Morgen- Ausgabe Nr. 495 A242 49. Jahrg. Rebaktlon und Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 S-rnIpr-ch«r>«7 Am, Dönhoff 2S2 b>S R? T-legrammadr-sse, Soziolb-moKal Borlw BERLIK ER VOLKSBLATT DONNERSTAG 20. Oktober 1932 In Groß- Berlin 1 0 Pf. Auswärts....... 15 Pf. Vezugsbebingungen und Anzeigenpreise siehe am Schluß des redaktionellen Teils Jenteatorgau der Sozialdemokrattschen Partei Deutschkands Das Spiel mit den Arbeitslosen Lnterstüt�unsserKöltunx, ciie 6ie Senleunx verclectesn soll Die Reichsregicrung hat in ihrer Notverordnung vom gestrigen Tage nicht Sozialpolitik um ihrer seldst willen machen wollen. Das geht schon daraus hervor, daß der wesentlichste Teil der Not- Verordnung, die Verbesserung der Ar- beitslose n Hilfe, in der Woche in>iraft tritt, an deren Ende der W a h l s o n n t a g liegt. in der also die Arbeitslosen die junkerlichen Wohl- taten bereits das erstemal genossen haben sollen. Nicht von ungefähr wird festgesetzt, daß die söge- nannten Winterzuschläge sür die Arbeitslosen das erstemal am Montag, dem 3l. Oktober, zur Zahlung gelangen sollen. Wir verkennen keineswegs, daß einige V e r- besserungcn sür einige wenige A r u p p c n dpi, Arbeitslosen geschaffen werden. Aber wir können diese Feststellung nicht treffen, ohne zum Ausdruck zu bringen, wie u n z u- reichend diese Erhöhungen sind, wie wenig Arbeitslose bei der Millionenzahl von ihnen pro- sitieren werden, und vor allen Dingen ohne deutlich zu unterstreichen, daß diese sogenannte Winterhilfe noch nicht einen Bruchteil von dem wieder gut macht, was in den letzten Monaten ins- besondere gerade den Arbeitslosen durch die Not- Verordnungen an Rechten und an Unterstützungen genommen worden ist. Wenn man die Situation mit einem geflügelten Wort beleuchten will, so gilt hier:„Sie nehmen mil Schefseln und geben mit Löffeln." Wir brauchen an dieser Stelle nur wenige Zahlen zu nennen. um ins Gedächtnis zu rufen, welchen Leidensweg die Arbeitslosen in den letzten Jahren gehen mußten. Im Jahre 1827, als der Reichstag das Arbeitslosenversicherungsgesetz mit überwältigender Mehrheit verabschiedet hatte, lag die durchschnitt- liche Unterstützung, die e-n 5)ouptunterstützungs- empfänger wöchentlich ausgezahlt erhielt, bei 2l1 Mark, fjeute, wo die Preise sür die Lebens- Haltung einschließlich Wohnung, Kleidung und allem Drum und Dran nur wenige Prozente niedriger sind, ist die Durchschnittsunlerstützung um weit mehr als 50 Proz. gesunken: ein Versicherungsunterstützter erhält heute im Durchschnitt in der Woche etwa 8 Mark und soll damit nicht nur sich, sondern auch die arbeitslose Frau und das arbeitslose Äind mit ernähren! Diese Durchschnittssätze werden bei ganz großen Gruppen weit unterschritten. Durch die Papensche Notverordnung vom Juni d. I. wurde in den Lohnklassen, die man jetzt etwas aufbessert, die Unterstützung aus 4.S0 Mark pro lvoche, also aus 75 täglich, heruntergedrückt. ?s. Ein Arbeitsloser, der, solange er Arbeit hatte, noch 18 Mark i» der Woche verdiente, erhält nach den Papenschen' chungersätzen sür sich. Zrau und Kind g Mark in der Woche Unterstützung— theoretisch—, denn auch diese Sätze erhält nur der Arbeitslose, der schon durch lange Arbeitslosigkeit bis zum letzten ausgepowert ist. Die anderen müssen sich chre letzten Pfennige durch die Papensche ch i l f s- bedürftigkeitsprüfung anrechnen lassen, was praktisch bedeutet, daß ihnen nicht einmal diese chungersätze ausgezahlt werden. Anstatt nunmehr die ch'lssbcdürstigkeitsprüsung abzubauen, wenigstens die festgesetzten Unter- stützungssätze zu erhöhen und auszuzahlen, und den Gemeinden für ihre Wohlsahrtserwerbslosen freie Hand zu lassen, hat man etwas ganz anderes gemacht: Man hat Zuschläge sür einen Teil der Arbeitslosen mit den niedrigsten Sätzen eingeführt, aber beileibe n cht bei sämtlichen Arbeitslosen mit diesen niedrigen Sätzen, sondern nur für die Bcrsicherungsunterstützten und die Krisensürsorgeempfänger, nicht ober sür das große Heer der Wohlsahrtserwerbslosen. Aber auch aus dem bevorzugten Kreis hat man wiederum nur einen Teil ausgewählt, nämlich die niedrig Unterstützten in den Lohnklassen I bis VI und auch bei diesen wieder hat man die Ledigen ausgeschlossen. Es dürften somit noch nicht 10 Proz. der amtlich angegebenen Arbeits- losen sein, die in den Genuß der Zuschläge kommen werden! Neunzehntel aller Arbeitslosen gehen leer aus, ein Zehntel vielleicht wird 2, 3 bis 4 M. in der Woche bekommen. Wir geben keinen Psifserling dafür, daß die Botschasterwechsel in Paris Abschied des Herrn von Hoesch Paris, 19. Oktober. Botschafter von Hoesch hat heute dem Ministerpräsidenten. H e r r i o t die vom Reichs- Präsidenten verliehene Goethe-Medaille mit Ber- leihungsurkunde überreicht. Im Anschluß daran veranstaltete der Ministerpräsident zu Ehren des scheidenden Botschafters ein Abschiedsfrühstück. Ministerpräsident Herriot widmete dem scheiden- den Botschafter warme Abschiedsworte. Er führte aus. Botschafter von Hoesch habe sich durch seinen Patriotismus und durch die z i e l b e- wußte Vertretung der deutschen Interessen, zugleich aber auch durch die Geradheit seines Wesens und das in langjähriger Erfahrung erworbene Verständnis für das französische Volk und Land allgemeine Achtung in Frankreich erworben Man sehe ihn deshalb mit großem Bedauern von seinem Posten scheiden, auf dem er stets für die Herbeiführung eines besseren Verhältnisses zwischen Deulschland und Frankreick tätig gewesen sei. hierfür sei ihm Frankreichs Dank gewiß. Das Ziel bleibe bestehen, und er glaube, daß trotz aller Schwierigkeiten dieses Ziel nicht unerreichbar sei. Botschafter von Hoesch dankte für die warmen Abschiedsworte des Ministerpräsidenten und sür das ihm von der französischen Regierung gemachte Abschiedsgeschenk einer Seores- tafeldekoration, darstellend einen Zagdzug. Er sprach seine Genugtuung darüber aus, daß der letzte Akt seiner zwölfjährigen diplomatischen Tätigkeit in Paris die Ueberreichung des Goethe- Medaille an den Ministerpräsidenten habe sein können. Er führte weiter aus, er habe in diesen zwölf Zahren seiner Tätigkeit in Poris so gewaltige und schier unentwirrbare Probleme sich stellen und schließlich doch lösen sehen, daß er nicht mehr an die Unmöglichkeit einer befriedigenden Regelung einer politischen Frage glauben könne. So hosse er auch auf eine Regelung der gegenwärtigen Schwierigkeiten. die uns dem vom Ministerpräsidenten gekenn- zeichneten Ziele einer freundschastlichen Berstän- digung näherbringen würden Eine Erklärung Hcrriots Im Anschluß an eine Sitzung des Auswärtigen Ausschusses der Kammer, in der Herriot Er- klärungen über die Außenpolitik abgegeben hatte, wurde folgende amtliche Verlautbarung veröffentlicht: Ministerpräsident Herriot gab einen ausführ- lichen und geschichtlichen Ueberblick über die Gleich- berechtigungsforderung: Deutsche Note, französisch« Einheitsfront Von I�lax Westphal Arbeitslosen in höheren Lohnklassen als der Lohn- klasie VI einen Teil des Zuschlages bekommen sollen, wenn sie nicht einmal die Unterstützung der Lohnklassc VI praktisch erhallen. Denn was nützt es einem Arbeitslosen, theoretisch zu einer höheren Lohnklasse zu gehören, wenn er praktisch nur Unterstützungssätze einer viel niedrigeren Lohn- klasse erhält? Damst wird nur gezeigt, welche verheerenden Wirkungen die sogenannte Hilss- bedürstigkeit hat. Wir geben keinen Psifserling dasür, daß die Zuschläge bei der Prüfung der Hilssbedürstigkeit außer acht bleiben sollen, denn wenn diese Bestimmung nicht getroffen worden wäre, so würde die ganze Aktion nichts anderes bedeuten, als eine Entlastung der Kommunen. Hätte man es ehrlich gemeint, so hätte als erster Schritt die Notverordnung vom 14. Juni dieses Jahres in vollem Umfange beseitigt werden müssen! Anstatt in der K r a n k e n v e r s i ch e r u n g die unmöglichen Vorschriften zu beseitigen, die den Besuch des Arztes oder die Entnahme einer Medizin vom Apotheker mit Geldstrafe belegen, werden in beschränktem Umfange sür die Familien- hilse Erleichterungen zugelassen, die bei den gesenkten Beiträgen wahrscheinlich überhaupt nur von einem kleinen Teil der Kassen ohne Beitragserhöhungen werden durchgeführt werden können. Anstatt bei den Kriegsopfern die unzu- längliche Freigrenze von 25 Mark monatlich zu beleitigen und sie wesentlich zu erhöhen, hat man im wesentlichen nur die Bestimmung beseitigt, diese 2ö-Mark-Grenze auch bei den Fällen wieder- herzustellen, bei denen sie noch dem Notverord- nungsrecht überhaupt fortgefallen war, nämlich bei den Renten, die nach dem I.Januar 1932 fest- gestellt worden sind. Die Milderungen in der U n f a l l v e r s i ch e- rung bestehen darin, daß auf die letzten Kür- zungen verzichtet wird. Bon ebenso untergeordneter Bedeutung sind die Milderungsvorschristen in der A n g e st e l l t e n- Versicherung. Alles in allem: von dem vielen, das genommen worden ist, wird nur ein klein wenig zurückgegeben. Maßgebend bleibt immer die sreiherrliche Maxime, daß sür die A r- b e i t e r— von Großindustriellen und Groß- agrariern ist hier nicht die Rede— der Staat keine Wohlsahrtsanstalt sein soll! Antwort und Londoner Besprechungen. Er er- innerte bei dieser Gelegenheit an die Haltung der französischen Regierung und erklärte, daß er ohne Hintergedanken an allen Arbeiten der Abrüstungs- konferenz teilgenommen habe. Er wies ferner darauf hin, daß er gegenwärtig an der Vor- bereitung der V o r i ch l ä g e arbeite, mit denen Frankreich beweisen wolle, so weit auf dem Wege der Abrüstung� vorzugehen, wie dies mit seiner Sorge um die Sicherheit vereinbar sei, die allen Mächten durch den Artikel 8 des Völkerbundspaktes versprochen sei. Er erklärte, daß der leitende Gedanke seiner Re- gierung immer der gewesen sei und auch stets der bleiben werde, die Politik des Völkerbundes zu verteidigen. In Durchführung dieser Genfer Grundsätze und Methoden habe das augenblick- liche Kabinett eine Lösung der gestellten Fragen gesucht und werde sie auch weiterhin suchen. In den Diskussionen dieser Tage spielt eine große Rolle die Frage: Weshalb ist die Macht der sozialistischen Arbeiterschaft in Deutschland so zurückgegangen? Die Kommunisten behaupten, die sozialdemokratische Politik sei die Ursache für den Machtverlust. Wie liegen die Dinge in Wahrheit? Bei den Reichstagswahlen am 31. Juli 1932 erhielten Sozialdemokratie und KPD. zu- fammen rund 13 392 999 Stimmen, die Nationalsozialisten rund 13 733 999 Stim- men. Die„M a r x i st e n" sind also fast ebenso stark wie die Ratio- n a l s o z i a l i st e n, mit deren Anwachsen der Umschwung in Deutschland vor sich ging und auf deren„breiten Rücken" schließlich die „Herren-Regierung" ans Ruder kam. Warum ist der Einfluß der Nationalsozia- listen um so viel größer als der der „Marxisten"? Die Nationalsozialisten sind eine Partei, die„Marxisten" aber zwei, und für die Kommunisten sind die Sozial- demokraten die Hauptfeinde! Das deutsche Bürgertum war schwach, so- lange es in viele Parteien zersplittert war. Solange genügte die Kraft der Sozialdemo- kratie allein, ihm— unter Ausnutzung der Interessengegensätze im Bürgertum— selbst jene Konzessionen an das arbeitende Volk abzuringen, die jetzt sogar die„Rote Fahne" als„soziale Errungen- s ch a f t e n" anerkennt. Das Bürgertum hat die Arbeiterklasse zurückgedrängt in dem- selben Maße, wie es sich in der Nazipartei sammelte und sich der Bruderkampf in der Arbeiterklasse verschärfte. Hätten wir die Sammlung im bürgerlichen Lager etwa durch eine„radikalere" Politik verhindern können? Wenn das der Fall wäre, warum haben dann die Kommu- nisten es nicht geschafft? Die Sammlung er- folgte im Zeichen des Nationalismus! Der Nationalismus liegt dem Bürgertum immer noch stark im Blute. Die Probleme der deutschen Außenpolitik, in ihrer Eigenart in erster Linie bestimmt durch den vom Kaiserreich verlorenen Krieg, haben es er- möglicht, die sozialrevolutionären Wirkungen der Wirtschaftskrise im Bürgertum in die nationalsozialistische Linie zu drängen und den Verbindungsprozeß zwischen Arbeiter- schuft und proletarisiertem Bürgertum zu durchkreuzen Mit dem wilden Nationalismus konnten und durften wir nicht konkurrieren. Die Kommunisten versuchten es: Nur Sowjet- Deutschland, erklärten sie, werde den Friedensvertrag zerreißen! Und der Erfolg? Der Nationalismus sieht sich im Kommunis- mus bestätigt! Aber wäre nicht durch eine„radikalere" Politik die Sammlung der Arbeiterklasse er- möglicht worden? Unsere Aufgabe ist: die Verwirklichung des Sozialis- m u s in Deutschland. Wir können sie nur lösen auf d e m o k r a t i s ch e m Wege. Dürfen wir uns im Interesse der Einheit für einen falschen Weg entscheiden? Wir hätten— vielleicht— die Einheit gewonnen, aber den Sozialismus verloren! Einheit auf dem Süuuü&cuci, de*t ZZ. Oldo&cc, a&zuds 6 UUc den bekannten Ste von I I e n aus wUUüqt TtutyUiMvzi Alle Genossinnen und Genossen, Reichsbannerkameraden, alle Jugend- und Sportgenossen beteiligen sich daran DER BEZIRKSVORSTAND Rapen im Kreuzverhör Die Aktienmehrheit der„Germania" Voden der Demokratie— eine andere Lösung ist unmöglich Die Gründung der kommunistischen Par- teien in den europäischen Ländern erfolgte 1919/20 unter dem Druck der russischen Kom- munisten. Sie erfolgte nicht, weil das Unter- nehmen der Bolfchewiki etwa Nachahmung verdiente, sondern weil es in Gefahr war zu scheitern und Lenin und Trotzki allein Ret- tung von einer sofortigen Weltrevolution erhofften. Im Interesse des russischen Vor- gehens sollte die Arbeiterschaft der anderen Länder, trotz der dort ganz anders ge- lagerten Verhältnisse in gleiche Experimente hineingejagt werden. Wo das geschah, wie z. B. in Ungarn, trug die Reak- tion den sofortigen Sieg davon. Die Weltrevolution kam nicht, weil sie u n- möglich war. Die Bolschewisten schafften sich selbst durch Einführung der„Nep" Erleichterung. Aber die kommunistischen Par- teien in den europäischen Ländern blieben be- stehen. Eingeschworen auf das russische Ex- periment, vollkommen unterworfen den An- Weisungen aus Moskau, gab es für sie keinen Kampf für den Sozialismus gemäß den Be- dingungen des einzelnen Landes mehr,— sondern nur noch das Moskauer Schema. Nach Rußlands Interessen wurde die Taktik der KPD. bestimmt. Hielt man dort eine re- volutionäre Situation für gegeben, dann wurden die deutschen Arbeiter in Aufstände und Putsche hineingehetzt. Gegen solche Ver- brechen opponierende Führer wurden— wie P a u l L e v i— von Moskau abgesetzt, oppo- sitionelle Mitglieder scharenweise ausge» schlössen. Wie oft hat die Führung der KPD. gewechselt? Wo blieben Thalheimer, Brandler, Ruth Fischer usw.? Alle wurden nacheinander beseitigt. Alle wurden sie abgesetzt wegen„schwerer Fehler in der revolutionären Führung", so daß die Zahl der abgesetzten Parteizentralen der KPD. selbst für den Kommunisten einer der besten Beweise sein müßte, für die fortgesetzte fehlerhafte Politik der KPD. Kommunistische Revolution in Deutsch- land?