Morgenausgabe Nr. 459 A 224 49. Jahrgang W-chemitch 7» PI. m-maMq 3,25 311 (davon 87 Pf, monatlich für Anstel- lung ins Hansf im voraus zahlbar Postbezug 3,S7 M. einschließlich 80 Pf, Postzeilungs- und 72 Pf. Postbestellge- dllhren. Auslandsabonnement 8,85 Zll, »ro Monat; für Länder mit ermäßig- tem Drucksachenporto«,85 M Lei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Ersag, GrscheinungswetleundAnzeigenpretsi stehe am Schluß des redaktionellen Teil» W-VW-G. Xfertiwc Vowsbla« Vonnersiag 29. September 1932 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Jentvaloegan der GszialdemoSvatischen Partei Redatlion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 fternspr.: Dönhoss(A T) 292—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlaa G.m.b.H. PoMcheckkonto: Berlin 37 bSK.— BanNoMo: Bankder Arbeiter. Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt.B.u.Dizc..G«l., Depositenk., Jerusalemer Str. KS/st« „Warum erst jetzt?" Eine Antwort an unsere Gegner. Von?nu1 I,öbs. Zu den beliebtesten Vorwürfen unserer Gegner von rechts und links gehörte bis vor kurzem die Behauptung, die Sozialdemokratie habe es versäumt, ihr sozialistisches Pro- gramm durchzuführen, als sie„a n der Mach t" war oder doch die stärkste Partei in den deutschen Parlamenten dar- stellte. Den Hakenkreuzlern fließt dieser Einwand schon etwas zaghafter von den Lippen, seit sie selbst die stärkste Partei geworden sind und in diesem Jahre schon zum vierten Male ruhmvolle„Siege" feierten. Plötzlich geht ihnen ein Dämmerschein auf, daß es nicht genügt, die stärkste Partei zu sein, wenn man trotzdem Minderheit geblieben ist, und wenn die anderen Parteien zusammen immer noch die mehreren sind. Die Nationalsozialisten besaßen seit zwei Jahren 107 Ab- geordnete im Deutschen Reichstag, sie zählen seit einem halben Jahre 162 Abgeordnete im Preußischen Landtag, also so viel wie die Sozialdemokratie in ihren günstigsten Zeiten, und sie zogen in den neuen Reichstag mit der unerhörten Zahl von 230 Abgeordneten ein, die vorher noch keine Partei erzielt hatte. Was aber haben sie mit diesen ansehnlichen Minderheiten ausrichten können? Mit 107 Abgeordneten im Reichstag sind sie ein Jahr lang den Verhandlungen überhaupt ferngeblieben und haben in dem anderen nicht eine einzige ihrer Forde- tungen durchsetzen können. Mit 162 Abgeordnelen im Preußischen Landtag hat es zwar zu erheblichen Schimpfkanonaden im Plenum und zu unendlichen Palavern in den Untersuchungsausschüssen ge- reicht, aber nicht einmal eine Regierung nach ihrem Wunsch hat gebildet oder ein Ministerpräsident hat gewählt werden können. Es fehlt ihnen eben die Mehrheit, wie sie uns all die Jahre hindurch gefehlt hat, Mit 230 Abgeordneten, einem Block von stattlichen Aus- maßen, haben sie auch im neuen Reichstag nichts anderes an- fangen können, als Koalitionen, Kompromisse mit wesens- fremden„undeutschen" Elementen zu suchen— dieselben Koalitionen, die sie der Sozialdemokratie immer als straf- würdig angekreidet hatten. Uns ist das ganz verständlich. Sie hatten a l l e i n n i ch t die Mehrheit und wollten sich eine solche mit anderen zusammen suchen, aber jetzt tönt ihnen aus den eigenen Reihen jeden Tag lauter der Ruf entgegen: Wo bleibt die Erfüllung? Wenn ihr mit 230 Abgeordneten unsere Forde- rungen nicht durchsetzen könnt, wie durftet ihr es den Sozial- demokraten vorwerfen, die mit 150 oder 130 Abgeordneten nicht zum Ziele kamen? Der Bauer, der die Zinsknechtschaft schon brechen sah, der Beamte, der die Aufhebung der Gehaltskürzung er- wartete, der Angestellte, dem ein sicheres Dasein ver- sprochen wurde, der S A,- M a n n, sie alle sind mißtrauisch geworden, denn sie sehen enttäuscht, es geht der gleiche Kuh- Handel los, dev sie so oft mit Verachtung gegeißelt haben, Mit der Theorie ließen sich herrliche Gebäude errichten, dach hart im Raum stoßen sich die Dinge. Diese Tatsachen fühlen jetzt auch die Propheten des Dritten Reiches, und da- mit ist ihre heftige Anklage gegen die Sozialdemokratie hin- fällig geworden. Nicht besser sind auf der anderen Seite die Kam- m u n i st e n daran, wenn sie auch den Mund mit diesen Bor- würfen noch lauter aufreihen. Seit 13 Jahren empfehlen sie dem deutschen Arbeiter andere Methoden der Durchführung ihrer Forderungen— weiter gebracht aber haben sie es auch damit nicht. Sie sprechen immer wieder von dem„wirk- lichen, energischen, kompromißlosen, revolutionären Kampf", ohne sich meist die Mühe zu geben, darzulegen, was sie als solchen ansehen. Immerhin: sieben- oder neunmal haben sie in 12 Jahren zum politischen Massenstreik aufgerufen. Gefolgt sind ihnen niemals ihre eigenen Anhänger, ge- schuveige denn die Arbeiterklasse im ganzen. Sie haben es in den ersten Jahren nach der Umwälzung mit Putschen versucht. Auch diese fanden wenig Mitstreiter und brachen zusammen. Die einzige Waffe, mit der sie hin und wieder Erfolge errangen, war der Stimmzettel, derselbe Stimmzettel, den sie den verräterischen Sozialdemokraten als erbärmliche Schwachheit ankreiden. Ueber diesen Stimmzettel hinaus aber haben sie seit ihrer Existenz die Arbeiterschaft zu kewer t'. r �,:n ers lgreichen Aktion bewez.-i können und trotz allen Geredes, das sie jetzt wieder aufführen, haben sie ihre Zukunft auch diesmal wieder auf den Stimmzettel gestellt. Was sie aber inzwischen einsehen muhten, ist, daß alle sozialpolitischen Fortschritte, die in den vergangenen Jahren von den Sozialdemokraten durchgesetzt wurden, die gegen ihre eigenen kommunistischen Stimmen beschlossen wurden, jetzt von ihnen als verteidigenswert anzusehen sind. Jetzt sprechen sie vom Raub der Arbeitslosenunterstützung und des Tarifrechts, g e g e n die sie einst selbst gestimmt haben. Damit gestehen sie selbst ein, daß sie dem Proletariat bessere Kampf- mittel als die Sozialdemokratie nicht zu verschaffen wußten, sie sitzen ebenfalls auf dem toten Gleis. Wenn die Sozialdemokraten gerade jetzt den neuen Vorstoß auf Umbau der Wirtschaft unternehmen, so geschieht es, weil die objektiven und die subjektiven Vor- bedingungen dafür besser geworden sind. Heute besitzt das Land die Produktionsstätten, die im Jahre 191819 nicht vor- handen oder zerstört waren. Heute sind Rohstoffe genügend vorhanden, die das ausgeblutete Land damals nicht befaß. Heute ist auch die Erkenntnis von der UnHaltbarkeit der kapitalistischen Ordnung so tief in alle Kreise der Bevölkerung, weit über Sozialdemokraten und Kommunisten hinaus, ge- drungen, daß der Wille zum Umbau der Wirtschaft gewaltig gestiegen, daß ganz andere Menschenmassen aus allen Schich- ten der Bevölkerung dafür reif geworden sind. Konnten vor 10 Jahren die Gegner mit einem Schein von Recht behaupten, daß die grundsätzliche Umstellung in der Wirtschaft Deutschlands ein Experiment sei, das die schmale Existenzgrundlage des Volkes noch weiter gefährde, io sind diese Gründe durch die Entfaltung der Produktions- kraft hinfällig geworden. Und auch der Appell an die Gesamt- heit des Volkes, mit der heutigen Unordnung Schluß zu machen, wird jetzt von Millionen aufgenommen, die ihr früher zweifelnd oder ablehnend gegenüberstanden. Deshalb darf die Sozialdemokratie nunmehr die sozio- listischen Parolen mit doppelter Zuversicht in den Wahlkampf für den 6. November rufen, darf sie mit doppelter Zuversicht den baldigen Beginn der großen Umgestaltung des Wirtschaft- lichen Lebens fordern, Bracht schafft vollendete Tatsachen. Brüskierung des Gtaatsgerichtshofes. Zm versasiungsstreit Preußen— Reich ist nunmehr Termin zur Hauptverhandlung aus den td. Oktober, vormittags td Ahr, an- geseht worden. Zn seltsamem zeitlichem Zusammenhang damit hat Herr Bracht. der Kommissar des Kommissars in Preußen. Beamtenernennungen vorgenommen, die vollendete Tatsachen schassen. Herr R o b i s ist mit der Stimmführung der preußischen Vertreter im Reichs- r a l, Herr L a n d s r i e d zum Bevollmächtigten im R e i ch s r a t ernannt worden. Das Recht des Reichskommissars, die Vertretung im Reichsrat an sich zu reihen, ist von den süddeutschen Ländern aus das heftigste bestritten worden, da aus diese Weise in der Tat das Reich den Reichsrat zu einem willenlosen Instrument in seiner Hand umgestalten könnte. 3n dieser Frage hat die kommissarische Verwaltung in Preußen fast restlos sämtliche Staals- rechtslehrer gegen sich. Die kommissarische Verwaltung Hot bisher selbst in ihren Schrift- sähen an den Staatsgerichtshof beteuert, daß sie keine endgül- tigen Maßnahmen treffen wolle. Diese Ernennungen schaffen endgültige Tatsachen, sie nehmen die Eni- scheidung des Staatsgerichtshofs in einem wichtigen Punkte vorweg. der namentlich die süddeutschen Länder stark interessiert, Es muß in diesem Zusammenhang an einen interessanten Pa- rallelfall erinnert werden: Als seinerzeit vor dem Staatsgerichts- Hof der Prozeß zwischen Preußen und dem Reich wegen der Er- nennung eines Vertreters für den Verwaltungsrat der Reichsbahn schwebte, und das Reich Dr. Luther ernannte, ohne die Eni- scheidung des Staatsgerichtshofs abzuwarten, hat der Reichs- gerichtspräsident Simons unter Protest sein Amt niedergelegt, weil er in dieser Ernennung einen un- erträglichen Schlag gegen die Autorität des Reichsgerichts sah. Es entsteht nun der Eindruck, daß die kommissarische Ver- waltung in Preußen unmittelbar vor der Festsetzung des Termins in Leipzig noch schnell die Dinge unter Dach und Fach gebracht hat, die sie nach dem Spruch von Leipzig nicht mehr vornehmen zu können sürchtetel Denn es ist eine Hauptfrage im Prozeh, ob der Reichskommissar mit Hilse des Artikels 48 Douermaßnahmen in Preußen durchführen darf oder nicht! Mit diesem Schritt hat die kommissarische Verwaltung gezeigt. daß sie nicht bis zum Spruch von Leipzig Zurückhaltung zu üben gedenkt. Es liegt in diesem Gebaren eine außerordentlich starke Mißachtung des Staatsgerichtshofs, Auch unter staatsrechtlichem Gesichtspunkt sind diese Ernennungen auss äußerste anfechtbar. Zunächst ist es«ine der Streitfragen, ob die durch Herrn Bracht erfolgten Ernennungen rechtsgültig sind. Dann aber ist besonders im Falle Rabis fol- gendes festzustellen: Herr Rabis ist zum Sraatsfekretär des Staatsministeriums mit Wirkung vom 1, Oktober ab ernannt worden, obwohl Herr Weismann erst zum 1. November ausscheidet. Es gibt also im Monat Oktober zwei Staatssekretäre, Das ist nicht nur inkorrekt, sondern hat auch finanzielle Wirkungen, Der Staatssekretär muß mit dem Ministerpräsidenten zusammen- arbeiten. Wenn Herr Bracht durch eilten ordentlichen Minister- Präsidenten ersetzt wird, so wird Herr Rabis geben müssen. Das Land wird dann mit einer Staatssekretär- Pension belastet, die Herr Rabis, der in zwei Jahren pensioniert wird, ohne das Intermezzo Bracht niemals erhalten hätte, Herr Bracht legt so großen Wert aus Verwaltungsreformen und Spar- samkeit. Die Beamtenernennungen, die seine Verwaltung vor- nimmt, haben weder mit Reform noch mit Sparsamkeit zu tun. Sie sind Politik, die das Land bezahlen muß! AieuHcns Antra e vor öem Sfaatscerichiehof. Nachdem nunmehr feststeht, daß die Verhandlung des Staats- gerichtshofs in Leipzig in dem Verfassungsstreit zwischen Preuhen und dem Reich am 10. Oktober stattfindet, werden auch die An- träge Preußens bekannt, die nachstehend im Wortlaut wieder- gegeben werden: l. 1. Die Einsetzung eines Reichskommissars für Preußen init Befugnissen, a) wie sie die Verordnung, betreffend die Wiederher- stellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Gebiet des Landes Preußen vom 20. Juli 1932(RGBl. I S. 377), dem Reichs- kanzler übertragen hat, b) wie sie der Reichskanzler und die einge- setzten Kommissäre aus Grund dieser Verordnung in Anspruch ge- nommen haben, st and und steht mit der Reichsver- fassung nicht in Einklang. Die genannte Verordnung vom 20. Zuli 1932 steht insolgedessen mit der Reichsverfassung nicht in Einklang. 2. Von den vom Reichskanzler und den übrigen Kommissaren vorgenommenen Handlungen standen insbesondere mit der Reichsverfassung nicht in Einklang:»> die Enthebung des Minister- Präsidenten Braun und des Ministers S e v e r i n g von ihren Aemtern(Schreiben des Reichskanzlers vom 2V. Juli), K) die Enthebung der Minister Hirtsiefer, Schreiber, Steiger, Schmidt, Grimme und Klepper von den lausenden Ge- schäften(Schreiben des Reichskanzlers vom 20. Juli), c) die Ber- fetzung von Beamten in den einstweiligen Ruhestand ans Grund des S; 3 der Preußischen Verordnung vom 20. Februar 1919(Preu- ßische Gesetzsammlung S. 33), ä) die Entsendung eigener Bevoll- mächtigter in den Reichsrat als Vertreter des Landes Preußen und das Bestreiten des Rechtes der Staatsminister und ihrer Bevoll- mächtigten, im Reichsrat das Land Preußen zu vertreten, II. Der Staatsgerichtshof möge ferner erkennen: Das Reich dars sowohl im Wege der Reichsexekution nach Artikel 48 Absatz 1 RVerf,, wie im Wege von Maßnahmen nach Artikel 48 Absatz 2 RVerf. die den Ländern nach der Reichsoerfassung und nach den Landes- Verfassungen zustehenden Funktionen der Staatsgewalt nur in so- weit an sich ziehen, als dies mit dem bundes staatlichen Charakter des Reichs vereinbar und zur Erfüllung der angeblich verletzten Pflichten des Landes oder zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung notwendig ist, Insbesondere ist es mit der Reichsvcrfassung nicht ver- einbar, wenn auf Grund dss Artikels 48 Absatz 1 oder Absatz 2 a) Mitglieder von Landesregierungen dauernd oder vorübergehend ihres Amtes ftir verlustig erklärt oder neue Mit- glieder von Landesregierungen ernannt werden, b) die Ver- tretungeinesLandesgegenüberdem Reich, nament- lich das Recht der Landesregierung zur Ernennung und Jnslruie- rung der Reichsratsbevollmächtigten(Artikel 63 RVerf.) ausgehoben, beschränkt oder beeinträchtigt wird, c> Landesbeamte ernannt, befördert, in den Ruhestand versetzt oder entlassen werden, ä) A n- leihen für Rechnung von Ländern aufgenommen werden. III. Der Staatsgerichtshof möge erkennen: Die in der Rundsunkrede des Reichskanzlers vom 20. Juli 1932 zur Rechtfertigung der Verordnung vmn gleichen Tage aufgestellte Behauptung der Reichsregierung, das Land Preußen habe die ihm nach der Reichsversasiung oder den Reichsgesetzen obliegenden Pflichten im Sinne des Artikels 48 Absatz 1 RVerf, deshalb nicht erfüllt, 1. weil die parlaincntarifche Basis des geschäftsführenden Ka- binetis entscheidend von der taktischen Haltung der Kommunistischen Partei abhängig sei, 2, weil eine Reihe von maßgeblichen Persönlichkeiten die innere Unabhängigkeit verloren habe, alle erforderlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der staatsseindlichen Betätigung der KPD. zu treffen, 3. weil insbesondere hohe Funktionäre des Staates ihre Hand dazu geboten hätten, Führern der Kommunistischen Partei die Ver- schleierung illegaler Terrorabsichten zu ermöglichen, 4. weil offen ein preußischer Polizeipräsident seine Partei- genossen aufgefordert habe, man möge dir Kreise der Kommunisten nicht stören. ist nicht begründet und«cht erwiesen. Streikverbot? Die llnternehmer fordern.- Sie wissen nur noch nicht was. Einstweilige Verfügungen gegen Streik» sind nicht neu. Wenn die Schuhfabrikanten von Weihen- fels von einem Amtsrichter eine einstweilige Verfügung erwirkt haben, so wird damit ebensowenig das Streikrecht aufgehoben, wie die Pressefreiheit nicht beseitigt wird, wenn jemand eine einstweilige Verfügung gegen die Veröffentlichung einer bestimmten Nachricht in einer bestimmten Zeitung, von einem Richter erwirkt. Wir schreiben das Jahr 1932 und nicht das Jahr 1832, wo man gegen Streikende noch mit Strafen vorgehen konnte. Die Tatsache der einstweiligen Verfügung, gegen die natürlich sofort Einspruch erhoben worden ist, hat also nichts Aufregendes an sich. Sie bekommt nur ein merkwürdiges Gesicht durch die andere Tatsache, daß in einer Verordnung auf Grund des Artikels 48 den Unternehmern einseitig das Recht zugesprochen worden ist, einen Tarifvertrag nicht einzuhalten. Es gibt keine Macht der Welt, die es verhindern könnte, daß die Arbeiter sich dagegen wehren. Auch wenn man auf den verrückten Gedanken käme, die Arbeiter oder die„Rädelsführer" bei einem solchen Streik mit Gefängnis zu bestrafen, wird man damit noch nicht die Arbeitsniederlegung verhindern können. Die Unternehmer sehen bei ihren Forderungen sehr gern über die Gesetze und die Verfassung hinweg. Was aber machen sie in diesem Falle aus der von ihnen immer propagierten Freiheit derArbeit?/ Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Telegramm des Gesamtverbandes Deutscher Metallindustri- eller an Herrn von Papen. In diesem Telegramm de- hauptet die Spitzenorganisation der Metallindustriellen, daß die Durchführung der Notverordnung vom ö. September„aufs höchste gefährdet" sei, weil auf Anweisung des ADGB. und des Metall- arbeiterverbandes Lohnherabsetzungen mit Streik be- antwortet werden. Die Anschläge, die Lohnherabsetzungen an- kündigen, seien wieder zurückgenommen worden,„weil die einzelnen Firmen allein zum Kampf zu schwach und Solidaritätsmaß- nahmen der Arbeitgeber unmöglich" sind. Warum unmöglich?— Sonst waren die Metallindustriellen doch immer sehr schnell mit Aussperrungsdrohungcn bei der Hand. Des Rätsels Lösung ist sehr einfach: die Notverordnung be- günstigt in ungeheuerlichem Maße die Schmutz- konkurrenz und benachteiligt ebenso stark die anständigen Firmen. Die notleidenden Firmen werden noch notleidender ge- macht. Und da soll nun ein Streikverbot helfen, diese Aus- Wirkungen der Notverordnung noch zu verschärfen. Man verlangt von der Regierung„Schritte". Aber welche Schritte? Die Unternehmer spotten ihrer selbst und ahnen nicht wie sehr. Herr von Papen! Verbieten Sie Herrn Graes! In jener Breslauer Stinkbombenversammlung, in der die Vertreter völkischer Belange einander in die Haare ge- rieten— wir berichteten über sie schon im gestrigen Morgen- blatt— tat u. a. der bisherige Reichstagsvizepräsident Graes die folgenden Aussprüche: „Ich bin beim Reichspräsidenten mit einem schneidigen Schwert» hieb dazwischengesahren, als man versuchte, den Parlamentarismus durch Nationalsozialisten und Zentrum zu retten. Wir sind der Meinung, haß es ohne Verfassungsbruch niemal« wird abgehen können. Aber Herr von Papen wird da? schon be- sorgen. Wir dürsen zu ihm Vertrauen haben." Herr von Papen ist bekanntlich geaen di» Behauptung, er sei unter Umständen eines Verfassungsbruchs fähig, äußerst empfindlich, wenn sie im Sinne eines Vor» wurfs erhoben wird. Hier wird dieselbe Behauptung im Sinne einer Anerkennung aufgestellt. Was sagt nun 5)err von Papen zu dem ihn ehrenden Vertrauen des Reichstagsvizepräsidenten und deutschen Richters Graes? Empfindet er es nicht als kompromittierend, daß das Pro« gramm der einzigen Partei, die zu ihm hält, ein Pro- gramm des Verfassungsbruchs ist? In ähnlichem Sinn wie Herr Graes in Breslau äußerte sich Herr o. Oldenburg- Ianuschau, die alte Raketenkiste, in Zoppot. Nach«inigen Komplimenten für H i n d e n b u r g, der nun als alter preußischer Offizier wieder„Augen rechts" mache, sagte er: „Es riecht hier nach Pulver, und es wird gefochten werden. Wir stehen auf den Trümmern eines niederträchtigen Parlamentarismus, der mit Recht zusammengebrochen Ist. Wenn das, was in unserem deutschen Vaterlande geschehen ist, auch für Danzig zutrifft, so ist es ein Glück für beide Teile. Von der Regierung im Reich könne man nur sagen, die Rechtsschwenkung ist getan, ein Zurück gibt e» nicht. Wer zuerst schießt, der gewinnt." Auch dieser schießfreudige Greis ist ein begeisterter An» Hänger der gegenwärtigen Regierung. Es ist wirklich«ine liebenswürdige, im Inland wie im Ausland Vertrauen erweckend« Gesellschaft, die sich da zusammengefunden hat! * Der Deulschnationale Graes hält es für angezeigt, fein« Rede in Breslau zu interpretieren. Aber auch in der Form, die er selbst durch die„Tel.-Umon" oerbreiten läßt, gibt er zu, daß er ein« ..Präsidialregierung" wünscht, die nur mit dem Artikel 48 der Verfassung arbeitet, also praktisch den Verfassungsbruch betreibt. Koburger Aazis als Monarchisten. Geld für die feinen Lenke.. Es ist stille geworden um den Feldzug gegen die feinen Leute, den der Obernazi Goebbels eröffnet hatte. Man will sich wieder vertragen, man mogelt wieder mit den feinen Leuten, und die feinen Leute wollen mit dem Mantel der christlichen Liebe zudecken, was Goebbels gegen sie zur Sprache gebracht hat. Wir werden aber gar nicht stille sein, wir werden den Natio- nalsozialisten immer wieder sehr deutlich zum Bewußtsein bringen, daß sie die Hausknechte und das Gesinde der feinen Leute sind! Der Stadtrat von Koburg, der bekanntlich ein« natio- nalsozialistische Mehrheit hat, hat am 23. September beschlossen, an- läßlich der Hochzeit der Prinzessin Sybille mit dem Schwedenprinzen 1290 Mark städtische Mittel für die Ausschmückung der Stadt zu bewilligen. Dabei ist der Etat der Stadt Koburg unausgeglichen. Seit dem Jahre 1939 liegen ständig wachsende Fehl- betröge vor. Die Nationalsozialisten, die landauf landab mit ihrer kommunalen Tätigkeit in Koburg renommiert haben, haben den städtischen Etat vollständig auf den Hund gebracht. Aber 1299 Mark für Dekorationsmaterial für eine Fürstenhochzeit— die bewilligen sie trotzdem gerne auf Kosten der Steuerzahler! Denn das Gesinde der feinen Leute besitzt auch di»«cht« Desindegefinnungl Sturm gegen Bracht. Oer polizeiübergrtff im Reichstag.