Abend- Ausgabe Nr. 474 B229 49. Jahrg. Redaktion und Verlagi Berlin SW 68, CinBenftr. 3 Fernsprecher: Ä7 Amt Dönhoff 2S2 bis 297 Telegrammadresse: Sozialdemokrat Berlin VOI�ZVI�IT FREITAG 7. Oktober 1932 In Groß-Berlin 10 Pf. Auswärts....... 10 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe am Schluß des redaktionellen Teils Jentvalovgan der GozialdemoLratischen Oavtei Deutschlands Verdiente Prügel Oss Dritte Reich in der Neuen �elt Das besondere Kennzeichen des gegen- wärtigen Wahlkampfes ist die systematische Sprengung von gegnerischen Versammlungen durch Anhänger der NSDAP., wobei bisher fast ausschließlich deutschnationale Veranstaltungen das Opfer gewesen sind. Für uns Sozialdemokraten ist es durchaus keine neue Entdeckung, daß das politische Rowdytum fast ausschließlich in der NSDAP. seine Zuflucht gefunden hat. Wir können darum ein Lächeln nicht unterdrücken, wenn Herr Graes gestern in der„Neuen Welt" pathetisch versicherte, die Bevölkerung von Neukölln habe nun einen Begriff davon be- kommen, wie es im nationalsozia- listischen Dritten Reich aussehen würde. Das proletarische Neukölln hat schon längst gewußt, was es an den Nazis hat, und nur den„feinen Leuten", die dort eine kleine Gastrolle geben, ist die Erkenntnis erst gestern gekommen! Einen Rausch hat kürzlich Herr Hugen- berg den Nationalsozialismus genannt, er hat aber wohl verschwiegen, wer es war, der die armen Leute erst trunken machte. Und Herr Steuer, sein Stabs- trompeter im Preußischen Landtag, sprach sogar von der nationalsozialistischen G e- fahr. Nun, diese Gefahr ist nicht erst seit gestern da, und sie besteht nicht bloß darin, daß die deutschnationalen Zylinder nach jeder Berührung ihrer Träger mit dem Bundes- genossen von einst zum Aufbügeln geschickt werden müssen. Die Doutschnationale Partei im allge- meinen und die Hugenberg-Presse im be- sonderen haben haben die beispiellose Ver- rohung des deutschen öffentlichen Lebens durch die NSDAP, nicht nur geduldet, son- dern sogar systematisch gefördert. Und die Regierung Papen ist den sogenannten „aufbauwilligen Kräften" geradezu auf den Knien entgegengerutscht, bevor sie sich ge- nötigt sah, die Gummiknüppel gegen sie in Bewegung zu setzen. Die Regierung Papen hat den Prllgelhelden aus der„Neuen Welt" das Recht zum Tragen der Uniform wieder gegeben, und dieses Recht besitzen sie heute noch. Wir Sozialdemokraten bekämpfen die Ver- rohung des öffentlichen Lebens grundsätzlich. Wir oerurteilen die gewaltsame Unter- drückung der Meinungsäußerung, ganz gleich gegen wen sie sich richtet. Dennoch müssen wir sagen: Die Prügel, die die Deutsch- nationalen jetzt von den Nazis bekommen. sind verdient! Der organisierte GA.-Terror Verhislüste aus der Hasenheide— Gewalttaten im Reich Die Polizei hat versucht,.einen genauen lieber- blick über die Zahl der Derlehlen bei der gestrigen S a a l s ch l a ch t der Harzburger..Freunde" in der„Neuen Welt" zu bekommen. Es haben bei der Schlägerei zwischen National- sozialisten und dem Saalschutz der hugenbergianer über zwanzig Beteiligte Verletzungen erlitten. Drei Personen werden als schwerverletzt b«- zeichnet, Gefahr für ihr Leben besteht jedoch nicht. Es besteht überhaupt kein Zweifel mehr, daß die Saalschlacht planmäßig von den Haken- kreuzlern vorbereitet worden ist. Die Nazi- trupps hatten sich schachbrettartig im Saal verteilt: so glaubten die Hitler-Gardisten, die Versammlung offenbar am besten sprengen zu können. Das ihnen dies nicht gelang, ist letzten Endes ein Verdienst der Polizei und nicht des seltsamen„Saalschutzes" der Deutschnationalen, der sich zum großen Teil aus halbwüchsigen Hosenmätzen rekrutierte. Auch bei den Nazis hat es nach Ansicht der Sanitäter mehrere Verletzte gegeben, die aber von ihren Kumpanen in Sicherheit gebracht und verbunden wurden. Von den sieben festgenomme- nen Nationalsozialisten wurde einer im Lause der gestrigen Nacht noch entlassen, während sich die übrigen wahrscheinlich vor dem S ch n e l l r i ch- t e r zu verantworten haben werden. Der Wirt der„Neuen Welt" hat übrigens heute in den Vormittagsstunden«ine Jnven- tur machen müssen, um festzustellen, wieviel seines Geschirrs und Inventars bei der Saal- schlacht zertrümmert worden ist. Nach den bis- herigen oberflächlichen Feststellungen schätzt man, daß etwa 5 0 Stühle und die gleiche Zahl von Gläsern, Kaffeetassen, Aschbechern usw. zer- schlagen worden sind. 7V Stühle, 25 Tische Wie wir zuverlässig erfahren, sind bei der gestrigen Saalschlacht in der Neuen Welt zwischen Nationalsozialisten und Hugenbergern nicht we- Niger als 70 Stühle und 2 5 Tische zerschlagen worden. Terror ln Schlesien Breslau, 7. Oktober. Eigener Bericht des„Vorwärts" In der schlesischen Hauptstadt hat seit einigen Tagen abermals eine Hakenkreuz- Terrorwelle eingesetzt. Ten Auftakt zu den neuen Verbrechen der«A.>«trolchc bilden die brutalen Ueberfälle, denen am Dienstagabend mehrere Reichsbanner- jungkameraden zum Opfer fielen. Tic führenden Nazikreise scheinen die Absicht zu haben, mit Hilfe besonderer Trupps die übrigen politischen Organisationen und Parteien ganz systematisch unter Terror zu sehen. Schlägereien und Ueberfälle sind in Breslau seit 48 Stun- den wieder mal an der Tagesordnung. Wie die Hitler-Rowdys zu Werke gehen, zeigt nachstehender Bericht der Presse- stelle deS Brcslauer Polizeipräsidiums, der am Tonnerstagmittag der Presse zu- geleitet wurde: Am Mittwochnachmittag zogen etwa 40 u n i° formierte SA.- Leute vom Königsplatz ins Der Nibelungen Not Der Lehrer will feststellen, was den Kindern von altdeutschen Heldensagen bekannt ist. Er fragt; ,,Wo kommt das vor?— In einem gewaltigen Saal kämpfen deutsche Recken miteinander. Immer neue Scharen blonder Helden dringen in den Saal ein, immer wieder entbrennt das Getümmel, einer nach dem anderen sinkt blutend nieder, bis schließlich der Saal nur noch voller Toter und Sterbender ist," Meldet sich Fritzchen:„Das war gestern bei den Deutschnational e n in der Hasenheide, Herr Lehrer." Innere der Stadt. Am Ring wurde ein Zeitungsoerkäufer von ihnen belästigt. Die SA.-Leute rissen dem Verkäufer die Partei- abzeichen ab. Sodann marschierte der Trupp in die Taschenstraße. Dort entrissen die SA.-Leute einem Radfahrer einen Wimpel der Eisernen Front. Außerdem erhielt der Radfahrer mehrere Schläge ins Gesicht. Derselbe Trupp fiel ein wenig später in der Gartenstraße über einen Passanten her und entriß diesem ebenfalls ein Abzeichen der Eisernen Front Ferner ent- wendeten die SA.-Leute ihm eine Aktentasche, in der sich ein Sparkassenbuch und andere Gegenstände befanden. In der Gartenstraße, Ecke Schweidnitzer Straße, wurde ein Z e i t u n g s- Verkäufer der Schwarzen Front überfallen. Die SA.-Leute entrissen dem Verkäufer Zeitungen, Koppel, Mütze und Abzeichen. In der Lohestraße flüchtete sich ein von einem anderen Trupp von SA.-Leuten beobachteter Angehöriger der Eisernen Front in einen K o h l e n h o s. Die SA.-Leute verfolgten den Mann und mißhan- deltcn ihn. Ein anderer Passant, der der KPD. nahesteht, slüchtete vor dem SA.-Trupp in das Jnstallationsgeschäft seiner Eltern. Hierauf drang ein Teil der«A.-Leute in das Geschäft ein und mißhandelte den gleichfalls der KPD. nahestehen- den Inhaber mit harten Gegenständen. In der Nacht zum Donnerstag gegen Mitternacht wurde ein S t a h l h e l m m a n n unweit des Braunen Hauses an der Neuendorfstraße belästigt. Der Stahlhelmmann, dem das Abzeichen entrissen wurde, setzte sich zur Wehr. Hierauf schlug man ihm ins Gesicht. Tie Erbitterung der Breslauer Bc- völkerung über das Auftreten des organisierten Hakenkreuzverbrechertums ist außerordentlich groß. Deshalb wird mit ernsthaften Zusammenstößen gerechnet werden müssen, wenn sich die zustän- digen Polizeistellen nicht baldigst entschließen wollen, dem Nazispuk aus den Straßen der schle- sischen Hauptstadt rücksichtslos ein Ende zu be- reiten. Der Terror der SA.- Banden in der schlesischen Hauptstadt hält weiter an. Auch am Donnerstagnachmittag trieben sich wieder unisor- mierte Hakenkreuzler in der Stadt herum. An mehreren Stellen fielen die Wegelagerer des Her?» Heines über Mitglieder der Eisernen Front her, entrissen ihnen das Drei-Pseile-Abzeichen und schlugen sie zu Boden. Schließlich gelang es der Polizei, der Banditen habhaft zu werden. Sechzehn an dem Ueberfall betet, ligte SA.