minderwertig, daß zu ihrer Reinigung eigens ein starker Mann aus Aachen nach Bonn geschickt wurde. In Beuel bei Bonn ist inzwischen festgestellt worden, daß sich «in früherer Separatist, der zurzeit des Separatismus im Rhein- land französischer Staatsbürger geworden ist und es heute noch ist, als eifriges Mitglied der SÄ. betätigt. Glück auf den Weg. Aus der Naturgeschichte eines„Aekehrten'. Zur Vervollständigung des Eharakterbilbes jenes n e u g e- backen«» Nazijüngers Hermann Wächter, Mannheim, von dem der„Vorwärts" vom 23. September 1932 schon berichtete, schreibt uns ein Berliner Parteigenosse: Der„Tippelbruder" Hennann Wächter war im Frühjahr d. I. auch in Berlin. Dort suchte er zunächst unsere P a r t e i b e- triebe auf. Er verstand da» Schnorren meisterlich, gab sich als „alter Parteigenosse auf der Durchreise" au». Mancher von den sogenannten„Bonzen" hat ihm einen blanken Fünfziger gegeben. Ja, die„Bonzen von Berlin" können ihn gar nicht schlecht versorgt haben, sonst wäre er nicht wochenlang In unserem Ge- werkschastshaue geblieben. Lustiges Ganovenstück. Zm Theater am Schiffbauer-Oamm. „Kolonne Immergrün", bestehend aus: Scheitelkarl, Autojustav, Rosenfrieda und vielen anderen, von Hans Brennert auf berlinisch toldomert, verübt Einbruch erst in eine Großbank und dann ins goldene Herz des Publikums. Harald Paulsen und Ilse Trautjchold standen erfolgreich Schmiere K.Br. Diensie sprach, die die Kommunisken der Reaktion gelejstek haben. und in Sie Hin. wo Genosse Schumann die Schwächen und Rückzüge der Nationalsozialisten seil dem 31. 3uli geißelte. Bracht löst auf. Erklärung des Reichsbanners gegen die Auflösung von Ortsgruppen. Der stellvertretende Reichskommissar für Preußen. Ober- b ll r g e r m e i st e r Dr. Bracht, hat in den letzten Tagen die Ortsgruppe Richtenberg in Vorpommern und nach Presse- Meldungen auch die Ortsgruppe O h l a u des„Reichsbannners Schwarz-Rot-Gold" aufgelöst. Der Bundesvorstand des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold ist der Ansicht, daß die Auflösungsbegründungen absolut nicht ausreichen, um den Schritt des Oberbürgermeisters Dr. Bracht zu rechtfertigen. Das Reichsbanner wird daher unter Einlegung aller Rechtsmittel gegen die Auflösungs- Verfügungen des Oberbürgermeisters Dr. Bracht vorgehen. 1 Die Bundesleitung wird die betreffenden Gau« der aufgelösten Ortsvereine anweisen, alsbald an die Neugründung von Ortsgruppen des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold in den be- trossenen Orten heranzugehen. Wächter kam eines Tages zu mir und bot sich sehr aufdringlich — ich ging damals stempeln und oertrieb an den Abenden Partei- literatur— als Helfer an. Er verstand zu reden. Als ich mir feine Mitgliedsbücher zeigen ließ— es waren nur eine Seite schwarze Marken drin, im Reichsbanner hatte er ordnungs- mäßig überhaupt nur für zwei Monate Marken geklebt—, tat er sogar beleidigt. Weil er mir aber vorredete, er wäre ein Märtyrer der Bewegung— die Kommunisten wollten ihn„aus- heben", gab er'an—, bekam ich wieder Mitleid. Wächter hat meine Gutmütigkeit ganz gemein mißbraucht. Eines Tages ist er mir in einer Versammlung mit meinen Broschüren und Zeitschriften im Werte von 17 M. durchge- branntl Möchten sich nur recht bald alle unanständigen Kerls in der Partei des' sozialen Verrats konzentrieren, die jetzt jubelt. einen Wächter als Mitglied gewonnen zu haben. R. W. Sie Herfen wieder! Die„Aufrechten" wieder auferstanden. Wie der„Vorwärts" bereit» mitteiste, ist von der kommisiaki» schen Regierung gestattet worden, daß der„Bund der Auf- rechten" seine verdienstvolle Tätigkeit um die Gesundung der Nation wieder aufnehmen kann, nachdem sie ihm zehn Jahre lang verboten war. Wer dieser„Bund der Aufrechten" war und ist, geht nicht ollein aus der Liste der Mitglieder, sondern auch aus den Beröffent- lichungen seines Organs„Der Aufrechte" hervor, als er noch in der Sünden Maienblüte stand. Dies Organ schrieb in seiner Nummer 34 vom 21. August 1921 mit Bezug auf die damals in der Regierung der Republik sitzenden Männer: „Statt an der Laterne zu baumeln, leben jene Gauner und Verbrecher herrlich und in Freuden, während der anständig« Mann in dieser Republik, dem Paradiese der Erpresser und Schieber, stöhnend um sein Dasein ringen muß." Das stand, wie gesagt, am 21. August im Organ des„Bundes der Aufrechten". Am 26. August 1921 aber, nur fünf Tage später, streckten im Schwarzwald die Schüsse der Schulz und Tillesen den früheren Reichsminister Erzberger nieder! Es war höchste Zeit, daß ein solcher Bund, der so hervorragend die Stimmung der Ministermörder„vorausahnt", feine segensreiche Tätigkeit für die Nation wieder aufnehmen darf... l Lefestube im Landtag. Abgeordnete benehmen sich wie Schulbuben. Der P r e u ß i s ch e L a n d t a g hat sich am Freitag auf unbestimmte Zeit vertagt. Der Präsident ist ermächtigt, von sich aus das Haus wieder einzuberufen, jedoch möglichst nicht vor Beendigung der Reichstagswahlen. Vor Beendigung der Tagung beschlossen die„aufbau- willigen Kräfte" und die Kommunisten, daß die preußischen Gemeindewahlen, die an sich erst 1934 Mig sind, bereits am 6. November mit den Reichstagswahlen vorgenommen werden sollen. Dieser Beschluß wird kaum rechtswirksam werden, da ihm der preußische Staatsrat widersprechen wird und er dann zu seiner Verabschiedung im Landtagsplenum eine Zweidrittel- Mehrheit benötigt, die nicht zu erwarten ist. Die Vertagung des Landtags auf unbestimmte Zeit laßt im übrigen den Schluß zu, daß die Bestrebungen der Na- tionalsozialisten, s ch n e l l st e n s einen Ministerpriisi- d e n t e n zu wählen, vorläufig als gescheitert zu betrachten sind. In den letzten Tagen haben darüber zwischen Zentrum und Nationalsozialisten wieder eingehende Besprechungen stattgefunden. In den letzten Sitzungen hatten die Nazis eine neue Technik norobl, um ihre, parlamentarische Legalität" zu beweisen. Wenn sie einen Redner nicht zu Worte kommen lassen wollten, dann setzten sich einige Dutzend von ihnen mit dem Rücken zum Präsidententisch, damit der Präsident sie nicht erkennen konnte, und begannen, sich aus Z e i t u n- gen laut vorzulesen. Dadurch wurde der Lärm— verstärkt durch brüllende Zurufe der übrigen Hakenkreuzler— so stark, daß der Redner sich nicht verständlich machen konnte. Furcht vor der Oeffentlichkeit. Aazis lassen die Veröffentlichung ihrer„Geheimbesehle" verbieten. Die undankbaren Brüder. Oer deutschnationale Atu< Steuer wurde von den Ziazis niedergebrüllt und �Zudenjunge" tituliert. O Harzburg, o Harzburg, du wunderschöne Stadt! Neurath trumpft in Genf auf. Aber hinter den Kulissen wird eisrig verhandelt. Gens, 23. September.(Eigenbericht.) Die Leitung der deutschen Außenpolitik versucht auch in Genf den Anschein zu erwecken, als sei Deutschlands Position die stärkere und als müßte das Fernbleiben von der Abrüstungskonferenz die anderen Mächte zur Anerkennung der Gleichberechtigung z w i n- gen, um Deutschlands unentbehrliche Mitarbeit wiederzuerlangen. In der Tat beschränkt sich die Taktik des Reichsaußenministers zu- nächst nach außen hin auf Abwarten. Er entwickelte heute der deutschen Presse nochmals, daß die deutsche Regierung nach ihrem mißglückten Verständigungsversuch in Paris nunmehr warten müsse, bis die anderen zu ihr kämen. Weder die theoretische Anerkennung der Gleichberechtigung, noch eine Aenderung der Prozedur ln den Verhandlungen des Lüros durch soforlige Znangriffnahme der politischen(fragen könne an Deutschlands Haltung etwas ändern. Ohne volle An- erkennung der Gleichberechtigung komme eine Rückkehr zur Teilnahme an den Bürosihungen nicht in Frage. Indessen haben schon die Verhandlungen über die Grundlage für diese Rückkehr eingesegt. Der englisch« Außenminilter..Sir John Simon hat Herrn von Neurath heute einen anderhalb- stündigen Besuch abgestattet, der, entgegen allen Verlautbarungen, sehr erwünscht war. Trotz des Stillschweigens, das über diese Verhandlung gebreitet wird, erfahrt man, daß dabei das gesamte Gebiet der praktisch durchführbaren Wrüstung durchge- sprachen wurde. Von beiden Seiten wurden angeblich noch keine bestimmten Vorschläge gemacht. Sir Zahn Simon hat aber seinen Plan einer Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung ohne das Recht der Ausrüstung aus- sührlich dargelegt. Eine Fortsetzung der Aussprache wurde noch nicht verabredet, weil Simon das Ergebnis dieser Beratung mit dem französischen Kriegs- minister Paul Boncour besprechen wird, ehe er weiter mit Neurath verhandelt. So dürste der deutsche Einspruch doch wieder zu einem handelsobjekt werden. In diesem Zusammenhang ist es sehr interessant, daß Litwinows Ankündigung im Büro, Deutschland werde wieder an den Beratungen teilnehmen, wenn das Büro beschließe, die Rüstungen allgemein um ein Drittel herabzusetzen, jetzt eine besondere Beleuchtung erfährt. In Berlin hat der Reichsaußenminister mit Litwinow über die Abrüstung verhandelt, ehe dieser nach Genf fuhr. Wenn auch jetzt in Gens betont wird, Litwinows Ankündigung sei nicht der Lage entsprechend und genüge nicht, um Deutschland zur Rückkehr in die Bürositzungen zu veranlassen, so kann das doch nicht über die Sicherheit hinwegtäuschen, mit der Litwinow diese An- kündigung aussprach. Es ist vielmehr wahrscheinlich, daß die Reichsregierung sich in ihrer isolierten Lage trotz ihres betonten Glaubens an die stärkere Position Litwinows bedient hat als Vermittlsr einer Andeutung, die den Weg zurück vielleicht ebnen Helsen könnte. Nach den Ersahrungen von Lausonne kann man bei dieser Regierung voraussehen, daß sie später selbst wieder mit ihren Dorschlägen für die eigene Rückkehr herauskommen wird. Spiel mii Worten. Auf die Tatfachen kommt es an! Der„Sozialdemokratische Pressedienst" schreibt: Immer noch werden die Enthüllungen von Otto wel« über Hitler in der Presse erörtert. Merkwürdig nur. daß die. die e» angeht. Nationalsozialisten und Zentrum, weiter schweigen, während Anberusene die Richtigkeit der Enthüllungen von Otto Wels zun« Teil bestreiten bzw. als nicht ganz den Talsachen entsprechend be- zeichnen. Wir betonen demgegenüber, daß Otto Wels an seinen Behauptungen fest hält und sie durch kein De- menti, von welcher Seile es auch kommen mag, erschüttert werdcn können. Da, gilt auch von dem Dementi, das am Freitag vom Reichs- wehrministerlum ausging und in dem der versuch gemacht wird. die Feststellungen des sozioldemokrallschen Partelsührers über einen Besuch Strahers bei Schleicher als falsch hinzustellen. Wel« hatte zu diesem Besuch In der Berliner Sportpalost-versamm- lung ausgesührt, daß Slraßer Herrn von Schleicher gebeten Halle, seinem Freund Hitler die Unmöglichkeit seiner Kanzlerschaft klarzu- machen. Da» Reichswehrministerium sagt dazu: „Gregor Straßer hat den Reichswehrmini st er von Schleicher niemal» aufgesucht. Damit entfallen alle Folgerungen, die an diese» Gerücht geknüpft worden sind." Do» ist der versuch, eine positive Behauptung mit Redensarten au« der Welt zu schassen. Es kommt nicht darauf an. ob Herr Straßer Herrn Schleicher„aus gesucht" hol oder Herr Schleicher Herrn Slraßer. Da« wesentliche tsl auch nicht, wo die Be- sprechung slaltgesunden hat und wie ee zu ihr kam. sondern daß sie st altgesunden hat, und daß sie abgehalten wurde, wird in den Dementi» de» Wehrministeriums nicht bestrillen, weil e» nicht best ritten werden kann. Won dementiert ledigl'ch, daß Herr Slraßer Herrn Schleicher„aufgesucht" hat, eine Zormali- tat, die nicht im geringsten gegen den kern der Behauptung von Otto Wel« spricht und insofern für die Sache selbst ohne jede Bedeutung ist. So sicher Herr Schleicher gegenwärlig Reichs- wehrmin'ster ist, so sicher hat auch die Besprechung mit Straßer staltgcsnnden. Allerdings nichl unter vier Augen, sondern in Gegcn- war« de» christlichen Gewerkschoslssührers 3 m b u s ch. der sich in Begleitung von Straßer befand. Uebrigen» hat sich der frühere Reichsarbeitsminister Dr. Sieger- wald am Freitag gegenüber Vertretern der Zentrumspresse über „Da» Ziel des wahlkampfes" geäußert und dabei auch Ausführungen über Siyn und Zweck der Koalitionsgespräche des Zentrums mit den Ratlonalsozlalislen gemach». Stegerwald war an diesen Gesprächen maßgebend beteiligt: er weiß also, was zwischen Zentrum und Rationalsozialisten in den letzten Wochen vor- gegangen ist. wenn er dennoch aas die Enthüllungen von Otto Wels im Berliner Sportpalast nicht mit einem Wort ein- gegangen i st. so ist das der beste Beweis dafür, daß die Fest- slellungen von Wels in jedem Punkt der Wahrhell entsprechen und nicht dementiert werden können, klebrigen» eine Feststellung, die in maßgebenden Zentrumskreisen nicht bestritten, sondern aus- drücklich bestätigt wird._ Eine Enie ohne Beine. Hitlers Leiborgan laßt sich anschwindeln. Das Münchener Hitler-Blatt hat sich eine Ente ausgebrütet. von der man nicht einmal sagen kann, daß sie kurze Beine hat— sie kann überhaupt nicht laufen. Es läßt sich„von einem jüngeren deutschen Sozialdemokraten" einen Brief über„tiesgehende Diff«- renzen" in unserer Partei schreiben, die er im Bezirksvorstand Groß-Berlin erlebt haben will. Er behauptet, dieser Bezirksvorstand Groß-Betlin bestünde aus 373 Mitgliedern,(I) die mit 258 gegen 17 Stimmen ein Mißtrauensvotum gegen den Parteioorstand angenommen und den sofortigen Rücktritt von Wels, Hilferding, Breit- scheid und Stelling gefordert hätten. Dann wird der att« Schwindel wieder ausgetischt, daß Leipart und Aushäuser mit der Regierung Popen kuhhandelten: auch Verhandlungen mit Schleicher seien schon weit fortgeschritten. Ausschlaggebend für diese Haltung der Gewerk- schasten sei ihre katastrophale Finanzlage, nachdem sie den letzten Wahlkamps der Sozialdemokratie mit der Riesensumme von über drei Millionen Mark finanziert hätten. Andererseits beziehe das Parteioorstandsmitglied Stelling ein Monatseinkommen von über 3000 M., ohne jedoch auch nur die geringste Zuwendung an Partei- kreis« zu machen. In gleicher Weise wird dann auch die Leitung des Reichsbanners verdächtigt, daß sie im stillen den Papen-Kurs unterstütze. Schließlich wird noch dem Parteivorstand unterstellt, daß er in aller Stille ein Ausschlußversahren gegen die Opposition eingeleitet habe, dem u. a. der Abgeordnete Seger, Major Hauff vom Reichsbanner und der Vorsitzende Ollenhauer von der SAI. zum Opfer fallen sollen. Wenn schon gelogen werden soll, muß es doch etwas schlauer angestellt werden. Der erweitertes!) Bezirksvorstand Groß-Berlin besteht nämlich aus 31 Mitgliedern und nicht aus 37S(!), er hat niemals eine Resolution gegen Wels und Genossen angenommen. Die Parteivorstandsmitglieder wären sicher sehr froh, wenn sie nur die Hälfte des für Stelling angegebenen Monatseinkommens hätten. Wer das intim freundschaftliche Verhältnis der Genossen Ollenhauer, Seger u. a. zu sämtlichen Mitgliedern des Parteivor- standes kennt, wird auch über die Albernheit lachen von dem an- geblichen Ausschlußverfahren! ganz abgesehen davon, daß Major Haus niemals Mitglied der Sozialdemokratie, sondern Staats- parteiler war. So verhält es sich mit allen Angaben des inter- essanten Briefes. Genosse Aufhäuser wird sich besonders freuen, von seinen Verhandlungen mit Papen zu erfahren und die gleiche Ueberraschung dürste Herrn Schleicher bei diesen„Enthüllungen" befallen. Das ganze ist offenbar erfunden, um die wild aufbegehrenden SA.-Leute, die wütend sind über die dauernden Umsälle ihrer Partei- leitung, mit Märchen über die Sozialdemokraten abzulenken. Aber so dumm hätte man es deshalb doch nicht anstellen brauchen, und wir verstehen, daß der„Völkische Beobachter" den Namen des kuriosen Briefschreibers sorgsam verschweigt. Macdonald-Block vor dem Ende? Samuel-Libsrale und Gnowden verlassen das Kadinett. London, 23. September.(Eigenbericht.) Ter Austritt Sir Herbert Samuels, Archibald Sinelairs und vier weiterer Minister der liberalen Gruppe Samuel sowie auch Snowdens, aus der National regier» n g, gilt jetzt als sicher. Macdonald ist bereits von der Absicht des Rücktritts informiert. Offiziell soll der Rücktritt jedoch erst nach der Kabinettssitzung vom 28. September erfolgen. Als Nachfolger der ausscheidenden Minister werden Konservative genannt. -i- Dies« seit Tagen in der Luft liegende Kabinettskrise ist in erster Linie eine Folge der schutzzöllnerischen Beschlüsse der Reichskonferenz von Ottawa, die weit über das hinausgehen, was die„prin- zipiellen" FreihäM« wie Snowdsn und Herbert Samuel an Abweichungen von ihren Grundsätzen zugestehen wollten. Es bleibt abzuwarten, welche Folgen das Ausscheiden einer wichtigen Gruppe aus der„nationalen Regierung" Macdonalds noch sich ziehen wird. Das Kabinett ist vor Jahresfrist unter der Boraus- setzung gebildet worden, daß die Liberalen auf lange Sicht mit den Konservativen in einer Koalition zusammenarbeiten. Der Zerfall dieser Koalition würde unter Umständen auch baldig« Neuwahlen zur Folge hoben. Minifierium Hansion. Das neue Kabinett in Schweden. Stockholm, 23. September.