Morgen-Ausgabe Nr. 469 A 229 49. Jahrg. Rebaltlon unb Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: A7 Amt Dönhoff 292 bis 297 Telegrammadresse: Sozialdemokrat Berlin BERLINER VOLKSBLATT MITTWOCH 5. Oktober 1932 In Groß- Berlin 19 Pf. Auswärts...... 15 Pf- Bczugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe am Schluß des redaktionellen Teils Jentvalovsan der«Sozialdemotvatischen Oaetei Deutschlands Rechtsungültig! Kindermißbrauch am Hitler-Tag 120 Teilnehmer des Aufmarsches mußten ins Krankenhaus In den Potsdamer Krankenhäusern liegen 12vidrteer Lohnabbau. Professor Dr. Hugo Sinzheimer- Frank- furt a. M. sprach über den Kamps für das Recht. Das Gefährlichste in der Rechtsnot unserer Zeit, die eine allgemeine Rechtenot ist, stelle die Vernichtung des demokrati- schen Rechts dar, d. h. des Rechtes der Men- schen, Menschen zu sein. Die Vernichtung des Rechtes der Menschen, die nichts anderes als Macht einsetzen können, als ihre Arbeits- kraft. Dieses Recht ist gefährdet, wenn nicht schon vernichtet. Das ist die Rechtsnot. Den Be- griff der Präsidialregierung kennt die Reichsver- faffung nicht. Der Kanzler und die Minister sind nicht dem Präsidenten verantwortlich, sondern dem Reichstag. Die Verfassung ist entstanden auf Grund eines Paktes zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Dieser Pakt hat die neue soziale Ordnung begründet. Cr war der Geburtsakt der Verfassung. Der Artikel 165 der Verfassung bringt die Unabdingbarkeit des kollektiven Willens jedem Individuellen Einspruch gegenüber zum Ausdruck. Die Notverordnung vom 5. September, und in noch viel höherem Maße die heute herausgekommene Ergänzungs- Verordnung verletzen die Verfassung. Sie schassen eine Rechtsnot auf dem Gebiete des Kollektivrechtes der Arbeiter. Der Arbeitgeber kann nach dieser Verordnung, unabhängig von dem Inhalt des Vertrages, ihn einseitig ändern, während der Artikel 165 der Verfassung die Mitwirkung des Arbeitnehmers festsetzt. Die heutige Notverordnung stellt einen Versuch dar, das Streikrecht aufzuheben. In solch einem Augenblick muß man an die Worte Lassalles mahnen:„Es kann eine Zeit kommen, da die Ware Arbeit sich als Mensch gebärden wird." Es wird keine Schuld der Belegschaft sein, wenn sie in einen Ausstand tritt. Durch diese Handlung' begeht sie keinen Friedens- und gsgen das Volkshaus vorgingen. Ein SS.- Mann mit schwarzer Mütze habe aus nächster Nähe aus die Mitteltür geschossen. Gleich darauf sei gerufen worden:„Schreiber ist ge- troffen!" Dann wurde Höhne selbst nieder- geschlagen. Der angeklagte Bäcker Paul Nütz aus Bunzlau sah, daß die SA.-Leute schon beim Nahen ein Bein über die Wagenwand des Autos gesetzt hatten, um rascher abspringen zu können. Der angeklagte Töpfer Fritz Jung aus Bunzlau schilderte, wie die Nazibanditen noch mit Knüppeln auf den am Boden liegenden nieder- geschossenen Reichsbannerkameraden Schreiber einschlugen, wobei ihm der Schädel zertrümmert wurde. Auch dieser Angeklagte wurde dann miß- handelt. Der Angeklagte Lach mann sah, wie Schreiber, neben den er trat, den tödlichen Schuß erhielt. Auch er selbst wurde mit Messern und Schlagwerkzeugen schwer verletzt. Der minderjährige Glasmacher B u f« sah eben- falls, wie der SS.-Mann auf Schreiber schoß, der angeklagte Metallschleifer Hermann Matthäus, wie in den Flur des Volkshauses hineingeschossen wurde. Zu Beginn der Beweisaufnahme bestätigte Kriminalassi st ent Böttger, daß die Nazis in breiter Front gegen das Volks- haus vorgingen. Der Vorsitzende der SPD., Riedel, hatte vormittags um verstärkten Schutz des Volkshauses gebeten, doch war ihm erklärt worden, er sehe Gespenster! Dieser Zeuge Riedel alarmierte sofort beim Anrücken der Nazis Polizei und Landrat. Während er telephonierte, sah er vom Fenster aus, wie die Nazis die Bänke von ihren Wagen nahmen, diese zerschlugen und an den Rädern zu Knüppeln zurechtbrachen. Die Verhandlung dauert fort. Krieg in Braunfchweig Zwischen Stahlhelm und Nazis Braunschweig, 4. Oktober. Eigener Beridit des„Vorwärts" Zwischen Stahlhelm und Nazis ist im Lande Braunschweig der heftigste Krieg entbrannt. Die braunschweigische Stahlhelmzeitung„Junge Nation" nennt die Nazis„Braune Kom- m u n e" und„H i t l e r- B a n d i t e n". Die also Gekennzeichneten revanchierten sich mit G e w a l t- täti gleiten, die am Montagabend beim Stahlhelmfackelzug für Hindenburg den Charakter eines Aufruhrs und Landfriedensbruches an- nahmen. Die amtliche„Staatszeitung" veröffent- licht von Stahlhelmseite folgende Darstellung: „Die Stahlhelmer glaubten zunächst, Kommu- nisten vor sich zu haben. Es stellte sich jedoch bruch. Professor Sinzheimer ruft zum Schluß auf zum Kamps für eine machtbegründete Demo- kratie! Als letzter Referent sprach Rudolf Olden. Nach einer ausgiebigen Diskussion zu der Frage der Sondergerichte nahm die Konferenz folgende Resolution an: „Die von der Deutschen Liga für Menschen- rechte einberufene Konferenz„Die Rechtsnot in Deutschland" gibt ihrer Ueberzeugung Ausdruck, daß die Verordnungen über Sondergerichtsbarkeit aufgehoben werden müssen Die B e- schränkung der Rechtsgarantien in Verbindung mit den ungeheuerlichen Mindest- strafen führen zu Verfahren und Urteilssprüchen, die das Ansehen der Justiz untergraben. Die Wahrheitsfindung, im politischen Prozeß an sich sehr erschwert, wird bei den Eigentümlichkeiten der Sondergerichtsbarkeit nahezu unmöglich. Die Not, in die das deutsche Recht geraten ist. bedeutet zugleich eine Gewissensnot der bei den S o n d e r g e r ich t e n beteiligten Ju- r i st e n. Die zutage liegende Gefahr, daß Un- schuldige schwere Strafen erleiden, erschüttert das Rechtsbewußtfein des Volkes." Reichsbanner überparteilich Line Erklärung desBundesvorstandes Die Bundespressestelle des Reichsbanners teilt mit:„Um vereinzelt aufgetretenen Anzweiflungen der U e b e r p a r t e t I i ch k e l t des Reichsbanners entgegenzutreten, hat der Bundesvorstand des Reichsbanners in seiner letzten Sitzung erneut einstimmig festgestellt: An der satzungs- und willensmäßig stets bekundeten und gshandhabten Ueberparteilichkeit des Bundes hat sich nichts geändert. Mit der Ueberparteilich- keit des Reichsbanners ist aber auch jeder Versuch unvereinbar, die Organisation für politische Sonderzwecke zu mißbrauchen." heraus, daß es sich um SA.-Leute handelte. Unter den Nationalsozialisten befand sich auch der S A.- F ü h r e r und Landtagsabgeordnete Rechtsanwalt Alpers. Es fielen Rufe wie„N i e d e r m i t H i n d e n b u r g" und nicht wiederzugebende Beschimpfungen. Auch wurden nachweislich von nationalsozialistischer Seite scharfe Schüsse auf Stahlhelmleute und Polizisten abgegeben. Ein SA.-Mann be- drohte einen berittenen Polizeioffizier mit der Waffe. Andere versuchten ihn vom Pferde zu ziehen." Von einer Anwendung der Notverordnung, die jeden mit Zuchthaus bedroht, der gegen die Staats- gewalt mit der Waffe vorgeht, wird man im Reiche des Herrn Klagges kaum etwas hören. Die Angreifer waren ja auch Nazis. Der im Bericht der„Staatszeitung" genannte Naziabgeordnete Alpers ist kürzlich im Zusammenhang mit der Aufdeckung der Spreng st offattentate in der Stadt Braunschweig schwer beschuldigt worden. Um von der Urheberschaft und Verant- wortung abzulenken, haben die Nazi den einzigen verhafteten SA.-Schützen schnell ausgeschlossen und ihn als„Lockspitzel" diffamiert. Auch das noch? Nach dem Zwickel die Prostitution! Kommissarius Bracht will der Prostitution zu Leibe gehen. Er will den Reichsinnenminister bitten um den Erlaß einer Notverordnung zur Aenderung des Gesetzes über die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Da soll unter dem Feldgeschrei„wider die Unsittlich keit" ein wichtiger sozialhygienischer Fort- schritt mit Hilfe des Artikels 48 wieder aufgehoben werden. Wozu soll der Artikel 48 noch gebraucht werden? Eins sei mit aller Deutlichkeit gesagt: man kann mit polizeilicher Unterdrückung die Prostitution vielleicht unsichtbarer machen— aber man wird sie damit nur gefährlicher machen! Je mehr die Not wächst, um so stärker wird die Prostitution anschwellen! Ist es öffentliche Sitt- lichksit, die Tatsache zu vertuschen, wenn man die Ursache nicht beseitigen kann? Es scheint, daß ein anonymer wohlorgan i- sierter Kreis von Muckern den Macht- habern in den Ohren liegt. Der' anonyme Kreis von Muckern glaubt, die Prostitution sei schon beseitigt, wenn die Mädchen hinter der Ecke statt vor ihr ständen. Aber vielleicht wird da auch noch ein— Zwickel notverordnet? Zinanznol in Sachsen. Im August hatte der sächsische Staat einen Fehlbetrag von über 514 Millionen Mark zu verzeichnen, während noch im Juli ein Ueberschuß von über drei Millionen Mark erzielt worden war. Im Zusammenhang damit stiegen die schwebenden Schulden im August um über 6 auf 255,77 Mil- lionen Mark. SA.- Sturm auf Volkshaus Die StraQenschlacht in Bunzlau Gavl prüft... Was wird mit dem Volksbegehren? Das Volksbegehrsn gegen den Sozialabbau, das von der Sozialdemokra- tischen Partei am 12. September noch vor der Auflösung des Reichstags beim Reichsinnenmini- sterium eingereicht worden ist, wird von diesem immer noch„geprüft". Der Parteioorstand hat am Dienstag den Reichs- innenminister, Freiherrn v. G a y l, persönlich er- sucht, die Prüfung zu beschleunigen. Freiherr v. Gayl erklärte, daß die finanzielleAuswir- kung des Antrags geprüft werde, worauf ihm erwidert wurde, daß nach der Reichsverfassung finanzielle Bedenken nicht in Frage kommen können. Es dürfe nicht das Gefühl her- vorgerufen werden, daß dem Volk sein plebiszitäres Recht genommen werden solle Der Minister sagte zu, diePrüfungzube- schleunigen. Die Regierung darf sich nicht wundern, wenn die Mutmaßung Platz greift, daß man nach Vor- wänden sucht, das Volksbegehren gegen den Sozialabbau verschleppen, es sabotieren und schließlich ablehnen zu können! Rühmlos... Der„�ngriikk" kenntöohm nichtmehr Man durfte gespannt sein. So etwas kommt schließlich nicht alle Tage vor: Der oberste Stabs- chef der Prioatarmee Hitlers überführt, einen Führer des Reichsbanners aufgesucht zu haben, um von ihm Material gegen seine eigenen Leute zu bekommen, von denen er sich mit Mord- absichten bedroht fühlt. Wie— so fragte man sich— wird die nationalsozialistische Presse diese Enthüllung des Münchener Pro- zesses aufnehmen? Wie wird sie sich zu diesem Verhalten Röhms stellen? Wird sie es decken, wird sie es verurteilen? Man nimmt mit einer gewissen Spannung den „Angriff" zur Hand und findet— nichts! Wieder einmal die Nazitaktik: Unangenehme Tatsachen werden systematisch t o t g e s ch w i e- gen. Totgeschwiegen ist nicht ganz der richtige Ausdruck. Sie werden forteskamotiert. Der Moni- teur des Dr. Joseph Goebbels wird sich beileib« nicht vorwerfen lassen, den Münchener Prozeß gänzlich zu verschweigen. Er berichtet darüber. sogar mit knalliger Ueberschrift:„Zusammen» bruch einer neuen Lügenhetze." Dann folgen zwanzig Zeilen. Man erfährt daraus, daß die Vorwürfe gegen die Naziführer Schwarz und Slhulz nicht erwiesen seien und daß der angc- klagte Redakteur Goldlchagg 1200 Mark Geldstrafe zu zahlen habe. Ergo, so denkt sich der „Angriff"-Leser— muß ja alles in bester Orb- nung sein. Der Name R ö h m wird im„Angriff"-Bericht überhaupt nicht genannt. Weder berichtet das Blatt die Ladung Röhms als Zeugen, noch sein unentschuldigtes Ausbleiben, noch die Aus- sage des Majors a. D. Mayr vom Reichsbanner über den Besuch Röhms bei ihm. Röhm ist anscheinend für den„Angriff" eine gänzlich uninter- essante Persönlichkeit. Der„Angriff" druckt wohl die pathetische Rede Röhm» in Wien ab(„Sie mögen uns beschimpfen, sie mögen uns verleumden.. aber daß dieser Mann es nicht wagt, seinen angeblichen„Verleumdern" Auge in Auge vor Gericht gegenüberzutreten— das braucht die dem Hauptmann Röhm unter- stellte SA. nicht zu wissen! Nach der Lektüre des Münchener Berichts war für jeden Einsichtigen klar, daß in einer nor- malen Partei Röhm von Stund ab ein er- ledigter Mann sein müßte. Freilich: in einer normalen Partei. Bei den Nazis bestehen offenbar Bindungen und Mitwisser- s ch a f t e n zwischen den obersten Führern, die es unmöglich machen, einen Mann wie Röhm fortzuschicken. Die Furcht vor Ent- h ü l l u n g e n, die ein in die Wüste geschickter Röhm liefern könnte, muß im Braunen Hause maßlos sein! Den Mitgliedern gegenüber aber hilft man sich durch— Schweigen! Nicht umsonst ist die NSDAP, eine Partei der geistig Primitiven. Man hat ja eine Rubrik eingerichtet„Sie lügen, sie lügen!". Also wird es wohl auch gelogen sein, daß Röhm beim Major Mayr war, wie natürlich auch die Röhm-Briefe„gefälscht" sind. Und welcher SA.-Mann macht sich Gedanken darüber, daß sein oberster Stabschef lieber SOO Mark Strafe auf sich nimmt, als daß er vor Gericht eine Zeugenaussage macht!? Röhms Mordsangst .Was zitterst du, Osaf Röhm?*1 .Ich hab immer das Gefühl, als käme einer von hinten" Naziüberfall aus Reichsbanner Schwere politische Bluttat in Breslau Breslau, 4. Oktober. Eine neue schwere politische Bluttat er- eignete sich am Dienstagabend gegen 20.Z0 Uhr in der schiesischen Hauptstadt. Am Schweidniher Stadtgraben, in der Nähe der Groupenftraße, wurden vier jüngere Reichsbannerkameraden. die sich aus dem Wege zum Gewerk- schaftshaus befanden, von mehreren ihnen unbekannten Leuten mit„Freiheit!" angerufen. Als die Reichsbannerkameraden den Gruß nicht erwiderten, da sie eine Provokation vermuteten. stürzten plötzlich eine Horde von etwa dreißig Nationalsozialisten aus dem Dunkeln hervor. Die Rohlinge st a ch e n mit M e s s e r n auf die Ueberfallenen ein und brachten dem ISjährigen Zungbannerkameraden Stock vier tiefe Stiche tn den Rücken bei, die in die Lunge eindrangen. Ein weiterer 2Zjähciger Reichsbannerkamerod pietsch trug einen Stich in den Oberarm und Der- stauchungen an den Händen davon. Die beiden verletzten muhten sofort ins Krankenhaus übergeführt werden. Als Polizeibeamte am Tatort eintrafen, waren die Helden bereits verschwunden. Auch die Messerstecher sind unerkannt entkommen. Noch ein llebersall Eine Stunde nach dem Uebersall aus Reichsbonnerleute am Schweidniher Stadtgraben er- eignete sich in Breslau am Dienstagabend eine zweite viehische Bluttat der Hakenkreuzler. Etwa um 21 Uhr fiel in der Nähe des hauptbahnhoses etwa ein Dutzend Nazis über einen ISjährigen Zungbanner- kameraden der Zugendabteilung Breslau-Ost, namens Herbert G o r e h k y, her und brachten ihm Zungbannermann mehrere liefe Stiche in den Rücken bei. Der Ueberfallene konnte mit letzter Kraft zur nächsten Polizeiwache fliehen und wurde dann in außerordentlich bedenNichem Zustande in» Krankenhaus geschafft. Es handelt sich auch bei der zweiten Bluttat um eine von den Nazis planmäßig vorberel- tele Aktion. Auch in diesem Falle hatten die Rowdys dem Reichsbannermann, um ihn in die Falle zu locken, vor dem Uebersall den Gruß „Freiheit" zugerufen. Der lvürttembergische Landtag wird auf Diens- tag, 11. Oktober, einberufen. Den Hauptgegen- stand der Beratungen wird voraussichtlich die Aussprache über die Notverordnungen des Staatsministeriums zur Sicherung des Haushalts von Staat und Gemeinde« bilden. Kampf ums Recht Klage Preußens gegen die Diktatur Leipzig. 