- Leute wurden festgenom- wen. Sie haben sich am Freitag vor dem Polizeibereitschaftsgericht wegen ihrer Taten zu verantworten. Immer neue Ueberfälle Hamburg, 7. Oktober. Eigener Bericht des„Vorwärts" Am Donnerstag erfolgten in Hamburg abermals mehrere Ueberfälle von Nationalsozialisten auf sozialdemokratische Arbeiter. An drei verschic- denen Stellen der Stadt wurden junge Sozial- demokraten, die sich auf dem Wege zur sozial- demokratischen Wahlkundgebung befanden, von Nationalsozialisten, die sich in einem Hinterhalt oerborgen hatten, über- fallen und schwer mißhandelt. Den Sozialdemokraten wurden Mützen und Abzeichen gestohlen. Mit Schlagringen und Koppelschlössern schlugen die Nazis, die die Ueberfälle systematisch vorbereitet hatten, auf die Sozialdemokraten ein, so daß einige der Ueberfallenen ernste Verletzungen erlitten. Es gelang leider nur in einem Falle, einen der Täter zu erwischen. Der verhaßte.Vorwärts' Scheibeneinwerfen und Ausreißen Als scharfe Waffe der Arbeiterschaft erfreut sich der„Vorwärts" seit jeher der größten Ab- Neigung und des Hasses aller Volksfeinde und Knechtsseelen. Wir sind es auch gewohnt, daß politische Rowdys den Kampf geoen uns auf aus ihre Art führen und dabei den Schaufenster- scheiden unserer Filialen ihre besondere Aus- merksamkeit schenken. Nur sollen sich die Bur- schen nicht einmal fassen lassen! Gestern wurde die Ladentürschcibe der„Vorwärts"-Filiale in der Bastianstraße 7 von einem Hitler-Banditen in Uniform eingeworfen. Als der Filialleiter her- beieilte, schwang sich der kühne Held auf ein Fahrrad und sauste davon. Eine Weißbierkruke, die sicher auch noch geworfen werden sollte, ließ er liegen. KpD.-Druckerei versiegelt Liegt das im?Ian der Barone? Die Nachrichtenstelle der polizeidirektion Bremen teilt mit:„heule vormittag wurden durch die Polizei in der Druckerei der kommunistischen „Arbeiter-Zeitung" aus Grund eines beim Reichsgericht gegen den verantwortlichen Schristleiter anhängigen Slrasoersahrens wegen Vorbereitung zum Hochverrat die Seh- und Druckmaschinen mit Zubehör beschlagnahmt und versiegelt. Außerdem wurde zahlreiches Druck- und Schristen- material gesichert. Die„Arbeiter-Zeitung" hatte seit läogcrer Zeit eine Reihe von Artikeln hochverräterischen Inhalts verössentticht. Außer dem schwebenden Versahren gegen den jetzigen verant- wörtlichen Schristleiter halten bereits aus demselben Anlaß Versahren gegen frühere verantwortliche Schristleiter der„Arbeiter-Zeitung" zu Verurteilungen durch das Reichsgericht geführt. Die behördlichen Mahnahmen stützen sich aus den neuen§$6a des Strafgesetzbuches, nach dem Gegenstände, die zur Begehung eines Hochverrats oder zu dessen Vorbereitung gebraucht oder bestimmt sind, eingezogen oder unbrauchbar gemacht werden können, auch wenn sie weder dem Täler noch einen Teilnehmer gehören." Nach dem gleichen Muster ist vor wenigen Tagen auch in Nk a g d e b u r g die Druckerei der kommunistischen Zeitung„Tribüne" stillgelegt worden. Selbst auf die Gefahr hin, deshalb von der KPD.-Presse wieder beschimpft zu werden, halten wir dieses summarische Vorgehen gegen kommu- nistische Betriebe für ungesetzlich und auch politisch für verfehlt. Die Maßnahmen werden den Kommunisten keine Anhänger neh- men, sondern sie wahrscheinlich ihnen zutreiben. Ob das die Absicht der Regierung ist, wissen wir freilich nicht. Nationalsozialisten stören Hindenburg-Feier. In Schwarza bei Rudolstadt wurde eine von der Deutschen Volkspartei veranstaltete Feier zum Geburtstag des Reichspräsidenten, bei der der Generalsekretär Dr. Köhler aus Weimar die Fest- rede hielt, von Nationalsozialisten derart gestört, daß sie vorzeitig abgebrochen werden mußte. Beleidigte Reichswehr 1 Monat Gefängnis für Genossen Seger Die Strafkammer unter Vorsitz des Landgerichts- direktors Löschhorn hob heute morgen als Be- rufungsinftanz das Tchöffengerichtsurteil auf. das gegen den Redakteur des„Voltsblatts für An- halt", Abg. Gerhard Seger. S00 Mark Geldstrafe wegen Beleidigung der Reichswehr ver- hängt hatte. Die Strafkammer verurteilte Seger zu einem Monat Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte, wie in der ersten Instanz, zwei Monate Gefängnis beantragt. Weder Ge- nosie Seger noch fein Verteidiger waren zur Ver- Handlung erschienen. * Seger hatte in einer Versammlung der Liga für Menschenrechte am 17. November 1930 als einer der Redner zum Thema Abrüstung ge- sprachen. Nach einem Bericht der„Berliner Börsenzeitung" sollte er u. a. gesagt haben, die Reichswehr müsse diffamiert werden, so daß jeder Angehörige der Reichswehr angesehen und ge- mieden würde wie die Pest. Unmittelbar nach dem Vortrag hatte Seger an eine Anzahl Zeitungen Berichtigungen verschickt, und in der ersten Ge- richtsoerhandlung bestritt er ganz entschieden, sich in dieser Weise ausgedrückt zu haben, da er nach seiner ganzen Weltanschauung unmöglich etwas Derartiges gesagt haben könne. Unter dem Aus- druck„Pest" habe er nur diejenigen Kreise der Reichswehr gemeint, die entgegen dem offt« zielten Abrüstungsprogramm des Reichswehrministeriums für Aufrüstung feien und zu einem neuen Krieg hetzten. Trotzdem wurde er vom Gericht wegen Reichswehrbeleidigung ver- urteilt! Das Gericht erster Instanz hatte sich aber mit einer Geldstrafe begnügt in der richtigen Annahme, daß es sich hier mehr um eine stark rhetorische Wendung gehandelt habe, die Forderung d«r„Diffa- mierung" stelle auch keine besondere Gefahr dar. In der Begründung des heute gefällten Urteils führte dagegen Landgerichtsdirektor L ö s ch h o r n im Gegensatz dazu aus, die Beleidigung sei als besonders kraß anzusprechen, Seger habe mit seinem Ausdruck weit über das Ziel hinaus- geschossen, und durch den Ausspruch sei dem Kampf für Frieden und Pazifismus nicht gedient. da die Reichswehr schließlich das beste Mittel sei, um den Frieden aufrechtzuerhalten. Röhms Ausreden Er dreht die alte Orgel Der„Stabschef" Röhm ist immer noch nicht genug blamiert. Gegen die ausführlichen Dar- legungen des Majors Mayr vom Reichsbanner über feine Unterhaltung mit dem Lsas Rohm. weiß. dieser nichts anderes zu erwidern, als daß er seine alten und eidlich widerlegten Aussagen auf- rechterhält. Vor Gericht zu erscheinen und geradezustehen. hat Röhm vorsichtig vermieden. r» Hoheitsgrenzstöcke! Mühlen, die langsam mahlen 4t Die Verfassung Deutschlands wurde am 11. August 1919 verabschiedet, ist also jetzt über 13 Jahre in Kraft. Für die Reichsregierung ist der Reichsminister des Innern für Verfassungs- und Hoheitsfragen zuständig oder mindestens„feder- führend". Während in den ersten Jahren der Republik bereits all« Hoheitsfragen mehr oder weniger gelöst wurden, besonders nach der Ermordung Rathenaue. als die Sache der Re- publik einen sichtbaren Auftrieb nahm, tonnte bis auf den heutigen Tag die Frage der Grenzpfähle oder, w>« es amtlich heißt, „H o h e i t s g r e n z st ö ck e" nicht erledigt werden. Die Republikanische Beschwerdestelle Berlin hat die Reichsregierung seit dem Jahre 1927 in viel- leicht 29 Eingaben fortgesetzt ersucht, gerade diese Frage— schon mit Rücksicht auf das Ausland— zum Abschluß zu bringen. Aber einmal hatte man offensichtlich Scheu vor den Farben Schwarz- Rot-Gold, die ja dabei verwendet werden müssen. zum anderen machten die Länder au» partikularistischen Gründen Schmie» rigkeiten, weil sie ihr Wappenbild an der Grenze sowohl zum Ausland als auch innerhalb des Reiches neben dem Reichswappen angebracht sehen wollten. Schließlich spielten auch sogenannte künstlerische Erwägungen eine außerordentlich« Rolle. Als Severing Reichsminister des Innern war. sagte er der Beschwerdestelle eine b«- sch leunigte Erledigung dieser Sache zu. Es wurde ein mehrfacher Wettbewerb aus- geschrieben, der Künstler Tobias Schwab wurde mit der Sache befaßt, aber die Länder erhoben sortgesetzt Einwendungen, so daß ein Er- gebnis nicht zustande kam. Noch neuer Vorstellung erfährt die Beschwerde- stelle jetzt, daß nach Ausschreibung eines enge- ren Wettbewerbs die beiden Professoren Hahn aus München und Gies aus Charlottenburg die endgültige Gestaltung des Grenzstocks über- nehmen sollen. Während ander» Republiken dies« Frage in längstens ein bis zwei Jahren lösten, ist Deutsch- land nach nunmehr dreizehn Iahren noch beim engeren Wettbewerb! Ganierungsrede des Agrarministers Vor den landwirtschaftlichen Genossenschaften Der Reichseraöhrungsminisler Freiherr v. Braun, der in der vergangenen Woche vor den baye- tischen Bauern In München das sensationelle und heftig umstrittene Agrarprogramm der Papen- Regierung verkündete, hat seht aus dem Ver- bandstag schlesischer Agrargenossenschaften weitere programmatische Erklärungen über die Agrarpolitik des Reiches abgegeben. Zur Siedlungsfrage machte der Minister die bemerkenswert« Feststellung, daß ein kauskräftiger Bauer ein stärkerer Konsument ist als ein Großgrundbesitzer, und daß Sied- lungsgürtel in der Nähe von Landstädten diese oft erst zur