Abend- Ausgabe Nr. 480 B 232 49. Jahrg. Redaktion und Verlag: Berlin 5� 68, Lindenstr. 3 S-tnslK-ch«� 917 9lm! Dönhofs 292 bi» 297 Telegrammadresse: Sozialdemokrat Berlin BERLINER VOLKSBLATT DIENSTAG 11. Oktober 1932 In Groß- Berlin 1 0 Pf. Auswärts...____ 10 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe am Schluh des redaktionellen Teils Jentvatovgan der Soziatdemokeatische« Partei Deutschtands Präsidial-Diktatur Bill Beispiel hurZerlicher Verirrung Aus durchsichtigen Gründen ist die deutsche Reaktion gegenwärtig bemüht, es so hinzustellen, als ob in Deutschland eine Reform der ge- schriebenen Verfassung eine drin- g e n d e Staatsnotwendigkeit sei. Glaubt sie doch dadurch ihre Herrschaft endgültig befestigen zu können. Die offiziellen Stellen haben sich bisher mit Andeutungen begnügt. Der erste maßgebende Autor, der einen Verfassungsentwurf nebst Ve- gründung vorlegt, ist der frühere Reichsminister Eugen Schiffer, der im Verlag Reimar Hobbing, Berlin, soeben ein Büchlein über die neue Verfassung des Deutschen Reiches hat er- scheinen lassen. Sein Verfassungsentwurf, der nur 38 Artikel umfaßt, ist im Grunde nichts weiter als ein Versuch, die gegenwärtige Prä- sidialdiktatur Hindenburgs auch für die Zukunft als deutsches Verfassungsrecht zu statuieren. Bei näherer Besichtigung dieses Ent- wurfs stellt sich heraus, daß das einzige Recht, das dem Volk bleibt, die Wahl des Reichspräsidenten in vierjährigem A b st a n d ist Zwar kann das Volk auch ein Volkshaus wählen(charakteristischerweise hat der Verfasser vergessen, für diese beiden Wahlen etwas über den Wahlmodus verfassungsrechtlich zu verankern); aber dieses Volkshaus ist aus dop- peltem Grund noch bedeutungsloser als der ehe- malige Reichstag des Kaiserreichs. Einmal ist es bei all seinen Akten an die Z u st i m m u n g eines sogenannten Ständehauses gebunden, das nach einem ebenfalls nicht näher bestimmten Modus von Landesregierungen, Gemeinden, wirt- fchafllichen, sozialen und kulturellen Verbänden beschickt wird, also im wesentlichen eine Nach- bildung des faschistischen Parlaments ist. Aber selbst mit diesem Ständehaus zusammen hat es weder auf die Ernennung, noch auf die Entlassung des Reichskanzlers und der Regierung praktischen Einfluß. Außerdem hat es aber sowohl zum Unterschied von dem ehemaligen Reichstag als auch von der Legislative in den Vereinigten Staaten ein seinem Umfang nach Höchst b e- schränktes Gesetzgebungsrecht. Denn der Reichspräsident hat nicht nur das Recht, bei Störungen der öffentlichen Sicherheit und Orb- nung Maßnahmen zu treffen, sondern er' hat auch ei» dem Umfang der heutigen Notvcrordnungs- praxis gleichkommendes Recht, Gesetze zu er- lassen, wenn ihr Erlaß unaufschiebbar ist und der Reichstag sich außerstande erweist, sie zu er- lassen. Das Außerkraftsetzungsrecht besitzt das Parlament nur auf dem Papier. Denn entweder muß es dazu mit Zweidrittelmehrheit beider Häuser den Präsidenten wegen Ver- sassungsverletzung anklagen, was bei dieser Art von Verfassung ein Kunststück sein dürste, oder es muß andere demselben Zweck dienende Maß- nahmen beschließen. Da die Verfassung in der Sprache Carl Schmitts emphatisch verkündet, daß der Reichspräsident der Hüter der Verfassung sei und Berfassungsvcrletzungen zu rügen habe, so siegt auch in diesem Fall dieses Urbild eines Despoten, genannt Reichspräsident, leicht über den Reichstag. Freiheit?- und Sozialrechte kennt die Verfassung nicht. Ihre Existenz wird in die Hand des Reichspräsidenten sowie des mit ollen Sicherungen ausgestatteten Berufs- beamtentums gelegt. Zu diesem Ver- fassungsentwurs wird nicht viel zu sagen sein. Wir glauben, daß das K o p s sch ü t t e l n, mit dem nach der Meinung des Verfassers das Volk seine Vertreter betrachtet, die auch nach der Auf- lösung des Reichstags noch Diäten und Freifahr- karten beziehen, erheblich größer sein dürfte, wenn eine solche Verfassung jemals in Kraft treten sollte. Und das wäre wohl auch die einzige Re- aktionsform, die dem Volke bei jlieser Verfassung nach übrig bliebe. Da zudem Herr Schiffer seinem Werk eine so große Dauer zutraut, daß er es nur durch eine neue Nationalver- s a m m l u n g als abänderbar erklärt, müßte das Volk wohl bald zu dem Mittel der Revo- l u t i o» greisen, die zu verhindern gerade der Zweck des grundsätzlich neuen Verfasfungswerks von Gayl, Pape», Schiffer und Genossen ist. Amtriebe des Exkronprinzen Hoebverräterisebe Pläne zur Wiederherstellung der Monarchie Der Exkronprinz, der vor seiner Rückkehr aus Holland das Versprechen abgegeben hatte, sich aller Einmischungen in die Politik zu enthalten, entfaltet zur Zeit eine fieberhafte Tätigkeit, die auf seine Einsetzung zum Reichsverwcser unter Vruch der Verfassung und auf Wieder- Herstellung der Monarchie gerichtet ist. Dabei beweist er die vom Vater ererbte staats- männisch« Begabung dadurch, daß er für seine Pläne in den allerweitesten Kreisen Propaganda macht, ohne sich ihrer Zustimmung oder ihrer Verschwiegenheit zu versichern. Wir stellen unter Beweis, daß der Ex- kronprinz folgende Erklärung abgegeben hat: Papen, Schleicher, Hindenburg und er, der Exkronprinz, wüßten, was sie wollten und seien sich einig. Fn einem geeignet erscheinenden Zeitpunkt würde Hindenburg ihn zum Reichsver- Weser b c st i m m e n und zurücktreten. Er werde sich dann auf die Reichswehr, die auf das Reich übergegangene Schutz- Polizei und 4vvvl)l) bewaffnete Stahl- hclmer stützen. Einen neuen A. Novem- ber werde es nicht wieder geben. Die Träger dieses Planes seien entschlossen, für ihre Sache zu kämpfen und, wenn es sein müftte, zu sterben. Rupprecht von W i t t e l s b a ch sei mit ihnen ein- verstanden und werde an demselben Tage, an dem er, der Exkronprinz, Reichsverweser werde, an die Spitze eines Tonaukönigreichs treten. So der Exkronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen. Wir stellen, um es nochmals zu wieder- holen, unter Beweis, daß sich dieser Herr wiederholt im Gespräch mit politischen Persönlich- leiten in dieser Weise geäußert hat. Wir können nicht annehmen, daß die Mitteilun- gen des Exkronprinzen über den Reichs- Präsidenten der Wahrheit entsprechen, und richten an die verantwortlichen Reichsminister von Pape», von Schleicher und von Gayl die öffentliche Frage: Sind ihnen die Absichten des Exkron- Prinzen bekannt, und wie stellen sie sich dazu? Sind sie sich darüber klar, daß das Treiben des Exkronprinzen den Tat- be stand des Hochverrats erfüllt, und sind sie gewillt, die rechtlichen Konse- quenzen zu ziehen? Wird der Lber- reichsanwalt seine Pflicht tun? Pape» in München Man will die Verfassung reformieren Der Reichskanzler ist heute zu einem Staats- besuch in München eingetroffen. Die„Bayerische Staatszeitung" sagt zu dem Berliner Besuch, daß in Bayern gegen den neuen Kurs im Reich, und zwar vor allem wegen der in Berlin geplanten und von den verschiedenen Interessengruppen eifrig betriebenen Reichsreform, nach wie vor starkes Mißtrauen bestehe. Die maßge- benden Führer der bayerischen Politik würden deshalb dem Reichskanzler nochmals ihre Besorg- nisse vortragen, die aus der bisherigen Hand- habung des Artikels 48 durch die Papen-Regierung hervorgingen. Von dem Ergebnis der Münchener Besprechungen hänge es ab, ob von Papen und mit ihm die Reichsregierung sich auf ihrem dornen- reichen Weg die Gefolgschaft Bayerns sichern könnten. Bei diesem Staatsbesuch soll die vom Kabinett der Barone geplante„Verfassungsreform" be- sprachen werden. Gottheiner nimmt nicht zurück! Oer Reichsgerichtspräsident für Otto Braun Eigener Beridü des„Vormäris" FKI. Leipzig. 11. Ottober. Die Verhandlungen des Staatsgerichtshofes für das Deutsche Reich über die Klagen Preußens gegen das Reich begannen heute früh mit einer neuen Erörterung über die Angriffe, die am Montag der Reichsvertreter Gottheiner wie aus der Pistole geschossen gegen S e v e r i n g und Braun gerichtet hatte. S e v e r i n g hat bereits in Zwickau auf die Unsinnigkeit der Be- hauptung hingewiesen, daß er einen Reichs- kommisiar herbeigewünscht hätte. In bezug auf die Behauptung, Ministerpräsident Braun habe sich„hochbefriedigt" über die Regelung seiner Ge- Haltsfrage geäußert, gaben die Vertreter Preußens die formulierte Erklärung ab, daß die Anfrage nach der Gehaltsregelung durch die Prozeß- Vertreter veranlaßt sei, und zwar deshalb, weil aus der Behandlung der Gshaltsfrage durch die Kommissare unter Umständen gewisse juristische Schlußfolgerungen für diesen Prozeh zu ziehen sein würden. Absolut unwahr sei, daß Braun sich„hochbefriedigt" über die Regelung seiner Bezüge ausgesprochen habe. Der Reichsvertreter G o t t h e i n e r hielt es nicht für nötig, die augenscheinlich zu politischen Zwecken in den Zuhörerraum geschleuderte Ver- dächtigung zurückzunehmen. Deshalb fühlte sich der Präsident Bumke veranlaßt, au-zu- sprechen, daß die Annahme, ein Mann wie Braun könnte sein Verhältnis zu Preußen nur oder hauptsächlich nach der Geldseite betrachten, als Bie f'rtijfnungsiiizung des Staatsgerichlstwfs völlig abwegig zu bezeichnen sei. Er baute dem Gottheiner eine Brücke, indem er anzunehmen vorgab, Gottheiner sei mißverstanden worden. Aber Gottheincr schwieg, und der Preußenver- treter mußte feststellen, daß der Reichsvertreter die unwahre Verdächtigung nicht zu- rücknehme. Die Erörterungen wandten sich dann der Frage zu, ob und unter welchen Modalitäten der Staats- gerichtshof Zeugen vernehmen könne. Der Vorsitzende meinte, die Minister von der einen und von der anderen Seite seien doch Partei, und die Parteien könne man doch nicht vereiden. Professor Heller wiederholte seinen Antrag, die Herren von Gleichen und von Alvenslebcu darüber zu vernehmen, daß die Beseitigung der republikanischen Preußen-Regierung schon im Rahmen der Abmachungen zwischen Papen und Hitler beim Sturz Brünings gelegen habe. Im weiteren Verlaufe der Vormittagssitzung brachte der preußische Ministerialdirektor Brecht die Dinge zur Sprache, die sich nach der Amts- Übernahme des Reichskommissars und seiner Kommissare abgespielt haben, vor allem die viel- Gevering gegen Gottheiner ■Abwehr von Wahllügen Genosse Carl Severing befindet sich zur Zeit auf Wahlreisen. Am Montagabend weilte er in Zwickau, wo er über die Erklärungen