Abend- Ausgabe Nr. 464 B224 49. Jahrg. Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 ?-rnspr,ch«ri«7 Amt Dönhoff 292 bit 297 Ttltgrammahrtss«! Sozioli-moKat Berlin BERLINER VOLKSBLATT SONNABEND 1. Oktober 1932 In Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts...... 15 Pf* Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe am Schluß des redaktionellen Teils Sentealoegan de« Gozialdemokeattsche« Partei Deutschlands Der Streik der-Sichleute Die Lnternedmer stellen sicli um „Blutherrschaft" JuäenanKst im Braunen Hause „Es riecht nach Pulver, und es wird gefochten werden... Wer zuerst schießt, der gc- w i n n t!" So sprach jüngst der stets muntere Oldenburg-Januschau in Zoppot. Man legte es zum übrigen, ohne viel darüber nachzu- denken, ob dieses Maschinengewehrgeredc aus Polen, Franzosen oder Marxisten zielte. Schließe lich waren c- doch nur Worte. Aber siehe da! Nun kommt der„Völkische Bcob� echter" hcrbeigestürzt und schreit Zetermordio. .Die Reaktion will aus Nationalsozia- listen schieße» lassen... Wir fragen den Reichspräsidenten am Porabend seines 8Zjöhrjgcn Geburtstags, ob er sofort auf die Erwartungen auf eine Blutherrschast seinerseits(!> ein- heutig zu antworten gedenkt." Tragisches Mißverständnis! Wenn der Janu- schauer schießen will, dann bestimmt nicht auf seinen Sitznochbar im Reichstag, Goebbels, init dem er sich so oft zärtlich unterhalten hat! Aber auch— lehrreiches Mißverständnis! Jahrelang bestand die Politik der NSDAP, fast ausschließlich darin, daß sie ihre Gegner mit dem Erschießen, Erhängen, Köpfen oder Tottreten bedrohten. Noch bei den letzten Perhandlungen hat diese edle Sorte von Politik eine erhebliche Rolle gespielt. Man kann darüber jetzt im„Stahlhelm" folgendes lesen: „Herr Hitler hat in den Verhandlungen, die Mitte August mit den Beaustragten des Reichs- Präsidenten stattgefunden hoben, nicht nur den Rcichskanzlerposten für sich verlangt, sondern darüber hinaus, sozusagen als Vorleistung gc- fordert, daß ihm vor der Amtsübernahme drei Tage lang die Straße tunter Zurückziehung der staatlichen Machtmittels für seine SA. frei- gegeben würde." Die nationalsozialistische Presse hat bisher stets jede Aeußerung der Mißbilligung und des Ab- scheus gegen solche verbrecherische Pläne als „I u d e n a n g st" bewitzelt und oerhöhnt. Kaum aber wird— und sei es nur mit dem Munde— der Spieß umgedreht, da erhebt sich schon im Braunen Hause ein gellendes Angstgeschrei. „Wer zuerst schießt, der gewinnt!" Diese solide Roubmörderthcorie des alten Januschauers ist die Theorie aller Gcwaltpolitiker und Diktatur- apostel. Man hat sie uns so oft in die Ohren ge- brüllt, daß wir gegen sie schon ziemlich abge- stumpft sind. Um so erstaunlicher ist, wie emp- kindlich das nationalsozialistische Trommelfell auf sie reagiert! Eine sizilianische Vesper ist für sie eine Klcinig- keit. Sie wollen nur vom Reichspräsidenten die Garantie, daß ihnen selber dabei nicht das geringste passieren wird! Aela eröffnet Wißßelsee, der zukünftige Wasscrflug- Haien heule vormittag um 10 Uhr fand in der Ehren- Halle die Lrössnung der Deutschen Lust- sporlausstcllung igzz fDela) vor einer stattlichen Anzahl geladener Ehrengäste statt, unter denen man Vertreter der Reichs- und Staats- behörden. der Misjenschast und UZirtschast und des Diplomatischen Korps bemerkte. Im Namen der«tadt Berlin begrüßte Ober- bürgermeifter Dr. Sa hm die Erschienenen. Neben dem vorbildlichen Berliner Flughasen in Tempelhof sei im Westen Berlins der Flughasen Staaken geschassen worden, der der Ausbildung von Flugzeugführern diene. Dieser Flughafen sei auch als Zentrallustschiffhasen ausersehen. Im Südosten werde gegenwärtig der Flughasen Johannisthal durch eine große Anzahl von Er- wcrbsloscn wieder instandgesetzt. Ersorderlich sei auch, daß Berlin neben seinem Landslughafen einen geeigneten W a s s e r s l u g h a f« n besitze, und hierfür sei schon vor Jahren der M ü g g e l- s e e in Aussicht genommen. Auch dem Aufschwung des Segelflugsports trage Berlin Rechnung, und aus dem Segelflugplatz in Gatow werde dieser Sport eifrig betrieben. Es fei nskvendig geworden, auch außerhalb Berlins in Heute früh hat der Streik der Möbeltransportarbciter, wie wir in unserer Morgenausgabe bereits gemeldet haben, auf der ganzen Linie cingc fetzt. Die Unternehmer, die alle Mittel angewandt hatten, um die Verhandlungen über den Neuabfehlutz des Tarifvertrages bisnach der Umzugs- Periode zu verfelzleppen und sich schon schmunzelnd die Hände rieben, sind wie aus den Wolken gefallen. Ter schnelle und entschlossene ftlegenschlag des G c- samtverbandes kam den Unter- nehmern völlig überraschend. Merkwürdig— oder auch nicht— ist, daß die Unternehmer, die bis jetzt so sehr beschäftigt waren, daß sie nicht einmal eine Kommission zu Verhandlungen schicken konnten, nunmehr in Scharen sich auf den: Gesamtverband einfinden, um möglichst sofort einen Tarifvertrag ab- zuschließen. Von Lohnabbau ist keine kltcdc mehr. Diese etwa» späte Grkennt- nis hätten die Unternehmer billiger haben können, ohne ihre Kunden in schwere Ungelegenheitcn zu stürzen. Wenn im Straßenbild Berlins am heutigen Vormittag noch sahrende Möbelwagen zu sehen ivarcn, dann handelt es sich hierbei um Fuhr- werke, die zu den Fuhrhöfen der einzelnen Unter- nehmer zurücktransportiert wurden. Infolge des Andrangs von Ziehsuhren zum heuti- gen Quartalswechsel hatten nämlich die Trans- portarbeiter in den gestrigen späten Abendstunden die Möbelwagen gleich vor die Häuser gefahren, van wo aus heute früh der erste Umzug erfolgen sollte. Von hier wurden dann, als der Streik- beschluß in ganz Berlin bekannt war, die leeren Wagen wieder abgeholt. Es handelt sich also hier- bei nicht, wie vielfach irrtümlich angenommen wurde, um eine Durchbrechung des in geheimer Abstimmung gefaßten Streikbeschlusses. Wie vorauszusehen, wird der Ausstand der der Nähe von Trebbin einen weiteren Sammel- slughasen zu schaffen. Berlin, die Arbeitsstätte des Pioniers der Luftfahrt, Otto Lilienthal, werde auch künftig bemüht bleiben, seine Stellung im Lustsahrtwescn zu erhalten und auszubauen. Nach dem Vorsitzciiden des geschäftsführenden Präsidiums der Dela, Staatsministers a. D. D o- m i n i k u s, sprach als Vertreter der Reichs- regierung Reichsverkehrsminister Freiherr E l tz v. R ü b e n a ch. Den Abschluß der eindrucksvollen Feier bildete das Finale...tlloxro con chrio" aus der 7. Sinfonie Ludwig van Beethovens und das Deutsch- landlied. Statt edler Frauen... Von Knigge und vom Misthaufen Willst du erfahren, was sich ziemt, so frage nicht— wie Goethe das empfiehlt— bei edlen Frauen an, sondern lies den„Lokal-Anzeiger". Dort findest du ausgiebige Berichte über die Aus- einandersetzungen innerhalb der geborstenen. Harzburger Front. Und wenn diese emporstreben- den und ausbauwilligen Kräfte nicht über den ge- ziemenden Ton verfügen,— ja wer dann eigentlich?! Du liest dort von Stinkbomben und Niespulver, womit die Nazis eine deutschnationale Versammlung