BERLIN Sonnabend 24. September 1932 Redaktion u. Expedition: L erlin SW 08. L-ndenstr.S Tel. A7 Dönhoff 292—297 Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts". Bezugspreis sürb-ideAusgaben7ZPf. pro Woche, 3,25 M. pro M-nat(davon«7 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich Kll Pf. Postzeitung-, und 72 Pf. Postbestellgebühren. ff Anzeigenpreis: Dis lfplt. Will- «eterzeile 90 Pf. Die Retlamezeile kostet 2 Marl. Rabatt««.Tarif. 10 Pf. Tit. 452 B 215 49. Jahrgang Wohilahri rar Unternehmer Die neuen Unterstützungs- Einrichtungen „Alu",„Situ" und„Wohlu"— drei Worte, ebenso unsinnig wie das init ihnen verbundene Schicksal. Millionen verfluchen die privatkapitalistische Welt, die sie zu Arbeitslosen-, Krisensürsorge- und Wohlsohrtsunterstützung verurteilt. Und dennoch: auch hier spiegeln sich Volksmacht und Sozialrechte. Bei den Maiwahlen 1928 erstarkte die Sozialdemokratie: sie stellte den Reichskanzler chermann Müller und drei weitere Mi- nister, darunter den Arbeitsminister Wissel!. Wie sah es damals in Deutschland aus? Der Sturm aus das staatliche Schlichtungswesen wurde abgeschlagen. Die Nordwestliche Gruppe des Vereins Deut- scher Eisen- und Stahlindustrieller mußte beigeben. Severing schrieb die Bedingungen vor, die Ausgesperrten waren aus Reichsmitteln unterstützt worden. 194 000 Textilarbeiter und-arbeitcrinnen kampsten um ihre Tarise und um Lohnerhöhungen. 50 000 Werft- arbeiter, 600 000 Bauarbeiter, 600 000 Reichspostler und Staats- arbeiter, die Bergarbeiter, Holzarbeiter, Buchdrucker und Eisen- bahner— sie alle erneuerten zum Teil ihre Tarisvertrage bis zum Jahre 1930 und erhöhten ihre Löhne. Nach den Ermittelungen des ADGB. betrug der tariflich fest- gesetzte Stundenlohn der mannlichen Vollarbeiter im Durchschnitt: Zuni 1928..... 99,9 Pf. Dezember 1928... 102,2 Pf. Zum 1929..... 105,3 Ps. Dezember 1929... 107,1 Ps. Im Jahre 1928 wurde nach sechs Monate langem harten Kampf der sozialreaktionäre Angriff aus Leistungsobbau in der Arbeits- losenoersicherung abgeschlagen. Gegen die Verbesserungs- Novelle zur Arbeitslosenversicherung stimmten Deutschnationale. Völkisch«(Nazi), Mittelständler und Kommunisten. Die Krisen- f ü r s o r g e wurde ausgebaut. Der soziale A n g e st e l l t e n s ch u tz wurde verbessert, für die älteren Angestellten wurde eine besondere Novelle erreicht, die die Wartezeiten verkürzte und eine Herabsetzung der Altersgrenze durchführte. Der Fünf- Uhr- Ladenschluß am Weihnachtsabend unirde erzwungen. Aus Mitteln der Lohnsteuer wurde ein« Erhöhung der In- oalidenrenten und eine Verbesserung der Knopp- schaftsvers icher ung geschossen. Die llnfallversiche- rung wurde erweitert, der Schwangeren- und Wöchne- rinnenschutz weiter ausgestaltet. Das war sozialdemokratische Gegenwarkarbeil, das waren marxistisch« Leistungen durch den Reichstag für das Volt! Die Septemberwahlen 1 930 und 107 Nationalsozia- listen machten weiteren sozialen Aufbau unmöglich: von der sich verschlechternden Konjunktur getrieben, begann das Kabinest Brü- ning zu sparen und abzuknapsen: die Sozialdemokratie st and in der Abwehr. Mit den Iuliwahlen 1932 rückten 230 National- sozialisten in den Reichstag, mit ihnen 90 Kommunisten. Schon vorher war mit Hilfe der Nationalsozialisten und nur durch ihre Tolerierung das Kabinett von Papen ans Ruder gekommen. Die privatkapitalistische Offensive gegen den Wohlfahrtsstaat begann. Die Papen- Notverordnung vom 14. Zum 1932 belastet die minderbemittelten Volksschichten mit rund 1500 INillionen 2Nark! Zur rücksichtslosen Kürzung aller Unter st ützungen trat die weitreichende Herab st reichung aller Renten. Keiner, nicht einmal die Kriegerwaisen wurden verschont. Dazu kam die Erhöhung der Krisen st euer für Beschäftigte und die S a l z st e u e r. Die zweite Notoerordnung vom 4. September 1932 des Kabinetts der„feinen Leute", der von den Nazis in den Sattel gefegten Herren, schus neue, völlig anders geartete„Sozial- Unterstützungen". Zeht haben wir die„Steugu", die Steuergutscheine. In Höhe von 1300 Millionen Mark werden sie 1932/33 den großen Steuerzahlern als 40 Prozent Ermäßigung ihrer Steuerpflicht so- sort beginnend zufließen. Die kleineren Umsatz-, Gewerbe- Grund- steuerzahler sollen ihre„Steugu"-Unterftlltzung erst im September 1933 erhalten— wenn es dann der Zustand der Reichssinanzen noch erlaubt. Für die Banken wird die„Amor", die Amortisotionskasse geschaffen. In diesem Krisenfürsorgeinstirut, oder richtiger, in diesem„Kranken- Haus", das mit Reichsmitteln und Reichsgarontien ausgestattet wird, dürfen die Banken ihre eingefrorenen Kredite abgeben, um dafür gute Wechsel zu erhalten. Sie dürfen sich ihre faul gewordenen Kunden aber nach der wirtschaftlichen Genesung auch wiederholen— England auf der Kompromißsuche Aber Frankreich noch unnachgiebig Paris, 24. September.(Eigenbericht.) Die Sonnabendblätter melden aus Genf, H e n d e r s o n habe auf seinen Plan, am Dienstag dem Büro der Abrüstungskonferenz ein Memorandum über die Abwesenheit Deutschlands zu unter- breiten, verzichtet. Er habe in einer Vorstandssitzung des Büros festgestellt, daß er mit seiner Ansicht allein dastehe. Diese Nachricht wird in der sranzösischen Presse günstig tom- mentiert. Andererseits wird der Unterredung des englischen Außenministers mit dem Reichsaußemninifter große.Bedeu- t u n g beigelegt. Der Genfer Berichterstatter des„Matin" bemerkt dazu:„Es ist sicher, daß Sir John Simon gegenwärtig eine Lösung sucht, die Deutschland an dem Austritt aus dem Völkerbund verhindern soll. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, daß der englische Außenminister bereits einen Plan ausgearbeilet hat, der Deutsch- lond zwingen soll, sein Wiederaufrüstungsprojekt auszugeben. Für den Augenblick zeigt sich Sir John Simon jedoch sehr zurückhaltend, da er seine Karte nur mit Aussicht aus Erfolg spielen will." Pertinax weiß im„Echo de Paris" näheres über die Unter- redung der beiden Außenminister mitzuteilen. Er meldet, daß Sir John Simon und von Neurath das ganze englische Memorandum besprochen und sich besonders mit dem Teil V des Dokuments be- schästigt hätten. Dieser Teil enthalte zwei Hauptideen: die mili- tärischen Klauseln des Versailler Vertrags müßten in das Ab- rüstungsabkommen hineingearbeitet werden, damit später Sieger und Besiegte des Weltkrieges in gleicher Weise auf mili- tärischem Gebiet behandelt werden. Die am stärksten bewaffneten Staaten müßten ihre Riistungen soweit als möglich herabsetzen, und die an: schwächsten Bewassneten dürften sie nicht erhöhen. Pertinax bemerkt, daß demnach der erste Teil der englischen Note, in dem sestgestellt werde, daß Deutschland die Abrüstung der anderen nicht als ein Recht beanspruchen diirse, keine große Bedeutung habe. Im übrigen erklärt das„Echo des Poris", daß der englische Außen- minister seinen deutschen Kollegen aufgefordert habe, sich sobald wie möglich mit Paul Boncour und Herriot zu treffen. Der Engländer scheine sogar seine Dienste für das Zustandekommen dieser Unter- rcdungen angeboten zu hoben. Der Wunsch Englands, eine Kompromißlösung zu finden, wird auch in einer Genfer Meldung des„Journal" bestätigt. Der Berichterstatter befürchtet aber, daß ein solches Kompromiß für Frankreich unannehmbar fei. Das gehe aus der sehr erregten Unterhaltung hervor, die Simon mit Paul Bon- cour gehabt habe. Der Vertreter Frankreichs habe ohne Zweifel den englischen Außenminister wissen lassen, daß gewisse Konzessionen für Frankreich unmöglich seien. Herriot verzichtet vorläufig auf Enthüllungen. Paris, 24. September. Der Kabinettsrat am Freilag findet besondere Beachtung, da Herriot bedeutsame Erklärungen über die künstige Haltung der sran- zösischen Regierung in der Abrüstungssrage abgegeben hat. Obgleich über diese Erklärungen nichts in die Oeffentlichkeit gedrungen ist, glauben eine Reihe von Blättern doch aus sicherer Quelle zu wissen, Herriot habe seine Kollegen von dem Entschluß unterrichtet, daß er vorläufig aus die Veröffentlichung der Schriftstücke über dir angeblichen Geheimrüslungcn Deutschlands verzichte. Dieser Entschluß, so betont der innenpolitische Berichterstatter des „Echo de Paris", bedeute aber nicht, daß die französische Regierung die Absicht ausgegeben habe, eine internationale Unter- s u ch u n g über den augenblicklichen Rüstungsstand Deutschlands zu fordern. Im Laufe des Kobinettsrats hatte Herriot eine dreiviertelstündige telephonisch« Unterredung mit dem Führer der sranzösischen Abordnung in Gens, Kriegsminister P a u l- B o n c o u r, der sich an- geblich über den Gang der Dinge sehr optimistisch äußerte und be- sonders die vorzügliche Zusammenarbeit mit dem englischen Außen- minister Sir John Simon unterstrich, der im Gegensatz zum Präsidenten der Abrüstungskonferenz die französische These u n