Morgen-Ausgabe Nr. 499 A244 49. Jahrg. Redaktion und'Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 F-rnspi«ch«r, A? Ami Dönhoff 29? bis 297 T-ltgrammoör-sse- Soziold-moKat Berlin ZERLin ER VOLKSBLATT SONNABEND 22. Oktober 1932 In Groß- Berlin 1 0 Pf. Auswärts....... 15 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe am Schluß des redaNioncllen Teils JeMvaiorgan der Sozialdemokratische« Partei Deutschlands Altralinkskurs der KPD. ScberbenxericKt über I-Iein? k�eumann Die Kommunistische Partei hat eine Tagung ihrer zentralen Körperschaften abgehalten. 2lus dieser Tagung wurde oer langjährige tatsächliche Führer der Kommunistischen Partei Hein; N c u m a n n zum alten Eisen geworfen. Die„Rote Fahne" berichtet darüber: „Durch einstimmigen Beschluß verurteilte die Konserenz den Genossen Heinz Neumann und einig« andere Genossen, die aus Grund ihrer politischen Fehler uno Ar.weichungen von der Linie der Partei mit den Methoden des Grup- penkampfes die Wendung der Parteiarbeit zur oerstärkten revolutionären Massenpolitik zu stören versucht hatten." Die Kommunistische Partei will also ihre„r e- volutionäre Massenpolitik" verstär- ken. Was dies bedeutet, hat in dem Bannstrahl gegen Heinz Ncumann sinnsälligen Ausdruck ge- funden. Heinz Neumann war der Mann des Bündnisses zwischen Stahlhelm und Kommunisten im Bolksbegehren gegen die Preußenregierung. Getrieben vom Haß gegen die Sozialdemokratische Partei, hatte er sich damals mit den'chlimmsten Feinden der Arbeiterklasse, init den deutschen Fa- schiften verbündet, um einen Stoß gegen die De- mokratie zu führen. Er hat befehlsgemäß alles durchprobiert und durchgeführt, was von Moskau aus befohlen wurde, ohne Rücksicht auf die Lage der deutschen Arbeiterklasse und auf die Notwen- digkeit ihres Kampfes. Er»vor einer der ge- treuesten Lakaien Stalins, dessen Wünsche kür ihn Besehi waren. Dieser Mann erhält jetzt einen Fußtritt. Bedeutet das, daß die Kommunistische Partei in vernünftige Bahnen einzulcnten ge- denkt? Mit Nichten! Die verbrecherische Parole: hauptseind ist und bleibt die Sozialdemokratie! ist erseht worden durch die völlig gleichwertige Parole:„D c r hauptschlag gilt der Sozialdemokratie!"„Revolutionäre Massenpolitik" bedeutet in der Sprache der kommunistischen Partei Fortsetzung der Spaltung der Arbeiterbewegung mit verstärkten Mitteln! Heinz Neumann hat einen Fußtritt erhalten, weil er sich von seiner eigenen Politik abwenden wollte. Selbst diesem Manne, einem der unbedenk- lichstcn Kommunisten, war es nach dem Sturze Brü- nings ausgegangen, daß die deutsche Arbeiterklasse in eine entscheidend geschichtliche Situation, in einen Kampf von ausschlaggebender Bedeutung eintritt. Er hat im Regime Pzipen das Akutwerdcn der Gefahr des deutschen Faichis- m u s gesehen und hat deshalb eine Wendung des Kurses der Kommunistischen Partei durchführe» wollen. An die Stelle der Parole„Einheitsfront von unten", unter der sich der Wille zur Spaltung und Zerstörung der Sozialdemokratie nur not- dürstig verbirgt, wollte er die Parole„Ein- heitsfront von unten bis oben" setzen. Vielleicht wäre bei solcher Wendung des Kurses der Kommunistischen Partei der Graben zwischen der Sozialdemokratie und der KPD. schmäler ge- worden. In einer solchen Wendung hätte einge- schlössen ein Geständnis der schweren politischen Fehler der Kommunistischen Partei gelegen. Aber eine kämpfende Arbeiterbewegung ist kein Ketzer- konzil, es gehl nicht darum, einander Fehler vor- zurechnen und Geständnisse abzulegen. Es geht darum, im Kampfe die Interessen der Arbeiter- klasse zu vertreten. Der Graben, der die Sozial- demokratie von der KPD. trennt, ist breit und tief. Eine Milderung der Gegensätze, der seind- seligen Gefühle, die Herbeiführung anständiger und wahrhaftiger Kämpsformen hätte in der gegenwärtigen Situation der deutschen Arbeiter- klasse schon einen Gewinn bedeutet! Aber im Zusammenhang mit der neuen Ketzer- riccherei, die Stalin in Rußland durchgeführt hat, wurde auch eine neue Ketzerverbrennung in Deutschland angeordnet. Heinz Neumann ist a l s worden, weil er gegen- der Reaktion und des lichte Augenblicke Ketzer verbrannt über dem Bordringen Faschismus einige gehabt hat! weiter an der Vertiefung der Spaltung und Zersetzung der deutschen Arbeiterbewegung, an der Schwächung ihrer Sampskrast. gegen den Faschismus arbeiten! Der Beschluß, den die zentralen Körperschaften der Kommunistischen Partei gefaßt hoben, be- deutet deshalb in Wahrheit ein Schwächung der Massenpolitik der deutschen Arbeiterschaft gegenüber der Re- aktion! Die Thälmann und Genossen haben sich als noch größere Lakaien Stalins erwiesen, als es Heinz Neumann einstmals gewesen ist. Hirnlos und sinnlos betreiben sie weiter das ver- brccherische Geschäft, der deutschen Reaktion Vun- deshilfe zu leisten, indem sie die Sozioldemokra- tische Partei mit einer Flut von giftgeschwollenen und haßerfüllten Angrifsen überschütten.