Morgen- Ausgabe Nr. 475 A232 49. Jahrg. Redaktion und Verlagi Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher,«7 Amt Dönhoff 292 biS 2S7 Telegrammadresse: Sozialdemokrat Berlin BERLINER VOLKS BLATT SONNABEND 8. Oktober 1932 In Groß- Berlin Ii) Pf. Auswärts....... 15 Pf. Bezugsb�ingungen und Anzeigenpreise stehe am Schluh des redaktionellen Teil» Aettteatovgan der SozialdemoSvatischen Partei Deutschtands Abwehr gegen Lohnabbau Die Rexienmx trägt die Verantwortung für die Arbeitskämpfe! Am 7. Oktober trat der Ausschuh des Allgemeinen Deutschen Gewerkschostsbundes zu einer Tagung in Berlin zusammen. Der Bundesvorstand hatte die Tagung einberufen. um mit den Verbandsvorständen die wirt- schastlichen und sozialen Auswirkungen der Votverordnung sowie die gegenwärtige Rechtslage zu besprechen. Er beschäftigte sich zunächst mit den Konsequenzen, die durch die Durchführungsverordnung des Reichsarbeitsminifters vom 3. Oktober d. 3. für den Abwehrkompf der Arbeiterschaft gegen den tohnabbau entstehen könnte. Einmütig wurde die Meinung vertreten, dah durch die Verordnung die verschiedenen Einwände, die von den Gewerkschaften gegen das Bestehen einer Zriedenspslicht erhoben werden, nicht entkräftet worden sind, da eine Rechtsgrundlage für die Verordnung des Reichs- arbeitsmini fters nicht gegeben sei. Die Gewerkschaften könnten sich zudem den stürmischen und vollauf berechtigten Proteslen ihrer Mitglieder gegen den Lohnobbau nicht ver- Ichliegen. Die Kämpfe würden nicht durch die Gewerkschaften, sie würden durch das bittere An- recht der Rolverordnung selbst hervorgerufen. Die Verantwortung für diese Arbeilskämpfe treffe daher nicht die Gewerkschaften, sondern die Regierung und ihre Rotverordnung. von zahlreichen Verbandsvertretern wurde des weiteren auf die wirtschaftlich u n- sinnigen und sozialpolitisch uner- träglichen Auswirkungen bei der Rotverordnung hingewiesen, deren arbeitsmarktpolitische Gefahr durch die neuen handelspolitischen Maßnahmen der Reichsregierung noch unabsehbar gesteigert werden. Das umfangreiche Material. das den Gewerkschaften über eine sinnlose und mißbräuchliche Ausnutzung der neuen Bestimmungen vorliegt, soll der breitesten Oessent- lichkeit zugänglich gemallzt werden. Zn einer öffentlichen Kundgebung der Gewerkschaften am 18. Oktober d. 3. sollen dem gesamten deutschen Volke die unheilvollen Folgen aufgezeigt werden, die sich aus der Durchführung des erneuten Lohnabbaues nicht nur für die Lebenshaltung der Arbeiterschaft, sondern auch für jeden Versuch einer wirksamen Arbeitsbeschassung, insbesondere auch für die Durchführung des Arbeits- beschafsungsprogramms der Papen-Regicrunq. zwangsläufig ergeben müssen. Der Arbeitsmarkt. Räch dem jetzt vorliegenden Bericht der Reichs- anftall ging die Zahl der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Erwerbslosen vom 15. bis Z». September um ISZvoo Personen zurück. Die Gesamtzahl der gemeldeten Arbeitslosen betrug Ende September rund 5 100 000. Da in der ersten Septemberhälfte eine Zunahme der Erwerbslosen um 40 000 eingetreten war, beträgt der Rückgang im ganzen Monat 1ZZ 000 Personen. Bei der Unsicherheit, die durch das rigorose System der Aussteuerungen in der Arbeitsmarkt- statistik eingerissen ist, kann aber nur ein Teil der 123 000 Erwerbslosen als wieder in Arbeit befindlich angesehen werde». Zehntausende werden zweifellos aus der Liste der Arbeitsämter verschwunden sein, weil sie nach der Aussteuerung und infolge der verschärften Bediirstigkeits- Prüfungen überhaupt keine Unter- st ü tz u n g beziehen und daher bei den Arbeits- ämtern nicht mehr gemeldet sind. Zum Teil beruhte die leichte Besserung des Arbeitsmarktes auf Mehreinstellungen bei der Landwirtschaft, bei der die Hackfruchternte jetzt im vollen Gange ist. Saisoneinflüsse spielten ferner im Bekleidungsgewerbe und bei der Nah- rungs- und Genußmittelindustrie mit, bei der bereits das Weihnachtsgeschäft einsetzt. Anzeichen einer konjunkturellen E n t- s p a n n u n g blieben vorläufig auf verschiedene Zweige der Textilindustrie und der Holzverarbei� tung beschränkt. Mehreinstellungen fanden ferner in der Metallindustrie, im Baugewerbe und dem Baunebengewerbe statt, die auf das Arbeits- beschaffungsprogramm zurückzuführen find. Baronswechsel bei Rapen? Freiherr von Braun soll gehen, Herr von Knebel kommen Der Agrarminister Freiherr von Braun hat am Freitag in Breslau programmatische Erklärungen über weitere Einzelheiten der Subventionsverord- nung für die Landwirtschaft abgegeben. Noch während der Uebermittlung der Rede durch die Nachrichtenbüros tauchte an der Berliner Börse von verschiedenen Seiten, die über Berbindungen verfügen, das Gerücht auf, daß der Rücktritt des Freiherrn von Braun unmittelbar bevorstehe. Verschiedene Industrieaktien konnten daraufhin ihre Kurse verbessern. Am Freitagabend lag bereits ein Dementi der Regierung vor. Diese Gegenerklärung ändert aber nichts an der bekannten Tatsache, daß es innerhalb des Kabinetts schwere Zusam- m e n st ö ß e zwischen dem Agrarminister auf der einen und dem Wirtschastsminister W o r m b o l d sowie dem Finanzminister von Krosigk a»f der anderen Seite gegeben hat. Schon vor der Münchener Rede des Freiherrn von Braun waren zwischen den genannten Mi- nistern schwere Differenzen entstanden. Die her- aussordernde Fassung der Münchener Rede, die offenbar dem Kabinett nicht vorgelegen hat, und das verheerende Echo des Auslandes auf die Verkündung der deutschen Kontingentspolitik haben die Gegensätze noch mehr zugespitzt. Vollends erschüttert scheint aber die Stellung des Freiherrn von Braun durch die schweren Niederlagen der deutschen Verhandlung?- delegation in Holland und Italien zu sein. Wäh- rend man im Haag eine so brüske Wfuhr erhielt, daß es überhaupt nicht zur Verhandlung kam, sind die Vorbesprechungen in Rom gleichfalls e r- g e b n i s l o s verlaufen, da sich bei den scharfen Gegensätzen keine Brücke zueinander schlagen ließ. Als wahrscheinlicher Nachfolger für Freiherrn von Broun wurde in Finanzkreisen Ritter- gutsbesitzer von Knebel genannt, der einer der Führer der pommerschen Agrargenossen- schaften ist. Sollte es zu einem Personenwechsel im Landwirtschastsministerium kommen, so könnte doch von einem Systcmwechsel nicht die Rede sein. Der einzige Unterschied zwischen Herrn von Braun und Herrn von Knebel wäre. daß letzterer eine diplomatische Ader besitzt und nicht so massiv wie von Braun seine Forderungen durchzusetzen sucht. nffter schon vor Monaten mit dem Gedanken gc- tragen hat, die Unterstützungssätze im Laufe des Winters zu erhöhen, wenn unter den Unter- ftützungsempfängern auf Grund der Notverord- nungen genügend gesiebt worden ist. Di« Regierung von Popen soll die Regierung sein, die auch im Unterstützungswesen„die Deflation be- endet"' und mit den Drosselungen Schluß macht. Diesen Gedanken des Reichsarbeitsministers scheint das Kabinett jetzt aufgreisen zu wollen, um besseres Wahlwetter zu machen. Die Sozialdemokratie, die sich von Anfang an gegen die Drosselungen in der Sozialfürsorge ge wehrt hat, wird alles hm, damit die Erhöhung der Unterstützungssätze möglichst all. gemein und in genügender Höhe durch- geführt wird. Nie wieder Macdonald Finstimmiger Beschluß in Leicester London, 7. Oktober. Die Iahreskonferenz der englischen Arbeiter- Partei. in Leicester sprach sich am Freitag in einer einstimmig angenommenen Entschließung gegen die Wiederaufnahme Mac- donalds, Snowdens und des Dominien- Ministers Thomas sowie anderer früherer Parteimitglieder, die sich der Nationalregierung angeschlossen haben, in die Arbeiterpartei aus. Diese hätten die Ideale der Partei, der sie soviel verdankten, mißachtet Ein weiterer angenommener Antrag verlangt di« sofortige Abschaffung des Ober- Hauses, das„gefährlich und nutzlos" sei. Die Konferenz erklärte schließlich in einer Ent- schließung, dah die parlamentarische Arbeiterpartei ihre Opposition gegen die Zollpolitik der jetzigen oder irgendeiner anderen Regierung fort- setzen müsse._ Unterstutzungöerhohungen oder Wahlspeck? Die Regierungspresse meldet, daß man sich im Reichskabinett damit beschäftige, die Unter- st ü tz u n g s s ä tz e, di« die Regierung der Barone erst vor kurzem drakonisch gedrosselt hat, im Laufe dieses Winters teilweile zu erhöhen. Wie weit diese Erhöhung gehen soll, wird leider nicht gesagt. Es ist bekannt, daß sich der Reichsarbeitsmi- Zentrum, wohin? Dr. Bell kür i�eikammers�stem Die Regierung der Barone hat eine Reform der Reichsversassung aus ihr Programm gestellt. Für die Opposition besteht kein Anlaß, auf solche Absichten einzugehen, aber desto mehr Grund zu wachsamem Mißtrauen. Daß eine Berfassungs- reform, die unter dieser Führung zustande kommt, nicht anders als ultrareaktionär sein kann, versteht sich von selbst. Siehe da— nun kommt das Zentrum und bietet freundlich Herrn von Pape» seine Mitarbeit an! In der.Kölnischen Voltszeitung" schreibt Herr Dr. Bell, das Zentrum werde sich den geplanten Resormarbeiten„mit vorbildlichem Eifer" widmen. Ganz besonders beeifert zeigt sich Herr Dr. Bell in der Absicht, neben dem Reichstag eine gleichberechtigte zweite Kammer zu stellen,„deren Zusammensetzung und Zuständigkeit mit be- jonderer Sorgfalt zu regeln ist". Auch eine Wahlreform wird als„staatsnotwendig" in Aussicht gestellt. Zweite Kammer und Wahlreform sind die beiden Kernstücke der von Pape» geplanten Verfassungsresorm. Das Zentrum stellt sich durch Herrn Bell zur Verfügung. Die notwendige Zweidrittelmehrheit ist freilich auch von der Ferne noch nicht zu sehen. Rote Zugend marschiert �um internationalen Jügendkongreß Zwei bedeutsame Veranstaltungen haben unmittelbar vor Beginn des fünften Wahl- kampfes dieses Jahres die Arbeit der sozio- listischen Jugend stark in den Vordergrund des Interesses gerückt. Die Sozialistische Arbeiterjugend sührt in der ersten Hälfte des Monats Oktober eine Reichs- Werbung durch, und aus Anlaß des fünf- undzwanzigjährigen Bestehens der Sozialisti- schen Jugendinternationale findet in der gleichen Zeit eine Internationale Rote Jugend woche statt. Am Schluß dieser Woche wird am 9. Oktober in Prag der vierte Kongreß der Sozialistischen Jugendinternationale eröffnet. Beide Veranstaltungen dokumentieren die ungebrochene Lebenskraft der internationalen sozialistischen Jugendbewegung und wider- legen die törichte Behauptung der Gegner, die Sozialdemokratie sei eine sterbende Partei. Auf der Gründungskonferenz der Jnternatio- nale in Stuttgart vertraten die Delegierten der sozialistischen Jugendverbände rund 5(1(XX) Mitglieder. Das Sekretariat der Internationale berichtet jetzt, daß die Internationale am 31. Dezember 1931 mehr als 2 70090 Mitglieder umfaßte. Mit ganz wenigen Ausnahmen sind heute alle in der Welt bestehenden sozialistischen Jugend- verbände der Sozialistischen Jugendinter- nationale angeschlossen, und sie ist damit die bedeutsamste und stärkste internationale Verbindung junger Arbeiter und Arbeiterinnen geworden. Die Gesamtzahl ihrer Mitglieder außerhalb Rußlands übertrifft um ein Viel- faches die Zahl, die die Kommunistische Jugendinternationale selbst über die Stärke ihrer Mitgliederverbände ohne Rußland angibt. Die erfreulichste Tatsache dieser Aufwärts- entwicklung besteht aber darin, daß sie in den schweren Krisenjahren seit 1929 nicht unter- krochen wurde, sondern sich weiter fortgesetzt hat. In den Jahren 1929 bis 1931 er- höhte sich die Mitgliederzahl der Sozialistischen Jugendinternationale u m mehrals5000 0. Diese Entwicklung hatte auch im Jahre 1932 angehalten, ein Beweis dafür, daß selbst Wirtschaftsnot und faschi- stische Reaktion die Kraft der Internationale nicht zu erschüttern vermögen. Die Sozialistische Jugendinternationale ist heute ein untrennbarer und wesentlicher Be- standteil der internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung. Sie erfüllt die wichtige Aufgabe der Erfassung, Sammlung und Er- ziehung der arbeitenden Jugend im Sinne des internationalen Sozialismus und sie