Jenteawesan der Gozialdemoseatifchen Oavtei Deutfchlauds I�orZsen-.Ausgdbe Nr. 483 A236 49. Jahrg. Redaktlon und Verlag: Verlin SW 68, Lindenstr. 3 S-rnspr-ch«r, A7 Aml Dönhoff ZS2 bi« 2S7 Setegtammabreffe: Sozlolb-mokr-t Berlin VOLKSBLATT DONNERSTAG 13. Oktober In Groß- Berlin 1(1 Pf. Auswärts....... 15 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe am Schluß des redaktionellen Teils Alarmruf zum Kampf! Breitscbelc! sesen Bapens Drohungen— Die Umtriebe des Exkronprinzen Die Spandauer Sozialdemokraten erössnelen den Wohlkomps mit einer machtvollen Freiheits- kundgebung in der Zubiläumsturnhalle. Die kurz nach Beginn wegen Uebersüllung polizeilich geschlossene Versammlung wurde zu einem glühenden Bekenntnis der Spandauer Arbeiterschast für Republik und Arbeiterrechte. Rudolf Breitscheid erteilte in der Versammlung Herrn papen die Antwort der Sozialdemokratie auf die ZNünchener Rede, die eine Enthüllung der Pläne der Gegenrevolution gebracht ha». Der begeistert aufgenommenen Rede Breitscheids voran gingen Worte des Spandauer Kreisleiters Adolf Guth. in denen die tiefe Erregung zum Ausdruck kam. die die Drohungen des Reichskanzlers bei den Massen der Arbeiter und Angestellten ausgelöst haben. Nachdem Breitscheid die Verhandlungen vor dem Staatsgerichtshof in Leipzig besprochen und unter der Zustimmung der Versammlung die Reichsregierung noch einmal gefragt hatte, wann endlich das sozialdemokratische Volks- begehren eingeleitet werde, kam er unter der gespanntesten Aufmerksamkeit der Versammlung auf die Enthüllungen des„Vorwärts" über die Umtriebe des Exkronprinzen und die Münchener Rede Popens zu sprechen. Die Regierung habe, so erklärte er, die vom„Vor- wärts" gemachten Enthüllungen zwar sehr scharf dementiert. der Eid nicht Gott, sondern nur Menschen geleistet worden sei. Auch jetzt seien vielleicht verschiedene Leute auf der Suche nach einem solchen Geist- lichen. Wenn hindenburg eines Tages erklären wird, ich mache nicht mehr mit, liegt der Weg frei für den Reichsverweser! wir bleiben dabei, datz der Exkronprinz selber dann die Zeit gekommen sieht, die verbrechen- schen Absichten zu verwirklichen, die der„vor- wärts" enthüllt hat. Diese Gefahr besteht aller- dings, wenn sich dos Volk nicht mit ganz an- deren Kräften als bisher zur wehr seht. Bei der Behandlung der Frage, wie es zu der augenblicklichen Situation gekommen ist, wies Breitscheid nach, wie groß die Schuld der Nationalsozialisten und Kominuni- st e n ist, die so lange gearbeitet haben, bis die Brücke der Demokratie immer brüchiger geworden ist. Sie tragen die Schuld, daß Herr von Papen das Volk heute so herausfordern kann! Schuld an den wirtschaftlichen Verhältnissen trägt das Ver- sagen des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Der Sozialismus darf nicht mehr die ferne Hoffnung sein. Der Sozialismus ist Tagesfroge, ist Tagesaufgabe! Der Redner schloß mit der begeistert aufgenommenen Aufsorderung, die Gedanken der Demokratie und der Freiheit noch weit stärker als bisher zu verteidigen. Nach einem Schlußwort des Vorsitzenden Guth klang die Versammlung in machtvollen Freiheits- rufen der Tausende aus. Der Alarmruf des„Vorwärts": Republikaner, verteidigt die Republik! hat schon gestern«in zehntausendfaches Echo gefunden! Pape« bei Rupprecht Lind das die Männer, die Geschichte machen? Der Reichskanzler der Deutschen Republik, Herr von Papen, machte gestern in München beim bayerischen Exkronprinzen Rupprecht seinen Be- such. Vermutlich überbrachte er Grüße des preu- ßischen Exkronprinzen, mit dem er ja intim be- freundet ist. Nach einem Teebesuch im Automobilklub fuhr er in den Akademisch-Politischen Klub, wo er noch einmal redete. Er entwickelte in dieser standes- gemäßen Gesellschaft noch einmal seine feudalen Ideen von konservativer Staatsführung und schloß mit Treitschke:„Männer machen die Ge- schichte." Ja, manchmal merkt man es ihr auch deutlich an, was für Leute an ihr herumgepfuscht haben! Hur aus die ständige Bereitschaft der Polizei in Stärke von Z000 Mann ist es zurückzuführen, daß den Zusammenstößen nicht Plünderungen von Läden folgten. Unter den Revolvern der Polizei wurden die Demonstranten gezwungen, die aufgerissenen Straßen wieder auszubessern. Am Mittwoch begannen Besprechungen mit dem Ziel, den Grund für die Unzufriedenheit zu beseitigen, die zu den geschilderten, für Großbritannien äußerst ungewöhnlichen Auswüchsen führte. Ist die Erbitterung besonders über den Bedürstigkeitsnachweis der Arbeitslosen auch in England weitverbreitet, so bestehen doch in Rordirlond besondere Gründe für die Unzufriedenheit, da die dortigen Unterstühungssähe u n t e r den in England gezahlten liegen. 3n den Protestkundgebungen, deren Verhinderung durch die Polizei die Strahenkämpse vom Dienstag und Mittwoch zur Zolge hatten, verlangten die Arbeitslosen nicht mehr als die G l e i ch st e l l u n g mit England. Die Rotstandsarbeilen, mit denen die Stadtbehörde Arbeitslose, die keinen Anspruch mehr aus Arbeitslosenunterstühung haben, beschäftigt. werden mit S Schilling(etwa b Mark) pro Tag bezahlt bei einer durchschnittlichen Arbeitsdouer von 2si Tagen pro Woche. Ein Arbeiter, der aus anderer Quelle 10 Schilling be- zieht, darf nur einen Tag arbeiten, so daß sein Einkommen nur 18 Schilling pro Woche beträgt. Die Armenunterslühung beträgt pro Sopf 4 Schilling mit einem Maximum von 24 Schilling für eine Familie. Konterrevolution! Organisiert den Widerstand! Herr v. Papen ist gegen den Vorwurf des Verfassungsbruchs sehr empfind- lich. Er läßt die Zeitungen verbieten, in denen ein solcher Vorwurf gegen ihn erhoben wird. Alle seine Taten aber und alle seine Reden zwingen immer wieder zu Ve- trachtungen darüber, was von der Ver- fassungstreue dieses Beauftragten Hinden- burgs zu halten ist. Herr v. Papen hat in München die völlige Zerschlagung der Verfassung an- gekündigt. Er hat der Volkssouveränität das konservative Gottesgnadentum entgegenge- stellt. Der Volksvertretung soll eine Kammer des Besitzes beigeordnet werden. Was ihr überhaupt an Rechten bleiben soll, ist frag- lich. Auf dem Wege über die„Verfassungs- autonomie" der Länder soll die Verpflichtung der Einzelländer, Republiken mit gleichem Wahlrecht zu sein, beseitigt werden; damit wird der Monarchie und dem Klassenwahlrecht das Tor zur Rück- kehr geöffnet. Das ist das Programm eines Mannes, der auch nicht den Grundgedanken der Verfassung von Weimar anerkennt, der ihm vielmehr als Todfeind gegenübersteht. Wie man mit einer solchen Gesinnung den E i d auf die Verfassung von Weimar leisten kann, ist ein psychologisches Rätsel. Immerhin kann der Reichskanzler sagen, der Artikel 76 eröffne die Möglichkeit zu Aenderungen der Verfassung, und er wolle nichts weiter als von diesen Möglichkeiten Gebrauch machen. Sein Eid auf die Ver- fassung hindere ihn nicht, Aenderungen a u f verfassungsmäßigem Wege vor- zubereiten. Eine solche Erklärung wäre formalrechtlich richtig. Aber der Reichskanzler hat sie bisher niemals abgegeben. Es bleibt sein Geheim- nis, wie er eine Verfassungsreform durch- führen will, für die er keine Zweidrittel- Mehrheit im Reichstag und keine absolute Mehrheit im Volke finden wird. Nach Artikel 76 kann die Verfassung ge- ändert werden entweder durch Zweidrittel- beschluß des Reichstags oder durch Volksab- stimmung, wenn mehr als die Hälfte aller stimmberechtigten Volksgenossen für die Aen- derung stimmt. Ist Herr v. Papen ein solcher Illusionist zu glauben, er könnte für seine konterrevolutionären Pläne eine ver- fassungsändernde Mehrheit im Reichstag oder im Volke selbst gewinnen? Weder seine Reden, noch die Kommentare zu ihnen lassen diesen Schluß zu. Um so mehr gibt es zu denken, wenn die„Deutsche Tages- zeitung" die Rede des Reichskanzlers folgen- dermaßen erläutert: Bemerkenswert... ist fein Hinweis auf die Bewährungsprobe, vor die damit der Reichs- t a g gestellt wird, ein Hinweis, aus dem, wer will, herauslesen kann, daß es sich um eine letzte derartige Probe handelt. Nicht minder bemer- kenswert im gleichen Rahmen ist, wie der Kanzler der Oeffentlichkeit den V e r f a s s u n g s e i d des Reichspräsidenten in seiner höheren und um- fassenderen Bedeutung als der des druckgeschwärz- ten Buchstabens nahezubringen sucht. Die Bedeutung des Verfassungseides des Aber zunächst solle sich doch einmal die kaiserliche Hoheit melden. Der„vorwärts" habe sich bereiterklärt, die Behauptungen unter Beweis zu stellen. L reitscheid fuhr fort:„Ich bin per- sönlich sehr gut in der Lage, diese Behauptungen nachdrücklich unterstützen zu können!" In der Rede des Mannes, den ein unglücklicher Zufall zum Reichskanzler Deutschlands gemacht habe, heißt es, es solle eine Überpartei- liche Staatsregierung geschaffen wer- den. Die Regierung solle also losgelöst sein von dem Willen des Volkes. Damit wäre der Grund- gedanke der Weimarer Verfassung erledigt. Es «ore viel mutiger von Herrn von Papen ge- wefen, wenn«r in München offen das Ende der parlamentarischen Demokratie verkündet hätte! Nach den Wünschen der Reaktiv- näre droht dem Volk ein Wahlrecht, das die Eni- rechtung des arbeitenden Volkes, wie es das Dreil klasienwahlrecht vorsah, wiederbringen würde. So sieht die Rückkehr zu den herrlichen Zeiten des alten Reiches aus! Die Macht der Bureaukratie in Deutschland und ihre Führung durch den Adel soll wieder erreicht werden. Entrechtung des Volkes auf dem Wege einer sogenannten Ver- fassungsänderung ist das Ziel. Breitscheid fragte in seiner Rede, was nach dem � Zusammentritt des neugcwählten Reichstages ge- schehen werde, wenn auch der neue Reichstag, wie es vorauszusehen ist, nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit für die Pläne des Herrn Papen stellt. Er sagt dazu: Mr wissen, daß Kräfte am Werke sind, die die Verfassung nicht auf dem Wege des Parlamentes, sondern durch einen Staatsstreich zu ändern entschlossen sind. Das größte Hindernis stellt sich ihnen in der Persönlichkeit des Reichspräsidenten von hindenburg entgegen. 3ch bin nach wie vor der Ueberzeugung. daß Herr von hindenburg sich diesen Plänen, deren Verwirklichung einen offenen Verfassungsbruch darstellen würde, energisch entgegenstemmen wird. Der Redner verglich unsere heutige Situation mit jenen Ereignissen in den Fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als man Friedrich Wilhelm IV. jene Verfassung abgetrotzt hatte. die von der Reaktion scharf bekämpft wurde. Da- mals habe der General Leopold von Gerlach das Wort von dem Geistlichen in sein Tagebuch ge- schrieben, der dem König klarzumachen hätte, daß Noch Straßenkämpse in Belfast Ungenügende Unterstüt�ungssätjse als Ursache Eigener Bericht des„Vormärt s" London, 12. Oktober. Die heftigen Arbeitslosenunruhen in Belfast, die am Dienstag einen Toten— einen unbeteiligten Zuschauer— sowie zahlreiche Verletzte und Verhaftungen zur Zolge halten. nahmen am Mittwoch ihren Z o r t g o n g. wieder versuchten die Demonstranten Barrikaden zu errichten, wieder wurde die Polizei mit einem Hagel von Steinen empfangen, wieder sielen Schüsse und wieder wurden in der Rachl zum Mittwoch die Straßen für den Verkehr gesperrt. Nazis gegen Polizei Lclmere Ausschreitungen in Altona Eigener Bericht des„Vorroäris" Hamburg. 12. Oktober. 3m inneren Stadtgebiet von Altona kam es zwischen größeren Abteilungen uniformierter SA. und der Polizei zu großen Auseinandersetzungen. Die SA.-Leute, die in einzelnen Arbcilerstraßen politische Terrorakte verüben wollten, empfingen die einschreitenden Polizei- beawten mit P i st o l e n s ch ü s s e n. rissen das Straßenpflaster aus und eröffneten ein Steinbombardement. Räch größeren Absperrungs- maßnahmen konnte die Polizei 37 an den Unruhen beleiligte Rationalsozialisten verhaften. Sie wurden dem Gericht zugeführt. Da sich die ver- hasteten Rationalsozialisten vorher ihrer wassen entledigt hatten, fand man in den Straßen zahlreiche geladene Revolver. Zaunlatten. Stöcke und zahlreiche Wurfgeschosse. 3m Anschluß an diese Ausschreitungen wurden sieben SA.'Leute dabei betroffen, als sie in einigen Geschäften in der Göbenstraße, darunter in dem Verkausstaden der Konsumgenossenschaft„Produktion" die Zenstcrscheiben zertrümmerten. Die Polizei, die die Verfolgung der Täter ausnahm. konnte einen verhasten und dem Gericht zuführen. TtutyMüÜl/erffMituHfy Alle Genossinnen und Genossen, sowie Reichsbannerkameraden, Jugend- und Sportgenossen beteiligen sich cm* StMua&eud, cLcm 15, OiMtäc von den bekannten Stellen aus. Der Bezirksvorstand. Reichspräsidenten besteht also nach der „Deutschen Tageszeitung" darin, daß er nicht gehalten zu werden braucht. Genau in derselben Weise argumentierte die „Kreuz-Zeitung", als sie den König Friedrich Wilhelm IV. zum Bruch seines Eides auf die Verfassung von 1848 zu verleiten suchte. Das alles sieht so aus, als ob Beunruhi- gung und Herausforderung geradezu beab- sichtigt wären. Dazu kommt der ü b e r h e b- l i ch e Ton der Reichstanzlerrede mit ihren starken polemischen Ausschreitungen. Was soll man dazu sagen, daß ein Kanzler— wenn's erlaubt ist zu sagen— der R e- publik im Jahre 1932 alle diejenigen, die sich in bestimmten Fragen nicht hinter die Regierung stellen als„Feinde des Volkes" bezeichnet? Mag dieser Schimpf auch einen tragikomischen Beigeschmack haben, weil er in erster Linie auf die Nazis gemünzt ist, so fordert es doch den allge- meinen Protest heraus. Eine Regierung, die gegen Ausschreitungen im öffentlichen Leben mit schärfsten Strafen vorgeht, muß selber ein Vorbild guter Sitten sein. Oder soll es wieder werden wie unter Wilhelm II., der selber wie ein Rohrspatz schimpfte, jede ge- rade Antwort darauf aber als Majestätsbe- leidigung bestrafen ließ? Wenn aber jetzt alles den Krebsgang geht, alle politischen und sozialen Volksrechte ge- fährdet sind, so soll man nicht vergessen, daß die regierende Reaktion nur erntet, was von Nazis und Kommuni st en ge- sät worden ist. Die einen haben ihrem Dritten Reich zuliebe, die andern für ihr Sowjetdeutschland die Republik von Weimar bespien, verächtlich gemacht und heruntergerissen. Aber während das Dritte Reich und Sowjetdeutschland immer weiter im Nebel verschwinden, tritt das zweite Reich, das der Kaiser, Könige und Barone, gegen die Republik von Weimar an zum Kampf auf Leben und Tod. Wer die Wiederkehr von Potsdam verhin- dern will, muß für Weimar kämpfen! Wer gegen Weimar kämpft, wie es die Nazis und die Kommunisten tun, der kämpft in Wirklichkeit für Potsdam. Die drohende Ge- fahr des Zäfarismus und der sozialen Re- oktion ist die unmittelbare Folge der Ver- irrungen, denen sich große Teile des deutschen Volkes bei den letzten Wahlen hingegeben haben. Das ist die große Lehre für den 6. No- nember: Nur der kämpft gegen die Konterrevolution, der für die Sozialdemokratie kämpft! Ber Da« Röhm Eigener Bericht des„Vorwärts" Magdeburg. 12. Ottober. I» Magdeburg fand gestern abend im„Hof- jäger", einem der größten Säle der Stadt, eine überfüllte öffentliche Versammlung des Reichs- banners Schwarz-Rot-Gold statt, in welcher Major a. D. M a y r über das Thema sprach: „R ö h m s Flucht zum Reichsbanne r". Der Redner nagelte die Unverschämtheit fest, mit der Röhm die Unterredung und deren Inhalt be- streiten will. Er teilte den Wortlaut einer Aus- trittsertlärung des"Vertrauensmannes Röhms, Herrn Bell, mit, der an die Reichs- leitung der NSDAP, schreibt, daß er stets nur im Auftrage Röhms und nur nach Röhms Wei» jungen gehandelt habe. Mayr gab dann eine ein- gehende Darstellung des Gesprächs mit Rohm, dabei die im Münchener Prozeß abgegebenen eid- lichen Erklärungen durch bezeichnende Einzelheiten ergänzend. Seine Mitteilungen über die morali- sche Verlumpung im Braunen Hause, über die sittliche Verkommenheit und politische Verwilde- rung in maßgebenden Führerkreisen machten aus die in beträchtlicher Anzahl anwesenden Kreise des Bürgertums, die gesinnungsgemäß den National- sozialisten nahestehen, stärken Eindruck. Zu gleicher Zeit fand in Magdeburg eine natio- nalsozialistische Versammlung statt, in der K u b e bezeichnenderweise nicht mit einem einzigen Wort auf die Röhm-Afsäre einging, sondern sich mit einer drastischen Polemik gegen die Deutschnatio- nalen begnügte. Die Reichsregierung lehnt es ab... Hochnäsigkeit des Reichsvertreters gegen die Länder Eigener Bericht des„Vorwärts" F. Kl. Leipzig. 