Morgen-Ausgabe Nr. 463 A226 49. Jahrg. Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Linbenstr. 3 geinfprecf)«:<3(7 Am, Dönhofs 292 bll 297 Sttegrammabwff«: Sozialbemotra,"TBtrtin BERLINER VOLKSBLATT SONNABEND 1. Oktober 1932 In Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts...... 15 Pf- Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe am Schluß des redaktionellen Teils Jentraloega« de« Goziatdemokvatifche« Partei Deutschlands Heute kein Llmzug Die Möbeltr an Sportarbeiter streiken Der heutige Umzugstag wird in Berlin das Slrahenbald nur wenig verändern, denn auher den kleinen, sogenannten„wilden" Fuhren wird man keine anderen Möbelwagen sehen. Die sreigewerkschafllich organisierten Berliner Möbellrasporlarbeiter haben gestern in einer geheimen Abstimmung den Streik sür heute sriih beschlossen, weil die Unternehmer den Beuabschluh des gestern ebensallK abgelaufenen Mantel- und Lohntariss verschleppt hoben. Von den Möbeltraneportorbeitern war nach der Kündigung dieser Tarif« durch die Unternehmer die Wiederher st ellung der Entlohnung gefordert worden, die vor dem jetzt abge- laujenen Lohntarif, also am 1. Januar d. I., bestanden hat und die sür die st ä n d i g e n Arbeiter einen um 5 M. pro Woche höheren Lohn als jetzt und für die u n st ä n d i g e n Arbeiter einen um 1,30 M. pro Tag höheren Lohn vorsah. Die Unternehmer haben bis jetzt ihre Wünsche noch nicht bekanntgegeben uno sind jeder Tarifverhandlung mit dem Ge- jamtoerband ausgewichen. Auf Antrag des Gesamtverbandes wurden end- lich zum 3. Oktober vom SchlichlungsauSfchutz Vorverhandlungen angesetzt, die aber, entsprechend einem Wunsche der Unternehmer, wieder auf u n b e st i in m t e Zeit vertagt worden sind, weil die Unterhändler des Vereins Berliner Möbeltransporteure wegen der äugen- blicklich starken Umzugstätigkeit angeblich keine Zeit zu Verhandlungen haben. Die Taktik der Unternehmer, die Tarifverhand- lungen solange zu verschleppen, bis die Um- zugskonjunktur vorbei ist, Hot nicht den von ihnen gewünschten Erfolg gehabt. In einer Vranchenversammlung am Donnerstag wurde der Beschluß gefaßt, den Unternehmern in die Parade zu fahren. Die Möbeltransportarbeiter setzten in dieser Versammlung für Freitag in den Betrieben eine Urabstimmung an und beschlossen wei- ter, die Arbeit am Sonnabend nicht wieder auf- zunehmen, wenn eine Streikmehrheit erzielt wird. Da die Abstimmung die statutarische Mehrheit er- gab, wird ab heute früh die Arbeit verweigert. Streik bei Kempinski Die bekannte Firma kempinski hat am Mittwoch in sämtlichen ihrer Berliner Betriebe einen Anschlag herausgebracht, in dem sie einseitig ab 3. Oktober die herabsehung der Arbeitszeit von 48 aus 44 und teilweise 4Z Stunden verfügt. Sie begründet diese Maßnahme damit, daß sie Arbeitslose ein- stellen wolle. Die Betriebsräte und die Vertreter der Gewerkschaften haben der Firma klar zu machen versucht, daß aus diesem Wege schon rein technisch eine Mehrein st ellung nicht möglich sei, sondern daß diesem Zweck nur die Einführung der Fünftagewoche dienen könne. Dagegen würde sich das Personal nicht wehren. Diesen begründeten Argumenten gegenüber zeigte sich die Firma jedoch unzugänglich, so daß die Tarisorganisotionen gestern in drei Beleg- schastsversammlungen eine Abstimmung durchfuhren liehen, die mit erdrückender Mehrheit den Streikbeschluß ergab. Da der Streik erst heute mittag beginnen soll, hat die Firma kempinski also noch Gelegenheit, sich mit ihrer Belegschaft mit Hilfe der Gewerkschaften zu verständigen. An der Bewegung sind etwa 2500 gastwirlschajiliche Arbeitnehmer beteiligt. Kulwrdokument aus Anhalt Oer Staatsanwalt an die �Vitwe Am 10. Juli wurde in Ziebigk bei Dessau der Hundertschaftsführer des Reichsbanners, der 35- jährige Genosse Feuerherdt, Ingenieur bei den Junters-Werken, von Nationalsozialisten brutal niedergeschossen. Als er mit seinen Kameraden von einer Studentenfeier in Zerbst auf dem Rade zurückkehrte, mußte er das Dorf passieren, in dem hakentreuzler ein Konzert veranstalteten. Als sie der Reichsbannerleute ansichtig wurden, sperrten sie die Straße und fielen mit Revolvern, Tot- schlägern, Gummiknüppeln und Viergläsern über sie her. Feuerherdt lag als erster in seinem Blute, die Ortspolizei war zu schwach, den Ueberfall zu verhindern, als fremde Polizeikräfte kamen, flüchteten die BlutheGen. Gegen� sie wurde ein Verfuhren eingeleitet, welches der Staatsanwalt in Dessau jetzt mit solgendem unglaublichen Briese an die Witwe des Getöteten abschließt: i I 1381/82. An die Witwe Frau Wikh. Feuerherdt in T e s s a u- z j e d l u n g, Lindenplatt c». Ich habe das Verfahren gegen die- jenigen, welche den Tod Ihres Mannes herbeigeführt haben, eingestellt. Tie Ermittlungen nach den in Betracht kam- menden Perfonrn waren ergebnislos. Außerdem ist der Tod Ihres Man- n e s durch einen rechtswidrigen Angriff auf andere von ihm selber ver- schuldet worden. Dessau, den 23. September 11132. Der Oberstaatsanwalt. F. V. gez. L ä m m l c r. Beglaubigt llutfche, Iuftizfekretär. Die herrschende Pressefreiheit gestattet uns nicht, das unerhörte Schreiben eines nationalsozialisti- schen Staatsfunktionärs an die Witwe eines Erschlagenen so zu würdigen, wie das nötig wäre. Wir müssen es durch sich selbst wirken lassen, aber wir glauben, das genüge auch für jeden menschlich Empfindenden. Ohne Anrede, ohne eine Spur von Rücksichtnahme auf die Lebensgefährtin, die ihren Mann in den besten Jahren durch erbarm- liches Rowdytum verliert, ohne«in Urteil über diese Totschläger selbst— selbstverständlich!— aber mit der klatschenden, höhnisch wirkenden Behauptung— er war ja selber schuld! Das ist der Trost, den der Dessauer Staatsanwalt der trauernden Witwe in die Ohren schreit. Man bemüh« sich nur einen Augenblick vorzu- stellen, ob der Mann sich erlaubt hätte, ein gleiches an die Witwe eines erschlagenen Stahlhelmers, Nazimannes oder sonstigen„staatstreuen" Opfers zu schreiben, um die ganze Menschlichkeit dieses Brieses zu beurteilen. proleten nichts, aber das Eintreten des Nazi-Be- triebszellenleiters muhte ihnen die Augen öffnen. Deshalb wurde dieser Betriebszellenleiter seines Amtes enthoben und aus der Partei aus- geschloffen. Der N a z i- A r b e i t e r, der für die chaft- entlassung Lahusens eingetreten ist, fliegt aus der Partei. Die N a z i- A n w ä l t e, die„feinen Leute", die dasselbe tun, bleiben nach wie vor hochgeehrte Pgs. und dürfen dazu noch die Riesen- Honorare des gestürzten Nordwollekönigs ein- stecken. Löblich unterworfen Der nationalsozialistische Ministerpräsidem von Anhalt war am Donnerstag mutiger als am Frei- tag. Am Donnerstag ließ er verkünden: zu chinden- burgs Geburtstag wird nicht geflaggt. Am Freitag aber hieß es:„Da jedoch die Möglichkeit bestehr, daß diese Stellungnahme zu Weite- r u n g e n gegenüber Anhalt führen könnte, hat der Herr anhaltische Ministerpräsident, um Aus- Wirkungen zuungunsten des Landes zu verhüten, sich entschlossen, dem Wunsche der Reichsregierung Rechnung zu tragen." Es wird also doch g e- slaggH Die Rebellenposse hat keine achtund- vierzig stunden vorgehalten. Gähnende Leere Während die sozialdemokratischen Wahlver- sammlungen im Rheinlande schon jetzt, noch sechs Wochen vor der Wahl, gewaltige Besucherzahlen ausweisen und oft überfüllt sind, ist in den Ver- sammlungen der Nationalsozialisten gähnende Leere. In A a ch e n war ihre letzte Versammlung im großen Saale des Westparks halbleer. Die Arbeiter fehlten völlig. In Kerpen bei Köln im Braunkohlengebiet, einem Orte von 4200 Ein- wohnern, waren in eine Naziversammlung noch nicht zehn Leute gekommen. In der letzten nationalsozialistischen Betriebszellenversammlung in Godesberg waren drei Mann erschienen. Nie Lahusenfreunde Die Nazis haben den Wirtschaftsverbrecher L a h u f e n, der immer noch auf seine Aburtei- lung wartet, von sich abzuschütteln versucht— bis Herr Lahusen die Hitler-Anwälte Frank II und L u e t g e b r u n e als seine Verteidiger berief. Die Hitler-Anwälte haben die Haft- entlassung des G. K. Lahusen gefordert. Der Betriebszelle» leiter der NSDAP, in Delmenhorst, dem Sitz der Stammfabrik der Nord- wolle, nahm sich die Hitler-Anwälte zum Vorbild und trat ebenfalls öffentlich für die Haftentlassung Lahusens ein. Von den Hitler-Anwälten wissen die Nazi- vapen in Ansterburg Gutsbesiteer unter sich Auf seiner Reise durch den Jnsterburger Land- kreis war Reichskanzler von Papen Gast des Fregattenkapitäns a. D. Hundert- m a r ck- W i t tg i r r e n. Bei einem zwanglosen Imbiß wurde der Reichskanzler von Gutsbesitzer Hundertmarck, dem Führer des Kreislandwirt- schaftsoerbandes Insterburg, mit einer kurzen An- spräche begrüßt. Im Verlauf der Unterhaltung wurde der Kanzler darauf hingewiesen, daß die für die ostpreußischen Notstandsgebiete bisher in Aussicht gestellten 500 000 Mark zu gering seien. Der Kanzler sagte zwar nicht zu, stellte aber in Aussicht, daß die Erhöhung dieses Bc- trags auf rund eine Million in Aus- ficht genommen werden könne. Kurze Unterredung beim Imbiß mit erfreu- lichem Ausgang für die oftpreußrschen Gutsbesitzer! Neue Rüstung! Die neue Form, in der sich der„V o r- w ä r t s" heute seinen Lesern darbietet, ist das Ergebnis sorgfaltiger Ueberlcgnngen und \ orbereitungeu. Man mag sie als ein Symbol dafür nehmen, dal! die Partei und ihr Zentralorgan nicht am Alten hängen bleiben wollen, sondern mit der Zeit zu gehen entschlossen sind. Der viergespaltene Zei- Uingssatz gibt die Möglidikeif, das Blatt nicht nur lebendiger und übersichtlicher zu gestalten, sondern zugleich auch seinen Kampfcharakter stärker zu betonen. Mehr denn je bedarf das arbeitende Volk im Kampfe um seine Menschenrechte bewährter Führer und schneidiger Waffen. Der „Vorwärts" legt eine neue Rüstung an, um besser kämpfen zu können gegen die politische und wirtschaftliche Despotie des Kapitals für ein demokratisches, ein sozialistisches Deutschland! Wir rufen unsere Freunde im Reich, wir rufen vor allem das arbeitende Berlin, mit einzutreten in diesen Kampf. Vorwärts unter dem sturmerprobten Banner der Sozialdemokratischen Partei! Vorwärts mit dem„V o r w ä r t s"! Rotes Schweden! Die sozialistische Minderheitsregierung Hansson am Werke Von unserem Korrespondenten Stockholm, Ende September. Das Ergebnis der schwedischen Reichstags- wählen war nicht nur ein Mißtrauens- votum gegen die inzwischen zurückgetretene Regierung Hamrin. Die vierzehn von der Sozialdemokratischen Partei g e- wonnenen Mandate sind zu gleicher Zeit ein deutliches Symptom für die im Volke immer tiefer und breiter wachsende antikapitalistischeGesinnün g.Jn fast allen Wahlkreisen haben sich die sozial- demokratischen Stimmen um 2v bis 25 Proz. vermehrt. Mehr als der Mandatzuwachs be- weist diese Tatsache, wie sehr die Ueberzeu- gung an Boden gewinnt, daß nur mit sozia- listischen Mitteln ein Ausweg aus der Wirtschaftskrise gefunden werden kann. Länger als zwei Jahre war das ver- gangene bürgerliche Kabinett am Ruder. Durch den Fall Kreuger hatte es seinen Kapitän auswechseln müssen. Ministerpräsi- dent E k m a n war eines der Opfer des Riesenskandals. Ob aber Hamrin oder Ek- mann: man wird vergebens nach irgendeiner slaatsmännischen Tat dieser verflossenen Re- gierung suchen. Hilflos haben die bürger- lichen Minister der Krise gegenllbergestan- den, und sie haben nicht einmal den Versuch unternommen, die Arbeitslosigkeit zu min- dern. Es zeugt für den Mut und für das Verantwortungsbewußtsein der Sozial- d e m o k r a t i e, daß sie sich selbst als Min- derheitsregierung nicht gescheut hat, in Schwedens schwerster und dunkelster Stunde die Führung des Landes zu übernehmen. Es wird eine Kampfregierung sein, in des Wortes wahrster Bedeutung. Die wichtigsten und einschneidendsten Reformen sind not- wendig, damit wenigstens die schlimmsten Wunden, die die Krise dem Land und dem Volk geschlagen hat, geheilt werden können. Vor allem gilt es der Arbeiterschaft den Unterschied zwischen einer rein bürgerlichen und einer sozialistischen Regierung zu zeigen. Bisher war es die Arbeiterklasse, auf deren Rücken die Krise tanzte. Mehr als leere Versprechungen haben die Arbeiter nicht be- kommen. Es ist die vornehmste Aufgabe der sozialistischen Regierung, wenigstens die A r» beitslosenversicherung einzufüh- ren. Dieser Plan hat bereits die bürgerliche Presse zu heftigen Attacken getrieben, aber die Sozialdemokratie weiß, daß ihr nichts in den Schoß fallen wird und jede Reform nur unter schweren Kämpfen durchzusetzen ist. Daß die neuen Männer, aus denen sich die jetzt vierte sozialistische Regierung Schwedens zusammensetzt, aus dem für ihre Aufgabe notwendigen Holz geschnitzt sind, beweist ihre Vergangenheit. Jahrzehntelang haben sie in Partei und Gewerkschaft die verantwortlichsten Aemter innegehabt. Diese sozialdemokratischen Minister sind in und mit der Arbeiterbewegung aufgewachsen, und sie wissen, daß Politik und Regierung nicht ge- leitet werden können von plötzlichen Ein- fällen und Eingebungen, sondern von klarem politischen Willen und Wollen, gegründet auf der Kenntnis der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Verhältnisse. In einer schlichten, aber wirkungsvollen Form hat das neue Kabinett im Rahmen seiner Antrittserklärung die bedeu- tendsten Maßnahmen umrissen, die es zu unternehmen gedenkt, um die Krise zu lösen. Wie sehr die neue Regierung allen halben Maßnahmen abhold ist, verrät vor allem die Besetzung zweier Ministerien: des Kriegs- und des Kultusministeriums. Die Rechts- presse bezeichnet beide Männer als Erzfeinde� der ihrer Obhut anvertrauten Institutionen' und empfindet beispielsweise die Ernennung Arthur Engbergs zum Kultusminister als„einen Schlag ins Gesicht des gesamten bürgerlichen Schweden". Daß das Kriegs wesen in erster Reihe von den beabsichtigten S p a r m a ß- nahmen betroffen werden soll, hat die Re- gierung in ihrer Erklärung ausdrücklich her- vorgehoben. Der neue Handelsminister Fritjof E k m a n hat bisher noch kein staatliches Amt innegehabt. Er ist Organisator des schwedischen Metallarbeiterverbandes. Viele Jahre hat er diese Gewerkschaft, die ihrer Bedeutung nach die ausschlaggebende Kör- perschaft innerhalb der schwedischen Arbeiter- bewegung ist, geleitet. Ekman wird selbst von der bürgerlichen Presse als ein Mann gerühmt„von reifem Verstände und im Be- sitze umfassender Kenntnisse auf dem Ge- biete der schwedischen Industrie und der Ar- beiterfragen". Vor der Bildung der sozialdemokratischen Minderheitsregierung hat sich der jetzige Mi- nisterpräsident H a n s s o n um einen Links- block bemüht und zu diesem Zwecke ein- gehende Verhandlungen mit den Vertretern der Freisinnigen Volkspartei gepflogen. Man hat jedoch von ihm Konzessionen und Zu- sicherungen verlangt, die die Integrität seines auf dem Prinzip des Freihandels aufgebauten Programms gefährdet hätten. So hat sich Hansson zu einer Regierung ohne die Freisinnigen entschlossen. Er wird im Parlament manche Klippe zu umschiffen haben. Immerhin kann seine Re- gierung in gewissen Fragen auch auf einige Abgeordnete des linken Bürgertums zählen. Aeußerste Not Ltuck Nassau kann keine Unterstützungen zahlen Irankfurt a. 211., 30. September. Eigener Bericht Die Stadt Hanau steht vor der<5 i n st e l l u n g der wohlsahrtszahlungen. Die Stadl- verordnetensihung am Donnerstag hatte sich fast ausschließlich mit Anträgen der Fraktionen über Hilfsmaßnahmen für die in Fürsorge stehenden Personen zu befassen. Einstimmig angenommen wurde eine Entschließung, in der die Stadtverord- netenversammlung die Aufmerksamkeit der Staats- regierung aufs neue auf die unhaltbaren Zustände lenkt, die sich für die Stadl Hanau aus der unzureichenden Berücksichtigung ergeben. Obwohl Hanau mit seiner Erwerbslosenzisser an der Spihe in Preußen steht, seien seit Monaten aus dem Notsonds des Staates Mittel nicht mehr nach Hanau geslossen. Das große Sterben Die Bestrebungen, für die bevorstehende Reichs- tagswahl einen„Block der Mitte" zu schaffen, in dem alle Splitterparteien außerhalb des Zentrums vereinigt werden sollten, sind e n d- gültig gescheitert. Die Volkspartei hat sich wieder von hugenbcrg ins Schlepptau nehmen lassen und die C h r i st l i ch- S o z i a l e n wollen allein sterben, ohne sich mit anderen da- bei zu belasten. Da die Demokraten für sich allein auch keinen„Block" bilden können, ist die ganze„Mitte" wieder im Zustand der Atomi- sicrung. Irrsinn der Autarkie Die Dresdener Tagung des Vereins für Sozialpolitik Am Mittwoch und Donnerstag hat der V e r- ein für Sozialpolitik in Dresden seine 60. Tagung unter dem Vorsitz von Prosessor S o in b a r t abgehalten. Es war wohl die Tat- fache, daß der Verein für Sozialpolitik heute im Bewußtsein des öffentlichen Lebens auch nicht annähernd mehr die Rolle spielt, die er in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens eingenommen hat, die Sombart zu einigen Aeußerungen über den Wandel der Aufgabe des Vereins für Sozial- Politik veranlaßten. Bei der Gründung bildete das Thema der Untersuchungen die Fabrikarbeiterfrage, das Ziel die Besserung ihrer Lage. Das Pro- blem sei ein sittliches Problem gewesen, das Be- streben des Vereins ein ethisches. Durch das prak- tische Eingreifen der Arbeiterklasse sei das Pro- blem dann ein politisches und der Kampf ein politischer geworden. Der Verein sei nicht in die Arena des politischen Kampfes hinabgestiegen und suche— neutral— durch wissenschaftliche Unter- suchungen politische Maßnahmen vorzubereiten. Ein„Marxist", als der sich Sombart stets be- zeichnet, hätte eigentlich wissen müssen, daß die Durchsetzung eines sittlichen Zieles immer nur auf politischem Wege möglich ist. Auch die Frage der „Neutralität" hätte wohl einer Erläuterung be- dürft. Jedenfalls ist es gerade diese Neutralität, die nun schon seit Jahrzehnten eine einheitliche Stellungnahme des Vereins für Sozialpolitik zu den brennendsten Fragen der deutschen Wirtschaft verhindert und die Bedeutung des Vereins stark herabgesetzt hat. Gleichwohl verdienen die Verhandlungen dieses Vereins Beachtung dann, wenn bedeutsame Persönlichkeiten zu Worte kommen. Das Thema der diesjährigen Tagung lautete: „Deutschland und die Weltkriege". Der Höhepunkt der Tagung war nach maßgeb- licher Meinung das Referat des Genossen Dr. L e d e r e r, der über„Autarkie oder Welt- Wirtschaft" sprach. Lederer stellte fest, daß in der Entwicklung der Außenhandelszahlen eine Tendenz zur Autarkie nicht im geringsten zu er- kennen sei. Lediglich die Schrumpfung der Wirt- schaft tn ihrer Gesamtheit spiegle sich in der Schrumpfung des Welthandels wider. Deutschland sei in seiner Rohstoffversorgung unbedingt vom Auslande abhängig. Wenn die deutsche Einfuhr von 14 auf 7 Milliarden Mark gesunken, die Ar- beitslosigkeit auf mehr als 6 Millionen gestiegen sei, so seien das beides Zeichen für den Rückgang der Tätigkeit der deutschen Volkswirtschaft. Wie aber wolle man glauben, daß man die Arbeits- losigkeit beseitigen könne, wenn man die Einfuhr vollends drossele? Die Kontingentspolitik be- zeichnete Lederer als einen„Tanz auf den Hühneraugen unserer besten Freunde", die soviel deutsche Fertigwaren abnähmen, daß das Passi- vum im Verkehr mit Uebersee(Rohstoffe!) mehr als aufgewogen werde. Selbstgenügsamkeit und Abschließung seien keine deutschen, allenfalls chinesische Gedanken. Keiner der sonst zu Worte kommenden Redner befürwortete die Autarkie ohne Einschränkung. Auch Professor von D i e tz e, der einer ge- mäßigten Autarkie das Wort redete, betonte die Abhängigkeit der deutschen Volkswirtschaft von ausländischen Rohstoffen. Wer diesen Zusammen- hang nicht begreife, für den seien 150 Jahre Arbeit der nationalökonomischen Wissenschaft vergebens gewesen. In der protektionistischen Abschnürung der Länder gegeneinander erblickte er eine nur vorübergehende Krisenerscheinung.