4. Oktober. Der Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich veröffentlichte heute nachmittag den Ter- minzettel für die Hauptoerhandlung über die Einsetzung des Reichskom'missars in Preußen. Die mündliche unk» öffentliche P e r- Handlung beginnt am Montag, dem 10. d. M., um 10>j Uhr, im Hauptsitzungssaal des Reichs- gerichts. Es ist eine mehrtägige Dauer vorgssehen. Als klagende Parteien treten auf: 1. das Land Preußen, vertreten durch das ehemalige Staatsministerium mit den Streit- bevollmächtigten, den Ministerialdirektoren Dr. B a d t und Dr. Brecht- Berlin und Universitätsprofessor Dr. G i e s e- Frankfurt a. M., 2. die Zentrumsfraktion im Prußifchen Landtag, vertreten durch Universitätsprofessor Dr. Peters- Berlin, Z. die Fraktion der Eozialdemokrati- fchen Partei Deutschlands im Preußischen Landtag, vertreten durch Universitätsprofessor Dr. Heller, Frankfurt a. M., 4. der preußische Ministerpräsident Dr. h. c. Braun und d>e preußischen Minister Seoe- ring, Hirt siefer. Steiger, Schreiber, Schmidt. Grimme und Klepper, S. das Land Bayern, vertreten durch das Gesamtministerium und 6. das Land Baden, vertreten durch das Staatsministerium, mit den Streitbeoollmächtigten Ministerialdirektor Dr. F e ch t- Berlin und Ober- regierungsrat Wal im badischsn Ministerium des Innern. Beklagt sind das Deutsche Reich, ver- treten durch die Reichsregierung, und der R e i ch s- k a n z l e r als Reichskommissar für Preußen. Auf ihrer Seite treten als Streitbeoollmächtigte auf: Ministerialdirektor Gottheiner, Ministerial- rat Dr. Hoche, Professor Dr. Carl Schmidt-Berlin, Professor Dr. Jacobi-Leipzig und Professor Bil- finger-Halle. Slatin Pascha gestorben Der Gefangene des Mahdi In seiner Heimatstadt Wien ist gestern mittag im Alter von 75 Jahren Slatin Pascha ge- storben, der seinerzeit Weltberühmtheit durch seine Abenteuer im Sudan erlangt hatte. Mit 16 Jahren kam er, von Abenteurer- lust gepackt, n a ch A e g y p t e n, wo er mit den Forschern Schweinfurth, Rohlfs, Nachtigal und Heuglin zusammenkam. Im Jahre 1874 bereiste er den Sudan, wurde dort mit G o r d o n Pascha bekannt. Bon 1876 bis 1878 weilte er wieder in seiner österreichischen Heimat und machte als Reserveoffizier den Feldzug in Bosnien mit. Gordon Pascha berief ihn dann nach Aegypten, wo er, erst 22 Jahr« alt, Gouverneur der Sudanesischen Provinz Darfur wurde. Er kämpfte gegen den religiösen Aufitand der Mahdisten. Schließlich mußte er sich am 24. De- zember 1883 dem Mahdi ergeben. Slatin Pascha muhte elf furchtbare Leidensjahr« über sich ergehen lassen und wurde vom Mahdi und später von seinem Nach- Naziangfl vor Wahlen Die Braunhosen verhindern Landtags- auflösung Eigener Beridit des„Vorwärti" Darmstadt. 4. Oktober. Die blasse Angst der Nazis vor Neu» wählen verhinderte am Dienstag die Auf- l ö s u n g des Hessischen Landtags. Schon vor Wochen hatte die sozialdemokratische Fraktion einen Antrag aus Auflösung gestellt, so daß die Nazis Zeit genug gehabt hatten, sich über ihre Haltung zur Neuwahl gleichzeitig mit der Reichs- tagswahl schlüssig zu werden. Aber erst kurz vor Beginn der Plenarsitzung am Dienstag kündigten sie einen Verlegenheitsantrag an, wo- nach sie der Auflösung zustimmen würden unter der Bedingung, daß die Zahl der Abgeordneten» sitze auf die Hälfte, nämlich 35, und außerdem die Ministergehälter auf 12 000 Mark herab- gesetzt werden würden. Während sich das Zentrum einer Neuwahl überhaupt nicht geneigt zeigte, er- klärten sich die Sozialdemokraten mit einer Herab- setzung der Mandatszifser grundsätzlich einver- standen, jedoch nicht auf 35 Sitze, da sonst eine positive Arbeit im Parlament und eine geeignete Vertretung des flachen Landes völlig in Frage gestellt sein würde. Bereit waren die Sozial- demokraten zu einer Verminderung der Sitze auf 56. Außerdem stellten sie einen Ergänzung»- antrag, wonach auch die Gehälter der höheren Beamten entsprechend herabzusetzen seien. Wich- rend nun die sofortige Minderung der M i n i st e r g e h ä l t e r aus 12 000 Mark ein» stimmige Annahme fand, lehnten Nazis und Zentrum die Angleichung der hohen Beamten- gehälter ab. Es entsteht sonach der groteske Zu- stand, daß Ministerialräte künftig höher« Gehälter beziehen als die Minister! Die Anträge der Sozialdemokraten und der Nazis auf Verminderung der Sitze wurden mit wechselnden Mehrheiten abgelehnt. Als man zur Abstimmung über den Auslösungsantrag selbst schritt, verlieh die Nazi-Fraktion, die in Uniform erschien und deshalb von den kam- munisten als Liftboys begrüßt worden war, ge- schlössen die Sitzung. So wurde zwar der sozial- demokratische Antrag gegen die Zentrumsstimmen angenommen, blieb aber trotzdem u n- wirksam, weil die Verfassung die A n w e s e n- heit von zwei Dritteln der Abgeordneten vorschreibt. Funk rund um Scholz Der Unentbehrliche bleibt Ein rechtsstehendes Nachrichtenbüro hatte gestern nachmittag die Meldung verbreitet, der Rundsunt-Scholz habe— endlich!— sein Köck- t r i t t s g e s u ch eingereicht. Die Entscheidung über die Annahme des Gesuches werde erst in einigen Tagen fallen. Die Nachricht hat eingeschlagen. Eine„deutsche Einheitsfront" schien sich aufzutun: Von rechts bis links schien man den Rücktritt des Funkdiktators als einen Ansang vom Besserwerden zu betrachten. Aber-- Aber am Abend war alles wieder ganz an- ders. Da ließ der Baron von Gayl als Reichs- innenminister amtlich mitteilen, daß er in einer Unterredung Scholz ersucht habe, die Um- st e l l u n g des Rundfunkwesens, soweit sie zur Zuständigkeit des Kommissars des Reichsinnen- Ministers gehört, beschleunigt weiterzu- führen, um den bisher unvermeidlichen Zwi- s ch e n z u st a n d mit seinen Begleiterscheinungen abzukürzen. Die Gerüchte von dem bevorstehen- den oder gar erfolgten Rücktritt des Reichs- rundfunkkommissars Scholz seien völlig er» fu nd en! Das ist beinahe eine verzwickelte Geschichte. Der Rundfunk bleibt— obwohl er in seiner jetzigen Desorganisation auf einmütige Ab- lehnung stößt— dem Manne ausgeliefert, der die Funkeinrichtungen wechseln möchte wie seine Parteibücher. Aber was will man: es ist durchaus begreiflich, daß die Regierung der Papen-Gayl-Bracht sich von dem Manne nicht trennen kann! folger Mdullahi auf deren Kriegszügen in fchwe- rep Ketten mitgeschleppt. Am 20. Februar 1895 gelang ihm die von seinen Freunden oft ver- geblich vorbereitete Flucht. Jetzt trat er als Oberst mit dem Paschatitel in die anglo- ägyptische Armee ein und war in dem 1898 von Lord Kitchener endlich siegreich beende- ten Feldzug gegen die Mahdi Chef des militäri- fchen Nachrichtendienstes. Seine abenteuerlichen Erlebnisse hat Slatin Pascha, dem im Jahre 1906 in Oesterreich der Freiherrntitel verliehen wurde, in dem Buch„Feuer und Schwert im Sudan" aufgezeichnet. O D O 1,- Z AH AI PA S TA mit �nvgneir- tycden k m ü cn-... sie haben �(aufkicaft. Die Ankurbelung Theorie und Praxis im Bankgewerbe „Die Vertreter des Bankgewerbes betrachten es als Pflicht ihres Berufsstandes wie aller Glieder der deutschen Wirtschaft, sich mit voller Kraft für das Gelingen des Regierungsplanes einzusetzen und Einzelwünsche vor dem Allge- meinwohl zurücktreten zu lassen." Diese Entschließung wurde am 29. September 1932 in der Vorstands- und Ausschußsitzung des Centralverb andes des Deutschen Bank- und Bankiergewerbe, gesaßt. Die gleiche Stellungnahme klingt auch in dem letzten Wirtschaftsbericht der Com- merz- und Privatbank an, worin das Unternehmertum aufgefordert wird, von dem in den letzten Zahren üblichck' System des Personalabbaues abzugehen und jetzt gemäß der Papen- Verordnung zur Einstellung von Arbeitskräften zu schreiten. Was hat die Bankiergewaltigen bisher daran gehindert, diese Richtlinien im eigenen Hause zu befolgen? Ihre ganze bisherige Praxis steht im schärfsten Gegensatz zu dieser Theorie. Bei der Deutschen Bank u. Disconto- Gesellschaft schwebten seit längerer Zeit zwischen Betriebsrat und Direktion Verhand- lungen über die Entlassung von 299 bis 399 Ange st eilten. Die Bemühungen des frei- gewerkschaftlichen Betriebsratsvorsitzenden führten dann zu einem neuen Vorschlag der Direktion, die Kündigungen unausgesprochen zu lassen, die einzusparende Summe aber auf Kosten der Dedibankange st eilten hereinzuholen. Die Arbeitszeit sollte auf 4 4 Stunden wöchentlich herabgesetzt oder aber ein u n b e- zahlter Urlaub eingeführt werden. Als Ausgleich sollten die Angestellten auf 4 P r o z. ihres Gehalts verzichten. Die Verhandlungen führten schließlich zu.lein vorläufigen Ergebnis, daß die Belegschaft der Dedibank für die Zeit vom 1. Oktober 19 3 2 bis 31. März 193 3 einen Ge- Haltsabzug von 2 Proz. hinnehmen und dafür der einzelne Angestellte einen Sonder- urlaub von insgesaint drei Arbeits- tagen erhalten soll. Die Direktion andererseits verpflichtet sich, während der Dauer des Abkom- inens keine Kündigungen auszusprechen. Die Ent- schcidung über das Zustandekommen dieser Ver- einbarung liegt in den Händen der Belegschaft, die am Mittwoch dieser Woche ihre Stellung- nähme durch eine im Betrieb vorzunehmende U r a b st i m m» n g festlegen wird. Da Mc Kündigungen noch drohen, wird sich die Belegschaft unter dem Druck der Verhältnisse wahrscheinlich für die An nähme der Vereinbarung entscheiden. Zur gleichen Zeit fanden zwischen den Azbcit- nehmerorganisationen und dem Reichsver- band der Bankleitungen Besprechungen über ein Kurzarbeitsabkommen statt. Der Vorschlag der Bankleitungen ging dahin. Sonder- Urlaub von halben bis ganzen D i e n st t a�g c n einzuschalten. Der Abzug für jeden Tag Sonderurlaub sollte-t Proz., im Monat nicht mehr als für fünf Tage betragen, so daß also der einzelne Angestellte bei der bekannten Ausnutzung einer solchen Vereinbarung durch den Arbeitgeber praktisch mit einem Gehalts- abzug von 29 Proz. im Monat zu rechnen hatte. Darüber hinaus sollten die Bankleitungen die Möglichkeit haben, diese Vereinbarung auf be- stimmte Arbeitnehmer nicht anzuwenden. Da dieses Abkommen noch dazu keinerlei zeitliche Begren- zung aufwies, verliefen die Besprechungen er- gebnislos. Bei der C o m m e r z- u. P r i v a t b a n k Berlin sind am 39. September 1932 ungefähr 159 Kündigungen erfolgt. So verfährt hier dieselbe Direktion, die anderen Betrieben zwecks Ankurbelung der Wirtschast die Ein- stellung von Arbeitskräften emp- stehlt. Das rigorose Vorgehen dieser Großbank- leitung, das sich bei früheren ähnlichen Vorgängen schon gezeigt hat, tritt auch bei den jetzigen Kün- digungen deutlich hervor. Denn bei diesem Abbau werden sogar A n g e st e l l t e mit m e h r a l s 29 Dien st jähren und zwei Kindern auf die Straße gesetzt. Anscheinend sind der Compri- bankdirektion bei dieser Personalpolitik bereits Be- denken aufgestiegen, denn sie hat versucht, mit der Betriebsoertretung über ein Abkommen ähnlich wie bei der Dedibank zu verhandeln. Die dritte Berliner Großbank, die D r e s d- »er Bank, darf selbstverständlich in dem Reigen des Personalabbaues nicht fehlen. Sie hat eben- falls am 39. September 159 Pensionierun- gen und 299 Kündigungen ausgesprochen. Wenn auch infolge der mit der Danatbank er- folgten Fusion hier eher mit Personalentlassungen zu rechnen war. so muß man doch immer wieder betonen, daß die Banken s e l b st an die von ihnen so eifrig propagierte Belebung der Wirt- schast offenbar nicht glauben. Das Bild wird vervollständigt durch die Mitteilungen aus dem Reichsgebiet, daß auch dort Kün- digungen in großem Ausmaß erfolgt sind. In diesem Zusammenhang sei noch die„B er- liner Börsen-Zeitung" erwähnt, die am 39. September 1932 einen Artikel„Gegen die Sabotage der Gewerkschaften" brachte und aus derselben Zeite einen Bericht über die Sitzung des Centralverbandes des deutschen Bank- und Bankiergewerbes. In diesem Bericht wird gesagt, daß es zur Vernichtung des deutschen Kredits führen würde, wenn Verkragsverhältnisse, die aus Treu und Glauben und rechtlichen Bindungen fußen, willkürlichen, je nach den Umständen wechselnden Eingriffen der Staatsgewalt unterliegen. Es handelt sich hier um eine Kritik an den Regierungsmaßnahmen, die als Hilfeleistungen für die Landwirtschaft gedacht sind, nicht etwa um den Einbruch in das Tarifrecht. Der Entdecker der„Sabotage der Gewerkschaften" aber schließt mit den Worten des Reichspräsi- deuten: „Die Lebenshaltung der deutschen Arbeiterschaft soll gesichert und der soziale Gedanke gewahrt bleiben." Darauf kommt es an! Deshalb muß die Ver- ordnung, die ausschließlich die Arbeitnehmer belastet, dem Unternehmertum aber Gewinne bringt, aufgehoben werden. Pflicht der Regierung ist es, die Abbaulust der vielfach vom Staat sub- ventionierten Großbanken schnellstens einzu- dämmen, um so mehr, als im Bankgewerbe ganz andere Möglichkeiten bestehen, den Etat herab.zu- setzen. Die Bezüge des Hauptausschusses bei der Dedibank, ebenso die Bezüge der Vorstandsmit- glieder und Direktoren der Großbanken können eher einen Abbau ertragen, bevor Personalent- lassungen vorgenommen werden. Die Bankangestellten sollten jedenfalls aus diesen Vorgängen die nötige Schlußfolgc- rung ziehen, sich ihren freigewerkschaftlichen Organisationen anzuschließen. Gehaltsschacher Im Berliner Linzelhandel Am Freitag wird sich der Schlichtungsausschuß mit dem Tarif st reit im Berliner Ein- z e l h a n d e l befassen. Wie unverschämt die im „Vorwärts" bereits erwähnten Forderungen der Berliner Einzelhändler sind, wurde auf einer vom Z d A. zu Dienstag einberufenen Pressekonferenz an praktischen Beispielen dargelegt. Zu dieser Konferenz waren aus den verschiedensten Berliner Kauf- und Warenhäusern Angestellte geladen worden, um über ihre jetzigen Verdienste sowie darüber Aufschluß zu geben, was man ihnen nach dem 1. Oktober noch gnädig zugestehen will. Da saß zum Beispiel ein Substitut eines große» Warenhauses in Neukölln, der jetzt in der Gruppe III ein Höchstgehalt von 289 M. und dazu 19 M. Verheirateten, Zulage, insgesamt also ein Bruttogehalt von 299 M. bezieht. Die Gehaltsgruppe III soll nach den Wünschen der Unter- nehmer samt der Gruppe I> und der Familien- zulage in allen Gruppen in Fortfall kommen, so daß dieser Substitut nur noch einen tarifmäßigen Anspruch auf das H ö ch st g e h a l t der Gruppe II in Höhe von 189 M. haben würde. Ein verheirateter Gardinenoerkäufer einer be- kannten Firma in der Leipziger Straße, der tadellos angezogen fein muß. hat jetzt ein Brutto- geholt von 228 M. einschließlich Familienzulage upd würde nachher gleichfalls nur 189 M. bekommen. Die 24jährige Lederwarenverkäuferin eines anderen erstklassigen Kaufhauses, die in der Gruppe I ist, würde anstatt 194,59 M. brutto nur noch 92 M. erhalten. Die Lehrlinge, die bisher im ersten Lehr- jähr 12 Arbeitstage, im zweiten Jahre 19 Tage und im dritten Lehrjahr 8 Arbeitstage Urlaub erhielten, sollen in Zukunft nur noch 9, 6 oder drei Urlaubstage bekommen. Den über 18 Jahre alten Angestellten soll der Urlaub eben- falls um ein Drittel gekürzt werden, so daß der Höchsturlaub nach siebenjähriger Tätigkeit noch 12 Arbeitstage betragen würde. Genosse G o t t f u r ch t erklärte in dieser Presse- konferenz mit aller wünschenswerten Deutlichkeit. daß der ZdA. auf keinen Fall mit derartigen Verschlechterungen ein- verstanden sein wird. Sollten die Unter- nehmer von ihren Forderungen nicht abgehen, dann wird zwar kein genereller Streik im Ber- liner Einzelhandel ausbrechen, aber in all den Firmen die Arbeit eingestellt werden, die der ZdA. für die geeignetsten zur Durchsetzung seiner Ziele hält. Auch ohne Lohndruck W)tverordnungs>EinsteIIungen halle, 4. Oktober. In den Betrieben der M a n s s e l d A.