- Scharfer Beschluß öes Ltntersuchungsausschusses. Im Polizeiuntersuchungsausschuß des Preußischen Landtags verlas der Berichterstatter Abg. Möller-halle(Soz.) zunächst noch einmal den Antrag seiner Fraktion, der die Unterlage für die Unter- suchung des Ausschusses bildet. Beantragt wird die Prüfung der polizeilichen Durchsuchung im Reichstag, und zwar„Verantwortlichkeit. Anlaß, Vorbereitung, Durchführung der Aktion". Der Berichterstatter verliest ferner den Polizeipressebericht über die Aktion und einen bei den Akten befindlichen Bericht des Re< gierungsrats von Werder an den Polizeipräsidenten, in oem es heißt:„Am Abend des 12. September wurde mir ver- traulich fernmündlich mitgeteilt, daß im Reichstags- aebäude Sprengstoff lagern sollte. Die außerordentlich gespannte Lage legte daher die Bermntung nahe, daß ein Anschlag auf das Reichstagsgebäude beabsichtigt war.(Lachen.) Ich konnte den Polizeipräsidenten Melcher fernmündlich nicht erreichen. Die Unter- suchungsaktion habe ich selbst geleitet." Nach dem Bericht des Direktors beim Reichstag Galle habe Galle Herrn von Werder zweimal ausgefordert, die Durchsuchungen sofort einzustellen, da die Genehmigung des Präsidenten nicht zu erlangen sei. Herr von Werder habe jedoch erwidert, er könne dieser Aufforderung nicht folgen, weil er den ausdrücklichen Auftrag habe, die Haussuchung unter allen Umständen durchzuführen. Galle will dann zu dem Führer des uniformierten Polizeikommandos im Reichstag gegangen sein und ihm mitgeteilt haben, er müsse vermuten, daß eine Verbindung bestehe zwischen der Durchsuchung und der Unterbringung von Schutzpolizei im Hause. Der Aufforderung, deshalb das Reichstags- gcbäude zu verlassen, sei das Poltzeikommando nachgekommen, nach- dem es sich mit dem Führer der Inspektion in Verbindung gesetzt hatte. Nach dem Bericht Kalles find übrigens am folgenden Morgen ein Polizeiosfizier und 25 Uniformierte mit dem Ersuchen erschienen, in dem Hause eingelassen zu werden, sie seien zum Schutz der Fraktion der NSDAP, bestimmt.(Heiterkeit.) Als sie nicht ein- gelassen wurden, hätten sie versucht, Zutritt zum Präsidcntenhaus zu erlangen, auch das vergeblich. Direktor Galle hat daraufhin„aus vorsichlsgründen" die Tore vor der Polizei besonders sichern lassen. Dem Reichskommissar ist, so fährt der Berichterstatter fort, e i n kleines Versehen passiert. Wir haben nämlich ein Aktenstück des Ministeriums des Innern bekommen, aus dem man manches erfährt, was wir sicher nicht erfahren sollten. Es findet sich da eine Mitteilung des Polizeipräsidenten an den Reichs- kommissar Dr. Bracht vom 14. September, in dem es heißt! „Wenn auch das Vorgehen des Regierungsrats v. Werder formell unzulässig ist und zu einem Erfolg nicht geführt yat, so muß ihm meines Erachtens doch die außerordentlich ge- spannte Lage und die lobenswerte Absicht, unter solchen Um- Sänden kein Versäumnis zu begehen, voll zugute gehalten werden. ch habe ihn angewiesen, in Zukunft die Lorschriften über die besondere Stellung des Reichstags unter allen Umständen zu beachten." Darauf hat sich das Ministerium des Innern(Sach- bearbeiter Oberregierungsrat Diehls) geäußert: „Die in der Meldung zum Ausdruck gebrachte Rechtsauf- fasiung vermag ich nicht zu teilen Wenn ich auch die Eni- schloffenheit anerkenne, die der stellvertretende Leiter der Ab- teilung I gezeigt hat, um eine einem Reichstagsabgeordneten drohende Lebensgefahr abzuwenden(Lachen), so vermag ich nicht zu billig«, daß er nicht aus jede Weis« versucht hat, das Einver- ständnis des Reichetagspräsidenten einzuholen. Ich bitte, dem Regierungsrat von Werder zu eröffnen, daß ich von ihm erwarte, daß er künftighin gesetzliche und verfassungsmäßige Schranken der von ihm anzuwendenden Polizeigcwalt gewissenhaft beobachten wird." Der Berichterstatter fügt hinzu: Der Ueberwachungsausschuß des Reichstags hat schon am 13. September festgestellt, daß hier ein eklatanter Bruch der Abgeordnetenimmuni- tat vorliegt und die sofortige Bestrafung der verantwort- lichen Beamten verlangt. Der Leiter der politischen Polizei. Kriminaldirektor Sch erler. hat am 12. September schon nacb 17 Uhr den Alarmzustand insbesondere sür die Kriminalbeamten angeordnet, die nachyer bei der Durchsuchung de, Reichstags verwendet wurden. Bor 17 Uhr waren aber Polizeipräsident Melcher und der stell- vertretende Leiter der Abteilung I v. Werder bei dem stell- vertretenden Reichskommissar Bracht im Ministerium de» Innern. An der Unterredung war auch Oberregierungsrat Diehls beteiligt, der Referent für di« kommunistische Bewegung im Ministerium. Die Zusammenhänge scheinen also ziemlich klar zu liegen. Bon Werder sagt, er habe den Versuch gemacht, sich mit dem Po- lizeipräsidenten zu verständigen. Roch meiner Meinung war das nicht mehr notwendig, denn die Verständigung war schon vorher bei Bracht erfolgt. Herr v. Werder hat auch nicht versucht, sich mit irgendeiner Stelle des Ministeriums des Innern in Verbindung zu fegen, obwohl es sich um«ine politische Aktion handelte und obwohl Diehls auch in seiner Wohnung telephonisch zu erreichen ist. Abg. Meistermana(Ztr.) empfiehlt, der Regierung nahezulegen, wieder einen Vertreter zu entsenden, da die nun beginnenden Zeugenaussagen doch auch für sie von Interesse sein dürften. Der Vorsitzende Schwenk läßt daraufhin das Ministerium tele- phonisch verständigen. Der Ausschuß tritt dann in die Zeugenvernehmung ein. Zu- nächst wird der Direktor beim Reichstag. Gehtimrat Galle, vernommen. Er gibt«ine eingehende Schilderung der Vorgänge in der Nacht vom 12. zum 13. September. Darauf wird Reichstagsprä fident Göring als Zeug« vernommen. Im Verlauf seiner Aussagen bekundet er. daß er sich sofort mit allen zuständigen Stellen in Verbindung gesetzt hätte. Auf Anfrage beim Polizeipräsidenten habe dieser ihm ausdrück- lieh erklärt, daß er keinen Auftrag zur Durchsuchung des Reichstags gegeben habe. Dr. Bracht äußerte sich dagegen wesentlich zurückhaltender und sagte, es müsse erst einmal das Untersuchungsergebnis abge- wartet werden. Göring erklärte weiter, daß er sich die ihm jetzt noch möglichen Schritte in dieser Angelegenheit vorbehalte. Am nächsten Vormittag, so betont« der Zeuge weiter, erschien im Prä- sidentenhause ein Wachtmeister mit mehreren Schutzpolizeibeamten, der erklärte, daß er den Auftrag habe, das Hans, in dem eine Fraktionssitzung der Nationalsozialisten stattsand, zu beschützen. Göring habe diesen Schutz wieder abgelehnt und Dr. Bracht mit- geteilt, wenn noch einmal so etwas passiere, alle technischen Gegenvorbereitungen von sich aus zu treffen. Er hätte in diesem Falle die Schließung des Prüsidentenhauses sowie d i e Bewaffnung der Beamten angeordnet. In der ganzen Angelegenheit sei dann nichts weiter erfolgt. Inoffiziell habe er erfahren, daß Herr von Werder, den man jetzt als Karnickel herausstelle, den Auftrag zur Durchsuchung von höherer Stelle erhallen hätte. Der Hausinspektor des Reichstags, Seranowig, gibt als Zeuge eine lebhafte Schilderung seiner Erlebnisse in der Nacht zum 13. September. Schon um 11 Uhr abends sei er telephonisch an- gerufen worden. Am anderen End« habe sich„General Se- v e r i n" gemeldet und gefragt, ob im Reichstag alles in Ordnung sei. Später sei er dann von Kriminalpolizisten aus dem Bett ge- hott worden. Die Beamten hätten, als er sich ankleiden wollte, sogar in sein Schlafzimmer eindringen wollen. Man habe ihn zur Eue gedrängt, well im Reichstag Bomben mitZeitzündern gelegr seien. Auch auf der Straße habe alle drei Schritte ein Kriminalbeamter gestanden. Berichterstatter Möller: Ich bekomme soeben ein Stück Papier vom Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungsverleger mit der Ueberfchritt„Politische Polizei bekommt nie Aussagegenehmi- gung". Der Berichterstatter verliest diese für die Presse bestimmte Nachricht und fügt hinzu:„Es ist interessant, daß der über Nacht zum Ministerialdirektor beförderte Dr. Schütze, der Vertreter des Reichskommissars, unsere Verhandlungen verlassen hat, ohne dem Vorsitzenden oder mir Mitteilung davon zu machen, und daß er statt direkter Mitleilung an uns es vorgezogen hat, eine Darstellung des Standpunktes. den man gegenüber unseren Beratungen eiunimmk, dem Nachrichtenbüro zuzuleiten. Diese Mitteilung möchte ich beinahe als bewußte Irrefüh- rung der Oeffentlichkeit bezeichnen. Es handelt sich hier um einen ganz schweren Verfassungsbruch, und der Untersuchungs- ausfchuß hat nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, solchen Dingen auf den Grund zu gehen. Die Fraktionen werden sich überlegen müssen, ob der Ausschuß nun nicht auch seine Auffassung zu dem Vorgehen des Reichskommissars der Oefsenllichkeit mit- teilen muß. In der Nachmittagssitzung sind Vorschläge für eine Protest- erklärung des Ausschusses gegenüber der Äussageverweigerung des Reichskommissars von verschiedenen Fraktionen vorgelegt worden. Der Vorsitzende Schwenk schlägt vor, ein Redaktionskomitee einzu- setzen. Nach einer kurzen Unterbrechung der Sitzung schlägt der Be- richterstatter Abg. Möller(Soz.) namens der Redaktionskommission dem Ausschuß folgende Entschließung zur Annahme vor: Durch seine Weigerung, irgendeine Aussagegenehmigung in der Angelegenheit der Durchsuchung des Reichstags durch Polizei- beamle zu erteilen, hat der Herr Reichskommissar die volle Aus- Närung der Vorgänge durch den Polizei-Untersuchungsausschuß zu behindern versucht. Er hat sich damit in Widerspruch zu der Erklärung geseht, die er durch seinen Vertreter am 27. September im Ausschuß hat abgeben lassen. Der Herr Reichskommissar hat das in einem Falle getan, dessen restlose Ausklärung um so dringlicher erscheinen mutz, als der Vorwurf eines schweren Verstoßes gegen Bestimmungen der Verfassung In diesem Zusammenhange erhoben und begründet worden ist. Der Ausschuh erhebt gegen dieses Ver- halten des Herrn Reichskommissars aus das entschiedenste Einspruch. Der Herr Reichskommissar hat, abweichend von dem Verhalten, das er bei der Aussagegenehmigung für Polizeibeamle in den vor dem 29. Juli liegenden Fällen gezeigt hat, die Aussagegenehmigung ge- nerell in einem Falle verweigert, in dem er selbst bzw. ihm unter- stellte Organe die Verantwortung tragen. Der Ausschuß weist die dem Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeilungsoerleger vom Herrn Reichskommissar sür die Verweigerung der Aussagegeneh- miaung heule gegebene Erklärung als irreführend der ösfenllichen Meinung zurück. Zur Sache wird der Untersuchungsausschuß seine Feststellungen auf Grund der vorgelegten Akten und der vernom- menen Zeugen treffen. Der Ausschuß stimmt dieser Entschließung mit allen übrigen gegen die Stimmen der Deutschnatio- n a l e n zu. Im übrigen wird beschlosien, den General Se- ver in zu laden, der nach der Aussage des Hausinspektors des Reichstags sich am Abend des 12. September erkundigt kjaben soll, ob im Reichstag alles in Ordnung fei. Ein General Severin ist früher Stadtkommandant von Berlin gewesen. Der Ausschuß will am Donnerstag feine Feststellungen zur Durchsuchung des Reichstags treffen.____ Versammlung verboten! Hugenberg-Mann darf nicht reden, weil Hitlerbuben sprengen wollen. Frankfurt a. d. O., 28. September. Eine Wahlversammlung der Deutschnationalen wurde auf Anordnung der Ortspolizeibehärde verboten, weil, wie es in der Verfügung heißt,„nach den Umständen eine unmittelbare Gefahr für die öfsenlliche Sicherheit zu besorgen ist. Die Gefahr ist deshalb unmittelbar, weil ein hoher Grad von Wahrschein- lichkeit dafür vorhanden ist. daß die geplante Versammlung durch Angehörige der NSDAP, gestört oder gesprengt werden wird". Die Gründe der Polizei sür das Verbot seien, wie es in einer Mitteilung der deutschnationalen Ortsgruppe heißt, tat» sächlichinvollemUmfangez» treffend. Bereits lange vor Beginn der Versammlung hätten sich in der Logenstrahe eine Anzahl von Nationalsozialisten eingefunden, die den zur Verfügung stehenden Raum völlig ausgefüllt hätten. Außerdem seien Mit- glieder der Deutschnationalen Volkspartei von den Nationalsozia- listen belästigt worden. » Reichsbannerortsgruppen werden auf Brachte Anordnung auf- gelöst. Nationalsozialistische Spreng- und Prügelkolonnen dürfen sogar die Papen-Schutzgarde der Deutschnationalen und Stahlhelmer überfallen und mißhandeln. Von chrer Auflösung hört man nichts. Papen-Goldschmidi-Goebbels. Die Neugier eines kleinen Gernegroß. Eine„Einheitsfront" Löbe-Hugenberg und„SPD. für Papen- Barone" konstruiert sich in seiner letzten Nummer der„Angriff". Woraus? Weil der Abgeordnete Löbe in seiner Eigenschaft als Vorsitzender im Untersuchungsausschuß die Pflicht hatte, nur Fragen zuzulassen, die zum Beweisthema gehörten. Beweisthema waren die Vorgänge im Reichstag. Wenn Herr Goebbels deshalb die komische Frage damit verband, ob der Reichskanzler schon einmal bei Jakob Goldschmidt gewesen sei, so hätte der Vorsitzende diese Frage zurückweisen müssen. Er hat das aber nicht einmal getan, sondern er hat es dem Reichskanzler als Zeugen anheimgestellt, darauf zu antworten. Der Reichskanzler hat nicht darauf geant- wortet, weil es nicht zum B-weisthema gehörte. Wie würde wohl der aufgeregte Herr Goebbels reagiert haben. wenn ihn jemand nach seinen Besuchen bei irgendeinem gefragt hätte, z. B. bei der Kronprinzessin. Er würde das als ganz unstatt- hast empfunden und bei dem gleichen Verhalten des Vorsitzenden wahrscheinlich im„Angriff", wo täglich seine eigenen Heldentaten verkündet werden, geschrieben haben:„Einheitsfront Löbe-Goebbels". So logisch sind seine Bccksprünge. Sie werden nicht klüger dadurch, daß er sich in seinem eigenen Blatte porträtieren lägt, wie er zum Reichstag„schreitet", um„politisch bedeutsame Fragen" zu stellen. Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur«in Goebbelsschritt! Emil Orlik gestorben. Der bekannte Moler und Graphiker Pros. Emil Orlik ist gestern Tkachmillag im Aller von 6 2 Jahren in einem Berliner Sanatorium einem Herzleiden erlegen. Orlik, der in Prag geboren war und in München studierte, hat zu Studienzwecken mehrsache Aus- landsreisen durchgesührl, darunter nach England, Holland, Frankreich und Japan. Besonders bekannt sind seine japanischen Radierungen geworden. Auch aus Aegypten und China brachte er reiche Ertrag- niste seiner Kunst zurück. ->° Wenige Tage, nachdem Sleoogt in seiner pfälzischen Heimat der Erde übergeben worden ist, kommt die Nachricht vom Tode seines Freundes Emil Orlik. Am Mittwochnachmittag ist Orlik einer Herzmuskellähmung im Franziskanerkronkenhaus zu Berlin erlegen. Orlik hatte seine Zeit nicht erfüllt, er stand erst im 63. Lebens- jähre: eben erst Halle er die Wohnung unter seinem schönen Jung- gesellenheim am Lützowplag hinzugemietet, um seine zahllosen Ar- bellen und Kunslschäge besser ausstellen und eine Art Prioatakademie für seine Vorträge(er sprach gern und gut) und seine Schüler ein- richten zu können. Aber dieser übersprudelnd lebendige und wirken?- frohe Mensch hatte ein Herz, das empfindlich auf Schicksalsfchläge reagierte: der Tod seines Freundes Grünberg vor einigen Monaten griff ihn so heftig an, daß er sich hinlegte und apathisch und pessi- mistisch zu werden anfing. Die Herzschwäche, deren der ihm innig befreundete Arzt nicht Herr werden konnte, hat ihn jetzt hingestreckt: er folgte dem Kampfgenossen Slevogt auf dem Fuße ins Schatten- reich, als ob jener ihn nach sich gezogen hätte. Wer Orlik gekannt hat, wird erschüttert stehen vor dieser un- erwarteten Katastrophe. Eine unendlich reizbore, liebenswerte und liebevolle Menschlichkeit vereinte sich in ihm mit vielseitiger und glücklichster Kunstbegabung, eine Mischung, die Orlik zu einem ge- sellschaftlichen Mittelpunkt des geistigen Berlins gemacht hat. Seit ISÜS gehörte er— der am 21. Juni 1870 in Prag geboren war— der Reichshauptstadt als Akademielehrer an. Was er ihr gegeben hat und was er ihr bedeutete, liegt nur zum Teil in seiner Wirkung als Lehrer und Anreger namenttich auf graphischem Gebiet und in seiner ausgebreiteten Tätigkell als Porträtist und Maler. Er war eine der bekanntesten und geistreichsten Gestalten des künstlerischen Berlin, die auf keiner Premiere, keiner Ausstellung keinem Künstler- fest fehlte, und die jedem, der Orlik dort einmal getrosten hat, un- vergeßlich bleiben wird als unermüdlicher Zeichner, dem kein mar- tantes Profil, keine interessante Gruppe entgehen konnte. Seine kostbarste Hinterlassenschaft besteht vielleicht ebensosehr in seinen großen Gemälden und Radierungen, wie in den unzähligen Skizzen, die ex oft auf winzigen Blättchen, heimlich und doch vor aller Augen, hingeschrieben hat, als größter Chroniker Berlins seit Menzels Tode. Cr hat dessen Erbe nach dieser Seite recht eigentlich übernommen. Nun werden wir seinen schönen Graukopf mit den funkelnden Augen niemals wieder im Gewühl sehen, wie er beobachtet« und zeichnete. Sein Werk aber überlebt ihn in seiner unbegrenzten Fülle. Raul F. Schmidt. Neurath abgereist. Ohne Aussprache mit Herriot. Im Hinblick auf die angekündigte Rede, die Herriot am Donnerstag in der Volloersammlung hält, war es am Mittwoch nachmittag wieder fraglich geworden, ob Reichsaußenminister von Neurath Genf tatsächlich noch am selben Abend verlassen würde. Man schien auch aus deutscher Seite zunächst wieder an die Möglich- kelt einer deutsch-französischen Aussprache zu glauben. Indessen ist es bei der ursprünglichen Absicht verbliebsn: Neurath hat Genf gestern abend verlassen, angeblich, well er an einer dringenden Ka- binettsitzung in Berlin teilnehmen muß. In Genf wird übrigen» behauptet, daß die Spannung zwischen der deutschen und der französischen Regierung gegenwärtig so stark ist, daß eine Begegnung Neurath— Herriot im jetzigen Augenblick doch zu keiner Einigung geführt haben würde. In Vertretung von Neurach wird der frühere Außenminister von Rosenberg die deutsche Völkerbundsdelegation führen. Die Spuren der Euno-Regierung scheinen also, nicht mehr zu schrecken. Auch der Präsident der Abrüstungskonferenz Arthur Hen» d e r s o n ist am Mittwochabend nach London abgereist, um am Parteitag der Arbeiterpartei in Leicester tellzunehmen. Im Laufe des Tages hatte er wieder Besprechungen mit Neurath, Alois!- Italien. H y m a n s- Belgien, Madariaga» Spanien und mit B e n e s ch, dem Worstührer der Kleinen Entente. In einem Kam- muniqus erklärt Henderson, er hoffe, daß vor seiner Rückkehr zur nächsten Bürositzung am 10. Oktober hinreichende Fortschritte gemacht sein würden, die chm gestatten könnten, dem Büro in seiner ersten Sitzung einen Bericht vorzulegen und die Prozedur für die Be- Handlung der Sicherheit und Gleichberechtigung aufzustellen. Diese Aeußerung wird dahin ausgelegt, daß zwischen England, Frankreich und Italien ein gemeinsamer Plan vorbereitet werde, in dem Abrüstung und Anerkennung der Gleichberechtigung s ch r i t t w i s e in ein festes Verhältnis zum Wachsen der Sicher- heitsorganisation gebracht werden sollen. Dieser Vorschlag soll der Papen-Regierung bald übermittell werden. Deutsche Zahlungen an Amerika gestundet. Washington. 