Abend- Ausgabe Nr. 492 B238 49. Jahrg. Rebaktton und Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 5«mfpHd)eri 37 3mt Dönhoff 292 bi» 297 Tel-grammabr-ff-i SojidlHemottai•Berlin BERLINER VOLKS BLATT DIENSTAG 18. Oktober 1932 In Groß- Berlin 1 0 Pf. Auswärts....... 10 Pf. VezugSbebingungen und Anzeigenpreise stehe am Schluß beS rebaktioncllen Teils Aenteatoega« der Sozialdemottatifchen Oavtei Deutschtands Soziale Erfungenschasten OncI kommunistische VerleZenheits- ausreclen Gestern Hatten wir die„Rote Fahne" bei dem Geständnis ertappt, daß ein„Generalangrisf auf die sozialen Errungenschaften der Ar- beiterklasse" im Gange sei. Wir hatten das kom- munistische Zentralorgan gebeten, uns zu erklären, woher diese„sozialen Errungenschaften" stammen und ob sie nicht von der Sozialdemo- kr a ti e erkämpft seien. Heute müssen wir seststellen, daß sich die Freie Gewerkschaften gegen Barone Eort mit dem Lohndruck!— Für planmäßige Wirtschaftsführung S)er?afchif( als„Sicherhellskoniinlüar" Xelmirehrmajor 3ey aus Itlen „Fahne" nur höchst mißmutig zur Antwort ent- schlössen hat. Da liest man Ueberschristen wie diese: Bündnisangebot der SPD. an Papen und Bracht.— Zum offenen Bündnis mit Papen und Bracht bereit.— Sic zittern vor euch: Todesangst vor dem Bolschewismus von Hitler bis Lobe.— Die Schuld des sozialdemokratischen Landeshauptmanns Seitz.— Papen baut auf die SPD.— Severing beschimpft sechs Millionen Arbeitslose als Streikbrecher. All diesen Ueberschristen folgen spaltenlangc Ausführungen, die, was Geist und Wahrheitsliebe betrifft, aus der gleichen Höhe stehen. Erst wenn der Leser aus diese Weise präpariert und das Denken ihm völlig ausgetrieben ist, darf er sol- gendes genießen: Der„B o r w ä r t s" zitiert einen Absatz aus unserem Artikel und tut so, als ob er eine neue sensationelle Sache entdeckt hätte. Naiv und dumm stellt er die Frage:„Es gibt also„soziale Errungenschasten der Arbeiterklasse"?" wer hat das bestritten? Aber diese Errungen- schasten, und das wiederholen wir. hat die Bour- geoisie zu einem Zeitpunkt den Arbeitern zur Beruhigung überlassen, als die Arbeiter- klasse die Macht hätte übernehmen können. W e r hat sie daran gehindert? Die So- zialdemokratie. Woraus jedermann ersehen kann, was für eine liebenswürdige Bourgeoisie wir haben! Sie hat den Arbeitern die sozialen Errungenschasten„zur Beruhigung" überlassen! Wie nett! Daß solche Errungenschasten Ergebnisse von Klassen- kämpfen sind und immer wieder v e r t e i- d i g t werden müssen, bevor man die ganze Macht erobern kann, diese marxistische Erkenntnis ist der „Fahne" meilenfern. Um der verruchten«PD. eins anzuhängen, lobt sie sogar die deutsche Bourgeoisie! heule morgen fand im Plenarsaal des Reichs- wirlschastsrats eine össenlliche Kundgebung des Allgemeinen Deutschen Gewertschastsbundes und des Allgemeinen freien Angestelltenbundes statt, auf dem Friß Tornow und E l e m e n s R ö r p e l über den wirtschastsplan der Reichsregierung und die Stellungnahme der Gewer- schasten sprachen. Die Kundgebung endete mit der Annahme der folgenden Entschließung: „Das Wirtschaftsprogramm der Reichsregie- rung krankt an inneren Widersprüchen. Die Regierung will die Deflation bekämpfen und den Binnenmarkt beleben, senkt aber die Löhne und Gehälter. Sie will die Pro- duktion steigern und Arbeit beschaffen, erschwert aber durch die Kontingentierungspolitik die in- dustrielle Ausfuhr und zerstört vorhandene Ar- beitsmöglichkeiten. Diesen Widersprüchen des Wirtschaftsprogramms entspricht sein unsozialer Geist. Die Rechte und Lebensnotwendigkeiten der Arbeiter und An- gestellten werden den Wünschen der Landwirt- schast und Großindustrie geopfert. Nachdem das Einkommen der Arbeitnehmer bereits auf ein un- erträglich niedriges Maß gesenkt worden ist, wer- den Löhne und Gehälter erneut unter Druck gestellt. Während Industrie und Land- Wirtschaft Steuergeschenke erhalten, wird. die Lebenshaltung der Arbeitnehmer durch den Kurs der Handelspolitik und die Erhöhung von Massen- steuern erneut belastet. Während die Rechte der Arbeitgeber erweitert werden, unterhöhlt man das Tarifrecht und zerstört damit die Grundlagen des kollektiven Arbeitsrechts. Die Re- gierung nutzt zugleich ihre Machtstellung dazu aus, um die Bewegungsfreiheit der Gewerk- schaften zu lähmen. Die Verordnungen vom 5. September und Z. Oktober sind für die Arbeiterschaft unerträglich. Die erzwungene Lohnsenkung steht im Widerspruch zu den Erklärungen des Reichspräsidenten, wonach»der Lebensstandard der Arbeiterschaft gesichert und der soziale Gedanke gewahrt" bleiben soll. Die Gewerkschaften sor- dern daher von der Reichsregierung, die Verordnungen vom S. September und Z. Oktober aufzuheben. Durch die krasse Ungerechtigkeit der Regierungs- mahnahmen ist bereits eine tiefe Erbitte- rung und Entrüstung ins Volk getragen. Diese Politik schasft immer neue Unruhe und zer- stört damit die Voraussetzung für eine Belebung der Wirtschaft. Eine Regierung, die das Lebens- recht der Arbeiterschaft mißachtet, setzt sich mit der Mehrheit des Volkes in Widerspruch. Ihr fehlt das Vertrauen des Volkes, das allein echte Autorität begründet. Die Gewerkschaften sind sich bewußt, daß der Kampf um die Rechte der Arbeiterschaft zugleich der ganzen deutschen Wirtschaft dient. Alle So- zialpolitik, die aus das Wohl der arbeitenden Klasse abgestellt ist, die der Erhaltung und Ver- besserung der menschlichen Arbeitskraft dient, die durch die Pflege der Massenkaufkraft die Voraus- setzung für die Erhöhung des wirtschaftlichen Um- satzes schafft, ist Wirtschaftspolitik im besten Sinne des Wortes. Man kann die krisis nicht dadurch überwinden. daß man den Arbeitswillen lähmt und sich nur auf die Initiative der Unternehmer verläßt, sondern allein mit dem Einsah aller verfügbaren Mittel durch die öffentliche Hand. Darüber hinaus fordern die Gewerkschaften die Abkehr von überlebten Wirtschaftsformen und die Einleitung einer Neuorganisation der Wirtschaft mit dem Ziele planmäßiger Wirt- schaftsführung." Lille außergewöhnliche Kundgebung Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund und der Allgemeine freie Angestelltenbund nahmen heute in einer öffentlichen Kundgebung im Plenarsaal des Vorläufigen Reichswirtschafts- Gchlagwetter-Llnglück Ein Bergmann tot, vier verletzt Hückelhoven(Rhld.). 18. Cflober. der Nacht zum Tienstag gegen 1.30 Uhr ereignete sich auf der Zeche„Sofia � a k o b a" eine Schlagwetterexplosion. (SUtt Bergmann wurde getötet, vier weitere wurden so schwer verletzt, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Fünf Bergleute trugen Gasvergiftungen davon. Tie Nettungsmannschaften waren sofort zur Stelle und bargen die Ber- unglückten. Das Bergrevier Aachen' gibt amtlich bekannt: Heute morgen gegen 1.30 Uhr hat sich in einem Aufhauen der ZW-Meter-Sohle des Steinkohlen- bergbaues„Sofia Iakoba" bei Hückelhoven eine Schlagwetterexplosion ereigne? bei der ein Berg- mann zu Tode gekonnnen ist und elf Leute ver- letzt wurden. Von den Verletzten wurden sechs durch die Explosion unmittelbar betroffen, während süns Bergleute bei dem Versuch, ihren Kameraden zu Helsen, durch Einatmen der Nachschwaden zu Schaden gekommen sind. Bei drei der Verletzten besteht Lebensgesahr. Die Untersuchng durch die Bergbehörde ist eingeleitet worden. Bei dem Getöteten handelt es sich um den 40jährigen Bergmann Weber aus Hückelhoven. Mit Verbrennungen ersten bis dritten Grades sind in das Limicksr Krankenhaus eingeliefert wor- den die Bergleute T i b u s f e k aus Schaufenberg, Hornau aus Hückechoven, D i g n a s aus Hückel- Hoven, Maetzen aus Doveren, Bchmer aus Busch-Rathein und B ö h m aus Hückelhoven. Drei von ihnen befinden sich in ernster Lebensgefahr. 24 Todesopfer Die Zugkatastrophe bei Temesvar Temesvar, 18. Oktober. Bon den bei dem Zugunglück bei Temes- var Zckstoervcrlehten find noch sechs ihren Berlehungcn erlegen, so daß sich die Zahl der Toten bisher auf 21 belauft. Nach Meldungen aus Bukarest, erzählten Augen- zeugen der Eisenbahnkatastrophe, daß der dem Personenwagen folgende P o st w a g e n auf den entgleisten zertrümmerten Wagen aufgefahren sei. Dadurch sind zahlreiche Insassen förmlich ge- rädert worden, wodurch es sich erkläre, daß die meisten Leichen verstümmelt sind. Der Weichen- steller soll angeblich an dem Unglück keine Schuld tragen, da die Weiche aus elektromagnetischein Wege umgestcktt worden sei. Der verunglückke wagen soll aus den sechziger Iahren stammen und vollkommen baufällig gewesen sein. In Temesvar glaubte man anfangs, daß der Simplon-Exprcß verunglückt sei, und große Menschenmossen fanden sich an der Unglücksstätte ein. rats zu dem Wirtschaftsplan der Reichsregierung kritisch Stellung. An der Kundgebung nahmen außer den Mitgliedern der Bundesausschüsse des ADGB. und des AfA-Bundes die Vertreter der Berliner freien Gewerkschaften, der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei, Genosse Otto Wels, und als Vertreter des Reichsarbeitsmini st ers sowie der(selbst- verständlich verhinderten Reichsregierung) Mini- sterialdirektor S i tz l e r teil. Theodor Leipart eröffnete die Kundgebung mit der Bemerkung, daß schon ganz besondere Gründe vor- liegen müssen, wenn sich die beiden Bundes- vorstände der freien Arbeiter- und Angestellten- gewerkschaften entgegen ihrer sonstigen Gewohn- heit an die Oeffentlichkeit wenden. Die Bundesvorstände beabsichtigen nicht, sich aus dieser Kundgebung mit der Auslegung des Ar- tikels 48 der Reichsverfassung zu beschäftigen. Die Kundgebung soll sich lediglich darauf beschränken, der Oeffentlichkeit die Ausfassung der freien Gewerkschaften zum Wirtschafts- Programm der Reichsregierung sowohl vom recht- lichen als auch vom wirtschaftlichen und sozial- politischen Gesichtspunkt aus darzulegen. Beide Vorstände haben beschlossen, ihre Klagen und Warnungen in einer öffentlichen Kundgebung vor- zubringen in der Hoffnung, daß sie beachtet werden. Mit leidenschaftlich bewegten Worten wandte sich Genosse Leipart gegen die Aus- lassungen des Reichskanzlers von Papen, der jeden, der sich nicht hinter die Reichsregierung stellt, als Feind der Nation bezeichnet hat. Er fragte, ob man etwa auch alle die als Feinde der Nation bezeichnen will, die am 6. November ihre Stimme nicht für die gegenwärtige Reichsregierung abgeben werden. Leipart wandte sich auch entschieden gegen die Unter st ellung, die Gewerkschaf- ten seien schuld daran, daß durch ihren Widerstand gegen den am 4. und ö. September notverordneten Lohndruck die Arbeitslosen nicht wieder in die Betriebe kommen. Die freien Ge- werkschasten, von deren Mitgliedern 4 5 P r o z. arbeitslos sind und 2 2 Proz. verkürzt arbeiten, haben ein brennendes Interesse daran, daß für die Arbeitslosen wieder Beschäfti- gung geschaffen wird. Gegen diese Unterstellung zeugt auch die Tatsache, daß die Gewerkschaften schon seit langem die Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit verlangen und wegen dieser For- derung bereits im Februar 1931 beim Reichs- Präsidenten vorgesprochen haben. Eritz Tarnow erinnerte an die Forderung des letzten außer- ordentlichen Gewerkschaftskongresses zur Arbeits- beschaffung. Wir haben damals einen Kredit- bedarf von 2 Millirden angenom- mcn, um eine Million Arbeiter für ein ganzes Jahr zu beschäftigen. Man hat uns Jnflationsbedenken entgegengehalten. Nach dem Plan der Reichsregierung soll jetzt eine größere Kapitalsumme im Lause eines Jahres mobilisiert werden. Es ist für uns sehr bemerkens- wert, daß das Jnflationsgeschrei da- gegen in gewissen Kreisen v e r st u m mit ist. Das kann nicht begründet werden mit der Veränderung der Finanzierungsmethode, nur der Verwendungs- zweck allerdings ist ein anderer. Wir wollten 2 Milliarden für tatsächliche und unmittelbare Arbeitsbeschaffung, der Regierungsplan will 2,2 Milliarden Sleuerscheingeschenke an die Unternehmer verteilen und das ist es wohl, was manche Jnslationssorge beschwichtigt