„N u n e r st recht Spaltung!"— das ist ihre Parole! Wir stellen dem den festen Willen zur Einheit der kämpsenden Arbeiterschaft un Kampfe gegen die Reaktion gegenüber. Wir rufen alle Arbeiter auf, am 6. November der Fahne der Sozial- demokratie zu folgen. Es gilt, das Recht des arbeilenden Volkes, die demokratische Freiheit und die sozialen Errungenschaften zu verleidigen. Fort mit den Spaltern, seid einig gegen die Reaktion! Regime Dollsuß bleibt T'mtenkaÜwerker retten die Herrschaft des Rechtsblocks Die kommunistische Partei darf aus Besch! keine Milderung der Gegensätze zwischen Sozialdemokratie und KPD. herbeiführen. Sic muß Eigener Bericht des„Vorwärts" Wien, 21. Oktober. In der Freitaz-Sitzung des Nationalrats, in der über das sozialdemokratische Mißtrauensvotum gegen die Regierung Doll'uß und über die Fest- setzung des Termins für Neuwahl des Parlaments abgestimmt wurde, war das Parlament ein Schauplatz wüster Szenen, wie sie das Haus lange nicht mehr erlebt hat. Die sozial- demokratischen Anträge wurden abgelehnt. Ange- nommen wurde ein christlichsozialer Antrag, den Ncuwahltermin im Frühjahr zu beschließen. Am Bormittag gab Bundeskanzler Dollfuß einige belanglose Erklärungen ob. Anschließend sprach der neu ernannte Heimwchr-Sicherheits- minister F e y. Er hielt seine Erklärung ganz im Tone eines Innenministers aus der Kaiserzeit und behauptete, die österreichische Verfassung habe nur das Borrecht der Geburt, des Geschlechts und der Klasse abgeschasft, nicht aber die Gleich- hcit der Parteien vor dem Gesetze festgelegt!! Er habe daher das Recht gehabt, den Oppositionsparteien das Aufmarschrecht und das Demonstrationsrecht zu nehmen und es den Regierungsparteien zu lassen'! Diese Erklärung rief stürmische Empörung der Sozialdemokraten hervor. Ollo Bauer rief:„So ein Minister ist eine Schande für die Republik!" Daraus antwortete Bundeskanzler Dollfuß von der Ministerbank aus:„Sie. Herr Bauer, sind ja ein Bolschewik!" Auf diese Acußerung hin ging Bauer zu Doll- fuß, Dollfuß sprang aus und rief zum Präsidenten: „Herr Bauer hat mich soeben einen Gestnnungs- lumpen genannt!" Aus dem stenographischen Protokoll wurde dann festgestellt, daß diese Be- hauptung unwahr ist und daß Bauer das Wort „Gesinnungslump" nicht gebraucht hat. Es ent- stand aber auf den Ruf des Bundeskanzlers hin ein wüstes Durcheinander im Saal. Der heimwehrabgeordncle Lichtenegger ergriff ein Tintenfaß und warf es mit ungeheurer Wucht gegen Bauer. Das Faß schlug knapp neben Bauer aus und zerbrach, während die Tinte im Saal umhersprihte. tzichtenegger nahm dann ein zweites Tintenfaß und warf es in der Richtung gegen Bauer. Es flog knapp am Arm des sozialdemo- kratischen Abgeordneten Danneberg vorbei. Nun sprangen die sozialdemokratischen Abgeordneten von ihren Sitzen aus Die Sitzung ging in einem wüsten Lärm unter und die Sozialdemokraten stürzten nach der Mitte des Saales, um den sajchlstijchen Rohling zu züchtigen. In diesem Augenblick verließ Präsident Renner seine» Sitz und erklärte damit die Sitzung sür unterbrochen. Der Saal wurde geräumt. Um Z Uhr nachmittags wurde die Sitzung wieder eröffnet. Die Nachmittagssitzung verlies verhältnismäßig ruhig. Gegen den sozialdemo- kratischen'Antrag, Neuwahlen für den 27. No- vember auszuschreiben, wandte sich ein christlich- sozialer Antrag, der wünscht, daß die Neuwahlen für das Frühjahr 1933 ausgeschrieben werden. Unter ungeheurer Spannung wurde dann in den Abendstunden die Abstimmung vorgenommen. Der sozialdemokratische Antrag aus Auslösung des Hauses und Ausschreibung von Neuwahlen für den 27. November wurde mit 70 sozialdemokratischen und S großdeutschen Stimmen gegen SZ Stimmen der Ehristlich- sozialen, der Landbündler und der saschistischen heimwehr abgelehnt. Der Antrag der Christlichsozialen, die Neu- lvahlei, im Frühjahr 1933 abzuhalten, wurde mit dem gleichen Stimmenverhältnis a n g e n o m- m e n. Ebenfalls mit den Regierungsstimmen gegen die sozialdemokratischen und die groß- deutschen Stimmen wurde der Mißtrauensantrag gegen die Regierung abgelehnt. Die Methode NationalsoTialistischePersonalpolitik Das n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e o l d c n- b u r