Morgen- Ausgabe Nr. 481 A235 49.Jahrg. Redaktton und Verlag- Berlin S W 68. Lindenstr. 3 S-rnspr-ch-r, A7 Am, Dönhoff 202 btt 297 Tol-grammobiiss«! Sozi-w-moKat B-rlw BERLIN ER VOLKS BLATT MITTWOCH 12. Oktober In Groß- Berlin Ii) Pf. Auswärts....... 15 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe am Schluß des redaktionellen Teils Jentvawegan der Sozialdemokratische« Oavtei Detttschlauds Für Weimar! Von.�nton LrKelen� Die Neichsregiemng erklärt: Lrlelärunxen des Exkronprinzen sind reine Phantasieprodukte Der„Vorwärts" hat gestern abend von den Umtrieben des Exkronprinzen berichtet, der die Behauptung verbreitet, er werde in absehbarer Zeit im Einverständnis mit der Reichsregierung vom Reichspräsidenten zum R e i ch s v e r- m e s e r ernannt werden, während gleichzeitig die Wittelsbacher ein Donaukönigreich errichten würden. Zu dieser absolut verbürgten Mittel- lung erläßt nun die Reichsregierung folgende Erklärung: Die Reichsregierung stellt zu den im„Vorwärts" Rr. 480 vom 11. Oktober unter der Reberschrift„Umtriebe des Krön- prinzen" veröffentlichten Gerüchten über eine angebliche Einsehung des früheren Kronprinzen zum Reichsoerweser und die daran ge- knüpften Kombinationen fest, daß es sich hier- bei um ein reines Phantafiepro- d u k t handelt. Zweifellos find der Reichsregierung die Acuße- rungen, die der Exkronprinz nicht nur einmal, sondern wiederholt getan hat, ebensogut be- kannt wie uns. Man muß daher annehmen, daß sie die Behauptungen dieses Herrn, die sich auf sie und den Reichspräsidenten beziehen, sür„ein reines Phantasieprodukt" erklären will. Sie be- streitet sür sich und den Reichspräsidenten das Einverständnis mit den exkronprinzlichen Reichs- verweferplänen. Sie bestreitet nicht und kann nicht bestreiten, daß der Exkronprinz für solche Pläne Propaganda macht. Die Reichsregierung ist daher sehr im Irrtum, ivenn sie glaubt, durch ein amtliches Dementi ihre Pflicht erfüllt zu haben. Diese Regierung der deutschen Republik hat wiederholt durch einzelne ihrer Mitglieder ihre monarchistische Ueberzeugung bekundet. Mitglieder der Reichsregierung unterhalten auch zum Exkron- prinzen enge Beziehungen. Noch am legten Sonntag hat sich Herr v. P a p e n bemüht, ge- meinsam mit jenem Herrn ein Stahlhelmfest zu verschönern, und er hat in jenem zweifellos man- archistisch gesinnten Kreis den vieldeutigen Aus- jpruch getan, der Stahlhelm habe 13 Jahre lang für die Grundlagen des neuen Reiches gekämpft, er solle nicht umsonst gekämpft haben. Wenn also der Exkronprinz der Meinung ist, bei der Verfolgung seiner hochverräterischen Ab- sichten mit der Regierung einig zu sein, so ist die Reichsregierung an der Entstehung dieses von ihr als„Phantasieprodukt" bezeichneten Mißver- ständnisses keineswegs unschuldig. Die Regierung trägt die volle Verantwortung dafür, wenn jetzt die monarchistische Propraganda dreister als je ihr Haupt erhebt und wenn der Exkronprinz in seiner unüberwindbaren politischen Unreife aus dem Verhalten der Minister Schlüsse zieht, zu denen ihn eine objektive Würdigung der Tat- fachen vielleicht nicht berechtigen würde. Die Reichsregierung kann auf Grund der Macht, über die sie augenblicklich verfügt, mancherlei verlangen. Aber daß die r e p u b l i- kanisch gesinnten Volkskreise sie als die be- rufene Hüterin der Republik betrachten, daß kann sie nicht verlangen. In den Massen gärt das Mißtrauen. Es wächst aber auch der Wille, d i e Republik zu verteidigen gegen jedermann, wer es auch sei! Gömbös, ganz verändert keiueke predigt den Hühnern Budapest, 11. Oktober. Das neue Kabinett Gömbös stellte sich heute dem Parlament vor. Gömbös erklärte, die So- zialdemokraten müßten ihre Aufsassungen rem- dieren, Ausgleich zwischen Arbeitern und Kapital sei notwendig, aber die Krise sei durch die Un- ersättlichkeit des Kapitalismus und die erstrebte Autarkie einzelner Staaten mit verschuldet. Nach einer Verbeugung vor Briands Paneuropa sprach Gömbös für Revision der Friedensver- träge im Geiste der Gleichberechtigung. Ungarn verlange aber keine Aufrüstung und treibe keine Kriegspolitik. Mit Deutschland undOester. reich habe Ungarn immer gut gestanden, und es sei zu hoffen, daß vorteilhafte wirtschaftliche Beziehungen geschaffen werden könnten. Gegen- über den Nachbarn verkünde er nicht Kamps, son- dern Frieden und den Wunsch, daß man Un- garns Cxistenznotwendigkeiten erkenne. In der Innenpolitik habe er seinen Standpunkt gegenüber den Juden revidiert. Juden, die eine Schick- salsgemeinschaft mit der Nation empfänden, be- trachte er als Brüder, wie alle übrigen Un- garn. In der Nationalitätenfrage billige er die Duldsamkeit. Diktatorische Neigungen seien ihm fern. Er erstrebe ein geheimes Wahlrecht, Berein- fachung der Steuern und«ine Revision des Kapitalismus, allerdings ohne radikale Maßnahmen, die zur Inflation führen könnten. Ausklang in Prag Nächster Jugendkongreß Hamburg 1934 Eigener Bericht des„Vormäris" Prag. 11. Oktober. In der heutigen Schluhtagung des Jnternatio- nalen Sozialistischen Jugendkongresses in Prag wurde die Debatte über die gestrigen Referate über den Kampf um Frieden abgeschlossen und dann folgte das Referat des Genossen Kümmel- Wien über„Arbeiterjugend und Wirt- s ch a f t s k r i s e". Nach der Aussprache über diesen Punkt wurde einstimmig eine Reihe von Entschlüssen gesaßt, darunter folgender: „Der Kongreß begrüßt mit lebhafter Genug- tuung die Absicht der Sozialistischen Arbeiterinlernationale, in einer eigenen internationalen Konferenz die Frage der Methoden des Kampfes der internationalen Arbeiterklasse zu erörtern und hofft, daß diese Konferenz einheitliche mternatio- uale Richtlinien aufstellen wird, die für die Aktion des sozialistischen Prolelriats im Falle, daß der Krieg trotz aller Bemühungen dennoch ausbrechen sollte, bindende Kraft haben sollen." Ferner wurde beschlossen, den nächsten Jnter- nationalen Iugendtag im Jahre 1334 in H a m- bürg abzuhalten. Die Wahl des Büros ergab den holländischen Genossen B o r r i n ck als Bor- sitzenden, Wallensheim- Schweden als zwei- ten und A u b r y- Belgien als dritten Borsitzen- den. Als Beisitzer wurden gewählt K a s a l vom tschechischen Verband und Könitz- Oesterreich Als Sekretär der Internationale verblieb Ollen- Hauer- Berlin. Der neue Vorsitzende Vorrinck wies in einer Ansprache auf die Verdienste der aus dem Büro ausscheidenden Genossen Heinz- Wien, Paul-Prag und Hansen-Dänemark hin. Dann schloß der Vorsitzende des Kongresses, Heinz. die Tagung. Moskau, 11. Oktober. Auf Beschluß des Präsidiums-der Zentral- k o m m i s s i o n der Kommunistischen Partei der Sowjetunion vom 9. Oktober wurden aus der Partei 23 Mitglieder und Helfershelfer der konterrevolutionären Gruppe des früher aus der Partei ausgeschlossenen Rutin ausgeschlossen. Die Gemoßregelten hatten ver- sucht, auf illegalem Wege eine bourgeoise Kulakenorganifation zur Wiederher- stellung des Kapitalismus, insbesondere des Ku- lakentums, in der Sowjetunion zu schaffen. Unter den Ausgeschlossenen, von denen die meisten be- reits früher wegen oppositioneller, parteifeind- licher Tätigkeit einmal ausgeschlossen waren, be- finden sich G a l k i n, ein früheres Mitglied der Gruppe rechter Opportunisten. S l e p k o w, der früher zweimal als Rechtsopportunist aus der Partei ausgeschlossen worden war, M a r e tz k i, der wegen Rechtsopporwnismus und Ptaschny, oer wegen trotzkistischer Tätigkeit aus der Partei ausgeschlossen war,, serner Sinowjew und kamenew, die früheren Organisatoren eines partei- und sowjetfeindlichen Blocks, die seinerzeit aus der Partei ausgeschlossen und erst nach ihrer Erklä- rung auf dem 5. Parteitag, daß sie voll uni� ganz„ihren Willen und ihre Ansichten der Partei unterordnen". wieder aufgenommen worden waren. Die beiden Letztgenannten wußten von der Existenz der konterrevolutionären Gruppe urd erhielten ihre Dokumente, teilten jedoch der Die Reichsliste der Sozialdemokratischen Partei Die von, Parteiausschuß eingesetzte Kommission hat folgende Kandidaten für die Reichstagswahl am b. November festgesetzt: I.Wels, 2. C r i s p i e n, 3. B o g e l, 4. B r c i I- scheid, 5. H i l f e r d i n g, 6. I u ch a c z, 7. Landsberg, 8 Dittmann, 9. Graß- mann, 10. Stampfer, 11. M a r u in, 12. Scheffel, 13. Tornow, 14. Völler, 13. S e p p e l, 16. P f ü l f, 17. Bernhard, 18. Stelling, 19. Stückten, 20. Geliert, 21. P o l e n s k e, 22. S i e v e r s, 23. Simon, 24. P f ä n d n e r, 23. Karl, 26. Schiff, 27. Schwerdfeger, 28. Schiffgens, 29. H o r l a ch e r. Partei nichts darüber mit, wodurch sie die Tä- tigkeit der Gruppe förderten. 'Außerdem wurden aus der Partei ausge- schlössen, jedoch unter Zuerkennung des Rechts, nach Ablauf eines Jahres die Revision dieses Beschlusses nachzusuchen, vier Personen, darunter ein ehemaliger Teilnehmer der linksdpportunisti- schen Opposition, und II g l a n o w, ein ehemali- ger Teilnehmer der Rechtsopposition. -k Nach weiteren Meldungen aus Moskau nannte sich die Gruppe der Ausgeschlossenen„Sowjet- b l o ck". Sie forderte den Rücktritt Sta- lins und der anderen Parteiführer, deren Po- litik das Land ins Verderben stürze. Schwindler Daubmann Der falsche„letzte" Kriegsgefangene Freiburg, 11. Oktober. Aus zuverlässiger Quelle verlgulet, daß der angebliche Oskar Daubmann aus Endingen bei seinem Verhör heute abend durch Beamte des Landespolizeiamtes Karlsruhe gestanden hat. gar nicht der wirkliche Oskar Daubmann zu sein, er gab auch zu. daß seine Angaben nicht in ollen Teilen aus wirtlichen Erlebnissen beruhen. Der Schwindler ist heute abend verhaftet worden. Vor 125 Jahren wurde das Edikt zur Auf- Hebung der Leibeigenschaft in Preußen er- lassen. Heute wollen gewisse Herrenschichten die Gestaltung der politischen Machtverhält- nisse gern wieder um hundert Jahre rück- wärts revidieren, möchten am liebsten die Leibeigenschaft wieder einführen. Fast noch schlimmer ist es, daß einige Millionen Men- schen bereit sind, auf ihre Rechte und Frei- heiten zu verzichten, vielleicht auch bereit wären, wieder in die Leibeigenschaft zurück- zukehren... Das Ziel der Reaktion von heute ist es zu- nächst, die formale Gleichberechtigung der Arbeitnehmer zu beseitigen, die einseitige Vorherrschaft von„Besitz und Bildung"(ein schöner nationalliberaler Begriff aus der Vor- kriegszeit) wieder herzustellen. Die durch die Wirtschaftskrise hervorgerufene Rot und Ver- wirrung wird dazu ebenso skrupellos benutzt wie die geistige Verwirrung, die durch Hitler und einige andere Krisengewinnler veran- laßt wurde. Die Weimarer Verfassung war uns nie Selbstzweck, nie Ziel an sich. Sie war uns eine wertvolle Errungenschaft, weil sie end- lich die Vorherrschaft des Junkertums und seiner intellektuellen Schleppenträger zer- brach. Sie machte aus Untertanen Bürger, aus Stimmvieh Mitbestimmende, aus Ob- jekten Subjekte. Sie konnte die auf der Wirtschaftsordnung fußende Ausbeutung der unteren Volksschichten nicht beseitigen. Aber sie sollte die aus der politischen Vor- Herrschaft, aus dem Restfeudalismus ent- stehende Ausbeutung aufheben. Das wirkt nicht nur zugunsten der Arbeitnehmer, sondern aller Schichten, die nicht Sonder- gewinne, Difserentialrenten erhalten infolge der politischen Uebermacht einzelner Schichten. Feudalistische Vorrechte, Bodenmonopol, Monopole an Naturschätzen, zollpolitische Monopole, Bevorzugung in der Verwaltung usw. sind die Quellen solcher finanziellen oder gesellschaftlichen Sondergewinne. So unvollkommen dieser Grundgedanke der Weimarer Verfassung sich auch in der Praxis ausgewirkt hat, er war stark genug. den vereinten Haß aller Reaktionäre gegen dieses Verfassungswerk und seinen Träger, den„Marxismus" von Wels bis Brüning hervorzurufen. Die Verfassung enthält einige Ansätze zur Weiterentwicklung des- jenigen Teiles der Gesellschaft, die Wirtschaft heißt. Das war der besondere Beitrag der Sozialdemokratie zum Werk von Weimar. Die Wirklichkeit hat längst viel schwerere Eingriffe in das Wirtschaftsgefüge gebracht. Gerade deshalb aber werden die verfassungs- rechtlichen Bestimmungen dieser Art gehaßt. Die Subventionen, die Staatsunterstützun- gen, die Milliardengeschenke sollen bleiben, aber mit Stumpf und Stiel soll jeder Ge- danke erschlagen werden, daraus wirtschafts- politische Folgerungen zu ziehen Jeder Ar- beiter, jede Witwe soll ihr Scherflein zu den Milliardenliebesgaben beisteuern, aber nie- mand soll ein Recht daraus ableiten. Zahlen und Maulhalten war von jeher der Inhalt des Machtwillens der Reaktion. Praktisch hat man die Weimarer Ver- fassung in vielen Teilen außer Kurs gesetzt. Eine liebedienerische Wissenschaft hat die Gründe geliefert, die alle Dunkelmänner zur Bedeckung ihrer Blöße gebrauchen. Das Ge- fühl für Recht, die Rechtssicherheit, Freiheit der Person, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit sind beseitigt. Unter dem Schein der Legi- timität geschehen rechts- und verfassungs- widrige Eingriffe, die, außer in Halbosien, nicht mehr als möglich angesehen werden. Seit den Tagen des Feudalismus sind die Stalins parteiguillotine 20 Ausschlüsse verkündet— Was geht in Moskau wieder vor? / breiten Lolksmassen in Stadt und Land nicht so offen und rücksichtslos zugunsten ihrer Pei- niger ausgebeutet worden. Ein Lohnabzug folgt dem anderen. Die Lebenshaltung des Volkes wird in demselben Grade herabge- drückt, wie die Weimarer Verfassung ange- tastet wird. Eins bedingt das andere. Der Reichswehrminister betont stets, daß er als Minister vom Reichspräsidenten ernannt sei, womit offenbar eine besonders hohe„un- politische" Verehrung für das Staatsgrund- gesetz ausgedrückt werden soll. Parteipolitik soll das nicht sein. Kann man sich da wundern, daß dieser Rückfall in den frühmittelalterlichen Geist nicht nur zur geistigen, politischen, wirffchaft- lichen Isolierung Deutschlands führt, sondern daß diese Isolierung geradezu als ein Ideal gepriesen wird? Geistige Autarkie, wirt- schastliche Autarkie spotten ihrer selbst und wissen nicht wie, wenn sie sich in das Gewand der„Deutschbewußtheit" kleiden. Wie kann Geistesschwäche deutsch sein, zumal ja doch am deutschen Wesen die Welt genesen soll? In allen zivilisierten Ländern der Erde hat man nicht nur stets und unter allen Um- ständen Respekt und Hochachtung vor dem Grundgesetz des Staates, sondern auch vor dem Selbstbestimmungsrecht des Bürgers, der Freiheit des Bürgers. In Deuffchland gibt es einen Vizepräsidenten des Reichstags, einen Richter, der in öffentlicher Versamm- lung etwa erklärt:„Ohne Verfassung s- bruch geht es nicht. Papen wird ihn schon machen. Wir können ihm vertrauen." Und es erhebt sich kein Sturm der Entrüstung von links und rechts, kein Sturm bei den Hütern des Rechts, kein Sturm unter den Ge- bildeten. Kein entrüsteter Widerspruch wird in der Wilhelmstraße 78 laut. Wo das Rechtsbewußffein so erschüttert ist wie in Deutschland seit dem 20. Juli, da fehlt der Begriff für das Recht überhaupt. � In allen großen Aufgaben der Zeit hat die Sozialdemokratie eine Hauptaufgabe: den Kampf für die großen Grundsätze der Wei- marer Verfassung. Die Sozialdemokratie ist gezwungen, die Aufgaben zu erfüllen, die die bürgerliche Gesellschaft für sich nicht gelöst hat. Es ist zugleich ein Kampf um den ge- sellschaftlichen Forffchritt gegen Ausbeutung und Verelendung. Es ist ein Kampf um Freiheit und Recht nach außen und innen. Es ist ein Witz der Weltgeschichte, daß um 1932 ein Häuflein deutschnationaler Rück- wärtsler, deren Geist aus der Zeit vor 1807 vor Frecherrn vom Stein stammt, sich als lünzige Hilfsmacht einer Regierung bewegen kann. Daß das lange dauern kann, ist un- wahrscheinlich. Petrefakten sind noch nie wieder lebendig geworden. Je mehr diese Leute jetzt den Geist der Zeit mißhandeln, um so sicherer und gewaltiger erhebt sich wieder eine Welle der Freiheit, des Selbst- bewußtseins, der ehrlichen Deutschheit. Der Träger dieser Welle wird die Sozialdemo- kratic sein. Titulescus Wiederkehr Ein Gegner der Annäherung an die Sowjetunion Der führende rumänische Politiker und Dtplo» mat T i t u l e s c u, zuletzt seit Jahren Gesandter in London, hatte kürzlich seinen Abschied aus Protest gegen die von der rumänischen Regie- rung aufgenommenen direkten Verhandlungen mit der Sowjetunion, die namentlich von Frankreich eifrig befürwortet wurden, eingereicht. Jetzt wird plötzlich gemeldet, daß Titulescu auf Wunsch des Königs nicht nur feinen Abschied rückgängig gemacht hat, sondern sogar al« A u ß« n m i n i st e r in das Kadinett Vaido«in- treten soll. Man nimmt an, daß«r demnächst mit der Bildung einer neuen Regierung betraut werden soll. Es hat den Anschein, als ob die unbedingt fowjet- gegnerischen Kreise Rumäniens wieder Oberwasser gewonnen haben, die dem Abschluß eines Nicht- angriffspaktes widerstreben, solange nicht Mo»- kau die Abtretung Bessarabiens förmlich anerkennt. Allerdings würde dadurch auch«ine Verstimmung zwischen Bukarest und Paris ein- treten, weil Frankreich eifrig bemüht ist, solche Verträge zustande zu bringen, um Rußland end- gültig von der Rapallopolitik loszulösen. Pape« in zweierlei Gestalt Der I�eickskanAler in L.e!p2!s vertreten— der Reichskommissar nicht Eigener Bericht des„Vorwärts" F. KI. Leipzig. 11. Oktober. Es geschehen immer noch Wunder, wenn die aufgeklärte Neuzeit auch nichts mehr davon wissen will. Ein solches Wunder ereignete sich am Diens- tag in der Sitzung des Staatsgerichtshofes. Man rufe sich in Erinnerung: Der Reichspräsident ernennt den Herrn v. Papen zum Reichs- kommifsar für Preußen, der Reichs- kommissar entsetzt die beiden politischen Minister Braun und Severing ihres Amtes und enthebt die übrigen Minister ihrer Dienstgeschäfte. Er setzt gleichzeitig als seinen Stellvertreter den klerikalen Oberbürgermeister Bracht ein, der mit der „Wahrnehmung der Geschäste des Innenministers" betraut wird. Dieser Kommissar amtiert voll- kommen als I n n e n m i n i st e r. In dieser Eigen- schaft erließ er seine Zwickeloerordnung, in dieser .Eigenschaft hat er mit den übrigen Kommissaren die vielfachen Stellenbesetzungen verfügt, die der Entscheidung des Staatsgerichtshofes vor- greifen— aber plötzlich ist der Reichs- kommissar von der B i l d f l ä ch e'v e r- s ch w u n d e n! Wie solch ein Wunder geschehen kann? Ganz einfach: der Ministerialdirektor Gottheiner erklärt, der Reichskanzler sei nur als Reichs- kanzle r, als Führer der Reichsregierung vor dem Staatsgerichtshof vertreten, nicht aber als Kommissar für Preußen! Alles, was der Reichskommissar in Preußen tat und seine Kommissare tun ließ, unterliege nicht der Beurteilung des Staatsgerichtshofes. Das sei höchstens Gegenstand eines innerpreußi- fchen Konflikts, nicht aber eines Konflikts zwischen Reich und Preußen. Man merkt die Ab- ficht und wird nicht einmal verstimmt. Die Kom- missare nehmen alle Rechte für sich in Anspruch, aber lehnen jede Pflicht, sich zu verantworten, ab, sei es vor dem Landtag, sei es vor dem Staatsgericht. Diese Kommission der Kommissare amtiert formell als preußische Staatsregierung. Eine Serie von Klageschriften der verfassungs- mäßigen, aber am Amt verhinderten Minister richtet sich gegen den Reichskommissar und gegen feine Kommissare. Aber die Schlauheit des Herrn G o t t h e i n e r hat entdeckt, daß diese „Staatsregierung" nur eine vorübergehende sei und daß die Klagen gegen den Kom- missar wegen mangelnder passiver Legitimation nicht verhandelt wer- den könnten. Diese Schläue ging jedoch auch dem Präsidenten des Gerichts wider den Strich. Er bemühte sich auch, aus der Praxis des Stoatsgerichtshofs dem Reichsvertretsr klarzulegen. daß man«ine solche Trennung der Funktionen bei einer politisch so bedsutsamsn Frage unmöglich zulassen könne. Denn es sei doch keineswegs wünschenswert, daß der Staatsgerichtshof nach langen Verhandlungen eine Entscheidung treffe und daß dann plötzlich erklärt werden könnte, die Entscheidung sei nicht zulässig gewesen. weil— der Reichskommissar nicht vor Gericht ver- treten war! Der Appell blieb ungehört— bis zum Abend! . Und das ist das zweite Wunder: Am Abend wurde plötzlich der bisher als Zuhörer anwesende Ministerialrat Schütze aus dem preußi- schen Innenministerium als o f f i z ie l l e r Ver- treter des Reichskommissars für Preußen, d. h. des Reichskanzlers in seiner doppelten Eigenschaft als Reichskommissar, zuge- lassen. Man hat sich demnach wohl in den Mi- nisterien gesagt, daß die arrogante Art des deutschnationalen Abgeordneten Gottheiner den Interessen der„Kommissare" nicht gerade förder- lich sei. Der Nachmittag dieses Verhandlungstages ge- hörte der grundsätzlichen Auseinander- s c tz u n g über die Bedeutung der Verordnung zur Einsetzung des Reichskommissars. Hier kamen zunächst Bayern und Baden zum Wort. In den Kreis der juristischen Betrachtungen wurde schließlich auch der Artikel 48 der Reichsverfassung«inbezogen, vor allem die Frage, welche Voraussetzungen für seine An- wendbarkeit gegeben sein müssen. Der anerkannt bedeutendste Kenner des Verfafsungsrechts, Pro- fessor Anschütz- Heidelberg, nahm hier- bei Gelegenheit, in einem großzügigen Abriß die Bedeutung des Artikels 48 und seine Voraussetzungen darzulegen. Als Kern der Dar- legungen sei hervorgehoben, daß nach Meinung von Anschütz die Frage, ob eine Landesregierung etwa nicht scharf genug die Polizeigewalt ange- wendet habe, aus kein en Fall einen Grund zur Anwendung des Artikels 48 Absatz 1 abgeben könne. Denn die Anwendung der Polizeigewalt fließt aus dem Hoheitsrecht des Landes, nicht aus dem Pflichtenkreis im Reiche. Der Staatsgericht?