in der Schönhauser Allee ausgeräuchert haben, du findest dort die Ausdrücke „So eine Schweinerei, bürgerlicher Mist- hausen, gemeines bürgerliches pack". mit denen der nationalsozialistisch« Stadtverord- nete Aretz in Detmold seine deutschnatwnaton organisierten Möbeltransportarbeiter von kleinen Fuhrleuten und Gewerbetreibenden ausgenutzt, die ihre Fahrzeuge für Umzüge zur Verfügung stell- len. Trotzdem kann keine Rede davon sein, daß durch diese„wilden" Fuhren der Streik der Or- ganisiertcn in nennenswertem Umsange beeinträch- tigt wird. Verständlich ist allerdings, wenn Mic ler, die bereits zum Umzüge alles gepackt hatten. nicht sonderlich über diesen plötzlich ausgebroche- neu Streik erbaut find Sic müssen zwischen ihren bereits gepackten Kisten und Körben noch einige Tage, zum mindesten Über Sonntag und Montag, sitzen. Dasür können sie sich bei den Unternehmern bedanken. Vielsach hatte mim in der alten auszugebenden Wohnung auch schon die Zähler für das Licht abgemeldet, so daß man heute abend Notbeleuchtungen einrichten muß. Demgegenüber kämpfen die Transportarbeiter um einen gerechten Lohn. Sie erhalten für ihre schwere Arbeit heute nur noch 8, oll M täglich, wovon noch die Steuern und die Sozial- Versicherungsbeträge abgehen. Wenn sie die zentnerschweren Gegen st ände schleppen sollen, müssen sie natürlich anständig essen. Inzwischen hat der Schlichter eingegriffen und die Parteien zum Montag vormittag 10 Uhr zu Verhandlungen geladen. Vorher treten die strei- kenden Möbeltransportarbeiter zu einer araßen Streikversammlnng zusammen. Dies« Versammlung findet statt am Sonntagvormittag um 10 Uhr im Restaurant Biktoriagarten, Wil- mersdors, Wilhelmsau« 112—114. Hier wird die Streikleitung über den Stand der Bewegung Be- richt erstatten. Gchiffahrtsfrieden Brfolg der Gewerkschaften Hamburg, 1» Qktober. Tie Tarifvcrhaiidlungcn in der See- schiffnhrt fanden gestern ihren Abschluß. Durch Vereinbarung vor dem Schlichter der Wordmark, Dr. Stengel, haben sich die Parteien auf eine vorläu- Kollegen tituliert hat. Gelüstet dich nach einer Ergänzung, so schlage den„Angriff" auf, der sinnig bemerkt, daß ein deutschnationaler Dis- kusfionsredner in einer Naziversammlung mit dem Zwischenrus„B l ö d s i n n" tituliert wurde,„der Zwischenruf„B l ö d h a m m e l" tituliert wurde, „der nicht von ihm widerlegt werden konnte." Everling niedergebrültt Vom Harzburger Bruderkriegsschauplatz liegt heute ein Schlachtbericht der Hugenbergschen TU. aus Stettin vor: In einer deutschnationalen Versammlung, in der Reichstagsabgeordneter Dr. Cverling sprach, kam es zu großen Tumulten. Bei den ein- leitenden Worten des Versammlungsleiters setzten von den im Saal anwesenden National- s o z i a l i st e n Zwischenrufe ein, die sich schließlich zu einem Tumult steigerten, so daß die Polizei eingriff und einige Zwischenrufer aus dem Saal wies. Als Dr. Everling feine Rede begann, v e r- st ä r k t e n sich die Zwischenrufe. Schließlich erhob sich der Stettiner Kreisführer der National- sozialisten, Landtagsabgeordneter C z i r n i o k und erklärte, daß die Nationalsozialisten sich nicht länger provozieren lassen würden. Nach dem Ab- singen des Horst-Wessel-Liedes räumten sie dann auch zum größten Teil den Saal; die deutsch- nationalen Versammlungsteilnehmer stimmten das Deutschlandlied an. Dr. Everling hielt dann, von nur noch wenigen Zwischenrufen unterbrochen, sein Referat. Everling, der Fürstenanwalt, wird sich im Innern gefragt haben, ob es sich wirklich für seine fürstlichen Mandanten gelohnt habe, das durch seine Arbeiter erstritten« Geld in dieser Partei anzulegen! sigc Fortdauer der Tarife bis zum 30. November geeinigt. -i° Dieses Abkommen ist ein großer Er- folg der Gewerkschaften. Die Unternehmer hatten ganz exorbitante For- derungen sowohl hinsichtlich des Lohn- wie des Manteltarifes gestellt. Es war das nun schon seit Jahren übliche Abbauprogramm, das die Arbeitgeberverbände bei allen Ver- Handlungen präsentieren und auf das einzu- gehen die Schlichtungsbehörden stets nur zu bereit gewesen sind. Der energische Wider- stand der Gewerkschaften gegen den Abbau der Tariflöhne, den die Notverordnung den Unternehmern gestattet, die Entschlossenheit, nunmehr jedem weiteren Lohnabbau mit allen gewerkschaftlichen Mitteln sich zu wider- setzen, haben ihren Eindruck nicht verfehlt. Jede Verschlechterung hätte unvermeid- lich die Stillegung der deutschen Seeschiffahrt zur Folge gehabt. Angesichts dieser geschlossenen Front aller beteiligten Gewerkschaften haben die Unter- nehmer in letzter Stunde den Rückzug angc- treten. Und das war das klügste, das sie um konnten. Erfolg bei Kempinski Der Konflikt in den Kempinski-Betrieben ist noch heute beigelegt worden. Nachdem der Firmenlcitung der Streikbeschluß ihrer Belegschast bekannt wurde, erklärte sie sich schriftlich bereit, die Anschläge zurückzuziehen, in denen sie dikta- tarisch eine Herabsetzung der wöchentlichen Ar- beitszeit von 48 auf 44 und teilweise bis auf 42 Stunden verfügt hatte. Durch die Zurücknahme dieses Dekrets, die durch einen neuen Anschlag in den Betrieben bekannt- gemacht wird, ist das Ziel der Bewegung erreicht. Di« Belegschaft hat durch ihr einmütiges Zu- sammenftehen einen yollen Erfolg gehabt. Bluttat in Berlin C Den Nachbarn im Streit erstochen 3n der Auguststraße spielte sich heute früh zwischen zwei Mielern ein blutiger Streit ab. der mit dem Tode des Z4jährigen Arbeiters k a c z- marek endete. Kaczmarek und der 36 Jahre alte Arbeiter Kurt Wiese wohnen auf einem Flur, Tür an Tür. Schon seit langer Zeit besteht zwischen den beiden Männern heftige Feindschaft und wiederholt kam es in letzter Zeit zu schweren Ausein- andersetzungen. Auch heute früh gegen 8 Uhr gerieten die feindlichen Nachbarn wieder anein- ander. Es kam zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf Wiese seinen Gegner durch einen Herz- st i ch niederstreckte. Der Schwerverletzte lief in seiner Todesangst noch die Treppe hinunter, brach aber im Hausflur bewußtlos zusammen und wurde sofort ins Krankenhaus gebracht, wo er bald nach der Einlieferung starb. Der Täter ist festgenommen worden. Bei seiner Vernehmung behauptete er, in Notwehr gehandelt zu haben. Kaczmarek sei mit einem Gummiknüppel auf ihn eingedrungen und in höchster Not habe er zu einem Küchenmesser gegriffen, um seinen Gegner abzuwehren. Zuchthaus für junge Räuber Die Strafkammer in Trier verurteilte den 22jährigen Kurt Wetter aus Hamburg zu bJahrenZuchthaus. Wetter war angeklagt worden, auf die Poststelle in Stahl bei Bitburg in der Nacht zum 6. Mai einen Raubüberfoll verübt und dabei eine größere Geldsumme erbeutet zu Haben. p Staatsanwalt überfallen Vor dem Jugendgericht niedergeschlagen Sitten als Zeuge Reinlall der Nazi-Anwälte Vor dem Jugendgericht Siralauer Sirahe fand heute morgen ein unerhört gemeiner Ueberfall statt. Der Jugend- Staatsanwalt h o e l z wurde von drei jungen Burschen aus der Strohe, unmittelbar vor dem Eingang zum Jugendgericht, niedergeschlagen. Er