12. Oktober. Die ganze gelehrte Auseinandersetzung dreht sich immer wieder um'die sogenannten Vor- aussetzungen, unter denen die Bestimmung des Art. 48 Ws. 1 angewendet werden kann. Eine Frage des Vorsitzenden beantwortete der Reichsvertreter dahin, die Reichsregierung erblicke als objektive Pflichtverletzung des Landes Preußen die innerliche Unfreiheit der Preußenregierung gegenüber den Kommunisten. Zum Beweis für diese innere Unfreiheit zitierte Gottheiner wieder einige Severing-Aeußerungen, die auf Grund nachträglicher Beamtenvernehmungen erst in die Akten gekommen sind. Eine große Rolle spielt auch eine Wahlrede Seperings in Berlin, die etwa mit den Worten schloß:„Tut am 31. Juli bei der Reichstagswahl eure Pflicht. Sorgt da- für, daß die Regierung Papen zum Teufel ge- jagt wird." Diese Aufforderung zur Wahl im Sinne einer demokratischen Beeinflussung der Reichspolitik wird jetzt künstlich als«ine Art Auf- forderung zur gewaltsamen Entfernung der Prä- sidialregierung umgedeutet. Das ist sehr gesucht und gehört in das Gebiet der deutschnationalen Wahlfabeln. Aber es wird doch Immer wieder vorgetragen, um zu beweisen, daß die Regierung Papen durch Militäraufgebot die preußische Regierung ent- fernen muhte, bevor etwa die deutschen Wähler durch Stimmzettelausgebot der Papen-Regierung den Boden entziehen würden. Aus solcher Be- weisführung ergibt sich immer deutlicher, daß juristische Gründe nur nachträglich gesucht wer- den, um einen politischen Gewaltakt formal zu verteidigen. Auf einen geradezu in die Augen springenden Widerspruch ähnlicher Art wies heute Mini- st e r i a l d i r e k t o r Brecht mit überlegenem Humor hin: die gleiche Reichsregierung, die durch ihren Innenminister Gay! erzählen läßt, Severing habe die Einsetzung des Rcichskommissars gerade- zu gefordert und auf ihre Beschleunigung ge- drängt, dieselbe Reichsregierung behauptet, sie hätte mit Gewalt gegen diesen gleichen Severing vorgehen müssen, um seinen Widerstand zu brechen! Zu Beginn der Nachmittagsverhandlung er- klärte 5)err G o t t h e' n e?. augenscheinlich auf besondere Instruktion aus Berlin, daß er es a b- lehne, Erklärungen über später mögliche Fälle der Anwendung des Artikels 48 abzugeben. Die Regierüng könne sich nur an die-Tatsachen halten,- die zum Gegenstand der Klage geworden seien. „Die Reichsregi». rung lehnt es ab" — dos ist fast jedes dritte Wort dieses Prozeß- Vertreters in einer weltgeschichtlichen Situation. Mit Recht protestierte der bayerische B e r- treter Jan dagegen, daß die bayerische Re- gierung und ihre Klagevertretung durch den Reichsvertreter gewissermaßen als Luft behandelt werde. Für Bayern handele es sich um grund- s ä tz l i ch e Fragen, die sich nicht nur auf die Vorgänge in Preußen beziehe», auch wenn sie von ihnen ausgelöst würden. Der Vorsitzende des Staatsgerichts- Hofes benutzte die Gelegenheit, festzustellen, daß er keine Möglichkeiten prozessualer Art habe, Er- klärungen von der einen oder anderen Seite zu erzwingen. In einem Fall, wo die Regierungen des Reiches und der größten Länder als Parteien vor Gericht erscheinen, könne der Vorsitzende selbstverständlich keine Art von Zensur gegen sie ausüben. Er könne nur b> t t e n und seine Gründe darlegen, die sür diese oder jene Maß- nähme sprechen, aber einen irgendwie gearteten Zwang könne er nicht anwenden Er bitte aber, um den Prozeß wenigstens noch in dieser Woche zu bewältigen, um Selbstbeschränkung aller Be- teiligten. Man trat darauf in die Erörterung der Frage ein, welche Maßnahmen auf Grund des Artikels 48 angewandt werden können und dürfen, wenn die an dem Tage vorher ausgiebig besprochenen Voraus- setzungen dafür vorliegen. Der Vertreter Preu- ßens legte in betonter Schärfe dar, daß es nie- mals zulässig sei, selbst eine widerspenstige Staatsregierung dauernd durch einen Reichs- kommisfar zu ersetzen. Die Ausgabe der Reichs- exekution könne aber nur sein, ein widerspenstiges Land zur Pflichterfüllung anzuhalten nicht aber seine Regierung zu beseitigen. Schon bei der Reichsexekution in Sachsen 1923 war es das Be- streben des damaligen Reichskanzlers Stresemann, so schnell als möglich eine neue verfas- sungsmäßige Regierung einsetzen zu lassen, die an die Stelle des abgesetzten Ministe- riums treten sollte. Deshalb wurde die damalige Verordnung über die Reichsexekution binnen weniger Tage wieder aufgehoben. Der Reichs- kommisfar oder der mit der vollziehenden Gewalt betraute Militärbefehlshaber könne eine Landes- regierüng niemals bilden, so wenig wie er einen Landtag bilden könne, der verfassungsmäßig sei. Es bestehe zwar die Möglichkeit, daß er, um eine Mehrheit zu gewinnen einige Soldaten in den Landtag oder gar in den Reichsrat kommandiere. Diese könnten sogar für ihn den Finger aufheben t- aber sie würden niemals Abgeordnete oder Reichsratsvertreter sein. Ihre Stimmen würden nicht gezählt werden können. Das Recht des Landes, sich selb st zu regieren und an der Verwaltung des Reiches im Reichsrat teilzu- nehmen, könne durch das Reich auch nicht durch Artikel 48 beseitigt werden. Im wesentlichen wurden die Ansichten Preu- ßens von den Vertretern Bayerns und Badens voll zu eigen gemacht und die vom Präsidenten Bumke in Frageform konstruierten irrealen Konfliktfälle leicht abgetan. Schließlich machte Prosesior Heller in einer packenden Rede daraus aufmerksam, daß die Kon- fliktfragen, die hier erörtert werden, weder im Norddeutschen Bunde, noch im alten Reich, noch in Amerika, noch auch m der jahrhundertelangen Praxis in der Schweiz jemals akut geworden feien. Dort habe eben immer das Bestreben be- standen, auftauchende Konsliktfragen schleunigst zu beseitigen. Das unterscheide diese Vergangen- heit von dem gegenwärtigen Fall, wo äugen- scheinlich die gegenteiligen Bestrebungen vor- herrschend seien! Severins läßt nicht locker! Eigener Bericht des„Vorwärts" F. Kl. Leipzig. 12. Oktober. In der heutigen Fortsetzung des Prozesses gab der Vertreter Preußens die folgende Er- kl ä rung ab gegenüber der telegraphischen Mit- teilung des Reichsinnenministers o. Gayl: � „In einer von dem Reichsinnenminister Frei- Herrn v. Gayl gewünschten Besprechung, die etwa Mitte Juni in meinem Amtszimmer im preußi- schen Ministerium des Innern stattfand, bat mich Freiherr v. Gayl, eine Wiederverwendung eines von ihm aus politischen Gründen zur Disposition gestellten Ministerialdirektors im preußischen Staatsdienst ins Auge zu fassen. Ich entgegnete ihm, daß bei dem Dienstrange eines solchen Be- amten eine Verwendung als Oberpräsident in Frage käme. Ob es aber geraten sei, im Augen- blick einen Wechsel in der obersten Vertretung einer Provinz vorzunehmen, das sei abhängig von der Frage, ob in der nächsten Zeit organisatori- sche Aenderungen in der Verwaltung durchgeführt würden. Mich interessiere es deswegen sehr, die Absichten des Reichsministers des Innern zur Reichsverwaltungsreform zu erfahren. So entspann sich«in« längere Unterhaltung über Fragen der Verwaltungsreform, in deren Verlauf ich Frecherrn v. Gayl nicht nur über die Vorlagen des Innenministers unterrichtete, son- dern ihm auch über meine Absichten zu ihrer zeit- lichen Ausführung ossen Auskunst gab. Freiherr v. Gayl stimmte ausdrücklich zu. als ich der Meinung Ausdruck gab, daß es u n z w« ck- mäßig I4l. die Vorlagen vor den Reichs- tagswahlen durchzuführen, weil es eins alte Erfahrung sei, daß Aenderungen der unteren Der- waltungsgebiete zu Verstimmungen und Erregun- gen führen, die man nicht»ohne Not in Wahl- zeiten führen solle. Auf diese Weise dehnten sich nach meiner Er- innerung die Erörterungen auf polizeiliche Fragen und damit auch auf die Gerüchte über die Einsetzung eines Reichskommis- sars in Preußen aus Wir besprachen die Unruhen der voraufgegangenen Tage, inebeson- d-rc gewisse Vorgänge im Westen, und ich sprach die Ueberzeugung aus, daß es der Polizei ge- lingen werde, der Unruhen Herr zu werden. Jedenfalls sei die Polizei trotz aller Zersetzungs- Bon den pg'S erschlagen Eigener Bericht des„Vorwärts" Braunschweig. 12. Oktober. Ein jung verheirateter Nationalsozialist, In- fasse eines nationalsozialistischen Arbeitslagers bei Lutter am Bahrenberze, war im Verlauf einer blutigen Schlägerei der Nazis unter sich oerart schwer am Kops oerletzt worden, daß er jetzt im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen ist. Der Täter wurde verhaftet. Di« Nazipartei wollte an der Beerdigung teilnehmen, um den Tod ihres Par- teimitgliedes agitatorisch auszubeuten. Die An- gehörigen des Erschlagenen verweigerten jedoch die Beteiligung. l/t/ei&Uelit An$edeUU die den„Vorwärts" noch nicht abonniert und den jetzt erscheinenden Roman„Gilgi, eine von uns" noch nicht gelesen haben, sollten schleunigst das Versäumte nachholen und an dem versuche fest in der Hand der Regierung. Auf meine Frage, ob die Reichsregierung wirklich die Einsetzung eines R e i ch s k o mm i js a r s plane, habe ich eine bestimmte. Antwort nicht er- halten. Doch gewann ich den Eindruck, daß Herr o. Gayl die Ausführung eines solchen Planes, wenigstens im Augenblick, nicht be- a b s i ch t i g t e. Darin habe ich ihn bestärkt unter wiederholten Hinweisen aus die Organisation und Pflichttreue der Polizei, die auch noch größeren Ausschreitungen gewachsen sein würde. Die politische gesunde Lage beurteile ich so— habe ich weiter ausgeführt— daß die Wahl des 31. Juli einen nicht arbeitsfähigen Reichstag ergeben werde. Wenn daraus größte Unruhen entständen, dann kann ich mir sehr wohl vor- stellen, daß das Reich zu ihrer wirksamen Ab- mehr die eigenen Machtmittel mit den Polizei- krästen des größten Gliedstaates zusammenfassen würde. Das Reich habe für eine derartige Maß- nähme dann eine viel günstigere psychologische Situation, als wenn es ohne rechtlichen Grund gegen Preußen vorgehe. Ich habe diesen Ausführungen die weitere Be- merkung angefügt, daß nach meiner Meinung dann nicht die Einsetzung eines be- sonderen Reichskommissars, sondern eine Personalunion zwischen dem Reich und Preußen die zweckmäßigste Maßnahme dar- stelle. Mir schwebte dabei ein Plan vor, der vor einem Jahre zwischen dem Reichskanz- ler Brüning und dem Mini st erpräs i- denten Braun erörtert worden war. Bei allen diesen Ausführungen habe ich felbswer- ständlich nur an eine Zusammenfassung von Po- lizeikräften unter ein Ministerium des Reiches gedacht, nicht aber an einen Kommissar, der Minister absetzt, Beamte absägt und Verwaltungs- maßnahmen trifft, die mit der Sicherheit, Ruhe und Ordnung nicht das mindeste zu tun haben. Niemals ist mir eingefallen, Herrn v. Gayl zu Exekutivmaßnahmen gegen das Land Preußen zu drängen und dazu, unter dem Vorwand der Pflichtverletzung, preußische Minister und Beamte aus ihren Aemtern zu entfernen, die in Iahren der schwersten Bedrängnis des Vplkes ihre Pflicht getan haben!" Schlachtsteuer vor den Reichstagswahlen zu be- lasten, hat sie eine Verlängerung ihres Notetats im Landtag gefordert. Er wurde mit den Stim- men der Nazis und Deutschnationalen ange» nommen. Gegen den Notetat stimmten Sozialdemokraten, Kommunisten und der Staoteparteiler. Der frühere anhaltische Ministerpräsident Genosse Deist kennzeichnete die Vorlage eines Notetats als Versagen und Schwäch« der Naziregierung. PceisousscUeei&eu des ,}J(hwmU" teilnehmen. RM 350.— Bargeld und wertvolle Preise sind ausgesetzt. Die Bedingungen des Preisausschreibens sind in der Sonntagsausgabe des„Vorwärts" veröffentlicht. UneingelösteBersprechen im anbaltiscben Etat Die sozialdemokratische Regierung hatte kurz vor ihrem Sturz einen neuen Etat vorgelegt, der entsprechend der finanziellen Not die Ausgaben- summe von bisher 32 auf 28 Millionen senkte. Die Naziregierung hat diesen Etat nicht über- nommen, sie hatte im Wahlkanrpf große Steuersenkungen versprochen. Sie regierte bis jetzt mit einem Notetat. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß die Naziregierung nicht nur keine Steuersenkungen einführen könne, sondern im Gegenteil über die Einführung der Schlacht- st e u e r beraten mußte. Die anhaltische Fleischerinnung hat sich deshalb mit einem Hilferuf an die sozialdemokratische Landtagsfraktion gewandt. Da die Naziregierung Angst hat, sich mit dieser verbotenes Parteiblott. Die„Königsberger Volkszeitung" ist auf vier Tage wegen eines Artikels„Hoher Besuch" verboten. Es handelt sich bei dem.Hohen Besuch" um eine Verspottung des Zwickelerlasses. Der Rechisausschuß des preußischen Landtages fordert das Erscheinen des Reichskommissars Dr. Bracht bei der Beratung eines Antrags über den Vollzug der Festungshaft. Bracht sagte sein Erscheinen für eine spätere Sitzung zu. ver Allensteiner SA.-Zührer verhaftet. Nach- dem bereits am Donnerstag vier SA.-L«ute unter dem Verdacht des Handgranatenattentats auf ein jüdisches Geschäftshaus verhaftet worden waren, ist jetzt auch der Sturmführer der Allensteiner SA., Hellwig, in Haft genommen worden. Freiwilliger Arbeitsdienst. Im Ausschuß für Handel und Gewerbe des Preußischen Landtages wurde ein sozialdemokratischer Antrag angenom- men, der besagt:„Die Anwendung des freiwilligen Arbeitsdienstes hat dort zu unterbleiben, wo durch seine Durchführung bisher beschäftigte Arbeits, kräfte brachgelegt werden". Duft aus braunen Häusern Die Opposition befürchtet Ueberfälle Das deutsche Schicksal Das in Berlin von ehemaligen Naziführern herausgegeben« Blatt der Naziopposition wird den Braunen Häusern von Woche zu Woche unbequemer. In seiner neuesten Ausgabe ver- öffentlicht das Oppositionsblatt im selten Sperr- druck einen Notschrei gegen die vom Braunen Haus in Berlin vorbereitete Feme gegen den Hauptschristleiter Wilhelm Klute. Ueberfall- trupps sollen bereits gege» ihn und andere Oppositionsleute organisiert sein und die Bedrohten wissen sich nicht anders zu helfen, als mit der Drohung, neues„vernichtendesMaterial" zu veröffentlichen, wenn einem ihrer Leute etwas geschehe.„Wenn die Partei keine Neigung hat", heißt es am Schlüsse der Warnung,„eine zweite Affäre Röhm zu erleben, so ist es notwendig. sich zu anständigen Formen des Kampfes zurück- zufinden." Es duftet weiter aus den Braunen Häusern! Gluckt der Pgs. Die oppositionelle Nazizeitung in Dresden„Die Nation", veröffentlicht am Kopf ihrer neuesten Ausgabe di« Nachricht, daß bereits 123 0 0 0 Abgänge in der NSDAP, zu verzeichnen sind. In der gleichen Nummer wird die Mit» teilung eines früheren Nazi-Laitdtagsab geordneten veröffentlicht, der eingesteht, daß die National- sozialisten den Landtag zur Kaschemme gemacht haben. In Weimar sind in den letzten Wochen nicht weniger als 134 Mitglieder aus der Nazipartei ausgetreten. Diese Aus- trittsbewegung hält noch an. Die Ursache hierfür dürfte nicht nur in der Reichspolitik zu suchen sein, sondern vor allem in der thüringischen Politik. Den großen Versprechungen, die die Nazis der Bevölkerung vor der Wahl gemacht haben, folgen keine Taten. Die notleidende Be- völkerung erwartet aber Taten in sozialer Beziehung, nicht nur Beförderungen von Nationalsozialfften in gut bezahlte Beamtenstellen. kita?i-?oIi�eibesmte Herr Bracht und seine Leute konnten es nicht ausstehen, daß Schutzleute sich im Reichsbanner organisieren oder sozialdemokratische Parteiarbeit verrichten. Gegenüber Nationalsozialisten scheint man nicht so empfindlich zu sein. Wenigstens ver- schickt der Polizeiobersekretär Scholich in Breslau an die vertrauenswürdigen Schutzpolizei- b samten folgende Einladung: N. S. Beamtenarbeitsgemeinschast Fachgruppe Polizei.... Breslau, den S. 10. 32. Goetheftroße 4S. eine Sitzung der Vertrauens- Männer der Schutzpolizei statt, zu der Sie hiermit eingeladen werden,«sollten sie am Erscheinen verhindert sein, so bitte ich Sie, einen Vertreter, der gesinnungsmäßig zu uns gehört, zu entsenden. Hell Hitler! geg. Scholich(Pol. Ober-Sek.) Fachschaftsleiter. Herr Scholich scheint sich der Zustimmung hoher Beamter sicher zu fühlen, denn er benutzt nicht nur die Dienstumschläge mit dem Diensfftempel der Polizei, sondern läßt seine„Vertrauensleute" durch das Präsidium auf dem Dienstwege«inladen. Diese Verbindungen sind besonders interessant, wenn man daran denkt, daß erst kürzlich die Bres- lauer Nationalsozialisten im Konzerthaus ihre deutschnationalen Harzburg-Freunde verprügelten und fast täglich Ueberfälle und Prügeleien in den Straßen von Breslau provozieren. Prügel illr SA.-Mäaner Seitdem die Hoffnungen und Entwürfe für da» Dritte Reich in immer weitere Fernen rücken. mehrt sich nicht nur die Unzufriedenheit und die Zersetzung in den Sturmabteilungen der Natio- nalsozialisten, man setzt auch die an politischen Gegnern erprobten Keilereien in den eigenen Lagern fort. Am beliebtesten scheinen Prügel der Vorgesetzten gegenüber ihren Untergebnen zu sein, wie sie einst in Rekrutenmißhandlungs- Prozessen im alten Kaiserreich zur öffentlichen Kenntnis kamen. Ein besonders krasser Fall wird jetzt aus Gleiwitz gemeldet: Dem Scharführer Thomms wurde der Befehl ertellt, mit seiner Gruppe eine ungesetzliche Ha n d l u n g auszuführen Thomm« hat sich im Hinblick auf die inzwischen ergangene Notverord- nung geweigert. Als er am Tage danach mit seiner Schar angetreten war, kam der Trupp- führer Barkel und wiederholte die Befehle. Thomms erwiderte, er habe keine Lust ins Zucht- hau» zu wandern. Darauf forderle Partei sieben Scharmitglieder auf, den Thomms festzunehmen. Diese faßten ihn; Bartel schlug ihn zunächst mit den Fäusten, nachher mit dem Gummiknüppel ins Gesicht. Als Thomme mit Bekanntgabe dieses Ueberfalles drohte, wurde ihm erklärt, man würde ihn dann um die Ecke bringen Die Furcht vor der„Feme" wächst bei den SA.-Leuten mit jedem Tag. Ein typisches Bild ergibt eme Meldung aus Stettin. Dort haben sich der Gaugeschäftsführer Rittmeister v. Gravenstcin und der Musikmeister Jülich von der Standarte 21 kräjtig das Fell versohlt. Der Anlaß war, daß Jülich für sich und seine 25 Mann starke Kapelle den rückständigen Lohn von 1400 Mark gefordert hat. mit dem Erfolg, Dsr„Heimkehrer Daubmann" wurde als Schwindler entlarvt. daß Jülich zuerst seine Senge von dem Herrn Rittmeister bezog und darauf samt den 25 Musikern ohne Geld entlassen und auf die Straße gesetzt wurde. In einer Zeit, in der die nationalsozialistische Agitation von Arbeitersreundlichkeit und sozialer Gesinnung geradezu überschäumt, sind solche Fälle besonders lehrreich. Sparsamkeit! >Vas kostet die Personalpolitik? Die Fraktion der Sozialdemokratischen Partei im Preußischen Landtag hat folgenden Antrag eingebracht „Die Personalpolitik der kommissarischen Regierung unter Führung des Reichskommissar» in Preußen treibt eigenartige Blüten. Während in den Reden der verantwortlichen Männer immer die Sparnotwendigkeiten betont werden, die sich dann auch prompt durch die Notverordnungen in Kürzungen der Einkommen für die breiten Volks- schichten auswirken, wird hier das Geld buchstäb» lich zum Fenster hinausgeworfen. Die kom» misiarifche Regierung hat leitende Beamtenstellen in den Zentralbehörden neu besetzt. Ministerial- direktor Dr. N o b i- wurde zum 1. Oktober Staatssekretär im_ Staatsministerium, Staatssekretär Dr. W e i s m a n n bezieht aber auch noch sein Gehalt bis zum 1. November. Es sind also für den Monat Oktober zwei Staatssekretärge- hälter zu zahlen. Ministerialrat Dr. Schütze im Ministerium des Innern wurde zum Ministerial- direktor ernannt an Stelle des Ministerialdirektors Dr. Badt. Auch in diesem Fall ist eine Doppel- Zahlung des Ministerialdirektorgehalts erforder- lich, da Dr. Badt ebenfalls noch für Oktober An- fpruch auf sein Gehalt hat. Wir beschränken uns auf die Anführung dieser beiden Beispiele. Es ließe sich jedoch eine lange Liste aufstellen, wo in jedem Einzelfall Doppelzahlungen erfolgen. Diese Personalpolitik hat mit Sparmaßnahmen nichts mehr zu tun. sondern belastet im Gegenteil nur die Steuerzahler unnötigerweise. Wir beantragen daher: Der Landtag wolle beschließen, den Reichskommissar zu ersuchen, dem Landtag über folgende Fragen Auskunft zu geben: I. Wie hoch sind die Beträge, die durch die Entfernung von Beamten aus dem Amt neben den im Haushalt festgesetzten Gehaltssummen verausgabt worden sind und noch gezahlt werden an die Nachfolger der ausgeschiedenen Beamten, also für Doppel- Zahlungen? 2. Aus welchen Etatspofitionen werden hie Mittel für diese Aufgaben genommen? „Wieder au{ einen Schwindel hereingefallen. Na, heben wir die Dekorationen auf, bis der Kronprinz als Reichsverweser einzieht." Saalschlacht aus einem Schützenfest. Bei einem Familienabend des Schüxenoereins in Baden- hausen(Westfalen) erschienen dreißig National- sozialisten in der Wirtschast, nachdem vorher mehrere uniformierte SA.