- hos dürfe deshalb nicht der Frage ausweichen, ob eine Pflichtverletzung des Landes Preußen als Voraussetzung der 48'Verordnung vorgelegen habe. Als Kronjurist der Baronsregierung produzierte sich darauf wieder der Berliner Staatsrechtler Carl Schmitt, der bis aufs Mittel- alter und die alten Kurfür st en zurückging, um zu beweisen, daß die Papen-Verordnung gegen Preußen zu Recht bestehe. Ihm leuchtete in knappen aber schlagenden Dar- legungen Professor Heller als Vertreter der fogialdemokratifchen Landtagsfraktion heim, indem er nachwies, daß das Mittelalter, die Kur- fürften und die Zustände von 1806 gar nichts zu tun haben mit der jetzigen Frage. Diese interessanten Auseinandersetzungen zwi- schen den Staatsrechtslehrern dauerten bis nach 7 Uhr abends an. Die Staatswiffenschaft für Preußen Atfy&neittt TiuyMtiüV&i&C€ih44*fy Alle Genossinnen und Genossen, sowie Reichsbannerkameraden, Jugend- und Sportgenossen beteiligen sich cun Souuafaud, den* 15, Öldo&ec von den bekannten Stellen aus. Der Bezirksvorstand, Leipzig, 11. Oktober. Im Verlaufe der Vormittagssitzung hatte der Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion, Prof. Dr. heller, das Beweisthema für die Zeugenver- nehmung folgendermaßen präzisiert: daß von vornherein die Regierung von Papen mit der NSDAP, Abmachungen über die Beseitigung der preußischen Regierung getroffen habe. Mit der Ladung des Herrn von Gleichen und anderer maßgebender Mitglieder des herrenklubs solle bewiesen werden, daß von einer unabhängigen und unparteiischen Regierung, die nur die Bürgerkriegssiiuation bekämpfen wollte, gar keine Rede sein könne, daß vielmehr sehr klare parteipolitische Abmachungen bestanden. Er wolle selbstverständlich auch nicht behaupten, daß die Abmachungen mit der NSDAP, da? alleinige Motiv für die Reichsregierung gewesen seien. Ministerialdirektor Dr. Ladt erklärte, daß die Beseitigung der preußischen Regierung nur der Schlußstein eines Planes sei, der seit zehn Jahren in Kreisen des Reichswehrministeriums besprochen worden sei und der auch Lieblingsplan des Generals von Schleicher war, nämlich den Dualismus Reich— Preußen mit Hilfe des Art. 48 zu beseitigen. Der Vorsitzende Dr. Bumke erörtert dann eine prozessualtechnische Frage. Nach den Akten des Reichsgerichts sei in der Tat zu diesem Verfahren zwar die Reichsregierung,„zu Händen des Herrn Reichskanzlers", geladen, nicht aber besonders der Reichskanzler in seiner Eigen- schaft als Reichskommissar für Preu- ß e n. Die Bemerkung der Vertretung der Reichs- regierung, daß sie nicht den Reichskanzler in seiner Eigenschaft als Reichskommissar mit vertrete, be- ruhe aber wohl nicht auf dieser Nichlladung, die ja leicht nachgeholt werden könne, sondern wohl auf der grundsätzlichen Erwägung, daß der Reichs- kanzler in seiner Eigenschaft als Retchskommisfar in diesem Verfahren nicht vertreten sein könne. Nachdem Ministerialdirektor Dr. Gottheiner das kurz bestätigt hat, bittet Reichsgerichtspräsident Dr. Sumke. doch dieses prozessuale Hindernis zu beseitigen. Er mochte nicht riskieren, daß eines Tages sine Entscheidung ergeht, von der nicht fest- steh«, ob sie nicht auch gegen oder für den Reiche- kommissar Wirkungen habe und daß man dann sage: Wie konnte» Ihr. ohne den Reichskommissar zu beteiligen, eine solche Entscheidung fällen? Er bitte daher die Vertretung des Reiches, doch in Berlin rückzufragen, ob nicht auch der Reichs- kommissar bei der Verhandlung als mit vertreten gelten könne. Ministerialdirektor Dr. Gottheiner sagt diese Rückfrage zu und gibt dann die folgende Er- klärung ab: „Eine Vereinbarung des Reichskanzlers mit Hitler über ein Vorgehen gegen Preußen ist nicht getroffen. Verhandlungen darüber haben zwischen ihnen nicht stattgefunden. Auch die Aufhebung des Uniformverbots, die Wiederzu- lassung der SA.-Truppen und die Wiedergewäh- rung sonstiger politischer Freiheiten waren nicht Gegenstand von Vereinbarungen zwischen dem Reichskanzler und Hitler, gehörten vielmehr von vornherein zum Programm der Reichsregierung, die von sich aus entschlossen war, aus Gründen der Gerechtigkeit Ausnahmebestimmungen gegen die Nationalsozialisten zu beseitigen." Nachdem Ministerialdirektor Dr. Brecht noch darauf hingewiesen hat, daß der Reichskanzler nu r dementieren lasse, daß er in a m t- licher Eigenschaft solche Vereinbarungen abgeschlossen habe, werden die Verhandlungen durch eine Mittagspause unterbrochen. Gazd und Severing Zu Beginn der Nachmittagssitzung verliest Dr. Brecht die bereits in der Presse bekannt- gegebene Erklärung des Ministers Severing gegenüber der Behauptung, daß er, Severing. beim Reichsinnenminister Frhr. o. Gayl selbst die Einsetzung eines Reichstommissars für notwendig erklärt habe. Demgegenüber verliest Min.-Dikektor Dr. Gott- Heiner folgendes Telegramm, das Reichsinnen- minister v. Gayl ihm übersandt hat: „Etwa Mille Zuni d. 3. hatte ich mit Herrn Minister Severing in dessen Arbeltszimmer eine Unterredung über schwebende pollzelliche Fragen. 3m Perlaufe der Unterredung brachte Minister Severing das Gespräch aus die damals in der Oeffentlichkrit umlaufenden Gerüchte über die angeblich von der Reichsregierung geplante Einsehung eine» Relchskom- � missars für Preußen. Ueber den Umfang der Befugnisse eines solchen Reichskommissor» ist dabei selbstverständlich nicht im einzelnen gesprochen worden. Es unterliegt aber nach meiner bestimmten Erinnerung keinem Zweifel. daß es sich bei dem Gespräch um die weit- gehende Maßnahme der Einsehung eines politischen Reichskommissars für Preußen handelte. Lei dem Gespräch erklärte Minister Severing. er habe sich an dem Geschrei über die angeblich bevorstehende Einsehung eines Reichskom- misiars für Preußen nicht beteilig«, weil er persönlich der Ansicht sei. daß diese Maßregel sich nicht werde umgehen lassen. 3m weiteren Verlauf des Gesprächs äußerte Minister Severing mit Bezug auf die Einsehung des Reichs- kommissars: Warten Sie nicht mehr lange ab." Min.-Dir. Dr. Brecht erklärt dazu: Die Er- klärungen der Minister Severing und v. Gayl über ihre Unterhaltung wegen des Reichskom- missars schienen in diametralem Gegen- s a tz zu stehen. Da er aber von keinem der bei- den annehme, daß er nicht die Wahrheit sage, müsse es da etwas geben, was aus den Erklä- rungen nicht ersichtlich sei. Dr. Brecht äußert die Vermutung, daß evtl. die Frage der Ein- setzung eines Polizeikommissars für Norddeutsch- land erörtert worden sei, die ober nichts mit der Amtsentsetzung Severing- zu tun haben konnte. Reichsgerichtspräsidenr Bumke ersucht die Par- teien, die beiden Ministererklärungen dem Ge- richtshof zuzustellen, und fügt hinzu, wenn Seve- ring tatsächlich der Einsetzung eines Reichskom- missars mit den jetzt eingetretenen Folgen zuge- stimmt haben sollte, dann würde nicht er- sichtlich sein, warum die Reichsstellen nicht, ehe sie am 20. Juli die Maßnahmen durchführ- tcn, mit Severing Fühlung nahmen, da es sich ja dann nur um die Erfüllung eines Wunsches von Severing gehandelt haben würde. Im übrigen erklärt der Präsident die Erörte- rung der tatsächlichen Vorgänge hiermit für ge- schlössen. Das Recht der händer Es beginnt dann die rechtliche Erörte- rung mit einer allgemeinen Aussprache über die Probleme, die sich au- dem Art. 48 der Reichsoersassung in Verbindung mit der bundes- staatlichen Gliederung des deutschen Reiches er- geben.- Staatsrat 3an erhält dann das Wort zu grund- legenden Ausführungen, wobei er u. a. erklärt: Bayern hat sich der preußischen JUage ange- schfossen, weil es wünscht, daß die Fragen, über die die bayerische Regierung mit der Reichsregie- rung im Zusammenhang mit dem Vorgehen gegen Preußen nicht übereinkommen konnte, von dem berufenen Organ, dem Staatsgerichtshos, geklärt werden. Die Verhandlungen, die Bayern im Anschluß an die Ereigniste des 20. Juli mit der Rsichsrsgierung geführt habe, hatten Bayern nicht befriedigen können, so daß die Klage vor dem Staatsgerichtshos notwendig geworden sei. Der Zweck der bayerischen Klage sei, daß die Fragen, über die sich Bayern mit dem Reiche nicht habe einigen können, vom Staatsgerichtshos ein für allemal geklärt und im Interesse des befreundeten Zusammenarbeitens mit der Reichs- regierung, also prävent iv, entschieden werden. Bayern habe damals um Feststellungen gebeten, nicht, was auf Grund des Artikels 48 gemacht werden solle, sondern nur, was unter allen Um- Severing gegen Gayl Abwehr falscher Behauptungen Genosse Carl Severing, der am Dienstagabend in zwei großen Massenkundgebungen in Bautzen in Sachsen gesprochen hat, teilt uns zu dem Tele- gromm des Reichsinnenministers von Gayl, das in der Sitzung des Staatsgerichtshofs verlesen wurde, mit, daß die Angaben dieses Telegramms von Anfang bis Ende unrichtig feien. Es Hab« sich bei dem Besuch des Reichsinnen- minister» in Severings Amtsräumen vor allem um die Bitte des Freiherrn von Gayl gehandelt. den Ministerialdirektor Dr. Menzel in der preußischen Verwaltung unterzubringen. Darauf- hin habe Severing erklärt, er könne eine Zusage in dieser Richtung nur geben, wenn er Klar- Hett über die Pläne des Reiches in der Frage der Reichsreform haben würde. In diesem Zusammenhang habe er dem Freiherrn von Gayl die Frage gestellt. was an den Gerüchten über die Einsetzung eines Re i ch s k o m m i ss a r s in Preußen sei. Darauf habe er die Antwort erhalten, das sei alles noch völlig in der Schwebe. Severing betont, daß er nach dieser Antwort Freiherrn von Gayl dringend gewarnt habe, einen derartigen Schritt gegen Preußen zu unternehmen, der der gesetzlichen Grundlage ent- behre. Es sei nach der Reichstagswahl eine Situation denkbar, in der sowohl der Reichs- tag als auch der Preußische Landtag völlig ver- sagten und daß gewisse Elemente dies zum An- laß nehmen könnten, Unruhe und Unordnung zu stiften. Wenn in solcher Situation eine starke Zusammenfassung der Machtmittel von Reich und Preußen erfolge, würde die Reicheregierung eine bessere Plattform haben, als wenn sie ohne ge- setzlichen Grund die Sondermaßnahmen der Ein- setzung eines Reichstommissars gegen Preußen ergreifen«üroe. Die best« Lösung sei dann in der Z u s a m- menfassung der korrespondieren- den M i n i st«> i e n im Reich und in Preu- ßen zu finden, wie sie im Vorjahr« bereits ernst» hast erörtert worden sei. s? ffl ständen nicht gemacht werden darf, und war vor allem hinsichtlich des bundesstaatlichen harakters des Reiches, Die Länder seien selb- ständige Staaten, Sie hätten eigene Staatsgewalt: keine abgeleitete, sondern primäre Staatsgewalt, Diese Staatsgewalt sei nur entsprechend dem Charakter des Bundesstaates ge- wählt, die Reichsstaatsgewalt und die Landes- staatsgewall. Die Landesstaatsgewalt äußere sich im Selbstbestimmungsrecht der Länder auf dem eigenen Gebiet und im Mitbestimmungsrecht an der Reichsgewalt, Staatsrat Jan erklärt dann weiter, daß nach ssiner Auffassung eine Reichskommissariatsregie- rung keine Landesregierung sei. Zn einem Lande könne nur eine Landesregie. rung existieren, nicht aber eine Reichskommissa- riatsregierung. Dementsprechend könnten auch die Länder im Reichsrat nur durch Vertreter ihrer Landesregierungen und nicht durch Vertreter von Reichskommissaren vertreten werden. Für Layern fasse sich das Problem sowohl hinsichtlich des Absahes 1 wie des Absahes 2 des Artikels 48 als die Frage zusammen, wie weit der bundesstaatliche Charakter der Länder gehe und wie weit die Rechte der Länder gehen und was sich daraus ergebe. Für die badische Regierung schloß sich Ministerialdirektor Dr. Fecht im wesentlichen den Ausführungen des bayerischen Vertreters über die Eigenstaatlichkeit der Länder an, die erhalten werden müsse, Der juristische Vertreter der bayerischen Regie- rung, Prof. Rawiasky-München, behandelte so- dann eingehend die Rechte und Pflichten des Reiches und die Rechte und Pflichten der Länder. Die erste Konsequenz sei, daß jedes Land Anspruch aus Achtung habe, und zwar sowohl seitens der anderen Länder als auch seitens des Reiches. Die Länder hätten im Innern das Recht auf eigene Politi k. Der Vertreter der Reichsregierung habe gesagt, daß ein Landes- minister keine Kritik an Handlungen von Reichs- ministern üben dürfe. Eine solche Verpflichtung müsse er ganz entschieden bestreiten, denn jede Landesregierung habe das Recht, Kritik an der politischen Haltung der Reichsregierung zu üben. Daran ändere sich auch nichts, wenn ein Landesminister diese Kritik übe. Es sei auch falsch, wenn Karl Schmitt ausgeführt habe, die Länder seien irgendwie oerpflichtet, sich bei der Beurteilung der politischen Lage an die Richtlinien der Reichsregierung zu halten. Die Länder hätten vielmehr das Recht, die politischen Richtungen nach ihrem eigenen Ermessen zu beobachten. Weiter hätten die Länder als Staaten das Recht auf eigene Organisation und auf eigene Willensbildung. Demgemäß hätten sie auch das Recht, dem Reiche gegenüber ihren Stand- punkt zu vertrete», soweit nicht ausdrücklich durch Vorschriften der Reichsverfassung etwas anderes bestimmt sei. Ministerialdirektor Dr. Goktheiner erklärt Prof. Rawiasky gegenüber, er habe nicht etwa dem Landesminister das Recht der Kritik verweigern wollen, sondern nur die Form bemängelt, in der der preußische Minister Seoering seine Kritik ausgesprochen habe. Die Länderminister müßten sich in einem gewissen Rahmen halten. Es sei aber untragbar, wenn ein Landesminister erkläre, „jagen wir die Reichsregierung davon!" Der Vorsitzende leille hierauf mit, daß Ministe» rialdirektor Dr. Schütze, der bisher den Per- Handlungen als Zuhörer beigewohnt habe, nun- mehr den Auftrag erhalten habe, den Reichs- kanzler in ssiner Eigenschaft als Reichs- kommifsar vor dem Staatsgerichtshof zu ver- treten, Prof. Lilfinger von der Vertretung der Reichs- regierung hebt gegenüber Prof. Rawiasky hervor, bei dem Begriff„Bundesstaat", der für das Deut- sche Reich jetzt zugrunde gelegt sei, müsse die Be- tonung auf das Wort„Staat" liegen, nicht auf „Bund". Dem Föderalismus, den er in diesem Sinne vertreten habe, habe er niemals verlassen und danach sei auch klar, daß Art, 48 für das Reich die Möglichkeit enthalte, im Falle der Ge- fahr Einbuchtungen der Länderrechte vorüber- gehend vorzunehmen. über Artikel 48 Dann wird die Frage untersucht, welche Vor- aussegungen gegeben sein müßten, wenn das Reich d c n A r t. 4 8 A b f. 1 der Reichsverfassung anwende, d. h. die Reichserekution gegen ein Land durchführen wolle. Der Verfassungsartikel selbst nennt als Voraussetzung, daß das betreffende Land seine Pflicht gegenüber dem Reich und den Reichsgesetzen verlebt haben müsse. Zuerst erhält alz Mitglied der preußischen De- legation das Wort der bekannte Derfasfungskom- mentator Prof. Stnschüh-Heidelberg, Er sagt u, a,: Es könne vielleicht versucht werden, mich jetzt auf gewisse Einzelheiten meines Verfassungskommen- tars festzulegen. Ich halte es aber mit dem Wort des Vorsitzenden, daß man sich nicht gegenseitig vorwerfen soll, wenn man seine Meinung geändert hat. Man kann ja zulernen, und ich habe erst jetzt gelernt, welch ein ungeheures politisches Ka- pitel im Art, 48 steckt. Je mehr man aber in den Artikel 48 hineinlegte, um so mehr hatte die Wis- stellte Lehre, wonach es unter gewissen Umständen geboten sein soll, die Reichsverfastung entsprechend der politischen Situation—„situationsgemäß"— auszulegen. Unter keinen Umständen würde ich als Vertreter der Staotswisienschast verantworten können. die Meinung zu vertreten, daß polltische Bedürfnisse und KItuationen irgendwie maßgebend sein sollen und dürfen für die Auslegung der Verfassung von Weimar. Dir Weimarer Verfassung ist nicht so auszulegen, wie die jeweilige politische Situation es fordere, fon- dern wie sie gemeint ist und dabei wird man gelegentlich nicht darum herumkommen, nachzuprüfen, wie die Väter der Verfassung sie gemeint haben. Zu Art. 48 Abs. 1 betont Anschütz, daß dabei zu beachten seien die Voraussetzungen, das äußerliche Verfahren und die Exekutionen und ihre Grenzen, jetzt wolle er aber nur auf die Vor- aussetzungen und über das Verfahren sprechen, Voraussetzung sei, daß das betreffende Land seine Pflicht gegenüber dem Reich bzw. den Reichsgesetzen verletzt habe, wobei es nicht immer nur aus das geschriebene Reichsrecht ankommen müsse. Die bloße Tatsache der Hetero- genital der inneren Politik eines Landes zu der des Reiches, so fährt Anschütz fort, kann nie- m a l s den Tatbestand der Pflichtverletzung aus Art, 48 Abs. 1 erfüllen. Wir sind nun einmal Bundesstaat und haben damit das Selbstbestimmungsrecht der Länder, Das ist von der Reichsoerfasjung still- schweigend gewollr. Wenn ich auch einig bin mit Prof. Bilfinger, daß der Länderparlamentarismus häufig zu Mißbräuchen geführt hat, so will doch die Reichsverfassung nicht nur den Bundesstaat, sondern die parlamentarische Demokratie. Damit muß sie auch gewisse Schattenseiten dieser In- stitution wollen. Wenn die Schattenseiten ak- tuell werden, darf man nicht sagen, daß das eine Widersetzlichkeit sei, die die Reichsexekution er- fordere. So handele es sich bei der angeblichen Schlechterbehandlung der Nationalsozialisten ge- genüber den Kommunisten in Preußen, Um nichts anderes als die Ausübung der Polizeigewalt, Po- lizeigewalt sei aber Gegenstand der Landeshoheit und nicht der Reichshoheit. wenn ein Land von den Polizeibefugnisfen nicht genügend Gebrauch gemacht habe, dann liege kein« Pflichtverletzung gegenüber dem Reich vor. Die Gegenseite könne einwenden, daß bei zu schlaffer Polizeigewalt die öffentliche Ordnung gefährdet werde. 