hat. Leider ist die Regierung unserem Vorschlage der direkten Arbeitsbeschaffung nicht gefolgt. Sie will die Wirtschaftsbelebung grundsätzlich über den Weg der privaten Unternehmerinitiative. und sie nimmt einfach an, wenn man den Unter- nehmern Geld gibt, lassen sie schon mehr arbeiten. Wir vermuten, daß sie das erst dann tun werden, wenn sie Aussicht haben, auch mehr verkaufen zu können. Aber wenn wir in bezug auf den Erfolg Die Harzburger Stinkbomben Verleumder Lteuer wird!m �usscKuL gestäupt! auch nicht so hoffnungsfroh gestimmt sind wie die Reichsregierung, so sind wir doch bereit, dem wirtschaftlichen Teile des Regierungsplanes die Chance zuzubilligen, seine Brauchbarkeit unter Beweis zu stellen. wir werden uns keiner Mahnahme in den Weg stellen, von der wir hoffen können, dah sie den Arbeitslosen hilft. Dazu kennen wir deren Elend und grenzenlose Verzweiflung viel zu gut, als daß wir den Wunsch haben könnten, das Ziel der Mehrbeschäf- t i g u n g möge scheitern. Wenn der Plan nicht den Erfolg bringen sollte, den seine Väter in Aus- ficht gestellt haben, dann wird nicht Schadenfreude unser Gefühl sein, sondern tiefe Trauer und Bitterkeit darüber, daß ein großer Aufwand nutzlos vertan worden wäre. Leidenschaftlich aber müssen wir p r o t e st i e- r e n gegen den Teil des Planes, der mit uner- träglicher Härte in den Lebensstandard der Ar- Was will der? Der da will die Verfassung beileibe nicht brechen, er will sie nur seiner Weltanschauung anpassen! beiterschoft und ihre sozialen Rechte eingreift. Wenn die Regierung schon Milliarden an die Unternehmer oerschenkt, wenn sie noch wei- tere 700 Millionen an Einstellungs- Prämien dazufügen kann, wie konnte sie aus den unseligen Gedanken kommen, auch noch die Lohnsenkungstribute der Arbeiter mit in den Keschenkkorb zu werfen? Man erzählt sich, daß anfangs zwischen zwei Ministerien ein Streit darüber gewesen sei, ob Einstellungsprä- mien oder Lohnsenkung, und nur weil man sich nicht habe einigen können, seien schließlich beide Borschläge zusammengebracht worden. Das wäre dann in jeder Beziehung das Gegenteil einer salo- Vonischen Entscheidung gewesen. Inzwischen ist die Unsinnlgkeit der Lohn- senkungsvorschristen ganz deutlich geworden. Viele Unternehmer schämen sich geradezu, von diesem Rechte Gebrauch zu machen, weil sie selbst es als ein bitteres Unrecht an der Arbeiterschaft emp- finden. Ganze Unternehmergruppen haben sich in diesem Sinne untereinander verständigt, und wenn wir richtig informiert sind, ist auch von maßgeb- licher Arbeitgeberseite der Regierung angedeutet worden, daß ein wesentliches Unternehmerinteresse für diese Lohnsenkungen überhaupt nicht vorläge. Die Idee von Lohnzuschüssen an die Unter« nehmer ist nicht neu, aber sie wurde früher immer nur im Zusammenhang mit der E x p o r t f ö r d e- r u n g genannt. Man argumentierte, daß für volkswirtschaftlich zusätzliche Aufträge ein Lohn- opfer gebracht werden könnte. Zweifellos wäre ein deutsches Lohndumping sehr schnell durch Gegenmaßnahmen der anderen Länder korrigiert worden, aber zur Zeit ist ja diese Frage überhaupt nicht aktuell. Nach der weltwirtschaftlichen Lage und noch mehr nach der neueren Handelspolitik der Regierung fehlt jede Aussicht auf zusätzliche Exportaufträge, mit um so größerer Sicherheit werden wir zusätzliche Exportverluste zu erwarten haben Der Wirtschaftsplan muß sich also in der binnenwirtschaftlichen Kon- kurrenz auswirken. Als mit dem Lohnabbau amtlich begonnen wurde, hat man den Arbeitern gesagt, hinterher würden auch die Preise soweit sinken, daß der Reallohn bald wieder der alte sein würde. Dies- mal macht man nicht einmal den Versuch, den Zusammenhang zwischen Lohn und Preisen aus- rechtzuerhalten. Der Reichskanzler hat zwar bei der Bekanntgabe des Planes verkündet, daß die Deflationspolitik zu Ende fei. Da aber dieser Plan selbst unerhört scharfe Lohnsenkungen verordnet, bezieht sich die Ankündigung also nur auf die Preise. Die Regierung gibt sich einer großen Täuschung hin, wenn sie glaubt, dadurch Ruhe bekommen zu können, daß sie die Gewerkschaften schachmatt zu setzen versucht. Wenn ihr das wirklich gelänge, so hätte das noch keine andere Bedeutung, als daß der Abwehrkampf auf einen anderen Boden abgedrängt würde und in For- men, die der Regierung, aber auch den Unter- nehmern noch sehr viel weniger Freude bereiten würde, als der geordnete Gewerkschaftskampf. Die Regierung sollte sich hüten, den Bogen zu überspannen. Die Slaatsautoritäl kann nicht schlimmer erschüttert werden, al» wenn das offen- kundige Recht bei denen ist. die sich gegen Gesehe heute vormittag um 10 Uhr tagte der 21. Aus- schuß des Preußischen Landtages, der sich mit den Geschäften derPreuhenkasse zu befassen hat. Der Vorsitzende, Dr. Zubke(Dnat.), verlas zunächst die Liste der geladenen Zeugen. Zu der heutigen Vernehmung waren außer den vier preu- ßischen Ministern Braun, hirtsiefer, Klepper und Höpker-Aschoff auch eine Anzahl Verwaltungsmitglieder der Preußenkasse sowie der Bischofvon Aachen, Dr. Vogt, geladen. Dr. Höpker-Aschoff und Bischof Dr. Vogt hatten ihr Nichterscheinen entschuldigt. Abg. Steuer(Dnat.) beantragt, der Ausschuh möge beschließen, die Zeugen vor Beginn ihrer Vernehmung zu vereidigen. Eine stichhaltige Festlegung der Zeugenaussagen sei notwendig. Abg. Riehinger(Z.): Es war bisher in den Untersuchungsausschüssen des Landtages nicht üblich, die Zeugen vorher zu vereidigen. Ich be- antrage, die Vereidigung von Fall zu Fall nach- her vorzunehmen. Sind im übrigen das Justiz- Ministerium oder die Staatsanwaltschaft im Saale vertreten? Vors.: Ein Vertreter der Staatsanwaltschaft ist anwesend. Abg. Rau(Kam.): Ich protestiere ganz ent- schieden dagegen, daß das Material einer Fraktion zugänglich war und den anderen Fraktionen vor- enthalten wurde. Auf die vom Vorsitzenden zu- gesicherte objektive Berichterstattung pfeifen wir. Von dieser Objektivität halten wir nach den bis- herigen Erfahrungen nichts. Abg. Szillol(Soz.: Die Untcrsuchungsakten sind dem Reichskommissar in Preußen zu- geleitet worden, hierfür hat kein Beschluß des Ausschusses vorgelegen, sondern es sollten die Akten nur der Staatsanwaltschaft übermittelt werden. Im übrigen erhebt sich die Frage, ob der Untersuchungsausschuß überhaupt noch etwas zu tun hat, denn er darf doch nicht in ein schwe- bendes Verfahren eingreifen. Dieses Verfahren ist aber durch die Ucbergabe der Akten an die Staatsanwaltschaft eingeleitet worden. Wir treten auch dafür ein, daß die Zeugen erst nach der Aus- sage vereidigt werden. Der Antrag des Bericht- erstatters Steuer, dessen öffentliche Angriffe gegen Dr. Klepper beispiellos sind, muß in der Oesfenllichkeil den Eindruck verstärken, daß dieser Ausschuß eine Agilallons- filiale der Deutfchnationalen ist. Abg. Steuer: Diese Debatte ist ein osfensicht- liches Ablenkungsmanöver.(Oho-Rufe links.) Abg. hinkler(Nsoz.): Wir kennen die Akten auch nicht. Abg. Dr. Muß(Nsoz.): Die Uebergabe der Akten an den Reichskommissar stellt zweifellos eine Ueberschreitung der Befugnisse des Vor- sitzenden dar. Abg. Szillat(Soz.): Der deutschnationale Be- richterstatter Steuer wird ja aus dem Protest sämtlicher Fraktionen jetzt ersehen haben, daß es sich hier nicht um Ablenkungsmanöver einzelner Parteien handelt. Wenn der Vorsitzende betont, daß für den Weg der Akten der Dienstweg ent- scheidend gewesen sei, so ist das keine Entschuldi- gung. Der Ausschuß untersteht nicht dem beamten- mäßigen Dienstweg, sondern der Geschäftsordnung des Landtags.(Bravo!) Abg. Mehinger(Z.): Wir haben uns auf die Loyalität des Vorsitzenden verlassen, daß die Akten den Fraktionen zur Verfügung gestellt wer- den. Das ist nicht geschehen. Man muß sich fragen, ob es nicht das beste wäre, die heutige Sitzung zu vertagen. Ich frage den Vorsitzenden, ob er dem Reichs- kommifsar in Preußen die Akten aus sein Er- suchen hin zugestellt hat. wir müssen dieser Geschäslspraxis des Vorsitzenden unser schärf- st es Mißtrauen aussprechen. Vors.: Ich bin natürlich nicht vom Reichs- kommifsar beauftragt worden, die Akten einzu- schicken. Im übrigen hindert diese breite Dis- kusiion über einige Formfragen nur unsere fach- liche Arbeit. und gegen die Staatsautorität zur wehr sehen, weil sie es müssen. Die Regierung hat es noch in der Hand, ihren Wirtschaftsplan von den offenkundigen antisozialen Aehlkonstrukllonen zu bereinigen, und wir fordern sie dringend auf, damit nicht länger zu zögern. Clemens Nörpel spricht sodann über den Kampf um die Wieder- Herstellung des kollektiven Arbeitsrechts und des Tarrfrechts. Die Gewerkschaften haben gegen das Wirt- schaftsprogramm der gegenwärtigen Reichsregie- rung vor allem ernsteste Bedenken in lohnpoliti- scher und sozialpolitischer Hinsicht. Dazu kommen noch die ebenso ernsten Bedenken der Gewerk- schaften gegen die tiefgehenden Eingriffe der Reichsregierung in die Rechtsstellung der Arbeiter im Staate sowie in da» Tarisrecht und das Ar- bettevertragsrecht.' Die Reichsregierung hat durch ihre Maßnahmen in Rechtsgrundlogen eingegriffen, die gleichzeitig die Grundlagen jedes Staatslebens sind. Durch die vorgenommenen Eingriffe in die Normenwir- kung der Tarifverträge, durch die teilweise Be- seitigung der Unabdingbarkeit ist die V e r t r a g s- Abg. Zechner(Z.): Der Vorsitzende beschwert sich, daß der Ausschuß ihm Schwierigkeiten mache. Wenn der Vorsitzende durch seine Geschäftsführung nicht selbst soviel Hindernisse in den Weg gebaut hätte, wären wir schon viel weiter. Ich erhebe gegen die fahrlässigen Ausführungen des Berichterstatters(Zuruf: tendenziösen) nochmals nachdrücklichst Protest. Dr. Hamburger(Soz.) stellt auf Grund der Akten fest, daß diese an die Staatsanwaltschaft, eventuell über das Justizministerium, geleitet wer- den sollen. Es finde sich aber kein Wort darüber, daß die Akten über den Reichskommissar zu leiten waren. Darauf stellt der Borsitzende drei Anträge zur Abstimmung. Die Mehrheit entscheidet gegen die Stimmen der Deutschnationalen und National-' sozialisten, daß zuerst Dr. Klepper und danach die übrigen preußischen Minister ver- nommen werden. Es wird gleichfalls ein Antrag Rau angenommen, daß die wichtigsten Teile der Akten sofort abgeschrieben und den Fraktionen übergeben werden. Danach werden die Zeugen vor den Ausschuß gerufen. Nach dem Aufruf der einzelnen Zeugen beginnt die Vernehmung des kmsnHninisters und früheren Präsidenten der Preußenkasse Dr. Klepper. Nach dem einleitenden Hinweis des Vorsitzenden, daß der Zeuge die Aussage verweigern könne, wenn er sich dadurch schade, kommt es zu einem dramatischen Zwischenfall. Der Zeuge Dr. Klepper erklärte mit erhobener Stimme, daß er von diesem Zeugnisverweigerungsrecht keinen Gebrauch machen werde. Er müsie aber bemerken, daß der deutschnationale Berichterstatter Steuer ihn in der Oeffentlichkeit durch die Bezeichnung, er sei der„3 v a r K r e u g e r der Staatsfinan- z e n", auf das gröblichste beleidigt habe. Diese Be- leidigung sei um so krasser, als er bisher noch keine Gelegenheit gehabt habe, die Dinge vor dem Unter- suchungsausschuß klarzustellen. Unter größter Spannung erklärte Dr. Klepper, daß er es unter diesen Umständen ablehnen müsse, Fragen zu beantworten, die der Bericht- treue stark erschüttert worden. Die Ge- fahren, die in der Beseitigung der Vertragstreue liegen, find stets von allen verantwortlichen Stellen und auch allen Bevölkerungsschichten stark hervorgehoben worden. Die Gewerkschaften haben an der Gleichberechti- gung der Arbeiterklasse und an der Ver- tragstreue ein um so größeres Interesse, als ihre Wirksamkeit sich auf sie gründet. Gerade aus diesen Gründen sind es auch die Gewerkschaften, die gar nicht daran denken, sich gegen den Grund- satz der Vertragstreue zu wenden. Aber aus den- selben Gründen kann man von den Gewerk- schaften wiederum auch nicht verlangen, daß sie ihre Hand zu Maßnahmen bieten sollen, durch die die Gleichberechtigung der Arbeiterklasse und die Vertragstreue nicht nur angetasttet, sondern be- reits beseitigt wird. 20 RUllionen deutsche Arbeiter, mit Familienangehörigen die Mehrheit des beut- ichen Volke», halten an dieser Gleichberechtigung der Arbeiterklasse unverrückbar fest und glauben an die Vertragstreue. Niemals haben oder hatten die Gewerkschaften die Absicht, die durch den Abschluß dieser Tarifverträge über- nommene Friedens- und Durchführungspflicht zu erstalter Steuer an ihn stelle.