-Leute mit den Gästen scharfe Auseinandersetzungen gehabt hatten. Es gelang zwar, die Nationalsozialisten, die angeb- lich von einer Verlobungsfeier kamen, aus dem Saale zu weisen, doch umzingelten sie das Lokal und warfen mit Knüppeln und Ziegelsteinen sämtliche Fensterscheiben ein. Als das Licht>m , Saale verlöschte, entstand ein Schlägerei. Mehrere Schüsse wurden abgegeben. Etwa dreißig Per- sonen wurden verletzt, darunter auch mehrere Frauen. Vier Mitglieder des Schützenvereins er- litten schwerere Verletzungen. Beim Erscheinen der Polizei waren die Nationalsozialisten bereits geflohen. Keine Auflösung in Danzig Nazi-Abgeordnete drücken sich vor dem eigenen Antrag Eigener Beridit des„Vorwärts" Danzig, 12. Oktober. Der von den Nationalsozialisten mit Unterstützung der Kommunisten gestellte 21 n- trag auf Auflösung des Volkstages wurde in der Mittwochsitzung mit 46 gegen 15 Stimmen abgelehnt. Die Sozial- d e m o k r a t i e sprach sich gegen den Antrag aus, da ihr nicht nur der jetzige Zeitpunkt wegen der besonderen außenpolitischen Verhältnisse für Neuwahlen nicht geeignet erscheint, sondern sie auch die innerpolitische Entwicklung abmarken will, die sich aus der Beseitigung de» bisherigen Abhängigkeitsverhältnisses der Regierung von den Nationalsozialisten ergibt. Bemerkenswert ist, daß von der 13 Mann zählenden nationalsozialistischen Fraktion fünf nicht für den nationalsozialistischen Auflösungsantrag stimmten. Täuschungsmanöver In vertraulichen Zirkularen fordert die kommu- niftifche Parteileitung zur Gründung neuer „Wohngebietsausschüsse" als Ergänzung zu ähn- lichen Ausschüssen an Stempelstellen, Arbeits- nachweisen und Wohlfahrtsämtern auf. Sie sollen „Stoßtrupps für außerparlamentarische Kämpfe" werden, gegen Arbeitsdienstpflicht protestieren und vor allem die Agitation gegen die Sozialdemo- kratie zu Wahlzwecken neu beleben. Wo unsere Genossen mit solchen Propaganda- versuchen in Berührung kommen, müssen sie vor allem darauf hinweisen, daß alle jetzt gefährdeten und abgebauten Unterstützungen für die Arbeits- losen gegen die Stimmen der Kommu- nisten im Reichstag haben durchgesetzt werden müssen. Alles, was die Kommunisten jetzt zu verteidigen angeben, haben sie abgelehnt, verächtlich gemacht und als„Verrat" bezeichnet. Es ist von den Sozialdemokraten seinerzeit bean- tragt und angenommen worden und geht den Er- werbslosen jetzt verloren, seit unser Einfluß durch Nationalsozialisten und Kommunisten geschwächt wurde. Mit„Ausschüssen" und Resolutionen solcher 2lueschüsse kann es nicht zurückerobert wer- den. sondern nur durch eine vernünftige Zu- sammensetzung des Reichstags, der sich fein Recht erzwingt und das Zerschlagene wieder aufbaut. Ktandrech« in Ungarn ausgehoben. In der Sitzung des ungarischen Kabinetts am Montag wurde einstimmig beschsoffen, das Standrecht auf- zuhebsn. Herriol ist mit feinen beiden Kabinettschefs am Mittwochabend nach London abgereist, um sich dort mit Macdonald zu besprechen. Vorher war das Abrüstungsproblein im Ministerrat besprochen worden, namentlich Paul Boncours neuer Ab- rüftungsplan. Der evangelische Oberkirchenrat hat gegen den oldenburgischen Naziministerpräsidenten Röver Strafantrag wegen Beleidigung ge- stellt. Röver hatte«s in einer Rede als Kultur- schände bezeichnet, daß die oldenburgische Geist- lichkeit einen Missionsvortrag des Negerpastors Kwami unterstütze. Sämtliche Naziwahloersammlungen im Stadt- bezirk Düsseldorf sind auf Anordnung des Polizei- Präsidenten bis einschließlich 16. Oktober ver- boten worden. Als Grund wird das provo- zierende Verhalten der SA.-Leute in den bis- herigen Naziversammlungen angegeben. Die Vartei im neuen Wahlkamps Zu der Fertigstellung der Kandidatenlisten in den einzelnen Bezirken und den Erösfnungsver- sammlungen in allen Teilen des Reiches beginnt sich in einzelnen Gegenden bereits der Symbol- kämpf zu gesellen, der auch diesmal, trotz der ungünstigen Jahreszeit, in großem Umfange durchgeführt werden soll. Nach sieben großen Funktionärkonferenzen der Eisernen Front im Kreise M a n s f e l d wurde in Eisleben die roße Sturmfahne gehißt, die weit über anze Straßenviertel und die großen Bahnstrecken weht. Sie soll überall Nachfolger finden, gleich- zeitig mit umfassenden Flugblattverbreitungen In Stadt und Land. Im Herkules-Saalbau in Nürnberg eröff- nete Toni P f ü l f und Genosse Buchta in be- geistert verlaufenen Versammlungen den Wahl- kämpf, Tornow sprach in Kiel vor den Ver- trauensleuten der Partei, Wissel in Altona, Dr. Leber in einer großen Versammlung in Hamburg. Im Hackerbräukeller in M ü n- chen fanden Staudingers packende Aus- führungen stürmischen Beifall. In einer wegen Uebersüllung polizeilich gesperrten Versammlung Ueherall frisch an die Arbeit in Breslau erörterte Genosse L ö b e die poli- tische Lage und die Aussichten des Kampfes. S e v e r i n g sprach in überfüllten Versammlun- gen, jubelnd begrüßt, in Glauchau, Zwickau und anderen sächsischen Städten, R o ß m a n n und Schuhmacher auf dem Landesparteitag und den Jugenddemonstrationen in Stuttgart, Höltermann hielt in Dortmund einen Appell der S ch u f o ab, nach einem Referat von Engelbert Graf bestätigte der Bezirk Leip- zig die bisherige Kandidatenliste. Die sozialdemokratische"Wahlliste im Bezirk Hessen-Nassau wird wieder, wie bereits seit langen Jahren, von Philipp Scheide mann geführt. Di« Kasseler Partei hat ihn am Sonn- tag einmütig wieder als Spitzenkandidat nominiert. Auf dem Parteitag der o st p r e u ß i f ch e n Sozialdemokratie wurde nach einem Referat des Genossen Tornow die alte Kandidatenliste Broun, Larssen, Lufft, Jäcker genehmigt und ein Antrag gegen Dopprlkandidaturen angenommen. Ebenso erklärte sich die Parteiversammlung für Groß-Frantfurt am Main nach einem Vor- trag des Genossen Metz für die Ausstellung der bisherigen Kandidaten. Zweierlei Parolen Zu Beginn einer Vortragsreihe über die neuen deutschen Reichstagswahlen gab am Dienstag- abend der Sprecher der Komintern im Sowjet- Rundfunk einige Richtlinien an die deutschen Kommunisten. Er betonte insbesondere, daß es die Aufgabe der KPD sei, bisherige national- sozialistische Wähler für den Kommunismus zu gewinnen. Zu diesem Zweck empfahl er, bei der Propaganda in den Städten die Klassen- kampsparolen stärker zu betonen, dagegen auf dem flachen Lande die nationalen Parolen der KPD. hervorzuheben. Die Kommunisten können eben alles. Aller- dings bemüht sich Goebbel gegenwärtig, ihnen zu beweisen, daß er in punkto Demagogie«»noch besser kann. Die Bauarbeiter wehren flch Im Baugewerksbund 77,2 Prozent Arbeitslose Die jüngste Bciratstagung des Deutschen Bau- gcwcrk-bundes befaßte sich zunächst mit der von der Regierung betriebenen Ankurbelung der Wirtschast. Der Verbandsvorsitzende Bern- b a r d führte u. a. aus, die Notverordnungs- arbcitsbeschafsung sei allein auf den guten Willen der Unternehmer abgestellt, der Profitsucht, die durch Liebesgaben aller Art künstlich hochge- peitscht werden soll. Was vom Staat selber an Arbeitsbeschaffung in Aussicht genom- men ist, sei ein Tropfen auf den heißen Stein. Den Bauarbeitern werde durch den frei- willigen Arbeitsdienst und durch söge- nannte Notstandsarbeiten die knappe Ar- Keitsgelegenheit noch genommen, mindestens aber stark eingeengt. Die Gemeinden sind durch die Auswirkungen der furchtbaren Krise in große Armut geraten, der Kleinwohnungsbau ist abgedrosselt, das Reichsversicherungsamt erklärt sich gegen jede Inangriffnahme von Bau- ten durch öffentlich-rechtliche Körperschaften, nur bei Jnstandsetzungsarbeiten, die die Reichsregie- rung durch Beihilfen zu fördern sucht, dürften sich da und dort einige Beschäftigungsmöglichkeiten bieten. Um wenigstens die notwendigen Arbeits- kräfte für Rcparaturarbeiten durch die Arbeits- ämter anzufordern anstatt sie von hintenherum zu holen, mußte der Bund manchen Kampf führen. Natürlich ist auch das baugewerbliche Unter- n e h m e r t u m an der Arbeitsbeschaffung für das Baugewerbe stark interessiert. In einer dem- entsprechenden Eingabe an die Reichsregierung wird die Meinung vertreten, daß ein weiteres Abgleiten der Baustoffpreise nicht mehr möglich sei, es sei aber auch eine weitere Kürzung der Bauarbeiterlöhne nicht mehr möglich. Allein dieses Eingeständnis der Unternehmer hält sie nicht ab, die Löhne im Baugewerbe unter Berufung auf die Papen-Notverordnung noch weiter herabzudrücken. Wie Scheibe! weiter zeigte, versuche man außerdem auch mit der Verkürzung der Arbeitszeit einen weiteren Lohnabbau zu verbinden, der für die Arbeiter- schaft einfach u n e r t r ä g l i ch ist. Die Gewerk- schaften protestieren dagegen nach wie vor. Die deutsche Arbeiterschaft ist an der Grenze ihrer Existenzfähigkeit angelangt, ihr entschiedener Widerstand gegen jeden weiteren Lohnabbau ebenso gerecht wie verständlich. Ueberall, wo auch nur die geringste Erfolgsmöglichkeit gegeben ist, setzen sich die Bauarbeiter mit allen Mitteln zur Wehr. Damit haben sie bisher Erfolg gehabt. In der Aussprache wurde erwähnt, daß manche Unternehmer sich sagen, die Schwierig- keiten und MißHelligkeiten, die sich aus der Papen-Verordnung ergeben, seien derart, daß es besser sei. von ihrer Anwendung abzusehen. Der freiwillige Arbeitsdienst führt nach den Ausführungen von Bernhard dazu, das Arbeitsfeld der Bauarbeiter noch mehr zu beschränken. Die tariflichen Rechte der Bau- arbeiter werden ausgeschaltet. In die freiwillige Arbeitsdienstpflicht glaubt man den Siedlungs- bau programmatisch einbeziehen zu können. Die Bauarbeiter betonen daher nach wie vor ihre prinzipielle Gegnerschaft gegen den freiwilligen Arbeitsdienst, obwohl ihnen unter den gegenwärtigen Verhält- nisscn nichts weiter übrig bleibt, als sich ebenfalls einzuschalten, damit sie nicht ganz unter den Schlitten kommen und schließlich auch die Aus- wüchse besser bekämpfen zu können. Rosenzweig wies auf die Vorbereitungen zu einer Denkschrift des Baugewerksbundes über den freiwilligen Arbeitsdienst und die Entlohnung bei Fürsorgepflichtarbeit hin. Viele Baufach- arbeiter werden heute im Arbeitsdienst oder der Fürsorgepflichtarbeit beschäftigt. Bei Notstands- arbeiten werden Stundenlöhne bis zu Z<1 Pf. herunter gezahlt. Notstandsarbeiten werden nur ausgeführt, wenn sie sich nicht teurer stellen als im freiwilligen Arbeitsdienst. Damit werden bei den Bauarbeiten die Lohntarife samt dem Arbeitsrecht ausgeschaltet und die Löhne aufs äußerste herabgedrückt. Nachdem alle Pro- teste und Eingaben gegen dieses soziale Unrecht wirkungslos blieben, müßten alle Gewerkschaften gegen diesen ungeheuerlichen Unfug aufgerufen werden. Der Baugewerksbund zählt noch 349 000 Mitglieder, ein fester Stamm, der treu zur Orga- nisation steht. Die Arbeitslosigkeit der Mitglieder stieg von ll,9 Proz. im September 1329 auf 33,5 Proz. im September 1330, auf 05 Proz. im September 1331 und ist jetzt auf 77,2 Proz. ge- stiegen. Bei den teilweise sehr niedrigen Stunden- löhnen mußte die Beitragsskala nach unten er- gänzt werden, doch bleiben die Unterstützungs- einrichtungen unverändert. Der Bund hat jetzt 12 530 Invaliden zu unterstützen. Die A g i t a t i o n s- und S ch u l u n g s- arbeit soll belebt und der Wühlarbeit der RGO. wie auch der Gleichgültigkeit gründlich be- gegnet werden. Vor allem soll die Agitation von Mund zu Mund wieder mehr gepflegt und alles daran gesetzt werden, die Organisation der Bauarbeiter zu heben. Wer kämpft? Wer Hilst? t.eistunxen der Berliner Gewerkschaften Von den„klassenbewußten",„revolutionären" Unorganisierten wie von der kommunistischen Gc- werkschoftsopposition wird überall erzählt, die Gewerkschaften tun nichts, sie kämpscn nicht, sie fordern nur Beiträge. Die Mitglieder der freien Gewerkschaften nehmen das organisalionsfeindliche und organisations- schädigende Gerede natürlich nicht ernst, gehen viel- sach darüber hinweg, ohne den Maulhelden und Verleumdern gehörig den Mund zu stopfen. Sie müssen ihnen mit Dahlen kommen, mit den Zahlen. die in den IahrO-oerichten der Gewerkschaften ge- geben, aber viel zu wenig beachtet werden. Zahlen beweisen. Die freien Gewerkschaften Berlins haben im Jahre 1331 über 12 Millionen Mark zur Unterstützung ihrer Mitglieder gezahlt. „Das ist's ja eben", sagen die„Revolutionären". „die Gewerkschaften sind nur noch Unterstützungs- vereine und nicht mehr Kampsorganisationen." Für jeden denkenden Arbeiter ist klar, daß in einer Zeit so großer Arbeitslosigkeit die Kämpfe um die Arbeitsbedingungen weniger den Angriffen als der Abwehr gelten. Die Linderung der Not der Gewerkschaftsmitglieder ist in solchen Zeiten notwendiger als sonst, um ihre Widerstandsfähig- beitslose Mitglieder wurden 57 271,31 M. gezahlt. 6 554 500 Mark an Arbeitslose sind als Arbeitslosenunterstützung gezahlt morden. Die erkrankten Mitglieder wurden mit 1 7S9 906 Mark Krankengeld unterstützt. An die Hinterbliebenen verstorbener Mitglieder wurden 545 420 Mark Sterbegeld ge- zahlt, die invaliden Mitglieder wurden mit 1 732 249 Mark unterstützt, die Rechts- f ch u tz s u ch e n d e n mit 85 253 Mark, ungerech- net die Summen, die ihnen durch die Beratung und Vertretung in Rechtsstreitsällen gesichert wur- den. In besonderen Notfällen wurden 707 293,98 Mark gezahlt. Das sind L e i st u n g e n, die sich sehen lassen können und wie gesagt insgesamt 12138 000,74 Mark erforderten. Selbstverständlich haben die Gewerk- schaftsmitglieder diese Summen aus ihren Wochenbeiträgen erst ausbringen müssen, ab- gesehen davon, daß im Jahre 1331 die Beitrags- einnahmen hinter den Unterftützungsaufwendun- gen zurückgeblieben sind. Doch um viel mehr, um wieviel wirk- s a m e r könnten die Gewerkschaften ihre Kämpfe führen, um wieviel mehr könnten sie an Unter- stützungen zahlen, wenn nicht ein ganzes Heer von Arbeitern und Arbeiterinnen, nicht nur in Berlin, umherliefe und aus Beitragsscheu, aus Gleichgültigkeit.und„Schlauheit" sich von den Gewerkschaften immer noch ferngehalten hätte! Fragt die kommunistischen Gewerkschaftsfeinde, was ihre Splitterverbändchen geleistet haben, fragt die Hitlerleute, was ihre„Arbeiterpartei" geleistet hat. Heraus aus der Wurstigkeit, hinein in die freien Gewerkschaften! Im Möbelhandel Schwerer Tarifkonflikt Im Berliner Möbelhandel schwebt schon seit mehreren Monaten ein Tarifstreit, der jetzt in ein ernstes Stadium getreten ist. Die Berliner Möbel- Händler hatten den Lohntarif für ihre Arbeiter zum 30. Juni und den Manteltarif schon zum 30. April gekündigt. Dem Gesamtoerband ließen sie durch ihren Syndikus mitteilen, sie hätten kein Interesse mehr an dem Neu- abschluß dieser Verträge. Der Gesamtverband rief nach ergebnislosen Parteioerhandlungen den Schlichtungsausschuß an, der am 10. Juli einen Schiedsspruch fällte, wonach dir Arbeiter des Berliner Möbelhandels dem Lohn- und Mantel- tarifvertrag für die Arbeiter im Berliner Einzelhandel unterstellt werden sollen. Die Arbeiter des Möbelhandels hatten dem Schiedsspruch zugestimmt, obwohl er eine geringe Lohnkürzung, auf der anderen Seite jedoch eine günstigere Regelung der Arbeitsbedin- gungen vorsieht. Vor allem ist im Berliner Einzelhandel die Bezahlung der Ueber- st u n d e n tariflich geregelt, was im Möbelhandel, in dem ungeheuer viel Ueberarbeit geleistet wird. bisher nicht der Fall war. Bor einigen Tagen wurde beim Schlichter über den Antrag des Gesamtverbandes auf Verbind- licherklärung dieses Schiedsspruches verhandelt. Ein Exempel Bhrahschneider am Pranger Wegen öffentlicher Beleidigung und bewußter Ehrabschneiderei, hatten sich der Führer der RGO. in Sachsen, der Arbeiter Otto I ä ck e l aus Dresden und der verantwortliche Schrift- leiter der„S ä ch f i s ch e n A r b e i t e r z e i t u n g" Otto Grosser aus Leipzig, vor dem Amtsgericht in Leipzig zu verantworten. Beide Angeklagte werden beschuldigt, die Ge» schäftssührer des Metallarbeiter- Verbandes in Leipzig, die Genossen Schäfer und Brumme, ohne jeden Grund in Wort und Schrift beschimpft und verleumdet zu haben. Im Juli dieses Jahres erschienen in der„Sächsischen Arbeiterzeitung" mehrere Artikel, die sich mir der Urabstimmung der Leipziger Metall- arbeiter beschäftigten. Es wurde behauptet, die beiden Bevollmächrig- ten hätten Wahlfälschungen begongen. Auch wurde die Urabstimmung der Metallarbeiter über Annahm« und Ablehnung des Lohnobkmn- mens, als„ein Gaunertrick" der Geschäfts- führer Schäter und Brumme bezeichnet. Beide Angeklagten bemühten sich gar nicht erst um den Wahrheitsbeweis. Sie gaben zu, daß sie gelogen und verleumdet haben, um den verhaßten Gewerkschaftsführern eins auszuwischen. Der RGO.-Führer Jäckel mußte zugeben, daß er von dem Verbandsstatut der Metallarbeiter keinen blassen Schimmer hat und noch niemals. Einblick in die Leipziger Metallbetriebe genommen hat. Auf ein solches offenes Bekenntnis hin ließen sich die Kläger zu einem Vergleich bewegen. In dem Vergleich wird zum Ausdruck gebracht, daß die beiden Angeklagten öffentlich er- klären, daß die aufgestellten Behauptun- gen erlogen sind. Die Beklagten übernehmen die gerichtlichen und die außergerichtlichen Kosten der Kläger und sind damit einverstanden, daß der Vergleich auf ihre Kosten in der„Sächsischen Arbeiterzeitung" und in der„Leipziger Volks- zeitung" veröffentlicht wird. Wallten die Gewerkschaitsangeftellten in jedem einzelnen Falle von Beschimpfung, Verdächtigung und Verleumdung durch die RGO. und die kom- munistische Presse klagbar werden, dann kämen sie aus der Klagerei nicht mehr heraus. Ilm so notwendiger ist, daß gelegentlich ein Exempel statuiert wird, damit die Arbeitnehmerschast von vornherein weiß, was sie von einem derartigen „revolutionären" Treiben der RGO. gegen die „GewerkschastsbonzöR" zu halten hat. Neuer Lohnstreii in Englands Textilindustrie Der Arbeitgeberverband der Textilindustrie von Manchester hat am 7. Oktober beschlossen, seinen Mitgliedern zu empfehlen, durch Aushang in den Beftieben eine Lohnkürzung von 8,75 Prozent durchzuführen. Von dieser Maßnahme werden 200 000 Arbeiter betroffen. Der Arbeitsminister hat am 11. Oktober die Vertreter der Arbeiter und Unternehmer der Baumwollspinnereien zu einer Konferenz zum 13. Oktober nach Manchester einberufen. Zluch jetzt noch widersetzten sich die Möbelhändler allen Versuchen, auf der Grundlage des Schieds- fpruches eine Verständigung herbeizuführen. Zu- mal von einer tariflichen Regelung der Ueber- stundenbezahlung wollten sie nichts wissen. Nun waren sie bereit, den bisherigen Manteltarif wieder neu abzuschließen, wenn ihnen die Organisationsvertreter eine Lohnkürzung, die z. B. bei den Kraftfahrern wöchentlich 5 Mark betragen sollte, zugestehen und sich obendrein da- mit einverstanden erklären würden, daß für alle Ueberstundcn in der ganzen Woche zusammen 2,50 Mark gezahlt würden. Dieses„Entgegen- kommen" wurde mit der Bemerkung zurückge- wiesen, daß die Arbeiter des Möbelhandels eine neue Lohnkürzung nicht widerstandslos hinnehmen werden.» Da die Verhandlungen angesichts der unüber- brückbaren Gegensätze ergebnislos abge- brachen werden mußten, liegt nunmehr die Ent- fcheidung über die Beilegung des Tarifkonflikts beim Schlichter oder aber bei der Ar- b e i t e r s ch a f t des Berliner Möbelhandels selbst. Tariskllndigung In der Maßschneiderei In weiten Kreisen des Unternehmertums herrscht der naive Glauben, die Lohnschraube könne immer noch weiter heruntergedreht werden. Entgegenstehende tarifvertragliche Bindungen wer- den als Hindernis betrachtet, das es bei erstbester Gelegenheit zu beseitigen gill. In der Herren- und Damcnmaßschneiderei führ- ten die Verhandlungen über den zentralen Lohn- tarif zu einem Schiedsspruch. Die Unternehmer lehnten den Schiedsspruch ab, der Reichsarbeits- minister lehnte die Berbindlichkeitsertlärung ab und damit war die zentrale Lohnord- nung beseitigt. Es besteht nun aber noch ein Reichstarifverftag. Er ist von den Unternehmern zum 31. Dezember gekündigt und seine Erneuerung mit derartigen Verschlechterungsforderungen belostet worden, � offenbar zu dem Zweck, auch diesen Tarifvertrag zu beseitigen. Der„Bekleidungs-Arbeiter" bemerkt zu diesem Unternehincrvorstoß, daß es jetzt wieder wie vor 25 und 30 Jahren darauf ankommt, ob die Arbeiterschaft in den einzelnen Betrieben ge- werkschaftlich organisiert ist, um erst wieder ein- mal die Grundlagen für eine erträgliche betrieb- liche Lohngestaltung zu schaffen. Darum hinein in den Deutschen Bekleidungsarbeiter-Derband! Leon Zouhaux:„Die Gewerkschaftsbewegung in Frankreich." Verlag des Internationalen Ge- werkschaftsbundes. Berlin«O 10, Köpcnicksr Straße 113. 