- G., so- weit sie dem Mansseld-Tarifvertrag unterliegen, wird ab 1. Oktober bis auf weiteres die Arbeit in der Weise gestreckt, daß von jedem Arbeiter i n j e zwei Monaten drei Feierschichten verfahren werden. Auf diese Weise soll die Neu- einstellung von 699 Mann ermöglicht werden. Bei den Braunschw ei zischen Kohlen- bergwerken bestand die Absicht, den Abraum- betrieb„Treu e" wie in den Vorjahren so auch in diesem Jahre im Herbst stillzulegen. Es sollten am 8. Oktober etwa 379 Bergleute zur Entlassung kommen. Die Firma hat sich entschlossen, die be- absichtigte Stillegung zunächst nicht durchzuführen. Die Betriebe der Beutersitzec Kohlen- werke A.- G. ruhten seit April d. I Es sind im September 65 Mann und am 3. Oktober wei- tere 35 Mann eingestellt worden. Mannheim. 4. Oktober. Wie die Verwaltung der Mannheimer Schuh- fabrik G. Roß mitteilt, hat sie insgesamt 299 Leute neu einge Kellt und beschäftigt diese volle 48 Stunden wöchentlich. Die Firma Merz in Mössingenin voraus zahlbar. Postbezug 3,S7 W. einschließlich«II Pf. Postzeitung, und 72 Pf. Postbestellgcbtihrcn. Auslandsabonncmcnt ö.KZ M. pro Monat: für Länder mit ermäßigtem Druckfachcnporto 4,65 M. Bei PusfaU wr Ueterung wegen höherer Gewalt besteht kein Agispruch der Abonnenten aus Ersatz./ Anzeigenpreise: Die einspaltige Millimeterzeile 30 Pf., Reklamezeile 1,50 M.„st l e i n e A n z e i g e n" das fettgedruckee Wort bf„ icdes wettere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 25 Pf. Zamilienanzeigcn Millimeterzeile 1« Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft, Lmdenstr. 3. wochetUaglich von 8>,z bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor. I Verantwortlich für Politik: Richard Schwarz: Wirtschaft: S. ZUingelHöser; Gewerkschaftsbewegung: 3.»tetner; Fenmeton: Heroerr Lep�re; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstadt; Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin./ Verlag: Vorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts» Buchdruckerei und Berlagsanftalt Paul Singer u. Co., Berlin 68, Lmdenstr. o. Dettr Metallarbeiter- Verband VcTwaltungwleUe Berlin Todes-Anzcigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Former Max Klemm geb. 25 Juni 1863, am 30. September gestorben ist. Die Einäicherung findet am Mick- woch. den, 5. Oktober. 18 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Kief- holjstraße, statt. Am 2. Oktober starb unser Kollege, der Silberardeiter Bruno Brückner geb. 17. Februar 1870. Die Einäscherung findet am Don- nerstag, dem 6. Okiober, 16 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Kies- holzsrraße, statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet via UrtevereeaUang nsmen-MSniei zu ganz niedrigen Preisen Naftanfcrtlsuns spez. für starke Damen Paul Linen. Damen-Idfiatel-Falirili u. Hdlg., NenkSUa. Reolerstr. 63 ftaafs Tneater Mittwoch, den 5. Oktober Staatsoper unter den Linden IWa Uhr Der Rosenkavalier staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Die Journalisten VOLKSBÜHNE Theater am Bttlowpiatz D I, Norden 2944. Allabendlich Uhr I-etzte 3 AiimUirnnsen Der Revisor Regie: Heinz Hilpert Sonntagnachm. 3»/, Uhr Premierenbesetzung.— Preise 0.75 bis 4.— Mk. scaia Tägl. 5 u. 8% Uhr 1 3 AHOREU-RIVELS| BARN. Y. GtCZY VAUBUR6 usw. pr.A/A Nähe Uli«. Bhf, iii.8lä.St9i.2,S,l18U. E 7 Weidisel 403t Der Bettelstudent §lä(ll.Oper Charlottenbure Fraunhofer 0231 Mittwoch, 5. Oktbr. Turnus III: ffacbelh 20 Uhr Onegin, Reinmar, Andrdsen, Qottlieb, Cavara, Feher. Oirig.: Fritz Stiedry Schiller Grolmansir. 70/71 SteinpL(C I) 6715 tiur nodt 8 Vcrateliunger Täglich 8>/i Uhr Der 18. Oktober Sonntg.. lOkMVaühr: Einmalige Aaffühmog: Die versunkene Giodte r BERLINER THEA!.' A 7 Odnh. 625 Letzte Woche SV* Uhr [�«mi B | Der lebende I Leichnam v: k 80 Pf.— 4 M V! :A W«nt(är Oorten 8 Uhr 13. Flora 3434. Bandion«rl. Vier Bronnetts, George Dormonde, Lord Ain, Mary Erik& Co., 7 Alfredos U. 8. W. Marfan■ abends schon von 70 Pf. lUHlCll. nachm. von 50 Pf. an »-.Uhr CASIHO- THEATER»f."» Lothringer Stratze 37. iiiiiiiiHMiiiiiHHiiiiiitiiiiiniiiiiiHiiMiii«iniinnimiHini«miMiii Aach Sonntags nachm. 4 Uhr: NeuilfrinininrloplnÜNeu! Hnmorl Sllmmnngl Man lacht Tränen Uber Direktor Hans Berg als Tante Julchen. Gutschein für die Leser I— 4 Personen FauL 0.75 M.. Sessel I 25 M.. Park. 0.50 M. Kleines Tit. 8 I Merkur 1624 Unter den Linien 44 Leitung: Eugen Felber. General Percn gründet ein Kinigreidi Komödie nn Sindbad Kegle: Engen Felber. Pniu r. I.- IL an. J Rose- Theater Irnle Frankfirtir Strale 132 Tel. Weiduel E 1 342? 5 15, 8 30 Uhr Der Hauptmann von Köpenick TheateriWestens I c I Steinpl. 0931 Heute IHM. S. Okt..»>, VledererSIlvnog paganim \ Qotrrtte von Lihär 1 I Vera Sdivarz | Ed. Liditenstein u.a. I I Preise 0,50— 2,50 I Worverli. ununterbr.J F Theater Ini»-- imiralsaaiastl äglich 8% Uhr I Gitta| A l p a r I in l | Katharina I metropol-Theater I Täglich gt/e Uhr I Srißi Massary I| I Eine Fru, die weis, I wen nie wfil! »toMet Weidend. 5201. 8 Uhr Rose Bernd von Gerhart Hauptmann mit Panla Wessutv Kammerspieie 8';» Uhr Leiite Aufführungen Schicksal nachWunsch Freitag, 7. Oktbr. Das Verlöbnis von Rieh Billinger Less!ng-Ttiea!er Tägl S'k Uht Grete Mosheim OskarHomoIka in Pygmalion Theater am Schiffbauerdamm D2 Weidend. 9955 Täglich 8>,2 Uhr „Kolonne Immergrün" Birl.Kum.v. Hans Bmatrt mit Harald Paulsen Stettiner Sänger Reichshallen-Theater (Dönhoffplatz) ' Dir. fleysel. Dir. neysei. Tägl 8.15 Uhr, Sonntags v\„ 3�30 Uhr(ermäßigte Pr.l Das neue Programm mit der Posse „Und abends wird getanzt'1 m allen Auswahl zur I. Klasse am 21.«. 22. Oktbr. empflehlt und versendet Friedrich üller Berlin SW.IS's�Vr.r zwiscüen Leipzigerstr. n. HaasvogteipL Telephon: Merkur 2254. ERSTE BEILAGE MITTWOCH, 5. OKT. 1932 Meöereif er...! Ein verständiges Revisionsurteil Durch die mildere Ausfasjung der Berufung?- instanz sind der Steuersekretär K. und der Schlossermeister P vor der gegen sie vom Schöffengericht erkannten Zuchthausstrafe wegen schwerer Urkundenfälschung bzw� Anstiftung bewahrt worden. Der Fall des Steuerbeamten K. hat eine ge- wisse Tragik, denn K. hat sich ohne jeden Vorteil zu seiner Handlungsweise aus dienstlichem Uebereifer verleiten lassen. Die Firma, bei der P. Geschäftsführer war. schuldete dem Finanzamt Gesundbrunnen etwa lOOll M. Steuer und K. war als Vollstreckungs- beamter seit Monaten hinter einem Geschästsauto dieser Firma her, das er pfänden wollte, dessen er aber niemals habhaft wurde. Inzwischen hatte am IS. April vorigen Jahres ein anderer Gläu- biger das Auto gepfändet. P. wollte es diesem Gläubiger aber nicht zukommen lassen, sondern lieber dem Finanzamt. Deshalb bestellte er den Steuerbeamten in eine Gastwirtschast und ver- onlahte ihn dort, ein Pfändungsprotokoll auszu- fertigen, das aber um eine Woche vor- d a t i e rt wurde. Infolgedessen mußte der andere Gläubiger das Auto dem Finanzamt freigeben. Die Sache kam aber später durch Zufall heraus. K. und P. wurden angeklagt und zu je einem Jahr Zuchthaus verurtellt. Auf die Berufung hob die Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz von Landgerichts- rot Coro das Zuchthausurteil auf und ver- urteilte die Angeklagten aus dem milderen Be- amtenparagraph 348 zu je drei Monaten Gefängnis. Die bisher unbestraften Ange- klagten erhielten außerdem eine dreijährige B e- Währungsfrist. Vatronen beim GA.-Mann Sensation im Kommunistenpro�eV Im Prozeß gegen die Kommunisten vor dem Sondergericht unter Vorsitz des Landgerichts- inrektors T o l k gab es gestern noch mehrere äußerst sensationelle und die Nationalsozialisten schwer belastende Aussagen. So wußte ein Bewohner des Hauses R ö n t- genstraße 12, in dem sich das SA.-Lokal befindet, zu erzählen, wie er unmittelbar nach der Schießerei zwei SA.-Leute aus dem Fenster hat springen sehen. Ein kommunistischer Zeuge be- kündete, daß er in einem Hausflur sich mit ver- schiedenen Leuten unmittelbar nach den Vorfällen in der Röntgenstraße unterhalten habe. Der schwerverletzte Gatschke wurde gerade fort- transportiert. Ein SA.-Mann, der an der Unter- Haltung teilnahm, sagte:„Da wird Gatschke in Begleitung von zwei sctMerbewaffneten SA.- Leuten fortgeschafft." Und schließlich die Aussage des Pflegers aus dem Krankenhause, in das der verletzte Camman eingeliefert worden war. Es wurden bei Camman vier Patronen ge- fundsn. Das waren also die angeblich völlig unbewaffneten SA.-Leute am 23. August in der Röntgenstraße beim Uebersall der Kommunisten auf die Nazis. Mit diesen Zeugen und einigen anderen, die gleichfalls gestern vernommen wurden, war die Beweisaufnahme eigentlich erschöpft. Rechtsanwalt Dr. Litten hat aber noch einen Eventualantrag gestellt. Es ist nämlich eines Tages bei ihm ein SA.-Mann erschienen, der ausführliche Bekundungen über die Vorfälle am 23. August in der Röntgenstraße zu Protokoll gegeben Hot. Manche Einzelheiten haben sich während der Verhandlungen in verblüffender Weise bestätigt. Schädling unschädlich gemacht Das Hamburger Schöffengericht ver- urteilte den 34jührigen Kaufmann Hermann Nörten wegen Betruges im Rückfalle und ge- winnsüchtiger Urkundenfälschung zu vier Iahren Zuchthaus. Der Angeklagt« hatte in den Jahren 1323 bis igzz in 25 deutschen Städten Kautionsschwindel betrieben, durch den er zahlreiche Angestellte und Handwerker um ihr letztes Geld und sie selbst und ihre Familie in Not und Verzweiflung gebracht hatte. Protest gegen Bracht Stsdtparlanient und Verwaltungsreform— Kohlen für die Frierenden Dix Stadtverordnetenversammlung beriet gestern in erster Lesung die Vorlage des Magistrats wegen der Neugestaltung der Berliner Bezirksverwaltungen. Der„Vorwärts" hat in einer Reche Aussätze aus berufener Feder zu dem Problem Stellung genommen und den Inhalt der Vorlage aus- cinandergefetzt. Als erster Redner sprach Stadtv. Flatau(So;.). Er protestierte auf das schärsfte gegen das Vorgehen des Reichskommissars Bracht, der Acußerungen der Presse— wie er sich in einem Schreiben an den Oberbürgermeister Dr. Sahm ausdrückte— zum Anlaß seiner Auf- läge gegen Berlin nahm. Nach den Brachtjchcn Anweisungen sollten die Berliner Verwaltungs- körperschaften bis zum 15. Oktober eine Neu- regelung der Bezirkseinteilung und-Verwaltungen beendet haben. Herr Bracht kannte also keinen anderen Weg zu seiner Information, als die Artikel der Sensationspresse. Dem Reichskommissar Bracht war es völlig entgangen, daß eine Reuregelung eine rein städtische Angelegenheit ist, die nur von den Selbstverwallungskörpersihaften, also von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung, erledigt werden kann. Ohne Rücksicht auf die Leistungen dieser Selbst- oerwaltungskörperschaften für das Wohl der Stadt hat Bracht seine Verfügung in die Welt gesetzt, Grund genug, gegen eine solche„grund- sätzlich neue Art der Staatsführung" zu pro- testieren.(Sehr richtig bei den Soz.) Die Sozialdemokraten haben sich durchaus nicht den Schwierigkeiten verschlossen, die sich aus der seinerzeit zufällig sich ergebenden Zahl von 23 Bezirken im Lauf der Jahre ergaben und sie sind bereit, den Wünschen der Bevölkerung nach Vereinfachung der Verwaltung Rechnung zu tragen. Schließlich ist eine solche Vereinfachung di« Grundlage zu Ersparnissen. Einzelheiten der Vorlage werden im vorberatenden Ausschuß ge- prüft, wo Wünsche einzelner Bezirke berücksichtigt werden müssen. Für die Beteiligung des ehrenamtlichen Elements an der Verwaltung Berlins schafft die Vorlage durchaus geeignete Voraussetzungen: in den Be- zirksräten kommt dies zum Ausdruck. Das Fehlen gewisser sozialdemokratischer Vorschläge in der Vorlage wird die sozialdemokratische Fraktion zu einer besonders genauen Nachprüfung veranlassen. wobei wiederuni betont werden muß, daß, wie stets in der Selbstverwaltung, auch dies mal die Sozialdemokratie ihre Mitarbeit nich! versagen wird. (Bravo bei den Soz.) Stadtv. Piek(Komm.) bezeichnete die Vorlage als ein Ergebnis der Bürgerkriegsstrategie der Polizei, die bei der vorgesehenen Neueinteilung der Bezirke nach dem Radialsystem die Aussall- strahen zu Angrisfen auf die werktätige Bevölke- rung benutzen will! Stadtv. Granast(Dnat.) versagte sich namens seiner Fraktion dem Protest gegen Bracht.(Hört-, Hört-Rufe.) Eine Gesundung Berlins herbei- zuführen sei unter allen Umständen nötig, wenn nicht durch die Selbstverwaltung, so aus anderem Wege. Stadw. Schwarz(Vp.) meinte, bei aller Kritik gegen die Vorlage sei gegenwärtig kein Anlaß zu langen Reden gegeben. Man solle vielmehr zu- nächst die Ausschußberawngen abwarten. Für die Nationalsozialisten sprach Stadw. Tress, für die Bürgerliche Fraktion Stadtv. Rems: Sladlv. Lange(Z.) schloß sich dem Protest gegen Bracht an. Die Vorlage wurde schließlich einem fünfund- zwanziggliedrigen Ausschuß überwiesen, in dem der Vorsteher Haß(Sog.) den Vorsitz führt. Zu Beginn der Sitzung nahm die Versammlung den Antrag der sozialdemokratischen Fraktion einstimmig an, der vom Oberbürger- meister die Slcherstellung der Winterkohlenlieferung an die Unterstützungsempfänger verlangt. Verabschiedet wurde auch die Neu- regelung der Unterstützung des P h i l h a r m o- nischen Orchesters durch die Stadt. Da- nach zahlt Berlin dem Orchester jährlich eine Beihilfe von 180 030 M., als Gegenleistung veranstalten die Philharmoniker eine Anzahl billiger Volkskonzerte. Die Beihilfen für das aufgelöste Sinfonie-(Blüthner)-Orchester, sollen in Zukunft fort. Die Bilanzen einer Anzahl städtischer Gesellschaften wurden von der Versammlung genehmigt. Die verdächtigen CA.- Aussagen dunghannermann Schmidt hat nicht geschossen! Die Verhandlung gegen die E! s e r n e- Z r o n t- Leute vor dem Sondergericht stand gestern unmittelbar vor dem Abschluß. Die Vernehmung der letzten Zeugen brachte ober unerwartet eine große Ueberraschung. Die Tante des 16jährigen Angeklagten, des Jungbannermannes Schmidt, der von sechs SA.-Leuten schwer belastet wird— die einen wollen in ihm den Schützen erkannt haben, die anderen wollen gesehen haben, wie er auf dem Soziussitz des Motorrades vom Angeklagten Voß mit dem Revolver in der Hand dahinsauste— erzählte, wie ihr Neffe, der nie einen Re- volver besessen hat und immer wieder seine Unschuld beteuert, ihr gesagt habe, daß er wohl wisse, wer geschossen habe. mit der Wahrheit aber nicht herauskönne, um nicht einen Kameraden zu belasten. Der Mann, der mit ihm im Beiwagen saß, sei, als die Nazis in ihrer Uebermacht über den Motorradfahrer herfielen, hinter den Lieferwagen gelaufen und habe die Hand wie zum Schuß erhoben gehalten. Gleich darauf hatten Schüsse geknallt. Ob das stimme, fragt der Vorsitzende den Angeklagten. Ja. es sei so gewesen. Der Kamerad im Beiwagen habe ebensolche rote Wangen gehabt wie er und sei auch mit einer Windjacke bekleidet gewesen. Wer dieser Kamerad gewesen sei? Den Namen kenne er nicht. Nun meldet sich der Angeklagte Voß. Er habe versucht, den Namen des Be- treffenden zu ermitteln, es sei ihm aber nur ge- gesagt zu haben. Und die Zeugen, die den Nazi- angeklagten Becker noch vor drei Tagen schüchtern als den Mann mit dem Spaten und dem Rc- volver wiedererkannten, wollte» ihn nun in Uni- form nicht mehr erkenne». Den Angeklagten T e i ch m a n n erkennt als Schützen nur der SA.-Mann Hart mann. Bleiben noch die Mitglieder des Radsahrer- bundes„Solidarität" Voß und Bachmann. Ein jeder, der die Geislesversassung der Mitglieder dieses Radfahrerbundes kennt, weiß, wie lächer- lich die Behauptung ist, die beiden Angeklagten hätten ihre Mitsahrer Schmidt und Deichmann zu versuchtem Totschlag angestiftet. Dasür liegt auch nicht die Spur eines Beweises vor. Das Gericht scheint ungehalten darüber zu sein, daß eine so große Anzahl von Zeugen, die Teilnehmer der Propagandafahrt waren, nicht gehört haben, daß von ihrer Seite geschossen worden sei, wäh- rend doch drei SA.