führt damit der internationalen Arbeiter- bewegung den lebensnotwendigen Nachwuchs für ihre entscheidungsvollen Kämpfe in Ge- genwart und Zukunft zu. Das enge Ver- trauensverhältnis zwischen Jung und Alt wird erneut unterstrichen durch den Umstand, daß in Prag führende Genossen der inter- nationalen Arbeiterbewegung, wie der Ge- nosse Louis de Broucköre und der Genosse Friedrich Adler die Referate über die Fragen der Abrüstung und des Kampfes um die Demokratie erstatten. Der Kongreß in Prag wird nur die ver- hältnismäßig kleine Zahl der führenden Funktionäre der internationalen sozialistischen Jugendbewegung vereinigen, aber sie können dort beraten und beschließen in dem Bewußt- sein, daß der Gedanke der internationalen Zusammenarbeit in den besten Teilen der arbeitenden Jugend trotz Nationalismus und Faschismus feste Wurzeln geschlagen hat. Die Kundgebungen, die aus Anlaß der Inter- nationalen Roten Jugendwoche in fast allen. Ländern Europas in großer Zahl durch- geführt wurden, waren ausnahmskos stark besucht, und sie waren getragen von einem kampfesfreudigen und echt sozialistischen Geist chrer jugendlichen Teilnehmer. Das gilt vor allem auch für die deutsche sozialistische Ar- beiterjugend. Unsere Jungen und Mädchen haben in diesem Jahr bewiesen, daß sie an Kampfesfreudigkeit und Arbeitswillen der älteren Generation in nichts nachstehen. Wir haben unsere Organisation in vollem Umfang in ihrer alten Stärke erhalten, und bei jedem Wahlkampf stand die Sozialistische Arbeiter- jugend in unermüdlichem Eifer in der vor- dersten Linie der Agitation. Wer hätte einen ernsthaften Vorwurf gegen diese Jugend erheben können, wenn sich jetzt, nach den unerhörten Anstrengungen und Opfern dieses Jahres, Zeichen einer Müdigkeit zeigen würden? Aber es ist nichts davon zu spüren. In zahlreichen Bezirken des deutschen Verbandes werden im Monat Oktober zum erstenmal sogenannte sozia- listische Wettbewerbe, die uns schon jetzt Hunderte neuer Mitglieder gebracht haben, durchgeführt. Und noch mehr: alle Ver- anstaltungen im Rahmen dieser Aktion neh- men einen erhebenden und begeisternden Verlauf. Um nur ein Beispiel zu nennen: Den stärksten Auftakt zu dieser Werbeaktion bildete ein Landestreffen der Sozialistischen Arbeiterjugend des Freistaates Sachsen am ersten Oktobersonntag. Wir haben in den sächsischen Bezirken rund 10 000 Mitglieder. Nicht weniger als 8000 Jugendliche mar- schierten an diesem Sonntag in Chemnitz auf. Die Arbeiterschaft dieser großen säch- fischen Industriestadt, die beinahe Unerträg- liches unter der Wirtschaftskrise leidet, brachie für ihre jungen Gäste 2000 Privatquartiere mehr auf, als benötigt wurden. Man vergleiche diese Solidarität, diese Opferbereitschaft, die sich in nüchternen Zah- len offenbart, mit dem Ergebnis des ersten Reichsjugendtages der Hitler-Jugend, der am gleichen Tage in Potsdam stattfand, und bei dem viele Kinder und Jugendliche wegen Entkräftung, Hunger und Uebermüdung in die Krankenhäuser eingeliefert werden mußten. Dabei wurde es der sächsischen Arbeiter- jugend in Chemnitz nicht so leicht gemacht wie den nationalsozialistischen Demonstranten in Potsdam. Hier die stärkste Förderung durch alle Behörden, in Chemnitz wurde das sächsische Iungproletariat auf seinem Marsch durch die Stadt begleitet von der m i t K a- rabinern ausgerüsteten Chem- nitzer Polizei! Man hatte alles das verboten, was einer Jugenddemonftration Leben und Schwung verleiht, die Fahnen, die Musik, den Gesang, ja selbst Freiheits- rufe! Aber so begeistert die jungen Sozia- listen bei der Ahendkundgebung am Sonn- abend und beim Einmarsch in die Radrenn- bahn ihre sozialistischen Kampflieder sangen, so glänzend hielten sie Diszi- p l i n, als es galt, die provokatorischen An- ordnungen zu parieren. Deutschlands Arbeiterklasse steht jetzt im Brennpunkt eines Kampfes um Freiheit und Demokratie in Europa. Die Haltung ihrer Jugend gibt uns, den deutschen Arbeitern, der internationalen Arbeiterklasse die sichere Gewähr, daß sie den Kampf bestehen wird, daß der endgültige Sieg unser sein wird. Ihr hemmt uns, doch ihr zwingt uns nicht! i.igener Bericht des„Vorwärts" Prag, 7. Oktober. Heute begannen in Prag die Beratungen der Sozialistischen Iugendtnternatio- n a l e mit einer Sitzung des Büros unter dem Borsitz des Genossen Nationalrats Karl Heinz, Wien, und in Anwesenheit der Büromitglieder Erich Ollenhauer, Berlin, Koos Vorrink, Amster- dam, Hans Hansen, Kopenhagen, Lalere Aubry, Brüssel, und Ernst Paul, Prag. Die Sitzung nahm- nach eingehender Aussprache den Bericht des-internationalen Sekretärs Erich Ollenhauer zur Kenntnis und beschäftigte sich so- dann mit dem am Sonntag beginnenden Kon- greh, dessen wichtigste Fragen durchbesprochen wurden. Im weiteren Verlaufe wurde noch der Arbeitsplan der Sozialistischen Jugendinternatio- nale für die Jahre 1933 und 1934 erörtert. Der Sitzung ging eine gemeinsame Beratung mit der Exekutive der sozialistischen E r z i e- hungsinternationale voraus. An dieser Beratung nahmen auch Vertreter der sozialistischen Sportinternationale teil. Es wurden Fragen gemeinsamer Aktionen behandelt. Die Partei und die Reform Berlins fownuinalllonksren? im Rathaus— Mitarbeit im Interesse der Bevölkerung Die Kommunalfunktionäre der Berliner Sozial- demokratie hatten sich gestern zu einer Konserenz im Stadwerordnetensitzungssaal zusannnengefun- den, um zu dem bedeutsamen Reformwerk der Umgestaltung Berlins Stellung zu nehmen. Die Konferenz wurde zum Beweis, daß die Sozial- demokratie nicht gewillt ist, bei der Entscheidung einer für die weitere Entwicklung Berlins so wich- tigen Frage die Hände in den Schoß zu legen. Die Sozialdemokratie wird vielmehr an dem Reformwerk mitarbeiten, um so das I n t e r- esse der arbeitenden Bevölkerung nach besten Kräften zu wahren. Das ändert nichts an der scharfen Proteststellung gegen das Vorgehen des Herrn Bracht, der diese wichtige Frage vom grünen Tische aus ohne die Mitwirkung der ge- wählten Vertreter der Bevölkerung lösen will, wenn die berufenen Organe der Stadt innerhalb der gesetzten Frist bis zum 15. November nicht zu einer Entscheidung gekommen sein sollten. Die Mitarbeit der sozialdemokratischen Vertreter an einem Plan, der die Vereinfachung und Ver- billigung der Verwaltung erstrebt, liegt überdies ganz in der Tradition der Partei, die den Schutz der Selbstverwaltung als eine ihrer Grundpflichten ansieht Es sei daran erinnert, daß die Sozial- demokratie die einzige Partei war, die bei der Schaffung des neuen Ortsgesetzes im preußischen Parlament einen eigenen Entwurf eines Selbst- verwalwngsgesetzes fiir die Stadt Berlin heraus- brachte, der höchste Beachtung bei allen Stellen des kommunalen Lebens gefunden hat. Die Konferenz, die unter Vorsitz des Sekretärs der Stadtverordnetsnfraktion. PaulRobinson, tagte, wurde durch ein Referat des sozialdemo- kratifchen Stadtrats Heuer eingeleitet. Heuer über das Reiornmerk Als das Ziel des Reformwerkes stellte der Re- ferent Stadtrat Dr. Heuer die Verein- fachung und Verbilligung der Verwaltung durch Vermeidung jeder unnützen Doppelarbeit fest. Die Bezirksverwaltungen müssen den Mittel- punkt der laufenden kommunalen Arbeit darstellen, weil es unmöglich ist, eine Viermillionenstadt von einer Stelle im Rathaus aus zu leiten. Jif der Hand der Zentrale hätten die großen Verwal- tungsaufgaben zu verbleiben. Hier habe auch das Parlament seine besondere Aufgabe, die man je- doch den Bezirksparlamenten in ihrer heutigen. Form nicht zuerkennen könne. Die Reform müsse so durchgeführt werden, daß auch in den Bezirken nicht eine Schwächung, sondern eine S t ä r- kung der Selb st Verwaltung eintrete. Eine Stadt wie Berlin erschöpfe die Selbstver- waltung nicht in der Mitwirkung des Stadtparla- mentes, sondern sie brauche für die lautende Ver- waltung die Mitwirkung von gewählten Ver- tretern der Bevölkerung. Die gewählten Vertreter in den Bezirken müsien an der Verwaltung beteiligt werden. Das soll durch die im Plan vorgesehene Einrichtung der V«zirksräte gewährleistet werden. Die aus den Bezirksräten neu gebildeten Bezirksämter haben Aann die Aufgabe, die Bürgermeister und Stadt- röte zu wählen. Der Redner kam dann auf die geplante Neu- einteilung Berlins in neun Bezirke zu sprechen und erklärte, daß nur größere Stadt- bezirke die gestellten Aufgaben zu bewältigen ver- mögen. Nur so käme man zu einer Verwaltung, die einer Stadt wie Berlin würdig sei und die keine übermäßigen Kosten verursachen würde. Der Bevölkerung solle weder die Heimatliebe genom- men noch lange Weg« zu den Verwaltungsstellen aufgezwungen werden. Für die sogenannte Publikumsverwaltung müssen auch zu- künftig alle vorhandenen Ortsamtsstellen aufrecht erhalten bleiben. Der Magistrot sehe die beste Lösung in der Schaffung eines großen City- bezirkes, um den herum sich fächerförmig die anderen acht großen Bezirke zu gruppieren hätten. Es zeige sich, daß das Siedlungs- und Entwick- lungsgebiet so gleichfalls eine recht gute, fast gleichmäßige Verteilung gefunden habe bis auf die nach ihrer Struktur anders gearteten Bezirke. Und zwar handle es sich um den Citybezirk, den Bezirk Schöneberg-Wilmersdorf und den Bezirk Köpenick-Treptow. Heuer schloß seine Ausführun- gen in der Hoffnung, daß die Verwirklichung des Projektes eine reibungslose billige Verwaltung der Reichchauptstadt bringen werde. Die Diskussion In der sehr eingehenden Diskussion sprach als Erster Genosse Reimann-Weißensee. Es gälte vor allem, so erklärte er, die drohende Büro- kratisierung der Verwaltung zu verhindern. Der Redner kritisierte im einzelnen einige Punkte der geplanten Neueinteilung der Bezirke. Genosse Friedländer- Prenzlauer Berg betont die Notwendigkeit einer Stärkung der Gemeinschasts- arbeit in der kommunalen Verwaltung. Das Ein- kommersystem, wie es die Vorlage für die zu- künftige Verwaltung der Bezirke vorsehe, sei eine alte sozialdemokratische Forderung und im Heidel- bcrger Programm festgelegt. Gleichfalls starke Bedenken gegen eine eintretende Bürokratisierung der Verwaltung äußerte Genosse P a t t l o ch- Wedding. Genosse E x n e r- Neukölln befürchtet von dem Plan eine starke Verringerung des Ein- flusses der Partei und der Verwaltung. Als Vorfitzender der sozialdemokratischen Stadt- verordnetenfraktion beschäftigte sich Genosse Fla- tau eingehend mit dem Entwurf des Bezirks- Vorstandes, den er in einzelnen Punkten mit der Magistratsvorlage verglich. Es gelte, den Plan noch in vielerlei Hinsichten zu verändern und zu verbessern, aber in den Grundlagen könne er durchaus bejaht werden. Schließlich sprachen noch der Genosse F e r e st e r- Steglitz, der den Stand- punkt der Sozialdemorkatie nicht gewahrt sieht, der Vorsteher des Stadtparlaments Genosse Haß, der sich für die Lösung des Problems unter Zu- grundelegung der Vorlage ds Magistrats einsetzte, und Genosse Dr. Zander- Spandau, der die Ansicht oertrat, daß für den Bezirk Spandau eine Sonderregelung Platz greifen müsse. Die in der Diskussion aufgetauchten Fragen und Unstimmigkeiten wurden in einem Schlußwort des Referenten, Genossen Dr. Heuer, noch ein- mal zusammengefaßt und zu klären versucht. Also doch Konferenz? Berlin stimmt grundsätzlich zu Das diplomatische Spiel an den von der eng- lischen Regierung noch immer hartnäckig verfolgten Plan einer Viermächte-Konferenz in London.zur Behandlung der deutschen Gleichberech- tigungsforderung ist gestern anscheinend in ein neues Stadium getreten, so daß man jetzt wieder mit der Möglichkeit ihrer Abhaltung rechnet, nach- dem der Gedanke tags zuvor schon endgültig preis- gegeben schien. Die Reichsrcgierung hat nämlich gestern grundsätzlich beschlossen, die Einladung anzunehmen. Sie legt jedoch Wert darauf, daß England sich vor der formellen Einberufung davon vergewissere, daß keine Macht mit dem festen Vorsatz erscheine, von dem bisher eingenommenen Standpunkt nicht ab- zugehen, weil sonst die Konserenz zwecklos wäre. Die britische Regierung soll daher namentlich in Paris Klarheit über diese