(Eigenbericht.) Tie Ministerliste des sozialdemokratischen Kabinetts ist soeben fertigestellt. Die Regierung wird geführt von Per Albin Hausson. Ihm gehören weiter an als Außenminister T a nd l e r, Finanzminister W i g so r, Innenminister Möller, Justizminister S ch l i p e r, Landwirtschaft S k ö l, Verkehr Leo, Handel E g m a n n, Kultusminister E n g b e r g, Verteidigung Wennerssen. Außerdem sind zwei Minister ohne Portefeuille» dar- unter der früher« Außenminister U n d e n, bestellt. Büllötl fäjv dm FaßtM/ici - REIFEN 2?� �. . vrrisisyL ' MM vi-■ c.'.".'??.. ,... / Jypejle)u�' Massenentlassungen bei der AEG. Ist das„Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheit?" Namhafte industrielle Unternehmungen scheinen den gemäßigten Wirtschaftsoptimismus des Herrn von Papen keineswegs zu teilen. So werden beispielsweise die Massenentlassungen bei der AEG. unbeirrt fortgesetzt eine Maßnahme, die offenbar auf eine reichlich pessimistische Beurteilung der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung zurückzuführen ist. Mitte September sind bei der AEG. etwa weitere 6<)<) Ange st eilten- Kündigungen zu nächstzulässigen Terminen ausgesprochen worden, nachdem in der Zeit vom 1. August 1931 bis zum 1. August 1932 schon eine bedeutsame Verminderung der Belegschaftszisfern Platz gegriffen hat. In dem angegebenen Zeitraum hat die AEG. ihre Angestellten-Belegschaft von 10 600 aus 6000, also um 4600 vermindert, das ist um 43,S Proz.! In diesen Zahlen sind nicht enthalten die Kündigungen, die zum Ultimo Oktober bzw. Ultimo Dezember wirksam werden und schon früher ausgesprochen wurden. In dem gleichen Zeitraum ist die Arbeiter-Belegschaft von 17 699 aus 9999 zusammengeschrumpft,, also um 8699, das sind 48,7S Proz. Die jetzt neu ausgesprochenen Massenentlassungen von Arbeitern und Ange st eilten verschärfen diese an sich ungünstigen Ver- Hältnisse noch bedeutend. Nach den Eintragungen im Handelsregister gab es bei der AEG. am 1. August 1932 drei ordentliche und zehn stellvertretende, also insgesamt 13 Vorstandsmitglieder und 136 Prokuristen und Direktoren. Zu dem gleichen Zeitpunkt des Vorjahres weist das Handelsregister 13 Vorstandsmitglieder und 142 Prokuristen und Direktoren auf, so daß dem Grundsag der„Vermehrung und Erhaltung der Arbeits- gelegenheit" bei dieser Kategorie von Angestellten fast hundert- prozentig Rechnung getragen wurde. Diese Tatsache muß von den Tausenden von arbeitslos gewordenen Arbeitern und Angestellten der AEG. geradezu als eine Provokation empfunden werden. Ein besonderes Kapitel bilden die Ausgaben der AEG. für Pensionierung leitender Persönlichkeiten und deren Hinter» bliebenen. Bisher ist die AEG. dem hartnäckig immer wieder aus- tauchenden Gerücht, daß die W i t w e des verstorbenen Geheimrats Deutsch eine Zahrespension von 300 000 M. bezieht, niemals entgegengetreten. In den letzten vier bis fünf Iahren sind mehrere Vorstandsmitglieder verstorben oder aus der AEG. ausgeschieden. Wenn sie oder ihre Angehörigen ähnliche Bezüge erhalten, so begreift man, warum die AEG. T a u s e n d e von Arbeitern und Ange st eilten brotlos machen mußte. Es sollen Verträge vorliegen, die für die AEG. rechtsverbindlich sind, so daß sie angeblich an diesen Bezügen nichts zu ändern vermag. Sind solche Verträge aber angesichts der ungeheuren Not nicht als sittenwidrig zu bezeichnen, und war es nicht geradezu ein Verbrechen, solche Verträge überhaupt abzuschließen? Verständlich wird allerdings, warum die Herren Direktoren mit solchen Verträgen in der Tasche Gegner des Kündigungs- schuhgesetzes für ältere Angestellte sind. Mit solchen Sicherheiten ist man auf diese sozialen Einrich- tungen freilich nicht angewiesen. Im übrigen beschränken sich die in den letzten Iahren ausgeschiedenen und pensionierten Vorstands- Mitglieder nicht darauf, ihre zweifellos ausreichende Pension zu ver- zehren, vielmehr sind die Herren Peierls, Pfeiffer, Hirsch- b e r g usw. auch heute noch in Prunkzimmern des Verwaltungs- gebäudes entweder für die AEG. selbst oder für eine ihrer zahl- reichen Tochtergesellschaften tätig. Dabei darf man angesichts der bisher von diesen Herren an den Tag gelegten Bescheidenheit wohl nicht annehmen, daß es sich um eine rein ehrenamtliche Tätig- keit handelt. Es handelt sich um Herren, die fast durchweg das 69. Lebensjahr weit überschritten haben, während bei den„kleinen" Arbeitern und Angestellten die Leistungsfähigkeit bereits bei einem Lebensalter von 43 Jahren als wesentlich vermindert gilt. Es er- scheint durchaus nicht als ausgeschlossen, daß demnächst sich die AEG. als notleidender Betrieb deklariert, um die für diesen Fall in der Notoerordnung vorgesehenen Kürzun- gen der Tariflöhne und Gehälter der Arbeiter und Angestellten durch- zuführen. Schon deshalb ist es notwendig, diese skandalösen Zustände in die Öffentlichkeit zu bringen. Die Arbeiter und Angestellten müssen aus diesen Erscheinungen die richtigen politischen und gewerkschast- lichen Schlußfolgerungen ziehen. Auch die Großbanken entlassen. Die Deutsche Bank- und Disconto-Gesellschaft kündigt an, daß sie 299 Angestellte entlassen müsse. Diese Entlassungen könnten nur vermieden werden, wenn die Ar- bcitszeit aus 44 Stunden herabgesetzt und gleichzeitig aber die Ge- hälter um 4 Proz. gekürzt würden. Von einer Kürzung des immer noch stark übersetzten Leitungsapparats ist keine Rede. Und doch könnte hier ein verhältnismäßig geringer Abbau die Gehaltskürzung überflüssig machen. Man muß sich fragen, ob die Subventionen an die Banken gegeben worden sind, um die hohen Direktionsgehälter bei- zubehalten und Massenentlassungen von Angestellten vorzunehmen. Man muß sich auch sragen, ob der Staat diese Subventionen gegeben hat, damit die Banken das Programm der Reichsregierung der Erhaltung und Vermehrung von Arbeitsgelegenheit sabotieren. Auch die Commerzbank will 199 Angestellte in der Zentrale entlassen und etwa 69 in den Berliner Depositenkassen. Außerdem sollen etwa 23 Angestellte p e n- s i o n i e r t werden. Was oben von der OO-Bank gesagt worden ist, gilt auch für die Commerzbank. Schleicher wie Gchäffer. Arbeiterorganisationen sind unerwünscht. Der neue Regierungskurs in Deutschland zeitlgt immer schönere Blüten. So hat jetzt das Reichs w ehr niini st erium Tarifverhandlungen mit dem Deutschen Land- arbeiter- Verband abgelehnt. Der Deutsche Landarbeiter-Verband stand mit den staatlichen Remonteämtern Ferdinandshos und Neuhof-Treptow in der Provinz Pommern, die dem Reichswehrministcrium unter- stellt sind, seit über einem Jahrzehnt im Tarifverhältnis. Die Ver- Handlungen über die jeweiligen Neuabschlüsse fanden immer direkt mit den Verwaltungen der beiden Remonteämtern statt und führten stets zu einer Verständigung. Jetzt haben die Verwaltungen der Remonteämter die Tarifverträge mit der Erklärung gekündigt, daß sie Mitglieder des Pommerschen Landbundes ge- worden sind und Verhandlungen über den Neuabschluß der Tarif- vertrüge nur mit dieser Organisation zu führen gedenken. Der Deutsche Landarbeiter-Verband hat daraufhin das Reichs- Wehrministerium auf die tariffeindliche Einstellung des Pommerschen Landbundcs hingewiesen, die dazu führte, daß in der Provinz Pommern fast alle bestehenden Tarife Zwangsverträge sind, und geben die Verwaltungen der Remonteämter Ferdinandshof und Neuhof-Treptow anzuweisen, die Verhandlungen über den Neu- abschluh eines Tarifvertrages auch in diesem Jahr wieder direkt mit dem Deutschen Landarbeiter-Verband zu führen, oder aber im Ministerium selbst Verhandlungen anzusetzen. Das Reichswehr- Ministerium hat darauf wie folgt geantwortet: „Auf das Schreiben vom 29. August 1932 teile ich mit, daß die Remonteämter Ferdinandshof und Neuhof-Treptow Mitglieder des Pommerschen Landbundes geworden sind, und daß nunmehr die vom Landbund abgeschlossenen Tarifverträge auch für die genannten Remonteämter ohne weiteres Anwendung finden. Verhandlungen über Tarifverträge kommen daher für die genannten Remonteämter oder für mich nicht mehr in Frage." Mit diesem Bescheid deckt das Reichswehrministerium das Ver- halten der genannten Remonteämter. Das Reichswehrministerium heißt also die reaktionär« und tarifseindliche Einstellung des Pom- merschen Landbundes gut und legt auf den Verkehr mit einer völlig selbständigen und von den Unternehmern absolut u n a b- h ä n g i g c n Arbeiterorganisation, wie der Deutsche Landarbeiter- Verband eine ist, keinen Wert. Aber wenn der Reichsarbeits- minister die Gelben empfängt und sogar zu sich bittet, kann man vom Reichswehrminister nichts anderes erwarten. Diese arbeiter- feindliche Haltung kann sich noch bitter rächen Reeder sabotieren Papen. Aber die Prämien möchten sie einstecken. Der Verband deutscher Reeder hat endlich seine Vorschläge sür die Erneuerung des Mantel- und Heuer- tarifes den Arbeiterorganisationen bekanntgegeben. Während für die Fahrgast- und Frachtschiffe der großen Linienfahrt eine Ver- längerung der jetzt geltenden Heuersätze um 2 Monate vor- geschlagen wird, werden für die Große Trampfahrt, serner die gesamte Mittlere und Kleine Fahrt außerordentlich weit- gehende Abbouwünsche vorgetragen, die noch dadurch ver- schärft werden, daß in der Einteilung der Fahrtgrenzen und Schiffs- grüßen grundlegende Aenderungen gefordert werden. Die Abbau- forderungen gehen zum Teil bis zu mehr als 49 Proz. Dazu lämen dann noch Verschlechterungen insolge Aenderung der Fahrtgebiete. Der Manteltorif soll für alle Schiffe, also auch für die Große Linienfahrt gelten. In ihm sollen vor allem die Zu- schlüge zur Tarisheuer, auf Motorschiffen, in der Auslandsbafis- sahrt und nach 1>3 jähriger Abwesenheit vom deutschen Hafen wegfallen. Die Arbeitszeiten sollen wesentlich ver- längert, die Besatzungsstärk« weiter verringert werden. Dieser Teil der Forderungen dürste auch außerhalb der see- fahrenden Bevölkerung aus scharfen Widerspruch stoßen, weil er in j striktem Gegensatz zu der Absicht der Reichs- regierung steht, die bestehenden Arbeitsplätze zu erhalten und zu v e r m e h r e n. In der Aussprache der seemännischen Ber- bände und des Verbandes Deutscher Reeder mit Vertretern des Reichsarbeitsministeriums über die Anwendung der Not- Verordnung auf die Seeschiffahrt war die Erwartung ausgesprochen worden, daß die Beteiligten der Absicht des Gesetz- gebers beim Neuabschluß des Tarises selbst Rechnung tragen würden, so daß sich die Anwendung der Notverordnung erübrigen könne. Der Verband Deutscher Reeder bewegt sich mit seinen An- trägen in gerade entgegengesetzter Richtung. Er möchte zwar die Vorteile der Notverordming genießen, aber die Pflichten, die sie ihm auserlegt, nicht erfüllen. Im übrigen werden fast in allen Positionen des Manteltarifs entscheidend« Verschlechterungen gefordert. Konflikt im Töpfergewerbe. Achtung vor Pfuscharbeit? Die im Baugewerksbund organisierten Berliner Töpfer haben in einer Mitgliederversammlung zu der Lohn- abbauverordnung der Adelsregierung ebenfalls Stellung genommen Nach einem instruktiven Referat des Fachgruppenleitsrs Dreher über die Auswirkung der Verordnung nahm die Ver- sammlung e i n st i m m i g eine Entschließung an. in der gegen die Rotverordnung schärf st ens protestiert und von den Ver- sammelten der Beschluß des ADGB. lebhaft begrüßt wird, daß gegen die Lohnkürzungen auf Grund der Notverordnung von den Gewerkschaften mit allen Mitteln angekämpft werden soll. Die Versammelten nahmen weiterhin scharf Stellung gegen das Bestreben einzelner Unternehmer, die, gestützt auf die große Arbeits- losigkeit, den Tarifvertrag für das Töpfergewerbe zu durchbrechen versuchen. Die freigewerkschastlich organi- sierten Töpfer richten an die Berliner Bevölkerung die Ausforderung, darauf zu achten, daß bei Reparaturen an Oefen und Herden keine Pfuscharbeit geleistet wird, wie es durch die Fachgruppen- leitung in letzter Zeit vielfach festgestellt wurde. Sie erwarten, daß sich die Bevölkerung bei derartigen Reparaturen nur gelernter Ofensetzer bedient, die mit dem Ausbau der Oefen Bescheid wissen und für sachgemäße Reparaturen bürgen Sonderbare personalpoliiik. Die?ieich6anstalt entläßt. Zur Zeit werden in der gesamten Reichsanstalt wieder hunderte Angestellte auf die Straße gesetzt Teils sind es vor kurzem einge- stellte Zeithilsen, die die durch die Papen-Verordnung entstandene zu- sätzliche Arbeit bewältigen Helsen mußten, teils sind es lang- jährige Angestellte, die dem Phantom„Meßziffer" zum Opfer fallen. Wenn auch die Ziffer der unterstützten Arbeitslosen in der Reichsanstalt dank der Papenschen„Reorganisation" etwas zurück- gegangen sein mag. so ist doch die Arbeit auf den Arbeitsämtern durch dieselbe Notoerordnung so oermehrt worden, daß man noch 19 Proz. des Personalbestandes neu einstellen müßte, wenn man die glatte Abfertigung der Arbeitslosen endlich erreichen will. Schon allein die Einschaltung der Hilfsbedürftigkeit»- prüfung durch die Wohlfahrtsämter hat die Arbeit der Arbeits- ämter erheblich vermehrt. Man kennt sehr wohl diese zusätzliche Arbeit, die die Aemter nicht mehr bewältigen können. Reichsprüfer und Prüfer der Landesarbeitsämter stellen statistisch fest, wieviel Ueberarbeit zu- sätzlich entstanden ist. Den Angestelltenorganisationen hat man ver- sprachen, nach Zusammenstellung dieser Erhebungen über eine neue M e ß z i f f e r für die Personaleinstellung zu verhandeln Aber solange nicht die Ergebnisse der Prüfungen vorliegen, ist eben keine Mehrarbeit festzustellen. Wenn man es richtig nimmt, schafft die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung auf diesem Wege„Arbeit", allerdings in diesem Falle nur für sich selbst, denn die Entlassenen sind morgen unter- stützte Arbeitslose. Einigung im englischen Webersireik? London, 23. September. Die von der Regierung nach Manchester einberufene Vermittlungskonfcrenz im Wcberstreit in Lancashire kam am Freitag zu einer Einigung in der Lohn- frage. Beide Seiten stimmten der von dem Unter- ausfchust vorgeschlagenen Lohnhcrabsehung um durch- s ch n i t t l i ch 8,5 P r o j. zu.(Tic Unternehmer wollten die Löhne um 1214 Proz. kürzen.) Damit ist der Haupt- sächlichste Streitpunkt beigelegt. Der Streik dürste in allernächster Zeit beendet sein. Tie Konferenz hat sich noch mit der Frage der Wiedereinstellung von Webern zu befassen, die bei früheren Lohnstreitigkeitcn entlassen worden waren. Man hofft auch hier bald eine Einigung zustandezubringen. Zum Streik bei O. Elsner. Achtung vor Etreikarbeit. Wie uns von der Streikleitung mitgeteilt wird, werden bei der Firma Elsner jolgende Zeitschriften usw. hergestellt: Im Buch- druck: Deutsche Arbeitgeber-Zeitung, Verkehrstechnische Woche, St. Georg, Friseur-Zeitung, Bildungs-Zeitschrift, Deutsche Post, Der Bahnbau, Der Papierfabrikant. Deutscher Drucker, Fortschritte der Medizin, Photofreund. Der Kinoamateur, Salamander-Katalog, Telefunken-Katalog und Preisliste, Der Arbeitgeber, Die Reichs- bahn, Eifen-Zeiwng, Der Deutschen Spiegel, Beamten-Bund, Das Baugewerbe, Allgemeine Automobil-Zeitung, Beamten-Jahrbuch, Groß-Berliner Aerzte-Blatt, Photowoche, Photofreund-Iahrbuch 1933, Kinotechnik, Shell-Führer, lausende Arbeiten für die Firmen Bauer u. Co.(Sanatogen) und Schering-Kahlbaunr. Im Tiefdruck: Zeit im Bild, Leben im Bild, Landwirtschaft und Gartenbau, Bild- bericht, Apotheker-Zeitung, Woche im Bild, Wort und Bild, Spar- kassenbote, Friedrich-Wilhelm-Versicherungs-A.-G. Zubilaumstagung der Justizwachtmeister. Der vor 23 Iahren gegründete Reichsverband Deutscher Justiz- Wachtmeister hielt in Berlin seine Iubiläumstagung ab. Der Ver- band umfaßt mit seinen 3999 Mitgliedern den größten Teil der unteren Beamten bei den deutschen Justizbehörden. Der Verbands- Vorsitzende Paul Schmidt- Berlin wies ln seiner Eröffnungsrede auf die Bedeutung der Berufsgruppe der Justizwachtmeister hin. Nach den Begrüßungsansprachen entwickelte der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes, Falkenberg, die poli- tische Linie, die heute von den Beamten eingehalten werden müßte. Die Organisationen der Beamten sollten keine Parteipolitik treiben. Aber es könne den Beamten nicht gleichgültig sein, was in der großen Polttik geschehe. Sie verwahrten sich dagegen, daß das Parteibuch entscheidend sei für den Abbau der Beamten. Nur die Frage des Geeignetseins müsse hier maß- gebend sein. Auch das Wort Freiheit dürfe nicht aus dem Wortschatz des Beamten gestrichen werden. Der einzige Weg, der sozialpolitisch und wirtschaftlich erträgliche Verhältnisse sür die Beamten sichere, führe das Volk über die Parlamente. Mit aller Entschiedenheit müsse sich die Beamtenschast dagegen wenden, daß, wie es doch scheine, die Absicht bestehe, für die Beamten die Verhältnisse aus der Vorkriegszeit wieder herbeizuschaffen. Statt die Selbstverwaltung zurückzudrängen, müsse man die Be- amten zu selbständigerer Arbeit erziehen. Das zur Zeit wichtigste Ziel für die Beamtenverbände sei die Schaffung von Rechtsgarantien für die Versorgung und Unterbringung der durch die Notverordnung überzählig gewordenen Beamten. Wenn die Beamtenschast sich jetzt durch Mißstimmungen verleiten ließe, ihre Organisation aufzugeben, würde sie auf der sozialen Stufe immer tiefer hinabgleiten. Chinesisches. Textilarbeiterlöhne um 8 Prozent erhöht. Schanghai, 23. September. Amtlich wird gemeldet, daß der St.reik in den Bau in» Wollspinnereien, an dem 19 999 Arbeiter teilgenom- men hoben, am Freitag beendet wurde. Di« Unternehmer haben beschlossen, die Löhne um 8 Proz. zu erhöhen. Die Betriebe hoben sofort die Arbeit ausgenommen. Aür den Siegerländer Erzbergbau fällte der Schlichter am Frei- tag einen Schiedsspruch, der den bisherigen M a n t e l t a r i f bis Ende März 1933 mit folgenden Aenderungen verlängert: Bei gesetzlicher oder tariflicher Aenderung der A r b e i t s z e i t soll über den Lohn auch vor Abruf des Lohntarifs verhandelt werden. Die Urlaubsvergütung des laufenden Urlaubsjahres wird um 25 Proz. gekürzt. Eine Verfallsklauseb' setzt eine Frist von drei Monaten zur Wahrung voi> Ansprüchen aus den Tarifen gegenüber dem Arbeitgeber fest. Die Parteien vereinbarten noch, daß beim Zustandekommen des Rahmentarifs auch das Mehrarbeitsabkommen bis zum 31. März weiterlaufen soll. Gewerkschafts-Zugend Berlin I Sonnabend, 1. Oktober, in der Heinrich-Schliemann-Schule, Berlin R., Gleimstr. 