g i s ch e S t a a t s m i n i st e r i u m hat den Regierungspräsidenten Dörr in Birkenseld zur Disposition gestellt. Diesem Be- schluß ist ein langer Kämpf um die persönliche Lauterkeit Dörrs vorausgegangen, der von olden- burger Nationalsozialisten in maßgebenden Re- gierungsstellen beschuldigt worden war, sich s e p a- r a t i st i s ch betätigt zu haben, und den national- sozialistische Politiker seines Birkenfelder Wirkungskreises mit aller Entschiedenheit gegen diesen Verdacht in Schutz nahmen. Der Zweck der Uebung wird jetzt klar, denn gleichzeitig mit der Kaltstellung Dörrs wird die Beauftragung des nationalsoziali st ischen Land- tagsabgeordneten Wild mit der Führung der Geschäfte des Regierungspräsidenten in Birkenfeld bekanntgegeben. Man hat Platz schaffen wollen sür einen Nationalsozialisten und hat deshalb den Mann, der den Platz inne- hatte, infam verleumdet. Das ist eine Methode, die sür das„neue System" ganz charak- teriftisch ist, sie ist nicht auf Oldenburg allein beschränkt. Müller-Löhne! Weltgeschichte auf der hohntüte Millionen verfluchen die privatkapitali- stische Welt, die sie zum Müßiggang ver- urteilt. An den Stempelstellen spricht man mit bitterem Hohn von der P a p e n- Unter st ützung und erzählt von den Hermann- Müller- Löhnen der Jahre 1928 und 1929. Die„Alu" ist von wöchentlich 29 Mark auf 9 Mark geschrumpft, der tarifliche Stundenlohn für den mann- lichen Facharbeiter von 197 Pf. auf zwei Drittel davon zusammengehauen— und dazu neben dem registrierten Arbeitslosenheer noch ein bis zwei Millionen„Unsichtbare", eben solche Parias der Gesellschaft wie die „Unberührbaren" Indiens. 1928 war nicht das Paradies, aber ver- glichen mit heuU war es nicht die Hölle des Arbeiters, Angestellten und Beamten, nicht die jetzige Mittelstandsverzweiflung! Nicht jeder will es wahr haben, daß es soziale Errungenschaften gibt, die von der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften Schritt für Schritt erkämpft wurden. Aber alle möchten die„M ü l l e r- L ö h n e" und die„M üller- Unter st ützungen gern wieder haben! Gewiß: auch zu den Zeiten der sozialdemo- kratisch geführten Müller-Regierung sind niemand Schätze in den Schoß gefallen. Aber es wurde damals nach sechs Monate langem hartem Kampf der sozialreaktionäre e r st e Angriff auf Leistungsabbau in der Ar- beitslosenoersicherung abgeschlagen Die Krisenfürsorge wurde ausgebaut, der soziale Angestelltenschutz wurde verbessert, für die älteren Angestellten wurde eine besondere Novelle geschaffen, die die Wartezeiten ver- kürzte und eine Herabsetzung der Alters- grenze durchführte. Der Fünf-Uhr-Laden- schluß am Weihnachtsabend wurde erzwun- gen. Aus Mitteln der Lohnsteuer wurde eine Erhöhung der Invalidenrenten und eine Verbesserung der Knappschaftsversicherung geschaffen. Die Unfallversicherung wurde er- weitert. Der Schwangeren- und Wöchne- rinnenschutz wurde weiter ausgestaltet. Das war sozialdemokratische Gegen- w a r t s a r b e i t, das waren soziale Er- rungenschaften, das waren„marxistische" Leistungen durch den Reichstag für das Volk! Damals hatten die Nazis, Kommunisten und Hugenberger im Reichstag zusammen weniger Stimmen als die Sozialdemokraten mit ihren 153 Mandaten. Im Zwei-Tage-Reichstag von 1932 hatten allein schon die Nazis und die Kommunisten die absolute Mehrheit. Auf ihrem Rücken kletterten die Hugenberger zur Macht. Die erste Papensche Finanz-Notverordnung vom 14 Juni 1932 belastet die minderbemittelten Volksschichten mit 1599 Millionen Mark Unterstützungskürzungen und neuen Steuern. Die Salzsteuersoldaten sind dem deutschen Volk teuer zu stehen gekommen. Die zweite Papensche Notverordnung kurbelt den Privatkapitalismus durch einen Steuerschein- regen von 1599 Millionen Mark an: dazu kommen weitere 799 Millionen Mark Ar- beiterkopfprämien. Das Geld wird aus den Heute-, Sauua&eud, ZZ. Okiö&ec, abeuds 6 UUc von den bekannten Stelle aus wUUiifye TiufyUaüvci Alle Genossinnen und Genossen, Reichsbannerkameraden, alle Jugend- und Sportgenossen beteiligen sich daran DER BEZIRKSVORSTAND Steuereinnahmen von 1934 bis 1938 im „Vorgriff" genommen Bedenkenlofigkeit ist keine Hexereü Ein nicht mehr zu übersehen- der, von keinem Parlament kontrollierter Segen aus halbstaatlichen Unternehmer-5)ilfs- kassen an Reichsbürgschaften, Reichsdarlehen, Reichskrediten und Reichsgarantien ergießt sich beinahe wahllos über den fröhlich aufatmenden Privatkapitalismus. Er hatte mit dem Ende seiner wirtschaftlichen Weisheit schon das Ende seiner Macht kommen sehen. Jetzt blüht er wieder auf