Blüte gebracht haben. Diese Erklärung von den schlesischen Bauern verwischt aber nicht die Tatsache, daß die Papen-Regie- rung der Großagrarpolitik auf die Erhaltung des Großgrundbesitzes einstellt. Freiherr von Braun erklärte weiter: Heber die im Reichsrat vorgesehenen 39 Millionen für Sied- lungszwecke sind weitere 39 Millionen vom Reich bereitgestellt. Vom Januar bis Ende September dieses Jahres sind von der Deutschen Siedlungs- dank etwa 63 Millionen Siedlungskred.te ausge- zahlt gegen 61,3 in der gleichen Zeit des Vor- jahres. Da die Preise stark gefallen und die Bau- kosten geringer geworden sind, läßt sich hierin eine Verstärkung der Siedlungstätigteit im lausenden Jahr erkennen. Unter Berücksichti- gung der schwierigen Wirtschaftslage hat die Re- gierung in Aussicht genommen, die Jahres- leistung der seit der Inflation angesetzten Siedler für die nächsten zwei Jahre von 5 auf 3� Prozent zu senken. Die Sanierung der Kreditverhältnisse bei den agrarischen Genossenschaften ist noch nicht g e- klärt. Man hatte bereits für heute mit ent- sprechenden Erklärungen des Agrarministers ge- rechnet, aber wie er mitteilt, hat das Reichs- kabinett noch keinen endgültigen Beschluß über diese schwerwiegende Frage gcsaßt. Da es sich bei dieser Sanierung der Genossenschaften um ein« neueBelastung des Reiches in Höhe von etwa 299 Millionen handeln dürfte, werden ver- muttich die Widerstände, die Freiherrn von Braun, dem ehemaligen Führer im landwirstchast» lichen Genossenschaftswesen, im Kabinett im Wege stehen, nichl gerade gering sein. Zum Schluß teilte der Minister noch mit. daß sich bei den E n t s ch u l d u n g s v e r s a h r e n aus der Ost Hilfe stärkere Hemmungen er- geben haben, als man erwartete. Besondere Schwierigkeiten bestanden mit den Genossen» s ch a s t e n, die vielfach als Hauptgläubiger der zu entschuldenden Betriebe auftreten. Manche Genossenschaften haben grundsätzlich jede Verhandlung abgelehnt, zahlreiche andere wiederum haben die an sie gerichteten Fragen überhaupt nicht beantwortet. Im Zusammenhang mit der Gesamtsanierung der agrarischen Ge- nossenschasten beabsichtigt die Regierung, die Forderungen der Genossenschaften aus der Osthilfe durch eine Pauschalsumme abzulösen. Hier könnte es sich um zirka 39 Millionen han- deln. Praktisch wirkt sich diese Sache so aus, daß das Reich den Genossenschaften die Schulden zusammengebrochener landwirtschaftlicher Betriebe zahlt. Todesstrafe für Einbrecher Urteil durch Sondergericht Eigener Bericht des„Vorwärts" B'eleseld, 7. Oktober. Das Bielefelder Sondergericht ver- urteilte den Arbeiter Wabbel wegen Totschlags in Tateinheit mit versuchtem Totschlag zum Tode, serner wegen zweier Totschlagsversuche, zweier schwerer Diebstähle im Rückfall, eines versuchten schweren Diebstahls und viermaligen Vergehens gegen das Kraftfahrzeuggesetz zu einer Gesamtstraf« von 12 Jahren Zuchthaus. Der Arbeiter Kurzinsky wurde wegen Totschlags in Tateinheit mit versuchtem Totschlag zum Tode verurteilt. Außerdem erhielt er wegen zweier schwerer Diebstähle,«ine, versuchten schweren Diebstahls und viermaligen Vergehen» gegen da» Kraftfahrzeuggesetz 4 Jahre Zuchthaus. Ansang September d. I. wurde dje Oefsent- lichkeit im Westen Deutschlands bis weit nach Hannover hinein durch eine Serie wilder Einbruchsdiebstähle in große Ausregung versetzt, die ohne Zweifel mit Autodiebstählen in Zusammenhang zu bringen waren, die sich bald m großen, bald in kleineren Städten ereigneten. Die Autodiebe wurden immer dort flüchtig ge- sehen, wo oie Einbruchsdiebstählo meist nachts in Göldwaren- und Zigarrengeschäften vor sich gingen. In der Nacht zum 19- September wurde in Waren darf in Westfalen die Scheibe eines Uhrmacherladens zertrümmert! die Täter sind je- doch verscheucht worden. Sie entkamen In einem Auto. Die ganze Umgehung wurde alarmiert. Auch in Rheda in Westfalen an der im Städtchen gelegenen Bahmmtersührung postierten sich Poli- Wieder Sondergerichi Viel härm um eine Hakenkreuzfahne Die Hart umkämpfte HakenkreuzsaHne in der Nounynstraße, die bereits zwei kommunistischen Arbeitern je zwei Jahre Gefängnis gekostet hat, beschäftigt heute morgen zum zweitenmal das Sondergericht unter Vorsitz des Landgerichts- direktors M e u s e l. Angeklagt ist wegen Auf- rühr» und Aufforderung zur Gewalttätigkeit der Arbeiter P ä tz o l d. In der Naunynstrahe, inmitten eines Arbeiter- Viertels, hotten die Hakenkreuzler Im Juni diese» Jahre« au» einem Hause eine Hakenkreuzsahn« heraushängen. Die Arbeiter empfanden das als eine Provokation. Es kam wiederholt zu Zu- sammenrottungen, die Nazis hatten vor dem Haus« eine Wache aufgestellt. In«r Nacht vom 26. zum 27. Juni sammelt« sich vor dem Hause ein« größere Menge. Man versuchte die Fahne zu zerreißen. Die Naziwache fühlte sich bedroht, die zeibeamt«. Um 3.39 Uhr morgens raste ein Auto mit 89 Kilometer Geschwindigkeit au» der Rich- tung Warendors heran und überrannte zwei Landjäger. Der Oberlandjäger Grafen- Horst büßte fein Leben ein. Er wurde 699 Meter von der Unfallstelle aufgefunden. Das Auto hatte ihn auf d«m Kühler davongetragen. Der Landjäger Bölkenhaus liegt noch heute mit schweren Knochenbrüche» im Krankenhaus! Die Täter Waibel und Kuczinfky waren die- selben, die die zahlreichen Autodiebstähle und Einbrüche auf dem Gewissen hatten. Vieles sprach dafür, daß st« die Polizeibeamten vor- sätzlich üb erfuhren. Sie kamen vor das Bielefelder Sondergericht unter Anklage des Mordes. Außerdem hatten sie sich wegen der anderen Delikte und wegen versuchten Mor- des in Hildesheim, wo sie einen Polizeibeamten dreimal zu- überfahren versuchten, zu verantworten. Gegen den Einspruch«Ines der Verteidiger hat der Generolstaatsanwalt die Zuständigkeit. des Sondergerichts bestätigt. Er verwies auf die Terror-Rotoerordnung de» Reichspräsidenten, die da, Leben von Polizeibeamten unter besonderen Schutz stellt. Da» Gericht bejahre den Vorsatz der Tat, verneint« jedoch die Ueberlegung. Es erkannte auf Totschlag. Das Gericht hielt es auf Gncnd der Beweisaufnahme für erwiesen, daß die Täter die Beamten früh genug erkannt hätten. um ihren Wagen zum Stehen zu bringen oder auszuweichen. Di« beiden Verurteilten gehören keiner polftifchen Part«! an. Auch die Tories tagen Ottawa-Beschlüsse gehen nicht weit genug Eigener Bericht des„Vorwartt" London. 7. Oktober. In B l a ck p o o l begann am Donnerstag die Konferenz der Konservativen Partei. Sie billigte die bisherige Regierungspolitik, bedauerte aber. daß die Abmachungen von Ottawa nicht weitergingen. Major Elliot, der neue Land- wirtschaftsminister, bekannte sich zu l a n d w i r t- schastlichen Schutzzöllen und setzte sich besonders für die Erhöhung der Fleischpreis« zu- gunsten der englischen Züchter ein. herbeigerufene Polizei wurde durch Johlen be- grüßt. Drei kommunistische Arbeiter wurden ver- haftet, zwei davon bereits am 2. September vom Sondergericht verurteilt, das Verfahren gegen Pätzold jedoch abgetrennt, da sich die Notwendig- keit ergab, neue Zeugen zu laden. Der Angeklagte Pätzold, der vom Iustizrat B r o h verteidigt wird, während die Anklage Staotsanwaltschaftsrat Dr. M I t t e l b a ch ver- tritt, bestreitet auch heute, sich«was zuschulden haben kommen zu lassen. Die vernommenen Polizeibeamten wollen ober in ihm einen der Schreier erkennen Das Urteil ist am Nachmittag zu erwarten. Flucht aus Berlin Einwohnerzahl geht zurück vi« Einwohnerzohl verlins gehl ständig zurück. Sie beträgt heule rund VA Millionen, das heißt rund 30 099 weniger al» im Oktober vorigen Zähre». Zm Zuli zogen mehr al» 13 000 Personen zu, dagegen über 22 000 fort. 3n absehbarer Zeit dürste sich an dieser Bevölkerungsbewegung in Berlin kaum etwas ändern. Bei den wieder Zurückflutenden handelt e» sich zum größten Teil um enttäuschte Landleute, die in früheren Zahrem nach Berlin in der Hoffnung gekommen waren, in der„großen Stadt" eine neue Existenzmögliich. keil zu finden. Auch sie sind nun eine Hoffnung ärmer. 3n der spanischen Provinz vadasoz kam es zu schweren A g r a r u n r u h e n. Die arbeitslossen Landarbeiter greisen zur Sekbsthilse und begin'aen mit der Landbestellung gegen den Willen der Groß- grundbesiger. Ohne Auftrag beginnen sie zu pW. gen. Di« noch in Arbeit stehenden Tagelöhner streiken. Di» Lag« ist gespannt. Nach! der Anfälle Oie gefährliche Schutzinsel 3n der vergangenen Nacht ereigneten sich in der kurzen Zeit von 23 Uhr bis 1.39 Uhr vier schwere Verkehrsunfälle. Vor dem Hause Kurfürstenstrahe 39 geriet ein Privatauto ins Schleudern und fuhr auf die Schutzinsel. Ein dort aus die Straßenbahn warten- der 68jähriger Pastor Oskar G r ä b k e aus der Schweidnitzstraße wurde vom Auto erfaßt und Übersahren. Mit schweren Verletzungen wurde G. ins Achenbachkrankenhaus gebracht. Im Grunewald, an der Ecke Hagenstraße und Königsallee, raste der 26 Jahre alte Motorrad- sahrer Artur P i e t s ch aus der Bornemann- straße 9 gegen einen Baum. Das Rad wurde zertrümmert und P. erlitt schwere Verletzungen. Bewußtlos wurde er ins Martin-Lucher-Kranken- Haus transportiert.