49(U-Bahnhof Rordring, S-Bah''-....."'~ §1 -Cfi- Gleimstr. 49 tN-Bahnhot Rordring. S Bahnhos Schönhause« Allee): I» � drrWunderwcltderLicht-.TonuiidRadiowcllcn, 2 Stunden phqsilalisch.trchnischc Sensationen. Saalölsnung 19 Uhr, Beginn pünktlich ISVH Uhr. Unkofteubeitrag 30 Ps. Der„Vorwärts- erlcheini woidentäglich zwennal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit". Bnzetgenpretfr: Die einspal t. Millimelerzeile 30 Pf. Reklamezeile 2— M, „«leine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf.«zulässig zwei fettgedruckte Worte) fedes weitere Wort«0 Pf. Rabati laut Tarif. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 2d Pf. Familienanzeigen Millimeter- zeile'S Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wochentäglich oon SV, bis 17 Uhr Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeigen vor' Verantwortlich tut Politik; Lietor Schiit, kBtrtlcho't S«ltngeihöferl Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner; Feuilleton: Herbert Leprre; Lokale» und Sonstißes: Feig«arstädt; Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin. Berlaa: Larwärts-Verlag E. m. b. H.. Berlin. Druck: Lorwärts-Buchdruckere« und Berlagoanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin EW. 68, Lindenstraße 3, Hierzu 2 Beilagen. • 49. Jahrgang -1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 24. September 49Z2 So leben Menschen! Ein Gang durch die Elendswinkel im Berliner Osten. Die Straßen der Armut haben ihr besonderes Gesicht: Düster, weil die Sonne keinen Eingang findet, dumpf, weil die hohen, alten Mietkasernen, eng aneinandergepreßt, Luft und Licht versperren, und ameisenhaft belebt von Menschen, deren Plattform immer enger wird.... Ob man in die Hauseingänge der Weber- oder der Rüders dorser Straße, der Lange- oder der Paul- Singer-Straße sieht, das Bild ist stets dasselbe. Die Vi�der- front geht meist noch: dann ober wird's von Hof zu Hof— und es sind gerade in diesem Viertel drei und vier Höfe keine Selten- heit— trister. Hauswände, die aus taufend Wunden bluten, zer- schlagene Fensterscheiben, vielfach durch Bretter ersetzt. Auf jedem Hof ein großer Holzkasten, dos viertürige Gemeinschaftsklosett, für jedes Stockwerk eines. Das bucklige Pflaster durchzieht Gerinnsel einer trüben Flüssigkeit, die dem hochausgetürmtem Mülleimer oder dem Kuhstall entspringt. Der Ausblick von Hof 1 bis Hof 4 fällt einzig und allein auf diese trostlose Szenerie. Wieviel Bewohner solch eines Riesenbaues ihn genießen, davon spricht der stille Por- tier im Hauseingang, der 13 Viererreihen von Namensschildern pro Gebäude(VovderHous, Quergebäude und Seitenflügel) zeigt. Das sind aber noch lange nicht alle, die da wohnen, denn einmal gibt es Hauswirte, die für diese häusliche Visitenkarte 23 Pfennig kossie- ren, und wer sie nicht bezahlt, der bleibt eben ungenannt! dann nennt der Name ja stets nur den Wohnungsinhaber, ohne Familien- Mitglieder und Untermieter. Die Personenzohl solch einer großen Mietkaserne bewegt sich zwischen 4 00— 700 Menschen. Wie ist das möglich? Sehr einfach. Die„Raumnutzung* eines solchen Ameisenbaues geht— in des Wortes strengstem Sinn— ins Unfaßbare. Zuerst einmal ist das Haus vom Boden bis zum tiefsten Kellerloch bewohnt, und dann beträgt die Mindestbewohnerzahl einer Wohnung von Stube und Küche 3— 4 Personen, es gibt aber auch Wohnungen in dieser Größe, wo 6, 8 und auch 10 Menschen Hausen. M'eiwucher mit Kellerlöchern. Wo die kleine, braune Holztür seitlich des Treppenaufganges hinführt, läßt sich nur mit Hilfe eines Streichholzes ermitteln: die winzigen, vergitterten Fensterchen, dreiviertel unter der Erde, er- möglichen auch keinen Einblick ins Innere. Die Flamme weist den Weg über ein paar Stufen und man steht wiederum im Dunkeln, tappt sich an der Wand entlang, dann findet man eine Tür. Es wivd kaum um einen Schein Heller, wenn diese sich öffnet, denn drinnen herscht die gleiche Dunkelheit. Kinderlachen, Säuglings- quäken, ein kategorisches mütterliches Ruhegebot, man wird freund- lichst zur Besichtigung der Räume gebeten. Zuerst kommt die Küche, die nur an der baufälligen Kochmaschine kenntlich ist, und einigem spärlichen Geschirr. Vorläufig sieht man aber von all dem Jammer erstmals nichts, bis sich das Auge an die Finsternis gewöhnt Hot. Freundlich deutet die Frau auf den einzigen Stuhl, der sich im Raum befindet: an der einen Wand steht ein altersschwaches Sofa, unter dem Fenster ein kleiner Tisch, Schluß.„Wir sind fünf Per- sonen", erzählt die Frau, das Jüngste ist ein Jahr alt(bald ist ein noch Jüngeres va. Wo wir schlafen? Hier!" Dabei zieht sie einen Vorhang beiseite, dahinter ist wiederum ein schwarzes Loch. Eine kleine Petroleumlampe erhellt jetzt die Schlafzimmerszenerie: Zwei alte Kinderwägelchen, eine Lagerstatt aus Stoffresten bereitet, in der Ecke ein winziger Kanonenofen und ein paar Stückchen Holz, quer durchs Zinnner ist eine Lein« gespannt, auf der die armseligen Kleidarlumpen hängen. Dafür müssen die Leute 25 Mark im Monat bezahlen. Der Monn verrichtet augenllicklich Notstandsarbeiten, die aber bei Eintritt des schlechten Wetters ihr Ende haben.„Wenn wir uns bloß einen Schrank kaufen könnten, alles was man anzieht, ist feucht, stockig. Aber gut, daß ich wenigstens ein altes Bett gekriegt habe, ein ganzes Jahr habe ich mit meinem Jüngsten auf der Erde schlasen müssen. Gelähmter Mann mit Krau und 3 Kindern. Eine Straße weiter. Im letzten Hof führt eine kleine Tür direkt in eine Wohnung. Stube und Küche bewohnen fünf Menschen. Der Mann gelähmt, Frau und drei kleine Kinder.„Mutter, Hunger", schreien sie wie aus einem Munde, drei kleine, bleiche Ge- Elendshof in der Weberstraße schöpfe, dünnbeinig, mit großen Köpfen und tiefliegenden Augen. Es ist Mittag, und Mutter serviert: Ein Stück Brot für jedes, daraus ganz dünn Margarine, dazu eine j Tomate.„Wir essen erst abends, wenn mein Mann zurück kommt: er ist mit dem Selbstfahrer ein bißchen in die Sonne ge- fahren." Bei dieser Erklärung wird das blasse Gesicht der Frau von einem zarten Rosa überflutet. Das mit dem richtigen Abend- esien stimmt natürlich nicht, aber das ist eine, die ihren Jammer niemand preisgibt. Durch die schlecht schließende Tür kommt ein leiser Zug, ebenso durch die Fenster.„Im Winter ist's hier wohl sehr kalt?"„O ja", antwortet die Frau, aber mehr auch nicht. Was nützen sie die monatlichen zwei Zentner Briketts? Die reichen ja nicht für eine Woche. Und wenn die Zeit der billigen Tomaten vorbei ist, dann bleibt eben nur noch die Margarine, und wer weiß wie lange noch? Auch hier ist die Miete von 18 M. reichlich bemessen. Ein winziger Ausschnitt aus dem Riesengemälde„Not". Das sitzt und darbt und bangt vor einem noch schrecklicheren Winter.. Sturm ZZ hat geschossen! Wendung im Kommunisten-Prozeß. Die gestrige Sitzung vor dem Sondergericht war noch ausschluh-| reichet als die am Donnerstag: die Vernehmung von Vater. Mutter und Sohn Engelhardt war voll dramatischer Spannungen. Neben dem Kaufmann Friese, über den gestern berichtet wurde, befanden sich diese Zeugen dem SA.-Lokal am nächsten und haben besser als sonst jemand die Vorgänge am 29. August beobachten können. Die Bekundungen der Engelhardts strafen die Beteuerungen der SA.-Zeugen Lügen. Frau Engelhardt ergänzte in manchen, nicht unwesentlichen Punkten die Aussagen ihres Mannes, der am vormittag ausführlich geschildert hotte, wie die SA.-Leute auf das Pfeifsignal mit Pistolen in der Hand aus der Richtung des Hauses Nr 1 ihrem Lokal zuströmten. Noch auf den Stufen feuerten zwei SA.-Leute über die Köpfe ihrer Kameroden hinweg ihre Pistolen ab, vier Mann stürmten voran und schössen. Jemand rief: Sie schießen ja ihr« eigenen Leute tot. Frau Engelhardt ist unter den Schützen ganz besonders ein Mann in einer schwarzen Reithose und ein anderer mit einer Brille aufgefallen. Der Mann mit der Reithose wurde ihr auf ihre Veranlassung am nächsten Morgen vorgeführt. Was aus ihm geworden ist, weiß sie nicht. Der Mann mit der Brille wurde auf Veranlassung ihres Sohnes ver- haftet, jedoch aus der Haft entlassen. Sie kannte diesen jungen Mann, weil er täglich das SA.-Lokal zu reinigen hatte. Der Vorsitzende läßt, ohne daß die Zeugin dos merkt, den lungen Mann mit der Brille in den Saal führen. Es ist der SA.� Mann D u b e l e z i k, der an dem Abend vor dem SA.-Lokal Wach- Posten gestanden hat und als Zeuge behauptet hat, kein einziger SA.-Mann habe das Lokal verlassen. Frau Engelhardt findet ihn unter anderen Zeugen Heraus. Erkennen Sie ihn ganz genau? fragt der Vorsitzende. Ja. Hott« er eine Waffe in der Hand? Ja. Frau Engelhardt beschreibt genau die Kleidung des Zeugen an jenem Abend. Noch interessanter gestaltet sich die Aussage von Engelhardt Sohn. Er beobachtete die Vorgänge vom Balkon. Er sah einen Mann auf dem Rode in Schleifen vor das SA.-Lokal vorfahren dann kam ein Motorrad an. Der Fahrer unterhielt sich mit dem Radfahrer und begab sich ins Lokal, kam wieder heraus, der Radfahrer fuhr davon. Jetzt trafen in losen Trupps die SA.-Leute ein. Ein SA.-Mann lief die Häuserreihe entlang von einem Haus eingang zu« anderen. Bald darauf hörte der Zeuge die Hänseleien unter dem Balkon. Die SA.-Leute bildeten eine regelrechte Schützenlinie. Als dos Srreifauto herannahte, liefen sie in der Richtung zur Röntgenbrücke davon. Vier von den Schützen hat der Zeuge genau erkannt und ihre Merkmale der Polizei mitgeteilt Der eine war der Mann mit der schwarzen Reithose, der andere der Mann mit der Brille, der dritte ein blonder, den Namen des vierten hat der Zeuge erst vor einigen Tagen festgestellt, es war ein ge- wisser Kupschik, der sich gerühmt haben soll, auch mit geschossen zu hoben und behauptet haben soll, daß der Wirt an jenem Abend die Waffen oerteilt habe. Welch geringen Wert das Wiedererkennen der Angeklagten durch die Nazizeugen hat, erhellte schlaglichtartig eine Episode aus der gestrigen Verhandlung. Der verletzte K w i a t k o w s k i wollte in dem Angeklagten Heine einen der Schützen erkannt hoben. Er behauptete, auf diesen Angeklagten die Polizei bereits am Abend der Tat hingewiesen zu haben: Heine sei auch damals oerhaftet worden. Es stellte sich nun heraus, daß der auf Veranlassung Kwiatkowskis Verhaftete gar nicht Heine, sondern«in g e- wisser Rosenau gewesen war.. Dieser Rosenau erschien auch gestern als Zeuge vor Gericht. Kwiatkowfki hat sich also in der Person Heines geirrt. Trotzdem wollte er ihn auch vor Ge» richt als Schützen wiedererkennen. Die Verhandlung geht heute weiter. Verleumderprozeß vertagt. Dr. Weiß gegen„Angriff" erst wieder am 4. Oktober. Der Prozeß gegen die ,.Angriss"-Redakleure Dr. Lipperl und krause wegen Beleidigung des Polizeipräsidenten Grzesinski und des Polizeivizeprästdenlen Dr. weiß ist gestern nachmittag bis zum 4. Oktober ausgesetzt worden, weil verschiedene Zeugen zur Zeit verreist sind und zu keinem früheren Termin in Berlin erscheinen können. In der gestrigen Nachmittagsverhandlung wurden mehrere Zeugen zu dem von den Angeklagten eingebrachten Beweisantrag gehört, daß bei einer Konzessionserteilung für den„Wunderland"- Betrieb am Kurfürstendamm der Bruder des Dr. Weiß, Conrad Weiß, die Hand im Spiele gehabt habe. Hierzu wurde Stadtrat B a d t k e vom Bezirksamt Charlottenburg vernommen, der u. a. erzählte, daß Conrad Weiß in der Angelegenheit nicht bei ihm gewesen sei. Von anderen Interessenten habe er, Stadtrat Badtke, aber gehört, daß Conrad Weiß sich gewerbs- und gewohn- heitsmäßig als Mittelsmann bei der Erteilung von Schank- und Baudispensen beschäftigte. Stadtrat Zimmermann vom Bezirksamt Charlottenburg war ebenfalls nicht bekannt, daß der Name Conrad Weiß in dieser Angelegenheit genannt worden sei. Die Dispens« seien überhaupt dadurch ermöglicht worden, daß der damalige Leiter des Polizeiamts Charlottenburg, Regierungsrat Bloch, von dem Hauseigentümer Lachmann hinters Licht geführt worden sei. Vors.: „Haben Sie Anhaltspunkte dafür, daß der Polizeivizepräsident Dr. Weiß mit der Angelegenheit zu tun hat?" Zeuge:„Nein, das habe ich nicht." Auch Regierungsrat Bloch erklärte als Zeuge, daß er das Opfer einer Täuschung Lachmanns geworden sei, daß Dr. Weiß mit der Angelegenheit aber nichts zu tun gehabt habe. Der Eigentümer Lachmann erklärte, daß er Conrad Weiß nie ge- sehen und auch nur einmal mit dem Polizeipräsidenten gesprochen habe. Daß er sich guter Beziehungen zu verschiedenen Ministern gerühmt habe, bestritt er. Dr. Weih bestätigte schließlich die Aus- sage von Regierungsrat Bloch, daß er in der Angelegenheit fast gar nicht tätig gewesen sei und betonte, daß er der ganzen Kon- zessionserteilung in Sachen„Wunderland" ablehnend gegenüber» gestanden habe. 36 Vergiftungen in Charlotienburg« Keine Lebensgefahr für die Erkrankten. Nach den Feststellungen der Behörden sind von den Fleischvergiftungen in Charlottenburg bisher insgesamt ZK Personen betroffen, von denen drei ins Krankenhaus gebracht werden muhten. Der zuständige Kreisarzt hält die Hauskranken unter Beob- achtung und wie wir erfahren, sind'in einigen Fällen bereits leichte Besserungen im Befinden der Erkrankten zu ver- zeichnen. Die bakteriologische Untersuchung durch den Kreisarzt des Polizeiamts Charlottenburg-Tiergarten, Medizinalrat Dr. Krämers, hat ergeben, daß die Krankheit, die sich in starkem Brechreiz und Schwächezuständen äußert, der sogenannte Paratyphus Gärtner ist. Das infizierte Fleisch ist von dem betreffenden Ladenschlächter ordnungsmäßig auf dem normalen Wege aus dem Viehhof bezogen worden, so daß ihn keine Schuld trifft. Es ist Gegenstand weiterer Ermittelungen, festzustellen, von welchem Grohschlächter oder Produzenten das Fleisch stammt. Eine weitere Ausdehnung der Erkrankungen ist nicht zu befürchten, da alle infizierten Fleischwaren inzwischen beschlagnahmt worden sind. Neseiiigung einer Llnfallecke. Sperrung der Langenscheidt-Brücke in Schöneberg. Seit Jahren ist die L a n g e n s ch e i d t b r ü ck e, die Verbindung der Langenscheidt st raße zur Siegfried st raße in Schöneberg über die Wannseebahn hinweg, eine gefürchtete Ver- kehrsecke, an der sich infolge ihrer Unübersichtlichkeit, ihres starken Gefälles und des viel kritisierten Rutschasphalts zahlreiche Unfälle ereignet haben. Das zu beiden Seiten der Wannseebahn liegende Gelände der Reichsbahn ist mit kleinen Buden und Holzhäuschen bebaut, die den Fahrzeugführern die freie Sicht über den Ausgang der Brücke nahmen. Schon vor einigen Jahren ist die Polizeibehörde an die Reichsbahn mit dem Ersuchen herangetreten, aus Gründen der Verkehrssicherheit die kleinen Bauten abreißen zu lassen. Die Reichsbahn hat das immer wieder abgelehnt, mit der Begründung, daß sie aus finanziellen Gründen auf die Pachteinnahmen nicht ver- zichten könne. Die Häufung der Verkehrsfälle gerade an der Ecke der Langenscheidt- und Bahnstraße hat nun Veranlassung gegeben, daß die Langenscheidtbrücke jetzt endlich mit Rauhasphalt belegt und das Straßenbild, soweit es sich ermöglicht, an dieser Stelle über- sichtlicher gestaltet wird. Die Arbeiten werden als Notstandsarbeiten ausgeführt, die Brücke wird deshalb ob Sonnabend, den 24. Sep- tember gesperrt. ficmtni Neue Erwerbslosenküche! Das Selbsthilfewerk der Erwerbslosen wächst! Durch die Initiakive Weißenseer Volksgenossen ist es der Ilolgetneinschust Berlin möglich geworden, auch im Bezirk w c i h e n s e e die vorbereitenden Arbeiten zur Errichtung einer Suche und eines umfangreichen Heimes in Angriff zu nehmen. Das Bezirksamt hat in der Charlottenburger Straße 120 der Notgemeinschaft große Räume zur Verfügung gestellt und aufs wärmste das Vorhaben der Notgemeinschaft begrüßt. Etwa 23 bis 30 Erwerbslos« gehen schon in den nächsten Tagen daran, die er- forderlichen Einrichtungen zu erstellen, damit in aller Kürze mit der Ausgabe des Mittagessens begonnen werden kann. Die Gründungsversammlung in der Kindl-Brauerei sah Frauen und Männer der verschiedensten politischen und religiösen Richtun- gen beisammen. Nach einem einleitenden Referat des Vorsitzenden der Notgemeinschaft Berlin, des Stadtverordneten L e m p e r t, wur- den die erforderlichen organisatorischen Arbeiten sofort in Angriff genommen. Der Eifer und die Liebe zur Sache, die deutlich aus den zu» stimmenden Erklärungen