und wird üppig. Dabei rückt das Defizit des laufenden Haushaltsjahres beim Reiche schon jetzt an die Milliardengrenze! In der wirtschaftlichen Krise sind die Kräfte der Reaktion gewachsen. Sie spiegeln sich protzig in dem sogenannten Siegeslauf der deutschen Untertanenbewegung, also der Nationalsozialisten und der Deutschnationalen und in dem Zuwachs der Kommunisten, die aus dem Unoerstand der Massen ihre Kräfte zogen. Auf der Lohntüte wird Welt- geschichte geschrieben und bei Wahlen werden die Kräfte des Volkes gemessen. Wären wir Dem- agogen, so würden wir sagen: Wählt Sozial- demokraten, dann kehren die Müller-Löhne zurück. Rein: Was verloren wurde, kehrt nicht so einfach durch Abgabe eines Stimm- zettels wieder! Es muß neu erkämpft werden. Die gleichen Opfer wie damals und mehr werden nötig sein, um auch nur die Plattform des sozialistischen Befreiungs- kampfes, die politische Demokratie, die gesetz- gebende Gewalt des Volkes zurückzugewin- nen. Es wird bei uns nichts ver- sprachen, aber wir rufen zum Kampfe! Die Reaktion muß geschlagen werden. Unser Kampf geht mit der sozia- listischen Erkenntnis gegen Dummheit, Ver- leumdung und Verzweiflung, und m i t d e m sozialistischen Programm gegen die privatkapitalistische Krise. DasistderSinndesö. Rowember! vapen gegen Hitler Lcirarte Antwort auf den offenen Brief Amftlich wird mitgeteilt: In einem offenen Brief an den Reich-kanzler hat Adolf Hitler Be- hauptungen über den Standpunkt der deutschen Re- gierung in der Abrüstungssrage aufgestellt, die im Interesse der deutschen Außenpolitik aus das schärffte zurückgewiesen werden müssen. Hitler be- hauptet: Deutschland sei mit einem Aufrüstungs- Programm vor die Welt getreten: es habe die For- derung nach einer 390 OOV-Mann-Armee erhoben; es habe ferner den Bau von Großkampfschiffe» „usw." gefordert. Diese drei Behauptungen sind in vollem Umfange unwahr. Deutschland hat niemals andere Forderungen erhoben als diejenigen, welche das veröffentlichte Memorandum vom 29. August enthält. Es verlangt nach wie vor, daß die anderen Staaten aus einen Stand abrüsten, der unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse jeden Landes demjenigen Abrüstungsstand entspricht, der uns durch den Vertrag von Versailles auf- erlegt worden ist. Trägt die Abrüstungskonferenz dieser grundsätzlichen Forderung nicht Rechnung, so müssen wir verlangen, daß nicht weiter zweierlei Recht gilt, sondern daß die in Genf ab- zuschließende Abrüstungskonventton auch auf Deutschland Anwendung findet. Deutschland for- dert auch in diesem Falle keine Aufrüstung. Der Zustand darf aber nicht weiter bestehen, daß uns grundsätzlich Waffen verboten sind, die anderen Staaten als unentbehrliche Mittel der Verteidi- gung erlaubt bleiben. Die Reichsregierung stellt in aller Oeffentlichkeit fest, daß Herr Hitler in seinem offenen Briefe vom 20. Oktober unwahre Behauptungen erhoben hat, die geeignet sind, das Bild der deutschen Außenpolitik zu verfälschen und damit das Interesse des deutschen Volkes auf das schwerste zu schädigen. Das Urteil über dieses Verhalten des Herrn Hitler überläßt die Regierung dem deutschen Volke. Die neue rumänische Regierung besteht aus- schließlich aus Nationalzaranisten(Bauern- parteilern) unter der Führung M a n i u s; nur der Außenminister T i t u l e s c u gehört dieser Partei nicht an. paven als Geschöflsmann Xämpke um?en8!onen und Provisionen Man hat sich darüber gewundert, daß Herr von Papen, der als S2jähriger zum Reichs- kanzler befördert wurde, bis dahin im öffent- lichen Leben so wenig hervorgetreten war. Run gibt der schofle Angriff, den der Ver- treter Popens in Leipzig, Herr Gottheiner, gegen den unantastbaren Otto Braun ge- richtet hatte, der Wochenschrift„Das freie Wort", einen Anlaß, sich mit der b i s h e r i- gen Tätigkeit des gegenwärti- AbUituufysUiiu J I Mit dem Frauenflugblatt kommt ein kleineres Flugblatt zur Verteilung Wir bitten zu beachten, daß das kleine Flugblatt mit dem Flugblatt für die Frauen zugleich zur Verteilung kommt. Die Auslieferung ist bis Sonnabend mittag an den zuständigen Stellen erfolgt, Der Bezirksvorstand. gen Reichskanzlers zu beschäftigen. Es ergibt sich, daß im Jahre 1922 die her- vorragende Kraft des Herrn von Papen in hohem Maße von einem Kampf in Anspruch genommen wurde, den er um seine eigene Pension führte. Herr von Papen bekam damals als Major a. D. monatlich 689 M.