— Auf der Kreuzung Pots- damer, und Margaretsnstrahe prallte der 27jährige Motorradfahrer Erwin B o e n I ck e aus Neukölln mit dem 33 Jahre alten Radfahrer Paul Matthe» aus der Stefanstraße 33 zusammen. Beide stürzten und zogen sich schwere Verletzungen zu. Im Elisabeth-Krankenhaus fanden die Ver- unglückten Aufnahme. Schließlich wurde noch in der Kroutstraße die IZjährige Hildegard Gies« au» der Kleinen Andreasstrahe von einem Motor- radfahrer erfaßt und so unglücklich zu Boden ge- schleudert, daß die Kleine gefährlich« Kopfver- letzungen davontrug. Da» Mädchen wurde ins Krankenhaus am Friedrichshain übergeführt. Adliger Verleumder Er»oll vier lochen brummen Essen, 7. Oktober. Die Große Essener Strafkammer verwarf am Donnerstag die Berufung des Regierung»- rats a. D. von dem Knesebeck, der in erster Instanz wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz zu vier Wochen Gefängnis und 399 M. Geldstrafe verurteilt worden war, und beließ es bei dem Urteil erster Instanz. Don dem Knesebeck wurde zur Last gelegt, daß er In einer Wahlversammlung in Welper bei Bochum frühere Minister, einschließlich des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert, als Landesverräter bezeichnet habe, die von Barmot und Kutisker bestochen und gekauft worden seien. In Blankenstein soll von dem Knesebeck weiterhin von Stresemann und B r i a n d be- hauptet haben, daß für den einen eine und für den anderen zwei Millionen Mark bei einer hol« ländischen Bank hinterlegt worden seien, damit der Aoung-Plan auf der Haager Konferenz beschleunigt angenommen würde. Die Berufung des Staats- anwalts, der beantragt hatte, über das von der ersten Instanz verhängte Strafmaß hinaus auf fünf Monate Gefängnis zu erkennen, wurde gleichfalls verworfen. Schuß im Hotelzimmer Selbstmord eines Gastwirts In einem Hotel in der Albrechtstraße erschoß sich der 41 Jahr« alte Gastwirt Julius Mayer aus Hamburg. M. erschien gegen 2 Uhr in Be- gleitung einer Frau in dem Hotel. Nach etwa zwei Stunden entfernte sich die Frau. Da» Paar hatte keinen Argwohn erregt. Plötzlich hörten die Angestellten aus dem Zimmer des neuen Mieters zwei Schüsse fallen. Als sie die Tür mit Gewalt öffneten, fanden si« den Mann tot im Bett liegend aus. Er hatte sich eine Kugel durch die rechte Schläfe gejagt. Genossenschaflsbeamle in der Sowjetunion hin- gerichtet. Das Gericht in Tpmsk verurteilte fünf Beamte der Genossenschaften wegen Sabotage und aegenrevolutionärer Umtriebe zum Tode durch Erschießen. Di« Todesurteile wurden am Donners- tag durch die Wachen der GPU. vollstreckt. London verhandelt weiter I�onkeren�plan nock nicht preisgegeben London, 7. Oktober. Zn einer vom Reuterschen Büro nm Mitternacht ausgegebenen Meldung heiht es. von zuständiger Seite werde zu dem Plan einer Konferenz zu Vieren milgeleilt, daß die britische Regierung ihre Besprechungen mit den anderen Mächten fortsetze und vorbchalllos au ihrer Absicht f e st h a l l e. eine Zusammenkunft herbeizuführen. sobald eine solche zustande gebracht werden könnte. In Paris dagegen sieht man den Kon- ferenzplan als endgültig g e s ch e i t e r t an. Die Pariser Presse begrüßt einmütig diesen Fehlschlag. weil das Abrüstungsproblem nunmehr d p r t weiter behandelt werde, wo es hingehöre, näm- lich in Genf, wo alle Staaten beteiligt feien. Uebrigens bemüht sich die französische Presse eifrig, die Schuld an dem Scheitern der geplan- ten Piermächte-Konferenz Deutschland zu- zuschieben. Es steht aber außer Zweifel, daß die Anregung Macdonalds, so vorsichtig zurück- haltend sie auch in Berlin aufgenommen wurde. vor allem in Paris von Anfang an auf starken Widerstand gestoßen ist. Borab für Deutschlands Gleichberechtigung. Eigener Beridit de»„Vormärts" New Port, 7. Oktober. Senator B 0 r a h, der Vorsitzende der Aus- wärtigen Kommission des amerikanischen Senats, erklärt in einem durch die amerikanische Presie laufenden Artikel zu der deutschen Forderung nach Gleichberechtigung, diese Forderung sei dem Wesen und dem Grunde nach berechtigt. Der Gedanke, eine große Nation aus die Dauer innerhalb der bei Kriegsende geschaffenen Grenz« halten zu wollen, sei unsinnig und un° fair. Deutschland müsse aber in seinem eige- nen Interesse zur Genfer Abrüstuygskonserenz zurückkehren und mit der Welt zusammenarbeiten. Auf den Vorwurf, Deutschland habe die Frage der Gleichberechtigung zu einem falschen Zeit- punkt aufgeworfen, erwidert Borah. eine solche Frage, die das Gefühl der Minderwertigkeit und der Demütigung eines ganzen Volkes hervorrufe. könne nicht so behandelt werden, daß man mit Zartgefühl vorgehe und peinlich auf den ange- LiebesgeMster aus Harzburgbausen Di« ehelichen Auseinandersetzungen im chouse chyrzburg werden immer lebhafter, das legendäre „Fischweib�, das ehedem als Typus rustikaler Ausdruckswcise gefeiert wurde, hat sich längst verschämt zurückgezogen und cherrn Dr. Goebbels stinen Stammsitz neidvoll eingeräumt. Der legt dann acht Spalten lang gegen die chugenberg- Presse und die Deutschnationale Volkspartei los, und wir können der Versuchung nicht widerstehen. ein paar Kostproben aus der zärtlichen Unter- Haltung wiederzugeben, die unter der Ueber- ichrift„Ein ungeheurer Lügenwulst" dem schmutzigen Munde entfliehen: Schamlos nackt zeigte sich der brutale kapitalistische Geist des Scherl-Derlages... ... Was fällt chnen ein: Wie bringen sie den traurigen Mut auf.«ine so plumpe Lüge aufzustellen? Sie bezeichneten eine Hitler-Versammlung als Affenstall und prahlten mit ihren Be- Ziehungen zum Silberstreifen-Streseinann. Welch Höhepunkt journalistischer Ver- logenheit! Schäbiger Konkurrenzkamps? Der D ü m m st e wird heute einsehen, daß wir das nicht nötig haben. Im„Tag" und im.Lokal-Anzsiger" gibt er einer verlogenen Ehrpusfeligkeit Raum, in der„Nachtausgabe" schwärmt er schon für Schönheitsköniginnen und ähnlichen Unfug und im„Magazin" gibt er sich bereits als Lebemann. Da veröffentlicht er Bilder mangelhaft bekleideter Damen zu höchst eindeutigen Zwecken. Völkisch? Sind die jüdischen Direktoren und Redakteure Goldschmied, Breslauer. Tannenbaum. Leoai-Löwe. Wilder, Prostauer. Rosenchal. Löwenthal usw., die im Scherl- Verlag beschäftigt sind und waren, diese Sprecher der völkischen Gemeinbürgschaft? So geht es acht Spalten long! Huqenbergs Organe, auch nicht faul, revanchieren sich nicht weniger fein, indem sie zugleich Rosa Luxemburg entehren: „Goebbels ist die männliche Rosa Luxemburg. Beide sind unansehnlich von Gestall und von jüdischem Aussehen. Ihn treibt— wie sie früher-r- di? große brennende Leidenschaft, zu hetzen und zu lügen." Woraus Goebbels keift: Rosa Luxemburg hat das Berliner Volt in Klassen entzweit und gegeneinander gehetzt. Dr. Goebbels hat es wieder zu einer Volksgemeinschaft verbunden. Der bescheidene Junge— er hat das Berliner voll zu einer Volksgemeinschaft verbunden! messenen Zeitpunkt warte.(Man darf die Be- deutung von Aeußerungen Borahs nicht über- schätzen. Er spiegelt zwar die Auffassungen eines Teils der amerikanischen Oeffentlichkeit wieder. aber in der Praxis hat sich fast immer gezeigt, daß die amerikanische Regierung sich bei chren Wandlungen um die Ansichten Borahs wenig kümmert. Red. d.