— kein vernünftiger Mensch hält sie für möglich. Sie ist e i n B ü r g e r s ch r e ck. mehr nicht. Kommunistische Weltrevolution? — ein völlig absurder Gedanke. Wie stark ist der Kommunismus in Frankreich, in Eng- land, in Amerika, in den nordischen Ländern, z. B. Schweden? Er bedeutet dort nichts! Bolschewistische Experimente in Europa sind Hirngespinste. Sie hindern die Einigung der Arbeiterschaft der europäischen Länder beim Kampf zur Ausnutzung der Demokratie als Weg zum Sozialismus. Der Streit um die Demokratie hat die Ar- beiterklasse zersplittert und so die volle Aus- Nutzung der Demokratie für den sozialistischen Umbau gehindert. Was eine einige sozialisti- sche Bewegung auf dem Wege der Demo- kratie hätte schassen können, das erkennt wohl jeder denkende Mensch heute am Bei- spiel, das das Bürgertum uns gibt. Die Sammlung des Bürgertums machte die demokratische Verfassung zur Waffe ihrer Feinde. Dagegen die Spaltung der Arbeiter- klaffe machte diese Waffe für den Sozialis- mus immer stumpfer. Die Kommuni st en haben die ChancederDemokratiederReak- tion überlassen. Wir müssen sie wiedergewinnen! Eine einige Arbeiterklasse kann das jederzeit. Eine einige deutsche Ar- beiterklasse, kämpfend auf dem Boden der Demokratie,— und die Entwicklung seit 1918 wäre nicht bei Papen geendet—, sondern die sozialistische Republik Deutschland wäre ihrer Vollendung viel, viel näher als Rußland dem Sozialismus nahe ist! Memelkretstag aufgelöst �Veil die Litauer durchfielen Der Memeler Kreistag ist abermals ausgelöst worden. Bereits im Sommer war er aufgelöst worden, weil einige Personen ihr Wahlrecht nicht den Gesetzen entsprechend ausgeübt hatten. Darauf schrieb das damalig« Direktorium Böttcher die Neuwahlen für den Februar d. I. aus. Das großlitauische Direktorium Simmaitis hob aber den Wahltermin auf, anscheinend um auch den für die Landtagswahl Neueingebür- g« r t e n Gelegenheit zur Kreistagswahl zu geben. Nach der Bildung des Direktoriums Schreiber wurde im Mai der Kreistag gewählt. Da in- dessen die Wählerlisten nicht ergänzt worden waren, so wurden gleich nach der Wahl, die ebenso wie die Landtagswahl für die Natio- nal-Litauer eine Niederlage brachte, von diesen Proteste erhoben. Diesen Protesten gab zwar das Verwaltungsgericht aus formal-juristi- scheM Gründen nicht statt, das Direktorium des Memelgebietes aber hat jetzt den Kreistag auf- gelöst, weil infolge der Aussetzung des Wahl- termlns ein Teil der Wahlberechtigten v e r h i n- dert worden sei, von seinem Wahlrecht Ge- brauch zu machen. Die Verhandlungen des Klepper-Aus- s ch u s s e s im Preußischen Landtag über dos Ge- schüft der Preußenkasse mit der„Kölnischen Volks- zeitung" dehnten sich auch am Mittwoch endlos aus. Im stundenlangen Frage- und Antwortspiel versuchten die Deutschnationalen und National- sozialisten irgendeine Handhabe zu bekommen, um den am Geschäft Beteiligten irgendeine Unsauber- keit unterstellen zu können. Zu ihrer größten Ent- täuschung ist ihnen aber bisher noch jeder Beweis mißglückt, daß diese Aktion der alten preußischen Staatsregierung auch nur die geringste Unsauber- keit enthalte. Das große Ereignis der Nachmittagssitzung war die Vernehmung von Popens wegen des Aufkaufs der„Germania"-Aklien. Der Vorsitzende Zubke(Dnat.) fragte den Reichs- kanzler, ob ihm etwas davon bekannt sei, daß das Verlagshaus der„Kölnischen Volkszeitung", die Goerreshaus A.-G., das Aktienpaket der„Ger- mania" indirekt mit Mitteln der Preußenkasse er- worden habe, um den Einfluß eines Großaktionärs auszuschalten. In diesem Zusammenhange sei im Ausschuß Papen als Großaktionär der„Ger- mania" genannt worden. Reichskanzler von Papen: Mir ist in diesem Zusammenhang nur bekannt, daß ein Aktienpaket, welches, soweit ich mich erinnere, im Besitze des ehemaligen Ministeriabdirektors Spicker sich be- fand, damals verkauft worden ist Dieses Paket ist dann teilweise in den Besitz der Goerres- Haus A.-G. gelangt Mir war damals unbekannt, wer die Mittel zum Aufkauf dieses Aktienpakets gegeben hat. Abg. Hau lKomm): In der gestrigen Ausschuß- sitzung hat Finanzminister Klepper sich aus ein Gewohnheitsrecht berufen, daß der Staat sich an Zeitungen beteiligt habe. Ist die Beteiligung an Zeitungen auch unter dem jetzigen Regime in Preußen fortgesetzt worden, Herr Reichskommissar? Ist das Reichswehrministerium, für das ein gewisser Herr Rloizizewsky als Propagandist im Lande herumreist, an der„Täglichen Rundschau" beteiligt? von Papen: Ich habe hierzu zu erklären, außer den im Etat zu solchen Zwecken eingesetzten Mitteln sind für Presseunterstützungen und Presse- beeinflussungen unter meiner Regierung keinerlei Mittel aufgewendet worden. Die zur Sprache ge- brachte Angelegenheit mlt der„Täglichen Rund- schau" ist mir nur durch die Presse bekannt. Ich bezweifle, daß diese richtig ist. Abg. Rau(Komm.): Haben Sie Nach- forschungen darüber angestellt? Es soll doch auch die„Berliner Börsen-Zeitung" mit öffent- lichen Geldern unterstützt werden? von Papen: Ich habe keinen Anlaß, mit meinen Ressortministern über jedes Zeitungsgerücht zu sprechen. Abg. Rau(Komm.): Das ist ja eine merk- Weimar, 19. Oktober Eigener Bericht des„Vorwärts" Auf der Durchfahrt nach Koburg zum Hitler- Treffen und zur Fürstenhochzeit sowie auf der Rückfahrt haben Berliner SA.-Leute schwere Ausschreitungen in Pößneck und Eisenach begangen. Wie das„Saalfelder Volksblatt" aus Pößneck mitteilt, oersuchten mehrere Berliner SA.-Stllrme eine ausmarschierende Reichsbannergruppe dadurch zu provozieren, daß sie mit ihren Autos die Straße versperrten. Einwohner mit Freiheitsabzeichen wurden von ihnen auf den Straßen der Stadt ver- folgt, die Abzeichen wurden ihnen abgerissen. Einen Sozialdemokraten schlugen sie ins Gesicht, so daß selne Brille zersplitterte. Als ein des Weges kommender Kassierer der Stadtkasse, der keinerlei Abzeichen trug, die Schläger zur Vernunft mahnte, wurde ihm das Nasenbein zertrümmert. Aus Eisenach wird der deutschnationalen Weimarer„Aolkszeitung" gemeldet, daß auf der Rückfahrt Berliner SA.-Leute in Eisenach in der Nähe der Geschästsstelle der Deutschnationalen Volkspartei Halt gemacht haben. Acht Mann drangen in die Geschästsstelle ein und eigneten sich dort zum Verkauf ausliegende Schriften an. Als sie aus der Geschäftsstelle ver- wiesen wurden, nahmen sie eine drohende Haltung ein. Unter wüsten Drohungen und Be- schimpfungen rückten sie dann ab. Vor der Ge- schästsstelle rissen die Nationalsozialisten die sch w a rz w e i ß r o t e Fahne herunter, zerrissen sie und warfen sie in die Gosse. Ein SA.- Mann konnte dingfest gemacht werdon. Abends um sieben Uhr verließen die Hitler-R.'wdys Eise- nach unter Rufen wie„Schupo verrecke" und „Deutschland erwache". würdige Praxis. Es handelt sich hier doch nicht um kleine Beträge, sondern um erhebliche Summen, deren Rechnung das Volk zu zahlen hat. von Papen: Ich stelle anheim, den Reichswehr- minister hierüber zu befragen. Abg. Rau(Komm.): Das ist eine begrüßen?- werte Anregung. Ich werde einen entsprechenden Antrag zur Vorladung Herrn von Schleichers stellen. Abg Szillat: Aus den Akten des„Germania"- Komplexes ist ersichtlich, daß Sie Haupt- a k t i o n ä r waren. Sind Sie persönlicher Be- sitzer oder Treuhänder? Ist Ihnen aus Ihrer Ver- gangenheit als Zeitungsverleger bekannt, daß Zeitungen Ihres Betriebes subventioniert wurden? von Papen: Nein. Abg. Szillat(Soz.): Auch ich habe an Herrn von Schleicher verschiedene Fragen zu stellen. Es gibt doch im Reichsetat verschiedene Dispositionsfonds ohne genaue Bezeichnung des Verwendungszweckes. von Papen: Es gibt nur zwei Dispositionsfonds, aus denen Mittel an die Presse fließen könnten. Das ist der Fonds des Reichskanzlers in Höhe von ISO 000 M. und der Fonds der Presseabteilung in Höhe von SO 000 M. Außer diesen beiden Etatsposten gibt es keine Positionen für Pressebcihilfen. Abg. Szillat(Soz.): Sind in den letzten Tagen oder Wochen neue Käufe in„Germania"-Aktien durchgeführt worden? von Papen: Mir ist davon nichts bekannt. Abg. Wuhs(Nsoz.): Minister Hirtsiefer hat vor dem Ausschuß erklärt, die Aufkäufe der„Ger- mania"-Aktien hätten stattgefunden, weil Sie, Herr Reichskanzler, mit der Politik des Zentrums in Wiederspruch geraten wären. Was war denn die Ursache dieser Differenz? Haben Sie damals etwa schon, also im Sommer 1930, etwa Ver- bindung mit den D e ut sch nati o n a l e n aufgenommen?(Große Heiterkeit.) von Papen: Ich habe seinerzeit Aktien der„Germania" ausgekauft, um in diesem Blatt eine konservative Haltung zur Gellung zu bringen. für die ich zwölf Jahre in der Partei gearbeitet habe. Es ist sehr wohl denkbar, daß Herr Hirt- sieser geäußert hat, er habe das Paket nicht in meinen Besitz kommen lassen wollen, um einen verstärkten politischen Einfluß von mir zu ver- hindern. Abg. Rkuh»(Nsoz.): Haben Sie von dem An- kauf der„Germania"-Aktien mit staatlichen Mitteln der Preußenkasse etwas erfahren? Als Hauptaktionär der„Germania" hätten Sie doch wohl davon Kenntnis bekommen müssen. von Paven: Leider habe ich diese Kenntnis nicht gehabt. Es tauchten wohl allerlei Gerüchte auf, aber ich hatte damals ebensowenig wie Sie die Möglichkeit, diesen Gerüchten nachzugehen. Hiermit war die Vernehmung Popens beendet und es folgt dann das Zeugenoerhör des Staatssekretär der Reichskanzlei Dr. Planck. Dölkerhaß als Lehrfach Im Amtsblatt des Thüringischen Ministeriums für Volksbildung veröffentlicht der Nazi-Volks- bildungsminister Wächtler eine Verordnung, durch die der Völkerhaß als Lehrfach eingeführt werden soll. Die Verordnung lautet: „Wir ordnen folgendes an: In den siebenten Klassen der Volksschule, in den beiden ersten Jahr- gängen der Berufsschulen und in den Klassen Quarta bis Unterprima der höheren Schulen sind alljährlich in der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten die Vertragsbestimmungen über die Ge- bietsabtretungen und die Abrüstung und der Kriegsschuldartikel 231 im Sinne dieser Verfügung eingehend zu behandeln. Von den Schlußklassen aller Schulen des Landes haben in dem letzten Vierteljahr das Diktat von Versailles und der Gedanke des Kampfes da- gegen beherrschend im Vordergrund des Geschichtsunterrichts zu stehen. Zudem haben sich alle Schüler und Schülerinnen des siebenten Schuljahrs den W o r t l a u t des Artikels 231 einzuprägen, damit sein Inhalt in ihrem Bewußtsein dauernd lebendig bleibt und der Abwehrwille dagegen zur höchsten Entfaltung kommt. Um die Erreichung dieses Zieles zu fördern, bestimmen wir schließlich, daß an ollen Schulen vom siebenten Jahrgang an regelmäßig die letzte Wochenstunde mit folgendem Wechselgespräch geschlossen wird: Ein Schüler oder der Lehrer sagt vor: hört den Artikel, den Deutschland» Feinde ersannen, um uns aus ewig zu schänden:(Folgt der Wortlaut de» Vertragsartikels.) Die Klasse hat darauf zu ant- warten:„Die deutsche Schande soll brennen in unseren Seelen bis zu dem Tage der Ehre und Freiheit." Und in diesem Unfug soll Deutschland genesenl Auch dieser Zeuge bestätigt auf Ansrage. daß außer den beiden im Etat genannten Fonds keine staatlichen Mitteln zu Pressebeihilsen oerwendet worden sind. Abg. Muhs(Nsoz.): Sind�der freien Ver- füguug dieser Gelder keine Schranken gesetzt? Können diese Fonds auch für parteipolitische Zwecke verwandt werden? Zeuge Dr. Planck: Die Verwendung liegt im Ermessen des Reichskanzlers. Daß diese Regierung die Mittel nicht im parteipolitischen Sinn ver- wendet hat oder verwenden wird, liegt ja im Charakter dieser Regierung.(Stürmisches Ge- lächter.) Nach der Vernehmung dieses Zeugen wird das Verhör der Direktoren der Preußenkasse fortgesetzt. Dr. Bachem. Direktor der Arbeiterbank, be- kündet zu der Frage des Kreditgeschäftes mit der „Kölnischen Volkszeitung", er habe keine Bedenken gehabt, bei den engen Beziehungen, die seine Bank zur Preußenkasse und zur Heimbank gehabt habe, den Kredit an Stelle der Preußenkasse zu über- nehmen, bis der Staat oder die Preußenkasse das Geschäft endgültig unter Dach und Fach gebracht haben würden. Ein solcher gegenseitiger Zwischen- kredit sei bei den engen Beziehungen keineswegs ungewöhnlich gewesen. Es seien die üblichen Zinsen-vereinbart worden. Ursprünglich habe man nur an einen Zustand von wenigen Monaten gedacht. Als die Rückzahlung sich verzögerte, habe er aus Klarstellung gedrängt. Auf die Frage des l�orsitzenden, ob die Arbeiterbank denn über- Haupt einen Rechtsanspruch gegenüber der Preußenkasse auf Abdeckung des Kredits gehabt habe, erklärt der Zeuge, es habe kein Anlaß vor- gelegen, daran zu zweifeln, daß der Staat zu seinem Wort stehen werde. Am Donnerstagvormittag um 10 Uhr will der Ausschuß die Zeugenvernehmung zu dem Fall „Kölnische Aolkszeitung" zu Ende führen. Im Zeichen des Zwickels Komödie um„autoritäre Staatsfiihrung" Wo ist der Genius, der einem Lustspieldichter den Stoff zu solchen Tragikomödien eingeben könnte, wie sie heute der Alltag unter der„grund- sätzlich neuen Staatsfllhrung" geradezu am Fließ- band liefert? Hätte je eine Phantasie einen Fall D a u b- mann- Hummel erfinden können? Oder jene Szene vor dem Untersuchungsausschuß des Reichs- tages, als der Innenminister des Papen-Regimes vernommen wurde, auszusagen, ob sich der Herr Reichskanzler in der historischen Sitzung des Reichstages rechtzeitig zum Wort gemeldet habe. Was antwortete Herr von Gayl? E r s e l b st habe den entscheidenden Moment einer Wortmel- dung. erfaßt gehabt: er selbst habe gerade aus- springen wollen, bei dem Reichstagspräsidenten eine Wortmeldung für Herrn von Papen anzu- bringen, aber,.. beim Aufspringen vom Stuhl sei er, der Herr Reichsinnenminister. mit der Uhrkelte am Pultschlllssel hängen geblieben! Sollen wir noch einmal von der über den Erd- ball ziehenden Heiterkeit sprechen, erzeugt von dem Zwickel- Erlaß des Herrn Bracht? Doch ja! Die Zwickel-Komödie ist noch nicht zu Ende. Am Mittwoch begann erst der zweite Akt. Die„neue Staatsführung" ist beim Kompro- m i ß angelangt, derart, daß der Zwickel durch- löchert ist. Natürlich nur sinngemäß. Die amtliche Meldung darüber sagt: es sei eine Einigung zwischen dem Herrn Staatskommissar und der be- schwerdeführenden Industrie erzielt worden, derart, daß wohl der Zwickel bestehen bleibt, aber doch nicht so absolut, daß darunter die Formschön- heit des Badekostüms leiden müsse. Der Zwickel steht, wenn der Mann auch fällt! Und wenn Herr Bracht längst nicht mehr sein sollte, über seinen Zwickel wird man lachen und sich amüsieren, national und international, denn viele Länder haben ihn bereits in ihren Wortschatz aufgenommen. Die nationalen Männer als Förderer der internationalen Verständigung. Wahrlich, die autoritäre Sittlichkeits-Kommission oder„Staatsführung", wie sie sich nennt, hat ihre Sorgen! Sie verpaßt jedem Deutschen seinen Zwickel zur Hebung der Sittlichkeit und sie will die Straßenmädchen von der Straße zurück in die kasernierten Stätten der Unzucht bringen, nach dem alten Rezept: was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß! Nur