(Bravo-Rufe bei SPD. und Zentrum.) Vors.: Sie haben auf alle Fragen von Aus- schußmitgliedern zu antworten. Sollten Sie sich weigern, muß ich Sie in Ordnungsstrafe nehmen. Abg. Steuer: Zur Erklärung des Herrn Klepper muß ich feststellen, daß ich das� was ich in der Oeffentlichkeit gesagt habe, nicht als Mitglied des Ausschusses, sondern als Abgeordneter getan habe.(Stürniisches Gelächter.) Im übrigen lasse ich mir meine Rechte als Mitglied des Unter- suchungsausschusses nicht beschneiden. Ich Halle die Aeuherungen, die ich in dem ange- griffenen Artikel über die moralischen Qualitäten des Herrn Klepper getan habe, ausrecht.(Stür» mische Zurufe de» Zentrums und der SPD.) Vors.: So kommen wir nicht weiter. Selbstver- ständlich werde ich gegen irgendwelche Beleidi- gungen einschreiten. Abg. Dr. Hamburger: Der Vorsitzende hat so- eben erklärt, er wolle gegen Beleidigungen ein- schreiten. In diesem Augenblick aber hat Herr Steuer dieselben groben Beleidigun- gen, die er in der Oeffentlichkeit angeblich nur in seiner Eigenschaft als Abgeordneter getan hat, als Berichterstatter und Ausschußmitglied wieder- holt. Abg. Schmelzer(Z.): Ich beantrage, daß der Ausschuß Beschluß dauüber fasse, daß Fragen des Herrn Steuer an den Zeugen Dr. Klepper nur über den Vorsitzenden geleitet werden dürfen.(Abg. Steuer springt hoch.) Dieser Antrag wird mit allen Stimmen gegen die der Deutschnationalen angenommen. Zeuge Dr. Klepper: Um jedes Mißverständnis zu vermeiden, erkläre ich ausdrücklich, daß ich bereit bin, jede Frage zu beantworten. Aber mit einem Mann wie Herrn Steuer führe ich keine Unterhaltung! Abg. Steuer: Ich erkläre nochmals, daß ich meine Vorwürfe unrechtmäßiger Manipulationen und Konzernschiebungen aufrechterhalte. Angesichts der moralischen Würdigung des Herrn Klepper...(die weiteren Ausführungen bleiben durch stürmische Zwischenrufe unver- ständlich). Der Ausschuß tritt sodann in die Vernetz- m u n g des Zeugen Dr. Klepper ein. verletzen. Aber gegenüber anderen nicht dem Tarifinhalt entsprechenden Abmachungen gibt es keine Friedenspflicht. Es find also Gründe staatspolitischer und rechtlicher Art, durch die die Haltung der Gewerkschaften entscheidend bestimmt wird. Unser ganzes Staalsleben. die Zukunft des deutschen Volkes hängt ab von der Erhallung der Grundrechte, die in der Reichsver- fasjung gewährleistet sind und für die heute allein die Gewerkschaften eintreten. Die Arbeiterklasse muß sich darüber Nor sein, daß der gegenwärtige Kampf ein Kampf um die persönliche Freiheit des Arbeiters und ein Kampf um das Selbstbestimmungsrecht der Arbeiter- klosse ist. Die Arbeiter und ihre Gewerkschaften kämpfen für die Wiederherstellung des kollektiven Arbeits- rechts und des Tarifrechtes. Sie stehen in diesem Kampf so gut wie allein, sie sind nur auf ihre eigene Kraft angewiesen. Deshalb ist Einig- keit und Geschlossenheit der Ge- werkschaftsbewegung gegenwärtig ober- stes Gefetz. Die Arbeiter, die bisher abseits stan- den, werden nun endlich auch begreifen, daß sie sich den Gewerkschaften anschließen müssen, wenn sie nicht rechtlos werden wollen. Volitifcher Mord Durch vergiftete Pralinen umgebracht Das Polizeipräsidium Chemnitz teilt erst jetzt die Entdeckung eines politischen Verbrechens mit, dem der 24jährige Arbeiter Erich Henne- meyer, der Mitglied des Wehrwols war. zum Opfer gefallen ist. Der junge Mann wurde bereits am vergangenen Dienstag, dem 11. Oktober, morgens in seinem Bett tot aufgesunden. Die Rachforschung nach der Todesursache ergab, daß Hennemeyer am Abend zuvor Konfekt gegessen halte, das mit Zyankali gefüllt war. Das Gift hat dann in der Rächt seinen Tod herbei- geführt. An dem Tage, an dem Hennemeyer tot auf- gefunden wurde, war eine Meineidsver- Handlung gegen politische Gegner des Toten vorgesehen. Der Ermordete sollte als Haupt» belastungszeuge auftreten. Unter der An- klage des Meineides stand ein ISjähriger Arbeiter, der bei einer früheren Verhandlung, um einen seiner Freunde herauszureißen, falsche Angaben gemacht hatte. Dieser Freund, der Bauarbeiter Alfred I o h st, hatte zu Beginn des Jahres den Wehrwolfmann Hennemeyer blutig geschlagen. In der Schöffengerichtsoerhandlung war Iohst zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden. Jetzt sollte durch das Meineidsverfahren die ganze An- gelegenheit noch einmal ausgerollt werden. Es tonnte genau festgestellt werden, daß der vergiftete Hennemeyer am Montag noch nach Chemnitz gefahren war. In einer Tasche seines Anzugs fand man auch noch eine Tüte mit so- genannten Hütchenpralinen. Mehrere Stücke des Konfektes waren kunstvoll mit Zyankali nach- gefüllt worden. Auf welche Weise es den poli- tischen Gegnern Hennemeyers gelang, ihm das mörderische Konfekt in die Hände zu spielen, ist noch Gegenstand der Untersuchung. Xodesfturz aus dem v-Zug Line unbekannte Tote Der rätselhafte Todessturz einer jungen Ber- liaerin aus dem D-Zug Berlin— Kassel ist noch nicht geklärt. Die Vermutung, daß die Tote die 10 Zahre alte Kontoristin Erna llhlenhop aus der hermannstrahe 221 in Reukölln sei, trifft nicht zu. Da» wädchen ist wohl- behalten bei seinen Eltern. Die Schuld in Gimmering keststellunsen des Parteivorstandes Eigener Bericht des„Vorwärts" Wien, 18. Oktober. Der Vorstand der österreichischen Sozialdemo- kratie hat zu dem blutigen Zwischenfall in Simme- ring am Montag einen Aufruf erlassen, in dem es u. a. heißt: „Die chakenkreuzler haben in Simmering einen Aufmarsch veranstaltet, bei dem es zu blutigen Zusammenstößen gekommen ist und Menschen- leben zu beklagen sind. Eine Gruppe von Ar- beitern ist mit Hakenkreuzlern in Konflikt geraten. Die Polizei suchte die Streitenden zu trennen. Von der Polizei verfolgt, liefen einige Arbeiter nach dem Arbeiterheim: die Nazis setzten nach. Da die Tore des Heims gesperrt waren, blieben die verfolgten Arbeiter vor dem Arbeiter- heim stehen und gerieten mit den Nazis in Kon- flikt. Dabei gaben die Nationalsozia- listen Schüsse auf das Arbeiterheim ab, deren Einschüsse man an der Mauer des heims feststellen kann. Die Schüsse der Nazis wurden von unseren Ge- nassen erwidert. Der Wachmann T l a s e k, der von einem Schuß getroffen und getötet wurde, ------ Das Landgericht I verurteilts die 26jährige Stepperin Trude B., die am 17. Juni in ihrer Wohnung in der Ackerstraße ihrem Mann, dem 2Sjährigen Kutscher Georg B., mit dem Küchen- messer tödliche Verletzungen beigebracht hat, wegen Körperverletzung mit Todeserfolg zu anderchalb Jahren Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte zwei Jahre Gefängnis beantragt. Drei Jahre Zusammenlebens mit dem Kutscher Georg B. genügten, um sein« über den Durch- schnitt intelligente und gut veranlagte Frau zur Totschlägerin an ihrem Manne werden zu lassen. Wenn diese Frau trotz des schlimmen Milieus. dem sie entstammte, und trotz der schweren Be- lastung, die der Vater ihr ins Leben mitgegeben, sich nicht schon früher an chrem Mann vergriffen hatte, so wohl deshalb, weil sie zu d e n Frauen gehörte, die sich nicht so sehr von dem Gefühl als von der Vernunft leiten lasten. Trudes Vater war chronischer Säufer, er mißhandelt« Frau und Kinder und vererbte seiner Tochter die Syphilis. Schon als kleines Mädchen machte sie eine Kur durch, während der Ehe eine zweite. Ihre Leistungen in der Schule waren gut, als Stepperin war sie geschickt und fleißig. Im Jahre 1S29 heiratete sie den Kutscher B., der gleich dem Vater ein Trinker war. Die jungen Eheleute wohnten bei den Eltern der Frau, die beiden Männer vertrugen sich aber nicht. Trude Zum Sonnabend Programm der Berti- ner Funk stunde schreibt uns ein Leser über die„StundederUnterhaltung:„Ludwig Trautmann rezitierte als erstes Gedicht „Sturm"; es stammt von dem bekannten jiddi- schen Dichter M o r r i s R o s e n f e l d. Es ist aus der Sammlung„Lieder des Ghettos" und handelt von den jüdischen Auswanderern, die von Amerika nicht hereingelasten werden und wieder in die schreckliche„Heimat", nach Ruhland, zurück- müsten, in die Progromzeit des Vorkriegsrußlands. In den Strophen kommt als ungleichmäßiger Re- frain der Vers:„Wir sind ja nur Juden, armselige Juden", oder„Bon Judenverfolgung und Juden- tod": in der letzten Strophe heißt es:„Wir sind verlorene, verlassene Juden". Nun sprach Herr Trautmann an solchen Stellen statt von Juden— von Russen oder Menschen. Das Gedicht hat durch diese gewaltsame Aenderung seinen ganzen Sinn verloren. Mit welchem Recht wagt es der Rund- funk, ein Gedicht zu verhunzen? Ein bezeichnendes Streiflicht für den jetzigen Kurs! Es läßt sich aus diesem Beispiel manches erraten und solgern, was ich gern Ihnen überlaste." Vielleicht findet der Schreiber des Briefes, ein Werkstudent, schon unsere Stellungnahme in dem Montag-Artikel„Rundfunk der Woche. Die Dik- tatur regiert!", in dem gerade auch von der Rund- sunkreinigung von Juden und Anti-Papenisten die Rede ist. Auch dem Rundfunk sind Zwickel not- verordnet, entsprechend der Aufmachung jener hochpatriotischen Kunst, die uns in den Jahren von 1914 bis 1918 mit„Haßgesängen" und zu be- nagelnden Helden segnete. Es ist infolgedessen eigentlich heute für jeden. der vor das Mikrophon treten will, jo leicht, den war der Simmeringer Arbeiterschaft als Pflicht- treuer Beamter und als Freund der Ar- b e i t e r s ch a f t bekannt. Die ganze Arbeiter- schaft wird es mit uns beklagen, daß er ein Opfer dieses Ereignisses geworden ist. So wenig Schuld aber den Toten trifft, so schwere Schuld lastet auf den leitenden Organen der Polizei. Sie haben wiederum einen völligen Mangel an Voraussicht bewiesen. Obwohl schon die Ereignisse des Gauparteitages der Hakenkrsuzler bewiesen hatten, daß die Nazis immer wieder zu den Heimen der Arbeiter vorzudringen suchten, um dadurch blutige Zusammenstöße zu prooo- zieren, hat die Polizei die Drischützgasse, in der sich das Heim der Simmeringer Arbeiter befindet, nicht abgeriegelt. Noch skandalöser war das Verhalten der Polizei nach dem blutigen Ereignis. Die Polizeiorgane, die eine Haus- suchung im Arbeiterheim vornahmen, haben bei dieser Amtshandlung die Schutzbündler in unmenschlicher Weise geschlagen und mißhandelt. Sie haben bei der Amtshand- lung ihren toten Kameraden dadurch zu rächen gesucht, daß sie das Mobiliar des heims vandalisch zerstörken. Bilder von den Wänden rissen, Büsten zer- zog mit ihrem Mann in die Ackerstraße. Hier begann ihr eigentliches Martyrium. Ständig litt die junge Frau unter der Brutali- tat ihres Mannes: er beschimpfte und mißhandelte sie und warf ihr die Geschlechtskrankheit vor, für die sie nichts konnte. Als sie sich von ihm scheiden lassen wollte, wollte er nicht. Da schaffte sie sich einen Freund an, um durch Ehebruch dem Mann einen Scheidungsgrund zu geben. Als der Mann am 17. Juni nach Hause kam, begann er Streit, schlug auf die bereits Ausge- kleidete mit den Fäusten, drückte sie mit den Hän- den am Halse, riß sie aus dem Bett, schleifte sie an den Haaren durch Stube und Küche und warf sie schließlich auf den Hof hinaus. Zwei Be- kannte kamen ihr zu Hilfe, schlugen das Fenster ein, um die Tür aufriegeln zu können und redeten dem Mann gut zu. Als dieser aber schrie: Die kann ruhig mit rausgehen, da lief die Frau in höchster Erregung in die Küche, holte das Küchenmesser und stach es dem Mann in die Brust. Dann nahm sie seinen Kopf in die Hand, kühlte ihn und rief wiederHoll,„oh weh, mein lieber Mann, mein lieber Orje". Als er später ins Krankenhaus transportiert wurde, sagte er: „Ich habe meine Strafe gekriegt, aber sie war zu grob." Am nächsten Tage starb er. Unter den Zeugen war niemand, der über die Frau ein schlechtes und über den Mann ein gutes Wort zu sagen gewußt hätte. Trude weinte aber im Gerichtssaal bittere Tränen. richtigen Ton zu treffen. Zwei Dutzend der in Herrn von Popens vielbändigen Reden erprobten Vokabeln, umrankt von Hitlers Zttat„Deutscher Rundfunk!" und Herrn von Schleichers Ab- rüftungswillen, dazu ein Titel, in dem möglichst die Adjektive„deutsch" und„national" gleichzeitig vertreten sind, und der Vortrag entspricht allen Wünschen der Rundfunkdiktatoren. Schwarz-weiß- rot",„Kornblumen, die an die Königin Louise er- innern",„an Ketten aufgehängt die Karten der geraubten Kolonialgebiete", besondere Erinnerung: eine Einweihung, an der Wilhelm II. teilnahm — zu wieoielen zeitgemäßen Rundfunkvorträgen können das die Stichworte sein! Diesmal hieß die entsprechende Sendung.chörbericht aus der technischen Hochschule in Danzig (Montag. D e u t s ch l a n d s e n d e r): sie füllte die günstigste Hörerzeit, abend von 7,20 bis 8 Uhr! Es muß dem Pfarrer Rodenberg-Eise- nach gedankt werden, daß er in seinem Vortrag „Not und Hilfe im Thüringer Wald" (Deutschlandsender, Sonntag) die reli- giösen Betrachtungen von den realistischen Schilde- rungen klar trennte. Man spürte aus diesem Vor- trag Wissen und Miterleben eines Menschen, der von einer Welt des Grauens kündete. 