BERLIN Zreitag zo.September 1932 RedÄtion U.Expedition! Berlin SW KS, Lindenstr.Z Tel. XI Dönhoff 292—297 Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts". Bezugspreis s ü r b e i d e A u s g a b e n 7ö Pf. pro Boche, 3,25 M. pro Monat ldaoon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich ko Pf. Postzeitungz. und 72 Pf. Postbestellgebühren. Nr. 462 B 223 49. Jahrgang Nazi erschießt Kommunisten Keuerüberfall in Neukölln- Achtzehnjähriger als Nevolverheld Eine ungeheuerliche Bluttat spielte sich heute mittag in der Hermann st raße in Neukölln ab. Nach einem vorangegangenen Wortwechsel zog der 1� Jahre alte Nationalsozialist Heinz Schüler aus der Her- mannstraße in Neukölln einen Nevolver hervor und schoß den'2'.i �iahrc alten>z o m m u n i st e n Willi Fall in über den Haufen. Ein völlig unbeteiligter Passant wurde durch einen Kieserschuß gleichfalls schwer verleßt. Ter Nazimordschüüe Wörde nach längerer Per- solgung durch die Straßen Neuköllns gestellt und fest- genommen. Nur init Mühe konnte der Bursche vor einer Lynchjustiz der empörten Bevölkerung geschürt werden. Gegen ll Uhr lras, Boitin mit dem lZjährigen Mtionolsozia- Usten S ch ii l c r, der noch vor kurzer Zeit zur kommunistischen Zugend gehörte, aber zu den Nazis hinübergewechselt war, an der Eck« Hermann- und Zietenstraße zusammen, Die beiden ehemaligen Parteigenossen gerieten in einen heitigeii Wortwechsel, der damit endete, daß Schüler plöhlich aus seiner lasche eine Mehrladepistole hervorzog und süns Schüsse aus tsaltin abfeuerte, iraltin brach blut- überströmt zu Boden. Eine Kugel hatte die Lunge durchbohrt, eine -weite den Unterleib, und ein drittes Projektil blieb im Oberschenkel stecken. Ein Passant, ein Ihjahriger kousmönnijcher Angestellter, der im Augenblick der Schießerei die Straßenkreuzung ahnungslos passierte, wurde von einer Kugel in den Kieser gc- troffen. In der ersten Verwirrung gelang es dem Mordschiilzen zu flüchten. Ein Polizeibeamter in Aioil, der den Vorfall beobachtet batte, jagte dem Flüchligen auj seinem Rade nach. Der Bursche lief die Hermonnstraße hinunter und blieb troß der wiederholten Haltrusc des verfolgenden Beamten nicht stehen. Nach Minuten- langer Jagd, an der sich jetzt auch Passanten beteiligten, lief der Nazimordjchützc zwei Schupobeamlen einer Streife direkt in die Arme. Er wurde der Politischen Polizei des Polizeipräsidiums übergeben. Ein Augenzeuge berichtet. Ein Augenzeuge, der die Hermannstraßc entlang ging, erzählt, daß er plötzlich mehrere Schüsse hörte. Er sah einen jungen Menschen in ch i t l e r- U n i s o r m, der aus einen Arbeiter schoß und dann sluchtartig die Hermannstraßc hinunter lief. Der Bursche hielt in der Hand einen Trommelrevolter, und mehrere Passanten, die sich dem Täler in den weg stellten, wurden mit der Pistole in Schach gehalten. Die Zahl der Verfolger wuchs immer �nehr, als auf der entgegengesetzten Seite eine berittene Schupo- Patrouille auftauchte. Die Beamten sprangen sofort von ihren Pferden und ergriffen den jugendlichen Mordschützen, Die Beamten hatten Mühe, den Hitlcr-Gardisten vor der empörten Menge, die im Augenblick auf Hunderte angewachsen war, zu schützen. Eine ganze Reihe von Passanten, die den blutigen Vorfall mit erlebt hotten, stellten sich der Polizei als Zeugen zur Verfügung und teilten auf dem 212, Polizeirevier ihre Wahrnehmungen mit, Riesenbrand in Spandau Oelkesselexplosion bei Motard- Schwierige Löscharbeiten Massenkündigung bei Arachts. Sämtliche Staatsangestellte im Ministerium gekündigt, Wie das Nachrichtenbüro des BDZ. ineldet, ist im Preußischen Wohlfahrtsministerium, im preußischen Landwirtschafts- und im Preußischen Handelsministerium sämtlichen Staatsange st eilten jetzt zum l. April nächsten Jahres gekündigt worden. Dies- Maßnahme wird zwar nur als vorsorgliche Kündigung bezeichnet. In informierten Kreisen wird jedoch erklärt, daß dieses Vorgehen mit der geplanten Verwaltungsreform in den zentralen oberen Instanzen zusammenhängt Man wird wohl nicht sehlgehen, wenn man annimmt, daß in den preußischen Staatsministerien die Beseitigung einiger preußischer Ministerien— ahne Rücksicht ous die bevorstebende Entscheidung des Staatsgerichtshojs— in die Praxis übergeführt werden soll. Dabei wäre z, B, hervorzuheben, daß bisher� sowohl in der Londwirtschaitsoerwaltung als auch in der Handelsverwaltung noch bestimmte Fachschulen registriert werden. Nach der Neu- regelung sollen sämtliche Stantsschulen im Kultusministerium zu- 'ammengefaßt werden. Weiter wird man wahrscheinlich darauf abzielen, bestimmte preußische Ministerialaufgaben aus die vor- handenen R e i ch s m i n i st e r i e n hinüberzunehmen, was vor In den betonnten Motard-Wcrten in der Nonnendommallec in Ziemcnsstadt, die in der Hauptsache Kerzen herstellen, brach heute vormittag Feuer aus, das sich in wenigen Minuten zu einem außer- ordentlich gefährlichen Großfeuer entwistelte. Ein Teil der Fabrik, in einem Ausmaß von etwa 20x30 Meter wurde ein Naub der Flammen. Tie Belegschaft der Werke konnte sich auf das Fcnerstgnal rechtzeitig in Sicherheit bringen. Das Fsuer ist kurz nach 9 Uhr in der Oel- und F e t t- k o ch e r e i entstanden. Aus einem Zettbehälter schlug plöhlich eine .Stichflamme hervor und im Augenblick sprangen die Flammen aus einige Oelbehäller über. Zum Glück wurde die Gefahr von den im Raum beichäitlgten Arbeitern rechtzeitig erkannt und es gelang allen, sich ins Freie zu flüchten. Auf den Feueralarm erschienen zunächst drei Löschzüge an der Brandstelle, es zeigte sich aber bald, daß die Kräfte nicht ausreichten und es mußten zwei weitere Zug- wachen sowie mehrere Schaumgeneratoren, wie sie stets bei der -Bekämpfung gefährlicher Oel- und Fettbrände Verwendung finden, herangezogen werden. Der ständige stellvertretende Obcrbrand- direktor Pozdziech übernahm die Leitung der Löschaktiou, Das brennende Fabrikgebäude war zeilweise in eine undurchdringliche riesige Lualmwolkc gehüllt. Die Löschmannschaftev, die mit zahlreichen Schlauchleitungen und den Schaumgcneratorcn gegen den Bran-dberd vorgingen, mußten mit R a u ch s ch u tz m a s k e n und Sauerstofsapparaten ausgerüstet werden. Inmitten der Löscharbeiten ertönten wiederholt heftige Explosionen. Wie sich bald herausstellte, waren mehrere mit Oel gefüllte Kessel in die Lust geflogen. Elsenteile wurden weit fortgeschleudert und die erneute Gefahr stellte die Feuerwehr vor i eine schwierige Situation. Trotzdem konnte der Brandherd nach ! anderthalbstündiger Tätigkeit eingekreist werden. Die Aufräumungs- und Ablöschungsarbeiten dauern noch an. Der Schaden ist sehr � hoch, jedoch durch Versicherung gedeckt. Wie die Motnrd-Werke mit- ' teilen, wird der Betrieb keine Unterbrechung erleiden, An der Brandstelle. Die Motard-Werke A,-G, hoben ihre Fabrikationsgebäudc aus einem umfangreichen Gelände zwischen der Nonnendamm- allee und der M o t a r dst r a ß e. Die friedliche Stillä hier an der Peripherie Berlins wurde plötzlich durch das Heranrasen zahl- reicher Feuerwehren, die aus allen Himmelsrichtungen anrückten, jäh unterbrochen..Aus einem mehrstöckigen Fabrikgebäude inmitten der Werke quoll eine blaufchwarze Qualmwolk« zum Himmel, die sich von Minute zu Minute vergrößerte. Die weithin sichtbare Rauchwolke hatte bald Tausende von Neugierigen angelockt, die zu Fuß und auf Fahrrädern an die Brandstelle eilten. Bald war die Lust kilometerweit mit dem stickige» Qualm der Fette angefüllt. Die Feuerwehr befand sich bereits inmitten der Löscharbeiten, als hintereinander mehrere, weithin vernehmbare Detonationen erfolgten. Das brennende Gebäude glich lange Zeit einem riesigen Schornstein, aus dem unaufhörlich schwarze Rauchmassen hervorquollen, da- zwischen loderten blutigrot die Flammengarbcn, Das von dem Großfeuer betroffene Gebäude ist zum größten Teil ausgebrannt, Fett- und Oelkessel sind zerrissen. Das aus- gebrannte Fabrikgebmibc bietet einen trostlosen Anblick, Gefährliche Löscharbeiten. Wie uns Braudirektor Pozdziech erklärt, sind die Lösch- nionnichosten stlten so stark gefährdet gewesen wie bei dem heutigen Grohseuer in Siemensstadt. Als die Loschzüge in kurzen Abständen bei den Motardwerken eintrafen, brannte das ganze Gebäude bereits in seinem ganze» Umfange. Dem umsichtigen Eingreifen der ersten Züge ist es in der Hauptsache zu verdanken, daß die Motordwerke vor einer völligen Vernichtung geschützt wurden, denn unmittelbar an das vernichtete Fabrikgebäude grenzt das Oellager, in dem Hundert« von gefüllten Oclfässern logern. Diese nirchtbarc Gefahr konnte glücklicherweise abgewendet werden, Be- 'anders gefährlich waren die wiederholten Explosionen, Durch dxp Lmtörlick und die enorme Hitze stürzten zahlreiche Decken ein und die Moschinenanlagen stürzten donnernd in die Tiefe, Lange Zeit wurde der Einsturz der Ilmfassungsmauern befürchtet. Die Zement- wände hielten den Explosionen jedoch stand und ii»r an einigen Stellen wurden sie eingedrückt, Die E n t st c h u n g s u r s a ch e ist zur Stunde noch völlig u n- geklärt. Es wird sich, wenn die'Aussagen der Arbeiter nichts Positives ergeben sollten, auch kaum jemals die Brandursache fest- stellen lassen, da das Feuer mit solch ungeheurer Macht wütete, daß sämtliche Spuren restlos vernichtet sind, Woraus die Kerzen entstehen. Paraffin, das Material, aus dem die Kerzen hergestellt werden, ist eine feste, wachsähnliche Masse, die 1830 von dem Chemiker Reichenbach unter den Produkten der trockenen Destination des Holzes, namentlich im Buchcnholzteer, oufgesunden wurde. Später wurde gesunden, daß Paraffin sich auch bei der trockenen Destillation von Tors, Braunkohle und dem Abbau der Kohlen- selber bildet. Es kommt aber auch in der Natur gebiwet vor, und zwar in sehr großer Menge, so im Petroleum, das jedoch mit Ausnahme des ostindischen Petroleums nur geringe Mengen Paraffin enthält, E r d p e ch und E r d t c e r sind sehr viel reich- haltiger an Paraffin, Interessant ist, daß das sehr parasfinhaltigc indische Erdöl in der Nähe des Flusses Jrowadi in Birma aus hierzu gegrabenen Brunnen gewonnen wird. Die Paraffin- fabrikation in Deutschland ist aus die Verarbeitung einer als Schwelkohle bezeichneten Braunkohle begründet. Zwei Haupt- arbeiten sind zu oerrichten, und zwar einnual die Bereitung des Teers und dann die Verarbeitung des Teers auf Paraffin, Dadurch werden helle, rote und sogar dunkle Parafsinöle gewonnen. Das Paraffin wird den schwersiedenden Oelen, die es gelöst enthalten, durch Abkühlen und Auskristallisicren entzogen, in Filterp�essen unter einem Druck von achtzig bis hundert Atmosphären entölt, mit leichten Teerölen unter Druck gc- waschen und durch Teerkvhle oder Pulver gereinigt. In gereinigtem Zustande ist Paraffin� eine feste, harte, klingende, weiße, geruch- und geschmacklose Sache, Paraffin dient zur Herstellung von Kerzen und Zündholzköpfchen, Den Parasfinkerzen gibt man einen Z n- saß von Stearinsäure. Auch wendet man das Paraffin als Schmiermittel für Maschinen, zur Gewinnung gewisser Wohl- gerllche aus Blüten, zum Einfetten des Leders und zum Dichten der Wein- und Bicrsässer an. Auch in der Chirurgie hat das Paraffin Anwendung gesunden, allem bei der Landwiry'chast und vielleicht auch bei der Volkswohl- fahrt in Frag« kommen soll. Die Zahl der preußischen Ministerien soll auf diese Weise von bisher sieben— außer dem Minifterpräsi- deuten— auf vier bis fünf herabgesetzt werden, Als Ziel der Berwaltungsreform für die restlichen preu- ßischen Ministerien wird eine Personalunion m i t dem Reiche erstrebt. Die Einzelheitey der geplanten Neuregeluüg müssen vorläufig nach mit Vorsicht betrachtet werden. Als fest- stehende Tatjache bleibt aber die Jngangsetzuna dieser vielumstrittenen Verwaltungsresorm durch die Kündigung der Staatsangestellten, Diese Kündigungen sollen den Zweck haben, zu nach st freie H a n d zu bekommen, damit man bei einer„Reform der Verwaltung" nur diejenigen übernehmen muß, die tatsächlich noch gebraucht werden, Anhalt gegen Hindenburg-Keier. Nazi-Mimster erlaubt sie nicht. Das nationalsozialistisch-deutschnationale anhaltische Staats- Ministerium gibt bekannt:„Der Anregung des Reichsministers des Innern, am 2. Oktober die Dienstgebäude des Landes und der öffentlichen Verbände zu beflaggen, in den Schulen am 1, oder 3. Oktober des Geburtstages des Reichspräsidenten in schlichten Feiern zu gedenken und im Anschluß an diese Feiern den Unter- ficht ausfallen zu lassen, hat das Staatsminifterium keine Folge gegeben," So muß es kommen! Solange die Hakenkreuzler„nur" Vsr- fasfungsfeiern verboten, jubelten die Rcchtsblätter, jetzt sitzen sie wie begossene Pudel da. Ein Vorschlag Hendersons Die Mächte sollen sich äußern Mittelstand wohin? Gedanken zur Wahl. Aus Kreisen des Mittelstandes wird uns geschrieben: Die politisch weiterblickenden Gewerbetreibenden und Kausleute stehen in dem Wahlkampfe, der in den nächsten Wochen ausge- kämpft werden mutz, aus fester Heberzeugung auf der Seite der Sozialdemokratischen Partei. Nicht nur gefühlsmäßig, auch