51 Seiten. Preis 75 Pf. Nach einem Rückblick„Von der Revolution zur Kommune" schildert Jouhaux das Wiederaufleben der Gewerffchaftsbewegung nach dem Jahre 1871, die nach der Niederwerfung der Kommune ähn- lichen Bedrückungen ausgesetzt war wie die deutsche Gewerkschaftsbewegung unter dem Aus- nahmegesetz. Die Koalitionsfreiheit, das Streik- rechr, bestand zwar seit 1804, allein die Vereins- freiheit war verboten. Erst im Jahre 1884 wurden die Gewerkschaften gesetzlich anerkannt, was noch lange nicht ihre Anerkennung durch die Unternehmer bedeutete. Im Jahre 1835 wurde der Allgemeine G e w e r k s ch a f t s b u n d ((ionköäöration generale- ä» Travail— CGT.) gegründet. Daneben bestand noch die Organisation der Arbeitsbörsen, die örtliche mehr lose Zu- sammenfassung der Gewerkschaften. Die Einigung mit der Föderation der Arbeitsbörsen erfolgte im Jahre 1302. Doch gab es bis zum Kriege in der EGT. zwei selbständige Gruppen: die Ab- teilung der Föderationen und die der Arbeits- börsen. Beide hatten ihre eigene Exekutive, die zusammen das Bundeskomitee bildeten. Erst nach dem Kriege wurde die CGT. zu einer einheitlickzen Organisation. Auch in Frankreich kam es zunächst zu einem starken Zustrom zu den Gewerkschaften, als auch schon die kam- munistische Spaltung einsetzte, unter der die französische Gewerkschaftsbewegung als erste zu leiden hatte. Als die CGT. an ihren Wieder- aurbau ging, kamen die Spalter mit dem „Einheitssronl"-Humbug. Mit dem Anschluß der Beamten an die CGT. schließt Jouhaux. Die größten Schwierigkeiten sind überwunden, die kommunistische„unitäre" Bewegung geht zurück. Die kleine Schrift ist recht aufschlußreich und kann daher allen Gewerkschaftsgenossen zu r 21 n» schaff ung empfohlen werden,«ie bildet Heft 11 der ersten Reihe der Internationalen Gewerkschaftsbibliothek, die die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung erfaßt. ez. Hierzu 2 Beilagen Der„Borwtirts" erscheint wocheiitiiglich zweimal, Eonntaqs und Montags einmal. Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit". I Bezugspreise: Wöchentlich 75 Pf., monatlich 3,25 M.(davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug?,!>> M. einschließlich 6» Pf. Postzcitung. und 72 Pf. Poftbestellgebühren. Auslandsadonnenient 5,65 M. pro Monat: für Lander mit ermäßigtem Druckfachenporto t.Sä M. Bei Ausfall der Licfciung wegen höherer Gewalt besteht kein'Anspruch der Abonnenten auf Ersaß./ Anzeigenpreise: Die einspaltige Rillimcterzeile A> Pf., Reklamezeilc 1,50 M.„Sieine Anzeigen" das fettgedrulkte Wort 20 Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt MiUimcterzeile 25' Pf. Familienanzeigen Millimeterzeile 16 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft, Lindenstr. Z, wochentäglich von SH bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor. f Verantwortlich für Politik: Richard Schwarz: Wirtschaft: ch. Kliagelhöser: Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner: Feuilleton: Herbert Xeper«; Lotales und Sonstiges: Fritz Karstadt; Anzeigen: Ott« Hengst; sämtlich in Berlin. J Verlag: Dorwärts-Verlag Ö. m. b. H., Berlin. Druck: Porwärts-Äuchdruckerei und Berlazsanstalt Paul Singer ü. Co., Berlin SSL. 68, Lindenstr. 5. > ERSTE BEILAGE DONNERSTAG, 13. OKT. 1932 Wie Hummel ein Held wurde Die Kriegervereine warteten auf ihn— Afrikavorträge aus Büchern Weiiere Nachforschungen in der Affäre des Schneiders Hummel alias Daubmann haben ergeben, dah Hummel schon seit längereer Zeil von seiner Zrau getrennt lebt. Er schwebte slän- dig in der Angst, seine Frau würde ihn unter Umständen erkennen. Er gab zu, dah er in den Jahren 1309 und 1910 in Endingen die 6. und 7. Dolksschulklasse besucht und dort mit Oskar Daubmann zusammenkam, mit dem er befreundet war. Hummel wußte auch, daß Daubmann im Weltkriege gefallen ist. Er betrieb nach seinen Angaben von 1930 bis zum Mai 1332 in Ossenburg ein eigenes Ge- fchäft. Als dieses nicht mehr ging, sehte er sich aus sein Fahrrad und fuhr nach Neapel. Zu Neapel ging das Fahrrad in Trümmer, und Hummel kam auf die Idee, jetzt die Geschichte mit Afrika zu erzählen, um durch Vermittlung des Konsulats kostenfrei in die Heimat zu kommen. Hummel ist nie in Afrika gewesen. Er hat beim Infanterieregiment Nr. 110 in Mannheim gedient und war im Jahre 1316 in Freiburg am Magen operiert worden. Hummel erklärte, er hätte ursprünglich die Absicht gehabt, sobald er in Deutschland war, sofort unbemerkt zu verschwinden. Als er aber erlebte, wie seier- lich er empfangen und von einem zum anderen Empfang geschleppt, wie er von Zeilungsreportern überlausen wurde, habe er sich eines anderen be- sonnen. Man sei später wiederholt an ihn heran- getreten, auch Vorträge zu halten, die man ihm ausschrieb und die er auswendig lernen mußte. Hummel erklärte dazu:„Mir war die Sache schon lange zu dumm." Seine Kenntnis über Afrika rührte daher, daß er sich eingehend mit einschlägiger Lileralur beschäftigte und sich Ansichtskarten beschasste. * Der Schneider Ignatz Karl Hummel alias Daubmann hat sich schwer vergangen an dem Andenken eines toten jungen Soldaten aus dem Weltkrieg und an den alten Eltern, die in ihm den durch ein Wunder heimgekehrten Sohn sahen. Aber wäre er wirklich Oskar Daubmann, so ver- gingen sich an ihm, dem nach sechzehnjährigen Leiden zerschlagenen Kriegsgefangenen, fast ebenso sehr diejenigen Kreise, die ihn für echt nahmen oder für echt nehmen wollten. Es wird jetzt bekannt, dah Hummel, als er sich in der Rolle de- Heimkehrers eine billige Rück- fahrt von Neapel nach Deutschland verschafft hatte, so bald wie möglich im Dunkeln wieder verschwinden wollte. Er spürte, daß seine Daub- mann-Rolle nicht ewig währen würde. Aber kaum befand er sich auf deutschem Boden, da kam der erste Empfang. Und dann hagelte es Feier auf Feier, Ehrung auf Ehrung. Der Heimatort be- grüßte ihn vom Bürgermeister bis zum jüngsten Schulbuben, die kriegervereine, die Vaterländischen Verbände luden ihn zu Vorträgen ein, er war plötzlich ein Heros, ein Held, ob er wollte oder nicht. Er hätte sich vielleicht gar so gern wie ein Maus- chen verkrochen, der arme kleine Schächer Ignatz Karl Hummel, aber die nationalistischen, militä- rischen schwarzweißroten Bereinigungen brauchten ihn doch. Der Bataillonskommandcur des toten Soldaten von der Somme Oskar Daubmann ge- leitete ihn durch Deutschland, und immer muhte er schreien:„Seht mich armen, noch jahrelang nach dem Kriege von den Franzosen gemarterten beut- schen Frontkämpfer!" Bielleicht aber ist das so doch gar nicht wahr, vielleicht Ist der Schneider Hummel ein un- bewußter Kenner eines Stückes der deutschen Seele. Bielleicht spürte er, daß ein Teil der deut- schen Nation sich gerne betrügen und belügen läßt, wenn sich der Lügner und Betrüger einen nationalistischen, monarchistischen oder militaristi- schen Mantel umhängt. Hummel hatte vielleicht davon gelesen, daß am 16. Oktober 1306 im Rathause zu Köpenick ein Hauptmann mit einer Gruppe Soldaten er- schienen war. Dieser Hauptmann hatte sich im Namen Seiner Majestät des Königs die Kassen- bestände aushändigen lassen und den Bürger- meister und den Syndikus zur Berliner Wache Unter den Linden transportieren lassen. Dann war er verschwunden. Die Soldaten, die gerade vom Schießplatz gekommen waren, hatten ebenso pariert wie die Zivilisten im Rathaus. Der Hauptmann, dessen Uniform übrigens völlig un- vorschriftsmäßig war, hieß in Wirklichkeit W i l- Lahufen in Freiheit Eluchtverctacht nicht mehr angenommen Bremen, 12. Oktober. Dos Oberlandesgerichl in Hamburg befaßte sich am ZNillwoch als Beschwerdeinstanz mit dem hastentlassungsanlrag von G. Carl Lahusen. des früheren Vorstandsmitgliedes der Lahusen nichts zu spüren! Im Falle Katzen- ellenbogen war der schwierige Sachoerhalt in vier Monaten geklärt. Im Falle Nordwolle, der doch nicht komplizierter liegt, dauert es schon 15 Monate! Heute ist Lahusen in Freiheit. Ein Fluchtverdächtiger aus dem Börnicker Prozeß N o r d w o l l e. Seine haslentlassung war von der Strafkammer Bremen zweimal abge- lehnt worden. Das Oberlandesgericht Hamburg entschied dahin, dah G. Earl Lahusen gegen Bürgschaftsleistung von 1 Million Mark aus der hast zu entlassen sei. Diese Bürgschaft ist in Bremen ausgebracht worden. so daß G. Earl Lahusen noch am Mittwoch das Unlerjuchungsgefängnis, in dem er nahezu 15 Mo- nate lseit 17. Juli 1931) zugebracht hat. verlassen kann. Der Großbetrüger G. C. Lahusen hat es ge- schafft— er ist wieder in Freiheit. Und der Prozeß? Das wird sich finden! Als der Krach der Nordwolle Deuffchland er- schütterte, als das Bankensystcm zusammenbrach, ging eine Welle der Empörung gegen die Schuldi- gen durch Deutschland. Die Reichsregierung trug dem Rechnung, sie gab eine Verordnung heraus, die für die beschleunigte Aburteilung von Wirt- schastsverbrechern sorgen sollte. Was ist daraus geworden? Bon Beschleunigung war im Falle Fluchtverdacht wird nicht mehr als gegeben angenommen. Lahusen hatte sich den Leibanwalt Hitlers, Frank II, als Verteidiger zugelegt. Das war in einer Zeit, als der in Untersuchungshaft sitzende Lahusen auf die Machtergreifung Hitlers rechnen mochte. Außer Frank II nahm er noch den Nazi- anwalt Luetgebrune als Verteidiger. Er suchte sich mit der Macht zu stellen. Inzwischen hat sich die Machtlage in Deutschland geändert. Die Großindustrie und die kapitalisti- schen Bürger schwören nicht mehr auf Hitler, son- dern auf P a p e n. Lahusen hat wenige Tage vor dem Beschluß des Hamburger Oberlandesgerichts seine H i t l e r- A n wä l t e abgeschafft— sie scheinen ihm nicht zeitgemäß gewesen zu sein. Fluchtverdacht besteht nicht mehr. Wir«rinnern an den Börnicker Prozeß. Der Staatsanwalt beantragte drakonische Strafen, dar- unter ein Jahr Gefängnis gegen den schwerkriegsbeschädigten hilflosen Bachmann. Er forderte die sofortige Verhaftung Bachmanns, weil Fluchtver- dacht vorliege! Helm Voigt und war seines Zeichens Schuster. Es ist gerne möglich, daß Ignatz Karl Hummel sich gesagt hat: Wenn ein falscher Hauptmann Deutschland an der Nase herumführen kann, warum nicht ich als falscher Kriegsgefangener? Einige Jahre darauf schickte ein entlassener Feldwebel, weil er sich für eine Kränkung rächen wollte, ein Telegramm an den Kam- Mandanten von Straßburg. Er unterzeichnete als „Allerhöchstes Militärkabinett", fügte aber, weil er es nicht wußte, das notwendige Geheimzeichen nicht bei. In dem Telegramm stand, dah Seine Majestät am nächsten Morgen in Straßburg ein- treffe, und dah die gesamte Garnison dort und dort um 5 Uhr früh aufmarschiert sein mllsie. Vom kommandierenden General bis zum jüngsten Rekruten ist die Garnison aufmarschiert. Sie hat gewartet und gewartet, bis die Beine in den Leib zu wachsen drohten. Wilhelm kam nicht... In den Jahren nach dem Kriege trat in den Kreisen des Hofadels und solchen, die danach streben, ihm gleich zu sein, eine Dame auf, die sich Margarethe Prinzessin von Preußen nannte. Sie zeigte sich außerordentlich huldvoll und leut- selig, sie hatte für jeden ein freundliches Wort, aber sie versäumte auch nicht, unter diesen oder jenen Vorwänden, zu diesen oder jenen Geschäften oder vaterländischen Aufgaben den erfreuten Adel, das beglückte Bürgertum um die Aushändigung höherer Geldbeträge zu ersuchen. Die Prinzessin war in Wahrheit eine frühere Krankenschwester, die wegen Unregelmäßigkeiten entlassen wor- den war. Im Jahre 1326 lebte auf adligen Gütern Thll- rmgens und in den besten Hotels von Weimar und Gotha ein eleganter, liebenswürdiger junger Mann. Er sagte es nicht jedem, aber die Ein- geweihten wußten es: Das ist der älteste Sohn seiner kaiserlichen und königlichen Hoheit des Kronprinzen. Welche Ehre, ihn einladen und be- wirten zu dürfen! Welcher Vorzug, ihm die Sehenswürdigkeiten und die Gaststätten des Lan- des zeigen zu dürfen! Ueberall ging er ein und aus, als Hohenzoller gefeiert und von adligen und bürgerlichen Damen mit Bewunderung an- gestarrt. Bis sich dann herausstellte, daß dieser Prinz einst das ehrsame Handwerk des Ziegelbrenners betrieben und dann als Diener in einem sogenannten besseren Hause die äußeren Manieren gelernt hatte, die ausreichten, um„die Spitzen der Ge- sellfchaft" über seinen inneren Wert zu täuschen. Harry Domela, der schon vorher als Graf in Potsdam und als Baron in einem hochfeudalen Korps in Heidelberg aufgetreten war, mußte ins Gefängnis. Der falsche Hauptmann von Köpenick, der Feld- webel von Straßburg, die Prinzessin Margarethe, der Prinz Domela und der falsche Kriegsgefangene Hummel alias Daubmann sind Glieder aus einer Kette. Es bedarf gegenüber einem gewissen Deutschland nur geringer Gaben, um zu täuschen. Es bedarf eines irgendwie„patriotischen" Mantels... Ressource" als Gtudentendeim Die„Ressource" in der O r a n i e n- burger Straße, die allbekannte Vergnügungs- stätte früherer Generationen, ist nicht mehr. Im neuen Gewände, jedoch unter Respektierung aller historffchcn baulichen Effekte, bietet sie jetzt dem akademischen Nachwuchs Aufenthalt, Eßgelegen- heit, Bibliothek, Spiel-- Studier- und Ruheräume. Das Problem des geselligen Zusammenschlusses und auch de, wirtschaftlichen Unterstützung durch billige Essenabgabe soll hier seine Lösung finden. Die neuen Räume, hell, freundlich und warm im Ton der Inneneinrichtung, scheinen dazu angetan, dah sich junge Menschen hier wohlfühlen und für wenig Geld sattessen können. Es war kein leichtes Stück Arbeit, diese Stätte zu schaffen, und nur mit Hilfe von Spenden konnte das Heim eröffnet werden. Cs ist an die Speisung von etwa ISO« bis 2000 Studierender gedacht, davon zeugen die Kochrequisiten und die großen Eßräume. Die Essenabgabe erfolgt unter Selbstbedienung, es gibt täglich dreierlei Gerichte, eines für Fleisch- esser, eines für Vegetarier und ein besonders billi- ges Topfgericht. Der Eröffnungsfeier wohnten Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, des Studentenwerkes sowie verwandten Organi- sationen bei. Ansprachen hielten Rektor L ü d e r s, Staatssekretär Dr. L a m m e r s und Dr. Micha- e l i s, Vorsitzender dez Studentenwerkcs Berlin. Drei Millionen verschobene Wertpapiere Bestrafte Schadenfreude „Das haben Sie fein gemacht, Herr Staatsanwalt" Ende September war bei einem Möbel- Händler E. eingebrochen worden, und da in sämtlichen erbrochenen Schlössern Reste von Vleistreifen gefunden wurden, glaubte man zu- nächst, daß der Einbruch, bei dem den Tätern ZOO Mark bares Geld in die Hände fielen, von Berufsverbrechern verübt worden war. Die Kri- minalpolizei stellte jedoch hinterher fest, daß die Schlösser mit den richtigen Schlüsseln geöffnet waren, und daß man nur das Blei zur Irreführung der Polizei in die Schlösser hineinbugsiert hatte. Die bei der Firma beschäftigte Angestellte Geh- ring und deren Freund Anders gerieten dann bald in Verdacht und wurden festgenommen, man mußte sie aber wieder auf freien Fuß setzen, da man ihnen den Einbruchsdiebstahl nicht nach- weisen konnte. Die Angelegenheit hätte auch keine Aufklärung gefunden, bis sich vor einigen Tagen Anders selbst bei der Polizei stellte und eingestand, auf Anstiftung seiner Freundin, der Angestellten G., den Einbruch verübt zu haben. Als Grund seiner nachträglichen Selbst- bczichtigung gab er an, daß er Ehemann und Familienvater sei und durch das Verhältnis mit Fräulein G. auf eine völlig schiefe Bahn ge- kommen wäre. Zusammen mit seiner bisherigen Freundin hatte er sich deshalb gestern vor den, Schnellgericht zu verantworten. Hier ergingen sich die beiden, die seit anderthalb Iahren innig be- freundet waren, in ärgsten Beschimpfungen gegen- einander. Fräulein G. behauptete, daß der frühere Freund nur einen Racheakt verübt und daß er sie zur Herausgabe des von ihr vermal- tctcn Schlüssel veranlaßt habe, außerdem habe er schmählich sein Kavalierswort gebrochen, denn er habe versprochen, niemals ihren Namen preis- zugeben Die Verhandlung ergab, daß die beiden das er- beutete Geld in wenigen Tagen restlos verjubelt hatten. Als der Staatsanwalt gegen die an- geklagte Angestellte 5 Monate Gefängnis beantragte und sie aus diesem Grunde in Ohnmacht fiel, bedankte sich Anders mit den Worten,„Das haben Sie fein gemacht, Herr Staatsanwalt." Anders, der vom Gericht die Freisprechung für sich forderte und erklärte, daß er die Anzeige er- stattet habe,„um das Weib los zu werden, das ihn seiner Familie entzogen habe", erhielt aber zu seinem größten Erstaunen vier Monate Gefängnis, während seine verflossene Freun- diu trotz seiner Schadenfreude bei dem Antrag des Staatsanwalts mit nur drei Monaten davon kam. Kampfflugzeuge verbrannt f.uftfahrzieugfahrih eingeäschert London, 12. Oktober. 3n der Rächt zum Mittwoch wurde die Fabrik der englischen Fairey-Lustsahrtgesellschaft durch Großfeuer völlig zerstört. Reun Kampsflugzeuge vom schnellsten in der englischen Armee verwendelen Typ Im Gesamtwerte von clwa zwei Millionen Mark wurden vernichtet. Die Brandursache ist noch unbekannt. Line l�iesenschieherorganisation vor Gericht Ueberraschend schnell hat sich das Schnellgericht mit der Devisenschieber-Organisation zu befassen, deren Haupt der frühere Gerichtsasjessor Dr. B o c h m e r war. Es wird Dr. Boehmer zur Last gelegt, daß er von Ende vorigen Jahres bis Mitte dieses Jahres durch Vermittlung seines Mitangeklagten, des Bankremissiers Pick, für mindestens 3 Millionen Effekten(Werlpapiere), die aus dem Ausland stammten, veräußert und den Erlös im Austrage der ausländischen Austraggeber an In- länder ausgehändigt hat. Diese Verkäufe hat er unter dem Namen eines gewissen M u n i ck e ge- tätigt, und zwar ohne dessen Wissen auf Grund einer Generalvollmacht, die er von ihm besaß. Dr. Boehmer wird ferner zur Last gelegt, daß er auch auf Grund einer gefälschten Vollmacht auf den Namen eines Kammerpräfidemen des Fürsten von Leiningen und einer nicht existierenden Prin- zessin Adelheid Fürstin von Seiningen, Effekten- käufe durchgeführt hat. Weiter sind angeklagt der Prokurist des Bankhauses Wollstein, Bankier S i m s o n, der Bankangestellte B e u t e r und zwei Frauen R. und S. Der Hauptauftraggeber G e r st n e r und die anderen Auftraggeber sind flüchtig. Gerstner stand in Verbindung mit dem bereits aus früheren Devisenprozessen bekannten holländischem Bankhause Mercurius. Der Angeklagte Dr. Boehmer befand sich früher in ausgezeichnelen Vermögensoerhältnissen. Ende vorigen Jahres will er mit seiner Familie große Not gelitten haben. Als dann eines Tages, wie er behauptet, der Angeklagte Pick an ihn mil dem Ersuchen herantrat, durch verschieden« Bankhäuser, von denen einige gleichfalls bereits aus früheren Devisenprozessen bekannt' sind, Effekten zu ver- kaufen, willigte er ein. ilm selbst im Himergrundc zu bleiben, entnahm er den Akten eines gewissen Municke, von dem er Generalvollmachl besaß, dessen Patz und wurde unter dem Namen Municke durch Pick bei den verschiedenen Banken einge- führt. Nachdem die von dem angeblichen Municke verkauften Effekten bereits einen zu hohen Betrag erreicht hatten, fälschte Boehmer mit Wissen des Angeklagten pick eine Vollmacht auf den Hamen des Fürsten Leiningen und veräußerte von nun an die Estekten auf dessen Konto. Allmählich lernte er auch die Auftraggeber Der Mord an der Vierjährigen 15 Jahre Zuchthaus für Lohse Das Landgericht II verurteilte den Arbeiter Gustav Lohse wegen Slttlichkeitsvergehens und Totschlags an der vierjährigen Elfriede in Alexanderdorf zu IS Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Die Untersuchungshaft in höhe von 1 Zahr und 2 Monaten wurde ihm angerechnet! Der Prozeß des Arbeiters Gustav Lohse sollte ein Menetekel sein— eine Warnung, endlich mal ernst zu machen mit der S i ch e r u n g s v e r- wahrung für gemeingefährliche Verbrecher. War erst das Todesopfer der vierjährigen Elfriede notwendig, damit Lohst unschädlich gemacht wurde? Und weil man ihn nicht beizeiten in«ine Anstalt brachte, muß er jetzt ins Zuchthaus, das keine Heilstätte ist. Gerade der Fall dieses krankhaften Menschen beweist, wie unglaublich leichtferttg man unter Umständen mit dem Wohl und Wehe der Kinder umspringt. Zweimal hatte Lohse wegen Sittlichkeitsver- brechen bereits vor Gericht gestanden. Das erste- mal erfolgte in der zweiten Instanz ein Frei- spruch, weil man den Aussagen der Kinder nicht glaubte, während die erste Instanz auf ein Jahr Gefängnis erkannt hatte. Das andere Mal wurde Lohse{j 51 zugesprochen, weil das Gericht annahm, er habe die Tat im trunkenen Zustand begangen. Seine beiden Frauen hatten Entmündigung»««- fahren angestrengt, ohne Erfolg. Er selbst hatte / Hakenkreuz bettelt Wenn jemand betteln geht, so ist er arm. Es betteln jetzt viele Menschen, ohne die polizeiliche Erlaubnis dazu zu haben. Die Bettelei ist bei uns besonders in den Nachkriegszeiten großzügig organisiert worden. Da gab es Kornblumentage, Margueritentage, Muttertage, Rote-Kreuz-Tage usw. Man mochte diese Sammlungen billigen oder nicht. Aber für alle war die polizeiliche Konzession nötig. Doch was man jetzt erlebt, übertrifft alles chisher Dagewesene. Man traut seinen Augen kaum, wenn man durch die Stadt geht und an öffent- Loziaiclsmolo'Ätischs Partei Deutschlands• Bezirksverband Berlin Freitag, den 14. Oktober 1932, 20 Uhr, im gr Saal des Lehrervereinshauses. Alexanderstr. 