3n einem solchen Falle käme allerdings Art. 43 Abf. 2 in Betracht. Dann könne man also die Diktatur erwägen, nicht aber die Reichsexekution. Entscheidend sei nun, ob der Gerichtshof der Frage ausweichen könne, ob die Feststellung der Pflichtverletzung eines Landes nicht eine Er- messensfrage des Reichspräsidenten sei, die der Nachprüfung durch den Staatsgerichtshof entzogen wäre. Sollte diese Frage austauchen, dann er- kläre er: der Staalsgerichtshof kann und darf die Entscheidung und Beantwortung über die konkrete Frage, ob im vorliegenden Falle das Land Preußen sich einer Verletzung der ihm nach der Reichsverfassung obliegenden Pflichten habe zuschulden kommen lassen, nicht ausweichen. Eine Ermessensfrage kann vielleicht vorliegen bei Abf. 2, wo die erhebliche Störung der öf- sentlichen Sicherheit und Ordnung erwähnt wird. Abs, 1 aber verlangt, daß reichliche Tat- fachen die Pflichtverletzung des Landes er- weisen. In diesem Falle ist das Land Preußen mit der Reichsexekution geradezu überfal- l e n worden. Ich möchte nicht soweit gehen zu betonen, daß eine vorherige Mängelrüge für die Rsichsexekution notwendig sei: wie man das nennen will, ist gleichgültig. Aus dem Wesen des Rechtsinstruments der Reichsexekution ergibt sich jedenfalls als notwendig, daß in irgend- einer Form unter Belastung einer, wenn auch noch so kurzen Erklärungsfrist, dem betreffenden Lande die Mitteilung gemacht wird, daß die Reichsregierung gegen die Lan» desregierung einschreiten wolle, und daß das Land Gelegenheit erhalte, zu erklären, ob die behaupteten Verfehlungen richtig seien. Die Exe- kution sei eine Zwangsvollstreckung, und Zwangs- Vollstreckungen erforderten den vollstreckbaren Titel. Der könne aber nur darin liegen, daß irgendwie festgestellt wird: hier liegt eine Pflichtverletzung vor, und das betreffende Die Bsweisftikmms Gottheiner:„Severin� war iür die Einsetzung eines Reichskommissars — Braun war mit seiner Absetzung sehr zufrieden..(beiseite):„der Lack ist leer, schicken Lie mal ins deutschnationale Parteibüro nach einem weiteren Sack voll Wahl— material." Land weigert sich, den gerügten Zuständen abzu- helfen. In der Tatsache, daß gegen Preußen ohne vorherige Mitteilung vorgegangen sei, liege ein so erheblicher Verfahrensmangel, daß daraus der Gerichtshof zur Zurückweisung der Verordnung kommen mühte. Auf Befragen durch den Vorsitzenden äußert sich Professor Anschütz noch dahin, daß er die Frage nicht eingehend studiert habe, was als Pflichtverletzung eines Landes im Sinne von Artikel 48 Absatz I bzw. was als subjektives Verschulden aufzufassen sei. Nach seinen Ueber- legungen müsse aber jedenfalls irgendein s u b- jektives Verschulden festgestellt worden sein und außerdem eine objektive Ver- letzung der Reichsgesetze. Die bloße Gegensätzlichkeit der Landespolitik gegenüber dem Reich oder die Störung der öffentlichen Ordnung genügte ni ch t für die Exekution. Geschichtliche Abschweifungen Professor Dr. Carl Schmitt stellt in seiner Er- wideruna gegenüber Anschütz zunächst fest, daß Artikil 4L Absatz 1 das Wort„Exekution" nicht gebrauch». Er spr«chs lediglich vom„Anhalten zur Pflicht". C» handle sich also um eine Zwang»- b,fugni» da» Reiches gegenüber einem Lande, das seine Pflichten nicht erfülle. Daß diese eigenartige Befugnis des Reichspräsidenten als Exekution bezeichnet werde, beruhe auf einer i n t s r- esfanten geschichtlichen Entwicklung. Die geltende Reichsverfassung habe bewußt an dieser Stelle die Zwangsbefugnis des Reichspräsidenten so stark wie möglich zu gestalten gesucht und das Prinzip des Schutzes gegen die Exekution zurück- gestellt, um ein rascheres und wirksameres Ein- greifen des Reichspräsidenten zu ermöglichen, wie Nazi-paradiese Eine Abrechnung mit der Hakenkreuzlüge KeineAusrede mehr! Immer noch ope- rieren die Nazis mit der Ausrede, sie seien zwar die stärkste Partei, aber die bösen Gegner ließen sie nicht an die Macht, Deshalb hätten sie noch nicht zeigen können, was sie zu lestten imstande seien, Ihr Programm sei so vorzüglich und ihre Führer so tüchtig, daß sie das Dritte Reich zum Paradies ausgestalten würden. Die Ausrede ist vorbei! Es gibt jetzt schon eine Reihe „Nazi-Paradies e". In einer eben erschienenen Broschüre sind sie einmal etwas genauer betrachtet und Berichte aus zehn Nazi-Paradiefen veröffent- licht worden. Albersdorf, Erfde, Kehl, Theuern, Schmiedeberg, Maichingen, Koburg, Braunschweig, Mecklenburg und Thüringen sind nur eine be- scheidene Auswahl. Hier aber sind die Nazis an der Macht, hier regieren sie. Und nirgends sind die paradiesischen Zustände eingetreten. Ueberoll haben die Nazis nicht nur völlig versagt(das wäre noch erträglich), sie haben bewußt oder aus völliger Unfähigkeit zur Katastrophe getrieben. Fürchterlich ist die Regierungswirtschaft in diesen Nazi-Paradiesen. Jeder Ber-cht ist eine Anklage gegen die Nazi-Partei und eine Warnung, Deutschland nicht diesen Katastrophenpolitikern auszuliefern. Hier ist das Material zusammen- es in der Situation des Sommers 1919 mit ihren Gefahren für die Reichseinheit erforderlich war. Die beiden Absätze des Artikels 48 seien nicht zu trennen, Exekution und Ausnahmezustand könnten kaum unterschieden werden. Auch in der schweize- rischen Bundesverfassung sei, wenn es zu einem Einschreiten des Bundes komme, bei den inein- anderfließenden Voraussetzungen nicht mehr zu unterscheiden, ob eine Exekution oder eine Jnter- vention erfolgt sei. Eine unvermeidliche Kon- sequenz des Rechts auf eigene Politik der Einzel- staaten würde es sein, daß grundsätzlich der Bund nur auf Anrufen des Einzelstaates vorgehen könne. Dieser Grundsatz sei im alten deutschen Bund ganz bewußt durchgeführt worden. Dann ober habe sich der Gedanke des Rechtsschutzes geändert. Für die Gesamtrichtung der geschicht- lichen Entwicklung des Rechtsinstituts scheine ent- scheidend zu sein, daß schon die B i s m a r ck s ch e Verfassung von 1871 einmal das Recht der Exekution dem Bundesrat gibt und die Durch- führung des Belagerungszustandes dem Bundes- feldherrn überträgt, Professor Heller erklärte sodann, daß das Heu- tige deutsche Recht mir dem früheren deutschen Recht überhaupt keine Vergleichsgrundlage habe. In der nächsten Sitzung am Mittwoch werden die Vertreter des Reiche» nochmol» dos Wort zu diesen Fragen nehmen, getragen, das erfolgreich gegen die Nozi-Peft zu gebrauchen ist. Programm und Praxis, das ist der böseste Punkt in der Nazi-Praxis, Kommen diese Helden erst in die praktische Arbeit, dann sind sie jederzeit bereit, das ganze Programm zu ver- raten. An einer Fülle von Einzelbeispielen ist gezeigt, wie ganze Nazi-Fraktionen ihre eigenen Programmpunkte ablehnen Verrat und wieder Verrat aller Nazi-Versprechungen ist das Merk- mal ihrer Praxis. N a z i- B l ll t e n. Reiniger und Erneuerer Deutschlands nennen sich die Pgs. Die Broschüre zeigt Betrüger und Verbrecher bei der praktischen Arbeit. Unterschlagungen und schlimmste Korrup- tionen sind an der Tagesordnung Landesver- räter, Spione und Urkundenfälscher werden mit sührenden Posten in der praktischen Arbeit be- traut. Parteibuchbeamtenwirtschaft in Reinkultur! Eine Abrechnung mit den praktischen „Taten" der Nazis fehlte bislang in dieser Zu- sammenstellung. Jetzt ist«ine Waffe vorhanden, die die Nazis an ihrer schwächsten Stelle trifft. Verlangen Sie in der Buchhandlung oder vom Broschürenobmann die neue Broschüre„Nazi- Paradiese" zum Preise von 19 Pf. Kttv Braun wehrt sich Ein Schreiben an den Reichsgerichts- präsidenten Der preußische Ministerpräsident Otto Braun Hat am Dienstag, veranlaßt durch die verlogenen Behauptungen des deutschnationalen Ministerial- direktors Gottheiner vor dem Staatsgerichtshof, folgendes Schreiben an den Reichsgerichts- Präsidenten gerichtet: „B e r l i n- Z e h l e n d o r f, 11. Okt. 1932. Aus Zeitungsberichten über die Verhandlung der Versastungsstreitsache Preußen gegen das Reich ersehe ich, daß in der Verhandlung am 19. dieses Monats der Vertreter des Reiches, Ministerialdirektor Gottheiner, in bezug auf meine Person die Behauptung aufgestellt Hot, ich hätte auf die Gewährung der vollen Bezüge sehr großen Wert gelegt, mich bald nach der Enthebung vom Amt nach dieser Frage erkundigt und mich sehr befriedigt erklärt als mir die Antwort wurde, daß ich meine Bezüge weiter erhalten würde. Diese Behauptung entspricht nicht der Wahrheit. Ich habe mich nie- in a l s beim Reichskommissar oder bei der Reichsregierung wegen der Weiterzahlung meiner vollen Bezüge erkundigt oder darum ersucht. Auch habe ich niemals meine Befriedigung über die erfolgte Regelung geäußert. Im Gegenteil finde ich es höchst un- befriedigend, auf die Dauer für mich geradezu unerträglich, daß ich meine vollen Bezüge als Ministerpräsident beziehe, aber von der Reichs- regierung gewaltsam gehindert werde, meine Amtsgeschäfte wahrzunehmen. gez. Braun, preußischer Ministerpräsident." Damit ist der Versuch, Wahlagitation, material gegen Otto Braun vor dem Reichsgerichtshof zu schaffen, gerichtet. O D o r- z AH m P A S T A mit g'iujjHcir-&edyenkmüu$cn~... sie haben ufkiraff. Schluß mit dem LohndruS Entschließung des Holzarbeiterverbandes Der Beirat des Deutschen Holzarbeiterver- bandes, der am 10. und 11. Oktober in Berlin oersammelt war, beschäftigte sich eingehend mit der Tarifpolitik und der Notverordnung vom 5. September. I n der Holzindustrie sind die Verdienste in den legten Jahren außer- ordentlich stark gesunken, da zu dem tariflichen Lohnabbau der Verdienstausfall in- folge Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit kommt. Während des laufenden Jahres waren in keinem Monat weniger als 60 Proz. der Mitglie- der arbeitslos, zur Zeit sind mehr als KK proz. arbeitslos. Nur im Baugewerbe ist die Arbeitslosigkeit größer. Die tariflichen Zustände im Holz- gewerbe sind sehr verworren. Bis zum Februar 1931 bestand ein zentraler Tarifvertrag, der mit dem Arbeitgeberoerband der Deutschen Holz- industrie und des Holzgewerbes abgeschlossen war. Nach dessen Ablauf war diese Unterneh- merorganisation nicht mehr imstande, eine zen- träte Regelung herbeizuführen. Es wurden Tarifverträge mit den einzelnen Bezirksverbänden des Arbeitgeberverbandes abgeschlossen. Allmäh- lich ist aber der Arbeit g e b e r verband fast völlig alz Tarifpartner ausgeschieden. An seine Stelle sind Jnnungsverbände und sonstige Unternehmerorganisationen getreten. Der Umfang des Gebietes, in dem Tarifverträge gelten. ist ganz bedeutend zurückgegangen. Wo noch Tarifverträge bestehen, werden Lohn- abkommen meist nur für kurze Dauer, für zwei bis drei Monate, geschlossen, und bei jeder Erneuerung müssen sich die Arbeiter gegen neue Lohnabbauforderungen zur Wehr setzen. Auch die Notverordnung, die den Unternehmern erhebliche Lohnsenkungen gestattet, hält sie nicht ab, weitere Tarifkündigungen aus- zusprechen und weitere Kürzungen der Tariflöhne zu oerlangen. Der Beirat des Deutschen Holzarbeiterver- bandes stellte sich einmütig aus den Standpunkt. daß es nun mit der Lohnsenkung Schluß sein müsse. Allseitig kam der Wille zum Ausdruck, allen Ver- suchen, den Lohn der noch beschäftigten Holz- arbeiter noch tiefer als seither herabzudrücken, jeden möglichen Widerstand entgegenzusetzen. Die Stimmung des Beirats fand ihren Ausdruck in der einstimigen Annahme der folgenden Resolu- tion: „Durch die Notverordnungen der gegenwär- tigen Reichsregierung ist der Grundsatz und der Wert des Tarisoertrages auf das schwerste er- schüttert. Der Verbandsbeirat bringt zum Aus- druck, daß der Tarisoertrag im Verbände nie- mals als Selbstzweck, sondern immer nur als zweckmäßiges Mittel der Regelung und Sicherung der Arbeitsbedingungen gegolten hat. Wo der Tarifvertrag diese Bedingung nicht mehr erfüllt, wird es der Verband vorziehen, die Bindungen des Tarifvertrages zu verlassen, um sich die Freiheit in der Gestallung der Ar- beit-verhältnisse zu sichern. Indem der Verbandsbeirat den Vorstand be- auftragt, in diesem Sinne die Lohn- und Ver- tragsbewegung des Verbandes zu führen, appel- liert er gleichzeitig an die Verbandsmitglieder und alle Holzarbeiter und holzarbeiterinnen, durch die Stärkung der Organisation die Widerstandskrast gegen tohnraub zu verstärken." Der Beirat beschäftigte sich im übrigen mit inneren Verbondsangelegenheiten. Auch wurde beschlossen, in eine u in fassende Werbe- t ä t i g k e i t einzutreten. AfA.-Srlskarte« In der Vertreterversammlung des AfA-Orts- kartells Berlin am Montag berichtete Genosse F l a t a u, daß die Mitgliederbewegung in den Berliner AfA-Verbänden in den letzten Monaten trotz der unverminderten Konjunkturflaute ziem- lich stabil geblieben ist. Nach einem kurzen Rück- blick aus die politischen Ereignisse der jüngsten Zeit und die Arbeit der AsA-Vertreter in den ver- schiedensten Körperschaflen schloß Genosse Flatau seinen Arbeitsbericht mit der Ausforderung, die Organisationen der Eisernen Front, mit denen auch das AfA-Ortskartell sehr gut zusam- mengeorbeitet hat, weiterhin wirksam zu unter- stützen. Im Mittelpunkt des Abends stand ein Referat des Genossen G ö r i n g„Papenpian— Arbeits- beschaffung— Hilfe für die arbeitslose Jugend" Der Referent gab einen allgemeinen Ueberblick über die Rot in der Angestelltenschasl, die in den Zahlen der Arbeitsmarktstatistik. vor allem aber in den Zahlen über die nicht unter- stützten Arbeitslosen zum Ausdruck kommt. Mit größter Schärfe kritisierte er die„Ankurbelungs- Politik der Baronsregierung". Diese Regierung läßt alle Forderungen der Gewerkschaften nach einem Umbau der Wirtschast unbeachtet. Sie ver- sucht die Gewerkschaften einzuschüchtern und sie davon abzuhalten, die Kämpfe der Arbeiter und Angestellten gegen jeden Lohnabbau zu unter- stützen. Auf die am 3. Oktober erlassene Durchführungs- Verordnung zur Notverordnung vom 3. September, in der den Gewerkschaften die Friedenspflicht auf- zuzwingen versucht wird, werden AsA-Bund und ADGB. in einer gemeinsamen Kundgebung am 18. Oktober die gebührende Antwort erteilen. Genosse Göring kündigte den schärfsten Kampf der Gewerkschaften an gegen die neuen Pläne der Reichsregierung. die auf eine Beseitigung des Grundbetrages der Renten in der Invaliden- und Angestelltenversiche- rung, eine Aenderung der Organisation der Be- rufsgenossenschaften zuungunsten der Unfallver- sicherten usw. abzielen. In seinen Schluhaussührungen begründete der Referent die Stellungnahme des AsA-Bundes zum freiwilligen Arbeitsdienst, die in der Auffassung wurzelt, daß man sich für den frei- willigen Arbeitsdienst nicht begeistern braucht, ihn aber angesichts der großen seelischen Not der jugendlichen Erwerbslosen nicht negieren könne. Organislett euch! Die Berliner Werbeaktion Margen, Mittwoch, beginnt in Berlin der große Werbefeld. zug für die freien Gewerkschaften und die ihnen nahestehenden Einrichtungen der Arbeiterschaft, der bis zum 15. Dezember dauern soll. Die Mitgliederwerbung geht nach einem Plan vor sich, der vom Ortsausschuß des A D G B. im Einvernehmen mit den einzelnen Verbänden und Unternehmungen der Arbeiter- schafi entworfen worden ist, und der in einer Vor- siändekonserenz der Berliner Gewerkschaften am Montag im Gewerkschaflshaus einmütig gebilligt wurde. An der Werbeaktion sollen sich nicht nur die Funktionäre, sondern a l l e M i t g l i e d e r der freien Gewerkschaften beteiligen. Die erfolgreichsten Werber erhalten W e r b e p r ä m i e n, und zwar für je sechs Neuaufnahmen, die nicht allein für den eigenen Verband gemacht zu sein brauchen, einen Gutschein im Werte von 3 Mark. Für diesen Gutschein erhält der Werber als Gegenleistung Bücher, Theatervorstellungen oder Waren. Bei der Küchergilde Gutenberg, der Verlagsgesellschaft des ADGB.. der Volksbühne, der Konsumgenossenschaft oder bei den Lindcar-Fahr- radwerken, auch bei der Arbeiterbank werden die Gutscheine in Zahlung genommen. In der Vorständekonserenz war man sich dar- über klar, daß infolge der unterschiedlichen Bei- träge und Aufnahmegebühren bei der Werbung Schwierigkeiten aufrauchen werden, die es jedoch zu überwinden gilt. Wenn sich jedes Berliner Ge- werkschaftsmitglied mit allen Kräften in den Dienst der Werbeaktion stellt, muß ihr ein beachtlicher Erfolg beschieden sein. Die Mitglieder der Ver- liner Gewerkschaften werden über alle Einzelheiten der Werbeaktion noch genau unterrichtet durch den „Aufwärts", das Organ des Berliner Ortsaus- schufses des ADGB. Der Druck auf die Arbeitsbedingungen kann nur erfolgreich abgewehrt werden, wenn die Reihen der Gewerkschaften geschlossen sind. fasse bereits 200 000 Mann. Die zu seiner Durchführung verfügbaren 30 Millionen Mark reichten noch bis Jahresschluß. Der Jahresauswand für den Arbeitsdienst erfordert also 200 Millionen Mark und zwar 120 Millionen an Förde- rungszuschuß und 80 Millionen an Sachkosten. Die volle Durchführung des FAD.-Programms würde— da jeweils mit einer Generation von etwa 3 000 000 jugendlichen Arbeitsdienstwilligen zu rechnen sei, rund 300 Millionen Mark er- fordern. Wir sind noch heute der Auffassung, die Dr. S h r u p in seiner Veröffentl'chung über die„Ar- beitslosenhilfe" im Verlage des„Deutschen Volks- wirts" bekundete, als er noch nicht zugleich Reichstommisiar nir den freiwilligen Arbeits- dienst war, nämlich, daß die im freiwilligen Ar- beitsdienft aufgewandten Summen besser auf dem freien Arbeitsmarkt oerwendet würden. Schuhmacherstreik In den Treptower Werkstätten Zum 30. September wurde den in der Schuh- macherabteilung der Berliner Lehr- und Beschäf- tigtenwerkstätten in Treptow der Lohntarif gekün- digt. Die Geschästsleitung wollte Teilarbeit ein- führen und bot Akkordsätze an, die um die Hälfte niedriger sind als im Jnnungstarif. Der Gewerkschaftsvertreter schlug vor, die Teil- arbeiten zwei bis drei Wochen zu dem bisherigen Lohn herstellen zu lassen und dann in neuer Ver- Handlung die Akkordsätze festzulegen. Da die Geschästsleitung dies ablehnte, beschloß eine Betriebsoersammlung einstimmig, nochmals zu verhandeln und wenn alle Verhandlungsmög- lichkeiten erschöpft sind, in den Streik zu treten. Verhandlungen am 10. Oktober scheiterten wie- derum, worauf allen Arbeitern gekün- digt wurde. Der Ausgang zur Straße wurde verschlossen, bis alle Arbeiter die schriftliche Kündigung in Händen hatten. Da die Arbeiter protestierten, wurde dasTorwiedergeöffnet. Die Kündigungen wurden durch die Post ver- schickt. Die Zahlstelle Berlin des Schuhmacher- Verbandes fordert alle Kollegen auf, keine Arbeit in den Treptower Werk- st ä t t e n anzunehmen, ihren körperbehinderten streikenden Kollegen nicht in den Rücken zu fallen. Syrups Zahlen Im Rahmen einer Vortragsreihe sprach der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermitt- lung und Arbeitslosenversicherung, Dr. S y r u p. der zugleich Reichskommissar für den freiwilligen Arbeitsdienst ist, über die Neugestaltung der Arbeitslosenhilse. Im wesentlichen brachte Dr. Syrup Zahlen über die Versicherung der Arbeitslosen und den Arbeitsdienst. Die Unterstützungskürzung in der Arbeitslosen- Versicherung zeigt folgende Zahlenangaben! Ein Arbeitsloser bekam im Monatsdurchschnitt in den Jahren 1927: 81 Mark: 1928: 7 8 Mark: 1929: 7 6 Mark: 1930: 60 Mark und seit Juni 1932 noch 33 Mark. Die jährlichen Kosten für einen Arbeits- dien st freiwilligen veranschlagt Dr. Syrup auf 1000 Mark. Der freiwillige Arbeitsdienst er- ReichSpoft gegen Schießerei ■Aneb gegen SA.-Schützen? Das Telegraphenzeugamt in Berlin kündigte am 12. Januar einigen bei ihm beschäf- tigten Mitgliedern der SchieHsparte des Arbeitersportvereins„Ficht e". Die Entlassenen klagten auf Wiedereinstellung. Die Beklagte macht geltend: Die Schützenabteilung beim Telegraphen- zeugamt sei als eine„Rote B e t r i e b s w e h r" zur Erreichung politischer Ziele im Wege der Ge- walt gebildet worden. Die Weiterbeschästigung von Arbeitnehmern, die derartigen Organisationen an- gehörten, könne ihr nicht zugemutet werden, da die ungestörte Forlsetzung des Betriebes der Deutschen Reichspost von entscheidender Bedeutung für die öffentliche Sicherheit und Ordnung sei. Die Kläger erklären, daß sie nur dem Arbeiter- schießsportverein angehören, der keine politischen Ziele verfolge. Sie seien rein sportlich tätig gewesen. Obwohl Hitlers SA.