aus Vcrnunftgründen. Wir wissen, daß eine Gesundung auch unserer wirtschaftlichen Lage nur möglich ist aus den von der Partei und den Gewert- schaften vorgeschlagenen Wegen. Es mag Gewerbetreibende geben, die sagen, datz sie eingewurzelter Vorurteile wegen und aus Ueber- lieserung nicht sozialdemokratisch wählen können. Das sind ins- besondere die republikanisch eingestellten Gewerbetreibenden der früheren Mittelparteien, die ihre Stimme bei der letzten Wahl einer anderen bürgerlichen Partei gegeben haben. Die Politik, die bisher vielen Gewerbetreibenden als vcrheihungsvoll erscheint, hat sich schnell als ein Trug erwiesen. Das neue Papen-Programm bringt eine einseitige Belastung der breiten Massen, auch der Gewerbetreibenden. Was wir heute brauchen, insbesondere der Mittelstand, ist eine Belebung von der Seite der Kaufkraft. Nicht die Betriebe allein in Gang zu bringen ist unsere Sorge, sondern auch die herge- stellten Produkte verkaufen zu können. Daran ist der Mittelstand am meisten interessiert. Der Berelendungsprozeß innerhalb der Mittelschichten müßte doch auch dem letzten Mittelständler gezeigt haben, daß nicht die angebliche„marxistische Mißwirtschaft", sondern die kapitalistische Gesellschastsordnung ihn in eine soziale Lage ge- bracht hat, die weit unter der des Arbeiters liegt. Wer kann denn noch von den kleinen Gewerbetreibenden«inen Pfennig für sein hohes Alter zurücklegen? Wer kann noch etwas für seine Gc- sundheit tun? Ist doch die Not täglich bei vielen Gewerbetreibenden Stammgast! Wollen die Gewerbetreibenden dies Schicksal so weiter ertragen? Sehen sie nicht, wie die Arbeiterschaft in zähen Kämpfen sich ihre sozialen Rechte erzwungen hat? Haben sie nicht das Recht, nachdem sie ein Leben lang schwer gearbeitet haben, z» verlangen, daß sie in ihrem Greisenalter nicht betteln gehe» brauchen? Mar müssen sie sich darüber jedoch sein, daß sie allein diesen Kampf nicht führen können, sondern, daß sie nur oereint mit der Arbeiterschaft für ein besseres Los kämpfen können. Wir müssen mit der srei- gewerkschaftlichen Arbeiterschaft für die Uniwandlung dieser Ge- sellschaftsordnung eintreten und auch käinpfen. Hat der Arbeiter Geld, so hat es auch die Geschäftswelt. An die sozialdemokratischen Gewerbetreibenden aber appellieren wir: Versäumt keine Ge- legenheit, immer wieder mit euren Berufskollegen über diese Fragen zu diskutieren. Selbständige Genossen, wt auch ihr in diesem Wahlkampf eure Pflicht! Die(5A. wird unsicher! Befehl von Böhm. Das wachsende Durcheinander und die innere Schwäche der „Eturmbataillone" offenbart folgender Befehl des Hauptmanns Röhm vom 14. September: „Da in den Gaubezirken Deutschlands im Augenblick eine 2iersetzungsarbeit seitens der Kommunisten betriebe» etrieben wird, erlasse ich hiermit den Befehl an jille Parteiangehörigen der NSDAP., daß in den SA.- oder SS.-Heimen. wo sich kommunistische Provokateure befinden, dieselben sofort dem Sturmbannführer zu melden sind, der sie sodann dem Standarten- sllhrer weiterzugeben hat. Auch sei darauf hingewiesen, daß mit Wirkung vom 1. Oktober die SA.-Heime von SS.- Leuten zu besetzen sind und dem Nachrichten- dienst zu jeder Zeit zur Verfügung stehen. Parteigenossen, die in kommunistischen Gegenden wohnen, haben sich, wenn Gefahr besteht, von der Schutzstaffel nach Hause bringen zu lassen, falls möglich, werden diese Kameraden auch in Heimen untergebracht. lSie sind zur Wache einzuteilen.) Jeder SA.-Mann, der über die Glaubwürdigkeit seiner Führung zweifelt oder dieselben denunziert, wird rest- los aus der Partei ausgeschlossen. Beim Austritt bleibt die Uniform Eigentum der Ortsgruppe, insofern sie nicht ganz bezahlt ist." Es muß schon ziemlich bunt bei der SA. zugehen, wenn solche Ueberwachung mit einer eigenen SS.-Tscheka und solche Drohungen notwendig werden. Sie sind geeignet, das Mißtrauen und die Zer- fetzung zu verschlimmern, was sich an vielen Orten schon zeigt. Wendung im Kommunistenprozeß. Baufhandel statt TotschlaqSanklaqe. Der Prozeß gegen die neun Kommunisten wegen Totschlags, der vor dem Sondergericht läuft, ist jetzt bei einem ent- scheidenden Wendepunkt angelangt. Der Vorsitzende Landgerichts- direktor T o l t machte am Donnerstag die Verteidigung darauf auf- merksam, daß sie im Laufe der weiteren Verhandlung auch die Mög- lichteit des Tatbestandes des Raushandels in Erwägung ziehen solle. Dem Gericht sind also berechtigte Zweifel aufgekommen, ob die Anklage wegen Totschlags überhaupt noch aufrechtzuerhalten ist. Zum Raufhandel sind aber zwei Parteien nötig. Mit anderen Worten: Die Behauptung der Anklage, daß allein die Kommunisten die Angreifer gewesen sind, ist somit in das Gebiet der Fabel zu ver- legen. Die Wendung des gestrigen Tages ist nicht zuletzt auf die Aussage einer Zeugin zurückzuführen, die in demselben Hause wohnt, in dem sich auch das Naziverkehrslokal befindet. Die Wohnung der Zeugin geht auf den Hof hinaus. Unmittelbar nach den Schüssen hörte sie, wie eine Stimme aus dem Verkehrslokal rief:„Polente kommt. Wo ist der Schlüssel?" Gleich daraus sprangen drei Nazis aus dem Fenster, einen vierten sah sie noch auf dem Sims. Die Nationalsozialisten liefen zum Seitenflügel des Hauses. Es besteht nämlich der Verdacht, daß diese Nazis die Schützen waren und sich in der Wohnung des Wirts des Nazilokals versteckt haben. Bemerkenswert war auch eine andere Episode aus der gestrigen Verhandlung. Frau Engelhardt, eine der wichtigsten Entlastungs- Zeuginnen, hatte einen Nazi namens Hamm als einen der Schützen erkannt. Sie meldete das der Polizei. Der Beamte ließ Hamm kommen und dieser berief sich auf sein Alibi, das er durch einen SS.-Mann führen zu können glaubt. Der Beamte hat sich mit diesem Alibibeweis begnügt und weitere Ermitt- lungen nicht angestellt. Oer Einschuß im Motorrad. In dem Prozeß vor dem Sondergericht marschierten heute gegen u.e angeklagten Mitglieder der Eisernen Front die Nazi zeugen auf. Die Zeugen verwickelten sich in heillose Widersprüche. Die eine Aussag« hob die andere sozusagen auf. In einer Hinsicht waren sie aber einig. Voi, der nationalsozialistischen Seite soll natürlich niemand geschossen haben. Die einen wollen es nicht gesehen haben, die anderen waren bereit, zu beeiden, daß nur von der anderen Seite di« Schüsse gefallen seien. Im Hofe des Gerichtsgebäudes fand heute morgen auch die Paris, 30. September.(Eigenbericht.) Das„Echo de Paris" und die Havas-Agentur melden aus Genf, daß H e n d e r s o n vor seiner Abreise am Mittwoch mehreren Delegationen des Büros der Abrüstungskonferenz den Entwurf zu einer Erklärung überreicht habe, die das Büro in seiner am 10. Oktober beginnenden Tagung annehmen solle. Der Entwurf, der sich auf den Z 5 des englischen Memorandums vom 17. September stützte, sehe folgende drei Grundsätze als Basis für das ge- plante Abrüstungsabkommen vor: 1. keine Lviederaufrüstung Deutschlands: 2. herabsehung der Rüstungen der anderen Länder, um den Unterschied zwischen dem deutschen Heer und den anderen Heeren zu verringern: Z. Gewährung der Gleichberechtigung an alle vertragschließenden Möchte. Der Entwurf habe bereits die Billigung des englischen Außen- Ministers gefunden, sei aber in verschiedenen anderen Delegationen auf Widerstand gestoßen. Diese wallten sich nicht durch Grundsätze binden lassen, ohne zugleich die praktischen Folgen ihrer Anwendung zu kennen. Neurath vor der presse. Rcichsaußenminister von Neurath gab heute vor der Presse Erklärungen über die Tätigkeit der deutschen Delegation in Kens und über die Stellungnahme der Reichsregicruug zur Abrüstungs- frage ab. Er wiederholte den bekannten Standpunkt der Reichsregierung, daß eine W i e d e r b e t e i l i g u n g Deutschlands an der Ab- rüftungskonferenz nur dann in Frage komm«, wenn uns Sicht» rungen gegeben werden, daß die einseitige Diskriminierung Deutschlands beseitigt wird und daß die künftige Abrüstungskorwen- tion für uns ebenso gilt wie für die anderen Staaten. Der Reichsaußenminister berichtete, daß er in Genf dem eng- tischen Außenminister Sir John Simon seine Meinung nicht verhehlt habe, daß Deutschland die juristische Auffassung der englischen Regierung in der Gleichberechtigungsfrage nicht akzeptieren könne. Aus seinem Gespräch mit dem italienischen Vertreter Alois! habe sich ergeben, daß Italien Verständnis für unsere Forderungen zeige. Er sei Herriot nicht aus» gewichen, vielmehr habe eine Fühlungnahme zwischen der deutschen und französischen Delegation bestanden: aber da der französische Ministerpräsident uns hatte wissen lassen, daß er in seiner Rede vor der Völkerbundsversammlung den Abrüstungs- konflikt nicht berühren würde, bestand für ihn kein Anlaß, seine Reise hinauszuschieben. Das einzig Wesentliche und Neue an den heutigen Erklärungen des Reichsaußenministers war eine durchaus improvisierte und u. E. etwas voreilige Stellungnahme zu den in der presse gemeldeten Sompromißvorschlägen hendersons. Herr von Neurath, der ausdrücklich betonte, daß sich Henderson die größte Mühe gebe, eine Einigung herbeizuführen, um die Konferenz zu retten, meinte, daß auch die gemeldete Kompromiß- formet des Konferenzvorsitzenden„uns nicht weiter bring t". Diese vorschnelle negative Festlegung erscheint uns bedauerlich: sie ist aber offenbar nur so zu erklären, daß die aus Paris ge- meldete Fassung des Vorschlages Hendersons nicht ganz den Formulierungen entspricht, die Henderson dem Reichsaußenminister vor seiner Rückreise nach Berlin persönlich und offiziell über- geben hat. Besichtigung des dem Angeklagten Bach mann gehörenden Motor- rades statt. Der Beiwagen weist einen Einschuß auf. Bachmann hat, unmittelbar nach den Vorfällen in Boernicke, diesen Einschuß dem Polizeimeister Schiller gezeigt. Der Beamte hat jedoch den Wagen nicht sichergestellt. Das Gericht wird höchstwahrscheinlich einen Schießsachoerständigen herbeiziehen. Der Einschuß ist selbst- verständlich für den weiteren Verlaus des Prozesses von großer Bedeutung,«hier ist ein Beweis, daß von den Nationalsozialisten geschossen worden sein muß. Von Höllenmaschine zerrissen. Anschlag gegen Offiziere.— Zwei Personen getötet. Belgrad, Z0. September. 3n der Nähe der Schisssanlegestelle an der Save übergab heute früh 7 Uhr ein elegant gekleideter junger Mann einem Träger ein Paket mit dem Auftrag, er möge es in das Offiziers- k a s i n o trogen. Zn dem Moment, in dem der Träger das Kasino- gebäude betrat, explodierte das Paket, das eine Höllenmaschine enthielt. Der Träger und eine Aufräumerin erlitten so schwere Verletzung, daß sie nach einer Stunde starben, wie verlautet, soll auch ein Ossizier verletzt worden sein. Die Polizei hat sofort die Untersuchung eingeleitet, von dem Täter fehlt bisher jede Spur. Baldwin verstärkt seinen Einfluß. Die Begierungsergänzung in England. London, 30. September.(Eigenbericht.) In der RegierungsumbUdung sind einige neue Fortschritte zu verzeichnen Die wichtigste Entscheidung liegt darin, daß Bald-' wi n, bisher Lordpräsident des geheimen Rates, nun auch als Nach- folger Snowdens das Amt des Lordsiegelbewahrers übernimmt. Dem bisherigen llnterstaatssekretär im Handelsministerium, Höre B e l i s a, einem Simon-Liberalen, wird der wichtige Posten des Unterstatssekretärs im Finanzministerium übertragen, der durch die Ernennung Elliots zum Landwirtschaftsminister srei wurde. Di« Posten des Unterstaatssekretärs im Kolonialministeriuni und im Innenministerium werden durch zwei Konservative, Plymouth und Butler, besetzt. Unterstaatssekretär im Handelsministerium wird Burgis von der Simon-Kruppe. Unbesetzt ist noch der Posten des Bergwerksministeriums. Brasilien-Putsch vor dem Ende. Bebellen bitten um Waffenstillstanb. Rew Jork, 30. September.