erhielt einen Zuhtritt gegen deu Oberschenkel— Jugend- Staalsanwalt hoelz ist schwertrlegsbeschädigt und lahmt— und einen Zauchschlag aus den Kopf. Der Arzt stellte eine leichte Gehirnerschütterung und einen Blulerguh am Oberschenkel fest. Von den drei jungen Burschen fehlt bisher jede Spur. Sie sind unerkannt entkommen. Der Pförtner hatte einige Burschen vor dem Ge- bände herumlungern sehen, ohne auf sie weiter acht zu geben. Ob der Ueberfall aus politische, Motiven oder aus irgendwelchen anderen Gründe» begangen wurde, läßt sich im Augenblick noch schwer sagen. Staatsanwaltschastsrat choelz, dessen Strafanträge in der Regel sehr milde sind', war. gestern in einem Prozeß gegenNational- s o z i a l i st e n, die sich als Minderjährige vor der Sonderkammer des Jugendgerichts zu ver- antworten hatten, gezwungen, hohe Strafanträge zu stellen. Das Gericht hat gegen einen der an- geklagten Nationalsozialisten auf 1 Jahr Zucht- Haus erkannt. Ob die Täter in den Reihen der Nationalsozialisten zu suchen sind, dürfte erst die Untersuchung ergeben. Der Präsident des Amts- gerichts hat für die Zukunft Sicherung?- maßnahmen angeordnet. Staatsanwaltschaftsrat Dr. choelz ist eine der erfreMhsten Erscheinungen in Moabit. Seine warme Anteilnahme an dem Schicksal der jungen Leute, die er anzuklagen hat, sein ständiges Streben, ihnen in jeder Weise zu helfen, hat ihm allgemeine Sympathien eingebracht. Nie Rechtsnot Xonlerenz erst am 4. Oktober Die„Deutsche Liga für Menschenrechte" bittet uns, darauf hinzuweisen, daß die Konferenz„Die Rechtsnot in Deutschland" nicht wie vorgesehen am Sonnabend, dem 1. Oktober, stattfindet, sondern wegen Verhinderung eines Referenten nunmehr am Dienstag, dem 4. Oktober, um tg.3l> Uhr, im Plenarsaal des ehemaligen cherreichaufes, Leipziger Str. 3, stattfinden wird. Kontrolle unerwünscht Reichsfinanzmimster will nicht gestört werden Im Bezirk des Landesfinanzamts O b e r s ch l e s i e n hatten sich mehrere Beamte der Reichszollverwaltung im Dienst in ausfälliger Weise für die nationalsozialistische Bewegung betätigt. Als>die Republikanische Beschwerdestelle Berlin das Material hierüber, noch vor Uebernahme der Geschäfte durch Dos Adelskabinett, dem Reichs finanzminister unterbreitete, bekam sie die Nach- richt, daß vor einiger Zeit eine allgemeine Anord- nung des Inhalts ergangen sei, daß bei Anzeigen gegen Beamte wegen unzulässiger politischer Be- tätigung der Name der Person, auf deren Wahrnehmungen die Anzeige beruht, a n g e g c- be» werden müsse. Würde dieser Ausforderung nicht Folge geleistet, so sei auf die Anzeige nichts zu veranlosten. Darauf vertrat die Republikanische Beschwerde- stelle den selbstverständlichen Standpunkt, daß der Minister dann in entsprechender Weise auch dafür Sorge tragen müsse, daß die republiktreuen Be- amten vor jeglichem Terror von Nationalsozialist!- scher Seite aus geschützt werden müßten. Kein Beamter würde über irgendwelche politischen Ber- stoße in Zukunft noch etwas melden, wenn er da- durch schwere Nachteile zu gewärtigen habe. Dieses ganze Vorbringen hat nun der neue Reichsfinanzminister im Papen-Kabinett dahin- gehend kur.zerha»d entschieden, daß irgendwelche Mißstände in der Behörde selbst erledigt werden müssen. Der Minister schließt wörtlich: „Die Mitteilung von Verfehlungen eines Amtsgenossen an eine außerhalb der Berwal- tung stehende Organisation oder privat« Stelle ... ist nach meiner Auffassung mit den Pflich- ten eines Beamten nicht vereinbar." Die Behördenvorstände wünschen also schön unter sich zu bleiben, damit ja nicht irgend- wie das Volk sich um die inneren dienstlichen Dinge kümmert. Die Unfehlbarkeit der Behörden könnte ja Schaden nehmen. Aktien beim Bruder Neues aus der Kreujger-AHare Vor einigen Tagen traf aus Stockholm die Nachricht ein, daß das gesamte Privatoer- mögen des Generalkonsuls K r e u g e r, Bruders von Jvar Kreuzer, von der Gerichtskommission beschlagnahmt wurde. Die Hintergründe der Beschlagnahme wurden zwar nicht erörtert, sind aber wert, erwähnt zu werden, da sie ein sehr bezeichnendes Licht auf die Familie Kreuger werfen. Einem Stockholmer Detektiv gelang es nach- zuweisen, daß Jvar Kreuger kurz vor seiner letzten Abreise nach New sgork«ine größere Menge Aktienpakete abgehoben hatte, ohne daß man nachweisen konnte,'wo diese Pakete, die einen Wert von 13 Millionen Kronen repräsentier- ten, geblieben waren. Die Aktien waren für alle llntersuchungskommissionen unauffindbar. Vorige Woche nun fand man ein Kalenderblatt, auf dem Jvar Kreuger handschriftlich vermerkt hatte:„Aktien an meinen Bruder." Und nun erfährt man folgendes. Jvar Kreuger hatte, die Katastrophe vorausahnend, feiner Verwandtschaft größere Werte aus dem Besitz seiner Gesellschaften übergeben. Der Bruder Kreugers, Generalkonsul Torsten Kreuger, hatte es„anscheinend versäumt", dem Gericht diese Attienübcrgabe zu melden. Jetzt erst erfuhr man davon und ging deshalb mit einer Beschlag- nähme des gesamten Privatver- mögens des Generalkonsuls vor. Die Aktien, die es zu beschlagnahmen gelang, sind aber heute „nur" noch 2/4 Millionen Kronen wert. Man mußt« deshalb auch ander« Teste des Privat- Vermögens der Kreuger-Familie sicherstellen, um für die vielen Geschädigten dieses kapitalistischen Skandals wenigstens einen Bruchteil ihrer Ber- lüfte zu retten. Die Geschädigten sind vor allen Dingen Angehörige des schwedsschen Mittelstandes. Asphaltring gesprengt Magistrat gegen Arbeitsgemeinschaft In Berlin besteht eine„Arbeltsgemeinschast" der Asphaltsirmen, die sehr betriebsam in Erscheinung tritt, wenn die Stadt aus dem Wege der Ausschreibung größere Austräge zu vergeben hat. Man treibt hier eine Preispotilik. der sich die Stadt im Interesse der Allgemeinheit nicht mehr beugen durste. Kürzlich hatte der Magistrat wiederum be- schlössen, Arbeiten auf dem Gebiet des Straßen» Aus Antrag der Razionwälte im Kommunistenprozeß vor dem Sondergericht wurde der Der- leidiger Rechtsanwalt Dr. Litten als Zeuge vernommen. Die Aussage aber, die dann erfolgte, hallen sich die Razianwälle denn doch nicht ge- dacht,- sie wurde für sie ein großer Reinsall. R.-A. Dr. Litten gab ausführlich den Inhalt seiner Reden wieder, die er auf verschiedenen kommunistischen Versammlungen aus Anlaß der Vorfälle in der Röntgenftraße gehalten hat. Er zählte sämtliche Schand- und Bluttaten des Mord- flurms ZZ auf, ein ansehnliches Register. Die Nazianwälte saßen mit rotem Kops da. Die Richter machten große Augen. Daß es um den Mordsturm 33 f o schlimm bestellt ist, haben sie doch nicht geahnt. R.-A. Dr. Litten kam dann auf die Vcrnehmun- gen zu sprechen, die er in seinem Büro vorge- nommen hat. Den angeklagten Kommunisten war es darum zu tun, die Nazischützen ausfindig zu machen: sie benannten sie deshalb ihrem An- walt, sämtliche Teilnehmer der Sitzung am 29. August im Lokal Willmann. R.