� 6 yf#? Abend-Ausgabe Nr. 466 B225 49. Jahrg. Redaktion und Verlag: Berlin 68, Lindenstr. 3 N-mspnch«! 017 Ofmt Dönhoff 29S bti 297 leftstammobteff«: Sozio lb-moko! OBtrli« BERLINER VOLKSBLATT MONTAG S.Oktober 1932 In Groß' Berlin 10 Pf. Auswärts...... 15 Pf- Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise fiehe am Schluß des redaktionellen Teil» Jentralorgan de« sozialdemokratischen zsaviei Deutschlands EtaatSpoMiker �Vachzenäe Nervosität um Herrn Bracht Die Regierung Papen hat gegen den badischen Staatspräsidenten Dr. Schmitt, der dem Zentrum angehört, sehr grobe Töne anschlagen lassen. Herr Schmitt hat auf dem Landesparteitag des badischen Zentrums in Offenburg sachlich scharf die Maßnahmen des Kabinetts der Barone bekämpft, soweit sie Länderrechte berühren. Er hat dabei süd- deutsche Forderungen angemeldet gegenüber Plänen, die in die Zeiten des Norddeutschen Bundes zurückführen müßten, er hat ferner das Gebaren des Kommissars des Reichs- kommifsars in Preußen als unvereinbar mit den Kompetenzen und der verfassungs- mäßigen Stellung eines Reichskommissars bezeichnet. Damit sind zwei wunde Punkte berührt worden, an denen das Kabinett der Barone empfindlich ist. Also wird„von unterrichteter Seite" dem badischen Staatspräsidenten unwirsch vorgeworfen. daß er P a r t e i p o l i t i k und Staatspolitik nicht auseinanderzu- halten vermöge, daß er vielmehr die Staats- Politik in das Gebiet der Parteipolitik herunterziehe. Da haben wir wieder den Obrigkeitsstaat in seiner alten Ueberheb- lichkeit. Es ist anmaßlich, für sich den Stand- punkt in Anspruch zu nehmen, daß man über den Parteien stehe und die allen an- dern verhüllte Offenbarung der allein richti- gen Staatsauffafsung besitze, es ist um so anmaßlicher, wenn die Rechtsgrundlage dieses Standpunktes zugleich schwankend ist? Wer über den Parteien Sich wähnt mit stolzen Mienen, Der steht zumeist sogar Erheblich unter ihnen. Man wird uns doch nicht zumuten wollen. die Meinungen und Taten der kommissari- schen Verwaltung in Preußen als Ausfluß höchster Staatsweisheit jenseits von Gut und Böse hinzunehmen? Wir richten unsere Blicke auf die Personalpolitik des Herrn Bracht. Wir sehen, wie offensichtlich nach einem vorbereiteten Schema Männer deutsch- nationaler Farbe an die Stelle von Männern aus verschiedenen Parteilagern gesetzt wor- den sind, an die Stelle von Männern, die sich bewährt haben nicht nur im Amte, son- dern auch im Charakter. Wir sehen, daß diese Personalpolitik weiter geht, daß neben dem Auswahlprinzip der deutschnationalen Gesinnung weiterhin Dinge eine Rolle spie- len, mit deren Hilfe der Mensch im Obrig- keitsstaat etwas wurde, so vor allem die Korpszugehörigkeit. Die Parteien hatten diese Dinge überwun- den, sie hatten ein klareres, demokratischeres Auswahlprinzip an ihre Stelle gesetzt. Jetzt steigt man wieder herab zu den Dunkel- heiten des Obrigkeitsstaates, zu den Mysterien der Inhaber der alleinselig- machenden Offenbarungen der allein richtigen Staatspolitik. Aber die Schleier dieser Mysterien sind nicht dicht genug, und je lauter und drohender dem Volke das Wort „Staatspolitik" entgegenschallt, um so deut- licher sieht es die kleinen und kleinlichen Dinge und die Menschlichkeiten, die es ver- decken soll. Der Kreis der deutschnationalen Beamten von Gnaden des Reichskommissars ist nicht der Staat, und wenn sie sich dafür halten, so wird ihnen zum Bewußtsein gebracht werden müssen, daß ihr Staat mit dem Volke nichts zu tun hat. Wir verzichten darauf, daß die Inhaber der allein richtigen Staats- Politik zu den Parteien und der Parteivolitit „herabsteigen"— die Parteien hätten dabei nur zu verlieren. Japan ins Anrecht gesetzt Beiidht der Völkerbundskommission über Mandschurei Gens, 2. Oktober. Eigener Bericht Der am Sonntag in Gens, Tokio und Nanking oerössenttichte Bericht der Untersuchung s- k o m m i s s i o n des Völkerbundes für den Ulan- dschureikonslikt ist das typische Produkt jener Realpolitik, welche die Vertreter der Großmächte zwar die offene Vergewaltigung eines militärisch schwachen Volkes klar erkennen läßt, aber die Regelung des Streitfalles ganz von dem Willen der stärkeren Macht abhängig macht. Die Vorschläge der Kommission dürste» im vor- aus wertlos gemacht worden sein durch die von Japan vollzogene offizielle Anerkennung der unabhängigen Mandschurei. Auch nach den, langen Aufschub bis zur Vorlage dieses Berichts steht die Gesamtheit der Regierungen, die den Völkerbund bilden, auf Grund der eindeutigen Feststellungen des Berichts vor der klaren Not wendigkeit schwer st er Entscheidungen. die nichts weniger als das Schicksal des Völkerbundes in sich schließen. Der tkll Seiten Großformat umfassende Be- richt, der einstimmig von Lord L y t t o n- England, Graf Aldovrandi- Italien, Genera' Claudel- Frankreich, General M ä c o y- Ame- rika und Exgouvcrneur Schnei- Deutschland unterzeichnet ist, gibt zunächst eine Darstellung der Ausgaben der Kommission, einen geschichtlichen Uebcrblick der Umwälzungen in China und des Verhallens der Großmächte sowie der Vor- geschichtc der Ereignisse in der Mandschurei. Troß schonenden Redewendungen geht die Vergewaltigung Chinas und der Mandschurei durch Japan klar aus dieser Darstellung hervor. Durch die Fesselung jeder eigenen Entwicklung Chinas in folge der von Japan ausgezwungenen Verträge wird die Spannung gegen Japan begreiflich. Als der Hauptmann N a k a m u r a von chinesischen Soldaten als Spion erschossen wurde, machten die Japaner am 18. September 1931 unter dem Vor- wand der bedrohten Sicherhelt einen Plötz- l i ch e n U e b e r f a l l auf die Mandschurei nach einem genau vorbereiteten Plan und aus rein politischen Gründen. Die Chinesen hatten nach der Feststellung der Kommission keinerlei Plan zum Angriss auf japanische Truppen. von einer Gefährdung des Lebens und Eigentums der Japaner in der Mandschurei konnte keine Rede sein. Dela-Flugtag in Tempelhos Volkskest am Flughafen— Interessante Geschwaderflüge Blick auf das Flugfeld vor dem Start Der Dela-Zlugtag in Tempelhos wurde für Zehntausende von Berlinern zu einem abwechslungsreichen Volksfest. Aus dem Zentral- slughasen standen 35 Flugzeuge zur Teilnahme an den einzelnen Vorführungen bereit. 25 000 zahlende Zuschauer hatten sich eingesunden, aber weitere 130 000 hatten sich am Rande des Flughasens angesammelt. Bis mittags 12 Uhr waren 8V Flugzeuge aus allen Gegenden Deutschlands, aus dem Saargebier und aus Danzig in Berlin eingetroffen, die an dem Zuverlässigkeitsslug teilgenommen hatten. Sieger dieses Wettbewerbs blieb der Badisch-Psälzische Luslsahrtverein Mannheim. Die Fliegerveranstaltung begann mit einem Geländerennen, das in acht Rennen durch- geführt wurde. Einen außerordentlichen Eindruck von den Leistungen des schnellsten europäischen Verkehrsflugzeuges gewann man aus dem außerprogrammäßigen Flug des schweize- rischen-Fliegers Mittelholzer, der eine Gcschwindig- keit von über 300 Kilometer in der Stunde ent- wickelte. Major a. D Keller zeigte dann noch einmal mit einer Stassel von neun Flugzeugen mit seinen Flugschülern die hohe Schule des Ge- schwaderexerzierens im größeren Verbände. Nach einem Flugrennen der Reklamestaffel der Deutschen Luftfahrt G. m. b. H. gab es eine besonders interessante Vorführung durch den gleichzeitigen Ab- sprung von SFal l schirm Piloten aus einem Verkehrsflugzeug der Deutschen Lufthansa aus etwa 500 Meter Höhe. Den„Höhepunkt" der Veranstaltung bildete einer der jetzt so beliebten .Luftangriffe" auf ein Jndustriewerk, der von 95 Flugzeugen ausgeführt wurde. Während der Flugoeranstaltung wurde au? einem Flugzeug ein Paket Flugblätter abgeworfen, das noch fest verschnürt war. Davon wurde der 61 Jahre alte Kohlenhändler Otto I ü t t n e r aus der Friesenstrahc 19 so unglücklich am Bei» ge- trösten, daß er mit einer Beinverletzung in das St.-Josefs-Krankenhaus gebracht werden mußte. Die angebliche Sprengung einer Eisenbahnschiene hat in keiner Weise ein militärisches Vorgehen gerechtfertigt. Die Kommission Zählt dann alle weit über den Ilmfang einer Schutzmaßnahme hinausgehende» militärischen Besetzungen der ganzen Mandschurei auf. Schritt für Schritt wird sestgestelll, wie gegen den willen der Mandschurei Behörden und der Bevölkerung für die Interessen der inzwischen siegreichen imperialistischen Bewegung Japans eine von China unabhängige Verwaltung von japanischen Beamten und Militärs unter japanischen Bajonetten ausgezogen wurde. Das äugen- blickliche Regime wäre nie ohne die japanischen Truppen und die Gewaltakte der japanischen Be- amten zustande gekommen und könne niemals als Ergebnis einer spontanen und ersthaften ilnabhängigkeitsbewegung angesehen werden, be- sonders da man vor September 1931 niemals etwas von einer Unabhängigkeitsbewegung in der Mandschurei gehört hat. Die Bevölkerung aller Stände.