der Anwesenden hervorgingen, garan- tieren der neuen Ortsgruppe des Selbsthilfewerks ein gutes Ge- deihen im voraus. Die Winterhilfe der Giemenswerke. Di« im Rahmen der Groß-Berliner Winterhilfe von den Sie- mensfirmen zu Beginn des Jahres 1331 eingerichtete Notspei- Jung, die auch während der Sommermonate beibehalten wurde, wird auch im kommenden Winter fortgesetzt werden. Es werden weiterhin in erster Linie ehemalige Arbeitnehmer der Siemensfirmen an vier verschiedenen Stellen, in Siemensstadt, Spandau, Moabit und Charlottenburg gespeist werden. Die tägliche Ausgabe beträgt etwa 2000 Liter. Seit Beginn der Notspeisung sind etwa % Million Liter Essen verabfolgt worden. -100 Flugzeuge starten nach Berlin. Hundert Flugzeuge werden ank Freitag, dem 30. September aus allen Teilen Deutschlands zur Beteiligung an dem großen Dela-Flugtag mit Flugzeugrennen(am Sonntag, dem 2. Ok» tober im Flughafen Tempelhof) starten. Und aus allen deutschen Städten, die über Flugplätze oerfügen, selbst auch aus den ent- ferntesten, wie Aachen, München, Stuttgart, Breslau und Königs- berg, werden sich aktive Flugsportler an diesem großangelegtem Werbeflug beteiligen. In weit über 100 größeren Städten gelangen farbige Flugblätter mit dem Motto:„Wir fliegen zur Dela" zum Abwurf. Bis Sonnabendabend werden sämtliche Dela-Flugzeuge in den Sammelhäfen Leipzig, Magdeburg, Kottbus und Stettin gelandet sein, um am Sonntag, dem 2. Oktober um 95� Uhr vormittags im Flughafen Tempelhof zu starten. Um zu prüfen, wie weit Sportflugzeuge für die Postbeförderung verwendbar sind, werden den Führern vor dem Start P o st b e u t e l ausgehändigt, die in Jüterbog, Schwetz an der Oder und Potsdam über einem näher gekennzeichneten Postziel abzuwerfen sind. Nach Ueberfliegen des Postziels findet zwischen Potsdam und Staaken ein Ausschei- dungsrennen mit fliegendem Start in Potsdam statt, um aus der großen Zahl der Flugzeuge die schnellsten Maschinen für das am Nachmittag auf dem Flughafen Tempelhof vorgesehene Gelände- rennen zu ermitteln. Bei ihrem Flug von Staaken nach Tempelhof werden die Flug- zeuge Kurs auf den Berliner Funkturm nehmen, um die am Fuße des Funkturms gelegene und am Vortage eröffnete deutsche Luftsport-Ausstellung Dela Berlin 1932 zu begrüßen. Bis 12 Uhr mittags müssen sämtliche Flugzeuge in Berlin- Oer ßrofje Siedlungskrach. Untersuchung gegen Funktionäre der„kinderreichen Familie". Reben dem Zusammenbruch der„Heimbau" Siedlungsgenosfea- schast beschäftigt die Staatsanwaltschaft 1 zur Zeit der Konkurs einer anderen Baugenossenschaft, und zwar der Gemeinnützigen Gesellschaft„Die kinderreiche Familie" e. G. m. b. h. die in der Söpenicker Straße 18 ihre Büros hatte und in Reukölln Wohnungen insbesondere für kinderreiche Familien gebaut hatte. Die Untersuchung richtet sich unter dem Rubrum„Schade und Ge- nassen" gegen den vorstand und Aufsichtsrat, dem eine Reihe kommunistischer Funktionäre angehörten. Ihnen wird handelsrechtliche Untreue, Bilanz- Verschleierung und Konkursvergehen zur Last gelegt, weil sie die Gelder der Baugenossen nicht im Interesse der Gesell- schaft verwendet haben sollen. Dem früheren kommunistischen Stadtverordneten Krautzpaul wird u. a. der Vorwurf gemacht, daß er sich von Stadtrat Schminke-Neukölln ein Attest ausstellen ließ und dann auf Kosten der Genossenschaftler eine längere Erholungsreise gemacht hat, also Vorwürfe, die an gewisse Vorkommnisse im Fall Devaheim erinnern. Außerdem sollen auch Gelder der Genossenschaft für Wahlzwecke der Partei Verwendung gefunden haben. Der Verlust der Gesellschaft beträglt etliche tausend Mark. Schließlich wird von der Staatsanwaltschaft noch der Vor- wurf geprüft, ob die Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichts- rates sich von den mit der Ausführung der Bauten beauftragten Gesellschaften Provisionen hoben zahlen lassen. Von einem Bücher- revisor werden gegenwärtig auf Veranlassung der Staatsanwalt- schaft die einzelnen Buchungen und Konten der„Kinderreichen Familie" nachgeprüft. Diese Arbeiten werden noch längere Zeit in Anspruch nehmen, so daß noch einige Monate bis zu einem gericht- lichen Nachspiel verstreichen werden. Eine gesprengte Versammlung. Ein« neue Gruppe, die sich„Deutsche sozialistische Kampfb«wegung" nennt, wollte gestern in den Pharussälen in der Müllerstraße eine Versammlung abhalten, für die der Führer der Kriegs-„Emden", Helmuth von Mücke, als Redner vorgesehen war. Mücke war früher Landtagsabgeordneter der Nationalsozia- listen, hotte aber aus Gewiffensgründen die Hrtler-Partei verlassen. Das veronlaßte natürlich gestern die Nazis, Mücke mit allen Mitteln am Reden zu hindern. Da sie Enthüllungen fürchten müssen, ran- dalierten sie, nachdem sie unter demonstrativem Spektakel eingerückt waren, vom Beginn der Versammlung an, bis sich die Vertreter der Polizei gezwungen sahen, die Versammlung für aufgelöst zu erklären. Diese Kompfmethode entspricht dem Wesen der NSDAP., und es erübrigt sich, etwas dazu zu sagen. Tempelhof gelandet sein. Nach einer kurzen Mittagspause werden die letzten Vorbereitungen für die Abwicklung des um 14.30 Uhr beginnenden Flugtag-Programms getroffen. Messeraiieniai auf die Ehefrau. Von Stettin nach Verlin verfolgt. Zu einer blutigen Szene kam es gestern vor dem Hause Alte Schönhauser Str. 7 im Norden Berlins.- Passanten be- obachteten, wie ein Mann und eine Frau in aufgeregtem Gespräch über den Fahrdamm liefen und vor dem Hause Nr. 7 in der Nähe der Mulackstrahe stehen blieben. Plötzlich zog der Mann ein Messer und stieß damit auf seine Begleiterin ein. Der Mann wurde fest- genommen und der Polizei übergeben. Die Frau wurde zur nächsten Rettungsstation gebracht. Sie hatte Stiche in die Brust erhalten. Auf der Polizei erklärte der Mann— es handelt sich um einen Fritz B r u n n e ck aus Stettin—, daß seine Frau vor kurzem mit einem größeren Geldbetrage aus Stettin ausgerückt und nach Berlin ge- flohen sei. Sie hatte ihm einige hundert Mark gestohlen. Er traf die Frau, stellte sie zur Rede und ließ sich in der Erregung zu der Bluttat hinreißen. Werbesporttag des Reichsbanners. Am kommenden Sonntag findet ab 13 Uhr auf dem Sportplatz an der Einsamen Pappel, Kantianstrstaße,«in Werbesporttag des Reichsbanners, Ortsverein Prenzlauer Berg, statt. Der Tag soll der Werbung sür den Sport innerhalb des Reichsbanners dienen. Es werden u. a. folgende Disziplinen ausgetragen: 100- Meter-Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen, 4 Xl00-Mstsr-Stasf«l. Der Zutritt zu den Sportplätzen ist frei. Im eingefriedeten Garten des Sportrestaurants findet ein Konzert statt. Dort ist auch eine vis Jugendweihen des FrOhlahrs. Anmeldungen müssen letzt vorgenommen werden. Die Anmeldungen für die F r üh ja h r s j u ge nd we ih e n 1933 bitten wir unter Zahlung der Einschreibegebühr von 30 Pf. sofort bei den nachstehend aufgeführten Anmeldestellen vorzunehmen. Mitte: H. Lehmann, N 54, Ackerstr. 174(Vorwärts-Spedition). — Deutscher Metallarbeiterverband, C. 23, Elsasser Str. 86/88, Z. 20, geöffnet 9— 16 Uhr. Freitags 9— 19 Uhr, Sonnabends 9— 13 Uhr.— Freigewerkschafkliche Jugendzentrole, SO 16, Engel- ufer 24/23, II. Stock, Zimmer 26(geöffnet 9— 17 Uhr, Freitags 9— 19 Uhr, Sonnabends 9— 13 Uhr).— Wollstein, S. 14, Prinzenstraße 63(Vorwärts-Spedition).— P. Dobrohlaw, N 37, Swinemünder Str. 11, Restaurant. Tiergarten: S. Joseph, NW 21, Wilhelmshavener Str. 48 (Vorwärts-Spedition). Wedding: P. Krause, N 63, Müller-, Ecke Utrechter Str. (Vorwärts-Spedition).— P. Kroll. N 63, Utrechter Str. 21 (Restaurant).— K. Andersson, N 31, Stralsunder Str. 19(Schuh- niocherei).— B. Hönisch, N 31, Wattstr. 9(Vorwärts-Spedition).— H. Fischer, N 20, Vastianstr. 7(Vorwärts-Spedition). Prenzlauer Berg: W. Hoffmann, N 58, Lychener Str. 8 (Restaurant).— P. Dölz, NO 55, Jmmanuelkirchstr. 24(Vorwärts- Spedition).— E. Gerth, N 113, Greifsphagener Str. 22(Vorwärts- Spedition). Friedrichshain: F. Arndt, O 17, Markusstr. 36(Vorwärts- Spedition).— M. Wartmann, O 34, Königsberger Str. 37(Photo- laden, Eingang vom Hausflur).— K. Melle, O 34, Petersburger Platz 4(Vorwärts-Spedition).— L. Wittschuh, O 34, Petersburger Straße 3(Restaurant). Kreuzberg: G. Schmidt, SW 61, Baerwaldtstr.. an der Gneifenaustr.(Vorwärts-Spedition).— Urban, SO 36, Lausitzer Platz 14/15(Vorwärts-Spedstion).— P. Lier, SO 36, Naunyn- straße 9(Restaurant).— Deutscher Freidenkeroerband E. V., SW 29, Gneifenaustr. 41, Hof 3, I. Stock(geöffnet 8— 16 Uhr).— Sekretariat der Jugendweihen der Sozialisten. Freidenker und Gewerkschaften Berlins, SW 68, Lindenftr. 2, v. I Tr.(geöffnet 9—17 Uhr, Mitt- wachs und Freitags 9— 19 Uhr, Sonnabends 9—13 Uhr). Eharlotteuburg: Vorwärts-Spedition Eharlottenburg, Sssenheimer Str 1, pt. W�Frau Joochimie, Charlottenburg, Kaiser- dämm 93, Eingang Rognitzstr.(Vorwärts-Spedition) 14— 18 Uhr.— F. Bunge. Charlottenburg, Rosinenstr. 4, v. IV Tr. Spandau:-„Volksblatt"-Buchhandlung, Spandau, Potsdamer Straße. Wilmersdorf: Frau Ungerer, Wilmersdorf, Hanauer Str. 43. Siedlung. Zehlendorf: Lehrer A. Zettl, Zehlendorf, Woldhüterpfad 81. Schöneberg: Rathmann, Schöneberg, Belziger Str. 27(Vor- wärts-Spedition).— Frau Klawitter, Schöneberg, Apoftel-Paulus- Str. 7.— S. Schaudt, Friedenau, Bachestr. 9. Steglitz: F. Hamburg, Steglitz, Schloßstr. 103.— Wilhelm Skubig, Steglitz, Ringstr. 7, Garteichaus III.— K. Schönwetter, Lichterfelde-Weft, Hindenburgdamm 71.— Konsum Lankwitz, Kaiser- Wichelm-Straße 43. Tempelhof: Für Tempechos: Max Giese, Stollbergstr. 9.— Richard Hille, Moltkestr. 11.— Für Mariendorf: August Tibor, Kaiserstr. 31, I.— Paul Rathmann, Prühßstr. 16, III.— Für Marienfelde: Fritz Greulich, Adolsstr. 33.— Für Lichtenrade: Kurt Sangkohl, Uhlandstr. 85. Neukölln: Vorwärts-Spedition, Neukölln, Siegfriedstr. 28/29, 14— 18 Uhr.— Vorwärts-Spedition Neukölln, Neckarftr. 2, 14 bis 18 Uhr.— Parteibüro Neukölln, Fuldaftr.(Jdealpaffage) Aufg. 3, 17— 19 Uhr.— A. Schwach, Britz, Großsiedlung, Liningftr. 58. Treptow: E. Mecklenburg, Treptow, Graetzftr. 30(Vorwärts- Spedition).— Paul Scheunemann, Baumschulenweg, Eckehardstr. 5. — F, Katerbaum, Adlershof, Ssdanftr. 3(Restaurant).— A. Bader, Oberschöneweide, Wichelminenhofstr. 17(Zlgarrenladen). Köpenick: C. Willam, Köpenick, Alte Dahlwitzer Str. 72.— Otto, Friedrichshagen, Kirchstr. 34(Restaurant).— G. Fahrentholz, Friedrichshagen, Kirchstr. 28.— F. Klein, Grünau, Friedrichstr. 17. — F. Raujoks, Grünau, Viktoriaftr. 10.— Heimann, Bohnsdorf, Waltersdorfer Str. 100(Restaurant).— F. Krail, Rahnsdorf, Forst- straße 9.— F. Schade, Rahnsdorf, Mühlenweg 5. Lichtenberg: Rektor Sängerm, Lichtenberg, Schule Friedrich- straße.— Rektor Prib«, Lichtenberg, Lichtenberger Schule, Marktstr. — Rektor Sydow, Lichtenberg, Schule LeopoSstr.— Rektor Lenz. Lichtenberg, Schule Scharnweberstr.— Rektor Schlicker, Lichtenberg, Pfarrstr.— Rektor Wölkermann, Lichtenberg, Schule Holteistr. 7— 9. — A. Rakewig, O 112, Gärtnerstr. 6. Weißensee: Walter Janell, Weißensee, Parkst?. 13.— Otto Golles, Weißensee, Lehderstr. 122.— Anton Wiese, Weißensee, Lehderstr. 2.— Adolf Brandt, Weißensee, Partstr. 83(8. Schule). — Ley, Weißensee, Sedanstr. 90.— Martin Franke, Weihensee, Sedanstr. 23.— Otto Kuhfahl, Weißensee, Amolienstr. 20.— Andreas Hemel, Weihensee, Gäblerstr. 7.— Georg Matches, Weißensee, Pistoriusstr. 102.— Marquardt, Hohenschönhausen, Berliner Str. 83(Restaurant). Pankow: Konsumverkaufsstellen in Pankow: Wollankstr. 102, Berliner Str. 47, Breitestr. 16, Kissingenstr., Brehmestr., Trelle- borger Str., Achtermannstr.— Konsumverkaufsstellen in Nieder« fchönhaufen: Kaifer-Wilhelm-Straße 79, Kaiser weg 60.— B. Panse- grau, Vuchholz, Vahnhofstr. 13. Reinickendorf: Schönewerk(sür Reinickendorf-Ost und Rosen- thal), Provinzstr. 48(Restaurant).— Volkshaus(für Reinickendorf- West und Wittenau), Scharnweberstr. 114.— Tornow, Tegel, Schlieper-, Ecke Tresckowstr. für Tegel, Borsigwalde, Heiligense«. Außerdem nehmen alle Hauskassierer des„Deutschen Freidenker- verbände, E. V." Anmeldungen für die Jugendweihen entgegen. Tombola aufgestellt. Der Eintritt beträgt 20 Pf., für Erwerbs- lose 10 Pf. Republikaner, zeigt eure Verbundenheit mit dem Reichsbanner durch Besuch dieser Veran- st a l t u n g. 250 Meier unter Wasser. Ein neuer xiefseetauchrekord. Der bekannte Tiefseesorscher Dr. Williams Veebe lauchtr an der Küste einer kleinen Znsel der Bermuda- Gruppe in einer stählernen Taucherglocke 750 Meter tief hinab. Beebe, der eigentlich die Tiefe von 1000 Meter erreichen wollte, gab interessante Berichte und machte wichtige Photos von bisher nie gesehenen Fischen und Pflanzen. (Selbstmord eines Großindustriellen. w i e n. 23. September. Der Wiener Großindustrielle Felix Wolf hat sich in Schwarz- bach(Riederösterreich) im Walde erhängt. Wolf hatte viele Zahre die Textllfirma„Lederer u. Wolf" geleitet. Das Unternehmen, das von der Wirtschaftskrise nichi verschont geblieben ist. ist in den letzten Zahren in eine Aktlengesellschakt umgewandelt worden. Auch Wolf selbst hat sehr unter der Ungunst der wirlschaftsverhällnisse gelitten. Tödlicher Unfall in SiemenSstadt. Auf der Kreuzung Nonnendammallee und M o t a r d- straße in Siemensstadt wurde gestern nachmittag ein Radfahrer von einem Privotauto überfahren und schwer verletzt. Der Per- unglückte wurde ins Spandauer Krankenhaus übergeführt, wo er kurze Zeit nach seiner Aufnahme gestorben ist. Die Personalien des Toten, der etwa 30 Jahre alt war, konnten noch nicht ermittelt werden. Offenbar handelt es sich um einen Arbeiter, der sich nach Betriebsschluß mit seinem Rade auf dem Heimweg befand.— Am Ringbahnhof T e m p e l h o f geriet gestern nachmittag gleich- falls ein etwa 30jähriger Radfahrer, der bisher unbekannt ist, unter die Räder eines Priootautos. Mit einem schweren Schädel- bruch fand der Verunglückte im St. Josefkrankenhaus in Tempelhof Aufnahme. Neuer Erster Staatsauwalt beim Landgericht II. Staatsanwaltschaftsrat Zimmermann, der bisher als Hilfsarbeiter bei der Staatsanwaltschaft des Kammergerichts be- fchäftigt war. ist zum 1. Staatsanwalt beim Land- gericht II Berlin befördert worden. Er erhält die Stelle, die durch Beförderung des am 1. Juli dieses Jahres zum Oberstaats- anwalt ernannten 1. Staatsanwalts Lautz freigeworden ist. Die letzten Wochen der Tierkinderschau. Die Sonderschau des Tierkindergartens, die auch in diesem Sommer im Zoologischen Garten bei Jung und Alt Beifall gefunden hat, wird voraussichtlich bis Sonntag, 2. Oktober, geöffnet fein. Die Tierkinder- schau ist in letzter Zeit durch eine Reihe neuer junger Tiere be- reichert worden, u. a. selten zu sehende junge Wölfe. Die kleinen Braunbären haben den ehemaligen Affenselsen der Sonderschou bezogen, wo sie bei ihrem drolligen Treiben besonders gut zu beobachten find. Vom Zoologischen Garten aus kostet der Eintritt für Erwachsene nur 30 Pf., für Kinder bis zu zehn Jahren 20 Pf., von der Straße aus 50 Pf. bzw. 25 Pf. Eine Frachlermößigung für Frischobst um ungefähr 30 Proz. ist von der Reichsbahn iür die Zeit vom 15. September bis zum 31. September auch in diesem Jahre eingeführt worden. Genosse Pfarrer Bleier spricht Sonntag, den 25. September, 10 Uhr, in der Trinitatizkirche, Charlottendurg, über das Thema„Alle sollen Erntedankfest seiern". Modeneuheiten— Modelaunen. Das Kaufhaus Israel, König straße, zeigt die dies- jährigen Herbst- und Wintermoden. Um der neuen Mode vorweg «w großes Lob zu spenden: sie hat sich auf den Boden der Ver- nunft gestellt und sieht den Winter als das an, was er ist. Die es sich leisten können, wappnen sich für die kalte Jahreszeit mit hochgestellten, festschließenden Pelzkragen oder Krawatten, die als Mantelgarnierung in Fohlen, Persianer— aber auch das gute heimische Kanin tut den gleichen Dienst— flott und wärmend wirken. Die Straßenkleider sind aus weichen Wollgeweben, braun, burgunderrot, marineblau, grün, kurz alle Farben sind dabei ver- treten. Die Verarbeitung ist einfach und jugendlich, vielfach sieht man Garinturen an Aermel und Ausschnitt aus weißem Pike, aus buntgestreiftem Wollstoff zum unifarbenen Kleide, dann auch mit Westen, Bolerojäckchen und vielen anderen Variationen. Die Röcke sind ein klein wenig kürzer geworden, sie fallen glockig oder sind mit tiefgenähten Falten verziert. Dos Nachmittagskleid zeigt schon fantasiereicheren Charakter: da gibt es zerlegbare Aermel— der abknöpfbare Unterärmel gibt dem Kleid die abendliche Note—. kokette Schleifchen am Halsausschnitt, Metallknopfgarnituren. neuesten Datums aus Kupfer. Flotte Kürassierstulpen als Aermel, oder aus gleichfarbenem Samt als Handschuh genäht. Zipfelchen, U-Boot-Krägelchen und noch allerlei koketter Zierat. Die Hüte sind klein, in Bolero, Zweispitz und Kappenform, geziert von einem Schleier mit eingewebter Mouche. Die Farben des Nachmittags und Abends sind schwarz, lila, braun und rot, daneben gibt es noch vierlei Zwilchentön« und farbenreiche Kombinationen. Bändchen versehen neben den Schreibtisch hängt. Martin kann es nicht ohne inneren Schauder sehen. Er streikt.