hinweg von der Straße, wohin täglich immer mehr Menschen von der Not und dem Hunger getrieben werden. Getrieben von einer untergehenden Wirtschaftsordnung, die zu erhalten und zu verewigen das Leitmotiv und das Ziel der Papenregicrung ist. Erhaltung einer „Ordnung" und ihrer sogenannten„Sittlichkeit", die von Schauder ergriffen wird, ob eines allzuweiten Rückenausschnitles, aber ruhig schlafen kann, ob« wohl Tuberkulose. Rachitis und seuchenartige, durch die Unterernährung verursachten Krank- heiten, schreckliche Opfer fordern. Leichler Unfall hindenburgs. In amerikanischen Zeitungen war von einem Unfall die Rede, den der Reichspräsident dieser Tage in seiner Woh- nung erlitten haben soll Dazu wird mitgeteilt, daß dieser Unfall völlig harmlos verlausen sei. Der Reichspräsident ist ausgeglitten und gestürzt, ohne Schaden zu nehmen. SA. auf Hochzeitsreise Die„8turm"gaste von Koburg Tiefpunkt im Ministerium Rabbi und Mönch disputieren Loebbels darf bei„feinen Leuten" reden— seine Leute schreien: „Hugenberg der Judas"! „Was zeichnen Sie da für Kurven? Sie haben wohl Auftrag, den Tiefpunkt der Wirtschaftskrise graphisch darzustellen?" „Aber keineswegs— ich berechne nur den zulässigen Tiefpunkt des Rückenausschnitt s," Gestern abend fand in der„Neuen Welt" der vielfach angekündigte Redewettstreit zwischen den alten Harzburger Freunden, den Deutsch- nationalen und den Nationalsozialisten statt. Aus Hugenbergs Seite fochten Schwidt und Steuer. Dr. Joseph Goebbels kämpfte als homerischer Held für Hitler. Unser Berichterstatter schreibt: Es war kein edler„Kamps der Wagen und Gesänge", der gestern in der Neuen Welt stattfand. Es ähnelt« mehr den Schimpfkanonaden der berühmten home- rijchen Helden oder dem Disput zwischen Rabbi und Mönch, den Heim schilderte. Und draußen, in der Hasenheide bis zur Jahnstraße und bis über den Hermannplatz hinaus herrschte von 18 bis 21 Uhr ein richtiges Tohuwabohu. Gegen 2l) Uhr herrschte vor der Neuen Welt ein schlimmes Gewoge Der neutrale Kriegsbericht- erstatter muß anerkennen, daß hier die National- sozialisten weit in Front lagen. Sie hatten ihre Neuköllner Stürme hinkommandiert, man sah bei- nahe in Geschlossenheit den Sturm aus der Skalitzer Straße und weiter die Stürme 124 und 84 aus der Lindenstrahe und aus der Alexan- drinenstraße. Sie machten, vereint mit Hitler- mädchen, einen Spektakel, der Herrn Hugen- berg, dem alten Freunde von Harzburg, nicht an- genehm in den Ohren geklungen hoben würde. Da dröhnte es im Sprechchor:„Nieder mit Hugenberg!", „hugenberg, der Zudas!" Zum„Hugenberg verrecke" gesellte sich das Horst- Wessel-Lied:„Die Straße frei den braunen Bataillonen!", aber aus einer anderen Ecke her ertönte es:„Heil Moskau! Nieder mit Hitler!" Oesters muhie die Polizei eingreifen. Nur mit Mühe gelang es ihr. die Zugänge zur Neuen Welt freizuhalten Zeitweise war es auch Per- sonen mit Eintrittskarten und Polizeiausweisen bei dem allgemeinen Tumult unmöglich, bis zur Neuen Welt vorzudringen. Die Schutzpolizei war gezwungen, bis zur Jahnstraße zu säubern. Dort standen die Privatautomobile, und es läßt sich nicht sagen, welche von den etwa vierzig Wagen Deutschnationalen oder Nationalsozialisten ge> hörten. Die Polizei ist. obwohl der Skandal zeit- weise die Grenzen des Zulälligen weit überschritt, mit außerordentlicher Milde vorgegangen. Inzwischen tobte im Großen Saale der Neuen Welt, der schon lange Zeit vor Beginn der Ver- sammlung dicht besetzt war. der Redekamps zwischen den feindlichen Harzburger Brüdern. Schützend stellte sich Schmidt vor die Regierung Versammlung ausgelöst Wildes aus dem Westerwald Eigener Berithi dei„Vormärit" In Asbach im Westerwald wurde eine gut- besuchte sozialdemokratische öffent- l> ch e Versammlung von dem wachhabenden Oberlandjäger aufgelöst, weil der Redner nach einer Kritik an der Münchener Rede de» Herrn von Papen in Umkehrung de» bekannten Kanzlerwortes sagte, daß— nachdem der Reichstag von Papen mit 95 Proz. seiner Mitglieder das schärfste Mißtrauen bekundet hat— derjenige ein Feind des deutschen Ar- beitervoltes fei, der sich hinter diese Re- gierung der Barone stelle. Der Oberlandjäger verbot dem Redner hieraus weiterzureden wegen angeblicher Ausforderung zum Ungehorsam(!?) und löste die Versammlung auf. Gegen die unge- rechtfertigte Auflösung ist Beschwerde erhoben worden. Versiegelte Maschinen Polizei im Karl-Liebknecht-blaus Auf Veranlassung des beauftragten Unter- suchungsrichters des Reichsgerichts In Kassel er- schienen gestern Beamte der Berliner Polizei in der City-Druckerei des Karl-Liebknecht-Haufes und beschlagnahmten die große Rota- t i o n» m a s ch i n e, auf der die„Rote Fahne" gedruckt wird. Als Begründung wurde ange- geben, daß durch Sachverständige festgestellt wor- den sei, daß dies« Rotationsmaschine zur Her- stellung von Druckschriften hochverräterischen In- halt« benutzt worden sei von Papen. Er wies daraus hin, daß Goebbels selbst, als noch Freundschaft zwischen Papen und Hitler herrschte, es im„Angriff" als Unrecht be- leichnet habe, wenn die Sozialdemokraten das Kabinett von Papen als Regierung der Barone und Krautjunker bezeichnete. Dr. Goebbels, der dann für eine halbe Stunde zu Wort kam, blieb die Antwort nicht schuldig. „Die Nationalsozialisten haben wohl ihre Taktik, niemals aber ihr Programm geändert. Wenn die Deutschnationalen in Verlegenheit kamen, dann wechselten sie nicht nur ihre Taktik, sondern auch ihr Programm und, wenn es daraus ankam, sogar ihren Namen Die Konservativen von einst stimmten zu 99 Proz. ihrer Reichstagsmitglieder dem Dawes-Plan zu." Nach Goebbels sprach Steuer. War er es nicht, dem die Nazis im Landtag„Judenjunge" zu- riefen? Nach Steuer kam der Germane Goebbels noch einmal zu Wort Der denkende, organisierte Arbeiter aber stellt sich bei diesem Rededuell nur die eine Frage: Wer lügt mehr? Harzburger Keile Laalschlacht zwischen nationalen Brüdern S lolp(Pommern), 19. Oktober. Die Deutschnationalen veranstalteten hier am Mittwoch eine Dahlkundgebung, in der Ritter- gutsbesiher von Sleist-Schmenzin sprach. Zahl- reiche Nationalsozialisten versuchten den Redner durch Zwischenrufe zu stören. Der vor- trag konnte jedoch zu Ende geführt werden. AI» einziger Diskussionsredner richtete der nationalsozialistische Landlogsabgeordnete E z i r- nick- Stettin außerordentlich heftige Anarisse gegen die Deutschnationalen. Als dann von Kleist den bekannten Ausspruch Hitlers vom November 1923:„Morgen regieren wir in Deutschland oder ich bin tot" er- wähnte, kam es zu einem allgemeinen Tumult. Die Nationalsozialisten versuchten darauf, die Versammlung zu sprengen, während der deutsch- nationale Saalschutz dies zu verh-ndern suchte. Es entstand eine heftige S a a l f ch l a ch t. wobei eine Anzahl Personen verletzt wurde. Die Polizei nahm zahlreiche Verhaftungen vor. Auch der Naziabgeordnele Czirnick wurde festgenommen. Er hatte mit einer Flasche nach dem vorstondslisch geworfen und einen Gutsbesitzer verwundet. Der Eifer, mit dem das Reichsgericht und die Brachtsche Polizei daraus bedacht sind, die Per- fassung von Weimar zu schützen, ist bewunderungs- würdig! Offenbar bilden die kommunistisch ver- feuchten Rotationsmaschinen die einzige Gefahr, und wenn die erst alle versiegelt sind, dann ist die demokratische Republik endgültig gesichert! Das Borgehen stützt sich auf eine Notverord- nung, nach der Geräte, die zur Herstellung hoch- verräterischer Schriften benutzt werden, eingezogen und unbrauchbar gemacht werden können. Man hat aber noch nie gehört, daß einem Recht»- radikalen, der den Staatsstreich und den Verfassungsbruch predigt, das Maul versiegelt worden ist! Sachsen gegen papen Dresden, 19. Oktober. Der Sächsische Landtag nahm am Mitt- woch einen sozialdemokratischen Antrag an, der sich gegen die Bestrebungen wendet, die Reform der R e i ch s v e r f a s s u n g auf v e r s a s s u n gs- widrigem Wege mit Hilfe des Reichsrats durchzuführen. Die sächsische Regierung wird in dem Antrag aufgefordert, in Berlin s ch ä r f st e n Prot« st gegen verfassungswidrige Pläne der Reichsregierung zu erheben. Ministerpräsident S ch i e ck erklärte, die bis- herigen Kundgebungen der Reichsregierung hätten ein erfreuliches Bekenntnis zum jöderativen Ge- danken gebracht, denen hoffentlich die entsprechen- den Taten folgen würden. Für eine Stellung- nähme der sächsischen Regierung sei jedoch bisher keine sichere Grundlage vorhanden. Er würdige durchaus.d� Tatsache, daß ein Umbau des Weimarer Verfassungswerkes nur dann Festigkeit und Dauer verheiße, wenn er von der Zustimmung einer über- wiegenden Mehrheit des deutschen Voltes getragen sei. Wenn der Verfasfungsreformentwurf im Reichsrat beraten werde, werde die sächsische Regierung das ganz gewiß nicht aus dem Auge lassen. Es sei aber nicht möglich, bei jeder Ab- stimmung im Reichsrat die Erwägung anzustellen, ob der Beschluß später im Reichstag eine Zwei- drittelmehrheit finden werde. Partei im Wahlkamps Wuchtige Versammlungswelle Zwei und eine Halbe Woche vor dem Wahltage wälzt sich«ine gewaltige Versammlungswelle der Sozialdemokratie über das Land. Wir sind nicht imstande, auch nur den zehnten Teil der großen Kundgebungen zu registrieren und geben als Stimmungsbild nur einige wenige der uns zu- gehenden Berichte wieder. Genosse B r e i t s ch e i d sprach in einer riesigen Kundgebung der Eisernen Front in der Stadthalle zu Hannover und tags daraus auf dem Partei- tag für Schleswig-Holstein in Neumünster. Gleich- zeitig fand in Kiel eine Jugendkundgebung statt, in der Genosse Ollenhauer die Arbeiterjugend zur tätigen Mithilfe am Kampf anspornte. Regierungspräsident Genosse Dr. F i tz n« r, der von der Papen-Regierung zur Disposition ge- stellt worden ist, eröffnete in 19 Versammlungen im Unterbezirk Guben-Crossen und S o r a u den Wahlkamps. Ueberall fanden die Ausführungen des Redners begeistene Ausnahme. In Leipzig sprach Genosse D e n i ck e über den sozialistischen Umbau, der nach unserer wirt- schaftlichen Entwicklung unabwendbar geworden ist, sowie Genosse F leihner, in Halle Ge- nosse A u f h ä u s e r über die Entscheidung des 8. November, in Dessau Genosse S e e g e r über die besonderen politischen Verhältnisse in Anhalt. Nach einem großen Schufoappell in Hamburg sprach Genosse Höltermann im Gewerkschasts- haus über die politischen Aufgaben der arbeiten- den Jugend In Witten sprachen in imposanter Versamm- lung die Genossen S e v e r i n g und H us e- mann, fünfzehn weitere Versammlungen finden in diesen Tagen im gleichen Bezirk statt. In der Iahrhundershalle in Breslau, die über 12 999 Menschen faßt, sprach unter stllr- mischem Beifall Genosse N ö l t i n g gegen die Politik des Herrenklubs. In Düsseldorf fand eine Kundgebung der Beamten und eine Versammlung der Erwerbslosen statt, in der ersteren referierte Rechtsanwalt Neu- berger und Stadtobersekretär Sangs, bei den Er- werbslosen Landtagsabgeordneter Berten. ...... Voraussetzung, daß der Meiste Punkt ces RUckenausschnitts obefhalb>.er Gürtellinie liegt.(Aus dem neuesten Bracht-Erlaß.) Nottrawalle in London Die Regierung sieht keine tlrsache London, 19. Oktober. Im Parlament stellte der Führer der Labour- Fraktion Lansbury eine Anfrage wegen der schweren Arbeitslosenunruhen in der Dienstag-Nacht in London. Die Demonstration sei, so erklärte der Innen- m i n i st e r, von der nationalen Union Arbeits- loser, einer kommunistischen Organisation, veran- staltet worden. Angrisse aus die Polizei seien im voraus geplant gewesen. Die Polizei habe große Zurückhaltung an den Tag gelegt. Ueber 49 Personen seien verhaftet, mehrere Beamte verletzt worden. Die Verhafteten seien im Polizeigericht vernommen worden. Die Polizei habe eingehende Vorbereitungen getroffen gehabt, um Demonstrationen vor dem Verhandlungs- gebäude zu oerhindern. Es se�en Geldstrafen bis z u 49 Schilling und Gefängnisstrafen bis zu drei Monaten oerhängt worden. Die Ursache für alle Unruhen der letzten Zeit ist die Erbitterung über den zur Voraus- setzung der Arbeitslosenunterstützung gemachten Bedürftigkeitsnachweis. 56 Schutzbündler in Haft Die Regierung wird Rechenschaft gehen müssen Dien, 19. Oktober. Von den in Simmering verhafteten Schutz- bündlern ist über 56 heute die ordentliche Unter- suchungshaft verhängt worden. Sie wurden ins Landesgericht übergeführt. Für das Begräbnis der zwei getöteten National- sozialisten am Donnerstag sind große Sicherheits- Vorkehrungen getroffen worden, um Zusammen- stöße zu vermeiden Das Leichenbegängnis des getöteten Wachmannes ersolgt am Freitag. * Im Nationalrat, der dieser Tage zusam- mentritt, wird die Sozialdemokratie nicht nur wegen des Versagen» und der unerhörten Bruta- lität der Polizei am Sonntag>n Simmering Rechenschaft fordern, sondern auch wegen der verfassungsbrecherlschen Verordnung»- praxi» der Regierung, die sich auf das—„kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz" aus dem Habsburgischen Weltkrieg stützt! will es auch besonders sorgfältig gepflegt werden. Am besten nehmen Sie dafür Schwarzkopf Extra-Blond, das Schaumpon der Blondine. Blondhaar behält dann seinen jugendlichen Goldglanz, nachgedunkeltes läßt sich bis zu jeder gewünschten Nuance wieder aufhellen. Extra-Blond Hegt zudem der unvergleichliche, weder durch Zitronensaft noch durch Essigbad ersetzbare„Haarglanz" bei, der das Haar dauernd gesund erhält und blondes Haar doppelt verschönt. Brünette und Dunkle wählen Schwarzkopf- Extra, hell und dunkel mit„Haarglanz" und Schaumbrille. «•«« SCHWARZKOPF EXTBA-BLOND Tropfen aus heißen Stein „Prozente" für Arbeitslose, denen man die Unterstützung kürzte Der Reichsarbeilsminister Dt. Schaffet Hai gestern abend über alle deutschen Sender die neue Verordnung zur' Ergänzung von sozialen Leistungen kräftig herausgestellt. Mit dieser Ver- ordnung löse dic Reichsregierung ein Versprechen ein, das sie schon vor Monaten aus sich selbst und auf kirchlichen Wunsch gegeben habe. Ihrem Versprechen sei stellenweise ein g e- suchtes Mißtrauen entgegengebracht morden. Der Inhalt der Verordnung erscheine dem, der nur wirtschaftlich denkt, etwas gewagt und dem, der nur sozial denkt, nicht bedeutend genug. Die Verordnung aber denke w i r t- sch astlich und sozial zugleich. Der Reichsarbeitsminister stutzte sich für die Beurteilung der nächsten Zukunft auf die zahlen- mäßige Abnahme der Arbeitslosen. Er muhte zugeben, daß es auch eine unsichtbare Ar- beitslosigkeit gibt, die jedoch niemand mit Sicherheit feststellen könne. Weiter aber sei bei den Versicherungsträgern ein langsames Steigen der Beilragseinnahmen zu verzeichnen. Zu den Ursachen der befreienden Erscheinung gehöre auch der W i r t s ch a s t s p l a n der Reichs- regierung. Sie habe, ebenso wie die frühere, nur deshalb einen Teil der Leistungen preisgegeben, weil ihr das Ganze gefährdet erschien. Doch in dem Maße, wie die Gefahr schwinde, könnten und müßten die Leisiungen wieder aus einen ange- mcssenen Stand