— So ist die Tagung ihrem Gesamteindruck nach als Kund- gebung gegen den Irrsinn der Autarkie zu werten. Benvandlungskttnstler! Nazjgautag mit Krawall Goring, gestern so, heute so, morgen wieder anders Herr Göring ist zugleich Faschist und orthodoxer Fanatiker des demokratischen Parlamentarismus. Das ist eine Glanzleistung, aber Herr Göring übertrifft sich in ähnlichen Leistungen täglich selbst. Kürzlich hat er seinen Parteifreunden ausein- andergesetzt, daß wohl Hunderttausende von Wählern den Nazis davonlaufen würden. Jetzt erklärt er Auslandsjournalisten, daß die NSDAP. dem Wahlausgang mit großem Vertrauen«nt- gegensehe. Früher galt das Zentrum als „schwarze marxistische Pest", jetzt erklärt Göring vor amerikanischen Journalisten: „Ein Gegensatz zwischen Nationalsozialisten und Zentrum habe zu der Zeit bestanden, als das Zentrum mit den Sozialdemokraten ver- bunden war. Das sei nicht mehr der Fall und infolgedessen könne eine enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Parteien erfolgen." Was wird Herr Göring morgen und über- morgen erklären? Er ist ein Genie der Wand- lungsfähigkeitl Hitlers feine Leute Fünfundzwanzig von der Adelsclique Ritter von Epp von dem Bach-Zalewski von Corswant von Flotow von Iagow Freiherr von Kitzinger von Levetzow von Lingelsheim Dr. von Renteln Graf zu Reventlow Baldur von Schirach von Sybel von Tschammer und Osten von Ulrich Freiherr von Wangenheim *** Freiherr von Eltz-Rübenach ' Dr. Freiherr von Gregory Graf von Helldorf von Kalben Freiherr von Kamme von Neindorf Freiherr von Reibnitz von Wedel-Parlow von Woyrsch August Wilhelm Prinz von Preußen Was sind diese 25 Namen? Die Mitglieder einer Adelsgesellschaft?, eines Herrenklubs? I wo, es sind bloß die aus dem Fraktionsverzeichnis des Reichstages und des Preußischen Landtages aus- geschriebenen adeligen Mitglieder der national- sozialistischen Fraktionen dieser beiden Parlamente. 212» diesen 25 Namen sind natürlich die Hochadligen. die bei der„Arbeiterpartei" eine maßgebliche Rolle spielen, noch lange nicht erschöpft. Es gibt da noch den Josua Erbprinz zu Waldeck- Pyrmont, den Prinzen Friedrich Christian zu Schaumburg-Lippe. den Grafen Solms-Laubach. den Freiherrn von Reichenau, den General von Liebert, den Eduard Herzog von Coburg— von den bürgerlichen Generälen wie Litzmann und den bürgerlichen Kapitalisten wie Fritz Thyssen ganz zu schweigen. Die Adligen der preußischen Nationalsozialist!» schen Landtagssraktion haben jetzt einen Aufruf an den preußischen Adel erlassen, Adolf Hitler sei der wahre Führer des preußischen Adels. Er allein, nicht Papen, nicht Schleicher und nicht Gayl. Wir haben keine Kompetenz, uns in diesen Streit der„feinen Leute" einzumischen. (Au» de« neuesten Heft der kozialdemokattschen Dt-tulstonszeltschrlft„Da» Frei« Wo er".) Schlägerei im Wiener Rathaus 2V i en, 30. September. Eigener Bericht Anläßlich des Gautages der Hakenkreuz l e r gab es am Freitag in 2vien Z u- s a m m e n st ö ß e. die schließlich mit einem blutigen Tumult im Gemeinderat endeten. Die Hakenkreuzler, die durch den Mißerfolg ihrer Tagung uind dadurch, daß in den Straßen Wiens fast nur Leute mit den drei Pfeilen zu sehen waren, nervös wurden, zogen nachmittags ihre Leute vor dem sozialdemo- kratischen Berbandsheim in Mariahilf zusammen. Sie überfielen das Heim. Es kam zu einer schweren Prügelei zwischen ihnen und den sozialdemokratischen Schutzbündlern. Es sind auch mehrer« Schüsse gefallen, von denen aller- dings niemand getroffen wurde. Im Laufe der Zusammenstöße wurden mehrere Schutzbündler und Hakenkreuzler verwundet. Schließlich wurden die Nazis von den Schutzbündlern davongejagt. Unter den Hakenkreuzlern, die bei diesem Zu- sammenstoß beteiligt waren, befand sich auch der Führer der Wiener Hakenkreuzler, der nationalsozialistische Gemeinderat Frauen- feld. Dieser ging nun mit der nationalsozia- listischen Gemeinderatsfraktion ins Rat- haus, wo am Freitag die erste Gemeinderatssitzung der Hcrbstsession stattfand. Im Sitzungssaal be- nahmen sich die Hakenkreuzler äußerst p r o v o- zierend. Sie forderten, daß wegen der Zu- sammenstöße in Mariahilf die Sitzung abge- brochen werde. Als einer der Hakenkreuzabgeord- neten im offenen Saal eine Hundepeitsche zog, sprangen die Sozialdemokraten von ihren Sitzen, stürzten auf die Hakenkreuzabgeordneten los und schlugen sie buchstäblich aus dem Saal hin- aus. Es herrschte ein ungeheurer Tumult. Stühle und Tintenfässer flogen gegen die Abge- ordneten, und in wenigen Minuten war der Sitzungssaal von den Hakenkreuzabgeordneten vollkommen gesäubert. Einige der Naziabgeord- neten wurden bei der Prügelei unerheblich verletzt. Scherl gegen Nazis Gekränkte Uiehe klagt• Die Hugenberg-Blätter haben bis vor kur- zem über alle Schändlichteiten der Haken- kreuzler den Mantel verstehender Liebe gebreitet. Für sie war, solange nur „Marxisten" totgeschlagen und„marxistische" Häuser gestürmt wurden, alles in bester Ordnung. Erst als auch der Stahlhelm mit den Schulterriemen der SA. intime Bekannt» schaft machte, begann man im Scherl-Hause etwas unruhig hm- und herzurücken. Schließ- lich hat der Boykottbefehl des Herrn G o e b- b e l s gegen die Hugenberg-Presse dem Faß den Boden ausgeschlagen. Jetzt erscheint eine Flugschrist des Scherl-Verlages:„Der „Nationalsozialismus und wir." Darin liest man: Dankbarkeit in der Politik ist eine seltene Blume. Wir erwarten sie nicht. Aber doch dursten wir erwarten, daß man statt ihrer nicht, wie es seit Monaten geschieht, geradezu die unerhörtesten Angriffe und die bedenkenlosesten Ver» leumdungen uns würde zuteil werden lassen. Angriffe, die in den letzten Wochen auf«ine penetrante Weise den Geschmack sehr schäbigen Konkurrenzkampfes und die bösartigen Merkmale unlauteren Wettbewerbes trugen. Nach jenem seit- samen„parlamentarischen" Muster sucht man auch eine nationale Presse niederzuschreien, der die Nakionalsozialisten noch vor kurzem publizistisch fast alles zu verdanken hotten. Glaubt man wirtlich, durch Parteibefehl seine Leute auf die Dauer einer Presse hörig erhalten zu können, die ihren Lesern nicht einmal den elementarsten publizistischen Dienst leistet, indem sie ihnen vor allem einmal sagt, was ist? Glaubt man, durch den Abtreibungsversuch gegen die nationale Presse zu erreichen, daß künftig wirk- lich kein Parteigenosse erfährt, was Herr Hitler gesprochen hat, indem man nur Blätter zu ihnen dringen läßt, die in kitzligen Fällen ihren Führer einer tollen Zensur unterwerfen und das Wesentliche seiner Rede, wie im Falle Hitler-Hindenburg, unterschlagen? Will man er» zwingen, daß eine grob fälschende Bild» b« r i ch t e r st a t t u n g, wie die des„Illustrier» ten Beobachters", über die Eröffnungssitzung des Reichstages unberichtigt bleibe? Will man er» zwingen, daß die Parteigenossen wieder und wie» der nichts erfahren über die innige Zusammenarbeit der Nationalsozialisten mit den Kommunisten im Reichstag und im Landtag und zuletzt im Ueberwachungsausschuß? Nichts auch über die bedauerliche Politik des unzeitigen Vorprellens und der fortwährenden beschämenden Rück» züge: Rückzüge, die die Berechtigung jener Kritik beweisen, die man uns als„Gemeinheit" so schwer verübelt, daß man vor keiner Beschimp- fung gegen uns zurückscheut Zum Schluß spricht jedoch die Flugschrift die Hoffnung aus, daß die NSDAP, wieder „zur gesunden Vernunft" zurückkehren werde. Trotz alledem, in Treue harr ich dein! Die feindlichen Brüder. Eine deutschnationale Aeußerung in der Danziger Stadtbllrgerschaft, „daß sich in den Reihen der SA. das Verbrecher- tum organisierte", beantwortete die nationalsozia- listische Fraktion, wie der„Angriff" meldet, mit dem geschlossenen Auszug aus der Stadtbürger- schaft. Izdc Jfaeäu des„Mocwäcts" Uom* au tiu&u PteüaüsscUcci&eu des„Vow/ads" ieäueUuieu DIE BEDINGUNGEN WERDEN IN DER SONNTAGS- AUSGABE DES„VORWÄRTS" VERÖFFENTLICHT B E 1 LAGE SONNABEND, l.OKT. 1932 CLiaß fjCiegt nach dem THond „Nun ist er auch tot", sagte der Gesühlvalle unt«� uns.„Zuerst Kreuzer. Dann Gilettc. Und setzt er." Er schwieg einen Augenblick und ver- kündete:„Das ist das Gesetz der Serie." Und dann bestellte er einen Mokka mit Rum. „Mumpitz", sagte jemand. Im Vorgarten des Kaffeehauses war noch immer die Schwül« des Tages. Aber die Straße war in Nacht getaucht und silberne Lichtkugeln hingen hoch über ihr Das eine Auto, das Machtvcrkehr vortauscht, fuhr emsig hin und her. Die letzte Tramway hatte «in blaues Schlußlicht und es verdämmert« lang- sam in der Ferne. „Selbstmord..?" sagte der Gefühlvolle.„Aus- lnndische Blätter berichten, daß der Pilot eine Schußwunde im Rücken hat____" Er nahm einen liefen Zug aus d«r Mokkaschale und die Wärme der Nacht mochte ihn toll. Er konnte sich, wenn er wollte, an allem Räusche antrinken: an Wasser, an Mokka, an dem Lächeln einer Frau. „Es ist klar", sagte er.„Er hat den Piloten erschossen. Und dann ist das Flugzeug abgc- stürzt." „Dann ist es Mord und Selbstmord gewesen", sagte der Jemand. Der Gefühlvolle trank seinen Mokka au«. Es war ein sehr langer, säst endloser Zug, und es dauerte einige Sekunden, che er weiter sprach. „Es war Wahnsinn", sagte er dann.„Zwischen letzter Tramway und erstem Nachtautobus will ich euch diese Geschichte erzählen, ehe ich sie für die Papierkörbe der Redaktionen schreibe. Die Ge- schichte, wie Atab, der Schuhkönig, starb." „Mumpitz", sagte der Jemand.„Sie waren nicht dabei." „Ich war nicht dabei. Sie haben recht. Aber ich bin berauscht. Und wem, man berauscht ist, dann ist man bei allem dabei. Bei dem. was war. bei dem. was ist. und bei dem. was sein wird. Wenn dieser elende Mokka einen Sud hinterließe, könnte ich darin vom Tode Atabs lesen. Aber es ist kein Sud da..." Er sah ver- zweifelt um sich.„Aber ich bin ein Narr. Und darum kann ich die Geschichte Atabs erzählen, Atabs. der wahnsinnig wurde in seiner letzten Stunde und daran starb. Er war riicksichtsloier als Löwenstein. Der verließ hoch über dem Äer- melkanal sein Flugzeug, obwohl das Abspringen während der Fahrt verboten ist. Atab nahm sei- ncn Piloten mit!" Er lehnte sich in seinen Stuhl zurück. „Ihr kennt die Geschichte Atabs. Atabs. des Abenteuerlichen, des Ersolgreichen. Vielleicht kann man aus Emil Ludwig hassen. Ich sehe schon die Volksausgabe zu zwo Mark sünfundachtzig vor mir: Atab, der kleine Flickschuster. Atab. der Kriegslieferant, der die ersten zehntausend Paar Militärschuhc fabriziert. Und Atab mit Nach- kriegscharalter, Herr der laufenden Bänder und der großen Schuhstadt, in der er alles ist, Gott und Bürgermeister, großer Mann und Ausbeuter, und wo Zehntausendc für ihn schuften. Und dann kommt die Krise. Es liegt in der Natur der Krise, daß Atab voin Pfarrer Kneipp verdrängt wird. Die Menschen lernen barfuß zu gehen. Die Bloßfüßigen haben kein Geld für Atab-Schuhe und spekulieren auf die Kothurne— der Revolution. Die sind eisern und haltbar. Aber Atab nimmt den Kampf auf. Atab fährt nach Indien. Dreihundert Millionen Bloßfüßigen soll das Erxingelium der Schuhstadt verkündet werden. Ihr Gott selbst steigt in Kalkutta ans Land. Und in seinem Hirn formuliert sich das neue Gebet: Zwei Paar Schuh« um eine Rupie Wenn Gandhi und die Seinen wieder zum Meere pilgern, um das monopolfreie Salz Nephms zu gewinnen, warum sollen sie dann nicht Atab- Touristenschuhe tragen? Er wird in Kalkutta «ine Fabrik gründen. Und er wird Plakate drucken lassen, indische Plakate: Bande matarum, Heil dir, o Mutterland. Denn nun können deine braunen Söhne Atab-Schuhe kaufen. Und Atab kämpft weiter. Er fliegt durch Europa. Er kämpft um neue Fabriken. Er kauft Territorien. Er wirft sich der Krise entgegen, ein einzelner, und er muh zurückweichen, Schritt um Schritt. Und er liest: Kreuzer ist tot. Und er liest: Gilette ist tot. Und er liest im Traume: Atab ist tot. Und dann kommt jener Tag, an dem er nach Deutschland fliegen will. Es ist ein jäher, ein ganz unvermittelter Uebergang. In einem Menschen sammelt sich langsam der Wahnwitz an, aber es gibt Hemmungen, Staudämme. Bis dann plötzlich die Flut durchbricht. Ein energischer, zielbewußter, kämpfender Atab steigt in die Flug- iiialchine, die aus dem Lusthafen seiner Schuhstadt startet, und wie die Maschine die erste Schleife zieht, sitzt in ihr ein Wahnsinniger. Atab, der Narr. Und Atab. der Narr, hat eine moderne Flugmaschine mit geschlossener Kabine, mit leder- polsterüberzogenem Aluminiumfauteuil, mit einem Sprechrohr, das zu den Kapshörern führt, die sich um die Schläfen des Piloten spannen. Und de? kreist noch unenlschieden, denn Atab hat ihm nicht gesagt, wohin er will. Aber gleich wird er die Worte hören, er weiß es: Nach Dre-den?>och Berlin... Und dann... und dann— oas ist Waiter J)ucß wirklich sonderbar, nicht wahr?— hört er plötzlich die Stimme des Schuhgoltes, wie sie sagt:„Flie- gen Sie nach dem Mond." Do lächelt der Pilot, denn er weiß, wenn Atab, der Herr, einen Witz macht, dann hat man zu lächeln. Respektvoll und verständnisinnig zu lächeln, mit einem Grin- sen, in dem ein Unterton von aufblickender Ver- chrung liegt. Atab, der Herr, spricht aber weiter:„Bögumil, ich war immer zufrieden mit dir. Und nun sollst du ganz hoch hinaufsteigen, über die Wolken. zum Monde hinauf und zu nur. Wir wollen neue Märkte suchen. Wir wollen uns die Mond- bewohner ansehen und schauen, ob sie nicht bloß- füßig sind. Vielleicht haben sie keine Füße, viel- leicht haben sie nur Saugnäpse, mit denen sie wie Fliegen auf den Kratergebirgen umherklettern. Dann werden wir die neuen Atab-Saugnapf- hülsen auf den Mondmarkt werfen und Mond- kälberhäute werden billiges Leder fein." Und nun lächelt Bogumil, der Pilot, nicht mehr. Nun weiß er: Atab macht keine Witze, Atab ist wahnsinnig. Und Atab trägt immer eine Pistole bei sich, zu seinem Schutze. Und da beißt Bogumil die Zähne zusammen und ist wieder so klar und kalt wie damals, vor l3 Iahren, als er Kriegsflieger war und hoch über den italienischen Linien durch die Lust ratterte, während die Ma- schinengewehrkugeln flogen. „Gut. Wir fliegen zum Mond, Herr", sagt er in seinen Schalltrichter. Und mit der Hand tastet er verstohlen nach dem Tiefenstcuer. Und er hört, wie Atab spricht:„Bogumil. du wirst kreisen müssen, bis es Nacht ist. Erst dann werden wir den Mond sehen. Und dann fliegst du hin, Bo- gumil..." Die Hand zerrt am Tiefensteuer. Das Auge hängt am Höhenmesser. Nur noch zweihundert Meter... Nur langsam, nur kaltblütig, damit es der Narr da hinten nicht merkt Der Narr hat eine Pistole. Der Narr sitzt im Rücken. „Bogumil!" schreit es plötzlich in den Kopf- Hörer,„Bogumil, ich Hab s! Jetzt weiß ich es. Die Engel sind doch alle bloßfühig! Flieg in den Himmel! Bring mich zu meinen Kollegen! Sag oben, der Gatt der Schuhe will eine Au- dienz beim Gott des Weltalls! Wir müssen die Engel beschuhen! Ich weiß nicht... sind es Weiber... hohe Stöcke!... nein, es heißt doch: der Engel.. wir kreieren den neuen Milch- straßcntrotteur... wir, Atab, Gott und Com- pagnie... es gibt zuviel lausende Bänder und zu wenig laufende Füße in dieser Welt... Vier- süßlcr sollten die Menschen wieder werden... Bogumil! Ich erflehe Gottes Segen für die Ouadrupedenpartei, für die Partei der Vier- füßler— Hitler— Hitler als Reklamechef... er muß es propagieren.. er muß auf allen Vieren durch ganz Deutschland... er, ich, Hitler, Atab, Gott und Compagnie..." lind da geschieht es, daß Bogumil angstvoll zu dem neuen Compagnon seines Herrn betet: „Im Namen des Vaters... das Tiesensteuer.. und des Sohnes... das Tiefen... und des hei- ligcn..." „Hund!" brüllt es in den Kopfhörern,„Hund! Du fliegst ja zur Erde. In den Himmel müssen wir, in den Himmel!" Dann lieht und fühlt Bogumil nicht mehr viel. Es ist ein harter, dumpfer Schlag im Rücken, es ist wie ein Verkehrsschutzmann, der hoch den Arm reckt... nein, es ist ein Schornstein... und dann. und dann... Der Gefühlvolle schwieg.„Dort kommt gerade der Nachtautobus", sagte der Jemand. Und dann fügte er noch hinzu:„Mumpitz..." Atßeit aib ExfrcCun# „Diese zwei Wochen sind die reinen Ferien für uns", oerrieten mir die acht Mütter, mit denen ich unter den Birken vor unserem Landheim an> Kaffeetisch saß, und was ich sah, bestätigte ihre Porte. Ländliche Stille rings um uns her. Die Kinder mit ihren Lehrern fern im Walde. Eine ruhige Stunde, in der alles Drückende und Er- regende tief hinabgesunken schien. Wie kamen die Mütter hierher? Unser Schul- landheim hat keinen Verwalter, keine angestellte Wirtschafterin, kein sogenanntes Personal. In den Monaten der„Saison", April bis September, wird es von den Schulklassen verwaltet, die dort einziehen, und in den Wintermonaten werden die Fensterladen dicht verschlossen, die Verwaltung fällt gänzlich aus. Sollte sich mal ein neugieriges Mäuslein dorthin verirren, so wird es schon ohne nähere Anweisung seine Tage verbringen können. Man stelle sich das Heim trotz allem nicht wie eine kleine, primitive Hütte vor. Es ist ein ganz stattliches Exemplar seiner Gattung, mit allen nötigen Räumen für zwei große Volksschulklassen, Lehrer- und Müttcrzimmern, zentraler Wasser- Versorgung und Brausebädern. Aber Wirtschafter haben wir nötig, gc- nügend viel und tüchtige. Für 80 Kinder gibts eine Menge zu tun, je kleiner die Jungen und Mädel sind, desto mehr. Und die Wirtschafter oder besser Wirtschafterinnen waren es, denen ich beim Kaffee Gesellschaft leisten durste. Jede Klasse hat vier Mütter gestellt, und ihr Tagespensum an Arbeit ist nicht klein: die Tages- und Schlaf- räume sind regelmäßig und gründlich zu reinigen-, Betten und Möbel sollen ständig in Ordnung ge- halten werden; die Hcrrichtung der Mahlzeiten erfordert Ueberlcgung und Mühe: die Kleinen gebrauchen Aufsicht und Hilfe bei der Morgen- toilette und beim Schlafengehen. Dazu kommen hundert kleine Handreichungen, wie sie nur Mütter kennen und tun können. Trotzdem drängen sich die Mütter zu dieser Arbeit. Es ist ein Vorzug, sie tun zu dürfen. Es gibt Mißvergnügen, wenn die eine oder die andere sich zurückgesetzt fühlt. Die Doktorsrage, wie die Auswahl der Mütter zu geschehen hat, damit niemand dabei verletzt werde, ist noch lange nicht zur Zufriedenheit aller Be- teiligten gelöst. Diese acht Mütter sind da, endgültig und un- widerruflich, und niemand kann sie mehr von ihrem Platz vertreiben. Die erste Hälfte der Tagesarbeit liegt hinter ihnen. Die Zeit des Nachmittagskaffees ist die große Pause. Die eine Hälfte der Mütter hätte, wie das üblich ist, für einige Stunden„Ausgang" gehabt. Doch sie schienen es nicht eilig damit zu haben. Ein Klön- schnack am Kafseetisch hat auch seine Reize „Warum dies unsere Ferien sind?