28. September. Das Schahamt gibt bekannt, daß die Regierung der Vertrags- mäßig vorgesehenen Stundung der am Freitag fälligen deut- scheu Zahlungen sür gemischte Forderungen und Besahungskosten in einer Gesamthöhe von 7,8 Milliarden Dollar zugestimmt habe. Harzburg- Breslau Getrennt marschieren... . vereint schlagen! Macdonald in Nöten. Rücktritt der linksliberalen Minister und Gnowdens vollzogen. KeineGemeindewahlen amö.November Große Mehrheit für Einspruch im Staatsrat. lieber das mit den Stimmen der Nationalsozialisten und Kom- munisten im Preußischen Landtag beschlossene Gesetz, durch das in Preußen die Gemcindeparlamente ausgelöst werden sollten und ihre Neuwahl am 6. November mit der Reichstagswahl zu- sammen ersolgt wäre, hat am Mittwoch ein Ausschuß des Preußischen Staatsrots beraten. Der Ausschuß beschloß. nach einem Bericht des Volksparteilers Dr. Caspari-Berlin, mit allen Stimmen gegen die Stimme des Kommunisten Einspruch gegen dieses Gesetz zu erheben. Das Plenum des Preußischen Staatsrats wird am Donnerstag die gleiche Stellung ein- nehmen. Hierdurch ist mit einer Auflösung der preußischen Gemeinde- Parlamente nicht zu rechnen, weil der Landtag seizien einmal gefaßten Beschluß nur durchführen könnte, wenn er ihn mit einer Zwei- drittelmehrheit wiederholen würde. Diese Zweidrittelmehr- heit ist bei diesem Beschluß nach der bisherigen Abstimmung im Preußischen Landtag nicht vorhanden. Der mehrfach angekündigte Rücktritt der freihändlerischen Mit- glieder des„nationalen Kabinetts" Macdonalds ist gestern mittag offiziell vollzogen worden. Lord Philip Snowden, Sir Herbert Samuel und Sir A. S i n c l a i r oersuchten, die Hinausschiebung der gesetzgeberischen Durchführung jener Beschlüsse von Ottawa durch- zusetzen, die einen schutzzöllnerischen Charakter tragen und die namentlich eine Verteuerung der Lebensmittel in England zur Folge haben dürften. Die Mehrheit des Kabinetts erklärte jedoch eine solch« Vertagung für unmöglich, worauf die drei Kabinetts» Mitglieder eno gültig ihren Rücktritt erklärten. Sieben weitere linkeliberale Mitglieder der erweiterten Regierung sind am Nochmittag diesem Beispiel gefolgt. Die Nachfolger bereit ernannt. London, 28. September. John G i l m o u r(konservativ) ist zum Staatssekretär des Innern, Walter Elliott(kons! zum Staatssekretär für die Landwirtschaft ernannt worden, Godfrey Collins(rechts- liberal) wird Staatssekretär für Schottland. Die Lords Creme, Reading und G r e y erklärten sich mit der Haltung der ausgeschiedenen liberalen Minister solidarisch. Die Scheidenden greifen Maedonalv an. London, 28. September. Am Mittwochabend wurde der Brief veröffentlicht, in dem die liberalen Minister der Sir-Herbert-Samuel-Gruppe dem Mini- sterpräsidenten ihren Rücktritt mitteilen. Sie erklären, sie hätten sich der nationalen Regierung angeschlossen, um bei der Befreiung Eng- lands von den schweren wirtschaftlichen und finanziellen Schwierig- leiten mitzuhelfen. Die wichtigsten Aufgaben, wie die Rettung des Pfundes, die Wiederherstellung des nationalen Kredits, feien erfolg- reich erfüllt worden. Die nächste Aufgabe wäre gewesen, die Welt von den Zollmauern, Kontingenten und anderen Handelsbeschränkungen zu befreien. da sie das größte Hindernis für eine Wiederherstellung der Wohl- sahrt seien. Statt dessen Hab« die englische Regierung ein ungeheures und verwickeltes System ähnlicher Beschrän- kungen aufgebaut, da? für eine lange Dauer berechnet sei. Die Ergebnisse seien aber völlig unbeftiedigend und hätten zu einem starken Nachlassen der englischen Ausfuhr, zum Auflegen von Hunderttausenden von Schisfstonnen und zur Er» höhung der Arbeitslosigkit beigetragen. Die liberalen Minister legen dann im einzelnen ihr« Einwendungen gegen die Ottawaer Abmachungen dar. Insbesondere wird auf die kommende Weltwirtschastskonferenz hingewiesen, auf der England freie Hände haben müsse, um mit den anderen Nationen vorteil- Tagung der Lnternationale. Iuternationale Konferenz foli einberufen werden. Zürich, 28. September.(Eigenbericht.) Das erweiterte Büro der Sozialistischen Arbeiter- Internationale hat am 27. und 28. September in Zürich eine Tagung abgehalten. Es waren anwesend de Brouckere und Bandervelde(Belgien). Breitscheid. Crispien, hil- f e r d i n g und Wels(Deutschland). Blum, Grumbach, L o n g u e t und R e n a u d e l(Frankreich), E o m p t o n und G i l l i e s(Großbritannien), A tb a rd a(Holland), Modigliani (Italien), Bauer(Oesterreich), Liebermonn(Polen), A b r a- m o w i t s ch(Rußland). S o u k u p und Winter(Tschechoslowakei). Grimm(Schweiz) sowie van Roosbroeck als Kassierer und A d l e r als Sekretär. Das Büro nahm einen Bericht des Sekretariats über die internationale Lage entgegen. Es kam zu einer v ö l- ligen Uebereinstimmung über jene Gesichtspunkte, nach denen die Aktion der SAZ. in Verbindung mit dem ZGB. gegen die Ausrüstung und sür die allgemeine Abrüstung. die allgemeinen Kontrollregeln unterworfen sein soll, sortgesehl werden wird. Das Büro beschloß serner nach eingehender Debatte, der Exekutive vorzuschlagen, die Einberufung einer Znternatio- nalen sozialistischen Konserenz in Aussicht zu nehmen, die die Fragen der Methode des Sampfes der Arbeiter- Masse um die Macht und die gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse behandeln soll. haste Abmachungen im Interesse einer Vergrößerung des englischen Aussuhrhandels abschließen zu können. Dies sei durch die Ottawaer Abmachungen unmöglich gemacht worden. Die beabsichtigte Kündigung des Handelsvertrages mit Rußland bedeute eine schwere Schädigung sür den englischen Ausfuhr- Handel. Ferner wird darauf hingewiesen, daß die englische Schutz- Zollpolitik eine Erhöhung der Lebensmittelpreise zur Folge gehabt habe. Abschließend teilen dann die Minister ihren Rücktritt mit. Sie versichern ober der Regierung, daß sie sie in allen anderen Fragen mit Ausnahme der sich aus den Ottawaer Abmachungen ergebenden Problemen unterstützen würden, In einem sechs Seiten langen Brief teilt auch Snowden die Gründe seines Rücktritts mit. Er bedauert zunächst, daß er die 40 Zahre enge politische Zusammenarbeit mit Macdonald brechen müsse. Er könne jedoch nicht, ohne alle Selbstachtung zu verlieren, ein Mitglied einer Regierung bleiben, deren Politik eine Kala- st r o p h e für die Wohlfahrt Englands bedeute. Sie müßte zu einem Auseinanderfallen des englischen Weltreichs führen und fei mit großen Gefahren für die inter» nationalen Beziehungen Englands verbunden. Die Politik der natio- nalen Regierung habe sich im Laufe ihrer Amtszeit völlig g e» ändert und sei den ursprünglich angegebenen Zielen nicht mehr treu geblieben. Er sei seinerzeit auf die Versicherung Macdonalds und Baldwins hin in die Regierung eingetreten, daß diese nur für nationale Zwecke arbeite und nicht für Parteiziele ausgenützt werden solle. Er habe diese Versicherung in gutem Glauben angenommen und sei auch jetzt noch bereit, eine Regierung zu unterstützen, die an diesen Versprechungen festhielte. Statt dessen sei es jedoch immer klarer geworden, daß die protektionistische Seite der Regie- rung und des Unterhauses entschlossen sei, eine volle Schutzzollpolitik durchzuführen und dabei Macdonald und ihn(Lord Snowden) al» Werkzeuge sür die Durchführung dieser konservativen Poll- tik auszunützen. Lord Snowden befaßt sich dann eingehend mit der Geschichte der Zollpolitik und erklärt, daß sie eine katastrophale Wirkung für England gehabt und zu ernsten Gegenmaßnahmen anderer Staaten geführt habe. Das Ergebnis der Ottawaer Ab- machungen sei, daß die Dominien England diktierten, wo es kaufen solle und wo es kaufen dürfe. Sie hätten die englische flnan- z'elle Autonomie vernichtet und England noch unter die Stellung eines Dominions heruntergedrückt, da diese in Zukunft die englische Zollpolitik kontrollieren würden. Snowden sagt weiter, daß die eigentlichen Aufgaben der nationalen Regierung, die Rettung des Pfundes, Ausgleich des Haushalts, Durchführung der Konvertierungsmaßnahmen, erfolgreich durchgeführt seien, so daß für ihn kein Grund mehr bestehe, länger in der Regierung zu ver- bleiben. Macdonalds Verteidigungsversuch London, 28. September. Macdonald gab heute abend zugleich im Namen von Lord S a n k e y und I. H. Thomas(also der ehemaligen Arbeiter- minister, außer Snowden. Red. d.„V.") eine Erklärung ab, in der er sagt:„Wir haben vor zwölf Monaten beschlossen, alle gewöhnlichen Parteiinteressen auherachtzu lassen, und dieser Entschluß besteht auch heute noch fort. Die Aufgabe ist noch nicht erfüllt und kann nicht erfüllt werden, bis man nicht so oder so zu einer Verständigung über Reparationen und Schulden gelangt ist. Wir werden unsere Bemühungen fortsetzen, bis sie erfüllt sind. Erwägungen parteipolitischer Natur würden unseren Einfluß im Lande und in der Welt schwächen und würden die gegenwärtige Be- wegung zugunsten eines Wiederaufbaues der Weltwirtschaft schä- digen."- Der dänische Außenminister Münch, der gegenwärtig in �Berlin weilt, hatte gestern Unterredungen mit P a p e n und dem Staats- fekretär im Auswärtigen Amt von B ü l o w. Man nimmt an, daß die Besprechung der Abrüstungskonferenz und besonders dem skandinavischen Vorschlag einer internationalen Rüstungskontrolle galt. Gömbös Rachsolger von karolyi. In Budapest erwartet man mit Bestimmtheit die Ernennung des bisherigen Landesverteidi- gungsministers Julius Gömbös zum Ministerpräsidenten. Das Portefeuille des Innern soll Tomftanyi übernehmen, der nach dem Sturz der Rätediktatur das Justizporteseuille innehatte. Wie verlautet, hat Gömbös ein fertiges„Wirtschaftsankurbelungsprogramm". das in den letzten 43 Stunden von Fachleuten ausgearbeitet wor» den ist. Die Leistung des Gesamtverbandes In der Krise die Krönt gehalten Der Gcsamtverbond hat mit seinem Jahrbuch 1331! den Bewegungen waren 31-1 ersalgreich, IWiK holten teilweisen seinen zweiten Jahresbericht vorgelegt. Er gibt eine eingehende und eindringliche Uebersicht über die Gewerkschaftsarbeit für mehr als üOOOOO Mitglieder, über eine Arbeit, die soft alle materiellen und geistigen Lebensäuherungen der Arbeilnehmerschast umsaßt und durchdringt. Das Jahrbuch zeigt, unter welch unendlich schmierigen wirtschastlichen und politischen Verhältnissen Gewerkschaftsarbeit geleistet werden mußte und welcher Anstrengungen es bedurfte, um die Errungenschaften der Arbeiter zu verteidigen. Gemessen an den geradezu unerhörten Schwierigkeiten, kann sich die Leistung des Gesamtverbandes sehr wohl sehen lassen. Wohl ist im Berichtsjahr sowohl in privaten wie auch in ösfent- lichen Betrieben auf dem Gebiet der Lohn- und Sozialpolitik Terrain verloren worden, wohl haben Arbeitslosigkeit und Massen- entlassungei, auch in öffentlichen Betriebe» die Mitgliederbewegung rückläufig beeinflußt—, der Gesamtverband steht jedoch trotz aller Angriffe des Kapitals unerschüttert und gefestigt da. D i e Z r o n t ist gehalten worden. Die Abwehrkämpse der Gemeindearbeiler und Straßenbahner, der Reichs- und Slaalsarbeiter, des Postpersonals, der ffasenarbeiter, der Binnenschiffer und Seeleule, der Verkehrs- und Handelsarbeiter im Jahre 1931 zeugen von der Widerstandskraft des Verbandes. Die Mitgliedcrbcwegung weist einen Rückgang um 8,2 Proz. auf— kein Wunder, angesichts der Sparmaßnahmen auch in den öffentlichen Betrieben. Ende 1331 zählte die Organisation 618 312 Mitglieder, darunter 71 939 weibliche und 6Sö4 jugendliche Mitglieder. Trotz der Schwere der Zeit lzalte die Organisation fast 60 000 Reueintrilte und Uebertritle zu verzeichnen. Die Gesamtauflage der drei Hauptorgane: Gewerk» schaff, Beamtengewerkschast, Hausangestelltenzeitung, betrug am Jahresschluß 65V vvv. Der Bildungsarbeit wurde zentral und lokal große Beachtung geschenkt. An den 13 Kurjen in der Bundes- schule Bernau nahmen 76V Mitglieder teil. Der Schulung der Betriebsräte— in 6142 Betrieben waren 17 513 Verbandsmitglieder als Betriebsräte und Betriebsobleute tälig— hat die Organisation größte Beachtung geschenkt. Die Einnahmen des Verbandes betrugen rund 25 32V OVO Mark, die Ausgaben 28 230 vvv. Rund 12 Millionen Mark Unterstützungen wurden geleistet. Die ab 1. Januar 133V neu eingeführte I n oa- liden unter st ützung erforderte rund 730 vvv Mark. Die Gesamtzahl der Lohnbewegungen betrug 2252 in 608 Orten und 77 816 Betrieben mit 1 046 675 Beschäftigten. Von Sturm im Einzelhandel. Die Ltnterneymer fordern die Oeffentlichkeii heraus. Die Unternehmer im Berliner Einzelhandel wollen es offenbar zu einem offenen Kampf mit ihren Angestellten treiben, denn anders kann man es sich nicht erklären, daß sie auch in den?aris- Verhandlungen am Dienstag unnachgiebig gel lieben sind. Wir berichteten bereits über die Verhandlungen am Sonnabend zum Neuabschluß des Mantel- und Gehaltstarifes für die Einzelhandels- angestellten, bei denen sich die Unternehmer sehr unzugänglich zeig- ten. Sie hatten aber am Sonnabend erklärt, ihre Abbauforde- rungen seien keinesfalls ultimativ. Die Verhandlungen am Dienstag haben jedoch gezeigt, daß 'diese Erklärung entweder nicht ernst gemeint war oder in- zwischen an die Unterhändler der Unternehmer eine neue Weisung ergangen ist. Jedenfalls hielten die Unternehmer alle für die Angestellten unannehmbaren Forde- rungen aufrecht. Sie bestanden darauf, daß die Gehälter ganz erheblich gekürzt werden, die tarifliche Gehaltsregelung für die gehobene- ren Angestellten der bisherigen Gehaltsgruppen III und II" jn Fortfall kommt, der Urlaub verschlechtert wird usw. Die Einzelhändler, die auf die Kaufkraft der breiten Massen am ollerstärksten amgewiesen sind, wollen also die Kaufkraft ihrer eige- nen Angestellten vernichten. Besonders bezeichnend für das„so- ziale Verständnis" der Berliner Einzelhändler war ihre Forderung nach einer untertariflichen Bezahlung der älteren A n g e st e l l t e n, die ihrer Auffassung nach nicht mehr leistungs- sähig genug sind. Wir haben noch nicht gehört, daß man auch die Bezahlung der Direktoren und Aufsichtsräte der Waren- Häuser von dem Lebensalter dieser Herren abhängig ge- macht hat. Selbstverständlich haben die Vertreter des Zentralver- bandes der Ange st eilten alle Verschlechterungsanträge z u- rückgewiesen und die unveränderte Verlängerung der Tarife verlangt. Die Verhandlungen muhten schließlich e r g e b- nislos abgebrochen werden. Die Unternehmer erklärten, den Schlichtungsausschuß, diese früher so verpönte Einrichtung, an- rufen zu wollen. Unter den Einzelhandel-angestellten herrscht über die Forde- rungen der Unternehmer die größte Empörung. Jn mehreren Be- triebsversammlungen der größeren Kauf- und Warenhäuser ist ganz unverblümt zum Ausdruck gebracht worden, daß die Einzelhandels- angestellten jedem Versuch, ihre schon so kärglichen Gehälter noch mehr zu beschneiden, mit allen zulässigen Mitteln entgegentreten werden. Das Barometer steht im Berliner Einzelhandel aus Sturm. Das ist auch den Direktionen der großen Berliner Warenhäuser bekannt: denn sonst hätte in den letzten Tagen«in führendes Ber- liner Warenhaus sein leitendes Personal nicht mehrmals während der Tischzeit im Hause behalten, um gegen«venmelle„Sympathie- kundgebungen" ihrer Warenhausbesucher gesichert zu sein. Lenken die Unternehmer nicht bald ein, dann ist für die nächsten Wochen mit ernsten Konflikten in vielen Berliner Einzel- Handelsbetrieben zu rechnen. Streik bei Scherl verschärst. Zie'ultatlose Verhandlungen. Der Streik der graphischen Hilfsarbeiter in der Druckerei von Scherl hat sich insofern v e r s ch ä r s t, als gestern! im Laufe des Tages zu dem Verfandpersonal sich auch die Zeitungsfahrer gesellten sowie die Hilfsarbeiter in der Buchbinderei. Da die D r u ck e r sich weigerten, mit Streikbrechern � zusammenzuarbeiten, wurde ihnen von der Firma bedeutet, daß sie heimgehen könnten. Znsgesamt umsaßt der Konflikt gegenwärtig über 1100 Personen. Zm Laufe des Tages haben gestern mehrfach Verhandlungen zwischen der Firmenleilung und dem Arbeiterrat stattgefunden. Die Bemühungen des Arbeiterrats, den Konflikt beizulegen, sind jedoch gescheitert, weil die Firmenleitung erklärte, daß zunächst die Arbeit ausgenommen werden müsse, ehe sie in eine „sachliche Prüfung der Lohnlisten" eintreten könne und weil sie sich auch geweigert hat, sich irgendwie zu einem Lohnausgleich sür den Abzug an den Löhnen durch den letzten Schiedsspruch zu verpflichten. Die Firma läßt durch den Verein Berliner Buchdruckereibesiher eine Erklärung veröffentlichen, die sich gegen den„Vorwärts" wendet, und in der Löhne des Hilfspersonals angegeben werden, die derart sind, daß das Hilfspersonal niemals in Streik getreten sein würde, wenn es diese Löhne bekäme. Dann heißt es: „Der Streik steht im Zusammenhang mit den politischen Abwehrmaßnahmcn gegen die wirschastlichen Pläne der Reichsregierung, was aus den Verhandlungen zwischen der Geschäftsleitung und dem Arbeiterrat der Firma Scherl über den Streik hervorging. Bemerkenswert ist. daß auch die na- tionalsozialislische Gruppe sich diesem Streik angeschlossen hat." Dazu wird uns vom Arbeiterrot erklärt, daß die Vertreter der Firma wohl den versuch gemacht haben, dem Arbeiterrat derartige Aeußerungen zu suggerieren. Der Arbeiterrot hat jedoch kategorisch erklärt, daß gar keine Ursache zu einer Stellungnahme gegen die wirtschaftlichen Pläne der Reichsregierung bestehe, weil der Konflikt damit gar nichts zu tun habe, wenn auch die nationalsozialistische Gruppe der Hilfsarbeiter sich dem Streik angeschlossen hat, so beweist das, wie stark das Solidaritäts- b e w« h t s e i n unter der Arbeiterschaft ist. : Achtung! SPD.-Zunktioniire der BVS. Freitag, 2» Uhr, im Roten � M Saal der Nammersäle, Teltawer Str. 1— I, wichtig« Sitzung. Alle SPD.-@ J Fuultianäre miigeu erscheinen. Parteimitgliedsbuch und Zunttionäraus» D weis legitimieren. Da« Betriebssetretariat. Erfolg, 872 waren erfolglos. Die vierte Notverordnung vom Dczem- ber vergangenen Jahres, die in den genannten Zahlen nicht ein- begriffen ist, erstreckte sich auf 13V7 Lohntarise und 131 Volltarife mit 1 003 000 Beschäftigten. Tarifverträg« bestanden Ende des vergangenen Jahres 1868 für 1 003 200 Beschäftigte: davon waren iin Gesaintverband organisiert 587 455. Für niiiö 31 000 Beamte s heute nach dem Anschluß der Reichsgewerkjchaft deutscher Kommunalbeamten sowie der Steuer- und Zollbeamten 41 000) gelten die Bestimmungen der Beamten- besoldung. Der Gesamtverband hat in den Abwehrkömpsen der Beamten gegen Gehaltskürzungen usw. Schulter an Schulter mit den übrigen Verbände» des ADB. gestanden. Mit feinen beamteten Mitgliedern ist der Gesamtoerband dem ADB., mit den Angestellten dem AfA-Bund angeschlossen. Die Vorgänge in der Beomtenbewegung werden im Jahrbuch eingehend besprochen. Ebenso behandelt es sehr -gründlich die Arbeiten der einzelnen Reichsabteilungen und Reichs- iachgruppen. Einen anschaulichen Ueberblick gibt der Bericht über die Wirt- j schastsvorgänae des Jahres 1331: er behandelt im besonderen die öffentliche W i r t s ch a s t: er stellt ihre Krisense st igkeit g e g e nü ber der privaten Wirtschaft sest. Auch die Lage der deutschen Verkehrswirlschaft sowie die Maßnahmen zur Regle- menlierung des gewerblichen Kraftgüterverkehrs werden beleuchtet. Die Orientierung des Jahrbuchs über die internationalen Beziehungen des Gesamtverbandcs bietet folgende interessante Tatsachen. Der Verband ist an vier internationalen Verbindungen der Arbeitnehmer- schaft beteiligt: an der Internationalen Transportarbeitersöderation, die in 36 Ländern 2 415 748 Mitglieder zählt, an der Jnternatio- nalen Föderation des Personals öffentlicher Betriebe in 16 Ländern mit 558 344 Mitgliedern, an der Internationale des Personal« der Post-, Telegraphen, und Telephonbetriebe in 33 Ländern mit 432 000 Mitgliedern, und durch die beamteten Mitglieder gehört der Gesamtverband der freigewerkschaftlichen Beamteninternationale an, die zur Zeit über 400 000 Mitglieder zählt. Das Jahrbuch des Gesamtverbandes zeugt von einer u n g e- Heuren Arbeit, von dem eisernen Willen der Funk- tionäre, die Organisation über die Schwierigkeiten der Zeit hinweg- zubringen. Es erbringt den Beweis, daß trotz politischer und wirt- schoftlicher Reaktion die Gewerkschaften in der Lage sind, sich mit Erfolg für die Erhaltung des Lebensstandards der deutschen Arbeit- nehmerschaft einzusetzen, IT Prozent arbeitslose Holzarbeiter. Der„Erfolg" des Papen-Programms. Unter den Berliner Holzarbeitern hat auch im zweiten Quartal, über das der Bevollmächtigte, Genosse Oir e i» gang, in der Generaloersammlung am Dienstag im Gcwerk- schoftshaus berichtete, die Arbeitslosigkeit noch neue Opfer ! gefordert. Die Zahl der bei den Arbeitsnachweise» registrierten I arbeitslosen Holzarbeiter ist im Laufe des Berichtsguarials von ! 