gebracht Werden. Die neue Verordnung gebe in der Arbeits- l o s e n h i l f e sür den Winter in den ersten sechs Lohnklasscn Zulagen wegen des Familienstandes und lasse einen erheblichen Teil der Gemeinden in höhere Unterstützungssätze aufrücken. Sie schwäche die Unterschiede ab, die sich aus den Orts- klassen oder der Gcmeindegrößc ergeben. Alle Orte mit über 50000 Einwohnern werden für die Unterstützung zu den Orten mit den höchsten Sätzen gerechnet. Die Ausbesserung betrage prozentual für die Angehörigen der Lohn- klasse 1 in der höchsten und mittleren Unter- stützungsgruppe 30 bis 60 Proz. der bisherigen Anläßlich einer Einspruchsklage einiger ent- lassencr Eiscnbahnarbeiter kam es vor dem Ar- beitsgericht zu einer grundsätzlichen Erörterung einer Streitsrage, die im Grunde genonimen darauf beruht, daß dic Reichsbahn ver- w a l t u n g einer großen Zahl von Arbeitern. die zur Entlassung kommen— es handelt sich für den Direktionsbezirk Berlin um wenigstens 1200 Arbeiter— gewisse Vergünstigungen, dic ihnen der Tarif gewährt, ebenso dic Anwen- dung des Einspruchsrechts nehmen will. Es sind nämlich die Arbeiter, welche an ihren bisherigen Beschäftigungsstellen überzählig waren, den Bahnmeistereien zugewiesen, wo sie mit Bahnunterhaltungsarbeiten be- schäftigt wurden. Die betreffenden Arbeiter muhten aber einen Revers unterschreiben, wodurch sie sich als vorübergehend Beschäftigte erklären. Für dic Arbeiter, die seit Jahren an an- deren Dienststellen tätig gewesen sind, bedeutet das nach der Absicht der Reichsbahnverwaltung einen Verlust der erworbenen Rechte in bezug aus Urlaub, Kündigung usw. Alle, die diesen Revers unterzeichnet haben, befanden sich i n einer Zwangslage, denn wenn sie die Unterschrift verweigert hätten, würden sie entlassen worden sein. Das Arbeitsgericht hatte nun zu ent- scheiden, ob die seit Iahren bei der Reichsbahn beschäftigten Arbeiter durch ihre Versetzung an eine andere Arbeitsstelle ein neues Arbeits- Verhältnis eingegangen sind und deshalb kein Recht haben, E i n j p r u ch gegen ihre Ent- 1 a s s n n g zu erheben unter Berufung daraus, daß Dienstjüngere hätten entlassen werden können. D r e s s e l vom Einheitsverband der Eisenbahner kennzeichnete in längeren Aus- führungen dos unsoziale Verhalten der Reichs- bahnvcrwaltung. Er wies daraus hin, daß, wenn die Arbeitszeit verkürzt würde, die Entlassungen nicht erforderlich sein würden. Es lasse sich in keiner Weise rechtfertigen, daß die Reichsbahn in der Zeit furchtbarer Arbeitslosigkeit immer noch an der 4L-Stundenwoche festhalte, die in manchen Fällen sogar überschritten werde. Die Entscheidung des Arbeitsgerichts ging in ihrem grundsätzlichen Teil dahin, daß der Revers nicht die Bedeutung habe, welche die Reichsbahnverwaltung ihn beilege. Aus das Ein- spruchsrecht der Arbeiter könne der Revers nicht angewandt werden. Die Kläger seien nicht als Zeitarbeitcr im Sinne des Tarifes, sondern als wirkliche Lohntarifarbeiter anzu- sehen, und sie könnten sich trotz Unterzeich- nung des Reverses in ihrem Arbeits- Verhältnis mit den Stammarbeitern vergleichen. Sätze, und in der niedrigsten Gruppe sogar 25 bis 70 Proz. In den mittleren Lohnklassen 6 bis 7 bewegten sich die prozentualen Steigerungen zwischen 17 und 33 Proz. Noch höher werde prozentual die Ausbesserung in den Fällen, in denen den Unterstützungsberechtiglen bisher nicht die vollen Unterstützungssätze, sondern nur Teilunterstützungen erhalten haben, weil sie nur für teilweise bedürftig galten oder ihnen Gelegen- heitsverdienst angerechnet wurde. Prozentual berechnet, wirken sich allerdings die Erhöhungen kleiner Beträge schon um ein Geringes recht hoch aus, ohne es deshalb zu sein. Den Arbeitslosen würden ab 31. Oktober insgesamt monatlich rund 11 Millionen Mark mehr zufließen als bisher. Wie viele Millionen wurden ihnen vorher ge- nommen? Darüber sagte Schäffer vorsichtigerweise nichts. Dagegen versicherte er, daß Reich werde in den Wintermonaten die Anteile der Gemeinden an den Reichsmitteln für W o h l s a h r t s h i l f e erhöhen innerhalb der im Haushaltsplan gezogenen Grenzen. In der Krankenversicherung werde durch dic neue Verordnung die frühere Familien- Hilfe zum Teil wieder hergestellt. Von den Kranken- lassen dürfe erwartet werden, daß sie deshalb allein nicht gleich den Beitrag erhöhen. In der Unfallversicherung bringe die Verordnung insosern eine Verbesserung, als Un- fälle, die sich nach dem 31. Dezember 1032 ereig- neu, wieder nach den allgemeinen Vorschriften ent- schädigt werden. Das bedeute eine V e r b e s s e- rung der neuen Renten um 714 Proz. In der A n g e st e l l t e n v e r s i ch e r u n g hebe die neue Verordnung die Sperre der Waisenrente und des Kindergeldes über das 13. Lebensjahr hinaus auf und lasse die Fortdauer dieser Bezüge in Form freiwilliger Mehrleistungen bestehen. Die Angestelltenverbände Es handle sich nicht um den Abschluß eines neuen Arbeitsvertrages, sondern um die Ver- segung an eine andere Dienststelle. Ein Austausch zwischen Zeit- und Stamniarbeitcr ihinsichtlich der Entlassungen) könne erfolgen, ober nur zwischen den Arbeitern der letzten Dienststelle. Aus der Kleinbahn I.oKntIruc:Ie8ciiieds8pructi abgelehnt Im Lohnstreit sür die Klein- und Privat- eisenbahnen der Bezirksgruppe l— Brandenburg— hat der Schlichter eine» Spruch ge- fällt, wonach die Stundenlöhne um 6 Proz. gekürzt werden sollen. Der Schied?- spruch soll mit Beginn dieser Lohnwoche in Krast treten. Die Lohnkürzung schwankt zwischen 1 und 4 Pf. die Stunde. Für den Verlust von 1 Pf. kommen nur ganz wenige Arbeitnehmer in Frage. Der größte Teil der etwa 2500 Lohn- empfänger wird 3 P f. und der kleinere Teil 4 P f. die Stunde verlieren. Der Schiedsspruch entspricht zwar nicht den Untcrnehmerwllnschen, wird aber noch viel weniger den berechtigten Wünschen der Arbeit- nehmer gerecht. Die Unternehmer wollten die un- günstige Entwicklung der Wirtschaftslage und die Notverordnung zu einer radikalen Herabsetzung der Löhne ausnützen. Sie forderten eine Lohn- kürzung zwischen 15 und 20 Proz., und noch im Schiedsgericht wollten sie unter keine» Umständen eine Lohnkürzung unter 10 Proz. hin- nehmen. Wenn es möglich war, zunächst das Gröbste der Unternehmersorderungen abzuwehren, dann verdanken das die Kleinbahner in allererster Linie der ausgezeichneten Arbeit ihrer gewerkschaftlichen Organisation, dem Gcsamtoerband. Der Gesamlverband hatte dem Schlichter umfang- reiches schriftliches Material unterbreitet für die Behauptung, daß weitere Lohnkürzun- gen für die Kleinbahner untragbar sind, da infolge der Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden die Wochenlöhne ohnehin auf einen nicht mehr zu verantwortenden tiefen Stand gesunken sind. Das Ergebnis des Schiedsspruchs bleibt doch vollkommen unbefriedigend. Die Gewerkschaften haben sich deshalb gezwungen gesehen, den Schiedsspruch abzulehnen. In den letzten Tagen haben die Belegschaften verschiedener Bahnen zu dem Spruch Stellung genommen und die Haltung ihrer Organisation gebilligt. erblickten darin eine Erweiterung der Angestellten- Versicherung zur echten Standesversicherung('??). Bei der Versorgung der Kriegsopfer wende die Reichsregierung drei Mittel an. Sie schone die Renten der Kriegsbeschädigten und Kriegcrhinterbliebenen indeni die frühere Freigrenze von 25 M. im Monat eintritt, die durch Notverordnung sür neue Fälle beseitigt war. Bei den sogenannten Kannbezügen, besonders zu- gunsten der Verutsausbildung, ferner bei den Zu- satzrenten, bei der Gewährung von Unterstütz»»- gen, bei der Kapitalabfindung zur Abwendung der Zwangsversteigerung lasse das Reich die Rücksicht walten, die es den Kriegsopfern schuldig sei. Schäffer bezeichnete die Gesamtheit der neuen Leistungen der Arbeitslosenhilfe, der Sozialver- sicherung und der Kriegsopferversorgung als einen hohen Kaufwert, den man m i t etwa 1 5 M i l l i o n e n monatlich annehmen dürfe. Er betonte ausdrücklich, daß die neuen Leistun- gen auf derselben Ermächtigung beruhen, die der Reichspräsident der Regierung am 4. Sep- tember gegeben hat und die in der Oeffentlichkeit so starken W i d er s p r u ch gefunden hätten. Darüber hinaus stellte er„einen Auftrieb in der freien Wirtschaft" durch Berge- bung von öffentlichen Arbeiten in Aussicht. Die Regierung werde sich von ihrem Ziel nicht ab- bringen lassen, weder durch einseikige Kritiker und falsche Vropheken. noch weniger durch den Geist der Verneinung und Zersetzung! Das sind tönende Worte, aber man weiß, daß die R c i ch s l a g s w a h l vor der Tür steht, und große Ereignisse werfen bekannllich ihre Schatten voraus. Der Reichsarbeitsminister schildert die Dinge sehr rosig. Aber der H«rer denkt dabei sosort an die Wahrscheinlichkeit, daß durch die teilweise Wiedergewährung vorher genamme- ncr Unterstützungen eine günstigere Wahl- st i m m u n g sür die Baronsregierung geschaffen werden solle. Die Erwartungen nach dieser Richtung dürsten allerdings schwere Enttäuschungen erfahren. Aüs dem Verlauf dieser Bewegung müssen nun aber auch die Mitgliedschaften in der Provinz dic richtige Lehre ziehen. Während der sogenannte „Fachverband", die Gewerkschaft Deutscher Eisen- bahnet, in der Abwehr der Arbeitgeberforderun- gen eine ganz unverständliche Laschheit an den Tag gelegt hat. hat die ganze Last der Abwehr aus den Funktionären des Gesamtverbandes ge- legen. Die kommenden Wochen müssen dazu be- nutzt werden, um die indifferenten und falsch organisierten Sleinbahner ihrer gewerkschaftlichen Organisation zuzuführen. * Auch politisch verdient der Verlauf dieser Lohnbewegung besondere Beachtung. Die Unter- nehmet stützten sich darauf, daß die Notverordnung der Regierung von Pape» ihnen das Recht gibt, als sogenannte„gefährdete Betriebe" Lohnkürzungen bis zu 20 Proz. vor- zunehmen und daß dieselbe Notoerordnung ihnen weiter das Recht einräumt, auf dem Wege eines Beanstandungsverfahrens weitere Lohnkürzungen durchzusetzen. Hier zeigen sich die Auswirkungen dieser Notverordnung am allerdeutlichsten. Deshalb gilt es f ü r d i e K l e i n- bahnet fast noch mehr als für dic übrige Ar- beiterschast bei der R e i ch s t a g s w a h l am 6. November ihre Pflicht zu tun und durch Wahl der„Liste Z Sozialdemokratische Partei" mit dazu beizutragen, daß die Papen-Notverordnun- gen verschwinden. Aas Rollsystem �DB. warnt davor! Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes verfolgt mit großer Sorge dic in der letzten Zeit zunehmende Ausbreitung des io- genannten R o l l s y st e m s, d. h. den Uebergong von der Vorauszahlung zur nachlräglichen Zahlung der Gehälter. Von Hessen und Thüringen einge- führt, aber wieder aufgehoben, hat das Rollsystem in Baden, Hamburg, Lübeck. Bremen, Oldenburg. Sachsen und Württemberg, neuerdings vorerst für einen Monat in Bayern und Braunschweig Eingang gefunden. Obwohl seine Durchführung in den einzelnen Länder» recht ver- schieden gehandhabt wird, läuft sie doch überall auf dasselbe Ergebnis hinaus, indem nach Abschluß der Aktion ein Teilbetrag des Monatsbezugs oder ein volles Monats- geholt von der Verwaltung eingespart werden. Dem einzelnen Beamten gehen dadurch erheb- liche Bruchteile seines Diensteinkommens verloren. denn der Uebergang zur Nachzahlung stellt, wenn er auch noch so allmählich vorgenommen wird, eine nackte Gehaltskürzung dar. Daß diese Gehaltskürzung gewissermaßen unter der Hand durch oerwaltungsseitige Aenderung der Auszah- lungstage, aber unter Aufrechterhalt iiNg der Fiktion, der Beamte bekäme für den- selben Zeitraum das gleichbleibende Gehalt, durch- geführt wird, macht die in der Beamtenschaft vorhandene Erbitterung nur noch größer. Der volkswirtschaftliche Effekt der Maßnahme, die Be- schneidung der Kaufkraft einer großen Komu- mentenschicht widersprichf auch den Ankurbelungs- planen der Regierung. Schon jetzt sind weit« Kreise, besonders der unteren Besoldungsgruppen, nicht mehr in der Lage, di« eingegangenen Verpilich- tunge» zu erfüllen. Die Einführung des Roll- systems hat diesen Zustand noch verschlimniert und drückt natürlich dort am härtesten, wo die Existenz- grundlage schon bisher nur sehr schmal gewesen ist. Schwerste Rückwirkungen auf alle Zweige von Gütererzeugung, Verteilung und Konsum können nicht ausbleiben. Der ADB. warnt die Länderregierungen, auf dem eingeschlagenen Wege weiterzugehen, er er- sucht die Reichsregierung um Eingreifen und for- d-srt seine Landesaueschllsse usw. auf, sich in den Ländern aufs nachdrücklichste für die baldige Beseitigung des Rollsystems einzu- setzen. Negeriiisie Vorsieht beim Einkauf! Von fach- und fachkundiger Seite wird uns mit- geteilt daß mit der Herstellung von Süßwaren, besonders der„Negerküsse", eine unverschämte Ausbeutung verbunden ist. Junge Mädchen wer- den 12 bis 16 Stunden täglich, mitunter bis in die Nachtzeit hinein, auch Sonntags, beschäftigt. Die elenden Löhne ermöglichen eine Schmutz- konkurren; schlimmster Art. „Was heute in Wintelbetrieben an Negerküisen hergestellt und an das Arbeiterpublikum verkauft wird, spottet jeder Beschreibung"— schreibt unser Gewährsmann. An Betrieben mit überlanger Arbeitszeit werden uns genannt: dic„Norddeutsche Wachs- und Honig- fabrik", Warschauer Platz, und Zuckerwaren und Negerküsse herstellenden Firmen Dietrich Kruse. Hohzinarktstraße, und Gräser in der Palisaden- straßc. Gehörten die Beschäftigten ihrer g c w e r k- schaftlichen Organisation an. dem Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeitcr, dann könnten derartige Mißstände leichter beseitigt werden. 250 Mann ausgesperrt Im Bi-Bi-VVerk, Wuppertal Wuppertal, 19. Oktober. Die Gesamtbelegschaft des Ri-Ri-Werkes G. m. b. h.. Patentverschlußfabrik, in Wuppertal-Varmen, ist von der Werksleitung ausgesperrt worden. Der Aussperrung der 250 Arbeiter und Arbeiterinnen des Unter- nehmens war ein Teil streik vorausgegangen, weil die Firma etwa 100 Arbeitern und Arbeite- rinnen die Akkordzuschläge kürzen wollte. Der übrige Teil der Belegschaft hatte sich daraufhin mit den Streikenden solidarisch erklärt und trat ebenfalls in den Streik. Als Antwort darauf hat dos werk die gesamte Belegschaft srist- los entlojien. An der Weserschiffahrt Abkommen verlängert Bremen, 19. Oktober. Die Tarifmitglieder in der Binnenschiffahrt der nordwestdeutschcn Wasserstraßen, wo seit einigen Togen ein wilder Streik besteht, haben folgende Vereinbarung getroffen: Die Arbeits- und Lohn- bcdingungen in der Weferschiffahrt nach den Be- stimmungen des Tarifvertrags voni 1. Ja- nuar 1931 nebst den am 15. Januar 1932 durch den Sonderschlichter Dr. Voelckers getroffenen Vereinbarungen werden auf unbestimmte Zeit unverändert abgeschlossen. Sie sind mit einmonatiger Frist kündbar, erstmalig zum 31. Mörz 1933. Die Gewerkschaften haben ihre Mitglic- der in dringendster Form aufgefordert, den kom- munistijchen Streik der Schiffer abzulehnen und die Arbeit wieder aufzunehmen. Sie warnen des weiteren vor Unterbrechung des Arbeitsverhält- nisses, da hierzu kein Grund vorliege. Trotz der Vereinbarung ist eine Verschärfung der Streiklage eingetreten und nach wie vor liegen sämtliche Schlcppzüge still. » Hierzu 2 Beilagen Kalkes klag regt an, aber nickt aul! Reichsbahn abgewiesen IWt ihrem unsozialen Revers Set„Vorwärts" erscheint wochrntäglich zweimal, Sonntags un» Montags einmal. Jlluslricrtc Sonntagsbrilage Volt und Zeit", i Vrzngspieise: Wöchentlich 7ö Ps., monatlich»,2ä M. sdavon 87 Pt monatlich tllr ZustcHuna ins Saus) »» voraus zalilbar. Postbczug 3,97 M. einlchlicßlich 60 Ps. Postzeitung, und 72 Pf. Postbestcllaebührcn. Äuslandsadonnemcnt a-BÜ M. pro Monai: sür Ländcr mit ermäßigtcm Drucksachrnporto i.6.7 M. Pri A sfall dcr Licscruna weacn döherrr Gcwalt besteh! lein Anspruch der Abonnenten aus Ersatz./ Anzeigenpreise: Die einspaltige Millimeter, eile 30 Ps. Rellumczeile I,.