-Leute wiederholt an Waffenübungen teil- nehmen und auch im Besitz von Schuß- waffen seien, habe die Reichspost bis jetzt noch keinen Razi wegen seiner politischen Betätigung entlassen. Das Landesarbeitsgericht hat gegen die Kläger entschieden und die Entlassung als rechtswirksam gebilligt. Es hat festgestellt, daß die vertragsmäßige Kündigung der Kläger kein Ver- stoß gegen Art. 118 der Reichsversassung sei, wenn der Arbeitgeber nicht nur nach seiner subjektiven, vielleicht jeder Grundlage entbehrenden Auffassung, sondern nach den gegebenen Verhältnissen berech- tigterweise zu der Ausfassung gelangen konnte, daß die Betätigung des Arbeitnehmers mit den Auf- gaben und dem Zweck einer Verwaltung nicht ver» einbar ist. Die Kläger seien nicht wegen ihrer politischen Gesinnung, sondern wegen positiver Betätigung bei dem Schieß- sportverein entlassen worden. Gegen das Urteil hatten die Kläger Revision eingelegt. Sie verlangen Aufhebung des oorinstanz- lichen Urteils und eine grundsätzliche Ent- scheidung in dieser Rechtsfrage. Das Reichsarbeitsgericht kam zur Zurückweisung der Revision. Ein Verstoß gegen Art. 118 der RV. läge nicht vor, da die Kläger nicht wegen ihrer politischen Gesinnung, sondern wegen ihrer Betätigung in einem revolutionären Schießsportverein entlassen worden seien.(RAG. 227/32.) „Behala-Streik Dm den Londertari! Für die vor dem 1. November 1928 bei der Berliner Hasen- und Lagerhaus A.-G. einge- stellten Arbeiter bestand bis zum 30. September ein besonderer Mantellarifvertrag, der verschiedene soziale Vergünstigungen bezüglich des Urlaubs, Krankengelds, der Waschzeit, Schutzkleidung und dergleichen vorsay. Die Verlängerung dieses Ver- träges um ein Jahr lehnte die„Behala" ab. Sie erklärte sich in den Verhandlungen schließlich be- reit, diesen Manteltarif um ein Jahr zu ver- längern. Der Urlaub sollte in diesem Jahre noch voll gewährt, dann aber um ein Drittel und das Krankengeld um die Hälfte gekürzt werden. Es hätte sich wohl eine Einigung herbeiführen lassen, wenn die„Behala" nicht die Bedingung gestellt hätte, daß eine voin Gefamtverband beim Arbeits- gericht anhängige Klage über die Auslegung einer Tariibestimmung von dem Verband zuriickge- zogen wird. Die Belegschaft hat in einer Urabstimmung init Dreiviertelmehrheit den Vorschlag abgelehnt. Die 330 Arbeiter nehmen heute die Arbeit nicht wieder auf. Es geht auch so! Ohne Mjtverordnungs-bolrndruck Für die Zigarrenindustrie ist im Juli 1932 ein neuer Tarisoertrag zwischen dem Reichs- verband Deutscher Zigarrenhersteller E. V. und den beiden Tabakarbeiteroerbänden abgeschlossen worden, mit dem eine allgemeine Lohnkürzung durchgeführt wurde. Infolgedessen hat der Reichsverbond seinen Mitgliedern empfohlen, von der Lohnsenkungsmöglichkeit aus der Verordnung vom 5. September zur Zeit keinen Gebrauch zu machen. In der Zigarrenindustrie wird demnach auch bei Neueinstellungen keine Lohn- kürzung vorgenommen. Herrenkonfektion Der neue Reichstarif Für die Herrenkonfektion haben die Tarisver» Handlungen zur Erneuerung des Reichs- t a r i f s ab 1. November geführt. Für das Mantel- und das Lohnabkommen halten die Unternehmer ganz unmögliche Verschlechterungen angemeldet. S i e drangen damit nicht durch. Für den Ur- laub wollten sie z. B. nur sechs Tage als Höchst- maß gewähren. Er wurde in der Spitze jedoch nur von zwölf auf zehn Tage herabgesetzt. In der Lohnfrage hatten di« Unternehmer einen Ab- bau von 13 Proz. für die Arbeiter und von 20 Prozent für die Zuschneider gefordert. Der Ab- bau für die Arbeiter beträgt 3 Proz. und der für die Zuschneider 8 Proz. Die Löhn« in der Lodenkonfektion wurden um 5 Proz. ge» kürzt. Die gleiche Kürzung tritt unter bestimmten Voraussetzungen in der Massenkonsektion bei Ver- gebung an Zwischenmeister ein. Im wesentlichen sind die grundsätzlichen Forde- rungen der Unternehmer zurückgewiesen worden. Im Lohn wollten sie das Niveau nach unten gleich machen. Wenn sie auf ihren Forderungen bestanden hätten, wäre es nicht zum Abschluß eines Reichstarifs gekommen. Notverordnungsstreik Glasarbeiter gegen Lohndruck Die Glaswerke G e l s d o r f in W e i ß- wasser(O.-L.) kündigten ab 10. Oktober eine Lohnkürzung von durchschnittlich 9 bis 10 Proz. aus Grund der Notverordnung an. Da die Zurück- Ziehung des Lohndruckdiktats durch Verhandlun- gen nicht zu erreichen war, kündigte die Belegschaft das Arbeitsverhältnis zum 8. Oktober. In dem Betrieb mit 110 Arbeitern ruht seit Montag die Arbeit. Hierzu 2 Beilagen ®ct..Vorwärts- erscheint wochcntitglich zweimal, SolUlta»» und Montags einmal. Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit-./ Bezugspreise: Wöchentlich 75 Pf., monatlich 3,25 9)1. ldavo» 87 Pf. monatlich fstr Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Poftbezug ij,9l M. einschlteßlich 60 Pf. Postzeitung. und 72 Pf. Postbestellgebübren. Auslandsabonnemcnt 3,65 M. pro Monat: für Länder mit ermäßigtem Drucksochenvorto 4.65) M. Bei Ausfall der Lieferung wegen IiiSnarnr lidornol k n o 71 r fi t, n-IlTtinriti+i hat*-1lhr.rMi«»n+«»r» rtuf iV s- i" t*> Jl rssr-i-»«- TM««7«. r..— Tir«. rrn: n;...____: r.•■»<■« CO...ir., r a cto ä r- r_.____. eto___. ro;:.•. ERSTE BEILAGE MITTWOCH, 12. OKT. 1932 Wie Berlin verwaltet werden muß Ltartums der kommunalen Demokratie— Schafft den Verwaltungsmittelpunkt— Von Dr. Carl Herz Die Reform der verwallung B e r l i n s ist in diesen Tagen Gegenstand der Becalungen eines Stadtverordnelen- ausschustes. Der„Vorwärts" veröffent- licht nachstehend bedeutsame Aussührungen des Bürgermeisters Dr. Carl herz, in denen die Grundgedanken des vor zwei Dohren geschaffenen Entwurfes des Bezirks- Vorstandes der Berliner Sozialdemokratie mit den haupllinien des Magistralsplanes gegeneinander abgewogen werden. Innerhalb der Auseinandersetzungen über die Neugestaltung der Bezirksverwal- t u n g ist ein Streit darüber entstanden, ob der Magistratsentwurs der grundsätzlichen Einstellung des von der Berliner Sozialdemokratie vor zwei Jahren veröffentlichten Selbstverwaltungsentwurfs entspricht. Bon bürgerlicher Seite ist behauptet worden, daß der Magistratsentwurf in starkem Maß� dem Entwurf der Partei nachgebildet sei. Parteigenössische Kritiker haben gerade umgekehrt im Magistratsentwurf eine gegensätzliche Grund- richtung und eine reaktionäre Einstellung feststellen zu können geglaubt. Was ist die Wahrheit? Der sozialdemokratische Gesetzentwurs ist konse- quent entwickelt aus dem Gedanken der k o m m u- nalen Demokratie, der auch dem heidel- bergcr Parteiprogramm zugrunde liegt. Diese poli- tische Linie ist im Entwurf mit Schärfe heraus- gearbeitet und verwaltungstechnisch bis in olle Verästelungen durchgeführt. Wird dieser pro- grammatische Grundgedanke als Beurteilungs- Maßstab verwertet, so kann der parteigenössische Kritiker leicht feststellen, daß der Magistratsent- wurf in manchen Punkten erheblich hinter den im Parteientwurf niedergelegten Forderungen zurück- bleibt. Es zeugt aber von einer völligen Verkennung der politischen Situation, daraus eine streng ablehnende Taktik herzuleiten. Der Magi- stratsentwurf bildet nicht wie unser Entwurf eine das Ganze der Stadtverwaltung umschließende ge- dankliche Einheit, sondern ist lediglich eine ergänzende Novelle, die einen begrenzten Aus- schnitt, nämlich die Bezirksoerwaltung, regelt, im übrigen aber die bestehenden Grundlagen der Stadtverfassung nicht antastet. Daß er selbst inner- halb dieses eng umgrenzten Gebietes sehr behut- sam vorgeht und sich an bestehende Vorbilder anlehnt, kann angesichts der nun einmal ge- gebenen m a ch t p o l i t i s ch e n Situation kein Vorwurf sein. Dss Verdienst der Partei Trotz der politisch ungünstigen Situation stellt sich setzt mit zwingender Deutlichkeit heraus, daß die Arbeit, die von der Partei vor zwei Iahren geleistet wurde, nicht vergeblich war. Denn die organi- satorischen Grundgedanken, auf denen sich der Parteientwurf aufbaut, haben trotz der politischen Hemmungen ihre durch die Sache gegebene Wirk- samkeit entfaltet. Diese Grundgedanken sind nun- mehr keineswegs original, sind nicht zuerst und sind nicht allein vom Entwurf der Partei auf- genommen. Aber entscheidend ist nicht, ob ein organisatorischer Gedanke ursprünglich ist— alles Gescheite ist schon aus diesem Gebiete gedacht wor- den—, sondern ob er die in einem Verwaltung?- körper aus der praktischen Erfahrung der laufen- den Verwaltung erwachsenen Strebungen und Strömungen richtig erfaßt und in die ihnen wesensgemäße rechtliche Organisationsform hinein- gießt. Dieses Verdienst kann der Entwurf der Partei für sich in Anspruch nehmen. Er gliedert nämlich planmäßig die in der kommunalen Ver- waltungsarbeit Berlins auftretenden Verwaltungs- ausgaben ihrem Wesen nach in drei Gruppen und ordnet jede Gruppe einer bestimmten Vermal- tungsstufe zu. Der Magistratsentwurf hat dieses System übernommen— und mußte es ganz un- abhängig von jeder politischen Einstellung über- nehmen, weil diese Gliederung den sachlichen Be- dürfnissen der Verwaltung angepaßt und insofern zwangsläufig ist. BeseitiZnnZ der Bezirksversammlung Die erste Gruppe umfaßt die Angelegenheiten, die in parlamentarischer Form durch die Gemeindevertretung zu erledigen sind, also die sogenannten Befchlußsachon. Das Gesetz von 1320 hat hier durch Schaffnung von 2<)Bezirrsversamm- l u n g e n neben der Stadtverordnetenoersamm- lung eine Teilung der parlamentarischen Gewalt versucht. Dieser Versuch ist mißlungen. Die alte Wahrheit, daß jedes Parlament eine zentrali- sierende Tendenz hat, hat sich auch hier durchgesetzt. Die gewählte Stadtverordnetenversammlung ist, um die Ausdrucksweise des französischen Revo- lutionsrecht anzuwenden, uns et mcüvisidle, einzig und unteilbar, für Nebensonnen ist kein Raum. Parteientwurs und Magistratsentwurf gehen in der Beseitigung der Bezirksversammlungen als parlamentarischer Körperschaften konform. Die zweite Gruppe der Verwaltungsaufgaben schließt die lausende Verwaltung in sich, die Erledigung der in der Tagesarbeit austretenden Einzelfälle, hier herrscht der Berufsbeamte vor, da hier alles— zumal in einer Zeit des Masscnnotstandes— auf eine prompt und exakt funktionierende Maschinerie ankommt. Dieser Tatsache kann, wie der Wandel im Amtsinhalt des ehrenamtlichen Wohlfahrtskommissionsoorstehers beweist, nicht ausgewichen werden. Auch Gewerk- schaften und Genossenschaften mußten wie jeder Verband auf einer bestimmten Stufe der Entwick- lung vom ehrenamtlichen Funktionär zum Berufs- beamten übergehen. Parteientwurf und Magistrat stimmen dahin überein, daß sie in Anerkennung dieser zwangsläufigen Entwicklung die tägliche Verwaltung in den Bezirken dem Bürgermeister Der Herr Staatsanwalt �uctrtlrausanträse im Prozeß gegen Eiserne Front Das Urteil gegen die Mitglieder der Eisernen Front vor dem Sondergericht wegen der Vorfälle in Börnicke konnte über- raschenderweise auch gestern noch nicht gefällt werden. Die Verhandlung wurde nach dem Plädoyer des Staatsanwalts Dr. Mitlelbach auf Frei- tag vertagt. Der jchwerkriegsbeschädigte Angeklagte Bach- mann, der im Krankenwagen zur Gerichtsstelle herbeigeschafft worden war, konnte den VerHand- lungen vor Schmerzen nicht mehr folgen. Dr. Mittelbach in diesem Prozeß im allgemeinen bot. Bei der unverhüllten Gehässigkeit gegenüber dem Reichsbanner ist dem Staatsanwalt Dr. Mittelbach die Fähigkeit zur Objektivität gegenüber Angeklagten, die der Eisernen Front angehören, abzusprechen. Zur Sache selbst gab er unter Vergewaltigung der in der Gerichtsverhandlung festgestellten Tat- fachen eine Darstellung, die aus eine Rechtferti- gung seiner schriftlichen Anklage hinausliefen. Bei der Strafzumessung sei einerseits die Schwere der Straftaten zu berücksichti- Reichshannerkameraden vor dem Moabiter Sondergericht Ewers, der ihn im Auftrage des Gerichts unter- suchte, stellte fest, daß der Unterschenkel infolge der Kriegsbeschädigung derart vereitert sei, daß das Bein, möglicherweise, um eine allgemeine Blutvergiftung zu verhüten, amputiert werden müßte. Jedenfalls sei die Verhandlung auf mehrere Tage auszusetzen. Ungeachtet dieses Gutachtens beantragte Staatsanwaltschaftsrat Dr. Mittelbach gegen den schwerkriegsbeschädigten und schwer leidenden Angeklagten Bachmann hastbeseht wegen Fluchtverdacht! Wenn Dr. Joachim auf diesen geradezu unge- heuerlichen Antrag mit den Worten reagierte, daß ein„derart scharfer Antrag in Moabit etwas vollkommen Ungewöhnliches" sei, und wenn er hinzufügte, daß er sich noch sehr milde ausgedrückt habe, so wird man ihm Recht geben müssen. Das Gericht lehnte sowohl den Haftbefehl in bezug aus Bachmann als auch in bezug auf sämtliche an- deren Eiserne-Front-Leute ab: ein Fluchtverdacht erscheine nicht begründet, die Angeklagten seien stets pünktlich zur Stelle gewesen. Der Antrag auf Erlassung eines Haftbefehls gegen sämtliche Angeklagten und insbesondere gegen den Angeklagten Bachmann p/>ßt vorzüglich in das Bild, das Staatsanwaltschaftsrat Dr. gen, die an das Strauchrittertum erinnere, an- dererseits strasmildernd der Umstand, daß keiner der Angeklagten Organisationen angehört, die die Unterwühlung des Staates auf ihre Fahnen ge- schrieben haben, daß es sich nur um irre- geleitete(!) Leute handelt(von wem irre- geleitet? Vom Reichsbanner?!), die meinen, ihre Ueberzeugung durch Waffen in der Hand ihren Gegnern beibringen zu können. Staatsanwalt Dr. Mittelbach beantragte so- dann gegen Teichmann drei Jahre Zuchthaus und gegen voß zwei Dahre Zuchthaus. Der jugendliche Schmidt soll mit drei Iahren Gefängnis, der schwerkriegsbeschädigte hilflose B a ch m a n n mit einem Jahr Gefängnis, Galle mit zehn Monaten Gefängnis, die Naziangeklagten Becker(er hat wie ein Rasender mit dem Spaten dreingeschlagen!) und Schröder mit je drei Monaten Gefängnis bestraft werden. Vor Erlaß eines Urteils sind sämtliche Angeklagte in Haft zu nehmen. Der Nebenkläger beantragte, die Angeklagten u. a. zu einer Gesamtbuße für jeden der Ver- letzten von je 1000 Mark zu verurteilen und außerdem Schmidt noch zu 500 Mark Buße. Die Verhandlung wurde dann auf Freitag, 9% Uhr, vertagt. mit dem ihm beigeordneten Verwaltungsstabc übertragen. Zwischen de» Beschlußsachen mit Parlamentär!- schem Charakter und der laufenden Verwaltung schiebt sich nun eine dritte Gruppe von An- gelegenheiten, die eine Zwischenform darstellt. Es handelt sich hierbei um die Aufstellung von Grundsätzen und Richtlinien, um die Inangriffnahme neuer Aufgaben und Einrichtun- gen, um die zielsetzende, Gang und Geist der Ver- waltung generell bestimmende Verwaltungstätig- keit. Man mag dieses Gebiet als freie Ver- waltung bezeichnen und sie in Gegensatz stellen zur lausenden Tagesverwaltung, die sich in der Voll- ziehung der Gesetze und Verordnungen erschöpft und insofern gebunden ist. Deshalb gewinnen hier auch politische Gesichtspunkte Bedeutung, da es hier daraus ankommt, der grundsätzlichen Richtung der Verwaltung nach der Eigenart der aus der gesellschaftlichen Struktur des Bezirks hervorgehenden Bedürfnisse den Weg zu weisen. hier ist das gegebene Feld für die Tätigkeit des modernen Ehrenbeamten. Sowohl nach dem Ent- wurf der Partei wie nach der Magistratsvorlage besteht daher das zur Erledigung dieses Auf- gabenkreises berufene Verwaltungsorgan, das mit dem jetzigen Bezirksamt nur den Namen gemein hat, aus gewählten Bezirksvertretern unter dem Vorsitz des Bürgermeisters. Die fehlende Zusammenfassung Die Magistratsoorlage beruht also auf denselben Konstruktionsprinzipien wie der Parteientwurf. Wenn eine kritische Bemerkung am Platze ist, so muß sie von einem ganz anderen Einsatzpunkt ausgehen. Ich knüpfe hierbei an die Beschwerden an, die auch jetzt noch aus den Kreisen der parte!- genössischen Bezirksvertreter über Uebergriffe der Zentraloerwaltung laut geworden sind. Es ist zweifellos, daß aus diesem unerfreulichen Gebiete der Z u st ä n d i g k e i t s st r e i t i g k e i t e n unter der Herrschaft der neuen Verwaltung eine sehr erhebliche Besserung eingetreten ist. Gleich- Selbstmord auf Rügen Ein Berliner Landgeriehtsrat Der seit einiger Zeit inSellinaufRügen zur Erholung weilende Landgerichisrat Kleiner aus Berlin-Wilmersdorf wurde tot aus dem Schwarzen See geborgen. Der Landgerichts- rat war von einem Spaziergang nicht zurück- gekehrt, so daß man besorgt um sein Schicksal auf die Suche nach ihm ging. Es steht einwandfrei fest, daß Landgerichtsrat Kleiner, der seit längerer Zeit nervenleidend war, Selbstmord beging. wohl ist nicht zu leugnen, daß das Verhältnis zwischen Zentralverwaltung und Bezirksverwal- tung immer noch nicht die der natürlichen Ver- slechtung der Aufgabenkreise entsprechende innere Verbundenheit angenommen hat. Das liegt nicht an dem Willen der maßgeblichen Personen, son- dern an einem grundsätzlichen Fehler in der orga- nisatorischen Struktur, auf den bei der Beratung der Novelle von 1931 mit Recht hingewiesen ist. Der Zusammenhang zwischen den leitenden Per- sönlichkeiten der Zentralverwaltung und der Be- zirksverwaltung ist zwar jetzt erfreulicherweise im Gegensatz zu der früheren Periode enger gewor- den, ist aber immer noch zu locker' In der Berliner Verwaltung besteht kein ein- heitlicher Verwaltungsmittelpunkt. Wir haben eine ganze Reihe von Personen und Personenkreise, bei denen aus allen Arbeitsgebie- ten und Verwaltungsbezirken die Fäden der Ver- waltung sich verknüpfen. Sieht man von den zen- tralen Deputationen ab, so stehen an den entschei- denden Schlüsselpunkten der Oberbürgermeister, der Magistrat, die Gemeinschaftsbesprechung von Ma- gistrat und Bezirksbürgermeistern, die Konferenz der Bürgermeister usw. unorganisch und mit un- sicherer Zuständigkeit nebeneinander. Je größer aber eine Verwaltung ist, um so not- wendiger ist die Zusammenfassung in der Spitze, hier liegt ein Gefahrenherd vor, dessen Größe nach den Erfahrungen des Zusammen- bruchs von 1929 nicht unterschätzt werden darf. Es wäre wünschenswert, wenn dieser Punkt in der öffentlichen Diskussion stärker in den Vordergrund gerückt würde. Ziel aller Reform soll ja sein, daß, um auch hier ein vielzitiertes Goethe- Wort anzugeben:„alles sich zum Ganzen webt". DIE NEUEN HEINPICH 3ACOBI ZIGARREN CrhiHlich m ca; 4-000 Zigarren- Geschä DR El G ROSCHE N- WUNDEP Hochwertige Qualität und doch 15�«d SO � NUß In wenig Worten Der Chikagoer Bankpräsident C o l l i n s wurde von Banditen entführt. Die Ver- brccher bemühen sich, von der Frau des Entführ- ten ZOW Dollar Lösegeld zu erpressen. Der aus B o b e l n i ck(Kreis Neumark-Zchlc- sien> stammende 21jährige Landwirtsjohn Paul Franz gestand, am 1. Oktober in seinem Hei- inatorte den Landbriesträger Barm aus dem Hinterhalt erschossen zu haben. Als Motiv gibt der Tater Rachsucht an. * In Berlin und B e u t h e n wurden am Montag und Dienstag sechs Personen unter dem Verdacht der Devisenschiebung festgenommen Der Hauptoerdächtige heißt Heller. 