Gottheiners vor dem Staatsgerichtshof befragt wurde. Seve- ring erklärte dazu wörtlich: „3ch habe niemals Herrn von Gayl zu der Einsetzung eines Reichskommissars ermuntert. Ich habe ihm in einem Gespräch lediglich gesagt, daß ich mir sehr wohl denken könne, daß nach den Reichstagswahlen(die Ende Juli stattfanden) die Zeit reif sein werde, um jenen Plan der Ber- wirklichung näherzubringen, der im Sommer 1931 zwischen Ministerpräsident Braun und Reichs- kanzler Brüning erörtert worden ist: in einer Personalunion zwischen Reich und Preußen eine Zusammenlegung der Ministerien herbeizuführen. Ich habe aber andererseits im Gegenteil dringend gebeten, nicht ohne gesetzliche Grundlage einen Reichskommissar einzusetzen. Ich habe späterhin auch eine öffentliche Erklärung über mein Gespräch mit Herrn von Gayl veröffentlicht, als Gerüchte im Gange waren, daß das Reichsinnenministerium die preußische Polizei auf das Reich übernehmen wolle. Ich habe Herrn von Gayl gefragt, ob er die Quelle dieser Gerüchte kenne. Herr von Gayl hat damals verneint und dabei sich noch auf meine Erklärung berufen, daß die preußische Polizei fest in der Hand der Re- gierung sei. Ein anderes Gespräch über die Ein- setzung des Reichskommissars habe ich mit Herrn von Gayl nicht gehabt." fachen endgültigen Ernennungen von Beamten unmittelbar vor dem Zusammentritt des Staatsgerichtshofes. Der Eindruck sei nicht wegzudisputieren, daß die Reichsregierung immer neue„fertige Tatsachen" zu schaffen beab- sichtige, deren Aushebung und Beseitigung auch dem Staatsgerichtshof nicht mehr möglich sein würde. Man habe beim Staatssekretär Meißner über diese Neuerungen Beschwerde geführt angesichts der Tatsache, daß der Reichskommissar für Preußen sich weder dem Landtag noch sonst einer Instanz verantwortlich fühle. Die Beschwerden seien mit Ernst aufgenommen worden. Mehr darüber wolle die preußische Prozeßver- tretung im Augenblick nicht sagen. Aber unmittelbar nach ihrer Besprechung bei Meißner sei eine weitere Liste von Neuernennun- gen veröffentlicht worden. Daraus gehe hervor, daß der Reichskommissar und die von ihm beauf- lragten preußischen Kammissare nicht die Absicht hätten, sich als vorübergehend funktionäre Er- scheinungen zu betrachten, sondern sich als völligen Ersatz für die versassungs- mäßige Regierung ansehen und nur in einem Punkte von den Pflichten des Ministeriums abweichen, nämlich in dem, daß sie sich nicht für gebunden fühlten an die Beschlüsse des Landtags und auch nicht für verpflichtet fühlen, dem Landtag Rechenschaft zu geben. Es sei übrigens, so fügte der preußische Ver- treter hinzu, erschreckend, wie weit sich das Ge- fühl verbreitet habe, daß die Frage zusammen- gefaßt werde:„chaben wir überhaupt noch einen ernsten Glauben an Rechtszustände in Deutschland?" Solche Gleichgültigkeit um den Reichsgedanken sei in der breitesten Oeffentlichkeit vorhanden und das Berhalten der gegenwärtigen Reichs- regierung gegen die Autorität des Staatsgerichts- Hofs sei nicht geeignet, das Mißtrauen zu be- seitigcn. Es sei peinlich, wenn man die Frage höre:„Glauben Sie wirklich, daß der Staatsgerichtshof es wagen wird, Recht zu sprechen?" Man brauche dieses Mißtrauen nicht zu teilen, müsse aber mit Be- dauern feststellen, daß es immer weiter um sich greisen werde. Der Reichsvertreter G o t t h e i n e r hielt es für notwendig, gegen die„Unterstellung" schnarrend zu protestieren, daß die Reichsregie- rung selber den Standpunkt vertrete, der Staats- gerichtshof werde es nicht wagen, Recht zu prüfen und Präsident Bumke glaubte jeden Appell an den Gerichtshof ablehnen zu müssen. Solcher Appell habe immer nur die Folge, außen miß- verstanden zu werden. Diese Aeuherung läßt fast vermuten, daß aus dem politischen Verfassungsprozeh langsam eine juristische Flohknackerei werden könnte. Dazu bieten die hier zur Debatte stehenden Fragen allerdings hinreichend Stoff. Nur ist noch nicht entschieden, ob der Staatsgerichtshof als Ver- fassungsstreitinstanz heut« schon geneigt ist, sich selb st für überflüssig zu erklären! Der WaMtg{„ zzelglm Goebbels verboten 5portp»la»tver»smmlunx cjer�LD�?. nicht zugelassen Die für Mittwochabend angesetzte Kundgebung der NSDAP, im Berliner Sportpalast, in der neben Dr. Goebbels der Präsident des Preu- ßischen Landtages, Kerrl, sprechen sollte, ist vom Polizeipräsidenten verboten worden. Die Gründe des Verbots sind noch nicht bekannt- gegeben worden. Eigener Bericht des„Vorwärts" Brüssel, 11. Oktober. Der sozialistische SiegbeidenGemeinde- wählen erhöht sich stündlich. Znsgesamt haben die Sozialisten 300 Mandate gewonnen und 50 verloren. Zn 74 neuen Gemeinden sind Mehrheiten erobert, denen der Verlust von 15 Mehrheiten gegenübersteht. Der Gewinn geht aus kosten der Katholiken und der Christlich-Demokraten. Bemerkenswert ist der Mißerfolg der Kommuni st en und der Rückgang der f l ä m i» schen Nationali st en, die zwar in der Pro- vinz Limburg stärker als bisher eingedrungen sind, dagegen in Antwerpen und Ost- und Westflandern, wo sie ihre Hochburgen hatten, er- heblich an Boden verloren haben. In Brüssel verlieren die Katholiken vier Sitze, die Kommu- 230 gewonnene Gemeinderatssitze nisten einen Sitz, während die Sozialisten zwei Sitze gewinnen. Dieses Ergebnis ist typisch für eine ganze Reihe von Gemeinden in allen Gegenden. In Eupen-Malmedy, von wo die Ergebnisse noch nicht vollständig vor- liegen, haben die Sozialisten sehr starke Er- folge zu oerzeichnen. In der Stadt Malmedy, wo sie bereits die Mehrheit hatten, haben sie noch weitere zwei Sitze hinzugewonnen. Sie besitzen hier jetzt acht Mandate von insgesamt elf. Alle anderen Gemeinden des Grenzgebietes, deren Ergebnisse vorliegen, weisen einen s o z i a l i st i- schen Stimmenzuwachs aus, der durchweg auf Kosten der Katholiken geht. Wie die deutschen Parteien des Eupener Gebiets abgeschnitten haben, läßt sich augenblicklich noch nicht klar übersehen. Die gesamte bürgerliche Presse gibt den Sieg der Sozialisten zu. wenn auch einige Blätter sich durch Beschönigung des Ergebnisses zu trösten suchen. Im M i n i st e r r a t am Montag wurde die neu geschaffene Lage besprochen und beschlossen, nicht von der Möglichkeit einer Parlamentsauflösung zu sprechen, um nicht den Eindruck einer panikartigen Flucht zu erwecken. Wie lange dieser Beschluß aufrechterhalten wird, bleibt abzuwarten Den Katholiken hat das Ergebnis der Gsmeindewahlen die Lust zu baldigen Paria- mentswahlcn gründlich verdorben, aber ihre libe- ralen Verbündeten dürften dagegen den jetzigen Zeitpunkt für sich als verhältnismäßig günstig be- urteilen. Das Brüsseler Ergebnis Brüssel, 11. Oktober. Bei den Gemeindewahlen in Brüssel erhielten: Stimmen Sitze 28 046(+ 1215) 12(-f 2) 30 715(—7448) 12(—3) 4160(—1200)— 34 778(+ 4290) 15(+ 3) 1 889(+ 589)— 6 305(—1078) 1(— 1) Sozialisten.... Kons. Katholiken.. Christl. Demokraten. Liberale..... Fläm. Nationalisten. Kommunisten... ziehen dem neuen Reichstag vorbehalten bleibe. Die Regierung beweise vor aller Welt, daß sie nicht den Mut finde, für die Mißerfolge chrer Außenpolitik einzustehen. Das Wohl der Nation verlange gebieterisch die alsbaldige Beseitigung dieses verderblichen und verfassungswidrigen Zustandes. Breitscheid erklärte dazu, daß die Zustim- mung der Sozialdemokraten aus anderen Gründen und mit anderen Zielen erfolge, als die Antrag- stellcr sie verfolgten. Es sei eine eigenartige Jahresfeier von Harzburg, daß die Nationalfozia- listen gegen«ine angeblich nationale Regierung einen Antrag einbrächten, dem auch die Sozial- demokraten zustimmen könnten. Dies könne jedoch nur geschehen nach der Feststellung, daß die Na- tionalsozialistcn selbst den von ihnen gerügten ver- derblichen und verfassungswidrigen Zustand her- beigeführt hätten, indem sie der Regierung von Papen m den Sattel verhalfen. Auswärtiger Ausschuß Die Regierung ist nicht erschienen Der Auswärtige Ausschuß des Reichstags trat heute vormittag unter Vorfitz des National- so.zialisten Fr ick zusammen. Die Reichsregierung war nicht anwesend. Vom Reichsrat waren die Vertreter Hamburgs und Thüringens erschienen. Es fehlten die Deutschnationalen. Zentrum und Bayerische Volkspartei waren durch die Abgeordneten Dr. Bell und Graf Quadt vertreten. Zur Geschäftsordnung nahm Breitscheid das Wort, um namens der Sozialdemokratischen Partei gegen das versassungs- widrige Verhalten der Regierung und ihre ver- hängnisoolle Außenpolitik, die das Reich in eine neue Einkreisung hineintreibe, schärfsten Protest einzulegen. Der Auswärtige Ausschuß, sein Kontrollinstrument, ist nur im Zusammen- wirken mit der Regierung funktionsfähig. Sach- liche Beratung wäre nur leeres Schauspiel. Im weiteren Verlauf der Aussprache brachten das Zentrum und die Nationalsozialisten A n- träge ein, die gleichfalls gegen das versassungs- widrige Verhalten der Reichsregierung und ihre Außenpolitik protestieren. Ein kommunistischer Antrag, den Ausschuß in einen Untersuchungs- ausschuß umzuwandeln und ihn öffentlich tagen zu lassen, wurde abgelehnt. Gegen 12 Uhr mittags vertagte sich der Ausschuß um nach Drucklegung der Anträge wieder zusammenzutreten. Nach Wiederaufnahme der Sitzung wurde bei Richtbeteiligung der Komunisten einstimmig ein gemeinsamer Antrag Frick-Bell ange- n o m m e n, der den wiederholten Ver- fassungsbruch der Regierung feststellt, aus dem die verfassungsmäßigen Folgerungen zu Der Bettlermord ausgeklärt Ein Täter geständig— Das sensationelle Kreuzverhör ftesnard verläßt Berlin Der iZeuge von Thoiry Nach mehr als dreizehnjähriger Tätigkeit an der hiesigen französischen Botschaft verläßt Professor Oswald Hesnard die Reichshauptstadt, um den Posten eines Rektors der Universität von Grenoble anzutreten. Hesnard, der ein vorzüglicher Kenner Deutsch- lands ist, war bereits bald nach Kriegsende, noch vor der Wiederaufnahme der offiziellen diplo- matischen Beziehungen, nach Berlin gekommen, wo er sich unermüdlich um die Wiedcranknüpsung der politischen und vor allem der intellektuellen Fäden zwischen den beiden Ländern bemühte. Durch diese Pionierarbeit hat er nicht nur viele Freunde in den verschiedensten Kreisen, sondern auch das Vertrauen führender Staatsmänner gewonnen, namentlich Stresemanns und B r i a n d s. Seit Locarno diente