>0 M.„Kleine Anzeige n" da? settgedruetie Wort"0 Pf jedes weitere Wort 10 Ps. Rabatt laut Toris. Worte Uber IS Buchstaben zählen sür zwei Worte. Arbeiismartt Millimeterzcile 23 Ps. 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Infolge der Senkung der Roggen- und Weizen- preise der letzten Wochen erklärte sich der Zweckverbond der Bäckermeister Groh-Lerlins bereit, feine Mitglieder nunmehr anzuhalten, ab Montag, den 24. Oktober, die Brolpreife für das Skprozenlige Roggenbrot auf 3 2 P f. für das Kilogramm zu ermäßigen. Die Berliner Bäckermeister werden also von diesem Zeitpunkt an das 2�-Pfund-Brot für 4 v P f. und das Z�-Pfund-Brot für 56 Pf. verkaufen. Bisher kostete das Kilogramm Roggenbrot 34 Pf., das Z�-Psund-Brot 42 und das 3�-Psund-Brot 66 Pf. Ob sich auch die Berliner Brotfabriken in ihrer Preisgestaltung dieser Berbilligung anschließen werden, steht noch nicht fest. Der Organisation der Brotfabriken war bis gestern nachmittag von den Berhandlungen im Polizeipräsidium noch nichts bekannt, und so konnte man auch noch keine Stellung dazu nehmen Das Brot der Brotfabriken kostet gegenwärtig 45 Pf. Ferner machten die Bertreter des Zweckverban- des der Berliner Bäckermeister gestern bei den Berhandlungen im Polizeipräsidium ihre Bedenken Die Zweite Kammer des Sonder- g e r i ch t s ist ausgehoben worden, weil eine Kammer ausreicht. Nach einer gestrigen Ber- Handlung will es säst so scheinen, als ob auch diese eine Kammer sich k ü» st l i ch Beschäfti- gung verschasst Angeklagt war ein 27jähriger, mit de» Kommunisten sympathisierender Arbeiter G. wegen gesährlicher Körperverletzung aus poli- tischen Motive» und Nötigung. Am II). August, also am Tage der B e r k ü n- dung der T c r r o r- N o t o e r o r d n u n g, standen gegen 7 Uhr morgens an einer Straßen- ecke in Spandau fünf Arbeiter, darunter der Angeklagte. Zwei Nationalsozialisten kamen des Weges. Man begrüßte sie mit„Rot Front". Die Nazis meinte»!„Was heißt Rot Front? Heil 5zitler!" Es entstand ein Wortwechsel, während dessen einer der Nazis bem Angeklagten zurief: Halt die Schnauze, du Drecks u de. Schon war die Holzerei im Gange. Nach Aus- sage eines der beiden Nationalsozialisten erhielt er vom Angeklagten einen Schlag mit dem Koppel, auch wurde dem Nazi das Abzeichen abgerissen. Das Schnellgericht in Spandau, vor dem sich G. zu verantworten hatte, vertagte die Berhand- lung und leitete die Sache ins ordentliche Ber- fahren über mit der Begründung, daß auch eine Körperverletzung aus politischen Motiven vorliege. Das Spandauer Amts- gericht leitete die Sache weiter zum Sondergericht. Die Staatsanwaltschast erklärte, daß in diesem Falle eine Körperverletzung aus politischen Motiven nicht vorliege und daß es nicht erforder- lich sei, die Sache vor das Sondergericht zu bringen. Dieses war aber anderer Ansicht und behielt die Sache zur Aburteilung. In der gestrigen Verhandlung oertrat Staats- auwaltschasrsral Dr. Mittelbach nach wie vor die Ansicht, daß in diesem Falle eine Körperver- lctzung aus politischen Motiven nicht gegeben sei: der ganze Zwischenfall sei ausgelöst worden durch die dem Angeklagten zugefügte Beleidigung. Die Terror-Notverordnung, die 1 Jahr Zuchthaus als Mindeststrose kenne, sei deshalb nicht in Anwendung zu bringen. Der Staats- ai.walt beantragte gegen den Angeklagten, der bereits zweimal wegen gefährlicher Körperver- letzung vorbestraft ist, sechs Monate Gefängnis und das Sondergericht unter Vorsitz des Land- gerichtsdirektors Tolk erkannte demgemäß. Das gegen den Erlaß des 5zandelsmi»isteriums geltend. durch den die Abgabe van Brötchen vor 19 Uhr gestattet sein soll. Die Bäckermeister er- reichten dem Vernehmen nach, daß die geplante Polizeiverordnung für Groß-Berlin, die am Montag in Kraft treten sollte, noch nicht vcrösfent- licht wird. Am heutigen Donnerstag wird der Zwcckverband im Handelsministerium vorstellig werden, um dort seine Einwände gegen die Ver- Ordnung, die nach Ansicht der Bäckermeister eine Beseitigung des Nachrbackverbots zur Folge haben würde, vorzubringen. Gestiegene Bäckerverdienstspanne Die M e h l k o st e n sind, dem 16. Bericht der Reichssorschungsstelle für landwirtschaftliches Marktwesen zufolge, im gewogenen Reichsdurch- schnitt auf 26,4 Pf. für 1 Kilogramm Brot und für l Kilogramm Weizenkleingebäck auf 36,7 Pf. ge- funken und haben damit einen seit 1929/36 nicht mehr dagewesenen Tiesstand erreicht. Die Preise für Brot und Kleingebäck haben sich zwar Ende September mit 34,5 Ps. für 1 Kilogramm Brot und 86.6 Pf. für 1 Kilogramm Weizenkleingebäck eben- falls gesenkt, die Berbilligung hat aber mit dem Rückgang der Rohstoffkosten nicht Schritt gehalten. Die Bruttoverdienstspannc der Bäcker ist mithin Ende September gegenüber dem Durchschnitt des ersten Halbjahres 1932 beim Brot um 9 Proz., Urteil ist rechtskrästig, erklärte Landgerichts- direktor Tolk. der Angeklagte tritt die Strafe sofort an. Das Ganze ist ein neuer Beitrag zum Kapitel: Terror-Notverordnung und Bagatelljusti;. Höher gehts nimmer! Die Devisenprozesse GeianjSnis iür Dr. Boehmer und Genossen Das Schnellschöfsengericht verurteilte den früheren Gerichtsassessor Dr. Boehmer und seine Helfer, die Effekten in Höhe von 3 Mil- lionen Mark verschoben haben, zu solgenden Strafen: Dr. Boehmer zu zwei Jahren Ge- f ä n g n i s und 6466 M. Geldstrafe wegen Devisenvergehens und schwerer Urkundensälschung, der Bankremissier P i ck wegen Devisenoergehens zu ein Jahr neun Monaten Gefängnis und 5606 M. Geldstrafe, den Bankprokuriste» W o l l st e i n e r wegen fahrlässigen Deoisenver- gehen? zu 26 666 M. Geldstrafe. Weitere vier Angeklagte wurden zu Gefängnisstrafen und ge- ringe» Geldstrafen verurteilt, darunter der Bankier Simon zu drei Monaten Gefängnis. ★ Der Devisenprozeß gegen Spritweber und Genossen geht erst am Montag weiter. Betrug mit Kohlen Die 2. Große Strafkammer des Landgerichts II oerurlcilte den Rlitinhaber der Kohlenfirma Schüler u. Heilgendorff A.-G., Direktor h e i I g e n- d o r f f. wegen gemeinschaftlichen fortgesetzten Betruges zu sechs Monaten Gefängnis und den bei der Firma als Platzmeister tätigen Wilhelm Leppin zu einem Monat Gefängnis. Leppin erhielt Bewährungsfrist, die Direktor heilgendorff versagt wurde. Die Firma Schüler u. Heilgendorff hat nach dem Urteil der Strafkammer von 1928 bis 1936 Kunden der Firma dadurch geschädigt, daß sie ihnen minderwertigere Kohlen-, Koks- und A n t h r a z i t m e n g e n, als in Rechnung beim Wcizenkleingcbäck um 6 Proz. höher ge- worden. Nur in einzelnen Stödten im Reich wurde eine wirkliche Senkung des Brotpreiscs durchgeführt, wodurch an diesen Orten eine Steige- rung der Bruttospannen vermieden, teilweise so- gar eine Senkung der Spanne erzielt werden konnte. Weihnachtörttcksahrkarten Die Deutsche Reichsbahn wird die im Vorjahre zum ersten Male mit verlängerter Gültig- k e i t s d o u e r herausgegebene Weihnachtsrück- fahrkarte auch zum kommenden Weihnachtsfest wieder auflegen. Die Gültigkeit der Rückfahrkarte soll jedoch gegenüber dem letzten Weihnachtssest, zu dem sie bis 4. Januar galt, wesentlich ver- längert werden: die Karte soll nach allen Stationen innerhalb Deutschlands ausgegeben werden Voraussichtlich wird die Gültigkeit dieser um 331-0 Proz. ermäßigten Rückfahrkarte etwa am 21. Dezeniber beginnen und bis zum Montag, 9. Januar, einschließlich dauern, d. h. eine Reise bis zu 26 Tagen Dauer ermög- lichcn.— Darüber hinaus ist die Ausgabe noch einer besonderen Winterurlaubskarte nach dem Muster der diesjährigen Sommerurlaubskarte zur Zeit noch nicht beabsichtigt. gestellt waren: geliefert hat. Außerdem war auch das Gewicht der gelieferten Kohlen geringer, als aus den Lieserscheinen angegeben war. Der Prozeß ist bereits durch vier Instanzen gegangen. Zunächst hatte das Schöfsengericht Schöneberg beide Angeklagten freigesprochen. Die Berusungs- strafkammer hatte Heilgendorff zu drei Monaten und Leppin zu einen: Monat Gefängnis verurteilt. Auf die Revision der Staatsanwaltschaft halte das Reichsgericht die Sache zur nochmaligen Verhand- lung an die Strafkammer zurückverwiesen, die nunmehr die Strafe gegen Direktor Heilgendorff erhöht hat. In dem Ermittlungsverfahren hatte ein Buchhalter ausgesagt, daß Direktor Heilgen- dorff versucht habe, ihn zu einer wahrheilswidrig«» Angabe zu bestimmen, daß er. der Zeuge, von nichts wisse. Es war daher auch gegen Direktor Heilgendorsf ein Verfahren wegen Verleitung zum Meineid eingeleitet worden, der Zeuge hielt aber bereits in der ersten Instanz seine Beschuldigung nicht mehr aufrecht, so daß Heilgendorsf schon da- mals von diesem Anklagepunkt rechtskrästig frei- gesprochen worden ist. Familientragöbie Sotin und sicE selbst erschossen Eine furchtbare Familientragöbie wurde gestern im Südosten Berlins im hause k o l t b u s s e r Damm 66 ausgedeckt. 3n seiner Wohnung wurde der ZS Jahre alte Musiker und Kapellmeister Hans w einke sowie dessen 14jähriger Sohn Heinz erschossen ausgesunden. Aus hinterlasscnen Breesen gehl hervor, daß Vater und Sohn aus Gram über den Tod der Mutter aus dem Leben schieden. Diese Mord- und Selbstmordtragödie hat einen bedauerlichen Hintergrund. Frau W. hatte sich in der Nacht zum vergangenen Sonntag mit V e- ronal vergiftet und war im Lause des Montags im Krankenhaus verstorben. Vater und Sohn konnten den Tod der Mutter nicht über- winden, und der Kapellmeister faßte den Eni- schluß, zusammen mit seinem Sohn der Frau in den Tod zu folgen. Er erschoß den Vier- zehnjährigen im Bett und brachte sich dann selbst einen Schläfenjchuß bei. & In»er Königsheide wurde von Aus- slüglern aus einem Seitenweg ein 1 3 j ä h- r i g e r Schüler mit einem schweren S ch l ä- fenschuß völlig erschöpft aufgefunden. Der Knabe wurde sofort ins Elisabeth-Hojpital ge- bracht und operiert. Obgleich sich der Jung« wei- gerte, seine Personalien anzugelven, konnte er bald als ein 13jähriger Joachim B. aus Adlershos ermittelt werden. Er hatte sich einen Schuß in die rechte Schläfe beigebracht. Die Kugel war am linken Ohr wieder ausgetreten. Trotz der schweren Verletzung war der jugendliche Selbstmörder nach der Tat noch nahezu eine Stunde umhergeirrt, bis er aufgefunden wurde. Joachim B. hat den Selbstmordversuch aus Furcht vor Strafe be> gangen. Er hatte vor einigen Tagen mit einem 21jährigen Bekannten nachts eine Motorbootfahrt unternommen und als ihnen das Benzin ausgegangen war, versuchten sie in eine Tankstelle ein- zudringen. Sie wurden aber von einer Schupo- streife beobachtet und festgenommen. Der Junge, der in seiner Dummheit„mitgemacht" hatte, wurde den Eltern übergeben. Er fürchtete, n>m in Für- sorgecrziehung zu kommen und in seiner Verzwcis- lung griff er zur Pistole. Aus noch unbekannten Gründen vergiftete sich der 17jährige Bäckerlehrling Wer- ncr R. in der Wohnung seiner Eltern in der Oker- straße in Neukölln durch Gas. Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Sonrad Schmidt- Gedenken Im Krematorium Gericht st raße fanden sich gestern zahlreiche Freunde und Ge- sinnungsgenossen unseres verstorbenen Conrad Schmidt ein, um ihm die legte Ehre zu erweisen. Alle Redner an seinem Sarge waren einig in der Anerk�mung seines edlen und lauteren Charakters und seines bescheidenen Wesens. Sie alle gedachten des tiefen Denkers, des sozialistischen Kämpfers und des großen Mittlers zwischen hoher Kunst und Menschentum. Paul K a m p f f m e y e r sprach als erster und würdigte, sein ganzes Schaffen überblickend, den sozialistischen Theoretiker, den Freund von Engels, den von Konrad Hönisch erkorenen sozia- listischen Professor. Namens der Volksbühne sprach Kurt B a a k e. Er zeigte Conrad Schmidts Ver- bundenheit mit der Volksbühne aus, deren Vor- sitzender er so viele Jahre war. Er fand in diesem schlichten und einfachen Leben die große einhcit- liche Linie, ein Vorbild der Treue, Liebe und Pslichtersllllung. Als Vertreter des Parteivor- standes und des„Vorwärts" wies Stampfer auf die fruchtbare Erziehungsarbeit chin, die Eonrad Schmidt als Theaterkriliker des„Vor- wärts" so viele Jahre an den Massen ausübte. Seine Tätigkeit als Lehrer an der Berliner Arbeiierbildungsschule hob Schenk hervor. Es sprachen dann weiter ein Vertreter der Tech- nischen Hochschule Charlottenburg sowie persön- liche Freunde des Verstorbenen. Ergreifend waren die Abschiedsworte seines Freundes von Jugend auf und Schwagers Dr. Kollwitz. Stimmungs- volle Instrumental- und Vokalmusik eröfsnete und schloß die würdevolle Feier. Reuer Leiter der Staalsanwaltschasl II Berlin. Zum Oberstaatsanwalt der Staatsanwalt- schaft II ist Oberstaatsanwalt Dr. Sturm ernannt worden, der bisher eine Abteilung der Staatsanwaltschast I leitete. Oberstaatsanwalt Dr. Sturm steht im 55. Lebensjahre. Er ist vor allem als Anklagevertreter in großen Wirtschafts- Prozessen, Barmat-Prozeß, Katzenellenbogen- Prozeß, bekannt geworden. Die Derhandlung gegen den früheren Landgc- richtsdirektor weber-Parlow wurde gestern auf un- bestimmte Zeit ausgesetzt. Das Gericht hatte sich dem Antrage des Staatsanwalts angeschlossen, der der Ansicht war, daß die Klärung der Frage, ob der frühere Landgerichtsdirektor sich der Un- treue und des Betruges schuldig gemacht habe, als er die ihm übergebenen Grundschuldscheine weiter veräußerte, nur geklärt werden könne, wenn man über seine Aermögensverhältnisse zur fraglichen Zeit Klarheit habe. Für den kirchenaustrill ist jetzt die günstigste Zeit. Wer in den Vormittagsstunden nicht das Amtsgericht seines Wohnbezirks aufsuchen kann, dem bietet sich Gelegenheit zur schriftlichen Ab- gäbe seiner Austrittserklärung jeden Montag und Donnerstag, 19 bis 26 Uhr, Gneisenaustr. 41: jeden Dienstag und Freitag, 19 bis 26 Uhr, Große Frankfurter Str. 141, Ecke Fruchtstraße: jeden Sonnabend, 17 bis 18 Uhr, Charlottenburg, Rosinenstr. 