25 873 auf 27 285 gestiegen. Jn dieser Erhöhung kommt aber längst nicht die wahre Zahl der arbeitslosen Holzarbeiter zum Ausdruck, denn eine ständig zunehmende Zahl von erwerbslosen Holzarbeitern erscheint nicht mehr auf dem Nachweise zur Stempelkontrolle, weil sie keinerlei Unterstützung mehr beziehen. Diese Arbeitslosen sind natürlich in der Arbeilsmarkt- staliftik„nicht mehr vorhanden". Aus die M i t g l i e d e r b e w e g u n g hat sich die Arbeitslosig- keit nicht mehr so stark ausgewirkt wie in den früheren Quartalen. Die Mitgliedcrzahl ging in der Berichtszeit um 685 aus 18 713 zurück, von denen nur rund 4300 oder 23 Proz. in Arbeit st a n d e n! Genosse Freigang erläuterte im Anschluß an seinen Geschäfts- bericht die Notverordnung der Reichsregierung vom 4. September sowie die Lohnabbauoerordnung vom 5. September. Er erklärte, daß sich die Organisation in den wenigen Branchen, wo noch Tarifverträge bestehen und die Unternehmer von der Lohn- abbaubewegung Gebrauch machen wollen, mit allen Kräften gegen diesen Abbau wehren wird. Jn der Diskussion wurde von dem Wortführer der„Opposition" eine so geistlose Kritik an dem Verhalten der freien Gewerkschaften und der Sozialdemokratie am und nach dem 20. Juli geübt, daß es sowohl dem Genossen Ha r n i s ch als Diskussionsredner, als auch dem Genossen Freigang in seinem Schlußwort ein leichtes war, diesem Wortradikalen heimzuleuchten. Eine kommunistische Ent- schließung wurde durch die Zustimmung der Generalversammlung zu den Beschlüssen des Bundesausschusses des ADGB. bezüglich der Notverordnung erledigt. Protest der Angestellten der Commerzbank. Warnung an die Direktion. Der große Saal der Musiker-Festsäl«, ebenso die Galerie, konnte die Zahl der Angestellten der Commerz- und Privatbank nicht fassen, so daß viele überhaupt keinen Einlaß zu der Betriebs- Versammlung am Dienstag fanden. Diesem gewaltigen Besuch ent- sprach der Gefft der Versammlung. Nach dem einleitenden Referat des dem sreigewerkjchaftlichen Verband der Bankangestellten ange- hörenden Betriebsratsvorsitzenden Wisnowski und einer ausführlichen Debatte, in der sowohl Angehörige des Betriebes wie die Sprecher der tariftragenden Organisationen zu Worte kamen, gelangte ein« Resolution e i n st i m m i g zur Annahme, in der es u. a. heißt: „Das Papen-Programm, zu dessen Initiatoren die Danken mit- gehören, will— allerdings mit unzulänglichen Mitteln— Arbeitslose wieder in Brot und Arbeit bringen, will die Zahl der Arbeits- losen verringern. Die Direktion der Commerz- und Privatbank aber will neue vermehrte Arbeitslosigkeit schaffen. Die Betriebsversammlung ist der Auffassung, daß der beabsichtigte Abbau in der Lage der Bank keineswegs«ine Begründung finden kann. Dieser Abbau ist ebenso unnötig wie schädlich für den Ruf der Bant in der Oefsentlichkeit. Die Bank muh Vertrauen werben, sich aber hüten, Mißtrauen zu erzeugen. Abbau aber erzeugt Miß- trauen. Indem die Betriebsversammlung aus allen diesen Gründen nochmals schärften Protest gegen die Durchführung des beabsichtigten Personalabbaues erhebt, richtet sie an die Direktion das ebenso eindringliche wie ernste Ersuchen, von den geplanten Maßnahmen Abstand zu nehmen. Sollte sich dann später herausstellen, daß die Erwartungen, welche die Direktion an das Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung knüpft, sich nicht erfüllen, d. h. würde Anfang 1333 statt der erwarteten Belebung eine erhebliche Einschränkung des Geschästsumfanges der Bank zu verzeichnen sein, dann erst würde für die Betriebsversammlung eine neue Situation gegeben sein, mit der sie sich erneut zu beschäftigen hätte." i�reie Gewerkschafts-Lugend Berlin Heute, Donnerstag, lSZ� Uhr, tagen die Gruppen: Südosteii: Jugend- heim Reichenberger Str. 66. Das moderne Gefängnis.— Tempclhof: Jugendheim. Lyzeum Germaniastr. 4— 6. Zugang durch Eingang Götz- stratze, Hintere Seite der Schule. Anetdoten und Humoresken aus Alt-Berlin. — Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18— lg. Die Mädels haben das Wort.— Staaken: Jugendheim der 17. Volksschule, Gartenstadt, Kircholatz. Endhalte. stelle giutobus 81. Wir machen unseren Dreck alleene.— Schönhauser Tor: Zu» gcndhcim Tieckstr. 18. Bunter Abend.— Gewerkschastshaus: Jugendheim Engel. ufer 14— 2Z, Saal 11. Entwicklung des Sturmvogels.— Landsberger Platz: Jugendheim Diestelmcnersrr. 5. 13 Jahre Republik.— Was nun?— Lichten» derg: Jugendheim Dofsestr. 22. Wir lernen neue Lieder.— Reu-Lichtenberg: Jugendheim Gunlerstr. 44. Das Neuesie in der Tagespolitik.— Schlesisches Tor: Jugendheim Manteuffelstr. 7. Unsere Mitglieder halten Kurzreferate über ihre Berufe.— Gesundbrunnen: Jugendheim Rote Schule, Gotenburger Str. 2. Kampf der Nationalsozialisten gegen die„marxistische" Kultur.— Köpenick: Jugendheim Grünauer Str. 5 lNähe Bahnhof Spindlersfeldl. Schallvlatten: Siegreich woll'n wir...— Osten: Jugendheim Arankfurtcr Allee 307 lLöns» gimmerl. Umbau der Wirtschaft.— Jugendgruppe de« Berbandcs der Rah. ruugsmittcl. und Setrantearbeiter: Jugendheim Reue Schönhauser Str. 4—6, großer Sitzungssaal. Leseabend.— Zugendgrupve des Textilarbeitcr-Berbandes: Jugendheim Engelufer 24—23, Aufgang B, 3 Treppen. Svielabend: Gefell» schaftsfpiele.— Sonnabend. 1. Oktober, in der Heinrich-Schliemann-Schulc. Berlin R-, Glcimstr. 4g(U. Bahnhos Nordring— S-Bahnhof Schönhauser Allee).?n der Wundcrwelt der Licht-, Ton. und Radiomellen. 2 Stunden physikalisch.technischc Sensationen. Saalöfsnung Ig Uhr. Beginn pünktlich 19' o Uhr. Unkostenbeitrag 30 Pf._ � Iuqendqruppe des'Zentralverbandes der Angestellten Heute. Donnerstag, sind folgende Beranftaltungen: Nordost II: Jugend. heim Schönlanker Str. II. Arbeitsgemeinschaft.— Norden: Jugendheim Lortzingstr. Ig. Abend eigener Ausgestaltung.— Osten: Jugendheim der Schule Litauer Str. 13. Arbeitsgemeinschaft: Russische Kunst. 2. Abend.— Treptow: Jugendheim Elsensir. 3(PrioatHaus). Die Presse im Spiegel der Kritik.— Die Zreic Angestelltenbank c. G. m. b. H. tagt heute von I!»„ bis 22 Uhr im Perbandshaus. Der„Vorwärts" erscheint wochenläglich zweimal, Sonntag« und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit". Anzeigenpreis«: Die e i n sp a l t. Millimeterzeile 30 Pf.. Rellamezeile 2.- M. „Kleine Anzeig«»-- das fettgedruckte Wort 20 Pf. Izulässig zwei fettgedruckte Worte) jedes weitere Wort iv Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über>5 Buchstaben zahle» für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 26 Pf. Familienanzeigen Millimeter- zeile is Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochentaglich von Lll'i bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Verantwortlich für Politik: Victor Schiff: Wirtschaft: S. Klingclhöfert Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: Herbert Lcp-re; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstädt; Anzeigen: Ott» Hengst; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwarts-Verlag G. m. d. H. Berlin Druck: Vorwärls-Buchdruckeret und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 68. Lindenstraße Zl Hierzu 2 Beilagen. itomkhe läußrstofie JQCQU, 3QUCJ& eeoKä&xyara. tanaL***/*«#• tttmrr* WOliPLUSCH epppoore Marke 200 3/.-?55 Woä�.TTo. 168-1' 51; 9& BETTUMRANDUNGEN Wollplüsch, bekanntes Marken- fabrikat.m modernen larfen Farcen Uäijferco.?0»350 UäufercaSO&O 2Vopiaqen 2V0Plagen f)f\ ca.60"130/ /m ca�S'ISS /U« mir Franse fcfc« mit Franse tU /» T0URNA7 erprobre Marke "28:162: Sä CO. 250, ISO1 LO.&o UL. 4oo' Nr. 459• 49.Iahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 29. September-HSS2 Sieg über die Wanzenburg Erfolgreicher ,.uoruiaris"-vorstoB: Forderungen der Mieler ertom Der energische Kampf, den die Mieter der inzwischen berüchtigt gewordenen„Wanzenburg" am Molkenmarkt gegen ihren Hauswirt durchgefochten haben, hat zu einem erfreulichen Erfolg geführt. Tie Mieten sind um durchschnittlich 40 Prozent gesenkt worden, Mietrückstände bis zu sechs Monaten werden ge» strichen, das Haus wird renoviert, Exmissio- n e n d ürfen bis auf weiteres nicht erfolgen und außerdem sind die Mietverträge umgeschrieben worden. Im übrigen hat die Staatsanwaltschaft von Amts wegen ein Verfahren wegen Mietwuchers gegen den Hauswirt eingeleitet. Wie erinnerlich, hat der Mietskandal im ehemaligen Stadt- vogteigesängnis auf die Änitiatioe des„V 0 r n> ü r t s" und der sozialdemokratischen Fraktion hin auch den Preußischen Landtag beschäftigt. Es wurde ein Airtrag der Sozialdemokraten ange- nommen, nach dem der Pachtvertrag zwischen dem preußischen Fiskus und den Schippanowfkischen Erben zum Ultimo Dezember 1933 gelost wird. Aller Voraussicht nach dürste dann das Haus Molkemnarkt 1 wieder in die Hände des Staates zurücksallen. Der Pächter hat für das Gebäude jährlich nur 1750 M. Pacht entrichten müssen, aber von den 110 Mietern geradezu ungeheuerliche Mieten verlangt. So kostete eine nur 9 Quadratmeter große ehemalige Gefängnis- zelle 21,50 M. monatlichen Mietzins. Auf Grund dieser Tat- fachen hat jetzt die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen die Pächter wegen Mietwuchers eingeleitet. Inzwischen ist auch der Verwalter Wreesmann, der mehrmals das Gebäude nur noch unter Polizeischutz betreten hatte, entfernt worden. Der Mietzins staftelt sich jetzt wie folgt: für die etwa 8 bis 12 Quadratmeter großen Wohnungen, die bisher rund 22 M. kosteten, sind jetzt nur noch 12,90 M. monaklich zu zahlen. Die 12 bis 15 Quadratmeter großen Wohmmgen kosten ab 1. September 14,75 Mark, bisher 24,50 und 26,50 M. Die 15 bis 20 Quadratmeter großen Wohnungen kosten noch 17,70 M., bisher 29,50 und 32,50 M. Und schließlich smd für die über 20 Quadratmeter großen Wohnungen in Zukunft nur noch 22,15 M. pro Monat zu zahlen, im Gegensatz zu früher mit 36,90 M. Diese Mietsenkungen betragen demnach im Einzelsall bis zu 42 Proz. Damit ist also fast die gesamte Forderung der Mieter erfüllt, die 50 Proz. Mietsenkung betragen hatte. Dann sind die Mietverträge abgeändert worden. Die ehemaligen Gxfängnisräum« werden nicht mehr als„Wohnungen" vermietet, sondern nur noch als Kochst üben. Festgelegt wurde auch, daß alle M i e t r ü ck st ä n d e bis zu sechs Monaten nieder- geschlagen werden. Lausende Exmissionsklagen werden zurück- gezogen, erst gegen diejenigen Mieter, die in Zukunft zwei Monate der neuen Miete rückständig bleiben, darf die Räumungsklage er- hoben werden. In zwei Fällen mußten allerdings Räumungen er- folgen, da die Baupolizei diese Räume als nicht bewohnbar erklärt hatte; die Mieter sind inzwischen anderweit untergebracht worden. Ein bisher bewohnter Kellerraum wird als Waschküche hergerichtet, ein in den oberen Stockwerken gelegener Raum als Trockenboden. Somit brauchen die unglücklichen Mieter ihre Wäsche nicht mehr in den Wohnungen trocknen. Am Dienstag besichtigte ein« Kommission der Preußischen Bau- und Finanzdirektion die„Wanzenburg". Die Kommission, die ent- setzt über die dort herrschenden Zustände war, gab dem Pächter aus, innechalb von 14 Tagen mit einer durchgreifenden Renovierung des Gebäudes zu beginnen. In 14 Tagen wird die Kommission nochmals nachsehen, ob ihre Weisungen befolgt worden sind. Ist dies nicht der Fall, dann werden die gesamten Mieten in Zukunft beschlagnahmt. vorläufig werden 17)4 Prozent von den monatlichen Mieten abgezweigt und zur Verfügung des Mieterausschusses gestellt. Dieser hat damit die dringlichsten Reparaturen auszusühren. Seit etwa acht Tagen ist der Kammerjäger in den„Wanzenburg". Wohnung für Wohnung wird entwanzt und ausgeschwefelt. Die Wohnungen sind vom Ungezicser dermaßen verseucht, daß der Kammerjäger täglich nur zwei Wohnungen schaffen kann. Seit acht Tagen sind auch die Maler da. Auch sie nehmen sich Wohnung um Wohnung vor, putzen Decken und Wände und streichen dann alles. Nach den Malern werden die Glaser kommen und die Fenster zum Winter in Ordnung bringen. Wo bisher keine Wasserleitung war, wird jetzt ein Rohr gelegt. Die einzelnen Klosetts dürfen nur noch von je zehn Mietern benutzt werden, bisher gingen bis zu 25 Mieter auf ein Klosett. Die dadurch mehr benötigten Klosetts werden ge- baut. Einen KlosettfchlüssÄ hat bereits jeder Mieter erhatten. Die Treppen und Z e l l e n f l u r e werden elektrisch be> leuchtet. In allen Wohnungen hat ein eiserner Ofen zu stchen, der zwei Kochlöcher haben muß. Wo sich die Mieter bereits einen Ofen gekauft hatten, wird ihnen der Wert des Ofens ersetzt, wenn sie ausziehen. Mit diesen bindenden Abmachungen ist eins der trübsten Kapitel des Berliner Wohnungselends notdürftig beseitigt worden. Verschiedentlich hatte man erwogen, das Gebäude ganz zu schließen, es war jedoch für die 110 Familien im Augenblick nicht der nötige Ersatzraum zur Verfügung, der ihren bescheidenen Einkommens- Verhältnissen entsprach. Gastodin der neuen Wohnung Tragisches Ende einer Achtzehnjährigen. Auf tragische weise ist die 18 Jahre alte Kontoristin Hildegard Schulenburg ums Leben gekommen. Die Eltern des jungen Mädchens hatten im Hause Prinzen- allee 89 im Norden Berlins eine Wohnung gemietet. Vorgestern wurde mit dem Umzug begonnen. Die 18jährige Tochter blieb bereits nachtsüber in der neuen Wohnung und schlief in der Küche. Auf einem Gaskocher hatte sich das junge Mädchen in den Abendstunden noch Kaffee zubereitet. Unglücklicherweise vergaß das Mädchen den Haupthahn zu schließen. Während das Mädchen' schlieft löste sich infolge Ueberdrucks der Schlauch vom Gas- k 0 ch e r und das Gas konnte ungehindert ausströmen. Als das Unglück heut« früh kurz nach 5 Uhr entdeckt wurde, kam Hilfe bereits zu spät. Ein hinzugerufener Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. * Die furchtbare wirtschaftliche Not hat wieder ein altes Ehepaar in den Tod gettieben. In ihrer Wohnung in der Straßmannstrahe 14 wurden gestern der 62 Jahre alte Karl H. und seine gleichaltrige Frau Hedwig im Schlafzimmer durch Gas vergiftet aufgefunden. Die Wiederbelebungsversuche der Feuer- wehr blieben ohne Erfolg. Ein blinder und tauber Untermieter der Lebensmüden wurde von der Polizei wegen seiner völligen Hilf- losigkeit in Schutzhaft genommen. Gelbstmorddrohung als I�eklametrick. Ein Schriststeller wollte bekannt werden. Einen recht eigenartigen Weg schlug der bisher in der Oefkent- lichkeit unbekannte Schriftsteller Arnold Zuck ein, um sich einen Namen zu verschaffen und seine Werke an den Mann zu bringen. Seit dem 21. September d. I. trafen bei mehreren Berliner Zeitungsverlagen Briese des Schriftstellers Zuck ein, in denen er seinen Selbstmord ankündigte, und gleichzeitig mitteilte, daß er seine „hinterlassenen Schriften" dem Verlage zur Auswertung zur Verfügung stellen wolle. Die Antworten auf diese seltsamen Angebote waren unter Postlageradresse erbeten, da angeblich ein guter Freund des Lebensmüden als Testamentsvollstrecker tätig fein und die weiteren Verhandlungen zur Verwertung des literarischen Nachlasses erledigen sollte. Einige Zeitungsverlage wandten sich an die Polizei, um so den angekündigten Selbstmord des Schriftstellers zu verhindern. Als die Kriminalpolizei in der Wohnung des Schrift- ftellers eintraft fand sie diesen munter und guter Dinge vor. Zuck verwahrte sich energisch gegen die Absicht der Polizei, ihn in Schutzhast zu nehmen, und erklärte den Beamten freudestrahlend, daß er in Wirklichkeit gar nicht an einen Selbstmord gedacht habe, sondern lediglich auf diese sensationelle Weile bei den.steitur->-m bekannt und seine Arbeiten los zu werden hoffte. Allerdings mußt« er den Polizeibeamten gegenüber auch zugeben, daß die Id.e zu seinem Vorgehen gar nicht seiner eigenen dichterischen Phantasie entstamme, sondern daß er einmal vor längerer Zeit einen Film mit einem derartigen Motiv gesehen habe und dann zu dem Entschluß gekommen sei, die Durchschlagskraft dieses Gedankens einmal selbst zu erproben. Es handelt sich bei dem ruhmsüchtigen Schriftsteller um einen jungen Mann, der in Berlin als Angestellter tätig ist. Die Urania hat ihr Vortragsverzeichnis Oktober bis Dezember 1932 veröffentlicht. Für Interessenten erhältlich durch das Urania- Büro, Berlin W 8, Leipziger Straße 19(Telephon: A 1, Jäger 1644). Zuchthaus für Keilerei. Wieder Kommunisten auf der Anklagebank. Die Strafkammer des Landgerichts II fällte gestern nach zweitägiger Verhandlung gegen sechs Angeklagte, zumeist Kommunisten, wegen Landsriedensbruchs und anderer Vergehen harte Urteile. Am 20. Juni nachmittags hatte vor der Filiale einer kommu- nistischen Zeitung ein Zusammenstoß stattgefunden. Ein Trupp von zehn Nationalsozialisten kam an der Filiale vorbei, und aus den Hausfluren stürzten Leute, die in eine Schlägerei mit den Nationalsozialisten gerieten und mit Gummiknüppeln und Holzlatten eingeschlagen haben sollen. Dabei soll ein Nationalsozialist erheb- liche Verletzungen erlitten haben. Die Angeklagten bestritten die Teilnahme, wurden jedoch durch Zeugen erheblich belastet. Bei zwei Angeklagten kam die Strafkammer zum F r e i s p r u ch. Ein An- geklagter, ei» Vauschlosser Alfred B., wurde zu der harten Strafe von 1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus verurteilt. Fünf andere Angeklagte erhielten Gefängnisstrafen zwischen 4 Monaten und 1 Jahr. Außerdem legte das Gericht drei Angeklagten, die auf einen Nationalsozialisten eingeschlagen haben sollen, eine an diesen zu zahlende Buße von je 200 Mark auf. Im Vergleich zu den Urteilen, die gegenüber Nationalsozialisten gesällt wurden, muß der Spruch der Strafkammer als hart erscheinen. Am 15. Oktober 1931 war es vor einem Vertehrslokal der National sozial! st en in der Richardstraße in Neukölln zu einer Schießerei zwischen radikalen Gruppen gekommen. Hier hate sich ein kommunistischer Demonstrationszug gebildet, unter den sich die Schützen gemischt hatten. Sie verschwanden nach Abgabe der Schüsse wieder in der Menge. Der Inhaber des Lokals wurde durch die Schüsse schwer verletzt und st a r b bald danach. Die Polizei nahm mehrere Personen fest, und es find auch wegen dieses Feuer- Überfalls bereits einige Urteile ergangen, ohne daß es aber möglich war, die Haupttäter, die geflüchtet waren, zu ergreifen. Einer von ihnen, ein 27 Jahre alter Arbeiter, war mit einem falschen Paß nach Rußland geschafft worden. Er ist von dort vor vier Tagen zurückgekehrt und wurde gestern in Neukölln festge- nommen. Der Verhaftete ist dem zuständigen Untersuchungs- richter vorgeführt worden. Brüsseler Elektrowerk niedergebrannt. Die ganze Stadt ohne Strom. Brüssel, 28 September. Im Brüsseler Elektrizitätswerk brach— offenbar durch Kurzschluß— ein großes Feuer aus. Die ganze Stadt ist 0 h n e e l e k- irischen Strom und die Zeitungen können nicht erscheinen. Für die Clektrizitätslieferung steht jetzt nur noch ein untergeordnetes Werk zur Verfügung. Das große Hauptwerk mit seinen riesigen Turbinen ist vollkommen zerstört. Das Feuer entstand in der großen Maschinenhalle. Die dort befindlichen Arbeiter konnten sich in Sicher- heit bringen. Nur ein Arbeiter wurde verletzt, und zwar durch einen Fall bei seiner eiligen Flucht. Der angerichtete Sachschaden ist sehr groß. Eine ungeheure Menschenmenge umlagert das ab- gebrannte Elektrizitätswerk. Im Schacht verschüttet. Auf dem Gelände der ehemaligen Pulverfabrik in Spandau- H a s e l h 0 r st ereignete sich gestern nachmittag ein folgenschwerer Unfall. Auf dem Hof war ein langer, etwa 1 Meter tiefer Schacht zur Aufnahme von Kanalisationsröhren ausgeworfen worden. Die Innenseiten des Schachtes waren durch Untermauerung abgefangen. Infolge eines Erdrutsches stürzte ein Teil des Kanalschachte» plötzlich zusammen und begrub den 22jährigen Arbeiter Bruno B r e e aus Neukölln unter sich. B. konnte von Arbeitskollegen aus seiner qualvollen Lage befreit werden, noch bevor die alarmiert« Spandauer Feuerwehr an der Unfallstelle erschien. Der Ver- unglückte, bei dem es sich um ein Mitglied des freiwilligen Arbeits- dienstes handeln soll, wurde ins städtische Krankenhaus Spandau übergeführt. Tod eines Sonderlings Der Goldschatz in der Laubenbaracke Der seltsame Tod eines Sonderlings beschästtgt gegenwärtig die Reserve-Mordkommission. Unter rätselhasten Umständen wurde der 87 Zahre alte frühere Schneider Friedrich Kleinschmidt in seiner Wohnbaracke in der Laubenkolonie„W i e s e n g r u n d" am Königsdamm in Eharlotlenbucg tot ausgesunden. Der Greis war unter dem Spitznamen„Das S ch n e i d e r l e i n" als ein seit- samcr Kauz bekannt. Um seine Person spannen sich allerlei Gerüchte. Als man ihn auffand, wurde zunächst angenommen, daß er eines natürlichen Todes gestorben sei. Lei der Sektion im Schauhause entdeckten die Aerzte aber plötzlich tief Im halse ein Taschentuch. Zeht tauchte der verdacht eines Mordes an dem Alten aus und Kriminalkommissar Dr. Berndors wurde mit der Untersuchung beauftragt. * Kleinschmidt war den Leuten in der Gegend weit und breit be- könnt. Die Baracke, die er seit vielen Jahren bewohnte, ist kaum 1,80 Meter hoch und etwa 4 Meter breit. Der Greis ging auf Bettelfahrten und kehrte zwischen 3 und 4 Uhr wieder heim. War der Nachmittag trübe, so legte er sich ins Bett und schlief bis zum nächsten Tage. In seiner Behausung fand man ein ganzes l Warenlager von alten Kleidungsstücken, Dutzende von Anzügen, Schuhen, Mänteln, Hüten ufw. Alle Sachen, die er geschenkt erhielt, schleppte er nach Hause. Hier ordnete er seine Schätze so gut wie es ging. Auf der Straße sammelt« er Kartons, Papier und ähnliches. Nach seinem Tod« fand man eine alte Brief- tasche, in der sich 13 0 Mark in Scheinen befanden. Außerdem eine Konservenbüchse mit 120 Mark Silbergeld. Ver- dächtig ist das Fehlen einer anderen Büchse, in der er 5-, 10- und 50-Pfennig-Stücke aufzuheben pflegte. Es fehlen auch weiter die Büchse für Pfennigstücke, die der Alte hatte. Kleinschmidt erzählte bei Lebzeiten den Leuten, daß er sehr reich wäre. Sie wüßten gar nicht, wieviel Geld er hätte! Es ist durchaus möglich, daß er durch diese Erzählungen zur Zeit noch unbekannte Leute an sich gelockt hat. Der Alte verstand es, Gerüchte, die über ihn im Umlauf waren, zu nähren. So erzählte er, daß er Professor gewesen sei, daß er auf- fallend reiche Gönner habe, die ihm sehr viel Geld zukommen ließen und ähnliches mehr. Dazu kamen seine Schrullen, die ihn in den Ruf eines Sonderlings brachten. Wo der Alte früher gebettelt hatte, konnte noch nicht festgestellt werden. Kleinschmidt muß aber jedem aufgefallen sein. Er war nur 1,55 Meter groß, trug einen wüsten Stoppelbart