t e r st ü tz e. wenn sie das wollen. Man rechnet damit, daß aus die„Amor" etwa 300 Millionen Mark kranke Bankenforderungen übertragen werden. Aber zur„Krisensürsorge" gehört auch die„Wohlsahrts- Unterstützung". Deswegen wird jetzt für die Banken noch eine zweite Einrichtung geschaffen, die„Zfi", das Zndustriefinanzierungsinstitut, mit einem Aktienkapital von 50 Millionen Mark. In diese, ebenfalls mit öffentlicher Finanzkraft aufgebaute, Einrichtung sollen die Banken diejenigen ihrer Aktienpakete bringen, auf denen sie in der Not der Zeit sitzen geblieben sind, oder die sie als Abdeckung für ihre Forderungen übernehmen müssen. Es handelt sich also um eine?lrt„Genesungsheim" für Beteiligungen der Banken an Aktiengesellschaften. Man sieht, Einfluß des Reichstages, fozialdemokratisäie Stimmenzahl und Sozialgesetzgebung für das Volk gehören ebenso zusammen, wie 230 Naziabgeordnete, Kabinett von Papen und „Wohlfahrts"-Notverordnu»gen für das Privatkapital. Steuergut- scheine,„Amor" und„Ist" sind Kreditschöpfungen zur Ankurbelung der privaten sogenannten Initiative, statt daß diese Mittel planmäßig für öffentliche Aufträge in Stadt und Land, Kleinstwohnungen und Straßenbau, Meliorationen und Elektroverteilungsnetze ver- wendet würden. Nach diesem Plan würde Arbeit geschaffen, nach Popens Methode werden Geschäfte gemacht. Als eigentliche An- rcgungsmedizin für die Unternehmer, gewissermaßen als„Kola- pillen", gibt es dazu noch Lohnabbau. Wir brauchen einen starken Reichstag zur Wahrung der Volks- rechte! Wer das Parlament schwächt, zerstört den sozialen Aufbau! Kurt Heinig. �eichswahlleiter ernannt. Der Reichsminister des Innern hat zum Reichswahlleiter wieder den Präsidenten des Statistischen Reichsamts Dr. W a g e m a n n und zu seinem Stellvertreter den Direktor im Statistischen Reichsamt, Geh. Regiervngsrat Meisinger, ernannt. Streik in der Spinnfioffabrik. Abwehr gegen Noiverordnungölöhne. Zn der Spinn st offabrik Zchlendorf ist gestern und heute früh eine Urabstimmung durchgeführt worden, die mit mehr als Dreiviertelmehrheit den Streikbeschluß ergeben hat. Die Abstimmung wurde eingeleitet, nachocm die Firmenleitung aus Grund der Notverordnung einen Abbau der Tariflöhne für die 31. bis 40. Wochenarbeitsstunde um 40 Proz. angekündigt hatte, mit der Begründung, sie habe innerhalb der in der Notverordnung festgesetzten Frist 23,3 Proz. neue Arbeiter eingestellt. Der Arbeilerrat der Firma hat mehrmals mit der Firma verhandelt, um eine Zurücknahme der Abbauforderung zu erreichen. Die Verhandlungen blieben jedoch ergebnislos. Von den Betriebshandwerkern ist bereits heute vormittag nach dem Bekanntwerden des Abstimmungsergebnisses die Arbeit niedergelegt worden. Die übrige Belegschaft dürste noch im Lause des Tages die Arbeit einstellen. Zn der Spinnstofsabrik Zehtendors, die durchgehend in drei Schichten arbeitet, sind ungefähr 500 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt. Neues von der Börse. Freundlicher Rentenmarkt. Aktien bleiben vernachlässigt. Zum Wochenende zeigte an der heutigen Börse der Renten- markt ein durchaus freundliches Aussehen. Es lag eine ganze An- zahl Aufträge des Publikums vor, die der Tendenz von vornherein ein festes Gepräge gaben. Sehr beruhigend hat auch die Tatsache gewirkt, daß die Regierung endgültig von einer allgemeinen Zins- fenkung bei den Rentenwerten Abstand genommen hat. So tonnten die günstigen Folgen der Senkung des Reichsbankdiskonts und des entsprechenden Abbaues der Bankzinsen sich auf dem Rentenmarkt Kür Plakate 11 Lahre, 9 Monate Oer vierte Senat und seine Rechtsprechung voll auswirken, der mit seiner hohen Verzinsung setzt eine starke Anregung bietet. Pfandbriefe konnten allgemein ihren Kursstand um etwa 1 Proz. verbessern und auch Schuldbuchforderungen lagen im Durch- schnitt% bis 1 Proz. über dem gestrigen Stande. Ueberraschend war, daß Kommunalobligationen vernachlässigt blieben, obwohl die Erklärung der Städte Köln und Frankfurt a. M�, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, stark beachtet wurde. Der Aktienmarkt lag im Gegensatz zu der lebhasten Kauftätigkeit bei den Renten völlig tot. Dos Strohfeuer der An- kurbelung scheint bereits ausgebrannt zu sein. JG. Farben hörte man gegen 1 Uhr mit 100�, Siemens mit 133 bis 136. Reichsbahn- Vorzugsaktien blieben mit 83� gefragt. Oer Herbst ist da! Schlechtes Sonntagswetter in Aussicht. wieder hat sich in den letzten Tagen das Wetter unter einem gleichzeitigen Temperaturrückgang zum Wochenende immer mehr v e r s ch l e ch t e rt. Die Sonntagsprognose des Amtlichen Wetterdienstes tautet recht trübe: weift bewölkt. Regcnsälle, wenig Temperaturänderung und mähige bis frische südwestliche winde. Ueber der Normandie und über Schottland haben sich D c- Pressionen herangebildet, die beide auf unser Gebiet zusteuern. Im größten Teil des Reiches ist das schlechte Wetter bereits vor- herrschend. Mittel- und Ostdeutschland meldet Regen bei 13 bis 15 Grad Wärme. Rur im Süden und in Schlesien ist es noch trocken und die Temperaturen liegen dort bei 18 bis 20 Grad Wärme. Zur Zeit ist die gesamte Wetterlage so unsicher, daß' für den WochenbeginN keine genaue Vorhersage möglich ist. Gandhi im Hungerstreik. Oer fünste Kastentag angetreten. Bombay, 24. September. Gandhi trat am Sonnabend seinen fünften Aaftentag an. Freitagabend zeigten sich bei ihm starke Erschöpsungs- erscheinungen. so daß in seinen Freundeskreisen starke Befürchtungen für seine Gesundheil geäußert werden. Gandhi hat seit Beginn des Hungerstreiks i'A Pfund an Gewicht verloren. Am Freitag erhielt Gandhi ein Telegramm aus Amerika, worin die Verwunderung über seinen Entschluß ausgedrückt wird, für eine indische Sekte anstatt für das ganze indische Volk zu sterben. In seiner Antwort schreibt Gandhi:„Der indische Nationalismus wird durch meinen Opfertod gestärkt werden. Ich hoffe, dah Amerika die Weltmeinung zugunsten meines Opfers in Bewegung sehen wird." Ein Hindudiener, der einen Sympathie-Hungerstreik mit Gandhi beschlossen hatte, beging nach 24 Stunden Selbstmord. patel droht. New Jork, 24. September. Der indische Nalionalistenführer Patel traf am Freitag a» Bord des deutschen Dampfers„Europa" in New Bork«in, um eine große Propaganda für die indische Unabhängigkeit in Amerika durch- zuführen. Er bezeichnete seinen Auftrag als„Unterrichtung des amerikanischen Voltes in der Philosophie Gandhis". In einer Unter- redung erklärte Patel:„England hat Indien gestohlen, es muß unser Eigentum zurückgeben. Wir wollen völlige Unabhängig- keit." Ueber die Möglichkeit eines Hungertodes Gandhis befragt, sagte Patel:„Gandhi steht zwischen dem englischen Weltreich und der Revolution. Ohne ihn würde das Leben der Engländer in In- dien nicht sicher sein. Er wird den gegenwärtigen Hungerstreik siegreich überleben." Ltrteil im Brünner Hochverratsprozeß. Nationalsozialistische Angeklagte zu Gefängnis verurteilt. Brünn, 24. September. Um 9.15 Uhr wurde im Schwurgcrichtssaal des Brünner Kreis- gcrichts das von der gesamten sudctendeutschen Oeffenllichkeit nüt großer Spannung erwartete Urteil im Briinner Hochverratsprozeß gefällt. Das Urteil lautet: Die sieben Angeklagten sind schuldig, sich seit den Jahren 1930, 1931 und 1932 in einigen Orten der tschechischen Republik zu Anschlägen auf diese vereinigt zu haben und zu deinsekben Zweck in unmittelbare oder mittelbare Verbindung mit fremden Fat-- toren getreten zu sein und haben zu demselben Zweck be- waffnete Kräftee gesammelt, organisiert und ausgebildet, wo- durch sie sich des Verbrechens des 8 2 des Schutzgesetzes strafbar machten. Es sind deshalb gemäß dieses Paragraphen verurteilt worden, und zwar: Dr. Alexander Petermichel zu 18 Monaten, Ingenieur Haider zu drei Jahren, Palide zu 15 Monaten, Donnhäuser zu zwei Jahren, «chwab zu einem Jahr, Illing zu drei Jahren und Metzner zu drei Jahren und zu weiteren Geldstrafen sowie zu den Verlusten aller bürgerlichen Ehrenrechte. Die Untersuchungshast wird ihnen an- gerechnet. Die Verteidiger werden Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung anmelden. Die Angeklagten nahmen das Urteil mit Ruhe auf. Eine perle der Nazis. „pg. Eteinmeyer". Im Prozeß des ehemaligen Vizepräsidenten Weiß gegen den„An- griff" wegen der Beschuldigung, an Glückspielen teilgenommen und Spielklubs begünstigt zu haben, wird allerhand Klatsch zusammen- getragen und die Kronzeugen des„Angriff" werden bis auf die Knochen blamiert. Aber einige Momente verdienen doch festgehal- ten zu werden. Da ist Herr Steinmeyer, der in der Friedrichstraße eine Tanzdiele und in Teltow eine Villa besitzt. Dort verkehren ständig prominente Führer der nationalsozialistischen Partei, unter anderem der„Angriff"-Redakteur Lippert, der sich obendrein be- schwerte, daß ihm Herr Steinmeyer zu lange an der Riviera ge- wesen sei. Herr Steinmeyer, das noble Mitglied der nationalsozia- listischen„Arbeiterpartei" versichert im Prozeß Stein und Bein, mit 200 Mark könne man In Monte Carlo nicht fünf Tage leben — wie das Dr. Weiß behauptet habe— und ist auch sonst ein Kenner nobler Manieren. Mit 200 Mark nach Monte Carlo zu reisen, daß sei so unmöglich, wie mit 1,50 M. in sein Lokal in der Friedrichstraße zu gehen! Zum Besuch dieses anscheinend auch der sittlichen Erneuerung bestimmten Lokals ladet Pg. Steinmeyer in der so tief verachteten Boulevard-Presse ein, auch in der jüdischen, er schmückte seine Jnse- rate bis zur Bracht-Berordnurttz mit den Bildern dreiviertel nackter Tanzgirls— die übrigens bis zu dieser Zeit auch so herumliefen und so erbärmlich bezahlt werden, dah sie auf ander« Art von Erwerb angewiesen sind. Aehnlich benimmt sich Pg. Steinmeyer gegenüber den Kellnern, von denen jetzt wieder eine Anzahl ihren Garantie- Leipzig. 