57 weiße und eingeborene Bergarbeiter kamen in dem südafrikanischen Bergwerk Geldenhois Decb durch Grubenbrand ums Leben. Ein Kriminalassistent in Essen nahm sich das Leben, weil er es nicht verwinden konnte, daß ihm ein Verbrecher entlaufen war. Appell Sahms ku? Einstellung der Wohlfahrtserwerbslosen Der Berliner Oberbürgermeister Dr. Sahm hat sich in e'nem Schreiben an die Zndustrie und Handelskammer für die besondere Berücksichtigung der Wohlsahrtserwerbslosen bei Reueinsleltungen eingesetzt. Nachdem der Oberbürgermeister nachgewiesen hat, wie stark die«tadt finanziell durch die Für- sorge für die langfristig Erwerbelojen belastet ist, schreibt er: Bei den Wohlsahrtserwerbslosen. unter denen sich alle Berufsgruppen befinden, handelt es sich um Menschen, die besonders lange zur Arbeits- losigkeit verurteilt sind, und die daher in bevor- zugtem Maße einen begründeten Anspruch auf Berücksichtigung bei der Arbeitseinstellung haben. Die Kreise der Wirtschast, die in der Lage sind oder in die Lage kommen werden. Neueinstellun- gen von Arbeitskrästen vorzunehmen, können hierbei durch bevorzugte Berücksichtigung van Wohlsahrtserwerbslosen zu einer Verbesserung der Wirtschafts- und Finanzlage der Stadt Berlin auch ihrerseits beitragen. Erst wenn es gelungen ist, die Wohl- s a h r t» l a st e n der Stadl sehr erheblich zu verringern, w'rd es be-' der auch �d->nn noch sehr gebotenen sparsamsten Haushaltssüh- rung möglich sein, die jetzigen Notmaß nah- in e n, zu denen sich die Stadt gezwungen sieht und die vieljach gerade von Kreisen der Wirt- schaft als äußerst hart cinpsunden werden, abzu- ändern. Die gefährliche Ostsee Lchiffsunfälle» überfällige Dampfer Stockholm, 11. Oktober. Zufolge der schweren Stürme haben sich an der schwedischen Ostseeküsle mehrere Schisfs- unglücke ereignet. Der finnische Dampser„Sampo" wurde leck geschlagen/ nachdem er hilflos »mhcrgetriebcn war. glückte es einem schwedischen Bcrgungsdampser. ihn nach Rynäshamn zu schleppen. Die Besahung war durch die Anstrengungen völlig erschöpft, die Ladung Über Bord gespül«. Ein zweiter sinnischer Dampser,„B e r a", aus Helsingfors, der einen schwedischen Nothafen anlaufen wollte und durch Funk um einen Lotsen gebeten hatte, ist in dem Nothafen nicht eingetroffen. Der mit holz beladcne Dampser war durch die stürmische See schwer beschädigt worden und holte starke Schlagseite. Der lettische Motorschoner„Friedrich" konnte gerade noch im letzten Augenblick geborgen werden, als die Mannschaft bereits oersuchte, sich aus einem selb st gebauten Floß an Land zu retten. Die vclatznng hatte keine Ahnung, wohin ihr Schiff eigentlich verschlagen worden war. Tanzdamen für 10 Pf. .An die Kasse, wer getanzt hat... Die alte Sitte, wonach tanzfreudige Herren an den Tanzmaitrc des Bergnügungslokoles für jede „gedrehte Sohle" ihren Obnlus zu entrichten haben. feiert jetzt in Berlin fröhliche Wiedergeburt. Aller- dings in etwas veränderter,„modernisierter" Form. Au zahlen hat nur �ener, der mit einer der im Lokal für diesen Zweck anwesenden Tanz- mädchcn das Tanzbein schwingt: diese Tänzerin Die Flucht aus der Leit 1923 in Lerlin 338364 Kirchenaustritte Die Volkszählung vom 16. Ium 1925 ergab für Berlin als Angehörige der wichtigsten Religions- gemeinschaften: von im Jahr lWll Personen 1910 Evangelische.. 3 083 200 766.2 831,7 Katholische.. 403 800 100.3 110.8 andere Christen 11 500 2,8 0,8 Juden..... 172 700 43,0 38,6 Sonstig-.... 353000 87.7 18,1 Die beiden Hauplkirchen umfaßten zusammen fast genau die zehnfache Zahl der„Sonstigen". unter denen die Freidenker und sonst aus den Kirchen Ausgeschiedenen den weitaus größten Teil ausmachen. 54 086 gehörten einer anderen Gemeinschaft an. 288 948 waren ohne Religions- bekenntnis. 1910 war das Verhältnis noch das Zweiundfünfzigfache gewesen. Wir hat es sich seitdem entwickelt? Die Zahl der Kirchenaustritte betrug Insgesamt sind, wenn wir der Einfachheit halber von den Austritten de« Jahre» 1925 nur die Hülste mitrechnen, da die Volkszählung etwa in die Jahresmitte siel, seit der Volkszählung bis Ende 1931 ausgetreten: Evangelische Katholische Juden 317 938 36 534 3 892 10,3 Proz. 2.0.. zusammen 358 364 9,8 Proz. de» Bestandes vom 16. Juni 1925 Rechnet man der evangelischen Kirche(die katho- lisch« gibt diese Zahlen nicht an> die Zutritte an. so ergeben sich in der angegebenen Zeit 16 800 Uebertritte zur evangelischen Kirche, davon aus der Gruppe„Sonstige" 11 428. Mithin ist der Ver- lust dieser Kirche an die„Sonstigen", d. h. in der Hauptsache die Freidenker, 306 500, das ist soviel wie etwa die Einwohnerzahl der Stadt Magde- bürg oder Bremen, in 614 Jahren: dem Fünftel eines Menschenalters! Auch der Einwand, die Austrittsbewegung be- ruhe nur auf der Abneigung gegen die Bezahlung der K i r ch e n st e u e r. sei also eine rein male- rielle Sache, die mit der religiösen Gesinnung gar nichts zu tun habe, kann die Sachlage für die Kirche nicht verbessern. Gesteht er doch zu, daß 8 KREIS SPANDAU UeuUlfUüwacU, 1Z. OU&c., ZÖUUc Oeffentliche Wahlkundgebung in derJubiläumsturnhalle Askanierring. Referent: Dr. Rudolf Breitscheid, MdR. einer immer wachsenden Volksmasse, die eine kirchliche Erziehung erfahren hat, die geistigen wie die himmlischen Schätze, die che Kirche zu bieten vermag, nicht de» Bruchteil der Einkommensteuer wert sind, der als Kirchensteuer zu entrichten ist. Dabei sind unter den Austretenden anerkannter- maßen nicht wenige, die für andere ideale Zwecke freiwillig erhebliche Opfer bringen. Es ist verständlich, daß man sich in den Kreisen der Kirche» und ihrer Freunde ernsthast mit dieser Abfallbewegung. die für die Zukunst der uralten Einrichtung bedenkliche Aussichten bietet, beschäf- tigt und nach Abwehrmitteln sucht. Sie zu finden wird freilich nicht leicht sein. Wenn ihre An- gehörige» scharenweise ihre bisherige Geistesmutter „erlassen, dann müssen dafür schwerwiegende Gründe vorhanden sein, die mit den alten, stumpf gcwokdenen Massen nicht erfolgreich zu bekomp- sen sind. hat gleichzeitig da» Amt txr Kassiererin inne: sie nimmt im Moment, da Ihr jeweiliger Partner den Arm um sie legt, von diesem den Tanzban entgegen iinid dann erst geht das Vergnügen los. Diese weniger schöne als eigenartige Einrichtung wäre an und für sich kaum des Erwähnens wert, wenn sie nicht einen tiefen, ausbeuterischen Sin» in sich trüge. Mit diesen Tanzbons hat es nämlich folgende Bewandtnis: Bon dessen Gegenwert von zwei Groschen erhält die Tänzerin bei Einlösung an der Kasse nur«inen Groschen aus- bezahlt, der dann gleichzeitig ihre„Gage" darstellt! Bei Antritt dieses lohneniden Engage- ments versichert« der Herr Direktor den Mädchen, daß sie gut und gern ihre zehn Mark pro Abens verdienen könnten. Nach Adam Riese müßte die Tänzerin, um aus diese Summe zu kommen, also hundert Tänze pro Zlbend erledigen. Ganz ab- gesehen von der außerordentlichen körperlichen Anstrengung, die solch Dauertanz verursachen würbe, ist aber von so einem tänzerischen Massen- Umsatz keine Rede, aus dem ganz einfachen Grunde, weil sich die meiste» Tänzer ihre Tänzerinnen mitbringen. So sitzen denn diese armen Dinger, numeriert, vom grellen Scheinwerfer beleuchtet. bis zum Lokalschluß auf ihrem Stuhl und warten und warten. Aus den angekündigten zehn Mark werden lei der einen zwei, bei der anderen vier Groschen, und die dritte geht überhaupt ganz le-r aus. Es geht nichts über billiges Personal. HotelaMance ffotelhetriebs-AG. übernimmt Palast- Hotel und Fürstenhof Die seit Jahren bestehenden Pläne, die gesamten Hotelinteressen der Horelbetriebs A.-G.(Bristol, Kaiserhof, Belleoue. Baltic, Centralhotel) mit den- jenige» der ihr befreundeten Aschinger A.-G. (Fürstenhof. Palasthote» einheitlich zusammenzu- zufassen, sind in den letzten Wochen weiter gediehen. Die Hotelbetriebs A.-G. hat Vorbereitungen ge- trossen, den gesamten F ü r st e» h o s- K o m p l c x und das P a l a st- H o t e l in sich aufzunehmen. Man hofft nicht unwesentliche Ersparnisse in der Verwaltung der gesamten Hotels erzielen zu können und so der gegenwärtigen Lage des Hotel- gcwerbes mit dem Zwang zur möglichst sparsamen Betriebsführung am besten zu entsprechen. Zur Durchführung dieser Transaktion hat sich die Hotelbetrieb» A.-G. bereits am Fürstenhos- Komplex interessiert und hosft schon in der be- vorstehenden Generalversammlung nähere Mit- teilungen über die Erwcrbsmodalitäten geben zu können. Hehle Kavaliere Sie rauben Wohliahrtsunterstützung Eine ausregende Szene gab es gestern vor einem Lokal In der M a r i a n n e n st r a ß e. Ein Mädchen schrie um Hilfe und machte Passanten aus zwei Burschen aufmerksam, die sie beslohlen hätten, ver eine von ihnen, ein 30 Zahre alter Willi Sch., konnte festgenommen und der Polizei übergeben werden. Der andere entkam mit einer Beute von 18 M. Das Mädchen hatte die Zahlstelle der Wohl- fahrt in der U r b a n st r a ß e am Nachmittag verlassen, als es von einem Manne angesprochen und eingeladen wurde, mit ihm in ein Lokal zu gehen. Das Mädchen wollte erst nicht, ging aber dann doch darauf ein. Man suchte ein Cafä auf. Der Mann hatte sich„Otto" genannt. In dem Cafe /am sväter ein zweiter Mann hinzu, man log jetzt gemeinsam in ein Lokal in der Urban- straßc. Nachdeni man dort eine Weile gesessen hatte, ging es wieder nach der Mariannenstraßc zurück. Der eine, Willi, faß mit dem Mädchen in einem Hinterzimmer, während der andere im vorderen Gastraum war und mit dem Wirt sprach. Plötzlich schlug das Mädchen Lärm und kam nach vorn gerannt. Willi folgte ihr. Das Mädchen war von ihm b e st o h l e n worden. Otto und Willi machten jetzt Krach und schlugen auf das Mädchen ein. Der Wirt drängte die Männer hinaus. Als das Mädchen dann das Lokal verließ, draußen um Hilfe rief, und Passanten auf die Beiden aufmerksam machte, fielen die Beiden w-eder über sie her und schlu- gen sie zu Boden. Publikum griff ein und nahm Willi fest, während der andere entkam. Bei Willi wurden nur 2 M. gesunden. Sein Freund Otto hatte das Geld von ihm zugesteckt bekommen und war geflüchtet. Auf der Polizei stellte sich heraus, daß man in Willi schon einen gefährlichen Bur- s ch e n suchte, der zusammen mit anderen schon öfters des Nachts Passanten am Urbanhafen an- gefallen und gefleddert hatte Alllgotofen fchwpfen aus Eine Kiste kam au» Florida init der Adresse des Berliner Aquariums.'Als man sie. die vier Wochen unterwegs gewesen war, off- neie, fand man in ihr ein wunderschönes Nest mit Eiern, die je 85 Gramm wagen. Man setzte das Nest mit den Eiern>» ein Schaubccken. und seitdem kann das Publikum ganz eigenartige und höchst interessante Lebensvorgängc hinter Glasscheiben beobachten. Au» diesen Eiern or- Da die geistigen Abwehrmittel versagen, hat man wieder die alten derben Zwangsmittel in Erwägung gezogen. Wenn die nationalsozialistische Regierung von Braunschweio e>ne Austrittsgebühr von 100 M. eingeführt hat. so wird dadurch natür- lich der Masse der Besitzlosen, die ja den größten Teil der Kirchenflüchtigen stellen, der förmliche Austritt unmöglich gemacht. Ob aber die Kirche als geistliche Anstalt mit diesem grob-äußerlichen Zwang gegen Widerwillige wirklich etwas gc- winnt, das wird sie sich wohl selbst beantworten können. Zwar wird das Geld der Kirchensteuern weiter im Kasten klingen aber im Innern der Kirche wird sich eine solche Fülle von Ablehnung und Haß anhäufen, daß die Folgen für die Zu- kunst erst recht verhängnisvoll werden müssen. Auch der Gesetzentwurf der Deutsch- nationalen im Preußische» Landtag, der die Schikanen des früheren Gesttzss wieder herstellen will, wird die Sache der Kirche nicht retten. Und ob der Vorschlag des frommen„Reichs- boten"(vom 18. August), gegen die Austritts- bewegung mit Feuer und Schwert vorzu- gehen, falls er verwirklicht werden sollte, mehr Aussicht auf Erfolg bietet, dürste sich auch stark bezweifeln lassen. Wir erinnern uns, daß solche Kampsmittel schon öfter in der Geschichte'ange- wandt worden sind, ohne den erhofften Zweck zu erfülle». So von dem römischen Kaiser D i o- k l e t i a n gegen das Christentum und von den spanischen Inquisitoren Torquemada und A r b u e z gegen die Ketzer. Sic haben weder die'Ausbreitung des Christentiims noch die Kirchenrevolution vom Zlusgang des Mittelalters ver- hindert. So wird schließlich nichts anderes übrig bleiben, als sich, da eine Umstellung von Grund auf, die vielleicht die ganze Austrittsbewegung gegqn- standslas machen könnte, nicht zu erwarten ist, der Hilfe von oben anzuvertrauen, sich ge- tröstend des alten Spruches:„Ist es von Gott, so bleibt's besteh», ist's Menschenwerk, wird's unter« geh'»". Oder fühlt man sich der göttlichen Hilfe dach nicht so ganz sicher? 8. K. beiten sich nämlich junge Alligatoren an das Tageslicht. Zwei sind schon da. von denen der eine 39 Gramm und der andere 41 Gramm bei der Ankunft in dieser Welt wogen. Das eine der Alligatorenbabys fraß schon, und zwar am vierten Tage seines Lebens. Es kündet seinen Appetit durch heftiges Schnappen an und be- kommt dann Fischstückchen. Diese beiden Erst- geborenen werden bald Gesellschaft bekommen: denn noch andere Alligatoren arbeiten an ihrer Befreiung aus den Eischalen. Sinfonie-Konzert de« volksbildungsamtes Kreuzberg. Am Freitag, dem 14. Oktober 1932, 20 Uhr, veranstaltet das Volksbildungsamt Kreuzberg im „Orpheum", Hasenheide. Eingang Graesestrahc. ein Sinfonie-Konzerr. Für die Veranstaltung ist das Berliner Philharmonische Orchester unter Leitung des Dirigenten Alois M e l l ch a r ver- pflichtet worden. Das Programm umsaht Werke von Bruckner(VII. Sinfonie), Ravel und Stra- winsky. SPORT Mydlinghoven-Tag in Hoppcgarten 'Äoldmine-Rennen(2200 M., 1800 Meter): 1. Gestüt Mvdlinghovcns Filmenau(Knobloch): 2. Jninicrfort (Grabsch): 3. Heuchler(Zvehla). Toto: 18., drei liefen. Vs— 8 Lg. Lqcao-i-Rennen(2800 M., 1200 Meter» 1. Gestüt Mvdlinghoven» Jahrhundert(Vinzenz): 2. Uhlcnkops (Vöhlkei: 3. Grczorovius>.O.«chnndt). Toto: 27. Bläh: 10, 11, 10. srcrner liefen: Vcständer(4), Harun, Schlohfrau Bamberg. 2—'»— 114 Lg. Grcnzwacht-Rennen-2200 M.. 2200 Meter): 1. Stall Halmas Marcellina(Rastcnbcrger): 2. Wand«(Steint: 3. Nomos(Reibl): 4. Tiegirart(Sajdik). Toto: 45. Vlav: 1V, 26. 18. 43. Ferner liefen: Novalis, Ostade, Geramum, Altai, Rustica, Luxus, Tarnscbild, Crasi. Kopf—%— HalZ. Palestro-Rennen(3900 M., 1406 Meter'): I. Frau M. Zlohsfo Zopran(Ludwig u 2..Ztamcradsckaft(Zta- rofta): Pommernländer(Paraa). Toto: 85. Platz: 2!>, 23. 13. Ferner liefen: Orkadier(4), Rochus, Enok, Palfrev. Napoleon. Sextns, Verräter. 14- 114 Lg. Preis von Mydlinghoven(3300 M., 2400, Meter: 1.?l. Wagners Rosenfürst(Sajdik): 2. Faustoraf (Zlreit): 3. Liberia-M. Schmidt). Toto: 35. Platz: 22. 48. Ferner liefen: Marie(4), Goliath, Falenza. ■> Kopf— l'-j üq, Schnellscuer-Rennen>2200 M, IWO Meter): I. M. Pfeifers Maseotte(Printen«: 2. Paradies-ZarraSI: 3. Lnftklapp«(Narr). Toto: 136. Platz: 27, 42. 23. Ferner liefen: Tcnnoch>4>. Gambrinus, Ehilos, Seä- vola, Temut, Monisa, Pillau, Fiorina. t_ itj_ 2 Lg. E-ajova-Rennen(2200 M., 1600 Meter): 1. Dr. A. Bachnre. Wunderblume(-Ztein): 2 LiebeSlener(Hannes«: 3. Maust OH. Schmidt«: 4. Meislerslüit(Rasten- berger«. Zolo: 80. Platz: 21, 17.>8. 21. Ferner liefen: Eiland. Jriigonen, Loe, Altenberg. Morge««- wind, Hoheit, A. D. R., Polaschin. 1_\— Kopf. Doppelwcttc: Marcellina.Rosenfürst 202: 10. Auch amAhenil eine gute MAGGl-Suppei mmmmmmmSm Sammeln Sie MAGGI-Guischeine, es lohnt sich! Siebzig Löwen Kapitän Schneider und seine Tiere Unter der N o t unserer Zeit hat auch der deutsche Zirkus schwer zu leiden Er ringt schwer um seine Existenz. So erfuhr die deutsche Oeffentlichkeit, daß auch der Zirkus des berühm- ten Löwen-Domptcurs Schneider in Italien in Konkurs geraten war. Der Mann hat sich ober wieder aufgerappelt, er ist mit siebzig seiner Löwen in Berlin, wo er sie ab Ist. Ok- tober im Zirkus Busch den Berlinern wie- der vorführen wird In Rom wurde Zirkus Schneider vom Schick- sal ereilt, als durch die Devisensperre Deutschlands die italienischen Theaterbesitzer es durchsetzten, daß die deutsche Vorstellung geschlossen werden mußte. Als auch später in Neapel durch un- günstige Wetterverhältnisse der Besuch nur gering war, konnten die hohen Kosten nicht mehr aus- gebracht werden und es kam zum Konkurs. Aber trotz aller anders lautenden, wilden Ge- rllchte waren durch bereitwillige Spenden wenig- stens Menschen und Vieh des Unternehmens gut versorgt. Den in dreißigjähriger Arbeit müh- selig erzogenen Löwen drohte jedoch ein bitteres Ende. Sie sollten erschossen oder in Afrika frei- gelassen werden, was nach so langer Gefangen- schaft mindestens ebenso grausam wie der Tod gewesen wäre. Da nahm der Pariser Manager Jeff D i ck s o n die Löwenschau in seine Regie, ohne jedoch genügend Geschick darin zu haben, um daraus einen Kassenerfolg zu erzielen. Mit Hilfe von Freunden und Verwandten konnte nun Kapitän Schneider seine einzigartigen Löwen wieder für Deutschland zurückgewinnen. Es ist das besondere Prinzip dieses Mannes, seine Tiere nicht mit Peitsche und Quälerei zu „dressieren", sondern sie langsam, von Jugend an zum Zirkus zu erziehen. Bei einer Fütterung der Löwen konnte man beobachten, wie liebevoll und mit Sorge Kapitän Schneider seine Schützlinge behandelt, die zum großen Teil aus eigener Zucht stammen. Auch auf dem Wege nach Berlin wur- den einige Junge geboren, von denen zwei der sreßgierigen Löwenmutter entzogen wurden und nun künstlich mit der Milchflasche weiter er- nährt werden. Amerika will Bier Hokknung auf Ende der Prohibition Die feste Zuversicht der Amerikaner, daß die kommenden Wahlen in den Vereinigten Staaten zu einer Aufhebung der Prohibition führen werden, kommt in der Tatsache zum Ausdruck, daß schon jetzt bei den deutschen Brauereien um- fangreiche Bierbestellungen ans amerikanischen Gastwirlskreisen eingehen. So bestellte dieser Tage ein Hotelier aus Uniontown(Pennsylvania) beim Hosbräuhaus Würzburg nicht weniger als SO Fässer Bier, die auf Abruf bis zum Frühjahr 19st3 geliefert werden sollen, zu welchem Zeitpunkt man die Aufhebung der Prohibition erwartet. Schafft Radfahrwege! Richtlinien hätten wir nun Der Brandenburgische Provinzialausschuß hatte in einer Sitzung die„Gewährung von Zuschüssen bei Herstellung selbständiger Radfahrwege außerhalb des Chausseegeländes durch Dritte" bc- schlössen. Dazu sind jetzt Richtlinien erschienen, denen wir folgendes entnehmen: Zuschüsse werden grundsätzlich nur für die Her- stellung solcher Radfahrwege gewährt, die außer- halb des Chausseegeländes und nur soweit sie außerhalb von Ortschaften liegen. Die Zuschüsse werden an Gemeinden, sonstige öffentlich-rechtliche Körperschaften und Radsahr- oder ähnliche Vereine gegeben. Maßgebend für die Gewährung eines Zuschusses ist das Interesse, das die Provinz an der Herstellung des betreffenden Radfahrweges hat. Es wird seitens der Provinz von Fall zu Fall geprüft, ob der Radfahrerverkehr auf der betr. Provinzialchaussee so stark ist, daß die Abteilung der Radfahrer auf einen Sonderweg zur Erhöhung der Verkehrssicherheit wünschenswert ist, und serner, ob die Radfahrer durch den Radfahrweg tatsächlich von der Provinzialchaussee ferngehalten werden. Der Hersteller muß sich ferner verpflichten, die ständige Unterhaltung des Radfahrweges mit Nebenanlagen lBrücken, Durchlässen usw.) zu über- nehmen. Der Radfahrweg, zu dessen Herstellung ein Zuschuß gewährt wird, mutz mindestens l.SO M et er breit sein. Die Höhe des Zu- schujses beträgt ein Drittel der Anlagekosten, je- doch höchstens>>,60 M. ic Quadratmeter der Fahr- bahn des Radfahrweges. Die Gewährung von Zuschüssen ist nur möglich, soweit hierfür Mittel iin Haushaltsplan der Provinz zur Verfügung stehen. Die deutschen Radfahrer sind zu den Erfolgen ihrer Propaganda für Radsahrwege zu beglück- wünschen. Wann aber werden sich die großen deutschen Touristen-, Wander-, Heimat- und Jugerdverbände zu gemeinsamer Arbeit zusam- menfinden, um zu erreichen, daß auch dem deut- scheu Futzwanderer endlich sein Recht werde und er durch Anlegung besonderer Wan- d e r w e g e von dein Zwang befreit wird, die Chausseen zu benutzen, die mehr und mehr zu reinen Autostraßen werden. Arbeitereinstellungen bei Lumophon. Wie wir hören, sind bei Bruckner u. v t a r k, der Herstellerfirma der bekannten Lumophon- Erzeugnissc in den letzten Wochen an 500 Arbeiter und Angestellte eingestellt worden. Mit Rücksicht auf die gute Entwicklung des Ge- schäftes hofft man zuversichtlich, schon in Kürze weitere, umfangreiche Neueinstellungen vornehmen zu können. Bittere Not vor den Toren Verzweifelter Existenzkampf der Bernauer Erwerbslosen Bereits in der Vorortbahn nach Bernau sprechen die Menschen über die Not. Jeder entwickelt sein Rezept, wie das Land wohl zu heilen wäre, aber wenn der Zug in Bernau einläuft, sind wenige Augenblicke später alle Rezepte im Winde zer- stoben. Die Krise hat Bernau ungemein hart an- gefaßt. Schon der bloße Augenschein vermittelt ein betrübliches Bild: nirgendwo in der Umgebung Berlins wird man so dürftig gekleidete undbuchstäblichausgemergelteMän- ner und Frauen finden wie in der alten Hussitenstadt. In Gruppen stehen die Arbeitslosen aus der Straße und klagen jedem, der es hören will, ihr Leid. Und es stimmt: in der Spitzen- gruppe der am schwersten von der Krise betrofse- nen deutschen Städte findet sich auch Bernau. Es ist das Unglück Bernaus, überwiegend W o h n st a d t zu sein. In der Konjunktur fuhren die Männer morgens nach Berlin zur Arbeit und