-Leute verletzt worden seien. Man sollte aber berücksichtigen, daß die Motor- radsahrer schon bei den ersten Schüssen Gas ge- geben haben und davongefahren sind. Woher sollen sie nun wissen, von welcher Seite geschossen worden ist? Das Gericht wird äußerst vorsichtig zu Werke gehen müssen. Das Urteil ist heute in den späten Nachmittags- stunden zu erwarten. Motorrad explodiert Ein folgenschwerer Zusammenstoß Auf der Kreuzung Haupt- und Stier- straße in Schöneberg ereignete sich gestern nachmittag ein folgenschwerer Straßenunfall. Der 24 Jahre alte Motorradfahrer Walter Lehmann vom Halleschen Ufer 13 prallte dort mit einer Straßenbahn zusammen. Bei dem Zu- sammenstoß wurde das Motorrad zertrümmert und zu allem Unglück explodierte auch noch der Benzintank, der schadhaft geworden war. L. erlitt schwere Brandverletzungen und mußte sofort ins Schöneberger St.-Nvrbert-Krankenhaus überführt werden. Bei einem zweiten Motorradunfall kam ein Reichswehrobergefreiter Otto G e n tz vom Rathenower Reiterregiment 3 schwer zu Schaden. Der Soldat wurde an der Ecke Prinz-Regenten- und Güntzelstraße von einem Privotauto ersaßt und überfahren. Schwerverletzt fand Kentz im Achenbachkrankenhaus Ausnahme. at lungen, einen Teilnehmer der Propagandafahrt namens Förster sestzustellen, der den in Frage Kommenden kennen müsse. Das Gericht beschließt, Förster zu laden. Das Gericht befindet sich in einer äußerst schwierigen Lage. Der 16jährige Schmidt macht einen ganz vorzüglichen Eindruck. Seine Ruhe ist geradezu unerschütterlich. So verhält sich vor Ge- richt kein Schuldiger. Seinen Unschuldsbeteue- rungen stehen aber sechs vereidigte SA.-Aussagen gegenüber, teils bewußt unwahre, teils vielleicht im guten Glauben gemachte. Hatte aber der Mann im Beiwagen geschossen und sah«r dem An- geklagten Schmidt ähnlich, so konnten die Zeugen sich geirrt haben. Das Gericht wird selbst die vereidiglen Aussagen der SA.-Leute ganz genau unter die Lupe nehmen müssen: man weiß ja, wie leicht es diese Herren mit der Wahrheit nehmen. Ein Beispiel statt vielen. Der Gastwirt Staade in Börnicke hat unter seinem Eide erklärt, er habe zu niemandem etwas die Nazis Belastendes gesagt. Die Partei- sekretäre Lück und Schulz, die unmittelbar nach den Vorfällen am 10. Juli in der Gastwirtschaft herumhorchten, bekundeten aber, daß Staade ihnen gesagt hübe, daß ein Nazi hinter einem Baum Stellung genommen unb geschossen habe. Im Pfuhl würde man wahrscheinlich Waffen finden. Der Gastwirt gab nun die Möglichkeit zu, Aehnliches Todessturz vom Baum Immer wieder die Kastanien Ueberall kann man jetzt zur Reifezeit der Kasta- nien Kinder beobachten, die auf die Bäume klettern, um die Früchte herunterzuschütteln. Schon zweimal haben dabei Berliner Jungen im Alter von 3 und 10 Jahren durch Absturz den Tod gefunden. Jetzt wird abermals ein Fall bekannt, der sich am N o r d h a f e n in S p a n- d a u zutrug. Dort stürzte der 12jährige Schüler Werner T e s ch aus der Schäserstraße 24 in Spandau aus 6 Meter Höhe von einem Kastanien- bäum und schlug so unglücklich mit dem Kops auf das Straßenpflaster, daß er einen schweren Schädelbruch erlitt. Im Spandauer Krankenhaus ist das unglückliche Kind bald nach der Einliefe- rung gestorben. Dieser neuerliche Todessall sollte allen Er- wachsenen Veranlassung geben, die Jugendlichen von ihrer gefährlichen Baumkletterei durch scharfe Ermahnung abzuhalten. Zungbanner Graß-Berlin! Heute keine Zusammenkunft der Iungbannerführer im Gaubüro! Reue Surfe für erwerbslose Zugendliche. Für den Bezirk Schöneberg werden im Bierteljahr Oktober/November wieder Lehrgänge für erwerbs- lose Jugendliche vom Jugendamt in Verbindung mit dem Arbeitsamt Berlin-Südwest eingerichtet. Es sind zur Zeit folgende Kurse für Jugendliche im Alter von 14 bis 23 Jahren vorgesehen: Holz- bearbeitungslehrgang, Metallbearbeitungslehrgang, Kursus für Büroboten und Packer und ein Haus- wirtschaftlicher Lehrgang für Mädel. Meldungen und nähere Auskunst für alle Kurse in der Ge- schästsstelle für Jugendpflege, Rathaus Rudolph- Wilde-Platz, Zimmer 41/42. Menschentum und Erziehung krönt gegen die Not unserer Kinder Der Kongreß für Kleinti nd- erziehung, über den vir berichteten, brachte nech eine Reihe interessanter Vorträg«, die wir nachtragen. Der Sonntag war gan? der Darstellung der Fröbel-Method« gewidmet. Frau Dr. M u ch o w- Hamburg gab in ihrem Vortrag: Fröbels Gedanken über Kleinkinderziehung und der moderne Fröbelsche Kindergarten im Lichte der gegenwärtigen Kinder- und Bildungspsychologie ein« fesselnde Einführung in die Geisteswelt Fröbels.„Die Kinder werden wissend an den Erwachsenen, diese werden weis« an den Kindern. Die Tiefe seiner Erkenntnis beginnen wir erst heute zu verstehen. Er erkennt die Bedeutung de? Tätigkeitstriebs und ihren Ausdruck im Spiel, ohne da» es kein« echt« Kindespflege gibt. Denn im Spiel saugt da« Kind die Umwelt «in und sucht sie sinnbildlich zu beherrschen. Der moderne Fröbelsche Kindergarten süßt auf diesen Ideen, die er durch die Erkenntnisse der Wissen» schast ausbaut." Es folgte Dr. Lina Mayer»Kulen» k a m p s f- Berlin über das Thema: Der Lebens» räum des Kleinkindes im Kindergarten. In der heutigen Zeit ist die Familie außerstande. dem Kleinkind den nötigen Lebensraum zu ge- währen. Für manche Aufgaben ist sie aber durch nichts zu ersetzen. Grundlegende soziale Aende- rungen sind nötig, der Familie ihre Bedeutung als Heimat wiederzugeben. Inzwischen gilt es, die Hilfe der Eltern für den Kindergarten zu ge- wmnen. Alle Erziehung erfordert Geduld und Vertrauen in das Kind. Wir müssen in der Oeffentlichkeit die Erkenntnis wecken: Was das Kleinkind angeht, ist Sache der Allgemein« h e i t l Alle sind mitverantwortlich. Die Aussprache brachte bemerkenswerte Aeußerungen: Die Arbeitslosigkeit und der Unter- stutzungsabbau wirken zersetzend aus die Familie, tragen Haß unter die Angehörigen und treiben sie auseinander. Dabei sperrt man heute Kindergärten für Arbeitslosenkin- der, da die Eltern Zeit hätten, sich den Kindern zu widmen. Ueber Berufsbildung sprach Dr. Hanna B o e l k e r s- Berlin: Seit Fröbel hat die Familie ihre Sicherheit verloren. An ihre Stelle muß der Kindergarten treten. Er soll den Druck lindern, den die Arbeitslosigkeit der Eltern auf das Kind übt. Das muß durch Tagesheime auch auf das Schulkind ausgedehnt werden. Luise L a m p e r t- Stuttgart schloß mit einem Bortrag über Mütterbildung. Schon Fröbel fand die Familie nicht mehr zureichend. Seitdem hat sich ihr Versall vollzogen. Die Berufsarbeit der Frau, das Einkindersystem lähmen die Kraft der Mütterlichkeit. Darum Selbsterziehung! Auch die Väter müssen geschult werden. Der Mutter- sinn ist zu pflegen, das Wissen aus dem Leben zu entwickeln. Wertvoll die Mitwirkung der Mutter, am wirkungsvollsten das Beispiel! Eine lebhafte Aussprache folgte. Eine überfüllte Kundgebung Die Hilfe für das Kleinkind war der Gegen- stand der Kundgebung des Kongresses für Kleinkinderziehung, die den großen Saal des Schöneberger Rathause» überfüllt hatte. Paul Oe st reich eröffnete mit der Forderung: Eine Front gegen die Not und für die Hilfe am Kleinkind! Gertrud Bäumer zeigte, wie eine Zeit, die jedem einzelnen nur ein Stückchen Menschentuni zugesteht, dem Kind kein volles Menschentum zubilligen kann. Wie Kindesinter- essen gewertet werden, zeigt ein Beschluß des Aeltestenausschusies im Reichstag, dos Gesetz zum Schutz des unehelichen Kindes zurückzustellen zu- gunsten des litauischen Handelsvertrages. Unsere Zivilisation hat den Sinn für das Menschliche verloren, kennt nur noch sachliche Interessen. Dem- gegenüber gilt es, im Eintreten für das Kind das lebendige Menschentum zu vertreten. Wie in der Legende der heilige Christophorus dos Iefus-Kind durch den Strom trug, müssen heute alle, die mit Erziehung zu tun haben, müssen Behörden, Presse und Volk zusammenwirken, um dos Kleinkind durch den reißenden Strom dieser Zeit zu tragen. Immer schwerer wird die Der- antwortung. Das Ergebnis des Kongresses muß heißen: mehr Verantwortungsgefühl! Darauf setzten die Vertreter der am Kongreß beteiligten Verbände: Lili Dröscher(Deutscher Fröbel-Verband), Dr. Axster und Dr. Gerhards (Montessori-Vereine), Dr. Müller-Braunschweig (Psychoanalytiker), Oldendorfs(Waldorf-Schule nach Rudolf Steiner), Dr. Künkel(Jndividual- psychologe) ihre Ziele und deren Zusammenhang mit der Erziehung des Kleinkindes in sehr ein- dringenden Darlegungen auseinander. Paul Oestreich schloß im Auftrage der Entschiedenen Schulreformer mit dem ernsten Hinweis auf die schwere Wirklichkeit des Lebens, die es zu ändern gilt. Es gilt nicht nur, Pädagoge zu sein, sondern auch kultureller Kämpfer. Es geht um das Recht der Frauen, der Mutter und Kin- der, um die Verantwortung. Denkt daran am Wahltag! In einer Erklärung wurden die Forde- rungen des Kongresses zusammengefaßt. Automobilia �inerkreulickes und Erfreuliches von Mietautos Vier junge Berliner überlegen hin und her, ob es nicht möglich wäre, einmal eines Sonntags eine gemeinsame billige Autofahrt zu unter- nehmen, zumal der«ine perfekt chauffieren kann und den Fahrschein hat. Man geht also zu den Autoverleihern, findet einen, der einen Wagen zum Preis von 15 M. für 200 Kilometer hergibt. Alles freut sich schon auf den Sonntag. Da be- kommt der, der chauffftren will, am Sonnabend die Nachricht, daß der Wagen„leider kaputt" sei und nicht fahren könne. Wahrscheinlich hatte der Unternehmer inzwischen jemanden gefunden, der 300 Kilometer fahren und 25 M. zahlen wollte. Man läuft in der Sonntagsfrühe umher und 17. Kreis Mittwoch, 5. Oktober, 19y, Uhr, Mitgifedervereammlung in der Aula des Reform• Gymnasiums, Lichtenberg, Parkaue an der Möllendorffstraße. Referent Genosse Severing M. d. R. ErweilerferBezlrksvorsfand! Sitzung des erweiterten Bezirksvorstandes am Mittwoch, dem 5. Oktober, pünktlich 19 Uhr im Siiznngssaal des Bezirksvorstandes, Llndcn- stra�e 3, 2. Hof II Treppen. Vertretong ist nicht zulässig. Oer Bezirksvorstand. findet in der Nähe des Nollendorfplatzes einen Unternehmer, der seinen Wagen für 17 M. bei 200 Kilometer hergibt. Man fährt los. Der Wagen: Außen hui, innen pfui! Außen nett und sauber, innen: die abgewetzten Sitze haben Be- züge, die auch schon dreckig sind und durch den zerschlissenen Bodenbelag grinsen die Bretter. Kalter Wind pustet in«in offenes Fenster hinein, aber siehe, eine Scheibe läßt sich nicht hochziehen, sie ist einfach nicht da. Die Straßenecken müssen im Fußgängertempo genommen werden. Der eine Winker fehlt ganz und der andere streikt. In einem Dörfchen weit draußen frühstückt man ge- mütlich, will weiter, aber nun streikt auch noch der Motor. Das ganze Nest wird nach einem Helfer abgesucht. Endlich findet man einen Sach- oerständigen, der nach kurzer Untersuchung er- klärt:„Ianz einfach, der Tank is total verdreckt, die Zuleitung zum Vergaser is verstoppt. Keen Wunder, wenn der Wagen nich gehen will." End- lich aber geht er wieder, doch darüber sind 2Vü Stunden vergangen, der Nachmittag ist da, das Ziel nicht mehr zu erreichen, die Stimmung verdorben. Also zurück nach Berlin. Der Spaß kostet für nur 160 abgefahren« Kilometer ein- schließlich Benzin 22 M., pro Kopf 5,50 M. Viel zu viel für eine durch Schuld und Nachlässigkeit des Verleihers total verdorbene Sonntagsfahrt. Dienst am Kunden kann man so etwas bestimmt nicht nennen. Und nun zwei Gegenbeispiele! Ein Berliner Tourist kommt auf seiner Fahrt durch den Taunus und an den Rhein in das schöne Rheinstädlchen Eltville, verweilt dort ein wenig und hört eines Tages, daß ein Autounter- nehmer eine Fahrt ankündigt durch die im Taunus liegenden bekannten preußischen Staats- bäder Schlangenbad und S ch w a l b a ch, abwärts das 35 Kilometer lange herrliche Wisper- tal nach C a u b am Rhein, nach A ß m a n n s- Hausen und Rüdesheim und zurück durch den ganzen schönen Rheingau. Privatauto für sechs Personen. Je Person 4 M. Der Tourist macht die Fahrt, zahlt dem Chauffeur noch, wie die anderen vier Fahrgäste, 50 Pf. Trinkgeld und hat für seine 4,50 M. ein unvergleichlich schönes Erlebnis. Ein zweiter Fall. Ein Berliner fährt in der Nachsaison nach Oesterreich, nach Kärnten, und hört in dem kleinen Kurort, wo er bleibt, von dem Angebot eines Fuhrunternehmer», der seine Gäste im Privatauto über das schroffe und wildromantische Karawantengebirge nach Jugoslawien und zurück in einer Ganztagsfahrt für 16 Schillinge, nach deutschem Geld etwa 9 M., bringen will. Er macht die Fahrt, die dank glän- zendem österreichischen Gebirgswagen und hervor- ragendem Wiener Gebirgschaulieur über die wildesten Serpentinen und HaarnadeUurven großartig verläuft und bewahrt sich für seine 9 M. eine Erinnerung für das ganze Leben. Wenn man sich in Berlin eine Taxe bestellt, dann zahlt man das Anfahrtsgeld, zahlt zu der Taxe noch 15 Pf. extra(kein Mensch weiß mehr warum), zahlt Wartegeld(wenn der Wagen halten muß) und soll nächstens wohl noch mehr zahlen. Wenn sich ein paar Leute zusammentun, dann kann es ihnen gehen wie eingangs beschrieben. Und dabei kann kein Mensch behaupten, daß die Berliner Chauffeure zu viel verdienen. Eher ist das Gegenteil der Fall. Taxe und Mietauto sind also in Berlin zu teuer. Die Taxenunternehmer sollten nicht daran denken, die Preise zu erhöhen, sondern sie so zu stellen, daß die Taxe zu einem Volksbesörderungsmittel wird. Die Unternehmer der Mietautos ober sollen für das gute Geld, das man ihnen zahlt, auch gute Ware liefern, d. h. ein tadellos sauberes und in Ordnung befindliches Fahrzeug. Riesenfchiebungen 3500000 Reichsmark über die Grenze Die große Strafkammer des Landgericht» I unter Vorsitz des Lanidgerichtsdirektors Iakobi beschäftigt« sich am Dienstag mit dem größten Devisenschieberprozeh, der bisher vor einem deut- sehen Gericht zur Aburteilung gelangt ist. Der Betrag, der von den Angeklagten ins Ausland geschafft wurde, beläuft sich nach der Anklage auf die riesige Summe von 5 Mi Millionen M. Zwei Personen stehen als Zlngeklagte vor Gericht: der Devisenhändler Emeran Sedlmayer, der früher bei einer Berliner Großbank mit einem Gehalt von monatlich 1000 M. tätig war, und der Wurschändler Adam Neuhäuser. In der Zeit vom Dezember 1931 bis zum 19. Juni d. I. unternahm Sedlmayer ein« Reihe von Transaktionen, die teils für seine eigen«, teils für fremde Rechnung gingen. Allerdings weigert er sich heute, die Nomen seiner Auftraggeber zu nennen und darauf ist es auch zurückzuführen, daß die Art und Weife, in der er seine Schiebun- gen vornahm, nur wenig geklärt ist. Ueber die Wege, auf denen die riesigen Geldsummen ins Ausland flössen, bewahrten die Beteiligten gleich- falls schonungsoolles Stillschweigen. Als die De- Visenschiebungen auf dem Umweg über die Bank- kanten Scdlmayers den Behörden zur Kenntnis kamen, wurden die beiden Angeklagten, die sich im Ausland befanden, unter einem Vorwand an die deutsche Grenze bestellt und in Lindau festge- nommen. Di« Verhandlung mußtx schließlich zur Vor- ladung weiterer Zeugen vertagt werden. Fremde meiden Berlin Betrübliche Ziffern vom Juli 1932 Der„Monatsbericht des Statistischen Amts der Stadt Berlin" für den Monat Juli 1932, der jetzt erschienen ist, bringt interessante Ziffern über die in Berlin gemeldeten Gosthofssremden. Der Rückgang gegenüber dem Julimonat des Vor- jahres ist geradezu katastrophal. 