24. September. Vor dem 4. Strafsenat des Reichsgerichts hatten sich in zwei- tägiger Verhandlung der kommunistische Parteisekretär Schippa und elf Genossen aus Bitterfeld wegen Vorbereitung zum hoch- verrat und Vergehens gegen das Republikschutzgejetz zu verant- worten. In der Nacht zum 22. Mai 1931 waren in Bitterfeld im Hinblick auf eine wegen der Kürzung der Fürsorgegesätze geplante Erwerbslosendemonstration an den verschiedensten Stellen der Stadt zwei bebilderte Plakate angeklebt worden, in denen die Polizeibeamten und Soldaten aufgefordert wurden, sich mit den Erwerbslosen zu solidarisieren. Vier An- geklagte waren geständig, an der Klebeaktion teilgenommen zu haben, während die übrigen ihre Beteiligung abstritten. Das Gericht ver- urteilte den Parteisekretär Schippa als Leiter der Klebcaktion zu einem Jahr neun Monaten Festungshaft, den Chemo- techniker Schnura, der ihm bei der Einteilung der Klebekolonnen behilflich gewesen war, zu einem Jahr sechs Monaten Festung. Zwei Angeklagte erhielten ein Jahr drei Monate und fünfeinJahrFestung. Zwei Angeklagte wurden wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Sämtlichen Angeklagten wurde die Ueber zeugungstäterschaft zugebilligt. Die Untersuchungshaft wurde angerechnet. Zuchthaus für Reichsbannermann. Unverständliche Urteile eines Schöffengerichts. Darmstadt, 23. September.(Eigenbericht.) Das hiesige Schöffengericht verurteilte am Freitag einen Reichs- bannermann zu einem Jahr Zuchthaus und einen anderen zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis. Zwei Kommunisten erhielten zehn und acht Monate Gefängnis. In der Nacht vor dem ersten Wahlgang zur Reichspräsidenten- wähl kam es in Steinbach im Odenwald zwischen Reichs- bannerleuten, Kommunisten und Nazis zu einem Zusammenstoß. Der Nazimonteur Hellbeck hatte einem jungen Kommunisten eine Ohrfeige versetzt. So entstand der Streit. Auf beiden Seiten gab es Leichwerletzte. Trotzdem verurteilte das Gericht den Reichs- bannermann, Lokomotivheizer Keil, wegen angeblicher Rädels- sührerjchaft bei schwerem Landfriedensbruch zu einem Jahr Zucht- Haus, den Reichsbannermann Steiner zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis und die beiden Kommunisten Arzt und Kiefer zu zehn bzw. acht Monaten Gefängnis. Der Nazi Hellbock, der Ver- anlasser des Streites, erhielt wegen tätlicher Beleidigung — 50 Mark Geld st rase! Verschleierte Photos. Was Kriminalbeamte im Kommunistenprozeß aussagen. Im kommunistenprozeh vor dem Sondergericht wurden heute die ersten Kriminalbeamten vernommen. Sie sollten darüber aus- sagen, aus welche Weise die Wiedcrerkennung der An- geklagten durch die Zeugen Engelhardt vor sich ging. Schon in der gestrigen Verhandlung wurde beanstandet, dah Kriminalassistent Damm Engelhardt-Sohn die Photographien der Angeklagten anfangs mit Seidenpapier zugedeckt vorgelegt hatte. Als Rechtsanwalt Dr. Roscnfcld vom Kriminalkommissar Sattler wissen wollte, ob eine derartige Identifizierung bei der Kriminal- polizei üblich sei, berief sich dieser auf sein Dienstgeheimnis. Der Antrag Dr. Rosenfelds auf Anforderung einer amtlichen Auskunst zu dieser Frage wurde vom Gericht abgelehnt. Zu einer weiteren Ablehnung eines Antrages der Verteidigung kam es bei der Er- örterung der Festnahme von zwei jungen Leuten, die durch die Bekundung der berüchtigten Fr au Guericke veranlaßt worden war. Wie erinnerlich, hat diese Dame im Gerichtssaal plötzlich behauptet, die Angeklagten Tobehn und Krüger seien es ge- wesen, die auf ihre Veranlassung verhaftet worden seien. In Wirk- lichkeit waren es aber die beiden anderen jungen Leute. Man lernte sie heute vor Gericht kennen, sie sehen den beiden Angeklagten nur sehr wenig ähnlich. Rechtsanwalt Dr. � Rosenfeld richtete an Frau Guericke die Frage, welche Art Operationen sie durchgemacht habe. Er begründete diese Frage damit, daß gewisse Operationen bei Frauen Charakterveränderungen hervorrufen, die die Glaub- Würdigkeit beeinträchtigen. Diese Frage wurde zuerst vom Vor- sitzenden Landgcrichtsdircktor Tolk beanstandet und später durch einen Gerichtsbeschluß abgelehnt. Die Nachprüfung der Glaubwürdigkeit einer Zeugin ist in Moabit allgemein üblich und strafprozessual absolut zulässig. lohn einklagen müssen. Dafür ist der Pg. dieser„Arbeiterpartei" vielfacher Haus- und Schlohbesitzer und eistiger Börsenbesucher. Nieder mit den Bank- und Börsenfürsten! Oberstaatsanwalt Buchardi sagte am Mittwoch über Herrn Steinmeyer: Es ist selbstverständlich, daß man mit zweihundert Mark in der fraglichen Zeit— fünf Tage!— auskommen kann, wenn man nicht die Ansprüche des Herrn Stein- meyer st e l l t. Und dieser Steinmeyer ist der Intimus der Ber- liner nationalsozialistischen Führer. Sonderjufiiz in Liegnitz. Sozialdemokratische Kunktionäre verurteilt. ciegnih. 24. September.(Eigenbericht.) 3n sechstäxiger Verhandlung beschäftigte das Liegniher Sondergericht ein großer Aufruhr- und Landsriedensbruch- prozeß. dem die Slraßendemonslrallon der Eisernen Front am Nachmittag des 25. Zum zugrunde liegen. An dem sranlichen Sonnabend nachmittag waren in der tiegniher Znnenstadt erstmals Mitglieder der Eisernen Front mit ihren neuen Abzeich en zu einem Spaziergang zu Wahlpropaganda- zwecken erschienen und begrüßten sich mit Freiheitsrusen. Es wurden von einzelnen Rudeln Nationalsozialisten einige Eiserne-Fronl-Mitglieder angegriffen, mißhandelt oder ihnen die Abzeichen abgerissen. Die Polizei war daher vollzählig eingesetzt und ging mit dem Gummiknüppel gegen die Menge vor. verschiedene Personen, darunter die Gewerkschasls- sekretäre llsert, höer und Späte wurden oerhastet. Ufert war auch mit dem Gummiknüppel geschlagen, höer der Kragen abgerissen worden. Angeklagt waren elf Personen, darunter die Gewerkschasls- sekretäre, denen Rädelssührerschast zur Last gelegt wurde. Zehn Angeklagte gehören der Eisernen Front an, wahrend einem Nalionalsozialisten, der niedergeschlagen worden war und sich mit einem Totschläger gewehrt hatte, unbefugter wassenbesih zur Lost gelegt wurde. Es wurden rund 100 Zeugen vernommen. Der Slaalsanwalt beantragte gegen die Angeklagten insgesamt 7 Zahre 5 Monate Ge- fängnis, gegen die Gewerkschastssetretäre Ufert 1 Zahr 3 Mdnate Gefängnis, höer und Späte je 1 Zahr Gefängnis, gegen die übrigen Angeklagten Gefängnisstrafen von 6 bis 9 Monaten, gegen den Nationalsozialisten Stessen einen Monat Gefängnis. Das Urleil lautete: bei Ufert aus 7 Monate Gefängnis, höer Zreispruch, Späte 4 Monate Gefängnis, Moser 4 Monate, krause 5 Monate. Hauke 6 Monate Gefängnis, Gerschau Zreispruch, Alt 3 Monate, Goldschmidt 3 Monate, Elsner 4 Monate Gesängnis. Steffen wurde freigesprochen. Werkspionage bei der AEG. Zwei Hauptschuldige festgenommen. Durch die Berliner Kriminalpolizei ist in den letzten Tagen ein Fall von Werkspionage bei der AEG. ausgedeckt worden. Die beiden Hauptschuldigen, der seit vielen Zahren bei der AEG. beschäftigte Betriebsingenieur Fritz S. und der 62 Zahre alte Vertreter einer Farbenfabrik, Dr. Max h., sind festgenommen worden. Die Beschuldigten geben ihre Tat zu einem Teil zu. Beide werden sich auf Grund der Notverordnung zum Schuh der Wirtschost vom 9. März 1932, die verschärfte Bestimmungen für den verrat von Betriebsgeheimnissen vorsieht, zu verantworten haben. Langwierige Ermiltlungen der Kriminalpolizei waren not- wendig, um die beiden Schuldigen zu überführen. Wie die Er- mittlungen ergeben haben, hat der AEG.-Jngenieur von dem Ver- treter für erteilte Aufträge jahrelang Schmiergelder entgegen- genommen. Diese Bestechungsgeldcr betrugen immer 3 Proz. des jeweiligen Rechnungsbetrages. Durch sortlaufeirde Entgegennahme >ker Schiniergelder hatte sich der Ingenieur dein Vertreter der Farbenfabrik völlig ausgeliefert. Vor mehreren Monaten trat nun Dr. Max h. an den AEG.