- Arbeiter, Bauern, Polizei, Armee. Intellektuelle, Sausleute und Bankiers, seien einhellig gegen die Regierung Mandschukuo. Die Kommtstion hat natürlich auch viele Depu- rationen zugeschickt bekomnien, deren Erklärungen vorher von den Japanern ausgesetzt worden waren und den wirklichen Wille» der Bevölkerung fälschen sollten. Aus allen nichrarrangicrten Willensäußerungen der Chinesen i» der Man- dschurei, die 28 von 30 Millionen der Gesamt- einwohnerschast darstellten, gehe einwandsrei her- vor, daß sie die Regierung Mandschukuo als ein Instrument in den Händen der Ja- p a n e r betrachten, welches sie energisch ablehnen. Es folgte dann eine genaue Darstellung über die tiefgreisende» wirtschastlichen, finanziellen und politischen Umwälzungen der Mandschurei durch die Japaner in ihrem eigenen Interesse und Vor- teil bei Wegnahme aller chinesische» öffentlichen Einrichtungen und Einnahmequellen. Der Lösungsversuch des Berichts geht aus von »er Anerkennung der talsächlich vor- handenen Wirklichkeiten wie der Macht- stellung Japans und seiner enormen Wirtschaft- lichen und strategischen Interessen in der Man- dschurei, die er mit dem Recht Chinas in Einklang zu bringen versucht. Daher wird in dein Bericht vor allem betont, daß eine einfache Wiederher- stellung des Status quo ebensowenig eine Lösung sei wie die Ausrechterhaltung und Aner- kennung des augenblicklichen Regimes. Jede Trennung der Mandschurei von China müsse schwere internationale Sonslikte herbeiführen, ebenso jede Lösung, die den Interessen Sowjetrußlands keine Rechnung trage. Als Bedingungen für eine besriedigende Lösung zählt der Bericht in seiner Schluß- s o l g e r u n g aus: 1. die Vereinbarkeit mit dem Vorteil Chinas und Japans; 2. gerechte Berücksichtigung der Interessen Sow- jetruhlands: Z. Uebereinstimmung mit Völkerbundspak», Sellogg- Pakt und Neunmächtevertrag von Washington: 4. Anerkennung der Rechte Japans in der Mandschurei: 5. Neue Verträge über die Rechte, Interessen und Verantwortlichkeiten Chinas und Japans in der Mandschurei: ö. wirksame Maßnahmen zur Regelung späterer Differenzen: 7. lokale Selbstverwaltung der Mandschurei unter Wahrung der Souveränität und Unverlehlichkeit der Verwaltung durch China: S. Sicherung der inneren Ordnung durch lokale Gendarmerie und Sicherung gegen Angriffe von auhen durch Zurückziehung sümilicher Truppen Chinas und Japans sowie Abschluß eines Nichtangrisspaktes zwischen allen inieressierten Mächten: 9. Abschluß eines neuen Handelsvertrages zwischen China und Japan unter Ausgleich der gegenseitigen Interessen: tO. internationale Zusammenarbeit und hitse zum inneren Ausbau China». Um diese Ziele zu erreichen, schlägt die Kommission dem Völkerbund vor. die beiden Regierungen zur Aussprache über eine Lösung nach obigen Grundsätzen aufzusordern. Werde die Einladung angenommen, dann mühte eine Vera tungskonferenz für die Errichtung einer besonderen Mandschurei-Verwaltung einberusen werden, an der auch neutrale Beobachter teilzunehmen hätten. Außerhalb dieser Konserenz müßte der Rat als Schiedsrichter siir Streitfragen fungieren und die beiden Regierungen untereinander ihre gegenseitigen Rechte und Interessen regeln. Schwedens Abwehrwille Überfall auf Briefträger Lctlsrte Kampfansage gegen Deutschlands Kontingentierungsmaßnahmen Nie Nazis verlieren Starker Rückgang bei Gcmcindcwahlen Eutin, Z. Oktober. Eigener Bericht In der Gemeinde west-Ratikau im olden- b u r g i s ch e n Landesleil Eutin, der von einer nationalsozialistischen Mehrheit beherrscht wird. fanden am Sonntag Neuwahlen zum Gemein d e r a t statt. Die Rationalsozialisten verloren gegenüber der letzten Gemeindewahl im Mai t9ZZ 2 0 Prozent ihrer Stimmen. während e» allen übrigen Parteien, besonders aber dem Bürgerblock, gelang, auszuholen. Auch die Sozialdemokratie konnte ihre Stimmenziffer über die der letzten Gemeindewahl und auch der Reichslagswahl hinaus erhöhen. Sie ist wieder zur stärksten Partei geworden. Frank entlassen Oesterreichs Sündenbock iür den Papenkurs Wie wir erfahren, ist der österreichi« fche Gesandte Dr. Z?elix Zz-rank, der heute morgen auS Wien zurück- gekehrt ist, von seinem Posten in For- men abberufen worden, die gerade- zu einer tk n t l a s f u n g gleichkommen. Der der Äroßdeukschen Partei angehörende frühere Vizekanzler Frank hatte sich in den vielen Äahren seiner Berliner Äesandtentäligkeit allge- meine Sympathien erworben und hatte einen hervorragenden Anteil an der Festigung der engen Bande zwischen Deutschland und Oester- reich. Sein« schroffe Abberufung ist darauf zurückzu- führen, daß die Regierung Dollsuß chn für die schlechte Aufnahme verantwortlich macht, die das Lausa n ner Abkommen zwischen Oester- reich und den Weftmächten in der reichsdeutschen Presse gefunden hat. Durch dieses Abkommen hat bekanntlich Oesterreich einer neuen, Zweifel- hasten finanziellen Retdungsaktion zuliebe fein politische» Selbstbestimmungsrecht auf weitere .zwangig Jahre preisgeben müssen. Dieser Ver- zicht ist auch in Oesterreich selbst von allen Par- teien mit Ausnahme der regierenden Christlich- Sozialen scharf angegriffen worden und ist schließ- lich durch den Ilmsall der Heimwehr mir mit einer Stimme Mehrheit vom Nationalrat gebilligt worden. Natürlich hat auch die reichsdeutsch« Presse die- ses Abkommen,.dessen Spitze gegen Deutschland unverkennbar ist, scharf geradelt. Aber ihre Kritik richtete sich nicht zuletzt dagegen, daß die Re- g i e r u n g P a p e n, die sich sonst so national gebürdet, die erforderliche Zustimmung des Völker- bundrates durch ihre Stimmenthaltung ermöglicht hat- Den Gesandten Frank als S ü n- de»bock für dies« Presseangriffe abzuberufen. ist ebenso töricht wie ungerecht. vstifammen mit dem Gesandten soll der lang- jährige Pressechef der österreichischen Ge- sandffchaff, Dr. Wasserbaeck, aus dem glei- chen Grunde abberufen. Ihre Nachfolger dürften Männer sein, die das Vertanen der Regierung Dolliuß genießen, also im Sinne des Laufanner Abkommens für eine gewisse Distanzierung der österreichischen Politik gegenüber Deutschland im Sinne des zugestandenen Verzichtes auf das Selbstdestimm«» gerecht sorgen. Ein neuer außen- politischer„Ersolg" der grundsätzlich neuen Stria tsffihning! Gelbstmofd eiuei- 80 jährigen. In ihrer Wohnung in der Mantenffelstr. 103 wurde heute mittag die 80 Jahre alte Witwe The- res« M a l o ch e tot ausgesunden. Die Greffin hatte sich an einem Vettpsosten erhängt. Stockholm. 3. Oktober. Eigener Bericht In der Sonntagnummer des Stockholmer„S o- cialdemokrate n", dem halboffiziellen Organ der sozialdemokratischen Regierung, veröffentlicht der Generaldirektor für Postwesen Anders Lerne, ein führendes Mitglied der Sozialdemo- kratischen Partei und eine der Regierung sehr nahestehende Persönlichkeit, einen Leitartikel, in dem er zu der kürzlich von Deutschland erfolgten Kündigung des deutsch-schwedifchen Handelsvertrages in scharfer Form Stellung nimint. Lerne führt n. a. aus: Daß Deutschland trotz seiner in bezug auf Schweden positiven Handelsbilanz, die 1931 einen Ueberschuß von mehr als 266 Millionen Mark auswies, die Kündigung vollzogen hat, kann nur von der Absicht diktiert worden sein, Schweden auch um diejenigen geringen Vorteile zu bringen, die ihm der Vertrag eingeräumt hat. Es verrate zugleich die auf deutscher Seite herrschende Ueber- zeugung, daß alle Vorteile ans der Seite Deutsch- lands liegen müßten, ein Standpunkt, der als „hart an der Grenzlinie von Bernunst und Anvernunst liegend" bezeichnet und als die Ansage einer Handels- politischen Fehde angesehen werden muß. Bei dem in Deutschland bestehenden System der Doppeltarife werden bei der Erneue- rung des Vertrages die Kampftarife der deutschen Zolltaxe auch gegen Schweden in Kraft treten und eine völlige Drosselung des schwedischen Imports nach Deutsch- l a n d zur Folge haben, während Schweden, das nur einen einfachen, vom Ursprungsland unab- hängigen Warenzolltarif besitzt, über keine hau- delspolitischen Mittel verfügt, um sich gegen Deutschland zur Wehr zu setzen. Der Autor legt daher der Regierung nahe, ein neues Zollsystem mit unverzüglicher Wirt- samkeit als Gegenmaßnahme gegen die deutschen Kampftarife auszuarbeiten und sich dabei an den Grundsatz zu halten, daß der schwedische Import aus Deutschland„M a r k gegen Mark" dem beut- scheu Import aus Schweden entsprechen müßte. Er empfiehlt nötigenfalls einen handelspolitischen Zusammenschluß mit denjenigen Ländern, die sich Deutschland gegenüber in der gleichen Situation befinden wie Schweden. GozialistifcheSchutzzoslkonfesenz der Neutralen Amsterdam, 3. Oktober. Eigener Bericht Eine Konserenz von Vertretern der Sozial- demokratischen Partei und aller Gewerkschafts- zentralen von Belgien, Holland, Däne- mark, Luxemburg und Schweden über eine gemeinschaftliche Handelspolitik auf Grund der Verträge von Oslo und Ouchy fand am sonn- abend und Sonntag in Amsterdam statt. Für den Internationalen Gewerkschaftsbund nahm dessen Generalsekretär S ch c v e n e l s, für die Sozia- listische Arbeiterinternationale Vandervelde an der Konferenz teil. Die Probleme handelspolitischer Regionalver- träge und der Meistbegünstigungsklausel wurden unter dem Gesichtspunkt der Abwehr der Hoch- schutzzollpolitik erörtert. Die Konferenz nahm ein- stimmig eine Entschließung an, wonach die Welt- Wirtschaft und namentlich die europäische Wirt- schaft durch die Schutzzoll- und Kontin- gentierungspolitik mehr und mehr des- organisiert werde, so daß diese Politik sich zu einer Gefahr für den Frieden aus- wachse. Die Konferenz sprach sich daher für den Abschluß von Regionalverträge» als Vorbereitung einer allgemeinen und keine Nation ausschließenden Regelung aus und erblickt in dem Abkommen von Oslo einen ersten Schritt in dieser Richtung, da Oslo anderen Ländern die Möglichkeit eines Anschlusses offen lasse. Hinsicht- lich des Vertrages von Ouchy sei die Konferenz der Meinung, daß derselbe durch den Anschluß anderer Länder, namentlich der skandinavischen Staaten eine weit größere Tragweite erlangen würde. pariser Luftsahrtskandal Bestellungsvonvürfe gegen die Lufthansa— Gefälschte Beweismittel Paris, 3. Oktober. Eigener Bericht lieber den Skandal in d�r franzöfi- schen Luftschiffahrt werden jetzt im „P o p u l a i r e", im„M a t i n" und im „O e u o r e" nähere Einzelheiten mitgeteilt. Da- nach hat Generaldirektor Bouilloux-La- f o n t von der Aero-Postale-Gesellschaft, die sich nach ihrem Zusammenbruch im vorigen Jahre zurzeit in Liquidation befindet, eine Klage wegen Beamtenbestechung und Mittäterschaft ge- gen den Direktor der Handelsluftschiffahrt im Luftministerium C h a u m i ö und den General- direktor Weiller von der Flugzeug-Mo- torenfabrik Gnome et Rhone und der Luftverkehrsgesellschaft Cid na(Compagnie Internationale de Navigation Aerienne, Red. d. V.) eingereicht. Beide werden beschuldigt, der Deutschen Lusl- hansa die Mehrheit der Aktien der Flugzeug- Molorenfobrik mit der finanziellen Unterstützung der Deutschen Bank verkaust zu haben. Mit den Geldern, die Weiller dafür erhalten hat. soll dieser beabsichtigen, die Aero-Postale aufzu- kaufen und die Lustlinien dieser Gesellschaft in Süddmerika gemeinsam von der Cidna und der Lufthansa betreiben zu lassen. C h o u m i ö soll als Vermittler bei dieser Operation gewirkt und als. Belohnung 100 Aktien der Lufthansa erhalten haben. Als Beweismittel hat Bouilloux-Lasont Ver- träge, Bantkorrespondenzen, Rohrpostbriefe usw. beigesügr. Diese Schriftstücke sollen aber g e- fälscht sein, was das Luftministerium veran- laßt hat, seinerseits eine Klage gegen Unbekannt wegen Anfertigung und Anwendung falscher Pa- piere einzuleiten. Bouilloux-Lasont hält in einer Erklärung, die er einem Vertreter des„Matin" abgegeben hat, seine Beschuldigungen aufrecht, glaubt allerdings, daß zwei von den Dotumen- ien gefälscht sind. Chaumie und Weiller erklären dagegen, daß