102 302 Gasthofsfremden im Juli 1931 stehen nur 70 521 im Juli 1932 gegenüber. Das bedeutet im Tages- durchschnitt einen Rückgang von 3300 auf 2275, d. h. um rund 30 Proz. Dieser Rückgang ist selbstverständlich in der Hauptsache auf die politischen Ereignisse im Juni und Juli 1932 zurückzuführen. Der Juni brachte die Aufhebung des Uniformverbots, die Folge luchon war im Juli eine starke Zunahme politischer Zusammenstöße auch in der Reichshauptstadt. Diese Rückwirkung der politischen Maßnahmen der Reichsregierung von Papen ist für das schwer kämpfende Berliner Gasthossgewerbe besonders schmerzlich und bedauernswert SPD-AiigcftclItcn-Zrattion bei der AEO.-Treptow. Heute, 16« Uhr, im Lolal George, Rennbahnslrahe luicht Wolfram), Frattiouiiersawm. lung. Referent Genosse Martn»if. SPD.-Asü-Arde!ter Staaken. Donneretag, 6. Oktober, 20 Uhr, Lokal Wittschuß, Petersburger Str. ö, Zusammenkunft aller Parteigenossen. Erscheinen aller Pflicht. Parteimitgliedsbuch legitimiert. b�reie Gewerkfchafts-Iugend Verltn ] Zugendoorftelluna der Volksbuhne am Sonntag,». Oktober, um lZ Uhe, im Theater am Llllowplaß. Zur Äuffllhrung gelangt:„Der Reoifor" � von Gogol, Lustspiel in fllnf«Ren. Preis 60 Pf. einschl. Theaterzettel. .«karten bei der Frelgemerkfchaftlichen dugend-gentrale, Snacluker 24— llä, 2 Tr., 8. 26< Freitag« bis 19 Uhr),' der Sozialistischen Arbeiter-augend, Lindenstr. 2, vorn 1 Tr., und im Iugendselrclariat des Zeiitralverbandcs der Pngeslelllen, Hedemannstr. 12.— Heute, Mittwoch, 5. Oktober, um ISth Uhr, tagen die Gruppen: Südwesten: Jugendheim Porlkstr. 11(Fabrikgebäude). Heim- bcsprechung. Lustiger Abend.— Schilucdcrg: Iuaendhcim Hauptstr. 1»(Garten- hau»). Heimbesprcchung. Verbandsbuchkontrolle. Wir machen Spiele.— Spondau-Reuftadt! Jugendheim Liudenufer 1. Heimabend.— Rordring: Jugendheim Sonncnburger alt. 20. lireis Mitgliederversammlung.— WeißeNlee: Jugendheim Weißensee, Easeler Str. 2. Ztretimitgliederversammlung, Sonnen. burger Str. 20.— Srn»w»ld«r Plag: Jugendheim Schänlanker Str. 11, Baracke S, rechter Eingang. Kr-ismitgliederoersammluna.- Reutolln- Jugend- beim Bergftr. 29(Hof). Heimbesprechung. V-rbandobuchkontrolle.— Flug- Hafen: Jugendheim Flughafenstr. 6«(U-Bahn Boddinstraßel. Heimbesprechung. — Humboldt: Jugendheim Graun. Eck» Lortzingstraße. H-imbesprechung. Unsere Winterarbeit. Vcrband-buchkontrolle.— Schillerparr: Jugendheim Schul« Schöningstr. 17. Heimbcsprechung. Derbandsbuchkontrollc. Wir lernen Lieder. - Charlotten barg: Jugendheim«preestr. ZO. Heimbesprcchung.— Bau m schule ll- weg: Zugendheim Baumschulenwea, Ernststr. 16. Heimbefprechung.— Nordost. krelo: Im Jugendheim Sannenburg-r Str. 30.»r«i»mstgl>«tirversammlunz. Tagesordnung: 1. Unsere Binterarbeit. 2. Organisatorisches.— Ingeudgruppe des Gesamt oerdandcs: SO. l6. Engelufer 21— 2Z, Aufgang ö Fachgruppe Handel und Tranoport: Zimmer Z, Liederabend. Fachgruppe Gärtnerei und Binderei: Facharuppenmitgllederverfammlung. Taaeoordnung. 1. Unsere Werbeaktion. 2. Winterprogramm. Z. Fachgruppenangclegenheiten. @Iu<,endgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute. Mittwoch, finden folgende Beranstaltunaen statt: SchZndauler Borstabt! Jugendheim der Schule staftanienallee 81. Stegreifspiele. Leiter: Max Schwort.— Nordost I: guaendheim Dan» ig er Str. 82(Baracke 8). Diskussionsabend.— Nordost ll: Sir besuchen die Versammlung de» Derbe- bexirks.— Neinickenborf: Jugendheim Lindauer Str. Z(Zarackei. Lagespolitische Rundschau. Leiter: Löwi.—»öpenick: Jugendheiim Dahlwißer Str. ll>(Gas. anftalt am Bahnhof stdpenick)..Neue» oom Tage" sstur»referati).— Reuköll«: Zugendheim Böhmisch« Str. 1—4, Ecke statiner Straft«. Aussprach« über Arbeit. nchmerschafl und stvnst.— Ochiiaeberg: Zugendbelm Hauptstr. Id(Hosgedäude, SachscnUmmer). Arbeitsgemeinschaft:..Die Geheimnisse der kapitalistischen B-ren«r>euzuna--. Leiter: Derkow.— Sharlottenburg: Dir besuchen die B-r. lammlung des Derbebezirk».— Südost: Jugendheim Manteuffelstr. 7. Arbeits- gemeinschaftt„Sozialismus als stulturbewegung"(3. Abend). Leiter: Dr. L». winski.— Südwest: Jugendheim Borckstr. 11(2. Hof, Quergcbäudi Aufgang I, stiimmer Z. Heimueranstaltung.— Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Unser« Musiker üben.— Di- Versicherungsgesellschaft„Sorgenfrei" A.-S. tagt heute von 18— 18 Uhr im Verbondshaus, Zimmer 24. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". (Seldjliftsstelle: Berlin S. 14. Eebastionstr 37—38, Hot Z Tr. striedrichshaln(stameradschaft Frantsurt): Mittwoch, b. Oktober, stameradschaftsuersamnilung bei Wittschutz. Petersburger Str. 3.— Schöncwcide-Johannisthal(Kameradschaft): Donnerstag, 8. Oktober, 18 Uhr, Versammlung im Lokal Winkler, Wilhelminenhofstratze.— Rahnsdorf(Kamerad. schalt): Donnerstag, 8. Oktober, 18>... Uhr. Monatsvcrsammlung bei Kamerad Molkenbuhr. Sonntag, 8. Oktober, Radfahrt nach Bohnsdorf. Treffpunkt 7 Uhr Zentralschule Wilhelmshagen.— Reinickendorf(Kameradschaft Freie Scholle): Freitag, 7. Ottober. 28 Uhr, Kameradschaftspersammlung im Schollenkrug.„Die politische Lage". Referent Kam. Stieglitz.— Wedding(Ortsverein): Unser Kamerad Otto Fe n»lau. Antwerpener Str. 48, ist oerstorben. Ehr« seinem Andenken I Einilscheruna Donnerstag, 8. Oktober, 18 Uhr, Krematorium Äerichtstraße. Antreten siimtlicher Kameraden 17.48 Uhr in der Vorhalle.— PrcnUauer Berg, Bortrupp: Mittwoch, b. Oktober. 18 Uhr, beim Kameraden Finning. Wir besuche» den Heimab»nd Zriebrichshain. Vortrag des Kameraden Löwenstein. Baudelegiefte des Deutschen Baugewerksbundes'- 1 Am Donnerstag, 6. Oktober, nachmittags 5 Ahr (unmittelbar nach Feierabend) findet in unserem Erwerbslosenraum, Grotzbeerenstr. 8«,«ine Baudelegierten- Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Die Durchführung der amtlichen Lohnerhebung im Bau gewerbe. 2. Mitteilungen. Kollegen I Es Ist dringend notwendig, datz in dieser Ver. sammlung jede Arbeitsstelle durch ihre» Baudeleaierren ver. treten wird.— Vcrbandsbuch und Baudelcgiertenlarte ist am.•*, Eingang als Legitimation por-uzeige». gro�u�er. Oer Laugewerksvorstanb. Gg. Eberl.> Zieinick-ndorf.Ost. Zadnaebisse. Vlarinab'iille Quecksilber Zinn- metalle, Silber- ichmel,» Golds.bm«l- oerei. Ebristionat. .Kijpcnickerst ratze 38, iHaüestelle Adalbert. stratze. Bund deutscher hirurerlctzter Krieger e. L. Freitag, 7. Oktober, 18ZH Uhr, Monatsversammlung in unserem Vereinslokal bei Branbenburg, Berlin C. 2, Stralauer Str. 3—8. Verein der Heimatfreunde, Kreis Sreifenhage» in Pommern, e. V-, Berlin. Vorsitzender: Hermann Arndt, Köpenick, Deslendstr. 1. Sonnabend, b. Oktober, 20 Uhr, 11. Stiftungsfest im Garde-Kasino, Sophienstr. 34. Eck« Srotze Ham, burger Stratze. Einlatzkarte 50 Pf. vermuie Linoleum ötilla». Kolonie. stratze 8. «rbeiter-Stenographennerein Grotz.Berli», Mitglied de» Arbeiter.Sreno, »raphenverbandes fllr das deutsche Sprachgebiet. Sitz Dresden. Redeschriftkurse in RerchsiuAschrift für Fortgeschrittene. Norden: Jugendheim Billdenowst. 3, nahe Bhf. Bedding, jeden Freitag, 1814 Uhr.— Nordost,»: Jugendheim Dan. Siaer Str. 82, jeden Dilnstag, 28 Uhr.— Neutölln: Karl.Marx.Echule, Kaiser» sriedrich-Str. 208— 210. jeden Donnerstag, 18H Uhr. Weitere Auskunit, auch der Berkehrsschristkurs«, erteilt Otto Wenghoeter, Velten i. d. M., Wilhelm, flratz« 10».— Veranstaltungen Im Oktober: Am Sonntag, dem IS., Fernwett» chretben in Neukölln. Am Sonntag, dem 23., Filmoor-llbrunqen und Besichti. guag im..Hau» der Technik", Frledrichstr. 110—112- Alle Genossen und Freund« unserer Organisation stnd herzlich eingeladen. Eintritt frei. Landimanaschast der Schleswig.Holsteiner zu Berlin— 1882. Eeschästsstelle: ö. 14, Prinzenstr. 61. Donnerstag, 6, Oktober, 20 Uhr, im Dresdener Garten, Dresdener Str. 45, Vortrag und Unterhaltungsabend. Geschäftlich» Mitteilungen. Ausnahm« neuir Mitglieder. Berichte. Herbftseier: Vortrag der Landsleut« Wilhelm Hinz: 1. Die Schleswig.Holsteiner Bewegung und dl« Gründung der Schleswig.Holsteiner Bereine in Berlin: 2. Wilhelm Steffen: 5 I' Garten. Mitteilungen über die Säfte, stnd willkommen. Jahre Dresdener Schleswig.Holsteiner Diele". Landsleute, Kochderde leder Art u. Grütze. Riesenauswahl. Teilzahlung, tron». portable Kachelösen. Badewannen-Oesen. KesselöfeN. Die alte Firma Semmler und Blenberg, Dresdenerstratze 88. Zannowitz r 7 885L HiaidungsslUcKi. uiaschs usui. Hosen für Zimmerer und Maurer. Wilbelm Vahr. Brunnen stratze 78. c moDei Küchen 63—280, Beitzlack schränke 85, Metall betlstellen 29. Ka. Meiling. Kastanien. alle« 58(Ecke Fehr- bellinerstratze). Gleisei, zut« Möbel. Alexan. »rvlatz. Bescnans- vemuie Grifte uzgeschäft, Lebensmittel, Back. Hof, wäre, Seifen, Rolle, fx—tz, R-gislri-rlasse.|— ! Stände verschiedener Branchen zu ver. pachle». »egelbadnen, l Vereinszimmer, Säle krei. Fllrsten- Köpenicker- 137. INlZlst- mstrumems Leihhaus Lowick: jss« nj. w.«...... tragen« sowie neu, H»rr»ngarderobe. Herren, u. Damen pelz«. Weitester Weg lohnt. Kein» Lombard wäre. Brtnzenstratze 105, eis« Trepp», Brunnenstratze 35. 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Expander und Hanteln sind überflussig, das Ueben im einsamen Zimmer oder das Gehen zum Turnsaal und Sportplatz ist nicht mehr nötig. Unsere U-Bahn verfügt über eine Anzahl Wagen älteren Kaliber». deren Türen so schwer auf- und zugehen, daß es für strebsame junge Leute kein besseres Mittel gibt, gewissermaßen nebenbei ohne Unkosten sich eine beachtenswert« Armmuskulatur zu erwerben, als freiwillig dies« Türen zu öffnen und zu schließen. Da e» Frauen und Madchen fast nie gelingt, derartige Türen zu öffnen, so erwirbt sich ein junger Mensch auch noch das Ansehen eines Kavalier». ★ In den Zandersalen der mediko-mechamschen Institute und der Sanatorien führen allerlei In- strument« meistens ein wenig beachtetes trauriges Dasein. Es gibt da Ruderapparate und auch Reit- apparate. Man setzt sich auf so ein mediko-mecha- nisches Pferd, drückt auf einen Knopf und— hopphopp, hopphopp— geht das Ding los. Und dann wird man nach allen Regeln der Reitkunst durchgerüttelt und durchgeschüttelt, weil eben das Pferdereiten an sich ein sehr gesunder Sport ist. Diese Vibration, d. h. Erschütterung, der Körper- teil« spielt in der Massage«ine wichtige Rolle. Wer nun eine solche Vibratton braucht, hat es nicht nötig, zu einem Reittnstitut zu gehen oder sich ein mechanisches Pferd zu greifen. Unsere U-Bahn verfügt über einige Wagen älteren Ka- liber», die in vollendetster Weise und ohne jede Extragebühr eine Durchrüttelung und Durchschütte- lung des ganzen Körpers vornehmen. Wem das etwa auf die Dauer zu viel wird, der steige an beliebiger Station aus und benutze den nächsten Zug, wo er dann vielleicht die eben beschriebene Prozedur zur Stärkung der Armmuskulatur vor- nehmen kann. * Wer nun eine Gebirgstour vor hat und sich darauf trainieren will, der hat es beileibe nicht nötig, den Kreuzberg zehnmal hintereinander rauf und runter zu klettern. Unsere U-Bahn bietet dem angehenden Bergsteiger zwei prächtige Trainings- stellen. Die eine befindet sich am Halleschen Tor und die ander« am Nollendorsplatz. Auf dreimal 33 Stufen steigt der Bcrgbeflissene von der Tiefe des U-Bahnhofs Belle-Alliance-Platz zu der steilen Höhe des Bahnhofs Hallefches Tor empor. Einige „Hochebenen" sorgen dafür, daß man wieder zur Puste kommt. Wer scharfer herangehen will, der begebe sich zum Rollendorfpsatz, da hier die Hoch- ebenen kürzer sind. Daß die Korpulenten auf'- der U-Bahn, dem Autobus, der Straßenbahn und der K-Bahn im Sommer jederzeit gratis eine Entsettungs-Schwitz- kur vornehmen können, hat sich bereits so herum- gesprochen, daß es eben nur noch der Erwähnung bedarf. Es kommt immer nur daraus an. wie man die Dinge betrachtet, mit einem freundlichen oder Im Kreise von Vertretern des deutschen Ei»- sports, von Mitgliedern de» Bezirksamts Fried- richshain und Vertretern der Presse gab am Mon- tag Bürgermeister M i e l i tz einen Ueberblick über die Bestrebungen des Bezirksamtes Fried- richshain, der sportliebenden Jugend auch im Winter eine gesunde sportlich« Betätigung zu schaffen. Der Bezirk Friedrichshain ist der dichtbevöl- kertste Berliner Stadtteil. Auf engen Höfen und verkehrsdurchfluteten Straßen wächst die prole- tarische Jugend heran. Dieser Jugend Licht, Lust und Sonne und ein ausreichende» sportliches Betätigungsfeld zu schaffen, hat das Bezirksamt mit sichtbarem Erfolge angestrebt. Die Schaffung des Sportplatzes im Friedrichs- Hain sowie einiger anderer Sport- und Spiel- Plätze, die obligatorische Einsührung des Schwimm- Unterrichtes in den Volksschulen haben viel zur Gesundung und zur Erhöhung der Lebensfreude unserer proletarischen Jugend beigetragen. Diele Sportarten, die auf Plätzen ausgeübt werden, find jedoch an die Sommermonate gebunden. Daher war das Bestreben, im Friedrichshain eine Freilufteisbahn zu schaffen. Die' Finanzlage der Stadt Berlin ließ es leider nicht zu, aus eigener Kraft eine Freilufteisbahn zu schaffen. Die Vereinigung Freilufttunsteisbahn Friedrichshain setzt nunmehr den Plan in die Tat um. Das Bezirksamt hat zu diesem Zwecke eine entbehrliche Fläche im Friedrichshain, an der Grenze der Häuserfront der Landsberger Allee, zur Verfügung gestellt und dafür die Zusicherung erhalten, daß hier der Eissport wirklich al» Volkssport betrieben wird. Den Schulen und den Vereinen wird der Platz zur Sportaus- Übung überlassen und sogar die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer im Eissport wird an- gestrebt. Die Freiluftkunsteisbahn ist von Tem- peraturunterschieden unabhängig und ermöglicht einem empörten Auge. Viele Fahrgäste meinen, daß die alten und ältesten Wagen, die sich immer noch auf der Strecke Warschauer Brücke— Schöneberg und Alexanderplatz— Krumme Sänke herumtummeln, in den verdienten ewigen Ruhestand versetzt werden sollten. Man sieht aber, daß diese ehrwürdigen Vehikel offenbar auch noch anderer nützlicher Zwecke als denen der Personenbeförde» rung für wert befunden werden. e», den Eissport fünf Monate hindurch Tag sür Tag ausüben zu können. Die technische Einrichtung ist im wesentlichen eine Kaltemaschinenanlage. wie sie in Brauereien und Schlachthofanlagen allgemein zur Anwendung gelangt. Mit Hilfe einer Kälte- Maschine wird Salzwasser aus Temperaturen von 8 bis 12 Grad Celsius gekühlt? durch ein« Spezial- pumpe wird die kalte Sole einem Rohrnetz zu- geführt, das in der Cisbahnfläche verlegt wird. Die Eröffnung des Eisbahnbetriebe» ist für Mitte Dezember vorgesehen. In wenig Worten Wirtschaftlich« Not veranlaßt« in R o s k i l d e (Dänemark) einen Rechtsanwalt mit seiner Ehefrau, seinem ISjährigen Sohn und seinen drei Töchtern durch Einatmen von Gas aus dem Leben zu scheiden. » In Schwetzingen(Baden) kam es zwischen den Mannschaften eines Fußballwettkampfes zu einer Auseinandersetzung. Am erregtesten wurde der Schiedsrichter: er schoß eine Gaspistole ab. Ein Unbeteiligter aus dem Publikum erlitt eine schwere Augenverletzung. ★ Der Sekretär des Regimentszahlmeisters des 178. französischen Infanterieregiments in Re- m i r e m o n t namens Ostermann hat mit der Regimentskasse, die 250 900 Frank(etwa 40 000 Mark) Bargeld enthielt, die Flucht ergriffen. Man nimmt an, daß er sich in Paris aufhält. SPORT Rennen zu Karlshorst Iungscrn-Hürdenrenncn. 1. Pilot lFlorianu 2. Diu- fu«; S. ifraa Papa. Toto: 6H; 10. Play: 17, 11, 48; 10. ferner liefen: L berstolz i4.), Verdi, Markmeister, Montclair, Monitoba. Wunderkind, Himmelfahrt, Alma. LSkar-Qehlschliiger-Iagdrennen. l l'aret«Lt. n. Horn>! Z. Sergius: 3. Eva. Toto: 11: 10. Platz: 12, 25: 10. Ferner liefen: Revident(4.1, Merlan, Kolonne. Herbft-Prei«. 