-Beamten heran und forderte ihn auf, gegen ein gutes Honorar die technischen Pläne einer neu- konstruierten Maschin« zu beschaffen. Fritz S. ging auf den Plan ein und er fertigte ein ausführliches Expose über die Konstruktion der fraglichen Moschine an. Dr. h. hatte inzwischen zu mehreren ausländischen Firmen der Kabelindustrie Verbindungen angebahnt. Vor drei Tagen, als Dr. h. den ausländischen Jnter- essenten genaue Zeichnungen und weitere Details übermittelte, schien der Ankauf des gesamten Materials durch die ausländischen Firmen unmittelbar vor dem Abschluß zu stehen. Die Polizei, die ihre Nachforschungen insgeheim angestellt und die beiden Männer scharf beobachtet hatte, griff jetzt ein. Man rechnet mit der Möglichkeit, lkaß die Angelegenheit noch weitere Kreis« zieht. Bankräuber verurteilt. Schwere Zuchthausstrafen in Altona. Altona, 24. September. Das Sondergericht verurteilte heute wegen Bank- raubes die Angeklagten hinler zu neun Jahren Zucht- Haus und zehn Jahren Ehrverlust, Petrikat zu acht Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust, henckell zu sechs Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust und Schnabel zu drei Jahren Zuchthaus und zwei Jahren Ehrverlust. Die Angeklagten hatten am 15. d. M. einen Raubüberfall auf die Filiale der Commerz- und Privatbank in der Holstenstraße aus- geführt. Die Räuber hatten die Bankbeamten mit Revolver bedroht. Da sie jedoch durch das Sirnengeheul einer Alarmoorrichtung ge- stört wurden, mußten sie mit einer Beute von nur hundert Mark flüchten. Sie wurden bald darauf festgenommen. Eine Batertragödie. Musiker geht mit zwei Söhnen in den Tod. Hausbewohner des Hauses Elisabeth st r. 22 in Pots- dam bemerkten gestern abend starken Gasgeruch. Als man die Wohnung des TNusikers Erich Amelungsen mit Gewalt össnete, fand man den Musiker mit seinen beiden Kindern, den S und 9 Zahre alten Söhnen Otto und Siegsried mit Gas vergiftet tot aus. Anscheinend hat Amelungsen, der von seiner Ehefrau getrennt lebte, aus wirtschaftlichen Sorgen Selbstmord verübt und seine beiden Kinder mit in den Tod genommen. Nächtlicher Lteberfall. Kinopächter mit Auto verfolgt und beraubt. Ein schwerer lteberfall ereignete sich in der vergangenen Nacht in der S ch ö n st r a h e in w e i ß e n s e e. vor seinem wohnhausc wurde der Pächter Herbert Wustrack, als er in Begleitung feiner Ehefrau den hauseingang Nr. 17 betreten wollte, von drei noch unbekannten Tötern überfallen, mit der Pistole bedroht und um 550 M. beraubt. Die Räuber flüchteten mit einer dunklen Limousine. Das Ehepaar Wustrack Hot bereits seit geraumer Zeit in der Berliner Allee 203/210 in Weißensec das dortige S ch l o ß k i n o gepachtet. Die gestrige Tageseinnahme machte genau 530 M. aus, die das Ehepaar in einem kleinen blauen Handkoffer verwahrte. Nach Mitternacht machten sich die beiden Leute auf den Heimweg und beobachteten dabei bereits eine Limousine, die ihnen in ver- dächtiger Weise folgte. Per Wagen überholte sie aber und fuhr davon. Als das Ehepaar vor dem Haufe Schönstraße 17 angelangt war und der Ehemann, der den Handkoffer trug, das Haustor auf- schließen wollte, kam plötzlich wieder jenes Auto heran, in dem drei Männer saßen. Der Wagen hielt an. Die drei Insassen stürmten heraus. Einer von ihnen zog eine Pistole und rief:„Hände hoch! Geld her!" Im nächsten Moment schon wurde Wustrack von einem der Burschen niedergeschlagen und des Handkoffers beraubt. Der Mann, der das Ehepaar mit einer Pistole bedroht l>atte, gab jetzt zwei Schüsse ab. Bevor die erschreckte Frau des Pächters noch um Hilfe rufen konnte, waren die drei Räuber schon in ihren Wagen gesprungen und rasten mit chrer Beute davon. Augusts Turati. Fromme Legende um eine schmutzige Sache. Der frühere Generalsekretär der italienischen Faschistenpartei, August o Turati— nicht verwandt und nicht verschwägert mit rmserem im Exil verstorbenen Filippo Turati— ist kürzlich von Mussolini in die Wüste geschickt worden. Ueber die Gründe dieser Maßregelung wurde von Italien aus eine rührselige Ver- s i o n verbreitet, die Mussolini im hellsten Glänze seiner bürgcr- lichen Tugenden erscheinen ließ: Augusto Turati hätte mit einem jungen Mädchen aus der besten römischen Gesellschast ein Techtel- mechtel angefangen und sie dann schmählich s i g e n lassen. Als aber der sittenstrenge Benito Mussolini von diesem Treu- bruch erfahren hätte, habe er zornentbrannt den Verführer, der den guten moralischen Ruf des Faschismus in Mißkredit gebracht hätte, erbarmungslos bestraft. Ausgerechnet Mussolini! Mussolini als Tugend- Wächter! Jene, die ihn und feine private Vergangenheit, wenn nicht Gegenwart, genauer kennen, wußten sofort, daß diese ganze Ge- schichte mir eine fromme faschistisch« Lüge sein konnte. Inzwischen ist die Wahrheit über den Fall Augusto Turati aus Italien durchgesickert. Eine Frau spielt wohl darin eine Rolle, allerdings wesentlich anders als in der an die Tränendrüsen appellierende offiziösen Legende. Signore Augusto Turati hatte zu einer Turiner Dame Be- Ziehungen, die nicht nur zart, sondern offenbar sogar ziemlich r o b u st waren. Denn er schrieb ihr Liebesbriefe, die, wie sich dann später herausstellte, ein Sammelsurium ge- pfefferter Schweinereien waren. Wenn nur Turati sich Lästiger Bittsteiler Schauspiel- und Opereiienhochflui „Bitte um die übliche llnierfiützung." „Gebe nichts' Habe diesmal auf einen andern gesetzt?- bei seinem schriftlichen Liebesdrang auf die Pornographie beschränkt hätte. Aber er war so töricht, zwischen zwei Obszönitäten auch recht drastische Urteile über seinen Herrn und Gebieter Mussolini zu fällen.„Dieser S t r o l ch",„dieses A a s",„diese feige Memme"— mit diesen und ähnlichen Ausdrücken sprach er von der geheiligten Person des italienischen Osaf; so ungefähr wie in einem anderen Lande gewisse Unterführer über ihren Duce urteilen, wenn sie unter sich sind und sie sich vergewissert haben, daß niemand hinter der Tür horcht. Nun dauert nichts auf Erden ewig und auch im Lande des Rigoletto hat die saschistische Moral an den so trügerischen Frauen- herzen nicht viel zu ändern vermocht. Als es nun mit der Liebe und der Pornographie zwischen dem faschistischen Parteisekretariat und dem Turincr Schlafzimmer aus war, wehte eines Tages ein günstiger Wind die offenherzigen Episteln des Augusto Turati aus den Schreibftsch seines Vorgängers Farinacci, der seine eigene Absägung vor sechs Jahren niemals verschmerzen konnte und seine Rache auf Eis gelegt hate. Das weitere kann man sich leicht denken. Aus der einen Abschrist der Briese wurden Dutzende, Hunderte, Zehntausende. Jetzt fahndet die Geheimpolizei mit eben solchem Eiser nach den Abschristen wie nach den revolutionären Flugblättern von „Giustizia e Liberia". Kaum war der Skandal bis an die Ohren des Osaf gedrungen, da ereilte natürlich Augusto Turati sein Schicksal. Dennoch wurde um das Ganze noch eine Lesart in die Welt gesetzt, die Mussolini als Retter der Ehre unschuldig ins Unglück geratener Mädchen erscheinen läßt. Gtadtbank am Alexanderplah. Umzug endgültig beschlossen. Der Verwaltungsrat der Stadtbank und Sparkasse hat endgültig beschlossen, die Geschäftsräume beider städtischen Institute v o m M ü h l e n d a m m in das neue Bürohaus am Alexander- platz zu verlegen. In sechs Geschossen werden mehr als lü llvll Qua- dratmeier für die Büro- und Kassenräume eingerichtet werden. Die Austeilung der Räume, deren Wände jetzt innerhalb der einzelnen Geschosse gezogen werde», wird den Bedürfnissen der Siadtdank und auch dem starken Publikumsbejuch in der Sparkasse Rechnung tragen. Zugleich mit der Raumeinteilung für die ein- zelnen Geschäftsabteilungen werden auch die diebessicheren Tresor- anlagen eingebaut werden. Der Umzug der Stadtbant und Spar- kasse soll sofort nach Fertigstellung dieser Bauarbeiten ausgeführt werden. Die heute in verschiedenen städtischen Häusern verstreut liegenden Abteilungen der Stadtdank werden in dem neuen Büro- hause zusammengelegt und dadurch eine Vereinfachung und Der- billigung des Geschäftsbetriebes erzielt werden können. lieber die weitere Verwendung der alten Geschäftsräume der Stadtbank am Mühlendamm ist eine endgültige Entscheidung noch nicht getroffen worden. Nachdem aber die Projekte um die Mühlen- dammschleuse im nächsten Jahrzehnt nicht verwirklicht werden dürsten, wird wahrscheinlich eine städtische Dienststelle aus einem von der Stadt angemieteten Hause in das jetzige Stadtbankgebäude verlegt werden. �• Baden protestiert. Der badisch« Staatspräsident hat bei dem Reichskanzler und dem Reichsfinanzminister telegraphisch gegen die Aushebung von Finanzämtern in Baden unter Hinweis aus die verschiedenen schriftlichen und mündlichen Darlegungen Einspruch erhoben. Vor allein bittet der Staatspräsident um Aufschub der beabsichtigten Maßnahmen, bis weitere Verhandlungen stattgejunden