er diesen beiden Vorkämpfern der deulsch-französischen Annäherung nicht nur als Dolmetscher, sondern er war darüber hinaus ein geschickter politischer und diplomatischer Vermittler, der in dieser Periode der Nachkriegsverhandlungen als beinahe unentbehrlicher Verbindungsmann galt. In dieser Eigenschaft nahm er unter anderen an dem berühmten Frühstück von Thoiry teil, dessen einzig überlebender Zeuge er nunmehr ist. Nach dem Tode von Stresemann und später von Briand hatte allerdings die Rolle Hesnards einen großen Teil ihres Sinnes verloren, da sie vor allem auf dem persönlichen Vertrauen be- ruhte, das ihm von beiden entgegengebracht wurde. Wie überhaupt es seitdem mit der deutsch-franzö- fischen Verständigungspolitik schnell bergab ge- gangen ist. Hesnard machte sich dennoch weiter um die kulturelle Annäherung verdient, indem er ein Heim für französische Studierende in Berlin gründete und leitete. Aber die ganze Einstellung in den Aemtern der beiden Hauptstädte ist in- zwischen eine andere geworden und für offiziöse Mittelsmänner ist heute kein richtiges Tätigkeits- feld mehr vorhanden. So ist Hesnards Abgang ein Symptom der Zeit, und kein erfreuliches. Ihm persönlich kann man nur in Anerkennung seiner verdienst- vollen dreizehnjährigen Arbeit in Berlin nur das Beste für feine weitere Unioersitätslaufbahn wünschen, aus der er ursprünglich stammt. Der Mord an dem 67 Jahre allen Schneider Friedrich k l e i n s ch m i d t in der Laubenkolonle „Miesengrund" ist seht durch das Geständnis eines Täters völlig ausgeklärt. Die Vermutung, daß das„Schneidcrlein" das Opfer eines gemeinen Raubmorde» geworden ist, hat sich bestätigt. Oer 19 Jahre alte Molorschlosser Bernhard W o b s e r hat ein umfassendes Geständnis abgelegt. Auch das Ehepaar Lemke hat im verhör jetzt zugeben müssen, daß die Aeuherung aus der verhängnisvollen Bierreise, den Allen„fertigzumachen", zutrifft. Die beiden Mörder sowie das Ehepaar werden noch im Laufe des Tages dem Richter vorgeführt. Im Laufe der vergangenen Nacht wurde Warnstädt, der der„Pamher" genannt wird, sowie Wobser getrennt voneinander einem scharfen Kreuzverhör unterzogen. Warn- slädt bestritt das Verbrechen und behauptete, daß die Polizei sich irren werde. Er wäre es nicht gewesen, der den Mord beging, sondern ein anderer, den er nicht kenne. Wobser wurde erneut zum Verhör herangeholt. Jehl legte er ein Geständnis ab. In der Nacht zum Sonntag, dem 11. Septem- der. machte er sich gemeinsam mit Warnstädt aui den Weg, um den alten Mann zu bestehlen. Am Königsdamm— dicht vor dem Grundstück— lief ihnen eine schwarze Katze über den Weg. Beide sind sehr abergläubisch und kehrten sofort um. In der Nacht zum Mittwoch, dem 14. Sep- tember, trafen sie sich mit dem Ehepaar Lemke in einem Lokal in der Huttenstraße. Das Ehepaar ging gegen ein Uhr nach Haus«. In dieser Nacht geschah der Mord. Die beiden gingen hinaus, überstiegen den Zaun und drangen in die Baracke ein. Der alte Mann lag auf seinem Lager, und Warnstädt soll sich sofort auf ihn gestürzt haben. Wobser behauptet, daß sie in zwei Konserven- büchsen Zehn- und Fünfpfennigstücke gefunden hätten. Dieses Geld hätte Warnstädt auf einer Bank eingewechselt. Es wären über 50 Mark gewesen. Das andere Geld, das man noch Auf- finden der Leiche in einer Brieftasche«mdecktc, war ihnen entgangen. Als der Morgen graute. fürchteten sie, entdeckt zu werden und verließen eiligst die Mordstättc. Soweit ging das Geständ- nis des Wobser. Warnstädt bestreitet nach wie vor all«A._ Tragödie eines Arztes Doppelselhstinord Im hause H a u p t st r. 159 in Schönebcrg wurde heute früh die Tragödie eines Arztes entdeckt. Bekannte des dort wohnenden 53 Jahre allen Dr. med. F i d a o hatten mit der heutigen Früh- post Briese von ihm erhalten, in denen er seinen Selbstmord ankündigte. Als man daraufhin in die Wohnung eilte, fand man tatsächlich den Arzt sowohl als auch feine 32 Jahre alte Wirtschafterin, ein Fräulein Elöre Haupt aus der Flensburger Straße 1. vergiftet tot auf. Der Arzt hatte schon seit Iahren in dem ge- nannten Hause seine Praxis unterhalten, die aber immer mehr zurückging. Seit Jahresfrist ver- schlechterte sich seine wirtschaftliche Lage mehr und mehr, so daß sich selbst Hausbewohner fragten, wo- von der Arzt existierte. Dr. F. hatte Schulden ge- macht und war von den Gläubigern stark bedrängt worden. Als er keinen anderen Ausweg mehr fand, entschloß er sich— zusammen mit seiner Wirtschafterin— aus dem Leben zu scheiden. Die Wohnung wurde noch einmal gründlich gesäubert und dann nahmen beide— nachdem sie zuvor noch ausführliche Briefe an Bekannte gerichtet und über ihren Nachlaß entsprechende Anordnungen getroffen hatten— Gift. Die Leichen wurden be- schlagnahmt und ins Schauhaus gebrocht. kinderfreunde Grünau- Bohnsdorf. Morgen, Mittwoch früh, treffen sich die radfahrenden Roten Falken 9 Uhr, die anderen 1214 Uhr am Jugend- heim Wachtelstratz«. Rückkunft gegen 17 Uhr. Wetter für Berlin: Wolkig, mild, ohne erheb- liche Niederschläge: schwache Luftbewegung.— Für Deutschland: Im Nordosten noch Regenfälle, im übrigen Deutschland wechselnd bewölkt, ohne er- hebliche Niederschläge. Mild, schwachwindig. Der Mord an Elsrlebe Eine bestialische Tat vor Gericht vor dem Schwurgericht des Landgerichts N begann der Mordprozeß gegen den 54jährigen Schlosser Gustav Loose aus Alexaaderdorf, der beschuldigt wird, die vierjährige Elfriede Braun am 1. August 1931, nachdem er sich an dem Kinde vergangen hatte, mit Ueberlegung getötet zu haben. Der Angeklagte, der seit langem in Alexander- dorf wohnt, war dort als Trunkenbold be- könnt und gefürchtet. Loose ist schon mehrmals wegen Sitllichkeitsverbrechen an Kindern ange- klagt, einmal wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen, das andere Mal aus ß 51 infolge seiner Trunkenheit. Bei allen diesen Fällen spielte Schokolade eine Rolle, durch die er die Kinder an sich gelockt hatte. Die kleine Elfriede wurde an dem fraglichen Tage seit Mittag vermißt. Die Suche blieb an diesem Tage erfolglos. Schließ- lich fand man am nächsten Tage in einer Kies- grübe des Kummersdorfer Forstes die Leiche des Kindes im Sande verscharrt. Die Kies- grübe liegt etwa 80 Meter von dem Haufe des Angeklagten entfernt. Auf ihn lenkte sich auch sofort der Verdacht. Eine zehnjährige Schülerin halle als letzte das Kind um 103« Uhr vor dem Hause des Angeklagten gesehen Seitdem fehlte jede Spur von dem Kind. Bei seiner Festnahme hatte der Angeklagte zunächst alles bestritten, später hatte er zugegeben, mit dem Kinde in der Kiesgrube zusammengetroffen zu sein und es in seiner Trunkenheit mit einem alten Kochtops, den er aufgenommen hatte, niedergeschlagen zu haben. Auf weiteres wollte er sich nicht besinnen können. da er unter dem Einfluß des Alkohols gestanden habe. Vor dem Schwurgericht erklärte der An- geklagte: Ich kann es nicht getan haben. Landgerichtsdirektor Dr. H a r t m a n n: Jetzt kommen Sie wieder mit etwas anderem. Früher haben Sie doch die Möglichkeit zugegeben. A n- geklagter: Ich hatte den festen Vorsatz, mir nichts mehr zuschulden kommen zu lassen, und nach meiner letzten Freilassung beim Kreisarzt bean- tragt, längere Zell in einer Trinkerheilanftall auf- genommen zu werden. Ich habe auch 70 M. für Hellmittel ausgegeben. Sobald ich betrunken bin. kommt der Trieb immer über mich. Ich habe oft die Kinder mit Steinen weggejagt. Der Anstalls- arzt Dr. Balluff, der den Angeklagten in Wittenau beobachtet hat, verneint in Uebereinstimmung mit Medizinalrat v. Marnholtz, daß bei dem An- geklagten K 51 in Frage komme. Zur VerHand- lung sind außer den Sachverständigen etwa dreißig Zeugen geladen. Tod im U-Bahniunnel «Zugbegleiters schreckliches Ende Auf dem Untergrundbahnhof Breitenbachplatz ereignete sich heute vormittag ein tödlicher lln- glücksfall. Gegen 11 Uhr wurde in dem hinter dem Bahnsteig gelegenen Tunnelabschnill der 32jährize Zugbegliiter Ernst Hall was aus der Hundekehlenstr. 12 in Schmorgendorf von einem rangierenden U-Bahnzug ersaht und über» fahren mehrere Wagen rollten über den Ver- unglückten hinweg. Der Tod trat auf der Stelle ein. Die Leiche wurde von der Feuerwehr ge- borgen und ins Schauhaus gebracht. Durch den Unglücksfall wurde der Berkehr einige Zeit ge- stört. Klarheit- und nicht dunkle Geschäfte! Was„Auflösung des Grunderwerbsstocks" bedeutet— Berlins Grundbesitz (Ein Sonderausschuß der Skadwerordnekenver- sammlung hat der Auflösung des sogenannten Grunderwerbsstocks der Stadt zugestimmt. Damit ist auch formell eine Aenderung sanktioniert, die bereits seit der Ausstellung des diesjährigen Etats besteht und aus die Znitiatwe des Stadtkömmerers Genossen A s ch und des Grundstücksdezernenten Genossen Dr. Heuer zuriickzusühren. •k Es handelt sich dabei um mehr als um eine bloße Formalität. Der breiteren Oeffentlichkeit ist es gewiß nicht gleichgültig, ob Einnahmen und Ausgaben für städtische Grund st ückskäufe und Grundstücksverwertung innerhalb oder außer- halb des eigentlichen Haushaltsplans verrechnet werden. Aber die Oeffentlichkeit und das von ihr eingesetzte Kontrollorgan aller kommunalen Arbeit, die Stadtverordnetenversammlung, muß verlangen, daß über die Kosten städtischer Grundstücksver- Wertung vollste Klarheit herrscht. Das war bei dem bisherigen Modus besonders unter der Aera Busch zweifellos auf die Dauer n i ch t der Fall. Als die städtischen Körperschaften im Jahre 1922 den besonderen Grunderwerbsstock neben dem Etat schufen, gingen sie von dem Gedanken aus, daß die Mittel für eine vorausschauende Grundstückspolitik durch den Verkauf entbehrlichen Grundbesitzes be- fchafst werden sollten, daß dieser„Stock" sich also in sich selber rentieren müsse. Im Laufe der Zeit ging aber der U e b e r b l i ck über die tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben wie auch über das Grundstücksvermögen der Stadt immer mehr vcr- loren. Das lag nicht nur daran, daß das damalige Grundstücksdezernat einen Scheinausgleich durch „zu erwartende" Einnahmen aus„künftigen" Der- käufen vornahm, sondern auch an der Verquickung des Zinsendienstes mit den Kaufskapitalien und der Schuldentilgung, an der fehlenden Abschreibung und endlich daran, daß ein großer Teil der Grund- stücke trotz des vorhandenen