die Dokumente Fälschungen sind und sie sich dem vom Luftministerium angestreng- ten Versahren als Ziviltläger anschließen werden. Das„O e u v r e", das sich über den Inhalt der fraglichen Dokumente am eingehendsten äußert, pflichtet Chaumie und Weiller bei und begründet dies u. a. wie folgt:„Die Statuten der Luft- Hansa besagen, daß die 2S Millionen Mark Aktienkapital auf den Namen lautender Aktien gebildet werden, die die Nummern 1 bis 25 000 tragen. Di« Herrn Chaumiö übergebenen Aktien sollen aber nach den Dokumenten die Nummern 275 341 — 70 und 314 601— 70 tragen. Die Statuten der Motorenfabrik Gnome et Rhöne verlangen, daß mehrstimmige Aktien nur mit Zustimmung des Aufsichtsrats an Dritte veräußert werden können. Der Aufsichtsrat hat sich aber niemal« mit einer derarttgen Veräußerung zu beschäftigen gehabt." Scharfes Dementi der Lufthansa Dazu erklärt die Deutsche Lufthansa: Die Nachricht, derzufolge die Deutsche Lufthansa Aktien der französischen Firma Gnome et Rhöne im Tausch gegen Lufthansa-Aktien erworben haben soll, ist völlig unwahr. Es haben nicht einmal Verhandlungen darüber weder mit Gnome et Rhöne noch mit der in die- fem Zusammenhang genannten Verkehrsgesell- „Cidna" stattgefunden. Die Aktien der Deutschen Lufthansa befinden sich in festen Händen, teils im Eigentum des Reichs, teils der Länder, der Kommunen und der Privatwirtschaft. Das Pro- zentverhältnis für die Austeilung des Aktienkapi- tals wurde bei der Gründung der Lufthansa im Jahre 1926 festgelegt. Irgendein Wechsel von Bedeutung hat seit der Gründung nicht stattge- funden. Die Aktien der Lufthansa sind überhaupt nicht ausgegeben, sie sind vielmehr nur im Aklien- buch verzeichnet. Es können also ohne Wissen der Verwaltung Aktienverschiebungen nicht vorgenommen werden. In der französischen Nachricht werden Namen von angeblichen deutschen Vermittlern der Deutschen Lufthansa in diesem Geschäft genannt. Diese Per- sonen sind hier nicht bekannt. Die im gleichen Zusammenhang aufgeführten Aktiennummern sind überhaupt nicht vorhanden. Es muß sich also um eine plumpe Täuschung oder Fälschung handeln. Verkehrskatastrophe Bukarest, Z. Oktober. Eigener Bericht* Aus der Bahnstrecke klousenburg-kronsladl in Siebenbürgen ereignete sich am Sonntag ein furchtbares Verkehrsunglück, das zahlreiche Opfer forderte. Ei» nach Bukarest fahrender Personenzug erfaßte aus einem Bahnübergong bei der Station Rupa einen vollbesetzten Autobus einer Kronstädlischen Zuckerfabrik, der 22 Arbeiter zu ihrer Arbeitsstätte beför- derle. Der Autobus wurde von dem Zuge mil- geschleift und völlig zertrümmert. Die Folgen waren entsetzlich. Von de» 22 Insassen wurden fünf aus der Stelle getötet und die übrigen 17 größlenleils schwer verwundet. Sieben der Verletzten schweben in Lebensgefahr. Das Unglück ist darauf zurückzuführen, daß der Ehauffeur des Wagens, lrohdem er den Zug herankommen sah, die Schienen zu überqueren versuchte, da die Schranken offen waren. Der Schrankenwärter, der geschlafen hatte, wurde oerhastet. Bin Tater fesigenommen Ein verwegener Ueberfall wurde am vlontag früh kurz vor 9 Uhr im Hause Friedrich-Wilhelm- Straße 82 in T e m p e l h o f auf den 54 Jahre allen Geldbrieslräger Albrecht Schröder aus der Albrechlstraße 12Z in Tempelhof verübt. Der lleberfallene konnte aber den Täter abwehren. Räch längerer Verfolgung wurde er an der nächsten Straßenecke— an der Kaiser-Wilhelm- Straße— festgenommen und der Polizei übergeben. Es ist ein 26 Jahre alter Georg Schade aus der Ringbahnstraße 29 in Reukölln. Der Überfallene Briefträger konnte nach Anlegung von Verbänden seine Wohnung aussuchen. Zu dem Ueberfall erfahren wir folgende Einzelheiten: Der Geldbriefträger Schröder hatte im Hause Friedrich-Wilhelm-Strahe 62 im ersten Stock eine Bestellung ausgeführt. Während er noch mit der Adressatin sprach, betrat ein jgnger Bursche den Hausflur und kam bis zum Treppensenster hinauf. Die Frau sowie der Briefträger sahen den jungen Mann, ohne sich Arges zu denken. Als Schröder jetzt die Treppen herunterkam und die Frau oben>m ersten Stock die Tür zumachte, stürzte sich der Bursche auf ihn. Es kam zu einem heftigen Kampfe. Der Räuber hatte einen in Papier eingewickelten Hammer und schlug da- mit dem Briefträger über den Kopf. Der Be- amte taumelte und griff nach seiner Tasche. Auf seine Hilferufe kamen Leute aus den Wohnungen herbeigestürzt. Inzwischen hatte der Räuber ei» offenes Messer gezogen und stach auf den Beamten ein. Dann ergriff er die Flucht, verfolgt von dem Beamten und mehreren Passan- ten. An der Ecke der Kaiser-Wilhelm-Straße wurde er eingeholt und verprügelt. Der Räuber hat nichts erbeutet. Beim Kampfe und bei der Verfolgung hatte der Geldbriesträger einen er- heblichen Blutverlust erlitten. Die Schläge hatten eine Ader getroffen. Schröder wurde von einem Arzt sofort verbunden. Dann begab er sich in seine Wohnung. Die�Verletzungen sind nicht ge- jährlich. Zeugen wollen gesehen haben, daß der Bursche von zwei anderen Komplicen beim Kampfe und auch bei der Flucht gedeckt wurde. Die Angaben darüber müssen aber erst noch nachgeprüft werden. Fsinna Todenhagcn überfallen In der Rächt zum Sonnlag wurde aus die Stadtverordnete Genossin Minna Toben- Hagen, die Leiterin des kinderfchutzhause» in der Wilhelmslraße 14 in Z e h l e n d o r s ist, ein Ueberfall verübl, bei dem die Täter eine Aktentasche und einen kleinen Koffer rrbeulelen, in dem sich außer einigen Kleinigkeiten 40 M. Dargeld befanden. Frau Tvdenhagen war gegen 11 Uhr van einem Vortrag in Berlin auf dem Bahnhof in Zehlen» d o p f- M i t t e angekommen, hatte den Autobus bis zu dem ehemaligen Hindenburg-Krantenhaus benutzt und halte von dort zu Fuß den Heimweg zu dem etwas entlegenen Kinderschutzhaus in der Wilhelmstraße angetreten. Jene Straßen des südlichen Zchlendorf sind um diese Zeit— gegen 11 Uhr abends— bereits ziemlich still. Die Be- leuchtung läßt, wie in fast allen Nebenstraßen Zehiendorss, sehr zu wünschen übrig. Polizei ist selten zu sehen. Zill« diese Umstände müssen sich zwei junge Burschen zunutze gemacht haben, die sich unhörbar an die einsam ihres Weges gehende Frau heranpirschten. Während der eine unsere Genossin urplötzlich von hinten init einem brutalen Jiu-Jitsli-Wiirgergriff hililos machte, entriß ihr der andere Tasche und Koffer- chen und entfloh. Zlls Frau Tvdenhagen aus ihrer Ohnmacht erwachte, waren die Rowdys, bsgün- stigt durch die Dunkelheit und die Einsamkeit der Straße, verschwunden. Genossin Todenhagen erlitt einen schweren Nervenchok, ist aber körper- lich nicht zu Schaden gekommen. Großfeuer in Berlin N Durch ein Grohseuer wurden heute vormittag die Dachstühle des Vorderhauses und Seitenflügel« Grllnthaler Slr. Z aus dem Gesundbrunnen nahezu völlig zerstört. Die Feuerwehr war mit vier Lösch- zögen mehrere Stunde» an der Brandstelle tätig. Die Gefahr wurde kurz nach 10.30 Uhr bemerkt, als aus den Bodenluken meterlange Flammen her- vorschlugen. Unier Leitung von Branddirektor T a in m trafen kurz nacheinander vier Löjchzüge in der Grünthaler Straße ein. Wegen der starken Berqualmung mußten die Löjchlrupps sämtlich mit coauerstofsgeräten ausgerüstet werden. Unter Ein- sag von vier Schlauchleitungen und einer mechanischen Leiter gelang ks, den Brand nach zweistündiger angestrengter Löschlätigkeit einzu- kreisen. Allem Anschein nach ist das Feuer im Dachstuhl des Vorderhauses entstanden, wo es längere Zeit unbemerkt geschwelt hat. Po„ hicr griffen die Flammen dann au! den Lochstuhl des Seitenflügels über. Der Feuer- und Wasserschaden in den Wohnungen der oberen Stockwerke ist er- heblich. weiter für Berlin: Kühl und wechselnd wolkig. vereinzelt»och leichte Schauer, ziemlich frische nordwestliche Winde.— Für Deutschland: Im Osten und Süden stark bewalkt mit Regenfällen, im übrigen Reiche leicht veränderlich mit einzelnen Schauern, überall kühl. Tariflohn Zensur Warum Allgemeinverbindlichkeit abgelehnt wird Zwischen dem Provinzialverband der Land- arbeitgeberverbände der Prvoinz Hannover, dem die meisten Landwirte im Tarifgebiet von Mittel- und Nordhannover angehören, und den beteiligten Landarbeiterverbänden wurde ein Lohntarif für dieses Gebiet abgeschlossen und von beiden Par- teien dessen Erklärung als allgemein- verbindlich beantragt. Das Reichsarbeitsministerium lehnte den Antrag ab mit folgender unverständlicher B e- gründung: „Von der Allgemeinverbindlicherklärung des Lohntarifs habe ich zunächst abgesehen, da mir der W o ch e n l o h n von 10,20 Mark in der Spitze für den männlichen Arbeitnehmer bei voller Kost und Wohnung bei den derzeitigen wirtschaftlichen Verhältnissen zu hoch erscheint, um ihn Dritten aufzuerlegen. Im Falle einer Aenderung des Lohnsatzes durch die Tarifvertragsparteiei» würde ich meine Bedenken fallen lassen." Arbeitgeber- und Arbeiterorganisation sind sich über den Lohn einig. Beide Teile haben ein Interesse daran, dag dieser tariflich vereinbart« Lohn nun auch tatsächlich gezahlt wird. In» Reichsarbeitsininisterium aber, das weitab vom Schutz ist, erscheint dieser Lohn zu hoch. Um wieviel er noch gekürzt werden mutzte, um vor der lohnamtlichen Zensur zu bestehen, wird nicht gesagt. Aber der Lohnsatz»nutz„ermätzigt" werden, wenn er für allgemeinverbindlich erklärt werden soll. Da wäre es doch einfacher, w«i»n das Reichs- a r b c i t s m i n i ft e r i u n, die Löhne über den Kopf der Parteien autoritärer diktiert« und jeder Lohnstreik wäre verhütet. ,Oder auch nicht! Ankurbelung im Bergbau? 3VV 0V0 Lergleute warten aui Arbeit Bochum, 2. Oktober. An» Sonntag begann hier die R e i ch s k o n- f« r e n z des Verbandes der Vergbauirrduftrie- arbeiter. Der Lerbandsvorsitzende H u j e m o n n schilderte in seiner Erösfnungsansprach« die Lage der deutschen Vergarbeiterschast. 