„Einnahmen Hab' ich keine, und nur Ausgaben aufschreiben— das macht mir keinen Spaß." Verzweifelt kann das. Ohne daß es ihn im geringsten bekümmerte. Immer gibt er Geld aus— für nichts. Braucht in seinem alten häßlichen Mantel nur mal zehn Minuten den Ring auf und ab zu 23s eXM-VVH UHS »Ich weiß jar nich mehr weiter", sagt die Täschler. Gar nicht jammernd, ganz ruhig und feststellend, und lächelt sogar dabei. Ein dünnes, schiefes Lächeln. Und hat Hände wie verwelkte Kohlblätter und einen gestorbenen Gang. Und wenn sie heulte und jammerte, das würde gar keinen Eindruck machen. Das kann man nicht vertragen— fremde Tränen— eigene auch nicht.— Wenn sie doch heulte! Aber nur— ich weiß gar nicht mehr weiter. Das klingt so überzeugend, und ob's ihre eigene Schuld ist oder fremde— Tatsache bleibt's. Was soll man da sagen? Kann man nicht raten und auch nicht helfen. Sicher gibt's viele, die nicht mehr weiter wissen, viele, denen's schlecht geht. Kollektivelend— davor hat man immer die Augen zugemacht. Tritt's als Einzelfall an einen heran, springt's einem unter die geschlossenen Lider. Geht einen was an. Warum? Ja, warum! Man ist ja kein Pflasterstein. „Hab' nur ein Dreimarkstück bei mir!" Man schämt sich und kommt sich lächerlich vor— was damit geholfen ist! Will sie noch nicht mal nehmen.„Ach, von Ihnen nich— S« müssens ja selber verdienen. Warum jehnse denn nich bei Ihr' Mutter?" Da hat die sich sone Phantasiebaracke gebaut und ist nicht von loszukriegen.„Nehmen Sie's schon— da— meine Straßenbahn!" Und Gilgi will der Täschler das Geldstück in die Hand drücken— es fällt zur Erde— Gilgi springt auf die anfahrende Bahn; der Schaff- ner schimpft— immer schimpfen lassen. Sie sieht die Alte auf der wimmelnden Straße knien— kriechen, mit tastenden Händen und kurzsichtigen Auaen den Boden absuchen. Kraucht da zwischen den Fußgängern, der Hut ist schiefgerutscht... die Augen zu- machen, fest, fest, nicht nachlassen, nicht nach- lassen, wer einmal unten liegt, kommt schwer wieder hoch, ist verflucht keine Zeit jetzt zum Schlappmachen und Weichwerden--- „Eine Stunde kann ich bei dir bleiben, Martin— ich geh' heute nicht mehr auf mein Zimmer, io Ullst du igt zuerst Geschirr» kann sie und leistungsfähig cviel Tüchtigkeit beimieten und alles... was? Langweilig? Gar nicht, das ist wichtig und interessant zu wissen." „Möchtest du Streifen. Martin? Ich finde einfarbig vornehmer. Fräulein, der Stoff läuft doch beim Waschen nicht ein? Wie meintest du, Martin? Dir ist alles recht? Wir nehmen Bastseide— wo doch bald der Som- mer kommt, du kannst dann ohne Jacke..." „Martin, du mußt unbedingt einen neuen Mantel haben." „Was hast du nur gegen mein gutes Män- telchen, das alte, treue Stück? Wenn du wüßtest, was das schon alles mitgemacht hat..." „Das ist's eben, das sieht man ihm so sehr an." „Ist egal, einen neuen Mantel will ich nicht. Bin ich ein Gigolo?" „Du mußt rechnen lernen, Martin, du mußt dir angewöhnen, Einnahmen und Aus- ' en", befiehlt Gilgi und Heft an, das sie mit einem gehen, Mar gleich k wel aben au' äfft ein fzuschreibe kleines H> (jilgi Schafft Ordnung sieht Gilgi, daß es ihr trotz aller Bemühungen nicht gelingt, ein System in die gemeinsame Wirtschaft zu bringen. Es ist ihr unfaßbar, daß ein Mensch durch seine bloße Existenz alles durcheinander wirbeln kann. Martin hat er zehn weniger in der Tasche. Weiß der Him- mel, wie er das an- fängt. Und Schulden macht er! Gilgi weint fast, als ihr zum erstenmal ein paar Rechnungen in die Hände fallen. Heimlich bezahlt sie im Zigarettengeschäft an der Ecke den fälligen Betrag. Am Abend weiß es Martin bereits. Zum ersten Male ist Krach. Martin tobt, bis Gilgi ganz klein und verschüchtert in der Klubsesselecke hockt. „Was? Da. Wer hat dich aufgefordert, dich um meine Schulden zu kümmern? Wer hat dir das Recht dazu ge- geben?" Gilgi kriecht immer tiefer in ihre Ecke. Sie ist todunglück- lich, aber es gefällt ihr, daß er so wütend ist. Noch tausendmal lieber hat sie ihn jetzt, vorausgesetzt, daß das überhaupt möglich war.(Fortsetzung folgt.) Fhot. Far&mount örlug: Archäologiickes WoHmbuch „Willst du mir eigentlich nicht sagen, wo i dieses geheimnisvolle Zimmer hast?" „Nein, Martin. Ich muß— es ist— wegen meiner Selbständigkeit. Ich muß einen Ort zum Arbeiten haben, hier bei dir in der Nähe kann ich's nicht, und in meinem Zimmer hält' ich auch keine Sekunde Ruhe, wenn ich denken müßt', du könnt'st plötzlich erscheinen." „Fixe Idee." „Na, dann laß sie mir." „Gilgi", sagt Martin am Sonntagmorgen, „du solltest nicht mehr ins Büro gehen, es wird mir jedesmal so unbehaglich kalt im Bett, wenn du so früh aufstehst." Gilgi schüt- telt in ratlosem Staunen den Kopf. Was soll man nun dazu sagen? Auch ein Grund, in der heutigen Zeit eine Stellung auf- zugeben, nur damit ihm kein kalter Luftzug an die rechte Seite weht. Das ist einer, der Martin!„Sieh mal, Gilgichen, was ich an Geld Hab', ist für einen zu wenig, da kann's doch auch für zwei zu wenig sein, was meinst du— sollen wir nicht zusammen von meinem Geld leben?" „Was du dir denkst, Martin!" Gilgi lächelt mit mütterlicher Verachtung. „Na, aber wenigstens zu dem alten Petre- fakt brauchtest du doch nicht mehr!" „Bei dem bin ich ja sowieso in drei Tagen fertig. Im Ernst, Martin— ich muß doch Geld verdienen. Weißt du, nächstes Jahr Hab' ich soviel zusammen, um nach Paris und nach Spanien zu fahren. Martin, wir werden zusammen reisen, ohne dich seh' ich ja nichts richtig, du bist doch mein besseres Auge. Olga sagt, man kann auf Mallorca furchtbar billig leben, und in Paris werden wir im Quartier Latin wohnen— wir müssen eben tüchtig sparen— du auch, Martin, jeden Monat kannst du soundso viel zurücklegen. Ich werd' sorgen, daß das'ne andre Wirtschaft hier wird." Und Gilgi wird energisch. Kündigt zuerst einmal Frau Boß. Das bißchen abwaschen und Zimmerausfegen allein machen. Jetzt wird sie dem Martin Die wirklichen Abenteurer der Wissenschaften sind die Archäologen. Sie arbeiten ohne Mathematik und Experiment, aber dafür mit Phantasie und Fanatismus und einer unbefchreib- lichen Geduld. Sie lesen aus ein paar kümmer- lichen, bröckelnden Steinen die Geschichte von großen Kulturen, und sie dichten aus wenigen zerfallenen Resten ganze Städte und Paläste. Das ist viel und gleichzeitig wenig. Aber mehr als in der Deutung wird sich die Vergangenheit nie erschließen. Denn gegen das Gesetz der Zeit ist der archäologische Spaten ebenso machtlos wie der gründliche Historiker. Und gerade die Aus- grabungsn der letzten Zeit beweisen zur Genüge, daß die sogenannten historischen Wahrheiten recht brüchig sind, daß der Boden immer wieder neue Rätsel hergibt, die frühere Anschauungen um- stoßen. Seit 30 Jahren durchwühlt der englische Archäologe Arthur Evans das fagenum- wobene Kreta. Er hat den Palast des Minos auferstehen lassen, ein Bauwerk von unbefchreib- kicher Pracht und architektonischer Vollkommen- heit. Jetzt aber hat Evans eine Entdeckung ge- macht, die von ganz besonderer kulturhistorischer Bedeutung ist. Nach seinen Feststellungen beteten die Kreter bereits 1200 Jahre v. Chr.— unter dem Sym- bol des Kreuzes in kirchenähnlichen Ge- bäuden. Dieser von Evans freigelegte Tempel besitzt den gleichen Grundriß wie die viel späteren christlichen Kirchen, er hat Altar, Chorstühle und Kanzel. Was freilich die vorgefundenen Kreuze für die Kreter bedeutet haben, ist noch dunkel. Verehrt wurde damals eine Art„Mutter Gottes", ähnlich der Jschtar oder Astarte des Altertums. Das Kreuz gehörte vielleicht zu den Symbolen ihrer Macht, indem es die Arme nach verschiede- nen Seiten ausstreckt. Eine direkte Verbindung mit dem christlichen Symbol ist bisher noch nicht auffindbar. Wie Evans behauptet, erinnere der ganze Stil eher an einen christlichen als heidnischen Kult. Es wurde auch versucht, den Altar mittels der vorgefundenen Gegenstände zu rekonstruieren: In der Mitte erhebt sich das polierte Kreuz aus weißem und grauem Marmor, auf der einen Seite die Göttin mit hohem Kopfschmuck, eine Schlange haltend, auf der anderen die Figur einer Priesterin. Vorn in der Mitte steht eine steinerne Schale mit Wasser als Symbol der Reinigung. Dieser Fund zeigt deutlich, wie tief die Wur- zeln heutiger Religionen in die Vergangenheit reichen. Unentwirrbar verlieren sich die Fäden Kod r. Ssigethy: 3)16 SIUIlllIlOlC mal zeigen, wie tüchtig sie ist. Dem wird vor nahe unbehaglich. „Sind das deine ganzen Hemden. Martin? Nicht mehr zu tragen. Wie? Ich werde dir neue nähen. Ich kann das. Was? Na. hinten in der Kammer steht doch eine Näh- Maschine, auf die bin ich schon lange wild. Was sagst du? Egal, wie du rumläufst? Gar nicht egal. Laß jetzt die ollen Griechen, Martin, wir gehen Stoff kaufen." „Entsetzlich, wie unpraktisch du bist! Martin! Ja, bist du denn wahnsinnig? Info einem teuren Laden kaust man doch keinen Stoff— Ford vielleicht, aber über- zeugt bin ich noch nicht davon— man geht doch in ein Etagengeschäft. Martin, da ist alles um die Hälfte billiger. Du mußt be- denken, wenn die Leute die teuren Laden» Stephan Horemus, Registraturbeamter beim Be- zirksgericht, reihte gemütlich einen Buchstaben neben den anderen, ein Wort neben das andere. Er oerbrachte sein ganzes Leben mit der Namens- liste der Verbrecher, er war aber dennoch ein ganz wunderbarer Optimist. Er setzte von nie- mandem eine Ruchlosigkeit voraus, all seine irdische Sehnsucht wurde von einem Glas Wein befriedigt. Da geschah es, daß es der Gendarmerie gelang, den berüchtigten Banknotenfälscher Paul Makro zu verhasten. Makra war ein völlig verkommener Mensch. Er stvollte früher einmal Maler werden, doch brachte er es vor lauter Modellen nicht weiter. Sobald er die Schultern einer schönen Frau erblickte, traten ihm die Schweißtropfen auf die Ktirne, und dann beschäftigte er sich nur mehr mit dem Gedanken, wie er dazu gelangen könnte, diese Schultern zu küssen. Aber sie zu malen, ent- schloß er sich nicht. Während er sich so durchs Leben schlug, geriet ihm einmal eine Fünfzigpengönote in die Hand, eine Banknote, die ihm bisher hartnäckig gemieden hatte. Er ahmte das Geld nach, und seine Note war wirklich schöner als das Original: er korrigierte ein wenig die Figur, machte sie formvollendeter und brachte die Banknote so in den Verkehr. Diese künstlerische Inspiration ward ihm zum Verhängnis, denn er wurde erwischt. Man ver- hörte tagelang: mehr als diese eine Banftiote wurde bei ihm nicht vorgefunden, aber selbst zu dieser einen wollte er sich durchaus nicht bekennen. Als Stephan Horemus in die Registratur ein- trug:„Paul Makra— Banknotenfälschung, bei- geschlossen eine falsche Fünfzigpengönote"—. leuchteten seine Augen aus. Es war eine Woche vor Weihnachten, und von seinem Gehalt hatte er schon am Zweiten des Monats im Gasthaus „Zum blauen Kater", wo ein sehr guter Wein ausgeschenkt wurde, Abschied genommen. Wegen dieses einen Tages muhte er dann wochenlang darben, und er konnte schon kaum mehr das Neujahr erwarten, a» welchem seine Großmutter immer mit einigen Banknoten her- auszurücken pflegte. Er zerbrach sich sogar dar- über den Kopf, ob man dos Neujahr nicht vor Weihnachten setzen könnte? Aber er grübelte ver- gebens, diesmal wollte ihm kein kluger Gedanke kommen. Gerade um diese Zeit geriet ihm der Strafakt Paul Makra in die Hände. Die Untersuchung war bereits beendet, und die Berhandlupg für Mitte Januar anberaumt. Die Herren des Be- zirks waren hocherfreut, von diesem gefährlichen Menschen endlich befreit zu sein, und sie ließen täglich Nachschau halten, ob er nicht etwa bei Nacht entflohen sei? Zwei Tage später, knapp vor Weihnachten, faßte Stephan Horemus plötzlich einen kühnen Entschluß. Er nahm die Fünfzigpengönote aus dem Akt heraus und machte sich nach Amtsschluß auf eine große Einkaufsrundreise. Vor allem ordnete er seine Schuld bei dem Spezereiwaren- Händler und drückte ein Auge zu, als ihm der schlaue Händler um einige Nickelstücke zu wenig herausgab. Dann kaufte'er Geschenke für die Frau und für die Kinder und überraschte schließ- lich auch sich selbst mit einer Meerschaumpfeife. Das Geld, das ihm noch blieb, gab er in die Haushaltungskasse und freute sich, wie es sich für einen guten Ehemann geziemt, mit den fröhlichen Gesichtern seiner Lieben. Sein Gewissen war vollkommen ruhig, denn die alte Großmutter kam am zweiten Weihnochts- tag persönlich zu Besuch, und inmitten der vielen Geschenke lächelten ihm auch die erwarteten Bank- noten entgegen, die ihm eine weit größere Freude bereiteten als die mitgebrachten zwei Ferkel. Paul Makra wollte an dem der Verhandlung vorangehenden Tag tatsächlich flüchten. Die Flucht mißlang aber. Der Banknotenfälscher stürzte ob und erlitt eine erhebliche Fuhverletzung. Cr wurde wieder in das Gefängnis geschafft. Die Verhandlung mußte infolgedessen um einige Wochen hinausgeschoben werden, verurteilt konnte der Angeklagte aber auch dann nicht werden, denn als der Vorsitzende des Gerichtshofes das corpus delicti vorweisen wollte, fand er in der Umschlagmappe fünf Stück echte Zehnpengö- noten. „Das ist eine Hexerei", brummte er,„eine wahre Hexerei!" Niemand vermochte das Rätsel zu lösen und vielleicht zerbrechen sich die Weisen des Bezirks auch jetzt noch darüber den Kopf, welch ein böser Geist die falsche Fünfzigpengönote wohl gewechselt haben mag? (Autorisiert« Uebersetzung au» de« Ungarischen von Maurus M«> e i.) im heidnischen Kult, in den stark verbreiteten Mutterreligionen und im Erlösungsmythus der persischen Mythras, der sich bis in das römische Germanien erstreckte. Wie alt Symbole sind, zeigt ja das aktuelle Hakenkreuz. Es ist durchaus nicht germanischen Ursprungs, wie es tendenziöse Runenjäger gerne haben möchten, sondern uralt und höchst international. Denn es wurde bekannt- lich auch— ein Witz der Geschichte— auf dem Fries einer Synagoge in Kapernaum gesunden. Auch unter den letzten ägyptischen Aus- grabungen gibt es einige Kuriositäten. Von seltsamen Gestalten auf Aegyptens Thron er- zählen die Monumente und Inschriften. Unter den Frauen, die das Szepter führen, fällt beson- ders eine auf: H a t s ch e p s o w e t, eine energische Dame, ein« Usurpatorin und Eroberin, eine ge- krönte Furie. Sie verteidigte ihre Herrschaft gegen verschiedene Familienmitglieder, selbst gegen den eigenen Gatten Thutmose III., der während ihrer despotischen Regierung kein Wort mitzu- reden hatte. Sie führte zahlreiche Kriege gegen Nachbarvölker und ließ sich in den Felsenwänden bei„der el bahari" einen prächtigen Totentempel bauen, der zu den größten Kunstwerken gehört und an dessen Freilegung seit vielen Jahren ge- arbeitet wird. Nachdem diese merkwürdige Frau gestorben war, entlud sich die Wut ihres Gatten und ihrer Feinde. Sie schleppten alles zu- sammen, was auf sie Bezug hatte und vernichteten es systematisch. Ihre Bildwerke wurden zer- schlagen und ihr Name ausgemeißelt. In diesem Schutthaufen haben die Archäologen des Metropolitanmuseums Hunderte von zer- brochenen Skulpturen gefunden, die jetzt mühsam rekonstruiert werden. Sie offenbaren ein Stück spannendster ägyptischer Geschichte, das von dem Wirken einer herrschsüchtigen und eitlen Frau er- füllt war. Bezeichnenderweise wurde sie auf allen Bildwerken mit einem Männerbart dargestellt. Auch an den Wänden ihres Totentempels, wo ihr ganzes Leben in farbigen Reliefs beschrieben steht, ließ sie sich als Knabe darstellen. Man sragt sich immer wieder: was ändert sich eigentlich: die Zeit oder die Menschen. Aber wenn man mit den Archäologen auf der Zeit- Maschine zurückgeht, sieht mqn mit Schrecken, daß sich herzlich wenig verändert hat. So erfahren wir, daß es schon im alten Aegypten geschästs- tüchtige Seher gab, die von der Zukunft lebten, die sie ihren Mitmenschen meistens falsch deuteten. Auch daß Reklame zum Handwerk gehört, wußten sie. Bekannt ist ja die rege Propaganda, die das delphische Orakel entfaltete. Dr. Reich, ein Spezialist für Hieroglyphen, stieß bei der Entzifferung einiger Tafeln, die man vor kurzem am Tempel von Serapis bei Memphis fand, auf folgende Bekanntmachung: „Ich erkläre Träume— ich stehe unter der Leitung Gottes— bringe Glück— bin ein Mann aus Kreta, der deutet." Bemerkenswert an dieser Anzeige ist der ge- schickte Hinweis, daß der Traumdeuter unter der Leitung Gottes steht und Glück bringt. Auch mag es für die neugierigen Aegypter oerlockend und interessant gewesen sein, ihre Zukunft aus dem Munde eines Ortsfremden zu hören. In der Näh« von Memphis bemüht man sich, die Gräber der heiligen Stiere freizulegen. Die Anbetung des Apisstiers um- faßte zeitweise einen besonderen Kult, der erst durch die Römer verboten wurde. Den Ritus der Beisetzung ließen sich die Aegypter viel kosten. In schweren Steinsärgen, aufs sorgfältigste mumi- fiziert und mit Gold geschmückt, wurden die heiligen Tiere in den unterirdischen Kammern beigesetzt. Allerdings wurden diese Gräber während der Jahrhunderte zum größten Teil ausgeraubt. Eine besondere Vorliebe der Archäologie bildet die Suche nach den historischen Hintergrün- denderbiblischenBerichte. So hat man jetzt in Aegypten Hinweis« auf die israelitisch» Fronarbeit unter Ramses II. entdeckt. Man fand Kornkammern, ebenso die berüchtigten Ziegel- steine, die die Juden ohne Stroh brennen mußten, auch Bilder, aus denen hervorgeht, wie die Israeliten von den Aufsehern geschlagen wurden. Ferner zeigten sich über die Plagen, besonders der Froschplage, bildliche Anklänge.