zentralen„Stocks" in den Etats der Bezirke geführt wurde Tat- sächlich arbeitete der„Stock" bereits seit 1925 mit einem immer mehr anwachsenden Defizit, während er nach der formellen Ausstellung des Grundstücksdezernats beispielsweise sogar in den Jahren 1928 und 1929 noch zu balancieren schien. GnmdverrnoZell der Stadt hier haben nun der neue Kämmerer und der neue Grundstücksdezernent Klarheit geschaffen und der Stadtverordnetenversammlung zum ersten Male in diesem Jahre einen Ueberblick über die tatsächlichen Verhältnisse verschafft, indem sie das Grundeigentum der Stadt, feine Erträgnisse und Lasten wieder im Rahmen des ordentlichen Etats in einem besonderen Kapitel vereinigten. hier werden alle Einnahmen und Ausgaben für diejenigen Grundstücke aufgeführt, die keiner be- stimmten Fachverwaltung für ihre eigenen Zwecke zugewiesen sind, daneben die laufenden Zinsen, die Verzinsung und Amortisation der dafür aufge- nommenen Anleihen usw. Das etwaige Defizit tritt also im Haushalt klar in die Erscheinung und muß durch Einnahmen des Haushalts sofort wieder ausgeglichen werden. Die Stadtverordneten sind jederzeit in der Lage, die finanzielle Aus- Wirkung der städtischen Grundstückspolitik, ihre Vorteile und ihre Schwächen zu überblicken und zu kontrollieren. Das Vermögen der Stadt an Grundbesitz beträgt zur Zeit nach den Berechnungen, die Stadt- rat Dr. Heuer im Ausschuß vortrug, ohne die kommunalen Verwaltungsgebäude, Anstalten usw. rund 143 Millionen Mark, hierbei sind 77 Mil- lionen Mark bereits für die inzwischen eingetretene Wertoerminderung abgeschrieben. Die Grundstücks- Verwaltung ist bemüht, einzelne Stücke dieses Be- sitzes zu angemessenen Preisen und möglichst gegen volle Barzahlung zu veräußern, um dadurch einer- seits die Bautätigkeit zu fördern und andererseits die Kassenlage der Stadt nach Kräften zu er- leichtern. Aber selbstverständlich wäre nichts ver- sehlter, al- wenn man jetzt große Teile dieses Be- sitzes verschleudern würde oder wenn man Millionenwerte im Augenblick ausbieten wollte. Die Verantwortung für eine vernunftgemäße Verkaufspolitik der jetzigen Zeit der Not ist nicht weniger schwer als die Verantwortung für eine weitblickende Vorratspolitit in besseren Zeiten. Voraussetzung für beide ist rechnerische Klarheit und Eindeutigkeit. Sie ist jetzt geschassen worden. Kwdermlßbrauch Geschichte der Krankheiten Die sozialdemokratische Fraktion hat im Landtag einen Antrag eingebracht, der sich mit dem Pots- damer Jugendtag der Nazis befaßt. In diesem Antrag heißt es: „In zahlreichen Bezirken Graß-Berlins sind die größten Vorsichtsmaßnahmen gegen die Gefahr der Weiterverbreitung ansteckender Kinderkrank- heiten, wie spinale Kinderlähmung, Windpocken. Scharlach und Masern, gerroffen. Die Impf- termine sind in vielen Fällen aus denselben Grün- den ausgesetzt. Den Nationalsozialisten mußte das alles bekannt sein. Trotzdem haben sie in der leichtfertigsten Weise die Kinder zu Tausenden in Potsdam zusammengetrieben, ohne Rücksicht auf Herausforderung Vortrag?rof. Ludwig Aschoffs Das angekündigte Rededuell zwischen Nazis und Deutschnationalcn Leben und Gesundheit der Kinder, nur um ihr Agitationsbedürfnis zu befriedigen. Wir bean- tragen: Der Landtag wolle beschließen, den Reichskommissar zu ersuchen, dem Landtag über folgende Fragen Auskunst zu geben: 1. Welche Maßnahmen haben die National- sozialisten in Verbindung mit der Polizei ge- troffen, um den selbstverständlichsten Aniorderun- gen der Jugendpflege und den einfachsten Geboten der Gesundheikpflege bei einem Massenaufmarsch wie diesem zu genügen? 2. Welche Vorkehrungen haben die Behörden getroffen. Um die Unterbringung und Verpflegung der Kinder in einer der herbsllichen Jahreszeit und der damit verbundenen erhöhten gesundheit- lichen Gefährdung entsprechenden Weise aus- reichend zu sichern? 3. Welche Fälle von Krankheiten. Unglücksfällen ufw find verzeichnet? Die Feststellungen über d:e Erkrankung der Kinder beim Hitler-Tag in Potsdam haben in der Oeffentlichkeit berechtigtes Aussehen erregt. Die Reichsjugendführung der NSDAP, versucht, sich reinzuwaschen, sie hat uns deshalb eine„Berich- tigung" gesandt, in der versichert wird, daß am Dienstag nach dem Hitler-Tag in Potsdamer Krankenhäusern nur 11 Kinder lagen. Im Rahmen der Hauptversammlung der Notgemeinschast der Deutschen Wissenschaft sprach Montag abend in der Berliner Universität Professor Ludwig A s ch o f s- Freiburg i. Br. über das Thema:„Vom Kommen und Gehen der Krankheiten." Zunächst erläuterte er den Begriff der Krankheit, worunter er jede Gefährdung der biologischen Existenz- und Fortpflanzungsfähigkeit versteht. Dann wandte er sich der Frage zu, welche Art von Krankheiten in diesem Sinne bei den Vorläufern der heutigen Menschheit vorhanden gewesen sein mögen. Er wies darauf hin, daß nur die Knochen- b e f u n d e, etwa des Neandertal-Menschen, uns Auskunft über damals vorhandene Leiden und Krankheiten geben könnten, glaubt aber, daß die eigentlichen epidemischen Seuchen in der heute bekannten Form noch nicht existiert haben. Vielmehr haben wohl die durch klimatische Ein- flüsse bedingten krankhaften Prozesse vorgeherrscht (chronischer Gelenkrheumatismus). Erst mit dem Auftreten des heute lebenden Menschen und mit der Gliederung in die verschiedenen Rassen scheinen die chronischen Seuchen, der Tuberkulose, des Aussatzes und der Syphilis bemerkbar geworden zu sein. Jedenfalls beweisen die Knochensunde aus den älteren Entwickelungs- Perioden der jetzigen Menschheit das allmähliche Auftreten dieser Erkrankungen am Knochensystem. Diese Seuchen sind zweifellos auf die immer dichter werdende Bevölkerung zurückzuführen. So ist die T u b e r k u l o s e bei frei lebenden No- madenoölkern als Seuche unbekannt. Besonders wichtig erscheint die Frage des ersten Auftretens der Syphilis in Europa. Bekanntlich bildet der Streit, ob diese Erkrankung mit der Expedition des Columbus von Amerika erst nach Europa gebracht oder umgekehrt von den Begleitern des Columbus nach Amerika importiert worden ist, noch heute den Gegenstand lebhafter wissenschaftlicher Erörterungen. Auffallend ist jedenfalls, daß unter den europäischen präcolumbischen Skelett-Teilen nichts von richtiger Syphilis nachzuweisen ist. Aber neueste wissenschaftliche Publikationen sprechen dafür, daß an sicher präcolumbischen Knochen Amerikas ausgesprochen syphilitische Ver- änderungen nachgewiesen werden können. Weiterhin wird von dem Referenten die Be- deutung der Z i v i l i s a t i o n für die Ernährung und die sogenannten Ernährungskrank- heiten betont. Daß auch hierbei der Verkehr eine Rolle bei der Ausbreitung gespielt haben könne, wird an Hand der B e r i b e r i- Krankheit gezeigt. Sodann geht der Redner auf die Beben- tung der Umwelt, besonders für die Funk- tion der Drüsen mit innerer Sekretion, an dem Beispiel des K r o p f c s ein und hebt die Wich- tigkeit einer geographischen Pathologie hervor. Di« Arteriosklerose wird dann in ihrer Bedeutung kurz skizziert. Als Krankheiten, die besonders mit der Verfeinerung der Ernährung in engen Zu- fammenhang gebracht werden müssen, sind die Gicht, das Magengeschwür, die Blut- pfropfbildung und der Bluthochdruck zu nennen. In weiteren Ausführungen wird dann auf das Austreten und die Wanderung der akuten Seuchen durch Uebertragung der Seuchen- erreger hingewiesen. Schließlich geht der Vor- tragende auf die Krankheiten ein, die wahrschein- lich schon bei den Vorläufern der jetzigen Mensch- heit bestanden haben. Das sind Miß- u n d G e- schwul st bildungen. Diese Mißbildungen ILin Sturm im Wasserglas Die revolutionären Künstler Der Bund revolutionärer Künstler hat jetzt die Arbeiten seiner Mitglieder, die aus dem Schloß Bellevue ausgewiesen wurden, der Oeffentlichkeit in der Klosterstrahe 25, I. Stock, für die Zeit vom 9. bis 29. Oktober zur Prüfung unterbreitet. Leider enttäuscht die Schau nach allen Richtungen: weder hätte sie die Nerven der preußischen Macht- Haber politisch so ungebührlich zu reizen brauchen, noch rechtfertigt sie ein kunstkritisches Eintreten für die Gemaßregelten. Es haben wieder einmal, beliebter Fall bei uns, Berge gekreißt und Mäus- chen geboren. Echte Gesinnung ist schön, man muß sie nur auch als Künstler auszudrücken wissen. Unter den Ausgestellten wirkt Otto Nagel mit seinen Proletarierporträts durchaus ernsthaft: man kann den Photomontagen von P e w a-. den grimmigen Zeichnungen von G ü die Anerkennung nicht versagen, und die architek- tonischen Entwürfe von Erich K r a n tz verleugnen die gute Schulung des Deffauer Bauhauses nicht. Hätte man sich auf diese beschränkt, so wäre wahr- scheinlich die ganze Zensurierung durch die preußische Finanzdirektion unterblieben. Bon dem Sturm im Wasserglase bleibt mir das Bedauern bestehen, daß man diese schwache Sonderkollektion je zur Diskussion gestellt hat. p. t. scb. wurden auf Störungen der Entwicklung zurück- geführt. Andererseits ist es selbstverständlich, daß die bösartigen Gewächste mit zunehmender Diffe- renzierung der Organismen häufiger auftreten. Während der Pflanzenwelt, soweit wir heute wissen, echte Geschwulstblldungen fehlen, sehen wir diese in der Tierwelt auftreten, etwa von der Gruppe der Fische an. Trotz der massenhaften Infektion der niederen Lebewesen mit Parasiten aller Art aber ist von sogenannter Geschwulst- und Krebsentwicklung nichts bekannt, wohl der beste Beweis dafür, daß eine direkte Infektion mit Krebsentwicklung nichts zu tun hat. Dieser Stand- punkt wird heute von allen Pathologen vertreten. Man muß also annehmen, daß eine angeborene Neigung zur Gcschwulstbildung vorhanden ist. Daß tatsächlich eine Dererbbarkeit solcher Ge- schwulstbildung besteht, läßt sich aus Beobachtungen an Tierfamilien mit Sicherheit schließen. Diese Geschwulstanlage kann dann zur Entwicklung gutartiger und bösartiger Ge- schwulste führen. Besondere Reize, wie zum Beispiel physikalische oder chemische, können die Entwicklung der Geschwulst beschleunigen. Das haben die Versuche mit chronischer Teerpinselung. mit Krebsbildung nach Radium- und Röntgenbestrahlung genügend gezeigt. Wir finden darin nur eine Bestätigung für die Entstehung des Krebses bei allen denjenigen, welche sich be- ruflich mit solchen krebserzeugenden