300000 Berg- lcute suchen vergeblich Arbeit, die 130 000 noch arbeitenden Bergleute stehen durch- weg in Kurzarbeit. Der Ruhrbergbau hob« in den ersten acht Monaten d. I. nicht weni- ger als 7,2 Millionen Feierschichten zu verzeichnen. Im Kalibergbau seien von 220 Schichten nur 10 in Förderung. Die Baroerdienste der Bergarbeiter seien nach einer amtlichen Unter- suchung von rund 100 Millionen Mark im Jahre 1029 aus 3 8 Millionen im Mai dieses Jahres zurückgegangen. Gegenwärtig dürs- ten es nicht mehr als 33 Millionen Mark sein. Auch im Braunkohlenbergbau treffe man auf die gleichen Verhältnisse. Der Regie- rung P a p e n müsse gesogt werden, dah es den Bogen überspannen heihe, wenn>na»» zu der materiellen Schädigung, die die Krise der Ar- beiterschast gebracht habe, noch die soziale Entrechtung hinzufüge. Das möge sich auch die französisch« Gnibenverwaltung im Saar- gebiet gesägt sein lassen. Im Gegensatz zu den privatkapitalistische» Ret- tungsversuchen der Regierung von Papen müsse die Verstaatlichung des Bergbaues gefordert werden. Trotz zahlreicher Zusammen- künftc hätten die Unternehmer bis jetzt keine inter- nationale Vereinbarung zustande gebracht, Auch der internationale Bergarbeiterkongreh in London habe sich die Forderung nach Nationalisie- rung des Bergbaues zu eigen gemacht. Die internationale Kohlenverstän- d i g u n g wird der Prüfstein fein, ob die Völker auf eine geordnete weltwirtschaftliche Zusammen- arbeit rechnen dürfen, oder ob der unheimliche Wirtschaftskrieg aller gegen alle seinen Fortgang nimmt. Zu diesen Notwendigkeiten gehört auch noch die Verkürzung der Arbeitszeit. Neben der Verkürzung der täglichen Schichtzeit ist die Verkürzung de« Wochenarbeitszeit«iik fünf Tage erforderlich. Für die drei For- derungen, Verkürzung der Arbeitszeit im Bergbau, internationale Bergbauverständignng und die Nationalisierung des Bergbaues werden wir, so schtotz Husemann, unsere ganze Kraft ein- setzen. Di« Städtische Oper veranstaltet auch in dieser Spiel- zeit wieder geschlossene Ziachmittagavorstellungen sur Wohlsabrtserwerdslose bei völlig sreicm Ein- tritt. Verteilung der Karte» durch die zuständigen«al,l. sadrtsämtcr. Erste Vorstellung Dienstag, 4 Uhr. Puccinis „V o h c in e". tln der Bolksdiihnc iindet die Erstautsührung von Hauptmanns..Ratten" Eonnodend, 8. Ötroder, in dir Regie von Heinz Hilpert statt. Di« Volksvorstellungen de, Ztose.Zheater, dringen jeden Mittwoch. SZ. Uhr. zu ZV Ps. bi, l.ZV M. den„Haupt. niann vonstöveni tf". „Das Theater des Westens" eräfsnet Mittwoch die Winlerivielzeit mit Lehars ,.P- g a n i n i" lmit Schwarz. Eduard Uichtenstei», Ecnia Rikolajcwa und Franz Heigl), TL glich finden zwei. Sonntags drei Vorstellungen statt. Die Eintrittspreise gehen von»o Pf. bis 2.Z0 M Eine Schauspicler-Rachtporstellung der Revue.,H«(6 ft e Eisenbahn" von Friedrich Holländer findet Donner»- tag, ll'ä Uhr, im Tingel-Tangel statt. Rundfunk der Woche Die Beamten des Tendenzbetriebes Bor einigen Tagen haben sich die neuen führen- den Rundfunkbeamten, soweit sie in Berlin an- sässig sind, in einer offiziellen Pressekonse- r e n z vorgestellt. Das heißt— eine Konferenz war es eigentlich gar nicht. Zwar durften einige Fragen von den versammelten Pressevertretern gestellt werden; dann aber wurde mit dem Be- deuten, der Raum werde anderweitig benötigt. die Sitzung ausgehoben, in der je fünfzehn Mi- nuten lang Dr. Magnus, Dr. S t a p e l f e l d t, Beumelburg und Dr. D u s k e nichts, aber auch gar nichts gesagt hatten, was der Bedeutung und der Verantwortung ihrer Aemter entsprochen hätte. Diese Pressekonferenz fand statt in den Räumen der Reichspressestelle, obwohl die Rundfunkfestung in der M a s u r e n a l l e e über viele schöne, große Räume verfügt. Heute, wo so zahlreiche Programmtcile von auswärts bezogen werden. hätte sich im Funkhaus ganz gewitz mühelos ein überzähliger Raum finden lassen, in dem solche Presieaussprache weniger ängstlich nach Sekunden hätte abgemessen werden müssen. Auch hat im Funkhaus Reichsrundfunkkommissar Erich Scholz sein Arbeitszimmer, und wenn auch feine unbestritten rastlose Berufsbetätigung ihm offensichtlich nicht die Zeit ließ, als Haupt- perfon auf der Pressekonferenz in der Wilhelm- stratze zu erscheinen, so hätte die Konserenzein- berufung ins Funkhaus es vielleicht auch ihm möglich gemacht, ihr beizuwohnen. Dr. Magnus erklärte allerdings, inan habe bei der Wahl des Konferenzortes die Bequemlichkeit der Journa- listen im Auge gehabt. So viel Rücksichtnahme ist eigentlich rührend; aber der Journalist kann sie, seinem Beruf gemäh, leider weit geringer be- werten als sachliche Informationen, die er sich, wenn es sein�muh, gern sogar zu Fuß vom Funk- türm herabholt. Oder sollte die Wahl des Äonserenzortes doch locht von so völlig selbstlosen Gründen bestimmt worden sein? Lag die Wilhelmstraße Herrn Erich Scholz doch bequemer als das Funkhaus, weil sie eine Ausrede für seine Abwesenheit von dieser wichtigen Konferenz ersparte? Lag vielleicht auch die Wilhelmstraßc den dort erschienenen Rund- �Vandsl der Zeit 1931:„Schreiben Sie noch mal in meiner Presse ein Wort gegen die Nazis, dann iliegen Sie raus!" auf die Presseleute als freie Mitarbeiter, besonders er für seine neu zu schaffende allwöchentliche Stunde„Z e i t s p i e g e l". Eigentlich war diese von der Atmosphäre gegen- festigen Mißtrauens erfüllte Pressekonferenz ja der so ziemlich ungeeignetste Ort für dergleichen Eröffnungen. Aber sie waren gerade in ihrer De- placiertheit für die Verschwommenheit dieser ganzen Pressekonferenz, für die Verschwommenheit der ganzen heutigen Rundsunksitualion in Deutschland bezeichnend. Den Mangel an sachlicher Arbeit, an Können sucht man durch Gefühlsbetonungen zu ersetzen. Man ist sich bei den leitenden Rundfunkstellen über die feindselige Einstellung der deutschen Rundfunkhörer zum heutigen Rundfunkbetrieb durchaus klar. So nimmt man Deckung hinter den regierenden„Auftraggebern", arbeitet„ge- schützt durch sie". Diese Worte, die Herrn Beu- melburg in der Erregung entschlüpften, als die versammelten Pressevertreter taktlose Bemerkun- gen über Dr. Joseph Räuscher und die Betonung der Unparteilichkeit des nunmehrigen Regierungs- Nachrichtendienstes nicht schweigend hinnahmen, gaben der scheinbar sinnlosen Pressekonferenz plötzlich deutlich einen Sinn, der allerdings nur in negativen Werten auszudrücken ist. Wenn man die Summe zieht aus den Ergeb- nisten dieser Pressekonferenz, so kommt für den Rundfunkhörer tatsächlich weniger als nichts heraus. Daß zur Verwaltung maßgebender Rundsunkstellen nicht eine sich löblich dem Vor- gesetzten neigende, von der eigenen Würde ehr- furchtsvolle ergriffene Beamtengesinnung genügt, sondern daß jeder im Rundfunkdienst Tätige dem Hörer, der ihn bezahlt, vollwertige Leistung schuldet, schien höchstens Dr. D u s k e zum Be- wußtsein gekommen zu sein. So dürftig und un- befriedigend seine Darlegungen blieben, so muß doch anerkannt werden, daß sie die einzigen waren, aus denen überhaupt ein Wissen um die naturgemäße Zielrichtung der Rundfunksendun- gen sprach. Die übrigen Herren redeten hoch- gemut über alle wirklichen Probleme hinweg als Beamte eines autoritativ regierenden Freiherren- konsortiums; Dr. Duske ließ immerhin erkennen, daß er sich seine Verantwortung gegen die Hörer mindestens bewußt ist und sich in der augenblick- lichen Situation in seiner Haut offenbar nicht sehr wohl fühlt. Er bemühte sich daher wenigstens, kleine posi- tioe Gaben zu bringen; er verhieß Ausbau des Erwerbslosenfunks, für den mehr als bisher die Vormittagsstunden herangezogen werden sollen. Die von uns bereits am 30. November vorigen Zahres ausführlich dargelegte Forderung nach systematisch durchgearbeiteten Untcrhaltungs- und Bildungsveranstaltungen für Erwerbslose hat Dr. Duske sich jetzt zu eigen gemacht. Näheres über die Ausführung dieser Pläne erfuhr man allerdings nicht. Auch sonst gab Dr. Duske keine Einzelheiten über die Arbeitsgebiete in der Ber- liner Funkftunde; er erklärte, dazu nicht in der Lage zu sein, da alle Herren in den neuen Ab- 1932:„Was— kein Wort in dieser Nummer über die wüsten Ausschreitungen der Nazis? Kommt das noch mal vor, Iiiegen Sic!" funkbeamte» bequemer, weil im eigenen Hause die Konferenz sich minder ungeniert hätte ab- brechen lasten und man peinlichen Fragen dort nicht so graziös hätte aus dem Wege gehen können? Was war überhaupt mit dieser Konferenz beabsichtigt? Es steht außer aller Frage, daß auf ihr keine. Auskünfte gegeben werden sollten. Offizielle Mit- teilungen zu den bereits vorgenommenen grund- legenden Umstellungen hätten auch kaum ausge- geben werden können, da mangels hinreichender Verständigung mit den Ländern diese Umstellun- gen noch gar iricht endgültig fixiert werden konnten. Man darf wohl sagen: so wenig positiv wie das Ergebnis der Konferenz war ihr Anlaß. Der deutsche Rundfunk schwebt zur Zeit im luft- leeren Raum, und die unsicher zuckende Nadel am Gesinnungskompaß hat den Orientierungssinn der jäh emporgekommenen Besatzung vollends ver- wirrt. Nun wollte man der Presse wenigstens zeigen, dah trotz alledem jeder auf seinem Posten ist,„geschützt" von der höheren Gewalt, den Auf- traggebcrn. Das Schiff braucht Ballast, um in die ihm lebensnotwendigen irdischen Luftschichten zu kommen; wer wagt die schöne Fahrt? Herr Beumelberg. der neuernannte Leiter des Draht- losen Dien st es, erklärte herzlich, man rechne teilungen ja erst seit wenigen Tagen in ihren Aemtern wären und sich einarbeiten müßten. Diese Liste der neuen verantwortlichen Männer der Berliner Funkstunde wurde der Presse über- reicht. Aus ihr geht hervor, daß der Inten- d a n t Dr. Duske sich gleichzeitig die O b e r l e i» tung über die Abteilung Musik ge- sichert hat, der nationalsozialistische Sendeleiter und Jntendantenstellvertreter Kolb die Oberleitung über die Abtei- lung Literatur, die für Lyrik und Epik von Edlef Koppen, für die Sendespiele von Arnolt Bronnen verwaltet wird. „Die Neuordnung des Rundfunks", sagte Dr. Duske,„m u ß in einem Augenblick geschehen, in dem eigentlich die letzten Vorbereitungen für das Winterprogramm zu Ende geführt werden müßten. Beide Aufgaben werden durch diese Verbindung erschwert. Es ist daher im Augen- blick nicht möglich, einen kurzen Ausblick zu geben auf das, was geplant ist." Die sinnlose Zerstörungsarbcit, die von der Freiherrenregierung und ihren Be- amten am deutschen Rundfunk geleistet wurde und noch geleistet wird, wurde unfreiwillig durch dieses Bekenntnis beleuchtet. Neue Männer, die erst „Erfahrungen" sammeln müssen, haben erfahrene, bewährte, verdrängt, die der Freiherrenregierung politisch nicht genehm waren. Die täglichen Rundfunkprogramme sind jämmerliches Flickwert; sie leben von Austausch und Abänderungen. Der Rundfunk fängt in Deutschland sozusagen wieder von vorne an, ein technisch übermästetes, dumm und komisch in die Welt wackelndes Baby, echtes Autarkieerzeugnis mit den unverkennbaren Merk- malen: schlecht und teuer. Ueber die Kosten der Rundfunkneuordnung wurde auf dieser Pressekonferenz überhaupt nichts gesagt. Nur Dr. Duske erklärte, die Beträge, die bisher die Programmausschüsse erfordert hätten, würden ausreichen, die jetzt statt dieser Ausschüsse angestellten einzelnen Beamten zu besolden. Ueber die übrigen Aufwendungen erfuhr man nichts. Es dürfte sich dabei um gewaltige Summen han- deln. Wie inan hört, soll allein zur Ablösung mehrjähriger Verträge bereits rund eine Million ausgegeben worden sein! Der Rundfunk, der aus den Markstücken des Volkes aufgebaut und erhosten wird, ist längst zu einem großartigen Gewinnbetrieb des Reiches geworden. Wir haben deshalb immer eine Her- absetzung der deutschen Rundfunkgebühren, der höchsten der Welt, gefordert. Für den Rund- funk, wie er heute in Deutschland aussieht, ist schon beinahe jeder Groschen Gebühr zuviel. Aber der Rundfunk gehört uns, den Hörern, dem Volk. Man hat uns daraus verdrängt, man hat einen nationalistischen Tcndenzbetrieb, eine Futter- krippe für Parteibuchbeamte daraus gemacht. Wir alle müssen es als unsere Pflicht ansehen, de» Rundfunk zurückzuerobern; uns, denen er gehört! Auch über den Rundfunk entscheiden die Wahlen, die in fünf Wochen stattfinden!