1 Honesta l Wolfs i; 2. Wifa Gloria H. 1: 3. Priester. Toto: 32: 10. Platz: 19, 18, 18: 10. Ferner liefen: Fngger(4.), Fiametta. Parademarsch, Spala. Echo-Flachrennen. 1. Tumult«HavneSl: 2. Prolongo- batbc; Z. Cnego. Toto: öl; 10. Platz: 15, 13, 30; 10. Ferner liefen Pelogon,?l. D. R., Lortzing(4.1, Panda, Garde. Perolino. 1. Altopold stf. Maner): 2 Horrido: 3. Sticmncde*. Toto: 65; 10. Platz: 29, 31; 10. Ferner liefen. Aellow and Black(4.1, Lottchen(angeh.i, Gala. Kott-FIachrennen. 1. Fix und Fertig(Haynekl: 2 Laus: 3. Paua: 1 Marschall. Toto: 80; 10. Platz: 24, 45, 36, 23: 10. Ferner liefen: Lvkurg, Lautpotz' Pohn, Nr. 1, Tennoch. Rigoletto, Steinbraut. Ebari- tin, Tulla. Fortuna-PreiS. l. Lobland«Bes 1; Z. Glubwürm- chen. Toto: 15: 10. Zwei liefen. Cassius-Flachrennen. 1. Nomos sReibl«: 2 Lützow: 3. Tarnschild. Toto: 40: 10. Platz: 16, 17, 20; 10. Ferner liefen: Musketier(4.1. Metrodorus, Siegwart, Steinfeld, Henvill, Hansrein, Efpi. Toppelwette: Tumult— Fix und Fertig 1086: 10. Die Volksbühne spielt am Sonntag, dem 9. d. M., um 15 Uhr das Lustspiel„Der Revisor" sür Jugendliche von 14 bis 18 Jahren. Hierfür sind Karten zum Preise von 80 Pf. zu haben: Im Jugendsekretariat der SAJ., �>W, Lindenstraße 2, o. I,(geöffnet von 9— 17 Uhr, Mittwoch und Freitag von 9— 19 Uhr), im Sekretariat der FGJ., SO, Engelufer 24/25 und im Jugend- sekretariqt des ZdA., SW, Hedemannftr. 12. Gegner der Vivisektion. Vor der EHaritö in der Schumannstraße versuchten gestern nachmittag um 3 Uhr anläßlich des Tierfchugtages etwa 100 Mitglieder des.�Ringes der entschiedenen Bekämpser der Vivifektian", größtenteils Frauen, zu demonstrieren, wurden aber von der Polizei daran gehindert, die die Ansammlung ohne Zwischenfall zerstreuen konnte. Eine Beratungsstelle für Mieter. Viel zu wenig ist bekannt, daß der Reichsbund Deutscher Mieter Berliner Mietervereiii e. V., Berlin SW. 11, Kleinbeerenstr. 25, Gartenhaus II, allen Mietern zweckdienlichen Rat und Auskunft erteilt. Wetter für Berlin: Wettere Wetterbesserung, am Tage wieder etwas wärmer, nachts kalt bis zu Bodenfrost, stellenweise Nebel.— Für Deutschland: Im größten Teil des Reiches trocken und ziemlich heiter, strichweis« Nachtfröste: auch im Süden Besserung. Nur im Nordasten noch ver- änderlich. Eissport im Arbeiterbezirk rViecirictisksin schafft Kunsteisbahn— Der Park mit der Kältemaschine WMbio«#* • k iv von Frankreich sagte; Könil Heinrich � So„ntaf,, jeder """ein Huhn im Topf, habe/ (da- waren noch-chöne Zeitenl) 1 Wir sagen: � Jede9 „Jeder c�inen warmen Mädel soll seine V/inter-Wanwe .. Ul.u wird, haben und damit da- m0gh' ,n�er.Mäntel wir Preise"�ich sind. gesetit, die beinahe uns C.& A- w« ����r'und" Kind" bntr� Denken Sie daran. � �aonn einmal an e'» (aUC Mittwoch kein de- nern Inserat erscheint) sonderes Inserat und— MA&druck roo Wort und BUd verboten) Oranienstr. 40 Am Orsfllsnplitt Chausseestr. 113 Seim Stettiner Bahnhof Königstr. 33 Wiimersdorferstr. 108 A*> Bhl. ZlMinSsrpKU Am■tlinlisl CJi■ rlatt• n b v(« Blockade über Deutschland Das Chaos der Handelspolitik— Herum mit dem Steuer! Wer vor der Veröffentlichung der Papenschen Notverordnung und vor der Rede des Agrar- Ministers in München in Deutschland seine war- nende Stimme erhob und erklärte, daß die be- absichtigte Kontingentspolitik ein Griff ins Wespennest sei, wurde von den klugen Wirt- schostspolitikern des R«ichsernäk>rungsministeriums und den Interessenvertretern der Landwirtschaft mitleidig belächelt.„Nur kräftig zu- fassen und sich nicht lange auf Verhandlungen einlassen, dann wird das Ausland die Dinge schon hinnehmen" lautete die Devise der Kontingen- tierungsfanatiker. Haben nicht Frankreich, die Schweiz und zahlreiche andere Länder, so fragt man von derselben Seite, eine rigorose Kon- tingentspolitik getrieben? Ist nicht England zum Hochschußzoll übergegangen, ohne daß fol- genschwere Vergeltungsmaßnahmen gegen diese Länder angewandt wurden? Es war schon bisher und wird auch ferner vergebliche Liebesmüh sein, diese auf Zölle und Cinfuhrdrosselung eingeschworenen Politiker davon zu überzeugen, daß es ein gewaltiger Unterschied ist, ob Länder mit hohen Einfuhrüberschüssen, wie Frankreich und England, zu Drosselungsmaßnahmen schreiten, oder ob«in Land wie Deutschland, das auf Gedeih und Verderb auf seinen Milliardenexport und seine Ausfuhrüberschüsse angewiesen ist, sein« besten handelspolitischen Freunde vor den Kopf stößt. Inzwischen find seit jener programmatischen Rede des Reichsernährungsministers von Braun in München erst acht Tage vergangen, und man muß sagen, daß die Aufnahme der Kontingen- tierungspläne im Auslande auch die schwersten Befürchtungen übertroffen hat. Der schnelle Abschluß der deutschen Kontingentsverhandlungen mit Belgien wurde von uns gestern mit R«cht als völlig belanglos hingestellt, denn Belgien spielt mit knapp 2 Millionen Mark Im- porten, die von der deutschen Kontingentierung betroffen werden, nur eine völlig untergeordnete Rolle. Mit um so größerer Spannung mußte jeder, dem das Schicksal der deutschen Gesamtwirtschaft am Herzen liegt, die Ergebnisse der Verhandlun- gen mit Holland erwarten. Daß die deutsche De- legation, die— bezeichnend genug— für derart schwerwiegende Unterhandlungen einen völlig unbekannten Ministerialrat zum Führer hat, in Holland auf eine besonders schwierige Situation gefaßt sein mußte, lag auf der Hand. Das Ergebnis vom Haag ist aber eine glatte diplomatische, wie auch handelspolitische Katastrophe. Die holländische Regierung hat am Dienstag mittag zu den deutsch-holländischen Kontingentie- rungsverhandlungen eine amtliche Mitteilung herausgegeben, in der es lakonisch heißt, daß die Regierung nach Kenntnisnahme der deutschen Pläne zu dem Schluß gekommen sei, daß die deut- schen Vorschläge keine Grundlage für eine ersprießliche Diskussion dar- stellen. Das heißt, aus dem Diplomatenstil ins Deutsche übersetzt, daß die Holländer es überhaupt nicht zur Verhandlung haben kommen lassen, sondern die deutschen Vorschläge von vornherein als undiskutabel abgelehnt haben. Für die ernste Lage der deutschen Exportindustrien, die noch in den ersten sechs Monaten dieses Jahres, also in der schlimmsten Zeit der Krise, einen Exportüberschuß von 181 Millionen aus Holland herauswirtschaften konnten, ist die Tatsache sehr bezeichnend, daß das von agrarischen Verbänden in Amsterdam gegründete Aktionskomitee die Spitzenverbände der holländischen Wirtschaft zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen hat. Auf dieser Sitzung wurde ein Komitee mit der Untersuchung beauftragt, inwieweit es möglich sei, sich von dem deutschen Jndustrieexport in Holland unabhängig zu machen. Inzwischen dürste auch das Echo aus sämtlichen skandinavischen Ländern der Regierung gezeigt haben, was sie sich selbst und ihrem„Ankurbe- lungsprogramm" mit der Kontingentierungs- Politik für eine Suppe eingebrockt hat. England hat die in Skandinavien herrschende Verstimmung gegen Deutschland, die mit der Vutterzollpolitik zusammenhängt, als lachender Dritter zu einem großangelegten Vorstoß nach Skandinavien benutzt. Wie immer bei solchen Gelegenheiten läßt England bei dieser Handelsoffensive alle pro- pagandistischen Minen springen, und in Dänemark, wo man auf das Wohlwollen des großen englischen Kunden außerordentlichen Wert legt, haben Verbrllderungsszenen mit den Engländern stattgefunden, die in den Auftrags- bllchern der britischen Exportindustrie ihren Nieder- schlag finden werden. Die dänische Presse hat wiederholt den Eng- ländern vorgerechnet, wie Großbritanniens größter Konkurrent, Deutschland, in den letzten Jahren in Dänemark an Boden verloren hat. Allein im letzten Jahr ist Deutschlands Anteil am dänischen Import von 28 auf 14 Proz. gesunken, Englands Anteil aber zugleich von 14 auf 2S Proz. gestiegen. Mag auch hierbei die Wäh- rungsentwertung des Pfundes und der dänischen Krone mitsprechen, so zeigen diese höchst unersreu- lichen Zahlen, daß Deutschland allen Anlaß hat, durch eine kluge Handelspolitik seinem Export aus den skandinavischen Märkten den Weg zu ebnen und ihm nicht durch Einsuhrkontingente, die der Landwirtschaft nicht einmal etwas nützen, noch Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Denn was für Dänemark gilt, das gilt auch für Schweden und Norwegen. Auch die schwedisch-englische Woche, die jetzt in Stockholm stattfindet und an der wie in Kopenhagen der Prinz von Wales und verschiedene Flotteneinheiten teilnehmen, läßt die Gefahren für den deutschen Export deutlich in Erscheinung treten. In sämtlichen schwedischen Kinos sollen englische werbesilme vorgeführt, in anderen großen Städten des Landes gleichfalls englische Sonderausstellungen einsetzen, wobei sich viele schwedische Kaufhäuser zur Ausstellung britischer Waren bereit erklärt haben. Der schwerste Nackenschlag aber, den die Kontingentierungspolitik bisher aufzuweisen hat, kam von einer für die Regierung unerwartetsten Seite: aus Rom. Italien, das sich mit seiner hohen Einsuhr schon seit langem in argen Devisen- schwierigkeiten befindet, hat über Deutschland eine regelrechte Devisenblockade verhängt. Nachdem das mit Italien seinerzeit ab- geschlossene Devisenabkommen zum 1. Oktober von Deutschland wegen der bevorstehenden Kontingen- tierungen gekündigt worden war, hat Italien sofort mit einer regelrechten Devisensperre gegen Deutschland geantwortet, die einer glatten Er- drosselung der deutschen Ausfuhr gleichkommt. Wie lange Italien an diesen Kampfmaßnahmen festhalten will, steht dahin. Jedenfalls aber kann Deutschland im Augenblick nicht einmal gegen- über Italien auftrumpfen, denn die Haupt- saison des deutschen Reiseverkehrs nach Italien, dessen Verbot oder Drosselung für die Italiener ein empfindlicher Schlag wäre, ist vorüber, und auch die italienischen Obstimporte nach Deutschland dürften größtenteils bereits durchgeführt oder im Gange sein. Handelskrieg mit Italien! vernichtende Niederlage in Holland! Verdrängung von den skandinavischen Märkten durch England! Diese Beispiele sollten genügen, um der Regierung klarzumachen. daß sie mit ihrer Handelspolitik Deutschland glattweg unter Blockade stellt. Noch ist e» nicht zu spät, aber es ist die letzte Minute, um das Steuer herumzureißen. R. L. Was wird mit Karstadt? Tilgung von Obligationen ausgesetzt Es scheint so, als wollte die Verwaltung der Rudolph Karstadt A.-G. ihre Geschäfts- Politik der Plötzlichkeiten und der Ex- p e r i m e n t e, die die Periode der wahnsinnigen Expansion kennzeichnete und zur Katastrophe führte, unentwegt fortsetzen Sie hatte schon im Geschäftsbericht und auf der Generalversammlung verkündet, daß die Inhaber der amerikanischen Dollaranleihe(noch etwa 58,7 Millionen MarkH für die notwendige Sanierung ebenfalls Opfer bringen müßten. Monatelang wurde in Amerika darüber verhandelt, ohne Erfolg. Jetzt plötzlich gibt die' Karstadt-Verwaltung be- kannt, daß nur die Zinsen auf die Anleihe gezahlt würden, daß aber die übliche Tilgung im Wege der Auflösung zum 1. November unter- bliebe. Der fällige Betrag, etwa 0,8 Millionen Mark, werde bei einem New-Porker Bankhaus hinterlegt. Zur Begründung wird gesagt, daß man jetzt nicht einen kleinen Teil(die aus- gelosten) Gläubiger voll befriedigen könne, wenn alle übrigen in kurzer Zeit einen mehr oder minder großen Verlust auf sich nehmen müßten. Diese Begründung hat etwas für sich— gleichwohl stellt dieses Vorgehen einen glatten Verstoß gegen die Anleihebedingungen dar. Wenn die Anleihegläubiger hartnäckig und kurz- sichtig sind, können sie jetzt die ganze An- leihe auf einmal kündigen und die Kar- stadt A.-G. zum Konkurs zwingen. Denn für die Anleihe sind erststellige Hypotheken auf die besten Häuser von Karstadt eingetragen. Dahin wird es aber nicht kommen— denn dann wären die Banken die Gewinner, die An- leihegläubiger die Verlierer in dem Spiel. Wenn man sich überlegt, wie die Karstadt-Sanierung aussehen könnte, dann kommt man tatsächlich zu dem Schluß, daß alle kapitalmäßig Interessierten dazu beitragen müssen. Zunächst ist da der V e r l u st von 34 Mil- lionen Mark aus dem vergangenen Geschäftsjahr, der sich im laufenden wesentlich erhöhen wird. Ferner wird man von allen Anlagekonten(letzte Bilanz 183 Millionen Mark) mindestens ein Drittel abschreiben müssen. Dann hat man einen Betrag von rund Illl) Millionen Mark, um den die Kapitalansprllche ermäßigt werden müssen. Legt man die Stammaktien 10 zu 1 zu- sammen, so hat man einen Buchgewinn von 50 Millionen Mark, zu dem noch 10 Millionen Mark aus einer Zusammenlegung der Vor- zugsaktien im Verhältnis 2 zu 1 kommen könnten. Dann sind in erster Linie die Banken daran, Opfer zu bringen. Denn sie sind die Hauptschuldigen an dieser Fehlspekulation. Sie wollten groß verdienen und gaben Kredite über Kredite, die überhaupt erst die übertriebenen Auskäufe, die maßlosen Bauten ermöglichten. Sie haben die allgemeine Entwicklung und speziell die Chancen von Karstadt in dilettantischer Weise überschätzt, geblendet von den Gewinnzifsern und den 12 Proz. Dividende, die drei Jahre hintereinander gezahlt wurden. Allein die kredil- polilik der Banken gegenüber Karstadt rechtfertigt die Forderung nach dem Bankenaussichtsamt. Diese an der Karstadt-Pleite Hauptschuldigen werden heute etwa 70 Millionen Mark zu fordern haben. Wir halten es für selbstver- ständlich, daß man ihnen einen Ver- z i ch t van m i n d e st e n s 50 Proz. zu- mutet. Damit würden weitere 35 Millionen Mark„gewonnen" sein. Es blieben schließlich die Anleihegläubiger(58,7 Millionen), die vielleicht auf 25 Proz. ihres Kapitalonjpruchs verzichten mühten. Nach Durchführung dieser„Schnitte" hätte man die Passivseite um etwa 110 Millionen Mark ermäßigt. Die Warengläubiger werden selbstverständlich in keiner Weise zu leiden haben. Die„lieben FLinder" Neue Geschenke an die Hausbesitzer Die Hausbesitzer, die sich nicht erst seit gestern die lärmende Agitation des Reichslandbundes bei Propagierung ihrer Forderungen angewöhut haben, sind seit dem Frühjahr d. 3., insbesondere aber durch das Ivirtschastsprogramm Popens mit einer Fülle von Sondergeschenken überschüttet worden. Am 1. April d. I. wurden den Hausbesitzern 20 Proz. der Hauszins st euer erlassen. Dieser Erlaß ging nicht zuletzt auf Kosten der erwerbslosen Mieter. Außerdem wurde den Hauseigentümern das Recht eingeräumt, sich von der Hauszinssteuer durch Zahlung einer drei- jährigen Steuersumme zu befreien. Diese W- lösung der Hauszinssteuer hatte die Regierung den Hausbesitzern in der Tat so billig wie nur möglich gemacht, und wir erinnern zum Vergleich nur an die gewerkschaftlichen Forderungen, daß eine Ablösung nur bei Zahlung einer mindestens sechsjährigen Steuer- summe in Frage kommen könnte. Inzwischen ist der letzte Termin zur Ablösung mit dem dreifachen Jahresbetrag am 30. Septem- ber abgelaufen. Nach der Verordnung vom Früh- jähr müßten Hausbesitzer, die nach dem 30. Sep- tember ihre Hauszinssteuer ablösen wollen, nun- mehr den 354fachen Iahresbetrag auf- bringen. Selbstverständlich ist dieser Betrag den Haus- agrariern zu teuer und so hat man von der Regierung gefordert, die Fristen zu. den alten günstigen Bedingungen bis zum 31. März 1933 zu verlängern. Die Regierung hat diesem Antrag nicht nur zugestimmt, sondern darüber hinaus den Hausbesitzern noch einen besonderen An- reiz gegeben, indem die vom 1. April bi» 30. September gezahlten Hauszinssteuern zur Hälfte auf die Ablösungssumme an- gerechnet werden. Nachdem der Hausbesitz durch die letzten Not- Verordnungen der Regierung Papen mit etwa 455 Millionen Mk. Subventionen aus Steuergut- scheinen, Zinszuschüssen und Beiträgen zu den Kosten der Hausxeparaturen bedacht worden ist, und jetzt noch dieses neue wertvolle Geschenk der billigen Steuerablösung erhalten hat. darf man gespannt sein, womit diese„lieben Kinder" der Regierung nächstens noch zu Lasten des Staatssäckels beschenkt werden. Nora-Radio stellt 750 Mann ein. Die Nora- Radio G. m. b. H. in Berlin hat ihre Beleg- schast infolge einer kräftigen Belebung der Emp- fänger-Abteilung um 750 Mann vermehrt. Eine weitere Verstärkung der Belegschaft ist in Aussicht genommen. Verstärkung der Sarotti-Velegschast. Die Sa- r o t t i- A.