(Eigenbericht.) Die brasilianischen Rebellen unter General K l i n g e r ersuchten die Regierung um den sofortigen Abschluß eines W a f f e n st i l l- st an des. Die Regierung hat daraufhin sofort Unterhändler in das Lager der Rebellen entfanot. Die mifrührerifchen Truppen wurden durch die vordringende Regierungsarmee fast gänzlich von der Nahrungszufuhr abgeschnitten. Das Ende des seit drei Monaten anhaltenden Bürgerkrieges steht bevor. �rauenüberfall aufgeklärt. Die blonde Zigeunerin festgenommen. Der Ueberfall auf die S2 Jahre alte Schneiderin Olga Falk aus der Köpenicker Straße 60 hat eine überraschend schnelle Ausklärung gesunden. Gestern konnte in der Person einer Frau Charlotte Reinhardt aus der Frankfurter Allee eine der Täterinnen ermittelt und festgenommen werden. Sie bestreitet zwar den Ueberfall, aber die Maße, die Fräulein Falk der Kundin ab- genommen hatte, wurden an ihr nachgemessen und' als überein- stimmend befunden. Die zweite Täterin ist noch flüchtig. Für die Nachforschungen der Polizei war bedeutungsvoll, daß die Ueberfallene angegeben hatte, es müsse sich bei den Frauen um Zigeunerinnen gehandelt haben. Nun ist zwar die Fest- genommene keine Zigeunerin, sie ist aber mit einem Zigeuner verheiratet und nach der Art der Zigeunerinnen zog sie weissagend und besprechend durch die Straßen. Als die Kriminalbeamten am Donnerstagnachmittag in ihre Wohnung einfielen, tat sie voll- kommen unschuldig. Schon die erste Durchsuchung belastete sie schwer. Auf dem Präsidium wurde sie sofort der Ueberfallene» gegenüber- gestellt und wiedererkannt. Fräulein Falk holte ein Metermaß hervor und legte es bei der Frau an. Rocklänge, Hüftenweite, Rückenlänge, Brustumfang, alles stimmte mit den Notizen überein. die sie sich am Dienstag von der„Kundin" gemocht hatte. Drei Hausbewohner, die sie über den Hof hatten gehen sehen, erkannten sie auch wieder. Bei einer erneuten Durchsuchung ihrer Wohnung in der Frankfurter Allee fand man jetzt unter schmutziger Wäsche die Tasche, die sie bei dem Ueberfall mit hatte, und die von der Ueberfallene» ebenfalls wiedererkannt wurde. „Diebische Elstern." Zwei internationale Taschendiebe im Zoo verhastet. Im Zoologischen Garten mehrten sich in der letzten Zeit die Fälle, daß Besuchern, die der Raubtierfüttcrung beiwohnten, hinter- her die Brieftaschen und Taschenuhren fehlten, so daß es klar wurde, daß der Zoo als allerdings unerwünschte Be- reicherung„diebische Elstern" auswies, die dos Interesse der Zoo- besucher für die Fütterung der Raubtiere zum Anlaß nahmen, sich für den Toscheninhalt der Schaulustigen zu interessieren. Infolge- dessen überwachten Kriminalbeamte des Taschendiebstahlsdezernots unauffällig die Raubtierfütterung mit dem Erfolg, daß sie kürzlich im Raubtierhaus einen guten alten Bekannten, einen gewissen E ck- h a i s« r, entdeckten, der schon einmal wegen Taschendiebstahls zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Durch unauffällige Beobachtungen konnte weiter festgestellt werden, daß er mit einen, „Berufskollegen" zusammenarbeitete, ebenfalls einem internatio- nalen Taschendieb namens C h o z a n. Als dieser gerade während der Fütterung einem Besucher die Uhr zu stehlen versuchte, griffen di« Beamten zu und nahmen beide fest. Chazan und Eckhaiser erhielten für diese„zoologischen Studien" gestern vom Schnellgericht 4 bzw. 5 Monate Gefängnis. Z�iviera verwüstet. Zerstörungen durch Sturm und Wolkenbruch. Paris, 30. September.(Eigenbericht.) Ein furchtbarer Wolkenbruch hat sich am Donnerstag über der Riviera zwischen Eannes und Zrejus ent- laden und schwere Verwüstungen angerichtet. Besonders die Städte Arejus, St. Raphael. Zuan und Eannes haben gelitten. Zn Eannes und Frejus wurden zahlreiche Villen unter Wasser geseht. Die Eisenbahnlinie Marseille— Rizza ist unter- brachen. Zum Teil ist sie durch die Wassermassen, zum Teil durch abgerutschte Erdmassen versperrt. Die Züge von Marseille enden jetzt in Toulon: von dort werden die Reisenden mit Aulobussen weilerbefördert. Am schlimmsten wurde Saint Maxime heimgesucht, wo über 1000 Personen ihre Häuser verlassen mußten und obdachlos geworden find. Die große Landstraße, die durch die Ort- schaft führt, wurde an mehreren Stellen von den Wassermassen zer- stört und für den Verkehr unbrauchbar gemacht. Die Eisenbahn- brücke wurde fortgeschwemmt und die Strandpromenade v ö l l i g v e r n i ch t e t. Die Bevölkerung tonnte sich nur notdürftig bekleidet in Sicherheit bringen, indem sie ihre Zuflucht auf die Dächer der Häuser nahm. Die Weinernte ist vollkommen ver- nichtet. In Juan les Pins stand das Wasser in verschiedenen Stadt- teilen zwei Meter hoch. Opfer der Krise. Nach fast achtzigjährigem Be- st e h e n stellt das demokratische�„Kasseler Tageblatt" sein Erscheinen ein, da es trotz aller Sanierungsmaßnahmen die herrschende Wirtschaftskrise nicht durchhalten konnte. Das Blatt geht in die„Kasseler Neuesten Nachrichten" auf. woldemaras freigesprochen. Der ehemalige Ministerpräsident Woldemaras, der beschuldigt worden war, über die Verwendung der von ihm im Jahre 1918 vorschußweise erhaltenen Summe von 31 000 dänischen Kronen keine ausreichenden Nachweise beigebracht zuhaben, ist vom Obersten Gerichtshos freigesprochen worden. Wieder ein Zudenroman bei den Echtrassigen. Jetzt ist auch der„Westdeutsche Beobachter", wie bereits einige Nazizeitungen vor ihm, mit dein Roman„Alexander Forescu" von Hans Land, dem Sohn des Berliner Oberrabiners, h e r e i n g e- fallen. Als das Blättche» nach der dritten oder vierten Fort- jetzung den Reinfall bemerkte, wurde das Weitcrerscheinen des Ro- maus aus„technischen Gründen" eingestellt. Wegen Beleidigung des Reichsministers a. D. Dr. wirth wurde der nationalsozialistische Betriebszellenleiter Friedrich Plattner-Korls- ruhe zu einer Gefängnisstrafe von sechs Wochen perurteilt. Die klage Weismanns. Das Schöffengericht Berlin-Mitte hat das Verfahren gegen den Bücherrevisor Lachmann wegen Verleum- dung des Staatssekretärs a. D. Dr. Weismann eröffnet. Die Ver- leumdung ist in einem dem bisherigen preußische» Minifterpräsi- denten Dr. Braun zugesandten Brief enthalten, in dem Lachmann behauptet, daß Dr. Weismann sich der aktiven Bestechiing und der Verletzung der Eidespslicht schuldig gemacht habe. Die VerHand- lung ist auf den 13. Oktober 1932 angesetzt. Konflikt in der Seeschiffahrt Seeleute und Offiziere zum Kampf entschloffen. Zu dem Tariftonslikt, der zwischen den Organisationen der Seeleule und Schifssossiziere. sowie dem Verband Deutscher Reeder ausgebrochen ist, hat sich die Lage so verschärst, dah mit dem Ausbruch eines allgemeinen Streiks in der deutschen Seeschissahrt gerechnet werden musz. AUe Versuche, zum Reuabschluß der Tarifverträge für die Seeleule und Schifssossiziere zu kommen, sind infolge der ungeheuerlichen Abbauforderungen der Reeder sehlgeschlagen. Oer Reederverband hat den Schlichter angerufen, der die bisherigen Tarisparteien zu heute nachmittag 4 Ahr zu Verhandlungen geladen hat. Der Konflikt hat seine Ursache in dem Verlangen der Reeder, die Lohn- und Arbeitsbedingungen des Schisispersonals ganz erheblich zu verschlechtern. So wird z. B. eine Herabsetzung der Heuer der Seeleute um durchschnittlich 18 Proz. und der Gehälter der Schiffsofsiziere und des technischen Personals in noch viel höhcrem Matze, teilweise bis zu 40 Proz., verlangt. Die Jahlung von Auslandszulagen soll in Zukunft gänzlich fort- fallen und die Gewährung dienstfreier Tage erschwert werden. Die Reeder wollen weiter die Arbeitszeiten wesentlich oer» längern, um die Besatzungsstärke verringern zu können. Zu diesen Wünschen gesellt sich noch eine Reihe anderer Forderungen, über die eine Einigung nicht erzielt werden konnte. Von den Arbeitnehmerverbänden ist die unveränderte Verlängerung der Tarifverträge bis zum 31. März gefordert worden. Gleichzeitig wurde den Reedern zu erkennen gegeben, daß für die Seeleute die Unternehmerforderungen völlig unannehmbar sind und jeder Versuch, sie den, Schiffspersonal auf- zwingen zu wollen, zum offenen Konflikt führen mühte. Die Organisationen der Seeleute und Schiffsosfiziere haben ihre Mitglieder angewiesen, mir den Weisungen ihrer Organisationsleitungen zu folgen und Disziplin zu üben. Kleiner Aamenräuber! Heilig ist das Eigentum— von 300 000 M. aufwärts. Wahlspruch im Hause Hilgenberg. Am Donnerstag explodierte der Harzburger Käse vor Gericht. Hugenberg erzwang gegen Goebbels die Unterlassung aller geschäfts- schädigenden Schöndlichkeiten bei 300 000 M. Strafe! So die Großen. Inzwischen ging einer der Kleinsten vom Hause Hugenberg, ein Lokalreporter vom„Lokal-Anzeiger", hin, und entwendete ineuch- lings einem marxistischen Schriftsteller sein PseudonM: Jonathan. Ich präsentiere mich hiermit der Oeffentlichkeit als Daueropfer der nationalen Stehlsucht. Meinen ollen ehrlichen„Mich, von Lindenhecken" hat mir der nationalsozialistische Reichs- und Land- tagsabgeordnete Brückner für seinen NS.-Beobachter entwendet. Der Name war abgelegt, aber ich hatte mir nicht träumen lassen, daß ein germanischer Recke so rasch in meine abgelegten Hosen fahren würde. Aber den„Jonathan", den gedachte ich noch mindestens eine Saison zu tragen. Nun hat ihn ein kleiner Mause- haken vom„Lokal-Anzeiger" geschnappt. Was soll ich tun? Soll ich auf Unterlassung klagen wie Hugcn- berg? Ach. dieser Kleine von den Seinen wird mir bestimmt keine 300 000 M. berappen. Außerdem spüre ich eine Anwandlung von Gerechtigkeit. Bemaust mich der Nationalsozialist, warum soll mich der Deutschnationale nicht bemausen? So weit wird doch die gc- meinsame nationale Linie noch reichen! Ei» deutscher Mann'mag keiney Sozen leiden, Doch seinen Namen klaut er gern... Also lasse ich ihn lausen, den herzigen kleinen Namenräuber! Bereitet er mir doch im stillen eine Genugtuung: meine literarische Garderobe muß ganz gut imstande sein, wenn die nationalen Mannen sich mit solcher Gier um die Fetzen reißen. Im Hinter- grund habe ich noch eine eiskalte Drohung: wie wär es, du herziger kleiner Namenräuber, wenn ich auf meine Phantasiewiese ginge und mir einen neuen Namen pflückte? Dann würdest du bald singen: Ich bin der arme Jonathan, Was fang ich armer Teufel an! _ Jonathan, der Echte. Kampf der Kuliurreaktion! Tagung der sozialdemokratischen Lehrerschaft. In der Bundesschule des ADGB. in Bernau fand die Vor- ständekonfcrenz der sozialdemokratischen Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands statt. Vertreten waren fast sämtliche Bezirke des Reiches. Es wurde eingehend die kultur- und schulpolitische Situation und die Entwicklung der Arbeitsgemeinschaft in den einzelnen Bezirken erörtert. Die gesamte Konferenz war trotz des Ernstes der Zeit und der vielen Eingriffe, die in letzter Zeit von der Reaktion in das Kultur- und Schulleben erfolgt sind, vom starken Kampfeswillen und größter Geschlossenheit beseelt. Die politischen Veränderungen der letzten Monate konnten der sozialistisch bewußten Lehrerschaft der ASL. nur geringen Abbruch tun. Folgende Resolutionen wurden angenommen: „Die Vorständekonferenz der Arbeitsgemeinschaft sozialdemo- kratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands nimmt mit Eni- rüstung davon Kenntnis, daß der bewährte Regierungsdirektor Dr. R e i ch w a l d t, Potsdam,„aus politischen Gründen" auf unbestimmte Zeit beurlaubt worden ist. Sie sieht darin eine unberechtigte politische Maßregelung auf Grund von Forderungen reaktionärer Kreise. Die Borständekonferenz ersucht die preußische Landtagsfraktion, von der Regierung Rechenschast wegen dieser politischen Maßregelung zu fordern. Die Vorständekonferenz drückt dem bewährten Genossen Reichwaldt ihre Sympathie und Solidari- tät aus. Sie fordert alle Genossen der ASL. auf, daß sie in der Oeffentlichkeit für Gerechtigkeit und gegen politische Maßregelung eintreten." „Die Vorständekonferenz der Arbeitsgemeinschaft sozialdemo- kratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands stellt fest, daß die allgemeine Flut von Verleumdungen gegen schulfort- schrittliche Einrichtungen, die im wesentlichen von Sozialdemokraten geschaffen worden sind, sich in der letzte» Zeit durch Verleumdungen und Denunziationen in der Oeffentlichkeit und an die Behörden gesteigert hat. So wird insbesondere eine Hetze gegen die Karl-Marx-Schule und ihren verdienten Leiter betrieben, die nicht ohne Eindruck aus die Aussichtsbehörden ge- blieben ist. Die Vorständekonferenz fühlt sich solidarisch mit all den Genossen, die jetzt im Vordergrund des kulturpolitischen Kampfes stehen, ermuntert sie, die Nerven nicht zu verlieren und in der Treue der Genossen zu ihnen den moralischen Schutz gegen all die schmutzigen Angriffe zu sehen. Die Vorständekonferenz erwartet, daß Partei und Fraktionen sich schützend vor die bewährten Einrichtungen und ihre Träger stellen. Die Vorständekonserenz stellt fest, daß beamtete Studienrätc aus amtlichen Konjcrenzen Material entstellt und in verleumderischer Absicht in die Oessentlichkeit tragen, ohne daß ihnen seitens der Aufsichtsbehörde irgend etwas geschieht. 9 Am Donnerstag ging die 92. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Acrzle zu Ende. Wir bringen nach- stehend einen Bericht über einige besonders interessante Vorträge, die an den beiden letzten Tagen des Kongresses gehalten wurden. Nur alle zwei Jahre findet diese größte aller wissenschaftlichen Tagungen Deutschlands statt— aber dann ist es auch jedesmal eine gewaltige Unternehmung, in der sozusagen über zwei Jahre wissen- schaftlicher Forschung die Bilanz gezogen wird. Ein paar Zahlen mögen den schon rein äußerlich gewaltigen Umfang des Kongresses verdeutlichen: verhandelt wurde in 36 Abteilungen, davon entfallen 16 auf die naturwissenschaftliche und 20 auf die medizinische Haupt- gruppe. Etwa 200 Vorträge wurden allein auf dem eigentlichen Naturforscher- und Aerztekongreß gehalten, gleichzeitig und zu- sammen mit ihm tagten aber nicht weniger als 24 befreundete Ver- eine, die ihrerseits noch rund 130 Vorträge veranstalteten! Die Teil- nehmerzahl endlich betrug etwa 3000. Belebte und unbelebte Materie. Einen sehr aufschlußreichen Vortrag hielt der Minerologe Prof. Rinne(Freiburg) über das Thema„Naturwissenschaft- liche Grenzfragen des Lebens". Prof. Rinne hat sich in den letzten Jahren besonders eingehend mit dem schwierigen und noch verschlossenen Grenzgebiet zwischen lebender und unbelebter Materie beschäftigt und dabei einige siecht überraschende Feststellungen gemacht. So ergab sich, daß der kristalline Bau der Stoffe— von dem man noch vor relativ kurzer Zeit glaubte, er fände sich lediglich im Reiche der unbelebten Materie— bis in die Kernbezirke des Lebens hineinreicht. Der Organismus bevorzugt allerdings eine be- stimmte Form des kristallinen Aufbaus, den sogenannten parakristal- linen Zustand, weil es ihm auf diese Weise ermöglicht wird, die schleimig-sliissige Beschaffenheit der Bestandteile beizubehalten, an die das Leben bei den nieisten seiner Funktionen gebunden ist. Den Laien dürfte die Feststellung Prof. Rinnes überraschen, daß man sogar den Muskeln und der Nervensubstanz unseres Körpers jene parakristalline Beschaffenheit zuschreiben muß— als kristallines lebendes Gegenstück zu ihnen kann z. B. die pflanzliche Zellulosewand gelten, von der wir schon seit einiger Zeit wissen, daß sie sich aus Kristallen aufbaut. Diese und andere Forschungsergebnisse lassen die Grenzen zwischen belebter und unbelebter Vsaterie immer undeutlicher werden und legen den Schluß nahe, daß wir die Gesamtheit der Natur vom „leblosen" Kristall bis herauf zum Menschen als eine einzige, unendlich abgestufte Reihe auffassen müssen, die keine plötzliche Kluft zwischen„belebt" und„unbelebt" kennt. Geltsame Tierfunde. Prof. W c i g e l t(Halle a. d. S.s berichtete über außerordentlich wichtige Tierfunde, die in letzter Zeit in der Braunkohle des G c i f e l t a l e s bei Halle gemacht wurden. Daß überhaupt in Braunkohle Reste von Tieren gesunden werden, ist ein höchst seltenes Ereignis, denn im allgemeinen werden die Tierreste durch die von der Braunkohle gebildeten Säuren zerstört. Durch einen glück- Oer erste Konzertfilm. Im Mormorhaus wurde vor einigen Tagen ein kurzer Bildstreifen gezeigt, der— bei uns wenigstens— der erste seiner Art ist: der erste Konzertfilm. Cr brachte die Wiedergabc der Rosfinischen Tell-Ouvertüre unter der Direktion von Max von Schillings und ist von unschätzbarer Bedeutung für die Zukunft unseres gesamten Musiklebens. Um die dem Film eigene und not- wendige Bewegung zu gewinnen, zeigen die Bilder Konzertsaal, Dirigenten, Orchester in ständig wechselnden Kamera-Einstellungen: einzeln und alle zusammen, von ferne und in der Nähe, im Gesamt- überblick sowie in Großausnahme. Um diese Filmbewegung nun wieder nicht willkürlich, sondern sinnvoll zu gestalten, richten sich die Bilder nach der Musik: sie reproduzieren aber nicht etwa nur den visuellen Eindruck des äußeren Konzertabloufs—, sie verlaufen in zwingender Logik(die durch äußerst sorgfältige Regie genau festgelegt ist) und zeigen, um einen objektiven Sinn des Ablaufs zu erhalten, das im Klangbild gerade Auffallende gleichzeitig im Bild. So erscheint der Dirigent in besonders charakteristischen Situationen der Orchesterleitung, so erblickt man die einzelnen In- strumente und Jnstrumentengruppen, die gerade führend sind, ihre Meister und deren Technik: Cellisten, Schlagzeuger, Zugposaunisten, die Flöte, das Englisch-Horn usw. Es handelt sich hier also um vollendete Unterordnung des Bildablaufs unter das Musitalische, und selbst in diesem Rahmen um eine einmalige(wenn auch ausgezeich- netc), keineswegs aber um eine generelle Lösung des schwierigen Problems der Gleichzeitigkeit von Filmbild und Musik. Das hier gezeigte Verfahren hat ohne Zweifel ganz große instruktive, päda- gogische und archioarische Vorzüge: Wesen und Aufgabe der ein- zelnen Instrumente wie des Orchesters wird so jedermann leicht deutlich zu machen sein: die Musikpädagogik, insbesondere Instru- mentenkunde und Dirigiertcchnik haben hier einen hervorragenden Lehr- und Lernbehelf gefunden. Die ganze musikalische Produktions- weise einer Zeit endlich, unsere gesamte klingende Musikkultur wird jetzt überliefert werden können. Trotzdem aber ist es fraglich, ob diese eine Versahrensweise für alle die unzähligen Konzertfilme, die diesem ersten sicherlich folgen werden, brauchbar sein wird. Jenseits all dieser Bedenken aber liegt die allgemeine Bedeu- tung des Konzertsilms, der unter der künstlerischen Leitung Franz S ch r e k e r s und Eberhard Frohweins entstand und sich durch überraschende Gleichmäßigkeit und Qualität des Klangs besonders auszeichnet, klar auf der Hand. Als wichtigstes Mittel zu weiterer Rationalisierung der Musik wird er tausendfältige Nachahmung finden, die lebendigen Musiker freilich noch mehr als bisher aus dem Musikerzeugungs- und Verbrauchsprozeß ausschalten helfen. A. W. Volksliedersammlung durch einen Arbeitslosen. Ein Gegenstück zu dem Arbeitslosen, der in der Gegend von Aschafsenburg Sie Reste einer vergessenen Burg freilegte, bildet der„Baumsteften- lenz" in Zwiesel, ein erwerbsloser Sägearbeiter namens Paul Friedl, der seine unsreiiwillige Muße dazu benutzt, im Bayerischen Wald umherzuwandern, Volkslieder jind Bräuche zu sammeln und sie neu im Volk zu oerbreiten. Solche von Friedl gesammelten Volkslieder der Waldler hat kürzlich der Bayerische Rundfunk über- tragen. Bibliographie der deutschen Literatur über Sowjetrußland. Die Deutsche Gesellschaft zum Studium Osteuropas bereitet eine Biblio-- graphie oller in dei� Jahren 1917—32 in deutscher Sprache er- schienenen, auf die Sowjetunion bezüglichen Schriften vor, die an- hangsweise auch die wichtigsten in der gleichen Zeit heraus- oekommenen Werke über das zaristische Rußland und die russische Emigration oerzeichnen soll. Sie soll eine kurze Charakterisierung der Schriften geben und noch vor Weihnachten erscheinen. lichen Zufall ist in der Braunkohle des Geifeltales die Wirkung dieser Humussäuren dadurch aufgehoben worden, daß dort sehr harte, kalk- haltige Q u e l l w ä s s e r vorhanden sind, die die Säuren neutrali- sieren. Bei den Ausgrabungen stieß man nicht nur auf einzelne Tiere aus längst vergangenen Tagen der Erdgeschichte, sondern auf riesige Leichenfelder mit den Ueberresten von vielen Hunderten von verschiedenen Tierarten. Man grub nicht weniger als 1400 Wirbel- tierreste aus, deren Erhaltung teilweise so ausgezeichnet ist, daß man noch genau Fischschuppen und Blattgrün scheiden kann. Unter den Wirbeltierresten befanden sich zahlreiche Knochenfische der ver- schiedensten Art, ferner Molche, Krokodile und zahlreiche vorzeitliche Eidechsenarten und Schildkröten. Besondere wissenschaftliche Be- dcutung haben die Funde einiger Säugetiere aus der damaligen Zeit; es konnten u. a. die Reste eines Vorläufers unseres Haus- schweins und eines prähistorischen Pferdes gefunden werden. Eine besondere Rarität stellte endlich noch der Fund eines winzigen Tieres dar, das ohne Schwanz nur 4 Zentimeter lang ist und anscheinend auf Bäumen gelebt hat. Dieses sonderbare Wesen .stellt ein außerordentlich wichtiges, bisher unbekanntes Bindeglied zwischen den Insektenfressern und Halbaffen dar. Da in allerletzter Zeit auf der Grube Cecilie schon wieder eine neue Fundstelle ent- deckt ist, scheint die Geiseltal-Braunkohle vorläufig eine unerschöpf- liche Fundgrube für die Wissenschaftler zu sein. Expedition in den Gran Ehaco. Zwischen Bolivien und Paraguay sind bekanntlich sehr ernst- hafte Meinungsverschiedenheiten über die Besitzverhältnisse im Gebiet des nördlichen Gran Chaco ausgebrochen. Der Vortrag von Prof. Krieg(München) über die Ergebnisse seiner dritten Expedition in das Innere Südamerikas war also besonders„aktuell", da sich Prof. Krieg gerade in dem jetzt Kriegsschauplatz gewordenen Gebiet längere Zeit aufgehalten hat. Der Leitgedanke der Expedition war die Erforschung dieser Gebiete nach„ökologischen" Gesichtspunkten, d. h. es sollte die Abhängigkeit von Mensch und Tier von der Umwelt unter den besonders interessanten Verhältnissen des Chacos untersucht werden. Es zeigte sich nun, daß in diesen Gebieten die Einflüsse der Umwelt auf die Lebewesen außerordentlich stark sind: in der wasserarmen Ebene des Chaco-Jnnern ist die gesamte Tierwelt völlig verschieden von den tierischen Bewohnern der auf gleicher geographischer Breite liegenden Gebirgsrcgionen, die reich a» Niederschlägen sind. Bei den Chaco-Jndianern war nicht nur eine sehr starke körperliche, sondern auch eine seelische und kulturelle Abhängigkeit von der Umgebung festzustellen. Schließlich verdienen noch die Untersuchungen Prof. Kriegs her» vorgehoben zu werden, die er an weißen und vor allem an beut» s ch e n K o l o n i st e n im Chacogebiet angestellt hat. Das praktisch vielleicht wichtigste Ergebnis dieser Arbeiten besteht in der Fest- stellung, daß sich blonde und besonders hellfarbige Menschen als Kolonisten in tropischen Gebieten so schlecht eignen, daß ihnen die Ausführung eines derartigen Planes von vornherein unbedingt widerraten werden muß. Dr. H. Woltereck. Oer Abbruch wird fortgesetzt. Pape Ii, Gayl, Bracht u. Co., hochfeines Institut für Reinigung, versprachen in ihrem Prospekt, die wildein Parteibeamten durch garantierte Fachleute zu ersetzen. Ein prächtiges Beispiel für solche Reinigung war, neben vielem anderen, die hier schon gemeldete Umbesetzung des Theaterreferats i m Berliner Polizei- p r ä s i d i u.M. Genosse E. F. W. Behl, der es längere Zeit irnie hatte, ein hervorragender Kenner der Literatur, dessen kritische Aufsätze allgemeine Beachtung gesunden haban, wurde zum Fuhrwesen abkom»laudiert und an seine Stelle ein völlig im- bekannter Regierungsrat aus dem Bezirk des evangelischen Verein«- wesens, vordem in Schneidemühl wirksam, beordert. Jetzt wird dieser Herr auch den Vorsitz der bisher gleichfalls vom Genossen Behl geleiteten Berliner Prüfkammcr für Schmutz und Schund übernehmen. Das Schlachten geht weiter. Als nächstes wird der Künste ausschuß beim Berliner Polizeipräsidium, der vor wichtigen Entscheidungen, ob ein Eingriff der Polizei oder der Ge- richte erfolgen solle, befragt wurde, umgebaut. Der Polizeipräsident beruft diesen immerhin nicht unwichtigen Ausschuß, der Fehlgrisfe vermeiden soll, gemäß einer allgemeinen ministeriellen Verordnung, ini Einvernehmen mit dem Keneralstaatsanwalt, nach einer durch die zuständigen Verbände des Schrifttums, des Theaters, der bildeirden Künstler, der Erzieher, des Jugendschutzes und der Wohlfahrt vorgelegten Liste. Der geplante Umbqir scheint, mehr als bisher, konfessionelle Verbände und Vertreter der sin st er st en„Ertüchtigung" heranziehen zu wollen. Also: Achtung geben auf diese„weltanschauliche" Frische zu wollen. Also: Achtung geben auch auf diese„weltanschauliche" Frisur der Sachverständigen. Ein vorgeschichtliches Aiefenpanorama. Prosessor Leo Frobenius, einer der hervorragendsten Erforscher der prähistorischen Kultur Afrikas, ist von seiner Expedition zurück- gekehrt, die er nach Fezzan in Afrika unternommen hat. Der Begründer des Afrika-Archivs, das im Jahre 1921 zum„Forschung?- Institut für Kultur-Morphologie" erweitert worden ist, konnte auf Grund seiner bisherigen Erfahrungen in der Erforschung Afrikas neue große Erfolge erringen. Frobenius hat auf dieser Expedition eine große Anzahl von Höhlen entdeckt, in denen ganz gewaltige Bilder zum Teil in reicher Farbigkeit sich besinden. Hier sind zum erstenmal Riesenpanoramas hergestellt worden, die zum Teil mehr als 10 000 Jahre alt sind, und von dem Leben der Menschen jener Zeit Kenntnis geben. Frobenius läßt von allen seinen Funden Zeichnungen aufnehnien oder Photographien herstellen. Die Höhlen- bilder in Fezzan zeichnen sich dadurch aus, daß sie gewissermaßen als Reliefbilder hergestellt worden sind. Alles Getier, das in jenen verschollenen Jahrtausenden dort lebte und für den vorgeschichtlichen Menschen große Bedeutung hatte, findet sich hier in künstlerisch hochwertigen Darstellungen. So wur- den Felsbilder von Elefanten, Löwen, Giraffen und seltsamen Rindern mit eigenartigen Hörnern gefunden. Die Bilder, die zum Teil 4000 Jahre und älter sind, sind nach italienischen Nachrichten von ungewöhnlicher Schönheit und Plastik. Die künstlerischen Fähig- keiten der Menschen vor 6000 bis 8000 Jahren müssen bereits eine sehr hohe Stufe erreicht gehabt haben. Dieser hohe Kulturstand, der in den Höhlen Frankreichs und Spaniens sestgestellt wurde, ist auch hier in Fezzan zu beobachte, Die �rössnungsvorstellungen der Robert-Bühncn stehen nunmehr fest. Das Deutsche Äiinstlcr-Theatcr wird am 3. Oktober mit Molnos Lustspiet„T a s Märchen v o m W o l i" eröffnet. Am 10. Okto- der bringt die Tribüne die deutsche llraussnhrung von Silvio Gio- vaninettis Lustspiel«Der Spazier st o d", Worte und Taten. ?laziminister drücken Kriegsbeschädigtengehatt. Da? Reichsarbeitsgericht beschäftigte fich-in. diesen Tag�n mir einem Rechtsstreit, den der Bautechniker und Betriebsabmann K. in Schwerin-Görries gegen die Nazi regier ung des Frei- staates Mecklenburg-Schwerin sührt und der auch für alle anderen Schwerkriegsbeschädigten von prinzipieller- Bedcu- tung ist, Der Kläger K-, der im Kriege den linken Arm verlor und seinen Beruf als Maler und Bildhauer aufgeben mußte, wurde später als Bautechniker beschästigt. Seit 5 Jahren ist er als chochbautechniker im mecklenburgischen Staatsdienst tätig und ist Be- triebsobmann der Ange st eilten. Im November 1929 wurde der Dienstvertrag init ihm ge- schlössen. Eine Eingruppierung ist darin nicht vorgenommen, so»- der»«ine monatliche Vergütung von 359 Mark bestimmt. Infolge der Notverordnung hat die Vergütung des Klägers eine Kürzung erfahren. Der Kläger hat verlangt, daß er in die Gruppe VII kommt, weil er bereits 5 Jahrs in feinem Berus tätig sei. Die Regierung hat Abweisung der Klage beantragt und sich in erster Linie aust den§ 19 des Tarisvertrages bezogen, nach welchem in einem solchen Falle die Eingruppierung durch das F a ch m i n i st e r i u m zu erfolgen habe, der Rechtsweg also ausgeschlossen sei. Auch sei der Kläger infolge seiner schweren Kriegs- beschädigung nicht voll leistungsfähig und es fei deshalb notwendig, fein Gehalt um 40 Prozent herabzusetzen. Der Kläger erklärt, daß er seine Tätigkeil ohne jede Bean- standung ausführe und es sei eine chärte, ihm als Kriegsopfer sein Einkommen so erheblich zu vermindern. Das Landesarbeitsgericht hat die Klage abgewiesen. Das Reichs- arbeitsgericht hat auch die Revision zurückgewiesen. Für den Aus- stieg in eine höhere Gehaltsstuse sei allein dos Ministerium z u st ä n d i g. Es habe die Ansprüche des Klägers geprüft. Der körperliche Zustand des Klägers habe seine Arbeitskrast vermindert, so daß für ihn eine Eingruppierung in die Gehaltsstufe VII nicht in Frage komme. Aus diesen Gründen war der Revision der Er- folg zu oersagen.