— lz. Slevogt und Sezession Slevogts Graphik Als erstes hat das K u p f e r st i ch k a b i n e t t die Aufgabe erfüllt, eine würdige Gedenk- ausftellung Slevogtscher Werke zu bringen. Die kluge und weitsichtige Ankausspolitik unserer Graphischen Sammlung macht sich bei solchen Ge- legenheiten überzeugend bemerkbar; man braucht nur seine Mappen zu öffnen, und die Slevogtschc Griffelkunst strömt in überreicher Fülle heraus und gibt ein so umfassendes Bild seines besten geistersüllten Schaffens, wie es sonst kaum zu er- inöglichen ist. Es zeigt sich wieder und wieder die geniale Begabung Slevogts, seine urdeutschc Lust an der drastischen, spielerischen, gewaltigen, leben- umspannenden Linie der graphischen Illustration. Man sieht die frühesten und die seltensten Drucke und Zustände, man sieht vor allem lückenlos die herrlichen Folgen in Radierung und Lithographie von Ali Baba und tzektor bis zu den ganz hin- reihenden Cellini und Zauberflöte. Hier kann den echtesten Slevogt kennenlernen, wer ihn noch nicht kannte. Uerbstschau der Sezession Zugleich eröffnet die Berliner Sezession ihre Herbstausstellung: nur Bilder und Skulpturen ihrer eigenen Mitglieder, sehr ausgewählt, von jedem(und nicht von allen) ein bis drei Arbeiten. Im Mittelpunkt die schöne Ehrung des jüngst ge- jtorbenen Hans Glaser, fünf unbekannte Bil- der, die dos reiche Talent dieses Nichtvollendeten dokumentieren, voran die reizend farbige Sil- houette einer ,.Spagat"-machenden Tänzerin; Man. inühte, dem Ausleseprinzip der sehr streng furier- ten Schau folgend, fast alle Nainen erwähnen, denn die Qualität ist ziemlich gleichmäßig aus- geteilt und die Malerei durchgängig gut. Zu nennen bleiben«in paar Bilder, die sich durch Intensität ihrer Erfindung oder Empfindung her» ausheben: ein Maskenstilleben von Kraus» köpf, von gründlichem Ernst der Malerei und fast unheimlicher Stärke des Ausdrucks; die phan- tasievollen Uebertragungen aus der Wirklichkeit in symbolhaft konzentrierte Form halber Abstrattio- nen von E. W. Ray; eine schöne, schlechtweg schöne Kartoffelernte von B a t o und tiefgründig vereinsachte Landschaften von Arnold Bode, zu denen man„Romantik" in gutem Sinne sagen möchte: ein strengee und bedeutendes Nonnen- bild von Werner Scholz, dessen Form sich erfreulich zusainmenschließt und dadurch den Aus- druck noch steigert. Unter de» wenigen Skulpturen ragen M i l l y S t e g e r s„Johannes", die feinen Klcinplastiken von Duras-Kopf, Kolbes schlanke Frau und eine lebendig bewegte Brunnen- figur von T h o r a k hervor.?aul Sckmiät. Der Vater der himmelsphotographie gestorben. Im Alter von 60 Iahren ist in der Nacht zum Montag der bekannte Gelehrte und Direktor der Heidelberger Königstuhl-Sternwartc, Professor Max Wolf, gestorben. Wolf wurde 1863 als Sohn des Arztes Franz Wolf in Heidelberg geboren. Sein besonderes Ar- beitsgebiet war die Spektralanalyse und die Him- melsphotogroppie, deren Altvater er ist. Ihm ist es in erster Linie zu verdanken, daß die Himmels- Photographie zu dem mächtigen Werkzeug der Astronomie wurde. Unter den zahlreichen photo- graphischen Entwicklungen, die Wolf im Lauf der Jahre machte, sei besonders der von ihm 1891 nn Sternbild des Schwanes entdeckte„Amerika- nebel" und die>894 erfolgte Wiederauffindung des Kometen Encke genannt. Paul Raynals Triologie des Krieges Universal-Planetarium Sein Marne-Drama Bekamtlich war das„Grabmal d c s u n- bekannten Soldaten" von Paul Raynal in Deutschland einer der größten Bühnentriumphe der Nachkriegszeit. In Frankreich ist das nicht der Fall gewesen, und heute noch findet hier da? Frühwerk„Der Herr seines Herzens" den große- ren Beifall des Publikums. Die Linie dieser schönen Jugenddichtung hat Raynal in gewissem Sinne durch sein jüngst zur Uraufführung gelangtes Drama„Im Sonnen- lichte des Instinktes" zur Fortsetzung und Intensivierung zu bringen gesucht, doch zollten die Pariser dessen meisterhafter Wiedergabe im ..Tcheätra da TOauvrc" nur geringes Verstand nis, und in der Tat sind Sprache und Handlung dieses Werkes so seltsam übersteigert, daß seine respektvolle Ablehnung nicht allzusehr hat über- raschen können. Seit Jahren wartet jetzt die Theaterwelt mit seltener Spannung auf das M a r n e d r a m a hes genialen Autors, das durch eine deutsche Bühne schon zur Uraufführung erworben war, als dieser, wie er mir selbst erzählte, noch keine Zeile der neuen Schöpfung zu Papier gebracht hatte.„La Francerie"(zu deutsch:„F r a n k r e i ch e r e i"> heißt dieses neue Werk, das eine Fortsetzung des „Grabmals" bilden soll: die beiden Stücke und ein drittes, das„Ls Materiel humain"(„D a s Menfchenmateria l") benannt sein wird sind als eine Trilogie des Kriegserlebnisses qe- dacht. Konnte man im„Grabmal" den Niederschlag des nationalen Kriegssrlebnisses erblicken, so win „La Francerio" den internationalen Plan bc treten, Frankreich und Deutschland gegenüberzu stellen. Die Hauptpersonen dieses Dramas— es sind wieder drei— sind eine französische Frau und Mutter, deren heranreifender Knabe und ein hoher deutscher Offizier. Raynal, der fließend deutsch spricht, hat die deutschen Bücher, die den Krieg betreffen, mit eines Wissenschaftlers Sorgfalt studiert und mit bewundernswerter Unpartei- lichkeit verarbeitet. Ich zweifle daher nicht daran, daß feine Absicht, in seinem neuen Werk den tiefen Respekt für Deutschland sprechen zu lassen. zu künstlerisch und objektiv hochwertigem Ausdruck gelangen wird. Das dritte Stück des Zyklus wird dann das Kriegserlebnis als Problem der Mensch- heit behandeln, Auch für„La Francerie" ist über die Pariser llraufführungsbühne noch keine Entscheidung gc- fallen. Francen, der hervorragende Schauspieler, dem Raynal die männliche Hauptrolle zugedacht hatte, gehört seit kurzem dem Ensemble der „Comedie-Franyaise" an. Von ihr sollte man insbesondere in einer Aera Herriot-Paul Boncour erwarten, daß sie den Ruhm der Erschließung eines so bedeutenden Werkes als eine Ehren- pflicht für sich in Anspruch nimmt. Hans-.\dalbert v. Maltzahu. Der„Bund der Sternfreunde", eine in Deutschland, Oesterreich und anderen Staaten ver- breitete Vereinigung von Liebhabern der Stern- künde, dem auch namhafte Vertreter der wissen schaftlichen Sternkunde angehören, hielt seine Jahresversammlung am L Oktober in Potsdam in den Räumen der Sternwarte ab. Außer den gehaltenen wissenschaftlichen Vorträgen„Heber den Ursprung von Kometen und Meteoren" und„Ueber Doppel st ern- s o r s ch u n g" erregte besonderes Interesse die Vorführung eines„Universal-Planetariums", dos von dem Lehrer G. K i e h l m a n n aus Brockcn- dorf in Schlesien erfunden ist. Wie das große Zeiß-Planetarium gestattet es, die Bewegungen der Gestirne so zu sehen, wie sie das im Mittel- punkt der Welt sich wähnende Auge erblickt, aber auch gleichzeitig, wie dieser Schein durch die um %oi- uem yraoe üer Jtübe Schwere Erdbeben in Griechenland forderten Unser Bild zeigt Bewohner des Dorfes über 200 Menschenleben, über 900 Verwun- Perisso vor den Trümmern ihres zerstörten dete und machten 5000 Personen obdachlos. Hauses die Sonne erfolgenden Bewegungen zustand« kommt. Dadurch ist es ein sehr gutes anschau- liches Mittel, um das Kopernikanische Weltsystem nicht einfach als Glaubenssache hinzunehmen, son- dern anschaulich darin einzudringen. Sein ver- hältnismäßig geringer Preis(noch nicht 300 M.) wird trotz der Not der Zeit die Anschaffung man- cher Schule wohl ermöglichen. Im geschäftlichen Teil der Verhandlungen wurde der Vorstand beaustragt, zu versuchen, bei den Untcrrichtsbehörden und in den Tageszeitungen einen scharfen Vorstoß gegen den überhand- nehmenden Unfug der Astrologie(Stern- deuterei) zu unternehmen, der sich zu einer wahren Volksscuche entwickelt hat Bt. Rundfunk um Abend Montag, den 3, Oktober 1932 Berlin: 16.05 Der Vorstoß des Pan- fslamisnius gegen das Nordtor Indiens (H. K. Heiland). 16.30 Lieder. 16.43 Kurt Thomas. 17.30 Die überzähligen Akademiker (A. Rocholl). 17.50 Wie es wirtsdiaftlich in Amerika aussieht(L. Bendix). 18.15 Unterhaltungsmusik. 18.35 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Unterhaltungsmusik. 19.30 Erbe und Auftrag. 20.00 Liese, das Pferd(H. F. Christians). 20.30 Tanz- und Unterhaltungsmusik. 21.43 Opernarien(Ivar Andresen). 22.13 Wetter-, Tagesund Sportnachrichten. Abendunterhaltung. 24.00 Sinfoniekonzert. Königswusterhausen: 16.00 Schul- versuche im Kreise Greifswald(Schulrat P. Hossmann). 17.30 Der Mensch in seiner Doppelnatur(Prof. Dr. H. Driesch). 18.00 Kammermusik. 18.30 Geschichte der Tribute(A. Brockdorff). 19.00 Kartoffel- Wirtschaft 1932/33(Dr. DaKras). 19.20 Funktechnik. 19.33 Schöpfung und Volkstum (Prof. Gogarten). 20.00 Das heilige Reich der Deutschen(Bundesmin. a. D. Prof. Dr. H. v. Srbik). Sonst; Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle„Vorwärts"- Boten oder die Postanstalten. $ct„Soticarli;' ecicheint wochcntiiglich zweimal, vonntaqs und Montags einmal. Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit"./ Bezugspreise: Wöchentlich 7ä Vi., monatlich 3,25 3)1.