— Weil wir mal rauskommen aus all dem Elend und nichts davon hören und sehen. Weil wir einmal nicht für uns selber rechnen brauchen. Weil wir nicht jeden Tag Angst zu haben brauchen, daß die paar Pfennige doch zu nichts reichen. Weil wir mal nichts vom Tageseinerlei spüren. Weil wir den ganzen Tag vergnügte Kindergesichter um uns haben. Weil wir uns mal ordentlich miteinander aussprechen können. Und erst recht, weil es hier so schön ist, in unserem Landheim."—„Aber die viele Arbeit hier, ist denn das gar nichts?"— „Arbeit ist das schon, aber es ist andere Arbeit, und das ist für uns Erholung. Wir haben alle schon zugenommen, Frau Meyer am meisten, es paßt ihr gar nicht."—„Und die Männer?"— Die müssen zusehen, wie sie sich durchschlagen. Der eine ist zu seiner Mutter gezogen, der andere zu einer Tante. Ein dritter hat sich in seiner Land- bude selbständig gemacht und übt sich als Roh- köstler. Der vierte ist Strohwitwer aus der Etage. und Nummer fünf ist nicht mehr vorhanden. Die drei letzten Frauen haben nichts zu berichten: sie hätten schon, aber ihre Männer stehen noch in Arbeit, und die schweigen. Das Gespräch weichet sich anderen Themen zu: wie die Schule früher war und wie das Leben früher war: was für Aerger es doch gibt und was für Spaß. Plötzlich springt die Ober- kommandierende, die Frau vom Kochtops, auf und erinnert daran, daß»un Schluß sei und es wieder an die Arbeit gehen müsse: achtzig hungrige Mäuler würden sich bald zum Abendbrot ein- stellen, und da gäbe es genug zu tun. Abends mag die Plauderstunde ihre Fortsetzung finden. Wenn müde Kinderaugen sich zum Schlai geschlossen haben, wenn auch die letzten Plapper- mäulchen verstunimt sind, dann rücken die Er- wachsenen vielleicht noch einmal zusammen, be- sprechen den Verlauf des Tages, den Stand der Wirtschaftskasse, die Pläne für den kommenden Tag. Und tiefer, dörflicher Frieden überschattet alles. Ferien ist ein merkwürdiges Wort geworden. Seitdem so viele Väter anscheinend für immer von der Arbeit beurlaubt worden sind, gibt es in deren Häusern eigentlich keine Ferien mehr, keine Ferien, die Ausspannung, Kräftigung, Erholung bedeuten. Ferien pferchen nur noch mehr Fa- milienmitglieder auf engem Raum zusammen, er- schweren die Arbeit der Mutter und bringen dem erwerbslosen Vater das Niederdrückende seiner Lage um so stärker zum Bewußtsein. Die Badeorte berichten in den Zeitungen, daß der Besuch in diesem Sommer recht zufrieden- stellend gewesen sei. Von all den Menschen, an die ich jetzt denke, ist sicher niemand in den Kur- listen geführt worden. Kinder mußten am ersten Schultag nach den Ferien nichts zu erzählen vom Harz und von der Heide, von der Nordsee und aus den Alpen. Sic haben ihre Tage verbracht wie immer, nur daß sie vormittags nicht in der Schule waren. Und es bleibt bitter, zu sehen, wie dort, wo die Not am schwersten drückt, wo Entbehrung ohne Maßen ständiger Hausgast ge- worden ist, es kein Ausweichen mehr gibt, keine Entlastung, keine Erholung. Im Schullandheim ist Arbeit Erholung, und jeder preist es als Gewinn, wenn er noch diesen Glückszipfel erwischt hat. Aevermann. J)ex£ficverixag Bustcr K e a t o n, der weltberühmte Schau- spieler, hat mit seinem blöden Gesicht schon viele Millionen Dollar verdient, und nach jedem neuen Film, in dem er eine Hauptrolle spielt, vermehrt sich sein Vermögen um einige hunderttausend Dollar. Buster Keatan ist der einzige Mensch der Welt, der sein Einkommen allein seinem blöden, ein- fälligen Gcsichtsausdruck verdankt Nicht nur die Amerikaner haben ihn gern, er ist auch Europas Liebling. Wie ihn die ameri- konische Filmkritik verherrlicht, zeigen Auszüge aus seinen Kritiken: „Unser Schäfchen war heute wieder hervor- ragend blöd.." „Ein neugeborenes Kalb kann nicht so ent- zückend sein, wie er..." „Der ernsteste Kritiker muß in die dummen Augen Keatons verliebt sein." Aber nicht nur die Filmkritiker, sondern auch die jungen, hübschen Kinobesucherinnen Amerikas lieben ihn. Trotzdem er schon lange verheiratet und glücklicher Vater ist. Als er noch Junggeselle war und sein zwan- zigstcr Schlagersilm über die Leinwand lies, be- kam er eines Tages von einer jungen Dame einen Brief, mit einliegender Photographie. „Ich möchte einmal persönlich in Ihre dummen Augen schauen", schrieb die schöne Unbekannte. „Ich auch", murmelte Bustcr Kcaton, als er die Photographic betrachtete. Mit einem riesigen Blumenstrauß bewaffnet, rückte er eines Tages bei der Brieffchreiberin an. Zu seiner größten Enttäuschung mußte er fest- stellen, daß er ziemlich frostig empfangen wurde. Nachdem er eine Stunde bei der Dame verweilt hatte, fragte er sie beim Abschied: „Miß, wollen Sie meine Frau werden?" „Geben Sie mir drei Tage Bedenkzeit, ich werde Ihnen schriftlich Antwort zukommen lassen." Nach drei Tagen erhielt er folgenden Brief: „Lieber Herr Kcaton! Leider kann ich mich nicht entschließen, Ihre Frau zu werden, denn Sie haben mich sehr enttäuscht. Sie sind sehr unhöflich und Ihr liebes, einfältiges Gesicht, Ihre blöden Augen, die mich so sehr entzückten, suchte ich vergebens. Warum haben Sie mich so klug angeschaut? Sind Sic auch nur ein Durch- schnittsmensch?" Buster Keaton ging, nachdem er den Brief ge- lesen hatte, schweren Herzens zu der jungen Dame, die ihm selbst die Tür öffnete, um per- sönlich die Fragen, die sie ihm gestellt hatte, zu beantworten. Er war furchtbar traurig und konnte kein Wort hervorbringen. Seine Traurigkeit machte ihn linkisch und unbeholfen, und unbewußt setzte er dos blödeste Gesicht auf, das er je gemacht hatte. Die junge Dame vergaß ganz ihre Würde, als sie ihn erblickte, und ganz unpassend siel sie ihm um den Hals und rief: „Mein Buster! Du bist es wirklich! Ja, ich werde deine Frau!" Sie heirateten sich bald darauf und Buster Keatan mußte sich durch Ehcvertrag verpflichten, daß er täglich mindestens eine Viertelstunde lang dos blödeste Gesicht der Welt machen wird vital. J)ie limpngiung Während die Hauptquartiere:„Im Westen nichts Neues" meldeten, während zumindest neun von den zehn erbittert kämpfenden Armeen im siegreichen Vormarsch begriffen waren und die Heldentaten mit den Verwundctenlistcn um ein unseliges Primat stritten, stieß ein deutscher Beobachter, in Zivil Reporter aus Berlin W., auf eine acht Mann starke französische Patrouille. Zwei Schüsse, drei Verwundete,„Hände hoch!" — ihre Massen polterten zu Boden, und er führte die kleine Armee hinter die Linien zu seinem wachthabenden Vorgesetzten. „Wie haben Sie das fertiggebracht?" fragte der lachend. „Es war Nacht! In der Ferne zuckte giftig ein Wetterleuchten. Der Boden erschauerte unter dem rollenden Donner. Der Feind lag ruhig. Nur hie und da ein Ticken, verirrtes Maschinen- gcwehrfeuer. Der ausgebrannte Wald drohte gähnendes Unheil. Da, der eherne Tritt eines eisernen Bataillons. Das Blinken der Bajonette, das Klirren gefchlif- jener Schäfte, gedämpftes Kommando und schwerer Atem des Laufes. Ich gebe Feuer! 10, 20, 30, 10, 50 Schuß. Ich schreie„Hurra!". Und tausendfaches Echo entrang sich der verwundeten Erde. Verwirrung, Flucht, Angst und Entsetzen bannte lähmend den Feind. Ich schreite zum Angriff, die Fahne hoch gen Himmel, dröhnendes Trommeln im Ohr und das Blech aufpeitschenden Alarms. Links und rechts sinken Verwundete. Regellose verheerende Flucht. Chaos und Auslösung halten den Gegner im Bann. Ich auf ihn zu und habe den Feind— um- zingelt!" Amtliche Meldung des Hauptquartiers: „Lemberg noch immer in unserem Besitz. 50000 Gesangene." ssraru Bansdi. Sport am Sonntag Was in und um Berlin los ist Kehraus bei„Soli". Die Rennfahrerabteilung Berlin-Mitte im Arbeiter-Rad> und Kraftfahrer- Bund„Solidarität", veranstaltet am Sonntag ihr letztes diesjähriges Straßenrennen auf der Strecke: Blumberg, Werneuchen, Tiefensee. Steinbeck, Brunow, Leuenberg und wieder zurück. Das Rennen wird als Zeitfahren gewertet und geht um die Berliner Straßenmeisterschaft. Das Rennen beginnt morgens um b.-Z» Uhr. Start und Ziel ist in Blumberg am Kilometerstein 19,6. Der Sammelstart ist in Berlin ani Königstor um S Uhr. Freie Schwimmer Zehlendorf. Aus Anlaß des einjährigen Bestehens veranstaltet der Berein fein Stiftungsfest im Lindenpark, Zehlendorf, Berliner Straße 8, heute, Sonnabend. Ein großes Spielfest wird am Sonntag auf dem Gemeindespielplatz in Zehlendorf, Spandauer Straße, durchgeführt. Die »cugegründcte Hockeymannschaft hat um IZIe Uhr den ASV.-Schöneberg als Gast. Bei den Handballspielen stehen sich in de» Serienspielen um 14 Uhr die 1. Frauenmannschaft des X. Bezirks und die 1. Mannschaft des ASV.-Neukölln gegen- über. Die 2. Männermannschaft empfängt um 15 Uhr die 1. von FTGB.-Lichtenrade, während um 16.19 Uhr die 1. Mannschaften von Zehlen- darf und FT.-Ruhlsdorf spielen. Die Freie Arbeiler-Schachvereinigung Groß- B erlin beginnt ihren Kampf um die diesjährige Abteilungsmeifterfchaft mit dem gemeinsamen Kampf aller �-Mannschaften am Sonntag von 14 bis 18 Uhr in Ewalds Vereinshaus, Skalitzcr- ftraße 126(Hochbahnhof Kottbuffer Tor). Da die stärksten Abteilungen zusammentreffen, find inter- eisante Spiele zu erwarten. Im übrigen freier Schachverkehr, Gäste herzlich willkommen, Ein- tritt frei. Absporleln der Freien Turnerschasl Britz 1SS8 und Askö. Am Sonntag, 13 Uhr, findet das Abfporteln beider Vereine auf dem Sportplatz Trcfcburger Ufer unter Mitwirkung des Tambour- korps der SAJ. statt. Außer den Dreikämpfen. Läufen und Stafetten finden zwei Faustballspiele zwischen Britz 88 und Askö statt. Die Veran- staltung wird mit einem Handballspiel zwischen Moabit und Britz beendet. Rennen in hoppegarlen. Das mit 13 999 M. ausgestattete Ratibar-Rennen für Zweijährige steht im Mittelpunkt des Hoppegartener Programms. Leider werden n»r vier Pferde den Kampf über die 1499 Meter der geraden Bahn aufnehmen, doch ist die Begegnung von Cassius, des Siegers im Qppenheim-Rennen, mit Janitor, dem Ge- winner des Preises des Winterfavoriten, von höchstem Interesse. Außer Cassius(K. Narr) und Janitor(O. Schmidt) gehen noch Makarius (Streit) und Herzog(Haynes) an den Start. Aus- gezeichnet besetzt ist auch das Omnium, der klassische, über 3999 Meter führende Steheraus- gleich, den Wolkenflug, Erika, Marie Louise, Tantris, Wilderich, Willkomm, Silberftrcif und Agathon bestreiten fallen. RIotorfport. Eine ausgezeichnete Besetzung haben die Rennen für Motorräder und Klein- wagen gefunden, die der Gau I Berlin-Branden- bürg des ADAC, auf der Trabrennbahn Berlin- Ruhleben veranstaltet. Sechs Boxkämpfe in der Reuen Welt. Ein interessanter Kampfabend steigt am Dienstag, 4. Oktober, im Berliner Kleinring„Neue Welt". Die Zugnummer des Abends ist die Schwergewichtspaarung zwischen Hower-Köln und dem guten Südamerikaner Raul Bianchi. Daneben gibt es noch folgende fünf Begegnungen: List- Zwickau gegen Fickert-Chemnitz, Beißmann-Hanno- ver gegen Pfitzner-Berlin, Schiller-Hannover gegen Gahres-Duisburg(Federgewichtsausfchei- dung), Hoffmann-München gegen Felten-Dresden, Hintemann-Berlin gegen For'tmann-Berlin. Wenn„Behörden tagen Bürgerliche Leichtathleten in Köln In Köln wird am Sonntag die Deutsche Sportbehörde für Leichtathletik, die Spitzenorganisation der bürgerlichen Leichtathletik- vereine, zu einer Generalversammlung zusammentreten. Sie könnte ein umfangreiches Tagesordnungsprogramm zu erledigen haben, wenn die Organisation der„Behörde"(im bürgerlichen und im Berufssport legt man Wert auf klangvolle Bezeichnungen!) eine Diskussionsteil- nähme weitester Mitgliederkreise zulassen würde. So aber haben sich die Herren Sportführer ge- schickt von Demokratie und Volkstümlichkeit abge- schlössen. Es wird nichts passieren, was die Kreise der Herren stören könnte. Eine Delegiertenschaft, wie sie Arbeiterorganisationen kennen und auf die sie dank ihres demokratischen Aufbaues stolz find, kennt man bei der Sportbehörde nicht. Es stimmt schon, wenn selbst von ernsthaften Sportblättern behauptet wird, daß bei dieser Tagung mehr als sonst heftige.Kritik zu erwarten gewesen wäre, daß diese Kritik sich insbe- sondere auf den für die deutschen Leichtathleten katastrophalen Ausgang der olymp i- f ch e n Spiele in Los Angeles beziehen würde, aber von den Herren an der Spitze unter alle» Umständen unterbunden werden wird. Das meiste, was sich in Köln abspielen wird, sei eine K o- m ö d i e, so schreiben die Blätter: bereits 24 Stun- den vorher fei in Geheimkonventikeln alles genau festgelegt, so daß die Führer bestens vorbereitet und gegen alles gewappnet zur Hauptversammlung gehen. Sieht man sich die Chose bei Tage an, so findet man die Schuld nicht nur bei den prominenten Führern. Beteiligt an dem Ausschluß der Sport- öffentlichkeit, an den direktionsgemäß verlaufenden Tagungen find auch die Leiter der einzelnen Ver- eine, die auf den Generalversammlungen der Be- Hörde alles schlucken, was ihnen vorgesetzt wird. Hier ist zuerst der Hebel anzusetzen, die Vereine müssen ihre völlig überalterten Führer durch wirklichkeitsnahe ersetzen, durch Führer, die noch Sportler sind und nicht Bonzen— so beliebt man jetzt ja wohl solche Leute zu nennen. Der bürgerliche Deutsche Fuhballbund klagt sehr über den Stand seiner Finanzen. Das mutet etwas merkwürdig an, wenn man erfährt, daß beispielsweise das Spiel zwischen den Länder- Mannschaften von Deutschland und Schweden am Sonnkag in Nürnberg die immerhin beachtenswerte Summe von 35 999 Mark an Einnahmen brachte. Nun ist der Deutsche Fußballbund der erste Finanzier der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik, was bei solchen Einnahmen nicht weiter verwundert: er hat es aber satt, für die Sünden der starren Sportsührer ständig an seinem Geldbeutel büßen zu müssen. Deshalb wird offen und versteckt für eine Loslösung des Bundes von der„Behörde" Stimmung gemacht. Die Arbeiter- sportler aber blicken mit einigem Erstaunen aus die Kassierer der bürgerlichen Fußballer, die 35 999 Mark bei einem einzigen Spiel einnehmen können. Aber das geschieht den Arbeitersportlern ganz recht, weshalb erziehen sie sich nicht auch durch ent- sprechende Bezahlung Kanonenspieler, mit denen solche Geschäfte gemacht werden. Erwerbslosensport Zum letzten Mal im Freien Die unter Leitung der Freien Turnerschast Groß-Berlin im Sommerhalbjahr aus dem Spart- platz an der Schönhauser Allee durchgeführten Sporttage für Erwerbslose wurden mit einer größeren Veranstaltung abgeschlossen. Zu Fuß oder per Rad kamen rund 179 Erwerbslose aus Groß-Berlin, um sich diese Tagesgelcgenheit zum Sportkampf nicht entgehen zu lassen. Trotz aller Notumstände, wie mangelnde Kleidung und Er- nährung der Teilnehmer sind doch recht beachtliche Resultatn erzielt worden. Dreikampf Männer: 1. Gebhardt(Schönow) 219,88 P.; 2. Bräuer(Tegel) 216,18 P.; 3. E. Krüger(FTGB.»Nor- den I) 213,50 P.— Dreikampf Frauen: 1. Förster(Rot. Weiß) 229,83 P.; 2. Kietzinste(Rot. Weiß) 211,78 P.; 3. Mundkowski(Rot-Weiß) 208,44 P.— Dreikampf Jugend: 1. Ziedrich(Volkssport Neukölln) 200,19 P.; 2. Wenzel (FTGB..Osten) 177.13 P.: 3. F. Krüger(FTGB.. Norden I) 158,19 P.— 1500 Meter-Lauf, Männer: 1. Hintscher(Ost. ring) 4:27,8: 2. Reimann(Rot-Weiß) 4:33,4; 3.(steffan (ASB. Neukölln) 4:36,9.— 3«0-Meter.Lauf.V: 1. Schuster (Volkssport Neukölln) 39,4 Sek.; 2. Krause(Moabit) 39.5 Sek.; 3. Vökkner(Rot-Weiß) 39,7 Sek.— 300,Meter- Lank B; 1. Schattling(NeuKlln) 40,6 Sek.; 2. Iörß(Neu- köllil) 40,8 Sek.; 3. Muserower(Volkssport Gedding) 41,5 Sek.—-txioO.Metcr-Entscheidung: 1. Moabit-Schö- now 48,1; 2. Volkssport Neukölln 48,2; 3. Tegel 49 Sek.- Speerwerfe» Männer: 1. Brauer(Tegel) 41,79 Meter; 2* Langgommer-($6(393.)f 40,52. Nieter; 3. Drägestein (Volkssport Wedding) 40.31 Meter.— Faustball: FTGB.. Lichtenrade— Freikörperkultur 1 81: 41; FTÄB.'Nordring— Freikörperkultur 2 67: 48: FTGB.-Reinickendorf— Freie Schwimmer Groß-Berlin 65: 57; FTGB.-Osten— Ostring 51:57; FTGB.-Norden I— Rot-Weiß 43: 50.— 10x200. Meter Männer: 1. Cxer komb.; 2. Rot-Weiß; 3. Ostring: 4. FTGB.-Reinickendorf.Ost. Sport auf lange Sicht Bundesveranstaltungen 1933 Der Arbeiter-Turn- und Sportbund verössent- licht jetzt schon sein Programm der Graß- v e r a n st a l t u n g en für das kommende Jahr. Es zergliedert sich in Veranstaltungen, die alle Spartenmitglieder umfassen, und solche der ein- zelnen Sporte». Die erste Gruppe enthält: 28. Mai: Sternslofettenlauf nach Magdeburg zum Bundestag, am 3. September: Drittes Bundes- alterstreffen. Auch die Turner und Leichtathleten haben ihr Programm fertig. Es finden statt am: 39. April: Vorturnerprüfungen, 19. September: Leichtathletischc Vereinsmehrkämpfe, 24. Sep- tcmbcr: Bundesmeisterschaften im Geräteturnen. Die 1933 stattfindenden Bundesmeister- schastsspiele für Handball sind eben» falls schon aus den Tag festgelegt: 13. August: Erste Vorentscheidung der deutschen Verbands- Meister. 27. August: Zweite Borentscheidung der deutschen Verbandsmeister. 19. September: End- spiel um die deutsche Meisterschaft. 24. Septem- der: Schlußspiel um die Bundesmeisterschaft zwischen dem deutschen und österreichischen Meister. Die Fußballspieler werden wie bisher ihre Großveranstaltungen zur Ermittlung des Bundesmeisters in der ersten Jahreshälste abwickeln. Sie haben angesetzt für den 39. April: Erste Vorentscheidung der Verbandsmeister. 