(Es gab übrigens in Aegypten eine Göttin mit Frosch köpf, die für die Fruchtbarkeit zu sorgen hatte und als Pa- tronin der Hebammen galt.) Auch von Pharaos Traum von den sieben mageren und sieben fetten Iahren erzählt eine Wandmalerei. Doch das eigentliche Land der Bibel ist P a- lästina. Hier arbeiten seit Iahren Dutzende von Expeditionen, vornehmlich Amerikaner und Engländer. Bekannt dürften die aufschlußreichen Grabungen Professor G a r st a n g s auf den Trümmern I e r i ch o w s fein. Vor kurzem kam die Nachricht, daß Professor Bade bei Grabun- gen nördlich von Jerusalem auf die Stadt Mizpa gestoßen sei. In ihr wohnte der Pro- phet Samuel, dann wurde sie die Krönungsstadt Sauls, bis sie später babylonischen Eroberern in die Hände fiel. In Sepphoris, eine Stunde von Nazareth, wurde unter einem Schulgebäude der Mosaikfuß- boden einer Kirche entdeckt, die einst von der Mutter Konstantins des Großen zum Gedenken an die Verkündigung der Jungfrau Maria errichtet wurde. Für die Forschung ist dieser Fund äußerst wichtig, denn man glaubte, daß diese Kirche in Nazareth stehe. Nach Cphiphanias und anderen Legenden heißt es zwar, daß Marias Eltern in Sepphoris gelebt haben, aber nach dem Evangelium des Lukas war Nazareth der Ort der Verkündigung. Wer hat recht? So wirft jeder Spatenstich neue Rätsel ans Tageslicht. Endgültig lösen werden wir sie nie. Aus Bruchstücken läßt sich eine erloschene Ver- gangenheit nicht mehr zusammensetzen, kann sie nie wieder Wirklichkeit werden, und wir müssen zufrieden sein, wenn wir sie deuten können. Wenn die ffiläUer fallen Ich hebe ein Blättchen auf, das der Herbstwind vor meine Füße rollt. Was bedeutet dieses Blatt? Den herbstlichen Laubfall. Warum tritt er ein? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, d a ß er eintritt. Und zwar, bevor er nötig ist. Nötig aber wird er, da der Bodenfrost den Bäumen die Möglichkeit nimmt, sich im Winter genügend mit Wasser zu versorgen. Die Nadelbäume mit Ihren Trockenheitsanpassungen, die aus den Blättern nur ein Mindestmaß von Feuchtigkeit abgeben, bedürfen des Laubfalles nicht. Und wenn man Laubbäume aus unserem Klima in eins ver- pflanzt, das keinen Bodenfrost hat, zum Beispiel also nach Madeira oder Brasilien, dann hört dort auch der Rhythmus des Laubfalles auf, und die Bäume werden immergrün. Aber das Abwerfen des Laubes geschieht nicht nach mechanischen, sondern nach biologischen Ge- setzen. Mechanisch wäre es, wenn die Blätter nach den ersten Tagen, in denen das Bodenwasser ge- friert(was gemeinhin eintritt, wenn es etwa eine Woche lang ständige Temperaturen unter dem Nullpunkte gibt), einfach abfallen würden. So aber findet der Laubfall bekanntlich nicht statt. Im deutschen Klima beginnt der Bodenfrost meist erst um Weihnachten, oft erst im Januar. Die Vorzeichen des großen Laubfalles zeigen sich aber noch in den letzten Sommertagen, gegen Ende September. Denn dann beginnen sich zuerst ein- zelne Blattbüschel zu verfärben. Der Prozeß macht erst gegen Mitte Oktober so namhafte Fortschritte, daß er überall sichtbar wird. Nicht der Frost tötet die Blätter, sondern der Baum selber. Er zieht aus ihnen das Brauchbare heraus, verwendet das Eiweiß, den Zucker, das Stärkemehl: er„evakuiert" die Blätter, wie man im Kriege Magazine und Werkstätten leert, bevor man eine Stellung aufgibt. Dann sperrt er durch ein besonderes Korkgewebe im Blattstile die Ver- bindung zwischen Blatt und Baum. Zuletzt hängt das Blatt abgestorben, welk und überflüssig oben. Dann schüttelt ein Windstoß es herunter, oder es löst sich aus dem geringsten Anlaß ab, nament- lich nach einer frostkalten Nacht. Bis das geschieht, sind die Blätter des kommenden Jahres schon als Knospen vorbereitet. Das sind die Tatsachen. An ihnen läßt sich nicht zweifeln. Ist das aber ein Mechanismus chemo- physikalischer Kräfte? Nein und tausendmal nein! Der Baum handelt so,„als ob" er im voraus wisse, was kommen wird. Das, worauf wir so stolz sind, das Aktive in uns, das ist auch in ihm da. Zugegeben: in einfacheren, in anderen Formen, ober doch im Prinzip. Der Baum be- geht auch Handlungen: das heißt: er vollzieht Zu- fammenhänge, die auf ein Ziel gerichtet sind, und dieses Ziel ist, wie bei allen Handlungen des Menschen, das Vernünftige, nämlich die Wohlfahrt des Lebens. Darum glaubt seit einiger Zeit die Wissenschaft an ein Innenleben der Pflanze. Jeder Baum im Herbst sagt uns ein Wort darüber Dr. R. France. Die Qeheimniffe des Jnkn Der erste aussichtsreiche Versuch zur Erforschung der großen Höhlen der Inkas, die einen Schatz alter Kostbarkeiten bergen sollen, wird von Don Guillerme Walker vom Museum in Santiago unternommen werden. Noch immer breitet sich ein Geheimnis über die vielbesprochene Höhle des Inka, die unter den ausgetrockneten Hängen des Morrofelsens an der Küste bei dem chilenischen Hafen Arica oerläuft. Man nimmt an, daß dort ein Durchgang bis nach Cuzco, der Hauptstadl des Inkareichs besteht. Wie verlautet, sollen durch diesen Durchgang die Diener des alten Sonnen- fohns frische Fische nach der Kaiserstadt trans- portiert haben. Wie die Ueberlieferung vermeldet, wurde, als die Macht der Inkas im Sinken be- griffen war, der Tunnel zerstört, was auch durch die neuentdeckten Dokumente bestätigt wird. Der bemerkenswerteste der früheren Versuche, die Höhle des Inka zu durchforschen, war der des französischen Admirals Bougainville, der nach einer Kreuzfahrt im Pazific um die Mitte des 18. Jahrhunderts mit seiner Flotte von Segel- schiffen bei Arica Anker warf. Er verwendete seine Matrosen dazu, mit Aexten und Schaufeln den Eingang der Höhle frei zu machen. Nach vier Wochen angestrengter Arbeit mußte das Unter- nehmen aufgegeben werden, und der Admiral mußte die Heimreise antreten, ohne seinen heißen Wunsch, das Geheimnis des Inkas aufzuklären und sich der angeblichen Schätze zu bemächtigen, erfüllt zu sehen. Jetzt nimmt Guillerme Walker die Bemühungen wieder auf. In fleißiger Arbeit hat er einen Organisationsplan für die Erforschung aufgestellt und sich dabei die Mitarbeit von Einheimischen gesichert, die mit der Topographie des Morrefelsens oertraut sind. Bei seinem ersten Versuch, in die Höhle einzudringen, mußte er die Arbeit aber in- folge Luftmangels und des Fehlens geeigneter In- strumente zur Felsensprengung einstellen: immer- hin ist er auf eine Entfernung von 250 Meter vorgedrungen und konnte die Spuren früherer Arbeiten feststellen. Wie er erklärt, bilden riesige Grotten im Innern der Höhle wahre Tempel. Der Weg verengert sich dort so, daß stellenweise nur eine Person vorwärtskommen kann. Im Laufe der Jahre ist die Höhle des Inkas bei der ort- lichen Bevölkerung populär geworden. Zur Zeit befindet sich am Eingang ein Bild der Jungfrau, das Ziel zahlreicher Pilger aus den umliegenden Siedlungen. Sie legen vor der Statue Blumen- gaben nieder und befestigen brennende Fackeln, die in der Nacht der Höhle ein phantastisches Aussehen geben. Aber in der ungestörten Einsamkeit der unbekannten Galerien wacht die Höhle des Inkas eifersüchtig über das Geheimnis ihrer Größe und des kostbaren Inhalts, den sie birgt oder bergen soll. Einsendungen für dtei« Rubrik sind > i r I i» SB SS. Lindeastrah« t. Groß-Berlin stets an da» Bezirissekretarta» 2. Hos, 2 Trennen rechts, zu richte» Beginn Meu Veranstaltungen 1914 Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Achtung, Blindeusektion! Heute Lokal Schulz, Adalbertstr. 21. Tagesordnung: 1. Arbeitsgemeinschaft. 2. Eeschiiftliches und Verschiedenes. Beginn pilnkt- lich 20 Uhr. 4. iireis Prenzlauer Berg. Erwerbsloses Am Freitag, 30. September, beginnt in der Lesehalle der Bolksbibliothek, Dunckerstr. 04, ein neuer Anfänger- kursus. Derselbe ist nur für Parteigenossen eingerichtet und kostenlos. Wir erwarten zahlreiche Beteiligung. Anmeldungen am ersten Kursusabend oder vorher bei Genossen Adolf Sproeck. N. 58, Choriner Str. 45. 5. sireis. Die siinderfreunde unseres Kreises veranstalten gemeinsam mit den siindergruvpen der FTDB.-Osten ihren Spiel» und Sporttag am Sonntag, dem 25. September. Plaketten sind snur im Vorverkauf) zum Preise von 10 Pf. bei allen Helfern und Kindern zu haben. Eintritt an der Kasse 20 Pf. Aus dem Programm: Volkstänze, Kreisspiele, Kasperle, Stafetten, Handball, und Välkcrballspiel« usw. Um 18Z4 Uhr weiht Bürgermeister Ge- nosse Mielitz ein„Sturmvogel".Flugzeug und hält die Ansprache bei der Schluhfeier. Anfang 13 Uhr. 7. und 8. Kreis. Juristische Sprechstunde findet heute von 17 bis 18 Uhr im Jugendheim Rosinenstr. 4 statt. Gelegenheit zum Airchenaustritt. 13. Kreis. Anläßlich des Berliner Hockepturniers spielen am Sonnabend, 24. September, um 17 Uhr, im Bolkspark Mariendorf, die ersten Männer. Mannschaften der Freien Turnerschaft Tempelhof und des Athletik-Sport- Elubs. 12. Abt. Zum Filmabend am Dienstag, 27. September, sind Karten beim Genossen Wenzel, Oldenburger Str. 21, und bei Schmidt, Wiclefstr. 17 (Lokal), für 40 Pf. zu haben. Beginn pünktlich 18 und 20 Uhr Erwerbs. loscnkarten zur 18.Uhr.Vorstellung 20 Pf.(nur beim Genossen Wenzel). 17. Abt. Achtung, Bezirksfllhrer! Beitragsmarken bis zum 30. September beim Kassierer abrechnen. 23. Abt. Die Mitglieder beteiligen sich alle geschlossen an der Einweihung des Friedrich. Ebert-Gedenksteines am Sonntag. 25. September, 12 Uhr. Genosse Carl Severing hält die Weihrede. Treffpunkt Afrikanische Ecke Swakopmunder Straße. 48. Abt. Achtung, Bezirksfllhrer! Heute um 18 Uhr Abrechnung in meiner Wohnung. 32. Abt. Die Besichtigung der Stadtrandsiedlung findet um 16 Uhr statt. Treffpunkt Endhaltestelle der Straßenbahn.Linie 27(Buckow). 37. Abt. Funktionärsihung am Montag, 26. September, an bekannter Stelle. Voraussichtlich Abteilungsversammlung am Mittwoch, 28. September. 33». Abt. Der„Junge Ehor" gibt heute, Eonnabend. um 17Zb Uhr, zu. gunsten des Kllchenvereins ein Gesangskonzert am Hufeisen. 108. und 108a. Abt. Sonntag. ÜZi, Uhr, im Stadttheater Käpenick, Singestunde, gemeinsam mit dem Männer, und Gemischten Chor. Es werden neue Kampflieder— Marsch der Eisernen Front— gesungen. Wir bitten alle Mitglieder, daran teilzunehmen. 118. Abt. Montag, 26. September, ab 18 Uhr, Quartalsabrechnung beim Ge. Nossen Höge, Hubcrtusstr. 3. Sämtliche Marken sind vorzulegen. Frauenveranfialkungen. 1. Abt. Gemeinsamer Ausflug nach Heiligensee. Treffpunkt 12 Uhr Mon» bijouplatz. Nachzügler Endhaltestelle Straßenbahn-Linie 128, Restaurant Eporthaus. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Grosz-Verlin. Achtung I Die sireise werben gebeten, die Fundsachen des Zelt- lagcrs umgehend in der Scschästsstelle abzuholen. Die Fuudgegen. i stände liegen nur noch bis Ende September aus. Mitte: Achtung, Helferfahrt! Unsere Kreishelferfahrt findet be- , stimmt statt. Treffpunkt heute, VA Uhr, Schlesischer Bahnhof, AH Haupteingang. Alle Gruppen müssen vertreten sein. Krcuzberg: Achtung, NestfaUenI Die Nestfalken, die mit in Blankensee waren, treffen sich am Montag um 17)� Uhr im Heim Porckstr. 11 zur Probe für den Elternabend. Zu dieser Probe werden die Nestfalken der Ab- teilungen Görlitzer Straße, Vorwärts, Kottbusser Tor, Reichenberqer Viertel um 17 Uhr am Eingang des Hochbahnhofes Kottbusser Tor, die Nestfalken der Ab. teilungen Wassertorstraße und Süden um 17.10 Uhr am Hochbahnhof Prinzen- straße abgeholt. Kreis Neukölln: Rote Falken der Gruppen Lichtkämpfer, Aufbau, Quell«, Sturmvolk, Kurt Eisner sind heute, Sonnabend, im Krcisheim um 17 Uhr pünkt. lich zur Stelle.— Jung, und Rote Falken, die sich am Sportfest in Friedrichs- Hain beteiligen, treffen sich am Sonntag um 13 Uhr am Rathaus Neukölln.in Falkenkleidung und mit Wimpeln. Unkosten 20 Pf.— Falkenrat: Wir tagen am Montag um 17>4 Uhr im Kreisheim.— Kassierer: Alle Gruppenkassierer sind am Montag um 13Zä Uhr in der Baracke Ganghoferstraße. Abrechnungen mit- bringen.— Nestfalkenhelfer: Besprechung am Montag um 18 Uhr in der Baracke. 1 M. Schreibzeug mitbringen.—„Der Querschnitt" probt pünktlich 19 Uhr Sommerbad, Grenzallee. Bcrbebezirk Tcmpelhos: Kunstabend 20 Uhr im Realgymnasium � Tempelhof, Kaiserin-Augusta-Str. 20. Es spielt da»„Proletarische M Orchester der SA?." Alle Genossinnen und Genossen treffen sich pünkt. lich 19 Uhr vor dem Realgymnasium. Falkentracht. Werbcbezirk Reinickendorf: 17 Uhr Außenspielplatz Tegel, Seidelstraße, Zu. sammenkunft aller Genossen. Falkenkleidung. Anschließend im Heim Seidel. straße 1: Vorstandssitzung WA Uhr.— Spieltruppe„Galgenvögel" bei Mattern, Eichbornstr. 94: 19 Uhr Gesangsstudie, 20 Uhr Sprcchchor. ZTlorgen, Sonnlag. Steglitz I: Treffpunkt zur Fahrt 7 Uhr Rathaus. _.._——i,•'— Unkosten.- zur Fahrt 7 Uhr Bhf. Kuhle Wampe, 7 Uhr öermsdörf� 80 Pf. öhf. Schönhauser Allee. - Hermsdors: Treffpunkt Folkplatz I: Fahrt nach Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 26. Abt. Unser Genosse Ernst Davidsohn. Saarbrücker Str. 13, ist plötzlich verstorben. Ehre seinem Andenken! Beerdigung Sonntag, 25. Sep. tember, um 13 Uhr, jüdischer Friedhof, Weißensee, Lothringer Straße, neue Halle. Rege Beteiligung wird, erwartet. 3t. Abt. Unser Genosse Hugo Tiebeckc, Stolpische Str. 30, ist Plötz. lich am 17. September verstorben. Die Mitgliedschaft ehrt das Andenken des Verstorbenen durch zahlreiche Beteiligung bei der Einäscherungsfeier heute, Sonnabend. 24. September, um 16>.Z Uhr, im Krematorium G-richtstraße. jWSozialMcheArbeiterjugendGroß-Verlm Einlendungen für diese Rubrik nur an das Jugends-kretariat Bertin SW 68 Lindenstraße 2. vorn 1 Treppe rechts. Proletarisches Orchester der SAJ.: Heute Treffpunkt 18Zö Uhr U-Bahnhof Südring, Ausgang Ringbahnstraße. Beteiligung siehe Wcrbebezirk Tempelhof. heule, Sonnabend. Kottbusser Tor: Treffpunkt 18Zb Uhr„Süße Ecke" zur Werbung.— siöpenicker Biertel: VA Uhr Echlesisches Tor: Pflichtveranftaltuno.— siarlshorst: Treff. punkt 18 Uhr Bhf. Karlshorst. Kampffondsmarkenverkauf. Morgen, 10 Uhr, ebendort. Werbung. Werbebczirk Prenzlauer Berg: Treffahrt Uctzdorf. Treffpunkte: Radfahrer 18 Uhr Bhs. Weißensee: Gruppen: 16 Uhr Bhf. Prenzlauer Allee, 18 Uhr Bhf. Gesundbrunnen und Weißcnsee, Nachzügler 20 Uhr Bhf. Prenzlauer Allee, morgen 7 Uhr Bhf. Prenzlauer Allee. Decken mitbringen. ästen Vorträge, Vereine und Versammlungen % Reichsbanner„Schwarz Rot Gold". Geschäftsstelle: Berlin S. 14 S-baftionftr. 37-38. Hot 2 Tr Mitte(Iungba): Sonnabend, 24. September, 21 Uhr, Treffpunkt in w9r> Iungbannerkleidung bei Feldmann, Chausseestr. 27.(40 Pf. Fahr. qeld mitbringen.)— Wedding(Ortsoerein): Sonntag, 25. September, Eni. hüllungsfeier des Gedenksteines des Kameraden Friedrich Ebert. Antreten samt. licher Kameraden 11ZH Uhr bei Reichert, Müllerstr. 88(Schaukrlwilhelm).— Prenzlauer Berg, Kameradschaft Seneselder Platz: Unser Kamerad Ernst David. son ist verstorben. Beerdigung Sonntag, 25. September, 13 Uhr, Weißensee. Um rege Beteiligung wird gebeten.— Bohnsdors-Grünau, Jungbanner: Sonn- tag, 25. September, 7Zb Uhr, Antreten in Uniform vor dem Gesellfchaftshaus Grünau zur Motorbootfahrt nach der Dubrow. Interessen-Berbanb der durch Verkehrsunfall« Geschädigte»,„Unsall-Silfc". Geschäftsstelle: Berlin NW 40, Rathenower Str. 6(am Krimmalgericht). Sprech. stunden und kostenlose Auskunfterteilung täglich von 11— 12 Uhr und 17— 19 Uhr. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 11 Uhr, Pappelallee 15, Vortrag des Herrn Ernst Himmel. Musikalische Mittagsstunde. Typographisches Orchester. Dirigent: Erich Gutzeit, llebungsstunden jeden Freitag, 201»— 22Zä Uhr, im Ideal-Kasino, Neukölln, Weichselstr. 8. Bläser und Streicher willkommen. p- rnEaier ira-* lAdmiraispaiasll ! Täglich SZi Uhr■ Gitta A l p a r in Katharina l TtieaieriWGSlens Ibis 25. Septemb. täglich 80. Uhr Stgs. 4 u. 80."" Richard Tauber Ii"|| c Dreimäderl- I hans| 5 c h III e r Groimansir. 70/71 SteinpL(C 1) 6715 Täglich 81/« Uhr Der 1 8 Oktober Heilinger. Strömer. v. Alten, Heuser Regie: K e n t e r Thea ter Der lebende| Leichnam , 5 0 Pf.— ( Theater, Lichtspiele usw. Staats fev Tkcater Sonnabend, den 24. September Staatsoper unter den Linden 19 Uhr Der Rosenkavalier Staatliches Schauspielhaus • 20 Uhr Was ihr wollt VOLKSBUHNE Theater am BUlowpiatz D I. Norden 2944. Allabendlich 8(4 Uhr Der Revisor von Gogol- Regle: Heinz Hilpert CortBols Karöiow/ HaatK/ Verhoeven Sf Ml. Oper Charlottenburc Fraunhofer 0231 Sonnabend, 24. Sept Turnus i Undine Beginn 19,30 Uhr Nettesheim, Schirach, Müsch, Cavara, Gombert, Kandl, Baumann, Müller, Pechner Dirigent: Breisach morgen 7 Uhr Bhf. Prenzlauer Allee. Decken mitbringen. Werbebeziri Reukölln: Treffpunkt zur Arbeitsfahrt nach Lehnitz WA Uh Bhf. Neukölln.— All« 1. und 2. Gruppenleiter müssen erscheinen. Uinvst«, SCAt4 Tim. 5 d. 1)4 Uhr JACKSHEA WILSON, KEPPEL BETTY/ TOGARE LAI-FOUN/ GENIA NIKOLAJEWA TRIO OARESCO Lessing-Ttiealer Tägl 80. Uhr GreteMosheim Oskar Homolka in Pygmalion — Theater am— Schiffbauerdamm D 2 Weidend. 9355 Täglich 8l/a Uhr .loionne Immergrön" Bsrl.Kora.v. Hans Brenntrt mit Harald Paalsen W»n*er > Garten• 8 Ohr 15. Flora 3434. RanflieD erl. Das berühmte DAYELMA- BALLETT 3 Swifts, Rudi GrasI und weitere Künstler-Truppen von Internationalem Rnl. Sonnabend n. Sonniao ic 2 vorsieiln. 