41 kuUiu�tdäistUe kundyebuHfy lichen Plätzen junge Menschen in der bekannten Naziunisorm sieht, die, mit dem Hakenkreuz ge- schmückte Sammelbüchsen in der Hand, die Pas- santen anbetteln. Wir fragen: hat der polizelpräsidenl der RSDAP. die Erlaubnis zum öffenllichen Geldsammeln gegeben? Wenn ja, dann wäre es sehr naheliegend, daß sich alle anderen Parteien auch schleunigst die Erlaubnis dazu geben ließen, um ihren Wahlfonds etwas aufzubessern. Ob das Sammeln hierfür Zweck hat, ist eine andere Frage. Denn es hat heute niemand Geld übrig. Und logischerwetse wird jeder Wähler nur der Partei etwas zu- kommen lassen, die er zu wählen beabsichtigt. Ss sprechen Waldraub im Osten Fiskus will den Wald niederlegen Nachdem der Fiskus schon vor einigen Iahren die Schönheiten des Crpetales(xi Friedrichshagen zerstört hat. geht er jetzt dazu über, weitere Waldteile des Berliner O st e n s zu vernichten. Zwischen Köpenick II h l e n h o r st und M a h l s d o r f- Süd liegt, inmitten Berliner Stadtwaidungen, ein kleiner schmaler Streifen S t a a t s w a l d, etwa 100 Morgen groß, der niedergelegt und parzelliert DFK BEZIRKSVORSTAN v werden soll. Damit würde das ganze dortige �doli Grimme und Kurt Löwenstein „Ztee Mampf' um die sveiatististke MuUuc" Berliner! Protestiert gegen die reaktionäre Zwickel-Politik! des Herrn Pick kennen. Als dieser zu hohe Prooi- sionen verlangte, zogen es die Herren vor, von nun an direkt mit Herrn Boehmer die Geschäfte zu machen. Jetzt fälschte er einen Brief, durch den er von der überhaupt nicht existierenden „Adelheid Fürstin von Leiningen" beauftragt wurde, für sie Effekten zu verkaufen. Im April wurden die Agenten des Auftrag- gebers Gerstner verhaftet. Der Angeklagte setzte aber seine Tätigkeit bis zum August fort. Der Versuch, auch durch die Dresdner Bank Effekten zu oeräußern, führten zu feiner Verhaftung. Dr. Boehmer behauptet, daß Pick auch selbständig auf die Konten von Municke und Fürst Leiningen Effektenkäufe vorgenommen habe. Daher der hohe Betrag von 3 Millionen Mark ver- äußerter Werte. Die Angeklagten P i ck und der Prokurist des Bankhauses Kutschinfki, der Angeklagte Woll- st e i n, widersprachen dem Angeklagten Boehmer. Der eine bestritt, die Hauptrolle bei den Schie- bungen gespielt zu haben; der andere wollte nicht gewußt haben, daß es sich um strafbare Geschäfte gehandelt habe. Die Verhandlung wurde auf Sonnabend ver- tagt. darum gebeten, ihn in einer Heilanstalt unterzu- bringen; er kannte seine Schwächen, er wußte, daß, wenn er getrunken hatte, er nicht mehr Herr seiner krankhaften Triebe und die Kinder nicht mehr vor ihm sicher waren. Die ganze Umgegend wußte, welche Gefahr er vorstellte. So sagte der Gemeindevorsteher vor Gericht:„Wir haben unseren Kindern strengstens verboten, mit Lohse auch nur das geringste zu tun zu haben." Der Landjäger hatte keinen Augenblick Zweifel, daß nur Lohse, dessen Neigungen zu Kindern bekannt waren, als Mörder der kleinen Elfriede in Be- tracht kam. Und der Lehrer hatte beim Verlassen des Gerichtssaals nach der letzten Verhandlung gegen Lohse zu seiner Frau gesagt:„Der tötet noch ein Kind in unserem Dorf." Und so kam es. Lohse versuchte immer wieder, die Kinder an sich M lockeir, er hatte sogar in seinem Hos ein Ka- rusfell aufgestellt. Die Sachverständigen sprachen ihm dies- mal den§ 51 nicht zu. Mag Lohse auch ein kranker Mensch sein, der unter einem unwider- stehlichen Zwang handelt, an einer Geistesstörung leide er nicht, und während der Tat befand er sich auch nicht in einem pathologischen Rauschzustand. Lohse selbst bestritt am zweiten Verhandlungstage, überhaupt der Täter gewesen zu sein, während er am ersten Tage noch die Möglichkeit zugab. Der Staatsanwalt hatte 15 Jahr« Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust beantragt. Watdgebiet, das Tausenden Berliner Ausflüglern die willkommene und so notwendige Erholung bietet, verschandelt und entwertet werden. Die Arbeitsgemeinschaft für Forstschutz und Natur- künde(Arso) hatte für Sonntag eine Protest- Versammlung nach dem Wald« einberufen. Gegen 800 Siedler und Freunde des Waldes waren dem Ruf« gefolgt. Die von der Versammlung ange- »ommene Entschließung protestiert in energischer Weise gegen diesen neuen Raub am Berliner Wald. Die Absichten des Fiskus find um so weniger zu verstehen, als der Verkauf nach den gegenwärtigen Bodenpreisen nur geringen Ertrag bringen wird. Am besten, die Stadt übernähme diese staatliche Enklave in eigenen Besitz. In wenig Worten In N o wo wc s haben gestern drei Per» s o n e n ihrem Leben durch Selbstmord ein Ende gemacht. Wegen wirtschaftlicher Schwierig- ketten erhängte sich der K 1 e m p n e r m e ist e r Kurt T u k a s aus der Kark-Gruhl-Str. 36. Die Ehefrau Meta Adrian aus der Heinestr. 16 beging Selbstmord durch Einatmen von Leucht- gas und der Krankenkassenbote Robert G r a m p- n e r aus der Wichgrofstrahe wurde auf dem Hose seine» Hauses erhängt aufgefunden. Grampncr hatte vorher einen Nervenzusammenbruch er- litten. Im Jagen 64 des Grunewaldforftes wurde gestern nachmittag ein etwa 20jähriger Mann erschossen aufgefunden. Nach dem Befund liegt zweifellos Selbstmord vor. Der Lebensmüde hat die Tat offenbar bereits vor zwei Tagen verübt. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen nach den Personalien des Toten aufgenommen. * Di« Bremer Polizei oerhaftet« einen Mann bei der Ausgabe eines falschen Einmark- stücks und beschlagnahmte in der Wohnung des Festgenommenen Falschmünzergeräte und weitere Falschstücke. * In Lille sind zwei alte Häuser, von denen da» eine 1711 und das andere nur wenig später erbaut ist, gestern früh eingestürzt. Der Einsturz ist auf«inen Brand zurückzuführen, der in dem einen der beiden Häuser auebrach. Während dieses Haus überhaupt nicht mehr b>- wohnt war, konnten sich die Bewohner des ande- ren— zwei Familien— bis auf einen 52 Jahre alten Mann, rechtzeitig retten. Seine Leiche ist aus den Trümmern geborgen worden. Die Poli- zei hat nun auch die Nachbarhäuser, die ebenfalls sehr alt und baufällig sind, räumen lassen. ★ In einem Walde in der Nähe von N i w a (Polen) kam es zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Dorfbewohnern und zwei Poli- z i st e n. Die Dorfbewohner wollten einen Förster, den sie der Erschießung eines beim Holz- die.bstahl ertappten Bauern bezichtigten, lynchen. Die Polizisten, die zum Schutze des Försters her» bcigeeilt waren, schössen in die Menge: zwei Per». sonen wurden getötet;«ine Person erlitt schwere Verletzungen. Preuß.-Südd. Klassen-Lotterie Ziehung 1. Klasse 21. u. 22. Oktober■ Lose bei den staatl. Lotterieeinnehmern Der beste Straßensänger Durch 14 Tage, morgens von 8 bis 12 Uhr, gab es im Clou Probesingen der Straßensänger. Wer seine Sache gut machte, der konnte im Rahmen der Nochmittags- oder Abendvorstellung austreten und erwarb sich damir die Anwartschast aus Prämiierung bei den Ausscheidungskämpsen. Solch ein Probeengagement hatte ein Gratis- Mittagessen aus einem überdimensional gebauten Erbsenkessel im Gefolge, das Auftreten vor Publi- kum erbrachte dann noch ein warmes Abendbrot und«in paar Mark. Die bei den Vorkämpscn von Jury und Publi- kum Auserwählten traten nun im Ausscheidung?- kämpf vor die erleuchtete Rampe. Eine halbe Hundertschaft von Straßensängern und Musi- kanten, alte und junge, bestritt das buntbewegte Programm. Künstler der Not. Heroisch ihre Geste, mit der sie all das niederzwangen, was sie der „Kunst" in die Arme geworfen! Und jeder gab sein Bestes. Studentengruppen sangen heitere Lieder von Liebe, Wein und Wandern, Quartette, Duette und Einzelsänger brachten Volkslieder, kesse Schlager und ulkige Kanons zu Gehör. Ein Duo von Glockenspiel und Ziehharmonika gefiel durch die Eigenart der Klangwirkung. Dann kam was Ergreisendes: einer Frau versagte vor Auf- regung die Stimme, es war nicht bloßes Lampen- sieber, vielleicht mehr die Angst um den Verlust des Preises. Aber sie erhielt ihren Preis und für den ausgestandenen Schrecken noch einen ge- füllten Extrakarton. Die Preise bestanden in Ra- dioapparaten. warmen Kleidungsstücken und Lebensmittelpaketen. Für die Allerbesten winkte auch noch eine Schallplattenaufnahme. Erhöhter Taxenzuschlag �.uek �enkleriing des Tarifs? Nachdem der Polizeipräsident erst vor«inigen Tagen den Antrag der Krastdroschkenbesitzer auf Erhöhung des Zuschlages von 1 5 a u f 2 l) P f. abgelehnt hatte, hat er dieser Forderung mit Rücksicht auf die inzwischen abermals er- folgte Erhöhung des Benzinpreises st a t t g e- geben. Bei dem ersten ablehnenden Bescheid war bekanntlich vom Polizeipräsidium betont wor- den, daß bei einer nochmaligen Verteuerung des Benzins eine erneute Prüfung der Frage des Droschkenzuschlages stattfinden solle. Da der Magistrat der Erhöhung des Zuschlages auf 20 Pf. seine Zustimmung gegeben hat, dürft« die Neu- regelung nach Veröffentlichung im Amtsblatt Ende der Woche in Kraft treten. In Kreisen des Kraftdroschkengewerbes be- fürchtet man übrigens, daß bereits in allernächster Zeit eine nochmalige Erhöhung des Benzinpreises eintreten wird. Die Innung Vereinigter Ärastdroschkenbesiger beabsichtigt über- Haupt, dem Polizeipräsidium in Bälde Vorschläge zur Aenderung des bisherigen Kraftdroschkentariss einzureichen, ohne daß bisher gesagt werden kann, aus welcher Grundlage das Gewerbe sich die Reu- regelung des Tarifs denkt. Erneutes Urteil gegen Conrad Di« 20. Zivilkammer de» Landgerichts II hat der Widerklage des Droschkenbesigers Syring gegen den Ingenieur Conrad auf Löschung seine» Ge- brauchsmusters für die Quadrate und Kreise der Berliner Droschken stattgegeben und Conrad die Kosten des Verfahrens auferlegt. In der kurzen mündlichen Urteilsbegründung betont« der Vorsigende, Landgerichtsdirektor Fuhrmann, daß dem Krastdroschkenbesiger Syring das Interesse an der Widerklage auf Löschung des Gebrauchsmuster- schutzes nicht bestritten werden könne. Die Zeichen des Ingenieurs Conrad seien kein als Musterschutz eintragungssähiges Ob- j e k t und eine gewerbliche Verwertung derartiger Kreise, Quadrate und Dreiecke sei nicht denkbar. Seinen 80. Geburtstag begeht am Freitag, 14. Oktober, Genosse PaulLittauer, Schneide- mühler Straße 5. Er war Buchdrucker von Berus und schloß sich schon in jungen Jahren den gewerk- schastlichen und politischen Organisationen an. Die sozialdemokratische Fraktion des Bezirks Prenzlauer Berg wählte ihn zu ihrem Vorsitzenden. Ein schweres Leiden zwang ihn in den legten Jahren zur Schonung ssiner Kräfte. Die silberne Hochzeit beging unser alter Partei- genösse und langjähriger Obmann der Zeitungs- kommission Georg Rübekohl, Ufnaustr. 9. Georg Rübekohl ist durch seine erfolgreiche Arbeit als Zeiwngsobmann und durch seine Tätigkeit in der Konsumgenossenschaft Groß-Berlin, in deren Aufsichtsrat er berufen wurde, tn weiten Kreisen der Berliner Parteiorganisation bekannt geworden. heute INontgols'ircnausstieg aus der Dela. Die nun schon einig« Mal« auf der Dela durchgesühr- ten Montgolsierenaufstiege mit Fallschirm-Ab- sprung haben bei den Besuchern sich ständkg steigerndes Interesse erweckt. Die Ausstellungs- besucher werden heute wiederum Gelegenheit haben, zu sehen, wie in dem Wiesenoval des Terrassengartens die große Ballonhülle von 20 Meter Durchmesser über ein eisernes Herd- gestell gespannt wird, um die in der Ballon- hülle befindliche Luft stark zu erhitzen und den Ballon prall zu füllen. Noch beendeter Füllung hängt sich der Fallschirmpilot Conrad an die am Füllonsatz befindlich« Strickleiter, gibt den Haltemannschaften das Startsignal und der Ballon steigt in etwa 2— 3 Minuten auf etwa 300 Meter höh«. Protest der Gtraßenhändler I�Ian will sie mit einer Sondersteuer belasten Hanna und die Männer.. Die Erbschaft aus Holland Mit einem Erbschaftstrick arbeitet zurzeit wieder einmal eine H o ch st a p l e r i n, die schon von verschiedenen Polizeibehörden gesucht wird. Es ist eine Frau, die sich unter falschem Namen Männern nähert und diesen unter der Vorspiegelung, eine beträchtliche Erbschaft aus Holland zu erwarten, größere Geldbeträge abnimmt. Die Berliner Kriminalpolizei wurde neuerlich von der Hamburger Polizei verständigt, daß die Gaunerin, anscheinend eine Johanna Schützer, auch in Hamburg ausgetreten ist, nachdem sie Berlin verlassen hatte. Johanna Sch. ist eine Frau von ungefähr 40 Jahren und ver- steht es, Männer an sich zu locken. Denen, die in sie vernarrt sind, erzählt sie, daß ihr Vater kürz- lich gestorben sei und daß sie jetzt mit ihrer Stief- mutter, die in Holland lebe, eine gerichtliche Aus- einandersetzung über die Aufteilung der Erbschaft habe. Die Gaunerin bringt dabei so überzeugende Argumente vor, daß die Männer zunächst gar keinen Argwohn schöpften. So ließ sich Johanna Sch. lange Zeit hindurch von Männern freihalten, die ihre Wohnung und Kleider usw. bezahlten. Ihre Tätigkeit war ganz ähnlich der der Heirats- schwindler. Wenn den Männern die Zeit doch zu lang wurde, während in der angeblichen Erbschastsangelegenheit nichts geschah, dann war Der Reichsverband der Obst- und Gemüsehändler Deutschlands ist an die Sladt Berlin herangetreten, den Berliner Slrahenhandel nach Leipziger Muster mit einer empfindlichen Sondersteuer zu belasten. Als Protest gegen diese Pläne veranstaltete die Gruppe Berlin des Reichsoerbandes ambulan- ler Gewerbetreibender kürzlich in Häver- lands Festsälcn eine machtvolle Protestkundgebung, die dermaßen überfüllt war, daß zwei Parollelversammlungen staltsinden muhten. Der Kampf des seßhaften Handels gegen den Straßenhandel ist nicht neu. Man wirft den Straßenhändlern alles mögliche vor, daß sie unbe- rechtigt in Straßen 1. Ordnung handeln, daß sie die Bürgersteige versperren, daß sie ungenügend Steuern zahlen, daß sie niedrigere Unkosten haben und vor allem wäre der Straßenhandel eine un- hygienische Verkaufsart. Ständig widerlegen die Straßenhändler diese Angriffe. Sie sagen, sie wären 16000 Händler in Berlin mit ihren Fo- mitten, sie setzten 80 Proz. des nach Berlin kom- Menden Obstes und 70 Proz. vom Gemüse um, sie hätten genau so viele Unkosten, nämlich nach einer Erhebung des Reichsernährungsministeriums durchschnittlich 106 Mark allein an Miete. Steuern zahlten sie ebenso gut wie jeder andere und von den 28 Lebensmittelerkrankungen, die 1930, und von den 12 Erkrankungen, die 1931 vorgekommen sind, betraf nicht eine einzige den Straßenhandel. Deshalb meinen die Straßenhändler: es ist nur Konkurrenzneid, wenn ständig die unmotiviertesten Angriffe gegen uns gerichtet werden. Verschiedene Polizeireviere haben übrigens bereits mehrfach ein Einschreiten gegen die Markt- und Straßen- Händler abgelehnt, da sie sich nicht sortgesetzt in die Konkurrenzstreitigkeiten der einzelnen Händler- gruppen mischen könnten. Natürlich sind gegenwärtig die Streitigkeiten besonders scharf. Die Lohnkürzungen und der Abbau der Unterstützungen und Renten hat den Konsum von Obst und Gemüse besonders schwer getroffen. So sind die seßhaften Obst- und Ge- müsehändler bei der Stadt Berlin vorstellig ge- worden und haben beantragt, die Straßenhändler in Zukunft steuerlich schärfer heranzunehmen, und zwar nach Leipziger Muster. Dort muß jeder Händler pro Tag und Meter seines Verkaufs- wagens 60 Pf. bezahlen. Nun sind meist die Wagen 3 Meter long, kosten also täglich 1,80 M. Steuer, das sind pro Monat schon 46 M. Durch diese Maßnahme ist der Leipziger Straßenhandel fast zum Erliegen gekommen. Nun hat sich aller- dings die Stadt Berlin vorerst an den Reichs- verband ambulanter Straßenhändler gewandt. Die Antwort haben die Straßenhändler gegeben: einmütig und empört lehnten sie jegliche Sonder- besteuerung ab. Für die sozialdemokratische Stadtverordneten- fraktion gab Genosse Robinson die Erklärung ab, daß die Sozialdemokraten im Stadtparlament sich strikte gegen diese Steuer wenden werden. es Johanna, die ihre Sachen packte und schnell- stens verschwand. Sie wanderte dabei von Großstadt zu Groß st ad t. Abgesehen von der Bestreitung ihres Lebensunterhaltes hat sie es außerdem noch oerstanden, zahlreiche Männer zur Hergabe von„Prozeßkosten" zu veranlassen. Die Gesuchte ist etwa 1,62 groß, von kräftiger Figur und vollem, blassem Gesicht. Sie hat braune, Drei Frauen— drei Schicksale Alltägliches von der Hot. die nicht mehr auffällt Durch Blattwerk zwängt sich die milde herbst- sonne und hüllt die Gartenbank, auf der drei Frauen Mittagsrast halten, in einen großen Lichtkegel. Und die drei genießen das helle, Wär- mende, gleich Menschen, die am Erfrieren sind. Aber nicht lange gönnen sie sich diese Wohltat, dann peitscht sie ihr Schicksal wieder zurück zur Gegenwart... Hie Gelteste „Mein Gott, was wird man noch alle» erleben müssen", beginnt die erste. Sie ist alt, weißhaarig, in ihren müden, blauen Augen liegen Sorge und Leid vieler Jahrzehnte.„Aus 34 M. im ganzen Monat haben sie mir glücklich meine Rente herab- gedrückt, aber damit ist's sicherlich noch immer nicht zu Ende. Nun, wo ich auch keinen haus- zinssteuererlaß mehr erhalte, kriege ich trotz all meinem hungern meine Wohnungsmiete von 66 M. nicht mehr zusammen. 