wichtige Voraussetzung schaffen. In Paris scheint man jetzt ebenfalls insofern einzulenken, als man den Konferenzplan nicht mehr grundsätzlich ablehnt. Doch wünscht man den Kreis der Teilnehmer etwas zu erweitern durch die Zu- ziehung von Belgien und Polen. Es ist noch nicht ganz klar, wie sich Deutschland zu diesem Wunsch oerhält, ebenso zu der weiteren Anregung Frank- reichs, die Konferenz nicht in London, sondern z. B. in Lausann« abzuhalten. Kommunistischer Schwindel über SPD. und Reichsbanner Goebbels'neuespöstchen Auf Anordnung Hitlers hat der Reichspropa- gandaleiter der NSDAP., Dr. Goebbels, den Vorsitz des Reichsverbandes Deutscher Rundfunk- Teilnehmer e. V., Berlin, übernommen. Mit Wilhelms Geld? Eigener Bericht des„Vorwärts" Breslau, 7. Oktober. Das politische Leben in der schlesischen Haupt- stadt ist um eine allgemeine Heiterkeit erregende Absonderlichkeit reicher. Seit Dienstag srüh er- scheint im Zeitungshandel die vor wenigen Togen angekündigte Wochenzeitung der kürz- lich gegründeten Deutschen Sozialen Monarch! st enpartei. Das Blatt hat den hochtrabenden Namen„Sanssouci" und be- zeichnet sich im Untertitel:„Monarchistische Wochenzeitung für alle deutschen Stände, Organ der ersten aktiven Monarchisten." In der Zeitung findet man u. a. Weisheitssprüche des Herrn voiz Doorn über Gottesfurcht und Pflichttreue und einen kurzen Aufruf der Deutschen Sozialen Monarchistenpartei, in dem es heißt:„Ein deut- schee Volk, von Arbeiterregierungen zermürbt, hat nur einen Wunsch, nämlich den: Zurück zur Monarchie! Aus dieser Erkenntnis heraus erwächst die Pslicht zu freiem, stolzem, offenem Bekennen für einen deutschen Kaiser. Monarchisten, die Fahne hoch! Es lebe der Kaiser! Es lebe die Monarchie!" Ob W i l h e l m das G e l d dazu gibt? Im Tone türkischer Wahrsagerinnen und Traumdeuter enthüllt die„Welt am Abend" schreckliche Geheimnisse über Pläne von Wels und Künstler, die das Reichsbanner„loswerden" wollen, eine ungeheuer glaubwürdige Kunde— besonders jetzt, wo sich die einzelnen Zweige der „Eisernen Front" zur gemeinsamer Führung des Wahlkampfes verbunden haben. Wie ernst die Situation ist, geht schon aus der Enthüllung hervor, daß„in den letzten Tagen geheime Ge- spräche zwischen Wels, Litke und Künstler" über ihren Plan stattgefunden haben. Wie gut die „Welt am Abend" informiert ist, beweist schon der Satz, daß Genosse Stelling, der von der Gau- leitung des Berliner Reichsbanners zurücktritt. „nicht mehr als SPD.-Kandidat in seinem Wahl- kreis aufgestellt wird". Genosse Stelling ist be- kanntlich seit vielen Iahren im Wahlkreis Ober- schlesien und ist dort bereits seit zwei Wochen wieder als Kandidat aufge- stellt. Genau so erlogen wie diese Behauptung sind alle übrigen, die in dem Artikel aufgestellt werden. Die„Welt am Abend" verheddert sich in ihren Enthüllungen übrigen, selbst, in der ersten Hälfte ihrer Enthüllungen wird es so dargestellt. als sei der Parteivorstand den Reichsbannerleuten nicht radikal genug, in der zweiten wird dann darauf hingewiesen, diese Leute seien die eigent- lichen Reaktionäre in der Partei. Der Schmus schließt mit der Versicherung:„e, herrscht ein tolles Durcheinander und ein erbitterter Kampf um die Führung". Hier ist dem Blatt«ine kleine Verwechslung aus seinem eigenen Lager passiert. diese Richtungskämpfe von Führercliquen find be- kanntlich ein« Dauererscheinung der deutschen Kommunistischen Partei. Zu dem Schwindel der„Welt am Abend" geben die Genossen Wels, Künstler und Litte die folgenden Erklärungen ab: „1. Es haben keine Besprechungen von SPD.- Führern stattgefunden, die zum Gegenstand hatten, eine Auflösung des Reichsbanners herbeizuführen. 2. Die Gründung einer Parteischutzwehr war niemals Gegenstand einer Erörterung. 3. Das gute Verhältnis von SPD. und Reichs- banner ist erneut durch die Tatsache bekräftigt worden, daß Genosse Künstler im erweiterten Bezirksvorstand den Gauvorsitzenden Neidhardt und den Kreissührer Hanke empfahl, auf die Kan- didatenliste der SPD. in Berlin zum Reichstag zu setzen. Eine ähnliche Erklärung geht uns von der Pressestelle des R e i ch s b a n n e r s zu. In ihr heißt es: „Alle diese Behauptungen bestehen nur in der Phantasie der kommunistischen Sensationsjäger und chres Nachrichtenlieferanten, dessen Meldun- gen erst kürzlich von einer Reihe Berliner Zeitun- gen auf Veranlassung des Reichsbanners berichtigt werden mußten. Einfachster Beweis dafür, daß von einem Zer- würfnis zwischen SPD. und Reichsbanner nicht die Rede sein kann, ist die Feststellung, daß führende Berliner Reichsbannerkameraden an aus- sichtsreichen Stellen der sozialdemokratischen Kan- didatenlisten erscheinen. Kamerad Stelling hat bereit» vor Wochen dem Gauvorstand mitgeteilt.' daß die wachsenden Aufgaben, die die politische Entwicklung ihm als Träger eines oberschlestschen Reichstagsmandats auferlegt, ihm nicht mehr die Möglichkeit geben, das Amt eines Berliner Gau- Vorsitzenden auszuüben! Eine glatte Lüge ist es, daß die Stellung des Kameraden Stelling im Reichsbanner seit Wochen untergraben und aus diesem Anlaß von irgend- einer Parteistelle der SPD. in den inneren Be- trieb des Reichsbanners eingegriffen worden sei." Eine Richtigstellung ihrer Lügen ist von der „Welt am Abend" natürlich ihrem ganzen Charakter nach nicht zu erwarten. Zola in Berlin verboten Ueber ihn darf nicht gesprochen werden Die Berliner Ortsgruppe des„Schutzverband«» Deutscher Schriftsteller" hatte zu gestern abend in die„Kammersäle" eine Versammlung einberufen. in der nach den Ankündigungen Heinrich Mann. Wittvogel und Rudolf Olden über„Zola und die Gegenwart" sprechen sollten. Ms die Besucher m den„Kammersälen" an- kamen, erfuhren sie. daß die Versammlung aus politischen Grünben oerboten sei. Die Polizei hat in einer Beziehung Zolas zur deut- fchen Gegenwart offensichtlich ein politisches Thema gewittert und deshalb, da die Versamm- lung nicht als politische angemeldet war. sie kurzer. Hand verboten. Der Berliner Ortsgruppe des Schutzperbandes ist vor kurzem vom Hauptvorftand des Schutzver- bandes wegen ihrer stark kommunistisch beeinfluß- ten oppositionellen Haltung ausgeschlossen worden. Vielleicht hat die politische Polizei durch Herrn von Werder darin den Anlaß gefunden, in einem literarischen Vortrag eine politische Aktion zu sehen. 4t Römisches Recht Laienphantasien im„Angriff" tt Germanenschlacht Der Moniteur des Herrn Goebbels ist heuer mit unserer Justiz gar nicht zufrieden. Die nationalsozialistischen Verleumder und Wege- lagerer haben durch das Urteil im Weih-Prozeh und durch den Freispruch der Angeklagten im Mordprozeß Gatschke schwere moralische Ohrfeigen erhalten. Drei und fünf Monate Gefängnis für die„Angriff�-Redakteure, die nichts von ihren Verleumdungen gegen Weih beweisen konnten, daran ist natürlich— die Justiz schuld! Freispruch der Angeklagten, die mit den Unschulds- lämmern des Sturmes 33 in einen Raufhandel geraten waren— Schuld der Justiz. Immerhin hält man sich neuerdings vor persönlichen Be- schimpfungen der Richter zurück. Es ist Goebbels und den Seinen noch in trüber Erinnerung, wie die Unflätigkeiten der Freitzler und Äube auf die deutsche Juristenwelt gewirkt haben. Dafür hat man einen neuen Sündenbock gefunden. Der „Angriff" schreibt: „Wir messen hier den Richtern und auch den Vertretern der Staatsanwaltschaft keine Schuld zu. Die Schuld liegt einzig und allein beim Römischen Recht... Das Gericht als Exponent der Römischen Rechtspflege gab nicht dem Rechtsempfinden des Volkes, sondern dem des Juden Weiß Recht. Das muß so sein, so lange in Deutschland ein R ö m i- s ch e s Recht existiert." Diese Ausrede auf das Römische Recht ist eine furchtbare Blamage der„Angriff"»Leute. Sie zeigt, in welchem Maße sich die Nazis auf die ge- schichtliche Unkenntnis ihrer Anhänger ver- lassen können. Sie haben einmal etwas davon läuten hören, daß im späten Mittelalter in Deutschland das Römische Recht, das vom Kaiser Justinian zusammengestellte Corpus juris, über- nommen wurde. Diese Rechtsübernahme erstreckte sich jedoch lediglich auf das Zivilrecht. Das Strafrecht, das doch allein in den Prozessen Weiß und Gatschke in Frage kommt, ist niemals von den Römern übernommen worden. Das deutsche Strafrecht hat sich vielmehr entwickelt' aus der Carolins, der peinlichen Halsgerichtsord- nung Karls V. von 1S32. Von den 370 Paragraphen unseres heute gelten- den Strafgesetzbuches ist nicht ein einziger römischen Ursprungs, höchstens ist ein gewisser Paragraph„röhmisch"... Aber für die Ver- leumdungen des„Angriff" und für die Taten des Mordsturmes 33 das im Strafgesetzbuch nicht vorhandene Römische Recht verantwort- lich zu machen, das geht denn doch zu weit! Redeverbot für Graes verlangen" .Friedenspflicht' Auch die Christlichen protestieren tpi Im„Deutschen" oertritt der Vorsitzende des Zentralverbandes christlicher Fabrik- und Trans- Portarbeiter, Peter Tremmel, die Auffassung, „daß das Milliardengeschenk an die Unternehmer in Form von Stcuergut- scheinen und Einstellungsprämien ausgereicht hätte, den beabsichtigten Zweck4 bis 17 Uhr. Der Perlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor./ Verantwortlich für Politik: Richard Schworß: Wirtschaft: S. Klingelhäfer; Scwertschaftsbewcqung: Z. Steiner: Feuilleton: Htrbert Lep-re; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstadt; Anzeigen: Ott» Hengst: sämtlich in Verlin. j Perlog: Porw'ärts.Perlag s. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärts. Buchdruckerei und Perlagsanstalt Paul Singer u. Eo., Berlin SW. 66, Lindenstr. 3. SONNABEND, 8. OKT. 1932 Mmürks -@- Nazis ermorden ein Mädchen Ein Sittendrama aus der Hitlerjugend Eigener Beridit des„Vorwärts" Jranffutf a. 211., 7. Oktober. Ein ZZjähriger Scharführer der Frankfurter Hrtler-Zugend, Robert Stubenrauch, ist des 2Nordes an feiner Geliebten überführt worden, den er gemeinsam mit seinen zwei 17- und lSjährigen Freunden, die ebenfalls der Hiller-Zugend angehören, ausgeführt hat. Damit hat der Tod der tgjährigen hausangefletllen Emma Busse, die im De- zember vorigen Zahres aus Frankfurt oerschwand und im 2Nai als Leiche aus dem 2Nain gezogen wurde, nach nunmehr zehn 2Nonaten feine Auf- klärung gefunden. Die Angehörigen der Busse und die Polizei nahmen bisher an, daß das junge Mädchen Selbstmord verübt habe. Erst vor kurzem hatte eine Schwester im Ztachlaß der Verstorbenen die Abschrist von zwei Briefen gesunden, die diese kurz vor ihrem Tode an einen gewissen Robert gerichtet hatte. In diesen Briefen teilte sie dem Robert mit, daß sie sich von ihm s ch w a n- g e r fühle. Da sie wisse, daß er sie nicht hei- raten werde, forderte sie ihn auf, wenigstens die Alimente zu zahlen. Der„geliebte Robert" hatte sogleich mit seinen beiden Freunden, zwei Bäckerlehrlingen, die Möglichkeiten besprochen, wie er das ihm lästig gewordene Mädchen loswerden könnte. Der eine Freund schlug vor, das Mädchen zu erschießen. Strenger Winter V/as ctie �VetterpropKeten meinen Nach allen meteorologischen Erfahrungen werden wir im kommenden Winter mit außerordentlich niedrigen Temperaturen zu rechnen haben, die, wie vermutet wird, denen kaum nachstehen, die die Jahre 19ll und 1921 aufwiesen. Zwar sank das Quecksilber im Thermometer während der Winter- monate 1928/29 beträchtlich tiefer, als in den beiden _ anderen erwähnten Jahren, jenem Winter ging jedoch kein überaus heißer Sommer voraus. Gerade die vergangenen Sommermonate haben unseren Meteorologen gute Handhaben für die Voraussage für den Winter gegeben. Während der Juni noch verhältnismäßig kühl war, lagen die Septembertemperaturen über dem gewöhnlichen Durchschnitt. Der heißeste Monat war August, wo am 29. und 21. Temperaturen bis über 37 Grad gemessen wurden Bemerkenswert an dem vergangenen Sommer war ferner, daß trotz der iibergroßen Hitze von einer Dürre nicht gesprochen werden kann. Alle meteorologischen Konsequenzen nach dürfte auf jeden Fall erstens mit einem langen Winter und zweitens, wie schon gesagt, mit Minimaltemperaturen im Januar, vielleicht sogar noch in der ersten Februarwoche zu rechnen sein. Weltstadt als Waldstabt 19999 tia Dauerwalcl Von den 88 347 Hektar des Berliner Stadt- gebietes sind mehr als ein Viertel, nämlich 22 479 Hektar, Forst-, also Waldgebiet. Berlin ist also eine wirkliche Waldstadt und läßt den für die Bevölkerung als Erholungsmöglichkeit so be- dcutungsvoUei, Besitz durch drei Obersörstereien, drei Revierförstereien und zwei Förstereien hegen und pflegen. Von den 22 476 Hektar sind 19 006 Hektar als Dauerwald erklärt. 