Reizen ab- geben müssen. Aber diese Reize spielen bei der Entstehung des Krebses eine geringere Rolle als die Anlage. Da wir die Ursache der letzteren vor- läufig nicht kennen, so ist auch die Verhütung des Krebsleidens noch ein frommer Wunsch. Herrliche Zeiten im Rundfunk Der Drahtlose Dienst berichtet auch über den Prozeß„Preußen gegen Reich". Sehr ausführlich wurde gestern das Referat des Reichsvertreters behandelt. Dafür ver! zichtete der„objektive" Beumelburgsche Drahtlose Dienst aber auf jede Darstellung der Erwiderungen des Ministerialdirektors Brecht: die Mitteilung von dessen Hinweisen auf die Haltung des Reiches gegenüber den aufbauwilligen Kräften der Nazis erschienen dem Beamten Beumelburg wohl nicht mit den Wünschen seiner Austraggeber vereinbar. Daß nur aus einer ehrlichen Gegen- überstellung der fachlich wichtigen Aussagen der Hörer überhaupt in die Lage versetzt wird, sich ein Bild von den Grundlagen dieses bedeutungs- schweren Rechtsstreits zu machen, spielt für den heutigen Drahllosen Dienst selbstverständlich keine Rolle. Ein Idealbild patriarchalischer Wirtschaftsord- nung, so wie es unseren zur Zeit regierenden Herren vorschwebt, zeigte Dr. Friedrich Schinkel in seinem Vortrag„F r i d e r i- zianische Wirtschaftsordnung", die, nach feinen Behauptungen, dem kleinen Mann besser bekam als die Stein-Hardenberg- s ch e Reform. Selbst ein offensichtlicher Rechts- bruch, den Friedrich II. ohne nähere Kenntnis des betreffenden Falles aus Herrscherlaune beging. erschien diesem Vortragenden noch als Zeichen einer väterlichen Betreuung rühmenswert.— Iz. Der schöne Tierfilm „Congorilla" Wir haben schon viele interessante Tierfilme aus dem Tierparadies Afrika gesehen, aber keinen, der so vollendete photographisch« Aufnahmen aus- weist, in der Bildwirkung so künstlerisch ist und das Leben der Großtiere so unmittelbar ver- anschaulicht wie dieser Tonfilm aus dem afrika- nilchen Urwald. Er fand denn auch bei der Ur- aufführung im Ufa-Pavillon lebhafteste Zu- stimmung. Das Forscherpaar Martin und Osa Johnson, dem wir schon mehrere Afrikafilme verdanken, hat mit einer Ausrüstung von sechs Automobilen und dem Aufgebot von mehreren hundert Ein- geborenen die entlegensten und tierreichsten Ge- biete Jnnerafrikas aufgesucht und zum erstenmal auch die Tonfilmapparatur in den Dienst der Aufnahme gestellt. Das Resultat ist verblüffend. Es wurde nur mit der Kamera gejagt. Nur ein einziges Mal wird die Büchse in Anspruch ge- nommen, als es gilt, ein angriffslustiges Nashorn 'unschädlich zu machen. Sonst werden die Tiere nur bei der Tränke und Aesung belauscht. Herrlich ist das ungezählte Aufgebot von Zebras, Giraffen, Gnus, Elefanten, Nashörnern, Krokodilen. Die Luft ist erfüllt von dem Schwärm der aufgefcheuch- tsn Flamingos. Natürlich darf eine Löwenjagd nicht fehlen. Das llnerhörtsste sst die Entdeckung des Fa- milienlebens des G o r i l l a s. So etwas hat wohl noch kein Europäer zu Gesicht bekommen: das oft geschilderte Trommeln der riesigen Tiere auf ihrer Brust hörte man hier mit eigenen Ohren. Sieben Wochen wellten die Forscher bei den Pygmäen im Urwald von Jturbi. Wir werden vertraut mit den Lebensgewohnheiten der kleinen Menschen, die auf der Stufe Zehnjähriger stehenbleiben. Leider scheinen hier einige Feste und Hochzeitszeremonien der Zwerge mehr wie nötig arrangiert zu sein. Voran ging ein ebenso glänzender Film, der das Zusammenleben der Vögel in ungeheuren Scharen vor Augen führt, aus südlichen und nöro- lichen Gegenden. Dies Gewimmel von Möwen, Alken, Pelikanen und Pinguinen übertrifft jede Anhäufung von Menschen um ein Vielfaches. D. Professor Göbel gestorben. In München ist der Präsident der bayerischen Akademie der Wissenschaften, Professor Karl Göbel, der weit über Bayern hinaus bekannte Botaniker, im 77. Lebens- jähre gestorben. Der Gelehrte begann 1889 seine akademische Laufbahn und wurde 1891 nach München berufen. Er ist einer der Mitschöpfer des neuen botanischen Gartens zu München, dessen Leiter er war. Bor zwei Jahren wurde er zum Präsidenten der Akademie der Wissenschaften ge- wählt. Der Schah der Znkas. Goldklumpen so groß wie Zitronen, goldene Rüstungen, goldene Halsbänder und andere kostbare Dinge gehören zu > dem Schah, der jetzt nach einer Meldung aus Guayaquil in Gcuador bei der Ausgrabung der Jnkagräber gefunden worden ist. Man hätte die Gräber auf der Alamos-Ranch entdeckt. Die Zahl der großen Goldklumpen beträgt allein 149. Es scheint also, daß man nun endlich dem so lange gesuchten„Schatz de» Inka", den man eigentlich in der Nähe von Quito, der Hauptstadt Ecuadors, vermutete, auf die Spur gekommen sst. Erich Earow im Rundfunk. Tienstog wird Eriäi Carow zum ersten Male im Berliner Rundfunk zu hören fem. Die Uebertragung beginnt 8.10 Uhr mit einer Wiedergabe des Barietöteiles. Um 3.10 Uhr wird Carow in seiner Hauptrolle als„seliger Balduin" zu hören sein. Dr. Ernst Eohn-Wiener hält an der Humboldt- Hochschule an den Mittwochabenden eine Lvrtrags- reihe: Tie großen.Kulturen der Menschheit: an den Donnerstagabenden eine Reihe: Tie Stile, beide in der Torotheenstr. 12. Der Verein Kopierender Künstler eröffnet seine Aus- stellung von Kopien nach alten Meistern im Neuen Tchöncbcrgcr Rathaus Mittwoch, 12 Uhr. Die Aus- stellung ist frei, täglich geöffnet von 10 bis 4 Uhr. Ueber Kulturbolschewismus spricht Dr. Mar T e r i in einer Veranstaltung der Lupe Tonnerstag, 8.45 Uhr, Bülowstr. 104. Tie Kamera zeigt ab heute„Den Geiger von Florenz" und zwei Kulturfilme. AGA. und ASSR. Lorak kür �nerllennunx— Genugtuung in Moskau In einem Interview erklärte kürzlich der amerikanische Senator B o r a h, daß er durchaus f ü r die Aufnahme der politischen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Amerika sei. Dieses Interview Borahs hat in Moskau größtes Auf- sehen hervorgerufen. Senator Borah erklärte nämlich auf eine Anfrage, daß seine Meinung nicht nur„privater Natur" sei, sondern daß er das Interview auch durchaus als Vor- sitzender des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten gegeben habe. Dieser Punkt wurde auch im Moskauer Rundfunk besonders unterstrichen. Der Sprecher sagte, daß man an eine Annäherung zwischen den beiden Län- dorn jetzt fest glauben könne. Selbst die re- publikanische Partei in Amerika sei heute für das Geschäft mit der Sowjetunion. Ein Geschäft aber, das müsse man betonen, zwischen Ruhland und Amerika könne es nur bei einer p o l i t i- scheu Anerkennung der Sowjetunion seitens der Vereinigten Staaten geben. Zum Schluß sagte der Moskauer Sprecher, daß man in sehr kurzer Zeit in Moskau eine Amerika-Kommission bilden werde, die die ganzen eventuellen VerHand- lungen mit Amerika leiten soll. Der Sowjet- sprecher unterstrich die große Wichtigkeit der kom- wenden Wochen für die russisch-amerikanischen Verhandlungen und sagte, daß in Moskau alles aber auch alles getan werden müßte, um endlich diese Frage mit Amerika zum Guten zu regeln. Es wurde nochmals angedeutet, daß man auch in der Sowjetunion zu eventuellen K o n z e s s i o- nen bereit sei Aus der Partei Der Pionier des Harzes. In Elbingerode ver- schied an seinem 79. Geburtstag Heinrich Matthies, einer der ältesten Parteigenossen, der in der sozialdemokratischen Bewegung als der Pionier des Harzes bekannt war. Die Partei verliert in ihm einen aufopfernden Genossen. Rundfunk am Abend Dienstag, 11, Oktober Berlin: 16.05 Kann sich Deutschlanrl einen Naturschutz leisten?(Dr. F. Zumpt). 16.30 Unterhaltungs- und Tanzmusik. 17.30 Wilhelm Leibi(F. Linde). 17.50 Vom Wesen des Charakters(Dr. H. Kern). 18.20 Bücherstunde. 18.50 Mitteilungen des Arbeitsamtes 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.15 Orlando di Lasso(zum Gedächtnis des niederländischen Meisters der Polyphonie). 20.00 Das Mikrophon hat Aus- fang(ein beweglicher Abend). 22,00 Wetter-, ages- und Sportnachrichten. Königs Wusterhausen: 16.30 Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30 Gott und Gottlosigkeit im Gesicht der Zeit (Dr. G. Schultze-Pfaelzer). 18.00 Heutige Musikpädagogik. 18.30 Arbeitslosigkeit und Schwarzarbeit(Prof. Dr. G. Briefs). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Kurzschrift für Fortgeschrittene(Prof Dr. Amsel. P. Fischer). 19.30 Zeitdienst. 22.20 Spätkonzert. Sonst: Berliner Programm. Hierzu 1 Beilage. Der„Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, Sonntags mit der illustrierten Kupfertiefdruckbeilage„Volt und Zeit". Bezugspreise: Wöchentlich 75 Pf., monatlich 3,25 RM.(davon 87 Pf. für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,37 RM. einschließlich M Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslandsabonnement 5,65 RM. pro Monat, für Länder mit ermäßigtem Drucksachenporto 1,65 RM. Bei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Ersaß. Anzeigenpreise: Die einspaltige Millimeter zeile 3b Ps., Reilamezeile 1,50 RM.„Kleine An» zeigen: das fettgedruckte Wort 20 Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über 15 Buchstaben zählen doppelt. Arbeitsmarkt: Millimeterzeile 25 Pf. Familienanzeigen: Millimeterzeile 16 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, wochentäglich von 8l� bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor. Verantwortlich für Politik: Richard Schwarz: Sirtschaft: S.Klingelhöser; Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner: Feuille» ton: Herbert Lepere; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstädt; Anzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Berlag E. m. b. H. Druck: Vorwärts Duchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Einger u. Co., beide Verlin EW. 68, Lindenstraße 3. Plötzlidi und unerwartet ist das Mitglied unseres Bundesvorstandes HERMANN PETERS Obmann der Reichsfachgruppe der Bau-Werkmeister, am 9. Oktober einem Herzschlag erlegen. Seit der Gründung der Reichsfachgruppe im Jahre 1921 stand er an ihrer Spitze- Sein eifrigstes Streben galt der Vereinigung aller freigewerkschaftlichen Bau-Werkmeister in einer Organisation. Es war ihm nicht vergönnt, dieses Ziel seines Strebens noch verwirklicht zu sehen. Die Bau-Werkmeisterbewegung hat einen eifrigen Förderer, und unser Bundesvorstand einen lieben, treuen Mitarbeiter verloren. Wir werden ihm über das Grab hinaus ein ehrendes Gedenken bewahren. Berlin, den 1 1. Oktober 1932. Der Vorstand des Deutschen Baugewerksbundes Einäscherung am Donnerstag, den 13. Oktober 15.30 Uhr, im Krematorium Qerichtstraße. c.