haben. So'n büschen Berlinisch... Wiedereröffnung des Theaters am Schiffbauerdamm. Darüber kein Streit: das Berlinisch hat den Abend gerettet. Unsere kesse, dufte, kodderige und doch so urgemütliche Muttersprache haüs wieder einmal geschafft. Und dazu det Milljöh, Dater Zillens Milljöh: ihm zu Ehren wird ein Couplet gezwitschert, und der erste Akt spielt im„Nußbaum", dicht beim Molkenmarkt, mittenmang zwischen Fischerstraße, Roßstraße und Friedrichsgracht. Da hat nun jeder, wat een richtiger Berliner ist, seine Erinnerungen und die spielen mit: das ist dem Stücke günstig. Weniger günstig ist, daß gleich zu Anfang— es ist Weihnachtsabend, wobei Schnee fällt und die Glocken bimmeln,— ein Mädchen aus der Spree gefischt, bewußtlos hereingeschleppt und auf ein Sofa lwar's ein gediegenes. tiefsitziges, schwarzglanzleinwandiges?) gepackt wird. Dabei denkt man an Hannele, an eins der rührendsten Kinder deutscher Dichtung, und das ist dem Lokalbericht, den Hans B r e n n e r t(ein Ur- berliner, was wieder mit allem versöhnt) vorbeitrudeln läßt, nicht günstig. Außerdem ist es gar kein Mädchen, vielmehr eine Nutte, ein unglückliches Abfallprodukt, dessen Tragik ehedem von Claire Waldofs unvergeßlich gestaltet worden ist. Das Nüttlein hier heißt Radieschen und lispelt sich durch Ilse T r a u t s ch o l d, freilich in Anlehnung an Blondine Ebingcr, die freche Bolle, in unser fried- liches Gemüt. Daß Radieschen der rote Faden ist, an dem die Handlung(schließlich: Handlung muß sein) abläuft, ist klar wie Kloßbrühe. Das Tau besagter Handlung: Sitzung des Lotterie- verein?„Immergrün" und Beschluß: der Einbruch: Knackers Glück und Ende in Villa Ziegenhals— das Tau der Handlung und erst recht der Aufführung aber ist Harald P a u l s e n als Scheitel- karl. Schade, daß er nur einmal was zu singen bekommt: doch auch so ist er knorke, Schentlemann mit Herz und Bizeps. Was nun die übrige Kolonne betrifft: Autojustav, Schattenjoseph, Schramme!- pepi, Zigeunerjanosch. Brückenemil, Sporengraf, Cocktailaujust, Stu- dentenelse, Rosensrieda, Bollenjuste— allens Typen, gut gesehen und gemimt. Wat soll man da viel meckern. Ulkig ist noch ein Ham- burger Zimmermann, der sozusagen als Gegenpol das anständige Prinzip und die naive Moral vorstellt. Hossentlich, wenn Kolonne„Immergrün" mal nach Hummel- Hummel übersiedelt, kommt keiner aus den Gedanken, aus diesem Dofkapp einen Berliner zu machen. Det wäre gelacht. U. B. „Oer Vetter aus Oingsda." Theater am Kurfürstendamm Nach dem verunglückten Kabarettabenteuer des Herrn S. Hoff- mann zog wieder Leo P e u k e r t ins Theater am Kurfürstendamm ein. Diesmal mit einem kleinen Operettenensemble, das uns Eduard Künneckes„Vetter aus Dingsda" bescherte. Das chorlose Sing- spiel, das auf den üblichen Operettenausstattungsklimbim völlig ver- zichtet und seine Wirkung einzig und allein auf ein netles luftspiel- Haftes Libretto und eins reizende melodienreiche Musik stellt, ist nicht mehr neu und unbekannt. Trotzdem aber hat die Musik ihre ganze Frische behalten. Ihre schlichten einschmeichelnden Kantilenen wie auch ihre Schlager— ihnen voran der Batavia Fox— zündeten gestern wie bei einer richtigen Premiere. Kllnnecke zählt zu den wenigen Operettenkomponisten, die mit künstlerischen Mitteln wirk- lich gute Unterhaltungsmusik machen können. In Margit Suchy und Walter Jankuhn hat er zwei ausgezeichnete Interpreten der beiden Hauptgesangspartien gesunden, die dem Singspiel einen starken Publikumserfolg ersungen haben. Erika Stosz in der Soubrettenrolle des Hannchen, Max M e l d j« n und Ewald Wenk, die Träger der beiden männlichen Komikerpartien, Fritz Lafon- taine als wirklicher Vetter aus Dingsda und Elfe Reval, die sich im Batavia Fox einen Sondererfolg holt«, bild«n ein aus- gezeichnetes Operettenensemble, das auf alle Operettenklownerien Verzicht leistet. H. P. P e y s c r leitet mit Schwung«in kleines vortr«fjliches Orchester. Martini-Baschs Regie und ein hübsches Bühnenbild vervollständigen den angenehmen Eindruck, den man von dieser gelungenen Ausführung davonträgt.?. L. „Ein blonder Traum". Gloria-palast. Natürlich ist Lilian Harvey diese lichtblonde, wunderschöne Frau. Sie läuft hungernden Artisten fort, weil ein Schwindler ein Engagement nach Hollywood versprach. Als sie vor dem Nichts steht, nehmen sich zwei Fensterputzer ihrer an. Und aus einer blühenden Wiese spielt sich hernach in drei Eisenbahnwaggons ein von Glück durchsonntes Wohnidyll ab. Doch ein schönes Mädchen und zwei verliebte Iungens, das ist eine immerwährend gesährdete Kameradschaft. Darum heiratet Lilian zum Schluß Willi 1(Willi Fritsch), und Willi 2(Willi Forst) kommt wegen seines unver- fälschten Berliner Mundwerks nach Hollywood. Aus diesem Stoff hat man nach üblicher Art ein Volksstück geschaffen. Eine gute Dosis Humor, ein klein wenig Ernst und sehr viel Lebensverschönerung wurde in die Mischung gegeben. Drei Photographen leisteten die sauberste und anmutigste Arbeit, um in einprägsam schönen Bildern diese Geschichte zu erzählen. Der Regisseur Paul Martin hat einen wirklich vornehmen Geschmack. Er ist gleich gut in den Massenszenen wie im rein persönlichen Idyll, und einen Traum gestaltet er als allerseinste Filigranarbeit. Einige Szenen erinnern an die allerbesten Leistungen des stummen Films. Auch akustisch ist dieser Film zusriedenstellend. Das Spiel ist erklassig. Lilian Harvey hat dreifache Wirkung: durch ausgezeichnete Mimik, artistische Tänzerbegabung und einzig- artige Figur. Willi Fritsch ist liebenswürdig, und Willi Forst ist keck wie immer. Ein Sonderlob verdient Paul Hörbiger aus Vogelscheuche.«. d. „Oer Fürst der Berge." Nollendorfplah-Theater. Eine bei ihrer Geburt vor mehr als 20 Jahren schon veraltete L e h a r- Operette, damals das„Fürstenkind" geheißen(ein mit einem miserablen Libretto behafteter Opernbastard eigentlich), wird hier gespielt, als schrieben wir immer noch 1008. Mit dem einzigen Unterschied, daß man glaubt, in einem derart aus Gesang gestellten Werk ohne anstäitdige Sänger durchkommen zu können. Die ent- zückende Irene E i s i n g e r ist nämlich die einzige, die da singen kann, trotz der Mitwirkung Michael B o h n e n s, der vollkommen fertig ist und sich und dem Publikum die Peinlichkeit weiteren Aus- tretens ersparen sollte. Mit Mimi G y e n e s slachem Stimmchen ist c« nicht weit her, Kurt Mühlhardts mädchenwunschtraum- mäßiges Aussehen rührt uns an sich gar nicht(viel mehr aber hat er nicht zu geben), ein paar kleine Szenen Rosa V a l e t t i, ein paar alberne Komiker machen das Kraut auch nicht fett. Saltenberg wird sich bald nach etwas anderem umsehen müssen. w. Moissi-Gastspiel im Berliner Theater. Tolstoi„Oer lebende Leichnam". Wenn Gorki mit Tolstoi Fragen der Moral verhandelte, konnte er sich niemals des Lächelns erwehren. Denn der Sklavenhalter von Jasnaja Pokjana, der sich wiederum als Sklave feiner von ihm tyrannisierten Familie bejammerte, wollte ein Urchrist sein. Dabei war er nur ein störrisches Genie, ein gewaltsamer Rechthaber und noch mehr ein eigensiniger Unrechthaber. Cr war von der Natur des Fedja, des lebenden Leichnams, der in primitivster und zugleich in kompliziertester Schwermut sündigen und büßen, der ein Teufel und ein Heiliger zugleich sein wollte, und der deshalb ein über- menschlicher Narr wurde. Seit Jahren spielt M o i s s i diesen melancholischen Narren, der in der Tragikomödie seiner Verworfenheit und Läuterung untergeht. Moissi leistet das vollkommenste Virtuosenstück. Durch Gosse und Himmel wandert er, er durchkostet die Seligkeit des Rausches und die Qual der Ernüchterung, und stets prägt sich ein, daß er ein Märtyrer ist. Jedes Gefühl flammt sofort zum Extrem aus, doch es brennt in der Phantasie des Miterlebens im Theater. Ein ewiges Fest der Sinnlichkeit und Ueberschwenglichkeit wird geboten. Noch heute gilt das alles für die Moijsi-Anhänger als herrlichste Offenbarung. In Massen laufen sie ihm zu. Unermüdlich jubeln sie ihm zu. Sie stauen sich vor der Bühne und aus der Straße, um ihm Ovationen darzubringen. Moissi, der auch die Regie dieser kosmopolitischen Aussührung erdichtete, spielt stets mit dem echten Zigeunerchor. Das Stück wird zum Melodram der Stimmung, aus der die Stimme von Lydia L i liebkosend hervorklingt. Nachher wird die russische Sängerin zur romantischen Partnerin des Virtuosen. Ihre Sprochsremdheit und körperliche Exotik geben der Aufführung seltsames Kolorit. Sonst spielen Sonik Rainer, Johanna Terwin und Diegclmann, Kameraden des Stars, die allen seinen Launen gehorsMn nachgeben. M. H. Hörbild aus der Volksbühne. llnv abermals Herr von Papen. Die Berliner F u n k st u n d e brachte am Freitag eine Reportage aus dem Theater a m Bülowplatz unter d«m Titel„Das Haus des Schauspieler s". Alfred Braun stand am Mikrophon. Dieser