(„Das freie Wort" macht loyalerweise darauf aufmerksam, daß der Vorgang in der Inflationszeit spielt). Herr von Papen war aber der Meinung, daß man ihm die zwei Jahre Dienstzeit als Militär- attachS in Washington als Kriegs- jähre(!) anrechnen müsse, daß ihm außer- dem Kriegszulage zu gewähren sei und daß er Anspruch auf die Pension eines Regi- mentskommandeurs habe. Das Militärver- sorgungsgericht hatte durch Urteil vom 19. Februar 1922 diese Ansprüche als u n- berechtigt zurückgewiesen. Herr von Papen gab sich jedoch damit nicht zufrieden, sondern forderte in mehreren Schreiben an die Ministerien, die er als Mitglied des Preußischen Landtags unterzeichnete, Erhöhung seiner Pension durch besondere Verordnung des Reichs- Präsidenten!(Aus jener Zeit scheint seine Vorliebe für Notverordnungen zu stammen.) Am 9. Oktober 1922 richtete er an das Reichspensionsamt ein diesbezügliches Gesuch, das vom„Freien Wort" im Wortlaut abgedruckt wird. Etwa zur gleichen Zeit beteiligte sich Herr von Papen mit einer Einlage von einer Million Mark an einer Exportgesellschaft, der Deutschen Schwarzmeer-Kompagnie. Er bedang sich für die Einlage 29 Proz. des Reingewinnes, mindestens aber 19 Proz.- Zinsen daraus. Er führte Verhandlungen mit den amtlichen Vertretern Sowjet- r u ß l a n d s über Ein- und Ausfuhrbewilli- gungen. Auch verhandelte er mit f r a n z ö- fischen Regierungsstellen über Sachliefe- rungen, versuchte deutsche Walzwerkspatente an amerikanische Interessenten zu ver- kaufen. Mit dem Bankhaus Lazar Speyer- Ellissen korrespondierte er über Wahrneh- mung der amerikanischen Interessen seiner Schwiegermutter, deren luxemburgische Staatsangehörigkeit in Devisenfragen er sich mehrfach beglaubigen ließ. Auch Provisionen versuchte Herr von Papen zu verdienen. Er bot den im Reichs- besitz befindlichen Deutschen Werken ein eng- lisches Schiff namens„London" zum Ver- schrotten an und führte, als das Schiff wirk- lich gekauft worden war, einen Kampf um die Vermittlungsgebühr. So schrieb er an den damaligen Reichsschatzminister Albert: „Seinerzeit haben Sie die Güte gehabt, mich in der Angelegenheit des Ankaufs abgewrackter eng- lrscher Kriegsschiffe an die Deutschen Werke A.-G. zu verweisen, und da Sie glaubten, daß die Firma für ein derartiges Objekt Interesse haben würde, hatten Sie die Liebenswürdigkeit, meinen Besuch dortselbst persönlich zu vermitteln. In den Verhandlungen, die ich anschließend mit den Herren der Deutschen Werke A.-G. geführt habe, sind wir überein gekommen, daß die Deut- schen Werke A.-G. eine Vertretung zur Besichtigung des Objektes nach wobei im Falle des wenden Schiffes London entsenden wollten, Ankaufs des in Frage kom- nicht übliche Werse zu umgehen eine Provision für mich schen und die hinter mir stehenden e n g l i s Freunde schriftlich festgelegt wurde. Am 7. April habe ich an die Direktion der Deutschen Werke A.-G. ein Schreiben gerichtet, daß nach Mitteilung meiner Londoner Freunde das in Frage kommende Schifs seitens der Deut- schen Werke A.-G. erworben worden sei— allerdings nicht durch die von mir zur Verhandlung aufgegebene Firma. Ich habe gebeten, dies« Aus- kunft zu bestätigen und mir mitteilen zu wollen, ob die Annahme meiner Londoner Freunde tat- sächlich zutrifft, in welchem Falle ich naturgemäß alle Rechte aus meinem Prooisionsverlrage mil den Deulschen Werken A.-G. aufrechterhalten werde... Ich brauche Ihnen, sehr verehrter Herr Staats- sekretär, gegenüber nicht zu betonen, in welche außerordentlich peinliche Lage ich gegenüber meinen englischen Freunden versetzt bin durch die Tatsache, daß eine der größten deutschen Firmen, die nebenbei noch unter der Kontrolle der Reichsregierung steht, anscheinend einen Provisionsvertrag auf eine im Geschäftsleben versucht. Ganz abgesehen von meinen eigenen Interessen, habe ich die ernste Sorge, daß durch einen solchen Vorgang das Renommee dieser Werke im Aus- lande auf das empfindlichste geschädigt werden könnte, und erlaube mir, aus diesem Grunde Ihre Aufmerksamkeit aus diesen Vorgang zu lenken. Vielleicht würden Sie die Güte haben, die Direktion der Deutschen Werke zu einer Benach- richtigung an mich oder zu einer Rücksprache über die Regelung der Angelegenheit aufzufordern." So erscheint Herr von Papen als ein Typ des aristokratischen Busineh-Monns. Irgend- wo in einer verschwiegenen Ecke des Herr-' schaftlichen Parks blüht noch die blaue Blume der Romantik. Aber auf dem Diplomaten- schreibtisch liegen, hoch aufgetürmt, Bank- ausweise und Geschäftsbücher. Mair zitiert gern den lieben Gott, aber man hat auch Verständnis für Dividenden und Zins- Prozente. Man versteht die interessante Mischung, die seit dem Frühjahr dieses Jahres in Deutschland regierungsfähig