-'-L'-i■?; Sl Am 9. Oktober starb plötzlich und unerwartet unser Freund und Mitarbeiter Hermann Peters Yorstandsmitglred des Deutschen Baugewerksbundes Wir verlieren in ihm einen immer liebenswerten, geselligen Kollegen und oSenberzigen Menschen. Er wird uns immer in freundlicher Erinnerung bleiben. Die Angesiellien im Bondesbfiro des Deufsdien Baudewerksbundes Elekiro-Noiore Ankerwickelei, Reparaturwerk, Prüf- «lation, Reiervemoiore, Störungihilfc GeoröWorüsSÄl Tel. I Fl MorUzulatz MZl P. KRAUSE, Isoliermittelfabrik Wärme-, Kälte-, Schall-Isolierung Eigenes Verfahren für Wärmesehutz bei Grundwasser-Abdichtungen BERLIN NW.. Turmstraße 73. PROGRAMM für die Zeit vom 11. Okt. bis 13. Okt. I N O-T A F E L PROGRAMM für die Zeit vom 11. Okt. bis 13. Okt. OIQ Primus-Palast Potsdamer Straße 19. Uraufführ.: Ballhaus goldcnor Kngel m. L- Englisch u. d. Mi- litärburicske: Schön wars doch ra. d. rhein. Komiker Scrvo» W. 5.15, 7.15, 9.15 Uhr Potsdamer Straße 38 Tannenbcrj; mit H. Stüwe, Käthe llaack. V. de Kowa Jugendliche haben Zutritt W. 5. 7. 9 Uhr Odeon, Potsdamer Str. 7 5 Sehnsucht 202 mit Wagda Schneider, Fr. Schulz, Faul Kemp W. 5. 7. 9 Uhr Turmstraße 12 Das schöne Abenteuer mit Käthe v. Xagry-\\. Albaeh- Retf j, Sandrock, Wallburg: W. 5, 7, 9 Uhr A lexanderstraße 39-40 (Passage) Zwei in einem Auto mit .71. Selineider.— Ein stillos Oeheimnis mit Hansi Aiesc Den ganzen Tag geölfnel Alhambra Müllerslr. 136, Ecke Seestraße. Die Tänzerin von Sanssouci mit O. biebühr, LH Daxover Für Jugendliche freigegeben! W. 5. 7. 9 Uhr Germania-Palast CharL, Wilmersdorfer Str. 53/54 Sehnsucht 202 mit Hagda Schneider, Fritz; Schulz W. 5. 7. 9 Uhr Kant-Lichtspiele Kantslraße 54. Die Tänzerin von Sanssouci mit O.(>ebühr. LH Dagover Jugendliche haben Zntritt W. 5. 7. S Uhr Franziskaner Um 9. 12, 3, 6, 9 Uhr beginnend: Der Tugendkönig Um 10.30, 1.30. 4.30, 7.30, 10.30 Uhr beginnend: Johann Strautt mit .�lichael Bohnen Lee Parry Emelka-Wochenschau Friedenau Kronen-Lichtspiele Rbeinstraße 65. Beginn: 7, 9 Uhr. Sbd., Stg. 5, 7, 9 Uhr Ein Lied, ein Kuß, ein Mädel. — Beiprogr.— Jugendliche Zutritt Die Kamera Unter den Linden 14 W. 5. 7. 9 Uhr S. 3. ö. 7. 9 Uhr Der Geiger von Florenz mit B. Bergner, C. Veidt.— Gutes Tonbeiprogr.— Tonwoche ■ Moabit 1 Artnvhnf Wochent. ab 6 Uhr tMilUSflOf Sonntags ab 5 Uhr Perleberger Str. 29. 2 Großtonfilme: 2 glückliche Tage mit Ida Wüst.— Der Glöckner von Xotre Dame mit Chaney Schlüter-Theater a�viir Schlütersir. 17 Stg. 3 Uhx/jugd.-V. Quiek mit Lilian Hnrvey, Hans Albers.— Gutes Tonbeipro gramni.— Tonwoche Wilmersdorf M A Wochent. 7. 9*4 ü. Atrium stg. ö,?. 914 u Kaiserallee. Ecke Berliner Straße Uraufführung: Bunbury(Liebe, Scherz u. Ernst) mit Charl. Ander. Alexander.— Tonbeiprogr. c ZehlendorF-Mitte 7ßli Beginn tägl. 5, 7, 9 Uhr £fcfl Stg, 3 Uhr Jugend vorstell Potsdamer Str. 56 2 glückliche Tage mit Cläre Komnier, ilörbiger.— Gutes Tonbciprogramm Steglitz Titania-Palast Steglitz. Schlollstr 5. EckeGutsmulbsstr. Verl. Uraullühr.; Der träumende Mund mit E. Bergner, Förster. — Tonfilmbeiprogramm Rheinschloß-Lichtspiele Rheinsir. 60. W. 5, 7, 9, So. ab 3 Uhr Strafsache van Geldern mit Bichter. Kampers.— Tonbeiprogramm.— Tonwochc > Sch6neberg Alhambra TÖntfim Hauptstraße 30. Tonoperette: Hallo, hallo, hier spricht Berlin(Liebe per Telefon). — Beiprogramm Titania Schöneberg Hauptsir. 49. Die erste Tonoper; W. 5, letzte 9 Uhr S. ab 3 Uhr Die verkaufte Braut mit Jar- raila\ovofna.— Autobandl- ten.— Tonwoche W Südwesten � Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1. W. ab 5.30, S. ab 3.30 2 Großtonkilme: Mutter.—.Strafsache van Geldern mit Kampers, Brink.— Tonbeiprogr. (f___Tgnipelhof � KurfHrvt � 7- 9' sbd- St8- 5. 9 nunursi z,g. 3 Uhr; Jgd.-Vorst, Dorfstraße 22. Ecke Berliner Straße Kiki mit Anny Ondra. Herrn. Thimig. Paul Olto.— Tonbei- progrumm Ttnnli Täglich: 5, 7. 9 Uhr 7 IVOll Sonnt.: 3. 3. 7. 9 Uhr Berliner Slralle 97. Die Tänzerin von Sanssouci mit O. Gebühr— Tonbeiprogr. Jugendliche haben Zutritt Mm Marlendorfer W 7, 9. iriU'Mjl Tonlicbtspiele S. 5. 7. 9 Chausseestr. 305 2 Tonfilme; Goldfieber mit Tom Mix.— Das Mädel vom Mont- parnasse mit Fr. Schulz Neukölln F rro /c/d r Wochentags ab "•CCcfocv/ Sonntags ab 4 Uhr Kaiser-Friedrich-Straße 191 Das schöne Abenteuer mit K. v. Xagy. Wallburg, Ida Wüst— Tonbciprogramm Kukuk Wochentags ab 6% Sonntags ab 4 Uhr Kottbusscr Damm 92 Drei von der Kavallerie mit Kampers. Ilörbiger, Heide mann.— Tonbeiprogramm Mercedes-Palast st�ibsu." Hcrmannslr. 212. 2 Großtonfilme: Gräfin Mariza mit Hubert Marlschka— Das Haus an der Grenze— Jugendl. Zutritt Primus-Palast �a�u. Am Hermannplatz. Urbanslr. 72/76. rnhelmlichc Geschichten mit W'egncr.— Die zwei vom Südexpreß.— Beiprogramm Stern, Hermannstraße 49 Wochentags ab 6% Sonntags ab 4 Uhr Ich will nicht wissen, wer du bist mit L. Haid. G. Fröhlich— Tonbciprogramm Südosten Deutsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68. 4%, 6�4, 1%, 9 U. Die Herrin von Atlantis mit Brigitte Helm.— Wenn dem Esel zu w ohl ist Filmeck TÄ'IS: Am Görlitzer Bahnhof Kiki mit Anny Ondra. II Thimig Ferner: Autobanditen Ein Sensalionsfilm in deutscher Sprache Luisen-Theater stÄl S: Reichen herger Str. 34. Der Großtonfilm: Die elf Schillschen Offiziere Ferner: Vater geht auf Reisen Toiilustspiel Stella-Palast Lm, tfs uhr Könenicker Straße 12—14 Die Tänzerin von Sanssouci (Die galanten Abenteuer der Tänzerin Barberina) mit Li! Dagover, Olto Gebühr Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt W Treptow"b Trepto w-Stern warte Mittw., Donnerstag, Sonnab. 8 Uhr: Wir reisen an den Rhein(Film). Als Beifilme: Nordsee, Harz. ■«»ten j Germania-Palast H.'&fv. Frankfurter Allee 314 Großer Kriminal lonfilm; Teilnehmer antwortet nicht mit Gustaf Gründgens, Dorothea Wieck Bühnengastspiel: Gustl vStark�Gstcttenbaucr Dr. Knauer u. sein Orchester Luna-Palgst sonnig suhr Gr Frankfurter Str. 121. Der historische Film: Tannenberg. Im Auto durch zwei Wellen. Beiprogramm.— Tonwochc Schwarzer Adler auÄ W 5, 7. 9 ühr. S. 3. 5. 7. 9 Uhr Quick mit Hans Albers. Lilian Harvey.— Bühne: Bruno Wies- ner, Typendarstelicr Viktoria- Theater s?g0 ab 3au5 Frankfurter Allee 48 Drei von der Kavallerie mit Fr. Kampers, P. Ilörbiger— Tonbeiprogramm— Tonwoche Nordosten 3 „Elysiam" ÄT W. 5.15, 6.30, 9.15. S. 3. 4.15, 6.40, 9.15 Teilnehmer antwortet nicht mit Gründgens— Ich bin|a so verliebt Flora-Lichtspiele�"» Tägl. 7,%9, Sonnt, ab 3 Uhr Johann StrauÜ. Liebe im Walzertakt.— Die zMei vom Südexpreß Volks-Kino Königstadt Schönhauser Ailee 10. W. ab 5 ühr Die zwei vom Südexpreß mit Trude Berliner.— Bühne: Trudc Berliner W Weu-Uehtenberg"k Kosmos-Lichtspiele& 9 Lückstr. 70. Stg. 2;i4 Uhr: Jug.-Vorst. Tonoper: Die verkaufte Braut mit Jarmila\ovotna.— Beiprogramm.— Jugendliche Zutritt Kino Busch Frcit.�StT' 5 Uhr Alt-Fricdrichsfelde 3. Fünf von der Jazzband.— Tom rechnet ab mit Tom Mix. — Tonbpr.— Woche.— Jdl. Zutr. � Pankow"b Palast-Theater Breite Str. 21a. W. 7. u. 8�. S. 416 u.9 Sehnsucht 202 mit Magd.» Schneider, Fr. Schulz.— Moderne Mitgift____ _ /• Wochentags 6.30, 9 Uhr 1 IVO II Sbd.. Sonnt. 5. 7, 9 Uhr Berliner Straße 27 Großtonfilm: Die Herrin von Atlantis mit Brlg. Helm— Autobanditen— Tonbeiprogramm Stg. lö. Okt., 2:,4 Uhr; Märchen-1- 1 Im Schneewittchen u. d. 7 Zwerge > Tegel W Filmpalast Tegel sii.V'u! Bahnhnfslr. 2. SIR. 2 Uhr; Jur.-V. Die Tänzerin von San,.ouei mit OH« Gebühr— Tonbeipr. JuRendlicbe haben Zutritt rr Fiim Wo. ab 6 Uhr Kosmos Buhn.- s m. en.«A Hauptstraße 6. Drei Sondertage: Bühne: Elite-Sänger vom Theater am Kollb. Tor.— Tonlilmletl: Die 5 verfluchten Gentlemon mit Camilla Horn(Spieldauer SVi St.) Union-Theater s 0Lui. eti.!?! Hauptstr 3 Sto. 2 Uhr: Jim Vorst. Miß Europa mit Euisc Brooks. — Der wahre Jakob mit Bres- sart, Robert». Beg W 6. 8.30 Uhr rilmpaiast sms ju en. m u. Berliner Sir SP Die verliebte Firma mit Gust. Fröhlich, Anny Ahlers.— Tonwoche BEILAGE larförfe DIENSTAG, 11. OKT. 1932 Ton tKanlon nach Hongkong Sine Slußboofreife/ Ton Scott Hearing In der Nähe der Werften von Kanton befindet sich die Anlegestelle der Fluß- und Frachtbootc nach Hongkong. Hier ist der Fluß einige hundert Meter breit. Die Anlegestelle ist verstopst von tausend und mehr Dschonken und Flußsahrzeugen aller Art. Kreuz und quer, höher und niedriger ragen die Schisfsausbautcn. Endlose Träger- kolonnen eilen im Zickzack hin und her. Sie schleppen leichte Holzkohle in riesigen Bastkörben und Säcken. Lang« Bambusstapel balancieren sie über das Gewirr der Boote. Tee, Seide, Reis, Früchte in Kisten und Kästen verpackt und mit europäischen Aufschriften versehen, schleppen die Lastträger an Deck. Die Produkte der Provinzen stapelt jeder Tag in gleicher Höhe an den Ufern auf. Ein fieberndes Hetzen und Rennen durch- wirbelt die Luft. Ein Kuli, der zwischen schwan- kende Bordwände hinunter fiel und sich den Leib zerquetschte, schreit vor Schmerzen mit einer Ge- bärenden von einer benachbarten Dschonke dos er- barmungslose Leben an. Blanke Schissstaue zirkeln über unsere Köpfe. Mit afjenartiger Behendigkeit fangen sichere Hände das Tauende auf. Ein Gong geht dreimal, und viele Dutzend Hände und Füße stemmen und schieben das Gewicht des vierzig Meter langen und acht Meter breiten Flußbootes von einer Bord- wand zur anderen durch das Gewirr von Schiffen, deren Matrosen lachend Helsen, das abfahrende Boot vorbeizulassen. Die Kulis brauchen kaum eine halbe Stunde, um ihren hochbeladenen Kasten mit Händen und Füßen durch das Gewirr der angelegten Fahr- zeuge zu bugsieren. Ich fahre dritter Klasse und zahle für die sechs- stündige Fahrt von Kanton nach Hongkong 41 amerikanische Cents. Die dritte Klasse ist das Oberdeck von vorn bis hinten. Die Plätze sind oben auf den gestapelten Reissäcken, auf Körben oder auf den weniger bequemen Bambusstapeln. Die engen Gänge dazwischen sind die Schlafplätze. Ueberall drängt man sich lächelnd zusammen und macht einander soviel Platz, wie die vier Buchstaben eben brauchen. Wer frische Luft will, klettert aus die Ballen, breitet darauf seine Matte aus und setzt