(RAG. 216/32.) Aus der ersten Berliner Stadtrandsiedlung wird ein chörberichti ..Berlin siedelt" heute, Freitag, 39. September, abends von 8.65 bis 9.15 Uhr, im Programm der Abteilung„Zeitsunk" gesendet. Wetter für Berlin: Teils heiter, teils bewölkt und ziemlich warm. Neigung zu einzelnen Reaenfällen. Mäßige bis frische südwestliche Winde.— Für Deutschland:'Allgemein wolkiges, zeit- weise aufheiterndes Wetter. Besonders in gebirgigen Gegenden einzelne Regensölle, ziemlich warm. Der..Vorwärts" erscheint woicheiitäglich zweimal. Sonntags und Montags einmal. die Abendausgabe sitr Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend", ?llustriertc Sonntagsbeilage„Volk und Zeit". Bezugspreise: Wöchentlich 75 Pf., inonatliäi 3,2, i M. ldavon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 60 Ps. Poftzeitung. und 72 Pf. Pöstbestcllgcbühren. Auslands» abonnemeni SM M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachenporto 4M M. Bei Ausfall der Lieferung wegen häherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Ersatz. Anzeigenpreise: Die einspaltige Millimeterzcile Zu Pf., Reklame. zeile 2,— M.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 29 Pf. tzutässtg zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 19 Pf. Worte über IS Buchstaben zählen siir zwei Worte. Rabatt laut Tarif. Arbeitsmarkt Millimcterzeile 2S Pf. Zamilienanzeigcn Millimeter, eile 19 Pf. Anzeigenannahme im.s> a u p t. ge schüft Lmdenstratze 3, wochentäglich von 8>z bis 17 Uhr. Der Verlag behält stch das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Verantwortlich für Politik: Victor Schiff: Wirtschaft:®. Klingelhöscr; Eewerkschastsbewegung. 3. Steiner; Feuilleton: Herbert Lepdre; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstadt. Anzeigen: Otto Sengst: sämtlich in Berlin, Verlag: Vorwärts-Verlag©L m. b. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SM. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. il i s Ii I Ii u g! Winlermanlel, Anzüge RM. 68.—, 48.—, 38.—, 25— Damenmanlel, Kleider RM. 35.-. 24.50, 19.75, 12.50 Anzahlung 4 Monatsraten FLUSS, RosenthalerStr.58 namen-iyianiei ru ganz niedrigen Preisen Ma Ran fertig uns sper. für-starke Damen Paul Linck, Damen-Mäntel-Faörik u. Hdlg., Neukölln, Rcolerstr. 63 Thea.iet Ltdtlsptele usw ffaats Ttocalcr staatsoper Unter den Linden Freitag: 26. Ab.-Vorstellung Ariadne auf Naxos Maria Jvogün a. G. Konetzni, Heidersbach, Wiurisch, Qroßmann, Henke, Kern.— Dirigent: Blech. Beginn 20 Uhr(R) Not und Uffltauscbscheiue ungültig. staatliches Schauspielhaus Freitag: 2fi. Ab-Vorstellung Was ihr wollt v. Mendelssohn Bard, Koppenhöfer, Otto. Leibelt, Weber, Wäscher Bildt, Frank. Schmitthenner. Beginn 20 Uhr(8) I Stoffe für Leib- und Bettwäsche, Kleider- u. Seidenstoffe aller Art xu«norm bllllgan Pr«l»«n—— Verkaufszeit 8— 5 Uhr, Sonnaöends 8— 2 Uhr Mechanische Feinweberei Adlershof A.- G. Der Revisor VOLKSBOHNE Theater am Bttlowpiatz D 1. Norden 2944. AIIaltendHch 8*4 Uhr von Gogol Regie; Heinz Hilpert Auch Stgs. 3': Uhr. Preise: 0,75 bis 4.00 Stadl. Oper Charlottenbure Fraunhofer 0231 Freitag, 30. Sept. Turnus>1 Siegfried 19 Uhr Pisler, Helm, Hofmann, Gombert, Kandl, Müller, Schirach, Hedlund. Dir. Fritz Stiedry 1 5 a.815,Stgs. 2f5.815ü. Heute 1 letzter Tagrf Frau im Hermelin WM IHM Weidend. 5201. 8 Uhr Rose Bernd von Gerhart Hauptmann mit Paula wessBlv Kammerspiele 8'.'« Uhr Schicksal nachWunsch Komödie v. Christa Winsloe Regie; Rudolf Beer Melzer, Ullrich, Riemann. Abel, Brausewetter Dietz- Antiquariats-Woche Der sensationelleVerkauf einesleils unserer Restbestände Hat begonnen. Jeder muß diese Gelegenheit wahrnehmen 136 Absetzt Hier nur einige Beispiele: \ A/___J_ 1 r~„ Das 19. Jahrhundert in der Karikatur. Mit 13: Wenaei, II. bildungen........... Früher 7,50 \A/ C.. Der Sozialismus in der Karikatur. Mit 11 mehrfarbig. VVSnQSI� Fl. Tafeln und 175 Illustrationen.. Früher 12,00 jetzt 7� �«Ls D D'® Geschichte einer armen Johanna, Roman Z.SCn� 1. i Früher 5,25 jetzt Zech, P. Das törichte Herz, 3 Erzählungen..... Früher 5,00 jetzt W O h T 1 0 Querschläger, Tagebuch eines Kanoniers. Früher 4,00 jetzt Menschen und Schiffe in der kaiserlichen Flotte rerSIUS Früher 4,20 jetzt O Ferdinand Lassalle. Eine Würdigung des Lehrers Dernstem Kämpfers........ Halbleder. Früher 10,00 und jetzt 0 85 f V5 1 65 1/ 1 65 1 r 1 65 1/ 1 65 1/ 9 85 *-/ Molnar Buben und Mädel. Dialoge. Früher 5.50 0.95 Heltay Das Familienhatel. Roman.. Früher 5.50 0.95 Brody Der Held des lages. Roman.. Früher 5.50 0.95 Alle drei Bände zusammen bezogen Mk. 2.50 Wir empfehlen, da die Bestände der einzelnen Werke nur klein sind, Ihre Bestellung sofort aufzugeben! Parteibuchhandluno J.H.W.Dietz Nachf. Berlin SW68, Lindenstr. 2, am Halleschen Tor PROGRAMM für die Zeit vom 30. Sept. bis 3, Okt. -T A F E L © PROGRAMM für die Zeit vom 30. Sept. bis 3. Okt. Z e n t r u i Primus-Palast Potsdamer Straße 1!>. Uraufführung! Taimenberjf Für Jugendliche freigegeben! W. 5.15, 7.15, 9.15. S. ab 3.15 Uhr Potsdamer Straße 38 Da» schöne Abenteuer mit Käthe-3. Wagy* W. Alhueh- Retty, Sandroek. Wallburg W. 5. 7, 9 Uhr. S. 3. 5, 7. 9 Uhr Odeon.PotsdamerStrJS Ich will nicht wiMsen 33 er du bist m. T Haid. Fröhlich. — Scherben bringen Glürk. W. 5, 7. 9 Uhr. S- 3. 5. 7. 9 Uhr Turmstraße 12 Gräfin Hariza mit Hub. Ma- rischka. Dor. ATieck. Szöke Szakall.— Jugendliche Zutritt W. 5, 7. 9 Uhr. S. 3, 5. 7. 9 Uhr Alexanderstraße 39-40 (Passagse) Quick mit Uarvcy. Alber«. — Wer zahlt heute noeh? mit Jlax Ehrlich. Vallentin. Den ganzen Tag geöffnet. S. ab 3 U. Bio-Lichtspiele Hackescher Markt 2-3 Tageskino ab 12 Uhr Sonntags ab 2 Uhr Jugendvorstellung H olkenatürmer(Fnegertonfilm). — Da» tlädel von.Montpar- naA«(e mit Hchulz c Friedrichstadt A ladin Alhambra Mülierslr. 136, Ecke Seestraßc. Drei von der Kavallerie mit Paul Hörbiger. F. Kampers, P. Heidemann W. 5, 7, 9 Uhr. S. 3, 5, 7. 9 Uhr Germania-Palast Charl., Wilmersdorfer Str. 53/51 Gräfin!Uariza mit Hub. IIa- rischka. Dor. Wieck. Szöke Szakall.— Jugendliche Zutritt •W. 5. 7, 9 Uhr. S. 3. 5, 7. 9 Uhr Kant-Lichtspiele Kantstraße 54. Ich-n III nicht b issen is er du blttt m. G. Haid. Fröhlich. — Scherben bringen Glück. W. 5. 7, 9 Uhr. S. 3. 5, 7. 9 Uhr Tonfilm- Tagreskino Friedrichstraße 112a (am Oranienburger Tor) Um 9. 12. 3. 6, 9 Uhr beginnend: Der Boß mit Will Roger* Um 10.30, 1.30, 4.30, 7.30, 10.30 Uhr beginnend: Johann Strauß mit II ich. Bohnen. Gee Parry r fa-Ton- Wochenschau c Zeli Zehlendorf-Mitte Beginn tägl. 5, 7. 9 Uhr Stg. 3 Uhr Jugendvorstcll Potsdamer Str. 58. Quick mit Kilian Harles. Hans Albers.— Gutes Tonfilmbei- pro�ramm » Steglitz§ Titania-Palast Franziskaner Georgenstraße. E. Friedrichstr, Um 9. 12, 3, 6. 9 Uhr beginnend: Her Prinz �on Arkadien mit Glane Haid. Willi Forst Um 10.30, 1.30, 4.30, 7.30, 10.30 Uhr beginnend: Her Hexer Kriminal-Fi Im von Edgar Wallacc Emelka-Ton- Wochenschau Die Kamera undLfu VV. 5. 7. 9 Uhr S 3. 5. 7. 9 Uhr Her Tugsendkönig;. Regie: Dcs- champs.— Chaplins Traum.— Beiprogramm— Tonwoche fl Moabit> Alhambra Neukölln Artushof Wocbent. ab 6 Uhr Sonntags ab 5 Uhr Perleberger Str. 29. Brei von der Kavallerie mit Kamper*.— Der ungscfreue Eckehart imt Roberts.— Tont». �___ tharsottent»urg__� Schlüter-Theater Schlülerstr. 17 Stg. 3 Uhr: Jugd.-V. Strafsache van Geldern mit Kampers.— Der wundervolle Foxfilm: Jlutter. Ä Wocbent. 7, 914 U. Atrium stg 5. 7. ouu. Kaiseraliee. Ecke Berliner Straße Urauff.: Kikl«Regie: Karl Lamac) mit Anny Ondra. H. Thimig.— Tonfilm bei Programm \V.6.30, 9 U. Stg.4.6.30. 9U. Steglitz. Schloßstr 5. Ecke Gutsmuthsstr. Urauff.: Tannenberg;(Regie: Hein/. Paul).- Jugendliche haben Zutritt. — Tonfilmbeiprogramm Kronen-Lichtspiele Rheinstraße 65 Beginn: 7. 9 Uhr. Sbd.. Stg. 5, 7. 9 Uhr Oas �lädel von.Hont parnasse mit Schulz.— Beipr.— Woche W D Variete Tonfilm Hanpistraße 30 Bas schöne Abenteuer mit K. �on Vajf.v.— Bühne; Revue A onus im Tanz____ Titania Schöneberg Hauptstr 49 W. 5, letzte 9 ühi- S. ah 3 Uhr Groütonfilm: Ich w ill nicht vi, *cn. � er du bist.— Tonbcipr. Film-Palast Kammersäle Tellower Str. 1 W ab 5.30. S. ab 3.30 2 Großtonfilme: Die Herrin von Atlantis mit Brigitte Helm.— Zwei v om Südexpreß 17�__- Wochentags ab 6�3 LXCelStOT Sonntags ab 4 Uhr Kaiser-Friedrich-Straße 191 Drei von der Kavallerie mit Kampers.. Hörbiger. Heide mann.— Tonbeiprogramm l7"- 7.7 Wochentags ab 61 3 IxUnUn Sonntags ab 4 Uhr Kottbusser Damm 92 Da» schöne Abenteuer mit Käthe von\agy. Wallburg.— Tonbeiprofframm Mercedes-Palast sti.6kb�u; Hermannslr. 212. 2 Großtonfilme; Sehnsucht 202.— Die 2 vom Südexpreß.— Sonnab. 2.30 Uhr; Gr. Jug.-V. m. Film- u. Bühnenprogr. Primus-Palast �tg6'!bl u! Am Hermannplatz. Urbanslr. 72/76. Die Herrin von Atlantis mit Brix: Helm.— Das Jlädel von llontparnasse mit Schuir, Stern, Hermannstraße 49 Wochentags ab 6U' Sonntags ab 4 Uhr Da» schöne Abenteuer mit Käthe von Aagj. Wallburg'.— Tonbeiprogrramm 1 sagen» Theater am Moritzplatz W 6. 8.45 Uhr. S ab 4.30 Uhr Jlensch ohne\amen mit Der ner Kraus.— Tonbeiprojrramm c Tempelhof W. 7, 9, Sbd. Stg. 5. 7, 9 HUTTUrSZ stg. 3 Uhr: Jgd.-Vorst Dorfstraße 22 Ecke Berliner Straße Ich-a ill nicht wissen n er du bist mit Liane Haid. Fröhlich — Tonbeiprojrramm 9 Uhr 9 Uhr Tivoli Täglich: 5, Sonnt.; 3, 5, Berliner Straße 97» Tonoperetie; Da» schöne. Aben teuer mit Käthe v. yagy. Otto Wallburg.— Tonbeiprogramm MariendorF Ma-Li',ariendorfe' W 7. 9. S. 5. 7. 9 Tonlichtspicle Chausseesir 3t)ö Tonoperettr: Sehnsucht 202 mit Mauda Schneider. Fr. Schulz. — Tonbelprogramm Stella-Palast � uSr Köpenlckcr Straße 12—14 Käthe von Xagy » in dem großen Tonfilm-Erfolg: Das schöne Abenteuer Dazu Auktion auf der Kinobühne und Variete U Treptow"b Treptow-Sternwarte Sonnabend 8 Uhr, Sonntag 4. 6, 8 Uhr, Dienstag 8 Uhr: Waldmenschen(Expeditionsfilm). — Filmbelprogramm ■■ Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Richard Oswalds ausgezeichnetes Meisterwerk: Cnheimliche Geschichten mit Paul Wejgener, Eugen Klopfer. Harald Paulsen Buhne: 3 Variete- Attraktionen Dr. Knau er dirigiert sein Orchester Deatsch-Amerih. Theater Köpenicker Str. 68. Beg. 4' 6, T1-» Drei von der Kavallerie mit Hörbiger.— Moderne Jlitjcift mit Warfha Ejfßerth Luna-Palast Woch. 5 Uhr Sonnt, ab 3 Uhr Gr Frankfurter Str. 121. Die Herrin von Atlantis mit Brigitte Helm.— Da» �lädel > on �Vontparnasse— Tonn. Schwarzer Adler auÄ W 5. 7. 9 Uhr. S. 3. 5. 7. 9 Uhr Da* schöne Abenteuer mit Käthe v Xag.v.— Bühne: Seal- tiel, Meister-Taschendieb Volks-Kino Königstadt Schönhauser Allee 10/11 Wochent. 5 Uhr, Sonnt. 3 U.: Jgd.-V. Ab Sonntag: Jloderne.�litgift mit Martha Eggerth.— Tonbeipr. � Neu-ilchtenberg�� Kosmos-Lichtspiele Lücksir. 70. W. 5, Stg. 3, letzte 9 Uhr Quick mit L,illan Harvey. Haue Alber».— Tonbeiprogramm-— Orchester.— Kapelle Ihlert �_jFrlearlchsFelde__p Vinn Rrterk Wochentags 6 Uhr AllZO DUSCn Sonntags ab 5 ühj Alt-Friedrichsfelde 3. Quick mit L. Harvej. Alber». — Tonbeiprogr.— Tonwoche. Ab 1. Okt.; Moni.— Do.: 8. sonst 5 Uhr Palast-Theater Breite Str. 21a. W. 7, 9, Stg. 5, 7, 9 ü. Teilnehmer antwortet nicht mit Gustaf Grundgens, Dorothea Wieck t_Ll2iL_P Filmpalast Tegel sfi. Bahnhofslr. 2. Stg. 2 Uhr; Jug.-V. Die verkaufte Braut, mit Dom- graf-Faßbaender.