84 Proz. der Wald- bestände sind Nadelholz, und nur 16 Proz. L a u b h o l z. Von den AI Verwaltungsbezirken ist der Bezirk Köpenick mit 4887 Hektar am waldreichsten, dann folgt Wilmersdorf, das den 3165 Hektar großen Grunewald einschließt. Von den Berliner Forsten, J)ie außerhalb des Weichbildes liegen, ist der Forst L a n k e mit 3713 Hektar am größten; in weitem Abstand erst folgen die Berliner Waldbesitzungen im Kreis Niederbarnim mit 1336 und �Oberbarnim mit 1934 Hektar. Innerhalb des Stadtgebietes sind außerdem noch ig93Hektar Parkanlagen vorhanden. Davon besitzen u. a. der Bezirk Tier- garten 263 Hektar, Charlottenburg 256 Hektar, Treptow 244 Hektar. Rund 349 Hektar Berliner Gebiet steht unter der andere empfahl dagegen aus das eindring- lichste, sie von einer Brücke in den Main zu werfen. Diesem Plan stimmte Robert zu. Es gelang ihm auch, das Mädchen zu einem nächtlichen Spazier- gang am Mainufer zu bewegen. Während die beiden Helfershelfer der Mordtat unbemerkt auf Fahrrädern folgten, verbrachte Stubenrauch— und das ist wohl das unvorstellbar Grauenvolle dieses Verbrechens— unmittelbar vor der Er- mordung noch eine Liebes st unde mit seinem Opfer. Willig folgte ihm dann die Freun- din aus eine sehr einsame Mainbrücke, während die beiden Freunde die Brückenzugänge vor Tat- zeugen sicherten. Das Mädchen wehrte sich mit allen Kräften und klammerte sich an dem Ge- liebten und an dem Geländer fest. Ob Stuben- rauch oder der eine der Freunde dem Mädchen den Stoß versetzte, der die Bedauernswerte aus dem Gleichgewicht brachte und ins Wasser stürzen ließ, konnte noch nicht völlig geklärt werden, da die Verschwörer sich gegenseitig beschuldigen. Ein geradezu phantastischer Zufall hat die Ausdeckung der INordlot herbeigeführt. Der Mörder machte die vorig« Woche in einem Cafe-Restaurant, ohne zu ahnen, wen er vor sich hatte, die Bekanntschast der beiden Schwestern seines Opfers. Als er mit den Mädchen zu spaßen begann, fragte ihn die jüngste plötzlich nach seinem Namen. Arglos stellte er sich vori Robert Stubenrauch. Ein jähes Naturschutz, so die allein III Hektar großen Hochmoore und Fennflächen des Grunewalds, die P f a u e n i n s e l, der L i ch t e r f e l d e r Schloßpark, die Krumme Laake bei Rahnsdorf, der Faule See in Weißensee usw. Das Berliner Kino Im Ortei! der Steuerbehörde Die Städtische Finanz- und Steuer- d e p u t a t i o n trat am Freitagmittag unter dem Vorsitz des Stadtkämmerers zusammen, um ent- sprechend einem Antrage der Stadtverordneten- Versammlung zur Frage der Vergnügungs- steuerfenkung bei den Lichtspiel- t h e a t e r n Stellung zu nehmen. Der Obersteuerdirektor gab einen Ueberblick über die Entwicklung der Lichtspieltheater in den letzten Jahren, aus dem hervorging, daß das Lichtspielgewerbe weniger hart von der Wirt- schastskrise betroffen worden ist als viele andere> Gewerbebetriebe. Er wies sodann aus die im letzten Jahre getroffene Regelung hin, durch die die Steuer insbesondere für die kleinen Theater ermäßigt worden ist. Dieses Entgegenkommen der Stadt bedeutet einen Einnahmeaussall von etwa 799 999 Mark. Vom 1. Oktober d. I. an sollen darüber hinaus die ermäßigten Karten für erwerbslose Theater- besucher nur noch mit einer sünfprozentigen Steuer(statt bisher durchschnittlich 9 Proz.) be- dacht werden. Voraussetzung hierfür ist aber, daß die Karten für Erwerbslose um mindestens 29 Pf. billiger sind als der Mindeftkasienpreis desselben Theaters und daß sie höchstens 49 Pf bei Nach- spicltheatern. 59 Pf. bei Zweitaussührungs- theatern und 69 Pf. bei Erstaufführungstheatern kosten. Die Finanzdeputation erklärte sich mit dieser Regelung einverstanden. Geist der<531. Ein bezeichnendes Dokument Zu den« Feme-Ueb«rfall der SA. in der Kant- straße, bei dem der 18jährige von Bellmond schwer verletzt wurde, veröffentlicht ein Berliner Vormittagsblatt eine Erklärung der„Untergruppe West der Berliner SA.", die ein geradezu treffen- des Bild von dem Geist der hitlerischen Lands- knechte gibt. Es heißt da. daß die SA.-Leute den jungen Bellmond— der noch immer als SA.-Mann ix- zeichnet wird— nicht leiden konnten, weil er in dem„Spielklub" in der Kantstraße verkehrte. Ahnen durchzuckte das Mädchen, das sofort rief: „Dann sind Sie vielleicht der Mann, dem meine verstorbene Schwester Briese geschrieben hat...?" Fassungslose Ueberraschung und höchste Erregung verrieten sogleich den Mörder, dessen heftiges Leugnen den Argwohn der Schwestern nicht bannen konnte. Die Polizei erhielt Kenntnis von dieser Casehausszene und verhaftete Stubenrauch, der sogleich seine Mitverschworenen verriet. Daß sie nach einem gemeinsam verabredeten Mord- komplott handelten, haben die drei Mörder ein- gestanden. In Frankfurt erregt es das aller- größte Aufsehen, daß die drei INordbuben, die das grausame und hinlerhällige Verbrechen gemeinsam ausgeführt haben, der Tlalionalfozialistifchen Jugend angehörten. Die Tatsach«, daß Stubenrauch ani letzten Freitag angeblich wegen einer„Streiterei" aus der Nazi- Partei ausgeschlossen wurde, verstärkt nur den Verdacht, daß man in Nazikreisen von den Schandtaten Stubenrauchs gewußt hat. Stuben- rauch ist auch einer der Schurken, die an dem bru- talen Ueberfall einiger Nationalsozialisten auf den 69 Jahre alten Sozialdemokraten und Eisernen- Front-Mann Braun in Frankfurt- Bockenheim im Mai dieses Jahres beteiligt war. Braun wurde seinerzeit mit Zaunlatten niedergeschlagen und so schwer verletzt, daß er noch heute an den Folgen zu leiden hat. Zehn SA.-Leute hätten eine Bierreise unternom- men, und als sie angetrunken waren und kein Geld mehr hatten, sei«inem der Saufkumpane eingefallen, daß er von dem Spielleiter in der Kantstroße noch Geld zu fordern hätte. Also um 1�5 Uhr früh begab sich die Nazihorde nach der Kanlstraß«, und als die Burschen an die Wohnungstür klopften, hätte von Bellmonid ge- öffnet. Dabei sei der junge Mann mit dem SA.- Riann W. sofort in Stveit geraten und mit einer Bierflasche habe W. den anderen nieder- Die S i t t l i ch k e i t s v e r g e h e n des Pfad- sinders M u m m i und die schweren Mißhand- lungen, die er zwei seiner Iungens zuteil werden ließ, haben in der Oeffentlichkeit Aufsehen erregt. Mögen nun die ersten Zeitungsmeldungen auch ein wenig aufgebauscht gewesen sein, was jetzt nach der Verhandlung übrig blieb, war immerhin noch schlimm genug— das Ganze auch ein Beitrag zur„Ertüchtigung" deutscher Jugend im „vaterländischen" Sinne. Vollkommen undenkbar, daß etwas ähnliches bei den Roten Falken oder im Zeltlager der Arbeiterjugend passieren könnte. Mummi, ein infantiler Mensch mit konstitutiv- neller gleichgeschlechtlicher Anlage, erblich schwer belastet, schloß sich, wie so mancher seinesgleichen, den Jugendbllnden an in der Hoffnung, hier viel- leicht seinen Trieb zu sublimieren, d. h. vergeistigen zu können. Er wurde eifriger Organisator eines Pfadsinderbundes in Berlin und stand bald an der Spitze von 99 Jungen, die in verschiedenen kleinen Gruppen verteilt waren. In einer solchen Gruppe von Jungens im Alter von 12 bis 17 Jahren. deren Unterführer der 17jährige N. war, verkehrte Mummi besonders gern. Und so. besuchte er sie auch während der Pfingstfahrt in ihrem Zeltlager an einem der märkischen Seen. Als zwei von den Iungens aus dem Lager„auskratzten", wurden sie von Mummi und dem Unterführer eingeholt. Zuerst wurden beide mit einem Stock geschlagen, daß er brach, dann wurden ihnen die Hände mit einem Lasso gefesselt, sie wurden an die Fahrräder gebunden und mußten die 18 Kilometer im Trab zurück- marschieren. Am Abend veranstaltete man beim Lagerfeuer ein Jungengericht. Es sollte entschieden werden: Entweder eine Tracht Prügel oder Ausschluß aus der Gruppe. Man beschloß eine Tracht Prügel. Mummi hatte bereits vorher vorsorglich eine Reit- peitsche gekaust. Man begab sich in den Wald. Die beiden Flüchtlinge mußten sich entblößen. geschlagen. Die übrigen SA.-Leut« hätten den Blutenden später verbunden. Weiter heißt es, daß die von dem Stabsführer der Untergruppe West vernommenen SA.-Leute betonten, sie hätten nicht gewußt, daß von Bellmond in der Wohnung anwesend war. Eine nette Gesinnungsgruppe, dieser„Sturm 14"! Erst sehen die Burschen zu, wi« der junge Mensch niedergeschlagen wird, ohne eine Hand zu rühren, um den Täter zurückzuhalten, und nachher legen sie dem Schwerverletzten noch großmütig Ver- bände an. Im übrigen sollte es der Politischen Polizei setzt nicht mehr schwer fallen, die Banoitenschar, von der erst ein Beteiligter festgenommen ist, hinter Schloß und Riegel zu bringen. Denn der Herr„Stabsführer der Untergruppe West", der die„Vernehmungen" leitete, müßte wohl über den Aufenthaltsort seiner„rauhen Kämpfer" orientiert sein. Jedenfalls ist eine völlige Klä- rung des Uebersalls unverzüglich notwendig! E6 wird aufwärts gehen! Die Deutsche Reichspost- Reklame G. m. b. H. und das BTB.-Branchen-Telephon- Buch G. m. b. H. lassen jetzt gemeinsam mit den Telephonrechnungen der Reichspost Reklamezettel verschicken, in denen es u. a. heißt: Das BTB. wird bekanntlich kostenlos an die Fernsprechteil- nchmer(Hauptanschlüsse) abgegeben. Zweck- mäßiges Eintragen im BTB. wird in der Aus- gäbe 1933, dem Jahr der Wirtschafts- b e l e b u n g, infolge der außergewöhnlich hohen Auflage ganz besonders starke Werbewirkung haben. Wer diesen Hinweis auf die kommende Wirt- fchaftsbelebung etwa allzu skeptisch entgegen- nehmen wollte, der möge beachten, daß es z. B. auch i» dem Organ des Zentralverbandes der deutschen Konsumvereine, der„Konsum- genossenschaftlichen Rundschau", über die kommenden Aufgaben der GEG. heißt: „Als erstes sichtbares Zeichen einer Wirt- fchaftsbelebung wird der infolge der Wirt- schaftsnot eingestellte Bau der Margarine- f a b r i k fertiggestellt werden." Also auch hier Zuversicht auf kommende Wirtschastsbelebung. Das mag besonders von jenen Unken beachtet werden, die jetzt in Berlin umherschleichen, um gegen die Konsumgenossenschaft Stimmung zu machen. während die Zungens sie fest hielten, besorgte der Unterführer das Durchpeitschen. Einer der Zungens erhielt 15, der andere 18 Schläge. Als die Eltern wenige Tage später die blutunter- laufensn Striemen bemerkten, wurde gegen Mummi Anzeige erstattet. Es ergab sich, daß er sich Nun, wenn auch nicht besonders arg, an einem der beiden Jungen, dem noch nicht 14jährigen S., sittlich vergangen hatte. Die Anklage gegen ihn lautete auf Sittlichkeits- verbrechen, Körperverletzung und Freiheitsberau- bung. Was sagte er nun vor Gericht zu seiner Verteidigung? Er habe durch die Ertückitigung der Zungens der Verweichlichung durch die Familie entgegenarbeiten wollen, sie durch Singen vaterländischer Lieder, Gelände- spiele, Exerzieren und dergleichen mehr im vater- ländischen Sinne erziehen wollen. Und um die Fesselungen verständlicher erscheinen zu lassen, legten die Verteidiger dem Gericht zwei Nummern der Zeitschrift„Der Pfadsinder" vor, in denen bei entsprechenden Zeichnungen zu lesen war:„An fünf schönen Bäume» gebunden, erwarteten fünf Kerle ihr Schicksal." Und weiter: „Ein altdeutsches Spiel ist es, überlegen, hintern entblößen und Schinkenklopfen. vorzügliches INittel zur Ertüchtigung." Der Staatsanwalt wollte diese„vaterländischen Erziehungsmethoden" nicht gelten lassen und be- antragte 1 Jahr 2 Monate Gefängnis. Der An- geklagte erlitt während der Reden der Verteidiger einen schweren Ohnmachtsanfall, er wurde ver- urteilt wegen Körperverletzung in vier Fällen und Sittlichkeitsvergehen in einem Falle zu 7 Monate» Gefängnis. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Ueber die Zubilligung einer Bewährungsfrist soll noch entschieden werden. Mummi, der psadsindersührer Eakt peitschen und nennt es deutsche Erziehung ciqiAi eStoätäAiiMttidk W Maria Montessoris Werk 20l)l) LcKüler im Kleinen Holland und 400 in Deutschland Die Dienstag-Verhandlungen des K o n g r e s- ses für Kleinkinderziehung des Bundes entschiedener Schulreformer war der Lehre der großen italienischen Pädagogin Mario M o n t e s s o r i gewidmet, die in Deutschland mit einigen Abweichungen von zwei Vereinen ver- treten wird, Vormittag sprachen die Angehörigen des„orthodoxen" Vereins Montessori-Pädagogik Deutschlands. Zuerst Frau Aenne Rump-Berlin über: Das Kind unter Kindern, Sie betonte die un- geheure Verantwortung, die die lkltern dem Kind gegenüber haben. Sic dürfen sich nicht führend auf das Kind stürzen, müssen ihni seine E»twi-k- lung überlassen. Ein gesundes Kind will seine Arbeit selbst verrichten �eute braucht es seine Kraft zur Verteidigung, muß aber in dem un- gleichen Kamps unterliegen. Für das Kind ist Tätigkeit Selbstzweck. Wer seine Eigenart nicht achtet und ihm Stundenpläne vorschreibt, zerstört seine schöpferische Kraft. Das Streben Pestalozzis, unbekannten Kräften im Kind Raum zu geben, erfüllt Montessori. Sie schafft dem Kind seine eigene, ihm angepaßte Welt, in der es tätig sein kann. Denselben Gedanken spinnt Ilse A l st e r in ihrem Vortrag: Das Kind unter Kinder sort. Wir haben nicht die Ausgabe, das Kind zu erziehen, sondern sollen ihm den Weg zur eigenen Entwicklung freimachen. Es gilt nicht, das Kind zum Staatsbürger herzurichten, es hineinzuzwän- gen in die Bindungen der Erwachsenen. Es soll zum eigenen Zweck sich in Freiheit entfalten. Liebe muß ergänzt werden durch Verständnis. Ziel muß sein: das Haus der Kinder für alle. Im weiteren Verlaus kam die Richtung zu Wort, die dem Montessori-Gedanken freier gegen- übersteht und auf ihm we-terbaut. Professor G e r h a r d s- Aachen behandelte das Mon- t e f s o r i- Kinderhaus als organischen Unterbau der Mantessori-Schule. In Holland gibt es bereits Z000 Schüler in Monlessori-Grundschulen, in Deutschland erst 400 in 15 Schulen. Die Erkenntnisse der Montessori-Erziehung gelten nicht nur für das Kleinkind, sondern für die ganze Erziehung. Käte S t e.r n- Breslau gab Wertvolles über die Pflegt der schöpfe- tischen Phantasie Im Gegensatz zur strengen Montessori-Methode, die sich mehr auf die intellektuelle Entwicklung beschränkt, gibt die neue Richtung auch Gelegenheit zum P h a n- ta siespiel, das aber nicht von Erwachsenen Alfred Wilk verstorben Am Freitagabend gegen 7 Uhr verschied ganz plötzlich in der Wohnung seines Sohnes in Spandau der langjährige Kreisleiter des Kreises Charlottenburg Alfred Wilk. Genosse Wilk, der»och vor wenigen Wochen seinen 60. Geburtstag gefeiert hatte, war in der Berliner Partei- und Gewerkschaftsbewegung kein Unbe- kanntet. Seit 25 Iahren war Wilk in der.kommu- Nalen Verwaltung als Stadtverordneter und in den letzten zehn Iahren als Unbesoldeter Stadtrat in Eharlottenburg tätig. Die Partei wird das Andenken dieses treuen Partei- genossen, wackeren Kameraden und tüchtigen, zu- verlässigen und erfahrenen Kommunalpolitiker in Ehren halten. Drei Kinder überfahren Im Straßenverkehr ereigneten sich gestern wieder zahlreiche Unfälle. Unter den Verunglückten befinden sich allein drei kleine Kinder. Vor dem Haus« Werftstr. ll in Moabit wurde der sechs- jährige Gert R o s» n t h a l von einem Lastauto, im Nordosten der Stadt, in der Marien- burger Straße, der 7jährige Harry F a s s i- n e t aus der Wörlher Straße von einem M o- torrad und in der Lauterstraße In Friedenau der 8 Jahre alte Hans Schwanke au« der S t i e r st r. 14/lS von einem Prtvatauto über- fahren. Der kleine Rosen war sofort tot, die beiden anderen Kinder wurden schwer verletzt. * Wer jemals ein Auto gelenkt hat, der weiß, daß Kinder immer wieder, ihrem Spiel ganz hin- gegeben und ohne der Gefahren der Straße zu ackiten. direkt In die Autos hinein- lausen. Nur unausgesetzte Belehrung in Schule und Haus können hier Abhilfe schaffen. Di« Volkshochschule Groß-Serlin(Geschäftsstelle Burgstraßc 8, III, 9 bis 16 Uhr) hat soeben ihren Lehrplan für 1932/33 herausgegeben, der von der Geschäftsstelle kostenlos zu beziehen ist. Er ent- hält außer Deutsch sehr viel svemdsprachlichen Unterricht(Französisch, Englisch, Spanisch und Russisch), ferner Bortragskurse aus o«n Gebieten der Phystk, Chemie, Mathematik, Biologie, Geologie, Geographie, Erziehung«- und Gesund- heitslehre, Gelchichts-, Staats-, Rechts- und Wirt- ichafislehrc, Philosophie, Literatur, Psychologie, Theaier, Film und Presse. Die Volkshochschule ist die Erwachsenenschule für alle, die keine jjöhere Schulbildung erhalten haben. organisiert werden darf. Eva von der Dunk zeigte das M o n t e s s o r>- K i n d e r h a u s als Ganztagsarbeit: die aus der naturgemäßen Entwicklung aufsteigende Schöpferkrast des Kindes an Hand interessanter Lichtbilder. Am letzten Tag kamen die P s y ch o a n a l y t i- k e r zu Wort. Vor gespannter Hörerschaft im überfüllten Saal sprach Sieglried B e r n f e l d über die Psychologie des Kleinkindes, während Anna Freud-Wien die Erziehung des Kleinkindes vom psychoanalytischen Standpunkt aus und Gertrud B e h n- E s ch e n- bürg Zürich die psychoanalytische Erziehung des Kleinkind-Er ziehers behandelte. hier fehlt der Raum, die in die Tiefe dringenden Darlegungen der gelehrten Redner wiederzugeben. hierfür wie für das übrige sei auf den»och in diesem Jahre erscheinenden aussührlichen Togungsbericht hingewiesen. Die Leit- s a tz e der Berichterstatter enthält zusammen mit anderem wichtigen Stoff„Die Reue Erziehung", Oktober-Hest. Einen kraftvollen A» s k l a n g des gan- zen auf Erkenntnis, Kampf und Hilfe eingestellten Kongresses gab der Nachmittag der Entschie- denen Schulreformer. Otto Tacke- Fürstenwalde sprach über Kleinkind- erzichung als entschiedene Schul- resorm, Fritz Helling über Erziehung als Kulturpolitik. Er zeicknete die liberale Erziehungslehre als idealistische Begleiterin des aufstrebenden Bürgertums, dessen Versall sie teilt. An ihre Stelle soll nun eine neue gestellt werden, die angeblich auf völkischem Idealismus, in Wahrheit auf Knechtung durch wirtschaftliche und politische Machtgebilde gerichtet ist. Diese völkische Richtung wird rascher obwirt- schasten, als die andere, die der Menschheit durch Pestalozzi. Aichle, Fröbel u. a. ewige Werte gespendet Hot. Wir Schulresormer setzen als Ziel die Cr- Ziehung zur solidarischen Gesellschaft: die Erfüllung der alten Sehnsucht nach Freiheit in der Gemeinschaft. Der letzte Sinn des Sozia- lismus ist die M e n s ch w e r d u n g d e« M e n- s ch e n. Der Ansang der Befreiung ist die Ver- gesellschaftnng der Produktionsmittel— das Ziel die Verwirklichung des Menschen tMarx). Paul Oest reich schloß mit kräftigen und klugen Worten die würdig verlaufene Tagung. Möge dem äußeren Erfolg die Wirkung als An- sporn zur Tat nicht fehlen! In wenig Worten Das erste drahtlose Ferngespräch zwischen Berlin und B a t a o i a. das zwischen der Reichsrundfunkgesellschaft Berlin und dem Welt- flieger von Gronau verabredet war, kam gestern, Freitag mittag, in der Zeit von 12.39 Uhr bis 12.45 Uhr erfolgreich und damit über eine Entfernung von 15999 Kilometer zustande. * Ein Lieferauto der Firma Muratti das vor dem Haus Augsburger Str. 24 hielt, wurde samt seinein Inhalt von 89 999 Stück Zigaretten gc- stöhlen, in einem Laubengeländc beraubt und dann stehen gelassen. * Nach der September-Statistik des hauptzoll- amts„Inlandsverkehr" in Aachen sind in» ver- gongenen Monat wiederum 24 4 4 Straf- verfahren wegen Schmuggels anhängig gc- macht worden. * Die Untersuchung des Wracks der„N tobe" Hot ergeben, daß eine Wiederverwendung des Schisfes ausgeschlossen ist. Es muß daher ein neues Segeljchuljchiif gebaut werden. * Der deutsche Chauffeur Karl S t e u b e r, der im August d. I. mit seinem Autobus aus Ravens- bürg bei Mals in Vintschgau verunglückte, wurde wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung von einem italienischen Gericht zu 3 Jahre» 15 Tagen Zuchthau« oerurteilt. Bei dem Unglück sind fünf Personen getötet worden. * Die Personcntarife der niederländischen Eisen- bahnen werden voraussichtlich im kommenden Jahr um etwa 29 Proz. herabgesetzt werden. Auch die Abonnementstarife sollen eine entsprechende Ermäßigung erfahren. * Im September wurden aus den früheren sran- zösischen Schlachtfeldern in der Gegend von A r r a s und Lille die Leichen von 121 deutschen und 84 französischen S o l- daten gefunden. Nur 14 deutsche Soldaten konnten bisher Identifiziert werden. Betrug an den Aermsten Ihre Leider sinnlos verprallt W i e n. 7. Oktober. Wegen eine« großangeleglen woHIiätigkeiis- fchwindels wurde der Obmann des Relchsverban- de« der Arbeitsinvaliden, der frühere Hilfsarbeiter Leopold walinet, verhastet. Äallner hatte den Verein gegründet und es verstanden, durch Fälschung aller Gc- schäftsbücher und Belege seine betrügerischen Handlungen jahrelang Zu verschleiern. Aus Emp- fehlungen hervorragender Persönlichkeiten gestützt, ließ er durch Agenten in allen Bundesländern bei reichen Leuten, großen Unternehmungen, Klöstern usw. für arme Akbeitsinvaliden sanrmeln. Die eingehende» Beträge verschwendete er zum größten Teil für Autofahrten, für den Aufenthalt in teuren Hotels und den Besuch von Bergnügungs- lokalen. So hat Wallner allein im Jahre 1981 von 140 990(—73 009 Mark) gesammelten Schü- iing mir 3670 Schilling dem wohltätigen Bc- stimimingszweck zugeführt. wetteroussichten für Berlin: Im wesentlichen Fortdauer der herrschenden Witterung, aus- frischende Südostwinde.— Für Deutschland: Im Nordwesten und Südosten vielfach bewölkt: Aus- hören der Nachtfröste, im übrigen Deutschland keine wesentliche Aenderung. VI« Ziaorettensabrik hau« Bergmann hatte recht behalten mit dem Wagnis, ihren Zigaretten Bergmann„K l a s s e",„Privat" und„A i l ö c- hos" keine üblichen Photos, keine lächelnden Schönheiten, beizulegen, sondern o r> g' n a l e Kunstwerke. Das beweisen hunderttausende von begeisterte» Zuschriften, das beweist der Feuereifer, mit dem Bergmanns Bünte Bilder in ganz Deutschland ii, Bergmanns Bunten Büchern mit Texten von Fred A. Eölwan gesämmelt werden. Das beweisen auch die Anerkennungen der Künstler selbst, unter denen Richard Tau- b«r das Original der Karikatur von Wallher Trier erwarb. Bergmanns Bunte Bilder sind für hunderttausende heute der einzige lebendige Kon- takt mit der Kunst. „Grammophon"„Die Stimme ielne» Herrn". An den langen Abenden des Heroftss ist mite SchallplatleNMuslk im Heim gerade das Richtige. „Grammophon"—„Di, Stimme seines Herrn" mit dem vielseitigen Repertoire ermöglicht ts jedem, sich jederzeit«in Programm nach eigenem GeschMack zusammenzustellen. Koryphäen wie Wilhelm Furtwängler, Heinrich Schlusnus. Helge Rdewaenge, Julius Patzak, szranz Völker kann man in seinem Heim hören: ebenso sind die pro- minentesten Tanzkapellen, wie Paul Godwin, Jlja Livlchatoff und Hermann von Slachow, ausschließlich für„Grammophon"—„Die Stimme seines Herrn" verpflichtet worden Außerdem bringt„Grammophon" auch die volkstümliche Piattenjerie ,.Braun"-Etiketl zum Preise oou 1,50 M. heraus: Orchester, GejanK neueste Tanz- und Tonfilmschlager. 1,75 Milliarden für Fremdenverkehr Die deutschen BtLder für das ganze deutsche Volk! Der Allgemeine Deutsche Bäderve r- band legt der Oeffentlichkeit einen Bericht über seine vor kurzem in Bad Kreuznach abge- Haltene 41. Generalversammlung vor, dem wir einige allgemein interessierende Tatsachen ent- nehmen, wie sie im besonderen in dem Vortrag des Legationsrats' Dr. D a v i d f e n über die „Volkswirtschaftliche Bedeutung des Fremde»- Verkehrs unter besonderer Berücksichtigung der deutschen Bäder" zum Ausdruck kamen. Man berechnet hiernach den Gesamtumsatz eines einzigen deutschen Reise- und Verkehrsjahres auf die ungeheure Summe von IH Milliarden Mark. Davon entfallen etwa 600 bis 790 Mil- lionen Mark allein auf die Reichsbahn. 