86 bis 96 Prozent Erwerbslose vegetieren in den Gemeinden. deren Bevölkerung einst von der Glasbläserei, Holz- und Spielzeugindustrie ihr kärgliches Dasein fristete! Seit Dezember 1931 ist die Zahl der Erwerbslosen hier auf das fünffache ange- stiegen, und sie wächst noch immer. Vierköpfigen Familien stehen Beträge von 25 M. im Monat zur Verfügung. Viele Gemeinden können die Unterstützungen nicht mehr zahlen.„Die Weltkrise mit ihrer willkürlichen Abschnürung der Absatz- lrümmerten, Uhren mit Füßen lralen, Gasöfen umrissen. Ein solches Vorgehen beamteter Organe bei einer Amtshandlung kann in einem zivilisierten Staat nicht geduldet werden. So unzweifelhaft die Schuld der Nazis und so schwer die Mitschuld der Polizei ist, so haben andererseits bei dem blutigen Ereignis auch Provokateure ihre Hand im Spiel gehabt. Schon vor den Zusammenstößen sind in der Drischützgasse Leute aufgetaucht, die die Bereit- schast des Schutzbundes alarmierten und einen Konflikt herbeizuführen suchten. Ob diese Provo- kateure Sendboten der Nazis gewesen sind, oder ob es unbesonnene Arbeiter waren, wissen wir nicht. Wer immer es gewesen ist, fest steht, daß das Verhallen einer Gruppe von Provokateuren dazu beigetragen hat, den blutigen Zusammenstoß herbeizuführen. Angesichts dieser Erfahrung hält es der Parteioorstand für unerläßlich, festzustellen, daß der Samps gegen den Faschismus nicht durch Raufereien und Schießereien Neiner Gruppen entschieden werden kann, die nutzlos schwere Opfer kosten, sondern nur im organisierten und disziplinierten Massenkamps siegreich geführt werden kann." gebiete" hat das Elend heraufbeschworen, sagte der Vorttagende, der seine Ausführungen nicht bester hätte einleiten können als mit dem Satz:„Es gibt Gebiete, denen keine der großen Rettungsattionen des Reiches Hilfe oder Rettung bringen tonnte". Iz. „Jenseits des Mississippi" Wunder der Technik Seit 26 Jahren beobachtet Oberingenieur D r e y e r Amerika und dreht werbende, technisch anerkennenswerte saubere Filme. Vom wahren Volksleben berichtet er nicht. Das Volk ist für chn Verkehrserscheinung oder Landschaftsstaffage, aber er erzählt von der Landwirtschast, der Architektur und der Technik. Diesmal kommen wir in alte Jndianerstaaten, doch bemerken wir von den Ureinwohnern kaum mehr etwas; denn der weiße Mann rottete sie aus und hält sie jetzt als Gefangene ohne Gitter in den ihnen zugewiesenen Gebieten. Aber der weiße Mann brachte auch die Technik ins Land. Wir sehen, wie Baumwolle maschinell gepflanzt, gepflegt, geerntet wird. Eine Maschine pflückt mühelos in zwei Stunden das gleiche Quan- tum, das 47 fleißige Arbeiter in 19 harten Arbeits- stunden schufen. Aber in den großen Hafenstädten liegen die Frachtdampfer hoch und die Schuppen sind bis unters Dach gefüllt mit Baumwolle, weil kein Mensch mehr kaufen kann. Und der Farmer, der früher 200 Dollar für den Ballen bekam, erhält jetzt noch 27. Man sieht, wie der Reisbau techni- siert wird. Die schwierig zu behandelnde Sumpf- pflanze Reis, die man in China und Indien qual- voll unter Einsetzung menschlicher Gesundheit be- treut, wird hier einfach durch maschinelle Einrich- tungen unter Wasser gesetzt. Die uralten Reisaus- fuhrländer, China und Indien jedoch, führen nun- mehr amerikanischen Reis ein. Wir sehen, wie dank künstticher Bewässerung Früchte reifen. In einem Lande, das noch vor kurzem Wüste war, leben Farmer. Man erstickt dort drüben im Ueberfluß. Und das ist die(vom Redner freilich nicht ausge- fprochene) furchtbare Anklage gegen das kapita- listische Wirtschaftssystem. Die angewandte Technik hätte die Erde zum Paradies umgestalten können, und sie hat sie zur Hölle gemacht. e. b. JoKn Ruskins Heirat Der Ausruf des Shakespeareschen Richard III.: „Ward je in solcher Laun' ein Weib gesreit!" kommt einem auf die Lippen, wenn man die Schiderung von der Heirat des großen englischen Sozialreformers und Kunstkritikers John R u s- tin liest, die Sir Henry Newbolt in seinem so- eben erschienenen Erinnerungsbuch„Meine Welt in meiner Zeit" gibt. Newbolt berichtet die Vor- gänge nach den Mitteilungen des Malers Holman Hunt, der bei der Hochzeit zugegen war. Ruskin wollte durchaus nicht heiraten, wurde aber durch seinen Dater gezwungen, die Tochter eines Ge- schäftsfreundes zu ehelichen. „Die Trauung fand im Wohnzimmer eines Landhause» in Schottland statt", schreibt Newbolt, „und das junge Paar fuhr dann in zwei Wagen fort. Im ersten Wagen nahmen die Neu- vermählten Platz, während im zweiten Ruskins Diener und die Zofe seiner Frau mit dem Ge- päck Unterkunft sanden. Als man eine kurze Strecke von dem Hause entfernt war, hielten beide Wagen auf einen Ruf des jungen Ehegatten. Ruskin stieg au» dem voranfahrenden Wagen aus und erklärte seiner Frau, er habe nun sein Ver- sprechen erfüllt und er gedenke keine weiteren Pflichten ihr gegenüber als seiner Ehefrau aus- zuüben. Er schickte ihre Zofe in den Vorderwagen, setzte sich selbst in den zweiten Wagen und fuhr mit seinem Diener weiter." Die beiden lebten nun eine beträchtliche Zeit unter demselben Dach, aber soweit wie möglich voneinander entfernt. Ruskin sah seine entzückende junge Frau fast nie und sprach mit ihr nur das Allernotwendigste. Es war ein Glück für die Dame, daß sie dieser Ver- urteilung auf Lebenszeit entging, indem der ritterliche Maler John Everett Millais sie ent- führte. Die Ehe wurde dann für ungültig er- klärt, und dies war dadurch möglich, daß Ruskin keine Scheidungsklage einreichte und jede Zeugnis- aussage verweigerte. Hauptmannkeier in Prag Im Prager Deutschen Theater fand am Abend des 17. Oktober eine weihevolle Gerhart- Hauptmann-Feier statt. Aus den zahlreichen An- sprachen ist die Rede des sudetendeutschen Mini- sters Dr. Spina hervorzuheben, der darauf hin- wies, daß Gerhart Hauptmann als Schlesier, einem der vier deutschen Stämme, die in der Tschechoslowakei siedeln, ganz besonders blutsnahe ist. Die Sudetendeutschen, die größte deutsche Minderheit Europas, fühlen sich aber dem großen Sohn Schlesiens nicht nur mit stammesmäßigem Stolz verbunden, sondern sie bekennen sich auch überzeugt und rückhaltlos zu dem Dichter Gerhart Hauptmann, kämpfen und leiden um einer besseren Zukunft willen, das sagt uns Gerhart Hauptmann, das sagen wir Deutschen durch Gerhart Haupt- mann der Welt. Hauptmann erwiderte mit herz- lichen Dankesworten. Die Welt, sagte er, wird nicht alt, weil es ein Mensch geworden ist. Im Abendlicht meines Seins rufe ich Ihnen, ja der ganzen Menschheit zu: Schreitet fort, schreitet fort im Zeillichen wie im Ewigen! An der Feier nahm auch der zweite sudeten- deutsche Minister Dr. Czech, weiter Vertreter der Prager Behörden, der deutsche und österreichische Prager Gesandte sowie Vertreter aller politischen und kulturellen deutschen Verbände Prags teil. Am Vormittag des 18. Oktober nimmt Gerhart Hauptmann an der Grundsteinlegung des neuen Prager Urania-Hauses teil. Am Nachmittag wird er Präsident Masaryk auf Schloß Lana besuchen, und am Abend findet eine Feier im Deutschen Hause in Prag stall, an der auch Bürgermeister einer Reihe von deutschen Städten der Tschecho- slowakei teilnehmen werden. Theaterskandal in Stockholm Ein für Skandinavien beispielloser Theater- skandal hat sich im„Dramatischen Theater" in Stockholm ereignet. Das Theater brachte ein In Amerika mit großem Erfolg gespieltes Negerstück. Die ebenso bedeutungslose wie skondallustig« schwedische Nazigruppe benutzte die Gelegenheit, um sich als Retter Schwedens auszuspielen. Man postierte Krachabteilungen ganz nach bekanntem Muster und begann die Bühne selbst mit Steinen zu bombardieren. Fünf Schauspieler wurden ver- letzt, eine Statistin mußte ins Krankenhaus ge- bracht werden. Dazu schrien die Standalmacher: „Schweden erwache!" Aber das schwedische Publi- kum hat auf diesen Skandal sehr richtig reagiert. Von allen Seiten und allen Richtungen wird gesagt, daß die Lausbuben sich nicht einbilden sollen, im toleranten und liberalen Schweden„mittel- europäische Sitten" einführen zu können. Man werde sie zur Raison bringen. Die Bestallung unseres Genossen Dr. Konrad Schmidt findet am Mittwoch, 1 Uhr mittags, im Krematorium Gerichtsstraße statt. DouneritagSführungen in den Staatliche« Museen. Seit langem ist aus den Kreisen der regelmäßigen Be- sucher der Staatlichen Museen der Wunsch nach all- gemein orientierenden Führungen durch die Samm- lungen geäußert worden. Deshalb veranstalten die freiwilligen wissenschaftlichen Hilfsarbeiter der Museen jeden Donnerstag Führungen durch die Museen. An diesen Führungen häben vom April an.bis jetzt etwa 1250 Personen teilgenommen. Es finden jeden Don- nerstag drei Führungen statt, zwei von 11 bis 12 Uhr in verschiedenen Abteilungen, eine von 12 bis 1 Uhr regelmäßig im Peraamon-Muscum. Ter Teilnehmer- beitrag bettägt 25 Pf. H-udelshochschule Berlin. Der bisherige Rektor der Handelshochschule Professor M. I. B o n n ist auch für die nächste Rektoratsperiode wiedergewählt worden. Ter MZnnerchor Fichte-Aeorginla 1873 gibt Sonn- tag, 28. Oktober, 8 Uhr, unter Leitung seines Diri- acnlen, Musikdirktor Wilhelm Knöchel, im Saal der Hochschule für Musik ein Konzert. Mitwirkende sind: Li» Beck-Stnttgart(AU), I. M. Hauschild(Bariton) und Albert Stcfsahn(Rezitation). Abendvorträge im Pergamon-Museum. Am ersten und dritten Mittwoch der Wintermonat« halten die Kustoden der Antikenabteilung Lichtbildervorträge mit Besichti- gung des Pergamon-Museums. Am IL. Oktober spricht Professor Reugebauer über die Akropolis von Athen. Beginn 8 Uhr. Eintritt 80 Ps. Eingang hinter der Nationalgalerie. Dir Singakademie bringt in ihrem 1. Abonnements- konzert unter Georg Schumann Donnerstag in der Philharmonie Schumanns„Paradies und P e r i" und zum ersten Male„H v m n u»" von Heinz Schubert. Die Große Berliner Kunstausstellung im Schloß Bellevue wird ani Sonntag, dem 23. Oktober, nach- mittags 5 Uhr, geschlossen. „Eine von uns", mit Brigitte Helm in der Haupt- roll«, nach dem Roman von Irmgard Keun„Gilgi, eine von uns" gelangt Donnerstag im Eapitol am Zoo zur Berliner Uraufführung. Vom Leben betrogen Ds» Martyrium einer Unglücklichen Rezepte für Rundfunkredner Juden unerwünscht Katastrophe verhütet Lastauto gegen Straßenbahn Im Osten Berlins, auf der Warschauer Brücke, ereignete sich gestern ein Unfall, der um ein Haar zu einer Katastrophe hatte führen können. Auf dem schlüpfrigen Pflaster geriet ein L a st- a u t o mit Anhänger ins Schleudern und prallte mit großer Wucht gegen eine,, in gleicher Richtung