und ging stark nach vorn übergebeugt. SRAM• OSB OSß&M LJ AM• OSRAM Ssssä%*i 1 4o und 60 Wcdtsirui diebegehrten OSßAM'Typen, Skandal in Schwedt. Wieder einmal eine kleine Garnison. Aus einer kleinen Garnison, dem märkischen Städtchen Schwedt a. d. O., erfuhr man vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte wenig erfreuliche Dinge. Der Redakteur einer kommunistischen Zeitung war wegen Beleidigung der Reichswehr angeklagt. In einem Artikel mit der Ueberfchrift„Minderjährige von Reichswehrangehörigen vergewaltigt" wurden den Reichs- wehroffizieren in Schwedt die verschiedensten Schand- taten vorgeworfen! Leutnant O., dessen besonderer Fall zu dem Ar- tikel Anlaß gegeben hatte, wurde„Wüstling" und„Bestie" genannt. Der von dem Angeklagten angeboten« Beweis für die generellen Behauptungen des Artikels wurde von dem Gericht a b- gelehnt. Man kann auch von vorherein annehmen, daß der ver- antwortliche Redakteur des„Voltsecho", Menzel, der sich eines Re- gisters von tö Beleidigungsstrafen rühmen darf, wohl auch in diesem Falle über die Stränge geschlagen hat. Was man aber, teil» unter Ausschluß der Oeffentlichkeit, aus dieser Reichswehrgarnisonstadt Schwedt zu hören bekam, war trotzdem schlimm genug. Da gibt es ein Cafe Vaterland, das einzige Konzertcafs der Stadt mit einer Bar und einer Tanzdiele. Es verkehren hier Bürgermädchen, Hanlfwerter, Soldaten und auch die Herren Leutnants. Der Wirt, ein geschäftstüchtiger Mann, lockte ganz junge Dinger, ltzjährige Kinder, in seinen Betrieb, spendierte ihnen alkoholische Getränke, die Herren Leutnants tanzten mit den Mädchen und— nahmen sie auch nach Hause mit. So war es speziell im Falle des Leutnants O. Er nahm die löjährige R. zu sich in die Wohnung, sein Kamerad, der Leutnant Graf X., die fast gleichaltrige Freundin der R- Diese nahm zeitig genug Reißaus, die fünfzehnjährige R. blieb beim Leutnant O. Er sagte zu ihr:„Ich habe von dir gehört, du wärst so jung und doch schon so verdorben" und— verdarb sie noch mehr. —„Er wußte, daß ich 15 Jahre alt bin", behauptete die Kleine vor Gericht. Das war im April. Im Herbst gab es ein Straf- oerfahren wegen Kuppelei gegen den Wirt des Cafe Vaterland. Trotz der Beschwerde der Staatsanwaltschaft stellte das Landgericht aus formalen Gründen das Verfahren«in. Auch das Abenteuer des Herrn Leutnant O. mit der löjährigen R. wurde bekannt. Das Mädchen behauptete, der Offizier habe sie infiziert. Das Verfahren gegen den Herrn Leutnant wegen Jnfizierung eines anderen mit einer Geschlechtskrankheit wurde eingestellt, ebenso das Verfahren wegen Verführung von Minderjährigen. Die kleine R. war wirklich nicht mehr unbescholten: ihre Liebesabenteuer begannen mit dem 14. Lebensjahr. Jetzt befindet sie sich in der Fürsorge. Sie wollte vom Leutnant O. weder unter Alkohol gesetzt noch ver- gewaltigt worden sein. So kam das Gericht zur Verurteilung des Redakteurs des„Volksecho" wegen formaler Beleidigung und übler Nachrede zu einem Monat Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte vier Monate Gefängnis beantragt. Die Inflation der Märkte Ueberall entstehen Märkte— Je weniger Kunden, desto mehr Händler! Eine der eigenartigsten Entwicklungen in Berlin ist folgende: Je schärfer die Kaufkraft der Bevölkerung absinkt, desto mehr ehe- maiige Käufer werden zu Händlern. Die Berliner Zeitungshändler hatten unlängst dies« Tatsache auf die Tagesord- nung einer ihrer Fachoerfammlungen gestellt. Menschen, an die sie früher morgens, mittags oder abends eine Zeitung verkauften, die ihre Kunden waren, die stehen heute selber an irgendeiner Straßen- ecke und handeln mit Zeitungen. Aehnlich ist es bei den Markt- Betrug mit Rückportomarken. Der frühere Landwirt Fritz Dansmann aus Potsdam in- serierte in zahlreichen Kreisblättern nach Pflegeeltern für seinen„hübschen gesunden Jungen". Er bot auch als einmalige Abfindung 6000 M. an. Die Offerten sollten mit Rückporto post- lagernd eingesandt werden. Hunderte und aber Hunderte von Leuten, hauptsächlich aus der Landbevölkerung, meldeten sich auf das verlockende Inserat, aber D. beantwortete keinen Brief, ihm kam es nur auf die 1 2- P f e n n i g- M a r k e n an, die als Rückporto beigefügt waren. Bei einer polizeilichen Haussuchung fand man Hunderte von Freimarken. Das Potsdamer Schöffen- gericht verurteilte Dansmann wegen fortgesetzten Betruges zu sechs Monaten Gefängnis ohne Bewährungsfrist. Der Lastauto-Landstrastenschrerk. Auf der Chaussee zwischen Malchow und Lindenberg, vor den Toren Berlins, unlrde gestern der Schupohauptwachtmeister Johannes Sasse vom 72. Polizeirevier neben seinem Fahr- rad mit schweren Verletzungen vom Landjäger der Station Mal- chow-Weihensee bewußtlos aufgefunden. Der schwerverletzte Be- amte wurde ins Staatskrankenhaus übergeführt. Wie die Fest- stellungen ergeben haben, ist Sasse, der sich mit seinem Rade auf einer Fahrt nach Biesenthal befand, von einem Lastauto „Alles Rechnen hilft nichts, bei zehn Mark Kasse fallt nicht das Standgeld ab." Händlern und natürlich auch bei den Straßenhändlern mit ihren Wagen. Das Ganze ist das Unsinnigst«, was man sich denken kann: je weniger die Leute kaufen können, desto mehr handeln! Nun werden allerdings Märkte in Groß-Berlin geradezu treib- hausartig gezüchtet. Jeder Berliner kennt die alten eingeführten Märkte, die trotz der Not der Zeit immer noch einigermaßen befetzt sind. Zu diesen„eingesessenen" Märkten kommt jetzt oder ein Markt nach dem anderen. Verschiedene Unternehmer halten hier das Heft in der Hand. Teils werden geräumige Höf« still- gelegter Fabriken übernommen, teils unoermietbare Geschäfts- räume, meist ober wird in den Vororten brachliegendes Bauland erstanden. Dann werden an die Interessenten Einladungen zur Pachtung eines Standes gesandt, und oft genug genügt diese Lockung: es finden sich genug, die ihr letztes, aus besseren Tagen erspartes Geld daransetzen und nun Händler werden. Nur sehlt die Kundschaft dazu, und so gibt es in Lichtenberg, Hohenschön- Hausen und Pankow heute bereits Märkte, die nur zu einem Drittel besetzt sind. Aber dieses Drittel macht den alten Märkten noch ge- nügend Konturrenz. Dabei ist es gar nicht einmal so billig, heute zu handeln, die Standpa chten aus solchen Märkten schwanken zwischen 16 und3g Mark im Monat, also etwa IM Mark in Wirklichkeit. Denn die 30 Mark gellen je nur für zwei Wochen- tag«, nehmen wir an: Montag und Donnerstag. Für die vier übrigen Wochentage muh sich der Händler einen neuen Markt suchen und dementsprechend natürlich noch zweimal die Pacht ent- richten. Man sollte annehmen, daß allein diese Pachtsätze, die heraus- zuwirtschasten heutzutage beinahe ein Kunststück ist, abschreckend wirken. Aber weil gesehll. An ollen Ecken und Enden in Berlin wird noch ständig ein Markt nach dem anderen eröffnet. Eine Zeit- lang leisteten oerschieden« Amtsstellen dieser Bewegung noch Vor- schub. Daraus konnte ihnen seinerzeit kein Vorwurf gemacht wer- den, denn die Männer auf den Aemtern sagten sich, wenn uns die Erwerbslosen weiter die Bude einrennen, um jene erbetenen 150 M. zum Beginn eines Handels zu erhalten, dann wollen wir sie ihnen doch geben.''Kommen die Leute mit dem Handel zurecht, dann be- lasten sie wenigstens nicht mehr die Wohlfahrtsetats. Die neu- gebackenen Händler kanien aber nicht zurecht. Sie kauften sich einen Wagen, sie kauften sich Ware, und dann fehlte ihnen das, was man gemeinhin mit der Tüchtigkeit des Kaufmanns bezeichnet: es dauert« nicht lange und sie waren Wagen, Ware und die 130 M. los. Und schon saßen sie wieder auf dem Wohlfahrtsamt. Es geht eben nicht, in einer Zell absinkender Kaufkraft neue Händlcrschichten zu schaffen. Wenn wir recht unterrichtet sind, werden wohl auch solche Einrichtungskredite nicht mehr gewährt. Denn die Fwkwatton selbst unter den alten Händlern ist riefen- groß. Da macht der Pleite, dort jener, ein« Entwicklung, die der schrumpsende Absatz mit sich bringt. Schon die Leute auf den eingeführten Märkten verkaufen nur noch 60 Proz. von dem, was sie früher losschlugen. Manchen Tag haben sie 10 M. Kasse und noch keine 2 M. Verdienst dabei. Aber trotz- dem treten immer wieder neu« Händler in die Fußtapfen der Ge- scheiterten, und wenn es ein Handkarren ist, mit dessen Hilfe m den Vorstädten Kartoffeln feilgehalten werden. überfahren worden Der Führer des Wagens machte sich, ohne sich um den Verunglückten zu kümmern, aus dem Staub«. Die Erkennungsnummer des Autos konnte jedoch ermittelt werden. Jtekordfänge der Heringsfischer. * Hamburg. 28. September. Der Verlauf der diesjährigen Heringsfischerei hat bisher außerordentlich gute Fangergebnisse gezeitigt. Die größten Fänge wurden im Gebiete zwischen dem Fladengrund und der Doggerbank, dem sogenannten Gat, gemacht. Tages- sänge von 500 Zentnern waren keine Seltenheit. Die Auktion»- preise waren niedrig, so daß trotz reicher Fänge die Heringsfischerei in diesem Jahr« nicht so günstig abgeschlossen haben dürfte wie in den Vorjahren. Der Arbeiler-Samariler-Vund E. v.. Kolonne Berlin, Abteilung Kreuzberg, veranstaltet in der Zeit bis zum 2. Oktober eine Werbe- ausstellung:„Der Mensch und der Arbeiter-Sama- riter" in den Räumen Ritterstraße 1 ptr.(Ecke Luisenufer). Die Herunter mit den Mieten! Eine Kampfsitzung des Gesamtvorstandes des RDM. Der Gesamtvorstand des Reichsbundes Deutscher Mieter(Sitz Berlin) faßte in seiner letzten Sitzung eine wichtige Enffchließung, der wir folgendes entnehmen: „Der Gesamtvorstand des RDM. stellt mit lebhafter Entrüstung fest, daß die bei der großen wirtschaftlichen Notlage weitester Kreise der Mieterschaft unbedingt notwendige und vom Reichsbund Deut- scher Mieter seit längerer Zeit geforderte weitere Senkung der Räume in Alt- und Neubauten bis heute noch nicht erfolgt ist. Diese Unterlassung ist um so befremdlicher, als im Wege der Notgesetzgebung nicht nur die Einkommensenkungen und die steuerlichen Belastungen für die nichtbesitzenden Volkskreise weiter verschärft, sondern auch den Besitzenden, insbesondere auch dem Hausbesitz, neue, zum Teil ganz erhebliche Zuwendungen aus Reichs- Mitteln gemacht worden sind. Die Mietensenkung in Neubauten muh endlich wirksam gestaltet werden. und zwar durch Wegfall der Zins- und Tilgungsraten für die Haus- zinssteuerhyotheken, durch Senkung der Zins- und Tilgungsraten für die übrigen Hypotheken, durch steuerliche Entlastung, durch Senkung der Tarife für Wasser, Gas und Elektrizität unter Wegfall der Zähler- und Messermieten sowie durch Mietzuschüsse aus öffentlichen Mitteln, bei gleichzeitiger Sanierung des über- schuldeten Neuhausbesitzes. Die Miete in Altbouiea kann sofort ohne weiteres auf die höh« der Ariedensmiete gesenkt werden. wenn die in der gesetzlichen Miete enthaltenen überhöhten Sätze sür Reparaturen und für Betriebskosten den heutigen Verhällnisien an- gepaßt werden. In die Mietensenkung sind auch die P a ch t v e r- hältniss« für gewerbliche Räume und die Werks- wohnungen einzubeziehen. Millionen von Metern können die Mieten nur noch mit Hilfe der Fürsorgebehörden aufbringen: Hunderttausenden droht die Exmission. Trotzdem wird der Mieter- schütz weiter abgebaut, statt oerstärkt. Die steigende Not und Ver- zweislung weiter Kreise der Mieterschaft verlangt gebieterisch die schleunige Wiederherstellung eines wirksamen Mieterschutzes, welcher den gegebenen anormalen Verhältnisien Rechnung ttägt. Gleichzeitig mit dem Wegfall des Mieterschutzes muß ein zeitge- mäßes soziales Miet- und Wohnrecht nach den Forde- rungen des RDM. als Dauerrecht in Kraft treten. Dieses neue Miettecht muß für alle bisher bereits freigegebenen Räum«, soweit die Freigabe nicht rückgängig zu machen ist, unverzüglich in Kraft gesetzt werden. Der Kleinwohnungsbau muß durch Bereit- stellung öffentticher Mittel baldigst wieder in Gang gesetzt werden. Der durch die Enteignung der Hypothekengläubiger entstandene Entschuldungsgew in n des Hausbesitzes muß dauernd, und zwar restlos, für die öffentliche Hand erfaßt und in vollem Umfange für die Zwecke der Wohnungswirtschast, insbesondere für die Ingangsetzung des Klsinwohnungsbaues, für Mietzuschüsse an kinderreiche und sonstige hilfsbedürftige Mieter sowie zur Sanierung schlechter Wohnviertel verwendet werden. Stärkstes Befremden hat es in weitesten Kreisen der Mieter- schaft erregt, daß � dem hausbesitz durch die Verordnung zur Belebung der Wirt- schasl vom 4. September 1932 erneut 50 Millionen Mark au» Reichsmitteln zur Vornahme von ünslandsehungs- und anderen baulichen Arbeiten zur Verfügung gestellt worden sind. Die Taffache, daß der Hausbesitz seit der Stabilisie- rung der Mark rund S Milliarden Mark an Instand- setzungsgeldern von den Mietern erhalten, diese aber nur zum kleineren Teil für Instandsetzungen oerwendet hat, scheint die Reichsregierung bei Erlaß obiger Verordnung nicht gebührend be- achtet zu haben." Der Gesamworstand beendet seine Enffchließung mit dem ein- drucksoollen und berechtigten Hinweis, daß er besonders auch des- wegen«ine Berücksichtigung seiner Forderungen durch die gegen- wärtig« Regierung erwarte, weil diese Forderungen mit d«n vom Herrn Reichskanzler verkündeten christlichen, nationalen, kulturellen und sozialen Grundsätzen in vollstem Einklang stehen. An alle Parteien, die nicht einseitig für den Hausbesitz eingestellt find, richtet der Gesamtvorstand das dringende Ersuchen, die obigen Forderungen nicht nur im wohlverstandenen Interesse der Mieterschaft, sondern auch im Interesse unserer Gesamtwirffchaft tatkräftig zu unterstützen. Ausstellung ist täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Führungen finden jeden Tag um 12 und 18 Uhr statt. Aer.zt« halten. Vorträge mit Lichtbildern über folgende Themen: 29. September:„Frauenkrant- heiten"- 30. September:.Krankheiten des Säuglings und ihre Ver- hütung: 1. Oktober:„Straßenunfälle": 2. Oktober:„Geschlechts- krankheiten". Der Besuch der Ausstellung ist vollständig kostenlos und kann dringend empfohlen werden. „Hoflieferant" unzüchtiger Gchrifies- Acht Monate Gefängnis für einen Buchhändler. Die Strafkammer beim Landgericht I verurteilte den Buchhändler Hein wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften zu acht Mo- naten Gefängnis. Am Wittenbergplatz, unmittelbar an der Scherlfiliale, befindet sich eine Buchhandlung. Abends konnte man aus großer Ferne hell leuchtend„Sexual buchhandlung" lesen. Später wurde das in„Sexualwissenschaftliche Buchhandlung" umgewandelt. Die Fensterauslagen entsprachen der Lichtteklame. Die Buchhandlung erfreut« sich eines großen Kundenkreises. Die Herrschaften fanden da, was sie suchten. Die Polizei hatte aber schon seit langem auf diese sexuol-„wissenschaftliche" Buchhandlung ihr Zluge geworfen. Zwei Durchsuchungen förderten nicht allzuviel an den Tag: doch genug, um Herrn Hein auf die Anklagebank zu bringen. Das Schöffengericht oerurteilte ihn zu 500 Mark Geldstrafe. Dem Gericht war damals noch nicht bekannt, daß fast unmittelbar vor dem Termin eine neue Durchsuchung stattgefunden hatte. In einem Keller unweit der Buchhandlung stieß man auf Regale, die sich von ausgesprochen pornographischer Literatur geradezu bogen. Der Staatsanwalt hatte gegen das Urteil erster Instanz B e- r u f u n g e i n g« l e g t. In der Berufungsverhandlung verteidigte sich der Angeklagte mit seinem speziellen Kundenkreis. Es wären lauter seriöse Leute, darunter auch solche, die früher höchste Stellungen bekleidet hätten. Er habe sich seine Kunden stets sehr genau angesehen und dafür gesorgt, daß die Literatur nicht in unrechte Hände komme. Der Kreis, den er bedient habe, sei ein vertraulicher Kreis gewesen— Herren von ausgesprochen konservativer Gesinnung. Das Gericht hatte für.Herrn Hein und dessen Kundenkreis wenig Verständnis, es verurteilte ihn zu acht Monaten Gefängnis. In der Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende u. a.: Die Gerichte müßten endlich daran gehen, auch ihrerseits mit den Verbreitern derartig verderblicher Schriften aufzuräumen. Wenn diese Schriften nur in die Hände alter Herren gelangen würden, an denen doch nichts mehr zu ver- derben sei, so wäre das noch kein so großes Unglück. In Wirklichkeit sind Abnehmer und Leser dieser Schriften des öfteren auch junge Leute. Kindertod auf der Ttraße. Auf der Kreuzung Schönhauser Allee und Born- holmer Straße wurde gestern abend der 9 Jahre alte Jürgens Schmortte aus der Bornholmer Straße 13 von einem Auto überfahren. Mit schweren Verletzungen wurde der Knabe zur Rettungsstelle gebracht, wo der Arzt bei der Einliefe- rung nur noch den T o d feststellen konnte.— In der Kolberger Straße im Norden Berlins wurde der 9jährige Schüler Helmut Eising aus der Kolberger Straße 7 von einem Privatauto überfahren und schwer oerletzt. Der Junge fand im Virchow-Krankenhaus Aufnahme. Rüttes Rag trinken keiht: etisas kür die Sesundkeit tun« - Und wer wollte das nicht! Klagen der Volksküchengäste. Oer unbeliebte Kochfisch. Die Kreuzberger haben beim„Vorwärts" über das Volks- küchemessen geklagt. Einer unserer Mitarbeiter schreibt uns über seine Ermittlungen nun folgendes: „Wir mögen im Sommer keine Hülsenfrüchte, noch dazu, wenn sie teilweise hart sind; wir wollen anständige Fleischportionen und das Ganze soll nach was schmecken", sagen die Stammgäste der Volksspeisung. Das ist wahrhaftig kein unbilliges Verlangen: auf ein ordentliches Effen sollte ein jeder Anspruch haben. Auf der anderen Seite aber ist es nicht allzu leicht, den Geschmack Tausender und ober Tausender zu treffen und für billiges Geld etwas Gutes zu bieten. Einen Weg weisen hier ja die Küchen der Erwerbslosen- Notgemeinschost. Die 2S-Pfennig-Portion kostet der Stadt Berlin selbst etwa 27 Pfennig, könnte sie Zl) Pfennig dafür auswerfen, so sagt die Verwaltung, wäre es für die Essensempfänger besser. Nun gibt es auch noch ein« ganze Menge unbeliebter Gerichte, die ober, nach Ansicht der Küchenleitung, nicht von der Kart« so ohne weiteres oerschwinden können. So ruft Milchreis jeweils einen Stur.n der Empörung hervor, dann gibt es vielfach Antipathie gegen ge- kochten Fisch: im Kohl mit mitgekochtem Fleisch vermißt man die Fleischstücke, und wenn dann die Erbsen nicht weich sind, kann man den Unmut der Hungrigen oerstehen. Wie sich unser Gewährsmann bei seinem unangemeldeten Be- such in der Volksspeisung Kortbusser Straße überzeugen konnte, war dos Essen an diesem Tage g u t und schmackhaft. Es gab ge- kochtes Rindfleisch mit Zwiebelsoße und Kartoffeln, alles weich und gut im Geschmack.„Da habense grab heute mal Glück gehabt", meint meine Nachbarin,„heut schmeckt's mir selber, ober gestern und vorgestern, det war nischt. Und der olle Kochfisch, mit dem könnse mir jagen." Es ist also mal so und mal anders. Daß einem verbitterten Menschen, der tagaus, tagein nach dem Napf Essen Schlange stehen muß, immer nur in Gesellschaft von Leidens- genossen seinen Hunger stillt, und stereotyp, wie sein ganzes Da- fein, den ewigen Turnus von Bohnen, Linsen, Kohl und Erbsen über sich ergehen lassen muß, öfters der Papierkragen platzt, das ist sicher kein Wunder. Daran sind aber in der großen Haupt- fach« die Verhältnisse und die, welche sie schufen, schuld. Neue Kurse der Mütterschule. Um Frauen und Mädchen Gelegenheit zu geben, sich für olle Ausgaben der häuslichen Erziehung, Pflege, Ernährung und Beschäftigung der Kinder oorzuberesten und fortzubilden, hat dos Pestalozzi-Fröbel-Haus gemeinsam mit dem Berliner Ärippenverein eine„Mütter schule* mit achtwöchigen Stach- mittagskursen eingerichtet. In allen Abteilungen beginnen am 15. Oktober neue Lehrgänge. Anmeldungen und Anfragen sind zu richten an das Pestalozzi-Fröbel-Haus l, Karl-Schrader-Straße 8, zu Händen von Frau Hoffstaetter, Tel.: B 7 Pallas 7291. An zwei Nachmittagen von 3 bis 6 Uhr werden Mütter, werdende Mütter und Verlobte aller Stände praktisch und theoretisch in die Grurrd- fragen der Kleinkindpflege und Erziehung«ingeführt. Es finden auch gemeinsame Besichtigungen von Ausstellungen und Erziehung?