— Die verliebte Firma Filmeck W. ab ßVa U. Stg. ab 3 U. Am Görlitzer Bahnhof Die Herrin von Atlantis mit Brigitte Helm Die z.wei vom Südexpreß mit Trude Berliner Luisen- Theater sü3 abl u: Reichcnberger Str. 34 Ich Wu Ja so verliebt mit Felix Bressart Straßen der Weltstadt der Alkoholschmuggler- Großtonfilm Viktoria-Theater sTg0ahblu5 Frankfurter Allee 48 TonfilmopereUe; Da» schöne Abenteuer mit Käthe V. Sfaey. — Tonbeiprograrom ■��»lordo»ten_�p " Prenzlauer „Clysium Allee 56 W. 3.15, 6.30, 9.15. S. 3, 4.15, 5.30, 9.15 Die Herrin ron Atlantis mit Drix Helm.— Autobanditen. — Beiprogramm Flora-Lichtspiele�� Tägl.: 5.45, 7. 8.45 Uhr. Stg. äb 3 Uhr Die verkaufte Braut mit �lar mila A'ovotna.— Zwei glückliche Tage mit Ida Wüst KoSmOS Bühne W. 6. 8% Uhr S. 4�. 6�. Hauptstr. 6. Lustige Tage im Kosmos! •Ich bin ja so verliebt mit Bressart.— Dick und Dof hinter Schloß und Riegel Union-Theater Wocht 6' � Hauptstr. 3. S. 414. 6%. 8% Slg. 2 Uhr: Jug.-Vorst. F» geht um alles mit Verebe». — Es tvird geheiratet.— D ochc /7;l Be? W. 6. 8.30 Uhr riimpaiast sus tu. eih. 8% u. Berliner Str. 59 ktzchuh im Horgengrauen mit C. E. Diehl.— Der falsche Tenor mit F. Haumann (Beilage Freitag, 30. September 1932 DrrAlinii) %nlnuiinß» tU lormisJi Neuroder Bergleute siedeln Seit die verantwortlichen Stellen den durch die Stillegung der WeriZeslausgrube im Kreise Neurode erwerbslos werdenden Berg- leuten Hilfe in anderer Form zugesagt haben, ist manche Derände- rung in den politischen Verhältnissen eingetreten. Mit Brüning fiel auch sein Siedlungsprogranim, und was von der geplanten lbnsied- lung der Kumpel im Neuroder Revier übrig bleiben wird, kann erst die Zukunft erweisen. Die Anfänge sind bisher recht bescheiden ge- blieben. An die zwanzig erwerbslosen Bergleute haben auf dem Iesuitenhos in Mittelsteine, Kreis Neurode, Siedlerstellen bezogen und bergen bereits die Ernte. Für 32 weitere besiedelt die„Dewog" das Rittergut Jätzdorf, Kreis Ohlau. * In der weitflächigen Oderniederung liegt Jätzdorf, etwa drei Kilo- meter von der Kreisstadt Ohlau entfernt, deren Kirchtürme man bei dem ungehinderten Blick übers Land in der Ferne liegen sieht. 1800 Morgen Land und Wiese engen den Ort wie drei gewaltige Keile ein, und durch jeden dieser Keile führt eine der Hauptstraßen. Das Ge- lände ist in ausgezeichneter Weife erschlossen,«in für die Siedler nicht unerheblicher Vorteil. Das Rittergut gehörte einem der in Ostelbien nicht dünn gesäten„von und zu"; es hatte ohne Zweifel günstige Lebensbedingungen. Die„Molkerei Jätzdorf" trug den Namen des Betriebes bis ins eine Stunde Bahnfahrt entfernte Breslau, und die große„Jätzdorfer Mühle G. m. b. H." hätte eine günstige Auswertung der Getreideproduktion gewissermaßen an Ort und Stelle unschwer ermöglicht. Wenn aber die Wirtschaftlichkeit eines Rittergutes gesichert sein soll, dürften die Lebcnsansprüche der Herren nicht so große sein. Jätzdorf sollte ein Schloß mit Herrschaft und Personal tragen, das einen Aufwand von jährlich 40 000 Mark erforderte und lediglich zu dem Ziele führte, daß dos Gut nnt einer Belastung von etwa 800 Mark auf den Morgen zusammenbrach. Heute verwildert ein kostspieliger Park; über die Verwendung des geräumigen und schön gelegenen Schlosses zerbricht sich die Siedlungs- gesellschast den Kopf. In normalen Zeiten wäre diese Frag« nicht schwer zu lösen. Jetzt aber bleiben die Räume verschlossen und die Jalousien heruntergelassen: der Verpachtung an den früheren Be- siger, den die zwangsiveise Enteignung des Rittergutes nicht gerade erfreut hat, begegnet nian begreiflicherweise mit einiger Skepsis. Zu- nächst wohnen einmal in de» Kellerräumen die Siedler, eine aus- gesucksic Gruppe von besonders tüchtigen und zuverlässigen, landwirt- schaftlich schon einigermaßen erfahrenen Bergleuten aus den ver- schiedenstcn Orten des Kreises Reurode. Sie sollen— so will es das Gesetz— am Aufbau ihrer Stellen in weitgehendem Maße beteiligt sein. Die vorläufige Unterbringung ist selbstverständlich nicht luxuriös: aber sie genügt den Ansprüchen, die man an ein Schlasquarticr stellen kann. Für die Verpflegung kommt die SiedlungsgeseUschaft auf, wie die Siedler versichern, in ausreichender und guter Weife. Zwei Landarbeiterinne» des Gutes sind die„Kostmütter". Ein Verwalter der Siedl» ngsgescllschast, den neben seinem unverfälscht ostprcußijchcu Dialekt eine unerschütterliche Ruhe auszeichnet, sorgt für die un- gehinderte Abwicklung der Arbeiten auf dein Gute, aus dessen Er- trag die Nahrung für die Siedler im wesentlichen kommen muß. Der Mann hat fiir unsere Zait fast sinichildtichc Bedeutung? wer die. «iinden von Baronen z» liquidieren hat, braucht nichts notwendiger wie diejc uuerfchiitterlichc Ruhe. Auf den Feldern wird die Ernte eingebracht: zu gleicher Zeit liegt der Plan ihrer Aufteilung schon sest. Für jede kommende Siedlerstelle werden die Brunnen gebohrt. Normalerweise muß man drei bis vier Meter tief: aus dem„Berge" jedmh, einer Bodenwelle, die der Laie kaum wahrnimmt, wird acht bis neun Meter gebcchrt. um auf das notwendige Naß zu kommen. Die Bergleute selbst laden schon die Ziegeln ab, aus denen ihre Häuser erstehen sollen: sie tun es mit dem frohen Stolz, auf„eigenem Gelände" zu sein-, daneben schichten sich die Betonrähren für die Brunnenschächte, Holz und Materialien fiir die Bauten. * 32 Stellen entstehen, jede zu etwa 20 Morgen Land und vier Morgen Wiese. Acht Stellen sind Ausbaustellen, d. h. vorhandene Gebäude des Gutshoses werden so ausgebaut, daß sie die für eine Banernstelle notwendigen Räumlichkeiten ergeben. Das dazugehörige Land ist voni Gutshase leicht erreichbar. In diese Stellen kommen vorwiegend frühere Landarbeiter des Gutes, die nach dem Gesetz, soweit angängig, übernommen und untergebracht werden müssen. Die restlichen 24 Stellen sind N e u b a u st c l l e n: der künftige Bauer erhält sein Haus mit allem Zubehör aufs eigene Gelände ge- setzt. Nur die Wiesen liegen etwas seitab: das ergab sich aus der Lage des vorhandenen Wicscngeländes und gilt für alle. * In rein ländlicher Gegend nimmt man industrielle Siedler nicht mit allzu freundlichen Gefiihlcn aus. Der Landarbeiter sieht eine Konkurrenz kommen. Der Gutsbeamte und der Bauer hoben in dieser gespannten Zeit„politische Befürchtungen". Der Ort hatte 100 Nazistimm«» und 52 für die Partei: ma» fürchtet einen„Ruck nach links", und daß ein evangelischer Seelsorger„religiös« Bc- denken" hat. kommt als weitere Selbstverständlichkeit hinzu. Das olles aber sind„Hindernisse", die sich überwinden lassen. Aus den Augen der Siedler spricht die Freude darüber, endlich wieder ein Ziel zu sehen. Ihre Hände sind das Zufassen gewöhnt und leicht ist ihnen von jeher das Dasein nicht geworden. Sie geben ihrer tiefen Bc- friedigung Ausdruck, endlich wieder Arbeit und eine Ausgabe zu haben: erst ganz im Hintergrund steht der Gedanke:„Wenn's nur gut ginge!" Damit dürfte es am allerwenigsten Gefahr hoben. Der Boden ist gut: arbeitsharte, an schwere Kämpfe gewöhnte Menschen nehmen bei besten Vorbedingungen die Arbeit in Angriss. Die wichtigste Kraft leitet ihre Vorbereitungen schon jetzt und joll sich fiir die Dauer als tragendes Fundament des neue» Daseins bewähren, das die Neuroöer Bergleute hier zu beginnen sich anschicken: gegen- seitige j)ilse, Solidarität— der Grundpfeiler der Arbeiter- bcwegung überhaupt. * Die Verbindung mit den grünen Bergen des Neuroder Landes ging nicht verloren. Frau und Kinder weilen noch dort: wir nehmen herzliche Grüße mit, sollen selber auch wiederkommen und„wenn alles fertig ist, möglichst ganz hinkommen!" Ohlau bleibt in später Abendstunde hinter uns. An die politische Hochspannung erinnern nur noch die häufiger als gewahnt austretenden Uniformen der Land- jäger, da und dort auch die eines Reichswehrsoldotcn. Ansiedlung von Industriearbeitern würde eine so gewaltige Auffrischung des Landes bringen, daß schon digjer Ausgleich den Ueberfall van Stadt- gebieten durch aus den Schlupfwinkeln des flachen Landes vor- stoßende Nazi-Iruppen unmöglich machen wurde. Die„Vermev- Hermann Wendel: JcLCQUeS Necker Zu seinem zweihundertsten Geburtstag Der Name Jacques Necker steht in großen Buchstaben auf der ersten Seite der Geschichte der französischen Revolution. Denn als in den Mittagsstunden des 12. Juli 1789 Paris erfuhr, daß der König diesen volkstümlichen Minister Knall und Fall weggeschickt habe, witterte das Volk dahinter mit Recht den Staatsstreich, den brutalen Schlag gegen alle Hoffnungen und Erwartungen, in denen sich Frankreich seit Zusammentritt der Generalständc gefiel. Und da die Pariser keine Limonade in den Adern hotten, ballten sie die Fäuste nicht in der Tasche, sondern rotteten sich zusammen, bcwaff- neten sich und stürmten zwei Tage später die Trutz- und Zwingburg des Despotismus, die B a st i l l e. Die Entlassung N e ck e r s entband dieses Ereignis mit seinen unübersehbaren Folgen: dieser Tag. der in den Annale« nicht nur Frankreichs, sondern der Mensch- heit denkwürdig bleiben wird, trug die Farben N e ck e r s: da die Livree seiner Lakaien grün war, steckte sich das Volk grüne Blätter als Kokarden der Freiheit an. Aber der Mann, der derart die Revolution ins Rollen brachte, war alles andere als ein Revolutionär. Jahrzehnte- lang hatte er den friedlichen und einträglichen Beruf eines Bankiers ausgeübt. Am 30. September 173 2 in Genf geboren, kam er in jungen Jahren nach Poris, um sich in kurzer Zeit durch kühne Spekulationen das für damals märchenhafte Vermögen von acht- einhalb Millionen Franken zu„verdienen". Aber da sein Ehrgeiz. der immer wieder von seiner schönen und gescheiten Gattin onge- stachelt wurde, höher hinaus wollte, suchte er nach seinem Aus- scheiden aus dem Bankhaus durch Schriftstellerei namentlich national- ökonomischer Art die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Es gelang ihm 1778 mit einer Abhandlung über Gctreidehandel und Getreide- gesctze, die, gegen das Freihondelsprinzip der Physiokraten gekehrt, zugunsten eines erschwinglichen Brotpreises für staatliche Beschrän- kung des Kornhondels zumal in Notzeiten eintrat. Da das Werk auch in kritischer Weise für das Elend der Massen das Privateigen- tum verantwortlich machte, wurde sein Verfasser gelegentlich zu den S t a a t s s o z i a l i st e n gerechnet: im„Wörterbuch der Volkswirt- schast" etwa wird N e ck e r unter dem Stichwort„Sozialismus und Kommunismus" behandelt. In der Tat arbeitete er in dieser Schrist und zehn Jahre später in einem Buch über die Finanzvermaltung Frankreichs den Gegensatz zwischen Reich und Arm, zwischen Luxus und Bedürftigkeit scharf heraus: Lassalles„Eisernes Lohngesetz" nahm er mit der Feststellung vorweg, daß der Arbeitslohn immer bestimmt werde„durch den Preis des für den Arboiter notwendigen Lebensunterhalts". Auch kam er ouf die Entdeckung, daß alle „inskit»tioii> eivito-.", also alle Gesetze und Staatseinrichtuuqen von den Besitzenden gemocht worden seien: säst klang es wie der dumpfe Groll der sozial Enterbten, wenn dieser Millionär dartot: :„Eine kleiir« Anzahl von Mensch«» hat sich in die Erde geteilt und hinterher Gesetze geschosfen. um sich gegen die Masse zu schützen. wie maN im Walde-einen Verhau zur Abwehr wilder Tiere er- errichtet.»