fahrenden Arbeitswagen der Straßenbahn. Der Anprall erfolgte mit so ungeheurer Wucht, daß die Straßenbahn aus den Schienen geschleudert wurde und über den Bürger- steig gegen die Pfeiler und Brückengeländer rollte. Es erfolgte ein mächtiger Krach und einen Augenblick schien es den entsetzten Straßen- Passanten, als ob der Straßenbahnwagen auf die etwa 12 Meter tiefer liegenden Stadtbahngleise hinabstürzen würde. Die Pfeiler wurden zwar schwer beschädigt, waren aber noch stark genug, um den Straßenbahnwagen zu halten und vor den Ab- stürz zu bewahren. Die Schreckensszene, bei der wie durch ein Wunder niemand zu Schaden gekom- men ist, hatte in der verkehrsreichen Gegend im Augenblick eine ungeheure Zuschauer- menge angelockt. Durch den Unglücksfall wurde der Straßenbahnverkehr nahezu 40 Minuten lang gestört. Terroristen verhaftet Zahlreiche SA,-Leutc in Schlesien in Haft Eigener Beriet des„Vorwärts" Breslau, 18. Oktober. Im Laufe des Montag wurden in Görlitz etwa 15 bis 18 Angehörige der SA. und S S. aus bisher noch nicht zuverlässig bekannten Gründen festgenommen. Da angeblich Verdunkelungsgefahr besteht, lehnt die Görlitzer Ober- staatsanwaltschaft vorderhand Auskünfte über die Verhaftungen ab. Wie hierzu gerüchtweise verlautet, stehen die plötzlich erfolgten Festnahmen im Zusammenhang mit den immer noch nicht abgeschlossenen Ermitt- langen in Sachen des H a n d g r a n a t e n ü b e r- s a l l e s, der Mitte August in Reichenbach auf den sozialdemokratischen Redakteur Paeschke ver- übt wurde. Es soll gelungen sein, einer nationalsoziali st ischen Terror- g r u p p p e auf die Spur zu kommen, von der nicht nur das Attentat auf den Genossen Paeschke, sondern fast sämtliche anderen Feuerüberfälle und Gewaltakte der Hakenkreuzler im Bezirk Liegnitz und Breslau ausgeführt wurden. wie es heißt, sollen mehrere prominente Mitglieder des schlefi- f ch e n Adels und Großgrundbesitzes in diese Angelegenheit verwickelt sein. Außerordentlich schwer belastendes Material soll, so hört man, u. a. auch gegen den Gauführer der schlesischen SA., dem berüchtigten Fememörder Heines, vorliegen. Es dürste also damit zu rechnen sein, daß hier außerordentlich interessante poli- tische Zusammenhäng« aufgedeckt werden. Außer in Görlitz wurden, so teilt die Breslauer Iustizpressestelle mit, am Montag auch in anderen Orten Schlesiens zahlreiche SA.-Leute. verhaftet, die unter dem Verdacht stehen, an den Terrorakten und Ueberfällen im August d. I. beteiligt gewesen zu sein. Die damals in den mittelschlesischen Kreisen erfolgten Gewaltakte, u a. der Ueberfall auf den Genossen Paeschke, sowie auf den SAP.-Führer Dr. E ck st e i n in Breslau sind fast restlos ge- klärt. Drei unter dem Verdacht der Mittäterschaft an dem Eckstein-Attentat verhastete Nationalsozia- listen konnten wieder entlassen werden. Wetter für Berlin: Veränderlich und etwas kühleres Wetter. Nur vereinzelt Schauer: wieder abnehmende Winde.— Für Deutschland: Ueberall unbeständig, besonders im Norden noch einzelne Schauer. Nachts sehr kühl. Kommunisten festgenommen �Vegen angeblichen Hochverrats In den Abendstunden des Sonnabends wurde in einem Restaurant in der W a l l st r a ß e in C h a r- lottenburg, wie erst jetzt bekannt wird, eine überraschende Durchsuchung durch Beamte der Politischen Polizei vorgenommen. Von den an- wesenden, fast ausnahmslos kommunistischen Gästen wurden 22 Personen festgenom- men, bei denen zum Teil Papiere gefunden wur- den, die angeblich den Beweis erbringen sollen, daß der verbotene RFB. illegal fortbesteht. Im Anschluß an diese Festnahme wurden in den Woh- nungen der Betreffenden Haussuchungen vor- genommen. Hierbei ist der Polizei, nach ihren An- gaben, Schriften- und Korrespondenzmaterial hoch- verräterischen Inhalts in die Hände gefallen. 18 Festgenommene sind schon gestern dem Ver- nehmungsrichter im Polizeipräsidium vorgeführt worden. Das beschlagnahmte Material ist bereits weitergeleitet worden. Die letzten Zeugen einer Tragödie Beim Portland-Leuchtturm im Staate Maine lief ein Schoner im Sturm auf die Felsen auf. Die gesamte Besatzung kam ums Leben. Rundfunk am Abend Dienstag, 18, Oktober Berlin:(6.05 Sireifziige durch die Insel Formosa(Dr. 5V. Beyer). 16.30 Franz Liszt. 16.33 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 17.00 Mann und Frau— ihr seelischer Grundunter- �chied(Univ.-Prof. Dr. Mathilde Vaerting). 17.30 Dr. Ueberall erzählt. 17.50 Bücherstnnde. 18.20 Auskehr des Liberalismus?(IV. Herrmann). 18.40 Orchesterkonzert. 18.53 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Orchesterkonzert. 20.00 Funk-Kalender; Oktober. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Streichquartette. 22.13 Wetter-, Tagesund Sportnachrichten. Anschließend: Bericht vom Schwergewichtsboxkampf W. Neusei— L. Gains. Königs Wusterhausen: 16.30 Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30 Tier und Umwelt(Prof. Just). 18.00 Heutige Musikpädagogik. 18.30 Volkswirtschuftsfunk(Geb. Reg.-Rat Demuth). 18.35 Wetterbericht. 19.00 Wege zur alkoholfreien Jugenderziehung (Ob.-Stud.-Dir. E. Merbitz). 19.30 Zeitdienst. 22.00 Aus Leipzig:„Der Intendant in der Klemme" von D. Cimarosa. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Aus Flensburg; Nordmark-Konzert. Sonst; Berliner Programm. Hierzu 1 Beilage. Der nii vorn Iwherer Wort von bis 17WM Lepire; Lolales und Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Äblshnung nicht genehmer Anzeigen vor./ Verantwortlich für Politik: Richard Schwarg; Wirtschaft: G. äliagelhöser; Gewertschastsbewegung: I. Steiner! Feuilleton: Herbert und Sonstiges: Zrig Karstadt: Anzeigen: Otto Hengst;'sämtlich in Berlin. I Verlag: Vorwärts. Verlag(S. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts.Buchdruckerei und Verlagsanstall Paul Singer u. Co.. Berlin SW. SS. Lindenstr. 3. Zustellung ins Haus> Liefeiung wegen jedes weitere wochentäglich für die Zeit vom 18. Okt. bis 20. Okt. Primus-Palast Polsdamer Straße 19. Theodor Körner in. W. l>om- sraf'Faßbaender, i>. Wieck, lv. Arna, S. Lohde. Jugdl. Zutr. \V. 5.15, 7.15, 9.15 Uhr Potsdamer Straße 38 Die Herrin von Atlantis mit Brijf. Helm. 1«. Diessl, Heinx A. K lingsenberic W. 5, 7, 9 Uhr Odeon,PotsdamerStr.75 Moderne Mitgift niH Martha Kjfjferth, Leo Slezak W. 5, 7. 9 Uhr Turmstraße 12 Die Zwei vom Südexpreß mü Tr. Derliner— Ikarus Gunth. Plüschows Fliegerschicksal \V. 5, 7, 9 Uhr Alexanderstraße 39-40 (Passage) Sehnsucht 202 mit H. Sehnet- der, F. Schulz— Der große Trick mit Hans Jloser Den ganzen Tag geöffnet Alhambra Müllerslr. 136, Ecke Seeslraße. ütlata Hart mit Greta Garbo. Hanion Aovarro W. 5, 7, 9 Uhr German ia-Pa last Charl., Wilmersdorfer Str. 53/54 Schön war's doch mit Fritz Servos— Ballhaus goldener W. 5. 7. 9 Uhr Kant-Lichtspiele Charl., Kantstr. 54. Hato. Hart mit Greta Garbo, Bamon Aovarro W. 5, 7, 9 Uhr. Franziskaner EG.eFHedHch$Btr. Um 9, 12. 3, 6, 9 Uhr beginnend: \achtkolonnc mit O.Homolka. O.Tscherhowa u.a. Um 10.30, 1.30, 4.30, 7.30. 10.30 Uhr beginnend: Die gsrausame Freundin mit Anny Ondra Emelka- Wochenschau Die Kamera Unter den Linden 14 3, 5, 7. 0 Uhr Ks lebe die Freiheit m. K. Flair Dienst., 3Vi Uhr; Sonderveranst. Blinden- und Taubslummenfilme Kolonnaden-Kino r�kTno Leipziger Sir. 58 Ab 9 Uhr vorm. Die Zwei vom Südexpreß mit Tr. Berliner, W ernicke. Busch. Westermeier. II. Hardt u. a. Fox tönende Wochenschau— Tonnimbeiprogram m > Moabit B Wochent. ab 6 Uhr ciriuSllOf Sonntags ab 5 Uhr Perleberger Str. 29. Tonoperett�: Das �lädel vom Hontparnasse m. Fr. Sc hu Ix.— Tonbpr.— Tonw. Schlüter- Theater 5."Ju. - Schlölerslr. 17 Slg. 3 Uhr: Jugd.-V. Schuß im Horgsi'iigrauen mit C. Diehl— Der falsche Tenor mit Franx Baumann Wochent. 7, QU ü. Slg. 6, 7. 9�4 ü. Kaiserallee. Ecke Berliner Straße Uraufführung; Bunbury(Liebe, Scherz u. Ernst) mit Charl. Ander, Alexander, Adele Sundrock. Harald Paulsen— Tonbeipr. 7� /* Beginn lägl. 5, 7, 0 Uhr Stg. 3, Uhr Jugendvorst. i Potsdamer Str. 56. Straßen d. Weltstadt mit Sylvia Sldney, Gary Cooper— Beipr. ■ St. gilt« a Titania-Palast sTÄm.9ü. Steglitz. Schloßstr 5. EckcGutsmuthsstr. Zweite Woche: Der träumende �fond mit. E. Bergsner, Forster. — Tonfilmbeiprogramm Atrium Friedenau Kronen-Lichtspiele Bheinstraße 65. Beginn: 7, 9 Uhr. Sbd., Stg. 5, 7. 9 Uhr Lied einer Xacht mit �lagda Schneider, Jan Kiepura.— Bciprogr.— Jugendliche Zutritt Rheinschloß-Lichtspiele Rheinslr. 60. W. 5, 7, 9, So. ab 3 Uhr Nur 3 Tage! Jlutter. der gewaltige Erfolg— Beipr.— Jugendl. Zutritt Schöneberg Alhambra Variete Tonfilm Hauptstraße 30. Jugendl, Zutritt. Tannenberg— Ab Mittwoch: Die Tänz.erin von Sanssouci mit Otto Gebühr Titania Schöneberg Wb's Hauptslr. 49. Tonluslspiel Kiki mit Anny Ondra. Herrn. Thimig.— Tonbeiprogramm. — Tonwoche c Südwesten Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1. W. ab 5.30, S. ab 3.30 2 Großtonfilme: Sehnsucht 202 mit Schulz. Ml. Schneider— Xacht d. Versuchung mit W Fütterer Vtirfür** w- 7' 9' Sbd- Sl8- � 7' 9 nUTTUTSl Stg. 3 Uhr: Jgd.-Vorsl. Dorfstraße 22. Ecke Berliner Straße Die oder keine mit Gitta Alpar, JI. Hansen— Tonbeiprogramm Tivoli Täglich: 5, 7. 9 Uhr Sonnt.: 3, 5, 7, 9 Uhr Berliner Straße 97. 8 Mädel» im Boot mit Karin Hardt, Theod. Loos— Tonbpr Neukölln Excelsior Wochentags ab 6�2 Sonntags ab 4 Uhr Kaiser-Friedrich-Straße 191 Ich will nicht wissen wer du bist mit Liane Haid, Gustav Fröhlich Wochentags ab 6% iiURUR Sonntags ab 4 Uhr Koltbusser Damm 92 Die Tänzerin von Sanssouci mit O. Gebühr, Lil Dagover.— Tonbeiprogr-— Jugendl. Zutritt /Lf-/?>Iariendorfer W 7. 9. fld'ijl Tonlichtspiele S. 5. 7. 9 Chausseestr. 305 Tonoperette: Kiki mit A. Ondra, H. Thimig— Gut. Tonbeipr«? Mercedes-Palast u Hermannstr. 212. 2 Großtonfilme: Wata Hari mit Greta Garbo.— Autobanditen. — Tonbeiprogramm Primas-Palast W. 6. 8.30 U. Stg. ab 3 U. Am Hermannplalz. Urbanstr 72/76. .llata Hari mit Greta Garbo.— Autobanditen.— Tonbeiprogramm Stern, Hermannstraße 49 Wochentags ab 6l j Sonntags ab 4 Uhr Die oder keine mit Gitta Alpar. Itlax Hansen— Tonbeiprogr. Jugendliche haben Zutritt Deutsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68 Woch. 5, 6.30, 7.30. 9 Uhr Sehnsucht 202 mit Fr. Schulz — Hinter Schloß und Riegel mit Dick u. Dof Filmeck W, ab 6� U. Slg. ab 3 U. Am Görlitzer Bahnhof 8 Rädels im Boot Die Haupldarstellcrinnen heute persönlich anwesend. Große Bühnenschau Luisen-Theater stga abl u": Reichen berger Str 34 Sehnsucht 202 mit �tagda Schneider. Fr. Schulz Ferner; Die 1 vom Bob 13 mit Gratl Thetmer» W Fütterer Stella-Palast Sonnt, ab 3 Uhr Köpenicker Straße 12—14 Hata Hari ein Tonfilm in deutscher Sprache mit Greta Garbo Raraon Novarro Große Bühnenschau W Treptow W T repto w-Sternwa rte Donnerstag 8. Sonnabend 8. Sonntag 4. 6, 8 Uhr: Das blaue Licht mit Leni Riefenstahl. Film. W Osten"b Germania-Palast s Tbft Frankfurter Allee 314 !tfagda Schneider, Fr. Schulz in der lustigen Tonoperette: Sehnsucht 202 Ab Freitag: Wata Hari mit Greta Garbo Zwei große Variete- Attraktionen Dr. Knauer dirigiert sein Orchester W ad 6.30 Uhr Volh-Kino Königstadt Luna-Palast aUlL Gr. Frankfurter Str. 121. Ton woche 8 Mädel» im Boot mit Karin Haardt.— Unheimliche Geschichten mit W egener Schwarzer Adler Ju""1» W 5. 7. 9 Uhr. S. 3. 5. 7. 9 Uhr Schuß im Morgengrauen— Der falsche Tenor mit Franz Baumann— Bühnenschau Viktoria- Theater 2� Frankfurter Allee 48 Verlängern Die Tänzerin von Sanssouci mit Otto Gebühr. Lil Dagover. Beiprogramm.— Jugendl. Zutritt > Nordosten „Elysiam" Äu" W. 5.15, 6.30, 9.1.5. S. 3. 4.30, 7, 9.15 Verlängert! Kiki mit Ann,- Ondra. Herrn. Thimig.— Kasernenhot und Bleehmusik Flo ra-Lichtspiele ÄTT Tägl. �46, 7,%9, Sonnt, ab 3 Uhr _ Verlängert! Kiki mit A. Ondra.— Ikarus, Gunther Plüsch ows Fliegerschicksal Schönhauser Allee 10. W. 5, 7. 9. Stg. 2% U.: Jugend-Vorst. Das schöne Abenteuer mit K. v.\agy.— Bühne: Orch. 25 Pers. W Neu-Llchtenbcrg M Kosmos-Lichtspiele l�f,« Ü Lückstr. 70. Stg. 2?4 Uhr: Jug.