- onstalten statt. Den Kindern der Teilnehmerinnen steht während der Unterrichtsstunden ein von einer Kindergärtnerin beaufsichtigter Spielraum zur Derfügung. Ferner werden Sonderkurse in Säuglingspflege sowie Bastelarbeiten und Anfertigen von Kinder- garderobe abgehalten. Erfahrenere Frauen und Mütter finden in einem Sonderkursus Ausnahm«, der neben der Fortbildung in allen Erztehungs- und Handfertigkeitskünsten ihnen auch Anleitung zu erster Hilfe bei Unfällen und für Krankenpflege bietet. „Rote Funker" feiern Geburtstag. Es ist jetzt gerade ein Jahr her, daß die beiden„Roten Funker" der Sozialistischen Arbeiterjugendgruppe m der Schön- hauser Vorstadt Hugo Hase, die gelernten Elektrotechniker Helmut Krüger und Kurt G ö t t i n g, frisch ans Werk gingen und in emsiger Arbeit und mit ganz bescheidenen Mitteln eine schöne, klang- starke Verstärkeranlage für Radio, Grammophon und Schallplatten bauten und damit ein« sehr achtbar» und lehrreiche Bereicherung für das Gruppenheim schufen. An zahlreichen Diskussionsabenden der Jugendlichen und auch in vielen Parteiveranstaltungen haben die Pioniere so mitgeholfen, die Abende inhaltsreicher zu gestalten. In letzter Zeit wurden auch die Kampflieder der Partei und der Jugend auf eigenen Schallplatten mit gleich gutem Erfolg aufge- nommen und vorgespielt. Wir wünschen den beiden roten Funkern auch weiterhin ein erfolgreiches Schaffen im Dienst« der Werktätigen und gratulieren mit am ersten Jahrestag. Die Leistungen der Schreberjugendpflege. Der Reichsverband der Kleingartenvereine Deutschlands hat für das Jahr 1931 einen statistischen Bericht über die S ch r e b e r- jugendpslege ausgearbeitet(Kleingartenwacht 1932 Nr. 9 vom IS. September 1932). In 1417 Vereinen wurden 2 884 KW Spiel- linder gezählt, die an 7l) 797 Spiel- und Befchäftigungstagen von 22KS Spielleitern(mit 1411 jugendlichen Helfern) betreut wurden. Es standen 1 591 88S Quadratmeter Gesamtspielplatzfläche zur Verfügung. Bei ungünstiger Witterung wurden die Spielkinder in 621 Vereinshäusern oder S p i e l h a l l e n beschäftigt. An 3024 Wanderungen beteiligten sich 108 637 Kinder, an 2828 Badegängen 89 986 Kinder: auch Planschbecken zur ständigen Benutzung wurden von 77 Stellen gemeldet. Im Winter standen vielfach Eisbahnen zur Verfügung. Die 196 Jugend- gruppen(schulentlassene Jugendliche) entwickeln sich weiter günstig. Die Vereine und Verbände haben im Berichtsjahre 1931 rund 330 000 M. für die Schreberjugendpflege aufgebracht. Diese Leistungen sind besonders deshalb bemerkenswert, weil sie nicht nur den Kindern der Vereinsmitglieder, sondern allen Kindern, die sich an den Spielen usw. beteiligen wollen, zugute kommen. Zwei Schulen geschlossen. Die Schule in Bergholz bleibt wegen Scharlach- erkrankungen bis zum 13. Oktober geschlossen. Die Schule L e h n i n wurde wegen spinaler Kinderlähmung geschlossen. Ein Fall wurde einwandfrei festgestellt, außerdem besteht in mehreren Fällen der Verdacht auf Kinderlähmung. Internationaler Kursus in verlin-wilhelmshagen. In dieser Woche hat ein sechswöchiger internationaler Kursus begonnen, der eine ausgezeichnete Gelegenheit für die Erweiterung der An- schauung und der Sprachkenntnisse bietet. Das Thema ist: Deutschland und die angelsächsische Welt. Im Vordergrund stehen: Die Wellwirtschaftskrise, Abrüstung und Revision der Verträge, soziale und Kultursragen. Da die Arbeits- gemeinschaftcn in englischer und deutscher Sprache stattfinden, ist hier neben der geistigen Ausweitung eine ausgezeichnete Sprach- gelegenheit gegeben, zumal sämtliche Teilnehmer im Heim zusammen leben. U l m e n h o f liegt inmitten von Wäldern bei Wilhelms- Hagen, und nur IS Minuten vom Dämerigfee entfernt. Bei der «Jen8eit8 des Rheins Ein Stück Herbstromantik Wer sich unter dem Hunsrück eine rauhe, öde Landschaft vor- stellt, der ist falsch beraten. Es gibt da prachtvolle, bewaldete Höhen und kleine Städtchen und Dörfer, die zum Teil eine große Geschichte aufzuweisen haben. Ruinen, alte Burgen vermitteln ein richtiges Stück vergangenes Mittelalter. Die ganze Landschaft ist eingerahmt von einem einzigen großen Rebenkranz: westlich be- grenzen die Weintäler der Saar und Ruwer den Hunsrück, füd- lich ist's die weingesegnete Nahe, östlich der Rhein, und des Hunsrücks Nordhänge sind geziert mit den Weinbergen der Mosel. Von Zell und Treis, von Bernkastel, Konz und Merzig, Bacharach, Bingen, von Kreuznach und Schloß Böckelheim erklingen fröhliche Winzerlieder zum Hunsrück hinauf. Hat der Most drunten im Tal geschäumt, dann tönt das Jagdhorn durch die Berge, in denen der Hirsch an der Spitze seines Rudels die Wälder durchzieht. Besonders lohnend ist eine Wachenendfahrt von Boppard mit der Hunsrückbahn hinairf nach Buchholz, Halsenbach, Kastellaun. An steiler Felswand klettert hier eine der schönsten deutschen Berg- bahnen hinauf durch hohe Wälder. Tief unten im Tal rauscht ein Wildbach, Mühlräder klappern und groteske Bergformen bilden eine zackige Silhouette gegen die Lichtfülle des Himmels. Und hat die Bahn die Höhe erklommen, grüßen stille Dörflein mit eigen- artigen Kirchtürmen, die im Hunsrück einen besonderen Charakter haben. Schöne Ausgangspunkte für Hunsrückwanderungen im Herbst sind neben Kaftelloun-Simmern, Hirfchfeld, Morbach und Stromberg. Es gibt eine Menge Wanderziele im Hunsrück. So beispielsweise des Rheinlands höchster Berg, den Erbeskops in der Nähe von Kempfeld, mit seinem hohen Aussichtsturm. Von Idar, Oberstein aus ist die beste Postverbindung dorthin. Und wer im Hunsrück weilt, der gehe auch einmal den Spuren der alten Sarmatenkolonie nach, die die Römer»m Rhaunen, Sohren angesiedelt hatten. Das Dorf Rhaunen hat seinen Namen wahr- scheinlich von dem germanischen Wort„Runa", und der eigentliche Ursprung des Namens Hunsrück hat nichts mit Hund und Rücken, auch nichts mit Hunnenrücken zu tun, sondern wurzelt höchstwahr- scheinlich in dem Begriff der alten fränkischen Honschasten. Eine Honschaft war eine Art Untergau(Bürgermeisterei), die vielleicht hundert Höfe und Häuser zählte. Der Vorsteher eines solchen Bezirks war der Hanne, der mußte„ruogan", das heißt rächen oder rügen. Der Hunsrück war also wahrscheinlich sehr lange das Land, in dem die Honnen(von dem auch Bad Honnef seinen Namen hat) Recht sprachen. Die fränkische Rechtssitte ließ auch jeden Nachkommen gleichen Anteil an den Hunsrückhöfen. So wurde dort das Kleinbauerntum sehr groß und herrscht heute noch vor. Weiter sind als Ausflugsorte im Hunsrück zu nennen die allen Burgen der Grasen von Sponheim, wie Dhaun, Waldeck, Ehrcnburg und Schöneck. Die Ruine Balduineck, die Kyrburg im Nahegau, Burg Veldenz an den Moselbergen und noch viele andere schöne Winkel. Das alte Nest Ravengiersburg bietet dem Hunsrück- «anderer sehr viel Sehenswertes. Hier und da kann man in den abgelegenen Dörfern auch nach die alten Trachten aus selbst- gewirktem Zeug sehen. Das ganze Hunsrücker Bergland ist heute mit einem sehr guten Straßennetz durchzogen, so daß der Auto- mobilist bis ins kleinste Dorf gute Fahrt hat. Gerade im Herbst bietet diese Landschaft mit ihren mächtigen buntgefärbten Wäldern viel Reiz. Eine Partie Koblenz, Traben-Trarbach, Hirschseld, Kirn, Kreuznach, Bingen oder Zell an der Mosel, Simmern, Rheinböllen und Bacharach wird dem Naturfreund lange in Erinnerung bleiben. Nicht minder wie im Soon- und Idarwald sind herbstliche Fahrten durch den Hochwald nach Trier, Zerf, Türkismühle zu empfehlen. Der Hunsrück, der traurige Schauplatz der Taten des„Schinder- Hannes", hat überall feine Reize, und wer stille Herbstromantik sucht, hier findet er sie. Eigenart dieses Kursus ist auch eine teilweise Beteiligung möglich. Der Preis beträgt bei guter vollständiger Verpflegung, Wohnung, Licht, Wäsche, Schulgeld inbegriffen, 3,50 M. täglich, in ganz be- sonderen Fällen Ermäßigung. Einige Plätze sind noch frei, An- Meldungen an Volkshochschulheim Ulmenhos, Bcrlin-Wilhelms- Hagen._ Oer Oevisenprozeß des Noiars. Eineinhalb Lahre Gefängnis beantragt. Im Prozeß gegen den Rechtsanwalt und Notar Dr. Iulbus G l o g a n e r beantragte der Staatsanwalt wegen Verstoßes gegen die Devifenverorünung 1 Jahr 6 Monate Gefängnis und 10000 M. Geldstrafe. Der Verteidiger des Angeklagten, Rechts- anwalt Wygvdczinski, widersprach dem Ankläger: es sei überhaupt nicht erwiesen, daß Dr. Glogauers Austraggeber ein Ausländer fei. Im übrigen könne höchstens Beihilf« vorliegen. Da« Urteil wird erst heute gefällt werden. OaS Antlitz der Weltwirtschast. Die Arbeiterbildungsschule in Gemeinschait mit der Berliner Gewerkschaftsschule und dem Deutschen Freidenkeroerband veranstalten in der Zeit von, Montag, dem 3. Oktober 1932 bis einschließlich Freitag, den 7. Oktober 1932, im großen Saal des Lehrervereinshauses, Alexonderftraße 41. eine Vortragswoche, in der der bekannt« sozialistische Dichter, Philosoph und Leiter der österreichischen Arbeiterbildungsschule, Luitpold Stern aus Wien, an fünf hintereinanderfolgenden Abenden über:„Das Antlitz der Weltwirtschaft" sprechen wird. Die Borträge sind jeder in sich abgeschlossen, alle fünf aber geben im Zusammenhang das Bild der Weltwirtschaft: sie werden belebt durch Lichtbilder, Schmalfilm« und Schallplatten. Der Eintritt kostet: für einen Vortragsabend 25 Pf.. für fünf Vortragsabende(Sammelkarte) 1 M. Kartenverkaufsstellen: Büro der Arbeilerbildungsfchule, Lindenstr. 3, 2. 5?of II, Zimmer 9: Buchhandlung Dietz, Lindenstr. 2; Büro des Deutschen Freidenker- Verbandes, Gneifenaustr. 41: Büro der' Berliner Gewerkschaftsschule, Gewerkschastshaus, Engelufer 24/25, und bei den Partei-, Gewerk- jchafts- und Freidenkerfunktionären. Strafbarer Leichtsinn... Durch unverantwortlichen Leichtsinn im Umgang mit Benzin sind in der vergangenen Woche drei Frauen schwerverletzt worden, zwei Frauen sind an den Folgen gestorben. Bei brennendem Bade- ofen reinigten Frau B. und Frau St. im Badezimmer ein Kleid. Die unausbleibliche Folge trat auch ein, die Benzingase entzündeten sich, explodierten und setzten auch die Kleider der Frauen in Brand. Ihren schweren Brandwunden sind sie dann im Krankenhaus er- legen. Aehnlich erging es Frau H. aus Berlin-Tempelhof, die bei offener Flamme auf dem Gasherd in der Küche einen Anzug reinigte. Obwohl es allmählich jedes Kind wissen müßte, daß es lebens- gefährlich, ja geradezu selbstmörderisch ist, Benzin zum Feueranmachen zu verwenden, melden die Zeitungen auch hierüber fast täglich Unfälle, die auf derartigen Leichtsinn zurückzuführen sind. Zur Aufklärung für viele, die es trotz aller Hinweise noch nicht wissen sollten, sei hier noch einmal erwähnt, daß Benzingefäße nicht in Räume mit Feuerungsstellen gehören. Die kleinen Flaschen für den Bedarf der Hausstau im Haushalt sind stets verschlossen zu halten, da das Benzin sehr schnell Gase entwickelt, die, da sie schwerer als Luft sind, auf dem Boden entlang kriechen und natur- gemäß von dem Luftzug jeder Flamme angezogen werden und dann zu den so gefürchteten Explosionen führen. Ein Luftgasgemisch von 2,5 Teilen Benzingas und 97,5 Teilen Luft kann schon— durch irgendeine Flamme oder einen elektrischen Funken zur Entzündung gebracht— zur Explosion führen. Abendkurse in der Veuth- Schule. Die Beuth-Schule am Zeppelinplag führt seit der im April dieses Jahres erfolgten Bereinigung mit der Städtischen Gewerbeschule Charlottenburg deren metallgewerbliche Abendkurse weiter. Das Winter- s e m e st e r beginnt am 10. Oktober 1932. Die reich aus- gestatteten Laboratorien und Werkstätten der staatlich anerkannten „Höheren Technischen Lehranstalt" stehen auch den Abendbesuchern zur Verfügung und sichern den jungen Maschinenbauern, Werkzeug- machern, Mechanikern und Elektrikern eine gediegene technische Ausbildung. Tie Silberne Hochzeit beging gestern der Stadtverordnete Ernst Arndt, Lichtenberg, skandinavische Str. 2. Gen. Agnes Vahrenwald dankt allen, die chrer aus Anlaß ihres 80. Geburtstages gedacht haben. Detlerausfichten für Verlin: Beständige» Herbstwetter, meist heiter, nachts recht kühl, am Tage mäßig warm.— Für Deutschland: In der südlichen Reichshälste Bewölkungszunahme, sonst über- all heiter, Temperaturen im ganzen wenig oerändert. Lwan, der Kaier. Ein heiteres Zwischenspiel gab es in einer Potsdamer Schöffengerrchtssitzung. Der Justizwachtmeister rief die zweite Sache auf, die umer dem Rubrum„Iwan" lief. Statt des Angeklagten marschierte zuerst ein großer grauer Kater in den Gerichtssaal, der sofort auf das Richterpult ging und sich dort unter dem Stuhl des Vorsitzenden häuslich niederließ. Darob freute sich der ganze Gerichlsfaal, bis der Justizwachtmeister den Kaker ab- holt«— er war ihm aus seiner Souterainwohnung nachgelaufen—, die Sache Iwan tonnte dann steigen. Die Ferienheime der„Adefe". Urlaub und Ferien sind in diesem Jahre in vielen Fällen auf den Spätsommer und Herbst ver- legt. Die Heime der„Adese" im Thüringer Wald, im Sächsischen Erzgebirge und der Mark Brandenburg waren im Sommer trotz der Krise stark besucht. Auch im Herbst und Winter sind die Heime für den Besuch geöffnet. Wer noch Ferien in diesem Jahre vor sich hat, verlange den Prospekt der„Adefe". Der Pensionspreis beträgt 3,50 M. bis 4,50 M. je nach dem Heim bei voller Verpflegung. In dem Pensionspreis ist das Bedienungsgeld enthalten. Auskunft erteilt: Allgemeine Deutsche Gesellschaft für Ferien- und Erholungs- Heime m. b. H., Sitz Jena, Marienftraße 4. Wieder pslsis de Danse. Metropoltheater und Palais de�Danse waren früher für Berlin ein Begriff. Einem wechselvollen Schicksal war dies« Stätte unter- worfen. Immer wieder gab es Fachleute der Vergnügungsbranch«, die hier ihr Glück versuchten. Die Zentrumsgaststätten Betriebs- Gesell, m. b. H. unter der Direktion Kurt Kosterlitz will am 1. Oktober diese historische Tanzstätte zu neuem Leben erwecken. Nicht wie bisher für die oberen Zehsttausend. sondern für die Vielen, die gern einmal ausgehen und in netten Räumen bei guter Musik sitzen und tanzen wollen. Für das breite Publikum öffnen sich am l. Oktober die Pforten: am Nachmittag bekomint man ein großes Kaffeegedeck für 85 Pf. und am Abend werden alle Getränke bei freiem Eintritt serviert. Als Kapelle ist„Frisco" mit seiner Musik- bände gewonnen worden. Zwölf Attraktionen von Weltruf werden ein Unterhaltungsprogramm bieten. Siae frohe Nachricht bringt die altbekannte Firma Kaisers Kaffeegeschäft ihren Kunden. Lesen wir doch in der heutigen Anzeige, daß Kaisers auch diese» Jahr wieder WeihnachtssparbUcher, die ollen Kunden große Vorteile bieten, ausgibt. Kommt noch hinzu, daß Kaisers vom 2g. September bis Z. Oktober doppelte Rabattmarken gibt. Da wird keine Hausfrau versäumen, gerade jetzt ihr Weihnachtssparbuch zu holen. Nutzen auch Sie diese gllnftige Gelegenheit. Erstklassige Qualitäten Liter l/j Fl. Feinster Weinbrand-Verschnitt....... 2.85 2.25 Reiner deutscher Weinbrand....... 3.80 2.95 Feinster jarnaika-Rurn-Verschnitt........ 3.70 2.90 Fa. Nordh. Branntw. u. Richtenberger ca. 320/o 2.25 1.85 Extra prima Getreidekorn 40°/,......... 3.20 2.60 Prima Edelliköre, alle Sorten............... 2.45 Prima deutscher Wermut„Triestine"..... 0.85 0.70 Original ital. Vino Vermouth........... 1.16 0.96 Original süße Südweine.............. 1.20 0.95 Original spanischer Rotwein........... 1.00 0.80 Echte weiße, süße und rote Bordeauxweine.— 1.50 Prima deutsche Weißweine............ O.BO 0.60 Preise exkl. Glas Extra-Angebot„1925— 30 Tischweine"..... nur 0.80 Prima Dessertobstweine, süß.... Liter von 0.70 an Erstklassige Fruchtsäfte, ganz rein.... Liter 1.30— 1.46 Ausschank vom Faß vom kleinsten Quantum ab Kostproben gratis in allen mit* versehenen Geschäften *N, Brunnenstraße 42 *N, Müllerstraße 144 »N, Chausseestraße 76 O, Koppenstr. 87 •N. Prenzlauer Allee 50 *N, Schivelbeiner Str. 6 •O, Petersburger Str. 42 *SO, Grünauer Str. 15 "SO. Köpenicker Str. 121 •SW, Bergmannstr. 11 •W, Marti n-Luther-Str.86 "Steglitz: Schloßstr. 121 •NW, Gotzkow$kystr.31 •NW, Wilsnacker Str. 25 •Charlottenburg: Wilmersdorfer Str. 157 •Neukölln: Berliner Str. 12, Hermannstraße 27 und Bergstr. 66 •Schöneberg: Kolonnenstraße 7 •Oberschöneweide;Wllhelmlnenhofstr.40 •Spandau: Potsdamer Straße 23 •Weißensee; Berliner Allee 247 •Tempelhof: Berliner Straße 152 •Pankow: Wollankstr. 98 •Lichtenberg; Wismarplatz 1 Reinickendorf: Markstr. 45 Schmargendorf: Berkaer Straß« S Potsdam: Charlottenstraße 69 •Oranienburg: Berliner Straß« 1 Eduard Süßkind Die Steuerguischeine. Durchführungsbestimmungen zur Notverordnung. Die Durchführungsbestimmungen zu der Papenfchen B e r o r d- nung über die Steuergutscheine werden am Donnerstag im Reichsgefetzblatt veröffentlicht. Die Steuergutscheine, die das Kernstück der wirtschaftspolitischen Notverordnung vom 4. September bilden, werden ausgehändigt für Steuerzahlungen und für Mehrbeschäftigung. Steuergutscheine für Steuerzahlungen erhält nur, wer im In- land seinen Wohnsitz oder sonst unbeschränkt steuerpflichtig für Ein- kommen- und Körperschaftssteuern ist. Unter der Voraussetzung, daß es sich um Steuern handelt, die in der Zeit vom l. Oktober 1332 bis zum 30. September 1333 fällig und entrichtet werden, werden Steuerguts cheine ausgegeben für die Zahlung von Umsatz- st euer, Gewerbesteuer, Grundsteuer und Be- förderungssteuer. Es gibt also keine Gutscheine für Steuern, die vor dem 1. Oktober d. I. fällig werden, bzw. für Steuern, die erst nach dem 3». September 1933 bezahlt werden. Eine Ausnahme ist nur für die Land- und F o r st w i r t f ch a f t gemacht worden, da diese erst nach der Ernteverwertung im Herbst ihre Steuern zahlt. Dies« Einschränkung bei den landwirtschaftlichen Steuerzahlern hat sich wohl deswegen als notwendig erwiesen, weil man in der Wil- Helmstraße genau weiß, daß die Steuerstundungen und der Verzug von Steuerzahlungen in der ganzen Landwirtschaft einen geradezu ungeheuerlichen Umfang angenommen hat. Andernfalls würde hier kaum ein Mensch als Bezieher von Steuergutscheinen in Frage kommen. Bei der Beförderungssteuer werden die Steuergut- scheine in voller Höhe gewährt, bei den übrigen drei Steuer- arten in Höhe von 49 Prozent. Die viel kritisierten Steuergutscheine für Mehrbeschästigung werden nicht nur ausgegeben, wenn die Arbeit vermehrt wird und deshalb mehr Arbeitnehmer beschäftigt werden, sondern auch dann, wenn die Arbeit gestreckt und aus eine größere Zahl von Arbeitern verteilt wird. Als Vergleichsobschnitt für die Mehrbeschäftigung gelten grund- jätzlich die Monate Juni bis August 1932 unter Zugrundelegung der Durchschnittszahl der Belegschaft. Bei Saisonbetrieben gilt als Ver- gleichsabschnitt das entsprechende Kalenderoierteljahr des vorher- gehenden Jahres. Mehrbeschästigte Arbeitnehmer sind dann nicht mitzuzählen, wenn sie nicht mindestens vierzig Stunden in der Woche arbeiten. Nur wenn die durchschnittliche Arbeitszeit des Betriebes kürzer ist, genügt auch diese, jedoch darf sie 2 4 Stunden in der Woche nicht unterschreiten. Ferner muß der Lohn der eingestellten Arbeiter, wenn sie für die Steuergutscheine angerechnet werden sollen, den für den Betrieb geltenden Tariflohn oder mangels eines solchen dem Ortslohn mindestens entsprechen. Der Betrag, der für die Mehrbeschäftigung eines Arbeitnehmers pro Quartal gewährt wird, beläuft sich grundsätzlich auf 199 Mark. Wird die Belegschaft verdoppelt, so mindert sich der Betrag bei dem Unter- nehmen mit mehr als 59 Arbeitnehmern auf 59 Mark. Der Steuer- gutscheinbetrag darf die Hälfte der durchschnittlichen Lohnhöhe nicht übersteigen, die auf einen Arbeitnehmer des Betriebes in einem Quartal der Mehrbeschäftigung entfällt. Die öffentlichen Betriebe werden im Zeichen der Reprioatisierung unter Ausnahmerecht ge- stellt und erhalten für Mehreinstellungen bis auf weiteres kein« Prämien. Anträge auf Gewährung von Gutscheinen für Mehrbeschäftigung können bei den Finanzämtern erstmalig im Januar 1933 gestellt werden. Da die Regierung wohl selbst eingesehen hat, daß bei dieser Aktion der Ausgabe von Steuergutscheinen dem Mißbrauch Tür und Tor geöffnet sind, werden diejenigen, die unrichtige Angaben zur Erlangung von Steuergutscheinen machen oder sich solche auf andere Weise er- schleichen, wegen Betruges oder Steuerhinterziehung auf Grund der allgemeinen Strafvorfchriften belangt werden. Die Stückelung der Gutscheine geht bis 29999 Mark höchstens und niedrigstens bis zu 19 Mark. Die Stück« lauten auf den Inhaber. Sie werden in den Rechnungsjahren 1934— 1938 auf alle Reichssteuern mit Ausnahme der Einkommen- und Körperfchafts- steuern in Anrechnung genommen. Die Steuergutscheine sind l o m- b a r d f ä h i g und von der Börsenumsatzsteuer befreit. Bei allen in Frage kommenden Empfängern von diesen Gut- scheinen gilt die Ausgabe dieser Scheine als steuerpflichtige« Einkommen. Da der Steuerpflichtige dieses Einkommen aber erst 1934 bis 1938 zur Steueranrechnung verwendet, wird im Aus- gabejahr für die Steuerberechnung das Einkommen, das auf die Steuergutscheine entfällt, statt mit einem vollen Kurswert nur mit einem Fünftel angerechnet. Kein voller Erfolg. Das Ergebnis der französischen Rentenkonversion. Nach dem überraschend günstigen Ausgang des englischen Bei- spiels ist auch die französische Regierung darangegangen, eine niedrigere Verzinsung der Staatsanleihen durchzusetzen. Alle fran- zösischen Staatsrenten, die bisher zu 5, 6 und 7 Proz. verzinslich waren, werden in ein 4>-prozentiges Papier umgewandelt. Be- troffen sind von dieser Operation mehr als die Hälfte aller fran- zösischen Staatsanleihen, nämlich 85 Milliarden Franken (14 Milliarden Mark) von insgesamt 159 Milliarden Franken. Obwohl die Lage des französischen Geld- und Kapitalmarktes weitaus g ü n st i g e r als die des englischen ist, obwohl die Zins- reduktion— in England von 5 auf 3H Proz., in Frankreich von durchschnitlich 5% auf 4% Proz.