-r Für' die zahlreichste Klasse der Staatsbürger aber hat man fast nichts getan. Was kümmern uns eure Eigentumsgcsehc? könnten sie sogen, wir besitzen nichts! Was gehen uns eure Prozeß- gesetze an? Wir hoben nichts zu verteidigen! Was sollen uns eure Freiheitsgesetze? Arbeiten wir morgen nicht, so verhungern wir!" Mancher Zeitgenosse verübelte es N e ck e r denn, daß er, wie sich der Bruder des Ministers T u r g o t ausdrückte,„sich mit solcher Leidenschaft gegen die Klasse der Besitzenden für die Klasse der Besitzlosen ereifere", aber noch die heftigsten dieser Ausfälle stein- pelten den Mann aus Genf lediglich, wie Jauräs überzeugend nachweist, zum Ideologen, zum Fürsprech der Kapito- l i st e n k l a s s e. die niedrige Getreidepreise brauchte, um in Handel und Gewerbe niedrige Löhne zahlen zu können. Wie wenig von einem Umstürzler in ihm steckte, offenbarte N c ck e r. als er das Ziel seines Ehrgeizes erreicht hotte und von 1770 bis 178l und wiederum von 1788 bis 1790 an der Spitze der F i n a n z v e r w a l t u n g stand. Die Machthaber begingen nur deshalb den dreifachen Frevel, einen Bürgerlichen, einen Pro-- teftanten und einen Ausländer mit einem der höchsten Staats- ämter zu betrauen, weil sie ihn für einen Zauberkünstler hielten. der die verzweifelt leeren Staatskassen rasch und leicht füllen werde. Wirtlich finanzierte N e ck e r durch Anleihen allerdings recht bedenklicher Art den in Nordamerika gesührten Krieg Frankreichs gegen England, aber er sah auch ein, daß ohne Reformen des Staates und der Wirtschast aus die Dauer die Finanz- not nicht zu beheben sei. Das englische Vorbild vor Augen, dachte er an eine Verfassung, doch die Provinzialversamm- l u n g e n, die er vorschlug und auch nur in zwei Provinzen durch- setzte, waren kaum ein lahmer Anlauf zu der parlamentarischen Beteiligung der Ration an den Regierungsgeschäften. Sicher zeigte er sich auf seinem Posten als redlicher und rechtlicher Mann, der sich manchen Hassesousbruch der Aristokratensippe wohlverdiente. Er stellte das mittelalterlich verkommene Gefängnis- und Kranken- Hauswesen auf neue Grundlagen, strich eine Reihe der schmorotzer- haftesten Hofämter und scucrte die in den Vorzimmern des Mi- nifters herumlungernden Psründenjäger rücksichtslos hinaus: einer hochadcligen Dame, die um tausend Taler Pension bettelte und meinte, was seien denn schon tausend Taler, erwiderte er ernst: „Es ist die Grundsteuer eines ganzen Dorfes!" Aber voller Vor- ficht und Rücksicht, beflissen, es mit Adel und Geistlichkeit um keinen Preis zu verderben, wagte er nie und nimmer, die Axt an die Wurzel des Uebels zu legen, an die Steuerfreiheit der privilegierten Stände. Auch fein Rechenschaftsbericht über die Slaalsfinanzen von 1781, nach dem ganz Europa gierig griff, hotte keinen anderen Zweck als den Kredit Frankreichs zu heben, aber ob er zu diesem Ende auch ein rechtes Zahleiikunststück und Blendwerk war, ver- setzte doch die Tatsache, daß zum erstenmal der Oesfentlichkeit zur Nachprüfung ein Einblick in den Staatshaushalt gewährt wurde, dem seit je und je kontrollelos gebietenden Selbstherrschertum der Bourbonen einen nicht zu verwindenden Stoß. Der Rechenschafts- bericht war kein Buch, sondern eine Tat, die den Finanz- minister, ohne daß er es mußte und wollte, zu einem der Weg- bereiter der Revolution machte. Daß sich die Geschichte N e ck e r s aber nur als eines blinden Werkzeugs bediente, enthüllten grausam die Jahre 1788 bis 1790, da er. berufen, den drohenden Staatsbankrott zu bannen, abermals die Finoiizverwaltuug leitete. Zu Unrecht nennt ihn ein Historiker einen„Minister der Bourgeoisie", denn von dem revolutionären Elan des französischen Bürgertums an dieser Zeiten- und Schick- salswende hotte der Genfer Caloinist nichts in sich. Zaudernd und zögernd, ratlos und willenlos, war er den Problemen und Ereignissen bei weitem nicht gewochsen, als die Schleusen einmal aufgezogen waren und die Wasser stru- delteu. Im Grunde nur ein eitler, wichtigmachcrischer Empor- kämmling mit dem Weitblick nicht eines Bankiers, sondern eines Bonkbuchhalter, begriff er diese Probleme und Ereignisse nicht ein- mal. Was immer er bewußt in diesen Jahren tat. ob er bei Er- öffnung der Generalständc die Lage so rasig malte, daß die Welt fragen durste, warum denn überhaupt die Abgeordneten zusanimen- berufen seien, ob er dem Druck des Rotbuchs widersprach, das mit genauen Ziffern die Günstlings- und Schmarotzerwirtschast des Hofes anprangerte, ob er gegen die Eindämmung der Königs- gewalt, gegen die Enteignung der Kirche, gegen die Abschaffung des Adels austrat, alles wirkte im Sinne der G e g e n r e v o- l u t i o n. So rann ihm die Volkstümlichkeit, mit der er sich so -blähte, wie Sand durch die Finger. Als er im September 1790 der Nationalversammlung in einem Schreiben, das fettig glänzte von Eigeiilob, seinen Rücktritt anzeigte, wurde die Botschast mit eisigem Schweigen aufgenommen, und als er abreiste, um noch vierzehn Jahre auf seinem Landsitz Coppct bei Gens den Weihrauch zu atmen, den er sich selber oder den ihm seine Tochter, Madame de Stael, abbrannte, folgten ihm die Flüche und Verwün- schungen eines ganzen Volkes. An jenem 12. Juli 1789, als er im Zenith seiner Beliebtheit stand, holte die Menge die Büste N e ck c r s aus einem Wachs- figurenkabinett und trug sie, mit Trauerflor behängt, durch die Straßen. Wäre N e ck c r im September 1790 nicht beizeiten ver- schwunden, hätte die gleiche Menge wohl eines Tags seinen Kopf in natura auf einer Picke durch Paris getragen. gimg" der Bevölkerung wäre ein politischer Sicherheitsfaktor. Aver die Regierung der Barone will es anders: sie schützt den längst bankerotte» ostelbischen Grundbesitz. Er slüchtet zuerst in da- schützende Sicherungsversohren, und für die Zwangsversteigerung von Gütern fiir Siedlungszwecke hat die öficntliche Hand„kein Geld". Damit kommt ein volkswirtschaftlich wie politisch gesundes Werk ins Stocken: die Arbeit aller Siedlungsgesellschaften wird gehemmt und Millionen, die gern aus eigener Scholle ihr Brot erarbeiten möchten, haben das„Zukunftsland" der Arbeitsdienstpflicht— lies Zwangs- arbeit— vor sich, ohne daß die Frage einer Lösung näher. käme, wer dann für ihre Familien auskommt. Aus den Latifundien aber halten sich auf Kosten der Allgemeinheit die Herren von und zu, weil ihnen die polittsche Entwicklung über die Hitlerstimmen die Reichsgewalt in die Hände spielte. Auch auf dem Gebiete der Siedlung bezahlt der Arbeiter diese Entwicklung mit dem Perlust einer Existenzmöglichkeit, aus die Tausende chre Hoffnung setzten. Remhold Zun in er. Das letzte Rettungsmittel Die größten Jammerer sind nicht immer die größten Per- licrcr. In einer betriebsamen Provinzstadt, wo die Reichen fast ebenso reich geblieben, aber die Armen viel armer geworden sind, hörte ich ciiien wohlgenährt aussehenden Geschästsman» einem asfenbar befreundeten Ehepaar am Nebentisch soviel über den schlechten Geschäftsgang vorjammern, daß mir der Appetit ver- ging. Ich hatte das Gefühl, nieiue Löffelerbsenterrinc vor diesen Märtyrer der Krise hinstellen zu müssen, dem scheinbar buchstäblich die Haut abgezogen wurde: Da, nimm, du Aermstcr, wollte ich sagen, nimm alles hin, was ich noch zu eigen habe, meine Bade- karte, mein Ilmsteigebillet, mein letztes Hemde. Da rasselte und klapperte es nebenan, und in ehrfurchtsvollem Schweigen wurde eine aufreizend duftende braune Knuspergans auf den Tisch gestellt, auf den Stuhl davor ein Eiskühler. Ich siel aus meine spartanische Suppe zurück, da unterbrach das Geschmatze und Geschlürfe am Nebentisch die Stimme der Frau, die den Faden des Gesprächs wieder ausnahm: „Ja, mein Lieber, wenn die Dinge so mit Ihne» stehen", sagte sie, dem schicksalsgeschlagenen Geschäftsmann einen bedauernden Blick zuwersend,„dann wird Ihnen wohl nichts anderes übrig- bleiben.— Sie müssen eben: Sie müssen ganz einfach das Kapital angreifen." Hebe. Der lachende Tote Vor einigen Jahren starb der Gatte einer alten Dame eines derart plötzlichen Todes, daß keine Zeit mehr für Abfassung eines Testaments blieb. Aus Angst, daß ihr die Erbschaft streitig gemach! würde, verfiel die untröstliche Witwe auf einen schlauen Ausweg. Sie hatte die Möglichkeit gefunden, den Todesfall zu verheimlichen und beredete einen alten Schuhflicker aus der Nachbarschaft(der dem Verstorbenen ähnlich sah), sich in dos Bett des Verblichenen zu legen. Er sollte vor dem Notar die ganze Erbschaft seiner teuren Gattin vermachen. Der Notar wird geholt, die alte Dame cnrpjängt ihn mit Tränen, führt ihn zum Krankenbett und bittenden Pseudogatten, seinen letzten Willen bekanntzugeben. „Mein Wille ist", röchelt der Mann,„daß die Hälfte meines Vermögens meiner Frau zufällt, die andere Hälfte aber vermache ich— oh, wie schlecht ich mich fühle!— dem armen Schuhflicker von gegenüber, weil er immer so diensteifrig wor und das Geld so gut brauchen kann." Die Witwe wagte kein Wort, um durch Ausdeckung des Betruges nicht alles zu verlieren. Der Notar notierte und der Wille bekam gesetzliche Kraft. Der Kranke verschied, und stand als fein eigener lochender Erbe wieder auf. Er hatte sich gesund gemacht. B. v. Railecki. Arbeiter-Rasenspiele Fußball, Handball und Hodcey am kommenden Sonntag Nachdem der zweite Bezirk(Norden) bereits seit einigen Wochen mit den Fußballserienspielen begonnen hat, greifen jetzt der erste und der vierte Bezirk mit vollem Betrieb in die Serie ein. In Lichtenberg finden gleich zwei Treffen statt. In der Normannenstrahe erwartet Normannia die Mahlsdorfer Eintracht, während in der Hauffstraße Ost gegen Lichtenberg I antritt. Während Normannia gegen Mahlsdorf sicherer Sieger sein sollte, ist der Ausgang in der Hauffstraße noch sehr ungewiß. Die Ost-Leute haben in den letzten Gesellschaftsspielen gutes Können ge- zeigt, so daß die Lichtenberger alles daransetzen müssen, wenn sie die Punkte für sich buchen wollen. In Teltow treffen sich die dortige Freie Sportvereinigung und Wilmersdorf. Wenn die Teltower nicht mehr zeigen wie in Nowawes, dann sollte es zu einem Siege gegen die Wilmersdorfer, die sich sehr verbessert haben, nicht reichen. Mit dem Spiel wird auch die Hoffnung aus die Bezirksmeisterschaft getroffen. In der Kissingenstraße in Pankow stehen sich die Freie Sportvereinigung Pankow und der Fußballklub Nord gegenüber. Die Pankower befinden sich augenblicklich in großer Fahrt, Nord hat also allen Grund, in stärkster Besetzung anzutreten. Aber eine Ueberraschung ist trotzdem nicht ausgeschlossen. Adler 08 muß seine führende Stellung auf dem Exerzierplatz in der Schönhauser Allee gegen Saxonia behaupten.— Wird es Weißensee gelingen, den Hanseaten auf dem Platz in der R e n n b a h n st r a ß e wieder einen Punkt abzunehmen? Nach dein sicheren Siege Hansas über Vorwärts sollte es kaum möglich fein. Einen schweren Gang macht Fortuna. Auf vem Platz in der S ch a r n w e b e r st r a ß e in Reinickendorf mußten schon verschiedene Mannschaften, die sieges- sicher das Feld betraten, mit einer Niederlage nach Hause gehen. Borsigwalde überraschte am letzten Sonntag gegen Zehdenick mit einem knappen Sieg. Auch gegen Vorwärts-Wedding ist ein Sieg möglich. Gespielt wird in der Spandauer Straße in Borsigwalde. Weiter? Spiele: Kickers-Lichtenberg gegen Butab in der Trcskowallee in Friedrichsfelde. Frohe Stunde gegen Storkow. ÄSB. Neukölln gegen Frieders- dorf. Freihcit-Rathenow gegen Schollene. Hcrtha-Luckenwalde gegen Schöne- berg. Fichte gegen Rot-Weiß. Briick gegen Ruhlsdorf. Treuenbriehen gegen Jüterbog.— Jugend Mannschaften: Normannia gegen Lichtenberg l. Wilmersdorf gegen Minerva. Borfigwalde gegen Fortuna.— Schüler- Mannschaften: Vorwärts gl gegen Zehdenick. Werlsee gegen Lansa ZI. Fortuna gegen Alemannia. Wilmersdorf gegen Cladow. Normannia gegen Vorwärts-Wedding. Weißensee gegen Saxonia. Mahlsdors gegen Nowawes. Pankow gegen Vorwärts-Wedding ll. Beginn der Spiele: Erste Männermannschaften löiz, Uhr. Borher spiele» die unteren Mannschaften. Jugend- und Echülermannschasten lv bzw. U Uhr. Der Berliner Fußballklub Nord hat an den Weihnachtsfeicrtagen eine Mannschaft aus der Tschechoslowakei zu Gast. Für diese Mannschaft wird zum zweiten und dritten Feiertag noch je ein Gegner gesucht. Bedingungen M M. für jedes Spiel, Quartier und Verpflegung für einen Tag. �interessierte Vereine wenden sich an Karl Klemusch, Berlin N. öS, Gaudpstr. 20. FT. Fichte, Fußballabtcilung, sucht zum Sonntag Spiele auf Gegners Plaß für zwei Mannschaften. Angebote heute bis 20>,h Uhr unter Dönhoff OSO. Volkssport Ncuiplln-Briß, Fußöallabtcilung, sucht für Sonntag, 2. Oktober, Spiele für i., 2. und 3. Männer auf Gegners Platz. Anruf Freitag ab 20 Uhr unter F 2 0276. U&hdb&it Bkzirksklajfe Osten. Ein Spiel von großer Bedeutung ist die Paarung VfL. Ostring gegen FTGB. Lichtenberg um tk Uhr im Lichtenberger Stadion. Es wird das schönste Spiel Oes Tages werden und vielleicht schon eine Entscheidung bedeuten.— Friesen- Fürstenwalde wird in FTGB.-Stralau 2 nicht viel zu schlagen haben. Beginn tö.l? Uhr.— FT.-Crkner hat in Werlsee eine spielstarke Mannschaft erhalten. Nur mit Anstrengung dürste das um 13 Uhr beginnende Spiel gewonnen werden.— FTGB.-Karlshorst erwartet um 10 Uhr Eiche-Köpenick 2. Eiches Erfahrung wird ausschlag- gebend für den Sieg sein.— FTGB.-Lichtenberg 2 braucht die FTGB.-Baumschulenweg nicht mehr zu fürchten. Beginn 10.10 Uhr, Platz Hauffstraße.— Eintracht-Mahlsdorf 2 fährt zur FSV.-Straus- berg und tritt gegen die stärkste Mannichast der Gruppe um 15 Uhr aus dem Platz Marienberge an.— Die FTGB.-Osten 2 hat den TSV.-Kaulsdorf um 10 Uhr auf dem Platz in oer Dürerstraße zu besuchen. Auch bei großen Leistungen wird Osten die Punkte in Kaulsdorf lassen müssen.— In der Wildauer Gruppe werden die Spiele Kleinbesten— Niederlehm« 15 Uhr und Halbe— Zeuthen 14 Uhr gleichwertig verlausen. Lediglich in Gallun wird FT.-Wildau ein zweistelliges Ergebnis erzielen. Frauen: Eintracht Mahlsdorf— Eiche Köpenick um 10 Uhr. — Athletik-Sport-Club— FTGB.-Südost um 14 Uhr Neuköllner Stadion.— Eiche Bohnsdorf— FTGB.-Baumschulenweg um 14.45 Uhr Platz Köpenick Wendenschloßstraße. Vezirksklasse Norden. FSV.-Teqel gegen MTV.-Bernau ist in der Klasse der Trumpf des Tages. Zusammenspiel und Tempo sind entscheidend für den Ausgang. Beginn 15 Uhr.— FTGB.-Norden 1 hat Aussichten, gegen FTGB.-Nordring 2 einen Sieg herauszuholen. Platz Schönhauser Allee.— FT.-Friedrichsthal fährt nach Schwante und wird der Freien Turnerschaft nicht die Punkte abnehmen. Spiel- beginn 14 Uhr.— Volkssport Wedding 3 und FTGB.-Nordost 2 treffen um 12.30 Uhr in den Rehbergen zusammen. Hier wird die abgestiegene Mannschaft der 1. Klasse mit Leichtigkeit über Nordost triumphieren.— FSV-Pankow— Volkesport Weißensee 10 Uhr Kissingenstraße.— Volkssport Wedding 5— FTGB.-Nordring 3 0 Uhr Exer.— ZlSB.-Rotweiß— FTGB.-Reinickendorf-Ost Platz Schönhauser Allee. Frauen: FSV.-Tegel— FTGB.-Nordost um 14 Uhr.— Volkssport Wedding— ASV.