überragende Rundfunkreporter, dessen alt« Heimat das Theater ist, war hier in seinem Element. Trotzdem für den gesamten Hörbericht nur 2S Minuten zur Verfügung standen, kaum Zeit genug sllr«ine flüchtige Auszählung der Eigenarten und Ziele dieses Theaters der Volksbühnengemeinde, verstand es Braun, in einigen prachtvoll charakteristischen Bildern Wesentliches anschaulich zu machen. Er stellte die Rundfunkhörer neben die Los- urnen, aus denen das Volksbühnenpublikum seine Plätze zieht: nicht die Menschen, die herantreten, beschrieb er, nur die Hände, die hereingreisen: gepflegte, verarbeitete, geschmückte, ungeschmückte. handschuhbekleidete, nackte. Und zum Schluß seines Berichts führte er die Hörer in den verdunkelten Theaterraum, in dem die Volks- bühnenmitglieder der Aufführung von Gogols„Revisor" folg- ten. So wie Braun ihn zeigte, hat wohl kaum ein Theaterbesucher diesen Raum bisher erlebt. Er sah ihn in dieser Reportage mit den Augen des Schauspielers, aus der umgekehrten Perspektive: das beglückende Bild der Kopf an Kopf gefüllten Platzreihen, die au? der Dunkelheit hervordämmern: den aufgelockerten, ins Grenzen- lose verfließenden Raum. Zwischen diesen Schilderungen standen kleine Ausschnitte aus der Volksbühnenarbeit sür ihre Mitglieder. Man wurde in den Probenraum gesührt, in denen Heinz Hilpert Hauptmanns„Ratten" mit Käthe Dorsch, Eugen Klöpfer und Otto W ernick« vorbereitete. Man hörte eine Konzertprobe, in der Hermann Schey sang. Die schöne Veranstaltung hatte nur einen wesentlichen Fehler: sie war viel zu kurz. Zu der Veranstaltung für die Winterhilfe, die am Donnerstag im Programm der Berliner Funk- ft u n d e stattfand, sind uns einige Hörerbriefe zugegangen, die sich mit Herrn von Popens Rede beschäftigen. Daß Herr von Papen Hilfsbereitschaft gegen Notleidende nur als„Christenbrauch" be- zeichnete, obwohl er sogar selber für die Winterhilfe der vergange- nen Jahre die von keinen weltanschaulichen Hemmungen beein- trächtigte Opsersreudigkeit des deutschen Volkes anerkennen mußte, erscheint merkwürdigerweise einigen Hörern noch auffallend.— le. Oie bildenden Künstler tagen. Im Alten Rathause zu Dortmund fand am Mittwoch die Reichstagung des Reichsverbandes bildender Künstler Deutschlands statt. Professor Max H o e n e- München, der Reichsverbandsvorsitzende, gedachte des am Vorabend der Tagung verstorbenen Max Slevogt, zu dessen ehrendem Gedächtnis sich die Versammlung erhob. Reichskunstwart Dr. R e d s l o b- Berlin sprach über die Art, wie die bildende Kunst in früheren Jahrhund- derten schwere Krisen überwand. Wie im 10. Jahrhundert die Kunst von den kirchlichen Motiven zu profanem Schassen über- ging, so müsse die Kunst heute mehr denn je an die Oeffcntlichkeit gehen. Die Gebrauchskunst von morgen sei in hohem Maße zweck- gebunden. Der Maler V i e g e n e r- Soest-Billmer sprach zu dem Thema„Die geistige Bedeutung der bildenden Kunst im Leben der Nation". Er hob hervor: Eine Nation ohne geistige Betätigung und kulturelles Leben habe weder eine kulturelle noch eine wirt- schaftliche Lebens- und Daseinsberechtigung. Ueber die geplante N o t g c m e i n s ch a f t sllr die deutsche Kunst analog der bereits bestehenden Notgemeinschast der deutschen Wissenschaft berichtete Professor R. Bosselt- Berlin. Die Not- gemeinschast werde nach den bisherigen Mitteilungen des Reichs- innenministers zustande kommen. Ueber die Art der Beschaffung der erforderlichen Mittel seien noch keine endgültigen Entschlüsse gefaßt. Eventuell würde die Reichsrundsunkgescllschaft und die Rcichspost von jedem Rundsunkbeitrag 5 Pfennige opfern müssen, dann käme auf jeden Zweig der Kunst jährlich ein Betrog von 600 000 Mark. Ueber die Zweckmäßigkeit der Kunst lasse sich nicht streiten. Erwerbslosenschulung im Buchdruckgewerbe. Im Berliner Buchgewerbes aal, Dreibundstrahe ö, sind bis Ende Oktober Arbeiten aus Erwerbslosenkursen ausgestellt, die von verschiedenen Ortsgruppen de» Bildungsoerbandes der Deutschen Buchdrucker durchgeführt worden sind. Die Entwürfe sind von eindringlicher Wirkung und vorbildlicher Gliederung. Sie zeigen aufs beste den Nutzen"der Erwerbsloscnschulung und erbringen den Beweis, daß der Versuch, auf dem Wege der Selbsthilfe die Arbeitslosen wieder mit ihrem Beruf in Fühlung zu bringen, gelungen ist. Die Aus- stellung ist täglich von 0 bis 18(Sonnabends bis 14 Uhr) und an den Sontagen, 10. und 30. Oktober 1032, von 11 bis 13 Uhr geöffnet. Eintritt jreil Entlassungspläne der Reichsbahn Papen wird desavouiert— Die betrogenen Eisenbahner Wie bereits im„Abend" vom 22. September mitgeteilt, sind nach Angabe der Reichsbahn-Hauptverwaltung die Gehälter der leitenden Beamten von ZV bis 4V Proz, gesenkt. Diese Mitteilung, die wir vorerst entgegennehmen, gibt aber leider nur auf die eine Frage unserer im„Vorwärts" vom 18. September aufgewortenen Gesamtfragc Antwort. Uns kommt es aber im wesentlichen darauf an, die bei der Reichsbahn-Gesellfchaft drohenden Entlassungen v o n 52 VVV Mann zu verhindern. Wenn nach Mitteilung der Hauptverwaltung über die Sitzung des Verwaltungsrats durch in Angriffnahme der vorhandenen Ar- beitsmoglichkeiten 24 VVV Mann gehalten werden sollen, dann bleiben aber immer noch 2S 000 Atenschen, die aus die Strotze fliegen. Ist das die Erhaltung und Vermehrung der Arbeitsgelegenheit, die die Reichsregierung versprochen hat? Werden Feierschichten für die Bahnunterhaltungsarbeiter mit den Gewerkschaften verein- bart, dann vermindert sich die Zahl der zu Entlassenden auf 22 VVV. Unsere wesentlichste Forderung wird also nur zu einem Teil erfüllt, und diese Teilerfllllung schmeckt noch äußerst bitter. Es werden die 32 VVV Arbeiter gekündigt. Taufende von Kündigungen sind bereits ausgesprochen. Diese 52 VVV Mann waren Tarifarbeiter, d. h. ihre Arbeits- und Lohnbedingungen regelten sich nach dem bei der Reichsbahn geltenden Tarifvertrag. Zwar sollen nach abgelaufener Kündigungsfrist die 24 VVV bzw. 30 000 Arbeiter von den 32 VVV zu entlassenden wieder weiterboschäitigt werden, aber als sogenannte Zeitarbeiter. Diese Zeitarbeiter unterliegen nicht den Bestimmungen des Tarifvertrages, sie verlieren alle ihre sozialen Rechte und sind schuhlos. Der Einheitsverband der Eisen- b a h n e r fordert dringend, daß schnellstens Verhandlungen statt- finden,, um diese ungeheuren Härten auszumerzen. Es ist unerträg- lich und unsozial im höchsten Grade, wenn man'Arbeiter, die ein Menfchenalter ihre Pflicht getan haben, in der Hoffnung, an ihrem Lebensabend versorgt zu sein, durch einen Federstrich der Hauptverwaltung der Reichsbahn- Gesellschost um die Früchte ihrer Arbeit bringt. Ist nämlich erst einmal der ständige Arbeitsvertrag als Tarifarbeiler g e l ö st, so ist die A n w a r t s ch a s t aus die sozialen Einrichtungen von selbst hinfällig geworden. Wir stellen also fest, daß nach wie vor bei der Reichsbahn- Hauptverwaltung die Absicht vorherrschend ist, die 5 2 v v v g e- schützten Zeit- und Tarifarbeitcr in der Bahnunter- Haltung restlos zu entlassen, davon wieder, auf Grund der Beschlüsse des Verwaltungsrats 24 00V oder 30 000„neue" einzustellen unter der Bedingung, daß sie als Zeitlohnarbciter nicht den tariflichen Bestimmungen unterworfen sind und ihrer sozialen Rechte verlustig gehen. Dieses Vorgehen, das die Empörung aller Eisen- bahner hervorruft, muß böse Früchte zeugen. 40-Giundenwoche in USA? Die amerikanische Handelskammer empfiehlt sie. Washington, 24. September. Ter Bertvaltungsrat der Handelskammer der Per- einigten Staaten, der sich gegenwärtig besonders für die Pehebnng der Arbeitslosigkeit befaßt, hat gestern für die Industrie die Einführung der 4 N-Stunden- Arbeitswoche empfohlen, damit mehr Arbeiter im Produktionsprozeß untergebracht werden können als bisher. Natürlich ist eine derartige Empfehlung nicht bindend. Aber wenn ein Gremium, wie die ameri- konische Handelskammer, die mit dem Teutfchen Industrie- und Handestag verglichen werden kann, die 4<>-Ttunden- Woche in einem offiziellen Beschluß empfiehlt, so will das heißen, daß der Widerstand der Unternehmer überwunden ist. Sind Arbeitslose Versuchskarnikel? Llnerträ'gliche Zustände auf Arbeitsnachweisen. Bon einem arbeitslosen Angestellten wird uns geschrieben: Der Angestelltcnabbau bei den wichtigsten Behörden wirkt sich immer mehr aus und die Erwerbslosen haben darunter zu leiden. Was ihnen jegt an Geduld zugemutet wird, muß auf die Dauer unerträglich werden und zu schweren Konflikten führen. Man wird dabei den Eindruck nicht los, als könne sich die gegenwärtige politi- sche Führung bis in die unteren Verwaltungsstellen hinein absolut kein Bild machen von der Auswirkung ihrer„Sparmaßnahmen". Oder aber man müßte zu der lleberzeugung kommen, daß Z u- s a m in e n st ö ß e sogar erwünscht wären. Bei der bisherigen