4, I: jeden Montag, Dienstag, Donners- tag und Freitag, Reinickendorfer Str. 118 1. Die gesetzliche Gebühr beträgt 2 M. pro Person. Per- sönlicher Ausweis ist mitzubringen. Der jetzt er- folgte Austritt befreit bereits zum Ende des Steuerjahrcs von der Verpflichtung der Kirchen- steuerzahlung. Dazu Gondergenchte? Terrorverordnunx und Bagatelljustiz DREI G ROSCHE N- WUNDER DIE NEUEN HEINPICH 3ACOBI ZIGARREN Erhältlich in ca: 4-000 Berl Zißarren- Geschäften! NUR Hochwertige Qualität und doch und 20 A Neuer scharfer Mieterprvtest Der am 16. Oktober 1932 aus den verschiedensten preußischen Gebieten in Berlin versammelte Ge- samtvorstand des Landesverbandes Preußen im R e i ch s b u n d Deutscher Mieter e.V. (Sitz Berlin) richtet, wie es in einer Entschließung heißt, an die Preußische Staatsregierung erneut die dringende Forderung, bei der Reichsregierung für eine beschleunigte Senkung der Mieten in Neu- und Altbauten, für Wohn- und Geschäftsräume einzutreten. Die Mieten liegen »och immer weit über den Vorkriegs- fätzen, wogegen die Einkommen weit unter den Vorkriegssätzen liegen. Der Gesamtvorstand des Landesverbandes Preußen stellt sich einmütig hinter die Entschließung des Gesamt- v o r st a n d e s des Rcichsbundes Deutscher Mieter c. V. vom 18. September 1932(vom„Vorwärts" seinerzeit veröffentlicht. D. Red.), die auch der preußischen Staatsregicrung übermittelt wor- den ist. In Konsequenz dessen fordert der Gesamtvorstand des Landesverbandes Preußen von der preußischen Staatsregicrung eine allgemeine Anweisung an die Wohl- fahrtsbchörden dahingehend, daß die Tag für Tag sich häufenden Exmis- s i o n e n notleidender Mieter durch rechtzeitiges und ausreichendes Eingreifen der Wohlfahrts- Die Not wird unerträglich behörden in allen denjenigen Fällen unbedingt verhindert werden, in denen der Mieter schuldlos in Mietrückstand geraten ist. Weiter wird in der Entschließung darauf hin- gewiesen, daß die Maßnahmen der Preußischen Staatsregierung zur Lockerung des Mie- terschutzes weit über das wirtschaftlich und sozial gerechtfertigte Maß hinausgegangen sind und daß das bis zum 1. Juli 1932 in Geltung ge- wesene System der Stundung und des Erlasses der Hauszins st euer für hilss- bedürftige Mieter durch die Einführung der Be- dürstigkeitsprüfung unter Anwendung der Sätze der Wohlfahrtsfiirsorge ganz erheblich verschlech- tert worden ist. Die Verordnung vom 29. August 1932 hat den Mietern keinerlei finanzielle Erleich- terung gebracht. Der Gesamtvorstand des Landes- Verbandes Preußen im Reichsbund Deutscher Mieter fordert daher erneut die Wiederherstellung der bis zum Juli 1932 in Geltung gewesenen Be- stimmungen über die Stundung und den Erlaß der Hauszinssteuer. * Das Zentralwohnungsamt teilt fol- gendes mit: Aus Grund der Reichsnotvcrordnung vom 14. Juni 1932 können für Jnstandsetzungsarbeiten an Wohngebäudcn und für Teilungen von Woh- nungen, die nach dem 1. Juli d. I. begonnen sind,„Zinszuschüsse" aus Reichsmitteln bewilligt werden, wenn für die Kosten dieser Arbeiten ein Darlehen aufgenommen worden ist: die„Zins- Zuschüsse" betrage» 10 Proz. des aufgenommenen Darlehens. An Stelle dieser„Zins Zuschüsse" sind für Arbeiten, die nach dem 25. September be- gönnen sind, die„Reichs Zuschüsse"— 20 Proz. für Jnstandsetzungsarbeiten und 50 Proz. für Wohnungsteilungen(höchstens jedoch 600 Mark für jede Teilwohnung)— getreten. Für Arbeiten, die bis zum 25. September in Angriff genommen worden sind, kommt nur die Bewilligung der zehnprozentigen„Zinszuschüsse" in Betracht. Aus Grund eines Erlasses des preußischen Wohl- fahrtsministers vom 4. d. M. ist für Berlin die Bestimmung getroffen worden, daß Anträge aus Bewilligung der zehnprozentigen„Zins- Zuschüsse" für die nach dem 1. Juli, aber vor dem 26. September d. I. begonnenen Ar- beiten nur noch berücksichtigt werden, wenn sie bis spätestens 31. Oktober beim zuständigen Bezirkswohnungsamt eingegangen find. Paddlers Abenleuerfahrt Lsit Mai im Boot unterwegs Der Bootsmeister eines Jachtklubs am Wann- see, in der Nähe von Schwanenwerder, beob- achtete dieser Tage bei der Kontrolle der Boote einen jungen Mann, der mit einem Paddelboot angekommen war und sich dicht neben ein größeres Segelboot gelegt hatte. Der Paddler war dann auf das Segelboot übergestiegen, hatte sich in eine Decke gewickelt und zum Schlafen niedergelegt. Der Bootsmeister glaubte einen Dieb vor sich zu haben, fuhr an das Segelboot heran und weckte den Schläfer recht unsanft. Der erzählte ihm eine phantastische Wandergeschichte, die der Bootsmeister nicht glaubte: er rief des- halb die Polizei herbei und übergab den jungen Mann den Beamten. Auf dem Präsidium konnte der Wasserwanderer sich jedoch ausweisen als ein 20 Jahre alter Kauf- mann Bruno T. aus D a n z i g. Der junge Mann war tatsächlich seit Mai d. I. unter- w e g-: er war mit seines» Paddelboot die Tumult im Rathaus Reukölln Irregeleitete BrwerKsIose Gestern abend drangen ungefähr hundert Er- werbslose gewaltsam in das Neuköllner Rathaus ein. Die Leute gaben an, kommunistische Er- werbslosenanträge in der tagenden Bezirksver- sammlung begründen zu wollen. Der Bürger- meister Scholz erklärte sich bereit, mit einer Delegation der Erwerbslosen zu verhandeln. Die übrigen Demonstranten ließ er durch Magistrats- beamte auffordern, das Rathaus zu verlassen. Die Erwerbslosen kamen dieser Aufforderung nicht nach, so daß die Polizei alarmiert werden mußte. Der P o l i z e i o f f i z ie r be- mühte sich, eine Gewaltanwendung vermeiden zu können. In einer kurzen Ansprache machte er die Erwerbslosen darauf aufmerksam, 2>aß sie sich bei Widerstandsversuchen schweren Sirafen aussetzen würden und daß es doch keinen Zweck hätte, nachdem eine Delegation zugelassen sei, länger im Rathaus zu bleiben. Einige Demonstranten ver- ließen dann auch das Rathaus, aber die große deutsche Küste entlanggefahren bis nach Fehmarn. Von dort fuhr er hinüber nach Kopenhagen, dann nach Kiel, durch den Nordostseekanal nach Ham- bürg, die Elbe hinaus, in die Havel. Am Freitag- früh war er von Potsdam abgefahren. In Berlin wohnte eine Tante, die er besuchen wollte. In der Nähe von Schwanenwerder verirrte er sich und wußte nicht mehr weiter. Da er auf dem kleinen Boot nicht schlafen konnte, legte er an dem großen Seegelboot an, stieg über und wollte hier die Nacht verbringen. Bei seiner Abreise hatte er etwa 200 M. Bargeld bei sich. In Kopen- Hägen wurde er durch das polnische Konsulat unterstützt. Unterwegs beherbergten ihn Paddler- vereine und Segelklubs. Der unternehmungslustige junge Mann hatte noch genug Lebensmittel an Bord, um bis nach Berlin zu kommen. Da seine Angaben richtig befunden wurde», hat man ihn wieder entlassen und seine Tante benachrichtigt. Menge wankte und wich nicht. Der Offizier rich- tete noch mehrmals in dringenden Worten die Aufforderung an sie, endlich das Rathaus zu räumen. Die Bemühungen des außerordentlich korrekten Offiziers blieben jedoch erfolglos, so daß die Demonstranten mit Gewalt entfernt werden mußten. Einige Leute wurden wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt festgenom- men. Die Verantwortung für diese nutz- losen Gewaltakte trifft die kommunistischen Drahtzieher. Sie sitzen geruhsam in ihren Amts- stuben, die Gummiknüppel bekommen die irregeleiteten Erwerbslosen zu spüren. 8o darfst du baden! Die berechtigten Aengste der Badeanzugindustrie sind verflogen. Herr Bracht hat eingesehen, daß die teilweise vorhandenen Riesenläger von Bade- anzügen nicht der Prüderie einiger alter Tanten geopfert werden können. Man hörte mit Er- staunen, daß dos Septembergeschäst in Badean- zügen infolge der drohenden Verfügung um nicht weniger als 80 Proz. gegenüber dem Vorjahr zu- rückgegangen ist. Gewünscht wird jetzt, daß der Tiefpunkt der Rückenfreiheit in der Taille sein Ende findet. Der geforderte Zwickel erwies sich bei der Mehrzahl der Badeanzüge— hauptsächlich wo es sich um qualitativ bessere Ware handelt— als ohnedies vorhanden. Soviel über die weibliche Badebekleidung. Die Männer find gehalten, sich in gemischten Bädern ausschließ- lich in Badeanzügen zu präsentieren. Badehose und Dreieckhose sind nur für sportliche Veranstaltungen zugelassen. Man ließ sich dann zu der entschuldi- genden Erklärung herbei, es seien von Ansang an zu den Besprechungen scheinbar nicht die richtigen Berater zugezogen worden, sonst wäre der vielumstrittene Zwickel, der oft schon vorhanden war, nicht erst gefordert worden. 1 7 Menschen für eine Kuh Bluttat indischer Amokläufer London, 19. Oktober. „Times" meldet aus Ludhala(pundschab): Aus Erregung über das verschwinden einer Kuh, die angeblich von Mohammedanern ge- stöhlen und geschlachtet worden ist, haben hier drei Sikhs eine furchtbare Bluttat begangen, die 17 Todesopfer forderte. Mi» Schußwaffen ausgerüstet, tiefen sie am 11. Oktober in den Straßen von Budhata Amok und schössen auf jeden Mohammedaner, der ihnen begegnete. Acht Personen büßten aus diese weise das Leben ein, neun wurden verwundet. Die Ra- senden liefen dann in ein zwei Silometer entferntes Dorf und erschossen dort neun Personen. Fünf-Groschen-pariei Präsidialpartei auf Mitgliederfang Vor einiger Zeit erschienen an den Berliner Litfaßsäulen Plakate der Deutschen Präsidial- partei, die jedoch nur negativen Erfolg hatten, selbst die Leute, die man als Urheber der An- schlüge hatte oermuten können, erklärten, nichts mit der Sache zu tun zu haben. Auf diesen Plakaten wurde tüchtig aus die Parteien ge- schimpft— und dabei möchte man doch s e l b st so gern eine Partei sein. Aber dazu gehören vor allem Mitglieder, und die hat man ganz und gar nicht. Was tut man also?— Man kaust sich Mitglieder, Nummer für Nummer für fünf Groschen. Das Geschäft begann gestern nach- mittag im Hause Friedrichstraße 36. Anfangs hatte man sogar eine Reichsmark pro Mitglied ge- opfert: jedoch strömten die Berliner Arbeitslosen bei einer so leichten Möglichkeit, ein paar Groschen zu verdienen, so zahlreich, daß man bald den „Lohn" aus 50 Pf. herabsetzten konnte. Ein Ar- beitsloser, der sich den Rummel mit ansah, schrieb uns das folgende Stimmungsbild: Im Hause Friedrichstraße 36 tut sich was. Vor dem Haustor eine Gruppe schmunzelnder junger Leute, unter ihnen ein paar Anreißer, die die MeiUUUc AirfyestdUc die den„Vorwärts" noch nicht abonniert und den jetzt erscheinenden Roman„Gilgi, eine von uns" noch nicht gelesen haben, sollten schleunigst das Versäumte nachholen und an dem VteiscutfscUcei&eu, dct ,}Jtowads" teilnehmen. RM 400.— Bargeld und wertvolle Preise sind ausgesetzt. Die Bedingungen des Preisausschreibens sind in der Sonntagsausgabe des„Vorwärts" veröffentlicht. 50-Pfennig-Reflektanien zum ersten Stock hinauf schicken. Im Lausschritt, immer drei Stufen auf einmal, geht es eine Treppe hoch, oben stehen sie schon in zwei langen Reihen Schlange, dicht bei dicht.„Wat is los", will sich der eine informieren, da hat ihn aber schon der Herr mit dem Namens- bogen beim Schlafittchen, damit er ihm um Gottes willen nicht etwa ausreißt.„Ausweis?"„Hab keenen", brabbelt der Angesprochene.„Na, macht nichts. Können Sie eine Mark wechseln?" „Mensch", dabei tippt er sich an die Stirne. Jetzt große Jagd nach großem Geldwechsel, endlich findet sich doch noch ein Kapitalist. Als„Mit- glied" der Präsidialpartei dürfen sich nur die Be- wohner der Berliner Altstadt eintrage». Bewohner der Außenbezirke bleiben ausgeschlossen. Eine Frau kommt eben heraus. Man will sick bei ihr rasch Details holen.„Ach wat, ich wecs doch nischt. Sie brauchen ja keen richtigen Namen und Adresse angeben und wählen können Sie nachher och, wat Ihn Spaß macht. Hauptsache, et jibt 50 Pf., det kann mo heute brauchen." Unten steht der Brezelverkäufer und lacht sich eins, er schickt jeden, der des Weges kommt, nach oben und flüstert ihm zu. Hier gibts(/) Pf. ohne Arbeit... Dachstuhl- Großfeuer Sturm erschwert die I,oschaktion Durch ein Großfeuer wurde gestern das Dachgeschoß und der Dachstuhl des zweiten Zabrikquergebäudes in der holt- mannstrahe 32 völlig vernichtet. Bei Re- daktionsschluß sind die Feuerwehren unter Leitung des Oberbranddireklors Gempp an der Brand- stelle noch tätig. Gegen Vi 12 Uhr schlugen aus einem türm- artigen Aufbau auf dem Dach des vier- stöckigen Fabrikquergebäudes plötzlich die hellen Flammen hervor. Eine starke Rauchsäule kennzeichnete weithin die Stätte des Brandes. In kurzer Zeit wurde die Feuerwehr von sechs Stellen zur gleichen Zeit alarmiert. Drei Lösch züge griffen in die Bekämpfung des Brandes mit fünf Schlauchleitungen ein. Ueber eine mechanische Leiter und über das Treppenhaus drangen die Löschtrupps, die wegen der starken Verqualmung mit Rauchschutzgeräten ausgerüstet werden mußten, gegen den Brandherd vor. Durch den heftigen Sturm wurde die Löschaktion sehr er- schwert. Merkwüi-diger Musterschutz Kampf um Quadrate und Kreise Der Kamps, den der Zivilingenieur Conrad, der„Erfinde r" der Kreise und Oua- drate, zur Aufrechterhaltung seines Muster- schutzes gegen Berliner Kraftdroschkenbesitzer uird Fahrgäste siihrt, zieht immer weitere Kreise. Conrad hat gegen das Urteil des Land- g e r i ch t s I auf Löschung seines Musterschutzes beim Kammergericht Berufung eingelegt, und da das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, hat das R e i ch s p a t e n t a m t die Löschung des Muster- schutzes vorläufig abgelehnt. Conrad will bis zur Rechtskrast seines Urteils weiter gegen die Be- nutzer seiner Kennzeichen vorgehen. Er stößt da- bei allerdings auf den starken Widerstand des Polizeipräsidiums, das gegen alle Kraftdroschkenbesiger vorgeht, die etwa die durch Verordnung vom 2. März eingeführten Droschken- kennzeichen von ihren Wagen entfernen. Puch der Kraftdroschkenbesitzer Sust aus Schönederg, der auf Grund eines unverständlichen Urteils des Amtsgerichts Schöneberg bekanntlich verurteilt war, an Conrad eine Lizenz für jede Droschkenfahrt zu zahlen, hatte dies getan. Das Kraftverkehrsamt hotte Sust, der einige Tage seine Wagen ohne die Kennzeichen laufen ließ. aufgeforderr, die Kreise und Quadrate zu führen, und es war sogar gegen Sust ein Verfahren wegen Urkundenfälschung bei der Staatsanwaltschaft be- antragt worden. Unter diesen Umständen hatte es Sust für richtiger gehalten, vom 15. Oktober ab wieder seine Droschken mit den amtlich ge- forderten Kennzeichen zu versehen. Er beabsich- tigt jetzt allerdings, gegen das Polizeipräsidium eine F e st st e l l u n g s k I a g e zu erheben, in der er die Rechtsgültigkeit der betreffenden Ver- ordnung bestreitet. Außerdem will er Schaden- ersatzansprüche gegen das Polizeipräsidium geltend machen, falls er tatsächlich gezwungen wird, die Lizenzbeträge an Conrad zu zahlen. Es ist selbstverständlich ein ganz unmöglicher Zustand, daß ein Ingenieur herkommt und sich dieselben Zeichen, die zu führen die Polizei die Autobesitzer gezwungen hat, sich gesetzlich schützen läßt und nun seinerseits die Autobesitzer und sogar ihre Fahrgäste zwingen will, ihm für die(von der Polizei vorgeschriebenen) Zeichen eine beson- dere Gebühr zu zahlen. Hier werden verzwickt gewordene juristische Streitfragen auf dem Rücken der Konsumenten und Autobesitzer ousgefochten. Lrebttsch Lincoln In Brüssel verhaftet und abgeschoben Brüssel, 19. Oktober. Am Mittwochoormittag wurde in Brüssel der bekannte Abenteurer Trebitsch-Lincoln in einein kleinen Hotel, in dem der jetzige buddhistische Mönch unter dem Namen Tschao Kung ab- gestiegen war, verhastet. Die Polizei war der Meinung, es nicht mit einem harmlosen Priester Buddhas zu tun zu haben, sondern mit dem ge- fährlichen Abenteurer. Um 8 Uhr erschienen Beamte der politischen Polizei im Hotel. Lincoln gab zu, der Vermutete zu sein Da für ihn in Belgien ein Einreiseverbot besteht, wurde er von der Polizei in Hast genommen und in das G e- f ä n g n i s eingeliefert. Bei der Ver- nehmung erklärte er, er sei am Sonntag in Brüssel eingetroffen, um hier ein französisches Visum abzuwarten. Die belgischen Behörden eröffneten ihm darauf, daß seine Anwesenheit in Brüssel als unerwünscht angesehen werde. Trebitsch bat darauf, an die deutsche Grenze zurllckgeleitet zu werden. Er wurde zum Nordbahnhof gebracht, den er mit dem Zuge 11.39 Uhr in Richtung Köln verließ. Weller für Berlin: Nach kalter, klarer Nacht mit vereinzelten Bodenfrösten zunächst noch ziemlich heiter. Später Wiedereintrübung und Neigung zu leichten Regensällen, ausfrischende Winde aus süd- lichen und südwestlichen Richtungen.