seitdem es nun in Berlin kaum noch etwas zu verdienen gibt, bleibt Bernau Tag um Tag zu Hause. In anderen Kleinstädten der Mark schlep- pen sich da und dort wenigstens noch ein paar Jndustriewerke durch die Krise und geben ihren Arbeitern notdürftig Lohn und Brot. Aber die wenigen 5?andschuhfabriken von Bernau, das eine chemische Werk und die Fleischfabrit von Hobrechtsfelde können unmöglich die ll 000 Einwohner von Bernau ernähren. Was sonst noch an Handwerk in Bernau ist, die Holzbildhauerei und die Handweberei, das war eigentlich schon vor der Krise tot. Auch das einzige Sägewerk liegt still. So stand der Bürgermeister in der letzten Stadtverordnetensitzunz von Bernau auf und sagte, die Stadt hätte jede Woche 8000 M. an Unterstützungen auszuzahlen, er wisse nicht mehr, wo das Geld au» dem armen Bernau her- kommen soll. Wir schwer die Lage ist, zeigt noch ein anderes Symptom: man unterhielt sich unlängst über eine Winterhilfe für Bernau. Aber man mußte feststellen, daß eine Kleidersammlung in der Stadt so gut wie zwecklos wäre, man könne in Bernau kaum noch eine alte Jacke auftreiben! Den Bernauer Sozialdemokraten fällt in dieser schweren Situation eine außer- ordentliche Aufgabe zu. Sie fechten gegenwärtig einen erbitterten Kamps um die Erhaltung der sozialpolitischen Errungenschaften aus: um das Kinderheim und um die V o l k s k ü ch e. Es ist bezeichnend, daß das Bcrnauer Bürgertum ausgerechnet gegen diese beiden Institute vorstößt: beider Schließung wird verlangt, das Personal des Kinderheims ist sogar schon gekündigt. Dabei spielen in dem L'-t-Millionen-Etat Bernaus die Kosten für das Heim und die Küche wahrhaftig keine erhebliche Rolle Das Kinderheiin kostet jährlich etwa 8SOO M., wovon 2000 M. durch Einnahmen wieder zurückfließen. ,Und die Volks- küche verursacht jährlich 17 000 M. Ausgaben, wovon aber auch wieder 10 000 M. durch Ver- kauf der Essenportionen wieder einkommen. Wird das Heim geschlossen, müßten llO arme Kinder aus die Straße, pnd wird die Küche geschlossen, würden im bevorstehenden Hungerwinter mehrere hunderte Bernauer kein warmes Mittagessen mehr haben. Aber das Realgymnasium, in das die Bürger ihre Kinder schicken, das kostet 57 000 M. im Jahr, ohne daß man an Abbau denkt. Dafür sollen das Kinderheim und die Volksküche daran denken. Bis in die stillsten Landstädtchen stößt die Reaktion jetzt vor. Aber die Sozialdemo- kraten auf dem flachen Lande werden unermüdlich ihre Pflicht tun, auch in der Abwehr. Ivo Personen abgestürzt Einfall bei einem FulZballspiel Rom. 11. Oktober. Während einer Fußballpartie in M e s s i n a hatten sich Hunderte von Sportbegeisterten aus die Dächer der den Spielplatz umsäumenden Häuser begeben. Auf dem Blechdache eines che- maligen Schlachthauses hatten sich allein etwa 250 Personen jeden Alters angesammelt. Da die Balken, die das Blech trugen, morsch waren, brach das Dach während des Spiels zu- sammen. Etwa 100 Personen stürzten in die Tiefe: 41 zogen sich Verletzungen zu. 2. Sonnabend, 15. Oktober. In de» Grunewald. Endhaltestelle der Straßenbahn 43 um 1 Uhr. ,3. Sonntag, 16. Oktober. In den Wildpark. Ab Potsdamer Fernbhf. 9,25, an Wildpark 10,06: Wissenschaft!. Ausflug, keine Sammelgelegen- heit. 4. Dienstag, 18. Oktober. Von Königs- Wusterhausen bis Schmöckwitz. Ab-Görlitzer Bhf. 9,46, Schöneweide 9,50, Königswusterhausen 10,05. 5. Donnerstag, 20. Oktober. Von Velten durch den Krämer bis Finkenkrug. Ab Stettinsr Vorortbhf. 9,07, Gesundbrunnen 9,11, Velten 9,48. Lehrer studieren Verkehr Zur Förderung der Verkehrsunfall- Verhütung hatte die Reichsbahndirektion , 100 Berliner Lehrer zur Besichtigung ihrer Unterrichtswerkstätten, Uebungsstellwerke und Lehrsäle in der Zentralschule Brandenburg-West eingeladen. Die Fahrt von Berlin nach Kirch- möser erfolgte in Unterrichtswagcn der Reichs- bahn, in denen während der Fahrt Borführungen stattfanden, die Reichsbahnrat Dr. Couoe leitete. In seinen Dankesworten an die Reichsbahndirek- tion zeigte Berussfchuldirektor Kern insbesondere für die Berliner Berufs- und Fachschulen den Forlschritt in der Verkehrserziehung und betonte die Notwendigkeit, die Arbeiterjugend stetig in der Verkehrsunfallverhütung zu schärfen. Die nächsten Dilzexkursionen, veranstaltet von der Deutschen Gesellschaft für Pilzkunde, finden unter Führung von Studienrat H e n n i g, an folgenden Tagen statt: 1. Donnerstag, 13. Ok- tober. Von Dahlewitz in die Iühnsdorfer Heide. Ab Potsdamer Bhf. 9,21, an Dahlewitz 9,56. Renegat als Redner ,.Massenversammlung" der Nazis Täglich berichtet das Berliner Naziblatt in einem besonderen Abschnitt über die„Massenversamm- lupgen" der Nazis. Nach diesen Berichten geht es nur aufwärts in der Bewegung und die Leute strömen nur so zu den Heilsboten des Dritten Reiches: Schaut man sich mal mit eigenen Augen den Schwindel an, so ergibt sich ein wesentlich anderes Bild. Am Freitagabend saird im Parkrestaurant Süd- ende eine solche Massenkundgebung statt. Der„lang- jährige"„Vorwärts"-Redakteur, der in Wirklich- keit nur ein paar Wochen verantwortlich gezeichnet hat, der jetzige Pg. Unger-Winkelried, wurde in großer Aufmachung als Redner pro- pagiert. Um 8.15 Uhr sollte es losgehen, aber der Saal war um diese Zeit noch so leer, daß man vorläufig SA.-Märsche auf Schallplatten spielte, um die An- wesenden zu unterhalten. Aus weiser Vorsicht hatte man schon große Tische in den Raum ge- stellt, und von politischer Kampsstimmung war in dieser Ansammlung von Pgs, und ihrem Familien- anhang wenig zu spüren. Zur Vertuschung der ollgemeinen Finanzpleite wurden die Besucher förmlich von Geldsammlern, Bausteinverkäufern und Zeitungshändlern belagert, ohne daß aller- dings selbst die hakenkreuzgeschmückten„Herrschaf- ten" aus dieser feudalen Gegend sich allzu splen- dibel zeigten. Als um 8.45 Uhr der Redner mit dem Vorstand erschien waren immer noch reichlich Plätze in dem kleinen Saale frei, auf die nun die uniformierten SA.-Leute befohlen wurden. Die Redereien des ehemaligen„Sozialdemokraten" er- wiesen sich als phantasievolle Ergüsse eines schwachen Gehirns. So meinte er. die Arbeiter- internationale sei nur zur Unterdrückung der deut- schen Arbeiterklasse geschaffen worden und in Deutschland dürfe es keinen Klassenkampf mehr geben, sondern nur noch gemeinsame Abwehr gegen das Ausland. In den Schlußworten wurden die relativ zahl- reichen Frauen in pastoralem Ton ermahnt, nicht in politischer Hinsicht zu arbeiten, sondern ihre gottgegebene Pflicht als Hausfrau und Mutter zu erfüllen. Es wurden also auch von dem„Schau- stück" Unger nichts weiter als die ollen Kamellen der Nazis vorgebracht, mit denen heute nur noch treue Pgs. und die bezahlte SA. angelockt werden können. Ich weiß nicht, was soll eö.. Ehn die Straßenreinigung Ei» Leser schreibt uns: Es klingelt. Draußen steht ei» freundlich lächelnder Schupo(NB. Wann hat in der Vor- kriegszeit, vom Krieg nicht zu reden, je ein Schutzmann den„Unteran" freundlich angelächelt?) und hält mir eine umfangreiche Karteikarte ent- gegen, die ich ausfüllen soll. Er holt sie wieder ab, sagt er. Auf der Karte steht:„Auf Grund des dj 2 der Polizeioerordnung vom 21. Januar 1930 betr. Straßenreinigung(Amtsblatt S. 43) übernehme ich die öffentlich-rechtliche Ver- pflichtung zur Beseitigung des Schnees und des Eises und zur Bestreuung mit abstumpfenden Stoffen bei Winterglätte auf den Gehbahnen vor dem Grundstück"... Nunmehr soll meine Unter- schrift folgen. Der Vordruck bezieht sich auf eine Verordnung vom Jahre 193 0. Ich wohne aber schon länger als seit 1930 in meinem bescheidenen Siedlerhäuschen. Weder 1930 noch 1931 ist mir jemals eine solche Kart« zur Unterschrift vorgelegt worden. Die Bürgersteige von Schnee und Ei» zu reinigen war ich immer schon verpflichtet. Warum soll ich plötzlich 1932 mich noch extra schriftlich dazu ver- pflichten? Ebenso gut könnte man mich ja auch schriftlich verpflichten wollen, die Bestimmun- gen des Strafgesetzbuches und des Bürgerlichen Gesetzbuches zu erfüllen. Was hat also diese poli- zeiliche Sonderaktion zu bedeuten? Vielleicht mit- wartet das Polizeipräsidium! Oer fliegende Teppich Eine besondere Anziehung der„Deutschen Luft- sport-Ausstellung" stellt die Abteilung„D e r fliegende Teppich" in der Haupthalle der deutschen Luftfahrzeugindustrie dar. Das Institut für Werbepsychotechnik in Berlin unter Leitung des bekannten Psychologen Doz. Dr. R. W. Schulte und der als Kampfflieger und Mitarbeiter von Udet bekannte Chefpilot Richard I. Kern zeigen in ge- meinfamer Arbeit an dem Beispiel des„fliegenden Teppichs" die Möglichkeiten und Wege der neu- zeitlichen Flugwerbung. Gerade das Luft- fahrzeug, und ganz besonders das Flugzeug im Kunstflug, erregt die Aufmerksamkeit breiter Publikumsmassen, zumal auch der Jugend. Flug- zeugpropaganda ist aber nicht nur eine besonders wirksame, sondern soll auch eine besonders rationelle und preiswerte Propaganda gegenüber anderen Werbemitteln sein. Welker für Berlin: Wolkig, milde, ohne erheb- liche Niederschläge, schwache Luftbewegung.— Für Deutschland: Im Nordosten noch RegenfäUe. Im übrigen �Deutschland wechselnd bewölkt ohne erheb- liche Niederschläge, mild, schwachwindig. Trinkt Zachinger. Verlangen Sie nicht kurzweg „ein Wasser", sondern stets ein gutes rein natür- liches Mineralwasser, das die Gesundheit fördert und gleichzeitig auch herrlich schmeckt, wie z. B. Sßaatl. Fachingen, das Gesundheitswasser von Weltruf! Srunnsnvorsclirtftsn durch das Fachinger Zentralbllro, Berlin 87, W 8, Wllhelmstr. 55. Erhältlich In Mineralwaseerhandlungen, Apotheken, Drogerlen usw., sowie bei der Versandstelle der Staatsquellen Fachingen und Niederselters, Berlin SW11, Schöneberger Straße 16 a, Telephon:(B 2) LUtzow 8260-61. Thyssens kranker Stahlverein Katastrophale Schrumpfung des Umsatzes Herr Fritz Thyssen, Großaktionär des Stahl- Vereins, hat kürzlich auf der Genralversammlunq des„Phönix" erklärt, daß die Schwerindustrie nur eine fünfzigprozentige Ausnutzung ihrer Leistungsfähigkeit brauche, um wieder mit G e- Winnen zu arbeiten. Herr Thyssen hat damit für die Schwerindustrie, in erster Linie aber für den Stahlverein, die Parole ausgegeben, daß die Herren von Kohle und Ersen nach wie vor auf ihrer Sanierung s- s ch e u b e h a r r e n. Er hat damit demonstriert, daß man auch in dem Direktorium des Stahl- verein?, dessen schwere Krrsenkrankheit schon vor einem Jahr zutage trat, gar nicht daran denkt, das zur Gesundung der Unternehmer notwendige Kapitalopfer in Form einer scharfen Zusammen- streichung des Aktienkapitals von 77S Millionen Mark zu bringen. Jetzt hat der Stahlverein, die Vereinigte Stahlwerke A.-G. Düsseldorf, seinen Ouartalsbericht für die Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1932 veröffentlicht. Damit schließt das vom 1. Oktober bis 30. September reichende Geschäftsjahr des Stahlvereins ab und somit lassen sich die Krisenauswirkungen bei diesem Riesenunternehmen bereits übersehen, wenn auch Bilanz und Geschäftsbericht erst nach einigen Monaten erscheinen werden. Die Produktion ist gegenüber dem vorher- gehenden Quartal(April bis Juni) auch in den vergangenen Monaten weiter gesunken, wenn auch in den Bergbaubetrieben der Förderrückgang nahezu zum Stillstand gekommen ist. Die Kohlen- förderung betrug 3,38 gegen 3,43 Millionen Tonnen und die Koksproduktion 0,89 gegen 0,93 Millionen Tonnen. Erheblich stärker dagegen war noch der Produktionsrückgang in den Eisen- betrieben. Die Leistungen der Hochöfen sanken von 0,51 auf 0,45 Millionen Tonnen und die Rohstahlerzeugung von 0,60 auf 0,44 Millionen Tonnen. Die Gesamtproduktion betrug: 1931/32 1930/31 1929/30 in Millionen Tonnen kohle... 14.28 18.36 25,7 Koks... 3.86 5.67 9.33 Roheisen.. 2.09 3,28 5,29 Rohstahl.. 2.19 3,69 5,33 Seit dem bereits von der Krise beeinflußten Geschäftsjahr 1929/30 ist also die Kohlen- förderung um 43 Proz., die K o k s p r o d u k- t i o n um nahezu 60 Proz. und die E i s e n- u n d Stahlerzeugung um reichlich 60 Proz. g e- s u n k e n. Noch deutlicher als in den Produk- tionsziffern spiegelt sich die innere Krankheit des Stahlvereins in der rapiden Abwärtsentwicklung der Jahresumsätze wider. Seit dem letzten Konjunkturjahr 1928/29(das Geschäftsjahr des -Stahltrust rechnet vom 1. Oktober bis 30. September) betrug der Jahresumsatz in Millionen Mark 1928/29..... 1445,3 1929/30..... 1261,5 1930/31..... 849,1 1931/32..... 522,5 In diesen vier Jahren ist also der Umsatz des Stahlvereins um 923 Millionen Mark oder 64 Proz. zusammengeschrumpft. Allein im ab- gelaufenen Geschäftsjahr 1931/32 betrug der Umsatzschwund nahezu 39 Proz. Ungeheuerlich sind die Krisenopfer, die die Belegschaft des Stahlvereins bei dieser Entwicklung zu bringen hatte. Im September 1929 waren in den Betrieben noch 176 716 Mann beschäftigt, im September 1930 noch 137 708, im Herbst vergangenen Jahres nur noch 97 090, und zur Zeit ist die Gesamt- belegschaft des Stahlvereins auf 81 768 Ar- b e i t e r g e s u n k e n. In der gleichen Zeit ging die Zahl der Angestellten von 15 331 auf 11 343 Personen zurück. Die Führung des Stahlvereins ist bisher jeder Sanierung ausgewichen. Die schon vor einem Jahre fällige Zusammenstreichung des 800-Mil' lionen-Kapitals ist bisher unterblieben und nach der letzten Rede von Fritz Thyssen scheint man in den Kreisen der Stahlvereinsbesitzer weniger denn je an das notwendige Krisenopfer des Kapitals zu denken. Wir möchten angesichts des katastrophalen Umsatzschwundes bei diesem mächtigsten deutschen Eisenkonzern einige Zahlen aus der vorjährigen bilanz in Erinnerung bringen, die einen Anhaltspunkt für die bevorstehende Krisen- bilanz des Stahloereins bieten. Im vergangenen Jahr, als die Eisenkrise längst noch nicht ihren Höhe- punkt erreicht hatte, war die gesamte Schuldenlast des Stahloereins von 911 auf 961 Millionen Mark gestiegen. Die Verwaltung hatte mit Mühe und Not noch für 1930/31 einen Rohüberschutz von 151,3 Millionen Mark er- rechnet. Nach Abzug der Zinsen, sozialen Ab- gaben und Steuern, sowie der Mschrcibungen wurde im letzten Jahr«in Verlust von rund 19 Millionen Mark ausgewiesen. Dieser Verlust ist aber nur dadurch künstlich niedrig- gehalten worden, daß die notwendigen Abschreibungen aus die Werksanlagen von 80 auf 43 Millionen Mark rigoros gekürzt wurden, obwohl schon die Abschreibungen von 80 Millionen Mark, die man im vorhergehenden Jahr vorgenommen hatte, im Interesse einer Prestigedividende von 4 Proz. einen erheblichen Abstrich erfahren hatten. Diese schon sehr problematischen Bilanzzahlen vom letzten Jahr beruhten aber immerhin noch auf einem Jahresumsatz von knapp 850 Millionen Mark, während in dem abgelaufenen Jahr fast 40 Pro.z. weniger, nämlich nur 522,5 Millionen Mark umgesetzt wurden. Wenn es auch dem Vögler-Direktorium mit Hilfe schärfsten Lohndruckes und rücksichtslosen Belegschaftsabbgues gelungen ist, die Personal- kosten stark zu drosseln, so ist es für ein so mechanisiertes Mammutunternehmen wie dem Stahltrust eine Unmöglichkeit, die Betri«bs- Unkosten in dem gleichen Tempo abzubauen, wie sich der Umsatzschwund vollzieht. Bei 522 Mil- lionen Umsatz dürste daher schon der Brutto- Überschuß auf ein Minimum gesunken sein. Von einer Deckung der Zinslasten, den Sozialabgaben und Steuern kann keine Rede sein. hier allein werden sich Verluste ergeben, die an die 100-Rlillionen'Grenze heranreichen. Dazu kommt das seit Jahren vernachlässigte A b s ch r e i b u n g s p r o b l e m! Die Anlagen des Stahltrust stehen mit mehr als 1,4 Mil- liarden Mark zu Buche, die Abschreibungen, die seit der Gründung des Trusts vorgenommen wurden, betragen 405 Millionen Mark. Der Nettowert der Anlagen beträgt also noch rund eine Milliarde. Ein Teil der Werksanlagen aber, fest Jahr und Tag nicht mehr in Betrieb, stellen nichts anderes als Fabrikruinen mit Schrottinventar dar und dies gilt für Anlagen und Beteiligungen, die heute noch mit mehreren hundert Millionen Mark in der Bilanz aktiviert sind. Wenn im Stahltrust eine kaufmännisch einwand- freie Bilanz aufgemacht würde, dann könnte sich ergeben, daß die in der Oeftentlichkeit ge- nannte Sanierungsaktion einer Zusammenstrei- chung des Aktienkapitals im Verhältnis 10: 3 noch völlig unzureichend ist, um für diesen kranken Mammutkonzern wieder eine gesunde Grundlage zu schaffen. Eine noch mildere Kapital- sanierung, wie sie von den jchwerindustriellen Jnteressenhaufen propagiert wird, wäre von vornherein erfolglos und trüge den Keim zu neuen Störungen in sich. Ein solcher Koloß auf tönernen Füßen muß natürlich jede Wirtschastsankurbelung illusorisch machen. Er bildet einen Unruheherd, dessen de- primierenden Ausstrahlungen um so stärker jede aufkeimende Belebung zerstören müssen, je länger mit der schon seit einem Jahr fälligen Sanierung gewartet wird. hat man in der Regierung an der bisherigen verlrauenskrisis noch nicht genug? will man den zahllosen Gerüchten und Kombinationen, die über den Stahlverein und gewisse Verwaltungsvorgänge im Umlauf sind, immer neue Nahrung geben, indem man die Zügel schleifen läßt? Ueber seinen Aktienbesitz bei Gelsenkirchen besitzt das Reich Einfluß bei dem Stahlverein. Es ist seine Pflicht, hier nach dem Rechten zu sehen und für eine Sanierung nach volkswirtschaftlichen Grund- sähen zu sorgen. Einen schwachen und kranken VUrtschaslskörper kann man durch Einslößen belebender Mittel nicht heilen, wenn man sich scheut, die fressenden Geschwüre durch einen scharfen Schnitt zu beseitigen. KutAIands Maschineneinfuhr Deutschland ist der weitaus wichtigste Lieferant Daß die Lieferungen für Rußland an Eisen, Stahl und Maschinen für die Industrien der hochkapitalistischen Länder, die von der Krise heimgesucht werden, von großer Bedeutung geworden sind, ist bekannt. Ueber die Entwicklung der russischen Maschineneinfuhr gibt der„M a- s ch i n e n b a u", Zeitschrift des Vereins Deutscher Maschinenbauanstalten, interessante Ziffern. Die gesamte russische Maschinenein- fuhr war von 208,7 Mill. Rubel im ersten Halb- jähr 1930 auf 226,2 Mill. Rubel im ersten Halb- jähr 1931 gestiegen: im ersten Halbjahr' 1932 be- trug sie 17 3,9 Mill. Rubel oder etwa ein Viertel weniger als im Vorjahr(ein Goldrubel gleich 2,15 Mark). Der Rückgang hängt mit der allgemeinen Drosselung der russischen Ein- fuhr zusammen, da infolge der Passivität der Handelsbilanz die Devisen für die Einfuhr kaum aufzubringen sind. Wichtig ist, daß in der Einsuhr nach Maschinen- arten eine starke Veränderung eingetreten ist. Während in den Jahren 1930 und 1931 die Einfuhr an Landmaschinen und Traktoren f a st die Hälfte der gesamten Ma- schinenausfuhr ausmachte, sind in diesem Jahre so gut wie keine Landmaschinen und Traktoren mehr eingeführt worden(für rund eine Million Rubel). Praktisch wurden also in diesem Jahre nur noch Maschinen(und Maschinenteile) für die In- dustrie(Werkzeugmaschinen, Hebekräne usw.) eingeführt. Obwohl die gesamte Maschinen» einfuhr von 1931 zu 1932 gesunken ist,- ist die Einfuhr von Jndustriemaschinen erheblich, von 85,1 auf 132,7 Will. Rubel gestiegen. Die Folge dieser Veränderung ist eine völlige Verschiebung des Anteils der Lieferländer. Während in den Jahren 1930 und 1931 die Ver- einigten Staaten mehr als die Hälfte aller eingeführten Maschinen lieferten, ist im Jahre 1932 Deutschland der weitaus größte Lieferant geworden. Im ersten Halbjahr 1932 stammten aus Deutschland 59,4 Proz. aller Maschinen im Werte von 103,2 Millionen Rubel oder 221,9 Mill. Mark, während es in den früheren Jahren nur 24,4 bzw. 31,8 Proz. waren. Der Anteil der Ver- einigten Staaten hat sich von 59,4 Proz. im Jahre 1930 a u f 5,1 Proz. ermäßigt, während der Eng» lands ebenfalls stark, von 4,8 auf 20,1 Proz.. gewachsen ist. Der starke Rückgang der amerika- nischen Einfuhr hängt natürlich auch mit den politischen Gegensätzen(Frage der Aner- kcnnung der Sowjetunion durch Amerika) zu- sammen. Von der gesamten Einfuhr von I n d u st r i e- Maschinen und Apparaten kommen fast zwei Drittel, 84,1 von 132,7 Mill. Rubel, aus Deutschland. Der Anteil an der deutschen Einsuhr von Maschinenteilen beläuft sich auf etwa 45 Proz.