7. Mai: Zweite Borcntscheidung der Verbands- meister. 21. Mai: Schlußspiel um die Bundes- fußballmeisterschaft. Zu all diesen Veranstaltun- gen kommt am 25. Juni der vom letzten Kongreß der Sozialistischen Arbeitersportinternationale in Lüttich beschlossene Weltarbeitcrsport- t a g hinzu, verbunden mit einem deutschen Ar- beiterkulturtag der Arbeiter-Sport- und Kultur- verbände, einschließlich des Reichsarbeitersport- tages. Durch die so zeitige Bekanntgabe dieser Termine haben die Vereine, Bezirke und Kreise des ATSB. die Möglichkeit, ihre Iahrespro- gramme dementsprechend einzurichten. Sport in Kürze Die Ausstellung der Arbeitersomariter, Ritter- straßc 1, ist bis Donnerstag. 6. Oktober, verlängert worden. Am Montag, 3. Oktober, werden Licht- bilder über Krebskrankheiten gezeigt, Dienstag Schwangerschaft und normale Geburt, Mittwoch Das Arbeiten des Arbeitersamariters. Die 4. Berliner Auto- und Molorradmesje wird in der Zeit vom 12. bis 16. Otiober in der großen Halle I auf dem Ausstellungsgelände am Kaiser- dämm abgehalten werden. Diese Messe verspricht nicht nur für Kaufintcressenten von gebrauchten Krastsahrzeugen besonders interessant zu werden: es ist gelungen, auch die Gruppe Kraftsahrzeug- zubehör und-bedarf ganz bedeutend auszubauen. Deutsche Turnerschast führt Wehrturnen ein. Dieser am 24. September vom Vorstand des Turnausschusses der DT. einstimmig gefaßte Be- schluß verwundert nicht. Die DT. verstand es schon immer meisterhaft, sich„auf den Boden der gegebenen Tatsachen" zu stellen. Sie war es auch, die während der Kricgszeit für die Nach- kriegsjohre für sich das alleinige Recht bean- spruchte, als Berband die deutsche Jugend einer wehrsportlichen Vorschulung zu unterziehen. Wir sehen schon jetzt, daß die. DT. den anderen Ver- bänden des Reichsausschusses für Leibesübungen bei der Regierung von Pape» und dem Geneml von Stülpnagcl den Rang ablaufen wird. Freie Arbeiter- Schachvereinigung Groß-Berlin. Die neugegründete Abteilung Westen spielt jeden Dienstag ab 29 Uhr Steinmetzstraßs 36». Schach- spieler und solche, die es werden wollen, sind freundlichst eingeladen. Schmeling— Baer Eine 100 OOO-Dollar-Sacke Fast zur gleichen Stunde, in der Max Schmeling im Long-Island-Stadion Mickey Walker besiegte, schlug in Chikago der junge Deutschamerikaner Max V a e r den guten Tusfy Griffith in der 7. Runde. Dieser Max Vaer hat sich in der letzten Zeit sehr stark in den Vorder- grund geschoben und viele namhafte Boxfachleute stellen ihn in der Weltrangliste der Schwerge- wichtsboxer an die dritte Stelle hinter Welt- meister Jack Sharkey und Max Schmeling. Abgesehen van dem Weltmeisterschaftskamps Sharkey— Schmeling, der wohl erst im Sommer nächsten Jahres stattfinden wird, wäre also ein Treffen zwischen Max Schmeling und Max Baer die zugkräftigste Paarung, die es gegenwärtig in Amerika gibt. Kurz vor seiner Abreise mit der „Bremen" nach Deutschland hat Max Schmeling auch bereits das erste Angebot für einen Kampf mit Max Baer erhalten, und zwar boten ihm Ver- anstalter aus San Franzisko für einen solchen Kampf die hübsche Summe von 199 999 Dollar, Nun wieder Eishockey Nachdem die Radfahrer in diesem Jahre früher als sonst ihren Einzug in den Berliner Sportpalast gehalten haben, werden ihnen die Eishockey- spieler demnächst folgen. Bereits in der nächsten Woche wird die Eisfläche hergerichtet, do- mit die Spieler Gelegenheit zum Training haben. Am 8. und 9. Oktober steigt dann die erste eissportliche Veranstaltung, zu der eine Auswahl- Mannschaft der englischen Icehockey-Association kommt. Der Berliner Schlittschuh-Club tritt den Engländern im Hin- und Rückspiel gegenüber. Interessant ist übrigens, daß die bewährte Mann- schalt des BSC. durch ihr früheres Mitglied, den längere Zeit in Amerika und Kanada gewesenen Orbanawski verstärkt wird. Aller Voraus- ficht nach wird auch Sonja H e n i e bei der Premiere nicht fehlen. Den Winter will die populäre„Sonja" übrigens in Amerika verbrin- gen, wo sie sich in einer Reihe von Schanlänie» zeigen wird. Ende Oktober wird der Sportpalast die zweile eissportliche Veranstaltung abwickeln. Schwarzes Brett ZTSB... Norden III. Nicgcnfatirt am 2. Otiober. Ein. treffen aller Riegen bis 14 Uhr im Lokal St. Hubertus, Inh. Ww. F. Hünert. direkt am Bahnhof Schulzendorf. Treffpunkt für Nachzügler 1212 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen, Badstraßc... Nadfahrer„Solidarität", Ort-qruovc Berlin. Geschätts- stelle: Planufer vll. Sprechstunden jeden Dienstag. 18 b'.s 2>! Übt. Touren für Sonntag, 2. Oktober. Tiergarten: Nach Blantenfeldc(»reis Teltow), Rennen und Schinhel. jagd, Stork 7 und 18 Ustr Bülowftr.— streu, drrg: l. Oltober lSrost.Schöncbclt, Starr 17 Uhr: 2. ONoder Niederfinow, Bestchttaung des Schiffsliebewerks, Start 7 llkir: beide Rbode, Dicifenbachstr. lbi.— Mariannen. vkast: Streif, üoe Blumentbal, Start 7 Uhr: 18 Übt Hirsch- garten, Start Mariannenplatz.— Friedrichsbain: Blankensee, Start 7 Ubr: Jugend: l. Oktober Frankfnrt a. d. O., Start 18 Ubr Petersburger Platz.— Prcn, lauer Berg: t. Oktober Liepe. Start 1- Ubr: 2. Oktober Summt, Start 8 Ubr Gotdcr. Oderbcrger Str. tztt.— Vedding: Kremme- »er See. Start 7 Ubr Schreiber, Triftstr. 83.— Cbarlotten. bürg: stremmen. Start 8 Ubr Reimer. Grtinstr. tz— 10.— Wilmersdorf: I. Oltober chZanderfabrt ,ur Ruppincr Schwei,, Start 10' Ubr.— Moabit: Llbfahrt Potsdamer Secnlclte. Start I» Uhr. Rnschlietzend ab 5 Ubr Bei, sammensein bei Schmidt, Wicleistr. 17.— Reiniiiendors: Ziel am Start 7 Ubr Sachs, Holländer ötr. 23. Ardeitcr-Schützendund, Ortsgruppe Berlin. Am So»»- tag, 2. Oktober, ab 10 Ubr, stleinkalibcrschietzcn in Fried- rimsfeldc, Upftallweg. Tonriftenoerein„Die Naturfreunde". Dienstag, 4. Vkto- der. Uicdding: Willdcnowstr. ö(Zimmer 4>: Wettwirtlchaft (Dr. Bienstoek).— Humboldtbain: Willdenowstr..,(Zim- nier 18!: Walzerlebniste.— Gesundbrunnen: Pank- Elte Äiesenstratzc: Gruppenfragcn sowie Tagespolitisches.— Norden: Sonncnburger Str. 20: Aus dem Reich der Technik tReierat).— Fricdrichsbain: Frankfurter Allee 307(Eberl- Saal): Eschbad):...stunst und stunstwerkc".— Osten: Ebertnstr. 12: Zebn-Minuten-Referate.— Friedenau: Offenbacher Str. ö.i.— Obcrschöncwcide: Laufenet Str. 2. — Mittwoch, 5. Oktober. Osten, Sugendgruppe Frank- furter Allee 307.— Donnerstag, 6. Ottober. Pboto- Ardeiisgemeinschaft Rowad: Jobannisstr. 13.— Natur- kundtiche Abteilung: Jobannisstr. 13: Wclteislebre.— Rofentbaler Vorstadt: Weinmeisterstr. 16—17: Wirtschafts- tragen.— Tiergarten: Lehrter Str. 18—19: Bertiner Humor.— Humboldtbain: Pank- Ecke Wiescnstratze: Singe- kreis.— Prenzlauer Berg: Danziger Str. 62 lBarackc II): Mitgtieberoerfammlung.— Vinetavlatz-Schönbauser Bor- stadt: Lortzing- Ecke Graunstraße: Aufbau in der Sowjet- uniou tAstaticus).— Südwest: Porckstr. 11: Geschäftliches. — Lichtenrade: Lenz. staifer-Wilbelin-Str. 73: Dir geben gratuliere». Pünktlich fein. Mustkinftrumente mit- bringen.— Neukölln: Bergstr. 29(Raum I): Geschäftliches für November, Dezember.— Lichtenberg: Guntcrstr. 44. Freie Schwimmer Zchlendarf. Uebungszciten für das Winterbalbjabr: Schwimmen: Mittwochs ab 20 Ubr in ber Badeanstalt der Stabila, Lichterfclde, Zeblendorfer Straße. stindcr und Nichtschwimmer pünktlich. Zur Vcrvollständi- gung der Svielmaunschaftcu werden noch Spieler auf- genommen. Anmeldung an den Sportabenden. Ergän, zungssport und Gymnastik: Kinder 18 Ubr Donnerztags in der neuen Turnballe: Erwachsene 20 Ubr der Nordschule, Potsdamer Str. 7. Theater der Woche vom 2. bis 10. Oktober. Volksbühne. Theater am Bülowplatz: Bis 7. Der Revisor. Ab 8. Die Ratten. Staatstheater. Staatsopcr Unter den Linden: 2., 3. Der Rdsenkavalier. 3. Rigoletto. 4., 8. Diener Blut. 6. Figaros Hockt- zeit. 7. Meistersinger. 9. Tristan und Isolde. 10. Capat- leria rusticana. Staatliches Schauspielhaus: 3., 7., 10. Das istr wollt. 4. Minna von Barnbelm. 3., 6. Die Journalisten. 8., 9. Dilhelm Tell. Städtische Oper llharlottenburg: 3. Friedemann Bach. 4. Die Babcme. 3. Macdetb. 6. Die Entsübrung aus dem Serail. 7. Undine. 8. Ein Maskenball. 9. Lohengrin. 10. Petruschka— Gianni Schicchi. Theater mit festem Spielplan. stursürstendomw-Tbiater: Der Better aus Dingsda.— Deutsches Theater: Rose Bernd.— stammerspielc: Bis 7. Schicksal nach Wunsch. Ab 8. Das Ber. löbnis.— Deutsches stünstler-Tbeater: Ab 3. Märchen vom Wolf.— stomädienbaus: Moral.— Metro. pol-Thcater: Eine Frau, die weiß, was sie will!— Theater des Westens: Ab a. Paganini.— Theater im Admiral«. Palast: statbarina.— Komische Oper: Man braucht kein Geld.— Lcising-Thcater: Pygmalion.— Theater am Rollendorsptag: Der Fürst der Berge.— Theater am Schistbanerdamm: stolonne Immergrün.— Berliner Theater: Der lebende Leichnam.— Thalia-Theater: Prin. zessin für eine Nacht.— Theater in der Behrenftraße: Der Tiefstapler.— Renaistance-Theatcr: Eanoven-Ehre.— Rosc-Theater: Der Hauptmann von Köpenick. 8. Nacht. Vorstellung: 23?1 Uhr: Ganoven-Ehrc.— Casiuo-Theater: Königin der Lust.— Plaza: Der Bettelstudent.— Scala, .Wintergarteu: Internationales Barietd.— Rcichshallen- Theater: Stettiner Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Zentral-Theater: Bis 3. Die Reise ins Glück. Ab 6. Die van der Laubenkolonie, l., 2., 8., 9., 23 Uhr: Dirnen- lragödie.— Schiller-Thcatcr: Bis 8. Der 18. Oktober. Ab 9. Die versunkene Glocke. Hachmitlagsvorstellungen. Bollsbühne. Theater am Bülowplatz: 2., 9. Der Ren!» sar.— Städtische Oper Eharlottcnburg: 4., 18 Uhr: Er. werbslosenvorstcllung: Die Boheme.— Komädienhau«: 9. Moral.— Theater des Westens: Paganini.— zentral- Theater: 3.. 8., 16 Uhr: Das tapfere Schneiderlein. 9., 13 Uhr: Das tapfere Schneiderlein.— Rosc-Theater: 3., 171 4 und 9., 171-j Uhr: Der Hauptmann von Köpenick. 8.. 17 Uhr: Aschenbrödel. 9., 14'> Uhr: Eanovcn-Ebre.— Easino-Tbeater:?., 9. Königin der Luft.— Plaza: Der Bettelftudent.— Seala: Internationales Bariete.— Winteraarten: 2., 8., 9. Internationales Variete.— Reichs- hallen-Theater: 2., 9. Stettiner Sänger. Erstaufführungen. Montag. Deutsches KUnstler. Theater: Das Märchen vom Wolf.— Dienstag. Kleines Theater: General Percn gründet ein Känigrsick.— Mittwoch. Thea.ter des Westens: Paganini.— Donnerstag. Thcaterinder Behren st raße: Bargeld lacht.— Zentral-Theater: Die von der Laubenkolonie.— Freitag. Staatsoper: Die Meistersinger.— Sonn» tzbend. Volksbühne: Die Ratten.— Schauspielhaus: Wilhelm Tell.— Kammerspiele: Das Berlöbnis. Freiroligiöse Gemeinde. Sonntag, II Uhr, Pappelallec 15, Vortrag des Herrn C. Witthauer: Der Mensch und die Technik. Gäste willkommen. Weller für Berlin: Wechselnd bewölkt und kübler, einzelne Schauer, nach Nordwest drehende Winde.— Für Deutschland: Im Norden und 'Nordosten veränderlich und kühler, vielsach Schauer, im Süden und Südosten auffrischende Slldwestwinde, sonst keine wesentliche Aenderung. Tic Teutschc Liga sür Menschenrechte bittet uns, darauf hinzuweisen, daß die Konferenz„Tie Rechtdnat in Tentschland", nicht, wie vargeschen, am Sonnabend, dem I. Oktober stotlsindet, sondern wegen Bcrhindc- rung eines Ncfcrciitcn nunmehr am Dicustag, dem 4. iLktaber. 19.30 Uhr, im Plenarsaal des ehemaligen HerrcnhaulcS, Leipziger Str. 3, stattfinden wird. Es werden sprechen: Professor Jastrow, Ministerialdirektor Dr. Hermann Brill, M. d. R.(Gotha), Professor Sinz- hcimer(Frankfurt a. M.) und Rechtsanwalt 7r. Ru- dolf Oldau. Für die Oiencraldebatte sind die Rechts- anwältc Günther Joachim, Heinz Braun-Magdeburg. Tr. Muri Rvsenfcld u. a. gemeldet.-Karten sür di- Veranstaltung in der Geschäftsstelle: Monbisouplatz 10, Eingang 4, 3 Treppen, und an der Abendkasse. ERSTE BEILAGE VomAs Flieger am Funkturm bleute Erökknunx cler LuktsportausstsIIunx in 6 MesseKsIIen SONNABEND, 1. OKT. 1932 In den Ausstellungshallen au, Funkturm herum ist in den letzten Wochen die Deutsche Luftsportausstellung. die Tel a, geschaffen worden. Gestern wurde sie den Pressevertretern gezeigt, heute vormittag wird sie offiziell eröffnet. Die Schau bringt ein« Uebersicht von den ersten Ansängen der Fliegerei bis in die allcrneueste (Begcmoart. Eine historische Schau empfängt den Besucher. In den Seitenkojen der Halle Dar- stellungen der ersten Flugoersuche bis zu L i l i e n. t h a l, dessen Flugapparat, nawrgetreu nachge- baut, zu sehen ist. Sehr interessant dabei die Tierpräparate, die den Bogel als Flieger zeigen Dann aber steht auch schon Orville W rights Originalflugzeug vor dem Beschauer, die- ser Apparat, mit dem er die ersten Flüge auf dem Tempelhofer Feld den Berlinern zeigte. De- alten Grade Eindecker folgt in der histori- schen Reihe. Man fragt sich in unserer Zeit des Dornier-Riefenflugbootes, das kürzlich auf dem Müggelsee schioamm, in unserer Zeit des Lustreis«- schnelloerkehrs: War es möglich, mit Viesen Apparaten sich überhaupt in die Lust zu erheben? Nun, man war damals noch bescheiden; immerhin erflog sich Grade im Jahre 1909 in einem Drei- eckkurs von 790 Metern Seitenlänge den Lanz- preis mit 40 000 M.! Baukasten und fliegendes Auto Doch schnell schließt sich die Kette in dieser historischen Schau. Jemand kam aus den Ge- danken, seinen Zeitgenossen den Selbstbau eine? Motorflugzeuges zu suggerieren, der„Flug- z e u g b a u k a st e n" entstand. Die besonders kom- plizierten Teile werden fertig geliesert, das Drum und Dran und die Montage soll der Fluginter- essent selbst besorgen. Der Baukasten und das fertige Flugzeug stehen bereit, wer wagt es als Erster? Dann das fliegende Auto! Bier Sitze hat dies« elegante, etwas tropfenförmig lang- gezogene Limousine. Auf dem Dach bewegen sich drei große Windmllhlenflügel, vom Motor ange- trieben, der auch auf der Landstraße das Behikel durch die Räder vorwärts bewegt. Erscheint dem Landstraßenflieger die Gegend schön genug, so schaltet er um, die Flügel breiten sich aus, und hoch geht's in did Luft! Das„fliegende Dreieck" betitelt sich das schwanzlose Wochenendflugzeug, das in die Zukunft weist. Es sieht noch ein wenig abenteuerlich aus, doch verspricht sich der Kon- strukleur einen Wochenendoerkehr von Erdteil zu Erdteil mit Zwischenlandungen aus hoher See. Eine Mahnung an die Städtebauer ist das Riesen- modell eines Wolkenkratzer st adtteils mit Ländeplätzen für Kleinluftschiffe, Hausankermasten für Zeppeline und Start- und Park- plätzen für Flugzeuge. In der großen Funkhalle kommt dann die Industrie zu Wort. Hier stehen all die ge- brauchsfertigen, längst ausgeprobten Flugzeuge für wirtschaftliche Zwecke, für Sport und T o u° r i st i k. 23 Jahre sind erst seit Wrights ersten Demonstrationsfiügen, die mehr Luftsprünge waren, vergangen, doch welch gewaltig« Fort- schritte haben Konstrukteure und Erbauer seitdem vollbracht! Immer wieder schweisen Blick und Gedanke in die historisch« Abteilung zurück, um Vergleich« anzustellen. Ballons und Gegelfliegef Ein halbgefüllter Freiballon nimmt den Hauptplatz der nächsten Halle«in. Aus einer Anzahl Stahlflaschen ist er mit Gas gefüllt wor- den, die Gondel mit voller Ausrüstung steht da- neben. Mit Piccards Stratosphärengondel wollte die Ausstellungsleitung etwas Besonderes bieten, doch gestern war der Einblick in dieses Kabinett kühner Männer noch verwehrt. Und schließlich kann sich der Besucher dieser Abteilung sogar a l s Flugzeugführer betätigen. Von einem natürlich großen Pilotenplatz aus kann er alle Hebel eines Flugzeuges bedienen, und vor ihm vollbringt ein Modellslugzeug alle Bewegungen bis— zum Absturz. Dann aber geht's zu den Segelfliegern. Interessant ist immerhin die Feststellung, daß sich dieser Sport, der doch eigentlich dem natürlichen Flug der Vögel und damit den Absichten der ersten fliegenwollenden Menschen am nächsten kommt, erst richtig entwickelte, nachdem das Flie- gen mit dem Motorslugzeug die jegige Höhe er- reicht hatte. Segelflugzeuge aller Typen und Konstruktionen sind zu bestaunen, alle Vereine und Verbände sind vertreten, selbstverständlich auch der„Sturmvogel". Die Flugvereini- gung der Beuth-Handwerkerschule m Berlin zeigt einen Schulapparat, der bereits über 2000 Start- hinter sich hat und noch so heil ist wie zuerst. Der alte Segelflieger Espenlaub hat einen seiner selbstkonstruierten und eigenhändig gebauten Appa- rate ausgestellt, den er in Gemeinschaft mit einem lebenden gezähmten Falken betreut. Eine voll- ständig eingerichtete Wertstatt ladet zum Bau von Segelslugzeugen ein. Sie ist in vollem Be- trieb, kecke, muntere Jungen bauen und basteln, daß es eine Art hat. Das ganze Drum und Dran der Fliegerei ist außerdem auf der Aus- stellung zu sehen. Die Lu f t f a hr tp o lj z e i demonstriert ihre Aufgaben, die Bodcnorganisa» tion läßt einen Einblick in ihre Arbeit der Funk- teilung, der Bodenbefeuerung und des Wetter- dienstos tun. Die Zubehörindustrie ist mit ollem Möglichen und fast Unmöglichen vertreten. Es gibt für den Fachmann und den flug- begeisterten Laien sehr viel zu sehen auf der Dela, der Deutschen Luftsportausstellung am Kaiserdamm. Sie ist geösfnet von heute bis zum 23. Oktober, täglich von 9 bis 20 Uhr. 40 000 M. geraubt Neuer verwegener Ueberfall auf einen Geldtransport 3n dem kleinen Ort Schwarzenberg in Sachsen ist ein verwegener Ueberfall aus einen Geldlransport verübt worden, der genau nach dem Vorbild des Uebersalls auf den Geldtransport der BVG. in Charlottenburg ausgeführt wurde, wieder hatte man zu dem Raub ein gestohlenes Auto benutzt, aus dem plötzlich vier junge Leute sich aus die Legleiter des Geld- Iransporls stürzten. Die Räuber erbeuteten zo ooo Mark und entkamen in ihrem Wagen unerkannt. Bei den Ueberfallenen handelt es sich um zwei ältere Boten der Allgemeinen Deutschen Credit- anstalt, die dos Geld für Lohnzahlungen vom Bankgebäude nach der Kleinbahnstation zu bringen hatten. Das Geld befand sich in einem Kasten, der aus einem Handwagen fest montiert war. Die Banditen schlugen mit Stahlruten so lange aus die beiden Manner ein, bis diese be- wußtlos umsanken. Aus die Ergreifung der Täter ist eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt worden. Schwarzer Tag im Verkehr Zm Lause des gestrigen Tages ereignete sich eine aussollend hohe Zahl von verkehrsunsällcn. Allein 12 Personen mußten mit schweren Verletzungen in die Krankenhäuser gebracht werden. In der A n d r e a s st r a ß e stieß der 34 Jahre alte Motorradfahrer Friedrich W r a s e aus der Freytagstraße 1 mit einem Lastauto zusammen. Schwerverletzt wurde W. ins Krankenhaus am Friedrichshain gebracht.— In der D a n z i g e r Straße geriet die taubstumme 69 Jahre alte Witwe Kreuz aus der Choriner Straße unter eine Straßenbahn der Linie 4. Die Verunglückte fand im Virchowkrankenhaus Aufnahme.