300 Mil- lionen auf Krastfahrt. Luftfahrt, See- und Binnen- schiffahrt und etwa 750 Millionen Mark auf die deutschen Gaststätten. Trotzdem erfährt die wlrt- schastliche Seite de« deutschen Fremdenverkehrs bei weitem nicht die Würdigung, die ihr zukommt. Andere Länder wie Frankreich, Italien und die Schweiz sind uns in der Werbung für den Fremdenverkehr weit voraus. In Amerika wird allen Fragen des Fremdenverkehrs in seiner Bedeutung für die Handelsbilanz der Vereinigten Staaten besonderes Interesse gewidmet. Gaben doch die amerikanischen Touristen im Rekordjahr 1979 im Ausland nicht weniger als 868 Millionen Dollars, d. s. über 3% Milliarden Mark. aus. 1931 waren es allerdings nur noch 570 Mil- llonen Mark, die die reisenden Ainerlkaner ins Ausland trugen, und In Amerika weist man dar-' auf hin, daß die Amerikaner dergestalt im Aus- land mehr ausgeben, als sie an Ziueoinnahmen aus ihren gesamten lm Ausland angelegten Kapitalien hereinbekommen. Bedauerlich ist nur, daß Deutschland von diesem Dollarreisesegen nur kümmerliche ÜV* Millionen Dollars abbekommen hat, während auf Frankreich 110 Millionen Dollars entfallen. Trotzdem man also jahrelang eine gut arbeilende Propaganda in Ameriko selbst unter dem Motto: Gvi-manv want*(o sec von. d. h. Deutschland bittet um Ihren Besuch! beirieben hat, trotzdem doch Deutschland mit seinen vielen ausgezeichneten Heilquellen und Kurorten und seinen herrlichen Stödten und Landschaften ein Reiseland ist wie kaum ein andere», ein solcher Mißerfolg! Die wahre Ursache, warum da» Ausland mehr und mehr Deutschland meidet, liegt darin, daß die nationalsozialistischen Mordbandilen in Deutschland freie Hand hatten, die öffentliche Ruhe. Sicherheil und Ordnung und zugleich damit da» deutsche Ansehen im gesamten Ausland unter ihre Füße zu trampeln. Ein einziger Ausländer, der ungesühnt in Berlin angereznpelt oder gar niedergeschlagen wird, be- wirkt, daß 10 999 andere Ausländer nicht mehr nach Deutschland kommen. Und wenn 109 Mil- lionen Ausländer alle Tage lesen, daß Feme, Mord, Blut- und Gewalttaten aller Art durch Deutschland rasen, wer bekäme da Lust, noch Deutschland zu reisen? Overbayern und Oesterreich haben es seinerzeit zu Ihrem schweren Nachtell erfahren, Braun schweig wird es noch erfahren, was es fllr den Fremden- verkehr heißt, wenn Hakenkreuzler ungehemmt walten dürfen. Allerdings wurde die Schaffung von Ruhe und Ordnung im Innern als Forderung sowohl von Legattonsrai Dr. Dovldfen wie von dem Geschäftsführer des ADV.. Hauvtmann Schmidt, erhoben Der„Vorwärts" aber hat feit Jahren darauf hingewiesen, daß die Durchsetzung dieser Forderung die Voraussetzung eines Aufblühens dt» deutschen Fremdenverkehrs-, Reif«, Kur- und Bäderwesens ist. Ganz kurz geht der Bericht nur auf den Vortrag Or. meck. Engelmanns über die„Bedeutung der deutschen Bäder für die Volksge- f u n d h e i t" ein. so daß man leider nicht erfährt, ob der Referent auf die großen Gefahren einge- gangen ist, die gerade dieser deutschen Volksgesund- heit aus dem fortgesetzten Abbau der Wirtschafts- und Soziolrechte erwächst. Ebenso kurz können wir dazu folgendes sagen: Wenn man etwa glaubt, daß dem deutschen Fremdenverkehr»-, Reise- und Achtung, �n/veilsrter Bezirksvorstand! SoMutfaid, 8. OlUoSec, 75' h UUc, im Zimmer 106 des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Straße 3 (Haupteingang), wichtige Sitzung des erweiterten Bezirksvorstandes. Vertretung ist nicht zulässig. DER BEZIRKSVORSTAND Kurortwesen dadurch geholfen werden wird, daß In echt kapitalistischer Denkweise auf der«inen Seite die kleine Schicht der Besitzenden, die sich alles leisten kann, ständig gestärkt wird, und auf der anderen Seite steht die ungeheure Masse des verarmten und verelendeten Volkes, das nicht ein- mal so viel hat. um am Sonntag mit der Straßen- oder der Vorortbahn hinauszufahren, dann wäre man auf einem gefährlichen Holzweg. Sommer- frischler, die im Böhmer Wald(bayerische Seite) gewesen sind, berichten Z. B., daß der An- blick der vielen arbeitslosen, halbverhungerten Ar- beiter mit ihren verelendeten Frauen und Kindern derart grauenhast gewesen sei. daß sie es kaum haben aushalten können und daß von einer Er- holung gar nicht mehr die Rede sein konnte. Die deulschen Heilquellen und Heilbäder, die deutschen Berge und Wälder, Meere und Seen müssen für das gesamte deutsche polt, für die Erhaltung seiner Gesundheit, für die Bereicherung seines Dasein» vorhanden sein. Wir hoffen und wünschen, daß wir auf der nächsten, der 42. Generalversammlung des Allge- meinen Deutschen Bäderverbandes dide» Bekenntnis zur Volksgesamtheit vernehmen werden, das gleichbedeutend wäre Mit einem Bekenntnis zum Ausbau des in den Anfängen steckengebliebenen volkstümlichen Kur- und Bäderwesens und einer Erhaltung, elnem Ausbau und Wiederausbau aller volkshygienlsch-sozlalen Errungenschaften des letzten Jahrzehnts. Autobus abgestürzt Zwei Tote, zwölf Verletzte Mailand, 7. Oktober. Ein elektrisch betriebener Aulobus der B«r- kehrellnle Vresci a— G a r d a I e e mit 13 Fahr- gasten geriet, vielleicht wegen der Nässe der Fahrstraße, ms Gleiten. Der Führer konnte den wagen nicht wieder in die Gewalt bekommen. Das schwere Gesährl stürzte die Böschung hinab und überschlug sich aus einer Wiese. Während der Führer de» wagen» nur leichte Verletzungen davontrug, erlitten sämtliche 13 Fahrgäste mehr oder minder schwere Verwundungen. Zwei verunglückte sind bereits gestorben. parteinachricht-nMsür Groß-B-rlin! Vorträge, Verein« unftVerfommiungen Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin öS 68, Lindenstrage 3. stets an das Bezirkssekretaria. 2. Hof, 2 Treppen recht», zu richten Beginn aller Veranstaltungen lv'� Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! l. ttrei«. Siimtliche Genossen, welche aus der öü, Abgabestellc der Konsum. genossenschast, Fehrbelliner Strasse, ilirc Ware entnehmen, werden dringend ersucht, am Sonntag, g. Oktober, a Uhr, im Lokal von Dobrohlaw an. wesend zu sein. 7. und 8. Kreis. Juristische Sprechstunde heute, Sonnabend, 8. Oktober, von 17 bis 18 Uhr, im Jugendheim Rostnenstr. 4. Gelegenheit zum Kirchen- austritt I 7. Kreis. Heute findet um 28 Uhr im Wohlfahrtssaol(Schellbach), Königin- Elisabeth. Str. 6, eine Wcrbeveranstaltung der Sozialistischen Arbeiter- iugend statt. Mustk. Rote Rebellen, Rezitation. Genossen, schickt all« eure schulentlassenen Kinder und euch bekannte Jugendliche hin. Gintrittspreis 25 Pfennig. rzirziü.-rucy. w i. u Q) 1 1 u i. ,, r.«.V u Ii, wv 1. I v 1, SA?.-Orchester. Kainpfwortei Lisa Albrecht. Unkostenbeitrag 2l> Pfennig. Erwerbslose lg Pfennig. Alle Parteigenossen werden gebeten, diese Beck- staltung zu unterstützen. 13.«reis. Alle radfahrenden Genossinnen und Genossen, die gewillt sind, den Dessauer Jugendlichen entgegenzufahren, treffen sich Sonntag, 1« Uhr, bei Mali, Mariendorf, Ehausscestratze. Fahrt nach Potsdam. 24s. Abt. Gruppe Balkon: Sonntag,« Uhr, Flugblattvcrbreitung bei Köhler. Gruppe Carl Legten: Sonntag, lv Uhr. Flugblattverbreitung. 87. Abt. Bezirksführer und Kassierer werden gebeten, heute, Sonnabend, ITsh Uhr. bei Rohr, zu einer wichtigen Besprechung zu erscheinen. 168. Abt. Unserem alten bewährten Genossen und Funktionär Wilhelm Kegel, Köpenick, Rudower Str. 18, zu seinem 70. Geburtstage die herz» lichsten Glückwünsche. Wir wünschen ihm weiterhin Gesundheit und Rüstigkeit, um wie bisher an allen Kämpsen für die Befreiung der »Arbeiterklasse teilnehmen zu können. Frauenveranstaliungen: 188. Abt. Am Sonntag, V. Oktober, machen wir einen Familienausslug nach Iörsfelde. Wir treffen uns um 18 Uhr am Kaiserplatz. FTEB. ist hierzu »ingeladen. Sozialistische Studentenschaft. Donnerstag, 13. Oktober. 28 Uhr, im Bund, spricht Genosse Dr. Otto Suhr über das Thema„Das Umbauprogramm der Gewerkschaften". Freie»Aus- spräche. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Grofz-Serlin. aRitte: Achtung, Parteigenosse» und Eltern unserer Kinder! In der Zeit vom 9. bis 16. Oktober findet wie alljährlich in der ehe- maligen Strasienbahnhalle Ackerftrahe eine Ausstellung des Orts ausschusses für Jugendpflege statt. Die Arbeitsgemeinschaft der >1 Kinderfreunde, Kreis Mitte, beteiligt sich daran. Innerhalb dieser 1»Ausstellung habt ihr Gelegenheit, die Arbeit,»Aufgaben und Ziel der Kindersreundebewcgung kennenzulernen. Während der Aus- ftellung findet am Freitag, 14. Okiober, 1814. Uhr. eine Feier der Kinderireunde statt. Eintritt zur Ausstellung 18 Pfennig. Wir bitten um regen Besuch.— Mitte: Alle Abteilungen bringen heute in der Zeit von 17 bis 18 Uhr ihr Riaterial für die»Ausstellung ins Jugendheim Elisabethkirchstraße. Sonntag. früh treffen sich alle Helfer in der Ausstellung zum Ausbau. Steglitz, Abt. Lichterfelde:'Morgen Tagesfllhrt. Unkosten 1ö Pfennig. Trefs. Punkt 8 Uhr Dahlemer Straße, Ecke Unter den Eichen. Sterbetafel der Groß«berliner Partei-Organisation 34. Abt. Arn 5. Oktober verstarb unser lieber Genosse F r i« d r i ch W« i k o s a k, Cadiltcr Str. 7. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Sonnabend, 8. Oktober, 18>� Uhr, Im Krematorium Baumschulenweg statt. Rege Beteiligung erwartet die Abteilungsleitung. W lSozialifllscheArbetterjugendGroß.Verlin Einsendungen kür diese Rubrik nur an das Iugendl-kretariat I Berlin EW 68, Lindenstraße 2, vorn 1 Treppe rechts. heule. Sonnabend: Reuköll» l: Ttefspunkt zur Fahrt 28 Uhr Reuterplatz. Werbede-irk Wcddiug: 1» Uhr Baden Berichtstraße, anschließend Sptechchor- probe im Ledigenheim ochönstedtstraße. W«>b«d»ziek Kreuzberg: Südöstliche Gruppen: KT., KV., RV. Sprechchor- probe Igt«. Uhr beim Schlesische Str. 42. Werbe bezirk Lichtenberg: Der Bildungskurius beginnt umständehalber erst am Sonnabend, 1ö. Oltober, Ort wird an dieser Stelle bekanntgegeben, Werbebezirk Besten: Worbeveranstaltung im Saal Eharlattenburg, Königin-Elisabeth-Str. 61, bei Schellbach.„Iugend her zü uns!"„Rote Rebellen", 2 Filme: a> Das Tagebuch des Mister Pim, h) Rote Jugend auf roter Erde. Saalössnung 19 Uhr, Untostenbeitrag 25 Psennig, Be- ginn 28 Uhr, Werbebezirk Pankow: Werbeseier in den Räumen des Restaurant Pansegrau.»vuchholz. Bahnhoiitraße. Aus dem Programm:»Rezita- fit. BeatNN■"»—' «bnersiSstleltruppe," Mustk.'Beginn 28 Uhr, Eintritt"äst Pfennig' Morgen. Sonnlag: Arnimplatz: Fshet, Tresfvunlt 7 Uhr Bhs. Schö selde:»Ardeitssahrt. Treffpunkt 8 Uhr an der Kirche. Faltplatz I! si den Grunewald. Trcifvünk! 715 Uhr Bhs. Schönhauser Allee.— H»» Tresspunki 8»j Uhr Bhs. Gesundbruitnen. Trekspunti 7 Uhr Bhs. Schönhauser»All«.— Friebrich,- M" MW"' l! Fährt durch HuMbolbthaiN: Weebebezitk Wedding: Geländesplelsahrt. drünnen. Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Grsund- ?dß�reie Gewerkschafts-Iuaend Verlin G Besucht die Jugcndansstelluna straße 2 silähe Rosenthaler Tot 16 bi» 22 Uhr. � Morgen: Theater am Bülowplatz, 1Z Ilhr. Zur spiel in 6 Akten von Rtkolauä Gogol, Itch Theaterzetlel sind noch an der Kasse erhältlich des Ortsansschusses Mitte in der Acker- or). Geöffnet vom 9. bis 16. Oktober von WMWMchWMMMWMMMMWWKWINt N: Ingendoorstellung der«olksbühnr In r»Ausführung gelangt„Der Revisor", Lust , Karten zum Preise von 88 Pf. einfchließ Danksagung, Für die Beweis, Inniger Teilnahme d«: der Betiatlung meines»eben Gallen und Paters käusrck Volkmava sagen wir allen Bekannten, dem Ge« samloerbaNd. det 3-�. Ädl. der EP r' und dem Redner des Freidenker- Verbandes unseren besten Dank. Boxhagener Straße 4. Minna Volkmann and Kinder. Theater, Lichtspiele usw. Bekanntmachung. Di» in der Z«» vom 1. Januar bis 3t. MörZ 1931 verietzieli Pjänder sind versteigert worden. Ueder- ichüsse sind bis zum 4. Ja- nuar 1533 abzuheben. Staatliches Leihamt. � 9chBcha>BBfi>»0— Prima neue Betifedern t Kein Risiko, weil Sie Ware selten M'elßp<48ti«elertrrti. handüescil Plund 2.7, 3.75. 