-A. Dr. Litten hat dem Gericht nur diejenigen Zeugen namhaft gemacht, die wirklich etwas Wesentliches zu be- künden wußten, und zwar nur mit Einwilligung der Zeugen selbst, da sie ja Gefahr liefen, wegen Landsriedensbruchs zur Verantwortung gezogen zu werden. R.-A. Dr. Litten bestreitet, die von ihm Vernommenen aus Widersprüche aufmerksam gemacht zu haben: er habe sie olle ermahnt, die Wahrheit zu sagen. Der Anwalt wehrte sich auch mit aller Entschiedenheit gegen die Verdächtigung der Rozianwälte, er habe in Versammlungen die kommunistischen Zeugen zum Meineid aufgefordert. Trotzdem be- antragten die Herren— entgegen ihrer ursprünglichen Behauptung, sie wünschten durchaus nicht, daß Dr. Litten nach seiner Aussage als Verteidi- ger aus dem Prozeß ausscheiden möge—. ihn nicht zu vereidigen. Ein entsprechender Beschluß de- Gerichts hätte aber unbedingtes Ausscheiden Dr. Littens au- diesem Prozeß zur Folge Staats- anwaltschaftsrat Dr. Wagner stellt dem Gericht anheim, Dr. Litten zu vereidigen. Die Naziver- teidiger erhalten von R.-A. Dr. Rofsnfeld eine Wirtschastöflidrung baues im Gesamtbetrage von etwa 6 Millionen Mark ausführen zu lassen. Die Mittel hierfür werden von der Reichsregierung durch Vermitt- lung der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Ar- beiten und aus Zuschüssen der werteschassenden Arbeitslosenfllrsorge der Stadt Berlin zur Ver- fügung gestellt. Die Angebote brachten, soweit es sich um g e- pflasterte Straßen handelte, keine Ueber- raschung. Der Zuschlag für diese Arbeiten konnte bald verteilt werden. Dagegen zeigte es sich bei den Angeboten für Asphalt- und Teer- straßen, daß sich der weit überwiegende Teil der Berliner und mehrere größere auswärtige Firmen zu einer„Arbeitsgemeinschaft" zusam- mengeschlossen hatten, die ein einheitliches, nach der Ueberzeugung des Magistrats zu hohes An- gebot abgegeben hatten. Der Magistrat war der Ansicht, daß er trotz der Eilbedürftigkeit der Ar- beiten sich auf keinen Fall übersteigerte Preise von einem Ring diktieren lassen dürfe, da hier- durch die Interessen der Allgemeinheit aus das schwerste geschädigt würden. Er hat deshalb Zu- schlüge nur auf einzelne Lose an außerhalb des Rings stehende Firmen mit erheblich billigeren Preisen erteilt und im übrigen die Ausschreibung aufgehoben. Granaten als Sport Die Ausreden eines Loinbenwerlers Siel, 1. Oktober. Eigener B cricht In Schleswig-Holstein sitzt«ine ganze Anzahl SS.-Leute wegen der Handgranatenanschläge in Untersuchungshast. Gegen«inen dieser Leute, den SS.- Mann Schmidt ans Kiel, verhandelte jetzt das Kieler Sondergericht. Zur Anklage stand allerdings noch nicht der Handgranotcnanschlag auf das Warenhaus Karstadt in Kiel, dessen Schmidt dringend verdächtig ist. sondern nur«in Vergehen gegen das Schußwafsengesetz und 5lriegsgerätegesetz. Bei diesem SS.-Mann fand die Kriminalpolizei bei der Haussuchung nämlich«ine scharfe Handgranate und eine Browning- Pistole mit 12 Schuß Munition. Der SS-- Mann will die Handgranate beim Exerzieren ge- sunden haben. Er will sie nur als Uebungsgranate angesehen haben. Sein nationalsozialistischer Verteidiger wagte zu behaupten, daß der SS-Mann doch nichts „Böses" mit der Handgranate beabsichtigt habe. Sie sei doch nur als Sportgerät gebraucht worden. Die SS. scheint danach die Handgranaten- anschlüge auf Warenhäuser, Synagogen, Ge- meindehäuser und Konsumvereinsverkaussstellen Durch Ueberfall auf sich selbst erzeugt der Kapitalismus neue Werte! als Sport anzusehen. Das Sondergcricht glaubte dem SS.-Mann seine Entschuldigungen nicht, sondern verurteilte ihn zu 3 Monaten und 2 Tagen Gefängnis. scharfe Absuhr. Das Gericht zieht sich zur Be- ratung zurück. Nach längerer Beratung beschließt das Gericht Rechtsanwalt Dr. Litten als Zeugen zu vereidigen. Die Nazianwälte sitzen mit langen Gesichtern da. Die Neuköllnee Nazibluttat Der 23jährige kommunistische Arbeiter Willi Faltin, der gestern mittag in der Hermann- straße in Neukölln das Opfer eines nationalsozia- listischen Mordanschlages geworden ist, liegt noch immer im Ileuköllner Krankenhaus bewußtlos danieder. Die Aerzte versuchen alles, trotz der schweren Schußverletzungcn, die Faltin erlitten hat, den Arbeiter am Leben zu erhalten. Das Befinden des durch einen Kieferschuß verletzten Kaufmannes Lange hat sich soweit gebessert, daß Gefahr nicht mehr besteht. Der 18jährige na- tionalsozialistische Mordschütze Heinz Schüler wird heute dem Vernehmungsrichter vorgeführt. Die furchtbare Bluttat des Jugendlichen erscheint um so verwerflicher, als Faltin und Schüler, der damals noch der Kommunistischen Partei an- gehörte, gute Freunde waren. Kommunist halb tot geschlagen An der Ecke Hanke- und Linienstraße wurde in den gestrigen späten Abendstunden abermals ein kommunistischer Arbeiter von Hakenkreuzlern über- sollen und in der brutalsten Weise mißhandelt. Mit einem schweren Schädelbruch wurde der Mann, ein 33jähriger Arbeiter Richard F r e d r i ch aus der Weinstraße, ins Kranken- Haus am Friedrichshain gebracht. Gegen 22 Uhr marschierte ein Trupp von etwa 49 bis 39 Na- tionalsozialisten, die von einer Versammlung kamen, durch die Linienstraße. Dem Trupp liefen fünf Kommunisten direkt in die Arme. Die Hitler- Burschen schlugen sofort auf die Kommunisten«in. Vier von ihnen gelang es zu flüchten, der Arbeiter Fredrich dagegen wurde von den entmenschten Burschen ergriffen, zu Boden geschlagen und solange mit Fußtritten bearbeitet, bis er das Be- wußtsein verlor. Das alarmierte Ueberfall- kommando„Hirtenstraße" nahm die Verfolgung der Banditen auf und nach längerer Verfolgung konnten 26 uniformierte Hitler-Gardisten fest- genommen werden. Leute von BDKF. Der Gastwirt muß die Zeche zahlen Mal ist es die politische, mal die großstädtische Unterwelt, die. in schönem Wechsel, immer wieder durch üble Gewalt- und Bluttaten von sich reden macht. War es am Freitag ein Nazistrolch, dein Neukölln durch einen Mord den Landfrieden brach, so war es in der Nacht zum Sonnabend eine ganze Horde Unterweltler. neun Mitglieder des„Bruder-Vereins Kreuzberger Freunde", die in dem Lokal von Krebs in der Berliner Straße 169 in T e m p e l h o f wie die Irrsinnigen hausten. Als der Wirt ihnen die Getränke ver- weigerte, singen sie sofort eine Schlägerei an. Mit Flaschen, Biergläsern und Stühlen gingen sie aus Wirt und Gäste los. Spiegel wurden zertrümmert und nahezu alles im Lokal demoliert. Als der Wirt das Ueberfall- kommando rufen wollte, flüchteten die Leute und entkamen. Mehrere schwerverletzte Gäste mußten zur Rettungsstelle und ins St. Josef- Krankenhaus gebracht werden. Am Schlaf erdrosselt 15 Jahre Zuchthaus für den Mörder Das Magdeburger Schwurgericht verurteilte den Melker Wichelm S ch l i e t a u wegen Totschlags zu der Höchststrafe von 13 Jahren Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 19 Jahren. Schliekau hatte im Juli 1931 in Niederndodeleben den Melker Marquardt im Schlaf erdrosselt und seiner Barschaft beraubt. Nach der Tat flüchtete Schliekau und konnte erst noch fast einem Jahr im Juni 1932 in Berlin festgenommen werden. Der Staats- anwalt hatte die Todesstrafe beantragt. Der An- geklagte nahm das Urteil sofort an, das damit rechtskräftig wurde. Die Mace Das Parlamentsheiltgtum in die Ecke geworfen London. 