(davon 87 Vi. monatlich für Zustellung IN» Hau») im voraus zastlbar. Postbezug 3,97 M. einlchlieülich 60 Pf. Postzeitung, und 72 Pf. Postbestellgebuhren. Aüslandsabonnement 5.65 M. pro Monat: für Länder mit ermäßigtem Drnckfachenporto i.ho M.«p Ausfall der Lieferung wegen boherer Gewalt besteht kein Anspruch der Adonnenten auf Ersaß. Anzeigenpreise: Die einspaltige Millimeterzeile 30 Pf., Rrtlamezeile 1,50 M.„»leine An, eigen" das fettgedrultte Wort 20 Pi. izulasng zwei fettgedruckte Wortel, zedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über 15 Puchstaden zählen für zwei Borte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 25 Pf. Familienanzeigen Millimeterzeile 16 Pf. Anzeigenannahme im H a u p t g e s ch a f t, Lindenstr. 8, wochentaalich von SU bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor. Verantwortlich für Politik: Richard Schwärst: Wirtschaft: S. Zilingelhöser: Gewerkschaftsbewegung: 3.«teiner: Fiullleton: Herbert Lepere; Lokales und Sonstiges: Frist Karstadt: Anzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Berlin.; Verlag: Vorwärls-Verlag G. IN. b. H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin sW. 68, Lindenftraße 3. I Hierzu 1 Beilage. 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Der Blick fing fich an Bretterplonken. Durch die Ritzen war zu sehen, wie sich die Bagger tief in die Erde hineingefressen hatten. Tag und Nacht rollten die Transportbänder und schafften die herausge- wühlte Erde fort. Vom Wind erfaßter Kalk schwebte über den Abbruchstellcn. Hinter anderen Zäunen erscholl das Knacken der Mörtelmaschinen. Der ewig kreisende Betonmischer spie Ladung auf Ladung aus seiner rundlichen Oesfnung. Knar- rende Lastautos holperten über die Bohlenwege und brachten Eisenträger und fuhren Sand. In wenigen Monaten wuchsen aus Glas und Beton die Hochhäuser auf. Das Schnattern der Preß- luftbohrer, das Zischen der Schneidbrenner oer- stummte. Die Spitzhacke hatte ausgedient. Die Bauzäune wurden abgerissen. Unter der Erde war der neue Li-Bahnhof schon fertiggestellt. Oben konnte man vom Dachgarten des Hauses „Berolina" aus den Fortschritt der letzten Ar- bellen verfolgen, die dem Alexanderplatz ein neues Gesicht gaben. Schottersteinhaufen und qualmende ' Teerkessel umrahmten den Weg der zukünftigen Fahrstraßen und zeigten die Lage der Verkehrs- infeln an. Und jetzt wird es nur noch wenige Wochen dauern, dann rückt die letzte Arbeits- Mannschaft ab, dann fällt der letzte Bauzaun. Un- behindert wird der Verkehr über den Platz fluten und die Kontorhäuser umbranden. Den Strudel des Verkehrs Aus allen Richtungen quillt die Flut des Verkehrs über den Platz. Die Puffe schaukeln brum- mend heran, plauzend entweichen den Auspuff- topfen der Autos Qualmschwaden, vom Stadt- bahnhof tönt das Donnern der einfahrende» Züge herüber, die Straßenbahnen kreischen in den Kur- ven, Radfahrer flitzen klingelnd durch die schmalen Lücken im Wagenverkehr. Aus den Bürgersleigen hetzt der Schwärm der Fußgänger: keine Zeit, keine Zeit... Einkaufende Hausfrauen, in die Büros haftende Angestellte, Stadtreiscnde mit Musterkosfern, elegante Nichtstuer, abgerissene Strichjungen. Straßenmädchen stelzen mit hohen-» Absätzen und maskenhaft geschminkten Gesichtern einher. Sie stehen an den Hauswänden, ihre Ge- sichter sind eine Speisekarte der Liebe, und ihre Augen gehen lockend zu den Männern. Figuren mit Wochenbärten lungern, die Hände in den Hosenlaschen vergraben, nach einem Geschäft, immer bereit, sich und andere zu verkaufen. Die Ballonmützen tief ins Gesicht gezogen, lehnen sie an den Häuserwänden. In ihren Augen glimmen unheimliche Lichter. Ihre Gesichter blicken finster. Die Zeitungsverkäuser suchen mit ihrem Geschrei den Straßenlärm zu übertönen. Rasierklingenver- käuser und Seisenhändler bevölkern die Bord- schwellen. Schlipse dunkler Herkunft werden an- geboten. Wenn ein Schupo sich nähert, stieben die wilden Händler auseinander. Eine alte Frau sitzt und singt mit brüchiger Greisinnenstimme ein längst verklungenes altes Lied. Dazwischen:„Der neueste Plan von Berlin zum Austlappen. Nur 111 Pfennige, nur ein'n Jroschen!— Professor Doktor Magnus Hirschfeld, statt eine Mark nur ein'n Jroschen!" Hinter den großen Fensterscheiben der Schnellimbißhallen stehen Passanten, die hastig eine Molle herunterstürzen. Ostjuden mit Kork- zieherbärten, schwarzen Hüten und fleckigen Kas- tanen schieben sich mit den Händen gestikulierend durch die Menge. Ein biederer Provinzler mit braungegerbtcm Gesicht und grünem Lodenmantel sucht unsicher seinen Weg. Er wird von dem Trubel ausgesogen und mit weggespült. Un der„Vitinze" Vor den Bierquellen der Münzstraße locken die Preistafeln In den Schaufenstern liegen gebrühte Schweinsköpfe, Klopse, Bouletten und Würstchen. Aus den geöffneten Türen kommt der Kneipen- mief und scheppernde Musik von Blech und Pauken, die von dem Gröhlen Angetrunkener heiser synkopiert wird. Innen hängen Papier- girlanden, Nutten hocken trübselig bei einem schalen Glase Bier, Leute van unbeslimmtem Aus- sehen wollen„echt goldene" Uhren aus Tombak verkauscn. Wenn das alkoholische Wirkungen treibende Gehämmer der Kapelle pausiert, wird der Lautsprecher eingestellt, und Violinen dehne» nasale Liebeslaule. Die Kinos in der„Münze" haben heute auch schon die Leierkästen durch die Tonsilmapparatur ersetzt. Vor den grellbunten Aushängeschildern stehen Ausrufer mit Schellen und laden zum Eintritt. � Der lange, niedrige Zuschauerraum mit den unbequemen Holzbänken ist überfüllt. Die weni- gen Ventilatoren bemühen sich vergeblich, die von billigem Parfüm und menschlichen Ausdünstungen durchsetzte Luft zu erneuern. Auf den Holzbänkcn sitzt, an den Wänden lehnt ein buntgemischtes Publikum: schlasendc Vagabunden, zärtliche Liebespaare, Dirnen, Zuhälter, Verbrecher, alle Leute, die nichts anderes zu tun haben, als womöglich schon am frühen Vormittag im Kino zu Eine Studie— Von Erich Preuße sitzen. Der Vorsührungsapparat surrt, auf der Leinwand regnet es, daß einem die Augen weh tun beim Hinsehen. Früher stampfte hier ei» Musikapparat uralte Schlager. Wenn dann der Held auf der Leinwand einen gefährlichen Kampf zu bestehen hatte und die wenigen Zuschauer, die ihre Aufmerksamkeit den Bildern zuwandten, vor Erregung auf den Plätzen hin- und herrutschten, dann spielte der Leierkasten höchst gemütlich:„Wenn ich die blonde Inge— nach Hause bringe..." Heute streckt Heinrich George unter dem Bei- fall sämtlicher im Zuschauerraum anwesenden Ganoven den Gefängnisinspektor Wallace mit einer Kugelgarbe aus der Maschinenpistole nieder. Uebrigens: Ganoven... Da stellen sich bei unserer von Kriminalromanen bedienten Phantasie romantische Assoziationen ein. Das Leben der Existenzen an der Peripherie der Gesellschaft ist bar jeder Romantik. Ihr Gott ist der elementare Trieb, ihr Gesetz die Selbstcrhaltung. Das wird dann die„verbrecherischen Instinkte" genannt... Uterdegann eines„Sßerbers" Er hat keinen Vater gehabt. Seine Mutler war eine polnische Saisonarbeiterin. Seine Kindheit verbrachte er in Findelhäusern, in Kneipen, in kleinen Gemüsekellern der Vorstadt. Dem Jugend- gericht blieb er nicht unbekannt. Nach seiner Eni-, lassung aus der Fürsorge schüttelte er jede Form von Bindung als unerträglichen Zwang ab. Er fühlt sich in seinem Dosein bedroht, wenn er arbeiten soll. Aus der Fabrik wird er deshalb herausgeschmissen. Er zerschneidet die letzten Bande, die ihm Halt bieten könnten. Er tritt endgültig und für immer aus der sogenannten bürgerlichen Gesellschaft aus. Er sucht in über- quellendem, mißleitetem Freiheitsdrang das Glück auf der Landstraße. So vagabundiert er nun um- her: barfuß, ohne Papiere, mit dem Knüppel in der Hand. Da und dort findet er Kameraden, die ihn verstehen und mit denen ihn eine Interessen- gemeinschaft verknüpst. Bon der Brotrinde bis zum Ende Wurst ist ein verbissener Kamps... Ein Ding wird gedreht. Darauf zerstreut man sich in alle vier Winde. Er kommt nach Berlin. Er übernachtet in den Asylen und in Güterbahn- hosen. Seine Nahrung sucht er sich aus den Abfällen der Markthalle zusammen. Schließlich nimmt ihn ein Mädchen auf, das er in einer sentimentalen Anwandlung an Iugendgeliebten erinntert hat. An dem Mädchen bleibt er hängen. Davon lebt er nun. Wenn sie nichts verdient, dann schlägt er sie. Aber trotz allem hat er sie gern. Ihre hysterischen Ausbrüche er- widert er mit unbeholfenen Liebkosungen. Eines Tages kommt dos Mädchen ins Kranken- haus. Er ist nu wieder ohne Einkünfte. Er ist ein gewisses Wohlleben gewöhnt. Das Hunger- dasein früherer Tage kommt für ihn nicht mehr in Frage. So nimmt er denn einen brauchbar Wenn er genügend bekannt ist und Mut zeigt, dann findet er Anschluß bei einer Kolonne, die den Einbruch im großen Etil betreibt. Er wird in einen Ringverein aufgenommen, bekommt seine guten Annoncen lTips> und sährt mit seinen Kumpanen mit Oelpumpe und anderem modernen Einbruchswerkzeug ausgerüstet im Auto auf Ga- noventour. Wenn er Glück hat, dann verdient er schweres Geld. Zigaretten sind sehr gefragt, Schmucksachen weniger. Es ist nicht unmöglich, daß er nach wüsten Jahren des Ausgestoßenseins sich in die Bürgerlichkeit zurückreitet und als be- häbiger Kneipier seine Tage beschließt. Hat er aber keinen Mumm, dann versucht er in den Kneipen Dumme zu finden und die„Stiere" mit „echt goldenen" Uhren aus Tombak„zu verladen". Wenn er Pech hat, dann„kappen" ihn eines Tages die„Bullen", die Kriminalbeamten. Dos ist der„Berber" voni Alexanderplatz. Er ist der Außenseiter des Proletariats. Er kennt nicht dessen Klassenbewußtsein. Aber er kennt seine Not und seinen Hunger. Schluß-Speech Die Taren slitzcn über den Aspholt. Das Ge- Hämmer der Musik dringt aus den Kneipen. Die Strichmädchen lehnen an den Häuserwänden. Und immer Bewegung und immer Leben. Tag und Nacht. Wenn es um 2 Uhr morgens so scheint, als sollte eine Atempause eintreten, dann kommen schon die Markthelser, dann beginnt in den Obstgrohhandlungen der Kaiser-Wilhelin- Straße, dem süßlich dustende» Covcnt Garden Berlins, der neue Arbeitstag. Tag für Tag, Rächt für Nacht geht es auf dem Alexonderplatz ums nackte Leben. Und um des nackten Lebens willen fesselt und reizt uns fein Getriebe. Marx und sozialistische Aktion Als Karl Marx die Grundzüge seines Weltbildes entwarf, war die hochkapitalistische Entwicklung der Wirtschaft erst in ihren Ansängen sichtbar. Daß diese Entwicklung nicht übersprungen