— Für Deulschland: Im Osten meist trocken und üemlich heiter, in der westlichen Hälfte des Reiches Wieder- eintrübung und später auch leichte Niederschläge. Die Zahl der Arbeitslosen ln Dänemark ist in der letzten Woche wiederum gestiegen, und zwar um 161? und beträgt jetzt 12? 199. Damit ist ein Rekord erreicht. V�ertheim zeigt Handarbeiten In einem ganz neuartigen Rahme»— nämlich in einem riesenhaften Kakteenhain, flankiert von vier rosenbewachsenen Obelisken aus Wolle— zeigt das Haus Wertheim, Leipziger Straße, neue Handarbeiten.� Da ist die Festa-Arbeit, ein schräg ge-kreuzter Stich, der einfädig läuft und eine nette Variation des bekannten Kreuzstiches zeigt, dann die tunesische Arbeit, eine neue Nuance des Flachstiches. All die anderen, wunderschönen Produkte weiblicher Fingerfertigkeit scheinen neu auferstandsn durch das Neue der Musterung und Farbenzusammenstellung. So ist beispielsweise jetzt Gittertüllhäkelei große Mode und voll Entzücken stehen die Frauen und Mädchen da und staunen. Ebenso ist Filethäkeiei sehr beliebt, man kann' sich da die schönsten Gardinen, Kissenplatten, Kaffee- wärmer, Decken und Läuser billig herstellen. Dann sieht man noch sehr schön gemusterte Wand- behänge und Brücken in Kelimarbeit, daneben modisches Zeug, mit der Häkelnadel hergestellt. Hübsche, bunte Kappen, Schals, Westen und Pullover. Hinter Glas thronen wahre Wunder- werke der Handarbeitskunst, prachtvolle, große Decken in seinstein Handfilet und Wickelajour, zarte Lochstickereien und hauchzarte Klöppelspitzen. Die älteste ton�csstoiiiertc Berliner Aut»-I?ahrschule im Besitz und unter Leitung des gerichtlichen Sachverständigen filr das Kraftfahrwcscn Ingenieur Otto Kraschewski— er- öffnet am lä. Oktober 193:! Büros und Auto-Reparatur. Werkstätten im eigenen Hause Bülowstr. 27, gegenüber dem Hochbahnhof Bülowstraßc und Potsdamer-Etratzen. Ecke. Die bisbcrigen Betriebe in der stöpenicker Str. IU> werden vorläufig noch weitergeführt. Einlendungen für diese Rubrik sind Berlt» SB 6S. Lindenstrohe 3. Groß-Berlin stets an dos Bezirkssekretarta» i. Hos, 2 Trevven rechts, zu richte» Unsere Nächstenpartei- und Betriebsveranstaltungen 83. Abteilung Tempelhof. Donnerstag, 29. Oktober, 19% Uhr. in der Jilula des Realgymnasiums Tempelhos, Kaiserin-Augusta-Straße. Kund- gebung.„Unser Kämpf gegen die Reaktion/' Referent Karl Litke, M. d. R. 88. Abt. Lichtenrade. Freitag, 21. Oktober, 19% Uhr, Kundgebung bei Böhm. Lichtenrade-West, Kolonie Krusauer otraße.„Unser Kampf gegen die Reaktion." Referent Dr. Gerhard Kreyssig. 17. Kreiä Lichtenberg. Freitag, 21. Oktober, 19% Uhr, Kundgebung in der Schulaula Lichtenberg, Parkaue an der Möllendorsstraße.„Unser Kampf für die Rechte der Arbeiterklasse." Referent Robert Breuer. 1V8. und 108a Abt. Köpenick. Freitag, 21. Oktober, 29 Uhr, Kundgebung im„Stadttheater" Köpenick.„Autarkie des Elends oder Sozialistische Planwirt- schast." Referent Siegsried Aushäuser, M. d. R. 131. Abt. Riederschönhausen. Freitag, 21. Oktober, 29 Uhr, Wahlkundgcbung im Lokal Schloß Niederschönhausen, Lindenstraße.„Hermann Müller — Brüning— Popen— Hitler." Referent David Stettor. Sicmcns-Plania-Werke. Freitag, 21. Ottober, 16% Uhr, Versammlung bei Schüne- mann, Lichtenberg, Möllendorsstraße?4/55.„Auswirkung der Papen-Notverordnung." Referent Hans Marx. Eiserne Front und JPD.-Frnktion im Bezirksamt Wilmersdorf. Freitag. 21. Oktober, 19>- Uhr, im Lokal Lehmann, Wilmers- darf, Berliner Straße 19?, Versammlung.„Unser Kamps gegen die Reaktion." Referent Hans Bauer. 13La Abt. Biesdorf-Süd. Sonnabend, 22. Oktober, 29 Uhr, bei Döhring, Biesdori-Süd, Köpenickcr Straße 19?/197, Kundgebung.„Unser Kampf gegen die Reaktion." Referent Paul Schasser. Afü-Ärbeitcr beim Bezirksamt Prenzlauer Berg. Sonnabend, 22. Oktober, 19 Uhr, öffentliche Wählerversamm- lung im Altersheim Dauziger Straße 62.„Unser Kämpf für die Rechte der Arbeiterklasse." Referent Karl Hetzschold. Wcrbcausschust der SPT. im Bezirk Fricdrichshain. Sonntag, W. Oktober, vormittags 11 Uhr. im Eoncordia- Palast, Andreasstraßc 64, politisches Matinc. Eine Kund- gebung zur Reichstagswahl am 6. November. Politische Ansprache Bürgermeister Mieliy. Rezitationen: Martha John. Gesang: Ebcrt-Manz-Ouartett. Kollektiv des R. B. Vorwärts. Eintritt 49 Pf. 17. Kreis Lichtenberg. Sonntag, 23. Oktober, vormittags 11 Uhr, Sondervorstellung in den Kosmos-Lichtspielen, Lichtenberg, Lückstr. 79. Vor- führung des Filmes„Niemandsland". Ansprache der Genossin Lisa Albrecht. Eintritt 49 Pf., Erwerbslose 29 Pf. 7. Kreis«harlottcnburg. Montag, 24. Oktober, 29 Uhr, im Türkischen Zelt, Charlotten- bürg, Berliner«traßc?3, öffentliche Frauenkundgebung. „Gegen Reaktion und Unterdrückung— für Frieden und Freiheit". Referentin Marie Juchnc,;, M. d. R. Jahnen- einmarsch, Rezitationen. Eintritt jrei. 8. Kreis Spandau. Montag, 24. Oktober, 29 Uhr, Unterhaltungsabend für Er- werbslose in Kochs Festsälen, Spandau, Feldstr. 52. Reserent Arthur Crispien, M. d. R. Musik, Rezitationen, Gesang. 12. KreiS Zteglist. Montag, 24. Oktober, 19% Uhr, Frauen-Werbeveranstaltung in Lehmanns Festfälen, Lankwitz, Kaiser-Wiihelm-Str. 29/31. „Kampsbereit sür Liste 2." Ansprache Paula Kurgaß. Rezitationen Martha John. Fahneneinmarsch. Musikkapelle der SAI.-Neukölln. 1 33. Abt. Buchholz. Montag, 24. Oktober, 29 Uhr, bei Kaehne, Buchholz, Berliner Straße 39, öjsentliche Kundgebung.„Unser Kampf gegen die Reaktion." Reserent Rudolf Wissest, M. d. R. Beginn aller Veranstaltungen 10% Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! »reis. Freitag, ZI. Oktober, Sitzung des erweiterten Kreisvorstandes mit den Abteilungsleitern bei Krepp, Planuser 7ö— 7S.. Zlrei». Sonnabend, LZ. Oktober, Sitzung der geitungskommission im Boll--» bau». Rostnenstr.■). Die Spediteure müssen ebennsoüs anwesend sei». »reis. Heute, Donnerstag, 2H. Oktober, IH Uhr, bei Will, Martin-Luther. Stratze 39, Zusammenkuntt sämtlicher erwerbsloser Parteimitglieder. Mit- qliedsbuch und Stempelkarte sind vorzuzeigen.... Äreis. Heute, Donnerstag, 20. Oktober, löz.. Uhr, Zusauunenlunst erwerbs- loser Parteimitglieder ausnahmsweise in Lankwitz, bei Lehmann, Kaiser. Wilhelm-Str. 29—31.„Die Ausgaben der Erwerbslosen im Wahlkamps, Referent Dr. Gregor Bienstock.■>« auf» Atzt. Zreitaa, 21. Oktober, in der Schulaula iponnenburger lotr. 20, Mit. gliederversammlung der 32. und 120. Abgabestellen.„Wirtschastskrise und Konsumgenossenschaft", Reserent A. Friedl. Warenbezugskarte dient als Ausweis. Ab,. Freitag. 2l. Oktober, Funktionärkoiiserrv, bei Pohft. Abt. Freitag, 21. Oktober, 20 Ubr, Funktionärsitzung bei Goldschmidt. Alle Beztrkssührer müssen onwesend sein. Meldungen über benötigte Transparente und Fabnen mitbringen..- »bt. Heute Boistandssitzung um 18� Uhr. 20'z Uhr Funktionarsttzung bei Nartum). «bt. tzur Flugblattverdreituna am Sonnabend. 22. Oktober, finden sich die Genossen pünktlich von 18 Uhr ab bei Wolter, Kaiserin.Augusta. Abt. Freitag 2l. Oktober, Funktionärsttzung bei Lux. Mitgliederversammlung am ag.'Oktober sollt aus. Näheres liehe„Vorwärts" am Sonntag. «bt. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Parteilokal nicht mehr der „Reichsadler", sondern der„Lindenhos". Wilhelmplatz 3, ist «bt. Mariendorser Pioniere: Donnerstag, 20 Oktober, 20 Uhr, Bahlver- saininlunq Tempelhos, Gnmnasium Kaiserin-Auausta-strahe. Die Trans. varente werden mitgebracht. Freitag. 2l. Oktober, Wahlversammlung Lichtenrade, West-Kolonie, Restaurant Böhm, Krusauer str. 39. Reierent Dr. Kraatzig:„Die SPD. im Kamps gegeu die Reaktion". Tressen 19 Uhr Ehaussce- Ertc Änrsllrstcnstratze. Raabestratze aussteigen. Erscheint voll- zählig in Pionierkluft._.,. «bt. Am Freitag, 21. Oktober, 19>2 Uhr, Zunktionarsitzuiig bei Kulisch, Sobikchttlr.%;((lmmfn(ult(| jUn(,CrCt Parteimitglieder findet Freitag, 2l. Oktober, bei Woltf. Kaiser.Friedrich.Str. 173, statt. Aussprache über „Planwirtschaft". Leitung: Dr. Landauer. 8. 7. 11. 12. 30. 31. 38. 32. 33. 73. 83. 89. 92. Ues die sonderbare Geschichte des sonderbaren Proleten Kilian Narr.... der Hauptfigur in dem neuen Bücherkreisromon Mensch unterm Kammer von Josef Lenhard Dieser halbautobiographische Roman—das Erstlingswerk eines pfälzischen Arbeiterdichters— ist von einem grimmigen Humor erfüllt, der am wenigsten die eigene Person verschont. Er erschien soeben im Verlag Der Bücherkreis GmbH, Berlin SW 61, und kostet, 211 Seiten stark, in Ganzleinen gebunden 4,30 RM(für Mitglieder Sonderpreis) Zu beziehen durch DerBücherkreis G. m. b. H. Berlin SWdl, Belle-Alliance-Platz 7 98.«bt. Freitag, 21. Oktober, Funktionärsttzung bei Lohann, Wipperstr. 18—19. 119. Abt. An Stelle der in Aussicht gcnoiiimenen Mitgliederversammlung beteiligt sich die Abtciluiig restlos an der öfsentlichc» Kundgebung des Kreises am Freitag. 21. Oktober, 19'.. Uhr, in der Aula Partaue. HO. Abt. Freitag, 21. Oktober, 19 Ubr, bei Woitschach, Ernstltr. I, Borstands. und Funktionärsttzung. Erscheinen aller Funktionäre wird erwartet. 113. Abt. Freitag, 21. Oktober. 20 Uhr, Borstandssitzung mit den Bczirkssührcrn beim Genossril Lehmann. Listen mitbringen. Irauenveransialtungen. 10. Kreis. Freitag, 21. Oktober, 20 Uhr, Diskussionsahend bei Schnorre. Pots» damer Str. 3.„Wie diskutiere ich mit meinem Gegner?" Referent Max Brinitzer. 17. Kreis. 3» der Sondervorstellung am Sonntag, 23. Oktober lZlährres siebe unter ösfentlichc Knndgcdungcn) sind Karten bei den Funttionärinne» zu haben. Eintritt 40 Pf. Erwerbslose 20 Pf Abt. 71.1 und b. Heute Fraucnabcud bei Radig, Potsdamer Str. Z. 138. Abt. Freitag, 2l. Oktober, 19'. Uhr, im Jugendheim Roonstratze,„Komps- bereit für Liste 2", Reserent Hans Marx. Bezirksausschuh für Arbeiterwohlfahrt. l. Kreis, 8. Abteilung. Freitag, 21. Oktober. 19>.. Ubr, bei Dobrohlaw, Swincmünder Str. 11, Sitzung der>n der Wohlfahrt tätigen Genossinnen und Genossen. Reserat der Genossin Paula Kurgast über„Die Notverordnung und deren Auswirkungen i» der ltlohlfahrtspslege". 13. Kreis Tcmpelhof. Rariendors. Maricnfclde, Lichtenrade. Freitag, 21. Ok. tobcr, 20 Uhr. im Ratbaus. Dorsstr. 12. Zimmer 3, Zusammenkunst aller in der Winterhilfe tätige» Genossin»«» und Genossen wegen wichtiger Mit» teilungcn in der Winterhilfe. 138. Abt. Achtung, Mitarbeiter der Arbciterwohlfahrt! Freitag, 21. Okto- bcr, 20 Uhr, bei Steinbach, Aroser Allee 83, autzerordentliche Sitzung. Thema: „Matziiahmcn für unsere Erwerbslosen". Arbeiksaemeinschafl der kinderfreunde Groh-Berlin. Unsere Geschäftsstelle ist ab l9. Oktober wie folgt geöffnet: Mon» I tag und Freitag von 13 bis 19 Uhr, Dienstag, Mittwoch, Donners. tag von 9 bis 17 Uhr, Sonnabend von 9 bis 13 Ubr. Heute, Donnerstag, 19'.. Uhr, Bastcllursus im Heim Eharlotten- bürg, Rostnenstr. 1. Dir»rcisleiter werden gebeten, hie Berichtsbogen zurückzugeben. Kreuzbcrg: Die nächste Kreishelfersitzung findet ausnahmsweise Dienstag, 23. Oktober, im Leim Barckstr. 11 statt. Zehlcndars: Achtung, Boranzciqe! Am Sonntag, 23. Oktober, findet eine .Kleisschnitzrisabrt stalt. Trefspunlt für die Gruppen„Otto Braun" und„Adolf 'Grimme" um 9 Uhr am U-Bahnhof Krumme Sänke und für Gruppe„Wannsee" um 9 Uhr am Rathaus Wannsee. Aditungl Adilnng! Verwaltungsmilglieder Freitag, den 21. Oktober 1932, abends 7 Uhr, Sitzung der Mittleren Orts» verwalwng. Montag, den 2«. Oktober 1332. abends 7 Ahr. im Aarlerreloal des verbondshouses. Berlin 2154 Li- nienstr. 83-85, Eingang D, Elsclfser Strafte 86-88 Brandten-Versammlund der Ban- und GeSdscbronlisclilosser Tagesordnung: 1. Bericht von den Tarifoerhandlungcn. 2. Branchenangetegenheiten. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist vollzähliges Erscheinen not- wendig. Die Vertrauensleute treffen sich schon vor der Versammlung, um 6 Uhr. zu einer wichtigen Besprechung. Oie Oi-tBverv«ItrmZ. Prima neue Betifedern! Kein Risiko, weil Sie Ware sehen! Weiße liliinNefedern, handgeschl. Pfund 2.75, 3.75, 4 80, 5,50. Ungeschl. beste Sorte 3 50. Inletts federd. u echt- farb. spottbill. Versand portofr. Hälfte d. Betrag. Nachn. Rest erst n. Empfang d Ware. Was nicht gefällt, nehme sof. zui BsltMrtaui Jos. muiMfi Breslau 1, Nikolaistr. 42. KLEINE ÄNZiiCEN iiMniiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin Überschrifiswort 20 Pf.Jexlwort 1 0 Pf. Wiederholungsrabatt: 5 mal 5%,■ 8 mal Z'/t%, 12 mal 10%, oder 1000 Worte Abschluß 10%, 2000 Worte 15%.' 4000 Worte 20 c/r. Annahme durch den Verlag, Linden- stroße 3(V: 9 bis 5 Uhr), sämtliche Vorwärts- Filialen u.-Ausgabestellen sowie alle Annoncen-Expeditionen uerKBuie|[ Tapeten Szillat. Kolonie. stratze S. KieidungsstucKB. uiascne usw. Ergänzungsmöbel, Schränke, Betten, Couches, Schreibtische. Tische. Stühle. Graste Aus» wohl. Billige Preise Moritz Hirschowitz, Andreasstratzc 30, gegenüber Leiser.» Wenig getragene Kavaltergarderobe von Millionären. Aerztcn. Anwälten. Fabelhaft billige Preise. Empfehle Taillcnmäntel, Pa» letots. Fracks, Cmo. kings. Gshrockan. zllge. Hofen. Sport. Gehpelze. Damen» Mäntel. Gelegen. heitskäufe in Steuer Garderobe. MHW Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 83. Abt. Am 17. Oktober verstarb unser Genosse Hermann Blendaw. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Freitag, 21. Oktober, 13 Uhr, im Krema- torium Wilmersdorf. Um rege Beteiligung wird gebeten. ilNSoziaiistischeArbeitmugendGroß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugends-kretariat __ Berlin Sli' 88, Lindenstraste 2. vorn 1 Treppe rechts. Singekrei« Grotz-Bertin: Heute Probe im?ugcndbcint ZlW„ Bochumer Stratze 8v, von 18'... bis 20t� Uhr. Leitung: Walter Rohde. Interessierte Ge- nassen können noch teilnehmen.. Proletarisches Orchester der TAI.: Heute, 20 Uhr, Probe in der KMS., Neukölln. heute, Donnerstag. 20 Uhr: Arnswalder Platz II: Schönlankcr Str. 11, B. 8: Schallplattenabrnd.— Falkplatz 1: Sounenburgcr Str. 20:„Fürsorgeerziehung".