26 M. zahlen meine Untermieter für Stube und Küche, nun sind sie beide aber schon so lange arbeitslos, daß auch sie das Geld nicht mehr werden aufbringen können. Schaff' ich es so schon nicht, was soll dann erst nachher werden? Nun leb' ich schon den ganzen Tag über bloß von einem Kännchen Kaffee mit vier trockenen Schrippen; davon gibt's morgens zwei zum Frühstück und abends wieder zwei, Schluß. Zucker und Milch zum Kaffee kenne ich schon überhaupt nicht mehr. Da war ich doch neulich beim Wohlfahrtsarzt, weil ich egal so'nen Druck auf dem Magen Hab'.„Na, na, Sie wollen wohl gar zu schlank werden, Muttchen", meint der, ein bißchen mehr muh Ihr Magen schon Arbeit kriegen, sonst streikt er überhaupt." Was sollte ich dem Mann nu daraus erwidern? Der kann mir ja schließlich auch keinen Zuschuß geben, so ging ich eben wieder meiner Wege und dachte mir bloß mein Teil... Dann wollte ich um eine Sonder- Unterstützung einkommen, weil mein Hauswirt so bedenkliche Augen macht wegen des Mietcrück- standes und ich nicht gerne auf meine alten Tage auch noch auf die Straße fliegen möchte. Da haben sie mich von Pontius zu Pilatus geschickt, und der Schluß war ein Nein..." Die Mittlere „Uns geht's auch nicht besser", erklärt ihre Schicksalsgefährtin, ein altes Fräulein im faden- scheinigen Mantel.„Wir sind unser drei Schwestern, alle ledig: von den Eltern haben wir die Wohnung geerbt, sonst leider nichts. Zu- erst, da ging's ja noch ganz gut. Ich hatte zu schneidern, die Emmy ging ins Büro, und Maria machte den Haushalt. Wenn's auch nicht viel war, was wir verdienten, aber es reichte zum Leben. Da bekam meine Schwester Emmy ein schweres Ohrenleiden, das immer schlechter wurde, so daß sie ihre Stellung aufgeben muhte. Sie dok- terte und dokterte, unsere letzten Sparpfennige gaben wir draus, sie wollte sich doch ihre Existenz erhalten.„Sparen Sie sich das Geld, es ist leider nichts zu machen", erklärte da eines schönen Tages der Professor. Inzwischen war aber auch meine Schneiderkundschaft zusammengeschmolzen. Eine nach der anderen blieb weg, und so stand auch ich fast brotlos da. Nun blieb un» bloß noch die Hoffnung, daß Emmy ihre Invalidenrente be- kommt. Sie rennt und schreibt und versucht alle» Mögliche, aber sie wollen ihr die Rente nicht zu- gestehen. Ein Arzt sagt so, der andere wieder anders. Der eine rät ihr, in der Taubstummen- schule Mundlesen zu lernen, der andere wieder hält das Leiden nicht für total unheilbar, und zu allem Unglück ist der Professor, der sie die ganze Zeit über behandelte, gestorben, so daß man fem Gutachten nicht einholen kann. Erst bewohnten wir vier, dann zwei, jetzt zu dritt 114 Zimmer." Die Jüngste „Na, Fräulein, haben Sie denn wenigsten» Stellung?" wenden sich die beiden jetzt an die dritte im Bunde, ein junges, blasses Ding.„Ach, mir geht's auch dreckig", berichtet diese.„Ich bin Tänzerin, ein Jahr sitze ich ohne Engagement, dann kriege ich endlich eins, wenn auch mit ganz kleiner Gage; da macht der Direktor pleite, ich kriege keinen Pfennig, muh mir das Rllckreisegeld irgendwo pumpen und klage jetzt am Arbeits- gericht. Und Mutter, die sonst immer noch ein- springen konnte, ist jetzt auch am Ende. Kaum, daß sie mir das Essen geben kann, ich schäme mich direkt, es zu nehmen, aber was soll ich denn machen? Na— eine Weile warte ich noch— aber dann weiß ich, was ich machen werde." Da- mit springt sie auf und rennt grußlos davon. Die beiden Alten blicken ihr nach und schütteln die Köpfe.„Mein Gott, das arme Ding. Wir hatten's doch wenigsten» in der Jugend noch besser.. stechende und tiesliegende Augen und schwarzes krauses haar. An einem Puls zeigt sich eine lange Narbe, die die Frau sich bei einem Selbst- Mordversuch zuzog. Das Bauhaus in Berlin Da» Bauhaus wird, wie jetzt feststeht, seine Lehr- und Arbeitsräume nach Berlin-Steglitz, Ecke Siemens- und Birkbuschstraße, verlegen. Das Wintersemester beginnt am 26. Oktober. Die Lei- tung hat Mies van der Rohe. Revision eingelegt. Genosse Seger-Dessau teilt un» mit, daß er gegen das Urteil in seinem Reichswehrprozeß Revision eingelegt hat. heil Rosenslengel! Eine Kleine Anfrage des na- tionalsozialistischen Landtaasabgeordneten Schep- mann(Nr. 337) fragt:„Ist das Staatsmintste- rium bereit, das dem Seminaroberlehrer Rosen st enge! zugefügte Unrecht wieder gut- zumachen und ihm endlich die seinem D i e n st- alter und seinem Können angepaßte, vom Kultusministerium zugesagte Anstellung zuteil werden zu lassen?"— Sage noch einer, daß die Nazis Rassenvorurteile haben! Eine Führung durch Alt-Berlin(Schindlersches Waisenhaus, Possart-haus, Rokokowinkel, Limanns 1000jährigen Stammtisch).nacht Dr. Franz L e d e r e r Sonntag, 18. Oktober, 10 Uhr, Haus- oogteiplatz. „Dom Keller zum Söller". Das Bezirksamt Schöneberg veranstaltet am Sonntag, dem 16. d. M., eine Führung durch das Neue Rathaus am Rudolph-Wilde-Platz mit anschließender Be- steigung des Rathausturmes. Treffen um 10 Uhr im Zimmer 67 des Neuen Rathausee. Teilnahme 26 Pf. Turmbesteigung 10 Pf. Zuschlag. Die„Plaza" bringt vom 16. bis 31. Oktober die Operette„Die D o l l a r p r i nz ess i n", Musik von Leo Fall, in der Rotter-Jnszenieruna aur Aus- führung. heidi Eisler und Franz hcigl sind von ihrem Urlaub zurückgekehrt und werden in dieser Operelte wieder tragende Rollen verkörpern. Wetteraussichten für Berlin: Teils wolkig, teils heiter ohne nennenswerte Niederschläge, Tem- peraturen wenig verändert, schwache Luftbewe- gung.— Für Deutschland: Größtenteils Fort- dauer des milden Wetters bei wechselnd bewölktem Himmel, im Südwesten Aufheiterung. Nirgends Niederschläge von Bedeutung. Preußisch-Süddeutsche Klassenlolterie. Die Zie- hung der 1. Klasse beginnt am 21. Oktober d. I., also in der nächsten Woche. Der wert des Martennamens. Wenn Sie einen Gegenstand kaufen, dessen Qualität Sie als Laie nicht beurteilen können, bleibt Ihnen als einzige Gewähr für gute Qualität, also für günstigen Ein- kauf, der Ihnen bekannteste Markenname. Osram als älteste Glüblampenfabrit Europa» hat ihrem Markennamen Weltgeltung verschafft. Mithin wer- den Sie Osram-Lampen kaufen, wenn Sie Glüh- lampen hoher Güte erhalten wollen. Die Güte der Lampe ist viel wichtiger als ihr Preis, weil 'ich die Beleuchtungskosten um so niedriger stellen, �e besser die Glühlampe ist.' O—. ßtdt*' CrhättLirh. in den OSRAM- VerkaujssteU&i, Ankurbelungspläne im luftleeren Raum Die Gefahren des Gereke-Programms Die Oeffentlichkeit wird wieder einmal mit un- klaren Andeutungen über Wirtschaftspläne, die ihre Phantasie anregen sollen, in Atem gehalten. Die Reichsregierung berät über gewisse Kredit- Hilfen an die Gemeinden zum Zweck der Arbeitsbeschaffung und dies« Pläne werden viel- fach in Zusammenhang mit dem sogenannten Gereke-Plan gebracht. Ein nach Sensatio- nen haschendes Boulevardblatt brachte sogar in großer Aufmachung die Meldung, daß nach diesem Plan zwei Millionen Arbeitslose beschäftigt wer- den könnten. Was hat es nun mit dem Gereke- Plan für eine Bewandtnis und was haben die Beratungen der Regierung damit zu tun? Der Gereke-Plan ist ein Arbeitsbeschaf- fungsprogramm, das der unter dem Vorsitz Ge- rekes stehende preußstche Landgemeindenverband im Sommer dieses Jahres ausgearbeitet hat. Es handelt sich dabei, um es vorweg zu sagen, um einen ausgesprochenen Inflation?- plan. Ausgehend von der in der Tat unerträg- lichen Notlage, in die viele Gemeinden durch die katastrophal«, jahrelange Arbeitslosigkeit eines großen Teiles der Gemeindeangehörigen geraten sind, wird ein umfassendes Programm für die Durchführung öffentlicher Arbeiten auf- gestellt, die von einer zentralen Stell« dirigiert werden sollen. Soweit ist gegen den Plan nichts einzuwenden, deckt er sich vielmehr im Prinzip mit den freigewerkschafllichen und s o z i a l d e m o- krotischen Forderungen auf Arbeits- beschaffung, die ebenfalls die zentrale Ar- beitsbefchaffung gegenüber der privatwirtschaftlich eingestellten, angeblichen Arbeitsbeschaffung durch die Regierung Papen anstreben. Entscheidend aber ist die Finanzierungssrage. Und hier verfällt der Gereke-Plan einem u n- gehemmten Jnflationismus. Es gibt für ihn nur eine einzig« Finanzierungsquelle, und das ist die R e i ch s b a n k, und es gibt für ihn nur eine einzige Schranke für die Notenpresse, und das ist der Augenblick, wo sämtliche Arbeitslose durch zinslose Kredite der Reichsbank für Arbeitsbeschaf- fungszwecke Beschäftigung gefunden haben. Soweit wie der Gereke-Plan ist über- Haupt noch kein Jnflationsplan gegangen, daß er sich vorgestellt hätte, man könnt« soviel Geld drucken, daß g— 6 Millionen Menschen auf diese Weise Beschäftigung finden. Es erübrigt sich, über den Gereke-Plan selbst viele Worte zu verlieren. Es ist schon so oft auf die ungeheuren Gefahren einer wilden Noten- druckerei, die alle Schrecken der Inflation wieder musleben lassen würde, hingewiesen worden, daß die llnsinnigkeik dieses ganzen planes offen zutage liegt. Und es versteht sich auch von selbst, daß keine Regierung, die sich nicht mit Haut uno Haaren den Nazis verschrieben hat, es wagen könnte, an die Ausführung eines solchen Planes zu gehen. Wenn in den letzten Tagen immer wieder die heichts Belebung Beschäftigungsgrad im Maschinenbau Die Lage im deutschen Maschinenbau hat sich nach dem jetzt vorliegenden Bericht des Vereins Deutscher Maschinenbauanstalten im Monat September etwas gebessert. Die Anfragetätigkeit der inländischen Kundschaft war lebhafter als in den vorhergehenden Mo- naten. Es zeigte sich darin der zweifellos vor- handene Bedarf an Maschinen zur Erneuerung und Ergänzung der Betriebseinrichtungen. Aller- dings war der Schritt von der Anfrage zur Auf- tragserteilung auch im September noch verhält- nismäßig selten. Der Bestand an neuen inländi- schen Austrägen blieb daher auch im Berichts- monat nach wie vor ungenügend. Auch im Exporlgeschäfk war zunächst eine er- höhle Zahl von Anfragen der Auslandskund- fchaft festzustellen. Gegen Ende de» Monats machte sich aber die Beunruhigung der ausländischen Säufer über die geplanten deutschen Kontingentierungen bei der agrarischen Einsuhr in starkem Umfang störend bemerkbar. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit hat gegenüber dem vorhergehenden Monat von 39 fh auf 40 Stunden zugenommen. Von den Firmen, die bisher noch 48 Stunden arbeiteten, hat ein Teil die Arbeitszeit herabgesetzt. Der B e s ch ä f- t i g u n g s g r a d, der im gesamten Maschinenbau im Juli 30 Proz. und im August 31 Proz. der Normalbeschäftigung betragen hatte, erhöhte sich im September auf 32 Proz. Um die noch unsicheren und unentschiedenen An- sätze zur Besserung der Konjunktur zu einem wirk- lichen Aufschwung auszugestalten, fordert der Be- richt dieses größten Unternehmerverbandes der verarbeitenden deutschen Industrie, daß die ein- h e i t l i ch e Linie des Ankurbelungsplanes er- halten bleibt. Dies ist nochmals eine unzweideu- tige Aufforderung an die Regierung, von dem ebenso nutzlosen wie in ihren Folgen für den deutschen Export unabsehbaren Agrarkontingentie- rungen die Hände zu lassen. Rede davon war, daß die Regierung sich mit dein Gedanken Oes Gereke-Planes beschäftigt, so wurde in Wirklichkeit nur eine unberechtigte Reklame für den sehr ehrgeizigen Herrn Gereke getrieben. Denn was in Wirklichkeit beraten wird, ist etwas ganz anderes. Man beschäftigt sich im Kabinett mit dem Gedanken, den Sparkassen die Cr- laubnis zu geben, den Kommunen Kredite in der Gefamlhöhe von einigen Hunderl Millionen Mark zu Ar- beitsbeschassungszwecken zu gewähren. Die Kredite sollen niedrig verzins- lich sein, wozu die Sparkassen aber nur dann in der Lag« wären, wenn das Reich gewisse Zins- Zuschüsse gibt. In der Praxis würde das bedeu- ten, daß das seit dem August vorigen Jahres be- stehende Verbot der Gewährung von Spar- kassenkrediten an Kommunen für einen begrenz- ten Betrag wieder aufgehoben würde. Andererseits ist nicht anzunehmen, daß die Sparkassen die für diese Zwecke erforderlichen Mittel in der nächsten Zeit in voller Höhe durch Einlagenüberschüss« und Zurückzahlung anderer Kredite flüssig machen können. Sie müßten sich also bis zu einer gewissen Höhe bei der Akzept- bank weiter verschulden und es könnte ein Teil dieser Kredite bei der Reichsbank landen. Immerhin macht es einen ganz ent- scheidenden Unterschied aus, ob die Reichsbank für viel« Milliarden Banknoten druckt und den Kom- munen zinslos zur Verfügung stellt— und es wären ja viel« Milliarden notwendig, um auf diesem Wege sämtliche Arbeitslosen oder auch nur einen großen Teil der Arbeitslosen wieder einzu- stellen— oder ob den Sparkassen innerhalb be- Herr von Papen hat in München von neuem seinen unverwüstlichen, fast möchte man sagen forschen Optimismus zur Schau getragen. Das ist sein gutes, privates Recht. Wenn er uns aber mit Begründungen für diesen Optimismus kommt, dann darf er von uns nicht jenen blinden Glauben verlangen, den er an Hitlers Gefolgschaft so scharf gegeißelt hat. Zunächst hat Herr von Papen auf den Rückgang der Arbeitslosigkeit im September hingewiesen, der in großem Gegen- satz zu der Entwicklung im Septembermonat des Vorjahres stände: dieses Jahr ein Rückgang um 123 000, im Vorjahr eine Zunahme um 140 000. Wenn auch verschiedene Faktoren zu- sammengewirkt hätten, so sei doch„dieser Erfolg hauptsächlich in erster Linie auf das Konto der psychologischen Auswirkungen des Wirtschafts- Programms zu oerbuchen". Allgemein kann man sagen, daß Herr von Papen in der Beurteilung der Arbeitslosenziffern „p ä p st l i ch e r als der P a p st", nämlich die Reichsanstalt gewesen ist. Aus dem Bericht der Reichsanstalt spricht fast in jedem Satz die Be- fürchtung, er könnte zu g ü n st i g beurteilt werden. Hier heißt es:„Saisonmäßige Einflüsse, die Maßnahmen der Reichsregierung und in be- schränktem Umfange noch die bekannten Aende- rungen des Unterstützungsrechtes haben zu dieser Entwicklung des Zahlenbildes beigetragen". Also „in erster Linie" die Saisoneinflüsse, und drittens die Aenderungen des Unterstützungsrechts, und zweitens und n i ch t„h a u p t s ä ch l i ch" die Maßnahmen der Reichsregierung! Ob die„bekannten Aenderungen des Unter- stützungsrechts" stark oder„in beschränktem Um- fange" wirksam waren, das gerade ist eine unter den Sachverständigen heiß umstrittene Frage. Leider liegen für Ende September weder die Fessstellungen der Gewerkschaften nock die der Städte vor. Aber vergleichen wir einmal die Entwicklung von Ende Juli zu Ende August. Im A u g u st hat sich die Zahl der gezählten Arbeits- losen sogar um fast 170 000 vermindert. Keine amtliche Stelle hat zu bestreiten gewagt, daß dieser Rückgang lediglich auf die Aenderungen des Unterstützungsrechts zurückzuführen sind. Die Reichsanstatt hat im August allein 215 000 Wohlfahrtserwerbslose we- niger gezählt, weil sie über 60 Jahre alte Leute und früher Selbständige(Handwerker, Kaufleute) nicht als solche anerkennt. Zur gleichen Zeit sind aber Zehntausende von Krisenempsängern in die Wohlfahrt übergegangen. Des Rätsels Lö- sung ist die, daß die nicht mehr„anerkannten" Wohlfahrtserwerbslosen und eine große Zahl an- derer sich einfach nicht mehr auf dem Arbeitsamt melden. Die Arbeitsamtsstatistik ist unter diesen Umständen nach dem Urteil des Deutschen Städte- tages mindestens für eine Reihe von Monaten unbrauchbar geworden. Tatsächlich zeigt die Gewerkschaftsstatistik auch für August eine, wenn auch geringe, Verschlechterung des Arbeits- Marktes. Wie stark die Verschlechterung des Unter- stimmter Grenzen wieder erlaubt wird, den Kom- munen Kredite für produktive Zwecke zu gswäh- ren und die Reichsbank daraus eine Belastung von mehreren hundert Millionen erfährt. Die Bedenken, die gegen diesen Plan bestehen, richten sich daher auch weniger gegen die Bean- spruchung der Reichsbank, solange sie sich in be- scheidenen Grenzen hält, als gegen die Belastung der Spackassen mit neuen Krediten in einer Situation, in der die Sparkassen noch mitten in der Arbeit sind, nach der Vankenkrise des vergangenen Jahres ihr Fundament wieder zu untermauern. Denn obwohl seit August bei den Sparkassen«in sehr bescheidener, aber echter Einzahlungsüberschuß(d. h. ohne Ein- rechnung der Zinsgutschriften) vorhanden ist. schleppen die Sparkassen doch noch eine Schulden- last von ungefähr einer Milliarde Mark an die Akzeptbank nnt sich, die sie e r st allmählich werden tilgen können. Eine weitere Steigerung dieser Schuld wäre durchaus unerwünscht. So richtig der Gedanke also auch ist, den schwer notleidenden Gemeinden Kredite für Arbeits- beschaffungszwecke zu geben— was an sich, um es nochmals zu betonen, mit dem Gereke-Plan gar nichts zu tun hat—, so müßte doch nach Wegen gesucht werden, die den G e s u n- dungsprozeß der Sparkassen nicht er- schweren. Man könte hier beispielsweise an den Weg über die Deutsche Gesellschast für öffent- liche Arbeiten, die Bau- und Bodenbank oder andere öffentliche Kreditinstitute denken. stützungsrechts im September auf die Sta- tistik eingewirkt hat infolge Zunahme der Zahl derer, die sich nicht melden, wird vielleicht nie festzustellen sein. Unter allen Umständen steht fest, daß die tassächliche Besserung auch nicht annähernd dem Rückgang der Arbeitslosen- zisser ensspricht. Ferner will der Optimismus des Herrn von Papen in einem anderen Punkte Recht behal- ten haben, nämlich in der günstigen Beurleilung der wellwirlschafllichen Entwicklung. Die Rohstoffpreise hätten sich nach den unvermeid- lichen Rückschlägen behauptet.