sich, wo es ihm behagt. Was uns dabei komisch vorkommt, ist für den Chinesen selbstverständlich. Die Frauen sitzen in bauschigen langen Hosen und kurzen Socken, die von Strumpfbändern unter dem Knie gehalten werden. Ihr« Uebergewänder bekleiden strahlensörmig gesaltet den Oberkörper. In glänzenden Zöpfen hängt das schwarze Haar über den Rücken. Die Frauen gönnen sich die einzige Bequemlichkeit der dritten Klasse. Sie streifen ihr ledernes Fufzzeug von den verkrüppelten Füßen. Die Männer tragen dieselben bauschigen langen Hosen bis zum Knie oder etwas tiefer. Besser- situierte tragen ein Hemd, auch Socken und Schuh- zeug. Aber nur wenige besitzen ein Hemd und noch weniger Schuhe. Den großen Hut tragen alle. Viele Kinder sind dabei, mit elfenbeinfarbenen Gesichtern, mit strahlenden, dunklen Augen und melodisch zwitschernden Stimmen. Die vielen Haltestellen fordern eine große Por- tion Höflichkeit von den bereits an Bord befind- lichen und von den neu hinzu kommenden Fahr- gasten. Man sitzt solange eingepsercht, bis die Stimmen der Obst- und Zuckerverkäufer, die mil ihrem Singsang den Lärm der Anlegestellen über- tönen, verstummen. Es dauert eine Weile, ehe den neuen Passagieren genügend Plätze frei- gemacht sind, denn die Zahlung des Fahrgeldes ist eine besonder« Schwierigkeit. Schwer hängen den Fahrscheinoerkäufern die Körbchen voll chine- sischer Kupfermünzen auf der Brust. Zweihundert- fünfundvierzig dieser chinesischen Kupserstücke sind erst ein amerikanischer Dollar— und das Volk zahlt nie anders als in Kupfer. Das Spaßigste aus dem Boot sind die Ste- wards. Sie sind Akrobaten im Klettern und Springen und gehen die Wände hoch, das heißt. die Wände an den Bambus- und Reisstapeln. Sie springen über die Stapel vom Bug zum Heck, ohne einen Passagier zu streisen, und verkünden den Speisezettel. Es ist fünf Uhr und Essenszeit. Als Stewards tragen sie zu den üblichen chinesischen Hosen billigste amerikanische Unterhemden. Aus Sparsamkeit und Sauberkeit haben sie die Hemden hochgerollt, so daß die Partie zwischen Brustwarzen und Nabel unbekleidet bleibt. Mit ihren Holzsandalen klettern sie herum, als wären die schweren Galoschen leichte Tennisschuhe. Das„Sofort!", das hier die Stewards den Gästen zurufen, bedeutet in der Tat ein„Null- kommanichts!".— Obwohl die gesamte Küchen- einrichtung aus einer Schiebkarre bequem trans- portiert werden kann, stellt die chinesische Küche in bezug aus Schnelligkeit unsere gewöhnliche Küche in den Schatten. Ein großer Kessel Reis steht immer warm auf dem Holzkohlenosen.den Städten. Anders ist es ftlbstverständlich bei den Kolonnenarbeiten im Straßenbau oder gar beim Vorrücken in die Mi- litärzone. Draußen ist der Legionär freier, er hat aber auch ungleich mehr zu leisten und sein Leben gegen Feinde und mörderisches Klima ein- zusetzen. Di« Legionär« werden im Kampfe erst nach den Partisanen«ingesetzt. Diese sind freiwillige Eingeboren«, die gegen Tagelohn von den Fran- zosen angeheuert werden. Sie bilden keinerlei feste Truppe, sondern erhalten nur ein Gewehr. Als Führer und Kenner der Berstecke im Gebirge sind sie jedoch unentbehrlich. Die französische Re- gierung übernimmt für sie keine Verantwortung, deshalb wird von ihnen auch am meisten geraubt und geplündert. Dafür droht ihnen ein grau- sainer, qualvoller Tod, wenn sie von ihren Volks- genossen gefangen werden. Durch dieses Vorschicken der Eingeborenen sind die Verluste Ler Legion selber relativ gering. Die meisten st«rlen durch lleberanstrengung und an Krankheiten, die durch das Klima bedingt sind. Der Dienst in Marokko, wo im Süden noch dauernd Kämpfe um das weitere Bordringender französischen Schutzherrschaft geführt werden, dauert für den Legionär 2� Jahre. Danach be- kommt er 30 Tage Urlaub in ein« Küstenstadt. Desertiert ein Legionär aus irgendwelchen Gründen, so erhält er nach den Aussagen aller Befragte» beim erste» Male keine Strafe. Im Wiederholungsfalle ein paar Tag« Haft und erst bei der vierten Desertation kommt er vor das Kriegsgericht. Die vier marokkanischen Regimenter verteilen sich auf die Orte Sidi Bei Abbes, Meknes, Fes und Marrakesch. Zur Zeit sind die Truppen im Südatlas zusammengezogen, wo der sogenannten französischen'„Pazifizierung" von den mohamme- danischen Stämmen energischer Widerstand geleistet wird. Der herrschende Sultan aber, der sich ganz dem französischen Protektorat unterworfe» hat, muß für die Legion Warenlieferungen und Geldzah- lungen leisten, weil sie angeblich„sein Land be- schützt". Wir verwerfen selbstverständlich als Sozialisten diese Art von kolonialer Unterdrückung. Früher mögen auch die Melhoden bei der Fremdenlegion noch unmenschlicher gewesen sein. Heute aber, wo die Legionäre kaum noch mehr als«ine dauernde Polizeiiruppe sinid, unterscheidet sich ihr Los kaum noch von dem anderer Söldner, die zu im- perialistifchen Zwecken in den Kolonien verwandt werden. Pariser Autosalon Die große französische Kraftwagenschau Arbeiter-Fußball 2. Vorrundenspiel um die Europameisterschaft In Aussig standen sich, wie bereits kurz mit- geteilt, die repräsentativen Mannschaften von Deutschland und der Tschechoflowakei zum zwei- ten Vorrundenspiel um die(5 u r o p a m e i st« r- schaft der A rb« i te r f u ß b a l l e r gegenüber. Rund 6000 Zuschauer, eine für die dortigen Der- Hältnisse äußerst hohe Zahl, waren erschienen, um den Sieg der deutschen Elf zu sehen. Mit 4: 0 (1: 0) holten sich die schußsreudigen Deutschen die Punkte. Im Gegensatz zu dem Spiel gegen Oesterreich in Dresden hatte Deutschlands Sturm die Schußstiesel an. Außerdem befand sich auch wieder die Läuferreihe und auch die Verteidigung in großer Form, so daß der tschechische Angriff keine Erfolge erreichen konnte. Die tschechische Verteidigung und in der Hauptsache der sehr gute Torwart verhinderten eine höhere Niederlage. Gerade der erst 19jährige Torwart war der Turm in der Schlacht. So manches Mal lag der Ruf „Tor" bereits auf allen Lippen, aber mit Eleganz warf sich der Torwart allen Bällen ent- gegen. Sehr nervös begannen beide Mannschasten den Kampf. Die Deutschen fanden sich zuerst. Syste- inatisch dirigierte der Sturmführer seine Neben- leute nach vorn. Aber nur vier Eckbälle, die olle zu keinem Erfolg führten, waren die magere Aus- beute. Erst in 0er 29. Minute war es der Mittel- stürmer, der den ersten Treffer buchen konnte. Die Tschechen, die sich nicht verblüffen ließen, versuchten zwar den Ausgleich, kamen aber an der Läuferreihe und der Verteidigung nicht vorbei. Auch der deutsche Sturm konnte es vor der Pause .zu weiteren Erfolgen nicht bringen. Erst nachdem die Seiten mit 1:9 gewechselt wurden, erfolgte durch den Linksaußen der zweite Treffer. Der Sturm der Böhmen wurde dann reichlich nervös. Einmal war es der linke Flüzelstürmer, der. ganz frei vor dem Tor stehend, den Ball nicht über die Linie bringen konnte, auf der anderen «eite war es der gute Halblinke Stürmer, der einen vom Torwart abgewehrten Schuß doch noch in die Maschen jagte. Die Deutschen spielten dann verhaltener. Das Tempo, in der zweiten Halb- zeit äußerst flott, ließ nach. Trotzdem wollte es den Tschechen nicht gelingen, den Ehrentreffer zu buchen. Dagegen konnte der Halbrechte Deutsch- lands kurz vor dem Abpfiff noch einmal ein- senden. Die deutsche Mannschaft hat mit 4:9 oerdient gewonnen. Ein besonderes Lob gebührt dem sehr guten Schiedsrichter Zuckermann aus Wien. Berliner Fußball Normannia-Lichtenberg hat bei seinem legten Spiel am Sonntag seine Qualifikation als An- Wärter auf den Meistertitel abermals unter Be- weis gestellt. Kickers 31 unterlag in der Nor- mannenstraße mit 9: 3. Dieses Resultat kommt vielen überraschend, da Kickers gerade in der letzten Zeit mehrere gute und vielversprechende Spiele geliefert hatte. Eintracht-Mahlsdorf wurde von Lichtenberg I auf dem Sportplag in der Kynaststraße mit 9: 9 Toren vernichtend zugedeckt. Die Mahlsdorfer, die erst vor acht Tagen gegen Normannia ein ganz passables Spiel lieferten, enttäuschten und wurden glatt überrannt. Den er- warteten Ausgang nahm die Begegnung Hertha- Luckenwalde und Minerva 28 im Neuköllner Stadion. Bei 2: 1 für Hertha ertönte der Schluß- pfiff. Damit ist gleichzeitig die Entscheidung für Hertha im 4. Bezirk gefallen. Adler 98 überspielte Fortuna auf dem ehemaligen Exerzierplatz in der Schönhauser Allee mit S: 9 Toren. Trotz der ge- radezu vernichtenden Niederlage Fortunas hat es Optimisten gegeben, die an ein Versagen der Adler-Mannschast glaubten.— Weitere Resultate: Pankow— Zehdenick 6: 1, Schöneberg— Saxonia 4: 2, Hansa 31— Borsigwalde 7: 9, Eiche Köpenick gegen Osten 4: 1, SFGB.— Blau-Gelb 7: 5. Eigener Bericht des„Vormärts" wkd. Paris, im Oktober. Frankreich, Amerika, England, Deutschland und Italien zeigen im Pariser Auto-Salon wieder einmal ihre neuesten Modelle. Der Auto- mobilbau hat weitere Fortschritte gemacht, wenn sie auch bei einem flüchtigen Rundgang nicht gleich ins Auge springen: gerade in Details sind weitere Verbesserungen vorgenommen worden. Bemerkenswert ist eine Neuerung bei den Luft- reifen, die berufen ist, in kurzer Zeit Allgemeingut aller Wagen zu werden. Das ist der sogenannte Ueber-oderSuperballonreifen, oder, wie er in Deutschland genannt wird, der Aero- Reifen. Hierbei handelt es sich um einen Nieder- druckreifen mit weit größerem Lustvolumen als sonst üblich. Dadurch werden die Fahreigenschaften wesentlich verbessert. Die Straßenlage ist und bleibt ein sehr wesent- licher Faktor beim Kraftwagen und deshalb wird immer noch das Hauptaugenmerk auf die Aus- bildung der Federung verwandt. Die Schwingachse hat längst ihre Berechtigung be- wiesen. Der Mercedes-Benz-Typ 179 stellt in dieser Hinsicht ein außerordentlich vollendetes Fahrzeug dar. Nicht minder der neue kleine Adler „Trumpf", der, von Röhr konstruiert, sowohl Schwingachsen wie Vorderradantrieb hat und heute in seiner Klasse so ziemlich das Optimum darstellt, was in dieser Hinsicht geschaffen worden ist. Auch Mathis, Delage, Talbot zeigen hier neben den bekannten Schwingachswagen ebenfalls neue Modelle. Wesentliche Verbesserungen trifft man auch im Rahmenbau. Da ist vor allen Dingen der Kastenrahmen, der schon von Lancia und Röhr seit langem verfochten, neue Anhänger in Citroen, Delage, Peugeot, Mathis