1. Oktober. Eigener Bericht Im Parlament von Nordirland(Ulsters kam es am Freitag zu einer sensationellen Szene. Als der Präsident dem einzigen sozialistischen Abgeordneten eine Aussprache über das Arbeits- losenproblem verweigerte, erhob sich dieser, er- griff die Mace, das Wahrzeichen der Parla- msntsiwirde, und warf es als Zeichen seines Protestes in die Ecke. Er wurde hieraus aus dem Haus verwiesen. Wahlt-echtSfaub an den Armen London, t. Oktober. Eigener Bericht Ein Komilee. das über Einsparungen bei städtischen und anderen Behörden berichtete. cmpsiehlt den Entzug des Stimmrechts für solche Personen, die städtische A r m c n u n. tcrstühung beziehen. * Man sollte es kaum für möglich halten, daß im Lande der ältesten freiheitlich demokratischen Tra- dition ein solcher Wahlrechtsraub an den Opfern der Krise überhaupt erwogen wird! Im k a i s e r- l i ch e n Deutschland wurde allerdings den aus ösfentlichen Mitteln Unterstützten das Wahl- recht entzogen. Diese schreiende Ungerechtigkeit ist mit vielen anderen durch die Revolution ab- geschasst worden. Aber vielleicht wirkt diese Nachricht aus England ausmunterud auf die Kreise um Pape» und Gapl, die die verjasjungs- mäßigen Volksrecht« rückwärts revidieren wollen? Frankreichs Rolle in Genf „Populaire" wirft Paul Boncour Sabotage der Abrüstung vor Zugend, wir rufen dich! Du gehörst in die sozialistischen Kampfreihen Paris, 1. Oktober. Die Einwendungen, die der französische Dele- gierte in der Abrüstungskonsercnz Paul Bon- c o u r bereits gestern gegen den neuen abgc- änderten amerikanischen Abrüstungsvorschlag er- hoben hat, veranlassen den sozialistischen„P o- p u l a i r e". Paul Boncour und der französischen Regierung Sabotage der Abrüstungskonferenz vorzuwerfen. Paul Boncour habe geglaubt, so- fort die Frage der militärischen Ber- bände, die in gewissen Ländern bestehen, auf- werfen zu sollen, womit er natürlich Deutschland und Italien im Auge hatte. Es sei zu eigen- artig, daß der Vertreter Frankreichs auf solche Weise diese Frage anschneide, habe sich nicht Frankreich stets geweigert, in die militärischen Essektivbestände die ausgebildeten Reserven ein- zubegreisen? Sei der militärische Wert dieser ausgebildeten Reserven nicht winde st ens ebenso groß wie der der in Frage kommen- den militärischen Formationen? Paul Boncour begebe sich damit auf ein gefährliches D i s- kussionsgebiet. Aber das sei leider noch nicht alles. Biel schlimmer sei der Eindruck, den die Stellungnahme Frankreichs in der Welt hervorrufe. Zedesmal. wenn ein praktischer Vorschlag zur herabsehung der Rüstungen gemacht werde. sei es der französische Delegierte, der sich dem widersetze, indem er stets technische Argumente finde, neue Schwierigkeiten zu bereiten, und«inen solchen Vorschlag in der Flut von kleinlichen Einwendungen zu ertränken versuche. Die Beweisführung, deren Paul Boncour sich bedient habe, lasse keinen Zweifel über seine Absicht zu. die Annahme des Hoover-Plans zu v e r h i n- dern. Wenn die französische Regierung syste- matisch alles, was man in Genf vorschlage, zurück- weise, so möge sie doch endlich mit ihrem eigenen Plan herauskommen. Andernfalls werde man sie ganz einfach bezichtigen, jede Herabsetzung der Rüstungen zu sabotieren, habe sie aber einen Plan? Nichts gestatte, diese Frage zu bejahen. Die französischen Sozialisten erfüllen in mustergültiger Weis« ihr« Pflicht, indem sie nahezu allein in ihrem Lande den Mut haben, die Haltung der eigenen Delegierten in Genf so zu kennzeichnen, wie sie es verdient. Aber die deutschen Nationalisten haben kein Recht, sich auf die scharfe Kritik des„Populaire" zu berufen, weil sie selbst das ihrige dazu beitragen, eine Verständigung unmöglich�zu. machen, indem sie unerfüllbare Forderungen aufstellen und die Reichsregierung scharfmachen. Wir als deutsche Sozialdemokraten werden«» uns nicht nehmen lassen, den Schuldanteil der eigenen Militaristen festzustellen, auch auf die Gefahr hin, daß wir genau so als„Verräter" beschimpft werden, wie unsere französischen Genassen jenseits der Grenze. Deshalb erklären wir es für außerordentlich be- dauerlich, wenn auf deutscher Seite immer wieder durch überspitzte offizielle Erklärungen der Eindruck erweckt wird, als ob man nur die r e jt- lose Durchsetzung der eigenen Forderungen als Grundlage für die Wiederbeteiligung Deutsch- lands an den Konferenzarbeiten ansehe. Dieser Eindruck ist wieder einmal durch die gestrigen Erklärungen des Reichsaußenminifters von Neurath vor der deutschen Presse erweckt worden, besonders durch feine Ablehnung der gemeldeten Kompromißformel henderfons. Damit ist nur der französischen Presse das Stichwart für die Be- hauptung geliefert worden, daß Deutschland mit ultimativen Forderungen jede Verständigungs- Möglichkeit zerschlage. Nun wird für Sonntag eine neue Rede herriots angekündigt. Fällt sie ebenso aus, wie die von Gramat am vergangenen Sonntag, dann werden Gegenerklärungen in der gleichen Tonart auf deutscher Seit« nicht zu vermeiden sein. So könnte das Spiel noch eine ganze Zeit- lang weitergehen. Vielmehr: so kann es nicht weitergehen! Wir sind der Meinung, daß es an der Zeit ist, daß man auf beiden Seiten mit diesen Reden und Interviews Schluß macht, die die Gegensätze nur verschärfen und die Aufgabe der ehrlichen Vcr- mittler bis zur Unmöglichkeit erschweren. Keine neue Dechandlungen Paris. 1. Oktober. Eigener Bericht haoas meldet aus Genf, daß die in englischen Zeitungen verbreiteten Gerüchte, wonach deutsch-französische Verhandlungen über eine innerhalb von zehn Jahren durchzu- führende Rüstungsgleichheit im Gange seien, nach Ankünften von autorisierter Seite jeder B e- gründung entbehrten. Flaute in Genf Genf. 1. Oktober. Eigener Bericht Aus Mangel a n Rednern mußte am Freitag die Vollversammlung des Völ» kerbundes ausfallen. Sie wird ihre Generaldebatte am Montag beenden und die drei nichtständigen Ratsmitglieder wählen. Di« Kommissionen setzten auch am Freitag ihre Arbeiten fort, wobei in der vierten Kommission Rheinbaben- Deutschland für eine herab- setzung der Gehälter der Völkerbundsbeamten an» gesichts der schwierigen Finanzlag««intrat. D'S gleiche Haltung nahmen die englischen Redner ein. Berlin ehrt Arno Hol» Denkmal auf dem knedhof Heerstraße In der letzten Sitzung der städtischen Deputation für Kunst und Bildungswesen wurde als eine städtische Ehrung für A r n o h o l z die Errichtung eines Grabdenkmals auf dem Friedhofe an der Heerstraße auf Kosten der Stadt Berlin be- schlössen. Der Entwurf und die Ausführung des Denkmals stammt von dem Bildhauer Ifen- stein. Das Grabdenkmal soll spätestens zum 70. Geburtstage von Arno holz am 20. April 1933 fertiggestellt sein.