- G. Berlin hat gegenüber dem Stande vom 15. August ihre Belegschaft um rund 280 Per- sonen verstärkt. Dom iAt\Qcn Gegen Jmpfiuutgm- t�Wk ti* irinrrmi-iKMü�# � � �-— memmh Einmaliges kurzes Kochen in kalt aufgelö. stem Sil— und schon überrascht Sie der schöne klare, reine Ton. Viele praktische Hausfrauen erleichtern sich mit Sil auch das Wäschespülen. 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Muß sogar noch den Ring besonders blank reiben, die Falten des Kleides gefälliger ordnen. „Bitte schön" Die Kellnerin mit dem hoff- nungslos verwüsteten Gesicht stellt das Glas Portwein vor Gilgi hin— du, dummes Luder, du— grinse doch nicht so devot! Wenn ich mit meinem verknautschten Trenchcoat, nach Arbeit riechend, bier säße, ich würde dir nicht imponieren! Du, schämst du dich nicht, so dumm zu sein, so furchtbar dumm... Ich muß morgen mal zum Arzt gehn— morgen oder übermorgen oder— ob das stimmt— das... Märchen von Tahiti... Gilgi schließt die Augen, das hat sie nie getan— früher. Wenn sie die Augen zumachte, sah sie nichts— nichts— jetzt sieht sie viel hinter geschlossenen Lidern. „Schlaf nicht ein, Gilgi!" Pit sitzt ihr gegenüber.„Na, du hast dich ja gut heraus- gemacht— könntest die Geliebte von Al Ca- pone sein, die gleich in die Metropolitan- Opera fahren wird." Gilgi ist wach vor Müdigkeit.„Gib mir mal die Hand, Pit— halt' meine Hand fest— fester— so daß es weh tut—, ich muß bis ins Herz hinein wissen, daß du meine Hand hältst." Pit preßt Gilgis Finger — wenn die ein Wort wie Herz sagt, dann stimmt doch was nicht mit ihr... der Puls- schlag ihrer Finger, die nackte weiche Schulter, der zurückgelehnte Kopf— ein roter kleiner Fleck auf der weißen Kehle... „du schenkst mir was, Gilgi, wenn du dir von mir helfen läßt." Er hat sie gesucht, mit ihr sprechen wollen, hat sie gesucht— den guten' kleinen Freund, und jetzt... „Pit"— von weit her fällt Gilgis Stimme in den Raum—„ich bin verhun- gert nach harter Ehrlichkeit— Pit, ich wollte meine Hand anders von dir gehalten haben... du kannst mir nicht helfen, indem du etwas für mich tust, du kannst mir nur helfen, weil du da bist. Sei hart und böse und klar, Pit, ich brauche das." Gilgi sieht Pit nicht an, ihr Blick verfängt sich irgend- wo im rotweißen Papierfransengekringel an der Decke— aber sie weiß, daß es gerade Pit ist, zu dem sie spricht.„Vielleicht weiht du schon, daß ich jetzt keine Arbeit habe, daß ich mit einem Mann lebe..." Pit sitzt vornübergebeugt, sieht auf Gilgis Arm: eine schräge, straffe, weiße Linie, die in seiner Hand mündet. Die tote Gleichgültigkeit dieser Linie ist plötzlich eine böse, harte Beleidi- gung für ihn. Seine Hand bekommt Lust, sich sünfnäglig in die weiche blasse Schulter zu graben, die schräge Linie herabzufahren — fünf blutige Streifen in das unbewegte starre Weiß zu zeichnen. Sein Hirn um- schließt Gilgis Worte.„Ich arbeite nicht mehr, ich lebe mit einem Mann.. „Magst du ihn?" „Seit wann hast du überflüssige Fragen, Pit! Ich werd' ausgerechnet mit einem leben, den ich nicht mag! Ich sag' dir das nur als Einleitung, diese Tatsachen. Tat- fachen ängstigen mich nicht, mit Tatsachen werd' ich fertig. Ich bekomme vielleicht ein Kind— sowas passiert alle Tage— ich weiß nicht wie vielen Mädchen. Wenn's so ist, werd' ich auch damit fertig, kein Grund, sentimental zu werden nver den Kopf zu ver- lieren. Nein, was mir Angst macht, ist etwas anderes. Man spricht sonst nicht darüber, oder wenn man drüber spricht, dann unwahr und verschleiernd... so kommt's, daß man nicht weiß, ob man nun plötzlich unheimlich verschieden ist von andern, man weiß nicht, ist's normal und macht's jeder durch, oder ist man allein mit einer Krankheit..." „Was— meinst du?" „Laß mich nur sprechen, du wirst schon dahinter konimen, hinter das, was ich meine. Du weißt, ich Hab' Freunde gehabt— mm — drei... man hat sich gefallen gegenseitig, man hatte Freude zusammen, und die Haut sagte ja zueinander. Das war natürlich und übersehbar, es hat mir absolut keine Ge- wissensbisse gemacht und mich nicht be- unruhigt. Ich fühlte mich immer sauber und klar, ich war meiner sicher und hatte meinen Willen und eine selbstgezogene Grenze, die so selbstverständlich war, daß man nicht drüber nachzudenken brauchte. Und jetzt— -- daß ich einen lieb habe— wirklich lieb — zum erstenmal in meinem Leben, gut und ehrlich und zu allem bereit— das wäre schön— und richtig und— aber..." Gilgis Kopf fällt nach vorn, mit beiden Händen faßt sie Pits Gelenke— ein greller schmaler Strich ihr Mund, ihre Worte— langsam tropfend, gleichmäßig unbetont, leiernd:„ich habe keine Grenze mehr und keinen Willen, ich kann von heute auf morgen nicht mehr für mich garantieren. Ich glaubte mich un- endlich sicher und geborgen in meiner Liebe — jetzt hat sie mich wehrlos gemacht, voll- kommen schutzlos— wie ist das möglich Pit??? Ich bin allen und allem ausge- liefert— an eine Hand, die meinen Nacken streift, wenn sie mir in den Mantel hilft— an einen Blick, eine Stimme... Ich ahnte ja nicht, daß ich so sein könnte— ich verbrenne— ich habe eine quälend körperliche Beziehung zu allen Dingen— wenn ich die Kante des Tisches umschließe, wenn ich eine Blume sehe— wenn ich über diesen Pelz hier streiche... Ich bin mir unsagbar zu- wider. Nichts mehr ist sauber und klar und einfach, nicht einmal mehr mein früheres Leben. Vielleicht war alles, was man tat und wollte, nur Flucht vor dem— dem eignen Begehren. Vielleicht hat nichts Wert an sich, vielleicht ist alles Unwahrheit, und alles geschieht nur um dieser Flucht willen... Wo soll das hin? Was geschieht mit einem? Das geht ins Unendliche— ich habe Angst. Pit." Pits Gesicht ist verzerrt, seine Stimme heiser und zerrissen:„Warum erzählst du mir das— du! Darum bist du zu mir ge- kommen— darum... nur um mir zu sagen..." Gilgi sieht ihn an.„Ach so, Pit!" Trüber Spott hängt sich in ihre Mundwinkel.„Na, du hast recht— jeder für sich... haben uns beide keinen Mangel an Egoismus vorzu- werfen. Dank' dir auch, Pit— hilfst mir vielleicht am besten, indem du mich wissen läßt— noch ein Glas Portwein, Fräulein — schnell... daß du mich wissen läßt, daß man nur, nur, nur auf sich angewiesen ist." Gilgi springt auf, tritt hinter Pit, packt ihn mit hartem Griff in den Nacken.„An dich Hab' ich geglaubt, Junge— an deine Fähig- keit, gerecht zu sein.— Laß dich begraben mit deinem ganzen Sozialismus und deinen Weltverbesserungsideen, wenn du zu denen gehörst, die's einer Frau übelnehmen, wenn sie durch Gott weiß welchen Blickszufall nicht mit ihnen schlafen will. Ihr habt ein Talent, eine Frau böse zu machen!" Langsam und böse streift Gilgis Hand über Pits Ohr, kriecht in sein Haar—„zuck' nicht zusammen, Junge— daß Mann und Frau von Natur Tiere sind, weiß ich längst, daß man die heilige Aufgabe hat, was andres �us sich zu inachen, weiß ich auch, daß man die Kraft und die Möglichkeit hat, mehr zu sein— glaub' ich noch. Dadurch? Trotzdem? Egal, glaub' ich noch." Gilgi steht aus der Straße. Lehnt an grauer Hauswand. Dunst in der Straße— Hurengekreisch. So gemein bin ich! Lieber sich gemein finden, als sich selbst anlügen. Gilgi geht, geht— unsägliche Anstrengung jeder Schritt— frißt an einer Enttäuschung. Bleibt wieder stehn. Krampst die blassen Hönde ineinander— vor einem bewahrt bleiben: nie feige werden, nie unehrlich wer- den. Das wäre das letzte: anderen Schuld geben für das, was eigene Schuld ist... und vergib uns unfre Schuld, wie auch wir oergeben... zerreiß das Vaterunser mit deinen Händen zerbeiß es zwischen deinen Zähnen— es lügt, lügt, lügt und täuscht. Gib uns Wissen ins Blut, gib uns Glauben ins Blut— eins, eins vor allem: lehre uns den Alleinglauben an eigene Schuld— nicht: wie auch wir vergeben... das stimmt nicht — wir haben nicht zu verzeihen, nichts— nie— niemanden. Es gibt keine Schuld anderer an uns, es gibt immer und nur eigene Schuld. Ja, so ist es— Pit hat mich nicht böse gemacht— hat mir nur bewiesen, wie böse und häßlich ich in Wirklichkeit bin. Lieber Gott, was geschieht mit mir... ich will nach Haus— zu Martin will ich. Die elegante kleine Dame Gilgi hält ein Auto an—„schicke Sache", blinzelt der Chauffeur mit dem rechten Auge— sie fällt ins abgc- schabte Polster. Läßt die Hände über den Knien herabhängen, den Kopf vornüber sinken, hat die Lippen halb geöffnet— Martin, mein Liebling, was hast du aus mir gemacht? Soviel Sehnsucht. Sehnsucht nach dir— Sehnsucht über dich hinaus— Sehnsucht— du— du hast mir die Ge- lchlossenheit meiner Schenkel fortgeküßt. (Fortsetzung folgt.) .Tnf« Teirrs: jfff Clllf Aus dem Japanifcheit Avbeiterleben Takagi war ein japanischer Spinnereiarbeiter. Er hatte zwölf Kinder, eine kranke Frau und wohnte in einer dünnen Bretterbude vor der Stadt. Täglich arbeitete er sechzehn Stunden in der Fabrik und konnte doch von seinem kärglichen Lohn seine zwölf Kinder nicht ernähren, nicht richtig kleiden und sich nicht einmal um sie küm- mcrn, weil er keine Zeit dazu hatte. Zuweilen, vor dem Schlafengehen, saß Takagi verdrossen vor seinem Häuschen, stierte die ande- ren Häuschen an, die teilweise mit Wellblech de- deckt waren, kniff die geschlitzten Augen zusammen und dachte an seine Kindheit im Dorfe Osagi. Dachte an den blauen Himmel, an die weißen Wölkchen, die Kirsch- und Psirsichblüten der Herr- lichen Landschaft und an die hölzerne Burg seines Samurai. Ja, er dachte vielerlei und schürte die Sehnsucht nach dem Dorf seiner Väter. Aber am Morgen waren diese Gedanken verscheucht, dann trippelte Takagi in die Fabrik. Mit-ihm gingen die zwölf Kinder unsichtbar hinter ihm her, ver- folgten ihn, quälten, schrien nach Brot und Reis. Takagi aus dem Dorf Osagi war ein vorbild- licher Familienvater, träumerisch, sentimental— er hatte in seiner Jugend zuviel Kirschblütenduft geatmet—, war aber zugleich dickköpfig, starr und fanatisch. Er hielt am Glauben seiner Väter fest, an den Gepflogenheiten seines Dorfes, die er in der Stadt nicht ablegen wollte. Seine Kollegen lachten ihn aus, uzten, trieben Schabernack mit ihm, Takagi aber blieb ruhig, er wußte, was er wollte. Eines Tages wurde in seiner Fabrik eine Ge- werkschast gegründet. Seine Kollegen und Kolle- ginnen wollten nicht mehr sechzehn Stunden am Tage schuften, wollten mehr Lohn haben, freie- Zeit und Erholung in der Zeit der Kirschblüte. Die Gewerkschaft wurde groß, verhandelte mit den Fabrikanten— vorerst noch ohne Erfolg. Takagi triumphierte. Er war nicht der Gewerkschaft bei- getreten, er wollte nichts damit zu tun haben, denn er war ein Eigener, ein Bauer aus dem Dorf Osagi mit einem dicken Schädel, der sein Glück alleine meistern wollte. Jeder— so sagte er— solle für sich sein Bestes sichern, allein wie ein Bauer, der einsam seinen Acker pflügt. Aber Takagis zwölf Kinder hungerten, er mußte mehr Lohn haben, das sah er ein. Die Kollegen schwätzten mit ihm, stichelten, spotteten, er. solle doch sein Glück versuchen, gleich würde er mehr Lohn bekommen. Oh, das wollte Takagi sich nicht sagen lassen. Er ging ins Büro, bescheiden, dümm- lich, voll Hoffnung. Der Besitzer, Herr Kamei, dick. gedunsen, immer heiter, sah Takagi an. „Na, Takagi, was führt dich her?" „Gebt mir mehr Lohn, Herr", sagte Takagi. „Ich habe zwölf Kinder..." „Ja, mehr Lohn", gähnte Herr Kamei.„Das geht nicht, Takagi. Ich kann dir nicht mehr Lohn geben, die Zeiten sind schlecht. Geh an deine Arbeit!" Takagi ging, er bettelte nicht, o nein, dazu war er zu stolz. Den ganzen Tag spann er, ertrug die Neckereien der Kollegen, lächelte, schlitzte die Augen schmal ein. Oh, Takagi wußte, was er tat, tt lächelte: Wartet nur, ich werde es euch zeigend Am anderen Morgen ging Takagi wieder in« Büro.„Gebt mir mehr Lohn, Herr." Kamei, dick und plusterig, lachte, dröhnte über den dummen Takagi. „Ich sag' dir doch, du kriegst nicht mehr Lohn. Geh und arbeite." * Takagi ging, still lächelnd, verschmitzt, ohne Zorn.„Na, gut!" dachte er. Aber er ging nicht zurück in den Spinnsaal, sondern am kleinen Kesselhaus vorbei bis zum großen Schornstein. Cr sah schaudernd an dieser langen Ziegelstange hoch. Aber seine zwölf hungrigen Kinder schubsten ihn, stießen ihn hoch, setzten seine Füße auf die eisernen Tritthaken... Takagis Angst wich. Er kletterte aus den Schornstein, pfiff ein altes Kirschblüten- lied, lächelte... Takagi war tapfer. Oben ange- kommen, setzte er sich aus die Schornsteinöffnung, plusterte sich auf, verstopfte das Loch. Er trium- phierte, pfiff, sah in die Ferne, weit hinaus, glaubte die Berge seiner Heimat zu sehen. Nun sah er auf dem Schornstein, sah hinunter auf die Fabrik, das Bürohaus, die Lager. Er schwoll an, wenn er einen Kollegen sah, der winzig auf dem Platz stand. Takagi saß hoch oben, und er kam nicht eher herunter, bis Kamei mehr Lohn bewilligte, das hatte er geschworen. Nach einer kurzen Zeit sah er den Heizer auf dem Platz herumrennen und Qualm aus dem Kesselhaus dringen. Aha! dachte Takagi und lächelte. Der Heizer kam mit dem Maschinisten zurück: sie gingen ins Kesselhaus, schimpften, rannten wieder auf den Platz. Qualm kroch aus dem Kesselhaus. Der Maschinist sah hoch, sah einen Mann auf dem Schornstein sitzen, winkte, drohte, tobte. „Heh! Komm runter! Was suchst du dort?" Takagi lächelte, sah in die Ferne, kostete seinen Triumpf. Nun hatte er sein Ziel halb erreicht. Das Feuer unter den Kesseln schwelte, qualmte, Takagi verstopfte den Luftzug, löschte das Feuer, den siedenden Dampf in den Kesseln: die Dampf- Maschine lief schon langsamer, die Spinnmaschinen kreischten vor Staunen. Aus den Sälen kamen die Arbeiter auf den Platz, sahen den Qualm, dachten es brenne, sahen dann Takagi auf dem Schornstein. „Oha! Takagi!" Sie lachten, grell, spitz, schallend vor Freude. Dieser Takagi sitzt auf dem Schornstein.