Organisation in den Arbeitsämtern war die Stempelei das einfachste von der Welt und so geregell, daß vor allem eine schnelle Abfertigung gesichert war. Das gibt es jetzt nicht mehr. Den Angestellten wird neben der einfachen Stempelkontralle zur Pflicht gemacht, auch ständig die Kartei aus llnterstützungsart und-höhe zu kontrollieren. Damit vergeht viel Zeit und die Erwerbslosen warten: viele haben es ja bereits beim Militär so gut gelernt. Nehmen wir wieder einmal ein Beispiel vom Nachweis der B e h ö r d e n a n g e st c l l t e n in der Kaiser- Wtlhelm-Stvaße. Ein Raum von etwa 5X10 Meter Größe. An der einen Längsfeite eine Tischrejhe mit den Kartothekkösten. Im Zimmer rund achtzig Menschen in Schlangenlinie. Ans dem Flur können sie nicht warten, weil dort sowieso kaum einer am anderen vorbei kann. Dreimal muß man dos Zimmer van einem Ende zum anderen in der„Schlange" durchmessen, bis man dran ist. Dreiviertel Stunden sind rum. Die Lust in dem Raum ist er- stickend: für die Gesamtheit der Angestellten ist sie ruinös. Nun mag auch diese Art der Kontrolle notwendig sein. Sollte sie aber nicht einmal im Vierteljahr genügen? Dem Schreiber dieses aber ist es so ergangen, daß er in den letzten zwei Monaten nur zweimal die einfache Stempelkontrolle zu passieren brauchte, sonst aber war immer etwas Neues auf der Stempelkarte zu notieren oder an Hand der Kartei nachzuprüfen. Und ahne längeres Warten geht es dabei nicht ab. Sowohl zur Entlastung der An- gestellten wie der Erwerbslosen muß hier unbedingt etwas geschehen, damit die sonst mit Notwendigkeit auftretenden Reibereien vermieden werden. Die Nervenstränge aller Beteiligten werden sowieso immer empfindlicher. Ltnternehmerkritik an papen. Fabrikarbeiter gegen Lohnabbau. In der Arbeiterschaft herrscht völlige Einmütigkeit darüber, daß den Lohnabbauoersuchen der Unternehmer auf Grund der Papen-Notoerordnung der s ch ä r f st e W i b e r st a>n d entgegengesetzt werden müßte. Das zeigte auch die Funktionär- konferenz, die von der Ortsoerwaltung Berlin des Fabrik- arbeiter-Verbandes am Freilag im Gewerkschaftshaus ab- gehalten wurde. Der Bevollmächtigte, Genosse R ü ck e r, erläuterte den Funk- tionären die für die Arbeiterschaft einschneidenden Bestimmungen der Notoerordnung sowie der dazu erlassenen Aussührungsbestim- mungen. Er richtete an die Funktionäre die Aussorderung, in jedem Falle, in dem von den Unternehmern der notverordnete Lohnabbau durchgeführt werden soll, der Organisation umgehend Mit- teilung zu machen, damit von ihr sofort die notwendigen Abwehr- maßnahmen ergriffen werden können. Die Organisationsleitung erwartet von den Tarifarbeitern, daß sie keinem Kampf, der ihnen von den Unternehmern aufgezwungen werden soll, aus- wei chen werden. In der Diskussion stimmten alle Redner mit den Ausführungen des Bevollmächtigten überein. Die Kampfstimmung der Funktio- näre zeigte sich am deutlichsten bei der stürmischen Zustimmung zu den Worten eines alten Funktionärs, der erklärte, die Arbeiterschast werde sich auch dann nicht das Recht zum Kampf« um den Preis ihrer Arbeitskraft nehmen lassen, wenn von der Justiz oder der Reichsregierung diese Arbeitskämpfe für unzulässig erklärt werden sollten. Die Kampfentschlossenheit der Funktionäre fand ihren'Aus- druck in einer einstimmig angenommenen Entschließung. Gebührende Beachtung sand in der Versammlung auch die vom Genossen Rücker bekanntgegebene Entschließung, die der Arbeit- geberoerbandder chemischen I n d u st r i e in seiner Vor- standssitzung am 13. September gefaßt hat und in der es zum Schluß heißt:„Der Vorstand ist der Auffassung, daß man den Optimismus, von dem die Notverordnungen getrogen sind. von der Wirtschaft freudig aufnehmen und alles tun sollte, um das Ziel, die Vermindening der Arbeitslosigkeit und die Ver- mehrung der Produktion, zu erreichen. Es ist Pflicht eines jeden Betriebes, trotz naheliegender Bedenken gegen einzelne Bestimmun- gen des sozialpolitischen Teiles, in erster Linie in Rücksirist auf dieses Ziel und nicht aus privatwirtschastlichem Interesse die Möglichkeiten dieser Verordnung für sich zu nutzen, lim dies sicherzu- stellen- wird es fiir notwendig erachtet, daß Betriebe, die durch Vennehrung ihrer Belegschaft von der Senkung der Löhne Gebrauch machen wollen, sich vorher nnt den Sektionen in Ber- bindung setzen, um damit zu erreichen, daß in g e m e i n w i r t- s ch a f t l i ri) e m G e i st e die Verordnung von unserer Industrie durchgeführt wird, also mit dem Erfolg, daß letzten Endes durch eine wesentliche Erhöhung der Lohn summe die allgenieine Kaufkraft gestärkt w i r d." Dieser Beschluß liest sich wie eine Kritik der Lohnabbau- bestimmungen. Und das müssen Unternehmer der Regierung sagen!,._ Die Sozialmonarchistische Partei. Mitgliederwerber klagt beim Arbeitsgericht. Auf dem Terminzettel war die Sozialdemokratische Partei als Beklagte angegeben. Zwei kommunistische Bericht- erstatter spitzten die Ohren und die Bleistifte in der Erwartung, es würde etwas zu„entlarven" geben. Sie machten lange Ge- sichter. als der Vorsitzende zu Beginn der Verhandlung mitteilte, der Terminzcttel enthalte einen Schreibfehler. Nicht die Sozialdemokratische Partei, sondern die Sozialmonarchisti- sche Partei sei verklagt. Die Verhandlung selbst war insofern interessant, als sie zeigte, wie die von einigen unzufriedenen Deuts ri? nationalen gegründete Sozialmonarchistische Splitterpartei ihr soziales Empfin- den denen gegenüber betätigt, die für sie arbeiten. Am 1. Juni wurde der Kläger von dem Vorstand der„Partei" veranlaßt, Mit- glieder für sie zu werben. Dafür wurde ihm eine„größere Vergütung" zugesagt, die später in einer Vorstandssitzung auf 200 M. monatlich festgesetzt wurde. Am 15. Juni richtete der Vorstand ein Büro in der Potsdamer Straße ein. Der Kläger arbeitete für die Mitglicderwerbung und für die Einrich- tung von Ortsgruppen täglich sechs bis acht Stunden. Am 20. Juli ließ der Vorstand einen Anschlag im Büro anbringen, der die bis dahin selbständige Arbeit des Klägers unter die Kontrolle des Vor- standes stellte. Das mißfiel dem Kläger so. daß er seine Arbeit einstellte und die Partei verließ. Da er von der„größeren Entsriiädigung" noch nichts erhalten hatte, so klagte er beim Arbeitsgericht, dessen Zuständigkeit der Vertreter der Partei bestritt, weil es sich nicht um ein Arbeits- Verhältnis, sondern um eine ehrenamlliriie Tätigkeit gehandelt habe und dem Kläger nur eine Aufwandsentschädigung zugebilligt sei. Das Gericht kam auf Grund des Protokolls einer Vorstands- sitzung zu der Ansicht, daß ein Arbeitsverhältnis mit einer monatlichen Vergütung von 200 M. vorgelegen habe und verurteilte die Beklagte, dem Kläger, der 400 M. gefordert hatte, 290,50 M. zu zahlen. Hammerschasi der erwerbslosen Buchdrucker. In Anbetrocht der gespannten politischen Lage haben sich die erwerbslosen Buchdrucker der Eisernen Front entschlossen, eine H a m in e r s ch a f t zu gründen und die Gründung sofort vollzogen. Wir fordern olle erwerbslosen Buchdrucker auf, die auf dem Boden der Eisernen Front stehen, ihre Adressen dem Fraktionsvorstand. welcher tägliri) auf dem Nachweis anzutreffen ist, abzugeben. Mit Freiheit! Der Fraktionsoorstand. Der Streik im polnischen Erdölgebiet, der fast zwei Wochen dauerte, ist beendet._ Der junge Chor. Heute, 17.30 Uhr, singen wir zugunsten der Erwerbslosenhilfe in der Großsiedlung Britz. Treffpunkt pünktlich 17.15 Uhr in der Halle am Hufeisen, Fritz-Reuter-Allee 46. lvetter für Berlin: Meist bewölkt, zeitweise Regen, ziemlich mild. Vorwiegend südwestliche Winde.— Für Deutschland: Im Süden und«iidosten wolkig und noch warm. Im übrigen Reiche vielfach Regenfälle. An der Küste starke Winde aus Südwest bis West. I'keater cler �VoclRe Vom 25. September bis 3. Oktober. Volksbühne: Theater am Bülowvlatz: Der Revisor. Staatsthealer. Städtische v»cr, Iharlottendura: 28. Rigoletto. 27. Di» Entsührunz aus dem Serail. 28., 2. Ein Maskenball. 29. Die Banditen. 30. Eiegsricd. 1. De- truschka—©iamii Schicchi. 3. Friedemann Bach. � Staatsoper Unter den Linden: 28., t. Sizilianische Vesper. 27. Othello. 28. Wiener Blut. 29. Die Walküre. 30.«riadne auf Raxos. 2. Der Rosen- kavalier. 3. Rigoletto.• Staatliches Schauspielhaus: 25., 26., 27-, 29., 30., 2., 3. Was ihr wollt. 28. Die Räuber.?. Wallensteins Lager. Schillcr-Theatcr: Der 18. Oktober. Theater mit festem Spielplan: Kurfürstendamm-Theater: Der Better aus Dingsda.— Deutsches Theater: Rose Bernd.— Kammerspiele: Schicksal nach Wunsch.— Deutsches Künstler- theater: Ab 3. Das Märchen vom Wolf.— Theater in der Behrenstrahe: Der Ticfstapler.— Komödienhaus: Moral.— Metropol-Theater: Eine Frau, die weiß, was sie will!— Theater im Admiralspalast: Katharina.— Komische Oper: Man braucht kein Geld...!— Lessing-Tocatcr: Pygmalion.