— Die Deputation, die den Etatsansätzen der hau-haltskapitel für Kunst und Bildungswesen mit unerheblichen Abweichungen zustimmte, hat weiter den Ankauf von Radierun- gen von Paul Hermann beschlossen, die Bilder von der Eröffnungsfeier des Ehrenmals Unter den Linden darstellen. Kreuz und Schwert! Die„Schulreform" der Reaktionäre Das moderne, unter sozialdemokratischer Jni- tiative aufgebaut« Schulwesen, das die Kinder ohne Prügel und Drill zu körperlich und geistig gesunden, ausrechleu Menschen erziehen will, ist den reaktionären Mumnrelgveisen von jeher ein Dorn im Aug« gewesen. Nur haben sie sich das noch nie so deutlich merken lassen wie heute, wo ihnen und ihresgleichen unverdienterweise die Macht in den Schoß g«sallen ist. lzegt erfährt mau, wohin der Weg in Schule und Erziehung gehen soll. Die„Berliner Börseirzeitung" prophe- zeit frohlockend(in Nr. 100 vom 30. September) - gestützt auf die von der Reich-'rezi«ri>ng auf- gestellten neuen Erziehungsgrundsätze— die „Schicksalswende der deutschen Schule": .Kreuz und Schwert sind die Symbol«: unter Ihrem Zeichen muß sich die Gesundung der deutschen Schule vollziehen!... Au» Erziehung und Unterricht muß d'e Deichlichtelt verschwinden. die vor der Majestät des Kindes onbeiendu bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor. Verantwortlich für Politik: Richard Tchwarß: Wirtschaft: G.»lingelhöfee: Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner: Fenille. Ion: Herbert Lepsre; Lokales und Sonstiges: Friß Barstädt: Anzeigen: Otto Hengst: fätntlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SB. 68. Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. Sfaafs Thcafcr Sonnabend, den 1. Oktober staatsoper Unter den Linden 28 Uhr Sfzflianisdie Vesper staatliches Schauspielhaus 28 Uhr Wallensteins Lager Die Piccolomini VOLKSBUHNE Theater am BUDewolatz D 1. Norden 2944. Allabendlich 814 Uhr Der Revisor c�.. Regie: Heinz Hilpert Auch Stgs. 3Vi Uhr. Preise; 0,75 bis 4,00 PI/Aza Su.BWSljs.k.S�U. Heute Premlerel Der Betlelstudent siam. Oper Charlottenburz Fraunhofer 8231 Sonnabend, 1. Okt. Turnus II 28 Uhr PetruschKa Dirigent: Ladwig. Abramowitsch Groke, Egenlauf Gianni Sdiicdil Dirig.- Teichmann Husch. Friedrich. Fidesser OeutsdiesTMi Weidend. 5201. 8 Uhr Rose Bernd von üethart Hauptmann mit Paula Wessttly Kammerspieie 8>/, Uhr Schicksal nachWunsch Koinödi« v. Christa Winsl« Regie: Rudelf Beer Melzer, Ullrich, Riemann, Abel, Brausewetter f nserate im Vorwärts ftchern Erfolg! Schiller iGrolmanstr. 70:71 [Steinpi.(C 1) 6715 "Täglich 8>/> Uhr Der 18. Oktober Heilinger. Stromer, v. Alten, Heuser .Regie: K e n t e r. Rose- Theater Breie Frankfurter Straße 132 Tel. Weidisel k 1 342! 5 Uhr Aschenbrödel 8.15 Uhr Der Hauptmann von Köpenick II 38 Uhr Ganouenehre ÄT Heute 4 Uhr und 8 Uhr 15 Premiere! 4 Bronnets, George Dortnonde Mary Erik& Co., 7 Alfredos U. M. W. Itarinn• abends schon von 70 Pf. lull I ClI. nachm. von 50 Pf. an Flora 3434. Rauchen erlaubt ibend und Sonntag auch Ihr zu kleinen Preise f BERLINER THEAT. A 7 Oonh. 625 Täglich 8V* Uhr MOISSI IIIIIIIVIIIIIIIIIIflIIMMIII sv, uhr CASIIfO- THEATER»■-uh. Lothringer Strafte 37. iimiutiMiiiimmiiiiuiiiMiiimiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Auch Sonntags nachm. 4 Uhr NeuiVfinini Neu! Humorl Stimmung! Man lacht Tränen über Direktor Hans Berg als Tante Julchen. Gutschein für die Leser 1— i Personen Faut 0.75 M., Sessel 1.25 M., Park. 0.50 M Quittung Rabaii u Ueklomemorkra Wfjgr vif fahren ab fonrod Müller Stettiner Sänger Reichshallen-Theater (Dönhoffplatz) ' Dir. Meysel. Dir. Meysel. Tägl. 8.15 Uhr, Sonntags 3.30 Uhr(ermäßigte Pr.) Das neue Programm mit der Posse „Und abends wind getanzt" Restaurant Albert Kreklow Berlin C 2, Neue Promenade 7 Fernruf: 02 Weidendamm 7000 Angenehmer Aufenthalt für Familien, Gesellschaften und Vereine! Prompteste Bedienung I— Gutgepflegte Getränke! Allen Freunden und Genossen halte mich bestens empfohlen TCI II DER UNZERSTÖRBARE I CftaM NEUZEITL. FASERSTOFF SCHAFFT GESUNDE, BEHAGLICHE WOHNRÄUME IM KLEINSIEDLUNGS- U.LAUBENBAU DURCH ISOLIEREN DER WANDFLA'CHEN/DECKEN, VE| H DÄCHER, FUSSBDOEN MIT I ELM ANFRAGEN U. UNTERLAGEN BEREITWILLIGST DURCH Ehll ZORN A.G. 23. BERUN-HEINERSOORF Sturm gegen Goebbels �lock eine Verfügung Goebbels' Aufforderung zum Boykott der „bürgerlich-nationalen Presse" hat über die Hugen» bergblätter hinaus einen Sturm der Empörung entfesselt. Der Verein Deutscher Zeitungsverleger. die große Organisation der deutschen Verleger hat jetzt in Vertretung seiner Mitglieder folgende einst- weilige Verfügung gegen die Zeitung„Der An- griff" und deren Herausgeber, Dr. Joseph Goebbels, bei der 21. Zivilkammer des Land- gerichts I erwirkt: „Den Antragsgegnern wird bei Vermeidung einer vom Gericht für jeden Fall der Zuwider- Handlung festzusetzenden Geld- oder Haftstrafe untersagt, den Parteibefehl vom 22. September 1932, beginnend mit den Worten„Die söge- nannten bürgerlich-nationalen Zeitungen..." sowie den im„Angriff" vom 24. September und 27. September 1932 im Zusammenhang mit dem vorbezeichneten Parteibefehl veröffentlichten Auf- ruf, soweit hierdurch die deutschen Dageszeitun- gen betroffen werden, weiter zu oerbreiten, so- wie Erklärungen zu veröffentlichen oder zu ver- breiten, welche einen wirtschaftlichen Boykott gegen die deutschen Tageszeitungen, soweit sie nicht als nationalsozialistische Organe anzu- sprechen sind, enthalten, oder boykottähnlichen Charakter tragen." Da hat der gefchäftseisrige Goebbels böse ins Fettnäpfchen getreten. Erst läßt ihn Hitler fallen, der seinen schwungvollen Speech für ein« Berliner Angelegenheit erklärt, dann läßt ihm Hugenberg 300 000 Mark Geldstrafe androhen und jetzt mar» schiert noch der ganze Verband der gekränkten Konkurrenten ins Feld— zuviel Erfolge auf einen Hieb. Gleichzeitig erscheint in der gesamten nationalsozialistischen Presse die Verfügung: „Die Reichspresse st ell« der NSDAP., die bisher der Hauptabteilung III der Reichs- organifationsleitung angegliedert war, wird— entsprechend ihrer tatsächlichen, von allen Ab- teilungen unabhängigen Arbeitsweile— aus der Hauptabteilung III der Organisation her- ausgelöst und mit sofortiger Wirkung mir unmittelbar unterstellt. München, 24. September 1932. Adolf Hitler." Herr Goebbels soll in Zukunft in dies« Dinge nichts mehr dreinzureden haben. Hält man dazu noch das Gerücht, nach welchem von jetzt ab in Berlin eine weitere nationalsozialistische Zeitung erscheinen soll, als deren Urheber der Reichstags- abgeordnete Hinkel genannt wird, so ist das Maß der Vertrauenskundgebungen für den eitlen Joseph voll. Wir empfehlen ihm, seinen Moniteur mit dem Titel„Der Angriff. Retlamefachblatr für Dr. Joseph Goebbels," herauszugeben, damit sich Titel und Inhalt einigermaßen decken. „Philister ade! es Der Kehlkopfgriff Ein Lehrgang für Nazirowdy»„ ■ V. Söln, 30. September. Der nationalsozialistische„Westdeutsche Beob- achter" erteilt seinen Lesern in einigen Artikeln einen Unterricht im Schlagen und Prügeln. Dabei müssen„die alten deutschen Raufer" auferstehen, über deren Können aus dem besagten Gebiet u. a. folgendes festgestellt wird: „Wie beim modernen Jiu-Jitsu, so spielt auch im alten Ringen der Ellenbogen zum Austeilen von Stößen auf das Kinn, in die Zähne, in den Magen, in die Herzgegend oder an die R i p p e n eine nicht geringe Rolle. Sogar der Kopf wird zu Stößen in den Magen, Unterleib und auch in das Gesicht benutzt, Insbesondere wenn der Gegner bereits am Boden liegt, bedient man sich der Bearbeitung des gegnerischen Gesichts mit dem Kopf nach Belieben..Genau so bekannt in der fürchterlichen Wirkung wie jetzt waren bei unseren Vorfahren die häufig tödlich ver- iaufenen Stöße mit dem Knie und Tritte gegen den Unterleib. Das Reißen an den Haaren war früher, wo man diese lang trug, begreiflicherweise mehr in Uebung als jetzt. Trotzdem empfehlen wir, sich damit vertraut zu machen, denn man weiß nicht, wie man es brauchen kann. Wenn man auch der damaligen Empsehlung die Ausübung dieses Handgrisses heute nicht mehr recht nahahmen kann, nämlich die Haare fest um die Hand zu wickeln." Am Schluß des letzten Unterrichtsbriefes heißt es:„Das Zudrücken des Kehlkopfes hindert den Gegner am Atmen und macht ihn so kampsunsöhig. Die Rauser haben deshalb auf diese Ausführung ihrer Kunst die größte Sorgfalt oerwandt. Es gibt die verschiedensten Möglich- leiten, mit beiden Händen, mit einer Hand, mit dem Handgelenk, mit den Unterarmen, mit dem Ellenbogen und sogar die Kniegelenke benutzt man zur Ausführung dieses Tricks. Jeder, der gerade in diesem Punkt schon Erfahrungen zu sammeln Gelegenheit hatte, wird zugeben müssen, daß die Wirkung eines gut fitzenden Kehlkopf- g r i f f e s in den meisten Fällen geradezu über- raschcnd ist. Ein kurzer, gar nicht sehr starker Druck genügt oft, um den Gegner ohnmächtig zu machen." Ja. und wer von der SA. hätte noch nicht in diesem Punkt schon Erfahrungen zu sammeln Ge- legenheit gehabt. War es doch auch ein Schlag gegen den Kehlkopf, den die Freunde des Nazi- Blattes seinerzeit Otto Wels beibrachten! Virder verschoben. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit, daß die sür Oktober vor- gesehene Grundsteinlegung zum Reichsehrenmal in Berka verschoben worden ist. Das parteiofsizielle Blatt der Nazis in Bochum, die„Rote Erde", bereitet in einem Leitartikel unter der Ueberschrist„Philister ade!" auf einen larken Abfall der Anhänger vor: „In einer Zeit, als Papen oberflächlich einiges tat, wos so schien, wie wenn es dem Programm der Nationalsozialisten entnommen sei, da glaubten alle die, die mit Mühe und Not einst das P r i m a n e r z e u g n i s auf der Preise, kraft ihrer Beziehungen, ihres Namens endlich Leutnantsachselstücke erhalten hatten, daß sie über kurz oder lang den Weg zu den höchsten Stellen des Staates wieder offen finden würden. Bücher könnte man über die Frechheiten, über die unerträg- liche Anmaßung schreiben, die sich dieses Gelichter in den ersten Wochen der Papen-Regierung leistete. Sie erstrebten das Aemtchen und hatten die Frechheit, sich unter das Banner zu stellen, das Entsagung, Hingabe an die große Idee der Allgemeinheit erforderte... Die Aemterjäger sehen ihre Hoff- nungen enttäuscht, sie tun so, als hätten sie es vor Ungeduld nicht aushalten können, das Vaterland zu retten, wie wenn es ihnen nun zu langsam geht und als hätte Adolf Hitler die Schuld daran. Diese K l e i n- u n d H o h l k ö p f e halten sich nun für berechtigt, den Führer zu schelten und allen, die es hören wollen, erklären sie, daß sie dem Nationalsozialismus den Rücken kehren werden. Mögen sie! Es kommt nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität an." Und wie stolz war man noch am 31. Juli auf die Stimmen dieser Spießer und Philister— da kam es gar nicht auf die Qualität an, Gott be- wahre, sondern nur auf die Masse. Jetzt, wo sie enttäuscht wieder abziehen, kommt der Fußtritt hinterher. Er ist wohlverdient und kennzeichnet beide. ffirnd und Katze Die EA.-Geheimnisfe Neue Polizeisuche im Braunschweiger „Volksfreund" Vraunschweig, 30. September.(Eigenbericht.) Am Freitag erschien wiederum ein Gerichtsvoll- zieher in Begleitung eines Polizeibeamten und drei SS.-Führern in den Räumen der Redak- tion des„V o l k s f r e u n d", um sämtliche Schränke und Schreibtische nach Geheim- rundschreiben der B r a u n s ch w e i g e r S A. d u r ch z u s u ch e n. Die Durchsuchung ver- lief vollständig ergebnislos. Da jetzt zwei einst- weilige Verfügungen bestehen, kann der„Volks- freund" bis zum 17. Oktober kein Braunschweiger Geheimmaterial der Nazis mehr veröffentlichen. An diesem Tage ist Termin vor der vierten Zivil- kammer des Landgerichts Braunschweig, da der „Volksfreund" Widerspruch erhoben hat. Der„Volksfreund" kündigt aber an, daß er mit der Veröffentlichung von Geheimrund- schreiben aus dem Braunen Haus in München sortfahren wird. Gleichzeitig fordert er seine„ehrenamtlichen Mitarbeiter" aus den Reihen der SS. und SA. auf, ihm weiterhin Material aus der Braunschweiger Bewegung zur Verfügung zu stellen. Milttäryfarrer als Nazi Wie die nationalsozialistische„Preußische Zei- tung" berichtet, hat vor einigen Tagen in K ö- n i g s b e r g ein Schulungskursus der National- sozialistischen Frauenschaft stattgefunden, in dem u. a. der dortige Wehrkreispfarrer Müller über das Thema„Nationalsozialistische Frau, Kirche und kommunale Kirchenwahl" sprach. Nach dem Bericht der„Preußischen Zeitung" hat Pfarrer Müller ausgeführt:„Die deutsche Frau. die deutsche Mutter ist die n a t i o n a l s o z i a- l i st i s ch e Frau. Sie hat neben der Kirche grundlegenden Einfluß aus die kommende Ge- neration. Deshalb kommt ihr die Pflege der Kirche zu. Für die bevorstehenden Kirchen- wählen ist starker Einsatz der nationalsozia- listischen Frau erforderlich." Der Fall müßte eigentlich Herrn von Schleicher interessieren. Bei den Ruppigkeiten mit welchen die Nazis neuerdings seine Regierung beehren, ist die„Seelsorge" für die Reichswehrsoldaten wohl doch nicht ganz in den richtigen Händen. Oder tut das der Liebe keinen Abbruch? Ein Musternazi Kameraden vom Arbeitsdienst bestohlen Rendsburg, 30. September. Eigener Bericht In Barlohe unterhalten die Nazis unter dem Firmenschild der„Christlichen Nothilfe" einen freiwilligen Arbeitsdienst, zu dessen Leiter der Nationalsozialist Sommer bestellt wurde, ob- gleich dieser saubere Marxistenfresser schon recht oft vor Gericht gestanden hatte und wiederholt verurteilt worden ist. Jetzt wurde der Arbeit«- dienstleiter Sommer vöm Gericht zu sechs Mw- naten Gefängnis verurteilt, weil er in seiner Eigenschaft als Führer des freiwilligen Ar- beitedienstes seine Kameroden um einige hundert Mark betrogen hat. Die Katz. die Katz ist gerettet! Höllenmaschine in Belgrad Anschlag auf das Offizierskasino Zwei Unbeteiligte getötet Belgrad, 30. September. In der Nähe der Schiffsanlegestell« der Sove übergab heute früh 7 Uhr ein elegant gekleideter junger Mann einem Träger ein Paket mit dem Auftrag, er möge es in das O f f i z i e r s k a s i n o tragen. In dem Moment, in dem der Träger das Kasinogebäude betrat, explodierte