„Oha! Takagi! Hohahaha... hahaha ... ha..." Durch den Lärm aufmerksam geworden, kam Herr Kamei aus seinem Büro, dick, schnaufend, schwabbelnd wie Gallerte. Sieht den Qualm,, er- schrickt, kreischt, tanzt auf dem Platz wie ein Luft- ballon. Kamei hört das Geschrei:„Oha! Takagi!", geht näher, sieht den Mann auf dem Schornstein, schwillt an vor Wut. Die Arbeiter treten beiseite. Kamei steht in der Mitte auf dem Platz und schreit: „Kommst du runter! Willst du sofort herunter- kommen!" Takagi lächelt, winkt ab, denn er weiß, daß er Kamei in diesem Zorn nicht mit seiner Forderung kommen darf;«r hat Zeit. „Ich hole die Polizeil" brüllt Kamei. Der Maschinist klettert an dem Schornstein hc.:,. Nun, mag er, denkt Takagi, wenn er hoch kommt. trete ich ihn auf den Kopf. Aber der Maschinist kehrt bald wieder um, weil er Angst hat. Kamei schreit, befiehlt, jemand solle auf den Kamin klettern: aber niemand rührt sich. Die Kollegen grinsen, murmeln, schleichen zurück in den Arbeits- saal; sie haben keine Lust auf den Schornstein zu klettern, um herunterzupurzeln. Kamei tobt, Ta- kagi lächelt, überlegt und schätzt seine Aussichten. Kamei schreit nach der Feuerwehr, fuchtelt mit den Armen, beruhigt sich dann plötzlich, schnauft und geht in sein Büro. Takagi wird schon allein vom Schornstein herunterkommen, er kann ja nicht immer oben bleiben. Inzwischen stacht der Heizer den Kessel, er will Takagi durch Hitze ver- treiben. Aber sein Versuch scheitert: das Feuer qualmt, beizt ihm die Augen, will absolut nicht brennen. Nach einer Stunde kommt Kamei wieder, tobt, droht, schreit sich heiser, sein Bauch schllttert vor Zorn. Es spricht sich rum, daß ein Mann auf dem Schornstein sitzt. Leute stehen auf der Straße, belagern das Tor, lachen Kamei aus. Sechs Stunden bleibt Takagi aus dem Schorn- stein sitzen, stört die Arbeit, bringt die Kessel fast zum Erlöschen. Kamei wird dann versöhnlich, tobt nicht mehr, bettelt, fleht:„Takagi, sei ver- nünftig, komm herunter." Takagi hält den Augenblick für günstig, schreit zurück:„Gib Lohnerhöhung, dann steig ich runter." „Gut", sagt Kamei,„sollst Lohnerhöhung haben." „Bestimmt?" „Bestimmt!" beteuert Kamei und breitet die Arme aus. „Seht ihr?" prahlt er.„Selbst ist der Mann." Und Takagi arbeitet bienenfleißig, lächelt, träumt von seinem Dorf Osagi, tätschelt seine Kinder. Aber Kamei, dieser listige Mann, bricht sein Wort und gibt Takagi keine Lohnerhöhung. Er läßt die untersten. Haken an seinem Schornstein entfernen, damit Takagi nicht wieder hinauf- klettern kann und kündigt ihn. Takagi ist starr. zerschmettert, begreift nicht und rennt in Kameis Büro. Kamei, dick, gähnend, läßt ihn auf die Straße bringen. Nun sitzt Takagi vor seiner Hütte und weint. Seine Frau und Kinder stehen heulend um ihn herum vor Verzweiflung. Takagt blinzelt in die Sonne, überlegt lange und begreift, daß er dumm war. Ade Osagi... Ade! ihr schönen Kirsch- bäume... Takagi weint, weil er dumm war. Er wird nie wieder aus Schornsteine klettern. dm Qarten von St. Clemens Bekassinen meckern unermüdlich in der früh- lichen Höhe. Fern, dumpf, brechend tönt der Prall der Brandung auf dem Kniepsand. Sonst ist es still im Garten von St. Clemens, der Kirche des Friesendorses Nebel auf Zlmrun. So still, wie wir zwischen den belebten Straßen es uns kaum denken können. Salzhauch, etwas Moder streichen aus Wattschlick und Brackwiesen durch die Nase Die Kirche ist uralt, von 1240. Ihr Schiff ist strohgedeckt, der Turm ist neu. Um die Kirche liegt, begrenzt nach Friesenart durch altes Gemäuer mit struppiger Heck« darauf, der Platz der Toten. Dieser Totcnhof ist einer der glücklichsten. lebendigsten und fröhlichsten Plätze, die ich kenne. Sieh nur gut zu! Glaube nicht, daß es hier herb und kahl und lieblos ist. Das sieht nur so aus, weil die harte Pranke des Westwindes jeden Fetzen grünen Buschwerks sofort zerzaust. Hell und freundlich aber erzählen dir die Grabsteine von einem Geschlecht, das oergangen. Flache, auf- rechte Steinplatten sind es, aus Sandstein oder Kalksandstein, einen Meter hoch oder gar bis zu zwei. Und in diesen Sandstein schlug man nicht nur trocken Geburts- und Sterbestunde und den Titel. New, was der Tote in dieser Well erlebte, dos steht in klarer, schlichter Sprache zu lesen. Kon- firmation, Hochzeit, das Zeugen von Kindern, Ehe- freuden, Kriegsglück und Gefahren zur See, Kön- nen und Versagen des Toten sind aufgezeichnet. Aus jeder dieser Aufschriften aber erhellt«in gewisses, fröhliches Gsborgensein in den schlich- ten Verheißungen des Gotteswortes. So entsteht schnell ein lebendiges Bild von Beschäftigung und Lebensauffassung von ganzer friesischer Bergan- genheit, lebendiger noch, als in einem durchsonnten Föhringer Pesel oder auf dem Dorfplatz in Keitum. Oft ist die Lebensgeschichte auf dem Stein be- bildert. Der Friese liebt Form und Farbe. In sein Heim holte er die sauber bepinsellen Kacheln Hollands, bunte Farben und blankes messingenes Hausgerät. Seine Grabmäler zeigen selten bib- tische Ornament«. Die Religiosität des Seefahrers, des Friesen, ist eine innige, familiäre: ein Syin- bol wäre ihm viel zu fremd, sein Verhältnis zu Gott auszudrücken. Aber Blumen zeigt mancher Grabstein. Oft Tulpen und Rosen(sie denten auf Mädchen und Knaben). Geknickte Blumen zeigen bereits gestorbene Kinder. Die Primel tritt hier wirklich als Himmelsschlüssel auf. Aus einer Tafel ist sogar die ganze Familie. Vater, Mutter, und daneben wie die Orgelpfeifen, Sohne und Töchter, abgebildet. Immer wieder aber setzt« der Friese Zeichen der Landwirtschaft, des Gewerbes, vor allem aber der Seefahrt. Smaggs und Drei- master kreuzen mit vollen Segeln über mancher Ruhestätte. Großer Wert wurde aus einen sorgialtig aus qesührten Stein gelegt. Schon früh brachte sich der Seefahrer aus Holland oder Bremen seine Grabplatte mit. Hohe handwerkliche Fertigkeit der Steinmetzen entwickelte sich in eigenen, festen, friesischen Formen. Wie ein Text solcher Platte lautet, was er sagt? Lang und beschwerlich ist der Weg eines von der Pike auf dienenden Walfifchfängers bis zum Kommandeur, zu Ansehen und Wohlstand: Das sagt uns die Platte:„Jung Rörd Ricklefs, gebohren aus Amrun den IS. August Itzöb, verheiratet(1.) Anno 1079.(2.) Anno 1693, gefahren auf Grönland in alles 34 Jahre als für Schlecht ( d. h. schlicht, ohne Charge) und Steuerder 9, Harpunier 1, Steuermann und Harpunier 15, Commandeur 9, gewesen Kirchgefchworener in 27 Iahren, gestorben Anno 1709, den 26. Marty." Jacob Wills schreibt seiner Ehefrau auf den Stein:„Beinahe 37 Jahre sähe ich sie zur Seite, und nicht allein genossen wir während des Laufes derselben eines stillen häuslichen Friedens, son- dern auch eines schönen reinen Erdenglücks, daher auch viel zu früh für mich, als sie mir am 29. August 1814 in einem Alter von 63 Jahren durch den Tod entrissen wurde." Sind das nicht wunderschöne schlichte Wort« trotz der ungehobel- ten Sprache? Und noch einen vollständigen Grabstein: „Neben diesen Stein modern die Gebeine des Wohledlen Capitains Harck Nickelsen, er ward gebohren den 12. October 1706 zu eben der Zeit. wie sein Baier aus dem Meere verunglückt. Im zwölften Jahr seines Alters fing er an, sein Brodt bei der Schiffahrt zu suchen. Anno 1724 erlitt er die Widerwärtigkeit, von den türckiichen Seeräubern gesangen und an den Bey von Algier verkauft zu werden, welche er drei Jahr diente, nach welcher Zeit er ihm aus Güte seine Freiheil durch die Portogiesen erkaufen ließ, suchte- nach gehend? in Holland und Copenhagen sein Glück. am letzten Ort gelang es ihm als Eapitain el» Schiff nach Westindien und auf die Küste von Guinea zu führen. Anno 1737 trat er in die Ehe mit der tugendhaften Frau Matje Horcken, eine Tochter des hier neben ruhenden Schiffers Olui Jensen. Gott segnete seinen Beruf so erwünscht. daß er in seinem besten Alter schon hinlänglichen Vorrath vor die Zukunft hatte, welchen er in einer vergnügten Ehe mit einem christlichen und stillen Wandel sich mit den feinigen zunutze machte, bis Anno 1770 den 24. May er mit seinen Vätern in einem 2llter von 63 Jahre 7 Monath und 12 Tage entschlummerte." Wenn dri auf diesem Friedhof stehst, wirst du nicht bedrückt. Du wirst weiter suchen von Stein zu Stein und dich aufrichten an den fröhlichen, lebendigen Inschriften der friesischen Vorfahren, die mit dem Tode auf du und du standen, ohne Grauen, die aber, trotzdem das Ringen mit dem Meer um das tägliche Brot Einsatz des ganzen Mannes erforderte, ihr Leben vergnügt und zu- frieden lebten. Walter IOsHii. 'Hur um ifi der Merhjl trärmer als der Frühling? In diesen vielfach noch fast sommerlichen Tagen fällt es uns wohl gelegentlich auf, wieviel höher die Temperaturen in dieser Zeit doch zu sein pflegen als in de» Tagen gleicher Sonnenhöhe im Frühjahr. Dieser Unterschied besteht fast auf der ganzen Erde. Seine Ursache ist, wie Professor Spitaler-Prag in„Forschungen und Forffchritte" darlegt, nicht schwer festzustellen. Dieselbe von der Sonne zugestrahlte Wärme wird im Früh- ling anders als im Sommer verwendet. Die Erwärmung der Luft erfolgt vom Erdboden her, der seine Erwärmung durch Wärmeleitung und befonders durch Strömungen auf die darüber lagernden Luftschichten überttägt. Ist er aber vom Winter her stark abgekühlt, so wird ein Teil der zugestrahlten Wärm« vorerst zu seiner Wieder- erwärmung, zur Auftouung des Schnees und Auf- trocknung des Bodens verwendet, so daß die Luft- temperatiir eine verminderte Wärmezufuhr vom Boden her erhält. Bei Nacht werden die Kon- vekttonsströmungen unterbrochen, ja es treten auch Temperawrinoersionen«in, indem die Luft über dem Boden kühler als in höheren Schichten ist, und jene müssen am folgenden Tag wieder neu eingeleitet werden. Im Herbst ist das Gegen- teil der Fall: der im Sommer stark erwärmt« Fußboden wird auch zur Nachtzeit, insbesondere wenn bei trübem Himmel keine stärker« nächlliche Wärmeausstrahlung stattfindet, zur Wärmequelle für die darüber lagernden Luftschichten, so daß bei Tage die Konoettionsströmungen wieder kräftig einsetzen können. 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Oktober, Sitzung des«rweiierien Kretsoorstandes mit den Delegierten zum Bezirtsparteitug, bei Dobrohluw, Swinemünder Straße 11. 7. Kreis. Donnerstag, 6. Oktober, 20 Uhr, im Jugendheim Rosinenstr, 4, erweiterter Vorstund mit den Delegierten zum Bezirtspurteitug.— iö Uhr Ausummenknnft erwerbsloser Parteimitglteder im Iugendhetm Rosinen. strusie 4.„Kampf um den Rundfunk", Referent Genosse Segall. 13.»reis. Heute, 18 Uhr, Fraktionssitzung im Lyzeum,— Donnerstog, 0 Okto- ber, Iii) Uhr, wichtige Erwerbslosenzusammenkunft an bekannter Stelle. 19. Kreis. Donnerstag, b, Oktober, ISi-� Uhr, im bekannten Lokal, Sitzung der Bezirkstagsdelegierten. I. Abt, Heute Zusammenkunft fungerer Parteimitglieder bei Ende, Luisen- user 20.— Freitag, 7. Oktober, im, Gewerkschaftshaus, Saal Z, Funktionär- sihung mit kehr wichtiger Tagssordnung. ? heutig» Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder fällt aus. Dafür Beteiligung am Kursus im Lehieruereinshuus. 24. und 25. Abt. Älle Parteigenossen, soweit sie Mitglieder der Konsum- genossenschaft sind, besuchen Donnerstag, 5. Oktober, 19>4 Uhr, die Mit- .gliederperfammlung der IS.,>7. und 105,«bgabestelle in der Schulaula Pasteurfir. 44— 16. S5. Abt. Donnerstag, 6. Oktober, 21 Uhr, erweiterte Vorstandssitzuna bei Hennig, Moltkestratze 1«. Abt. Pslichiversammluna Dienstag, II. Oktober, 19li Uhr, bei Ruppert, Neuköllner Str. 257. Reterent Kurt Lbwenstein, 102. Abt, AiA-Haf: Donnerstag, 6, Oktober, 26 Uhr pünktlich, Mitgliederoer. sammlung im Lokal„Neu-Tiooli", Neue Krugallee. Referent Smil Buch. hol,. Das Erscheinen der Genossinnen ist besonders erwünscht. Buch- tontrolle. 1»4. Abt. Di- erste Zusammenkunft der Erwerbslosen findet am 19. Oktober, 16 Uhr, bei Pump, Hasselwerderstr, 12, statt. 124. Abt. Die kür heute, Mittwoch, vorgesehene Funktionärsitznng wird wegen der heutigen Mitgliederversammlung in Lichtenberg, in der der Genosse Severing spricht, auf Freitag verlegt, 129. Abt. Donnerstag 26 Uhr, Funktianärsitzung im Türkischen Zelt, Pankstrohe. 1Z4. Abt. Freitag, 7, Oktober Funktionärsitzung bei Sonnet, 136. Abt. Heute bei Ballentin. Residenz- Ecke Raschdorfstraße, Sitzung der SPD,-Kleingärtner. Jede Rolonie muß vertreten sein, 139. Abt. Wir beteiligen uns Donnerstag, 6. Oktober, 20 Uhr, an dem Bor. trag des Genossen Luitpold Stern im Lehrervereinshaus, Teilnehmerbei- trag 25 Pf. I40a. Abk. Leute, 20 Uhr, Funktionäroersammlung bei Heese. Kolonien Alpeaberg«, Sehrenderge, Bcrgwalde. Zahlabend Donnerstag, 5. Ok- tober, 20 Uhr, bei Klemmer, Alpenberge. Frauenveranstaltungen. 2. Kreis. Die Abteilungsleiterinnen mit ihren ausgewählten Frauen treffen sich am Donnerstag, 17 Uhr, im Äegler.ikck, Luigowstraße. 5.»reis. Donnerstag, 6, Oktober, pünktlich IS-'i Uhr, Fortsetzung des Schulungskursus im Heim Tilstter Str, 4—5.,.Hitlers Sozialismus", Refe- rentin Käthe Kern. DZ. Abt. Die Senossinne» beteiligen sich, soweit sie Mitglieder des tionfnm» sind, heute, 19zh Uhr. an der Konfumversammlung bei Wertalla, Hohen- lohcstraße 3. ggo. Abt. Donnerstag, 6. Oktober, 19V4 Uhr, im Buschkrug, Funktionärinnen- sitzung. Teltow. Donnerstag, 6. Oktober, 20 Uhr, bei Linke, Potsdamer Straß». Frauen- abend. Es spricht die Eenosän Lisa Albrecht über„Die Ausgaben der Frau im Wahlkampf", Pünktliches Erscheine» ist Pflicht, Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde(Brost-Berlin. Mitte, Abt. Matleotti: Achtung! Die Herbstfahrt wird verlegt auf den 10. November.— Abt. Ernst Toller: Unsere Heimabende im Winter sind wie folgt: Montag? Turnabend für alle: Mittwoch ?lls Seimabend für Jung- und Nestfalken: Donnerstag Hciimabend für " Rote Falken: Sonnabend Svielabend für alle. Alle Veranstaltungen A'' finden von 1716 bis 10'., Uhr int Heim Elisab'lhkirchstr 19 statt. -J» Sonnabend, 8. Oktober, fällt der Spielabend wegen Borbereitungen für die Ausstellung aus. Kreutberg: All» Abteilungen gehen heute, Mittwoch, mit ihren Falken zu den Reigungskreisep,— Der Singckreis tagt Urdanftr, 167: der Basteikreis ZLasserlorstr, 4. Beginn beider Peranstaltungcu um 17 Uhr. Ab 19, Oktober tagt auch der dritte Neigungskreis:„Erste Hilfe" in der weltlichen Schul» Dieffenbachstraße. WDWWWWWVWO—kt gebracht werden. I Unser« Wintcrarbeit beginnt. Zur Borbereitung ber saziale» t Xii"''- Mitgliedskarten müssen eingezogen und Achtungl Unser««interarbeit beg o, W Bastelarbeiten laufen skr die Kreise Köpenick"Kreutberg Temvelhos Steglitz, Zehlendors uub Schöncberg Dorbereitnng-kurse am 10., 17., 24. Oktober im Ingendbeim Porckstr, 11. Beginn ber Kurse 19 Uhr. Um pünMiches Erscheinen wird gebeten. Die Borbereitungskurse für die übrigen Kreise werde» an dieser Stelle und durch Rnndschreiben bekanntgegeben. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation Z4. Abt. Unser langjähriger tbenoffe Eduard Balkmann ist am 1. Oktober im 61. Lebensiahre verstorben. Ehre seinem Andenkenl Die Ein- äscherung findet am Donnerstag, 6. Oktober, 151e Uhr, im Krematorium Baum- sdiulenweg, Kiefholzstraß», statt. Um rege Beteiligung bittet die Abteilung«- imHOTt»'_■_•_._,_ �Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das üugends'kretariat Berlin SW 68, Lindrnftraße 2, vorn 1 Trepp- rechts, Heute letzter Tag für die Abrechnung der Kampffondsmarken. Ab morgen keine Wertung mehr. Abteilungen, die die Oitobernummer der Arbeiter-Jugend" für den äffent- lichen Vertrieb noch nicht abgeholt haben, holen das umgehend nach. Abteilungsmitgliederversammlungen heule. Mittwoch. 20 Ahr tSesunddrnunen RF.: floloniestr, 23— Balteuplatz: Tilsiter Str. 4—5.— Frankfurter Viertel: Frankfurter Allee 367—«Mershof! Bismarckstr, 1.— Bohnsdorf: Wachteistr. 1.— Fallenberg: Semeinfdv.itshaus der Wartenstadt,— Friedriitzshagen: Friedrichstr. 82.— Lichteabeig-Mltt-! Scharnwrberstr. 22,— Reu-Lichtenberg: Sunterstr 44,'— Andrcasplatz»: Brommnstr. 1. 4- Bruuaenpiatz: Pank. Ecke Biesenstraße: Heimabend.— Andreasplatz I: Brommnilr. 1: Lichtbilder:„Die Tätigkeit der SA3,"— Spandau, Aeltere- Lindenuser 1:„Grundlagen des Marxismus".— Kaulsdarf: Adolfstr. 25: Fahrtenerlebnisse.— Lichteaberg-Rorb: Eunterftr. 44: Literaturabend.— Mahls. dorf: Melanchthonstr, 63: Hosemann-Abend, «erbedezirk Prenzlauer B-rg: Spicltruppe„Junge Hamwerschaft" übt b-i Huckwitz, Berliner Allee 193, Werbebejirk«reu berg: LB.-Sinung 131, Uhr Urbanftr. 167, Werbebeziri Reukülln: Sprechstunde fällt aus, fslifgelll zpsren- LINDCAR fahren! Erieichterte Bezugsbedingungen Niederlagen; Berlin SO 16, Engelufer 31 Berlin SW 69, Alle Jakobstr. 148