— nicht so scharf wie in Eng- land angesetzt war, ist der Crfalg nicht so groß wie in Eng- land, wo es sich außerdem um das Risiko eines viel größeren Betrages(etwa 39 Milliarden Mark) handelte. Der französische Rentner hat eben doch eine andere Mentalität als der englische Staatsbürger. Obwohl die Zinsherabsetzung automatisch stattfand, wenn nicht binnen 9 Tagen(in England binnen drei Mo- naten!) ausdrücklich die Rückzahlung in bar verlangt wurde, so ist doch dieses Verlangen für vier Milliarden Franken, für etwa 5 Prozent des Gesamtbetrages gestellt worden. Wenn auch das Prozentverhältnis dem englischen entspricht, so muh man doch bedenken, daß dem französischen Rentner viel günstigere Bedin- gungen eingeräumt waren. Das Ergebnis wird auch in offiziellen französischen Kreisen nicht als günstig empfunden, wenn auch die geforderte Rückzahlung ohne besondere Schwierigkeiten zu bewerkstelligen sein wird. Die autonome Amortisationskasse für Staatsanleihen hat allein einen Kassenbestand von 3,5 Milliarden Franken, der zur Hälfte für die Rückzahlung herangezogen werden soll. Den Restbetrag wird die französische Regierung durch Ausgabe von Schatzwechseln unschwer von den Banken erhalten. Die Ersparnis im fran- zösischen Haushalt wird auf etwa 1 Milliarde Franken(199 Mill. Mark gegen 459 Mill. M. in England) veranschlagt. Interessant ist noch, daß die französischen Banken an diesem Geschäft mehrere hundert Millionen Franken verdienen werden, da sie für die zur Umwandlung angemeldeten Beträge eine Provision von% Proz. vom Nominalbetrag erhalten, ein Satz, der in der Kammer erregte Debatten herbeigeführt hatte. Alles in allem scheint das französische Ergebnis nicht geeignet, das Vertrauen in die internationalen Kapitalmärkte, das durch die englische Konversion erheblich gestärkt worden war, wesentlich zu heben. Berliner Bankenverschmelzung. Jakob Goldschmidts Gründerfirma verschwindet. In Berlin hat es eine neu« Bankfusion gegeben, und zwar wird das Bankhaus E. J. Meyer die Schwarz, Goldschmidt u. Co. aufnehmen. Beide Banken waren besonders im Effekten- geschäst tätig. Das neue Institut soll sich vor allem ebenfalls im| Effektengeschäft versuchen. Große Bedeutung haben beide Institute schon seit längerer Zeit nicht mehr gehabt. Ob es den neuen Leitern gelingen wird, dem Unternehmen wieder Wut einzuflößen, muß man abwarten. Ueber die Dresdner Bank, die vom Reich kontrolliert wird, ist das Reich an der neuen Bankfusion beteiligt. Die Schwarz. Goldschmidt u. Co. gehörte zum Jnteressenkreis der ehemaligen Danatbank, da Jakob Gold- schmidt ein Mitbegründer dieses Bankhaufes ist. Mit der Danat- bank kam'das Unternehmen an die Dresdner Bank. Die Komman- diteinlage bei der Schwarz, Goldschmidt u. Co. in Höhe von 3 Mil- lionen Mark dürfte schon während der Bankenkrise im vorigen Jahr verlorengegangen sein. Außerdem dürfte Schwarz, Goldschmidt noch sonstig« Zuschüsse gekostet haben. Endlich Klarheit! Die EchiffahrtS-Subventionen belaufen sich auf 35 Mill. M. Als zu Anfang dieses Jahres gemeldet wurde, daß das Reich den deutschen Reedereien Millionenbeträge aus Steuermitteln als verlorenen Zuschuß glatt geschenkt habe, da arbeitete der Dementierapparat wieder einmal sehr geräuschvoll: es handele sich um Kredite, die unter Reichsbürgschaft gegeben und selbstver- ständlich zurückzuzahlen seien. Natürlich mußten die„Kredite� am Fälligkeitstage, am 1. April, verlängert werden. Mehr war nicht zu erfahren: die Oeffentlichkeit sollte sich bei diesen Mit- teilungen beruhigen. Jetzt meldet das offiziöse Wolfssche Telegraphen- b ü r o plötzlich, daß die Meldung, den Reedereien sei ein Betrag von 23 Millionen Mark k fonds perda(als verlorener Zuschuß) in Aussicht gestellt worden, in„dieser Form unrichtig"(!) sei. Dieser Betrag sei„offengehalten" worden: es habe sich gezeigt, daß „dieser Betrag tatsächlich nicht in Anspruch genommen zu werden braucht". Dieser Betrag nicht? Der beanspruchte Betrag wird nicht sehr viel geringer sein! Es ist kein Zweifel, daß es sich dabei um die je 8 Millionen Mark für Hapag und Lloyd und die je 1,5 Millionen Mark für Hamburg-Slld und Hansa handelt, nebst einigen Beträgen für die Trampreeder. Diese „Kredite" sind also inzwischen in verlorene Zuschüsse u m- gewandelt worden, wie ja von Anfang an nicht anders zu erwarten war. Zu diesen nicht ganz 23 Millionen Mark kommen noch die 12 Millionen Mark Abwrackbeihilfe. Für sie hat man die Kennzeichnung gefunden, daß sie„nicht als Darlehen, aber auch nicht als schlechthin verlorener Zuschuß" gegeben wurden. Ein feiner, aber recht schwieriger Unterschied! Tatsächlich erhalten die Reeder die Zuschüsse(39 M. pro Tonne abzuwrackenden Schiffsraums) ohne Rückzahlungsverpflichtung. Wenn aber die Reeder in späteren Jahren nach Vornahme normaler Abschreibungen und Reservenbildung Reingewinne erzielen sollten, dann sollen sie einen Teils!) zurückzahlen. Diese Frage wird frühestens im Jahre 1935 akut. Man muß schon so optimistisch wie die Reichs- regierung sein, um ernschaft an eine Honorierung dieses „Besserungsscheins" glauben zu können. Ilebrigens ist für die Subventionspraxis der Regierung recht bezeichnend, daß sie die 12 Millionen Mark gar nicht zur Ver- fügung hat. Sie werden vorläufig durch einen Wechselkredit bei sechs Großbanken aufgebracht: die Wechsel wird das Reich im Haushaltsjahr 1933 einlösen, also frühestens nach sechs Monaten. Inzwischen wandern auch diese reinen Finanzwechsel zur Reichs- bank, die den Banken den Diskont bereits zugesagt hat. Auf Um- wegen wird also wie bei allen Aktionen der Regierung auch hier die Reichsbank vorgespannt. Endlich haben sich auch die Reichsstellen oeranlaßt gesehen, ihre optimistischen Schätzungen über die Be- schäfligungsmöglichkeiten bei der Abwrackung der 499 999 Tonnen Schiffsraum zu korrigieren. Man rechnet jetzt nur noch mit einer Beschäftigung von 1999 bis 1599 Ar- beitern auf anderthalb Jahre! Triumph der Besifierhaltung. Das Glanzstück der Notverordnung. Die vom Reichspräsidenten am Dienstag unterzeichnete Rot- Verordnung sieht in ihrem vierten Kernstück für die Land- Wirtschaft eine Neuordnung des Vollstreckungsschuhes und die Schaffung eines Vermittlungsverfahrens vor. Soweit das Vermittlungsverfahren in Frage kommt, will man eine Regelung einschalten, wonach dieses Versahren beim Amtsgericht eröffnet werden kann. Zweck des Verfahres soll sein. zwischen Gläubiger und Schuldner einen Ausgleich herbeizuführen. Während der Dauer des Verfahrens ist der Schuldner vor Zugriffen auf sein Grundstück geschützt. Im übrigen ist ein Schulden- regelungsplan aufzustellen, der auch gegen eine wider- sprechende Minderheit zur Annahme gelangt, wenn er die Zustim- mung von zwei Dritteln der ungesicherten Gläubiger erhält. Unter diese ungesicherten Gläubiger fallen auch die Hypocheken- gläubiger, deren Forderung den Wert des Grundstückes übersteigt. Damit wird zweifellos für die Landwirtschaft ein Sonderrecht geschaffen. Das muß zur Folge haben, daß in Zukunft kein Mensch mehr der Landwirtschaft Kredite geben wird, denn über dem land- wirtschaftlichen Kapitalmarkt steht in großen Lettern geschrieben: Weh Dir, daß Du ein Gläubiger bist! Der Kreditmarkt der ge- samten Landwirtschaft wird jetzt in der gleichen Weise verwüstet werden, wi» dos bereits im Zusammenhang mit der Osthilfeverord- nung vom November vorigen Jahres in der ostdeutschen Landwirt- schaft geschehen ist. Noch katastrophaler muß sich der oben erwähnte Boll- streckungsschutz auswirken. Obwohl die Erfahrung mit dem Vollstreckungsschutz von 1939, der seinerzeit aufgehoben wurde, um die Krediwersorgung der Landwirtschast nicht vollends in Frage zu stellen, die Regierung eines besseren belehren müßte, will man jetzt emen neuen Vollstreckungsschutz einführen, falls der Landwirt die Zinsen für die erste Hypothek nicht zahlt. Die Durchführung wird von besonderen Voraussetzungen abhängig gemacht. Boraussetzungen sind, wenn der Landwirt die Zinsen infolge Un- wetters oder Viehseuchen nicht aufbringen kann oder wenn die Preise wichtiger Verkaufsprodukte hinter dem allgemeinen Stand der Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse zu- rückgeblieben sind. Die ersten b.eiden Boraussetzungen, Unwetter und Viehseuchen, kann man gutheißen und billigen. Falls man sich aber entschließt, den Vollstreckungsschutz von Preisoerhältnissen abhängig zu machen, ist das mehr als bedenklich. Schließlich kann jeder nachweisen, daß der Ertrag seiner Arbeit unter dem üblichen Preisniveau liegt. Der größte Teil der deutschen Arbeiterbevölke- rung kann das hinsichtlich des Lohnes, der doch nur der Preis für die War« Arbeitskraft ist, schon seit langem. Kein Mensch aber hat hier cm Bollstreckungsschutz gedacht, der hier sicherlich am ange- brachtesten ist. 320000 Mark für vier Direktoren. „Anpassung an die Armut der Nation." Die Rawack u. Grünfeld A.-G. Charlottenburg. eine zum Konzern der Metallgesellschaft, Frankfurt, gehörige Erz- und Eisenhandelsfirma, weist für das Geschäftsjahr 1931 bei 7,5 Millionen Mark Kapital einen B e r l u st von 2,9 Mil- lionen Mark aus, der nach Auflösung der gesetzlichen Reserve (9,8 Millionen) mit 2 Millionen Mark vorgetragen wird. Im Vor- jähr wurde noch eine Dividend« von 8 Proz. verteilt. Dieser Verlust ist weniger im eigentlichen Handelsgeschäft als bei den Beteiligungen entstanden. Zwar brachte auch der ErzHandel Verluste, weil sein Umfang von 4,3 Millionen Tonnen im Jahre 1929 auf 2,2 Millionen Tonnen im Jahre 1931 zurück- ging, weil vor allem die meisten schwerindustriellen Werke nicht die adgeWossenen Mengen abnahmen, so daß die wachsenden Lagervorräte hohe Zinsen fraßen. Wer der Handel mit Rußland dehnte sich aus, und für oberfchlesifches Roheisen und für das deutsch« Ferromangan-Cisen erhielt die Gesellschaft das alleinige Verkaufsrecht. Wer die beträchtlichen Beteiligungen am Hoch- ofenwerk Lübeck und an der Norddeutsche Hütte A.- G.(Kapitalherabsetzung 2 zu 1 bereits beschlossen!) sind mit 199 Proz. in die Bilanz, all« Beteiligungen mit insgesamt 8,8 Mil- lionen Mark eingesetzt worden. Auf sie wurden 1,8 Millionen Mark, und auf zweifelhafte Forderungen aus der Handelsgesellschaft 9,9 Millionen Mark zurückgestellt. Troß des hohen Verlustes, trotz erheblichem Abbau von Angestellten(und sicher starkem Gehälterabbau!) scheint man bei der Leitung eine„Anpassung an die Armut der Ration" nicht für nötig zu halten. Vorstand und Aufsichtsrat zusammen erhielten 358 099 Mark. Rechnet man aus den Aussichtsrat(keine Tantieme wegen des Verlustes) 38 999 Mark, so bleiben für die vier Vorstandsmitglieder 329 999 Mark, das macht pro Kops 89 999 Mark! Mird der Schlichler, der in„notleidenden" Betrieben einen Lohnabbau diktiert, auch die Vorstandsgehälter aus ein erträgliches Maß herabsehen? nofan tfappoOkn Vofatft von Dom W dag, 29. Sept. bts Montag, 3. Okt. anf alle W. Verlangen Sie jefzf ein Weihnachfs-Sparbuch, dann nutzen Sie den doppelten Rabatt doppelt au». Die grossen Vorfeile, die unser WeUuiacbtssparbuch auch dieses Jakr wieder bietet, ersehen Sic den Prospekten, die Sie in unseren Filialen erlvalten. Nr. 459* 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnsrsiag. 29 September 4932 mi&VCHUHS das Mädel.„Mußt doch wissen, was du willst! Wenn du so weiter machst, hat er dich satt eines Tages— oder du ihn. Dummes Ding du— erst führst du dich aus wie'ne kleinbürgerliche Ehefrau, dienende Wunderliche kleine Lokale...„Nee, Martin, komm— essen kann man hier nicht — die kalten Koteletts, die stehen sicher schon 'n halbes Jahr in der Auslage— wenn du dann reingehst und was bestellst, werden sie aus dem Fenster genommen und mit dem Wischlappen abgestaubt und.. „Du kannst eine negative Phantasie ent- wickeln, Gilgichen!" Krumm gezogene, altersschwache Häuser. Miniaturgeschäfte, Ladenscheiben nicht größer als ein Kopfkissen. Dahinter zusammenge- pfercht alte Kleider und Anzüge, Schokolade- tafeln, so alt wie ein Voghurt-Reklame- Bulgare. Uhren, die ein heiliges Gelübde ab- gelegt haben, nicht zu gehen, Gitarren, 'Kindertrompeten... Himioben steht als Name über einer Tür.„Himioben", sagt Martin verzückt—„Himioben— so ein wunderbarer Name. Gilgichen, einer Stadt, in der jemand so heißt, kann ich einfach nicht ganz böse sein." Und hat eine Vision von einem wunderschönen, geheimnisvollen Iudenmädchen mit schwarzen Lackhaaren und sanften Mondaugen und zauberhaften Wimpern— erfindet gleich eine abenteuer- liche Geschichte, bringt schon komische Sachen fertig, der Martin— steht man vor einem verwackelten, einsturzbereiten Häuschen im schäbigsten Viertel von Köln und fühlt sich wie eingeklemmt zwischen zwei Seiten des alten Testaments— vage Vorstellung: sieben Jahr warten— was mit Kornfeld und Aehrenlefen und— wo du hingehst, da will ich auch Hingehn... „Na, gehn wir rein und sehn uns das schöne Judenmädchen an", schlägt Gilgi vor und ist ganz neugierig geworden. Und nach- her war's ein vermickertes fuchsiges Kerlchen, das wie'n Stehaufmännchen hinterm kram- bepackten Ladentisch aufschoß— vom schönen Judenmädchen keine Spur. Und Martin hat ein Paar Hosenträger gekauft— lila mit grasgrünen Tupfen, und Gilgi findet, daß eine verlorene Illusion mit 75 Pfennig immer noch zu teuer bezahlt ist.—„Darum bleibt der Name doch schön und die Vor- stellung auch— aber die Hosenträger werd' ich nicht tragen—" Das hätte auch gerade noch gefehlt?— Gilgi wirft das Päckchen von der Hohen- zollernbrücke aus hinunter in den Rhein— „da kann's in die Nordsee schwimmen und von'ner Flunder gefressen werden.— Also, Martin, ich könnt'? ja vielleicht meinem Mann oerzeihen, wenn er mir mal eine langte— aber wenn er mir mit Hosenträgern unter die Augen käme, wär's aus." „Frauen, die derart hohe ästhetische An- forderungen an den Mann stellen, haben eine lare Moral.— Bitte fall' nicht in den Rhein. Gilgi— vor Ende April ist's mir zu kalt zum Nachspringen." Und man sieht Bilder an, hört Konzerte. Im langen schwarzen Spitzenkleid sitzt Gilgi im großen Gürzenichsaal. Versucht ein stil- voll interessiertes Gesicht zu machen und hängt doch immer wieder mit den Augen an Martins hartem, gerecktem Profil. Hört Klänge, die langweilig sind, und hat große Luft, Martin einen Kuß zu geben. Hört Klänge, die ihr gefallen, und bekommt noch größere Lust, Martin zu küssen. Und kann's gar nicht leiden, daß er nun mit was an- derem beschäftigt ist als mit ihr, muß wenigstens einmal in sein Haar fassen. Will, daß er über irgendwas mit ihr lachen soll, ihr schnell mal sogen, warum manche Leute so blöde Gesichter und geschlossene Augen haben, wenn sie Musik hören— und nebenan sitzt ein dicker Mann, der atmet so laut im Takt der Musik, daß es beinah wie Schnar- chen klingt... Pssssst machts in der Reihe hinter ihnen. Wie gereizte Kobraschlangen! „Bitte Martin, sag' nur noch schnell, ob das Kobraschlangen sind, die so zischen— schschsch ... wie'n Gartenschlauch, aus dem man die Luft läßt..." Literatur, Musik. Malerei— ist so eine Sache mit der Kunst. Was dem einen fein Hubermann— bleibt dem andern sein Dajos Bela, was dem einen sein Rembrandt ist— ist dem andern sein Abeking. Was will man da machen? Ir's g lemg: way to Tipperary it's a long way to... there... So schlendert man durch die Tage— verspielt, verliebt, tut die tausend dummen Dinge, die Nichtstun heißen. Denkt wenig an morgen, gar nicht an übermorgen. Und nur wenn früh um sieben— aus alter Gewohnheit— der Schlaf sich wie ein zweiteiliger Vorhang auseinander schiebt, sühlt Gilgi im kurzen Wachsein ein leises kleines Bohren von schlechtem Gewissen. Einmal kommt Olga für kurze Zeit. Ist bestürzt und verwundert und gar nicht ein- verstanden mit der Veränderung in Gilgis Leben. Und hat doch früher immer ganz anders gesprochen.— „Alles schön und gut, Gilgichen. kleiner Tannhäuser in der Westentasche— aber was machst du für Dummheiten! So ein kom- paktes, konzentriertes Zusammenleben kann doch nicht gut gehn auf die Dauer. Gilgi— du— hör' doch!" Hat ganz glasige Augen, Hie WohensoUernbriicfa' Martha— das verträgt doch kein Mann, plötzlich zu entdecken, daß er einer Frau zu Dank oerpflichtet ist. Na, und jetzt— gibst alles auf, fühlst dich natürlich nicht wohl in deiner Haut. Gott, warum nicht mal hem- mungslos sein! Aber gleich so restlos auf seine" ganzen früheren Ilsteressen verzichten! — Und eines Tages wirst du sehn, daß der arme Mann dir unmöglich gleiches mit gleichem oergelten kann, und dann bist du's, die ihm ihre eigenen Dummheiten nicht ver- zeiht. Sind immer nur die eigenen Fehler, die man anderen übel- nimmt..." „Was— soll— ich — denn tun?— Ich weiß. Olga, alles ist falsch, was ich mache. Ich find' nicht mehr durch. Alles durchein- ander in mir— weiß nicht mehr, was ich will — was soll ich denn tun?" „Nicht dein Leben auf ihn aufbauen, nicht alles auf eine Karte setzen. Wie müde du aussiehst! Du brauchst deine Arbeit und auch deine Selbständigkeit, du..." „Hör' auf, Olga, hör' auf— meine Gedanken gehn da nicht ,mchr mit." Steht mitten im Zimmer, die Kleine, hält sich die Hände vor die Ohren— was soll ich denn tun? Sinkt, fällt, schreit—„Ich will einen Menschen, einen, einen— gehöre nirgends hin— warum gerade den einen? Weiß ich ja nicht— aber ich will ihn— haben— behalten will, will, will..(Forts, folgt.) tllnrHu'.H.'.Knapp: Es war fünf Minuten vor Schluß der Bank in einer kleinen Stadt. Da trat ein Mann, dessen Mantelkragen hoch hinaufgeschlagen war, mit einer Reisetasche in der Hand in das Bankhaus. Das Haupttor war bereits geschloffen, aber innen waren zwei Fenster noch hell erleuchtet, und von der Straße aus konnte man dahinter sich Schatten bewegen sehen. Der Mann klopfte an die Tür, sie wurde geöffnet. „Ich möchte um eine Gefälligkeit bitten", sagte der Fremde zum Beamten, der vor ihm stand. „Ich habe hier eine Bankpostanweisung und möchte sie, wenn es irgendwie geht, noch aus- gezahlt bekommen." „Wir haben schon geschlossen", war die Ant- wort. „Ja, aber ich bitte eben um eine Bergunsti- gung, ich muß verreisen", bat der Fremde. „Ich werde den Kassierer fragen", sagte der Beamte und trat von der Tür zurück. Der Fremde folgte ihm ins Zimmer. Bor einem Schalter, hinter dem ein grauhaariger, kleiner Mann faß, berichtete der Beamte:„Dieser Herr wünscht heute noch einen Postscheck einzulösen." „Schicken Sie ihn zum Postscholter, vielleicht haben sie dort noch nicht geschlossen", antwortete der graue, kleine Herr, ohne auszusehen. „Bon dort komme ich eben, sie haben mich her- geschickt", lächelte der Fremde.„Sie sagten, sie hätteck kein Geld mehr zur Verfügung, was na- türlich eine Ausrede ist. Aus der Post in einer kleinen Stadt machen es sich die Leute immer be- sonders bequem, da ist man froh, die kleinste Ar- beit einem anderen zuzuschieben." „Wie groß ist der Scheck?" fragte Herr Hopkins, der kleine Herr. „Ach, nur hundert Dollar. Sie müßten mich eigentlich kennen, ich pflege sehr oft in Geschäften hier durchzureisen. Mein Name ist Iarvjs." „Kann mich nicht erinnern", sagte Herr Hopkins und setzte seinen Zwicker aus, um den Scheck zu prüfen. In diesem Augenblick fragte eine junge Frau mit großen, runden Augengläsern, die im Büro unweit Herrn Hopkins an einem Schreib- tisch gesessen und dem Gespräch zugehört hatte: „Ist heute nichts mehr zu tun?" „Nein, danke." Sie schloß geräuschvoll ihre Schreibmaschine. nahm Hut und Mantel vom Haken, sah den Fremden hochmütig an, sagte„Guten Abend!" und ging. „Ich sollte jetzt eigentlich keinerlei Austtäge mehr ausführen", brummte Herr Hopkins,„aber da Sie verreisen müssen, meinetwegen: der Scheck ist in Ordnung. Unterzeichben Sie, bitte." Dann reichte er Herrn Bert, dem Beamten, der den Fremden eingelassen, den Scheck, um ihn ein Stockwerk höher einzulösen. Herr Bert kam einige Minuten später mit den Geldscheinen zurück, die er Herrn Hopkins aus den Schreibtisch legte, nahm seinen Hut und Mantel vom Kleiderhaken und ging. Herr Hopkins wollte die Geldscheine durch das Gitter seines Perschlagcs dem Fremden reichen... und das Blut erstarrte in seinen Adern. „Ich bitte um äußerste Ruhe", sagte der Mann, in der Hand einen Revolver, dessen Mündung aus Herrn Hopkins gerichtet war.„Ein Laut bedeutet Ihren Tod. Und öffnen Sie schnell die Tür." Der Bonkranm in der kleinen Stadt bestand für den öffentlichen Verkehr aus einem einzigen Gelaß, die Schreibtische der Beamten waren nur mit einem kleinen Geländer vom Warteraum getrennt. Der Fremde trat in den Innenraum, seine Augen und den Revolver immer aus Herrn Hopkins gerichtet, ließ sich die Kasse aussperren, von der er gewußt haben mußte, daß sie den Wochenlohn des morgigen Zahltages enthielt, stopfte alles, was er vorfand, in seine Reisetasche, hielt zum Schluß, als er damit fertig war, Herrn Hopkins ein mit Chloroform gettänktes Taschen- tuch unter die Nase, sagte ihm höflich gute Nacht und bewegte sich mit dem Rücken gegen die Aus- gangstür. Herr Hopkins sank zurück, alles war ruhig und ausgezeichnet gegangen, der Fremde öffnete rasch, sah sich vorsichtig um, ob ihm niemand begegnen würde, und wollte unaussälligen Schrittes seinen Wagen erreichen, den er fünfzig Schritte weit hatte stehen lassen. Da kamen ihm ein Mann und ein Mädchen atemlos entgegen, und das Mädchen riesi„Das ist er, Vater, dos ist er!" Der Mann hielt den Fremden an:„Einen Augenblick, wenn ich bitten darf, ich habe mit Ihnen zu sprechen. Sie waren eben aus der Bank und haben aus die Postbeamten geschimpft." „Aber, das ist doch nicht der Rede wert", sagte der Fremde und schob den Mann von sich, um in seinen Wagen zu steigen. „Oh, das ist sehr der Rede wert", antwortete würdig Mister Evans.