ge- worden ist, wirklich viel besser, wenn man Herrn von Papen nicht nur aus seinen Kanzlerreden von heute, sondern auch aus seinen Geschäftsbriefen von gestern kennen lernt! Mite der Ankurbelung ArbeUsIosiZsteit steigt wieder Reichskanzler von Papen hat in München und Paderborn große Worte über den Erfolg seiner Wirtschafisankurbelung gefunden. Die harten Tat- jachen belehren das Volk aber eines anderen. Bereits für Mitte Oktober meldet die Reichs- anstalt wieder ein Steigen der Arbeitslosen- flut. Vom 1. bis 15. Oktober hat die Zahl der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Erwerbslosen um 4 8 0 0 0 auf insgesamt 5 150 000 Personen zugenommen. Wieviel Erwerbslose infolge Aussteuerung und Unterstützungsentziehung in der gleichen Zeit aus den Listen der Arbeitsämter verschwunden sind, läßt sich bei der völligen Ver- wirrung, die in der Arbeitslosenstatistik Platz ge- griffen hat. natürlich nicht f e st st e l l e n. Soviel läßt sich aber sagen, daß Popens An- kurbelung M' Hilfe der Einstellungsprämien und der Lohnsenkung ein völliges Fiasko er- litten hat. 51 000 Arbeitslose sind nach den bis- herigen Angaben mit Hilfe der Einstellungs- Prämien wieder in den Betrieb gekommen, und 48 000 neue Erwerbslose meldet der Bericht der Arbeitsämter. Der Zuwachs an Erwerbslosen geht fast aus- schließlich zu Lasten der A u ß e n b e r u f e. Das Ende der Kartoffelernte hat in der Landwirtschaft zahlreiche Arbeitskräfte freigesetzt. Andererseits ist nicht zu verkennen, daß sich gewiste leichte Belebungen in den Konjunkturgruppen durchzusetzen scheinen In der Montanindustrie haben Neueinstellungen stattgefunden, und auch im Spinnstoff- und Bekleidungsgewerbe hält die Besserung über das saisonübliche Maß hinaus an. Bei einer Wirtschaftspolitik, wie sie von der Regie- rung der Barone betrieben wird, ist aber nicht zu erwarten, daß diese ersten bescheidenen Ansätze einer Besserung sich zu einer durchgreifenden Wirtschaftsbelebung entwickeln werden. Gegen Lappo Linksruck in Finnland Eigener Bericht de»„Vorwärts" Stockholm, 21. Oktober. Nach der Demission zweier lapposreundlicher finnischer Minister waren der Agrarier L o h i zum Wohlfahrtsminister und der fortschrittliche Redakteur Sanomat zum Minister ohne Porte- seuille ernannt worden. Beide nehmen hinsichtlich der Lappobewcgung eine radikal ableh- nende Stellung ein. Ihre Berufung wird allgemein als Symptom eines Kurswechsels der Regierung angesehen. Das neue Kabinett, in dem nur noch zwei der Lappobewegung freundlich gesinnte Minister sitzen, hat keine Mehrheit im Reichstag und steht daher in v ö l l i g e r A b- hängigkeit von der sozialdemokrati- schen Fraktion. gegen die Nazis vordringende Menge zurück- zuhalten. Dann sagte er wörtlich:„Die Ange- klagten hoben es ihrer Dummheit zu verdanken, daß sie aus der Anklagebank sitzen. Sie haben sich selber der Polizei zur Auf- k l ä r u n g der Sache zur Verfügung gestellt." Gegen das Urteil ist Revision eingelegt. Aufaepoßl! i Keiner kann sicher sein, daß er in der Wählerliste steht, wenn er nicht nachgesehen hat! Kontrolliere, ob du drin stehst! Kontrolliere auch, ob andere drin stehen, die mit der Partei sympathisieren! DieJUdmUe��iäyUcUlS Us19UUcaus Ein krasses Fehlurteil Drei Beicksbamierleute verurteilt Eigener Bericht des„Vorwärts" Hannover. 21. Oktober. Ein Urteil, das allem Rechtsempfinden ins Gesicht schlägt, wurde vom hannoverschen Gericht gegen drei Reichsbannerleute gefällt. Die Angeklagten wurden zu je drei Monaten Ge- fängnis verurteilt Die Reichsbannerleute waren wegen Land- friedensbruch angeklagt, weil sie bei einem Tumult, der von Nazis m Hannover-Linden provoziert worden war, zugegen waren. Auch die gegne- rischen Zeugen bekundeten fast übereinstimmend, daß der angeklagte Führer des Reichsbanners alles getan habe, um Zusammenstöße zu ver- meiden. Von einem Polizeioberwachtmeister wurde dieser Führer sogar aufgefordert, dafür zu sorgen, daß nichts passiere, nachdem ihm das Zeugnis ausgestellt worden war, daß er sich sehr ver- n ü n f t> g verhalten habe. Trotzdem wurde auch er zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwall gab selbst zu, daß der Führer seinen Einfluß geltend gemacht habe, um die pariser Druck auf Briiss el Eigener Bericht des„Vorwärts" Brüssel, 21. Oktober. Die Versuche de Aroquevilles, eine neue Regierung zu konstitutieren, haben bis Freitag abend noch zu keinem Ergebnis geführt. Es haben sich insbesondere von christlich- demokratischer Seite Widerstände gegen die Ministerpräsidcntschaft von Broqueoille geltend