— Am Weidendamm wurde der 36jährige Rad- fahrer Ernst Schormann aus der Lichter- felder Straße 3a von einem Lastauto überfahren. Mit einem Schädelbruch wurde Sch. in die Uni- versitätsklinik übergeführt.— In der Ritter- straße prallte ein Motorrad mit einem Privat- auto zusammen. Der Führer des Rades, ein 49jähriger Richard L i e b s ch e r aus Gatow, er- litt einen Schädelbruch. Seine Frau Luise, die auf dem Sozius saß, wurde gleichfalls schwer verletzt. Beide wurden ins Urbankrankenhaus eingeliefert.- „Französischer tkognac" Sprit, Wasser und Zuckercouleur Cin raffinierter L i k ö r sch w i n de l ist jetzt durch die Kriminalpolizei ausgedeckt worden. Der 42 Zahre alte Pole Markus Sah aus der Landshuter Straße in Wilmersdorf fälschte nach eigenen Rezepten. Er zog sein Gebräu aus sran- zösische Kognakslaschen und brachte es in den Handel. Die Kriminalbeamten der Dienststelle L, VI nahmen Sah in seiner Wohnung fest. Katz stand schon seit einer Reche von Jahren im Verdacht, Kognaksälschungen vorzunehmen. Im Jahre 1931 wurde er als Vertreiber von ge- fälschtem Kognak entlarvt und zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Er beteuerte damals, daß er sein Fälschermaterial vollkommen vernichtet hätte. Kriminalbeamte beobachteten dieser Tag«, wie er im Hause Berchtesgadener Straße 13 verschwand, wo er im Keller einen großen Raum ge- mietet hatte. Der Keller war mit einer eisernen Tür und einem Sicherheitsschloß verriegelt. Am Freitag früh wurde Katz aus dem Bett heraus sestgenomme». In dem Keller fand man alles, was zum Fälschergeschäft nötig wor; eine Korken- kapselpresse, Korkbrände, Lötkolben, Klischees usw. Er gab zu, daß er wieder in großem Umfang« selbst gefälscht hatte. Katz kaufte von Händlern Originalflaschen mit möglichst gut erhaltenem Etikett. Er füllte die Flaschen dann mit irgend- einem minderwertigen Faßabzug, den er mit Zuckerwasser, Spiritus und anderen Essenzen einigermaßen schmackhaft herrichtete. Dann wur den die Flaschen sorgfältig oerkorkt, die Kapseln neugepreßt und um den Flaschenhals gewickelt. Waren Siegel nötig, so hatte er vorbereitete Ma- trizen, um die Täuschung vollkommen zu machen. Seine Erzeugnisse verkaufte er nur an Privat- künden. Katz behauptet, seine Kunden hätten die Fälschung nie merken können. Seine Essenzen hätten den Geschmack des richtigen Kognaks stets getroffen. Die Trinkproben, die er verabreichte, wenn er Kunden warb, waren allerdings echt. Katz ist wieder dem Untersuchungsrichter oorge- führt worden. Der überscharse Staatsanwalt Gm die Wabrbeit im Sondergerichtsprozeß Räch anderthalbtägigen vergeblichen Bemühungen des Berliner Sondergerichts in der Verhandlung gegen die fünf Mitglieder der Eisernen Front bekam man gestern nachmittag endlich Zeugen zu hören, die einigermaßen Klarheit brachten in die bisherigen verworrenen Darstellungen über die Vorfälle am 10. Juli im Dorfe Börnicke. Der völlig unbeteiligte Pensionär G. hat von seinem Grundstück aus beobachtet, wie ein Motor- rad in der Nähe des Lastwagens mit den Nazis hielt und diese über die Fahrer herfielen. Erst unmittelbar daraus begann die Schießerei; es kam ihm vor, als ob beiderseits ge- schössen würde. Durch diese Aussage sind die Nazizeugen endgültig Lügen ge- st r a s t. Die unwahrscheinlichste unter diesen Aussagen war die des Sturmführers Müller, der behauptete, seine Kameraden hätten auf die Eiserne-Front-Leute erst eingeschlagen, als diese nach der Schießerei auf ihren Motorrädern flüchten wollten. Auch der Teilnehmer an der Propagandafahrt W i l k e, der auf dem Motor- rad des Angeklagten Bachmann durch die Nazis hindurchgekommen war, beobachtete, wie diese aus die zurückgebliebenen Motorradfahrer m i t Spaten einschlugen. Um die Kameraden von der Uebermacht der Nazis zu retten, lief einer von der Motorradstaffel vor und gab einige Schüsse ab. Die Nazis schössen ihrerseits hinter den flüchtenden Eisernen-Front-Leuten her. Wäh- rend Staatsanwaltschaftsrat Dr. Mit- t e l b a ch für die Naziangeklagten und Nazizeugen weiche Molltöne findet, faßt er die Eiserne-Front- Angeklagten und Zeugen mit größter Schärfe an. Die Aussagen des Zeugen, der in dem Angeklagten Becker den Nazi erkannte, der mit Revolver und Spaten auf ihn zu kam, werden zu mildern ver- sucht. Es wird aber nicht für nötig erachlet, zu beantragen, daß der Angeklagte zur besseren Wiedererkennung durch den Zeugen im Gerichts- saal in der Naziuniform erscheint. Es würde bester um die Wahrheit stehen, wenn statt der unnötigen Schärfe im Gerichtssaal eine größere Genauigkeit bei der Durchführung der erforder- lichen Ermittlungen angewendet worden wäre. Eine Anzahl Nazizeugen glaubte mit aller Be- stimmtheit in dem Angeklagten Schmidt einen der Schützen erkennen zu müssen. Abgesehen von böswilligem Wiedererkennen, mögen einige dieser Zeugen Opfer einer irrtümlichen Schlußfolgerung geworden sein. Als nämlich Schmidt, die Luft- pumpe in der Hand, das erstemal an dem Last- wagen vorbeifuhr, rief der Sturmführer Müller ihm zu;„Steck die Knarre weg!" Nun waren alle überzeugt, daß er tatsächlich einen Revolver in der Hand gehabt hatte. Als die Nazis ihn dann während der Schießerei wiedersahen, unter- lag es für sie natürlich keinem Zweifel, daß auch er geschossen haben muß. Bon der Ueberzeugung bis zur Behauptung, er habe geschossen, war nur noch ein Schritt. Dieselben Nazis, die sich so genau den Angeklagten Schmidt eingeprägt haben, haben aber nicht gesehen, wie man den Granseer Reichsbannermann P a j i k a m p mit einem Spaten den Schädel einge- Klelrhsm und elegant ist die Haar- Soleil- Kappe mit kokettem Schleier Braucht's hier noch einer besonderen Empfehlung? Sehen Sie sich diese süßen Hütchen an- unsere herzerfreuend niedrigen Preise rlAfüv* und•— Auch der fesche Matelot aus glänzendem Haarfilz wird schräg aufgesetzt Filzglocken ab l40 Filzkappen ab"1 75 Samtkappen ab 240 Oranienstr. 40 Am Oranienplatz Chausseestr. 113 Beim Stettiner Bahnhof Köniastr. 33 Wilmersdorferstr. 108 Am Bht. AlexanderplaU Am Bahnhof Charlollenburo Die obigen Angebote stehen Ihnen ab Sonnabend zur Verfügung. schlagen, wie man ihn mit Tritten und Faust- schlagen bearbeitet hat. Am Dienstag folgt Schluß der Beweisaus- nähme. Das Urteil ist erst in den Abendstunden zu erwarten. Wie Berlin sparen muß Der Ltacksäclcel fest zugeschnürt An jedem Monalserslen legt der Magistrat neuerdings in einer besonderen Verlautbarung die finanziellen Dispositionen für den nächsten Monat fest, hier zeigt sich, In wie starkem Maße die Haushaltsführung eingeschränkt worden ist. Tlad) den neuesten Richtlinien dürfen für die Mehrzahl der Rechnungsposten nur ein vier- undzwanzigstel der Ansähe des Haushalts- entwurfes ausgegeben werden. Lei anderen Kapiteln ist die Einschränkung nicht ganz so rigoros. außerordentlich nachwirkend ist sie in allen Teilen der Verwaltung. Rur die Mohlsohrlsaus- gaben bleiben verschont, hier kommen die vollen Summen zur Auszahlung. Ti-llmmerftätte Giemensstadt Der Kran6 hei cien �lotarciwerlren Das Großfeuer in den Molard-lVerken in der Ronnendamm-Allee in Siemensstadt war erst in den Rachmittagsstunden restlos niedergekämpft. Unter den eingestürzten Gebäudetrümmern flacker» ten immer wieder die Flammen empor und mehr- fach gerieten 0el- und Fetlreste stichflammen- artig in Brand. Brandingenieur G a r s k i von der Spandauer Feuerwehr revidiert« die Brandstelle in den gestrigen Abendstunden nochmal» und für die Nachtstunden wurde eine starke Brandwache an die Unglücksstätte beordert. Erst jetzt, nachdem das Feuer nahezu erloschen ist, unter den Schutt- Massen schwelt es noch immer, zeigt sich der Um- fang der Verheerungen. Die Decke de» zweiten Obergeschosses ist mit allen Maschinen in einem Ausmaß von etwa ZSv bis 400 Quadratmeter in die Tiefe gestürzt. Der Trümmerhaufen bildet ein wüstes Durcheinander. Aus rauchgeschwärzten Zementdecken ragen starke Eisenträger hervor, die unter der gewaltigen Hitzeeinwirkung vollkommen verbogen worden sind. Die Aufräumungsarbeiten sind wegen der drohenden Einsturzgefahr der noch stehenden Umfassungsmauern und der durch da» Feuer unterminierten Zementdecken zurückgestellt worden. Es ist sehr wahrscheinlich, daß das ganze Fabrikgebäude schon in den nächsten Tagen von einer Abrißfirma völlig niedergelegt wird. Ernst das Leben-bitter die Kunst! Neue Erdstöße r-•__ i___ i___ i Spaßmacher vom Rummelplatz haben nichts zu lachen Die Briefzustellung Keine Entlassung von Arbeitskräften Die Obcrpostdirektion Berlin gibt folgendes bekannt: Die Ermittlungen über die Belastung der Briefzustellungen in Groß-Berlin und über ihre Anpassung an das wirkliche Berkehrsbedllrfnis sind abgeschlossen. Danach wird in Kürze folgende Regelung Platz greifen: In einem ausgedehnten, hauptsächlich dem Ge- schäfts- und Verkehrsleben dienenden Kern der Altstadt Berlin(City) bleiben die bisherigen vier werktäglichen Zuftellgäng« auch weiter unver- ändert bestehen. In dem darum liegenden Rand- gebiet von Alt-Berlin,.das eine starke Mischung von Wohn- und Geschäftsgegend aufweist, sowie in einigen Vororten, wo bisher werktäglich viermal zugestellt worden ist, finden bis auf weiteres drei Zustellungen statt, und zwar wird die bisherige dritte Zustellung wegfallen, für die nach Lage der Postverbindungen regelmäßig nur eine geringe Zahl von Sendungen vorliegt. Dagegen bleibt in der ganz überwiegenden Zahl der früheren Vor- orte von Berlin die bisherige Regelung, nämlich drei und in den äußersten Teilen zwei Zustel- lungen, unverändert bestehen. Aus Anlaß dieser Regelung der Brieszustellgänge werden keine Arbeitskräste entlassen. Hindenburgpostkarte Die aus Anlaß des 8S. Geburtstages des Reichs- Präsidenten ausgegebene Wohlfahrtspost- karte mit einem Bildnis hindenburgs von Prof. Weiß und einer eingedruckten b-Pfennig-Marke, die das Tannenberg-Denkmal zeigt, wird vom Im kleinen Saal eines Bierlokals im Norden versammeln sich zweimal wöchentlich die frei- liegenden Attraktionen der Ver- gnügungsparks. Dahin kommen dann die Schausteller und Pächter und engagieren sich, was sie brauchen; das heißt, sie sollen kommen, ste 3)er Ausrufer, einfl ein bekannter Jazsfänger werden sehnlichst erwartet, aber sie kommen so gut wie gar nicht. Wenn man die dürftig gekleideten, blassen. schmalwangigen Frauen und Mädchen und die muskulösen, aber doch auch elend aussehenden Männer mit krampfhaft suchenden Augen und ge- spitzten Ohren herumstehen sieht, dann kann man es nicht fassen, wo sie alle die äußere und innere Kraft für ihren Beruf noch hernehmen. Da sitzt eine zarte, müde Frau in einer Ecke und wartet geduldig.„Wir liegen nun schon wieder viele Tage brach", erzählt sie,„S0 Prozent der Ein- nahm« kriegt der Platzpächter, S0 Prozent, wenn es gut geht, der Truppenches, wa» kommt da aus den einzelnen? Wir sind fünf Menschen und treten als Abnormitäten auf", der Mann arbeitet indi- sche Zaubereien in der Hypnose, er liegt frei zwischen zwei Stühlen und auf seiner Brust stehen drei oder vier Männer. Die Frau assistiert, dann arbeitet ein Einarmi- ger als D e g e n f ch l u ck e r und noch zwei an- dere als Magier. Während die Frau erzählt, kommt ein schmächtiger, verbittert dreinblickender Mann auf sie zu und flüstert ihr ins Ohr: „Wieder nischt". � Das war der Mann, der die Fakir künft« versteht.„Tach, Kleenei", be- grüßt sie jetzt ein anderer Kollege,„wie geht's. was macht die Kunst?"„Danke", erwidert die Frau und sie wissen beide Bescheid. Junge, ein wenig auf keß frisierte Burschen stehen herum. das sind jene, die Stimmung machen und Laune vermitteln sollen. Aber hier zeigen sie ein an- deres Gesicht.„Drei Monate keene Miete be- zahlt, wie lang wird det noch jchn", meint der eine und in sein junges Gesicht graben sich zwei tiefe Falten. Dunkelhäutige Exoten, Box- champions a. D., stehen und unterhalten sich: aber alles nur mit halbem Auge und halbem Ohr, sie suchen Arbeit wie alle hier, wenn es auch nur einen Hungerlohn für drei Tage bedeutet.„Suchen Sie'neu Partner?" kommt jetzt einer auf die Blasse zu. Sie verneint, sie arbeitet ja mit ihrem Mann. Ueberall wird gefragt, gehorcht, immer ist es wieder nichts. Draußen im Vorraum hockt ein junges Ding am Fensterbrett und pafft nervös ein« Zigarette nach der anderen.„Das hätten wir uns noch vor zwei Jahren nicht träumen lassen, daß e« fo kommen wird" meint sie. Der Mann arbeitet als lebender Gasometer, dazu muß er sich Brustkasten, Lunge und Magen täg- lich so und so oft mit Gas vollpumpen, dann atmet er den aufgespeicherten Vorrat als lang- anhaltende lebende Flamme wieder aus; eine schwer«, ungewöhnliche und höchst ungesunde Kunst, die wegen ihrer Eigenart auch zu Ansang gut einschlug. Der Mann trat tatsächlich noch vor einigen Iahren in einem ersten Berliner Variete auf. Jetzt muß er alle Anstrengungen machen, um auf dem Rummel unterzukommen.„Ich muß noch schnell nach vorne und mit dem Chef besprechen, wie er für den Sonntag die Dekoration herrichten soll", sagt er zu seiner Frau und mit hastigen Schritten eilt er davon. Blaß, elend, versorgt. Viele sind darunter, die noch vor kurzer Zeit Artisten von Rang waren, und was ist heute mit ihnen? Nun ist ja auch die Saison der Vergnügungsparks bald vorbei, die Abende sind zu dunkel und zu kalt, die Menschen setzen sich lieber in helle, warme Räume. Bloß ein paar große Unternehmen halten den Winter über offen. 3)er SSarilon, früher Telramund im„JCohengrin" Sie alle, die da stehen und warten, haben also in diesem Jahr kaum noch etwas zu erhoffen, aber sie kommen und versuchen es eben immer wieder. Da reißt einer einen Witz, quittiert von dröhnen- dem Gelächter, aber es ist kein Lachen, das von Herzen kommt. 1. Oktober ab auch außerpostalisch von den Wohl- sahrtsverbänden verkauft. Der Wohlfahrtserlös findet für Winterhilfsaufgaben Verwendung. In Berlin und vielen anderen Orten werden am 1. und 2. Oktober die Karten durch freiwillige Helfer der Wohlfahrtsverbände im öffentlichen Verkauf auf Straßen und Plätzen vertrieben. Zur Feier des 8S. Geburtstages de« Reichs- Präsidenten flaggen am Sonntag, dem 2. Ok- tober, alle Behörden und Dienststellen der gesam- ten Reichsverwaltung und Dienststellen der ge- samten Reichsverwaltung sowie die preußischen und städtischen Behörden. Wieder Ehetragödie -langes Ehepaar tot aufgefunden Der 34 Jahre alte Kaufmann Robert Meyer und seine Zisährige Frau Hedwig vergifteten sich gestern In ihrer Wohnung in der Bacrwaldstraße 4 durch Gas. Das Motiv zur Tat ist nicht bekannt. Aus dem Befund geht klar hervor, daß die Lebensmüden im gegenseitigeu Einverständnis In den Tod gegangen sind. Die Tat wurde vom Portier des Hauses entdeckt, der an der Wohnungstür einen Zettel vorfand, auf dem die Worte„Vorsicht, Gas!" geschrieben standen, von der Polizei und Feuerwehr wurde die Tür gewaltsam geöffnet. Zm Schlafzimmer wurden die Unglücklichen leblos aufgefunden. Die Bemühungen der Samariter blieben ohne Erfolg. 6in Feuefwehrjubiläum Die Feuerwache S u a r e z, die am 1. Ok- tober 1907 zum Schutze des westlichen Char- lottenburg errichtet wurde, veranstaltet am Tage der 2öjährigen Wiederkehr ihrer Gründung, heute um Uhr, eine kleine Feier. Der Leiter der Feuerwache gibt einen kurzen Rückblick auf das Feuerlöschwesen der Stadt Charlottenburg und die Gründung der Wache. Anschließend finden kurze Vorführungen der Feuerwehr auch mit neuzeitlichen Feuerlöschmitteln statt. Umrahmt wird die Feier durch musikalische Vorträge der Feuerwehrkapelle und eines gemischten Männer- chors. Ranik in Griechenland In der letzten Nacht ereigneten sich auf der Halbinsel Chalkidike wieder neue Erd- stöhe, die weitere Verwüstungen anrichteten und die Lage so verschlimmerten, daß die Einwohner der betroffenen Gebiete dringend um ihre Ueber- sührung in andere Provinzen ersuchten. Neue Schäden werden aus den Dörfern S t a o r o s, Tiropotamos und S t r a t o n i k u gemeldet. An einzelnen Stellen hat sich der Boden um sieben Meter gesenkt, so daß jeder Ver- kehr, auch die Eisenbahnverbindungen, unter- brachen wurde. Kurz vor 6 Uhr morgens wurde in Saloniki ein starker Erdstoß verspürt, durch den eine Anzahl Häuser, darunter die Bürger- meisterei und das Gerichtsgebäude, beschädigt wurden. Die Polizei mußte vier mehr- stöckige Häuser räumen. Im Gebiet von Serres in Mazedonien wurden 150 Häuser schwer beschädigt. Die Äeugenvereibigung Zweierlei Maß Der gestrige Berhandlungstag im Sonder- gerichtsprozeß gegen die Kommunisten war fast ganz mit Erörterungen über die Vor- eidigung oder Nichtvereidigung der kommunisti- schen und nationalsozialistischen Zeugen aus- gefüllt. Obgleich die Beweisaufnahme keinen Zweifel darüber gelassen hat. daß auch die Nationalsozia- listen geschossen haben müssen— man könnte fast sagen, daß d i e Tatsache, daß die Nazis geschossen haben, in viel höherem Maße erwiesen erscheint als die andere, daß die Kommunisten geschossen haben—, beantragte der Staatsanwalt, die kam- munistischen Zeugen wegen Verdachts der Teil- nähme an den den Angeklagten zur Last gelegten Handlungen unvereidigt zu lassen, die nationalsozialistischen Zeugen dagegen zu ver- e i d i g e n. Die Verteidigung erklärte darauf mit Recht, sie sei bestürzt über«inen derartigen An- trag des Anklägers. Er habe durch seinen Antrag in erschreckender Weise da» enthüllt, was die Art und Weise, in der die Ermittlungen vorgenommen wurden, bloß zu peinlichen Vermutungen Anlaß gegeben hat, nämlich daß diese Untersuchung be- wüßt«inseitig gegen die Kommu- n i st e n durchgeführt worden ist und daß die Na- tionalsozialisten geschont werden sollten. E» sei unbegreiflich, wie angesichts dieser Beweisauf- nahm« die Staatsanwaltschaft die nationalsozia- listischen Zeugen in geringerem Maße der Teil- nähme verdächtig erachtet als die Kommunisten. Die Verteidigung beantragte, sämtliche Zeugen zu vereidigen, die einen wie die anderen. Das Gericht hielt sich den Beschluß vor. Nachdem«ine Zeugin noch eine Aussage gemacht hatte, die die Nationalsozialisten schwer belastete, stellte die Verteidigung neue Beweisanträge. Es sollen noch Zeugen zum Beweise dafür geladen werden, daß die Nationalsozialisten ihre sie selbst entlastenden Aussagen oerabredet haben. Der Bund Entschiedener Schulreformer veran- staltet vom 1. bis 5. Okober d. I. im Berlin- Schöneberger Rathaus, Rudolf-Wilde-Platz, einen öffentlichen Kongreß für Kleinkind- Erziehung in Gemeinschaft mit dem„Jnter- nationalen Verein für Jndividualpsychologie", dem „Deutschen Fröbelverband", dem„Verein Mon- tessori-Pädagogik Deutschland", mit der„Deutschen Montessori-Gesellschaft", der„Deutschen Psycho- analytischen Gesellschaft" und der„Freien Wal- dorfschule Stuttgart". Mit dem Kongreß sind Ausstellungen und Besichtigungen verbunden. An- Meldungen bei Albert Lenz, Berlin 0.17, Hohen- lohestrage 9. Welt lierschuhlag im Zoo. Am kommenden Sonntag, dem 2. Oktober, kostet der Eintritt in den Zoologischen Garten für Erwachsene nur 5 0 Pf., für Kinder bis zu 10 Jahren nur 25 Pf.; dieselbe Ermäßigung gill für das Aquarium. Am Nachmittag 414 Uhr findet im Zoo die Feier des Welt-Tierschutztages statt. Von 4 Uhr ab Militärkonzert. Alle Besucher de- Zoo, Erwachsene wie Kinder, haben auch am billigen Sonntag freien Eintritt in die Tierkinderschau. Jubiläen. Am 1. Oktober feiert die Ww. Klara Binder im Hause Koppenstr. 