und PanHard gefunden hat. Diese Rahmenbauart hat den Vorzug, eine weit größere Steifigkeit gegen alle auftretenden Verwindungen zu geben. Der Fahrgestellrahmen ist außerordentlichen Beanspruchungen unter- warfen. Deshalb besteht schon lange das Bestre- immer fertigbrachte, Nörgler und Kritiker zum Schweigen zu bringen, genau so hat der DFB. in dem Kampf um seine„Amateure" den Sieg für sich erfochten. Zum Schein wurden Spesensätze festgelegt, unserem Wissen nach waren es ohne Fahrgeld 7,39 M. pro Spiel, und sogar die Be- stimmung aller Welt beganntgegeben. daß kein Verein mehr zahlen darf und kein Spieler mehr nehmen darf, wollen sie nicht gegen die„Amateur"» bestimmungen verstoßen. Jetzt kommen nun also die beiden Spieler und verklagen den Verein. Hertha hätte die vertrag- lich vereinbarie finanzielle Leistung nicht erfüllt, ja nicht einmal die erlaubten Spesensätze be- zahlt— das heißt doch nichts anderes, als daß den Spielern höhere Bezahlung zugesichert war. Amateursportler mit vertraglich zugesicherter Be- Zahlung, das ist allerdings eines Streites vor einem Gericht wert! * Kürzlich berichteten wir über einen anderen nicht weniger unsauberen Fall im bürgerlichen Fußballbetrieb. Der Vorsitzende des Fußball- klubs Preußen war vor den Verbands- Instanzen angeklagt, den„Bruder"o«rein Norden- Nordwest beim Rcichswehrministerium denunziert zu haben, er. NNW., lasse aktive Reichs- wehrsoldaten mitspielen. Wir wissen nicht, ob das den Angehörigen der Reichswehr oerboten ist, oder ob ihnen nur untersagt ist,„Spesen" nach Art der eingangs geschilderten Fälle zu nehmen. Jedenfalls hat jetzt ein Berufungsgericht des Verbandes Brandenburgischer Ballspielvereine festgestellt, daß der Preußenvorfitzende einen „Prioatbrief" an einen Reichswehrgeneral ge- schrieben hat, wonach die ganze Sache in Fluß kam. Eine Denunziation sei es nicht gewesen, aber eine grobe Fahrlässigkeit. Außerdem wurde dem Briefschreiber attestiert, daß sein Vorgehen jede Kameradschaftlichkeit oermissen lasse. Was wir auch finden. Wer so geht es nun mal im bürgerlichen Sport zu! Werbeboxabend in Lichtenberg Der Kreismeisteroerein im Boxen, die Vereini- gung„Lichtenberger Faustkämpser"(Mitglied des Arbeiter-Athleten-Bundes), veranstaltete gestern in seiner Trainingshalle, Bromberger Str. 13/14, einen gut besuchten WerbeabendimBoxen. Die interessanten Kämpfe gaben einen guten Einblick in die Tätigkeit des Vereins. Eine Reihe junger Nachwuchsboxer stieg erstmalig neben den bereits erprobten Wettkämpfern in den Ring und konnte sich gut behaupten. Eine ganze Anzahl Neuaufnahmen waren der äußere Erfolg der Veranstaltung. Gleichzeitig wurde ein stark beschickter Kursus für die Berliner Punktrichter der Ring- und Boxsparten durchgeführt. Eine Reihe wichtiger. Fragen wurden besprochen und geklärt. Der zweite Kursusabend wird am 18. Ottober in der Turn- Halle des Boxsportvereins„Britania" durchgeführt. — Die Arbeitslosenboxstaffel des Vereins„Lichten- berg", die erst am letzten Wochenende in drei thüringischen Städten an den Start ging, kämpst am 22. Oktober gegen die gute Boxmannschaft des Arbeitersportklubs in Risa an der Elbe. den, den Motor im Rahmen elastisch auszuhängen. Das geschieht heute durchweg unter Zwischenschol- tung von Gummiklötzen. Einen wesentlichen Schritt weiter gegangen ist dagegen Chrp-ler mit seiner schwebenden Moloraufhängung, die gewährleistet, daß die Erschütterungen des Motors vom Fahr- gestellrahmen ferngehalten werden. Diese?lrt der Motoraufhängung wird jetzt auch serienmüßig für all« Citroen-Modelle lizenzweise angewendet. Es macht sich in Paris deutlich das Streben zum Kleinwagen bemerkbar und dabei sind hier die kleinen DKW.s sehr würdige Vertreter. Uebrigens hat jetzt der 1V99-ccm-Vierzylinder eine neuartige Aufhängung der Hinterräder, eine söge- nannte Schwebeachse bekommen, die sehr zur Vcr- besserung der Straßenlage beiträgt. Ueberhaupt macht die deuffche Industrie einen außerordentlich guten Eindruck und es wird auch von den Fran- zosen anerkannt, daß im deutschen Zlutomobilbau emsig an Verbesserungen gearbeitet worden ist. Das trifft für all« deutschen Wagen zu, die hier vertreten sind, wie Adler, Horch, DKW., Mercedes- Benz, Maybach und Wanderer. In letzter Zeit sind immer mehr Stimmen laut geworden, die dafür plädieren, die Erkenntnisse und Ersahrungen, die man in der Aerodynamik hin- sichtlich der Verringerung des Luftwiderstandes ge- wonnen hat, auch auf den Karosseriebau anzuwen- den. Maybach hat das mit seinem S t r mn- linienwagen getan. Gewiß noch eine Art Kompromißlösung, aber man muh sagen, daß diese Kompromißlösung doch ziemlich gut gelungen ist. Angegliedert ist dem Salon auch die Ausstellung der M o t o r r ä d e r. Es ist noch gar nicht lange her, daß das Motorrad in Frankreich so gut wie keine Rolle spielle. Das hat sich inzwischen wesent- lich geändert. Fast eine halbe Million Motorrüder laufen heute in Frankreich. Der französische Motorradbau hat sich gewaltig verbessert und man findet eine ganze Zahl sehr gut durchgebildeter Maschinen. Vor allem ist es das Leichtkraftrad und Motorfahrrad, das gut entwickelt wurde und in zahlreichen guten Ausführungen zu finden ist. Arbeiterwintersportler beginnen Wie seit Jahren üblich, wirken die Arbeiter- wintersportler des 1. Kreises im Arbeiter-Turn- und Sport-Bund und des Touristenvereins„Die Naturfreunde" wieder zusammen. Die ersten Skitrockcnkurse beginnen am 19. Oktober, 29 Uhr. Kursus I findet in Neukölln, Schule Richardplatz. Kursus II am Gesundbrunnen. Gotenburger Str. 3, statt. In der nächsten Woche beginnen weitere Kurse in Lichtenberg und Char- lottenburg. Näheres darüber solgt noch. Kursus- gebühr 2 M., Arbeitslose und Jugendliche der freien Organisationen sind von der Gebühr be- sreit. Teilnehmer, die sich ihre Schneeschuhe selbst bauen wollen, können sich an einer Ar- beitsgemeinschaft beteiligen. Meldungen umge- hend an Ewald Jmm, Berlin W. 39, Mogstr. 19, erbeten. Erster Arbeitsabend Freitag, 14. Ok- tober, 29 Uhr, Pankstraße. Das Internationale Treffen der Arbeiterwintersportler findet am 24. und 25. Dezember voraussichtlich in Klingental im Erz- gebirge statt. Die Berliner Arbeiterwintersportler beteiligen sich geschloffen an dieser Veranstaltung. Schmeling heule in Berlin. Exweltmsifter Max Schmeling, der sich nach seiner Rückkehr aus Amerika zunächst noch einige Tage in Paris auf- gehalten hat, trifft am heutigen Dienstag, nach- mittags 6.92 Uhr. mit dem fahrplanmäßigen Pariser Zuge auf dem Bahnhof Zoo in Berlin ein. Schwarzes Brett Frei« Schwimm» Sh«rlsttenburq. Dienstag, tl. Skia- der. um co Uhr. Manalsversammlung b-i Eermar, Aais-r- Zricdrich-Str 13, Ecke Srllnstraße. Touristcniiercin„Die Ziatiusreiindc". Dienstag, U. Lk- t-bcr. Abt. Mitte: Johannisstr. 1ä: Natur im»erbst.— Wcdding: Willdenowstr. 3— 17: Bunter Abend.— Tier- garten: Lehrter Str. 13—10: Bortrag:„Politische Tages- fragen".— Humboldthain: Pank- Elke Wiesenstraße: Zingekreis.— Prenzlauer Berg: Danjiger Ztr.«2 IBaralke II):„Karl Marr und die Arbeiterbewegung" <1. Abend).— Vinetaplatz-Schönhauser Vorstadt: Lortzing- Ecke Graunftraßc: Bunter Abend.— Sudwest: Porckstr. 11: Heiterer Abend l Hosemann).— Arbeitsgemeinschaft Linden- hos: Jugendheim Lindenbof:„Soziales Wandern".— Lichtenrade: Lentz, Kaiser-Wilhelm-Str. 73: Hirschbrunst und Zährtenlesen.— Neukölln: Bergstr. 29(Saum I): Ferien» crlebnisse.— Lichtenberg: Gunterstr. 41. Lichteuberger Fußballklub Normannia sucht für spiel- starke 3. Mannermannschaft Segner für die nächsten Sonn- tage, eventuell auch 2. Mannschaften. Angebote an E. Äälpin, O. 112, Proskauer Str. S, oder Frertagz Tele- phon E 5 Lichtenberg 3203. FTSB.-Eharlottenburg. Fußballabteilung, sucht zum Sonntag, 13. Oktober, für 1. Männermannschaft Spiel auf eigenem Platz. Rückspiel wird zugesichert. Angebote an Fritz Lücke. Eharlottenburg, Krumme Str. 3, oder Freitag ab dO Uhr unter Westend 1738. Fußball vor Gericht Bürgerliche Spieler klagen Immer lustiger wird es in den Vereinen des Deutschen Fußballbundes, immer mehr festigt sich der Eindruck, an Stelle von Sportvereinen Ge- jchästskonkurrenten vor sich zu haben, die sich mit allen Mitteln das Leben schwerzumachen suchen. Jetzt dringt Kunde von einem gerichtlichen Bor- gehen einiger Spitzenspieler gegen ihren Verein— in diesem Falle ist es Hertha BSC.— in die Oeffentlichkeit. Ein Berliner Mittagsblatt weiß zu berichten: Die Spieler Domscheit und Leuschner, bekannte Größen im bürgerlichen Fußbalisport, haben gegen Hertha BSC., dem sie bis vor wenigen Wochen angehörten, eine imer- effante Schadenersatzklage angestrengt. Weil man ihre Aufftellung in der ersten Mannschaft immer wieder hintertrieb, oerlangen sie jetzt vom Verein die Zahlung von Spesen und Fahrgeldern für die Dauer eines Jahres. Hertha hätte„vertrag- lich fest gelegte finanzielle Leistun- gen nicht e r f üllt, nicht einmal im Rahmen der vom Deutschen Fußballbund erlaubten Spesen- sätze". Domscheit und Leuschner scheinen also die Ab- ficht zu haben, die Katze endlich einmal aus dem Sack zu lassen. Bislang war cs noch immer so, daß alle Welt, einschließlich der oiSlzitierten Spatzen aus den Dächern, von einer regelrechten Bezahlung der guten Fußballspieler sprach. Aber genau so, wie die Deutsche Sportbehörde es noch EinePj� $&ziaUsfnm-}a odvc wuh! Lobe gibtauf diese brennende Frageeineselten glänzende, W volkstümlich gehaltene, überzeugende positive Antwort. Jeder Freiheitsliebende muß sich nach dem Lesen ent- scheiden! Sozialismus? Ja! 16 Seiten, gut ausgestattet. Von Stinnes bis Kreuger Dazu ferne Eine Heldengalerie gestürzter Größen des Kapitalismus Du und ich— Wir bauen auf Unsere Anträge im Reichstag, erläutert von Eugen Prager Nazi-Paradies Neues Material der kommunalpolit. Zentralstelle der SPD. Am 20. Oktober erscheint die hochsensationelle, satirisch unübertroffen gehaltene Wahl-Sonder-Hummer des„Wahren Jacob" Von neuer Nibelungen-Not Ein Barden-Sang, gesungen zur Reichstagswahl Der„Wahre Jacob" ist das anerkannt politisch-satirisch hervorragende Witzblatt. Es ist das Blatt der Satire. Das große satirische Angriffsorgan gegen Reaktion und Volksfeindschaff überall zu haben. J.H.W. Dietz Nachlolger, G.m.D.H.. Berlin SW 68 Sortiment: Lindenstraße 2