„V.".) Roosevelt für Annäherung an Europa Eigener Beridit des„Vorwärts" Paris, 7. Oktober. Der Präsidentschaftskandidat der amerikanischen Demokraten, Franklin Roosevelt, hat dem New-Aorker Sonderberichterstatter des„Matin" in einer Unterredung aus die Frage, ob er nach seinem Einzug in das Weiße Haus die Monroe- Doktrin in bezug auf Europa noch strikte an- wanden und den amerikanischen Nationalismus noch mehr betonen würde, geantwortet:„A h- f o l u t n i ch t. Ich will, das ist klar, zuerst meinem Land und meinen Landsleuten dienen. Aber ich kenne die Mehrzahl der europäischen Staatsmänner. Ich bin mit Europa und seinen Problemen vertraut. Ich weiß, was es uns kosten kann, sie zu ignorieren oder so zu tun, als ob wir sie ignorieren." Diese Erklärung, die im Sinne einer An- Näherung Amerikas an Europa aus- gelegt wird, wird vom„Matin" mit großer Ge- nugtuung begrüßt. Monteur Werneke schafft es Theater in der Behrenstraße Vpn der L-ady Milford bis zur Rose von Stam- bul reicht die Reihe der proletarisch gebo«nen Theaterdamen, die auf ihrem Spaziergang durch ein fürstliches Schlafzimmer zu Vermögen, an den Galgen oder auf einen Thron kommen. Be! den proletarischen Männern ist der Aufstieg schon schwieriger. In letzter Zell ist es Sitte der ge- scheiten Dramatiker, dem Proletarier zwar einen Aufstieg zu gönnen, aber es geschieht auf etwas brenzliche Manier. Der Proletarier stiehst sich etwa«inen Anzug, und da Kleider Leute machen, kommt er aufwärts. Wie werde ich reich und glücklich?, so hieß dos Thema. Werneke, Mon- teur, Berliner Junge, lernt das Schieben genau so gut, wie die pikseinen Schieber in den Villen es verstehen. Er kommt hinauf, weil er es diesen Leuten sehr geschickt nachmacht. Trotzdem behält er seine guten Eigenschaften, Herz und Schnauze, wie Erich Carow sagen würde. Aber Vorsicht, diese Theatermode reißt«in! Und es soll der Mann, der aus der Bühne er- scheint, nur noch zu etwas kommen, wenn er fünf gerade sein läßt. Das tut in dem Lustspiel von Ebermayer und Eammerlohr:„Bargeld lacht", auch Monteur Werneke, und die dramatischen Witz- bolde merken gar nicht, wie k-umme Weg« sie se'ber gehen. Sie wollen ein Geschichtchen von heute er?ählen. und es muß unbedingt eins . Gaunergeschichte sein. Der Monteur findet 7l> 000 Eine Stimme von 1000 Hörsendung aus Berlin Der Hörsendung„Eine Stimme von t 0 0 0" gab die Berliner F u n i st u n d e den Untertitel„Ein Versuch" mit auf den Weg. Nur als Versuch kann diese Sendung auch richtig gewertet werden. Wer die— eine Stunde vorher aus der Deutschen Welle oerbreitete HuxenW� in Nöten M) äs. M. Bei Aossall der Lieseiung wegen höherer Gewalt besteht rein Anspruch der.Abonnenten aus Ersatz./ Anzeigenpreise: Die einspaltige Millimeterzeile 33 Ps., Reklamezeile 1,50 M.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf., jedes weitere Wort 13 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei WoLte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 25 Pf. Familienanzeigen Millimercrzrile 18 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft, Lindenstr. 3, wochentäglich von 8>z bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor. i Verantwortlich für Politik: Richard Schwartz: Wirtschaft: G. Kliagclböser; Dewcrtschastsbcwegung: 3. Steiner; Feuilleton: Herbert Lcptre; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstädt; Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin./ Verlag: Vorwärts-Berlag S. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und V-rlagsanstall Paul Singer u. Co., Berlin SW. 88. Lindenstr. 3. OIG Primus-Palast Potsdamer Straße 19. 2 L'rauff.: Ballhau« goldener Kngel m. L. Engli«ch u. d. Militärburleske; Schön war« doch rn. d. rbein. Komiker Servo» W. 5.15, 7.15, 9.15 Uhr £. 3.15, 5.15, 7.15, 9.15 Uhr Potsdamer Straße 38 Ich will nicht wUscn, wer du bl«t mit Liane Haid, Gu«t. Fröhlich. Szöke Szakull W. 5. 7. 9 Uhr. S. 3. 5. 7. 9 Uhr Odeon.PotsdamerStrJS Das«chöne Abenteuer mit Küthe v. Xagy. W. Albach- Retty, Sandrock. Wallburg W. 5, 7. 9 Uhr. S. 3. 5, 7. 9 Uhr Turmstraße 12 Quick mit L. Uarvey, Albers, Käthe ilaack, P. liörbiger W. 5. 7. 9 Uhr. S. 3, 5, 7. 9 Uhr Alexanderstraße 39-40 (Passage) Die verkaufte Braut mit W. Domgraf-Faßbaender— Die Zwei vom*$udexpreß. Sensationsfilm Den ganzen Tag geöffnet. S. ab 3 U. Alhambra Müllerslr. 136, Ecke Seeslraße. Die Tänzerin von Sanssouci mit O. Gebühr, L.il Dagover Für Jugendliche freigegeben! W. 5, 7. 9 Uhr. S. 3, 5. 7. 9 Uhr German ia-Pa last Charl., Wilmersdorfer Str. 53/54 Das schöne Abenteuer mit Käthe v. Nagy, W, Albach- Betty, Sandrock, Wallburg W. 5. 7. 9 Uhr. S. 3, 5. 7. 9 Uhr Kant-Lichtspiele Kantstraße 54. Die Tänzerin von Sanitsauci mit O. Gebühr, 101 Dagover Jugendliche haben Zutritt W. 5, 7. 9 Ub S. 3, 5. 7. 9 Uhr �J�Fpleetrlchstadt��p Aladin �äge.'klno Friedrichstraße 112a (am Oranienburger Tor) Um 9, 12, 3, 6, 9 Uhr beginnend: Entfesseltes Afrika Um 10.30. 1.30. 4.30, 7.30. 10.30 Uhr beginnend: Kameradschaft mit Fritz Kampers, Alexander Granach u. a. I'fa-W ochcnschau Franziskaner EjmÄft?! Um 9, 12, 3, 6, 9 Uhr beginnend: Der verjüngte Adolar mit Fritz Schulz, G. Alexander Um 10.30, 1.30, 4.30, 7.30. 10.30 Uhr beginnend: Eine Stunde mit dir mit Maurice Chevalier, Jeanette Mac Donald Eraelka-W'ochenschau Die Kamera Linnde0dH W. 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5. 7, 9 Uhr Die Königsloge mit Alexander 3loi«si, Camilla Horn— Bcipr. — Tonwochc ■ Hoabit S >1 Ast/ Wochent. ab 6 Uhr ri TlUSnOT Sonntags ab 5 Uhr Perleberger Str. 29. Die Herrin von Atlantis mit Brig. Helm— Hein\anie ist Eampe mit Szakall— Tonw. >rehm B.: Betrachten wir einen modernen Massen- menschen! In einen engen Lebenskreis ist er ein- gesponnen, sein Weg ist in großen Linien vorge- zeichnet: so muß er gehen, von der Wiege bis zum Grabe unentrinnbar der Träger eines typischen Schicksals. Ein derart gebundener äußerer Lebensablauf ist natürlich nicht besonders dazu angetan, Menschen von Persönlichkeitswert hervorzubilden, ihnen eine geistige Lebensform zu geben. Und doch kommt häufig gerade bei ihnen aus einem Leerheitsgefühl ein instinktwes Drän- gen und Sehnen zum Durchbruch: Ausgleiche suchen sie, sprengen wollen sie die beklemmende Enge ihres Daseins, Werte lernen sie erkennen. Auswahl treffen, und am Ende zeigt sich ihnen auch das Schöne nicht in seiner offenbaren Er- scheinung, sondern in den Heimlichkeiten seiner verborgenen GestaU. A.: Aber was hat denn das mit dem Theater zu tun? B.: Sehr viel— alles! Auf der Bühne findet alle Wirklichkeit ihr erhöhtes Widerspiel, der ganze Reichtum und alle Not und Verworrenheit der Erde: da ist der Mensch in seiner Ergriffen- heit und in seiner Sündenblüte und dort sind die ewigen Verkettungen von Blut, Liebe und Haß, von Leidenschaft, Gewalttat und Verbrechen, von Erwachen, Berufensein und Kreuzigung, von Geldesmacht, Käuflichkeit und Verrat, von Steigen und Fallen, Blühen und Tod. So ver- wandeln wir uns, mitgerissen durch die Kunst edler Darstellung, in das tausendfältige dichte- rische Gesicht. Das macht uns reicher. Durch große Erlebnisse wachsen wir über unser Ver- zagtsein hinaus. Glauben Sie nicht, daß das eine sehr große innere Hilfe ist? TL: Schön und gut. Aber das alles ist doch nur ein Spiel, das uns allenfalls von den Wirk- lichkeiten entfernt! B.: Ja und nein! Ja, weil wir für wenige Stunden die Hast und das Getöse des lauten Tages vergessen. Nein, weil alle Kunst und um so tiefer, je reicher sie sich entfaltet, in das Herz der Dinge, der Menschen, der Welt führt. Im Wesen des Kunftgenießens liegt es daher, daß wir durch Nacherleben einer künstlerischen Tat ahnend verborgene Zusammenhänge des Ge- schehens um uns aufspüren, also der erhabensten Wirklichkeit näherkommen. A.: Mir scheint, Sie sind ein unverbesserlicher Theaterenthusiast. Aber sagen Sie, finden Sie denn olles wirklich in den heutigen Bühnen- werken? B.: Gewiß nicht immer, große Theatererleb- nisse sind eine Seltenheit. Neben dem, was ich Ihnen schon erzählte, treibt mich eine ganz primitive Schaulust ins Theater. Sehen Sie, spielen und Freude am Spiel, das ist immer in der Menschheit gewesen. Darum glaube ich auch an den Bestand des Theaters— trotz Tonsilm und Radio. Die Bühne hat mehr Lebensfülle und Blutswärme, die lassen sich nicht ersetzen. Daraus erklärt sich auch ihre nachhaltige und ihre gemeinschaftsbildende Wirkung. Eine gemeinsame Theatervorstellung kann so starke Bande schließen wie kaum ein anderes Erlebnis. Die deutsche Volksbühnen- bewegung ist der sichtbare Ausdruck einer vom Theater ausgegangenen Gemeinschaftsbildung, die auch kulturell fruchtbringend gewirkt hat und fort- wirkt. 2l.: Damit meinen Sic wohl den Bortell für alle Mitglieder der Volksbühne, die durch den Zusammenschluß zum Theaterbesuch gc- kommen sind? B.: Nicht das allein. Je fester die Besucher- schast eines Theaters in sich geschlossen ist, je mehr sie sich als Gemeinde fühlt, desto wertvoller ist sie dem Theater, desto wertvoller kann auch das Theater ihr fein. Diese lebendige Wechsel- Wirkung kann auch das Schaffen unserer Drama- tiker beleben. Große Dichtung wiederum führt zu einer Besinnung des Menschen auf sich selbst, die deshalb schöpferisch ist, weil sie Klärung bringt und Wirklichkeiten umgestalten hilft, also der neuen Zeit den Weg ebnet. Darum gehört jeder werktätige Mensch, weil er den Fortschritt bejaht, darum gehören auch Sie, lieber Freund, in die Volksbühne. Und gerade jetzt, wo unsere Sache so arg bedroht ist. Es wird zum Sammeln ge- blasen— sür die Volksbühne! Schicken Sie auch Ihre Freunde zu uns! In einem vollen Hause läßt sich's besser spielen. z*.?. binden,, gibt es reine fflaffeu? Beim letzten Familienkrach sagte mein Schwager zu mir:„Du bist das jüdische Gift, das unsere streng nationale Familie tropfenweise verseucht hat, tropfenweise und ohne daß man es merkt!" Trotzdem er den„Völkischen Beobachter" intensiv genießt, ist er weder blauäugig noch blondhaarig. Auch verrät er absolut nichts von der mit der nordischen Rasse angeblich verbundenen geistigen Einsicht und hohen Schöpferkraft. Dennoch— ich will nicht undankbar sein!