31 ihr 5vjähriges Mieterjubiläum.— Der Versicherungsangestellte August Berlin, Britz, Franz-Körner-Str. 33. feiert heute sein 25jähriges Dienstjubiläum bei der Victoria zu Berlin.— Frau Grete Siebert, geb. Dierich, Berlin N. 31, Brunnenstr. 100, Kon- fitüreng eschäst, begeht am 1. Oktober ihr 35jähriges Geschäftsjubiläum. BRASIL- HAUSMARKE M m// 'KISTEN netto r Außergewöhnliche Preiswürdig keit i SALUDO fo TEN m. 100 st ttio.neno t Unübertreffliche Qualität l I ßRASILE�O p wo 1 neu 5 PF.| BQASIL-ZIGAQPEN von 8 PF. an fi zu � 1 OTiDF I"-ZIGAOILLOS von 6 PF. an.: ä-K.OO-SOPf. �N?2neu.ßO�- ljyeue illustrierte Preisliste;?f" KISTEN t.50 ST M m BLECHDOSEN ist erschienen! ZWEIGGESCHÄFTE Mehr Arbeit- weniger Lohn Der Widersinn im Kapitalismus Auf dem Kreisvertretertag des 20. Kreises (Reinickendorf) sprach Reichstagsabgeordneter Ge- noffe Franz K ü n st l e r zu dem Thema: D e r Kampf der Sozialdemokratie. Zu- nächst schilderte Gen. Künstler die Schwierigkeiten der ersten Jahre nach dem Zusammenbruch der Monarchie. Ein fortschrittliches Bürgertum fehlte in Deutschland, so daß die Sozialdemokratie vielfach dessen Aufgaben übernehmen mußte. Unsere jetzigen Forderungen zum Um- bau der Wirtschaft sind uns keineswegs nur Agitation, sondern ernste Forderung. Der Widersinn des kapitalistischen Systems liegt be- sonders in Amerika klar zutage. Menschen h u n» gern in Amerika, während die Fische von der ins Wasser geschütteten Milch sterben. Amerika verbraucht nur 45 Proz. seiner Baumwolle, aber Millionen haben keine Hemden. Und bei uns? Trotz aller Not— weiter« Senkung der Löhne nach dem Rezept der Papen-Regierung. Es oerdienen nach der Berechnung der Landes- Versicherung bei uns nur noch 19 Proz. der Arbeiter über 36 M. Wochenlohn. Für mehr Arbeit— weniger Lohn, und somit keine chebung der Kauskrast. Bei unserem Bolksbegehren zum Schutz« der Arbeitskraft wird auch der letzte Arbeiter, die letzte Arbeiterin zur Einzeichnung antreten. Es gilt, den Kampf gegen da« schwerindustrielle Wirtschaftsprogramm Pa- pens mit aller Schärse zu führen. In der Diskussion sprachen die Genossen Henke, Koch, Paul und Huber. Genosse Künstler wies im Schlußwort auf die trotz der Krise festgefügten Organisationen und Unternehmen der organi- sierten Arbeiterschaft hin. Der 6. November muß uns wieder an die erste Stelle als Liste 1 bringen. Der Referent erntete lebhaften Beifall. Berel und Berlin �enderunx des Pachtvertrages In einer Borlage, die der Oberbürgermeister jetzt der Stadtverordnetenversammlung zugehen läßt, bittet er, einer Aenderung de» Pachtvertrages zwischen der Stadt und der B e r e k zuzustimmen. Danach soll die Berek künstig an die Stadt«inen prozentualen Anteil ihrer monatlichen Rohein- nähme aus dem Anschlagswesen und der Dauer- reklame als Pacht abführen. Der Prozentsatz soll stets für ein Geschäftsjahr gelegentlich der Haus- Haltsberatung unter Zugrundelegung der Ergeb- Nisse des vorhergegangenen Geschäftsjahres und unter Berücksichtigung des jeweils aufgestellten Wirtschastsplanes festgesetzt werden. Nach dem bisherigen Pachtvertrag mußte die Bere! ein« jejl« Pacht in Höhe von 2,4 Millionen Mark zahlen. Der allgemeine wirtschaftliche Rück- gang hat sich natürlich auch auf die Geschäfte der Berek auswirkt und es ihr unmöglich gemacht, diese starr festgelegte Pacht aufzubringen. Die Stadt Berlin hat sich deshalb bereits mit einem Pachtaussall von 750 000 M. sür 1930 und von 895 000 M. für 1931 abfinden müssen. Für 1931 war die Pacht mit Zustimmung der Stadtoer- ordnetenversammlung nur mit insgesamt 2 Mil- lionen Mark angesetzt worden, im Haushalt 1932 ist sie sogar nur mit 1 250 000 M. vorgesehen. Die Berek hat natürlich als rein städtische Ge- sellschast ihren gesamten Gewinn an die Stadt abzuliefern. Die Festsetzung einer Pacht verfolgt lediglich noch den Zweck, in, Lause de« Wirtschafts- jahres Abschlagszahlungen auf den zu erwartenden Gewinn der Stadtkasse zuzuführen. wetteraussichten für Berlin: Wechselnd wolkig, am Tage mäßig warm, nur geringe Regen- neigung, südöstliche Winde.— Für Deutschland: Im Küstengebiet überwiegend bewölkt, strichweise etwas Regen, im übrigen Reiche zeitweise heiter und tagsüber mäßig warm. Zm Reich der Mttggelberge Wie der Müggelsee entstand, das Geheimnis des Teufelssees Die Fahrt zu den Müggelbergen war im alten Berlin eine richtige Expedition. Heute liegen sie längst in der Nahverkehrszone. Man kann sie mit der S-Bahn von Friedrichshagen oder Grünau aus erreichen, man kann die Straßen- Riesenloch im Sande auszusllllen. Die ob- schmelzende Toteismasse und der Zustrom der Spree schenkten un« dann den Müggelsee. Eine Wanderung rund um den Müggelsee, die etwa von Friedrichshagen ausgeht und über Rahnsdorf Der Teufelssee bahnlinien 83 bis Wende»schloß oder die Linien 84 und 184 bis F r i e d r i ch s h a g e n benutzen, und wer besonders gut bei Kasse ist. kann sogar mit dem Dampfer hinausfahren. Die Landschaft um den Müggelsee hat ihr« Ge- Heimnisse. Da ist zunächst der Müggelsee selbst, über dessen Entstehung die scharfsinnigsten Theo- rien ausgestellt wurden. Die am meisten einleuch- tende Theorie sägt, daß der 4,ö Kilometer lange und 2,5 Kilometer breite See dadurch gebildet wurde, daß eine riesige Eismasse das heutige Becken ausfüllte, nachdem die Gletscher der Eis- zeit schon längst ihren Rückzug angetreten hatten. Dadurch wurde der Dünensand gehindert, da« schauen. Der Teuselssee ist zum Teil verlandet. Armseliger Pflanzenwuchs, der sich aus den kärg- lichen Nährstoffen des neuen Bodens nur mühsam erhalten kann, füllt den verlandeten Teil des Sees aus. Für die Entstehung dieses Sees, dessen Schön- heit sich erst recht offenbart, wenn wir ihn um- schreiten, ist bisher keine Erklärung gefunden wor- den. Nach allem, was wir bisher über dos Wer- den solcher Gewässer wissen, ist der Teuselssee an dieser Stelle ganz„unvorschristsmähig". Zum Abschluß dieser Wanderung steigen wir zu den Müggelbergen empor und genießen die weite Aus- ficht, die einen Ueberblick über einen großen Teil der Berliner Umgebung bietet. Weglände vom Wendeschloh zum Teuselssee etwa drei Kilometer. Wie soll man Kunstseide waschen? Das ist heute wirklich leicht. In einer kalten P e r f i l l a u g c (1 Eßlöffel Persil aus 2 Liter Wasser) schwenkt man das Stück leicht hin und her, drückt es an den besonders schmutzigen Stellen etwas fester, doch ohne Auseinandcrziehen, Reiben und Wringen. Das Spülen geschieht sosort nach dem Waschen in kaltem Wasser, dem man bei sarbigen Sachen etwas Essig beigegeben hat. Dadurch werden die Farben aufgefrischt. Zum Trocknen rollt man das Stück in ein weißes Tuch fest ein und legt zwischen alle auseinanderliegenden Teile(Vorder- und Rückenteil, Kragen, Manschetten, Aermel usw.) weiße Tücher. Kunstseide muß sehr vorsichtig von link« geplättet werden, das Eisen darf nur mäßig warm sein. Das Kaufhaus Wilhelm Zoseph, Berlin-Schöne- berg, Hauptstr. 163,'MchtchW MMWW>> 40iährigen Bestehens. Das Käufhaus begeht heute den Tag seine« wurde im Jahre 1892, zu einer Zeit, in der Schönebera noch den Charakter eines Dorfes hatte, in einem kleinen Laden mit etwa drei Angestellten als offene Handeligesellschast, die es heute noch ist, von Wilhelm Joseph gegründet. Es gelang dem Inhaber schon nach einigen Jahren ein eigenes führt, wo man die Fähre benutzen muß, um über die Spree zu kommen, ist rund 13 Kilometer lang und erfordert etwa 4 bis 5 Stunden. Ein Kleinod im Bereich der Müggelberge ist der Teufelssee am Fuße der höchsten Erhebung. Er ist sehr bequem von der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 83 in Wendenschloh zu erreichen. Man geht am besten durch die Goethestraße über den Goetheplatz zur großen Waldchaussee, von der nach etwa 10 Minuten links eine hübsche Birken- aller abbiegt. Wegweiser weisen dann zum Teufels- see. Wie ein Waldauge liegt dieses kleine, liebliche Gewässer zu Füßen der beiden Türme, die als ein Wahrzeichen der Müggelberge weit ins Land Haus zu bauen. Um auch äußerlich den Tag des 40jährigen Bestehens zu dokumentieren, hat die Firma' eine zeitgemäße Neugestaltung ihrer Auhenfront mit modernen Schaufensteranlagen vorgenommen. Sie sollen in schlichten Formen da» Merkmal dafür sein, daß hinter ihren Mauern der solide und fortschrittliche Kaufmannssinn seine Pflege findet. 750 000 Elefanten sind los! Sie müssen schnell wieder eingefangen werden! Zllle Berliner Mädels und Jungen können sich an dieser fröhlichen Ele- fantenjagd beteiligen— denn bei dem ganzen handelt es sich um ein großes B r e i s a u s- schreiben, daß die Firma Leiser anläßlich oer Einführung einer neuen Kinderschuhmarke— der Marke„Elefant"— herausbringt. Warum dieser Kinderschuh„Elefant" heißt? Ganz einfach — weil der Elefant das stärkste Tier ist und auch dieser Kinderschuh„Marke Elefant" mit kräftigen und unverwüstlichen Sohlen versehen ist. Am 31. Oktober ist der Schlußtermin der großen Ele- fantenjagd: Anfang November werden die Preise oerteilt, und alle erfolgreichen Elefantenjäger wer- den zur Preisverteilung von Leiser eingeladen. Also— Jungens und Mädel»— die Jagd be- ginnt: Waidmannsheill SALAM AN DE R-FUSSARZT SALAMANDER besitzt als größte tf entsdie SchuhfabriK auch«He vefidiste Erfahrung Im fußgerechten Modellleren des Leistens«md In der meisterhaften KonstruKtion des Schuhs* SALAMANDER ist weltberOhml dafür, daß sein Schuh unübertrefflich paßt, nicht nur vom ersten Schritte an, sondern auch, wenn er noch so lang getragen und strapaziert Ist. SALAMANDER-FUSSARZT nützt Salamander-Qualltat und Salamander-Paßform für den empflndlichen und schwachen Fuß aus, der sie noch dringender braucht als der gesunde• Vo-?•••/' d-D-.'t■ M"- �■:;? V;.'•'' *v v>-"*•- ■"-.:.'• , vch V'- •■cV.,'.' ,"r SALAMANDER»FUSS ARZT verbindet damit alles, was empfindliche oder angegriffene Füße an besonderen Hilfsmitteln brauchen. Er bringt für sie Spezlalformen, die besonders bequem und trotzdem elegant sind, und hebt die Schwache des Fußes dadurch auf, daß er ihn von unten durch ein unerreicht starkes Schuhgelenk und von der Seite durch eine kräftige verlängerte Hinterkappe stützt und halt. Er verzichtet dagegen auf alles, was nur scheinbar Orthopädie, in Wirklichkeit aber Kurpfuscherei Ist••. Deshalb Ist SALAMANDE R-F 1J S S A R Z IT ahresnroduktlon über 700 OOO Paar Fußarzt Fußarzt- Preise:. 'js der SPD* 250 Millionen Subventionen Die Regierung zahlt mit Schatzscheinen Das neue Notprogramm der Reichsregierung sieht auch die Sanierung der landwirt- schaftlichen Genossenschaften vor. Diese Aktion des Reichsernährungsministers Freiherrn von Braun, der ja von den landwirtschaftlichen Genossenschaften kommt, wird den Steuerzahlern die runde Summe von 230 Millionen Mark kosten. Außerdem wird mit dieser Aktion der von den Agrariern oerlangte Stoß gegen die Zen- tralgenossenschaftskasse, die sogenannte Preuhenkasse, geführt. Das Institut, das von dem früheren Finanzminister in Preußen, dem„roten Klepper", wie er in der agrarischen Presse genannt wird, in jahrelanger mühevoller Arbeit reorganisiert und wieder arbeitsfähig gemacht worden ist, soll völlig den Großagrariern ausgeliefert werden. Der Streit zwischen den Großagrariern und dem „roten Klepper" geht im Grunde genommen darum, daß Klepper sich weigerte, die ewigen Be- triebsverluste in der Großlandwirtschaft durch staatliche Subventionen zu bezahlen. Wäre man den Plänen Kleppers gefolgt, dann stünde es heute anders um die ostdeutsche Landwirtschaft. Dann hätte man allerdings nicht durch Osthilfemaß- nahmen bankrotte Großbetriebe am Leben er- halten. Man hätte jedoch die Gesundung erzwun- gen und hätte dabei eine große nationalpolitische Mission(Siedlung) erfüllt. Aber dann hätten natürlich die Junker die Macht verloren. Leider hat sich die Regierung Brüning für einen radikalen Gesundungsprozeß nicht entscheiden können. Jetzt, wo die Freiherren herrschen, geht es mit vollen Segeln in die frühere S u b- ventionspolitik zurück. Das ist der Sinn der Projekte um die Preuhenkasse. Erst im Jahre 1329/30 hat man mit einem Aus- wand von 123 Millionen Mark das oerlotterte Rosten der Lebenshaltung Leichte Senkung im September Das Reichs statistische Amt teilt über die Entwicklung des T e u e r u n g s i n d e x während des Monats September folgendes mit: Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungs- kosten(Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuch- tung und sonstiger Bedarf) beläuft sich für den Durchschnitt des Monats September auf 113,3 gegenüber 120,3 im Vormonat. Der Rückgang be- trägt somit 0,7 Proz. An dem Rückgang sind hauptsächlich die Bedarfsgruppen Ernährung be- teiligt. Es sind zurückgegangen die Indexziffern für Ernährung um 1,2 Proz. auf 110,5, Bekleidung um 0,4 Proz. auf 114,8, son- stigen Bedarf um 0,2 Proz. auf 164,7. Die In- dexziffer für die Wohnung ist mit 121,3 un- verändert geblieben. Die Indexziffer für Heizung und Beleuchtung hat sich infolge des weiteren Ab- baues der Sommerpreisabschläge um 0,7 Proz. auf 135,2 erhöht. .Anhurbelung! Verteuertes Benzin Die Zapfstellenpreise für alle Treibstoffe wie Benzin, Benzol und Gemische werden im ganzen Reich mit Wirkung vom 1. Oktober um zwei Pfennig je Liter heraufgesetzt. Diese Preissteigerung stellt eine schwere zusätzliche Be- lastung des gesamten Motoroerkehrs in Deutsch- land der. Diese Verteuerung ist die Folge der im Jnter- esse der großagrarischen Kartoffelbrennereien durch- geführten Erhöhung der Spiritusbei- Mischung beim Treibstoff. Das gesamte Kraft- verkehrsgewerbe wird sich für diese Art der„An- kurbelung" bei Herrn von Papen bestens be- danken. T'oter Kapitalmarkt Weiterer Rückgang des Pfandbrief- umlaufs Nach der Statistik von 104 Boden- und Kam- munalkreditinftituten ist im August am deut- fchen Kapitalmarkt eine weitere Verschlechterung eingetreten. Neu abgesetzt werden konnten nur für 23 Will. M. Pfandbriefe und Kommunal- obligationen gegen 29,6 Mill. M. im Vormonat. Die Rückflüsse(aus Tilgung und Rückkauf) waren wie schon seit Monaten beträchtlich höher und beliefen sich aus 70,7(80,7) Mill. M. Der Gesamtumlauf hat sich demgemäß von 12 133 a u s 12 107 Mill. M. ermäßigt, gegen 12 339 Mill. Mark Ende August vorigen Jahres. Daß bei dem rückläufigen Pfandbriefumlauf neue Hypotheken oder Kommunaldarlehen fast überhaupt nicht mehr gewährt werden können, ist Genossenschaftswesen in der Landwirtschaft wieder in Ordnung gebracht. Heute haben die landwirt- schaftlichen Genossenschaften sogenannte uneinbringliche Außenstände in Höhe von rund 230 Mill lionen Mark. Das alles erklärt sich nicht nur durch die Agrarkrise. Hier spielen andere Dinge mit, z.B. übermäßige Einstellung von Protektionskindern, die nichts von den Dingen verstehen, Zahlung von Riesengehältern, viel Aufwand und Finanzierung nationalisti- scher Organisationen. Dort, in den nationalistischen Genossenschaftsleitungen, wo so viel von„roter Mißwirtschaft" geredet wird, blüht der Weizen der Mißwirtschaft leider allzu üppig. Wenn die Genossenschaften nun 250 Millionen Mark Außenstände haben, die sie selbst als Ber- luste ansprechen, dann ist es für uns jelbstver- ständlich, daß die genossenschaftliche Haftpflicht aller an der Genossenschaft beteiligten Landwirte in Anspruch genommen werden muß. So kann man die Verluste zum größten Teil decken. Das entspricht auch dem Ideal der Privatwirtschaft, wovon man jetzt in nationalistischen Kreisen so viel schwärmt. Aber dieser Schwärm scheint nicht fürs Schuldenzahlen zu gelten. Wenigstens hat sich die Reichsregierung entschlossen, die Genossenschaften in der Art zu sanieren, daß die Allgemeinheit die Kosten trägt. 40 Millionen sollen durch Ab- schreibungen auf Kapital und Reserven der Preuhenkasse— das ist Geld der preußischen Steuerzahler— aufgebracht werden. Für die rest- lichen 200 Millionen Mark tritt das Reich in Form einer Hilfsaktion, wie bei der Bankensanie- rung, ein. Das ist so das privatwirtschaftliche Ideal der gegenwärtigen Reichsregierung. Sehr schön heißt es in den agrarischen Berlautbarungen, daß. klar. Der Bestand verringerte sich, weil auch hier die Abgänge die Zugänge weit übersteigen, um 42,4(im Vormonat 31,2) Mill. M. aus 12 107 Mill. M. Nach den neuesten Zwangseingriffen in den Kapitalmarkt zugunsten der landwirtschaft- lichen Schuldner ist leider nicht anzunehmen, daß das Vertrauen zum Pfandbriefmarkt und da- mit zum allgemeinen Kapitalmarkt so bald wieder- kehrt und eine Besserung bringt. Direkter(Güteraustausch Stickstokk gegen Baumwolle— Kohle gegen Holz Die Devisennot in zahlreichen mit der Welt- Wirtschaft verflochtenen Ländern hat nicht zuletzt dazu beigetragen, durch unerträgliche Einfuhr- drosselungen den Weltmarkt noch k ü n st l i ch einzuengen. Verschiedentlich ist jetzt ein Ausweg durch di- rekten Tausch von Gütern gegen Güter wie in der seligen Zeit der Naturalwirtschaft gesunden wor- den. Nachdem Deutschland bereits vor einigen Mo- naten ein Tauschgeschäft mit Brasilien— Ruhrkohle gegen Kaffee— abgeschlossen hatte, ist jetzt mit Aegypten ein Vertrag zustande gekommen, wonach das Deutsche Stickstosfsyndikat 30000 Tonnen Stick st off im Werte von 3 Millionen Goldmark nach Aegypten liefert, während sich die deutschen Vertreter verpflichtet haben, über den Bremer Baumwollimport ägyptische Baumwolle zu dem ent- sprechenden Werte hereinzunehmen. Ein ähnliches Tauschgeschäft wird jetzt zwischen Schweden und England gemeldet. So haben die schwedischen Staatsbahnen an«ine Kohlenexportfirma in New- castle einen Auftrag über 33 000 Tonnen Kohle unter der Bedingung vergeben, daß von englischer Seite schwedisches Bauholz mit dem ent- sprechenden Gegenwert abgenommen wird. Ein gleiches Abkommen will jetzt Finnland mit Eng- land abschließen. 