(18,6 von 40,1 Mill. Rubel). Bemerkens- wert ist, daß Deutschland jetzt auch in der(an sich geringen) Einfuhr von Landmaschinen und Trak- toren an erster Stelle steht. Neben den drei genannten Lieferländern spielen die übrigen Staaten eine verhältnismäßig u n b e- deutende Rolle. Interessant ist aber doch, daß die Lieferungen aus der Tschechoslowakei, aus Italien und Schweden verhältnismäßig stark zugenommen haben. Dagegen ist die Ma- schineneinfuhr aus Frankreich von 1931 zu 1932 auf ein Sechstel zurückgegangen. Um Karstadt Ohligationäre gegen Großbanken Die deutschen Inhaber von Stücken der Obligationen-Anlcihe, die die Karstadt-A.-G. in Amerika aufgenommen hatte, hielten in Hamburg eine Versammlung all in der sie ihren Unmut über das Vorgehen der Karftadt-Verwaltung und der Großbanken abluden Man wehrte sich vor allem dagegen, daß die Karftadt-Verwaltung zuerst von den g e s i ch e r- t e n Obligationären und nicht von den ungesicher- ten Gläubigern zur Sanierung Opfer verlange. Zuerst seien doch wohl die Groß- b a n k e n an der Reihe, die ja die Mitver- antwortung für die von Karstadt befolgte Ge- schäftspolitik trügen. Die Großbanken müßten auch endlich ihre Verträge mit Karstadt ver- öffentlichen und klarlegen, wie weit sie sich für ihre Kredite gesichert hätten. Wenn auch die Obligationäre vorläufig eine Einigung mit der Verwaltung anstrebten, um den Konkurs zu vermeiden— sowel sei sicher, daß die Obligationäre gerode im Konkurs eine sehr gute Stellung hätten. Denn für ihre Forde- rungen sind ja die Hauptgrundslücke mit Inventar verpfändet. Die Obligationäre verlangen die Vorlage eines vollständigen Sanierungspro- gramms, in dem die Opfer für jede Gruppe fest- gelegt werden. Ein Zugeständnis(für Verzinsung und Tilgung der Anleihe), das lediglich der Ver- besserung der Stellung der Großbanken diene, könne von den Obligationären nicht erwartet werden. Dividencie trotz Verlust! Versteckte Gewinne bei Kabelwerk Rheydt Die Kabelwerk Rhey t A.- G. in Rheydt klagt in ihrem Geschäftsbericht über die Entwicklung des Umsatzes, der mengenmäßig um 30 Proz., wertmäßig sogar um 50 Proz. gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen sei. Dementsprechend hat das am 30. Juni zu Ende gegangene Geschäftsjahr mit einem B e- triebsverlust abgeschlossen. Gleichwohl wird eine Dividende von 5 Proz. oerteilt. Wie ist das möglich? Man hat endlich einen Teil der in früheren Jahren ver- dienten Gewinne aufgedeckt. Denn zahlreiche deutsche Unternehmen haben in den guten Jahren klotzig verdient und gleichzeitig gegen die angeb- lich zu hohen Löhne gehetzt. Damals war die Verwendung der überhohen Gewinne zur„Selbst- sinanzierung" die große Mode, und diese Mode Hot viel dazu beigetragen, die Ueberkapazität in der deutschen Industrie zu steigern. Das Kabelwerk Rheydt hat immerhin für das Vorjahr 8 Proz. und für das Jahr 1929/30 12 Proz. Dividende verteilt. Jetzt wird das Warenlager plötzlich mit 1,5 Mill. Mark gegenüber nur 0,4 Mill. Mark im Vorjahr aus- gewiesen— ein Zeichen dafür, wie hoch die beut- schen Unternehmer das Prinzip der Bilanz- Wahrheit einschätzten oder einschätzen. Billiges Geld Für die englische Regierung Die neue 150 Mill.-Pfund-Anleihe wurde am 11. Oktober zur Zeichnung ausgelegt. Die Listen wurden sofort wegen Ueber- Zeichnung wieder geschlossen. Es ist erst wenige Wochen her, daß die eng- tische Regierung das Wagnis unternahm, den Be- sitzern der englischen Staatsanleihen eine Herabsetzung fc«s Zinssatzes von 5 auf 3,5 Proz. anzubieten. Diese Zinsherabsetzung(Konversion) betraf die Riesensumme von 30 Milliarden Mark und endete mit einem großen Erfolg: noch nicht 5 Proz. der Kapitalsumme wurde in bar zurückgefordert. Jetzt legt die englische Regierung eine neue Anleihe auf, und zwar für 150 Mill. Pfund oder etwa drei Milliarden Mark. Diese Anleihe wird mit nur zwei Prozent verzinst: sie wird in den Jahren 1935 bis 1938 zurückgezahlt. Ein Teil dieser Anleihe wird den Besitzern der 4>4prozentigen Schatzanleihe, die Ende dieses Jahres zu tilgen war, zum Umtausch ange- boten. Der Rest soll auf dem Kapitalmarkt neu gezeichnet werden. Das dafür eingehende�Geld soll vermutlich zur Auszahlung der Stücke dienen, für die bei der großen Konversion die Rückzahlung gefordert wurde. Allerdings reichen dafür die aus dieser Anleihe eingehenden Be- träge noch nicht aus. Diese starke Entlastung des englischen Haushalts von Zinszahlungen, die Auflegung einer so niedrig verzinslichen Anleihe sind möglich, weil auf den internationalen Kapitalmärkten bei niedrigen Zinssätzen ein großes Geldangebot besteht. Für Privatdiskonten, für Wechsel allererster Firmen und Banken, erhält man in Berlin Geld zu knapp 4 Proz. Zinsen. Der Privatdiskontsatz in Paris steht ober auf 1 Pro,;., in London und New York unter 1 Proz. und in Amsterdam gar bei V* Proz. Die Geldfülle und die niedrigen Zinssätze auf den rnternationa- len Märkten blechen vorläufig die einzigen Silberstreifen am Konjunkturhorizont der Weltwirtschaft. US�.-�utomohilerzeugung Die Automobilproduktion Amerikas ist im S e p- tember weiter auf 79 000 Personen- und Last- kraftwagen zurückgegangen gegen 90 000 Wagen im Vormonat und 180 000 Stück im September vorigen Jahres. Damit stellt sich die Gesamt- Produktion der ersten drei Quartale des laufenden Jahres auf nur 1,19 Millionen Wagen gegen 2,24 Millionen in der gleichen Zeit des Vorjahres, 3,05 Millionen in den ersten drei Ouar- talen 1930 und 4,87 Millionen Stück in den ersten neun Monaten 1929. Belebter Eisenmarkt Die Entwicklung im September Der Stahlwerksverband, das Spitzenkartell der Eisensyndikate, meldet eine leichte Belebung der Eisenmärkte im Monat September. Der Auftragseingang für Halbzeug hatte sich im Jnlande noch nicht wesentlich verändert, jedoch stehen die angekündigten Reichsbahnauf- träge für den kommenden Monat in Aussicht. Der Auslandsmarkt war durch stärkere Nachfrage aus England f e st e r. Dies dürfte damit zusammen- hängen, daß Enve Oktober die Frist für die bis- herigen Eisenzölle abläuft und man noch nicht weiß- wie die künftigen Zölle in England aus- sehen werden. Die Preise zogen etwas an. Für Formeisen machte sich eine stärkere Nach- frage des Inlandes bemerkbar, und auf den Aus- landsmärkten trat ein Stillstand des Preisrück- ganges ein. Auch für O b e r b a u lt o f f e war in> Auslanve ebenso wie für Stabeisen c r- höhte r Bedarf festzustellen. Eine Zunahme des Verbrauchs wird sich hier bei den Walzwerken schnell auswirken, da die Läger der Händler ge- räumt sind. Der Bandeisenabsatz, der sich in den ersten sieben Monaten des Jahres durch den erhöhten Saisonbedarf gut entwickelt hatte. daraufhin aber sehr still geworden war, hat sich in der zweiten Septemberhälfte wieder gebessert. Im Auslande konnten größere Mengen Spezial- sorten untergebracht werden. Das Geschäft in Grob- und Mittelblechen lag nach wie vor sehr still, und trotz des Anziehens der Welt- Marktpreise blieb das Preisniveau so tief, daß Exportaufträge nicht hereingenommen werden. ZWEITE BEILAGE MITTWOCH, 12. OKT. 1932 381 emevcHUMs So— mein Gilgichen— höchste Zeit für mich— komm, gib mir noch einen Kuß.. „Ach, Olga.. Gilgi will noch was sagen, erzählen— aber lieber nicht, lieber nicht— einmal Ausgesprochenes wird so unheimlich lebendig,„Wann werden wir uns wiedersehn, Olga?" „Sobald du mich brauchst— bestimmt, Gilgi. Kannst dich ja aus mich verlassen,— Weißt du"— Olgas lustige blaue Operetten- äugen werden plötzlich ernst und nachdenk- lich—„ich Hab' doch Männer als solche wirklich gern— aber komisch ist's und miß- trauisch macht's, daß man keine wirkliche Freundschaft von Männern untereinander mehr findet, kein ehrliches, selbstverständ- liches Zusammenhalten, keine unbedingte Solidarität vor allem. Gibt nur noch„Kalle- gen" oder„Parteigenossen"— herzlich wenig das. Ich hätt' verflucht Achtung vor einem Mann, der einen Freund hätte, den er mir vorzöge. Ist dir nicht auch schon aufgefallen, Gilgi— daß wir in einer Zeit leben, wo's mehr wirkliche Solidarität unter Frauen gibt als unter Männern? Das macht uns überlegen. Schade. Ich leg' an und für sich gar nicht so großen Wert auf Ueberlegenheit. Na, wenn's nu' mal nicht anders ist!— Gott, mein Zug!" Noch einmal umschließen Gilgis braune Finger Olgas kleine ver- wöhnte Hand—„Alles Gute, Olga."— „Alles Gute. Gilgi— wo ist Martin?"— „Liegt noch im Bett." Werd' ihm eben Adieu sagen." Olga wirbelt ins Badezimmer, macht einen Schwamm naß— reißt die Schlafzimmertür auf— wirft den patschnassen Schwamm mit gutgezieltem Schwung Martin mitten ins Gesicht—„war ein herzhafter Kuß, geliebter Faulpelz, nicht wahr? Leb' wohl für die nächste Zeit— ich fahr' ab. Sei gut zu meiner kleinen Freundin und schick mir mal gelegentlich meine Pro- Vision für erfolgreiche Kuppelei." Und Gilgi findet die Welt noch dunkler und trüber geworden, seit Olga fort ist. Sie denkt nach über Olgas Worte: keine Solidari- tät mehr unter Männern... Könnte schon stimmen. Erinnert sich plötzlich an das Per- sprechen, die Hertha zu besuchen. Vielleicht heute nachmittag? Man wird ihr etwas Wäsche mitnehmen und ein paar Kleider— man wird so reden und so sein, daß sie das nehmen kann, ohne daß es auch nur ein biß- chen peinlich ist. Aber aus dem Besuch heute wird nichts. Marlin hat mal wieder Geld von irgend- woher— mittags geht er plötzlich fort und kommt zehn Minuten drauf stolz und slrah- lend mit einem schicken Cadillac angefahren — den hat er gemietet für den Tag. �Man fährt den Rhein runter— am Siebengebirge vorbei— es riecht nach Früh- ling. Sonne, Luft und Wind, Erde und Volksliedern.—„Gilgi, nimm die Hand von meinem Arm fort— du gehörst zu den Frauen, die mich nicht anfassen dürfen, wenn ich Auto fahre."— Ach ja, es ist schön— das Leben ist schön... Man sitzt in einem alten Gasthof am Rhein, trinkt alten Rüdesheimer und sieht auf die noch älteren Berge und das fließende Wasser. Langsam senkt Dunkelheit sich herab. Rasselnd und knirschend wirft ein Fracht- dampfer Anker, liegt schwer und schwarz auf der dunkel grauenden Fläche.— Schneeballen wiegen ihr zärtliches rundes Weiß im Laub- gewirr, ein leiser Wind weht Kirschblüten- blätter durchs Fenster, und blühender Flieder duftet ein Liebeslied in die Luft. Man spricht nicht viel— wirft nur von Zeit zu Zeit dem andern ein Wort zu— wie einen kleinen bunten Ball, der mit zärtlichen Händen auf- gefangen wird. Schwerer und voller wird die Stille— atmet Geheimnis und Wissen um die ewige Einverstandenheit der Erde mit allem Lebenden.— Silberne Schleier über Wasser und Wiesen— süßer Geruch von feuchten Blättern und Erde... Flach und offen liegen Gilgis Hände. Seltsam tiefes Wissen um Da-sein rinnt heiß und glückhaft schwer durch die Adern— und fast zur Qual wird die Süße gemeinsamer Augenblicksverbunden- heit. Still nimmt sie die Hand des Mannes, legt die heißen, trockenen Lippen auf das blaugeöderte Gelenk und spürt das Klopfen seines warmen lebendigen Blutes tief in Hirn und Leib und Gliedern— und die Erde sagt ja, und die duftschwere Luft sagt ja. und die dunkel schimmernden Farben und Bäume und Wielen und alles, alles Wachsende sagen ja— und man trinkt das Ja und ist schwind- lig vor Glück— und weiß doch um das Nein hinter dem Ja und weiß um den Schmerz hinter dem Glück und weiß um das Un- wiederbringliche glückträchtiger Stunde. Weiß um morgen, weiß um Gefahr, um Alltag und Nie-wieder. Und ahnt zu tiefst den Sinn von Schmerz und Verlierenmüssen. Spaltet die Lippen in mistendem Lächeln— und spürt die tiefste und sinnliche Lust— Lust der Leidahnung, Lust der Schmerzgewißheit, Lust der Fieberangst — wissende Angst des Blutes, die unsere Freu- den zu Gold stempelt. Nach dem Arbeits- amt ist Gilgi zu Hertha gegangen. Noch tau sendmal trauriger und bitterer ist olles, als sie gedacht hatte. Durch die grauen Gardinen bricht die Sonne, be- leuchtet grell und takt- los die' Armseligkeit des Raumes: an der Bettstelle, eine Waschtisch, ein Stühle, ein kleiner Gasherd— sonst nichts. Es riecht nach Menschen und Kohl und Kinderwäsche. Gilgi gegenüber sitzt 5)erlha— eine müde blonde Fräu mit schweren, langsamen Be- wegungen. Hält den einiährigen kleinen Jungen auf dem Schoß—„den wollt' man nicht haben, Gilgi— aber jetzt ist er da, und man gibt ihn nicht mehr her"— und drückt mit der rauhen kleinen Hand das dicke blasse Kinderköpfchen an ihre schlaffe, schwere Brust. Spricht mit leiser, eintöniger Stimme: „Ich Hab' die Kinder so gehaßt, wie ich sie getragen habe— kann es wohl fein, daß sie davon traurig geworden sind? Sie sind immer so still und schreien fast nie und lachen Am Ufer des Wheins i hot. faramour. Wand eine schmale noch kleinere doneben, ein Schrank, ein Tisch, zwei kaum— manchmal glaub' ich, daß alle Liebe jetzt diesen Haß nicht mehr gutmachen kann. Aaaach" sie steht auf, setzt den artigen Kleinen aufs Bett, geht zum Herd und schraubt die Gasflamme unter dem brodeln- den Topf niedriger. Verlegen und ungeschickt streichelt Gilgi dem kleinen Mädchen, das stumm und starr neben ihr steht, über das dünne silberblonde Haar— sie hat Kinder nie leiden können und kann nicht mit ihnen umgehen— das Kind drückt den kleinen Kopf fester gegen die streichelnde Hand— die winzige zärtliche Tierchenbewegung treibt Gilgi beinahe Tränen in die Augen. Hertha . setzt sich wieder an den Tisch. Immer schwerer und drückender wird die Atmosphäre im Raum— voll von gewußter und unge- wußter Hoffnungslosigkeit. Man sieht das kranke Flimmern in der Luft. Tief unten auf der Straße spielt ein Orgelmann, Fetzen vom Wolgalied dringen herauf. Das kleine Mädchen zirpt mit hohem, hellen Stimmchen ein paar unverständliche Worte— es ist so häßlich mit seinem spitzen, fahlen Gesichtchen — und ist so ergreifend die rührende Ah- nungslosigkeit eines häßlichen Kindes. „Wenn jetzt warme, schöne Tage kommen, werd' ich mit den Kindern in den Grün- gürtel gehn— da haben sie Sonne", sagt Hertha mit ihrer leisen, tropfenden Stimme. „Du glaubst nicht. Gilgi, wie gut die Resi letzten Sommer ausgesehn hat. Und wenn setzt der Hans bald bester verdient, dann werden wir einen Kinderwagen kaufen— weißt du, ich kann nicht gut tragen, und der Kleine wiegt ganz anständig.-- Ich bin froh, daß du gekommen bist, Gilgi— man kann mit dir sprechen." „Du bist so tapfer, Hertha!" „Was bleibt mir denn anderes übrig? Ich .'in gar nicht so tapfer." „Du bist sehr gut— ich könnte nie so gut sein." „Ach, Gilgi, ich bin nicht gut." „Doch. Hans sagt es auch. Er liebt dich so sehr." (Fortsetzung folgt.) &riefiSche ffifcher im Eismeer Eine Reportage ohne StomanUk/ Don Qünfher Dihaer Es ist eine wackelige, naßkalte Geschichte— und ohne Spur von Romantik. Dies der Wahrheit zu- liebe.— Den Hintergrund stellt der nördliche Hori- zont(unterm 75. Grad) mit seinem glasgrun leuch- tenden Anstrich und der phantastisch gezackten Silhouette der Bareninsel davor, die sehr fern und sehr einsam wirkt, in dem großen Wasser.— Dies könnte als Stimmungsbild gelten: aber das Bild ist weg, ehe die Stimmung kommt, und es hängt wieder jener dicke kalte Polarnebel über dem Schiff, den man wie nasse Watte schluckt, wenn man nicht ständig Kandiszucker kaut, wie es der Kapitän macht. Vier Tage im Nebel hcrumdampfen, und keinen Fisch ins Netz kriegen.„Schiet is bat!"— Und wo soll da die Stimmung herkommen? Der Kapitän knurrt und rollt grimmig an seinen Zigaretten. Man soll lieber einen Bogen um ihn machen. Und vorn an der Back gibt's auch staue Gesichter. Aber was ist�zu machen?— Das neue Tiefenthermometer, diese gelehrte Röhre, die wir alle mit Andacht angestarrt haben, weiß auch keinen Rat. „Plus 1.6 Grad L Grundtemperatur!" Ja— sehr gut! Aber wo sind die Fische, Herr Theoretikus? So dampfen wir also mißgelaunt durch den Nebel und suchen weiter(und einer sitzt oben im Top und schaut verstimmt nach dem farbigen Feuilleton aus). Nebel... nichts als Nebel...! Die Dampfsirene heult heiser und rauh. Man sollte ihr Kandiszucker geben. Der Radioapparat im Kartenhaus äfft sie nach.(Romantik!)-- Plötzlich geht lautlos ein langer Schatten schräg von Steuerbord über un- seren Kurs...„Dampfer voraus!" meldet der Mann am Ruder. Wir morsen ihn an: Hoooihru.. hooirrhuuu... Er antwortet ebenso krächzend und dreht bei.— Die Maschinentelcgraphen klingeln, das Kielwasser rumort. Es wird ein großer Mo- ment in dieser phantasielosen Oede. Oben auf die Brücken(in Rufweite gegenüber) treten stämmig die Kapitäne. Sie erheben die Schalltrichter. Von Deck schaut erwartungsvoll die Mannschaft herauf.—„Wat häv'n Sei sangen?—" Der da drüben antwortet auf gut Platt. Breit- beinig und sicher wie nur irgendein Friese steht er da und tut uns seine Zufriedenheit kund. Mancher „Hol" über 100 Korb!—„Jo, Jo Sei kunnt hie blieven!" nickt er bedächtig herüber, und dann verschwindet sein Schiff wieder lautlos in der weißen Wand. Aber da stimmt was nicht! Stunden um Stunden holen wir Steine heraus, Löcher, Seetang und in dem Allerlei auch ein paar Fische. Das Mißtrauen wächst. Und am Abend knurrt der Steuermann beim Essen über seinen Blechtopf...„dci häd uns onschmeert!"— Das scheint in der Tat so. Und nun geht die Suche weiter. Die weißlichen Schwaden ziehen mit, über die bleigrau anrollende schwere Dünung. Möven fallen in Schwärmen heraus, streichen fett und grau durch das Takelwerk und verschwinden mit kleinen quäkenden Schreien.— Sie warten auf Fische. Wir auch. Aber dann kommt der erste Treffer. Nachts so um 2 Uhr.(Es ist taghell, weil irgendwo die Mit- ternachssonne steht.)— Kaum, daß die Scher- breiter herausrasseln, zeigt sich schon in Steuer- bord draußen auf dem Wasser der langersehnte hellgrüne Fleck. Es sprudelt und sprüht in tausend Blasen herauf und dann hebt der Netzsock seinen prallen, dichtgefüllten Kopf tanzend über die Wellen.——„Hei kimmt... hei kimmt..." schreit der Kapitän über die Brücke gebeugt und fuchtelt wild mit der Mütze: und die Mannschaft unten greift schnell und taktfest ins Vornetz, wozu der Steuermann jetzt triumphierend sein„Hool- up!" singt. Laut kreischend und vergnügt faßt die Winde zu. An ihrem langen Arm schwingt sie den großen„Hol" über Deck.— Einen Augenblick starren alle still und andächtig hinauf: 90 bis 100 Zentner! Es ist wie ein kurzes Dankgebet. Dann— mit einem Ruck an der Schließleine— prasselt die nasse Fracht über Deck herunter in die Schotte. Schellfische, Kabeljau, Heilbutte und an- deres Getier, was da in 200 Meter Tiefe unvor- sichtig herumkreuchte.— Die Wetzsteine klingen, die Messer fahren in die Fischbäuche. Eingeweide fließen und die Lebern fliegen flugs über Deck in die Trankörbe. Das ist eine frische, sehr realistische und geschwinde Sache. Das ist der reine Hohn auf Romantik.— Und dazu prustet der alte Wasser- schlauch aus ollen Ritzen und der Netzmacher stimmt ein Lied an, das sie alle miteinander über die Arbeit gebeugt absingen. Ein guter rauher Klang, der bordseits im Nebel versickert. Ja, guter Dinge sind sie jetzt, die friesischen Jungens, und in einer Stunde liegt der Fang unter Deck in Eis. Aber Eile mit Weile. So schnell, wie wir möch- ten, gehts nicht. Auch die Zeit steht hier oben still. Der Tag(die Nacht, die es nicht gibt, Mitein- gerechnet) hat sieben„Hol" Fische. Zwei Tage macht vierzehn. Und also stehen sich die Stunden so ähn- lich wie ein Schellfisch dem anderen. Die Arbeit stapft eintönig im Takt der Maschine hin. und die Einsamkeit hockt unentwegt an der Reeling. Unter Deck beim Essen sieht man müde und ab- gespannte Gesichter: hinter stoppeligen Bärtcn. Schweigend gehen die Schüsseln rund um. Nur die Blechteller klappern.