gemacht, und zwar hauptsächlich deshalb, da an- genommen wird, daß Broqueoille ein engeres Militärbündnis mit Frankreich schließen will. Auf Drängen der sranzösischen Regierung und im Hinblick auf die insolgck�des neuen deutschen Regierungskurse« verschärfte internationale Lage wurde der belgischen Re- gierung nahegelegt, bestimmte Pläne zur Grenzoerteidigung gemeinsam mit der fran- zösischen Militärleitung vorzubereiten. Gegen diese Pläne zeigen sich im Lager der christlichen Demokraten und auch anderer Katholiken Wider- stände. Minifterpfäsident Malypetr Sonst keine Aenderung in Prag Eigener Bericht des„Vorwärts" Prag. 21. Oktober. Die tschechische Regierung ist am Frei- tag z u r ü ck g e t r e t e n. Das neue Kabinett wird von dem Agrarier M a l y p e t r gebildet werden. Ihm wird als Außenminister B e n e s ch angehören. Di« tschechischen und deutschen sozial- demokratischen Minister bleiben ebenfalls im Amt. Vapen, wie Zange noch! Die gut geschützte Verfassung Krise nach den Wahlen? Schon aus Anlaß des Luther-Briefs zur Kontingentierungspolitik hat der„Vor- w ä r t s" darauf hingewiesen, daß die Grundlagen der Papen-Regierung unter- miniert sind Jetzt, ein paar Tage später, ist in der ganzen Presse ein Geraune von einer kommenden Regierungskrise, die sich nur noch bis über die Wahlen, dann aber auch nicht mehr länger vertagen lasse. Es ist kennzeichnend für den gegenwärtigen Zu- stand, daß bei diesen Krisengerllchten vom kommenden R e i ch s t a g so gut wie garnicht die Rede ist. Und doch muß ein wiederholt mißglückter Versuch des Kanzlers, sich durch Wahlen eine Mehrheit zu sichern, zu seinem Rücktritt führen, wenn der Sinn der Ver- fassung noch einigermaßen beachtet wird. Es ist jetzt wieder ganz wie in der kaiserlichenAera.wobei Regierungs- krisen auch nicht viel vom Reichstag die Rede war, aber desto mehr von Ministern, die ein- ander nicht über den Weg trauten, von Flügeladjutanten, militärischen und zivilen Kabinettchefs und anderen Hofchargen. Wo das parlamentarische System ausgeschaltet ist, hängt Werden und Sturz der Regierun- gen von unkontrollierbaren Faktoren ab. Kanzler stürzen über Fäden, die im Dunkeln geschlungen wurden, neue Regierungen wer- den in irgendwelchen Vorzimmern zusammen- geschoben. Das Volk hat auf alle diese Vorgänge keinen Einfluß und beschränkt sich auf die resignierte Feststellung:„Es kommt nichts besseres nach!" Unter denen, die Papens müde geworden sein sollen, nennt man jetzt wieder den stets betriebsamen Herrn von Schleicher. Die Besuche, die er in Badenweiler erhält, werden sorgfältig registriert und kommentiert. Alle möglichen und unmöglichen Regierungs- kombinationen tauchen auf, und die kommu- nistische Sensationspresse läuft mit der bürgerlichen um die Wette nach dem größten Unsinn. Das sind unoesunde Zustände, und wenn das noch eine Weile so weitergeht, wird sich im Volke ein Schrei nach der Rückkehr zum parlamentarischen Regierungs- s y st e m erheben Schon jetzt zu den kom- Menden Wahlen sollte jeder wissen, daß man diese ungesunden Zustände nicht durch die Wahl von Leuten beseitigen kann, die sie her- beigeführt haben, Nazis, Kommu- nisten und Deutsch nationale haben den Parlamentarismus zerstört, sie haben die Schuld an der P a l a st r e g i e r u n q, unter die das deutsche Volk jetzt gestellt ist! Das Veickabren gegen Dr. Best, dem Verfasser der Boxheimer DoKumente, wurde eingestellt. beigeholt und trieb die Menge mit Gummi- knüppeln auseinander. Weitere Zusammenstöße ereigneten sich In Str a ts o r d-o n-A v o n, wo 30l> Demonstranten, die mit 1700 anderen von Manchester nach Lon- don marschierten, Fleisch verlangten. Die Arbeits- losen begannen alles in der Umgebung zu demo- lieren. Die Polizei mußte mit der Feuer- spritze gegen sie vorgehen. R.eichsZericht:„Ich werde den Hochverrat nicht über diese Schwelle lassen," Heftiges Gekicher von hinten:„Ist auch gar nicht nötig, kommen so rein!" Nazi als Klassenkämpfer Mit kommunistischem Flugblatt Während selbst der linksstehende Gregor Ctraßer dem Kapitalismus beruhigende Er» klärungen abgibt, daß er jeden Gedanken an Enteignung, Planwirtschaft und ähnliche„bolsche- wistische" Dinge weit von sich weist, werden in Düsseldors nationalsozialistische Flugblätter folgen- den Inhalts verteilt: Deutscher Arbeiter der Stirn und der Zaust! Ihr höret immer den Ruf:„Nieder mit dem Kapitalismus!" Was heißt Kapitalismus? Kapitalismus heißt: Enteignung! Kapitalistische Wirtschast heißt: Cnteignungs- Wirtschaft! Kaoitalismus heißt: Enteignung des Rechts aus Arbeit! Enteignung