-Vorst. Kriminallonfilm: Teilnehmer antworte! nicht— Bühne: G. E. Schmidt: Humor und 1 Flügel Kino Busch l cUr Alt-Friedrichsfclde 3. Vater geht auf Reisen mit Erika Gläßner. K. Vevpermann Marco, d. Clown m. Samborski — Tonbeiprogramm W Pankow*b Palast-Theater Breite Str. 21a. W. 7, 8.30 Uhr Die Herrin>on Atlantis mit Brigitte Helm— Autobanditen TV#»/*/# Wochentags 6.30, 9 Uhr i IVO II Sbd., Sonnt. 5. 7. 9 Uhr Berliner Str. 27. 2 Großtonfilme: Unheimliche Geschichten mit Wegen er— Hirsekorn greift ein mit Bressart ■ Tegel_ P Filmpalast Tegel sü. Vi u! Bahnhofslr. 2. Slg. 2 Uhr: Jug.-V. Die grausame Freundin mit A. Ondra— Fliehende Schatten mit Ernst Udet Kosmos uüh'r Film Wo. ab 6 Uhr S. 4H. 6%. 8% Hauptstr. 6. Großes Tonluslspiel: Drei von der Kavallerie mit Hörbiger, Kam- per», Heidemann.— Tonbeipr. Union-Theater s.0C4hi: 6h.I% Hauptstr. 3. Sla. 2 Uhr: Jug. Vorst. Trilnebmer antworte» nicht mit Dor. Wieck,(iriindgens—. Autoband iten W HennigtdorU"� Fi Im n/i Ist ef Be? W 6, 8.30 Uhr rumpaiasi � tv.. en. u. Berliner Sir 59 G-roßtonfüm: Hacher de» Tong mit Loretta Vounjr— Gr. Tenhei. Programm— Tonwocha BEILAGE DIENSTAG, 18. OKT. 1932 Czzze von uns? Wiv dishulieven iibei? Qilgi Ah der„Vorwärts" im Anschluß an den Roman„Gilgi, eine von uns" ein Preisausschreiben ankündigte, fragte er: ,J st Gilgi eine von uns? Gilgi, das Mädchen, das entdeckt, daß sie die Tochter einer sehr verwöhnten und kaltherzigen Dame ist und daß nur durch eine sehr abenteuerliche Schiebung Kleinbürger ihre Pflegeeltern geworden sind! Ist dieses Mädchen Gilgi eine von uns, das Arbeit und Zukunft wegwirft, um mit einem Manne zusammenzuleben, der seine Sadie letzten Endes nur auf sidi gestellt hat? Ist sie eine von uns, wenn sie zurückfindet in die Armee der Werktätigen, als sie sidi Mutter fühlt und ahnt, daß sie ihre Pflichten als Mutter an der Seite des von ihr geliebten Mannes nicht erfüllen können wird?" Er sagte weiter:„Die Abonnenten des .Vorwärts' sollen das entscheiden. Sie sollen es in aktiver Mitarbeit entscheiden." 'Zahlreiche Zuschriften beweisen, daß die Aufforderung auf fruchtbaren Boden gefallen und riditig verstanden worden ist. An der Haltung Gilgis, an der Hallung des Romans wird heftige, zum Teil leidenschaftliche Kritik geübt. So wird der Roman einer jungen Autorin, deren soziale Blickrichtung nodi nidü ganz sidier ist, zum Erzieher: er fordert zur Kritik heraus, er veranlaßt, ein Problem, das uns alle angeht, zu durchdenken, und wirkt so schöpferisch. Aber diese schöpferische Kritik soll nicht die Angelegenheit des einzelnen bleiben. Sie soll die Oeffentlichkeit beschäftigen, sie soll an die Autorin herangetragen werden Jind so ein Bindeglied zwischen Künstler und Publikum schaffen, wie es— trotz aller Barone und aller Kulturreaktion— einem demokratischen Zeitalter angemessen ist. Sie soll jenes enge Verhältnis zwischen Künstler und Publikum schlaffen helfen, wie die proletarischen, die sozialistischen Kullurbestrcbungen es vorbereiten. Der„Vorwärts" beginnt deshalb mit der Veröffentlichung der interessantesten Zuschriften in der Hoffnung, daß sie auch manchem, der sich an dem Preisausschreiben zu beteiligen wünscht, wichtige Fingerzeige geben. 99 ICeizie vcm«fesi JWillicneM... ** Sie ist ein tapferes Mädchen, diese Heldin Gisela, genannt Gilgi, die uns Irmgard Keun in ihrem so erfolgreichen und nun auch im„Vor- wärts" abgedruckten Roman vorführt, strebsam und hilssbereit, die ihren Beruf liebt und ent- schlössen ist, ihr Leben nach ihrem Sinn zu ge- stalten und sich im Kampf ums Dasein zu be- hauptem Sie weih auch von den Millionen, die wie sie kämpfen und gleich ihr den Willen haben, „es zu schaffen". Sie ist auch gar nicht bedrückt, als sie erfährt, daß sie nicht den kleinbürgerlich und behaglich lebenden Krons ihr Dasein verdankt, sondern angeblich das uneheliche Kind einer kleinen Näherin ist; sie ist im Gegenteil sroh, daß sie von Proletariern abstammt,„denn sie hat nie Wert darauf gelegt, zur bürgerlichen Gesellschaft zu gehören". Leute, die nichts tun, die albern und verschlafen durch die Tage trotten, kann Gilgi, die so nüchtern ihrem Erwerb nachgeht, nicht leiden, sie findet„dieses faule Pack ausreizend zum Klassenhaß". Wer solche Anschauungen äußert, der müßte doch zu uns gehören, auch wenn er in seinem täglichen Leben noch soviel bürgerlicher Gewohn- heiten huldigt, wie das Gilgi immerhin tut. Ja, er müßte zu uns gehören, wenn diese Anschau- ungen tief gingen und nicht nur Tünche wären wie Schminke und Lippenstift, die Gilgi gebraucht. Gilgi weiß nichts davon, daß Anschauungen auch verpflichten. Wäre Gilgi eine von uns und würden diese Bekenntnisse ihr wahres Wesen widerspiegeln, dann müßte sie doch den Weg sin- den zu ihren Schicksalsgefährten und sich einreihen in den Kampf, den Millionen gegen eine unge- rechte Ordnung führen. Trotz der schönen Worte ahnt Gilgi nichts von den ernsten und großen Problemen, die unsere Zeit erschüttern, selbst die Probleme ihrer engeren' Berufsangehörigen bleiben ihr fremd, weil sie in Wirklichkeit immer n u r s i ch s e l b st sieht und nichts als sich selbst. Die Begegnung mit der älteren Angestellten, die sich vergeblich nach Arbeit umtut und selbst die Hoffnungslosigkeit ihrer Bemühungen erkennt, ruft zwar ihr Mitleid wach, aber sie findet sich inner- lich damit ab, weil sip ja doch nichts ändern kann. Um den sozialen Kampf braucht sich Gilgi ja nicht zu kümmern, denn sie selbst will aufsteigen, mögen die anderen sehen, wo sie bleiben. Sie selbst ist ja so tapfer: Aber wo bleibt diese Tapferkeit, die wir so bewunderten, als der„wirk- lich" Geliebte in ihr Leben tritt? Da wird Gilgi, das moderne Mädchen, das bisher einer etwas naiven Vorstellung von freier Liebe huldigte und sie kühl und sachlich behandelte, von den gleichen Gefühlen hin und her gezerrt wie das Bürger- mädchen von ehedem. Beruf und Zukunft sind plötzlich Nebensache geworden, verschwinden im Nebel romantischer Gefühle, und das sachliche Büromädel Gilgi kann ebenso schwänzen und glücklich-unglllcklich lieben wie das Bllrgermädchen in den Unterhaltungsromanen von gestern. Und das ist Gilgi in der Tat: die Heldin eines Unterhaltungsromans für junge Mädchen. Schau- platz und Gewand haben sich geändert, weil seit K r a k a u e r s soziologischen Untersuchungen über die Angestellten diese Schicht zu einem geliebten Romanthema geworden ist, aber das Spiel ist geblieben, geblieben ist die Unwahrhastigkeit der Gefühle und der Mangel an seelischem Gehalt. Daran ändert auch der Schluß nicht viel, der vielleicht nach Meinung der Verfasserin den Aus- blick zeigen soll, daß Gilgi doch noch den Weg zu den Ihren findet,' weil sie sich von dem Freunde, von dem sie ein Kind erwartet, loslöst und fern von ihm wieder zu ihrer Arbeit zurückjinden will. Dieser Ausblick ist sehr schön— ein modernes anders sehen, als Irmgard Keun sie uns zeigen will. Für uns ist Gilgi keine von uns, keine von den Millionen, die tapfer kämpfen für den Aufstieg ihrer Klasse und sllr den Ausbau einer neuen Gesellschaft. tlarma Hertz. Einzelfall.. 99 Wer ist Gilgi? Ist sie wirklich„eine von uns", ein Mensch der unmittelbaren Gegenwart, eine der unzähligen berufstätigen jungen Frauen und Müschen der heutigen Zeit? Meiner Auffassung nach wird man die Frage bejahen müssen, ohne daß damit gesagt sein soll, alle weiblichen Angestellten, geschweige denn alle berufstätigen weiblichen Jugendlichen der Gegenwart seien wie Gilgi. Was ist typisch an Gilgis Schicksal, an ihrer Einstellung zum Leben? Sie teilt das Schicksal unzähliger junger Mädchen, die aus ähnlichen häuslichen Verhältnissen stammen und ähnliche Gegebenheiten der Berufs- ausiibung vorfinden. Das häusliche Mi- l i e u, in dem Gilgi aufgewachsen ist: Eine der vielen Durchschnitteehen, die nichts sind als Ge- wohnheit, eine der vielen Familien, die ihren Kindern weder geistige noch seelischA Kraftquellen erschließen können. Ein Milieu, das weder bür- gerlich noch proletarisch, sondern ein Mischmasch aus beiden Welten ist. B ü r g e r l i ch k e i t, das hat in dieser Häuslichkeit wie in Gilgis Wesen allerdings nicht mehr das geringste mit der in der Aufklärung und im Weltbürgertum ver- wurzelten bürgerlichen Kultur des 18. und 111. Jahrhunderts zu tun, sondern sie ist nichts als ein wenig äußerliche Behaglichkeit, etwas Spießbürgertum ohne jede Geistigkeit, ein bißchen Moralität, die in der Luft hängt uns deshalb von Gilgi so wenig ernst genommen wird, wie von vielen Jugendlichen der Gegenwart. Kein Wun- der, daß Gilgi die Familie, in der sie weder seelisch noch geistig verankert ist, nichts be- deutet, daß sie ihr entflieht. Auch Sief« Ein- ftellung zur Familie ist typisch für viele junge Menschen der Gegenwart. Aber die prole- tarischen Züge dieses Milieus sind unecht, ver- waschen. Nirgends ein Funke von Klassenbewußt- sein! Vorbild der Lebensführung ist vielmehr— auch für Gilgi— das, was man vom Bürger- tum erhaschen kann, ohne sich geistig anstrengen zu müssen, das Aeußerliche, in die Augen Springende: Firlefanz, Sekt, Toiletten, das Auto. Gilgi selbst hat zwar Ansätze von Solidaritäts- gefühl, aber sie entspringen nicht etwa der klaren Erkenntnis politischer und wirtschaftlicher Ge- gebenheiten, sondern ihrem mitleidigen Herzen, ihrer Hilfsbereitschaft, sind also durchaus indi- viduell begründet. So macht sich diese junge, nirgends verwurzelte, haltlose Gilgi auf ihren Lebensweg. Nach ser Schulentlassung wird sie, wie Millionen andere, ins Erwerbsleben gestoßen, in mechanische, öde Arbeit. Ihre KirtMichkeit hatte niemals Zeit und Ruhe, wirklich auszuschwingen. Wo bleiben alle schöpferischen Kräfte, wo bleibt geistige und see- tische Vertiefung, wo ist Freude an den Dingen, an der Natur? Nichts oder sehr wenig ist vor- Händen. Das bißchen Sport und G y m- n a st i k muß der Großstädterin die Weite der großen Natur ersetzen, weder die Musik noch geistige Tätigkeit in irgendeiner vertieften Form wird in dieses enge Leben aufgenommen. Das Lernen fremder Sprachen, das Gilgi aufnimmt. steht einzig und allein unter dem Gesichtspunkt des Zweckmäßigen(„was nützt mir das für mein Fortkommen?"), keineswegs ober der Freude an geistiger Tätigkeit. Gilgi selbst spürt diese Enge, die teilweise in ihr selbst begründet liegt und so sucht sie den Gegenpol: Olga, die Freundin, kommt aus der künstlerischen Atmo- sphärc, ebenso wie Martin. Hier schlägt Gilgi Wurzel, muß sie Wurzel schlagen, ob sie will oder nicht, denn hier rundet sich oer Kreis. Auch die sehr frühen erotischen und sexuellen Bindungen Gilgis und selbst das Erlebnis mit Martin— auch dies alles typisch für viele In- gendliche— sind in dieser häuslichen Atmosphäre, in der Art des Berufslebens und in dem Mangel an tieferen geistigen Interessen irgendeiner Art begründet. Die Beziehung mit dem anderen Ge- schlecht muß alle negativen Seiten dieses unaus- gefüllten, nicht nur materiell, sondern auch geistig armen Lebens ausgleichen. So ist Martin für Gilgi nicht nur der Geliebte, sondern gleichseitig die Verkörperung aller lebendigen Kräfte, alles dessen, was schön, beglückend, nicht„zweckmäßig" ist. Durch das Erlebnis mit ihm wind sie sich der unendlichen Werte des Lebens schlechthin bewußt. Der sympathischste Zug ihres Wesens ist ihre Ehrlichkeit gegen sich selb st. Sie wehrt sich gegen jede Verfälschung ihres Wesens. und so konnten sie weder die frühzeitigen Be- Ziehungen mit jungen Männern noch das große Erlebnis mit Martin noch das Bewußtsein der Mutterschaft zerbrechest, Und selbst an dem schwersten, entscheidendsten Wendepunkt ihres Lebens, als sie sich von Martin löst, ist sie ganz ehrlich gegen sich selbst, wenn sie die Trennung nur als vorübergehend ansieht. Sie weiß, ihr inneres Gesetz verlangt ebenso gebieterisch nach eigener Lebensgestaltung wie nach der Ergänzung. So scheint es mir, daß der Roman„Gilgi" einen Einzelfall aus der Wirklichkeit wiedergibt, der selbstverständlich nicht sür olle, ober sür eine bestimmte