-Wedding um 14 Uhr Platz Rehberge.— FT.-Henmgsidors— FSV.-Reinickendorf-West 13.40 Uhr™— Volkssport Wedding 2— FTGB.-Nordring um 10.10 Uhr Platz Rehberze. Bezirksklasse Süden. Im Neuköllner Stadion, Platz 6, spielen ab 13.50 Uhr Volkssport Neukölln— MTV.-Sperenberg.— Trog Verbesserung wird die FTGB.-Lankwitz aus Teltow ohne Erfolg heim- kehren. Der FSV.-Teltow wird das um 11 Uhr beginnende Spiel siegreich zu gestalten wissen.— Um 15 Uhr wird die Spielvereini- gung Tempelhof von der FT.-Wilmersdorf besucht. Wilmersdorf gilt als sicherer Favorit.— Um 14 Uhr stellen sich auf dem Platz Offenbachstraße FTGB.-Friedenau uno FTGB.-Süden 3 dem Schiedsrichter. Wir glauben an einen kneippen Friedenauer Sieg. — FSV.-Fichte trifft um 15.20 Uhr mit dem ASV.-Neukölln auf dem Katzbachplatz aufeinander.— Als ebenfalls gleichwertige Paarung gilt FS.-Zehlendorf— ASV.-Ruhlsdorf um 16.30 Uhr Platz Spandauer Straße.— Volkssport Neukölln 2— ASV.-Schöneberg 2 um 11.30 Ubr Platz 6 Neuköllner Stadion.— Volkssport Neukölln 3 gegen FTGB.-Lankwitz 3 um 12.50 Uhr Treseburgufer. Frauen: Luckenwalde C— Luckenwalde A um 10.30 Uhr Platz Hetzheide.— FS.-Zehlendorf— Volkssport Neukölln um 14 Uhr.— Volkssport Neukölln 2— Froh« Stunde um 12 Uhr Platz Treseburg- ufer. Hockey Am Wochenende sind zwei besondere Begebnisse zu verzeichnen: So hat sich Tennis-Rot Groß-Berlin Gäste aus Leipzig ein- geladen. Der VfL. Eiche-Leipzig ist eine Mannschaft mit gut ent- wickeltem Spielvermägen und gehört zu den Besten Sachsens. Die beiden Spiele am Sonnabend um 16.30 Uhr und am Sonntag um 15 Uhr auf dem Platz Ost in der Laskerstr. verdienen besonderes Interesse. Ferner findet am Sonntag das Schlußspiel im I u b i läumsturnier zwischen dem Arbeitersportbcrein Rot-Weiß und dem Sportverein Moabit um 16.30 Uhr aus dem Sportplatz in der Schönhauser Allee statt. Die Moabiter stehen hier vor einer schweren Ausgabe in der neuen Saison. Weiter finden einige Freundschaftsspiele zwischen dem Athletiksportklub und dem Arbeiter- sportverein Wedding, um 9 Uhr, aus Platz Ost, sowie dem Freien Hockegklub Spandau und dem Verein für Leibesübungen Ostring 2 um 15.30 Uhr in Spandau statt. Die Freie Sportvereinigung Pankow besucht den ASV. Rot-Weiß 2 um 15 Uhr in der Schön- hauser Allee. In der F r a u e n g r u p p e haben die Mannschaften von Rot-Weiß und Pankow um 14 Uhr in der Schönhauser Allee und Tennis-Rot 1 und 2 um 14 Uhr auf Platz Ost Spiele vereinbart. Weitere Spiele: Spandau 2 aegcn Moabit 2 um l-t Uhr in Svandau. Neu- kölln-Britz 2 gegen Athletittportllub um 10.20 Uhr in Neukölln, Plaß 1. Rot. Weiß 3 gegen Pankow 2 um 12', Uhr. Tennis Rot veranstaltet zur Vervoll- ständiguiig seines Spielertages weitere Spiele seiner Bercinsmannschaften ab 10 Vi Uhr. Lärmende Motorräder und lichtlosc Radfahrer Immer wieder wird die Frage aufgeworfen, ob es nicht möglich sei, den Lärm der Motorräder auf den Straßen zu mildern oder ganz zu beseitigen. Der„A b e n d" hat vor einiger Zeit in längeren Ausführungen zum Lärinproblcm darauf hingewiesen, daß die Autozubchörindustrie wohl gute, schalldämpfende Auspusftöpfe herstellt, daß diese Schalldämpfer aber von den Motorradbesitzern nicht in dem Umfange benutzt werde», wie es nötig ist. Es wurde von uns darauf hingewiesen, daß es den meisten Fahrern als „sportlicher" erscheint, mit lautem Geknalle und Gedonner durch die Straßen zu rasen, als ihre und die Nerven der Mitmenschen zu schonen. Nun nimmt Regierungsrat W e s k a ni p, der Leiter der Ver- kehrsabteilung des Polizeiinstituts sllr Technik und Verkehr, in einem Aussatz in der Nr. 18 der Fachzeitschrist„Die Polizei" zu der Frage Stellung. Er weißt darauf hin, daß der Einbau ausreichender Schalldämpfer zwingend vorgeschrieben sei und meint, für die Nach- Prüfung durch die Polizei sei nötig, daß etwaige Sünder zu einer Untersuchung ihrer Maschine auf die Polizei geladen werden. Durch diese Maßnahmen wird nichts, aber auch gar nichts erreicht. Bis zur Vorladung auf die Polizei kann sich ein forscher Motorradfahrer längst einen einwandfreien Auspusstopf besorgt haben, den er dann— und darauf konunt es an— sofort nach der Kontrolle wieder voin Rad entfernen kann. Und dann gehts lustig weiter mit Krach durch die Straßen! Wir haben genug Motorrad- fahrer beobachtet, die am Tage mit gutem Schalldämpfer fuhren, des Abends aber, wenn die verkehrserleichterten Straßen die Möglich- keit zu Fahrten im rasenden Tempo boten, den Schalldämpfer ab- nahmen und den gequälten Anwohnern den Genuß heftig knallender Motorräder boten. Und kein Polizeibeamter schritt dagegen ein. Was not tut, das ist, Herr Weskamp, daß solche Lärmsündcr aus frischer Tat f c st g e st e l l t werden und gehörig herangenommen werden. Einige Fabriken statten ihre Maschinen mit so guten Schall- dämpsern aus, daß vom Auspufflärm nichts mehr zu hören ist. Das muh bei allen Rädern möglich sein. Befolgen die Radbesitzer nicht von sich aus die Polizeivorschriften, dann soll man sie kraft Gesetzes zur Benutzung eines guten Schalldämpfers zwingen, viel- leicht sogar dadurch, daß man die Befestigungsschrauben plombiert oder die Räder einzieht. Gegen Radfahrer scheint man höheren Ortes weniger empfindlich zu fein. Gegen Radfahrer, die abends ohne Licht fuhren und sich den Anordnungen der sie anhaltenden Polizei- bcamten widersetzten, hat das Preußische Oberverwaltungsgericht einen Entscheid getroffen, wonach der im Dienst befindliche Polizei- beamte berechtigt ist, einen ohne Licht fahrenden Radfahrer anzu- halten und die Weiterbenutzung des Rades mit allen Mitteln zu verhindern. Sollte dieses an sich berechtigte Vorgehen gegen gewöhnliche Radfahrer darauf zurückzuführen sein, daß man Rad- fahrer leichter feststellen kann als Motorradfahrer? Die KarbMarx-5cbule hielt vor einigen Tagen in Gemeinschaft mit der 53./ö4. Gemeinde- schule in Neukölln als Abschluß der So.nmerarveit in den Leibes- Übungen ein Sportfest im Stadion Neukölln ab. Entsprechend den Grundsätzen jeder vernünftigen Sportpfleg« waren nicht die Einzel- bestleistungen entscheidend, sondern die Durchschnittsleistungen der Klassen, die durch Drei- und Fünstämpse und Staffeln ermittelt wurden. Unser Bild zeigt den Schlußmann einer siegreichen Staffel Radrennen im 5portpa?ast Im Sportpalast, der in dieser Saison schon recht früh den Einbau der Rodrennbahn vornahm, sanden gestern abend Amateurradrennen statt, die der Bund deutscher Radfahrer veranstaltete. Glänzender Besuch und schöne Kämpfe waren das Merkmal des Abends. Das Malfahren endete mit einem sehr sicheren Siege von Götz- Berlin über Rösener, Marklewig und Block. Der deutsche Meister Hans Dasch, der demnächst sein Debüt als Berufsfahrer geben wird, wurde durch einen Reisenschaden um seine Aussichten gebracht. Das 100-Runden-Punktesahren sah den Charlottenburger N o w a ck in 23: 23,3 mit 10 Punkten in Front vor Gebert(8), sowie Kreisel und Balzer(je 0). Eine Runde zurück führte Pohl mit 12 Punkten das geschlagene Feld an. Einen über- aus spannenden Verlauf nahm auch die Hauptnummer des Abends, das Zwei-stunden-Mannschaftsfahren, in dem sich leider zahlreiche Stürze ereigneten, die jedoch erfreulicherweise ohne nennenswerte Folgen verliefen. Sieger blieben D a s ch- G o l z, die fast durchweg überlegen waren, mit 25 Punkten vor Gangel-Wesen- berg(21), �Patzak-Röseler(20). Kamp-Schneider(14), Scherf- Marklewig(14) und Manthey-Raschke(10). Zurückgelegt wurden 86,960 Kilometer. Die Freien Schwimmer Groß-Berlin. Gruppe BUlle. halten ihre Uebungsstünde jetzt regelmäßig jeden Dienstag von 20'� bis 22 Uhr im Stadtbad Gartenstrahe ab. Auskunft über die Mitglied- schaft erteilen die Funktionäre aus den Uebungsabenden und Walter Hänschel, Berlin N. 4, Schlegelstr. 28. BuucUsiceue- Vtcciue- Uiieu wi: »artellbezirk Treptow. Montag, 3. Oktober, 26 Uhr, Karteüstßunz bei O. Vamp, Niederschoneweide. Hasselwerderstr. 12.....____. Volkssport Scißcnjec. Am koinineudcn Sonntag findet eine Mitglieder. Wanderung nach Bernau— Licpnißtee statt. Treffpunkt 7 Udr Antonvlaß. Un- kosten: Erwachsene 1,20 M., Iuaendlichc 60 Pf. Treffpunkt für Radfahrer 7 Uhr Berliner Allee, Ecke Ncnnbahnstraßc. Gäste herzlich willkommen. üartellbezirk Reukölln. Delegiertensitzung Montag, 3. Oktober, 20 Uhr, im Volkssportheim. Sonnenallee...™. Zreic Wasserfahrcr Aufwärts. Sonntag, 2. Oktober, Abfahren mit Bruder- Organisationen. Start 10 Uhr vom Bootshause. Fahrt nach Spandau-Bürger- ablage. Wettspiele, dann gemeinsame Rückfahrt. Der Berein hat gute und billige Bootsstände frei. � Freie �anu-Union Groh-Berlin. Freitag, 30. September, 20 Uhr, Sitzung, „Iur Eicke", Neukölln, Kaiser-Friedrich. Ecke Saalestratze. Sonntag, 2. Oktober, 9 Uhr, Arbeitsdienst für alle in Köpenick, Achenbachstraße(Ende). e Buch Heues HliUelaUer? Herr Wilhelm von Schramm veröffentlicht im Berlage Duncker u. Humblot, München, eine Schrift, die unter dem Titel „Radikale Politik, Die Welt diesseits und jenseits des Bolschewismus" eine„Neuordnung" des deutschen politischen Denkens oersucht. Schramm? Gedankengang ist etwa folgender: die liberalistische Epoche ist heute endgültig zu Ende. Da auch die deutsche Republik den liberalistischen Stempel trägt, wird auch ihr Begräbnis ziemlich unfeierlich vollzogen. Neue politische Haltungen sind also notwendig. Bolschewismus und Faschismus werden als Antithese zu jener Haltung aufgefaßt, für die sich Herr von Schramm einsetzen möchte. Das Mittel- alter soll re st auriert werden: Wissenschaft und Kunst sollen wieder als Magd der alleinseligmachenden Kirche dienen, die Wirtschaftsordnung müsse ständisch sein. Ein Beispiel für viele: In der Landwirtschaft muß eine gemeinsame Feldbestellung, wie sie einmal in der Almende bestanden hat,„wieder durchgeführt/ alle sozialen Lasten und Versicherungen, die jetzt untragbare Beträge verschlingen, dezentralisiert und in reale Versicherungen, d. h. in das Versprechen realer Leistung im Notfall einzelner umgewandelt werden, was natürlich eine Beschränkung der Freizügigkeit bringen wird." Ganz offenbar wird hier die mittelalterliche Hörigkeit zum sozialen Leitbild genommen. Im Bolschewismus sieht der Ver- fasser die unfreiwillige Realisierung des katholischen Unioersalismus nur im Zeichen einer atheistischen Diesseitigkeitslehre und Ent- persönlichung des Menschen, während der Mensch im Schöße der katholischen Kirche doch allein frei sein könne. � Nur wenn sich die Menschen des 20. Jahrhunderts im Geist dieses neuen Mittelalters führen(soll heißen: ausbeuten) lassen werden, kann eine dauerhafte Neuordnung des Abendlandes gewährleistet sein. Der deutsche Nationalsozialismus, dessen protestantischer Charakter richtig gesehen wird, muß aus dem rein Gefühlsmäßigen herausgeführt und der kirchlichen Vernunft unterworfen werden. Die Führer des deutschen Faschismus sind ohne geistigen Ueberblick, Adolf Hitler ein Trommler und in dieser Eigenschaft„einer der wichtigsten Männer der neuen deutschen Geschichte". Herr von Schramm hat die Freundlichkeit gehabt, den Inhalt seines Buches selbst in einem Satz zu formu- lieren, der als letzte Kostprobe hier noch mitgeteilt werden soll: „Die radikale Politik ist eine radikale Nestau- ratio n." Die deutsche Romantik(Novalis und Franz von Baader, Carl Schmitt und Othmar Spann geben sich auf den Seiten dieses Buches ein seltsames Stelldichein. Das etwaige Koalitionsprogramm des deutschen politischen Katholizismus mit dem Trommler Adolf Hitler wird sich an dieser dilettantischen Schrift kaum orientieren. _" J. P. M. Rundfunk am Abend Freitag, den 30. September Berlin: 16.05 Buhnen- und Filmoperette im Zeichen der Technik(C. R. Blum). 16.30 Unbekanntes von Johann Strauß. 17.30 Der werktätige Jugendliche und sein Arbeitskreis(0. v. Hoeppner, Dr. Ch. Pfeil). 18.10 Das neue Buch. 18.25\ktiielle Steuerfragen(Obersteuersekretär H. Schordi). 18.55 Die Fuukstunde teilt mit. 19.00..(Teil ertrinkt"(Schulspiel). 19.40 Ministerialrat Durri: Maßnahmen der Reichsregierimg zur Belebung der Bauwirtschaft. 20.00 Heitere Stunde(Schallplatten). 20.55„Berlin siedelt"(Hörbericht aus der Stadtrandsiedlung). 21.15 Streich trios. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten, 22.30 Aus Washington:„Worüber man in Vmerika spricht"(K. G. Seil, Wachsplatten). Abcnd- unterhaltung. Königs w u s t e r h a us e n: 16.00 Pädagogischer Funk. 16.30 Aus l.eip/.ig: Nachmiltagskonzerl. 17.30 Die natürlichen Machtmittel unseres Vaterlandes(Major Rhode).(8.00 Warum Kurzschrift für jedermann?( Obe r regier ungsrat Dr. Becker). 18.30 Weltpolitische Stunde(M. MülletJabusch). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Wissenschaftlicher Vortrag für Verzte. 19.20 Die Schulfürsorge(Dr. Scheumann). 19.40 Zeitdienst. 20.00 Aus Köln:„Wallenstein" von Schiller. Sonst; Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle„Vorwärfs"-Boten oder die Postanstalten. Die JZorfeibuchhcniMung 3. k). TB. Dieß erössnet heute, Freitag, 30. September, ihren großen Antiguariatsausverkaus. Bitte be- achten Sie den Inseratenteil.