— Theater am Rollcndorfplag: Fürst der Berge.— Zentral-Theatcr: Es geht auch ohne. — Theater am Schiffbaucrdamm:.Kolonne Immergrün.— Berliner Theater: Der lebende Leichnam.— Thalia-Theater: Prinzessin für eine Nacht.— Renaisfance-Theater: Ganoven. Ehre.— Rose-Theater: Der Hauptmann von .Köpenick.!. 23 � Uhr. Ganoven-Ehre.— Casino-Theatcr: Bis 30. Annemarie. Ab 1..Königin der Luft.— Plaza: Bis 30. Die Frau im Hermelin.— Skala, Wintergarten: Internationales Variete.— Rcichshallcn-Theater: Stettiner Sänger. Nachmittagsvorstellungen: Bolisbühnc. Theater am Bülowplah: 2. Der Revisor.— Rose-Theater: 28. I?'.» Uhr. 2. 17*3 Uhr. Der Hauptmann von Köpenick, l. 17 Uhr. Aschen. brödel. 2. 141-. Uhr. Ganoven-Ehre.— Easino-Theater: 25. Annemarie.— Plaza: Bis 30. Die Frau im Hermelin.— Skala: Internationales Variete— Wintergarten: 25., 1., 2. Internationales BarietS.— Reichshallen-Theater: 25., 2. Stettiner Sänger. Erstaufführungen der Woche: Montag. Deutsches Künltlcrtheater: Das Märchen vom Wolf. — Rose-Theater: Der Hauptmann von.gopcniik— Mittwoch, Städtische Oper: Maskenball,— Lustspielbans: Madonna, wo bist du?— Freitag. Städtische Over: Siegfried,— Sonnabend. Theater des Westens: Paganini,— Plaza: Der Bettelstubent,— Casino. Theater: Königin der Luft. Der„Vorwärts" erscheint mochcniäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend", Illustricric Sonntagsbeilage„Boll und Zeit". Bezugspreise: Wöchentlich 7ä Pf., monatlich 3,Zä M, sdavon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zabldar. Postbezug 3,97 M. einschlirhlich 80 Pf. Postzeitung, und 72 Pf. Postbestellgebilhrcn. Auslands- abonnement 3.83 M. pro Monat: für Länder mit ermäßigtem Drucksachenporto 4,63 M. Bei Ausfall der Lieferung wegen höherer cbewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten ouf Ersah. Anzeigenpreise: Die einspaltige Millimetcrzeile 30 Pf„ Reklame- zeilc 2,— M.„Älrinc Anzeigen" das seltgedrnriie Wart 20 Pf. l,»lässig zwei keitgedruckte Worte), sedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 13 Buchstaben zählen für zwei Worte. Rabatt laut Tarif. Arbeitsmarkt Millimcterzeile 23 Pf. Familienanzeigen Millimeter, eile 18 Pf. Anzeigenannahme im Haupt- geschäft Lindenstroße 3, wochcntäglich von 8>, bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Verantwortlich für Politik: Vietor Schill: Wirtschaft:<9>. Klingelhöser: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: Herbert Lep-re: Lokales und Sonstiges: Feig Ztarstäbt: Anzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Berlin Verlag: Porwarts-Berlag®. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruck-r-i und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 88, Lindenstra&e 3. Hierzu 1 Beilage. Xltetiiet, Lichlspiele ustv Staats fe. Theater Sonnabend, den 24. September Staatsoper unter den Linden 19 Uhr Der Rosenkavalier staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Was ihr wollt VOLKSBUHNE Tlicater am Bttlowoiatx D I. Norden 2944.«Ilabendücii HZi Uhr Der Revisor von Gogol- Regie; Heinz Hilpert CortBois/ Kardiov/ Haatk/ Verhoeven plAza Hüll Sdil«. Sit Sii.B'5.Stgi.2,S.S>5l). E 1 Wiidn. 4931 Ftau im Hermelin 'BERLINER THEAT. 47 Ddnb. 62S 8 Uhr Täglich 8'/. Uhr tt. 8 Uhr 15. Flora 3434. Baadien erl. Das berühmte DAYELMA• BALLETT 3 Swifts, Rudi Grasl und weitere Künstler-Truppen von Internationalem Ruf. Soonabeni) u. Sannlag|e 2 Vorstclin- 4n.8.i5 Uhr. 4 Uhr kleine Preise Stödl.Opcr Charlottenbure Fraunhofer 0231 Sonnabend,24.Sept Turnus I Undine Beginn 19,30 Uhr Nettesheim, Schirach, Husch, Cavara. Qombert, Kandl, Baumann, Müller, Pechner Dirigent: Breisach. sv, uhr CflSlllO- THEATER«■'.m» Lothringer Strahe 3 7, lUIIIIIIIIHIIIIIMinilllllllllllllllllllllHIIIIIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIIIIIIIflll Sonntag nachm. 4 Uhr Nor noch wenige Auftührangen Jinnemarie Volksoperelte.— Musik von Gilben Dar-a bnntes Keptember-Progr. Gutschein für die Leser 1— 4 Personen Faut. 0.75 M., Sessel 1 35 M., Park. 0.50 M Stettiner Sänger Reichshallen-Theater (Dönhotfplatz) Merkur A. 6. 1247. vir. Meise! Tägl. 8.15 Uhr, Sonntags 3�0 Uhr(ermäßigte Pn Eröirnungsproeramni mit der Burleske Freibad Krumme Lanke Neue Kräfte. Preise 0.50 bis 2.25 M. Vorverkauf 11—2, 5—9 Uhr. Deutsches Tlieatci Weidend. 5201. 8 Uhr Rose Bernd von Cerlurt Houplmonn mit Paula wesseiv Kammersplele S'u Uhr Schicksal nachWunsch KtinSdie». Christa Wigsloe > Regia: Rudolf Beer Melzer, Ullrich, Riemann, Abel, Brauseweiter Not bricht Eisen und wem das Rauchen zu teuer wurde, der kaue. Kauen ist gesund u, billiger Doms Kautabak wird vom Kenner bevorzugt.— Versuch macht klug Rose■ Theater inla Frankfarttt Slrala 132 t«l. Wiidiul E 2 3422 5 Uhr Aschenbrodel 8.30 Uhi Aerzte im Kampf II 30 Uhr Ganouenehre EISO SsStsn ifÄ Kinderb., Polster, Chaisel., an jeden. Teilaü _K«taloaLrr0i. Eisenmöbelfabrik Suhl. Uhr, Petersburger Platz.— Prenz- lauer Berg: Pätz. Start: Obcrbergcr Str. zg.— Wedbing: Briefclang. Start: 7 Ubr bei Srhreider, Triftstr. 63.— Beitzenfee: Pätz. Start: 24. September, 46 Uhr. Pistoriusplatz.— Wilmersdorf: Brieselang. Start:!4 Uhr Hildegard- stratze 44.— Achtung, Fabrwarte! Die Abfahrt der Ortsgruppe findet am 16. November, nach Hirfchgarten, Weltrestaurant, statt. Freie Kanu-Union Srötz-Berlin. Sonntag, 25. September, g Uhr, Pflicht- orbeitsdienst in Rbpenick, Achenbachstratze. Montag, 26. September, 20 Uhr, Reviston in der Rrcisgefchäftsstelle, Elsässer Stratze. Freie Schuiimmer Sharlotteuburg. Montag, 26. September, Beginn der Badeabende in der Brumme Str. 16. Montags von 4!4 bis 2g>.b Uhr, Donnerstags von 20'i bis 22 Uhr. Bundesmitgliedsbuch mitbringen. Vollsfport ReutollN'Britz. Das Herbstsportfest des.Kartells im Neuköllner Stadion am 25: September ist für olle Bolksfportler eine Pflichtveranstaltung. Einmarsch und allgemeine Freiübungen mutz jeder mitmachen. Für die an Einzel, und Mannschastslämvsen nicht Beteiligten finden aus dem Nebenplatze Hausballspiele usw. statt. Für die Sportabteilung ist bereits um 1244 ckhr Treffpunkt im Umkleideraum. Rundfunk am Abend Sonnabend, den 14. September 1931 Berlin: 16.05 Blasordtcsferkoiizert. 16.40 Evangelische Filmerbeit(11. Hutfilz). 17.15 Sportliche Uebertragung. 18.10 Ludwig Hardt spricht. 18.35 Reger-Serenade für Flöte, Violine und Bratsche. 18.35 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Altes und Neues aus Wien. 19.50 Sport(Oberst a. D. v. Abercron). 20.00 Orchesterkonzert. 21.00 uiid 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik.» Königs Wusterhausen: 16.00 Uniform und Ueber- lieferung(Dr. M. Lezius). 16.30 Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30 Mundpflege des Kleinkindes(Dr. Hertha Franz). 17.30 Neue Gartengedanken für Jedermann(K.Förster). 18.03 Musikalische Wochenschau(A. Schlee). 18.30 Deutsch für Deutsche(Dr. J. Günther). 18.53 Wetterbericht. 19.00 Englisch für Anfänger. 19.25 Deutschlands schöpferischer Anteil an der Gestaltung der Stile: Plastik(Reichskunstivart Dr. Redslob). 20.00 Aus Bremen: Großes Funkpotpourri. Sonst: Berliner Programm. Sonntage den Z5. September 1932 Berlin: 6,00 Gymnastik. 6.20 Aus Hamburg: Hafen- konzerf. 8.00 Mitteilungen für den Landwirt. 9.23 Gedächtnisfeier für J. Schulzke. 10.00 Aus Stettin: Evangelischer Kirchentag für Pommern. 11.00 Kundgebung(Stadtsuper- intendent Lic. Semrau. Vizepräs, des Ev. Oberkirchenrats Dr. Burghart). 11.23 Wettervorhersage. 11.30 Aus Leipzig: Badi-Kantate. 12.10 Aus Breslau: Mittagskonzert. 12.35 Anekdoten(J. Bunzl). 14.00 Kind und Arzt(Chefarzt Dr. F. Goetzky). 14.30 Kinderchor des Berliner Volkschors (DASB.). 15.00 Märchen(Priedel Kamnitzer). 13.30 Thealeranekdoten(II. Hellwegerl, 16.00 Unterhaltungskonzert. Einlagen; t. Von den Weltmeisterschaften für Tennislehrer; 2. Sportliche Uebertragung aus dem Reich. 18.15 B. Auern- heimer: Eigene Prosa. 18.43„Kleine Liebe aus der großen Stadt"(Hörspiel). 19.45 Sportnachrichten. 20.00 Aus Köln: ..Fatme"(Komische Oper nach Flotow). 21.40 Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. 22.45 Wetter-, Tages- und Sportnachrichton. Königswu sie Ihausen: 14.00 Kind und Arzt(Dr. F. Goetzky). 15.00 Kindersinfonie von Havdn. 15.30 O.Enking: Aus eigenem Schaffen. 18.15 Streidiquintett. 18.45 Sprechduette. 19.13 Die Hirsche schreien(Dr. L. Hede). 20.00 Orchesterkonzert. 21.00 und 22.00 Welter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle„\orwärts"-Boten oder die Postanstalten. Alle Arbeiter und Angestellte haben das Recht auf Befreiung von der Mitgliedschaft bei einer Pfllchtkrankenkasse(#S17RVO.) durch Ubertritt zur Kranken- u. Sterftekasse für das Deutsche ''W'frr (Lichterfelder Ersatzkasse für sämtliche Berufszweige V. a. G.) Auskunft und Prospekte kostenlos und unverbindlich durch die Hauptverwaltung: Berlin N 24, Oranienburger Straße 67