Schicht jugendlicher Mcn- jchen typisch ist. Ich glaube, daß man den Roman nicht von literarischen Gesichtspunkten aus, son- dern als Zeitdokument betrachten muß. Dr. Else Möbiis. Sie ICIeinlsizx dtfcwsch Vier Sfczippeziltäznpfen/ Von Henny Schumacher Auf dem öffentlichen Kongreß für Kleinkinder- erziehung nahmen mehrere psychologische und pädagogische Verbände zur Frage der Kleinkind- not unserer Zeit Stellung: der Deutsche Fröbel- Verband, die beiden Montessori-Vereinigungen Deutschlands, der Internationale Verein für In- dioidualpsychologie und die Deutsche Psycho- analytische Gesellschaft. Der Deutsche Fröbel-Verband be- ruft sich auf die Gedankenwelt Fröbels und hat damit eine mehr als einhundertjährige Tra- dition für— oder gegen sich. Die psychologische Tatsache der kleinkindlichen Tg�lität und die Not- wendigkeit, in der psychologischen Situation diesem ganzheitlichen Wesen Rechnung zu tragen, sind Grundgedanken der Fröbelschen Seelenlehre, die der modernen Psychologie durchaus ent- sprechen. Mit ihnen hängt der Gedanke der„Lebenseignung" zusammen, der, richtig aufgefaßt, eine große sozialpädagogische Be- deutung hat. Der Mensch steht in dem großen Zusammenhang Natur, Gott und Menschheit, und die Erziehung hat die Aufgabe, ihm diese Ver- bindung bewußt und für ihn fruchtbar zu machen. Die Entwicklung des Menschen vollzieht sich iij Stufen, von denen jede einzelne voll durchlaufen werden muß, wenn die nächstfolgende zu reiner Ausbilidung kommen soll. Um dies Ziel zu er- reichen, bedarf es der Tätigkeit, die für jede Ent- wicklungsstufe verschieden ist, im Kleinkindesalter Darstellung des Innern durch freies Spiel be- deutet. Hat das Kleinkind weder Zeit noch Ge- legenheit, im frei darstellenden Spiel seine Kräfte zu üben, so wird es aus der nächstfolgenden Stufe des Schulkindes auch nicht fähig zur Arbeit wer- den. Fröbel ist nicht, wie Pestalozzi,«in„Vater der Armen" gewesen. Er hat die soziale Not seiner Zeit anscheinend nicht gekannt. Wenn er zur Gründung eines„allgemeinen deutschen Kinder- gartens" für alle Kleinkinder aufruft, so leitet ihn nicht die Erkenntnis von der Not der Arbeiter- bevölkerung, sondern die Einsicht in Erziehungs- Notstände in allen Beoölkerungsfchichten. Sein Hilfsmittel für Elend und Not ist nur Erziehung! Von der Macht wirtschaftlicher Umstände weiß er wenig. Maria M o n t e s s o r i ist Aerztin. Im Gegensatz zu dem inwitw vorgehenden Fröbel happy-enjd—, aber es bleibt doch, daß wir Gilgi arbettet sie. wissenschafttich analytisch. Ihr ist das Kleinkind wesentlich ein ernsthafter Arbeiter, so daß das freischöpferische Spiel zugunsten einer intellek- tuell entwickelnden Beschäftigung zurücktritt. Die Ehrfurcht vor der Kindesseele hindert sie, dem Kinde etwas aufzuzwingen. Sie überläßt ihm die freie Wahl der Beschäftigungen und greift nur dort ein, wo es das Wohl der Gemeinschaft verlangt. Die innere Disziplinierung des Kindes erzeugt nach ihr die äußere Ruhe und Ordnung. Daß es in Deutschland schon zwei Montessori- Vereinigungen gibt, die durchaus nicht überein- stimmen, zeigt die Eigengesetzlichkeit jeder Be- wegung gegenüber ihrem Ursprung. Allem An- schein nach wird es hier noch zu schweren Kämp- fen kommen. In Italien kann heute eine ernst- hafte Persönlichkeit nur Faschist oder Antifaschist sein. Maria Montessori neigt der faschistischen Bewegung zu. Damit wird die Situation für die deutschen Montessorianer kritisch. Der ein- seitige Intellektualismus der Gründerin— von ihr als Italienerin verständlich— hatte zur Folge, daß in Deutschland vorwiegend die jüdische Bour- geoisie sich dieser Bewegung anschloß, wie ja auch in den deutschen Kinderhäusern die jüdischen Kin- der das Hauptkonttngent bilden. Nun ächtet aber der deutsche Faschismus die Juden. Die Be- grenztheit auf das nationale Kind, die sicher bei Maria Montessori vorhanden ist, kann von außer- italienischen Ländern kaum übernommen werden, es sei denn, daß z. B. in Deutschland die Ratio- nalsozialisten diese Bewegung für sich annektierten, ivas aber hinwiederum völlig ausgeschlossen ist, da sowohl die Idee der Freiheit als die starke rationale Einstellung und Erziehungsmethode von Maria Montessori der Gedanken- und Patwelt des Nationalsozialismus widersprechen. Es liegt also hier eine Bruchstelle vor, die früher oder später vermutlich zu einer Trennung zwischen der italienischen unld deutschen Montessoribewegung führen wird. Jedenfalls mar es von gewisser Seite aus verfehlt, die Montesiori-Richtung für das Proletariat in Anspruch zu nehmen. Sicher liegt die Betonung einer freiheitlichen Kindes- entwicklung und die Anerkennung der Gemein- schaft als notwendiger Sozialsituation in der Rich- tung einer sozialistischen Erziehung. Aber ein enger Nationalismus ist ihr Todfeind. Die Jndioidualpsychologie, deren Führer der Wiener Arzt Alfred Adler ist, hat das Geheimnis, das über der menschlichen Charakterbildung liegt, zum Teil gelüftet. Sie zeigt als zentrale Kraft im Seelenleben des Menschen das Streben nach Macht und den Ge- meinschaftstrieb. Die menschliche Gemeinschaft hat sowohl nach der entwickelnd fördernden Seite als auch nach der hemmenden und falsch leitenden Seite eine wesentliche Bedeutung. Viele Fehl- entwicklungen des Menschen ergeben sich aus der Ueber- oder Unterobdnungsregclung innerhalb der menschlichen Gesellschaft. Minderwertigkeits- gefühle sind die Folgen. Mangelnde Lebens- Meisterung ist die traurige Nacherscheinung. Die Jndioidualpsychologie ist Insofern durchaus opti- mistisch eingestellt, als sie nicht an �unabänderliche Erbanlagen glaubt, sondern der Ueberzeugung ist, baß die Anlagekräfte nach jeder Richtung hin entwicklungsfähig sind, es also darauf ankommt, ihnen in frühester Jugend die Richtung auf Selbständigkeit, Mut und Lebenstüchtigkeit zu geben. Für die Praxis hat die Jndividualpsycho- logie eine große Bedeutung. Die Psychoanalyse war zuerst„eine Be- Handlungsmethode für neurotische Störungen" und wunde erst allmählich zu einer Forschungs- Methode. Siegmund Freud, der Begründer dieser Richtung, hat das Verdienst, nachgewiesen zu. haben, daß es schon eine„infantile Pu- b e r t ä t" gibt, die sich in der Kleinkindzeit beut- lich offenbart. Wenn ein affektbetonter seelischer Vorgang in diesem Alter nicht zum Abklingen bzw. zum Abreagieren gelangt, wird er ins Unterbewußtsein verdrängt und stört von hier aus die normale Entwicklung. Unter den Ver- drängungskomplexen des Unbewußten spielt die Sexualität eine bedeutungsvolle Rolle. Objekte der infantilen Sexualität sind der eigene Körper und die Eltern, wobei die Verdrängung der Trieb- kräfte, die sich auf die Eltern richten, den Oedipus- komplex erzeugen. . Auch innerhalb dieser psychologischen Richtung wird die Wichtigkeit frühkindlicher Entwicklung und Führung uns besonders klar. Die Not des Klein- lindes ist so unendlich groß, daß es nicht darauf ankommen kann, das Verschiedenartige der je- weiligen psychologischen Forschung voranzustellen, sondern darauf, Mittel und Wege zu finden, wie auch in unserer Krisenzeit dieser Not abgeholfen werden kann. Gelingt dies, fo ist schon vi«t getan! Der Bundesvorstand in Leipzig Wichtige Tagung im Arbeiter-Turn- und Sportbund Die Not der Zeit macht sich auch im Leben der Arbeitersportverbände bemerkbar. Das kam stark in der B u n d e s v o r st a n d s s i tz u n g des Arbeiter-Turn» und Sportbundes, die zum Wochenende in Leipzig tagte, zum Aus- druck. Konnte bisher in allen Iahren ein Auf- stieg in der Mitglieder- und Vereinszifser des Bundes festgestellt werden, so zeigt das Jahr 1932 bisher einen Abgang von sechs Vereinen und 2196 Mitgliedern bei mehr als 7999 Vereinen und 748 999 Mitgliedern, Das ist absolut uner- heblich und ein gutes Zeichen der unerschütter- lichen Stabilität des Bundes. Weit mehr macht sich die Krise im Finanziellen, besonders der Geschäftsumsätze des Arbeiter- Turnverlages bemerkbar. Aus dem Bericht des Geschäftsführers war jedoch die solide Grundlage und der gesunde Unterbau des Turnoerlages klar ersichtlich. Der Bezug der Bundeszeitun» gen läßt zu wünschen übrig, hier sollten die Ver- ein» mehr für die Verbreitung der Bundespresse Sorge trage«. Die Kurse der B u n d e s s ch u l e wurden erheblich herabgesetzt, 1932 wurden 16 Lehrgänge mit 391 Teilnehmern an der Bundes- schule und 32 Kurse mit 1216 Teilnehmern in den Kreisen abgehalten. Mehr als 1999 Vereine sind durch diese Kurse mit den Bundeslehrkräften in Beziehungen gekommen. Außerdem fanden in der Bundesschule Kurse statt von Bezirken des Arbeiter-Turn- und Sportbundes, des Arbeiter- Rad- und Kraftfahrerbundes, der Arbeiter-Wohl- fahrt und Erwerbslosenlehrgänge und Uebungs- stunden. Besondere Aufmerksamkeit fand die durch die politische Situation geschaffene Lage der Arbeiter- sportbewegung. In eingehenden Beratungen wurde zum Reichskuratorium für Zugeuderküchtigung und zum freiwilligen Arbeiksdienst Stellung genommen. Durch Umfrage wurde festgestellt, daß mittels des freiwilligen Arbeitsdienstes viele Vereine des Bundes ihre Sportstätten ausbauten. Zum Reichsturatorium begrüßt und billigt der Bundes- vorstand die Erledigung dieser Frage durch die Zentralkommission für Arbeitersport und Körper- pflege.(Siehe„Vorwärts" vom 12. Oktober.) Der Ausgang der Reichstagswahl ist von größter Bedeutung für die Arbeitersport- bewegung, deshalb sollen die Mitglieder des Bundes sich an der Wahlarbeit beteiligen. Für den 6. November ist Spiel- und Startverbot an- gesetzt. Auch zur Wühlarbeit der kommunistischen Sportler nahm der Bundesvorstand Stellung. Die Ohnmacht dieser großmäuligen und verloge- nen Gesellschaft auf das Bundeeleben Einfluß zu gewinnen, konnte Bundesvorsitzender G e l l e r t Was zu vermelden ist Berulsiußballer im Amateurverband— sonst alles in Butter! Der Bundestag des bürgerlichen Deutschen Fußballbundes, der zum Wochenende in Wiesbaden tagte, hat durch seinen Vorsitzenden Linnemann zur Frage des Berufsspieler- t u m s eine Erklärung in die Welt gesandt, nach der det DFB. die Absicht hat, den Berufsfußball- spart von sich aus zu regeln. Nach der bisherigen Praxis des Bundes wollt« er zu den Berufsfußballspielern eigentlich gar keine Beziehungen uMerhalten. Nur gedrängt von den Vereinen, die sich von Spielen mit Berufsspielern hohe Kassenrapporte versprachen, gestattete der Bund seinen Vereinen sogenannte„Lehrsplele". Jetzt kommt plötzlich die Erklärung des Vorsitzen- den. Es muß sich also im Deutschen Fußball-Bund irgendetwas tun, was den Vorstand bewegt, den Berufsfußballsport zu„regeln". Was das sein kann, besagt eine Meldung, wonach in M ü n- chen eine B e r u f s s p i e l e r g e s e l l s ch a f t ins Leben gerufen wurde. Man erklärt das in eingeweihten Kreisen zunächst damit, daß sich geschäftstüchtige Unternehmer arbeitslose Fußballer herangeholt hätten, um durch sie und mit ihnen Geld zu verdienen. So wird die Erklärung Linne- manns in Wiesbaden auch verständlich, wenn er davon sprach, daß der Bundesvorstand,„unbeein- flußt von Ereignissen irgendwelcher Art, an die Neuregelung der deutschen Fußballoerhältnisse her- angetreten sei". Offenbar hatte man Wind aus München bekommen, und man versucht nun, die Verhältnisse zu meistern. Interesiant an der ganzen Angelegenheit ist, daß der DFB. als rein« Amateur- Organisation jetzt doch in irgendwelche Beziehungen zu den Berufsspielern treten will. Wie wir im Sportteil des„Vorwärts" vom 11. Oktober mitteilten, haben die früheren Mit- glieder von Hertha BSE. L e u f ch n e r und Dom- f ch e i t eine Klage gegen ihren früheren Verein angestrengt, dahingehend, daß Hertha ihnen ver- traglich zugesicherte finanzielle Leistungen auszu- zahlen habe. Die Leute sollten in der ersten Mann- schaft spielen, wofür sie(was im Deutschen Fuß- ball-Bund üblich zu sein scheint) über den vom Bund festgesetzten Spesensatz von 7,39 Mark pro Spiel entschädigt werden sollten. Jetzt kommt die Meldung, daß Leuschner und Domscheit