— Humannplatz! Glcimslr. R— 33:„Tagespolitik".— Nordosten II: Dauziger Str. 82:„Tages, Politik".— Schönhauser Vorstadt: Sauneltdurger Str. 20:„Wir und die bürgcr. lichc Jugendbewegung".— Barschauer Viertel: PLteiliguug an der Arbeits- gemeinlchait des WB.— Hallesches Tor: ülorckstr. tl: Lilerarischer Abend.— Hascahcide: Wasserlorsir. 1: Wir üben Volkstänze.— Kottbusier Tor: Urban- stratze 187:„Tagespolitik".— Köpenickcr Viertel: Heimabend fällt heute aus.— Südwest: Lindcnstr. 4; Arbeitsgemeinschaft.— Schöuebcrg III; Hauptstr. 15: Lrieabend.— Westend: Sportplatz Westend:„Die Welt der Arbeiterjugend", n. - Zehlcndars-Dahlcm: Zinnowald-Schulc, Schlieffen- Ecke Boelckestratze: Polt» tische Satire.— Schäneweide I; Berliner Str. 3t: Unlerbaltungsadend.— Fncdrichshagrn: Friedrichstr. 98:„Sexuelle Fragen"— Teael: Schöneberger Slratzc:>:„Faschismus", 2. Teil.— Buch: Schule Lindcnhosstratze:„Jugend- arbeil der SAI." SIG. Rculolln: SMS. 19 bis 21 Ubr:„Hat die Demokratie versagt k' Derbrbeiirk Wcdding: Zusammenkunft der Spieltruppe 20 Uhr Lediaenheim öcktänstedlslratzc.— Ueben der T a m b o u r k a p e l l r 20 Uhr Helm Kolonie- straste 22. Werbebeurk Prenzlauer Vera: Dir Borsitzendenkonicrenz iindct hcutr, 20 Ubr. in der Schule Danziacr Str. 23 statt snicht im Alirrsbeim). Wcrbcbezirk Osten: Arbeitsgemeinschaft.Marxismus" 20 Ubr Heim Litauer stratzr 18 Lcitrr: Artur Rcichardt. Wrrbebciirk Neukölln: Kursus des WB. Porstandes 19' Uhr im Parte, büro, Fuldastratze. Alle l. und 2. Barützendrn müssen unbedingt erscheinen.— „Der Querschnitt" probt pünktlich Igte Uhr Stcinmetzstr. IH. Werbebezirk Reinickendorf, Galgenvögel: Eichbornstr. 94: 18 Uhr Gejangsstudio, 20 Uhr Szenenprobcn. Achtung, bis 30. 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Ecke und ftamo Radioanlagen, alle Marken, gegen kleinste Monatsraten. Vorführung kostenlos. Ostfunk Szilast, Ncander Kastanienallec 58> stratze 18, Etagcm Tagen, den ersten Fixstern in 40 Millionen Jahren und die Grenze unseres Milchstraßen- systems in über einer Billion Jahren erreichen! Während der ganzen Zeit jedoch dürfte der Zug� niemals Aufenthalt nehmen; wenn jeder der zwei Milliarden Menschen, die auf der Erde leben. gleichmäßig eine bestimmte Zeit am Führerstand stünden, so würde das bei jedem einzelnen b i s zur Milch st raße 500 Jahre dauern. Wobei aber der jeweilig Führende Tag und Nacht ausharren müßte! Seit noch nicht allzu langer Zeit haben wir aber die Erkenntnis gewonnen, daß unser Milch- straßensystem unmöglich das einzige Weltall sein kann. In den Vereinigten Staaten stellte man auf der Mount-Wilson-Stern- warte ein Riesenteleskop mit einem Spiegeldurch- messer von 2>4 Metern her und machte mit diesem „Fernrohr" die interessantesten Entdeckungen. Es gelang so zum Beispiel, bei einer Messung den Nebelfleck diQ 7619 zu finden, ein Gebilde, daß mindestens S0 Millionen Licht- jähre von unserer Erde entfernt liegt(also L00 Trillionen Kilometer— da das Licht 300 000 Kilometer in der Sekunde zurück- legt). Durch diese Messung ist das Bild unseres bis- herigen Kosmos um das Millionenfache ver- größert worden. Innerhalb eines solchen Riesen- raumee nimmt unser Milchstraßensystem selbst nur einen winzig kleinen Platz ein, da es nach den genauen Berechnungen von Professor A b o t „nur" hunderttausend Lichtjahre lang und zwanzigtausend Lichtjahre breit ist In ihm existieren„nur" 30 Milliarden Sonnen, während nach den neuesten Beobachtungen des Mount-Wilson-Oblervatoriums Hundert« von ungleich größeren Welte nsy st emen bestehen. Es sind im ganzen S 0 K o s m e n, die aller Wahrscheinlichkeit nach ielbst wieder Hunderte von Milchstraßensystemen mit Trillionen von Sonnensystemen enthalten. Der unserer Welt am nächsten liegende Kosmos ist ungefähr 10 Millionen Lichtjahre entfernt. Im Jahre 1323 gelang es aber bereits, ein neues Sternsystem erster Ordnung zu entdecken, dessen Entfernung von unserer Erde ungefähr 30 Millionen Lichtiahre be- trägt. Jenes System hat einen Durchmesser von über 2 Millionen Lichtjahre und besteht aus Nebeln aller Ordnungen und Lichtstärken. Nach neuesten Untersuchungen des Astronomen H u b b l e beträgt der Halbmesser des bisher zu vermutenden Weltalls eine Strecke, die fünf- tausend Billionen mal größer ist als der Abstand der Erde von der Sonne. Und zwar müssen wir mit dem Vorhandensein von dreitausend- fünfhundert selbständ gen„Welt- allen" rechnen mit etwa 30 000 Trilli- onen Sonnen. Diese Erkenntniserweiterungen seit den letzten Jahren muten zwar phantastisch an— bedeuten im Rahmen des unermeßlich weiten Problems selbst jedoch nur„ein schüchternes Abtasten der unerschütterlichen Prinzipien des Alls". Uauerls. Alte Sprüche Stolze Torheit Und törichter Stolz Wachsen beide Auf einem Holz. Je kleiner die Last, Um so größer die Hast Großes Müh'n Will langsam erblühn. Oesammelt von Walter Meckaaer Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Kelchätlssikli': Berlin<5. 14 Gebaftianttr 37—38 Ho» S Tr Tiergarten lOrlsverein): Freitag, 21. Oktober, 20 Uhr, Vollversammlung im Nationalhof, Bulowstr. 37. Buchkontrollc.— Prenzlauer Berg< Bortrupp): Jeden Freitag Heimabend Danziger Etr. 62, Baracke 3. Republikaner des 4. Kreises, alle 12- bis ISjährigen Jungen gehören in den Vortrupp, sofern sie nicht anderen republikanischen Organisationen angehören.— Wilmersdorf sIungba): Freitag, 21. Oktober, 20 Uhr, im Jugendheim Wilhelms» aue, Zimmer 3.— Reutölln-Brig sIungba): Donnerstag, 20. Oktober, 20 Uhr, Fortsetzung des Kursus im Heim Britz, Ruoower Etr. 31.— Lichtenberg lOrts» verein): Donnerstag, 20. Oktober, 20 Uhr, Mitgliederversammlung des gesamten Ortsvereins in Kerns Festsiilen, Tiirrschmidtstraßc. Pflichtveranstaltung. Bundeskleidung. Eaalkontrollc. Ohne Mitgliedsbuch kein Einlatz.— Rahns- dori sKameradschaft): Donnerstag, 20. Oktober, Treffen aller Kameraden bei Molkenbuhr. Besvrechung der Wahlarbeit.— Steglitz(Ortsvsrsin für Steglitz, Lichterfelde und Lankwitz!: Turnabende regelmäßig leden Donnerstag von 20 bis 22 Uhr Turnhalle Ringstraße, Steglitz. Iungba und Echufo haben zu er- scheinen.— Freitag, 21. Oktober, 20 Uhr, rm Nationalhof, Berlin, Blllowstraßc, Sportschießen KKS. Pflichterscheinen.— Kreutzberg, Zuge VII und IX, Echufo; 20 Uhr bei Bartsch, Forsterstr. 17. Deutscher Arbeiter-Abstiueutea-Buud. Kreis Berlin. Äcdding. Sonntag, Oktober, Besichtigung des Bolksmussum« für Frauenkund« in Eharlstten- bürg. Treffen 0 Uhr Bahnhof Weddina fReinickendorfer Straße).— Betzirks, bcnb.— Bezirksgruppe Utationen, Konzert, Sc. grupve Norden: Donnerstag, 27. Oktober, Literaturadenb.— Bezirksgruppe Schillerpark: Sonntag, 22. Oktober, Bunter Abend sR-zitationen, Konzert. Sc- sang. Tanz). Eintrittspreis 25 Pf. Montag, 24. Oktober, Bortrag:„Abstinenz als Waffe des Klassenkampfes". Referent Genosse Hoheisel. Mittwoch, 26. Okto. ber, Mitgliederversammlung. Neuwahlen usw.— Bezirksgrupv« August Forel: Freitag, 28. Oktober, Bortrag:„Äbstinenz al» Baffe des Klassenkamvfcs". Re. fercnt Genosse Hoheisel. Sämtliche Beranstaltungen in der Alkoholfreien Gast- stätte, Gottschedstr. 33. Beginn 20 Uhr. Gäste willkommen. E-glish Sircle Perseuerauc«. Heute, 21 Uhr, im Bräustübl, Neu« Klein« Hütt«, N. 65, Miillerstr. 176, am Weddingplatz, englische Borträg« und Die. kussion. Gäste willkommen. Esperanto-Gruppe Berliu-Rorden: Iasmunder Str. 3, Iasmundor Vereins- haus. Heute, 20 Uhr, llebungen, Konversation, geselliges Beisammensein. Gäste willkommen. Freie Rationale Schülerschaft(FNE.). Uebcr„Republik und Wehrfrage" sprechen Ernst Limmer, M. d. R., Heinz Krüger, Dr. Grundei, Fritz Lcföbre am Freitag, 21. Oktober, um 20 Uhr, im Demokratischen Klub, Biktoriastr. 24 snahe Potsdamer Brücke). Deutscher Alpenverei» E. V. Ueber die Einweihung des Fricsenberghauscs in den Zillertaler Alpen spricht am 21. Oktober, 20tp Uhr, im Restaurant Pschorr(Kaiser-Wilhelm.Gedächiniskirche). Saal 3, Herr Artur Landsberger. Anschließend hält Herr Alfons Wagner einen Vortrag über den Hochtourcnlurs, der anläßlich der Einweihung stattgefunden hat. Filmvorführung und Licht- bilber. Eintritt frei. Gäste willkommen. Arbeitsgemeinschaft für Forstschutz und Naturkunde E. B. 200. Arfo-Wande- rung Sonnabend, � 22. Oktober.� � Geogcaphische Wanderung durch Berlin mit Erlä'iterung über die geographische Lage Berlins. Führung: Dr. Matz. Treffen 15 Uhr und 16 Uhr pünktlich vor dem Rathaus Berlin, Königstraßc. Führung in 2 Gruppen. Ueberblick vom Rathausturm. Im Anschluß an die Fülirung (etwa um 17)4 Uhr) Bortrag:„Geographisches uud Wirtschaftliches der Stadt. entwtckluug" im Lehrervereinshaus am Alezairderplatz, Alexanderstr. 4l, Ber- einszimmer 1. Mitglieder 20 Pf., Gäste 30 Pf. einschl. Besichtigungsgebühr. Berliner Gesellschaft für ässentlichc Gesundheitspflege E. B. Sitzung am Dienstag, 25. Oktober, 20 Uhr, im Hygienischen Institut der Unioersität, Berlin, Dorotheenstr. 28». Oberrcgierungsrat Dr. Soldmann:„Entwicklung und Leistung der deutschen Krankenhäuser, Tatsachen zur Krankenhauspolitik". Gäste willkommen. .5me Gewerkschafts-Zugend Berlin I Heute, Donnerstag, 20. Oktober, um Ig',:. Südosten: Jugendheim Reichenberaer Str. Uhr, tagen die Gruppen: .Die Familie von gestern Schönhauser Tor: Jugendheim Tieckstr. 18. Programm.— Tor: gm ckstr. 18. Henry Reii mit seinem Instigen igendheün Manteuffelstr. 7.„Ein Marsch "mit Lichtbildern.— Laudsbergcr Platz: Jugendheim Abend.— Lichtenberg: Jugendheim Dossestr. 22.„Die :r FGJ."— Reu-Lichtculxrg: Jugendheim Gunterstr. 44. durch das Wattemneer" mit Lichtbö Ebertystr. 12. Travcn-Abenb.— LuM Aufgaben und Ziels der FGJ."— Reu-Lichteuberä: Jugendheim Gunterstr. Fahrtenklatsch.— Oft«»: Jugendheim Franlsurter Allee 307, Länszunmer. K, Köpenick: Jugendheim Grünauer Str. 5(Nähe Bhf. Spindlersfeld). Bolkstanz. abeiu).— Gerserkschaftshaus: Jugendheim Sewertschaftshaus, Sngelufer 24—25. F.-.-. Tucholskl-Abend.— Betriebsgruppe Linde ar: Iugendheiui Kantine des Llndcar-Fahrradwerkes. Lichtbildervortrag:„FEI. in Wort und Bild".— Jugeubgruppe de« Perband«« � der Nahrungsmittel, und Seträukearbeiter: Jugendheim Neue Schönhauser Str. 4— 5, großer Sitzungssaal. Vortrag:„Unser ',..-, vttzungS' Verband,—_ Jngendgrupp« de« Dcntscheu BekleGungsarbeiterverbandes: AitOendheim Sebashanstr. 37—38, Hof part.„Das Jugendprogramm des �ugendgruppc des Deutschen Tertilarbeitcr-eroaud««: Jugendheim Gewereschaftshaus, Engeluser 24-25 VI. Gesellschaftsspiele und Generalprobe c Oubilacrcicr.— Mitaliedetversammlunq bet Eoaberabjeilvaa der «olksbühne heute abend, 20 Uhr. ,n Haberlands Festsälen, Neue Friedrichstraße. �»uaendaruppe des Zentralverbandes der Anaestsllten »Ehrung straße 10. Soeco und Straße 18. Liederabend.— weit".— Norden: Jugendheim Loitzi. Lanzstti."— Oft«»: Jugendheim der schule Litauer — Stralau: Jugendheim Dossestraß« f Zimmer 8). Arbzitsgemeinschaft, 2. Abend:„Was sagen die Hirsch-Dunckerschön Geweri- schasteu und ihr« politischen Vertreter zum Regtseuna-Programm?" Leiter.: Schmidt.— Treptow: Juxendherm Elsenstr. 3. Bunter Abend.— Heut« findet um 20 Uhr die Fuuktianarversammlvng>m kleinen Sitzungssaal de» V«rb»nd«- Hauses statt. 1 1 f lj/\nis Ltu/ Q Sfaals Theater Donnerstag, den 20. Oktober staatsoper unter den Linden 20 Uhr Die Macht des Schicksals staatucites Schauspielhaus 20 Uhr Wilhelm Teil WM 8 UDr 13. Floro 3434. HaniDia eri. Broneft-Faraille, Lord Am, TAlfredos, Marianne SRoberts Mae Eigin, 6 Köhlers usw. r Theater des Westens% nanlstr.» llhi. lioo St«inpl. 5121 Ab heute Donnerstag tägslich 4'/, und 8i/4 Uhr Sonntagr« 2 l/j, 5 und 81, Uhr Försterchristei Slädt.0per Charlottenbur« Fraunhofer 0231 Turnus I Donneistag, 20. Okt 20 Uhr Tosca N'emeth, Taldn a Q., Roda, stand I. Heyer Dirigent: Ladwig KMW Täsl. 5 u.«y, Uhr 3 ANDREU- RIVELS BARN IBAS VON OECZY OTTO WAlLBUREs PLAZA Nähe Sdiln, Bhf. 5 u. 616. Stgs. 2.5,8UÜ. (1 Wilihnl 4031 Dollarprinzessin Deutsches Theater Weidend. 5201. 8 Uhr Piz FMi von Hotg SdmpM von H. v. Kliht Regie: MaxReinhardt Kammerspiele 8 Uhr Scbultes Bühne Heiterer Lndwig. Thoma- Abend Die Brautscbau Erster Klasse Schiller (irolijiiüßtr. 7Ü/71 ätelnpi.(C 1) 6715 Tätlich SVi Uhr Robert und Bertram MlndBnoi. FrltiUlnA. Seoti ScceUaf Stg. nachm. 3»'j Neidliartt t.(Nhnai Prei� 0 40 bis 2,00 Thea lern. Westens ISlelnpl. 5121{ tiglich4Viu Stzi| Körster- ch riste l I Wörner, S Owe, j Uchienstein I.Varst. 0.30-1,50 1 2. Von«. 0.50-2.50 metropol-Ttieaier I TSglich 3>/. Uhr 1 Srißi Massary Eine Fr«o, 81« weil, was tle will! Sonntag nachm. VsS u. S Walzertraum VOLKSBUHNE Theater am Bdlewplatc 0 1. Norden 2844. TSslicb 8 Chr Die Ratten Är Regie: Hein« Hilpert Xitb« Porten, Eugen Klipler. Otto Wernltte iMerliEluiir/Oomgrat.FaePaandaruaneHeidl n Adele Sandrock/ HSrblgsr/ Gülstorf!■ Grutz/GinilNIkolniewa/Llnsen/Nlemar| □iagelmann/ Aren/ Nlnl Thellndel 1 Mus. Ltg.: The Macktltn Regle: RsColt ürnouer I GROSSES SCHAUSPIELHAUS B r Theater Admiralspaiastl Täglich 8� Uhr 1 Gitta A l p a r L in Katharina n» Theater am— Scbiffbauerdamm D 2 Weidend. 893S Täglich 8)4 Uhr die„Truppe 1931" spielt „Da lleot der Hund beoraheo Komödie m Musik. Berlirts W ALL N E R-TH E A.T E R Täglidi 115„Mitschuldigen" „Satyros" von Goethe— Musik; Moperl Preise 0.50 bis 3,- M.— Sonnt. 5 u. 8,15 Uhr Vorverkauf täglich ab 10 Uhr Blumen imiiiaiHiiiiiiiiiiiitiiiiiiiitii Paul Golletc Mari«nn«nstr. 3 F8, Oberbaum 1303 B. B. B. ftendows tznnte Babne Koltbnsser Strete 6 trüber„Elite- Sänger" Iii. 8 Uhr, Soul.»eck». 3','. Preise von 50 Pf. an r-Theafer I d.— Stresemannstr. Morgen, Freitag, »48: Premiere von Bemh. Shaw Nioitsl, v Thell- mann, Ber.ens, Evans. Otto Sima, Wiemann. Stettiner Sänger Reichshaüen-Theater (Dönhoffplatz) ' Dir. MeyseU Dir. Sie/sei. Tägl 8.15 Uhr, Sonntags 3.30 Uhr(ermäßigte Pr.) Das neue Programm mit der Posse „Und abends wind getanzt" »v.uhr CflSIHO- THEATER • Lothringer Strafe 57. Iiiiiiiii miimii in iiiiiiiiiiiitiMiitiiniiieiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiinHiin ii Aach Sonntag« nachm. 4 Uhr Hnmorl" Stimmangl Man lacht Tränen Uber Direktor Hans Berg als Tante Julchen. Gutschein Illr die Leser I— I Personen Faut 0.75 M.. Sessel I 25 M-, Park. 0.50 M rlaCnrennen Hoppegarten HEUTE nachm. 2 Uhr Operette von Georg: Jarno mit HILDE WÖRNER HANS STÜ ED LICHTENSTEIN OOROL H reife I. Vorstellg. 30 PT.~~ 1.50 II. Vorstellg. 50 Pf. 2.50 Vorverkaut ununterbrochen Rose- Thealer Brei« Fmktimr Streit 132 tg. Wiidnn:' 3422 8.15 Uhr Der Hauptmann von Köpenick Tägl-»>/. Uh» Grete Mosheim Oskar Homolka in Pygmalion Gustav Oiessl Ernst Busch/ Jessie Vihrag Helene Fehdmer/ Paul Biensfeldt Günter Vogdt Nach dem Roman von Irmgard Keun „Gilgi, Eine von uns" Musik und musikalische Leitung: Franz Grothe/ Liedtexte: Fritz Rotter Drehbuch: J. y. Cube/ System: Tobis Klangfllm Regie: Johannes Meyer Ein T. K.-Film der Paramount Sinfonischer Prolog aus„Gilgi" von Franz Grothe Dirigent: Der Komponist U RAU FFÜ H R U N G Haute 700 9<» C A P I T O L Vorverkauf tagl. von 12— 2 dm ZOO Barbarossa B S 7058