— verdanke ich seinem Gerede die Anregung, mich mit Rassen- und Ab- stammungsproblemen zu beschäftigen. Und so suchte ich am Stammbaum der Menschheit nach jenem mächtigen Ast, der rein nordische Blüten und Früchte hervorbrachte, suchte ich vor allem die Herkunft und den Bestand reiner Rassen zu ergründen. Ich begann die Ergründung zunächst mit der Erforschung der eigenen 2lhnenreihe. Als ich Eltern und Voreltern und Vorooreltern nachging, da bekam ich schon zu Napoleons Zeit, also etwa 12l> Jahre— vier Generationen— zurück: 16 Urahnen. Bei zehn Generationen, zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges also stieg deren Zahl bereits auf 1024, als Kolumbus nach Amerika schiffte, waren es schon über 32 000, und als Kaiser Rotbart lobesam zum heiligen Land ge- zogen kam, da hatte sich bereits über 1 Million Menschen um meine Existenz bemühen müssen. Das ist erfreulich und entsetzlich zu gleich. Denn welche Erbmassen muß man da als harmloser Mitteleuropäer mit herumschleppen! Westisches, ostisches, nordisches Wesen, dinarische, mongolische, semitische und was sonst noch alles für Bluts- tropfen sind da in unsere Blutgefäße zusammen- gespritzt worden?! Ein aus 2ö Ingredienzien ge- mixter Cocktail dürfte dagegen klar wie Wasser sein! Die Leute damals hatten doch gar keine Ahnung davon, daß sie chr Blut, chre Rasse rein erhallen müßten, auf daß die Kultur nicht zum Teufel gehe. Sie zeugten einfach fröhlich und eifrig beflissen nacheinander fort ohne Rücksicht auf die möglichen Folgen, und wenn selbst auf diese Weise im Laufe friedlicher Zeiten keine allzu „Wädchen in Vniform" Wer mit sehendem 2luge die Schaufenster der Kauf- oder Damenmodehäuser betrachtet, wird in der gegenwärtigen Mode das betont Militärische leicht herausfinden. Diese Mode, welche uns bereits in den Kriegsjahren beschert werden sollte, sich aber infolge des Stoffmangels nicht durchsetzen konnte, hat jetzt einige Aussicht aus Erfolg: Die Frauen, die naziotisch angekränkelt sind und etwa dem Fraucnring, oder dem Luisen- bund angehören, werden hier die wunschgemäße Kleidung gefunden haben. Die Kleidungsstücke der Saison, vor allem Blusen und Mäntel, sogar Kinderkleider, zeigen— die Ulanka.— Diese Damenuniform ist insofern vorteilhaft, als sie politische Rückschlüsse auf die Parteizugehörigkeit ihrer Trägerin zuläßt: der„Reiz" wird durch Aufnähen von Gold- und Silberknöpfen noch er- höht, wie sie die wilhelminische„herrliche" Zeit gekannt hat. Es wird jeder Werktätigen bekannt sein, daß die Mode ein kapitalistisches Erzeugnis ist: deshalb lehnt wohl jede verständige Frau die zum Chauvinismus treibende militarisierte Damenmode ab. Wie in den Weltkriegsjahren finden wir heute die gleichen Zusammenhänge: Militär, Volkselend und Hunger! C. dl. ItüHenmauber Wenn jemand die weite Reise nach Aegypten unternimmt— besonders wenn er dazu noch aus Amerika kommt— dann will er für sein Geld möglichst viel von den Geheimnissen der Wüste kennenlernen. Die großen Hotels mit ihrem Be- trieb sind natürlich nicht dazu angetan, den Zauber der Wüste in seiner Ursprünglichkeit zu crbalten. Da die Hoteldirektionen ihren Gästen aber etwas bieten müssen, so müssen sie die seh- lende Natur künsllich ersetzen. Zu diesem Zweck hatte die Direktion eines Hotels in Kairo einen jungen Araber in seinen Diensten, der nächtlicher- weise auf Bestellung das Heulen hungriger Scha- kale nachahmte. Lange Zeit erwies sich dieser Notbehelf als brauchbar. Eine ganze Reihe von Amerikanern und Europäern hatten das Heulen der Bestien mit angenehmem Gruseln vernom- men. Plötzlich tauchte in dem Hotel der frühere Direktor eines amerikanischen zoologischen Gar- tens auf. Er hatte den Wunsch, einige Nächte in der Wüste zu verbringen, um ihren Zauber zu genießen. Zwei Araber, die ihm die Hotelleitung zur Verfügung gestellt hatte, begleiteten ihn in die Wüste. Die Hoteldirektion wollte dem guten amerikanischen Gast eine Wüstennacht mit allen Schikanen bieten und ließ deshalb den von ihr als Schakalimitator angestellten Araber in der Nähe des Zeltes, das man für den Amerikaner aufgeschlagen hatte, heulen. Leider war man diesmal an die falsche Adresse geraten. Der Ame- rikaner kannte als Direktor eines zoologischen Gartens die Raubtierstimmen genauer als die Herren vom Hotel und entdeckte sofort den Betrug und verließ, nachdem er seiner Empörung darüber Luft gemacht hatte, das Hotel. Die Hotelleitung hinwiederum war empört, daß der 2lraber die Stimme des Schakals so mangelhast nachgeahmt hatte und entließ ihn fristlos. Der Araber fand das als ungerechtfertigte Härte und suchte Schutz beim Gericht. So gelangte diese Geschichte an die Oeffentlichkeit. Sicher iU sicher Isak Frauenheld, seines Zeichens Berufs- germane und Versammlungsschreier, kommt in das Braune Haus, um sich bei Pan Suchanek zu erkundigen: „Ich weiß wirklich nicht, soll ich bei unserer nationalsozialistischen Versammlung„Hoch die Republik" oder„Es lebe die Monarchie" rufen?" Bedächtig wiegte Pan Suchanek das Haupt und meinte nach kurzem Bedenken: „Am besten. Sie schreien„Heil Hillerl"." großen Mischungen zustande gekommen wären— die immer wiederkehrenden Kriege mit ihrer unvorstellbaren Aufrührung aller europäischen und außereuropäischen Menschenmassen sorgten be- stimmt dafür, daß das Verlangen der Natur nach Abwechslung in vollem Umfange und mit durch- schlagendem Erfolg befriedigt wurde. Denn zum Kriegführen nimmt man auch heute noch keine Mönche! Wenn also am Anfang der Geschichte wirklich noch reinrassige Menschen vorhanden ge- wesen wären, sagen wir einmal Germanen und so, sie wären im Verlaufe der Geschichte längst so gemischt worden, daß nicht einmal mehr Spürchen reinen Blutes da fein könnten. Aber— je weiter wir hinaufgehen in der Vergangenheit. desto mehr Mischung begegnet uns. Die Inda- germanen, die Stammväter der Germanen und fast der meisten europäischen Nationen, waren nach Schräder, dem besten Kenner ihrer Verhältnisse, schon nicht reinrassig. Sie waren blond und brünett, kurz-, mittel- und langschädlig, hoch und stumpf gewachsen. Und dann schweigt die Geschichte und die Vor- geschichte etwa 6000 oder(nach anderen Meinun- gen) sogar 16 000 Jahre lang. Es ist heute noch durchaus unklar, woher die Völkerschaften der Jungsteinzeit abstammen. Klar aber ist, daß auch sie alles andere als reinrassig waren. Denn auch in der Allsteinzeit zeigen sich, sowett wir heute wissen, Mischungen. Jene Menschen, die man als Cromagnon bezeichnete, jene, deren Skelette man bei Chancelade, in fta Chapelle aux saints, in Brünn, Predmost und wo sonst noch gefunden hat, sie alle müssen als Mischprodukte ihrer Vor- ganger, nämlich der Neandertaler, der Aurignacen und Mousterienser angesprochen werden. Und alle Kulturen aus jenen längstvergangenen Zeiten, in die man an Hand der Werkzeuge und sonstigen Funde Einblicke tun konnte, weisen neben einem bestimmten Stamm einheitlicher Stücke Dinge auf, die fremde Einflüsse verraten. Und wo sich Gebrauchsgegenstände, Kultdinge, Schmuckstücke deutlich als aus dem Zusammenwirken ver- schiedener Geister herausgeboren, also als Misch- Produkte zu erkennen geben, da sollten die Ver- fertiger dieser Sachen ausgerechnet keine Misch- Produkte gewesen sein? Das mag Günther glauben oder aus chauvinistischen Gründen für wahr halten: Die Tatsachen des Lebens sprechen eine andere Sprache! Rassenreinheit ist nur ein Mittel politischer Agitation, ist sür geistig minderbemittelte Zeitgenossen nur dazu gut, stark gesteigertes Geltungsverlangen abzureagieren. Die Einbildung, edlerer Raffe zu entstammen, ersetzt dabei Bankkonto und Luxuslimousine, surrogiert mangelnde Erfolge im Daseinskampf, verschafft moralisch erscheinenden Vorwand für unmoralischen Neid. Denn ihr Grundgedanke ist: Ich bin reinerer Rasse, edlerer Abkunft als du, deshalb gebührt mir die Führung, und d i r das Ge- führtwerden, deshalb gebührt m i r die Herrschaft und d i r das Dienen. Deshalb ist, was i ch will, völkisch, national und das, was d u willst, dein Verlangen: marxistisch, volksfeindlich, volks- zerreißend! Anders: 2lls edlerem Rassebiest ge- hört mir der Platz an der Futterkrippe und dir kommt es zu, mir das Futter zu schaffen.„Nieder mit den Juden!"