nach einer Besprechung mit den maßgebenden Bundesleuten ihre Klage zurückgezogen haben. Es ist also wieder alles in Butter! Ein Berliner Mittagsblatt weiß«inen inter- essanten Fall zum Kapitel Wertsport mit- zuteilen. Danach ist der Fußballspieler E l s h o l z von Vertretern des Sportvereins der Berliner Elektrizitätswerke für diesen Verein ge- keill worden unter der Zusicherung, daß Elsholz bei der Bewag eine Stellung erhalten soll. Das ge- nannte Blatt weiß dazu soviel detaillierte Angaben zu machen, daß die Bewag nicht umhin kann, den Fall zu klären. Es geht unter keinen Umständen an, daß in der heutigen Zeit, wo Hunderttausende die Arbeitsnachweise bevölkern, Leute von hinten herum in städtische Gesellschaften— denn als solche ist die Bewag trotz der Beteiligung ausländischen Kapitals immer noch anzusehen— als Arbeitnehmer hineingeschmuggelt werden, nur weil sie gute Sportler sind. Arbeiter-Fußball Im 3. Bezirk Serie beendet Der dritte Bezirk dürfte der einzige im 1. Kreis sein, der mtt seiner Fußballserie zu Ende ist. Abgesehen von Nowawes in der Berliner Abtei- lung haben alle Vereine ihre Spiele absolviert. Ja, in der E l b e- G r u p p e kommt es sogar schon zu den Cntscheidungspielen. Stehen hier doch nicht weniger als drei Vereine mtt gleicher Punkt- zahl an der Spitze: Havelberg, Wittstock und Neu- ruppin. Am Sonntag werden sich Havelberg und Neuruppin auf dem Platz der letzteren den ersten Kampf liefern. Der Ausgang ist für die Meister- schaft von großer Bedeutung. Beide Mannschaften sind sich völlig gleichwertig, so daß der eigene Platz für die Neuruppiner eine entscheidende Rolle spielen dürfte. In der Abteilung Havel stehen Branden- bürg und Rathenow-Süd mit der gleichen Punkt- zahl an der Spitze der Tabelle. Für beide Mann- schaften gingen je ein Spiel unentschieden aus und zwei wurden verloren. Anfangs der Serie glaubt« man, in dieser Abteilung die Rathenower „Freiheit" mit an der Spitze zu finden, einige sorglos durchgeführte Spiele warfen die Freiheit- Leute aber aus dsm Rennen. Dafür drängten die Brandenburger immer mehr nach vorn, um jetzt mit Süd die Spitzengruppe zu bilden. Erfreulich ist der Mut der Mannschaft von Schollene, die, ob- wohl sie bisher jedes Spiel verloren hat, weiter treu zur Fahne hält. Ueberraschend kommt die Spitzenstellung in der AbteilungBerlin. Hier hatte man bestimmt entweder Spandau 23 oder Eintracht-Spandau als Meister erwartet. Selbst wenn Nowawes alle drei noch ausstehettden Spiele verlieren sollte, was wir allerdings nicht annehmen, haben sie keinerlei Hoffnung mehr an die Spitze zu kommen. Span- dau und Eintracht haben je 19 Verlustpunkte, während Nowawes bis jetzt nur drei zu ver- zeichnen hat. Wenn die Nowaweser also olle drei Spiele verlieren sollten, dann haben sie immer noch erst neun Verlustpunkte, bleiben also weiter- hin Meister. Die drei besten Mannschaften der einzelnen Gruppen sind: Natu rfreunde- Jugend und des in Das große Jugendtreffen der Berliner westbrandenburgischen Gruppen Touristenvcreins„Die Naturfreunde Groß-Behnitz bewies auch diesmal die große Werbekraft der Naturfreund«, denn Hunderte waren aus Brandenburg, Magdeburg, Rathenow. Spandau und den nördlichen und östlichen Ber- linor Gruppen angerückt. Der Sonnabend galt allgemeinem freundschaftlichen Beisammenseins. Sonntag vormtttag folgten sporttich« Spiele wi« sie auch von Naturfreunden gepflegt werden. Den Höhepunkt bildete dann der Laienspiel-Wettstreit am Nachmittag. Die Rathcnower glänzten In Musik und Freigymnastik. Ein interessantes Spiel von den„Weltenbummlern" eröffnete neuen For> besonders aufzeigen. Zur Weltspartakiade, die die Kommunisten mit bürgerlichen Sportlern abhalten wollen, nahm der Bundesvorstand folgende Eni- s ch l i e ß u n g an: „Der Bundesvorstand nimmt Kenntnis von dem Aufruf zur Teilnahme an der Weltsparta- kiade in Moskau 1934, amtlich gezeichnet von der K. G.(verantwortlich E. Grube). Dieser Aufruf richtet sich auch an„a l l e s p o r i- treibend en Werktätigen der Bünde und der bürgerlichen Organisa- t i o n e n". Der Bundesvorstand bringt die Ge- meinschaft der K. G. mit dem bürgerlichen Sport zur allgemeinen Kenntnis. Die Nicht- beteiligung unserer Bundesgenossen an der Spartakiade ergibt sich daraus von selbst." Der Bericht vom Kongreß der Sozialistischen Arbsitersport- Internationale wurde entgegen- genommen. Es konnte in der Berichtszeit ein Gewinn von 169393 Mitgliedern in der Inter- nationale festgestellt werden. Der siir 1933 festgesetzte Bundestag soll infolge der Wirtschaft- lichen Verhältnisse— seine Abhaltung bedingt eine Ausgabe von 69 999 bis 79 999 M.— vorausgesetzt der Zustimmung der im Februar 1933 stattfindenden Kreisvertreterkonferenz, im Jahre 1934 abgeholten werden. Für das kommende Bundesfest haben sich Stutt- gart, Breslau, Köln und Altona beworben. men den praktischen Weg. Di« Gruppen Osten und Gesundbrunnen fügten sich mit einem Bühnen- spiel sowie mit Kaövrettdarbietungen— vor allem netten Songs— in den Rahmen ein. Er- freulich groß aber war die Teilnahme ver Ortsbevölkerung. Der große Saal tonnt« kaum all« fassen. beginnen muß. wenn sie vernünftige Leibes- Übungen betreiben will. Die Mädchen und Frauen des veranstaltenden B-reins unterstrichen die stlmi- schen Darbietungen durch praktische Demonstratio- nen aus der Bühne. Sie taten es in ihrem alt- gewohnten Sportanzug, der kurzen Turnhose und dem Büstenhalter, ohne daß jemand von den An- wesenden in eine„bracht"volle Ohnmacht gefallen wäre! * Zehn Jahre waren dieser Tage vergangen, seit- dem der Bezirk Südost- Treptow der Freien Turncrschast Groß-Berlin gegründet wurde. Mitglieder, Angehörige und Freunde des Bezirks hatten sich daher zu einer netten Veranstaltung im Gewerkschastshaus zu- sammengefunden, aus der die Aktiven noch einmal die in den zehn Iahren geleistete Arbeit Revue passieren ließen. Sport auf der Bühne ist ,mmsr eine heikle Angelegenheit: zu Ehren des Bezirks muß festgestellt werden, daß man sich mit viel Geschick der Aufgabe entledigte. Ein geselliges Beisammensein, bei dem besonders das Training der Beine betrieben wurde, schloß den Abend. Serie der Schachspieler Spannend und nicht ohne Ueberraschung oerlief die erste Runde der Arbeitcr-Schachfpieler. Sie brachte als Ergebnis in der /�-Klasse: Charlotten- bürg(Meister 31/32) gegen Grünau 9— 1; Huin- boldthain I gegen Wedding I— i'A Friedrichshain I gegen Treptow I 1%— 8%; Weißensee gegen Prenzlauer Berg I 6'A— VA; Lichtenberg I gegen Kreuzberg 7K— 21/j. D-Klasse: Wedding- Süden II gegen Friedrichshain II 6'A—3',i; Lichtenberg-Karlshorst II gegen Moabit 4—6; Treptow II gegen Prenzlauer Berg II 6— 4. In dieser Klasse stehen noch drei Kämpfe aus. Ski-Irockenkurse der Arbeilersportler. Der erste Kursus beginnt am 19. Oktober in Neukölln in der Schule Richardstraße 47: zweiter Kursus. Beginn 19. Oktober, Gesundbrunnen, Schule Gothenburger Straße 3. Der dritte Kursus folgt am 27. Oktober in Lichtenberg, Schule Lückstraße 69/63. Anfang 29 Uhr. „Diesseits und jenseits des Schwarzwaldes", so heißt der Lichtbildervortrag David Sketters am Mittwoch. 19. Oktober, 29 Uhr, bei den Natur- freunden in der Aula der Friedrich-Werderfchen Oberrealschule, Weinmeisterstr. 15. Im Beipro- gramm Musik und Gesang. Unkostenbeitrag 29 Pf. Die zweite Irauenabkeilung des Bezirks Lüden der FIGB. zeigt heute in der Turnhalle in der Bsrgmannstrahe. wie man Ermüdung und Uebcr- anftrengung durch Gymnastik überwindet. Alle Frauen und Jungmädchen, die Interesse an diesen Uebungen haben, werden daher zu 29 Uhr einge- laden. Der bundestrcue Voxklub„Sritannia 32" ver- anstaltet am Dienstag. 18 Okiover, in seiner Trainingshalle Köpenicker Straße 2 einen Werbe- kampfabend im Boxen. Neben den Boxkämpfen werden Gymnastikoorsührungen geboten. Als Trainer fungiert der Berussboxer Ernst Urban. Die Kämpfe beginnen um 29 Uhr; der Eintritt ist frei._ Schwarzes Brett fitciif«: Dil Mlid-irössnung füt egaimmactcinc bca l So wirbt man Die Frauengruppen des Volkssport Neukölln-Britz hatten ihre Anhänger und solche, die es werden wollen, in den Städtischen Saalbau in Neukölln zu einer Werbeoeranstaltung eingeladen. Dem äußerlichen Erfolg wird hosfent- lich ein ebenso großer positiver beschicden sein. Man zeigte einige Filme des Arbeiter-Turn- und -Sportbundes, die große Begeisterung auslösten. Besonders der Bildstreifen„Die Frau im Arbeiter- spart" zeigte so recht den anwesenden Nichtsport- lerinnen, wie die berufstätige Frau, die vielleicht sogar dem Sport noch ablehnend gegenüberstand, !g�OIto�er�b?i�bänicke�Aa>serln.Äugusta.Alleo 7Z, 20 Uhr, statt. Freie Schwiminer Charlottenburg. Freie D-ssers-hrer Auswärts. Dienstag. IS. Oktober, 20 Uhr, Monatsversammlung bei Reußner, Seestr. 62. Tennis-Rot Grog-BerU». Durch eine reichlich merk. wllrbig« Magistratsveriägung>nuß bei unseren Hallen. adenden die Trennung der Geschlechter durchacsllhrt werden. Wir stellen deshalb unseren Hallenbctrleb um. Der Freitag fällt ab dieser Woche aus. Am Dienetag Training und Gnmnastik sllr dir Frauen aller Abteilungen von Iii— 22 Uhr. Acht Tage später Training der Männer aller Abteilungen usw. Motorbootsahrcr im Arbeiter-Turn» und Eportbund. Heute in der Geschästsstelli, Elsässer Str. 86— 88, 20 Uhr, wichtige Besprechung. Frei« Sportoereiuiaung Paulow, Hockepabteiluag. Mitt» wach, 19. Oktober, 20 Uhr. Lichtbildervortrag im Jugend. beim stissingenslrahe. Gäste wwtommen. Donnerstag, 20. Oktober, 20 Uhr, erweitert« Borstandsschung Mlt Ab. teilungaleitcrn in der Sportklause, Florasir. 70. FTGB., Frci«örperlult»rbc,irk. Alle Mitglieder betei. ligcn sich an der Protestkundgebung am Dienstag im Lehrervereinshaus. Tressen 19-� Uhr vor dem Hause. Kartell Pre», lauer Berg. All- Kartellainaelegenheiten gehen jetzt wieder an Wilhelm Binderheim, Berlin N. 58, Danziger Str. S. Vi» jum 1. November mitssen die Su. gendamtzählbogcn zurück sein. Itoatt Theater Dienstag, den 18. Oktober Staatsoper Unter üen Linden 20 Uhr Cavaileria rusllcana Bajazxl SlMi.Oper Cbanatienbur Fraunhofer 0231 Turnus I Diens'ag. 18. Okt 20 Uhr Ein masHennaü Neuefnüudicrung Nemeih, rootborg, Berger, Pataky, Reinmar, Destal, Diiler. Qonszar Dirigent: Fritz Busch a. G liroiinausir. Vu/ii SteinpL(C 1) 0715 Täglich 8>0 Uhr Robert und Bortram tlftil Im», f rill liimt. Sniillü-I»! Stg. nachm. SV, Kitfiiardl u. iimiiüM Preis 0 40 bis 2,0V Deutsches Theater Weidend. 5201 teilt« VintElIgn) 8 Uhi von Oerti.Hauptmann Mit Paula Wessely Hammerspieie 8 Uhr Schultes Bühne TeitererLudwig- Thoaia- Abend Die Srautschau Erster Klasse r&IJhSr 8 diu is. Flora 3434. Rouffleo in. Bronelt-Famlüß, Lord Ain, 7 Aliredos, Marianne& Roberts Mae Eigin, 6 Köhlers usw. VOLKSBÜHNE Theater am saiowg>]atz J I. Norden 2944. Tftsltcli 8 l'lir Die Ratten Är Regle: Heinz Hilpert Käthe Dorsch, Eugen Klopfer, Otto Wernicke •wü* CASIN8- THEATER Lothringer Slrafte 37. IIIIIIIIIIIMIIIMI IIIIIIIIIIII III II II II llllllliUlllllllllltlltllllllMlllllltlll Aach Sonntags nadsm. 4 Uhr Hamori" Stimmangl Man lacht TrSnen Ober Direktor Hans Berg als Tante Julchen. Gutschein rllr die Leser 1—4 Personen Faul. 0.75 M.. Sessel> 25 M.. Park, 0.50 M Rose- llieoter Qnlli rnaitinir Unit 13? nl. WgdMI c 34?? 8,15 Uhr Der Hauptmann von Köpenick B. B. B. Bendows Bunte Bflhne Kottbasser Straöe 6 früher„Elite- Sänger" Utile oitD grail! Tgl. B Uhr, Sonat. nadim. BVt Preise von 50 Pf. an iVALLNüR- IHEATEK liM 8.15„Mitschuldigen" .Satyros" von Cioethe— Musik; Moaar Preise 0,50 bis 3,- M.— Sonnt. 5 u*,15 Uhi Vorvetkauf taglich ab 10 Uhr testaiihnt Berlins Stettiner Sänger Reichshallen-Theater (Dönhoftplau) ' Dir.»ex, ei. Dir.«eystL Tipl 8.15 Uhr, Sonntag, 3�0 Uhr(crmäßictc Pr.i Da» neue Programm mit der Posse „Und abends wird getanzt** Homöopathie Nlertn-, Bilsen-, Leber-, Gallen-,»iven., Darm-. Inner« u. Nervenl.» äbpi»<1 Unustr. t» Miioimi. nur 2 M. L VSCI: 0-2. 4 7. sid. d. i i&mcksi auchöis 18 tlonatsrafen Benin W8.LeipziqerStf.i22-i£5