4 8 i, 5,5 UngesCM. beste Sorte 3 50. Inletts federd. u e.ht- fafft. tpßttbill. Versänd P0i:ölf. Hälfte d, Beträg. Nachn Rest eis) n. Emptana d Ware. Was n cht gefällt, nehme sof eu BeMeiiaos Jos. iliinleld Breslau 1, Nikolaith». 42. EiiUuEfotBefcteniErÄ ii der Polater, Chaiael., an ffoalf Tlieafcr Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold' GetchL tt« stelle: Berlin S. 14. Sebastionstr 37—38 Hot 2 Tr. Schöneberg.Friedenau(Kameradschaft Friedenau):(Zonnabend, 8. Ottober, 30% Uhr, Kameradschaftsversammlung bei Klabe, Sand- jernstraße dl)— öl. Referent Kam. Dr. Nowack. Thema:„Was nun? Unsere Aufgaben für die kommende Zeit".— Wedding(Ortsverein):Sonntag, 9. Okto- der, 11 Uhr, Morgenfeier des Berliner Bortrupps im Saalbau der Hochschul- Brauerei, Amrumer Str. 31. Eintritt für Kameraden und Angehörige frei.— Pankow sKameradschaft Pankow-Nord): Sonnabend, 8. Oktober, 20 Uhr, Bunter Abend im Restaurant„Schloß Schönhausen", Lindenstr. 11. Alle Kameraden mit Angehörigen und Freunden des Ortsvereins sind herzlich eingeladen. Arbeiker-Samariier-Bund e. v., Kolonne Berlin. Geschäftsstelle: RO. 43, Iostpstr. 4. Telephon: E 3 Königstadt 5440, � Montag, 10. Oktober. Köpenick: Lokal Krüger, Sdiönerlinder Str. 5. »Bahnsdorf: Lokal Heimann,»Waltsrsdorfer Str. 188.»Weißensee: Lokal Hacek,»Wilhelmstr. 29.— Dienstag. Ii. Oktober. Friedrichshain: Lokal Bauer, Tilsiter Str. 27.»Wilmersdorf: Lokal Mefeck, Gastciner Str. 28. Sthöneberg: Lokal Gehrle, Edersstr. 66. Hermsdorf: Schule Freiherr-vatn-Slein-Straße.— Donners» tag, 13. Oktober. Wedding: Lokal Himmel, Gottfchedstr. 5. Eharlottenburg: Jugendheim Rosinensir. 4. Tempelhos: Lokal Lindisch, Martendorf, Königstr. 44. »Pankow: Jugendheim Kifsingenftraßc- Freitag, 14, Oktober. Kreuzberg: Lokal Krepp,»Am Urban 28. Steglitz: Lokal Rahde, Lichterfelde. Roanstr. 39. Reu- kölln:»Britz. Sannemannstr. 48. Treptow: Lokal Döhling. Elsenstr. 188. Lu herg: Lokal«eipke, Kronprinzenstr. 47.— Sonnabend, 15. Oktober. Prenz itcn- Quer Berg: Lokal Hassmann, Lnchener Str, 8.— Montag, 17. Oktober. Neukölln: Lokal Sauer, Pannierstr. 54. Adlershok: Säuglingaheim. Riederfchöneweid«, Grünauer Slraße. Schöneweide: Säuglingsheim Riederschöneweide. Deutscher Arbeiter-Sängerbund, Gau Derliu. Geschöflsstelle: p. Schneider. Bersin RO. 55. huselandstr. Zl. Mannerchor Friedrichshai».»Achtung! Heute. Sonnabend, 28 Uhr, � Pierteljahresversammlung im kleinen Saal des»Brauerei.»Ausschank« Schullheiß.'statzenhofer, Landsberger Allee.»Wegen der Wichtsgiett der Tage«. Ordnung ist das Erscheinen aller Sangesbrüder Pflicht! Rcichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteiluehwer und kriegerhinter. btiebcnen, Bezirk Wedding. Mitgliederversammlung om II. Oktober, 28 Uhr, im Lokal Patzenhofer, Ehauffeeftr. 64.»Referat des Reichstagsaba Dr. Julius »Mos»». Freireliaisse Gemeinde. Sonntag, II Uhr, Poppelalle» 15, Bortrag des Herrn Dr. F. Schiff:„Kleidung und Sittlichkeit". Deutsch« Liga sör Menschenrechte E. B. Ortsgruppe Nord: Dienstag, 11. Oktober, 28 Ilhr, im Restaurant'Atlantic, Behmstr. 6—7, Vortrag Heinrich »Bierbücher:..»Milttaristerung der Jugend droht!"— Ortsgruppe Westen II: Dienstag, ll. Oktober, 28 Uhr, Pfchorrhaus, Täuentzienstr. 13, Bortrag Sans von Zwehl:„Ein kulturpolitischer Oucrschnitt: Von»Marquis Posa bis»Bracht!". — Ortsgruppe Eharlottenburg l'Westcn I): Donnerstag, 13. Oktober,»28 Uhr, Klulsisaus am Knie, Berliner Str. 27, Partraa Dr.»Wilhelm Grotkopp:„Autarkie und»Wellwirtschast".— Ortsgruppe Nord: Freitag, 14.»Oktober, 28 Uhr, Berlin N.»24,»Monbijouplatz 18, Eingang 4, 3 Tr.— Montag. 17. Oktober, 28 Uhr, Mitgliederversammlung,»Berlin N. 24,»Monbijouplatz 18, Eingang 4, 3 Treppen. k/ßtöt* igD BahranstraR« 83-9«>: Talafon A 2 Klara 3989 Qcößte, schönste, kiUiqste Jxinzsiäitt dec WM Nachmittags: n orl Alks falleettkclt"«OJ| Abends: n nc Elnlnitijetrliilt"•/ J Jxisca und seine ITlusifaVagu&imden. 12 Attraktionen von Weltrufl| Jeuecland:!Bat phantastisch �EINTRITT FREIl\ pumpen illlbtltihtellen — Maren— Puter, tlmtlliltt EnjtrtBile.Illosl. Preisliste gratis I Kobiank&co. Pumpenfabrik, Berlin N 65 Reinickendorfer Stra3e 95. ÄÄ 6 Uhr 15. Flora 3434. Ramhen ort. Vier Bronnetts, George Dormonde, Lord Ain, Mary Erik 4 Co., 7 Alfredos n.«. w. Warffln■ äberds schon von 70 Pf. lull HUI. nachm. von Sit Pf. an Sonnabend und Sonntag auch 4 Uhr tu kleinen Preisen VOLKSBUHNE Theater am Bülowplatz D 1, Norden 2944. 8 Uhr Zum 1. Male Die Ratten Regle: Hains Hilpert Käthe Dorsch, Eugen Kiöpfer, Otto Werolcke SonntagnaChnii SV»: Der Revisor, Preitiiörenbes.— Preise Ö.75 bls4.— Mk. |E LITE- TAG El Sonnabend, 8. Oktober: |Montgolfidren- Aufstieg 1 mit Fatlschirm- Absprung 1 Füliuitc gegen 15 Uhr, Aufstieg gegen 1« Uhr Sonntag, 9. Oktober: jFreiballon- Aufstieg! 1 FODtmg gegen 10 Uhr, Autstieg gegen 15 Uhr I Deutsche» Luftspert» Kutslellung j Ausstallungigelände om Funkturm jGeöffnet täglich von 9 bis 20 Uhi I | Preliutt-VcraDstaltg. nur bei geeigneter Witterung I I Eintritt M 1�-, Jugendl. imfer 18 Jahren M 0.58 j Ausstellungshalle II om Kaiserdamm 1 20 Uhr Sonnabend, 8. Okt. 20 Uhr| i�est der Luftfahrt Funk-Potpourri„Flug-Heil"• Bali! ider Flieger• Mitternachts-Kaba- 1 rett• Tanz-Turnier• Gr. Tombola 1 Karten zu Mark 1.— und Mark 2.— im Vorver- Uaul bei Weriheim, Tietz, Kadewe. Karstadt,| Uole& Bock, Uhus des Hundfunks usw. *4'j'1:-wvVA»-4B<» Sorinabehd, den 8. Oktober ataaisoper unter den Linden 28 Ustf Wiener Blut staatiionea sotiauspiemaus 19 Uhr Ncneinetndieri Wilhelm Teil WALLNER-THIATIR Premiere: Dienstag 8 Uhr sonst 8,15 .zuisclnildlgeit"—„Sätyfös" Von Goethe Musik liosart Regle PlMh Preise 0,50 bis 3,- M.— Sonnt, 5 u. 8,16 Uhr Rose- Theater (holt Fratktarter Sinti 137 Hl. WeldMil k 1 3472 6 Uhr Aschenbrödel 8.15 Uhr Der Hauptmann von Köpenick 11.45 Uhr Ganouenehre Berliner theai. 47 Mnl). 0» letrk 3 Venlilluien 8>i, Uhr UfdlinadSir. 78/71 StelnpL(ü 1) 6715 Her lmd 5 Vontillimiin Täglich 8'/« Uhr Der IS. Oktober iinnlg.. 9. mtl..!' iltr: ßitmili;! 4uflihniii|: Die MMl« M« »•.Uhr CflSinO- THEATER s''Uh) Lothringer Strafte 37. iIiiiikiiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiin Audi Sonntags nachm. 4 Uhf: Täg!. L u. 8y« Uhr 3ANDREU- RIVELS UM CAS VON OfiCZY jrTOWALLU.Rf Kinderb., Pol Mtalag(r«k PI. Aza Niht SdtlB. Ihf. in. 3'',Stgs. 7.S,9lf II. E 7 Wrllsel»Olt Oer Bettelstüdint Siadi.Oper uhanolienbur Fraunhofer 0231 Sonnabend.8 OKtbr TUfhuS Iii: Ein mashenbail 28 Uhr Nedheth, Ön�gin Pfahl. Pataky, Reinmar, Destal, Ditiei. Gonszar. Difigem; FTHz Busch a. Q Homorl Stimmung! Man lacht Tränen Uber Dnektor Hans Berg als rante Juicnen. Gutschein lür die Leser 1—4 Personen Faul. 0.75 M., Sessel l 2» M.. Park. 0.50 M Der lebende Leichnam �»0 Pf— 4 Ba Ba Ba Beodow, Bittue Bühne Kol, busser SträSt 6 froher„Elite- SUnger" LacDs m geW! 1)1. 1 Mr. tthlll. näthm,)>/: Preise von 58 Pf. an OeiitsdieMei Weidend. 5281 8 Uhr Rose Bernd von forhart Haupfmann mit panui wttteiv Kammerspieie 8 Uhr Schuttes Bühne Das Verlnls von RICh Bllllnger — Thetter am•— i Schitlbauerdamm D 2 Weidend.»955 Täglich 8i,i Uhr i„Kslonne Immergrün'' Barl. Kern. v. Hau Brtnnirl Mit Harald Paulsen zur 1. Klasse am 21. u. 22. 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Die Frau mit dem Kind findet das auch— und ihr fällt ein, daß sie kalte Füße hat„Un wenn's man nur endlich richtich warm werden tät', daß ma nich mehr zu heizen braucht", sie tappelt von einem Fuß auf den andern, das Kind fängt an zu greinen— hat so einen häßlichen Schorf um den kleinen Mund und furchtbar alte Augen--- und noch acht Tage— dann muß ich zum Arzt gehen... „Ach, Gilgichen, da läufst du nun für lumpige dreizehn Mark durch den Regen! Mein Gott, was bist du doch für ein eigen- sinniges, unverständliches Mädchen." „So'n bißchen Influenza, Martin! Ich bin schon mal mit 39,4 Fieber ins Büro gegan- gen." Gilgi sagt das so, als wär's was ganz besonders Schönes gewesen, wie sie mit 39,4 Fieber ins Büro gegangen ist. Und Martin ruht nicht eher, bis sie im Bett liegt.„Und ist dir auch wirklich warm?" So— und nun wird er zur Apotheke gehn und Aspirin holen und sowas wie Fliedertee— und den wird er dann kochen, wenn er wiederkommt. Und Gilgi will, daß er sich dann auch gleich die Schuhe kaufen soll—„du weißt, Martin, wie das geht! Wenn du damit wartest, ist auf einmal wieder's Geld zu Ende und du brauchst Schuhe sooo nötig. Und geh' in die Schildergasse— du weißt, wo wir die zu 19 Mark gesehn haben, die sahen seeehr an- ständig aus. Und achte darauf, daß die Sohlen auch richtig stark find und..." Fünf Minuten ist Martin fort, da klin- gelt's. Na, was denn nun schon wieder! Gilgi kriecht unter den sorglich aufgetürmten Kissen und Decken hervor, zieht den schwarzseidenen Kimono mit den großen gelben Sonnen- blumen über, streicht sich das Haar glatt... Ach du lieber Gott! Dafür ist sie aufgestan- den! Ein Hausierer, Vertreter oder Reisen- der— hat ein verstaubtes Köfferchen— „Was? Bohnerwachs? Brauche nichts." Gilgi zögert: scheußlich ist das, mitten in eine so flehende Stimme hinein die Tür zuzu- schlagen. „Lassen Sie mich nur eben zeigen, gnädige Frau... ja aber..." der Mann staunt Gilgi ins Gesicht, wird rot und unsicher—„bist du nicht— sind Sie nicht—" _„Ooooh Hans, du bist es?" Sie streckt ihm die Hand hin. Sieht ihn an: dies abge- härmte, wächserne Gesicht war mal so jung und frisch und leuchtend...„ich habe dich nicht erkannt, Hans, du hast dich verändert." Gilgi wird glühend rot, hat was Taktloses gesagt. Will schnell wieder gut machen: „Komm'rein, Hans— komm... hier— setz dich, Hans." Der Mann legt den Hut mit dem fett- fleckigen Band neben sich. Sitzt ganz steif aus der äußersten Kante des Sessels.„Oh, du hast es aber sehr fein, Gilgi— aber darf man noch Gilgi sagen? Muß man nicht gnädige Frau und Sie..." „Ach Unsinn, Hans— alte Freunde wie wir!" Gilgi steht vor ihm— eine verwöhnte, gepflegte, verfchlasene kleine Frau, ganz eingehüllt in teure bestickte Seide... und hat noch immer die treuherzigen Augen, der Hans, nur müde und traurig sind sie ge- worden— jetzt glimmt ein Fünkchen ehrlichen Frohseins in ihnen—„das freut mich so, Gilgi, daß es dir wenigstens gut geht." Und nun sieht man sich an und weiß nicht, was sagen— hat sich doch so viele Jahre nicht mehr gesehn.„Wart' einen Moment, Hans — ich wollt' gerad frühstücken, da leistest du mir ein bißchen Gesellschaft, ja?" Gilgi rennt in die Küche. Sie muß sich für einen Augen- blick setzen. Was haben die paar Jahre aus dem Jungen gemacht! Der ist jetzt— ja, der ist jetzt— vielleicht dreißig— das war vor vier Jahren, als wir... Bier Jahre! Ja, ist denn das eine Ewigkeit, vier Jahre! Da muß man sich doch mal besinnen. So ein frischer, lustiger Junge, der Hans! Lachen könnt' man mit dem— lachen! So blondes Haar hatte er und blitzblaue Augen und wunder- bare Muskeln. Ja, auf die war er immer sehr stolz. Im Schwimmklub waren wir zu- sammen, und es fing damit an, daß er mir crawlen beibringen wollt'— er konnte sehr gut crawlen— wirklich. Und ich hatt' mich doch so geärgert über Ionny— na. der erste Mann ist ja wohl meistens'ne Riete. Und ich hatt' Ionny so dicke satt, aber das ist ja nun mal so. daß man's trotzdem nicht ver- trägt, wenn fo'n Biest nu auch--- das Hütt' mir damals gerad' so gepaßt, wenn der Ionny, diese Mischung von Douglas Fair- banks und Briefträger, wenn er vom Hoch- haus runtergesprungen wär'— meinetwegen. Fiel ihm gar nicht ein— mit der Hilde fing er an, der mit den roten Locken— und der Hans war so nett, man war so gut Freund — nur gut Freund— und wenn man nicht zusammen die vierzehntägige Tour in den Hunsrück gemacht hätte, wär' man wohl auch „nur" gut Freund geblieben. Na, war nicht so wichtig, die ganze Geschichte— ich ging dann die fünf Monate nach Frankfurt, weil Mayer u. Rothe da die neue Filiale auf- machten— ja, da Hab' ich ihn dann vergessen. Komisch— wie weit das alles zurückliegt. Kann man gar nicht glauben, daß das alles mal Wirklichkeit war. Richtig verhungert sieht der Junge aus. Gilgi macht ein paar Butterbrote zurecht— eine halbe Flasche Tarragona ist