— das ist schließlich das Meer, in das die Rassenphrasenströme münden. Und der wirkliche volksfeindliche Kapitalist locht sich eins dazu. Arbeiter-Rasensport Die Spiele am Sonntag Kaum sind der erste und der vierte Bezirk in die Serie der Fußballer eingestiegen, da kommt es auch schon zu entscheidenden Spielen. In der Normannenstraße in Lichtenberg soll die Frage ent- schieden werden, ob Normannia weiterhin als Meisterschastskandidat gilt. Müssen die Normannen doch gegen Kickers 31, ihrem Platzrivalen, die sich in der letzten Zeit sehr verbessert haben, an- treten. Im allgemeinen gilt Kickers als Favorit, doch kann es sehr leicht auch anders kommen.— Lichtenberg 1 tritt in der Kynaststraße, am Bahnhof Stralau-Rummelsburg, gegen Ein- t r a ch t- Mahlsdorf an. Die Mahlsdorfer haben erst am letzten Sonntag gegen Normannia ge- zeigt, daß mit ihnen nicht zu spaßen ist. Im vierten Bezirk fällt die Entscheidung für Hertha- Luckenwalde. Im Neuköllner Stadion, Platz 5, spielen die Luckenwalder gegen M i- nerva 2 8. Minerva hat sich aus der Krise er- holt. Hertha wird sich also sehr anstrengen müssen, wenn die Punkte in ihrem Besitz bleiben sollen. Eine interessante Begegnung gibt es auch im zweiten Bezirk zwischen Fortuna und Adler 08. Auf dem Exerzierplatz in der Schönhauser Allee kann es sehr leicht zum ersten Punktoerlust für den Meisterschaftsanwärter Adler kommen. Weiter« Spiel«! Etoekow gegen Friedersdorf.— ATB. Neukölln gegen Baumschulenweg.— Eiche. Köpenick gegen Ost.— Hansa gegen Borsigwalde.— Pankow gegen gehdenick.— Blau-Held gegen Börnicke.— Luckenwalde S gegen Rot. Weiß.— Luckenwalde 5 gegen Volkssport Neukölln.— Sugendmannschaften: Nowawes gegen Teltow.— Fortuna gegen Minerva.— Lichtenberg 1 gegen Nor» mannia.— Wilmersdorf gegen Borsigwalde.— Schüler» Mannschaften: Her, selbe gegen Vorwärts.Wedding 1.— Nowawes gegen Pankow.— Adler gegen Alemannia.— Cladow gegen Fortuna.— Hansa gegen Vorwärts. Wedding 2.— Saxonia gegen Werlsee.— Mahlsdorf ge. gen Wilmersdorf.— Weißeniee gegen Normannia.— Zollen gegen Vorwärts ZI.— Rathenow gegen Elstal. Beginn der Spiele: Erste Männermannschaften lö><, Uhr. Vorher spielen die unteren Mannschaften. Vormittags tll d,w. 11 Uhr Jugend» und Schülermannschaften. Das Spiel Eichc-Köpenick gegen Oft-n findet auf dem neuen Platz Eiches in der Grünauer Straße in Köpenick, neben der Kahlbaumschen Fabrik, statt. Handball Die Arbeiter-Handballer haben am kom- wenden Sonntag ein sehr umfangreiches Pro- gramm. Das Hauptinteresse dürsten die Auf- bzw. Abstiegsspiele für die erste Klasse auf dem Sportplatz im Humboldthain haben. Bereits um ö Uhr stehen sich FTGB.-Stralau und Oberspree gegenüber. Die Stralauer, die unberechtigter- weise um den Aufstieg gekommen sind, werden alle Kraft daransetzen, um zu zeigen, daß sie für die höchste Klasse qualifiziert sind. Im Anschluß an dieses Treffen stehen sich Hennigsdorf und Moabit gegenüber. Die Moabiter besitzen noch nicht die genügende Durchschlagskraft, um gegen eine Mannschaft wie die Hennigsdorfer gewinnen zu können. W:it-re Spiele: Lichtenberg gegen Knulsdorf in Lichtenberg, Hiuffstraße.— ATE. gegen Osten 2 in der Lasker, stroße um S Uhr.— Um 1ZH Uhr auf dem gleichen Platz Stralau 2 gegen Erkner.— Werlsec gegen Frlesen-Fürsten» walde.— Oberspree 2 gegen Adlershof 1.— Mllncheberg gegen Kalkberge.— Gallun gegen Niederlehme.— Groß» Besten gegen Halbe.— Tegel gegen Norden 1, Graf- Rödern. Corso.— Friedrichsthal gegen Reinickendorf-West. — Buch gegen Pankow in der Kifsingenstraße.— Bötzow gegen Neuruppin.— Lankwitz gegen Tempelhof.— Luckenwalde gegen Teltow.— Berlin 12 gegen Volkssport Neukölln.— Friedenau gegen Ruhlsdorf.— ASV. Neukölln gegen Zehlendorf.— Frauen: Treuenbrietzen gegen Luckenwalde.— Zehlendorf gegen Volkssport Neukölln 2. — Schöneberg gegen Süden. Reichsbanner-Handball. Die Serisnspiele der Reichsbannerhandballmannschaften beginnen am kommenden Sonntag. Auf dem Sportplatz im Humboldthain spielen um 11 Uhr Wedding 1 und Tiergarten 1. Anschließend spielen Wedding 2 und Kreuzberg 3. In Niederlehme treffen sich die dortige Gruppe und Kreuzberg 1 um 11 Uhr. In der Berner Straße in Reinickendorf treffen um 11 Uhr Kreuzberg 2 und Reinickendorf 1 zusammen. Hockey Am kommenden Sonntag treffen sich in der Gruppe A der Freie Hockeyklub Spandau und Tennis-Rot um 15.30 Uhr in der Wilhelmstraße in Spandau. Wenn auch die Spandauer ge- zwungen sind, mit Ersatz anzutreten, dürften sie doch den Tennisspielern einen großen Kampf liefern. Die FTGB.-Tempelhos empfängt im Mariendorfer Volkspark um 15.30 Uhr den Athletiksportklub, sie dürften den Turnersieg kaum wiederholen können, da der Sportklub wohl über den besseren Sturm verfügt. In der ö- G r u p p e wird der Sportverein Moabit gegen Tennis- Rot 2 um 15 Uhr auf dem Platz Ost in der Laskerstraße wohl Sieg und Punkte mitnehmen. Der Arbeitersportverein Rot-Weiß und Volks- spart Neukölln-Britz treffen sich in der Schön- hauser Allee um 15.15 Uhr. Auch hier dürfte es dem Platzverein schwer fallen, einen gleich hohen Sieg wie im Turnier gegen den Kreis- meister herauszuholen. In der Gruppe C empfängt der Männerturnverein Bernau um 15 Uhr den Sportverein Moabit 2 auf dem Platz am Wasserturm. In Schöneberg, Rubensstraße, spielt der dortige Arbeitersportverein gegen seinen alten Widersacher, der Freien Sportoereinigung Pankow. Beginn 10.30 Uhr. Tennis-Rot 3 werden wohl dem zu Gast weilenden Arbeiter- sportverein Wedding den Sieg überlassen müssen. Beginn 13.15 Uhr, Platz Laskerstraße. Bei den Frauen empfängt Rot-Weiß aus eigenem Platz die stark verbesserten Neuköllner Volissportlerinnen um 1Z Uhr und Pankow wird auf dem Platz in der Kissingen- straße gegen Tennis-Rot einen schweren Stand haben. Beginn 14 Uhr. Tennis-Rot 2 spielt gegen Abteilung Z um 12 Uhr aus Platz Ost.— Weitere Spiele: Tempelb"s 2 gegen Moabit Z uni 14 Uhr.— Spandau 2 gegen R-t- Weiß Z um 14 Uhr.— Neukölln-Britz 2 gegen Tennis. Rot 4 um 14 Uhr.— Gruppe E: Athletik-Sport-Elub 2 gegen Zehlendorf um IOja Uhr.— Ostrina gegen Rot. Weiß Jugend um S Uhr. Der erste Sturm flug Der Gedenktag eines tollkühnen Fluges Der 1. Oktober des Jahres 1912 ist in der Geschichte des Flugwesens ein ganz besonderer Tag gewesen. Wurde es doch an ihm zum ersten Male dokumentiert, daß das neugeschaffene Luft- fahrzeug, das Flugzeug, auch bei dem stärksten Sturm fliegen kann. Daß kein Wetter es daran hindern kann, zu fliegen und damit seine Bestim- mung zu erfüllen. Damit wurde der Legende, man könne nur bei schönem Wetter fliegen, ein Ende bereitet. Einer, der den ersten Sturmflug wagte, war der Berliner H a n u s ch k e, ein Pionier des Flug- wefens, besonders des Metall- und des Sport- slugzeuges. An der Herbstflugwoche de- Jahres 1912 durfte er nicht teilnehmen, weil seine Flug- zeuge mit ausländischen Motoren ausgerüstet wa- ren, weil es für bestimmte Flugzeugkategorien gar keine Motoren in Deutschland gab. Hanuschke beschloß daher, jeden Tag vor Beginn der Flug- Wettbewerbe eine halbe Stunde auf eigene Faust zu fliegen. Ein trüber, regnerischer Tag: Orkane brausten über Berlin, entwurzelten Baumriesen, deckten Häuser ab, auf dem Flugplatz stürzten Schuppen ein und zertrümmerten die darin befindlichen Flugzeuge. An Fliegen war nicht zu denken. Die Berliner aber waren trotzdem zu Tausenden nach Johannisthal gepilgert in der Hoffnung, doch noch Flieger zu sehen. Als kein Mensch mehr an einen Start der Wettbewerbsflieger glaubte, erschien plötzlich auf der anderen Seite des Flugplatzes ein kleiner Eindecker mit laufendem Motor, man sah Menschen, die sich an das Flugzeug klammer- ten, um es vor den Gewalten des Sturmes zu halten. Da, ein Schrei au- tausend Kehlen, der kleine Eindecker, der tatsächlich starten wollte, wurde durch die Gewalt des Sturmes einfach ohne jeden Anlauf in die Lust gerissen und be- fand sich im Augenblick 50 Meter hoch. Wer ist der tollkühne Pilot, so ging ein Schrei über den Platz? Es war Hanuschke. Er hatte sein Wort gegeben, daß er an jedem Tage vor Beginn der offiziellen Wettbewerbe fliegen würde, und er hielt es auch. Im Handumdrehen hatte der Or- kan das Flugzeug bis über 300 Meter Höhe hin- aufgewirbelt. Der Führer behielt seine Geistes- gegenwart und parierte musterhaft den Sturm. Da, man traute seinen Augen nicht, begann das Flugzeug mit vollaufendem Motor rückwärts zu fliegen. Die Gewalten des Windes waren zu stark, sie trieben den Eindecker über den ganzen Flugplatz trotz Lollgasleistung des Motors. Auf- geregt oerfolgten unten die Menschen den Kampf des Fliegers mit den Elementen. Jetzt hatte der Eindecker die Flugplatzgrenze er- reicht, da ließ der Sturm einen Augenblick nach, und der Augenblick genügte dem