„Auch sonst dauerte die erkennbar weltwirtschaftliche Besserung an." Leider hat Herr von Papen zu diesem„Auch sonst" weiter keine Ausführungen gemacht, was wir sehr bedauern, da wir eben den blinden Glauben von Hitlers Gefolgschaft zu Herrn von Popens Einsicht nicht haben können. Mit der Be- haupwng von den„behaupteten Rohstoffpreisen" darf man es nach der Entwicklung der letzten Wochen und Tage auch nicht so genau nehmen. Denn alle Rohstoffpreise gehen jetzt mehr oder minder stark zurück, bei Kaffee an- gefangen über Wolle. Baumwolle, Jute zu Ge- treibe und Metallen. Daß die„statistische Lage" auf den Weltmärkten,, das Verhältnis von Vor- räten und Produktion zum Bedarf, denkbar schlecht und keineswegs gebessert ist, das ist an dieser Stelle erst vor kurzem ausgeführt worden. Und sonst? Nirgends in der Welt glaubt man mehr an den bevorstehenden Umschwung. Dafür nur ein Beispiel: die optimistische Stim- mung unter den Kapitalisten hatte ihren Aus- gangspunkt in den Vereinigten Staaten, in der großzügigen Kreditausweitung. Man hatte gehofft, daß von hier aus die„Redeflation" in der Weltwirsschaft, die Senkung des Gold- wertes und die Hebung der Warenpreise erfolgen könnte. Diese Hoffnung hat getrogen— die Kurse an der Newyorker Börse sind gegenüber dem in diesem Jahre ereichten Höchststand wieder um 40 Proz. zurückgegangen! Diese Tatsachen widersprechen allzusehr dem optimistischen Glauben des Herrn v. Papen an die Kraft des kapitalistischen Wirtschafts- systems. Diesem Optimismus gegenüber ist die größte Skepsis geboten. Die Voraussetzungen für Popens Wirtschaftsprogramm waren und sind nicht gegeben. Wlle! Zölle! Polen stockt seine Zollmauern auf Der neue polnische Zolltarif ist jetzt nach monate- langen Vorbereitungsarbeiten veröffentlicht wor- den. Dieser neue Tarif, der die schon sehr hohen Zollmauern, die in Polen besonders für Industriewaren errichtet sind, noch weiter ausstockt, soll je- doch erst nach einem Jahr in Kraft treten. In der Zwischenzeit will die polnische Regierung durch handelspolitische Verhandlungen mit dem Auslande seine Außenhandelsbeziehungen neu regeln. Der Tarif weist zwei Gruppen von Zöllen auf, den sogenannten N o r m a l z o l l und den Maximalzoll. Der Maximalzoll ist noch mit einer Sonderbelastung von 25 Proz. versehen und findet auf die Länder Anwendung, die keinen Handelsvertrag mit Polen abgeschlossen haben. Dies gilt u. a. für Deutschland, das sich seit nunmehr sieben Jahren im Zollkrieg mit Polen befindet. Bei der augenblicklichen Richtung unserer Handelspolitik ist allerdings kaum damit zu rech- nen, daß in absehbarer Zeit ein Vertrag mit Polen zustande kommen wird. Schwere Exportverluste Der britische Außenhandel bleibt schlecht Die Entwicklung des englischen Außenhandels bildet nach wie vor eine schwere Sorge der britischen Wirtschaft. Der jetzt vorliegende Bericht des britischen Handclsamtes weist für den Monat September ein weiteres Sinken der Aus- fuhr von 28,5 Millionen Pfund im August und 29,3 Millionen Pfund im Juli auf nur noch 26,2 Millionen Pfund Exportwert auf. Die Einfuhr nach England hat sich aus Saisongründen im Berichtsmonat etwas erhöht und beträgt knapp 55 gegen 54 Millionen Pfund im vorhergehenden Monat. In den ersten neun Monaten dieses Jahres ist im Vergleich mit der entsprechenden Zeit des Vorjahres der Export von 292,3 auf 271 Millionen Pfund gesunken. Dieser Rückgang erscheint im Hinblick auf die allgemeine Schrumpfung des Welthandels auf den ersten Blick gering. Schaltet man aber die im September 1931 vorgenommene Abwertung des englischen Pfundes ein und rechnet diese Ziffern auf Goldwährung um, so ergibt sich als Expo«» wert vom Januar bis September d. I. nur ein Betrag von 3,93 Milliarden Goldmark gegen 5,84 Milliarden Goldmark in der gleichen Zeit des Vorjahres. Danach sst der Wert der englischen Ausfuhr um nahezu 33 Proz. zurück- gegangen. Die Einfuhr hat sich von Januar bis September infolge der eingeführten Hochschutzzölle von 630,3 auf 520,2 Millionen Pfund verringert. Der Einfuhrüberschuh Englands beträgt bis- her im laufenden Jahr rund 249 Millionen Pfund, die bei einem Durchschnittswert von 15 Goldmark je Pfund einem Einfuhrüberschuß von 3,73 Milliarden Goldmark entsprechen. Englands Arbeitslosigkeit Auch im September unwesentliche Entlastung Die Arbeitslosigkeit in England, die jetzt nur noch monatlich vom Arbeitsministerium ver- öffentlicht wird, ist im September zum ersten- mal seit langer Zeit nicht mehr gestiegen. Andererseits ist auch keine Entlastung eingetreten, denn die Abnahme der Arbeitslosen betrug nur 1817 Personen. Die Gesamtarbeits- losigkeit in England umfaßt danach immer noch mehr als 2 858 000 Personen. Im September jährte sich zum erstenmal die Aufhebung der Goldwährung in England, von der man sich in britischen In- dustriekreisen eine starke Entlastung des Arbeits- Marktes versprochen hatte. Auch die Ein- fllhrung von Hochschutzzöllen, die England in kurzen Etappen von November 1931 bis zum April d. I. durchsetzte, sollte nach der Ansicht der Schutzzöllner mehrere hundert- tausend Erwerbslose wieder in den Betrieb zurückbringen. Diese Blütenträume sind schnell zerstoben. Weder die Pfundabwertung, noch die Zollpolitik haben den englischen Arbeitsmarkt zu bessern vermocht, im Gegenteil liegt die Arbeitslosen» ziffer Ende September um rund 33 240 Personen höher als vor einem Jahre, und wenn man die oerschärften Unterstützungsbestimmungen in Rech- nung stellt, dürfte die Gesamtzahl der Erwerbs- losen um 300000 Personen höher liegen als im Herbst 1931. Russischer Großauftrag Der Stahlwertsverband teilt mit, daß er aus Sowjetrußland einen neuen Auftrag auf Walzwerkserzeugnisse erhalten hat, und zwar handelt es sich um 40 000 Tonnen Stabeisen und 15 000 Tonnen Formeisen und Halbzeug, die a b sofort geliefert werden sollen. Reueinslelluugen bei Siemens. Die Telephon- Apparatefabrik E. Zwietufch u. Co., G.m.b.H., Berlin, ein Konzernunternehmen von Siemens, konnte seit Juli 400 Arbeiter neu einstellen. Die bessere Beschäftigung hängt mit Aufträgen im Rundfunkgeschäft zusammen. nicht grübeln k- Frohe Sedanken lassen und Kaffee Hag trinken! Das sdiafffs! Papens Optimismus Echter Rückgang der Arbeitslosigkeit?— Konjunkturwende? ZWEITE BEILAGE qIjkq. von ums DONNERSTAG, 13. OKT. 1932 39] „Ja, das tut er wohl." Die Blonde steht auf. tritt zum Fenster. Spricht leise und langsam:„Ich bin nicht gut. Was weiß denn so ein dummer Mann? Ach Gilgi, was habe ich manchmal für häßliche, feindliche Gefühle gehabt. Wie habe ich ihn gehaßt, als ich merkte, daß das zweite Kind kam. Wie habe ich ihn manchmal gehaßt, wenn ich im Spiegel sah, daß von der heiß geliebten Schönheit nichts mehr übrig war— welke graue Haut, schlaffe Mundwinkel, unklare Augen— ach, widersprich nicht, Gilgi— ich weiß schon, wie ich aussehe und Hab' mich damit abgefunden. — Und wie habe ich ihn manchmal verachtet, wenn ich merkte, wie er so oft etwas falsch und ungeschickt anfing und immer tiefer in Armut und Elend hineintappte und uns mit- zog. Ich habe sehr bittere und sehr häßliche und sehr, sehr ungerechte Gefühle gehabt, Gilgi— und ich wußte auch, daß sie häßlich und ungerecht waren— aber ich konnte mich nicht immer gegen sie wehren. Nur Hab' ich sie nie nach außen dringen lassen und immer in mich hineingefressen. Oh, ich vergesse nie— bei dem zweiten Kind— wie ich da in dem Bett da lag— die Wehen hatten zu früh an- gefangen— den Leib zerriß es mir— ich schrie, schrie, schrie— und der Hans saß vergnügt und ahnungslos mit ein paar Bekann- ten hinten in einer Wirtschaft beim Bier. Der arme Kerl! War selten genug, daß er mal eine einigermaßen frohe Stunde hatte, und wissen konnte er ja nicht, wie's mir ging aber ich war wie von Sinnen. Die Schmer- zen, Gilgi!— ich dacht', ich würd' wahn- sinnig— da Hab' ich ihn gehaßt, du— ermorden hätt' ich ihn können,— du Vieh— dacht ich nur immer— du Vieh, du Vieh— das ist deine schuld, deine Schuld, daß ich hier so liege. Ja, und nachher, Gilgi— als er an meinem Bett saß— da Hab' ich ihm nur übers Haar gestrichen und seine Hand eküßt— und das war so etwas wie Um- Uerzeihung-bitten und Wiedergutmachen- wollen und ein ganz kleines bißchen Lüge und Unehrlichkeit. Nein, Gilgi, ich bin nicht gut— der Hans ist viel, viel besser als ich. Weißt du, ich liebe die Kinder über alles— ich würde auch für den Hans alles tun, ich würde sterben für ihn,— aber ob ich ihn noch liebe— das weiß ich nicht. Ich glaube, ich bin zu müde geworden, um einen Mann zu lieben. Ich weiß ja, wie schwer er es hat und wie er sich müht und wie gut er ist— aber ich beneide ihn doch unsagbar, daß er was tun und unternehmen kann, während ich hier still und tatenlos sitzen muß. Nichts hat mich wohl mehr aufgerieben als dieses jahrelange hilflose, ohnmächtige Warten. Und Gilgi"— noch leiser wird Herthas Stimme—„da— in dem kleinen schmalen Bett schlafen wir zusammen— und jeden und jeden Abend, wenn es dunkel wird, packt mich schon Ekel und Angst— mein Körper ist so müde geworden— ich oertrage es nicht mehr, daß man ihn berührt. Früher war das mal anders— aber Krankheit, Müdigkeit und die ewige Angst vor dem Kind— das alles hat wohl gemacht, daß mir— das— eine Qual ist, eine entsetzliche Qual. Und ein Mann ist ja so dumm und fühlt nie. wns in einem vorgeht. Manchmal denk' ich— wenn er warten würde und mich in Ruhe ließe, bis ich von selbst vielleicht-- einmal deutete ich ihm das an— da brach er mir fast zu- sammen und weinte: ich bin dir zuwider, du liebst mich nicht mehr. Sowas versteht ein Mann eben nicht, der setzt mit der naivsten Selbstverständlichkeit die eigenen Gefühle beim andern voraus— na, was sollt' ich machen— ich mußte ihm doch den Glauben an meine Liebe lassen— er ist so gut und hat ja nichts als den Glauben an meine Liebe zu ihm, der hält ihn— und wie darf ich ihm denn den nehmen? Und schließlich seh' ich ja auch ein, daß ein Mann das braucht. Aber es ist mir so ekelhaft und so ein Opfer. Und ich küsse ihn dann und leg' ihm die Arme fester um den Hals, nur damit er nicht merken soll, wie ekelhaft er mir in solchem Augenblick ist und wie ich ihn dann hasse. Und ich würde so gern manchmal nur ganz still und zärtlich neben ihm liegen und Hab' dann so gute, weiche Gedanken und streiche sein Haar und leg' mein Gesicht an seins und bin so dank- bar und glücklich, wenn er mich nur ganz sanft und lieb auf den Mund küßt— und Hab' doch gleich schon wieder Angst und bete richtig: lieber Gott, lieber, lieber Gott— jetzt nicht das andere, nicht das andere— und weiß ja, es ist gar nicht anders möglich—- und ich bin dann doch jedesmal wieder so bitter, bitter enttäuscht und möcht' weinen und schreien und ihm drei Mark in die Hand drücken, damit er zur nächsten Hure lausen kann und mich in Ruhe läßt.— So gemein bin ich und so wenig gut, Gilgi. Siehst du nun ein, daß ich es nicht vertragen kann, wenn du mich gut findest?" Gilgi geht zu ihr, legt ihr den Arm um die Schulter—„wenn du fortgingst von ihm. Hertha?" „Oh, Gilgi— du mußt mich richtig ver- stehen— ich könnte so wenig van ihm fort- gehen, wie ich von den Kindern fortgehen könnte. Ich hänge an ihm, wie ich an den Kindern hänge. Ob das vielleicht noch Liebe ist— oder was sonst für ein Gefühl, das mich unlöslich an ihn bindet— das weiß ich nicht"--- „Hertha— wird alles besser werden. Ich werde sorgen, daß du einen Kinderwagen be- kommst und wir werden rausfahren mit den Kindern, und du wirst wieder hübsch wer- den..." „Du bist lieb— Gilgi— ich freue mich. Du hast mich trotzdem gern, nicht wahr? Das ist so schön. Ich möchte gern eine Freundin haben.— Hör' Gilgi, ich sag' dir eins— noch ist's Zeit für dich— und wenn's dir jetzt noch so gut geht: schaff' dir Selbständigkeit und Unabhängigkeit— dann kannst du einen Mann lieben und dir die Liebe erhalten. Sorg' rechtzeitig, daß du nie eines Tages so hilflos und wehrlos dastehst wie ich..." „Hertha, es wird doch alles besser werden." „Besser werden!" Die Blonde lächelt matt —„Ich werd' nun wohl noch das dritte Kind bekommen. Gilgi. Grotesk, was? Ist bald zum Lachen. Besser werden? Ach. für mich selber wünsch' ich nichts mehr— nur Kraft zum Durchhalten— sonst will ich alles nur für meine kleinen Kinder und für den Hans — ja, für den auch." „Hertha— mein Gott— das Kind darfst du doch nicht bekommen!" „Muß ich ja wohl schon, Gilgi— oder glaubst du. ich könnt' damit zur Ortskranken- lasse laufen? Sag' nur dem Hans nichts, der braucht's noch nicht zu wissen— der ist schon so furchtbar runter mit den Nerven und hat Sorgen genug." „Oh. Hertha, ich werde dir helfen— ich werd' überlegen— ich will dir Helsen— ich werde oft zu dir kommen." „Ja, komm' zu mir, Gilgi. Aber— sag' mal— du siehst auch nicht so aus, als wenn alles in Ordnung wär' in deinem Leben?" „Ach ich, Hertha— ich bin gar nicht so wichtig." „Du dummes Kind, als wenn nicht jeder für sich das Wichtigste wär'! Eigner Zahn- schmerz tut immer noch mehr weh als fremder Beinbruch."--- Die kleine Frau Gilgi geht durch die Straßen— geht, geht, geht— ist so müde und geht immer weiter— ziellos immer weiter. So schwere Füße— und Steine auf der Brust und Steine auf den Schultern. Und man muß helfen— ich hob' mal gedacht, es genügte, sich allein durchzubringen und sich selbst nicht helfen zu lassen. Ich wollte mich freikaufen, indem ich mir selbst nicht helfen ließ— aber jetzt weiß ich, daß man helfen muß— und wenn von einem selbst über- Haupt nichts mehr übrig bleibt. Wieviel Geld habe ich noch? Ich brauche es ja eventuell für den Arzt und die Klinik. Ob ich ihr das Geld geben soll? Damit sie das Kind nicht zu kriegen braucht? Ja, und ich! Ich kann das doch nicht verantworten. Ich mit einem Kind! Und Martin! Es wird uns so gehn, wie es dem Hans und der Hertha geht— oh, mein Gott— ist man denn so abgrundtief egoistisch, daß einen ehrlichstes Mitleid mit andern immer wieder zu sich selbst führt? Ach, es geht ja auch gar nicht um mich— aber was würde aus Martin? Was? Und alle Liebe und alles Schöne und Gute ginge entzwei. Ich liebe ihn dach, weil er so unbeschwert und glück- lich und jungenhaft ist. Und wenn ich noch lange bei ihm bleibe, dann ist auf einmal kein Geld mehr da— und dann gehen ihm alle seine Freuden entzwei— und dann wird alles so schrecklich... Gibt es denn keinen Ausweg? Was soll ich denn tun? Was soll ich denn— tun?... und nicht einmal das hat sie mehr, die Hertha, daß sie den Mann ganz und gar liebt, an den sie gebunden ist— nicht einmal das! Lieber mächte ich tot sein, als aufhören. Martin zu lieben.-- Aber ich muß ihr helfen— ja. ich muß.— (Fortsetzung folgt.) 3)ie 9ionfiskation Sin bürokratisches Qenrebild/ Don Jaroslar MaSek Bor dem Pressesenat wurde soeben über einen Rekurs gegen die Beschlagnahme einer Broschüre verhandelt. Die Staatsonwaltschost sah in der Broschüre ein Vergehen gegen die ösfentliche Orb- nung und Sicherheit. Die Mitglieder des Senats sitzen hinter einem langen Tisch. Auf dem Platz, wo sonst der Advo- tat zu stehen pflegt, verteidigt der junge, begeisterte Autor, Schriftleiter einer sozialistischen Tageszei- tung, feine Broschüre. Er plätschert im Fluß seiner Rede und spricht wie mit Engelszungen: erklärt die Bedeutung der Revolution und Evolution, behauptet, daß gerade dieser und dieser Satz niemals ousreizend wirken könne, da es sich um einfache Zitate aus der Ge- schichte, wie sie überall in den Schulen gelehrt werden, handle. Der Porsitzende des Senats schaut ihn an, hört ihn ober nicht. Im Verlaufe seiner langjährigen Praxis hatte er gelernt, dem Redner auf den Mund zu sehen, ohne ihn zu hören. Der Herr Vorsitzende guckt und guckt und denkt an ganz andere Sachen. Der Begeistert«, der seine Sache verteidigt, denkt sich, daß es den Herrn Vorsitzenden besonders interessiere und öffnet um so mehr die Schleusen seiner Beredsamkeit, spricht beseelt und blickt da- bei dem Herrn Vorsitzenden ins Gesicht, der ge- rade darüber nachdenkt, was eigentlich heul« früh dem Kafsee gefehlt haben mochte. Die Schlag- sahne sei gut gewesen, sagte die Frau, der Kaffee wie gewöhnlich' frisch aus der Brennerei, guter Koliner Feigenkaffee, und doch war der Kaffee nicht so wie sonst. Der Vorsitzende schaut auf seinen Nachbar, den Gerichtsrat und zweites Mitglied des Senats. Dessen Augen sprechen deullich, daß ihm die Ein- wände zu lang erscheinen und es daher notwendig sein wird,«in kleines Schläfchen zu machen. Er stützt den Kopf auf, damit es aussehe, als ver- gleiche er den Text der beschlagnahmten Broschüre und stellt, damit er nicht gesehen werde,«in« Mauer von Gesetzbüchern vor sich auf. Nicht lange zwar, denn das dritte Mitglied des Senats pufft ihn in die Seite und flüstert:„Jetzt stichts mich wieder im Rücken. Herr Kollege." Der Arme hat Rheumatismus und muß sich in den Sessel zurücklehnen, was ihn verhindert, die Augen zu schließen, ohne daß es der Redner sehen würde. Er sieht gequält drein, gähnt und stiert auf die Akten vor sich. Er hat einen Hund aufgezeichnet und radiert nun langsam Schwanz, Beine und Kopf weg. Der schwärmerische Autor aber redet und redet, verteidigt mit viel Scharffinn seine Sache, wäh- rend auf der anderen Seite das vierte Senatsmitglied gähnt, sich über den Vorsitzenden hinweg- beugt und dem.zweiten Senatsmitglied die Mauer der Gesetzbücher wegnimmt.„Gestatten Sie, Herr Kollege!" sagt der Gescheite noch. Der andere wacht auf und blickt mit weit auf- gerissenen Augen auf den gegen die Konfiskation Berufung Einlegenden, wie die Bezeichnung eines solchen Kerls in der Amtssprache lautet. Das vierte Senatsmitglied baut nun seiner- seits mit Hilfe der Gesetzbücher eine Mauer vor sich auf, stützt den Kopf in die Hand und schlum- mert. So«in Schläfchen schaut nur auf den ersten Blick unruhig aus, wer aber, wie dieses Senats- Mitglied, längere Praxis darin hat, lernt es bald, währen» der Verhandlung wie ein Klotz zu schlafen. Diese Art künstlicher Schlaf ist ein wahres Wun- der. Nach einer Weile erwacht der Schläfer, nimmt van seiner schützenden Mauer das oberste Gesetz- buch, schaut hinein, legt es wieder hin und schläft weiter. Der Redner verfolgt dieses Wandern der Gesetz- bücher und spricht um so«indringlicher, um den Senat von der UnHaltbarkeit der Beschlagnahme seiner Broschüre zu überzeugen. Dos Wandern der Gesetzbücher von einer Hand zur anderen ist ihm ein untrügliches Zeichen, daß sein Fall dos größte Interesse erweckt. Europäische Philosophen H e ra k li t(um 500 v. Ehr.) Diese Vernunft, die doch ewig ist, ist den Menschen unfaßlich, sowohl ehe sie davon hören, als auch nachdem sie einmal davon gehört haben. Denn obgleich alles dieser Vernunft gemäß ver- läuft, scheinen sie doch noch nie einen Versuch mit ihr gemacht zu haben, wenn sie sich an solchen Worten und Werken versuchen wie die sind, die ich erörtere, indem ich«in jedes noch seiner Natur zerlege und auseinandersetze, wie es sich damit verhält. Di« anderen Menschen aber sind sich so wenig bewußt, was sie wachend tun, als sie«in Bewußtsein davon haben, was sie im Schlaf tun. Denn die meisten Menschen denken nicht nach über solche Dinge, aus die sie olltäglich stoßen. noch verstehen sie, was sie erfahren haben: ihnen selber freilich kommt es so vor. Man darf nicht handeln und reden wie im Schlafe. Alle Menschen haben Teil an der Fähigkeit, sich selbst zu erkennen und zu denken. Ich erforsche mich selsbst. Eins ist Weisheit: den Geist zu oerstehen, der alles durch alles regiert. Alles ist in Bewegung und nichts bleibt stehen. Man kann nicht zweimal in den gleichen Fluß steigen. Der Krieg ist der Vater von allem, der König von allem: die einen erweist er als Götter, die andern als Menschen: die einen macht er zu Sklaven, die andern zu Freien. Man muß wissen, daß der Krieg etwas Allgo- meines ist und daß der Streit zu Recht besteht und daß alles durch Streit und Notwendigkeit - entsteht. Unsichtbare Harmonie fft stärker als sichtbare. Der schönste Affe ist häßlich, verglichen mit der Gattung Mensch. Es fft für die Menschen nicht gut, daß ihnen alles zuviel wird, was sie wollen. Größerem Tod wird«in größeres Los zuteil. Für das Gesetz soll das Volk kämpfen wie für seine Mauec. Der Vorsitzende läßt den Kopf sinken und dreht die Daumen unterm Tisch. Er denkt nach, ob er in der Früh beim Zigarreneintouf nicht zu viel bezahlt habe. Er zieht die Geldbörse aus der Tasche unterm Talar, zählt nach und bemerkt, daß eine Krone fehlt. Als er wieaer den Redner anschaut, er- innert er sich, daß er heut« ausnahmsweise zwei Zigarren mehr genommen hat. Dann blickt er sich nach den anderen Senats- Mitgliedern um.?tur der eine hinter den Gesetz- büchern schläft, während die beiden zu seiner rech- ten Seite gerade am Einschlafen sinv. Sie schla- fen wie die Hasen mit osfenen Augen. Er hört ein Geräusch im Saal, bringt sich rasch zum Bewußtsein, daß der dort immer noch seine Einwände verteidigt, schaut auf die Uhr und stellt fest, daß er bereits zwei Stunden redet. Links hinter dem Gerichtsrat ist der Gerichts- schreiber immer noch munter. Er malt mit dem Bleistift verschiedene Ungeheuer aufs Papier, unterschreibt sich aus Langeweile und stenographiert aus reiner Langeweile hie und da einen Satz aus der Rede des begeisterten jungen Mannes mit.