auch noch da... „So, Hans, nu' erzähl' mal ein bißchen von dir." „Da ist nicht viel Gutes zu erzählen, Gilgi." Beide schweigen— haben eine Erinnerung, die— durch die Filtrierpresse der Jahre gegangen— nur noch sehr Helles, Lustiges, Unbeschwerliches enthält. War man denn wirklich einmal so jung? Und jetzt? Man muß doch wohl furchtbar alt geworden sein, wenn man sich derart ungläubig wun- dert, daß man einmal so jung gewesen ist. „Und Hans, weißt du noch, wie ich im Pionierbad oben auf dem Zehnmetersprung- Um Schnimmklub „Und ein Rheindampfer hat uns aufge- fischt.." „Gott, und man fand uns so inter- essant—" „Und wir selbst fanden uns noch tausend- mal interessanter." „Weißt du noch, wie der Heinz immer sein Fhot. Faramount Friedrich£ichlneker: Der Regen strömte mit einer geradezu nerven- aufpeitschenden Gleichmäßigkeit und Eintönigkeit hernieder. Der Nebel hing drückend in den Straßenschluchten herab. Die ganze Welt war eingehüllt in Trost- und Hoffnungslosigkeit. Atil eineni Wort— man hätte sich keinen schöneren Herbstabend zum Umbringen wünschen können. August Knacke, auf dem Wege nach dem Fluß, den er nach vielen Erwägungen als seine letzte Ruhestätte bestimmt hatte, war von der Stini- mung des Wetters restlos begeistert und hielt sie für eine Trauerkundgebung der Natur über sein bevorstehendes Hinscheiden. Gewiß, es tat ihm ja selbst um sich sehr leid, und er hätte am liebsten mit dem Himmel um die Wette sein Schicksal be- weint, aber es war nun einmal beschlossen, und er setzte jetzt alles daran, ja bloß keine Rührung in sich auskommen zu lassen. Er hatte das Leben endgültig satt, dieses Leben, das ja doch nur eine nie sich unterbrechende Kette von Hoffnungen und Enttäuschungen ist. Längst hatte er es sich über- legt, immer wieder dem Schicksal, das mit ihm so hart verfuhr, ein langbefristetss Ultimatum gestellt— aber wie gesagt—, das Schicksal hörte nicht auf seine Ermahnungen und stellte sich taub gegen seine Drohungen. Jetzt machte er sie end- lich wahr. Keine Chance konnte ihn mehr locken, sich von diesem Leben weiter narren zu lassen. Er hatte sich auf seinen letzten Weg gemacht, und diesen Weg schritt er jetzt mit einer Selbstverständ- lichkeit und Sicherheit wie nie zuvor irgendeinen Weg seines Lebens. Er empfand geradezu Ge- nugtuung— Schadenfreude wie ein kleiner Junge, der einen bösen Streich auszuüben geht. Seine Laune wurde immer besser, je näher er seinem Ziele kam. Wenn er zu dieser Stunde so die Menschen an sich vorbeihasten sah, abgearbeitet, müde vom Tageswerk, versorgt, verängstigt vom Leben, gierig nach dem Erhaschen irgendeiner spärlichen Lebensfreude am späten Abend, dann inußte er lächeln und kam sich ihnen gegenüber wie ein hundertjähriger Greis vor. Nun stand er am Brückengeländer und starrte in den Fluß, der unter ihm wie eine schwarze träge Teermasse dahinkroch. Gewiß, dieses Grab lud einen nicht sonderlich freundlich ein, aber dafür war es kostenlos. Knacke setzte sich über Bedenken dieser Art schnell hinweg und schwang bereits das eine Bein über das Geländer, als sich «ine Hand sanft aus seine Schulter legte und eine diskrete Stimme ihn um Entschuldigung für die Störung bat. Unwillkürlich wendete Knacke den Kopf und zog langsam das Bein vom Geländer herab. Mürrisch, ein wenig verschämt wie ein Mensch, den man bei einer ganz intimen Be- schäftigung überrascht hat, fragte er den Fremden nach dessen Wünschen. Bescheiden und verlegen stotterte dieser:„Ich sehe, Sie wollen sich umbringen— haben Sie keine Angst, ich will Sie weiß Gott nicht dabei stören oder gar daran hindern—, aber sehen Sie sich bloß meine Schuhe an! Damit kann ich doch wirklich nicht mehr herumlaufen— überhaupt, wo es jetzt kalt wird—, und da dachte ich mir, ob es sehr bescheiden von mir wäre, wenn ich Sie bäte, mir die Ihrigen zu überlassen. Sie legen doch bestimmt keinen Wert darauf, beschuht im Jenseits einzutreffen." Knacke war nicht wenig überrascht, aber bald hatte er sich gefaßt und fand nichts weiter dabei, dem Fremden seine Schuhe zu schenken. Knackes Hand empfing einen herzlichen Druck des Dankes. Eben wollte er sein Beim von neuem über das Geländer schwingen, da tippte ihm der Fremde nochmals sachte aus die Schulter und stammelte: „Einen Augenblick noch, bevor Sie da unten aus HacMUüch Nimmerwiedersehen verschwinden! Sehen Sie sich doch bloß meinen Rock an! Damit kann ich doch wirklich keinen Staat mehr machen..." Knacke ließ ihn gar nicht mehr ausreden, sondern schlüpfte ärgerlich aus seinem Rock, den er dem Fremden mit einem halblauten Fluch über den Kopf stülpte. Er leistete jetzt auf jede Dankes- bezeugung Verzicht und machte sich eilends ans Sterben. Ein kühner Schwung— Knacke sah am Treppengeländer— Da...! „Eine einzige Sekunde noch!" Die Hand des Fremden berührte in jetzt weniger sanft, und Knacke fühlte, wie sie zitterte. Mit einer jähen Drehung wandte er sich zu diesem zudringlichen Menschen und brüllte ihn an:„Scheren Sie sich zum Teufel! Was wollen Sie denn noch von mir?! Nicht mal ungeniert sterben lassen einen die Men- schen. Selbst da ziehen sie einem noch die Haut vom Leibe!— Also machen Sie's kurz! Sie sehen, ich habe nicht mehr viel Zeit.. „Ach, verzeihen Sie mir, ich will Sie nicht länger mehr belästigen— aber Sie werden doch einsehe», daß ein Mensch in meiner verzweifelten Lage eine solche Gelegenheit wie diese nicht unge- nützt vorbeigehen läßt. Sie verfügen doch be- stimmt noch über ein wenig Bargeld, mit dem Sie ja doch nichts mehr anfangen können, während ich dafür so viel Verwendung hätte, denn Sie können sich ja gar nicht vorstellen..." Und jetzt begann der Fremde seine ganze Leidensgeschichte zu schildern, so spannend, so dramatisch, daß Knacke ganz davon gefesselt war. Als der Fremde mit dem Epos seiner Not ge- endet halte, schüttelte Knacke verständnislos das Haupt und fragte:„Mensch! Und Sie bringen sich nicht um?!"—„Halb so schlimm, mein lieber Gönner", entgegnete der Fremde,„ich habe jetzt Ihre Schuhe und Ihren Rock... ein paar Mark werden Sie doch auch noch besitzen... Das reicht gerade, daß ich wieder ein bißchen Mut be- komme." Knacke wurde ein wenig gereizt:„So... und wenn ich Ihnen diese paar Mark nicht gebe... wenn ich es mir zum Beispiel überhaupt über- legen würde zu sterben—." „Oh!" rief der Fremde aus,„Sie bringen sich um, so wahr ich lebe! Dazu sind Sie ein zu ent- schlosfener Mann— dazu", setzte der Fremde leise und diskret hinzu,„dazu sind Sie ein viel zu anständiger Mensch, überhaupt jetzt, wo es Ihnen doch klargeworden ist, daß Ihr Tod nicht nur mehr eine Laune Ihres Lebensüberdrusses bedeutet, sondern einen Akt von menschlicher Hilssbereitfchast. Im übrigen sehe ich soeben, daß Sie auch noch eine goldene Uhr besitzen! Die wer- den Sie doch nicht mit auf den Grund des Wassers nehmen wollen?!" Jetzt war es Knacke zu viel. Dieses anmaßende Benehmen eines Menschen, der ihn schon bei lebendigem Leibe beerbte, konnte er auf die Dauer nicht mehr unbeantwortet lassen. Knacke war ent- schlössen, ihm nicht nur nichts mehr zu geben, son- der» sich auch wieder in den Besitz seiner von ihm so leichtfertig verschenkten Schuhe und des Rockes zu setzen Diese Rückforderung versetzte den Fremden in derartige Empörung, daß er nun mit Gewalt Knackes Uhr und Geld in Besitz zu nehmen begann. Knacke wehrte sich aus Leibes- krästen gegen diesen gemeinen Ueberfall— und den Schluß dieser Auseinandersetzung bildeten Verhaftung und Verhör beiin Poiizeikommissar. Knacke kam wieder in den Besitz seiner Sachen, und als er dann auf der Straße stand, allein mit sich und seinem unglücklichen Leben, da mußte Grammophon mit ins Boot nahm und tausendmal„Valencia" gespielt hat?" „Ja, Gilgi, und dann hast du ihm heimlich die Platte ins Wasser geschmissen. Und weißt du noch, wie die fesche Ruth immer sooo falsch zur Mandoline sang, daß es beinahe schon wieder richtig klang!" „Ach ja, Ruth! Die fand sich so schön, daß sie sich einfach keinem Mann gönnte, und wenn sie in den Spiegel sah, dann bedauerte sie wohl im- mer, daß sie nicht in einem ein Junge sein— und mit sich selbst ein Verhältnis anfangen könnt'.— Und wie du das Geschäft mit den Zi- garetten gemacht hast!" „Ja, den Abend haben wir im Bootshaus ge- feiert, das wackelte wie 'ne Nußschale im Ozean — so vergnügt waren wir Und der dicke Conny war so betrunken, daß er im Rhein nach Koral- len tauchen wollt'..." „Gott ja, eine halbe Stunde lang Hab' ich mich an sein Bein gehängt— sonst läg' er jetzt wohl da unten zwischen Bierflaschen- fcherben und Konservenbüchsen—" „Und gar keine schöne Wasserleiche wär' er gewesen!"--- (Fortsetzung folgt.) er feststellen, daß ihm die ganze Stimmung zum ' Sterben verdorben war. Er besah seine Schuhe und seinen Rock, fühlte nach seiner Uhr und klim- perte mit dem Geld in seiner Tasche. Langsam fchritt er dahin— den Weg nach Hause— und ein boshaftes Grinsen spielte um seinen Mund: „Jetzt erst recht nicht!" Und rüstig und unter- nehmungslustig betrat er die nächste Kneipe. Inzwischen verabschiedete sich auch der Fremde, den Knacke längst im Kittchen wähnte, vom Poll- zeikommissar:„Das ist die beste Kur, den Lebens- Überdruß von Menschen in Lebensmut umzu- kehren. Wenn es an den Besitz geht, dann wehrt sich die Kreatur. Wie viele schließen mit dem Leben ab, aber wie wenige wollen sich dabei von den irdischen Glücksgütern trennen Auf diese Weise ist es mir im letzten Jahre gelungen, mehr als einem Dutzend Lebensmüden auf die Beine zu helfen." Jltoumerlrümmerimg Seitdem der englische Physiker Rutherford nach- gewiesen hat, daß gewisse Elemente durch Alpha- Strahlen so zertrümmert werden können, daß sich aus ihrem Atomkern ein Stück abspaltet, be- fchäftigt sich die Physik in immer steigendem Maße mit der Atomzertrümmerung, um dadurch den tiefsten Geheimnissen des Aufbaues unserer Welt auf die Spur zu kommen. Alpha-Strahlen sind Elementar-Teilchen, die aus Helium-Atom- kernen bestehen. Diese aus zwei positiv elektrisch geladenen sogenannten Protonen bestehenden Ge- schösse, die mit ungeheurer Wucht und Schnellig- keit auf den fremden Atomkern aufprallen, schlagen aus diesem ein anderes Proton, den Kern eines Wasserstoffatoms heraus. Neben dieser natürlichen Atomzertrümmerung hat man auch versucht, das gleiche auf künstlichem Wege zu erreichen. Dabei sind aber ungeheure Energie- mengen notwendig, um die gewaltigen Urkräfte zu befreien, die im Atom gefesselt sind. Bor einiger Zeit haben deutsche Physiker zu diesem Zwecke die Gewitterspannung ausgenutzt, indem sie aus dem Monte Generoso eine Blitz- fanganlage errichteten. Aber �er große Nachteil dieser Apparatur besteht darin, daß man den Blitz nicht kommandieren kann, sondern, daß dieser nur kommt, wenn es ihm beliebt. Man mußte daher dazu übergehen, möglichst große Spannungen von Millionen Volt im Labora- torium zu erzeugen. Wie Dr. P. Lücke in der Leipziger„Illustrierten Zeitung" mitteilt, hat man mit Hilfe eines neuen Elektrizitätserzeugers, des sogenannten Stoß- generators, Spannungen von etwa 2% Millionen Bolt hervorgebracht. Es mußten dafür bis zu 4 Sekunden gleichzeitig Elektrizitäts- mengen von mehreren Tausend Ampere erzeugt werden. Es wurde dann ein Entladungsrohr ge- baut, in dem mü Hilfe der riesigen elektrischen Energien die Elementarteilchen auf die Zu zer- trümmernden Atome abgeschossen werden. Ein jetzt im Bau befindlicher Stoßgenerator soll Spannungen bis zu 7 Millionen Bolt er- möglichen. Die Leistungen des Entladungsrohres wurden dadurch vergrößert, daß mehrere hinter- einander geschaltete Röhren benutzt werden. Auf diese Weise ist es bei den deutschen Versuchen gelungen, die Atome millionenweise zu vernichten. Doch ist die Energie noch immer nicht groß genug, um die Atome der schweren Elemente in ihre Be- standteile aufzulösen. Man hofft, dies mit der 7-Millionen-Volt-Anlage fertig zu bringen. Jeden- falls haben die Experimente gezeigt, daß der Mensch imstande ist, die gewaltigen Energien zu erzeugen, die notwendig sind, um die Kräfte des Atoms zu entfesseln.