4 1.8.15 Uhr. 4 Ubr kleine Preise metropoi-meaier Täglich SVt Uhr Sritzi Massary in Eine Frau, die weiß, was sie wüll OeutsüiesMef Weidend. 5201. 8 Uhr Rose Bernd von Gerhart Hauptmann mit Paula Wesseiy Kammerspieie 80. Uhr Schicksal nachWunsch Kiinliiie>. Christi Winsloe Regia: Retoll Bar Melrer, Ullrich, Riemann, Abel, Brausewetter Rose. Thealer inüi Fmklirtir Streit 132 Iii. Wiithsil k? 3(2? 5 Uhr Aschenbrödel 8.30 Uhr Aerzte im Kampf 11 30 Uhr Ganovenehre Blumen iiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Paul Golletz Mariannenstr. 3 F 8, Oberbaum 1 303 Puiffuno� uobdii u PeklomrmdrKrr. Vrfiöf seil%S Jahrm ob Speziolitistf Conrad Müller uuüjfi1.1 Urteil. Das Amtsgericht Bayreuth erkennt in der Privatklagcsache 1. des Geschäftsführers Theodor Glocke und 2. des Sauptschriftleiters Friedrich Stampfer, beide in Berlin, gegen den Schriftleiter Ludwig Ruckdcschel in Bayreuth wegen übler Nachrede in der öffentlichen Sitzung vom 30. Juni 1932 auf Grund der Hauptverhandlung zu Recht: I. Ruckdcschel, Ludwig, geboren am 15. März 1907 in Bayreuth, ledig, Schriftleiter in Bayreuth, ist schuldig zweier in Tateinheit durch die Presse verübter Vergehen der üblen Nao|. rede und wird hiewegcn zur Geld. strafe von fünfzig Reichsmark, uni. gewandelt für den Fall der Unein- bringlichkeit in eine Gefängnisstrafe von 10 Tagen verurteilt. II. Der Angeklagte hat die Kosten des Verfahrens zu tragen sowie die den Privatklägern erwachsenen notwendi» gen Auslagen zu erstatten. HI. Den beiden Privatklägern wird dt« Befugnis zugesprochen, den erken. nendcn Teil des Urteils in den Zei- tungen„Vorwärts", Berlin, und „Kampf", Bayreuth, binnen 14 Tagen nach Rechtskraft öffentlich auf Kosten des Angeklagten bekanntzumachen. Gründe: XXX. gez. sirumbholtz, Amtsgerichtsrat. Vorstehendes Urteil gebe ich hiermit richterlicher Ermächtigung gemäß ösfent» lich bekannt. Nürnberg, den 22. September 1932. Rechtsanwalt Iustizrat Dr. Dr. EllßHcim, Nllrnberg-A., Adlerstraße 33/11. imuie K Radio Tapeten Szillat. Kolonie» straße 9 »'/.ubr CASIHO- THEATER � Lothringer Straf)« 37, IIMHIIIIHIIIIIIMIIIIIIIIKMIIIIIIIIMIIIIIiniMIIMMIIIIUIIIHIIIIMHIIII Sonntag nachm. 4 Uhr Nur nod� wenige AaffGhrnngen Jlnnemawic Volksoperette— Musik von Gilben Dazu buntes September-Progr. Gutschein für die Leser 1— 4 Personen Faut 0.75 M., Sessel 1 35 M.. Park. 0.50 M Kochherde jeder Art u. Größe. Riesenauswahl. ITeilzahIung, trans» portable Kachelöfen. Badewannen. Oefen, Kesselöfen. Die alte Firma Semmler und Bleyberg. Dresdenerstraße 99. Iannowitz F 7 6651. Kieidungssiocko, uiasciio usw. Bekanntmachung. Die in der Zeit vom 1. April bis 30. Juni 1931 versetzten Pfänder sind versteigert worden. Heber- schüsse sind biszum24.März 1933 abzuheben. Staatliches Leihamt. Wenig getragene Kavaltergarderobr von Millionären. Aerzten, Anwälten. Fabelhaft billige Preise. Empfehle Taillenmäntel. Pa. letots. Fracks. Smo. kings. Gehrockan- lüge Hofen Sport. Gelegentlich »nscrcr Uebersiedlnng in unsere ver- größerten Geschäfts- räume bieten wir hochwertige Radio. anlagen zu sehr dilligen Preisen ge- gen günstigste Zah- lungsbcdingungen an. Besuchen Sie uns oder verlangen Sie kostenlose Vor. fllhrung. Ostfunk Szilasi, nur Ne- anderstraßc 16, l. Telephon: Ianno- witz 0435. Umzüge FunpuiBsen Gehpelze Mäntel. (heitskäufe Garderobe ster Weg Damen. Gelegen. in neuer Weite. lohnend. Möbeltransporte billig, gewissenhaft. Genosse Eonrad Plitz, Neukölln, Hermannstraße 18. 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Der Preußische Landtag beschäftigte sich in s«iner Sitzung vom Freitag, nachdem er die Anträge über die Sondergerichte erledigt hatte, mit einem Antrag des Handels- ausschusses, der das Staatsministerium ersucht, alle irgendwie mög- lichen Maßnahmen zu ergreisen, um den Betrieb des P e i n e r Walzwerks und der Jlseder Hütte aufrecht zuer- halten. Mit der Beratung verbunden sind mehrere andere Berg- Werksanträge. Abg. Bogt(Soz.) begründet den sozialdemokratischen Antrag gegen die beabsichtigte Stillegung der Zeche„Präsident" in Bochum und betont, daß durch diese beabsichtigte Stillegung vier Nach- bar zechen gefährdet �würden. In der Bevölkerung Bochums habe die Ankündigung der Stillegung ungeheure Erregung hervorgerufen. Es handele sich um modernste Schachtanlagen. Das Unternehmen, das früher durchaus gesund gewesen sei, sei durch hemmungslose Konzentrationsbestrebungen und Angiiederiing den, Ruin entgegengeführt worden. In seinen weiteren Ausführungen verlangt der Redner die Verstaatlichung des Bergbaus. Das System der Subventionen könne man nur als Uebergangs- srscheinung betrachten, und nur beim Erzbergbau werde eine Aus- nähme gemacht, weil dieser zu den konjunkturempfindlichsten Be- trieben gehöre. Abg. Dr. ZNeycr-Westfalenn e i d e n. Ihnen komme es nur daraus an, die d e u t s ch n a t i o> n a l c n Vertreter in den Gemeinden zu verdrängen. Die Sozialdemokratie scheue eine Wahl nicht, sehe aber gegenwärtig dazu keine Notwendigkeit. Die große Verwaltunasresorm habe bis- her nicht durchgeführt werden können, weil die Rechte sie verhindert habe. Die Notlage der Gemeinden sei entstanden durch die Wirtschaftskrise und die F ü r s o r g e t ä l i g k c i t! die Sdzial- demolratic trag« dafür keine Verantwortung. Jetzt, wo der Ent- scheidungskampf um die großen politischen Probleme und um Welt- anschauungen geführt werde, sei keine Zeit sür die kleinlichen Gesichtspunkte, die bei Gemeindewahlen eine Rolle spielen. Abg. Schwenk(Komm.) tritt sür die Vorverlegung der Ge- meindewahlcn ein. Abg. Dr. von krics(Dnat.) erklärt, die Deutschnationale» ständen Gemeindewahlen durchaus sympathisch gegenüber,«ie könnten dem„alionatsozialislischen Antrag aber nicht zustim- inen, weil sie Grund zur Annahme hätten, daß die Regierung Bracht in aller Kürze eine weilgehende Verwaltung«- r e s o r m auf dem kommunalen Gebsct ins Werk setzen werde. Eine Neuwahl vor dieser Verwaltunasresorm sei nicht zweckmäßig. An die zweite schljeht sich sofort die dritte Beratung. Der nationalsozialistische Gesetzentwurf wird mit d e n S t i m m e n der Nationalsozialisten und Kommunisten verabschiedet. Das Haus setzt dann die am Donnerstag unterbrochene politische Aussprache über die Haushaltsnoroerordnung fort. Mit der Beratung ver- Kunden sind u. o. die B a d e v e r o r d n u n g Dr. Brachts und ein kommunistischer Antrag aus Amtsenthebung des Berliner Polizei- Präsidenten Dr. Melcher. Abg. Schmelzer(Z.) erklärt, die wichtigste Ausgabe des Paria- mer.ts sei es, durch Mehrheiisbildung eine gesunde Stoatsführung zu gewährleisten. Wenn sich das Parlament al« unfähig erweist. Stoatsnotwendigkeiten zu beschließen, auch wenn sie unpopulär sind, dann bedeutet das den Tod des demokratisch-parlomentarischen Systems. Möglichkeiten einer Mehrheitsbildung dürfen nicht zer- schlagen werden i ob sie vorhanden sind, wird sich ja noch erweisen. In einer solchen Arbeitsgemeinschaft wird sich das Zentrum jeden- falls niemals einseitig festlegen lassen.'Wir wollen dos Paria- m e n t nicht ausschalten lassen von der Führung der Geschäfte des Staates. Aber ein Parlament darf nicht einer Regie- rung immer in den Arm fallen. Wenn wir die Volksrechte nicht zugrunde gehen lassen wollen, müssen wir«ine starke arbeitsfähige Mehrheit bilden und Sympathie und Antipathie hinter das Wohl des Staates zurückstellen. Wir fühlen uns durchaus nicht als reuige Sünder, sondern wir sind frei von jeder Bindung und bereit, uns auf ein praktisches Arbeitsprogramm zu einigen. Abg. Kunh(Komm.) wendet sich in längeren Ausführungen gegen die Nationalsozialisten und erklärt u. a., die SA., die dreimal zur Nevolution angetreten, aber immer wieder zurückgerufen sei, sei dieses Spiels überdrüssig. In Papen sei Hitler ein überlegener Konkurrent entstanden. Abg. Wigand(D. Bp.) gibt namens der deutschoolksparteilichen Gruppe eine Erklärung ab, in der dem Bedauern darüber Aus- druck gegeben wird, daß der Landtag bisher noch keinen ver- antwortlichen Ministerpräsidenten gewählt habe. Die Inangriffnahme der Berwaltungsresorm wird begrüßt, wenn auch gegen Einzelheiten Bedenken bestünden. Sitzung wieder unierbrochen. Als dann der Abg. Nuschke(Slaatsp.) an da» Rednerpult tritt, wird er von den Nationalsozialist en mit Gelächter und Rufen begrüßt:„Zeht kommts, nun aber lauter!" Die ersten Worte des Redners bleiben daher unverständlich. Trotz der Mahnungen des Vizepräsidenten Dr. von k r i e s dauert die große Unruhe auf der rechten Seile des Hauses an. Der Lärm steigert sich noch, als Abg. Naschte von „demagogischen Behauplungen des Abgeordnelen kube in seiner gestrigen Rede" spricht, so daß von den Ausführungen des Redners überhaupt nichts mehr zu hören ist. Auch der Vizepräsident kann sich nicht mehr verständlich machen und berät sich mit den Schrislsührern. Der deutschnationale Fraktionsführer Dr. von Wintcrseld begibt sich schließlich zum Vizeprösidenlen und spricht mit ihm. Dr. von K r i e s verläßt das Präsidium und unterbricht dadurch die Sitzung. Die Nalionalsozia- listen brechen in ein Gelächter aus. » Nach einer Pause von etwa Ist Minuten eröffnet Vizepräsident Dr. von kries die Sitzung wieder und teilt mit, daß er vorhin die Ruhe nicht habe auirechterhaitcn können, weil er die Namen der Ruhestörer nicht gekannt habe. Er habe sie deshalb nicht zur Ord- nung rufen können. Er bitte die Abgeordneten, die Ruhe nunmehr zu bewahren, damit die Berhandlungen fortgeführt werden könnten. Als hierauf Abg. Nuschke(Staatsp.) das Wort zur Fortsetzung seiner Ausführungen erhält, oerlassen die Nationalsozia- listen bis auf einige Abgeordnete den Sitzungs- f a a l. Der Redner verteidigt den ehemaligen Reichssinanzminister Dietrich gegenüber Vorwürfen des Abgeordneten Kube(Nsoz.) Vizepräsident Dr. von kries erteilt hierauf nachträglich dem Abgeordneten Frhr. von Eitz- Rübe noch(Nsoz.) wegen Ruhe- störung einen Ordnungsruf. Die Haushaltsnotverordnung und die mit ihr verbundenen Gegenstände werden dem hauptausschuh überwiesen. Ein kommunistischer Antrag aus Aushebung sämtlicher Z e i t u n g s v e r b o t e und aus Amtsenthebung des Berliner Polizeipräsidenten Dr. Melcher wird mit den Stimmen der Na- tionalsozialisten, Sozialdemokraten und k o m m u- nisten angenommen. Annahme findet auch noch ein �nationalsozialistischer Antrag, der das Staatsministerium ersucht, aus die Reichsregicrung einzuwirken, aus der für das Arbeitsbefchafsungsprogranim vorgeschlagenen Summe von etwa 200 Millionen Mark einen Betrag von etwa 25 Millionen Mark für die K l e i n e i s e n i n d u st ri e bereit- zustellen und bei allen staatlichen Aufträgen die Kleineisenindustrie stärker als bisher zu berücksichtigen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Das 5)aus erteilt dem Präsidenten die Ermächtigung, von sich aus nach Bedarf den Termin der nächsten Londtagssitzung festzusetzen Falls nicht be- sondere Umstände eintreten, ist mit dem Wiederzusammentritt des Landtags erst nach den Reichstagswahlen zu rechnen. Schluß 19)4 Uhr. Politik im Krankenhaus. Was unter Schmincke im Neuliöllner Krankenhaus mögSich wurde. 3n ein Krankenhaus gehört keine Politik. Zm Neuköllner Krankenhaus schien man anderer Meinung zu sein. Unter der Leitung des Kommunisten Dr. Schmincke haben sich hier untragbare Verhall- nisse herausgebildet. In einer Betriebszeitung„Die rote Eidechse" wurden die tollsten Angriffe gegen nichtkommunistische Mitarbeiter des Hauses gerichtet. Zu einem Sonderausschuh der Neuköllner Be- zirksoersommlung hat man in diese Machenschaften einmal hineingeleuchtet. Ueber das Ergebnis der Untersuchung erhalten wir folgende Darstellung: Der verantwortliche Leiter, der Kommunist Dr. Schmincke, führte vor dem Ausschuß die Mißstände, die in der„Roten Eidechse" geschildert wurden, aus die Sparmaßnahmen des Berliner Magistrats und falsche Berichterstattung seines Krankenhausdirektors zurück. Infolge der Kritik in der„Roten Eidechse" waren eine Reihe Aerzte, Schwestern, Beamte und Pflegepersonal vernommen worden. Aus den Protokollen ging hervor, daß auf einzelnen Stationen des Krankenhauses, insbesondere auf der Station XIV zwischen kom- munistischen Aerzten, Schwestern usw. und Andersgesinnten ein sehr gespanntes Verhältnis herrsche, das auch aus die Patienten nicht ohne Einfluß blieb. Zur Zeit der Reichspräsidentenwahlen hatten kommunistische Patienten ihre Betten mit Fähnchen:„Wählt Thäl- mann!" geschmückt. Zwischen den Hausdienern und den kommunisti- scheu Aerzten fanden auf den Korridoren politische Diskussionen statt. Während so auf der einen Seite kommunistische Agitation be< trieben wurde, betrieb die Schwester Böhme Agitation in national- sozialistischem Sinne. Sie bestritt natürlich alles, ober in ihren Personalakten fanden sich Schreiben an Patienten aus dem Jahre 1930, die damals schon gegen die nationalsozialistische Agitation der Schwester protestierten. Um aber der Schwester Gelegenheit zu geben, sich auszusprechen, wurde sie vor den Per- sonatdezernenten geladen. Dort hat sie dann im Beisein von zwei Beamten in recht frecher und zynischer Weise eine„Verteidigungs- rede" gehalten. Das ungebührliche Austreten führte zur Kündigung. Gekündigt wurden auch zwei kommunistische Aerzte. Der Hausdiener Becker, der im Verdacht steht— bewiesen ist es nicht—, die„Rote Eidechse" redigiert und verbreitet zu haben, wurde oersetzt. Die KPD. verlangte die Rückversetzung und Vorlegung der Personalakten, um herauszubekommen, worum Becker verdächtigt werde. Dabei stellte sich heraus, daß Becker als entlassener politischer Strasge- sangener durch Vermittlung der Gesangenensllrsorge als Hausdiener ins Krankenhaus kam. Aus den Strafakten geht aber hervor, daß Becker nicht wegen politischen Mord, sondern wegen Raubmord zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wurde und 6 Jahre davon verbüßt hat. Nur weil er bei Begehung der Tat noch Jugendlicher war, lautete das Urteil aus die Höchststrafe von 19 Jahre Gefängnis. Becker wurde nur als Aushilfe eingestellt, blieb aber dann da, weil er sich durchaus einwandfrei führte und ein fleißiger Arbeiter war. Erst nach seiner Anstellung siel er den kommunistischen Agitatoren zum Opfer. Becker wird nun wegen Einschränkung des Betriebs am 30. September entlassen. Daß im Krankenhaus Neukölln eine üble politische Agitation in links- und rechtsradikalem Sinne getrieben worden ist, steht«In- wandfrei fest. Daß der kommunistische Stadtrat Dr. Schmincke nicht den Mut und den Willen gehabt hat, hier durchzugreifen, steht ebensalls fest. Es bedurfte erst des Eingreisens unseres Genossen Stadtrat R a d t k e, als Vertreter des Bürgermeisters, um endlich Ruhe zu schaffen. Jetzt möchte man vor der Reichstagswahl alle Schuld der Sozialdemokratie in die Schuhe schieben. Aber alle Ver- drehungskünste der Links- und Rechtsradikalen können die Schuld des kommunistischen Stadtrats nicht beseitigen. Waren e» doch ge- rode die Deusschnationalen und Volksparteiler, die im Januar 1927 den jungen kommunistischen sächsischen Landtagsabgeordneten und Badearzt Dr. Schmincke— ohne ihn zu kennen— wählten, nur weil als Gegenkandidat«in Nichtsachmann der Sozialdemokratie ausge- stellt war. Jetzt zeigt sich, daß ein Arzt»och lange kein tüchtiger Verwaitungsfachmann sein muß. Jetzt möchte» dieselben bürgerlichen Parteien, daß Dr. Schmincke das Dezernat abgenommen wird. Die Sozialdemokratie wird ihnen die Verantwortung nicht abnehmen. Zweiter billiger September-Sonnabend im Zoo. Am heutigen Sonnabend. 24. d. M., kostet der Eintritt in den Zoologischen Garten sür Erwachsene SO Pf., für Kinder bis zu 19 Jahren 25 Pf.! dieselbe Ermäßigung gilt für das'Aquarium. Filmmatinee der kindersrennde am Sonntag, 25. September, in der„Alhambra", Schöneberg, Hauptstraße 39. Einlaß 11 Uhr. Kinder 39 Pf., Erwachsene 59 Pf. Wetleraussichlen sür Berlin: Meist bewölkt mit Regenfällcn und sinkenden Temperaturen.