„Die Bemerkung, die Sie sich zu machen erlaubt haben, und die meine Tochter hier gehört hat, enthält eine Beleidigung unseres Standes. Sie haben heute" aus der Post keinen Scheck vorgewiesen, den man Ihnen nicht auszahlen wollte: ich war den ganzen Nachmittag im Amt, ich hätte Sie sehen müssen. Wie können Sie solche Lügen ausstreuen? Ich bin hier der Postmeister und werde Sie zur Verantworttmg ziehen." Ein Vorübergehender blieb stehen. Zwei an- dere gesellten sich dazu.„Was ist denn geschehen?" „Dieser Mann hat die Postverwaltung beleidigt", schnaubt« Herr Evans zornsunkelnd. Er packte den Fremden am Acrmel.„Sie gehen augenblicklich mit mir zu Herrn Hopkins, um der Wahrheit gemäß richtigzustellen, daß S!« nicht mit Ihrem Scheck aus der Post waren." „Es tut mir sehr leid", sagte der Fremd« hös- lich, aber sichtlich sehr unangenehm berührt.„Herr Hopkins hat mit mir zugleich das Büro ver- lassen." „Das ist nicht wahr", schrie Herrn Hopkins Mafchinenschreiberin, des Postmeister Evans Toch- ter,„ich sehe seinen Mantel noch im Büro hängen." „Lassen Sie mich endlich los!" rief der Fremde sehr erregt und wollte sich durch den dichten Menschenknäuel zwängen, das sich bereits um die beiden streitenden Männer gebildet hatte. Ein Schutzmann trat heran.... „Sie kommen mit uns aus die Polizei", sagte hartnäckig der Postmeister,„ich werde Sie wegen Beleidigung eines össentlichen Amtes verklagen und will Ihne Personalien seststellen lassen!" Es hals nichts, er mußte nut zum Polizeibüro. Dort wurde er schnell erkannt: er war ein lange gesuchter Einbrecher. Und das war sein Ende. (Jhr, die ihr die lUachl habl! Hat euch der Selbstmord der Vielen— dieser unendlichen Reihe— noch immer nicht zur Er- kenntnis gebracht? Rüttelte der Tod der beiden so opferbereiten Männer in den letzten Tagen nicht euer Gewissen ans? Dehmel und Kunzelmann, die Tag für Tag um unsertwillen litten— verzweifelnd an der Größe unseres Elends, an eurer Machtlosigkeit, der Machtlosigkeit eures Mammons, ihr Mächtigen! „Ihr fuhrt ins„Leben" uns hinein", in dieie schönste der Welten, was aber sehen wir von all der Schönheit in diesem Zustande der Verzweis- lung, in den uns diese niederdrückende Arbeits- losigkeit siihrt?. Selbst die Tiere haben Arbeit. für die jungen, kräftigen Haustier« ist besser oe- sorgt! Wir müssen umherstehen und durch Kassen schleichen, wo es möglichst grau und öde ist- nur nichts sehen von all den hellen Läden, in denen es nichts zu kaufen gibt für uns, nur nichts sehen von Kinos, in die wir nicht hineingehen können, von Cafes und Restaurants mit lockenden Lichtern und Düften, mit Autos, die vor den Türen glän- zen und warten.. aus die Satten... Ein Wunder, daß sie nicht schon eine Maschine ersan- den, die die rauschenden Klänge der Musik vor uns verbergend, nur für jene— Zahlungsfähigen durch„die schönste der Welten" flutet! So hocken wir denn im Hause herum, ob auch die Wände uns grau und hohläugig anstarren im ewigen Einerlei unseres zerrissenen Lebens.. wir sind auch des Nachts noch zum Denken und Grübeln gezwungen... wartend, hungrig... Vielleicht müßt ihr selber erst dastehen wie mir in qualvollem Leid— am User des Lebens, um — mitzufühlen, um zur Erkenntnis zu kommen: „Nicht mitzuhassen, mitzuliebe-n sind wir da!" T. E. fUHrCCiw cwii�CrCirHß'C&H&tiii'i Aber wenn Sie Ihr Haar sieh selbst überlassen, dann hellen. Extra-Blond liegt zudem der unver verliert es allmählich seinen Glanz und dunkelt nach. Pflegen Sie IhrHaar deshalb mit Schwarzkopf Extra-Blond, dem Schaumpon der Blondine, dann bleibt es blond. War es aber bereits nachgedunkelt, so läßt es sich mit Extra-Blond zu jeder gewünschten Nuance wieder aufliegt zudem der unvergleichliche, weder durch Zitronensaft noch durch Essigbad ersetzbare„Haarglanz" bei, der das Haar dauernd gesund erhält und blondes Haar doppelt verschönt. Brünette und Dunkle wählen Sciiwarzkopf- Extra, hell und dunkel mit„Haarglanz" und Schaumbrille. SCHKMZKOPF EXTßABLOND Sil Sotes 30. Zodeslage Drei Jahrzehnte sind seit dem Hinscheiden Emile Zalas vergangen, und wenn auch seine Werke nicht mehr soviel gelesen werden wie früher und einer Auferstehung harren, die den künstlerisch bedeutendsten sicherlich beschieden sein wird, so ist doch die Gestalt des großen Kämpsers für Wahrheit und Gerechtigkeit unvergessen, in Schau- spiel und Film erst kürzlich eindringlich gestaltet worden. Sein Tod, der ihn mitten aus voller Schaffenskraft riß, wurde durch einen unbegreij- lichen Zusall verursacht. Seine Tochter Denise Leblond-Zola, deren prächtige Biographie ihres Vaters jetzt deutsch im Malik-Verlag erschienen ist. berichtet darüber: „Am 28. September 1902 war Zola mit seiner Frau oon seinem Sommersitz nach Paris zurück- gekehrt. Es war naßkalt, und sie hatten Austrag gegeben, im Schlafzimmer Feuer anzuzünden. In der Nacht fühlte Frau Zola Beschwerden und stand auf. Der frischen Luft, die sie einige Minuten lang im Nebenzimmer einatmete, verdankte sie ihr Leben. Zola fühlte sich ebenfalls unwohl. Er versuchte aufzustehen und das Fenster zu öffnen, um Lust zu schöpfen, denn ein furchtbares Er- stickungsgefühl hatte sich seiner bemächtigt. Den Diener wollte er zu so später Stunde nicht im Schlafe stören.. Diese Rücksicht kostete Zola das Leben. Er starb an Kohlengasvergistung. Im Sommer war das darüberliegende Stockwerk neu hergerichtet worden, und dabei hatten Gipsabfälle den Kamin verstopft. Seine Frau war bewußt- los geworden und konnte ihm nicht beistehen, als er auf dem Teppich zusammenbrach.?lm folgen- den Morgen klopften die Hausangestellten, sehr beunruhigt, weder Herrn noch Frau Zola zur ge- wohnten Zeit zu sehen, an die Tür des Schlaf- zimmers und holten, als keine Antwort erfolgte, den Schlosser. Die schnell herbeigerufenen Aerzte tonnte Emile Zola nicht mehr retten— er verschied am 29. September 1902 gegen 10 Uhr vor- mittags. Seine Frau wurde sofort in eine Klinik gebracht und kam ein paar Stunden später wieder zum Bewußtsein." Die Beerdigung am 5. Oktober vollzog sich unter der Teilnahme einer riesigen Volksmenge. Am Grabe faßte Anatole France in einer be- rühmt gewordenen Rede den Grundzug feines Wesens in die Worte zusammen:„Es ist der Geist der Güte. Zola war eine gütige Natur, voll der Auftichtigkeft und Einfachheit, die man bei allen großen Seelen findet. Cr malte das Laster mit kraftvoller Hand, und fein scheinbarer Pessimis- mus, die Düsterkeit, die manchen seiner Romane überschattet, verbergen doch nicht seinen wahren Optimismus, seinen unentwegten Glauben an den Forffchritt der menschlichen Intelligenz und Er- kenntnis. In seinen Romanen, die alle soziale Studien sind, verfolgte er mit mannhaftem Haß eine untätige, leichtsinnige Gesellschaft,«ine niedrig gesinnt«, ränkevolle Aristokratie: er kämpfte mit Leidenschast gegen das Hauptllbel der Zeit, die Macht des Geldes. Doch obwohl Demokrat, schmeichelte er nie der Menge, sondern bemühte sich unablässig, ihr zu zeigen, daß Sklaverei die Folge von Unwissenheit ist, daß die Trunksucht Gefahren birgt, die den Menschen wehrlos jedem Elend, jeder Schande ausliefern. Er kämpfte gegen sozial« Uebel, wo immer er sie antraf. In seinen letzten Büchern aber offenbarte sich seine große Menschenliebe am schönsten. Er wünschte, eine immer wachsende Anzahl von Menschen zum Glück auf dieser Welt gelangen zu sehen. Er setzte seine Hoffnung auf des Menschen Geist, aus die Entdeckung neuer mechanischer Kräfte, die die Menschenhände von Arbeft ent- lasten sollten. Ein ausrichtiger Realist war er und ein glühender Idealist..." Im Vorraum des Käftgs, wo die Gorillas de» Londoner Zoo hausen, hatte man dieser Tage ein Kino eingerichtet, dem die weißgetünchte Wand des gegenüberliegenden Hauses als Leinwand diente. Der Zweck dieser ungewöhnlichen Film- Vorstellung galt der Beantwortung der Frage, ob die Menschenaffen ihre Artgenossen im Bild er- kennen. Man hatte deshalb zu der Vorführung Teile des Films„Congorilla" gewählt, den da- Ehepaar Martin Johnson' in Mittelasrika ausge- nommen hat. Mok, der eine Gorilla, zeigte nicht das geringste Interesse für den Film. Mit sto- ischer Gleichgültigkeit blickte er aus die vorge- führten Bilder, bis zu dem Augenblick, als die Großaufnahme eines Artgenossen erschien. Dann geriet er in große Erregung, schrie, und trommelte mit den Händen nervös auf der Brust. Dagegen war Maina, Moks Gattin, die mit ihm den Käsig teilt, trotz Zurufen und Freudenbezeugungen ihres Gemahls nicht zu bewegen, den Käfig zu ver- lassen und den Vorraum zu betreten. Die zahl- reichen Zuschauer verfolgten mit regem Interesse den Verlaus des Experiments, an das man ange- sichts der Intelligenz des Menschenaffen besondere Erwartungen geknüpft hatte. Hierzu bemerkt der wissenschaftliche Mitarbeiter eines Londoner Blattes:„Seit geraumer Zeit schon hat man umfangreiche Versuche dieser Art gemacht. Sie haben gezeigt, daß viele hochent- wickelte und mit hoher Intelligenz ausgestattete Tiere, wie die Hund«, vollständig versagen, wenn es sich darum handelt, phvtographische oder ge- malte Wiedergaben von Gegenständen, mit denen sie im täglichen Leben vertraut sind, wiederzuer- kennen. Aber mit dem höchstorgonisierten Tier, dem Menschenasfen, verhält es sich doch anders. Vor einigen Jahren habe ich selbst zahlreiche Ver- suche mit dem berühmten Gorilla John Daniel. der damals in einem Prioathause lebte, gemacht. Hierbei zeigte es sich, daß sowohl er wie ein junger Schimpanse aus meinem Hauze ein Vor- ttär erkannte, wobei beide zärtlich das Gesicht streichelten und Freudenschreie ausstießen. Daß diese Assen ein Bild erkennen, setzte mich in Er- staunen, da ja viele primitive Wilde dazu außer- stände sind, solange sie nicht die Umrisse der Pho- tographie oder des Bildes zu betasten vermögen. was sie mit den Kindern jüngsten Alters gemein haben. Ueberraschender aber als die Wahrneh- mung, wie die Affen aus ein Menschenbildnis re- agieren, war ihr Erkennen oon Reproduktionen lebloser Gegenstände. Als ich einmal eine ein- fache Zeichnung von Weintrauben gemacht und sie einem jungen Schimpansen gezeigt hatte, war das Ergebnis für mein Zeichentalent außer- ordentlich schmeichelhast. Er bezeugte die Freude über das Bild nicht nur durch laute Schreie, son- dern gab auch seine Enttäuschung unverkennbar zum Ausdruck, als er sich überzeugen mußte, daß die Weintrauben nur vorgetäuscht waren". 6 Blätter— 90 Alillionen Samen. Von den Blütenpflanzen oder Phanerogamen. die auf der höchsten Entwicklungsstufe de? Pflanzenreichs stehen, bringt das Weidenröschen die meisten Samenkörner hervor. Ein Bontaniker hat diese einmal zählen lassen und gefunden, daß ein ein- ziges Weidenröslein nicht weniger als 727 K08 Samen hervorbrachte. Rund 600000 Samen- körner ließen sich von einer einzigen Braunwurz- pflanze ernten und 330 000 von einer Königs- kcrze. Dieser unglaublich große Samenreichtum wird aber noch weit in den Schatten gestellt durch den einiger Arten van Farnen. Fand doch Ernst Fischer, daß eine gut entwickelte Pflanze von dem bekannten Wurmfarn an 6 fruchtbaren Blättern. 90 Millionen Sporen trug, wie man die Samen der Farne nennt. Wenn aus allen diesen Samen wirklich Pflanzen herauswüchsen, dann würden diese in noch nicht zehn Jahren das ganze Fest- land von Europa bedecken. In Wirklichkeit jedoch erwachsen aus allen diesen Millionen Samen, hoch gerechnet, 10 bis 12 neue Pflanzen. So schwer gestallet sich für viele kleinere und niedrig- stehende Pflanzen der Kampf ums Dasein. Cittfeatiungen für Mtfc Rubrik stob Berlin SW 68, Lindenstratze 3, partemachrichten�W�für Groß-Berlin stets an das Vezirtssetretaria. 2. Hos, 2 Treppen recht», zu richten Beginn aller Veranstaltungen 19� Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! 4. Areis. Bei dem hier am Sonntag angeliindigten Kursus handelt es sich um einen Esperanto-Kursus.„, 12. Kreis. Freitag, 30. September, Kreisoertretertag in Lehmanns Festsalen, Lantmitz, Kaiser.Bilhelm-Str. 29—31. Di- Kreisvorsianbsmitglieder er. scheinen zu einer Besprechung pünktlich 19 Uhr. 13. Kreis. Heute Kreisvorstondssitzung bei Mali, Thauffeeslr. ZOZ. 5. Abt. Die Beisetzung der Urne des verstorbenen Genossen Suhr erfolgt am Sonnabend um lltzs Uhr auf dem Zentralsriedhos in Friedrichsfelde. 2«. Abt. Unserer langjährigen Genossin Klara Priemer, Koloniestr. 7, zu ihrem 70. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche aller Genossinnen und Genossen. 8». Abt. Freitag, 30. September. Funktionäroersammlung mit den für 1932 gewählten Kreisdelegierten bei stein, Sanderstr. 10. »0. Abi. Die Funktionäroersammlung am Freitag sällt aus. Am Sonnabend, 13 bis 18 Uhr, Flugblattausgab- bei Schaderko 38. Abt. Heute Mitgliederversammlung in der Schule Mariendorser Weg. Stellungnahme zum Bezirksparteitag. 108. und 198s. Abt. Freitag, 30. September, Lichtbildervortrag der Arbeiter. Samariter bei Krüger, Schilnerlinder Str. 5 Alle Parteimitglieder beteiligen sich hieran. 199. Abt. Freitag. 30. Sevtember, Im Stadttheater. Am Marktplatz, außer. ordentlich- Mitqliederoersamlung. Auf zu neuem Kampf. Referent: Hans Bogel. M. b. R. 122. Abt. Freilag, 30. September, pünktlich 20 Uhr. A bteilungsvorstandssitzung mit sämtlichen Funktionären an bekannter Stelle. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groh-Bertin. Mitte. Die Abteilungen treffen sich am Freitag, dem 30. Eep. tember. 18 Uhr. im Fugendheim Waisenstr. 18 zur Sprechchor probe.— Abt. W. Liebknecht. Unsere Rote-Falken-Gruppe tagt jetzt Zills jeden Dienstag von 18 bis 20 Uhr. Jung, und Nestfalken Montags. VSty Freitags gemeinsamer Abend für sämtliche Falken. M? Kreuzberg. Heute, 20 Uhr, Elternabend in der Aula der weit lichen Schule, Diefscnbachstratze. Thema: Berichte aus den Sommer. lagern mit Lichtbildern. Steglitz. Morgen, Freitag, 18 Uhr. Kreishelterversammlung. Reukölln. Heut«, Donnerstag, Kreishclfervcrsammlung um 20 Uhr in der Baracke.— Abt. Quelle. Heute, pünktlich 19H Uhr. Selferbesprechung in der Baracke.— Abt. Sturmfalke. Unser« Eruppenhelferntzung fällt wegen der Kreishclfersitzung aus. SozialistjscheArbeiterjvgendGroß-Verlin Einsendungen<ür diese Rubrik nur an das Jugends-kretariat Berlin SW 68, Lindenstraße 2, vorn 1 Trepp- recht». Proletarische» Orchester der EA3.. Gruppe B. Heute Probe um 20 Uhr im Zeichensaal der KMS., Neukölln, Kaiser. Friedrich. Str. 208—210.— Gruppe A. Morgen, Itzth Uhr, Prob« im Heim Lindenstr. 4. Heute. Donnerstag. 29. September. Humboldthain: 18 Uhr Rote Allee.— Arvimplatz: Funktionärversammlung. Arnswalder Plag II: Echönlanker Straße. Schallvlattenabend.— Falk, — Kopeuickcr Viertel: Manteuffelstr. 7. Politisch.satirischer Abend.— Westend: Sportplatz Westend. Spanien nach der Revalution.— Wilmersdorf: Wilhelms. au«. Die Rolle der Erwerbslosen.— gchlead»rs»Dahl«M! Zinnowaldschule. Frei " nstpflicht. williger Arbeitsdienst— Arbeitsdienst Neukölln IV: 20 Uhr Baracke Gangboferstraßc.— Tegel: Schönebcrgcr Str. 3. Für oder gegen die Todesstrafe? SSG. Neukölln: 19 Uhr KMS.. Kaiser. Friedrich. Str. 208. B Werdebezirk Wedding: Straße um 20 Uhr. Errbebezirk Schöneberg: ._. Bunter Abend. Zusammenkunft der Spieltruppe im Heim Turiner rbebezirk Schöneberg: Hauptftr. 13. Borkursus. Geschichte der Demokratie. Referent: Drnasse Pächter. Werbcbezirk Reukölln: Der Querschnitt probt pünktlich um 1BH Uhr In der Steinmetzstr. 114. Werbe bezirk Rcinickeudors: Pioniergruppe lO Uhr Lindauer Straße. Die Aufgaben der Pioniergruppe. Referent: Kurt Schmidt.— Soieltruppe„Galgen. Vögel" bei Matter, Eichbornstr. 94: Gesangsstudie 18 Uhr, 29 Uhr Szenenprobe. Werbcbezirk Prenzlauer Berg: Morgen, Freitag, letzter Tag, Abrechnung der „Eltzstum-Karten" beim Genossen Otto in der Gruppe Nordost I; später zurück. kommende Karten müssen bezablt werden. Werbebezirk Tiergarten: 191h Uhr Singekrei« in der Bochumer Str. 8b. Vorträge, Vereine und Versammlungen Arbeiter-Stenographenverein Groß. Berlin. Mitglied des Arbeiter-Steno- straße 10«. Kurse in allen Stadtteilen. Genossen, werbt für eure Organisation. Werbemateriol bei allen Funktionären unb beim Borfitzenden erhältlich. walb— Saubucht— Bahnhos Grunewald. Sanntag, 2. Oktober, 10 Uhr. Teil. nebmerg-bühr 25 Pf. Karten durch die Geschästsstelle der Gesellschaft für Bolksbildung, Berlin NW. 40, Lüneburger Str. 21. Euglish Eirrle„Perseverance". Heute, 21 Uhr, im Bron-Stübl, Neue Kleine Hütte, N. 83, Müllerstr. 176, Am Weddingplatz, englische Borträge und Di?. kusstonen Gäste willkoMMtSn. Pnlizeisportnerein Berlin c. B., Abt. llebungsabende im PolizeischuU..... fanget., Fortbildung», und Redeschriftkurs«. Auch für Zioile izeisportnerein Berlin(. v., Abt. Einh-itskur, schritt. Regelmäßig« »abend« an allen Wochentagen außer Sonnabends von 191h bis 21 1H Uhr izeischulaebände. Hannooersche Str. 28—30, 2. Stock, Zimmer 10. An. Bstödcsiditigsn Sie bitte bei Ihren Einkäufen, dass unsere Häuser am kommenden Sonnabend Oktober 1932 geschlossen Siadl. Oper Charlottenbure Fraunhofer 0231 Donnerstag. 29.Sept Turnus II Die Banditen 20 Uhr Pfahl,(iura, Höpfner, Gründ- gens. Burgwinkel, Kandl. Egenlauf. Gonszar. Dirigent: Breisach. Oeuttdier WIIMN-Mml Verwaihxngwielle Berlin Todes-Anz«ige Den Mitgliedern>ur Rachrichi, daß unser Kollege, der Klempner Gustsv Grofj geb. 23. Dezembet 1873, am 27. Sep« tember gestorben ist. Ehre seinen» Andenken! Die Einäscherung findet am Sonn- abend. 1. Oktober.!5V* Uhr, von der Leichenhalle des Krematoriums Wil- mersdorf aus statt. Rege Beteiligung erwartet. Die Orttverwaltanä ÜMMÜMOM-MMi! auiiunö! sotinnö! Verwaitnnösmiiäliederi Freitag, den 30. September,(eine Sitzung der Mittleren Ortsnerwaltung. Die Auszahlung der Liauidaiionen erfolgt nachmittags in der Zeit oon 4 bis 7 Uhr. Die OrtiTcr-waltung. Staats fe Theater Donnerstag, den 29. September staatsoper unter den Linden 19 Uhr Die Walküre staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Was ihr wollt 8 Uhr 1 3. Flora 3434. Banmen«kl. Das berühmte DAYELHA• BALLETT 3 Swifts, Rudi Grasl und weitere Künstler'Truppen von inferDalionalem Rai. VOLKSBUHNE Theater am Biilewplatx I. Korden 2944. ziladeodllcd 814 lldr Der Revisor Regie: Heinz Hilpert Auch Stgs. 3V« Uhr. Preise: 0,75 bis 4,00 Stettiner Sänger Reichshallen-Theater (Dönhoffplau) Dir. Heisel. Dir.»eliel. Tägl 8.15 Uhr, Sonntags 3.30 Uhr(ermäßigte Pr.) Letzte Woche! Freibad Krumme Lanke und das Septemberprogramm. OeiitsMeatei Weidend. 5201. 8 Uhr Rose Bernd von Gerlurt Bauptnunn mit Paula Wesse iv Kammersplele 81. Uhr Schicksal nachWunsch Ktmidii r. thriiti Wiulce »Hie: Radelf Beer Melzer, Ullrich, Riemann, Abel, Brauseweiter ffletropoi-Ttieater I Täglich 8V. Uhr 1 Jrißi Massary Iin. Eine Frtn, die weis, wu sie will! Alliance Francalse. 101, Bcuiwiro Mspail, Paris(0). Die Schule zum praktischen Erlernen der französischen Sprache bietet Ihnen im Monat Oktober: 1. Einen Kursus, dar wahrend Oes TUSCS tialltlnoet und 13 Stunden pro Woche mit praktischen Uebungen der franz. Sprache umfaßt, 50 Vorträge, 10 Spaziergänge, verbunden mit Vorträgen in Paris und Umgebung. Preis 180 Fr. pro Monat 2. CDerdkursB. die jeden Abend mit Ausnahme von Sonnabend und Sonnlag stattfinden. Der Mittwochkursus befaßt sich allgemein mit dem Studium des Handelsfranzösischen. Preis 100 Fr. für I Monat 350 Fr. für 5 Monate.— Alle Auskünfte erteilt der Direktor RoDert Dusouey, 101, osnievarfl Raspaii, Paris lS). uerKBiüe Tapeten Zzillat. Koloniestraß« 9. KieiaunasstucM. uiascne usw. Wenig getragene Kavaliergarderobe von Millionären. Aerzten, Anwälten. Fabelhast billig: Preise. Empsehl: Taillenmäntel, Pn letot», Fracks, Smo. fing», Dehrockan. zila«, Hosen, Evort. Gehpelze. Damen. mäntei. Gelegen. heitskänke in neuer Garberob«. Weit«. ster Weg � Lothringersträ 1 Treppe thaler Platz t, aucne. I lohnend. rstraße 56, e, Rosen. moDsi Fineater Im-* imiralspaiastl äglich 814 Uhr I Gitta A l p a r i in lCntizarckiiii SelegenHeitskans! Eiche» mit Birten» maser.Schlaszimmer, sisaiu Radioaulage». alle Marken, gegen Neinste Monats. raten. Borführung kostenlos. Ostfuni Lzilasi, Reander. straße Iß, Etagen. aeschäft. Telephon Uannowitz 0435.' Gebrauchte Fahrräder 15,—, 20,-, 25,—, 30/—. 35,—. Machnow. Deinmeisterstr. 14.• Qnalitätsräder und all« Zubehör. teile, spottbillig. 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