40 000 Tonnen Kohle sollen für die finnischen Bahnen aus England gekauft wer- den, wenn im gleichen Wert finnisches Holz von Großbritannien importiert wird. Zahl der Kraftfahrzeuge Jedes Jahr wird in Deutschland am 1. Juli eine große, amtliche Zählung der Kraftfahrzeuge veranstaltet. Zum ersten Male ist jetzt ein Rückgang festgestellt worden. Die Not der Wirtschaftskrise ist also stärker gewesen als die allgemeine Entwicklung zur Motorisierung. Nur eine Gruppe von Kraftfahrzeugen konnte gegen- über dem Vorjahre eine Zunahme um 16 Proz. verzeichnen, das find die kleinen Motor- r ä d e r unter 200 Kubikzentimeter Hubraum. Das ist nur als ein« Abwanderung von den kleinen wenn„dem genossenschaftlichen Unterbau der bis- herige Ballast(sprich: 250 Millionen Mark Schulden. Red.) ohne Inanspruchnahme der Haft- summe(sprich: mit Hilfe von Steuergeldern. Red.) abgenommen ist", dann soll der gesamte Ge- nossenschaftsapparat wieder„ordnungsmäßig und selbstverantwortlich arbeiten". Wir haben uns in den letzten Monaten in Deutschland an derartige U n s i n n i g k e i t e n und Unbegreiflich- leiten gewöhnen müssen, daß so etwas in der Oeffentlichkeit hingenommen wird, ohne daß sie am Lachen erstickt. Also, die Landwirtschaft macht Schulden. Derjenige Mann, der den Standpunkt oertritt, daß jeder seine Schulden selbst zu zahlen hat— in diesem Fall der frühere Prä- sident der Preuhenkasse und frühere Finanz- minister Dr. Klepper—, wird als„roter Klepper" verschrieen und als„Feind der Landwirtschaft" bekämpft. Die Regierung jedoch, die mit Steuer- geldern Privatschulden zahlt, ist national und Cr- weckerin der privatwirtschaftlichen Initiative. Also, wenn die Steuerzahler geblutet haben, wird wieder— bisher war's nicht der Fall—„ordnungsmäßig und felbstverantwortlich" gearbeitet. Bis zur nächsten Pleite! Noch ein Wort darüber, wie die Regierung eigentlich die Gelder ausbringen will. Das ist nicht ganz so unwichtig, wie man das heute abzutun beliebt. Es wird heute von der Regierung eine Subvention nach der andern bewilligt. Aber es werden auch Steuern ab- gebaut. Es sind überall Leute da, die Geld von der Regierung verlangen und bekommen. Aber Steuern zahlen will keiner. Das dürfte nicht gut gehen. Die Regierung hilft sich mit— Schatz- scheinen. Diese brauchen nicht unter allen Um- ständen ungünstige Folgen aus die Währung?- Verhältnisse zu haben. Es wird einem aber übel zumute dabei. Wir haben mit„Schätzen" zuviel in Deutschland erlebt. Autos und den schweren Motorrädern zu er- klären, da andererseits hochbezahlte, qualifizierte Arbeiter, die in guten Jahren das Geld für ein Motorrad zusammensparten, inzwischen längst zum Fahr.rad zurückgekehrt sind, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Amerika. Die Gesamtzahl der Kraftfahrzeuge betrug am 1. Juli fast genau 1,3 Millionen, etwa 8000 Stück weniger als im Vorjahr. Es wurden g e- zählt: 497 000 Personenwagen, 152 000 Last- kraftwagen, 386 000 schwere und 433 000 leichte Motorräder, schließlich 31 000 andere Kraftfahr- Zeuge. Sehr hoch ist die Zahl der vorüber- gehend abgemeldeten Kraftfahrzeuge mit 132 000. Sie läßt die Verteuerung des Benzins durch erhöhte Spritbeimischung und durch die Kartellpreispolitik als besonders unsinnig und kurzsichtig erscheinen. Dm die hlausreparaturen Zinszuschüsse— Kostenersatz Steuergutscheine Ueber die Bedeutung der Bauwirtschaft für die gesamte Volkswirtschaft kann kein Zweifel bestehen. Ebensowenig über die Tatsache, daß der Wert und der Umfang der baugewerblichen Produktion in diesem Jahre mit knapp 2 Milliar- den Mark nochnichteinVierteldes Jahres 1929 erreicht, daß im besten Monat(Juli) noch nicht ein Viertel aller Bauarbeiter b e s ch ä f- t i g t war. Ob aber die wirklich großzügigen Geschenke der Reichsregierung an den Hausbesitz, auf Kosten der Steuerzahler und entgegen allen Regeln der kapitalistischen Wirtschaft, verantwortet werden können, darüber kann man ganz anderer Ansicht sein als M i n i st e r i a l r a t Durst, der im Radio über diesen Versuch zur Ankurbelung der Bauwirtschaft sprach. Mit drei Arten von Geschenken werden die Hausbesitzer gelockt, ihre Häuser in Stand setzen zu lassen, den Wert ihrer Grundstücke und das Ausmaß ihrer Renten zu erhöhen: 5 M i l l i o- n e n Mark werden ihnen geschenkt als Zins- Zuschüsse, wenn sie Kredite(unter Reichs- bürgschaft!) aufnehmen: 30 Millionen Mark werden ihnen geschenkt als Anteil an den R e- paraturkosten: 400 Millionen Mark werden ihnen geschenkt in Steuergutscheinen (40 Proz. der Grundsteuer). Die 50 Millionen Mark werden wie folgt ver- teilt: Wenn ein Haus, das am 1. Juli 1318 bezugsfertig war, repariert wird, dann werden 20 Proz. der Kosten ersetzt: aber die Kostensumme muß wenigstens 250 M. betragen. Werden aber Großwohnungen geteilt oder gewerbliche Räume in Wohnungen u m g e w a n- d e l t— gleichgültig, ob Alt- oder Neuhaus—, dann werden 50 Proz. ersetzt. Höchstzuschuß ist 600 M. für jede Teilwohnung, die eigene Küche, Nebenräume und möglichst eigenen Zugang haben muß. Beispiel: Kostet ein Umbau 3600 M., dann werden bei Teilung in zwei Wohnunoen 1200 M., bei Teilung in drei Wohnungen 1800 M. gezahlt. Der Antrag auf Reichszuschuß muß an die Gemeinden gerichtet werden. Auf alle Fälle ist der B o r b e s ch e i d abzuwarten. Die Rech- nungen werden geprüft: Schwarzarbeit wird nicht anerkannt. Die östlichen Gebiete Preußens, Bayerns und Sachsens werden vor den übrigen Gegenden Deutschlands bevorzugt. Die Hausbesitzer brauchen nur die 400 Millionen Mark Steuerscheine durch Verkauf, Diskont oder Lombard zu Geld zu machen— und sie haben keinen Pfennig eigenes oder geborgtes Geld auszubringen. um soviel Reparaturen machen zu lassen, daß der 50-Millionen-5onds verbraucht wird. Natürlich sind die Steuergutscheine nicht zu 100 Proz. zu verwerten. Aber theoretisch sind ja bei 20prozenliger Kosteuerstattung mit 5l>. Mit- lionen Zufchüfsen nur für 250 Millionen Mark Reparaturen, bei 30prozentiger Kostenerstattung nur für 100 Millionen Mark Umbauten möglich. Dafür reicht das Kapital aus Verwertung der Steuergutfcheine immer. Die Regierung schenkt also den Hausbesitzern die ganze Reparatur ihres Besitzes, die Aufbesserung ihrer Renten auf Kosten der steuerzahlenden Massen. Die Reichspost in der Krise Rückgängiger Verkehr— Finanzen in Ordnung Die Deutsche Reichspost, deren Rechnungsjahr mit dem Etatsjahr des Reiches vom I.April bis 31. März zusammenfällt, veröffentlicht jetzt den Bilanz- und Geschäftsbericht für ihr Rechnung?- jähr 1931. Hatte sich der Betrieb der Reichspost im Krisen- jähr 1930 noch verhältnismäßig wider st ands- fähig erwiesen, so zog die verheerende Wirt- schaftsschrumpfung des vergangenen Jahres auch fast sämtliche Abteilungen der Reichspost in den Strudel der Krise. Die Verengerung des Verkehrs zwang dem Bericht zufolge die Verwaltung, neben der Rücksichtnahme auf die allgemeine Wirtschast besonderes Gewicht auf die Gesunderhaltung der Postbetriebe zu legen. Die teueren Gebühren Zu dem Kapitel der Preissenkung erklärt die Verwaltung, daß sie sich bemüht habe, das allgemeine Unkostenkonto der Wirtschaft durch verschiedene Gebührensenkungen abzubauen. Hierzu ist zu sagen, daß die Reichspost sich in der Frage einer Verbilligung der Rundfunk- und Telephon- gebühren ziemlich engherzig gezeigt hat. In Deutschland zahlt der Rundfunkhörer nach wie vor die teuersten Gebühren der Welt, und die Ermäßigungen bzw. der Erlaß von Ge- bühren für besonders notleidende Erwerbslose ist bei dem heutigen Zustand von Massenaussteue- rungen bei den Arbeitslosen nur ein Tropfen auf einen heißen Stein. Wir glauben auch, daß die Verwaltung der Reichspost sich mit ihrem Widerstand gegen einen Abbau der Telephongebühren, die mit ihrem monatlichen Satz von 8 Mark für zahlreiche Zwergbetriebe und Zehntausende von Privatper- sonen eine außerordentliche Belastung darstellen, ins eigene Fleisch geschnitten hat. Die Zahl der Abmeldungen, die zum Schaden der Reichspost zeitweise einen beängstigenden Umfang angenommen hat, hätte eine Gebührensenkung sicherlich in einem erträglichen Maß halten können. Schrumpfender Verkehr Die Zahl der Brief- und Kartensendungen ver- ringerte sich von rund 6,47 auf 5,93 Milliarden. Die Schrumpfung betrug hier 8,3 Proz. Im Telegrammverkehr, der besonders krifenempfind- lich ist, betrug die Senkung sogar 20,4 Proz. auf 14,162 Millionen. Der Fernsprechverkehr schrumpfte bei den Gesprächen um 6,5 Proz. zusammen, wäh- rend die Zahl der Hauptanschlüsse um 4.7 Proz zurückging. Die Umsätze im Postscheckverkehr be- trugen 123,2 Milliarden, wovon 81,7 Proz. bar- geldlos abgewickelt wurden. Die Zahl der Post- scheckkonten stieg aus 1 012 361 gegen 992 336. Der Rundfunk hat sich trotz der Krise weiter ver- breitet, so daß am Ende des Berichtsjahres die Zahl der Rundfunkteilnehmer 4 Millionen über- schritten hatte. Von den Gebühren befreit waren im ganzen 350 000 Teilnehmer. .Aber noch Betriebsgewinn! Die Einnahmen sanken im Berichtsjahr von 2208,2 auf 1899,8 Millionen Mark. Demgegen- über stehen Betriebsausgaben in einer Gesamt- höhe von 1702,3 gegen 2033,8 Millionen Mark im vorhergehenden Jahr. Demnach ist es also der Reichspost gelungen, die Ausgaben stärker zu senken, als die Schrumpfung der Einnahmen aus- machte. Der Ueberschuß der Einnahmen über die Ausgaben erreichte 136,9 Millionen, die nicht ganz ausreichten, um die Ablieferungsverpflichtungen an das Reich(226,6 Mill. Mark) abzudecken. Es mußten daher 23,7 Millionen aus dem Vermögen der Post herangezogen werden. Die Gesamtbelegschaft betrug Ende März dieses Jahres 358 378 gegen 377 322 Mann. Kaffee Hag allerfeinster Bohnenkaffee ÄÄ ZWEITE BEILAGE UH&VOHUMS SONNABEND, 1. OKT. 1932 29] Gilgi legt sich wieder ins Bett� Schiebt den Brief vom Christoph unter's Kopfkissen — er knistert. Man müßte einen Entschluß fassen. Wenn Martin kommt, wird man ihm sagen, wird man ihm sagen: ganz ruhig und vernünftig— Martin, mein Liebling, du mußt verstehen— wenn du mich nur ein bißchen gern hast, dann wirst du wollen, daß ich mich wohl fühle und zufrieden, und darum werde ich morgen zur Badstraße gehn, zum Arbeitsnachweis— wegen der Unterstützung und wegen einer neuen Stelle — später. Ich werde— wir werden— uns in die Kosten des Haushalts teilen, und im übrigen werden wir gar nicht mehr drüber reden. Und wenn es nur eine Laune von mir ist— na, man sollte eben nichts mehr respektieren als die Launen des andern, wenn sie ihm nun mal das Leben ange- nehmer machen. Werd' ich ihm sagen— wenn er kommt, wenn er— mein Gott. warum kommt er nicht! Und Gilgi wartet. Minuten werden so lang, lang, die Dunkelheit ist schwer und traurig, und die Stille hat das böse Summen der Lautlosigkeit, das weh tut und Angst macht. Und ich werde ihm sagen... ich— mein Gott, er soll kommen, soll, soll, soll. Und eine Laterna magica ist im Zimmer, Bildern flackern im Dunkel, Vorstellungen— man will da nicht hinsehn, muß sehen, eben weil man nicht will. Bilder... Martin ver- unglückt, Martin tot... Und man kommt sich vor wie ein Verbrecher und brennt vor Schreck, weil man sowas denken kann, und das ist so, wie man als Kind sich plötzlich vorstellen mußte, die Mutter wäre gestorben, und es läßt sich doch sowas nur denken aus Unfähigkeit, es zu glauben. Und in den Kissen Geruch von Martins warmer gesunder Haut, viel Leben in den Kissen, geflüsterte Worte und du und ich und Sehnsucht und... zackige Bilder im Dunkel, und man will sie sehn, will sich weh tun. Lieber ein harter Schmerz, als diese weiche schleichende Sehn- sucht, lieber— Knaccck macht die Tür. Ein Schritt und ein Atmen, man fällt in das Geräusch.„Ah. du bist da!" Kann man ganz ruhig sagen und ist gleich übersatt von Freude, spürt nur in der Freude ein winzig- kleines, widersinniges Gefühl von Scham und Enttäuschung, weil dieses Ueberaufgebot an blutigen Aengsten so überflüssig und lächerlich war. Thero'is a rainbow round mr shonldpi- ... pfeift der Martin und setzt sich zu Gilgi auf den Bettrand. Das blasse Licht der Nachttischlampe streift über seine Hände, seine zärtlichen, lebenverliebten Hände. Und er erzählt, wo er war: im Rheinhafen, auf einem Frachtdampfer, hat mit einem alten holländischen Schiffer Grog getrunken und Karten gespielt und sich viele tausend Meter untern Meeresspiegel lügen lassen..'. Martin— sitzt neben mir, hält den Hut auf den Knien, ist wie ein Wunder, daß er nun da ist. Und das Warten scheint auf ein- mal sinnvoll. Es ist. so schön, auf einen Mann gewartet zu haben, den man lieb hat. So bereit hat man sich gewartet. Und nun ist er da. das bedeutet soviel. So viel Licht. Und er spricht mit den Lippen, den Schul- tern, spricht— und jedes Wort ist ein kleiner Mensch, hat Beine, läuft durchs Zimmer— auf einen zu. ist rund und greifbar, man kann es umarmen... spricht mit einer seifen, weichen Stimme, viel Melodie, ein bißchen heiser— kleiner roter Blutstropfen im Wort. Helles Licht in dunklen Augen. Müssen wohl dunkel sein, die Augen, um so silbernes Licht zu haben. Und junges schwarzes Haar, an Seiten und Hinterkopf vom Hutrand zu wunderlichen kleinen Locken gedrückt. Spricht:„Geruch von Fischen und Teer— verzauberter Fluß— glattes Wasser, verschlossen und dunkel. Spiegelnde Lichter— silberne Streifen— glitzernde Versprechen. Luft wie kühle Seide. Blaumüder Himmel— wie die Augen einer Frau, die aus Wissen um sich wieder unwissend wird. Frecher Tabakgeruch— und Rauchwolken weich und lockig— in die Luft ge- atmete Märchen. Ein kleines Frans-Hals- Kind. Alter Schiffer— immer betrunken aus Ueberzeugung, seine Nase— eine ewige Euphorie. Kleine Geranie mit süß- dummen flachen Blättern, bezaubernd in der Ahnungslosigkeit ihrer Formenstrengheit, ein. Mathematikprofessor jedes einzelne Blatt und dabei Blüten— so schamlos rot, so unbekümmert rat wie eine kleine Hure aus Mexiko— eindeutig rot— Farbe von keiner Mischmaschmoral verpanscht. Ganz große runde Nachtstille— ein Kreis— fällt vom Ufer ein spitzer Schrei hinein-- Geheimnis der Gegensätze, mein Gilgichen. Tausendschachtliges Geheimnis— mach die erste Schachtel auf, findest die zweite drin versteckt— immer so weiter— weißt jedesmal ein bißchen mehr und— sehr viel weniger." Ist etwas betrunken, der Martin— thore's a rainbow round ray Shoulder... Gilgi legt ihm die Hand aufs Kinn, drückt seinen Kopf zu sich herab—„Ach, Martin, mein Llebling..."— so lebenshungrige Zähne, möcht' wohl die ganze Welt auf- fressen! Ist so verliebt ins Leben, liebt alle Dinge, alle Menschen— das hat nichts zu tun mit Michbreitoleranz und Hafer- flockengllte— liebt nur alle�, weil er ein- fach nicht anders kann. Und das begreift man, ist vielleicht das einzige, worin man sich einig ist: Es ist eine gute Sache ums Leben! dlans Meitftann: Um sein Leichtes und Schweres, um sein Trauriges und Frohes. Es ist eine gute Sache ums Leben. Läßt man sich nicht schlecht machen. Von keinem. Nie. Therp's a rainbow round niy Shoulder ... Alter holländischer Schiffer! Versteht man nicht ganz, was ihm nun daran so ge- fiel. Kommt auch gar nicht drauf an, daß man alles versteht, Hauptsache: er hat Freude gehabt. Warum? Furchtbar egal. Man hat eine heilige Achtung davor zu haben! Vor den Freuden des andern Gönnen sich gegen- seitig alle Schmerzen, die Menschen, sind dann auch oft nett und anteilnahmebereit— und sind meist so mißtrauisch und unduld- sam gegen fremde kleine Freuden anders ge- richteten Sinnes. Knistert der Brief unterm Kopfkissen— man wollt' was sagen— Arbeitsnachweis...„war so schön heut nacht da unten, Gilgichen, Hab' so gewünscht, du wärst bei mir gewesen." Arbeitsna... bleibt einem jedes Wort in der Kehle stecken... Hab' so gewünscht, du wärst bei mir gewesen... könnt' man gleich laut los- heulen vor Glück. So dumm auch— ist wirklich unmöglich, Martin mit solchen Din- gen zu kommen. Gehn einem ganz plötzlich so'n bißchen die Augen aus für die Art seines Wesens. Ein kleines Verstehen von Warum und Wozu. Man fühlt den Zauber seiner Unbekümmertheit, Unbeschwertheit, seine liebenswürdige Bereitschaft, sich an allem zu freuen und alles ernst zu nehmen in der Freude, alles wichtiger zu finden als sich selbst. Er ist mit seinem Verstand den dreietappigen Weg gegangen— vom Einfachen übers Komplizierte wieder zur Ein- fachheit. Ist klug genug, um nicht mehr klug zu reden, braucht nicht alles zu sagen, was er weiß. Ist nicht geistreich— sind so ekelhaft, geistreiche Leute— und wer wirklich Geist hat, braucht doch nicht geistreich zu sein. Ist ein richtiger Mensch, der Martin— pas grande chose— aber echt und wirk- lich, und er ist wunderbar, so wie er ist, man will ihn nicht anders haben, kein bißchen anders. „Martin, daß du gar nicht müde bist! Geh', sei lieb, hol' mir die dicke Apfelsine aus dem Eßzimmer... Schäl' sie mir, ja? Tu ich so ungern.