— Für Deutschland: Im Süden und Süd- often noch warm bei frischen südwestlichen Winden, im Nordwesten leicht veränderlich, einzelne Schauer, kühl, im übrigen Reiche stark bewölkt mit Regenfällen und erneute Abkühlung. KALTEI aber warme Fuße in Leiser* Kamelhaarschuhen Frankreich europäischer Kapitallieferant? Die französischen Finanzen unter den Wirkungen der Krise. Der Abstrom französischen Goldes nach Amerika, die Konoersion der französischen Staatsrenten, Frankreichs Zu- rürkhaltung in Stresa haben von neuem die Aufmerksamkeit auf Frankreichs mögliche Rolle als Kapitalexporteur für den europäischen Wiederaufbau gelenkt. Frankreich hat heute selbst nicht unbeträchtliche Kapitalssorgen. Seit Ende 1926 hatte die Bank von Frankreich Gold über Gold an sich herangezogen. Das ganze Weltwährungs- system ist unter dem Druck der französischen Bemühungen, möglichst viel Kapital nach Frankreich zu ziehen und wenig zu verborgen, durcheinandergeraten. Erst in den letzten Monaten wechselte der Goldstrom seine Richtung und zwang auch die Bank von Frankreich verschiedentlich zu größeren Goldabgaben. Diese Tatsache Hot neue Erwartungen auf eine nutzbringende Erschließung des franzö- fischen Kapitalmarkts, besondern für Europas Wiederaufbau, auf- kommen lassen. Aber die neuerlichen Goldabgaben der Bank von Frankreich (die übrigens jetzt schon wieder überwunden zu sein scheinen) sind keine Zeichen für einen Wandel der französischen Anlagepolitik. Sie standen in Verbindung mit der Rew-Dorker Börsen- Hausse, die große europäische Kapitalmengen an sich zog, natür- lich auch französische Spekulationskapital. Aber nicht in bedeutenden Mengen. Die französische Spekulation stand und steht noch jetzt der New-Dorker Aufwärtsbewegung sehr skeptisch gegenüber. Dagegen hat eine sehr beträchtliche Umlagerung englischer Flucht- k a p i t a l i e n von Paris nach New Port stattgefunden. Währungs- mäßig war die Wirkung dieser Umlagerung die gleiche wie die etwaiger französischer Kapitalexporte. Gegen französische Franken wurden Dollar gesucht. Mit anderen Worten: die Bewertung des Franken gegenüber dem Dollar schwächte sich ab. Der Dollar über- stieg vorübergehend den Goldexportpunkt mit der Folge, daß statt den nachgefragten Dollars Gold nach New Park überführt wurde. Prinzipielle Bedeutung kommt demnach den letzten französischen Goldexporten nicht zu. Aus ihnen Hoffnungen auf eine Erschließung des französischen Kapitalmarkts zu hegen, wäre oerfehlt. Grundsätzliche Hemmungen. Immer wieder ist in den letzten Iahren die Erschließung des französischen Kapitalmarkts in den Vordergrund der internationalen Diskussion gezogen worden. Der Kapitalüberfluß in Frankreich und die damit verbundenen niedrigen Zinssätze auf der einen Seite, und die Kapitalnot des Auslandes, das sehr hohe Zinsen bewilligte, auf der anderen hätten nach den Grundsätzen der National- ö k o n o m i e ohne weiteres zu einem natürlichen Ausgleich durch französische Kapitalexporte führen müssen. Und zwar um so mehr, als auch der französische Staat durch seine Wirtschaftspolitik den Kapitalexport zu fördern suchte, z. B. durch starke Herabsetzungen der Börsen- und Wechselsteuern für ausländische Papiere, durch eine Teilreform des Aktienrechts, eine Reform der Pariser Börse, die Schaffung der gesetzlichen Voraussetzungen für die Errichtung von Investementtrusts in Frankreich, die Errichtung einer Akzeptbank. Wenn trotzdem ein wesentlicher französischer Kapitalexport nicht zu- stand« kam, so ist dies auf verschiedene Hemmungen grundsätzlicher Art zurückzuführen.: Vor allem: der Franzose ist vorsichtig und will sicher gehen. Er will ruhig schlafen können, wenn er Geld oerborgt und verlangt eine besonders sichere Anlage. In der Vorkriegszeit hatte Frankreich etwa 4S Milliarden Goldfranken Anleihen ans Ausland gewährt, die zum überwiegenden Teil verlorengegangen sind. Kein Wunder, wenn heute der französische Kapitalist große Neigung ver- spürt, neue Geschäfte mit dem Ausland zu riskieren. Außerdem bestehen Mängel im französischen Banken- system, die das Aufsuchen von Kapitalanlagen im Ausland er- schweren. Die französischen Banken sind in ihrem Arbeitskreis sehr stark abgegrenzt. Die Depositenbanken(mit der Crädit Lyonnais und dem Comptoir National an der Spitze) saugen durch ihr um- fassendes Filiolnetz die Spareinlagen auf, beschäftigen sich aber nur mit dem Depositen(Einlagen) und dem Diskontgeschäft(Wechsel- onkauf). Demgegenüber haben wieder die Emissions-(Anleihe-) Banken(wie etwa die Union Parisienne und die Banque de Paris et des Pays Bas), die sich mit der Grohsinanzierung und dem Aus- landsgeschäft befassen, keine direkte Fühlungnahme mit dem Publikum. Ohne das zeichnungsfreudige Publikum ist aber großer Kapitalexport nicht möglich. Wo trotzdem Auslandsanleihen gewährt wurden, lagen meist politische Ursachen vor, wie bei den Anleihen für die Ostländer. Akkuelle Sorge»». Diese Hemmungen werden aber wesentlich verschärft durch ver- schiedene aktuelle Nöte. Vor allem hat die inländische Kapital- bildung ihr Tempo stark verringert. Die französische Inflation hatte dem Spargedanken keinen Abbruch getan. Von Monat zu Monat steigen die Spareinlagen an. Durch die Wirt- schaftskrise hat sich seit Mitte des vergangenen Jahres die Spar- tätigkeit ganz außerordentlich verringert. Zum Teil durch die Ein- kommensminderung der Beschäftigten und die wachsende Arbeits- lostgkeit, zum Teil aber auch durch die Zunahme des Strumpf- sparen? aus Mißtrauen. Nur etwa 79 Proz. der von der Bank von Frankreich ausgegebenen Noten laufen um. Der Rest ist größtenteils gehamstert. Für den Kapitalmarkt sind die gehamsterten Beträge natürlich verloren. Größer sind aber noch die Verluste aus der Zahlungsbilanz mit dem Ausland. Der weitaus größte Posten, den Frankreich im Verkehr mit dem Ausland früher vereinnahmte, stammte aus dem Fremdenver- kehr. Es ist in den letzten Monaten stark zusammengeschrumpft. Die Reparationseinnahmen, die dem Touristenverkehr mit einigem Abstand folgten, haben ganz aufgehört. Die Zinsen, die Frankreich vom Ausland zu fordern hotte, sind durch die große Kopitalrückführung stark vermindert. Die Kapitalflucht nach Frankreich hat ihr Ende gefunden und die französischen Fracht- einnahmen aus dem Ausland stehen mit der Eintrocknung des Welchandels ebenfalls auf einem Minimum. Kurz: die Kapitalkraft und die Kapitalneubildung Frankreichs haben gegenüber dem Stand der letzten Jahre eine beträchtliche Minderung erfahren. Großer Inlandsbedarf. Das macht sich bereits im normalen französischen Wirtschasts- verkehr störend bemerkbar. Die Industrie, die sich großenteils früher aus eigenen Gewinnen sinanzierte, ist heute infolge der Krisenverluste auf den Kredit angewiesen. Kredite zu erlangen ist zur Zeit jedoch in Frankreich nicht wesentlich leichter als in Deutsch- land. Aber nicht nur die Industrie, auch der Staat hat schwere Sorgen um seine Geldbeschaffung. Stacüspopiere und Renten sind die klassische Anlage des sronzösischen Sparers. Wenn man ober bedenkt, daß seit Ende des vergangenen Jahres große Posten französischer Renten aus Rentnerkreisen an der Börse verkaust wurden, so ist das für den Staatskredit nur angenehm, um so un- angenehmer, weil der Staat mit einem immer größeren Budgetdefizit zu kämpfen hat. Ende 1929 hatte der französische Staat noch etwa 29 Milliarden Franken Rücklagen. Sie sind heute vollkommen aufgebraucht. Das laufende Finanzjahr wurde ohne eine Centime Rücklage begonnen. Der Ausfall von 1,1 Milliarde Franken, der während der ersten vier Monate des laufenden Finanzjahres zu verzeichnen war, und der bis zum Jahresende schätzungsweise auf mindesten» 6 Milliarden anwachsen wird, drückt daher in seinem vollen Umfang. Er kann wohl nur durch neue Anleihen ausgeglichen werden. Daß der Staat an eine Sanierung der Finanzen herangehen muß, ist selbstverständlich. Jetzt hat sich das Kabinett cherriot, an- geregt durch den Erfolg der englischen Konversion, zu einer Herab- setzung der Zinssätze für 85 Milliarden französisch« Staatspapiere entschlossen. Seit Montag laufen die Zeichnungen für die Kon- Version. Wenn auch die verlangten Auszahlungen bisher gering sind, so bedeuten sie doch eine volle Belastung. Ob die französische Konversion den gleichen Erfolg wie die englische haben wird, ist offen. Aber selbst wenn es so wäre, dann müßten diesem ersten schnell weitere, nicht minder tiefgreifende Schritte folgen, um die Staatsfinanzen wieder in Ordnung zu bringen. Der eigene Kapitalbedarf Frankreichs ist somit im Augenblick und in der nächsten Zukunft so groß, daß die Aussichten nicht groß sind, in absehbarer Zeit den französischen Kapital- markt dem europäischen Wiederausbau nutzbar zu machen. Die Aus- sichten werden freilich auch nicht gebessert, wenn die Frage der Heeresrüstungen, die immer zugleich eine Kriegs- und Friedensfrage ist, nicht im Sinne gründlicher allgemeiner Abrüstung in Europa gelöst wird. bb/. Gegen Vergewaltigung der Städte Oer Deutsche Gtädtetag protestiert gegen Vrachts voreilige Reform. Es ist eine Ironie der Geschichte, daß ausgerechnet der Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt, Herr Bracht, zum mindesten gegenüber der Zermürbungspolitik an der kommunalen Selbstverwaltung sich nicht zur Wehr setzt, daß er bei seiner Ver- waltungsreform sich über die Reformvorschläge seiner früheren Kollegen, des Preußischen Städtetages, einfach hinweg- gesetzt hat. Gegen diese Methoden der Berwaltungsreform, gegen unzweck- mäßige Staatseingriffe in die Selbstverwaltung hat der Deutsche und Preußische Städtetag auf seiner Vorstandssitzung am 23. September in Weimar nachdrücklich protestiert. Die Kom- munalaussicht über die mittleren und kleineren Städte muß nach Ansicht der Städte beim Oberpräsidenten zusammengefaßt werden. Wenn schon die zweite Instanz im Verwaltungsstreit- verfahren beseittgt sei, dann müsie wenigstens oerlangt werden, daß die Bezirksausschüsse mit Leuten besetzt würden, die die Kommunalverhältnisse wirklich kennen. Alle Verwaltungs- aufgaben der örtlichen Instanz seien auf die Kommunen zu übertragen. Widerspruch fordern vor allem heraus, daß in die grundsätzliche Neuordnung der Verwaltung die vorübergehenden Bestim- mungen über die Einsetzung von„Staatskommissaren für die Ab- lieferung von Staatssteuern" aufgenommen feien. Dos sei geeignet, der Hetze, die von den Gegnern jeglicher Kommunalwirtschaft „Sie letzte Game." Llntergangsstimmung bei der Schwerindustrie. Es steht schlecht mit dem privatkapitalistischen System. Niemand hat dos so deutlich ausgesprochen wie der Reichskanzler von Papen in seiner im Rundfunk statt im Reichstag vorgetragenen Kanzler- rede. Dieses Bewußtsein lebt aber auch in der privatkapitalistischen Wirtschaft selbst. Es ist bemerkenswert, daß es das führende Organ der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie ist, die Wirtschaftszeitung„Ruhr und Rhein" des Langnam-Vereins, die den Er- folg des Papen-Programms ebenfalls als letzte Chance des privat- kapitalistischen Systems in Deutschland bezeichnet.„Ruhr und Rhein" schreibt am 23. September folgendes: Mut zum Handeln. „Mißlingt der Plan der Reichsregierung, über die private Wirt- fchaft den Organismus der deutschen Wirtschaft wieder zu beleben und ihm seine volle Leistungsfähigkeit zurückzugeben, dann ist das freie Unternehmertum verloren, dann werden jene Kräfte die Ober- Hand gewinnen, die den Gesamtbereich der Wirtschaft der staatlichen Regelung unterwerfen wollen. Wehe dem Unternehmertum, wenn es nur an eigenen Nutzen denkt und nicht an den des großen Ganzen, wenn es jetzt nicht feine Stunde erkennt und die große Chance begreift, die ihm die Reichsregierung bietet, wenn es nicht wagt, sondern nur zurückhält, nur wartet." Wir wiederholen diesen von tiefem sittlichen Ernst getragenen Appell des Reichskanzlers an da« deutsch« Unternehmer- tum, weil auch wir der Auffassung sind, daß in dem Wirtschasts- Programm der Reichsregierung der privaten Wirtschast nicht nur — seit vierzehn Jahren staatssozialisttscher Experimente— die erste, sondern gleichzeitig auch die letzte Chance gegeben ist, die zur Ueberwindung der Krise notwendigen Kräfte zu freier und natür- licher Entwicklung zu bringen. Täuschen wir uns darüber nicht: die so oft berufene Entscheidungsstunde des deutschen Unternehmertums ist wirklich ge- kommen... Die Privatwirtschaft hat durch ihre öffentliche Zu- stimmung zu dem Regierungsprogramm diesen Willen zur Mitarbeit ausdrücklich bekundet. Ein Mißerfolg des Regierungspro- gramms wird daher in den Augen der Oeffentlichkeit als Beweis dafür gewertet werden, daß die Privatwirtschaft zur Ueber- Windung der Krise aus eigener Kraft nicht fähig ist, daß sie„o b- gewirtschaftet hat." Hier kommt eine Stimmung zum Ausdruck, die man nur Katastrophen st immung nennen kann. Das Adelskabinett er- scheint dem Privatkapial heute als Retter des privatwirtschasllichen Systems, und zwar in einer Lage, wo es um die letzte Chance geht. Die Hoffnung aus die Nazis ist schon zum Teufel. Dos Selbstoer- trauen der deutschen Privatwirtschaft scheint endgültig verloren. Für die deutsche Arbeiterschaft ist das kein« Ueber- rasch ung. Für sie haben Sozialdemokratie und Gewerkschaften deshalb den Kampf für die Beseitigung des kapitalistischen Systems als Gegenwartsaufgab« angekündigt, weil die Stunde für den Sozialismus in der Tat gekommen ist. Dieser Befürchtung müssen auch die Unternehmer jetzt offenen Ausdruck geben. Ein Grund mchr, alle Kraft der Arbeiterklasis einzusetzen für den ilmbaii derWirlschast bettieben werde, zu stützen, obwohl eine Nichtablieferung von Staatssteuern ihren Grund allein in der ungenügenden Reichshilfe und in der mangelnden Staatsbeteiligung an den Wohl- fahrtslasten habe. Die in jahrelanger Arbeit geschaffenen Haus- Halts-, Kassen- und Rechnungsordnungen hielten jeder Kritik stand und seien jeder Staatshaushaltsordnung gleich- werttg. Die Losten aus der Arbeitslosenunterstützung verschieben sich immer mehr von Reich und Staat auf die Gemeinden. Während die Lasten des Reichs sich in diesem Jahre um 159 Millionen Mark verringert haben, wird das Rechnungsjahr 1932 den Gemeinden neue Lasten in mindestens der gleichen Höhe infolge des Steigens der Zahl von Wohlfahrtserwerbslosen bringen. Der Deutsche Städtetag schätzt den Fehlbetrag aller deutschen Kommunen für 1932 auf 599 bis 699 Millionen Mark. Vom Reich müsse zum mindestens die sofortige Zahlung der eingesparten 159 Millionen Mark an die Gemeinden verlangt werden, zumal der Gemeindeanteil an der Krisensürsorge in Höhe von 1,35 Milliarden Mark in Wahrheit nichts weiter als eine Gemeindehilfe für das Reich sei. Obwohl das Reich im Prinzip die Notwendigkeit einer einheitlichen Finanzierung der Arbeitslosenhilfe anerkannt habe, sei bisher in dieser Richtung tot- sächlich so gut wie nicht» geschehen.„So geht es einfach nicht weiter. Di« Gemeinden, die ihre eigenen Aufgaben auf das äußerste ob- gebaut haben, brechen unter den vom Reich auf sie abgewälzten Arbeitslosenlasten zusammen." Schließlich wird neben der alten Forderung, die Arbeit»- losenhilfe zu vereinfachen und das Nebeneinander von Ar- beitsamt und Wohlfahrtsamt zu beseitigen, vom Deutschen Städtetog die neue Forderung erhoben, bei der Vergebung öffentlicher Arbeiten mehr als bisher Wohlfahrtserwerbslofe(die am längsten arbeitslos sind) zu beschäfttgen. Die Reichsregierung ober wird gewarnt, die Ermächttgung zur Reform der Sozialversicherung zu unsozialen Maßnahmen zu mißbrauchen. Der Heringszoll. Heftiger Protest aus Norwegen. Die Verdreifachung des Heringszolls in Deutschland hat bei den norwegischen Fischern heftigsten Protest hervorgerufen. Die Fischereiorganisationen Norwegens haben sich bereits an die Regie- rung gewandt und gegen die deutschen Zölle schärfste Ver- geltungsmaßnahmen gefordert. Diese Forderung wird durch den Hinweis unterstrichen, daß Norwegen dreimal soviel Waren von Deutschland kaufe als umge- kehrt, so daß im deutsch-norwegischen Handelsverkehr Deutschlands Handelsbilanz hoch aktiv sei.— Auch die schottischen Fischer- verbände haben ihre Mitglieder einberufen, um zu den deutschen Zollerhöhungen Stellung zu nehmen. In Deutschland protestiert der Reichsoerband der deutschen Fischhändler lebhaft gegen die Behauptung der Reichsregierung, daß die neuen Heringszölle keine Verteuerung nach sich ziehen würden. Der Reichsverband gibt an, daß die Herauf- setzung der Zölle von 3 auf 9 Mark je Tonne bei dem billigen norwegischen Salzhering zu einer Verteuerung um 31 Proz. führen muß. Damit würde der einzelne Hering um 1.2 Pfennig teurer werden. Bei den bekannten Preisabrundungen auf dem Wege über die verschiedenen Handelsorganisationen bis zum Konsu- menten dürfte die von uns aufgestellte Berechnung, daß die Ver- teuerung des einzelnen Herings zwei Pfennige ausmachen wird, noch den Feststellungen des Reichsoerbandes zutreffen. Zum Schluß erklärt der Reichsverband mit vollem Recht, daß die Steige- rung der Heringseinfuhr aus Norwegen, die im letzten Jahr 89 Proz. betragen habe, sich ausschließlich auf den billigen Salzhering beschränkt haben. Diese zusätzliche Einfuhr billiger und billigster Fische ist ober schließlich nur eine Folge derent- setzlichen Kaufkraftzerrüttung in Deutschland. Deutscher Eisenhaadel A.-G. legt Kapital zusammen. Di« Generalversammlung der Deutschen Eisenhandel A.- G, Berlin, beschloß, das Kapttal von 24.2 auf 9 Millionen Mark zusammenzulegen. Der Kapitolschnitt Hot sich durch erhebliche Sonderabschreibungen, besonders auf die zahlreichen Tochtergefell- fchaften, als notwendig erwiesen.— Nach dem Vorstandsbericht ging der Umsatz diese» größten deutschen Cisenhandelskonzerns. der über«in Netz von 94 Konzernunternehmungen verfügt, im Geschäftsjahr 1931 auf 71 gegen 119 Millionen Mark zurück. Im letzten Konjunkturjahr 1929 betrug der Umsatz etwa noch 299 Mil- lionen Mark. Bemerkenswert war der Hinweis des Vorsitzenden, daß nach einer weiteren Schrumpfung der Umsätze in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres um nochmals 35 Proz. die Umsätze eine erhebliche Steigerung erfahren hätten, so daß sich dos Verhältnis zwischen Handlungsunkosten und -Umsätzen günstiger gestaltet habe. Der Anteil der Unkosten am Umsatz konnte bereits von 17 auf 14.5 Pro.z. gedrückt werden. so daß hei einem Bruttogewinn vom Umsatz in Höhe von 13 Proz. jetzt wieder fast die Grenze erreicht sei, wo Gewinne Herausgewirt- schaftet werden könnten.