werden konnte, ist Marx klar gewesen. Erst wenn der Ka- pitalismus seine höchste Entsaltung erreicht hat. ist der„Umschlag" zu einer neuen sozialistischen Ord- nung der gesellschaftlichen Verhältnisse möglich. „Eine Gesellschastsformation geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue höhere Produktionsverhältnisse treten nie an die Stelle, bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im Schöße der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet worden sind." Marx mußte sich also immer mit aller Schärfe gegen alle jene Formen von„Sozialismus" wenden, die von einem konstruierten Idealzustand einer gesellschast- lichcn Ordnung ausgingen. Die sozialistische Ge- staltung der Welt ist also ausdrücklich an„die ina- teriellen Existenzbedingungen" gebunden, die Marx vor mehr als sechzig Jahren nur in ihrer t e n- d e n z i e l l e n Entwicklung vorausgesehen hat und auch nur so voraussehen konnte. Wenn auch die Gestaltung einer sozialistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung bis in ihre Einzelheiten der Gegenwart überlassen bleiben inuß, die die Entwicklung der Produktivkräste für genügend fortgeschritten hält, so hat sich Marx die Frage nach dem sozialistischen Ausbau im all- gemeinen sehr wohl gestellt, und es ist wichtig, gerade jetzt diese Ideen mit unserer gegenwärtige» Ausfassung einer sozialistischen Aktion in Einklang zu bringen. Eduard Heimann hat unlängst in seiner bedeutenden Schrift über die„Sozialistische W i r t s ch a s t s- und Arbeitsordnung" auf die klassische Stelle im„K a p i t a l" hinge- wiesen, wo Marx am Schluß des berühmten Kapi- tels über„die geichichtliche Tendenz der kapitalistischen Akkumulation" Aufgabe und Ziel der Sozialisierung umschreibt. Diese Stelle hat solgen- den Wortlaut:„Die aus der kapitalistischen Pro- duklionsweise hervorgehende kapitalistische Aneig- nungsweise, daher das kapitalistische Privateigen- tum, ist die erste Negation(Verneinung) des indi- viduellen, aus eigene Arbeit gegründeten Privat- eigentums. Aber die kapitalistische Produktion er- zeugt mit der Notwendigkeit eines Naturprozesses ihre eigene Negation. Es ist Negation der Rega- lion. Diese stellt nicht das Privateigentum des Ar- beiters wieder her, wohl aber das individuelle Eigentum auf Grundlage der Errungenschaft der kapitalistischen Aera: der Kooperation(Zusammen- arbeit) und des Gemeinbesitzes der Erde und der durch die Arbeit selbst produzierten Produktions- mittel." Die Verwandlung des auf eigener Arbeit der Individuen beruhenden zersplitterten Prioateigen- tums in kapitalistisches ist natürlich ein Prozeß, ungleich langwieriger, hart und schwieriger als die Verwandlung des tatsächlich bereits auf gesell- schaftlichem Produktionsbetrieb beruhenden kapi- talislischen Eigentums in gesellschaftliches. Dort handelte es sich um die Expropriation(Enteignung) der Volksmasse durch wenige Usurpatoren(von widerrechtlich enteignen), hier handelt es sich um die Expropriation weniger Usurpatoren durch die Volksmasse." Diese wenigen Sätze enthalten in gedrängter Form den wesentlichen Inhalt des marxistischen Sozialismus. Der Marxismus will das Privat- eigentum ausheben, um das individuelle Eigentum wiederherzustellen. Der Mensch hat in der kapitalistischen Aera sein Menschentum verloren: er ist zur Ware geworden. Erst wenn die Produktions- mittel Gemeinbesitz, also vergesellschaftet werden, wird der Mensch aus der Herrschaft der Sachen befreit, wird er sich selbst zu eigen. Steht also di« Zielidee bei Marx fest, so muß die Verwirklichung im einzelnen der kämpfenden Gegenwart überlassen bleiben. Daß es sich hier auch um eure» geschichtlichen Prozeß han-' delt, wenn auch um einen wesentlich kürzeren als den der kapitalistischen Entwicklung, hat Marx deutlich gesehen: nicht nur in den obigen Sätzen. In den Randglossen zum Gothaer Programmentwurf (1875) zeigt Marx am Beispiel des Rechts, daß das formal gleiche Recht eigentlich ein Recht des Unrechts sei: auch die erste Phase einer sozio- listischen Gesellschast,„wie sie eben aus der kapita- listischen Gesellschaft nach langen Geburtswehen hervorgegangen ist", kann von Mißständen nicht frei sein. Erst in„einer höheren Phase der kom- munistischen Gesellschaft, nachdem die knechtisch« Unterordnung der Individuen unter die Teilung der Arbeit, damit auch der Gegensatz geistiger und körperlicher Arbeit überwunden ist..., nachdem mit der allseitigen Entwicklung der Individuen auch die Produktionskräfte gewachsen sind und alle Springquellen des genossenschaftlichen Reichtums voller fließen— erst dann kann der enge bllrger- lichc Rechtshorizonl ganz überschritten werden und die Gesellschast auf ihre Fahnen schreiben: Jeder nach seineu Fähigkeilen, jedem nach seinen Bedürfnissen!" Die Ameisen in der Glaskugel Ein großes New-Porker Warenhaus verkaufte in seiner Spielwarenabteilung lebende Ameisen. Zwischen den zwei Hälften einer Glaskugel, die von gummiertem Papier zusammengehalten wur- den, kribbelten eine Gemeinschaft kleiner brauner Ungeheuer durcheinander und arbeitete. Der Ver- käuser hatte den Ameisen ein wenig Sand ge- streut, in den sie strahlenförmige Gänge bauten. Im Mittelpunkt saß ein Geschöpf, größer als die anderen, nahezu ständig unbeweglich. Es war die Königin, die von den Arbeitsameisen respektvoll gefüttert wurde. „Sie machen keinerlei Mühe", erklärte der Ver- käuser.„Alles, was Hie zu tun haben, ist, einmal im Monat einen Tropfen Honig durch diese Oeff- nung zu träufeln. Nur einen Tropfen, und die Ameisen sorgen fiir seine Beförderung und Ver- teilung." „Nur einen Tropfen im Monat?" fragte die junge Dame.„Ein Tropfen ernährt die ganze Gesellschaft einen Monat lang?" Sie trug einen weichen Hut, der bis aus die linke Augenbraue in die Stirn gerückt war, und ein geblümtes Musselinkleid. Ihre Arme waren bloß. Der Verkäufer, der jung war, betrachtete sie gedankenverloren. „Ein Tropfen genügt", wiederholte er. „Das ist fabelhast", sagte sie. Und sie kaufte den durchsichtigen Ameisenstaat... „Liebling", sagte sie,„hast du meine Ameisen gesehen?" Sie hielt die dünne, kribbelnde Glas- tugel zwischen ihren blassen Fingern mit den rot gefärbten Nägeln. Ihr Gatte, der neben ihr saß, bewunderte die Biegung ihres Nackens. „Wie interessant du einem das Leben machst, Liebste", sagte er.„Mit dir ist alles neu und viel- geftoltig. Gestern abend: das Konzert: den Tag vorher: der Vortrag Adlers: heute: diese Ameisen... Od» kannst dir nicht vorstellen, wie erholend das für mich ist, wenn ich abends heim- komme..." „Schau. Liebling", rief sie mit jener kindhaste» Ueberschwenglichkeit, die er liebte(und was sie wußte),„siehst du diese Riesenameise? Do? ist die Königin. Die anderen dienen ihr. Ich füttere sie selber. Und stell dir vor, Liebling, ein Tropfen Honig im Monat ist genug. Ist das nicht poetisch?!" Er küßte sie.. Nach Ablauf einer Woche waren ihr Mann und ihre Freundinnen sämtlich des Ameisenhaufens müde. Auch sie war seiner müde. Sie stellte ihn in ihrem Zimmer hinter den goldgefaßten Spiegel, um ihn nicht mehr sehen zu müssen. Am Ende des Monats vergoß sie den Tropfen Honig. Die Ameisen starben langsam Hungers. Aber bis zum Schluß bewahrten sie einen Tropfen Honig für ihre Königin auf. Sie starb als letzte. (Berechtigte Uebertragung von Hans B. Wagenseil.) Angeklagter Schieppegreils Bruno N e l i s s e n Haken, der Verfasser des„Bluthundes"— dieses Romans des kriegs- beschädigten Proleten, dessen sinnlos krankhaftem Protest die tödliche Polizeikugel ein Ende macht—, hat einen Justizroman, Angeklagter Schleppegreils(Verlag Eugen Diederich), geschrieben. Einen Roman des Meineidspara- graphen, der richterlichen und staatsanwaltlichen Verblendung— den Roman eines unschuldig Verurteilten. Der Inhalt könnte wahr sein. Der Versasser, Jurist, plaudert die Geheimnisse des Beratung-- zimmers aus, er kennt die Seelcnvorgänge von Richter und Staatsanwalt, die Gerichtsverhand- lungen sind voller Spannung, die Dialoge meister- hast— wie wäre es mit einem dramatischen Schleppegrells?— die Plädoyers der Parteien vorzüglich aufgebaut, die Acußerungen der Preise zu den einzelnen Phasen der verschiedensten Pro- zesse halten stets Maß, find nirgends übertrieben. Der Roman verdient höchste Beachtung und wird sie finden. lieber die Art der Darstellung kann man oer- schiedener Meinung sein. Sie wird immer wieder durch pathetische Ansprachen an einzelne Akteure unterbrochen, die Einheitlichkeit leidet darunter. Der wahrhaft große Schriftsteller bedarf dieser Mittel nicht, um den Eindruck zu erhöhen, er wirkt durch die Darstellung selbst. L.eo Rosenthal. Motore in Ruhlehen Die zwölf Motorradrennen des ADAC. Auf der Trabrennbahn in R u h l e b e n, wo sonst vierbeinige Hafermotore die Bahn um- kreisen, jagten sich gestern Benzinhengste. Der Allgemeine Deutsche Automobilklub hatte zwölf Motorradrennen für Solo- und Bei- wagenfahrer ausgeschrieben und von kurz nach 1 Uhr bis fast zum Dunkelwerden rasten Menschen und Maschinen um Gerade und Kurven. Herbstlicher, scharfer Wind machte den Aufenthalt nicht gerade angenehm! es gab direkt rote Aasen und in der Pause setzte ein heftiger Sturm — diesmal auf den warmen Kaffee ein(die Tasse zu 40 Pf., bstt«!). In dem Rennen gab«s oft scharfe Kämpse, am Start manches erheiternde Moment. Die Männer, die da mit einer Durchfchnittsgefchwindig- keit von einigen 90 Kilometern ihre Rennen iuhren, haben zwar das bekannte gute Herz auf dem rechten Fleck, aber äußerlich sind sie meist von einer bemerkenswerten Rauheit. Ja, sie können grob, saugrob werden, wenn„Hermann", der Monteur, irgendwas an der Maschine oer- baut hat. Aber im Augenblick sind sie auch wieder gut wie die Kinder. Einer, es war der sehr gut fahrende Günter Ryll, hatte an seiner— gelinde gesagt— etwas antiquarisch aussehenden Ma- schine Schwierigkeiten mit dem Tankoerschluß oder was jetzt an dessen Stelle war. Einen Lappen hatte er schon dichtigkeitshalber herum- gewickelt, aber es tropfte immer noch. Da ließ er sich eine Minute vor dem Start von„Hermann" dessen Tafchentuch geben und wickelte es auch noch herum.