ldas Paket. das eine Höllenmaschine enthielt. Der Träger und eine Aufräumerin erlitten so schwere Per- l e tz u n g e n, daß sie nach einer Stunde st a r- b e n. Wie oerlautet, soll auch ein Offizier ver- letzt worden sein. Die Polizei hat sofort die Untersuchung eingeleitet. Von dem Täter fehlt bisher jede Spur. Das Abendblatt der„Prawda" weist darauf hin, daß General Peter Radivojeoitsch nur durch Zufall dem Tode entgangen ist. Kurz nachdem er nämlich die Kasinohall« verlassen hatte. war die Höllenmaschine explodiert. Soweit fest- gestellt werden konnte, befand sich in der Höllen- moschine mindestens ein Kilo Dynamit. Mehrheit der Aktien an eine deutsche Firma verkauft zu haben. Damit würden Fabrikationsoeheim- nisse, die die Landesverteidigung interessieren, an Deutschland ausgeliefert. Aus den Mitteilun- gen der beiden Zeitungen scheint also hervorzu- gehen, daß Beamte des Luftministeriums von dem Direktor der betreffenden Firma Schweige- gelber erhalten haben. Die„Libertö" fordert den Luftminister auf, die volle Wahrheit in der Angelegenheit zu suchen, um eine Wiederholung derartiger Attentate gegen die Sicherheit zu ver- hindern. Luftfahrtskandal in Paris? Plugzeugmotorenfabrik in deutschen Händen Paris, 30. September. Eigener Bericht Seit einigen Tagen sind in Paris Gerüchte von einem Skandal in der französischen Flugzeugindustrie verbreitet, in den auch Beamte des Luftministeriums verwickelt sein sollen. Das Luftministerium hat vor kurzem dazu ein Kommunique veröffentlicht, in dem vor der Weiterverbreitung derartiger Gerüchte, die durch die Veröffentlichung verdächtiger Doku- mente hervorgerufen seien, gewarnt und er- klärt wurde, daß ein gerichtliches Verfahren gegen Unbekannt wegen Anfertigung und Benutzung falscher Papiere eingeleitet worden sei. Am Donnerstag hat nun ein Pariser Mittags- blatt gemeldet, daß außer diesem Verfahren, das sich nur auf eines der fraglichen Dokumente be- ziehe, ein anderes Verfahren wegen Beamten- b e ft e ch u n g auf Grund der anderen Dokumente, die von Sachverständigen als authentisch bezeichnet worden sind, angestrengt worden sei. Die„Li- berte" teilt am Freitag mit, worum es sich bei diesem Skandal handelt. Nach Angabe der Zeitung wird der Direktor einer Aktiengesellschaft, die Zlugzeugmotoren für da« euftministerium baut, beschuldigt, die Englands Hauptaufgabe Vermittlung zwischen Prankreich und Deutschland London, 30. September. Eigener Bericht Der Umbau der englischen Regie- r u n g ist vollendet und die neuen Minister sind vom König bestätigt worden. Die offiziell« Les- art, die B a l d w i n am Freitag im Rundfunk verbreitet«, und die Anschauung der konservativen Presse ist, daß es sich um einen Umbau von De- tails handelt, während die Struktur des Gebäudes. nämlich das Prinzip der Nationalregierung, sich nicht geändert habe. Selbst der Um- stand, daß der Konservative Baldwin j«tzt zwei Mjnistertitel trägt, gibt den Konservativen kein größere« Uebergewicht, zumal beide Ministerposten solche ohne Portefeuille sind. Baldwin wird da« unter der Labourregierung dem Lordsiegelbewah- rer zugewiesen« Amt eines Ministers zur Be. kämpfung der Arbeitslosigkeit nicht wieder aufleben lassen. Bei der Verteilung der kleineren Ministerposten ist Sorge dafür getragen, daß die Simon-Lideralen als einzige liberale Gruppe, die noch regierungstreu ist, reichlich be- rücksichtigt wurden. Zu den unmittelbarsten Aufgaben der National- regierung gehört auch die Vermittlung zwischen Deutschland und Frank- reich in der Abrüstungsfrage. Der. erst« Versuch vor einigen Wochen ist fehlgeschlagen, wie das am Freitag wieder durch Neuraths Aeußerungen deutlich wird. Di« englische Meinung in England ist ziemlich einmütig in der Kritik der Unzuläng- lichkeit des englischen Versuchs. Aber jetzt ist es Zeit, so sagt die„Times",«inen neuen An- lauf zu machen. Die unmittelbare Aufgabe der englischen Regierung sei, zu entscheiden, welche deutschen Forderungen konzediert werden, ohne daß die Abrüstung dadurch in Frage gestellt werde und die deutschen Delegierten zur Konse- renz zurückzubringen. Die Kabinettssitzung, die am Freitagnachmittag stattfand, hat sich ebenfalls mit dieser Frage beschäftigt. ÄuM und Gtreikrecht Einstweilige Verfügung gegen Lchuharbeiter streik aufgehoben weißensels, 30. September. Eigener Bericht Am Freilagnachmittag wurde in weißensels vor dem Arbeitsgericht die von den weißenselser Schuhfabrikanten beantragte einstweilige Verfügung, die dem Zentralverband der Schuhmacher untersagt, den Streik wegen des SOprozentigen Lohnabzuges aus Grund der Roiverordnung zu unterstützen, nach fünfstüadlger Verhandlung aufgehoben. Die Aushebung erfolgte, weil der Zweigverein Weißensels de» Reichsverbande» der Deutschen Schuhindustrie als nicht aktiv legitimiert zur Beantragung einer einstweiligen Verfügung angesehen wurde. Die kosten wurden den Antragstellern zugeschoben, der Streitwert aus 3000 Mark festgesetzt. Die Verhandlung für den Schumacher-Derband führten die Vorstandsmitglieder Simon, Lex und Jung, die mit scharfen Worten die juristi- sche und materielle Begründung de» Widerspruchs gegen die einstweilige Verfügung vortrugen. In einer stark besuchten Funktionärversamm- lung des Schumacher-Verbandes am gleichen Abend wurde von dem Verhandlungsergebnis Mitteilung gemacht, die mit großem Beifall auf- genommen wurde. Die Funktionäre verpflichten sich, den Streik geschlossen weiterzuführen und sich von keiner Seite irre machen zu lassen in dem aufgezwungenen Kampf, der entscheidend für die gesamte Arbeiterschaft Deutschlands werden kann. Interessant und bezeichnend ist, daß der g l« i ch« Richter, der die einstweilige Verfügung erließ, st« heut« wieöer aufhob. Regierung plädier! für sich 8ie klagt die Arbeiter an Amtlich wird gemeldet: Nach den Mctdungen, die dem Reichsarbeitsministerium von seinen Schlichtern bis zum 29. September zugingen. tonnten in Anwendung der Verordnung rund 13 009 Arbeitslose in Dienst und Arbeit treten. Wie viele wegen des betrieblichen Klein- kriege« in Form von wilden(!) Streiks oder wegen der Drohung mit einem solchen Streik nicht ein- gestellt werden konnten oder gar wieder aus- scheiden muhten, steht njicht sest.(!) Es haben auch noch nicht alle Schlichter die geforderten Meldungen gemacht. Im allgemeinen liegt die Kurve der Arbeits- losenziffer noch höher als um die gleiche Zeit des Vorjahres. Die Kurven 1931 und 1932 laufen aber auch jetzt noch nicht parallel, sie nähern sich einander, wie wenn sie den gemeinsamen Schnittpunkt suchen wollten. Die Reichsregicrung gibt ihren Wirtschastsplan um die— nur für die Ueber- gangszeit bestimmte— Verordnung nicht preis. Sie erwartet einen Abbau der Arbeitslosigkeit und einen Aufbau der Belegschaften. Die Be- hauptung in einem Teil der Presse, daß die Ge- werkschaften aller Richtungen die Streiks für be- rechtigt halten, hat sich als unrichtig erwiesen. Es ist anzunehmen, daß der gewaltsame Wider- stand gegen Grund und Zweck der Verordnung