--- Du, Martin, weißt du, es ist doch eigentlich furchtbarer Quatsch, was so geredet wird— zum Beispiel: wenn eine Frau einen Mann liebt, will sie stolz auf ihn sein und Achtung vor ihm haben! Ist gar nicht wahr. Wenn man einen Mann liebt, dann will man nicht stolz auf ihn sein, dann ist man einfach stolz auf ihn, furchtbar stolz— ist gar nicht anders möglich— ganz gleich, ob's nu der Exkaiser von China ist oder Willy Fritsch oder ein Buckliger, der an'ner Straßenecke Radieschen verkauft. lind Achtung! Na, damit lockfte keinen Hund oor'n Ofen. Was nützte mir schon der fabel- hafteste Gelehrte, wenn er nicht richtig zu küssen versteht--"(Fortsetzung folgt.) Wie eine Qrammophonnadel enijieki Es fängt an mit dem Knüppel. Aus dem Knüppel entstellt der Walzdraht. Der Walzdraht, der von Krupp in Essen stammt, wird an das Verseinerungswerk geliefert, und der verseinerte Walzdraht(in Tiegeln hergestellt) wandert in die Grammophonnadelfabrik. Wir beginnen in der Drahtrichterei. Links stehen die großen Draht- richte- und Abschneidemaschinen, rechts die kleine- ren für andere Arten von Nadeln. Allerfeinster Gußstahldraht ist also das Wichtigste in der Fabrikation. Er wird waggonweise bezogen in Drahtringen, deren jeder 39 bis 49 Kilogramm wiegt. Nähnadeln und Stecknadeln(die einen aus Stahldraht, die anderen meist aus Eisen- droht) werden auch in Aachen und in Iserlohn hergestellt. Aber die Grammophonnadeln fabri- ziert ein kleines Dörfchen in der Nähe von Nürn- berg. lind zwar fabriziert es die Grammophon- nadeln für Griechenland. Chia, Aegypten, chono- lulu, Spanien, Brasilien und Deutschland. Der Droht wird in Ringen angerollt, auf doppelte Stricknadellänge gerichtet, alsdann ob- geschnitten und in die Schleismaschine gesteckt. Eine Schleifmaschine macht in der Minute zwölf- hundert Touren und spitzt die Stangen an beiden Enden wie Bleistifte an. Je nach der Form einer Spitze liefert sie am Tage mindestens 39 999 Stück. Es wird nicht gezählt, sondern nach jedem Arbeitsgang gewogen. Der Abfall ist gering, seit aus jeder Stange zwei Nadeln mehr heraus- geholt werden als früher. Das gibt eine Menge Radau und eine Menge Funken. In der Droht- richterei sprüht es wie Feuerwerk, wie Leuchl- räder und Goldregen. Automatisch wandern die Stahlstäbchen über rotierende Schleisscheiben und erhalten so Spitzen in jeder gewünschten Form und Feinheit. Je öfter eine Spitze den Schleif- stein passiert, um so schlanker wird sie. Dabei sind die Fensterscheiben spiegelblank insolge der Staubabsougung. Eine Stange Stohldraht mißt etwa 33 Zentimeter. Nun wird sie an beiden Seiten angespitzt, dann werden die Spitzen aus beiden Seiten weg- geschnitten(die Spitze: etwa 16 Millimeter), jetzt ist die Stange etwa 39 Zentimeter lang und wird wiederum wie ein Bleistift angespitzt, allerdings an beiden Enden, wird abermals abgeschnitten und ist nun etwa 27 Zentimeter lang, wird wieder angespitzt und wieder abgeschnitten... und wird solange gespitzt und geschnitten, bis ein Abfall von 3 bis 4 Zentimeter übrig bleibt, und der wandert in die Schrottkammer. Die Nadeln sehen olle unscheinbar dunkel und schwärzlich aus. Es kommt das Fassonieren an die Reih«. Man versteht darunter, daß die Nadeln aus Spezial- Maschinen in die richtige Form gebracht werden, mitunter sogar in Phantasiesormen. Denn man muß sich noch dem Geschmack der verschiedenen Länder richten. Skandinavien bevorzugt Nadeln mit angepreßten Flügeln. Die Leute in Argen- tinien schwärmen für Nadeln mit einer Hals- krause, die angeblich zum Erhöhen der Resonanz dient. Die geschnitten und fassonierten Nadeln sausen täefuch auf 9tobinfons önfel Juan Fernandez, die kleine Insel im Stillen Ozean, gilt allgemein als das Eiland Robinson Crusoes, und sie wäre es auch Zweifel- los, wenn wirklich bewiesen wäre, daß Defae, der Dichter dieses unsterblichen Werkes, die Memoiren des Matrosen Alexander Selkirk be- nutzt hat. Diese literarische Streitsrage wird sich wohl nie ganz lösen lassen, und so bleibt die Insel umwittert von dem romantischen Hauch, der uns alle bei der Nennung des Namen Robinsons an- weht. Aber diese phantastischen Träume der Kindheit erfahren kaum eine Bestätigung bei dem Besuch der Insel, sondern man fühlt sich, wie ein Besucher kürzlich ausführte, ernüchtert, wenn man diese einsam aus dem Meer auf- ragende Felsmasse betritt. Obwohl Juan Fernandez nur 699 Kilometer westlich van Valparaiso liegt, also etwa zwanzig Stunden Dampferfahrt entfernt, so ist sie doch sehr einsam, da die Schiffe hier fast nie anlegen. Die Kiiste ist ganz kahl, und vergebens sucht man nach dem Sande, auf dem sich die Fußspuren Freitags hätten einprägen können. Auch spricht nichts dasür, daß hier jemals ein schwarzer Menschenstamm gehaust hat. Die Ziegen, die wahrscheinlich von dem Entdecker der Insel Juan Fernandez im Jahre 1S63 eingeführt wurden und außer einigen Wildschweinen die wichtigste Tier- welt darstellen, gemahnen allein noch an Desoes Schilderung. Die Hauptbewohner sind heute politisch« Flüchtlinge. Es scheint, als ob seit den Togen der spanischen Eroberung von Südamerika die Insel immer wieder der Zufluchtsort Ge- ächteter wurde, und die unglücklichen Nebenbuhler und Gegner des herrschenden Präsidenten von Chile fristen hier ein friedliches, wenn auch kümmerliches Dasein. Ihre Hauptnahrung sind die Langusten, die in großen Mengen gefangen werden. Daneben hat sich eine Industrie in der Herstellung von Spazierstöcken entwickelt, für die die Chontapalme ein vortreffliches Material liefert. Lebendiger als die Erinnerung an Robinson ist aus der Insel die an Alexander Selkirk, den man ja für sein geschichtliches Vorbild hält. Selkirk war Obermaat auf dem Schiff„Cinque Ports", geriet mit dem Kapitän Stradling in Streit und bestand darauf, auf der Insel an Land gesetzt zu werden. Obwohl er dann vor der Abfahrt des Schiffes zweimal darum bat, wieder an Bord genommen zu werden, ließ man ihn allein zurück, und er wurde erst im Februar 1799 von dem Kapitän des Schiffes„Duke" gerettet, der fein Feuer brennen sah und ein Boot ausschickte. Der Ausguck, von dem der Einsiedler auf Juan Fernandez sehnsüchtig nach dem Rettungsschiff ausblickte und den er in feinen Erinnerungen eingehend beschreibt, ist ein Vorsprung auf der Hauptgebirgskette der Insel, von dem aus man die Aussicht nach beiden Küsten hat. Der Anstieg von etwa 699 Meter wird durch ein Dickicht von Farnen und Gewächsen aller Art erschwert. Die Pflanzenwelt weist allein 24 verschiedene Arten von Farnkräutern aus, obwohl die Insel nur 29 Kilometer lang und 6 Kilometer breit ist. Eine Steintafel auf dem Gipfel berichtet, daß er von 1794 bis 1799 auf der Insel weilte, später Offizier in der englischen Marine wurde. Für uns Deutsche ist besonders interessant, daß die Mannschaft des deutschen Kreuzers„Dresden" nach der Schlacht an den Falklandsinfeln hier einen Unterschlupf fand. auf einer Rutschbahn hinunter in die Härterei. Der beste Stahldraht nützt nichts, wenn er ver- brennt, so daß später die Nadel beim Einsetzen in die Schalldose abbricht. In der Härterei wird Zeitungspapier in rauhen Mengen verbraucht. Es ist ein alter Nadlertrick, ohne Zeit- und Wärmeverlust die Nadeln 29 999 stückweise auf glühende Platten zu bringen. In glutenden Oesen werden die Nadeln, bei 699 bis 639 Grad erhitzt und glashart gemacht. Dann werden die Bleche mit den Nadeln aus den Oefen geholt,»nd die Nadeln müssen in Oel. Das Abschrecken im Wasser wäre zu grausam, und die Nadeln würden sich möglichenfalls verbiegen. Richtig tenwerKrtes Oel arbeitet am zuverlässigsten. Die Nadeln sehen schmutzig unu schouderhost aus. Darum wandern sie in die Schauerei. Hier riecht es nach gutem, altem Handwerk. Der Duft stammt vom Olivenöl und Fischtran. Wie winzige Wickelkinder werden die Nadeln eingepackt, jeweils in Partien zu 29 bis 23 Kilogramm. Und dann werden die Bündel ununterbrochen hin und her gerollt und geknetet. Dies nennt man schauern. Das Schauern dauert 3 bis 8 Tage, je nach Qualität der Nadel. Wöhrend des Schouerns weichen sich die einzelnen Nadelspitzen auf rätsel- haste Weise aus— offenbar, weil die Nadeln konisch sind.'Im Schauerraum ist alles geblieben wie zu Zeiten der Urväter. Damals hieß er die Schouermühle. Die Maschinen mit ihren ge- waltigen Zahnrädern(wegen der Uebersetzung) laufen sehr longsam, und das Hämmern der Räder und dos Ziehen und Schleppen erzeugt ein höllisches Geräusch. Es wird solange geschauert, bis die Nadel aussieht, als fei sie vernickelt. Dos heißt: die Nadel wird erst nach dem Schauern richtig poliert... etwa zwei Tage lang. Und wenn die ganze Prozedur, die sechs oder gar acht Tage dauert, erledigt ist, dann haben die Nadeln den Hochglanz, der sie so appetitlich macht. Der Hochglanz wird erzielt mit Olivenöl und Zinn- asche. Dann werden die Nadeln im kochenden Seifenwasser gereinigt, in Sägespänen getrocknet und gelangen schließlich als sogenannte helle Ware in den hellen Saal. Ein altes Sprichwort sagt, trockene Sägespäne seien das Geld im Nadlerei- gewerbe. Sägemehl spielt also eine Hauptrolle bei der Produktion. Es muß wie geröstet sein, knochentrncken— sonst saugt es nicht die Feuchtig- keit der Nadel auf. Das zweite' Polieren, das Nachpolieren ist demnach gleichzeitig ein Schutz- mittel gegen Rostgefahr. Im hellen Saal rutschen die Nadeln Stück für Stück aus den Trichtern und träufeln langsam über das gemächlich vorüberlaufende Band. Im Gegensatz zur üblichen Schnellarbeit wird hier zwangsläufig Langsamarbeit geleistet. Die guten Nadeln gehören ins Töpfchen, die schlechte» ins Kröpfchen. Dan» wird gewogen. Das kann man nicht gut mit der Hand erledigen: denn mitunter 'werden bis zu 19 999 999 Nadeln an einem Tage hergestellt. Dann gibt es auch noch ein Laboratorium, wo die kuriosesten Dinge ausprobiert, wo das Roh- Material und die Nadeln in den einzelnen Arbeitsstadien auf Herz und Niere geprüft werden. Ein Grammophon aus der Wikingerzeit träumt vor sich hin. Es steht aber nur da, damit neugierige Besucher fragen, warum es da steht. Geschäftsgeheimnisse werden nicht ausgeplaudert. Dafür wird dem Besucher jedoch gezeigt, wie sehr sich ein« Nadel bei einmaligem Spielen ob- nutzt llnfl wer das gesehen hat und seine Platten liebt, der verwendet bei jeder Seite eine neue Nadel. Aus diese Weise spart er Platten. 3>er QericMsjjckreiber Auf seinem Gesicht stand es geschrieben, ob ihn seine Tagesarbeit befriedigt hatte oder nicht. Manchmal kam er nach Hause, und ein heiteres Lächeln zeigte jedem: dem Gerichtsschreiber Schir- mer war nichts ausgefallen, es war alles— nach seinem Sinne— gerecht zugegangen, aber oft hatte er auch ein trauriges Gesicht mit tiefen Stirnfalten und müden Augen, und wer ihn kannte, mußte es wissen: heute war etwas„faul" gewesen. Das war sicher. Der Gerichtsschreiber hatte«in natürliches Rechtsempfinden, welches durch das berufsgebun- dene enge Verhältnis zwischen ihm und den Para- graphen noch nicht getrübt war. Und das wachte scharf über Richter und ihre Urteile. Für seine Tätigkeit besaß er weder besonderes Interesse noch Abneigung. Es war ja selbstverstständlich, daß er seine Protokolle gewissenhaft und in guter Schrift ausführte. Aber die Menschen, deren Schicksale er zu Papier bringen mußte, fesselten ihn. Sie waren vielleicht der Pol, um den sich sein ganzes Leben drehte. Er war noch nicht lange Gerichtsschreiber ge- wesen, als er schon eine ziemlich feste Ansicht über Eharaktere, Fähigkeiten und Urteilsweise der Richter hatte. Meistens festigte sich diese Ansicht in den weiteren Jahren nur. Er täuschte sich selten. Ebenso verstand er aber auch jene abzuschätzen, die sich vor dem Gericht verantworten mußten. Saß da manchmal ein armer Sünder, den man übermäßig hart behandelte, dann setzte er die Worte in seinem Protokoll so geschickt— ohne Tatsachen zu verändern—, daß der Berufungsrichter später, wenn er die Akten der ersten In- stanz studierte,«in wesentlich günstigeres Bild vom Angeklagten erhielt. So griff der Gerichtsschreiber Schirmer oft un- bemerkt In das erhabene Getriebe der Justiz ein. Als er fast dreißig Jahre neben den Herren Amtsgerichtsräten gesessen und die„Registratur der Schicksale" geführt hatte, verursachte er aber etwas, das die Strafprozeßordnung erschütterte und ihm nach langem Hin und Her einen scharfen Verweis und die„Verwendung für andere Dienste" einbrachte. Nach dreißig Jahren.— Eines Tages, nachdem man schon sechs Stunden mit anderen Verhandlungen zugebracht hatte, stand ein junger Mensch vor den Schranken. Er war nicht vorbestraft und sein Fall—«in Diebstahl eines fast wertlosen Gegenstandes im Waren- haus— war harmlos. Auch hatte er offene, sympathische Züge und ein freundliches Wesen. Dem Gerichtsschreiber Schirmer erschien«s, als ob ein Mensch mit Hirn und Nerven, mit FWfch und Blut einer Maschinerie gegenübersaß, deren Wellen, Zähne und Hebel aus gelangweilten Richtern, ärgerlichen Staatsanwälten und müden Schöffen bestanden. Und dieses Werk zerräderte den jung«n Mann systematisch. Daß er schon zwei Jahre lang nicht mehr arbeiten durfte, gehörte nicht zum„Fall". Es war aber durchaus am Platze, mittels geschickter Kreuz- und Querfragen einen Crzsünder zu fabrizieren. So stellte die Maschine fest, daß er als Sohn achtbarer Eltern in frühen Jahren stark« Neigung zu Leichtsinn gezeigt hätte, daß er in der Schul« faul gewesen sei, daß er mit seinem Lehrmeister einmal einen Konflikt gehabt hätte, daß er— e, wurde dem Gerichtsschreiber zuviel Und dann sprach der Staatsanwalt von morali- schem Tiefstand, von der Rückkehr aus den rechten Weg, von der harten Strafe, die den Menschen zu sittlichem Tun führt... Doch was war das?— Da stand der Gerichts- schreib«? Schirmer, hotte die stoatsanwältliche Rede unterbrochen und hielt selbst ein Plädoyer:„Meine Herren! Justiz soll Gerechtigkeit sein! Gerechtigkeit ist es, diesem Mann Arbeit zu geben und ihn nicht um einer Lappalie willen ins Gefängnis gehen zu lassen. Herr Staatsanwalt, Sie wollen doch die Menschen vom Verbrechen abhalten, merken Sie nicht, daß Sie einen zum Verbrecher erziehen..?" Weiter kam er nicht.— Die erschreckte Starre über dem Gericht löste stch. Die Verhandlung wurde sofort vertagt.— Man beriet den„Fall Schirmer". Es dauerte mehrere Woche», bis die Herren zu erkennen glaubten, daß es weniger Strafe wäre, ihn zu entlassen, als ihm einen anderen, ihn nicht interessierenden Dienst anzuweisen. Seit der Zeit weiß der Gerichtsschreiber Schir- mer nicht mehr, wofür er lebt und arbeitet.— FriU Hirscbberg. QuerfchniU durch die WeU Im Verlag von L. W. S e i d e l u. S o h n in Wien ist die 71. Ausgabe von„Hübners geographisch- statistischen Tabellen aller Länder der Erde" erschienen, neu bearbeitet und verbessert. Gegenüber der 70. Aus- gäbe sind ein« Reihe weiterer Angaben hinzu- gefügt worden, so die über Weltvorräte an Kohl«. Eisenerz und Wasserkraft, über die Weltproduk- tion der wichtigsten Jndustrieprodukt« wie über den Viehstand der Welt. Die Zusammenstellung der Weltbeoölkerung ist wiederum nach Erdteilen und Flächenausdehnung gegliedert: nebe» Deutsch- land und Oesterreich werden nun auch aus anderen europäischen Staaten die letzten Wahlstatistiken gebracht. Die neu eingefügten Angaben über den Fremdenverkehr sind im Zeichen der Weltwirt- schastskrise recht interessant. Wenn man in diesem umsangreichen Werk mit seinen fünf Abteilungen blättert, hat man einen Querschnitt durch die ganze Welt vor sich. Die erste Abteilung bringt allgemeine geographische Angaben, genaueste Lage der Länder und ihrer wichtigsten Orte, ihre klima- tischen Verhältnisse, Bodenerhebungen und der- gleichen. In der Rubrik„Sonstige Angaben" hat der Druckfehlerteufel in Chile die Seeschiffahrt zerstört, indem er die berühmte Magalhaes-Straße nur 3 Meter und die Meerenge de la Concepcion nur 2,5 Meter breit sein läßt, anstatt Kilo- meter. Interessant sind die Angaben über die R e- gierungsformen der 82 Länder der Welt. Sie verzeichnen 27 monarchisch regierte Länder und 53 selbständige Staaten oder Staatsgebiets. die Präsidenten oder Gouverneuren unterstehen. Dazu kommen der Vatikanstaat mit dem Papst als Oberhaupt und das„Königreich" Ungarn, das vom „Reichsverweser" Nikolaus Horthy regiert wird. Glücklicherweise erhalten die Länder ihre Be- deuwng nicht von ihrem Oberhaupt, sondern von ihrer Größe, ihrer Bevölkerung, ihrer landwirt- schastlichen und industriellen Ausrüstung und ihrem Handel, worüber die nächsten Abteilungen ge- neu«ste Auskunst geben. Diese Angaben stehen nun sehr im Zeichen der Weltwirtschaftskrise. Bei d«n Bevölkerung», angaben ist die Krise schon daraus ersichtlich, daß zumeist Berechnungen angeführt sind, weil sich die Staaten keine Zählungen mehr leisten können und die letzten Zählungen zu weit zurückliegen. Stärker aber noch kommt die Weltkrise in den letzten Ab- schnitten zum Ausdruck: Drosselung der Pro- duttion. Drosselung des Handels, Rückgang des Verkehr», Erschütterung der Finanzen. So wie Hübners Tabellen in guten Jahren den wirt- schaftlichen Ausstieg wiedergaben, zeigen sie jetzt als zuverlässiges Quellenwerk das Abgleiten der Wirtschast, den Niedergang des Kapitalismus. Wilftslm Tietgen». Einsendungen für diese Rubrik sind v« r l t n SS 68, Lindenstrahe 3. stets an da» Bezirkssekretaria. S. Kos, 3 Treppen rechts, zu richten Beginn aller Beranstaltungen ISsh Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 7. und 8. Kreis. Heute, 17 bis IS Uhr, Juristische Sprechstunde im Jugend. heim Rosinenstr. i. Gelegenheit»um Kirchenaustritt. M. Abt. fteute, 20 Uhr, gusammenkunst des Agitationssanderdienstes bei Stenzel, Schwedenstr. 13. 21. Abt. Heute, Sitzung sämtlicher Funktionär» und Kreisvertrete.r bei Scholz, Adolfftr. 12. 42. Abt. Montag, 3. Oktober, bei R-gul, Tempelhoser Ufer 1», Versammlung aller Genoisen, die Mitglieder der 173. Abgabestelle de, Konsum« sind. Purteimitgliedsduch und Einkausslarte legitimieren. ?s* 9236 £üi SichepuHfU dee ItcQeamnge&laitmq Heute PremlSrei 1 Äkei&at schSoUptf 3 ANOREU-RIVELS Die besten Clowns der Welt BARNABAS V. BfCZY QUO WAUBUR6 ♦ Ob w%ttb%rOhmHP nAHGEAN-6!RLS u. weiter« sanitt. N«uhtit«nl I VOLKtBEIHNE Theatsr am aäiowpiatx D I. Norden 2944.»llahenchict 814»dt Der Revisor Regia; Hein« Hilpert Auch Stgs. 3'/) Uhr. Proiie: 0,75 d!» 4,00| | heute wiMme Dee StädisOper Clurlotienbure Fraunhofer 0231 Sonnabend, 1, Okt. Turnus II 20 Uhr Patruschha Dirigent: Ladwig. Abramowitsch Groke, Egenlauf Glannl Söilcdii Dlrig.: Teichmann. HflKh, Ftiedrich. Fldesser iMropoi-lheater Taglich 3>/< Uhr I Sritzt Massary eine Frnu, die weiß, wa« sie will! I— Theater im1, Ahimraisaa.&stj Täglich 814 Uhr «Ifta 311 p a r Operette In 3 Akten von C. MILLÖCKER POTTSß- fNSCENISHUNG! fm OeiitsdiesTlieatet Weidend. 3201. 3 Uhr Rose Bernd von Oerlurt Bauptmanu mit Paula Veoiaty KammerspiaiB 81. Uhr Schicksal nach Wunsch XomUia v. Chris!) Winilo« Regle: Rudolf Beer Melrer, Ullrich. Riemann, Abel, Brauseweiter p» Theater am* Scbiffbanerdanm 0} Weidend, t9U Täglich«Ii Uhr .Keionne ImmarjrllD"! E«f|.IUg.t.lii»imMn BiH!»ral�JauleeB fBERUNBRTHtÄn »7 041b. 828 Täglich «h» Uhr MO I S Sl Oer lebende Leichnam| »M j lassing-üiaaier Tägl 81;. Uhr Grete Mosheim Oskar Jloroolka in Pygmalion 5 a h iJ I e r Oroluisasir. Tu, 71 SteinpL(C l) 8715 Täglich 8:,':« Sem«; cben""iiid lla,erriucB.ii;r. Tägl. 5 u. SU Uhr. Scrliegs 21;, Sl.'SlTiT Fiälte seien sc CC Pv. Kscaa. e.'.TiB:g*.9 Preise. Der Tip für Berlinl Pxdcut dsdaM& Behrenstr. 53/54 die achBnste u. billigste j Tanzstätte der Weltj eeäffttd am 1. OUt. Naohmittagsi Orestes Kafteegedeck| M 0.85 Abends i Einheitsgetränk M 0.7S Restaurant Berlins feista und seine Musikbande Eimamiileiiiisuser (eventl auch für 2 FAmlliexO S1/* Zimmer. Mi;«0 Monatilclie Miete 77- Mk. zum J. Nov. und später zu vermieten. Ausserdem: Z-Zimmer-Wohnuiig Bad, Balkon u. 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Hueur) S J( m m u n g I Man lacht Tränan über Diraktor Hane Berg all Tante Julchen- Qutsehein tür die Leser 1—4 Perionen Paul a.7ä M-, Ses«-> I 26 M,, Park. 0.80 M Ab 1 Oktober B, B» B» Bendows Bunte Bühne | Kotlmiwi Sil 6,(rilhii„EHte-SI»aef| „Lachs dich gesund!" Täglich 8 Uhr, Sonntgg Sl/| Uhr. Preise von 50 Pf- kn Stettiner Sänger Reictishallen-Theater (Dönhaffp)au) ' Dir. BejseU Dir. Msysel. Täsl 8.15 Uhr, Sonntags \\\">11 130 Uhr(ermäßigte Pr Das neue Programm mit der Posse .„Und abends wird getanzt*'