„Kriegst et nachher wieda!" versprach er bieder. Den wohlgemeinten Rat eines Zu- jchauers, einen Negerkuß als Tankverschluß zu nehmen, verschmähte er. Die geringste Abweichung von der Norm wird von den sachverständigen Zuschauern selbstver- stündlich kritisiert. Hat ein Fahrer seine Auto- drille nach unten durch ein Leder verlängert— damit ihm nicht Kieselsteine in den Mund fliegen—, so hat er„een Kuchenblech vort Iesichte". Der alte Kämpe Thevis trug einen Sturzhelm, an dem eine größere Zelloloidplatte als Gesichts- und Augenschug angebracht war. Das hatte die Tribüne sofort spitz und in edler Uebertreibung warf man ihm vor, er fahre in einer„Limousine"! Warum sollen Motorradrennen auf einer stachen Bahn nicht interessant sein? Was die Fahrer dabei an Kurventechnik zuwege bringe» müssen, ist erstaunlich. Nicht selten stellen sich die Räder, durch Schwung und Fußbremse getrieben, vollkommen quer zur Fahrtrichtung. Diese rasen- den Ungeheuer dann mit dem innerseits befind- lichen Fuß abzufangen, das sind Kunstftückchen, die erlernt sein wollen. Leichte Rennschuhe kennen die Fahrer nicht. Schwere Schaftstiefel tragen sie an den Beinen! viele haben den linken Stiesel noch mit Eisenbeschlag bewehrt. Und das kratzt und schleift dann über den feinen Kies, daß selbst bei gesprengter Bahn der Staub nur so hochwirbelt. Oder die Mitfahrer in den Bei- wagenrennen! Das stemmt sich in der Kurve nur mit einem Bein in den kleinen Kasten, den man Beiwagen nennt. Alles andere vom Mann hängt nach der Innenseite zu— über Schutzblech und Rad. Teufelskerle sind chiese Motorradrennn- iahrer! Im Gesamtklassement der drei Läufe des Rennens für Lizcnzfahrer siegt« nach wirklich hartem Kampf Erich Bertram aus Rudge-Sport, obschon Günter Ryll beispielsweise im zweiten Laus die acht Runden zu je 1200 Meter in 5,50% Minuten herunterrasselte und damit einen Stundendurchschnitt von 99,8 Kilo- inetern erreicht hatte. Aufregende Momente gab es auch im Beiwagenrennen für Lizenzfahrer. Thevis setzte sich alsbald an die Spitze, hart bedrängt von Köhler- Leipzig. Was Thevis in den Geraden gut machte, holte der Sachse in den Kurven gut wieder ein, so daß es schließlich doch zu einem schönen Siege von Köhler kam. 89 Kilometer hatte er mit Stundenmittel gefahren. Ergebnisse der 'Rennen: Zolomaschincn bis Z.>l> cmi(8 Runden): 1. Ryll-Bcrli» 'Rliulburnei 8:02,3(91,2 ötbf.); 2. Binder-Laam-Berlin (-3155.) B:14,l.— Bis.'iflO com(Match in drei Läuten, 8 Runden). 1. Lauf: Bertram-Berkin Rudg«) Z:ä2(99,2 Stdk.): 2. Ziemer-Berlin<5unbeam> 3:32,4.— 2. Laut: I. Vertram 0:91,1.(96,8 ötbf.): 2.(Sigaenbach.Mudldorf (Rubge) B;07,l.— 3. Lauf: I. Ryll. Berlin(9155.) 3:30,2 (99,8 Stbf.): 2. Bertram 3:35,1.— Gesamt: 1. Bertram 17®.; 2. Ziemer und(Siggcnbach je 11 P.i 4. Rnll 0 P.— Haffnungsiauf ilbcr 19 Runde», unbeschränkte Klasse: 1. Brandt. München(Rudge) 7:33,1(93,4 Stdk.): 2. Kirsten. Berlin(Rudge) 8:91,3.— Hcrausiorderungskampf, fünf Runden: 1. Bertram 3:28,1(193,9 Stdk., schnellste Zeit des Tages): 2. Rnll<-A5S,) 3:28,2,— Seitenmagenmaschinen bis 990 ,'NI(19 Runden): 1. Käbler.Leip.iig(Mototacochc) 8:96,3<89 Etdk.I: 2. Lahncr.Munchen(Rudge) 8:11.4.— Heber 899 rem(19 Runden): 1. SoMer 8:91,2(90,2 Stdk.): 2. Thc-i» 8:09,3. Ueberraschung im Arbeiterfüßball Pankow schlägt Nord mit 2: 0 A rbeiter- Tennis Vereinsmcistcrschaftcn der FTGB. Als Abschluß der Freiluft-Tennissaison kamen die wiederholt wegen schlechten Wetters ver- ichobenen Konkurrenzen im Frauen- und Männer- Einzel der Tennis- Abteilung«» der Freien Turnerschaft Groß-Berlin auf den Plätzen im Volkspark Neukölln zum Aus- trag. Im Frauen-Einzel gelang es der Spitzen- spielerin Fräulein Wünsch mit ihrem harten und placierten Spiel alle Gegnerinnen überlegen aus- zuschalten. Im Schlußspiel gegen Fräulein Franz zeigten beide ein schönes Tennis mit langen harten Bällen von der Grundlinie aus. Wünsch gewann die Vereinsmeisterschaft mit dem Resul- tat von 6:4, 6:1. Ueberraschend spielte sich Fräulein Mädel bis zur Vorschlußrunde durch, in der sie von Fräulein Franz nach einem Dreisatz- kämpf geschlagen wurde. Mädel, die gute Fort- schritte zeigte, wird auch in Zukunft zu beachten sein. Auch im Männer-Einzel gelang es Günther auf Grund seiner Turniererfahrüng Verhältnis- mäßig leicht, die Meisterschaft gegen Streu mit 6:2, 6:3 zu gewinnen. Lediglich I a g u s ch er- kämpfte sich in der Vorschlußrunde gegen Günther einen Satz. Erfreulich war das gute Abschneiden des Nachwuchsspielers R e i f s ch l ä g e r, der gute Veranlagung zeigte. Wasserball-Serie Die ersten Spiele Die ersten Serienspiele der Arbeiter- Wasserballer begannen gleich mit einer kleinen Enttäuschung. Lichtenberg kam am Sonnabend seiner Spielverpflichtung gegen Eharlottenburg nicht nach, so daß die Charlottenburger ohne Spiel und Gegner geblie- ben wären, wenn nicht ihre zweite Mannschaft, die einer anderen Gruppe der.V-Klosse zugeteilt ist, eingesprungen wäre. Die„Erste" landete einen erwartungsgemäß hohen Sieg von 14: 5 Toren, doch leisteten die Unterlegenen teilweise recht guten Widerstand und bewiesen vor allem einen unentwegten Kampfgeist, so daß das Treffen stets flott und interessant blieb. Am Sonntag wartete der-V-Klasse-Neuling Potsdam mit einer Ueberraschung auf. Sein Gegner Freiheit konnte sich gegen die eifrig und vor allem schnell spielenden Potsdamer nie recht zur Geltung bringen. Bei Freiheit mangelt es nach wie vor trotz der einjährigen Spielerfah- rung in der �,-Klasse an System. Die Verteidi- gung bot den Potsdamer Stürmern durch zu weites Aufrücken in der zweiten Halbzeit klare Chancen, die von diesen auch prompt ausgenutzt wurden. Das Spiel ging mit dem Ergebnis von 4:2 für Potsdam dem Spielverlauf entsprechend zu Ende. Bei einiger Verbesserung in der Ball- behandlung wird Potsdam für die.1-Klasse einen recht guten Gegner abgeben. Was zu berichten ist pistulla„siegle". Im Hamburger Punching hatte der nach langer Krankheit genesene ehe- inalige Halbschwergewichtseuropameistcr Piftulla seinen ersten Erfolg. Er konnte Bredow in der zweiten Runde auf einen harten Rechten über die Zeit auf die Bretter schicken. Damit ist aller- ding? noch nicht bewiesen, daß es Pistulla nicht nötig hätte, sich noch weitgehende Schonung auf- zuerlegen. höhnet zum siebenten Male deutscher Meister. Die Sportliche Vereinigung Osram brachte am Sonntag von ihrem Sportplatz in Bcrlin-Nicder- schöneweide aus die diesjährige Deutsche- Meister- ichaft im Gehen über 50 Kilometer zur Durch- führung. Der Titel in der Einzelmeisterschaft siel während in der Mannschaftsmeisterschaft über- zum siebenten Male an den Erfurter Hähnel, ragend der Berliner Athletik-Klub triumphieren konnte. Wenn an einem Sonntag im A r b e i t e r f u ß- ball Ueberraschungen ausbleiben, so gibt es am nächsten bestimmt um so größere. Für eine solche sargte gestern die Freie Sportvereins- gung Pankow in ihrem Treffen gegen den Fußballklub Nord. Nachdem die Pankower bisher in ihren Spielen nur wenig Gutes gezeigt hatten, wurde Nord als sicherer Sieger angesehen. Wohl auch Nord selbst glaubte die Punkte schon in der Tasche zu haben, da wurde das Unwahr- scheinliche gestern zur Tatsache. Ausgeregt und hart begann dos Spiel, bei dem die Pankower nur mit 10 Mann antraten. Von beiden Seiten wurde auf Sieg gespielt, so daß einige Härten unvermeidlich waren. Der Schieds- richter hatte das Heft aber stets in der Hand. Erst nach 35 Minuten Spielzeit gelang es Pankow, den Torwart Nords zum erstenmal zu über- winden. Einen scharfen Schuß des Halbrechten gegen die Latte fing der Halblinke aus der Luft auf und schoß scharf und unhaltbar ein. Die zweite Halbzeit stand dann ganz unter dem Zei- chen der Pankower. Die Nordleute oerstanden es aber, alle noch so gut gemeinten Angriffe sicher abzuwehren. In der 80. Minute war es dann aber doch geschehen, der Halbrechte Pankows war es wieder, der einen Weitschuß anbringen konnte. Nachdem jede Mannschaft noch einen Handelsmeter zugesprochen erhielt, der von Pankow verschossen, von Nord wohl scharf getreten, vom Torwart Pankows aber noch besser gehalten wurde, schloß das Spiel mit 2:0 für Pankow. Dcr»rste Scrirnionntag im cisten Bezirk kiättc deinadr rdenfalls cinc Ucdcrrniäiung gcbraäir: Konntc Norinannia doä) nur knapp mit 2:1.gcgcn Eintracht. Mahlsdorf gc- winncn. Lichlrnbcra 1 schlug Oft glatt mit 3:0. Kicker» mußte sich dem besseren Spiel der Butab-Leutc mit 2:3 beugen. Tortuna gewann gegen den porjährigen Kreis» meiner Eintracht. Reinickendorf hoch mit 8:0. Minerva und tzrienenau trennten sich beim Ergebnis vpn 6:1. Vor. wärts-Dedding machte unsere Befürchtung durch einen sicheren 4:9,(Sieg über Borsigwalde zufchanden. Ale- manbtia gewann gegen Grün.Kciß 0:1. Ein merkwürdiges Bälklein scheinen die Saxonen zu sein. Ist ihnen eine Niederlage sicher, so fangen sie an unfair zu spielen. Gegen Adler 98 Musitc deshalb da» Spiel beim Stande von'4:1 für Adler abgebrochen werde», A rbeiter-Handball Lichtenberg und Kaulsdorf erste Punktsieger Der VfL.- Ost ring enttäuschte im Hand- b a l l s p i e l gegen die F T G B,- L i ch t e n- b e r g. Nach dem Anpfiff fand sich Lichtenberg sofort und lag bald mit 3: 0 im Vorteil. Plötzlich kam Oftring gut durch und die Partie hieß 3: 1. Lichtenbergs Angriffe wurden immer besser. Die vorbildliche Kombination brachte es mit sich, daß sich Lichtenberg sehr gut freispielen konnte und placierte Tore schoß. 7: 1 lautete da» Resultat zur Pause. Lichtenbergs Ueberlegenheit hielt dann weiter an. Ostring zeigte dann und wann gute Durchbrüche, die aber durch die unent- schlossene Spiclweise der Stürmer keine Erfolge brachte. Bei Oslring mangelte es in der Hauptsache am sicheren Fangen, dem genauen Zuspiel und einer zweckmäßigen Kombination, Des weite- ren zeigten sich die Stürmer den sich bietenden Gelegenheiten gegenüber vollständig hilflos. Lichtenberg war äußerst schnell, fangficher und energisch im Torschuß. Trotz einer schwachen Viertelstund« in der zweiten Hälfte des spiele» verstand es Lichtenberg immer wieder, Tore zu schießen. 13:4 gewann Lichtenberg. Der TSV.-Kaulsdorf Hielt sich an die Aorfchau und siegte mit 13: 1 ganz überlegen gegen FTGB.-Osten 2. Kaulsdorfe Sturm ar- beitete in jeder Weise gut zusammen uich schoß aus jeder Log« auf das Tor. Die Mannschaft war besser als bei Osten. Bei Osten wurde der Ball zu Hilflos angenommen und weitergespiell. Bczirk-klass« Osten: Eintrocht-M-hIsdork 2 überrascht« und kam aus Strausberg mit einem 14:l-(3:l)»Ergebm» heim. FTGB. Lichtenberg 2 fertigte die FTGB. Baum- fchulenweg mit 7:3(4:3) ab. llnentlchicden endet« die Baarung TSV. Raulsdorf 2 gegen ZTGB. Osten 3 3:3. B