„Hoher Gerichtshof, in dem Satz« „Die schwieligen Hände erhoben sich unter Flüchen gegen den Himmel" ist doch nichts, was auf die Oeffentlichkeit aufreizend wirken könnte...." Bumm! Knall! Dos viert« Senatsmitglied ist vom Sessel gefallen: Ohne die Geistesgegenwart zu verlieren, hebt er «in Stück Papier auf und sagt laut:„Schau, schau, da wäre uns fast ein Akt entschlüpft." Der durch das Poltern aufgeschreckte Redner sieht ihn an, blickt ihm nun gerade ins Gesicht und spricht wieder wie mit Engels, zungen. Der dem Schlaf Entrissene schaut ihn starr an, setzt sich hin, während der Vorsitzende die Mauer vor sich auf- schichtet. Zum Schlafen ist es aber bereits zu spät. Der Redner endet mit der Bitte, der hohe Senat möge seine begründeten Einwände berücksichtigen und die Beschlagnahme aufheben. Die Mitglieder des Senats nehmen ihre Barette vom Tisch, und der Vorsitzende erklärt feierlich: „Der Gerichtshof zieht sich zur Beratung zurück." Sie gehen in das Beratungszimmer und fchlie- ßen hinter sich die Tür. Zuerst der Vorsitzende, hinter ihm die Senatsmitglieder. Mitten im Zimmer steht ein großer, grüner Tisch. Der Gerichtsschreiber geht als Letzter. Ernst und schweigsam umschreiten sie den Tisch, der Vor- sitzende greift nach der Klinke zum Gerichtssaal, besinnt sich aber und sagt:„Roch einmal herum!" Wieder gehen sie um den Tisch herum, öffnen die Tür und schreiten in den Saal. Hoffnungs- voll blickt ihnen der Begeisterte entgegen, als sie die Barette auffetzen.„Stehen Sie auf!" sagt der Aufseher zu ihm. Und der Vdrsitzende des Senats liest vom leeren Blatt:„Im Namen der Republik hat der Presse- senat als Berufungsinstanz nach der Beratung be- schlössen, den hier vorgebrachten Einwänden nicht stattzugeben. Die Beschlagnahme wird hiermit vollinhaltlich bestätigt. Die Begründung wird schriftlich bekanntgegeben!" lAutorifierte ll«b«rsetzung von Zulia» Mab erch fflnfenBungcn für diele Ziubrii find v»» l t u ZW««. Lindeustratze 3. parieinachrichien���für Groß-Verlin stet» au da» B-zirtssetrelaria. 3. Hof, 3 Treppe» recht». 3» richte» Beginn aller Veranstaltungen 1S� Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 13. Ätei». Frei tag, 14. Oktober, Versammlung der Äreisdelegierten und samt- licher ffunktionäre aller Abteilungen bei Mali. Mariendors, Tbausseestr. RS. �Die kommunale Reform Berlin»." Referent Genosse Burgemeister. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. 14. Abt. Sonnabend, 15. Oktober, für die jüngeren Parteimitglieder Besschti» gung des„Vormärts". Treffpunkt IKA.Ubr vor dem Lokal Lauritsen, Vut- busser Straße U- Nachzügler treffen(ich um 2G/< Uhr vor dem Borwärts- gebäude. Arauenveranstaltungen. 3. fttti«. Heute, Donnerstag, pünktlich 19% Uhr, im Heim Tilstter Straße 4/5, isortseßung de» Echulungskursu«:»Will Hitler Sozialismus?" Referentin Käthe Kern. 139. Abt. Unser Diskutierabend im Jugendheim wird um acht Tag« verschoben. Bezirksausschub für Arbeilerwohlfahrt. 2.»reis Tiergarten. Freitag, 14. Oktober, pünktlich 19 Uhr, bei Berger, Lcvetzow- Ecke Iagowftraße, Sitzung aller Funktionäre und Helfer der Ar- b-iterwohlfahrt. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groß-Berliu. deute, 19 Uhr, Beginn des zentralen Bastelturfus für die streife ILilmcrsdors, Spandau, Eharlottenburg, Tiergarten und gehlen- dorf. Um punltliche, und vollzählige» Erscheinen wird gebeten. Thema: Stofftiere— Stoffpuppen— Kasperletheater. Bringt alle i folgende» Material mit: Schere. Kneifzange, Nähzeug, Bleistift und | Papier. '• Achtung! Krcisleitcrzulammenkuast! Montag. 17. Oktober, Vor- standssstzung in der Geschäftsstelle Lindenstraße 2. Beginn 17 Uhr. Thema:..Die soziale Aktivierung der Falkengruppe." Leitung: Kurt Lowenstein. Wir bitten um pünktliches und vollzähliges Erscheinen. Alle Sroß.Berliuer Helfer nehmen am Freitag. 14. Oktober, 2« Uhr. an der kulturpolitischen Kundgebung im großen Saale des Lehrervereinshauses, Aleranderstraßc 41, teil. Thema:.Der Kampf um die sozialistische Kultur." Referenten: Adolf Grimme— Kurt Löwenstein. Mitte: Alle Falken treffen sich morgen bis IS llbr in der Ausstellung. Eltern unh Freunde unserer Bewegung find eingeladen. Um 18V, Uhr beginnt unsere Feier.— Alle Abteilungen treffen sich heute um 18 Uhr zur letzten Probe für unsere Ausstellungsfeier im Jugendheim Tieckfttaße.— Abt. Wilhelm Liebknecht: Alle Fallen treffen sich heute um 17'/, Uhr am U-Bahnhof Elisabethstraße. »reuzbcrg: Achtung! Bora», c ig«! Am Montag. 17. Oktober. 17 Uhr, treffen sich alle südäsilichen Abteilungen zu unserer Falken-Werbeveraustaltung in der Aula der Schule Reichenberger Straße 67—70. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 27. Abt. Am 10. Oktober verstarb unser langjähriger Genosse Paul Kohn unerwartet durch Herzschlag. Ehre seinem Andenken! Beerdigung am Frei- tag, 14. Oktober, Vi V, Uhr, auf dem Gethsemane-Friedhof in Nordend. 40. Abt. Unser Parteiveteran, der Maurer Wilhelm Pelzer, zuletzt wohn- Haft Möckernstr. 96, der seit seinem 19. Lebensjahre Leser des„Vorwärts" war, ist nach langem schwerem Leiden 83jährig un Altersheim Lichtenberg verstorben. Ehre feinem Andenken! Einäscherung Donnerstag, 13. Oktober, 19 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Um recht rege Beieiligimg wird gebeten. 41, Abt. Unser langjähriges Mitglied Otto Lange, Lankwitzstr. 9, ist ani 10. Oktober verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet Freitag, 14. Oktober, 10 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Um rege Beteiligung ersucht die Abtcilungslcitung. 94. Abt. Unser Genosse Mar Kukulinsti, Allerstr. 40:41, ist verstorben. Ehre seinen! Andenken! Einäscherung Sonnabend, 18 Uhr, un Krematorium Baumschulenweg. 125. Abt. Unsere Genossin Martha Neumann, Wäll-Promenade 3B, ist ani 9, Oktober verstorben. Ehre ihrem Andenken! Einäscherung Freitag, 14. Ok. tober. 12 Uhr, Krematorium Gerichtstraße. Um rege Beteiligung wird ge- beten. fit Ü Sozialistische Arbeiterjugend Groß-V erlin I Einsendungen für diese Rubrik nur an da» Iugendfekretoriat � Berlin SW 68. Lindenstraße 2, vorn 1 Treppe rechts. Abteilungsleiter! ab, schickt den eiter! Rechnet sofort die Plaketten vom Antikriegsjuaendtag Berichtsbogen und das Novembervrogramm ein.<16. November B.-V.-Sitzung Achtung, Mitgln Heute, 19- 1 Uhr, Sitzuugsraum der Kindcrfreunde. ieder der Bolksbübne der Souder-Abteilung. Besucht heute die Mitgliederversammlung in Haverlands Festsäle, E.. Neue Friedrichstr. Zd. Sozialistischer Wettbewerb. Morgen letzier Tag für die Abrechnung der Ardeiter-Iugend und Ablieferung der Neuaufnahmen Proletarisches Orchester der SAZ., Gruppe S. Heute, SO Uhr. Prob« im Zeichensaal d-r KM«. Neukölln, Kaiser-Friediich-Etr. 208. Heute, Donnerstag, 20 Uhr: A ri»«platz! Funktionärversainnilung bei Kulisch. Falkplptz I: Sonnen» burger Str. 20:„Tagespolitisch« Fragen".— Humannxlatz: Glenn str. 3.5: „«AI. und Staat".— Nordost II: Danziger Str. 62, V.III:„Diktatur des Proletariats"".— Schönhauser Vorstadt: konncnburger Str. 20:„Unser Weg zu Arbeit und Brot".— Haseuheidc: Wassertorstr. 4; Ueben der Musiker.— Kottbusser Tor: Urbanstr. 167: övrechchorprobe.— Kopenicker Viertel: Man, teusselstr. 7:„Disziplin in der SAI.",— Kallesche, Tor: Porckstr. II: Schall Vlattenabend.— Südwest: Lindenstr, 3: Arbeilsgem-iirschaft.—~ III: Hauptstr. 15;„Parteiprogramm Oesterreichs und der Staat".— Westend: Sportplatz Westend:„Die Weit der Arheiterfugend" I.— Zehlendorf-Dahlcm: Finnowwaldschule, Schliefenstraßc Ecke Bolkestraße:„Warum bin ich in der SAI.- warum gehörst du in dt- ENI?""— Schäncweidc II Berliner Straße 31:„Die Geschichte der Sozialdemokratie" IV.— Tegel: Schoneberger Straße 3:„Der Faschismus in Italien".— Buch: Schule Lindenhossttaße: „Jugendarbeit im Arbeitersport" Werbebezirk Osten. Erwerbslosenzusammenkunft 10 Ubr im Heim, Am Ostbahnbof 17. Werbcbezirk Neukölln. Bildmigsausschußsitzuiig 19": Uhr im Parteibüro, Fuldastroße.— Der„Querschnitt" übt vünkttich l9>, Uhr, Steinmetzstr. 114. Wer de bezirk Rcinickcudors. Eichhornstr. 94,„Galgenvögel" 18 Uhr. Gesangs, studio 20 Uhr Gesangsstudio, 20 Uhr Szenenprobe. Werteieziek Bebding. Morgen Mitgliederversammlung im Rathaus, Müllerstr. 146,147, punktlich IS'/i llhr lBezirksverordnetensitzungssaal).— Alle Mitglieder der Tambouriapelle müssen um 19'» Uhr im Heim, Koloniestr. 23, sein. Instrument« mitbringen. fl�Kreie Gewerkschafts-Iugend Berlin Eingang Sötzstraße, auf der hinteren Seite der Schule, Geschichten vom Aber. 8 landen.— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18— 19. Berliner Abend stelle 3 Tieckstr itraße 7. Haben Tarifverträge heute noch einen Sinn?— Laubsierger Platz: Jugendheim Ebertvstr. 12. Zweite und Dritte Internationale.— Lichtenberg- Jugendheim Dosseitr. 22. Bunter Abend.— Aeu-Lichtenberg: Jugendheim Sunterstr. 44. Heiterer ltterarischer Abend.— Oft«»: Jugendheim Frankfurter Allee 807, Löns.Zimmer. Wandern und Schauen.— Selundbruuucn: Jugend- heim Rote Schule, Sotenburger Str. 2. Kirche. Religion und wir.— schöne- weide: Jugendheim Lauiener Str 2(Rote» Zimmer). Dir singen.— Köpenick: Jugendheim Grünauer Str. 5«Nahe Bahnhof Spindlersfeldf. Auflockerung der Tarifverträge.—«ewerkschaftahaus: Jugendheim Gewcrkfchastshaus. Engel. ufer 24—25, Saal 11. Das Internationale Arbeitsamt.— Iugendgruppe de» Verbände- d-r Nahrungsmittel- und Geträukeardeitu: Jugendheim Neue Schönhauser Str. 4—5, großer Sitzungssaal. Bortrag: Die Ortsgruppe Berlin. — Jugendgruppe de« Teu�cheu Zer!>l-rbeitel-P«rba»d«»: Jugendheim Gewer!' fchaftshau», Enaelufer 24—25, in. Ai' willige Arbeitsdienstpflicht. lA. Arbeitsgemeinschaft über das Thema: Frei. 9 �uaenvaruppe ves Zentrolverbonves Oer Anaesteliten Heule, Donnerstag, finden folgend« Veranstaltungen statt: Nordost V: Jugendhetm Schönlanker Str. 11. Taaesvolltische Rundschau.— Norde»! Jugendheim Lortzingstr. 19. Vortrag Srunolehren de» Marxismus. Referent: ul« Litauer Str. 18. Arbeitsgemeinschaft: Huhn.— Osten: Jugendheim der. Einführung in die sozialistische Gedankenwelt. Referent: Rachow.— Stralau: Jugendheim Dossestraße(Zimmer 3). Arbeitsgemeinschaft: Da« Dirtschaftsbe- ledungöprogramm der Reich, regierung und die Stellung d-r Arbeitnehmerschaft dazu. 1. Abend. Das Wirtschaftsprogramm der freien Sewerilchoften und ihrer voliltfchen Vertretung als Antwort. Leiter: Raeustn.— Treptow: Zuaend, heim Els-nftt. 8 Arbeitsgemeinschaft: Der arbeitend, Mensch in d-r Kunst. 4. Abtnd. Leiter: Reltar Schmidt. Berliner Gewerkschaftsschule. Heut«, Donnerstag, beginnen folgend« Kurf,: C. 12..Die deutfcktt untz international� Gewerkschafisbewe-iung in der«vis«." Beginn: IR/i Ubr im Söphien-Snzcum. iheinmeisterstraß, 16'1?. 5. J. 14.„Raitonalisterung und Ardelt." Beginn: ivh llbr im imirmt faal de» Hvgienttchen klnstitui«. Doroihrenstrgß, 2tz». C. 18.-Nütionalsozialiomu» und Ardeiterschaft." Beginn: 19>/- Uhr tm Bophten-Lnzeum, W-inm-ist-rstraß« 1817. S. 1...Nationalsozialist! sch ez Seminar." Beginnt 19 Ubr im Unterricht,. vaum der Berliner EewerksKastsschule, Enaeluier 24 25. 2. Hof, 1 Tr. Der Kursus SO. 16:„Macht und Recht— Demokratie und Diktatur", Lehre«: yenosse Theodor Haudach, beginnt erst am Donnerstag, S. November. vonnerstaz, äen 13. Osiioder slsslsopei' unlsfl aen Linden 20 Uhr 1. Sinfonie-Konzert staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Die Räuber ra- 8 Uhr is. Flora 3434- OaBihtB«it. Bronett-Fanilliß. Lord Ain. 7 Allredos, Marianne& Roberts Mae Eigin, 6 Köhlers usw. Am IL Oktober entfchliei piözlich nach lurzem. lchwerem Leiden unser lieder Sohn Günfer Schicke im 6. Lebensjahr. Dies zeigen tiefbetrübt an Erich Schicke und Frau. Reimclcendorf-West, Berliner Str.95. Einäscherung am Freitag. 14. Ok- tober.>7>» llhr. Krematorium Ge- richiitraße. ggn Täfll. 5 u. tv2 Uhr BANDREU- RIVELS BARNABAS VON etczv OTTO WAUBURBl \ o r noch 3 T a c e! Oer BettelstedeDt F Theater Im-« imiralspaiastl äglich 8% Uhr I Gitta| A l P a r I l | Katharina 1 nietropoi-Theaier I Täglich 8>/. Uhr I Sritzi Massary z w z > �me irau.lüe veiö, I was sie w\\V. Schi 1 1 e r IQrotmansir. 70/71 SteinpL(C 1) 6715 8V« Uhr Leute VoreteUung Oer IS.OIcloher Freitag, 14 Ok» S>,. Uhr; Er�taufföhrung sscertu. Bertram SlüdKOper Charlottenburu Fraunhofer 0231 Donnerstag, 13. Okt 19,30 Uhr Turnus IV Aida Onögin, Nemeth, I Fidesser. Rode, Andr�sen, Baumann.) Dirigent; Ladwig, VOLKSBÜHNE Theater am BQIewplatz D I. Nordel 2944. Täglich 8 Uhr Die Ratten �«7 Regle: Haina Hilpert Käthe Dorsch, Eugen Klöpler, Otto Wanlckc Tägl 8-/4 Uhr Grete Mosheim Oskar Horaolka in Pygmalion -r MdiHTösafei Weidend. 5201. 8 Uhr Rose Bernd voii fiulurt Hauptmann mit Pauls Wessel» Kammerspieie 8 Uhr Schultes Böhne Das VerlDis von Rich.Billinger TtieateriWestens IC I Steinpl 0931 Täglich 4'/t und 814 SonnU�u.S'/i paganini II.»irjtillf.0.30— ISO 1 2. ii.3.VoBt.O.SO-2.5( itleines Th. 8 Merkur 1624 Lot. d. Lio ieo 44 General Pem tiOeOei«» Ueiini-t ilemidie-so lirtlut sirtHei-lomm. !,?!. kstei O-zi« hjm feter, Preia y. i.-tz. in. [ CASinO-TKEATER 8V4 Uhr Lothringer Strafe 37. ....................................... Aach Sonntags nachm. 4 Uhr. Hamor! Stimmangl Man lacht Tränen über Direktor Hans Berg als Tante Julchen. Gutschein für die Leser 1— t Personen Faut. 0.75 M.. Sessel 1.25 M.. Park. 0.50 M Rennen zu Kerlshorst Heute Uhr nachm. Großes Hürdenrennen 3» B. 3. Bendows Bunte Böhne Kottbusser Strafe 6 früher„EUte- Sänger" Tgl. B Ohr. Srnist. nahiB. J1'» Preise von 50 Pf. an Rose- Theater Cmle Fmkltirtii stiele 13? Iii. Weichsel E 1 3422 8.15 Uhr Der Hauptmann von Köpenick — Theater am~ Schiffbauerdamm Di Wridend. 9955 Täglich S'/s Uhr Jolonne immergrflD" 8er I. Korn. v. han Bnnurt mit Harald Panlsen Stettiner Sänger Reichshallen-Theater (Dönhoffplatz) Dir. Berse!. Dir.«eyiel. Tägl 8.15 Uhr, Sonntags 3.30 Uhr(ermäßigte Pr.) Das neue Programm mit der Posse »»Und abends wird getanzt*1 QeDlsdier UetallarbeitsHeM Verwaltangssielle Berlin Todes-Anzeigen. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Emaillierer Augvst Beinricd geb. 12 Januar 1875, am 9. Oktober gestorben ist. Die Beerdigung nndetam Donners- tag, dem 13. Oktober, I5>., Uhr. von der Leichenhalle des Zentrai-Fried- Hofs Friedrichsfelde aus statt. Am 6. Oktober starb unser Kollege, der Klempner Hermällll 8psilge ged am>3. Januar 1861 Einäscherung am Donnerstag, dem 13. Ottober, 17-/- Uhr, Krematorium Baumschulenweg. Den Mitgliedern ferner zur 32ach. richk, daß unser Kolleg«, der Ardeiter Kll8lsv Hochwald geb. 16. Juli 1882, am 9. Ottoder gestorben ist Die Einäscherung findet Donners- lag, den 13. Oktober. 15>/, Udr. tm Krematorium Wilmersdorf statt. Ehre ihrem llludeuken! Rege Beteiiigung ermattet Hie Ortorerwaltahtz. HBrll Adilung.' ftduanut Verwailaausmiiglieder t Frestag, den 14. Ottober 1932, kein« Sitzung der Mittleren Lrlsperwaituug. Hie Orisverwallong. uepHBuie Tapetea Szillat. Kolonie- straße 9. «tisiiiBngszlliekz. u/sscsts usui. ite| Zurückgenommene r Möbel unter Preis. Z! Eichenkrcdenzen J du,—, Bücherfchränle 29,—. Kamerling, Kastanie nallce 56 (Ecke Fehrbelliner. sttaße). Wenig getragen« Kavaliergarderobe vou Millionären. Aerzten, Anwälten. Fabelhaft billige Preise. Empfehle Taillenmöntel. Pa- letots. Fracks, Lm» kings, Gehrockan- zllge. Hofen. Sport- Gehpelz«. Damen- Mäntel. Gelegen. deitsläufe in neuer Esnrrzflor Fabritueue «ahrräder 28,—, 12,—, 35,—, 43,—, 45,—. 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Wir rufen die erwerbslosen EPD.-Buchdrucker und die mit un, Svmpothisterenden zu einer Versammlung am Freitag, 14. Oktober, 13 Uhr, im Gew-rischaftibaus, Engel. ufer. Saal 1. auf, in der Dr. Löwenstein, M. d. R., über dos Thema:„Die Produktion und der Erwerbslose" spricht. Erscheint alle und pünktlichl Deutscher Arbeiter-Säugerbund. Gau Berlin. Geschäftsstelle: p. Schneider. Lerltn NO. SS. huselandstr. Zl. Volkschor Tempelbof-Rariendorf: Die gemeinsame Uebungsstunde maickftraße.— Berliner Bolkschor: Die nächste Uebungsstund« des Männer- und Frauenchor» findet am Dienstag, 18, Oktober, 20 Uhr im Andreas- Realgymnastum. Koppenfttaße 76, statt,— 2. Be-irk: Mittwoch, 19. Ok- tober, 20 Uhr, Bezirksausschußsttzung im„Weddinger Vereinshaus", Ge- richtstraß« 71, SPD,. Betriebsirakt io» der Bv»..Kauptwerkstatt Uferstraße, Am Freitag, 14. Oktober. 1R>> Uhr, findet im Lokal„Zum Nußbaum", Ind. Reinhold L-st Plötzenfee, Straße 12. eine wichtige Fraktion»oeisamm!una der Hauptwerkftai! Uferstraße statt. Thema: 1.„Die Aufgaben der Betriebsfraktion im Wahl Dentfcher Arbeiter-Abstiueutru.Luud. Kreis er. 20 Zhr,---- gab« der veddiuo. Montag, 17. Ok» '" mV-•"--- kämpf"(Referent: Karl Dressel). an dieser Veranstaltung nicht teilnehmen scheinen. Mitgli. 2. Fraktionsangslerenheilen. Säfte können .____ ihmen. Jeder Genosis ist oerpflichtet.»u er» ist vorzuzetgen. t Vorträge, Vereine und Versammlungen G 87-8» Hot ICi Belchevanner„Schwarz Bot Gold- Ge|chiflsft»ll»! Berlin 3 1« Sedastionsti 87- Mitts und Frisdaichshoin. Frsitag, 14. Oitobsi, Saalschutz im W> Hzdeetvsreinshaus, Anlretsn 19 Uhr.— Rabusdorf(Kameradschift), Donneislag, 18. Oktober. 20 Uhr, Trei'punit hei Molfenbuhr, Um zahlreiche» Erfchrinen wird gebeten.— Lich, Anberg, l. Kameradschaft. Freilag, 14, Oktober, 20 llhr, bei Ttöd«, Juno. Ecke vberstraße. Lichtbildervortreg über Faschismus in Uialien, Kamerad Schieimgnn referiert über Selbsterledte» in Stallen,— Weitzenfe,(Cctisecem). Sonnabend, 15. Oktober, 20 Uhr, bei Huckwitz, a«. felliger Kameradfchaftsadend mit Angehörigen.— Olantenbura. Freilag, 14. Ol. toder. A Uhr, Äitgliödetveriammlung bei Breuer. Mühltiistiatze. tober, 20 Uhr, Kreismitgliederoerfammlung.„Alkodolkrankenfürforge als Au gäbe der Arbeiter. Abstinenten." Referent: Genosse Hoheisel(Lichtbilderoorttag Mittwoch, 19. Oktober, 16(4 Uhr, Sitzung des Propagandattupps, Mittwoch, 19, Oktober, Kreisfunktionarkonferenz, Bezirksgruppe Norden, Donnerstag 20. Ottober.„Abstinenz als Waffe des Klassenkampfes," Referent: Genosse Sohetfel. Gruppe„August Forel," Freitag, 21. Oktober, Mitgliederoersomm. lung, Neuwahlen, Srupv,„Schillerpark". Sonnabend, 22, Oktober. Bunter Abend. Rezitationen, Gesang, Tanz, Eintrittspreis 25 Pf.(Sämtliche Ver- anftoltungen finden in der alkoholfreien Gaststätte, Gottschedftr, 38, statt, und beginnen, soweit nicht ander, angegeben, um 20 Uhr, Gäste willkommen� English Eirele„Perseveranee". Heute, 21 Uhr, im Bräustübl, Reu« Kleine Hütte, R, 65, Müllerstr, 176, Am Deddingplatz, englische Vorträge und Di». kusston, Gäste willkommen, Deutsch« Lia« sä« Meufcheneecht«. Orlsgruvp« Eharlottenburg,(Westen 1.1 Donnerstag, 13. Ottoder, 20 Uhr, Vortrug Dr. Wilhelm Srotlopp über das Thema„Autarkie und Weltwirtschait". Klubhaus Am Knie, Berliner Str, 27- chf»«r»«t».»rupp, Aerli». Norde», gosmunder Vereinshaus, Josmunder Straße 3. Heute 20 Uhr, Uedungen, Konversation, Geselliges Beisammen. lain. Säst« willkommen.