— Wozu aber auch reden? Sie kennen einander. Sie denken nicht viel, ober gemeinsam: gradheraus: Wetter, Fang, Weib und Kind oder Braut, und was dazwischen liegt. Wozu also reden? Ein lebensfester Menschenschlag. Wenn dann der Koch aufsteht und geräuschvoll die Teller wegräumt, gähnt einer und kriecht über die Bank in die Koje. Er hat bald Wache. Ein an- derer saugt an der Pfeife und starrt ins Licht. Vielleicht tun sich mal ein paar zusammen und „zippeln" einen Schnaps aus. Dann das Glos ringsum, Scherz und Lachen fällt kurz und derb auf den Tisch, man lehnt sich gemütlich zucinan- der, die Ellbogen auf die Tischkante gestützt... „un vertellt wat". Aber es ist nichts aufregendes. Nur der Koch weiß bessere Witze. Er ist Rhein- länder und war mal Komiker im Tivoli, irgendwo. Einmal führt er einen sterbenden Schwan oder so was vor(er verträgt nicht viel) mit Deklamation von Schiller. Und wie er so hinsank mit verdrehten Augen, mußten olle laut und ausgiebig lochen. Aber das ist so selten wie sein Pudding, den er auch nur Sonntags gibt. Na. gut!... So geht nun die Zeit ollmählich herum. Stunde um Stunde und Fisch um Fisch. und wir haben an die 1500 Zentner beisammen. Kurs südwärts, die Nase tief im Wasser, läuft unser„Newman" mit neun Seemeilen vor dem Wind wieder heimwärts. Und die Sonne kommt wieder, und von fern über See steigt aus Wolken und Dunst die Küste Norwegens.„Südwärts": das ist ein gutes Wort für den Fischer, der vom Eis- mcer kommt.— Im Westfjord setzt ein dünner Strichregen ein, der die Farben der Berge und der Wicsenufer vcrwäscht, und die zackigen Lofoten an Steuerbord hängen darin wie graue Tücher an Wäscheklammern.— Erst in der Nordsee klart es wieder auf. Eine warme, wundervolle Sommernacht an Deck. Der gute Mond tut das seine und poliert die weite schwarze Fläche mit Silber auf. Im Ruderhaus ist es dunkel und sehr still. Der Mann am Ruder fixiert das kleine verdeckte Licht überm Kompaß. Der Steuermann lehnt aus dem offenen Fenster und starrt hinaus über See, wo fern wie Funken die Positionslichter der Fischkutter glimmen. Er starrt aus den Kurs, er starrt in eine kleine Stube, wo der Mondschein jetzt hell und warm aus ka- riertes Bettzeug fällt. Unten an Deck steht der Kapitän. Er beugt sich über die Reeling und ruft dann etwas hinauf... An Backbord kommt dunkel und massig die riesige Silhouette eines Dampfers auf. Ein Luxusdamp- fer.— Lautlos schiebt sie sich vor den Mond. Deut- lich erkennt man jetzt drüben die Reihen hell- erleuchteter Decks. Ein zauberhafter Anblick in dem weichen silberigen Licht der Nacht.-- Und dies könnte wiederum als Stimmungsbild gelten!... Für wen? Für den Mann an Deck mit dem ge- spitzten Bleistift im Kopf— und vielleicht für ein ältliches Fräulein drüben, die vom Promenaden- deck schwärmerisch aus den kleinen mondbcschie- neuen Fischdampfer herunterblickt.——„Gatt verdamm mich—!" sagt der Kapitän(er hat vorhin die Fischpreise van Norddeich abgehört)...„dot Pfund Schellfisch elf Pfennig!— En Schiet!" Und er spuckt kurz und kräftig über die Reeling in da» magisch aufleuchtende grüne Bugwasser. i Binfentmagen für Dtefe Rubrik sind Berlin SO 68, Lindeuftrub« 3. parieinachrichten für Groß-Berlin stet, an da» Beztrksfekretariat 3. Kos, 2 Treppen recht», zu richten 13. 18. 36. 17. 25. 33. 35. 45. 51. 55. 57. 72. 74-. 74b 76. Beginn allcf Veranstaltungen 19% Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! sirei». Zreitag, 14. Oktober, 151$ Udr, Zusammenkunft erwerbsloser Partei. Mitglieder an bekannter Stelle.„Wie diskutier« ich mit meinem Gegner?" Referent Henri Sobansen. iirci,. Donnerstag, 18. Oktober, 16 Uhr, an bekannter Stelle Ausammen- kunst erwerbsloser Parteimitglieder.„Dir Auslösung des britischen Im pcriums", Referent Wilhelm Tietgens. Ätci». Freitag, Ii. Oktober, 14 Uhr, Erwerbslosen.Mitgliederoersammlung im Ewest-Gesellsöiastshau», Große Frankfurter Straße 30. Grscheinen aller Genossen ist Pflicht. Das Parteimitgliedsbuch ist als Ausweis bei der Kontrolle vorzuzeigen. Kreis. Donnerstag, 18. Oktober, lö Uhr, gusammenkunst erwerbsloser Parteimitglieder im Heim Rosinenstr. 4. Fortsetzung de» Bortrages des Genossen Segall. Krci». Donnerstag, 18. Oktober, 15'j Uhr, Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder in Steglitz, Schule Friesenstr.„Aus dem Recht der So- zialverficherung", Referent Genosse Wödster. Kreis. Donnerstag, 13. Oktober, 13 Uhr, Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieber im neuen Svortheim aus dem Rennbahngclönde. Ren» bahnstr.„Sozialismus oder Kommunismus". Referent Walter Raue. _____ Martha I______ Uhr, Vortrageirde Elfried« Wollmannt Wittenau Jugendheim Neue Schule, 16 Uhr, Vortragende Genossin Lutz; Tegel Jugendheim Schöne berger Str. 3, 15 Uhr, Referent Paul Bernstein. Abt. Unserm Genossen Richard Erund und Frau, Sprengelstr. 45, zur Silbernen Hodizeit die besten GlUckwilnschc. Adt. Achtung! Zahlabend Heinisch erst Donnerstag, 20 Uhr. Abt. Sonnabend, 13. Oktober. 19Ü Uhr, Hcrbstfest in der Alten Taverne, Alt.Stralau 28/26. Mitwirkende: DM.-Verband, Freie Turnerschaft Stra. lau, SAI. Eintrittspreis 56 Pf., Erwerbslose an der Abendkasse 20 Pf. lStcuer.) Abt. Heute Zahlabend« in den bekannten Lokalen. 18 Uhr Vorstands. fitzung bei Lemble, Schreinerstr. 88. Abt. Unserm Genossen Hermann Schütz und Frau, Rcichenberger Str. 86, die herzlichsten Glückwünsche zur Silberhochzeit. Abt. Der Zablabend der 4. Gruppe tagt erst am Donnerstag, dem 13. Ok- toder. Zahlabend de» 8. Bezirk» heut«, im Lokal Köniqsweg 8. Abt. 8. Gruppe heute Diskussion», und Ausspracheabend bei Schütz, Wallstr. 60. Abt. Heute.>8 Uhr. beteiligen sich alle Genossen an der Trauerfeier de, Genossen Will im.Krematorium Gerichtstr. Bannerdcpntation\'i Uhr bei Arndt. Die Zahlabendc beginnen erst um>i,g Uhr. 83. 61. .. WBUWWWAW�WWWWWWWWIWWWWWWIIWWWW AL�el�W Abt. Achtung, Lokalönderung! Die am Freitag, dem 14. Oktober, bei Stockmann, anaesetzte Mtgliederversammlung findet im Lindenpark, Ber. I-ner Str. 8, statt. Abt. Heute. A> Uhr, Mitgliederversammlung und Zahlabend bei Schilling. — Die Einäscherung unfere» am 10. Oktober nerstorbenen altbewahrten Pirtetgenossen Wilhelm Gabelt findet am Danner-iaa. 18. Oktoher, vor- mittags UH Uhr, im Krematamum Wilmersdorf, statt. Abt. Heute Zahlabende in den bekannten Lokalen. Abt. Heute Zahlabende in den bekannten Lokalen. Ab». Heute Zahlabende tn folgenden Lokalen: 16. Florcke. Wißmannstr. 10, Referent Fritz Woldheim: Köster. Karlsgartenltr. 4, Referent Balter Jung: Rausch, Flughafenstr. 26, Reserent Alfred Freund: Palm. Mamzer Str. 16, Referent Otto Gallonita: 21. Bez: 23, Bezirk bei 47, Bezirk bei 87. Bezirk bei 48. Bezirk bei 86. Bezirk bei 67. 127. 86., 44., WW»WWW»W»WWW>WW>. Brehmer, Biedrichstr. 14, Reserent Mar Aschenbrenner: Lüddicke, Karlsgartenstr 12: tl. Bezirk bei Loifler, Mablower Str. 11: 46., 46. Bezirk bei Schreiber, Flughafenstr. 26.— Donnerstag, 18. Oftober, 161.. Ubr, Mitgliederversammlung der 33. Abqabestelle der Konsumge. nossenschaft. Warenbezugskarte gilt als Ausweis. Abt. Unserm Genossen und Funktionär Richard Noack nebst Frau zur Silbernen Hochzeit die berzlichsten Glückwünsche. Abt. Heute, 20 Uhr, Mitqliederversammluna bei Götze, Berliner Str. 68. „Unser Kampf für die Rechte der Arbeiterklosse", Referent Genosse Schleutz. �rauenveranftallungcn. 5. Kreis. Donnerstag. 13. Oktober, pünktlich 19% Uhr. iw Hnim Tilstter ort. 4 3. Fortsetzung oe, Echulung-kursez„Wo steht die KPD. im.Kampf gegen die Reaktion, Referentin Hertha Gotthels. 6. Kreis. Boronzeigel Mittwoch, 2 November. Friedenskundgebung im Orpheum, Sasenheide.� Filmvorführung„Berdun". Ansproche der Genossin.Klara Bohm-schuch, M. d. 3t, Musikvortrage. Unkosienbeitrag 25 Pf., Erwerbslose 10 Pf. Korten sind bei den Frau-nleiterinn-n zu haben. 66. Abt. Heute. 16 Uhr. vor Beginn der Mitgliederversammlung, treffen sich die �Funktronärinnen zu e>n-r wichtigen Besprechupg b-i?k Uhr an der Historischen Ecke. i5 Ps. mitbringen!!— Unsere Heimabende finden wieder pünktlich Montags. 16 Uhr. statt. Dir bitten alle Eltern, ihre Kinder zu uns zu schicken. Sterbetafel der Groß«Berliner Partei-Organisation 28. Abi. Am 6. Oktober verstarb unser lang, ähriges Mitglied, da» Vor- standsmitglied de, Deutschen Baugewerksbundes, der Senosie Hermann Peters, Bristolstr. 17. Ehre seinem Andenken. Die Einäscherung findet am Donnerstag, dem 13. Oktober, lös, Uhr, im Krematorium Serichisrroße, statt. 44. Abt. Unser langjährige» Mitglied Paul Müller, Kottbusser Str. 16, ist am 8. Oktober plötzlich verstorben. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 12. Oktober, 16 Uhr. auf dem Friedhof der freireligiösen Gemeinde, Pappelallee, statt. Rege Beteiligung erwartet der Abt..Dorstand. iWSoztallstischeArbetterjugendGroß-Verlm Einsendungen für dies« Rubrik nur an da» Jugendsekretartat Berlin SW 68. Lindenstraße 2, vorn 1 Treppe recht». Sozialistischer Wettbewerb: Freitag, den 15. b. M.. letzter Tag für Ab- rechnung der Arbeiterjugend und Mitgliederwerbung. Abteilungsleiterl 3kechnet sofort die Plaketten vom Antikriegsjugendtag ab. sendet den Berichtsbogen und da» Novemberprvgramm ein. 16. November Bußl-g!) B.,V.,Sitzung. Morgen. 16'/, Uhr, Sitzungsraum der Kinderfreunde. ! lkeder&~"''.—. Mitglieder her Volk-bühne! Besucht die Mtgliederverkammlun! Sonderabteilung, morgen, Donnerstag,-20 Uhr, Haverlands Festfa Reue Friedri> 83, I«, heute. ZNittwoch, 20 Uhr: Arnimplatz: Besuch der Aahlobende.— Andreaiplatz!: Brommpstr. 1: Heimabend,— Andrea,platz ll RF,: Brommpstr. l:„Vom freiwilligen Ar- beitsdienst zur Arbeit»di«nstvflicht".— Baltenplatz: Tilstter Str. 4-5: Lieder. abend.— Frankfurter Viertel: Frankfurter Allee 807:„Die Entwicklung der SAJ."— Petersburger Viertel: Ebertpstr. 12: Leseabend.— Warschauer Viertel RF.: Litauer Str. 18: Heiterer Leseabend.— Spandan, Aeltere- Lindenufer 1:„Zur Geschichte der Kriege".— Tempelhos: Götzstraße: Ein- rUhrungsabend.— Neukölln XI: Treffpunkt zum gahlabend 18>/i Uhr, Sel- chowcr Straße.— Baumschulenweg! Wir gehen zur Partei.— Vohnsdors und Falkenberg: Wachtelsrtaße: Liederabend.— Friedrichshagen: Friedrich- straßs 87: Reichstagssitzimg,— Kaulsdori: Besuch des Zahlabends.— Lichte». berg-Mitt«! Besuch de» Zahlabends.— Lichtenberg-Neu-. Gunterstr. 44:„Tages, Politik".— Lichtenberg, Nord: Zahlabend der Partei.— Mahlsdoefi gahlabend der Partei.— Reinickendors-Weft: Zahlabend. 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I Brooett-Familie, Lord zw. ■ 7 Alf redos, Marianne& R oberts i Mae Eigin, 6 Köhlers usw. DenMesMer Weidend. 5201. 8 Uhr Rose Bernd von Gertart HauptmaiiD mit Paula Wesselv Ksirnnspspieis 8 Uhr Scbuites Bühne Oai VeriDis von Rich.Billinger Theater am BOIewpiatz 0 I, Norden 2644. Täglich 8 Chr Die Ratten Regie: Heinz Hilpert Käthe Dorsch, Eageo Klopfer, Otto Wernick« lessing-i&eaiep Tag! 8>., Uhi Grete Mosheim Oskar Homolka in Pygmalion Am Montag, 10 Oktober, früh 8'/. Uhr. verschied plötzlich am Herrschlag mein herzensguter Mann und Vater, Bruder, Schwager und Onkel, der Packer Paul Kohn im 59 Lebensjahre. Berlin, Schwedter Straße 78, den 10. Oktober 1982 Dies zeigen tiefbetrübt an Johanna Kohn, geb. Schulz und Tochter Käthe Die Beerdigung findet Freitag, 14. Oktober, SV. Uhr, auf dem Gethsemane-Friedhof in Nordend statt. Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. »v.uhr CASIIIO- THEATER 8,'/. Uhr gur Dodi 2 Vmhlloiijn: Orr 18, Oktober Freitag, 14. Okt., SV. Uhr: Erstaufführung aotterku.ggrtram EDBEEEIS p-Theaier im-i Admlralspalastj Täglich Sfi Uhr Gitta A l p a r i in Katharina WALLNER-THEATER Täglidi 8.15„Mitschuldigen" „Satyros" von Goethe— Musik: Mozart Preise 0,50 bis 3,- M.— Sonnt. 5 u. 8,15 Uhr Vorverkauf täglich ab 10 Uhr ÜL B* Be Bendows Bunte Bühne Kottbusser Straße 6 früher„Elite> Sauger ladie M gmill Tgl. 8 Uhr. Sonnt. n3ftim.3!.'r Preise von 50 PL an Rose-Theater OrtSi Fraiktiirter StraBe 13? 1:1.«-idu» k 1 3422 5,15, 8�0 Uhr Der Hauptmann von Köpenick metropoi-Thester I Täglich 8-/. Uhr SriFi Massary Eine Fnu, die weiß, was sie will! HifflAND Re�awaot Herlinsf Llu. Theaiem.Westens ICl Steinpl.0931 Täglich 4'. und 844 Sonnt�H.Su.S1» aganim l.VwtlH.p.l(h-I.W| 2.» 3.V:nt. C.56-2.50 füeinesTit. 8>. I Merkur 1624 1 Unt. d. Linden 44| ! General Perci gründet ein KöDigriidi Kom�ie von Sindbid Sdirßdtr-Sdirom. Jary. Etftl. Regie; Eugen Felber. Preise v. I. Ii. an.■ [ JitetcUC-fägtten ftaUaiz Auch bis ISMonats Raten BerlinWS n-a Am 10. Oktober verstarb plötzlich im 59. Lebensjahre unser langjähriger Mitarbeiter und Kollege. der Packer Paul Kehn Berlin N 58, Schwedter Str. 78 Wir werden das Andenken des Verstorbenen stets in Ehren halten Gesdrältsleltuns und Personal des„Torwarts" Nach kurzer, schwerer Krankheit verschied in Breslau am 5. Oktober unsere liebe Tochter und Schwester Jlse im Alter von 22 Jahren. Für die gezeigte Anteilnahme sprechen wir allen Freunden und Bekannten unsern herzlichsten Dankaus. Berlin, im Oktober 1932. Hermann Lüdemann Klara Lüdemann geb. Schwedt Käte Lüdemann Die Beisetzung ihrer Asche ist am Sonnabend, dem 15. Oktober, 15 Uhr, von der Kapelle des Waldfriedhofes Dahlem aus. KLEiKE ANZEISüN jedes Wort 10 Pf. FettoedrudaesWort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte (Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen für 2 Worte) Annahme durdi den Verlag, Lindenstr.3 (V59—5 Uhr) säratl .Vorwärts"-Filialen u.-Ausgabestellen, sowie alle Annoncen-Expeditionen uerKAute Kochherde jeder Art u. Größe. Riesenauswahl. Teilzahlung, trän». portable Kachelöfen, Badewannen-Oesen, Kesselöfen. Die alte Firma Temmler und Bleyberg, Dresdenerstraße 96. Zannowitz F 7 6651. Linolram Szillat. Kolonie- straße S. Iflasiii- instrumenio Linkpia ose, gute, gebrauchte, ab 30,—. Philipp Link, Brunncnsrtaße 35. Spottbillige Markenpianos. Gr- legenheiten, Leh- mann. Klavier- bauer, Alexander- srraße 87. Hioidongsztociss. wasche usw. Leihhaus Lowicki oerkauit zu un- glaublich billigen Preisen wenig ge- tragene sowie neue Herrengarderobe. Herren» u. Damen- pelze. Weitester Weg lohnt. Keine Lomdardware. Prinzenstraße 105, eine Treppe. Kosen iür Zimmerer and Maurer. Wilhelm Pahr, Brunnen. straße 78. KSUlgMkI Zadaaebisie. 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Rotes Kabarett. koftenbeitrag 10 Ps. Beginn 20 Uhr. berliner Gewerkschaftsschule. Un- lZhFreie Gewerkschafis-Lugend Verlin Besucht die Zugendansstellnng de» Ortsausschusses Mitte in der Acker- straße 2 lU-Dabnhaf Rosentbaler Tori, geöffnet vom 9. bis 16. Oktober von 16 bis 22 Ubr! Heute. Mittwoch, 12. Oktober, ISP: Uhr, tagen die Gruppen: Endwesten: Ingendbeim Porcksrtaße 11 lffabrtkgebäudel...Für oder gegen Arbeitsdienst? Heute, Mittwoch, deginnen folgend« Kurs«: Gew. 2.„Einführung'---. räum der Berliner G 50. 8...Wirtschafi WWW._____. Leibniz-Gomnasium. Mariann envlatz 27/28. Anmeldungen werden aus dem 1. Kursusabend angenommen. Teilnehmer- gebühr für 10 Abende 2,— M., für Kurzarbeiter und Jugendliche 1,— M., für Arbeitslose kostenlos. Bezirk. Sonnabend, 15. Oktober, ISrtz Uhr, es wichtige Zusammenkunft bei Julius Sachse, Linhower«traße(gegen, SPD.- Buchdrucker. ahnhof Wedding). Keiner fehle! Der Fraktionsoorstand. � Popens— die Stellung der Gewerkschaften."— Weißensee: Jugendheim Beißen. ie, Caselerstraße 2. Seimbesprechung und Literaturabend. Berbandsbücher und Seimausweise mitbringen!— Brnswalder Platz: Zugendheim Schönlanier Straße II(Baracke 6. rechter Eingang). Heimbesorechung: Berbandsbllcher nicht vergessen!— Renkölln: Jugendheim Bergstr. 26(Hof). Kreismitgliederversamm. lung.— Flughafen: Jugendheim Flughafenstr. 68(U-Bahn Boddinstr.), Kreis. Mitgliederversammlung IN der Sruvpe Neukölln.— Humboldt: Jugendheim Graun. Ecke Lortzingstr. Aktuelle Zeitsragen:„Wie lese ich eine Zeitung?"— Schillerpark: Jugendheim Schule Schöningstr. 17.„FEI. in Wort und Bild."— Charlattenburg: Jugendheim Spreestraße 30. Bunter Abend.— Baumschulen. weg: Zuaendhetm Baumschulenweg, Ernststraße 16.„Umbau der Wirtschaft."— Kreis Oberspree: Jugendheim Baumschulenweg. Ernslstraße 16. Reibenvartrag: „Umbau der Wirtschaft."— Zugenbgrnppe des Sefamtoerbandes: Zugendbsim Gewerkschaftsbaus. Engelufer 24/25, Aufgang B. Fachgruppe Kommunalbetrieb« und Friseure: Fachgrupven-Mitgliederversammlung.— Eüdkrei«: Zugendbeim Neukölln, Bergstraße 26. Kreismitgliederversammlung. T Vorträge, Vereine und Versammlungen Winterarbeit! 2p Organisawriiche»: 8. Verschiedene». Tagesordnung: 1. Unsere Lugendgruppe ves Zentralverbanves ver Angestellten Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". Deichäst» stelle: Berlin S. 14 Sedastionstr 37—88 Hot 2 Zr. Prenzlauer Berg(Vortrupp): Freitag. 14, Oktober, Heimabend, Danziger Etr. 62, Baracke 3. Republikaner des 4. Kreises, alle 12— ISjahrigen Jungen gehören in den Vortrupp, sofern sie nicht anderen republikanischen Organisationen angehören,— Friedrichskat»(Kameradschaft Memel): Donnerstag, 18. Oktober, 20 Uhr. Aameraschaflsoersammlung bei Neumann. Gubener Str. 45.— Weißensee(Zungba): Jeden Mttwoch von 20 bi» 22 Uhr Heimabend im Jugendheim, Pistoriusstr, 24.— Reukölln.Britz (Jungba): Donnerstag, 18. Oktober. 20 Uhr, im Heim, Rudower ort. 31, Fort- segung de« Kursus:„Jeder Kamerad ein Führer." Erscheinen Pflicht.— Webbtng. Ortsverein. Unser Kamerad Hermann Peters ist am 6. Oktober verstorben. Ehre seinem Andenken. Die Einäscherung findet am Donnerstag. 15zH Uhr, im Krematorium Serichtftraße, statt. Treffpunkt 15 Uhr Gerichtstr. aw Heute, Mittwoch, folgende Veranstaltungen: Schönhauser Borstabt: Jugendheim der Schule Kastanienallee 81. Arbeitsgemeinschaft:..Die deutsch» Reichsverfassuna und die arbeitende Klasse." Leiter: Löwi.— Rord, pst I: Jugendheim Danziger Straße 62(Baracke 8). Arbeitsgemeinschaft:„Unter- nehmungen der Arbritrrschast"— Konsumgenossenschafi— Arbeiterbank— Bolksfürsovge(1. Abend).— Reinickendors: Jugendheim Lindauer Straße 2 (Baracke). Ausspracheabend.— Köpenick: Jugendheim Dablwitzer Straße 15 (Gasanstalt am Bahnhof Kövenickl. Wir lesen aus den Werken von Uvton Sinclair.— Reukölln: Jugendheim Böhmische Straße 1—4. Ecke Äannesstraße. Aussprache:..Äulturreaknor. in Deutschland." Leiter: Rektor Schmidt.,— Schönebera: Iugendbeim Hauvtstraße 15(Hosgebäude. Sachsenzimmer). Arbeit»- aemeinschaft:..Die Geheimnisse der kapiraliftischen Warenerzeugung." Leiter: Derkow.— Eharlvttenburg: Jugendheim Svielhagenstratze 4. Aussvroche: .Jugendprobleme drr Gegenwart." Leiter: Weißstock.— Potsdam-Rowawe,: Zugendherberge Rowawes. Zeitungsausschnittabend.— Südost: Jugendheim Manteuffelstraße 7. Arbeitsgemeinschaft:„Sozialismus als Kulturbeweguna" (4. Abendi. Leiter: Dr. Lewinfli.- Südwest: Iugendbeim Borckftr. 11(2. Hof. Ouergedäude. Aufgang I. Zimmer 3i. Heimoeranstaltung.— Spandau: Jugendheim Lindenuser l. Vortrag:„Fragen, die jeden kaufmännischen Lehrling an- gehen." Ref.: Bunzel... Die Versicherungsgesellschaft.Sorgenfrei" U.,A. tagt beut« von 16 bis 18 Uhr UN Berbandshau». Architekt«», und Ingenieur. verein zu Berlin. 20 Uhr. im Meisterfaal, Kölhener Str. 38. Vortrag Montag, 17. Oktober, mit Lichtbildern„Die Organisation der Landesplanung", Baudirektor Professor Dr.�Zng. Schumacher, Hamburg,«arten sind in ber Geschäftsstelle de» Berein». Berlin W 8, Wil. Helmste. 62/96. zu haben. Deutsch« Land»mannscheft der Provinz Posen. Groß-Berlin E.B. Monat». lltzung am Donnerstag. 18. Oktober 1982. abends 8>/> Uhr. rn der Kindl» brauerei. Verlin.Neuiolln, Hermannstr. 214.216. Anschließend geselliges Bei- sammensein._ Bolizei-Spart�ereta Berlin«.«.. Abteilung SlnheitsknrzschrisL Regel. mäßige llebungsabende an allen Wochentagen außer Sonnabend» von 16.80 bi, 21.30 Uhr im Polizei-Schulg-däude. Sannoverscheftr. 28/80. Anfänger-, Fortbildung», und Redeschriftkurse. Auch für Zivile. Deutscher Brb-itcr-Abstinenten-Bund, vrtsgruope Berlin. Bi» auf weiteres tagen: Gruppe Prenzlauer Berg jeden Freitag. 20 Ubr. in den„Schönhauser Festlälen", Schönhauser Allee 126— Gruppe Frtedrtchshain: jeden Montag. 20 Ubr. im Cafe„Comenius", Gubener Straße 48— Gruppe Kreuzberg-Reü- tölln: jeden Freitag. 20 Uhr. in der alkobolfreten Gaststätte Skalitzer Strafte 6, Freund« und Gäste wiMommen,