Flieger, um mit Vollgas fast senkrecht wie ein Adler herobzustoßen. Die Hilfsmannschaften waren dem Flugzeug bei seinem heroischen Kampf über das ganze Flugfeld gefolgt, so daß sie es jetzt fast aus der Luft her» unterholen konnten. Das Flugzeug hatte nicht den geringsten Auslauf, sondern stand auf der Stelle! Mit vollem Motor! Heute, anläßlich der ersten Deutschen Luftsport- ausstellung sei dieser auch heute noch unerreichten Leistung eines Sportflugzeuges der Vorkriegszeit gedacht. Vom Geräteturnen Länderwettkämple beabsichtigt Die Arbeiter-Fußballer, die Handballer, die Hockeyspieler und die Schwimmer haben im Rahmen ihres Sportprogramms schon seit lan- gen Iahren Länderwettkämpfe ausgetragen. Jetzt wollen auch die Turner zu solchen Kämp- fen kommen. So hat der Fachausschuß für Turnen in der Sozialistischen Sportinternatio- nale(SAI.) auf seiner letzthin stattgefundenen Tagung beschlossen. Ausgehend von der Tatsache, daß sich das Turnen, und hier gerade da- Gerätewetturnen, einer immer größeren Beliebtheit erfreut, kam der Fachausschuß dazu, Länderwett- kämpfe abzuschließen. So wurde als erstes Treffen für das Jahr 1933 ein Kampf der drei Länder Deutschland, Schweiz und Tschechoslo- wakei vereinbart. Ein weiterer Vierländerkampf soll Deutschland, Holland, Belgien und Frank- reich zusammenführen. Die ersten Serienwettkämpfe im Geräteturnen wurden in Deutschland durchgeführt. Das war ein allenthalben begrüßtes Beginnen. Je länger Jiu-Jitsu Städtekampf Hamburg-Berlin Der Arbeiter-Sportklub Einigkeit hat am Sonntaa 9. Oktober, ein interessantes Treffen mit dem Sportverein für Jiu-Jitsu Ham- bürg vereinbart. Die gute Ham- burger Mannschaft wird hier einen Gegner finden, der bemüht sein wird, den Sieg in Berlin zu be- halten. Die Kämpf« finden in Treptow, Viktoriagarten, Am Treptower Park 25 26, statt. An- fang 14 Uhr. Eintritt 50 Pf., Erwerbslose 25 Pf. Ringkämpfe vervollständigen das Programm. die Serie dauerte, je weiter die Kämpfe fort- schritten, desto größer wurde auch das Interesse der Zuschauer. Den Abschluß bildete dann das Kreiswetturnen in der Levetzowstraße, wo sich die Turnhalle als zu klein für all die Zuschauer und Mitwirkenden erwies Männer, Frauen und Jugendliche standen sich hier im Wettstreit um die höchste Punktzahl gegenüber. Aber auch die Werbeturnabende der einzelnen Abteilungen und Vereine hatten immer einen großen Erfolg. » Daß das Turnen immer noch jung erhält, be- weist wieder einmal ein Jubiläum, das drei Lichtenberger A r b e i t e r- T u r- n e r feiern können Vor 25 Iahren traten die Jubilars dem Verein bei. Aber nicht nur als Mitglieder. Turner oder Leichtathleten betätigten sie sich, nein auch an der Vereinsarbeit hatten sie ein reges Interesse. So kann W. Ritter heute noch als Iungmädchen-Turnwart auf eine lang- jährige Tätigkeit zurückblicken. Willi Michael war jahrelang der Betreuer der Schülerinnen. August Heinze war stets da zu finden, wo es galt, für den Arbeitersport tätig zu sein. jedenDienstagvon20.45bis22 Uhr; alle Mitglieder jeden Freitag von 19,15 bis 20,30 Uhr im Stadtbad Wcdding, N 65, Gerichtstrabe 67. Beiträge für Kinder 20 Pf., Jugendliche 40 Pf.. Frauen 75 Pf.. Männer 1 M. pro Monat. Automobil- und Molorrad-Ausstellung. Der Vorstand des Reichsverbandes der Automobil- induftrie hat in seiner heutigen Sitzung be- schlössen, den Verbandsmitgliedern vorzuschlagen, im Frühjahr 1933 ein« Ausstellung von Personen- kraftwagen, Lastkraftwagen und Motorrädern ab- zuhalten. Die endgültige Beschlußfassung in dieser Frage erfolgt satzungsgemäß durch die Gesamtheit der Mitglieder. Schwarzes Brett ZTGB., Bezirk Eharlottcpdura, feiert Sonnabend, ß. vk- tober, das vierjährige Bssieben im Tsirlifchen Zelt, Berliner Straße öS, und ladet all- Freund- des Vereins hierzu-in. Eintritt 75 Pf. Rudcrverein Eollegia. Dienstag, 11. Oktober, 20 Uhr, bei Thunack Borstandssißung. Was zu berichten ist Rundfunk QM Äb�nd Abermals Dauerfahrer-Weltrekord. Auf der Pariser Prinzenparkbahn wurde der Stunden- Weltrekord im Radfahren hinter Motorschritt- machern mit 60-Zentimeter-Rolle zum dritten Male innerhalb von 24 Stunden verbessert. Der Engländer Harry Grant konnte dem Franzofen Constant dessen Rekord von 89545 Kilometer wieder abjagen. Obwohl Grant durch einen Motordefekt eine Minute Zeit verlor, gelang es ihm. eine Geschwindigkeit von nahezu 91 Kilo- meter, genau 90,971 Kilometer herauszufahren. Allerdings wurde der Rekordversuch durch voll- kommene Windstille außerordentlich begünstigt. Frlhi Durger in Derlin. Die ausgezeichnete österreichische Eiskunstläuferin Fritzi Burger hat die Absicht, nach Berlin zu übersiedeln. Wann dieser Entschluß in die Tat umgesetzt wird, steht jedoch noch nicht fest. Tatsache ist jedoch, daß sich die Wienerin bereits beim Berliner Schlittschuh- Klub als Mitglied angemeldet hat. Werbeboxkämpfe. Die Vereinigung Lichtenberger Faustkämpfer, angeschlossen dem Arbeiter-Athleten- bund, bringt am Montag, 10. Oktober, 20 Uhr, in der Turnhalle, Vromberger Straße 14, Werbe- boxkämpfe. Die Kämpfer der Vereinigung starten gegen die von Tegel, Nordost, At-Wedding und Britannia. Es ist mit interessanten Kämpjen zu rechnen, da einige neue Leute in den Ring steigen. Die llebuugsstundcu des Arbeiker-Schwimm- Vereins Hellas sind: Kinder von 17 bis 18� Uhrjeden Dienstag: Erwachsene Freitag, 7. Oktober L o r I i n: 16.05 Lporturrt und Jugend(Dr. Stenger, W. Biedermann). 16.30 Nammittags-- musik. 17.00..Das Leben im Ameisenhaufen" (Dr. Käthe Rösdi-Berger). 17.20„50 Jahre deutscher Kolonialarbeit"(Oberstleutnant a. D. H. v. Ramsay). 17.43 Chöre. 18.05 Das neue Buch. 18.15 Schallplatten. 18.30„Was bedeutet der deutsche Gleichberechtigungs- anspruch auf dem Gebiete der Luftfahrt?" (Min-Dir. Dr. Brandenburg). 19.00 Die Funk- stunde teilt mit 19.05 Stimme zum Tag. 19.13 Schallplatten. 19.40 1. Ferninterview(Weltflieger Wolfgang v. Gronau-Batavia, Dr. K. Rathke, Berlin) 20.00 Leonce und Lena (Lustspiel von Büchner). 21.30. Die Meistersinger von Nürnberg" von Richard Wagner. Dir.: Dr. Wilh. Furtwängler. 23.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Hörbericht vom Fliegertreffen(Schallplatten). Tanzmusik. Königs Wusterhausen: 16.00 Die Hellasfahrt 1932 für Lehrer und Schüler deutscher Gymnasien(Dr. P. O. Rave). 16.30 Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30 Der Mensch in seiner Doppelnatur(Prof. Dr. H. Driesch). 18.00 Film als Zeitkunst(Prof. Dr. Biermann, Dr. Eckhardt). 18.30 Notwege des internationalen Warenaustausches (Geh. Reg.-Rat Dr. Demuth). 19.00 Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. 19.20 Arbeit und Dichtung(H. Brockmann). 19.40 Zeit- dienst 20.00„Das große Kind Balzac"(Hörfolge). Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle„Vorwärts"» Boten oder die Postanstalten. ffaals TKtafer Freitag, den 7. Oktober staaisoper unter cen Linden 18V> Uhr (Neueinstudierung) Die Heistersinger von Kürnberg staaiifcttes scnaussieihaus 20 Uhr Was ik? wo9St VOLKIBPHNE Theater am BOSowpkaiz D I, Norden 2944. Allabendlicb 8�4(Jbr Letzte Anfltihrimgr Der Revisor c�.. Regia: Helm Hilpert Sonntagnachm. 3Vi Uhr Premierenbesetzung.— Pieise 0.75 bis 4— MK Stettiner Sänger Reichshallen-Theater (Dönhoffplatz) f Dir. Meysel. Dir. Mcysef. Täel 8.15 Uhr, Sonntags k i30Uhr(ermäßigte Pr Das neue Programm mit der Posse „Und abends wird getanzt" «KN« Fmmipngf Restart Berlins i städf. Oper Charlotienbur Fraunhofer 0231 Freitag, 7. Oktober Turnus HI: Undine I9Vt Uhr Neuesheim, Schirach, Cavara, Hüsch, Kandl. Gombert, Baumann Dirigent; Müller. »v.uhr OfiSIIlO-TflEISTER 8, �h. Lothringer Sfrawe 37. iiiiiiiuiiniiHiuiuiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiuiMiiiiiiiiiiiiiiimiiifi Aach Sonntags nachm. 4 Übr: Hamor! Stimmung! Man lacht Tränen Cber Direktor Hans Berg als Fante Julchen. Gutschein iür dh Leser 1—4 Personen Faut 0.7ö M., Sessel 1.25 bU Park. 0.50 M. JemsdiesHi Weidend. 5201 8 Uhr Rose Bernd von Sirtarl tjauplinanii mii Pauia Wcsseiv Kanunerspieie 8 Uhr Erstaufführung Schalles Bühne Das MM von Rieh Billinger f BERLINER THEAT.1 A 7 DÖBtl. 625 Letz-e Woche 8>,. Uhr MOISS | Oer lebende| I Leichnam l 50 Pf.— 4 M 5 c h.i Jl e r IOrolmausir.'.U/il �SteinpL(C 1) 6715 Rar«et 6 Vordeilgnjii Täglich 8'h Uhr Oer 1 8 Oktober Sotnrig.. 9, Ißr; Einmali:! Aofflhnrnc: Die versuita Clchte Thea te t Kose- 1 tieater IraBs Fmklona StraBi<37 iil. Waidnal F 1 3422 8.15 Uhr Der Hauptmann von Köpenick Am 8. Okiober Eröftnung der Parkdrogerie Barfusstr. 14 a. Apotheker Schulz. namen-MSBiei zu ganz niedrigen Preisen Maßanfertiguna spez. für starke Damen Paul Linen, Damen-MäBiel-rabrlk U. Hdlg., Ncuköl n; Rcu.tr»lr. SI