des Ertrages der uns noch verbliebenen Arbeit! Kaoitalismus ist Enteignung der Freude am Leben! Kapitalismus nimmt vielen Menschen alles und gibt wenigen Menschen viel! Darum: Nieder mit dem Kapitalismus! Nieder mit der Enteignunn! Nieder mit Papen! Nieder mit der Reaktion! Aus in den Kampf mit der nationalsozia- listischen Betriebszcllenorganisation gegen Lohnabbau und weitere Vergewaltigung. Für das Volk! Mit dem Volk! Es lebe Adolf Hitler! Verantwortlich kür die Flugzettel, die im Eigen- verlag der NSDAP gedruckt sind, ist der bis- herige Abgeordnete Börger-Reuß. Er war früher Kommunist und scheint da einige Flug- blätter mitgenommen zu hoben, in denen er nur den Namen Thälmann mit Hitler vertauscht Naziplette droht Vorsichtige Geschäftsleute sichern sich Einen tiefen Blick hinter die Kulissen der Kommuni st en und Nazis läßt ein Rundschreiben zu, das die Kartro-A.-G. Berlin, eine größere Spezialsirma in Büromaterial, die im ganzen Reich Zilialen und wiederverkaufec unterhält, vor kurzem an ihre Herren im Außen- dienst gerichtet hat. Wir geben das Schreiben im Wortlaut: „Generaldirektion. Berlin. 21. September 1932. Die in Kürze bevorstehenden Wahlen geben uns Anlaß, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß leider die Bezahlung der Fakturen der an die KPD. und NSDAP, gelieferten Waren entweder überhaupt nicht oder mit erheblichen Schwierig- keiten, in den seltensten Fällen glatt erfolgt. Es hat sich herausgestellt, daß wir sogar ein gut Teil dieser Rechnungen einklagen mußten. Die Gründe hierfür sind folgende: Ein Parteisekretariat ist keine juristische Person, welche für den Eingang des Betrages haftbar ge> macht werden kann. Haftbar ist lediglich der be- stellende Sekretariats- bzw. Gauleiter. Da andererseits diese Herren aber oft nur den Stempel Parteisekretariat aufdrücken, nicht aber eine eigene rechtsverbindliche Unterschrift leisten, entstehen dadurch bei der Abwicklung der G«> schäfte Schwierigkeiten. Tatsache ist jedenfalls. daß ein großer Teil der Fakturen für die an diese Parteien gelieferte Ware eingeklagt werden mußte. Bezahlung ist auch dann nur oft mit Schwierig- keiten und mit erheblichen Spesen durch die Parteileitung zu erhalten. Wir müssen natürlich aus diesen Tatsachen die Konsequenzen ziehen und Sie bitten, L i e f e r u n- gen an die KPD. und NSDAP, nur gegen Nachnahme des Betrages abzu- schließen. Gegen offene Rechnung würden wir Bestellungen nicht ausführen. Wenn wir nun- mehr das eine erwähnen, daß Lieferungen an die anderen Parteien anstandslos bezahlt wurden, so sind wir gewiß, daß Sie uns auf Grund dieser Feststellung keine einseitige Stellungnahme zu- muten werden. Es scheint lediglich, daß bei den beiden genannten Parteien in dieser Beziehung ein Organisationsfehler vorliegt oder einzelne Gauleiter auf eigene Faust bestellen und die Partei dann die Bezahlung ablehnt." Der Grund, warum die Nationalsozialisten die Rechnungen für gelieferte Waren nicht bezahlen, liegt auf der Hand. Es ist die Finanzkalamität dieser Partei! 1Z0 000 Yen Lösegeld sind an mandschurische Räuber für die Auslieferung der britischen Frau Pawley gezahlt, davon 3S 000 von England. 93 000 von„Mandschukao". Auf acht Tage verboten wurde das Zentral- organ der ungarischen Sozialdemokratie, die „Neßszada"(Volksstimme). Hauptgrund:„Be- leidigung Italiens". eine wohlbegründete Heidenangst vor der Neuwahl, die die Sozialdemokraten fordern und die beschlossen werden kann, wenn die Groß- deutschen dafür stimmen. Der Berliner Gesandten- Posten soll sie davon abhalten. Dabei ist Dr. Frank selbst großdeutscher Abgeordneter gewesen!! Gämng in England hleue Arbeitslosenunruhen London, 21. Oktober. Die Verhandlungen gegen drei Arbeiter, die gestern bei der Eröffnung eines Seemannsheimes gegen Prinz Georg von England demonstrierten und daraufhin verhaftet wurden, hatten heute im Osten Londons neue Zusammen st öße zwischen Polizei und Arbeitslosen zur Folge. Eine große Menge Arbeitsloser versammelte sich vor dem Polizeigerichtshof und bombardierte die Polizei mit Steinen und Flaschen. Die Geschäfte und Läden wurden aus Furcht vor Plünderungen geschlossen. Polizei zu Pferde und auf Kraftwagen wurde zur Verstärkung her- Mißverstandener Shaw Das Theater in der Stresemannftraße zerspielte maßstablos, ein Bekenntnis zur Posse herab- würdigend, das letzte Stück von Bernard Shaw:„Zu wahr, um schön zu sein". Nur Oskar Sima, der einen moralisierenden Feldwebel gab, erkannte das Wesentliche: er sprach den Dichter so, daß man verstehen konnte, was der Philosoph gemeint hat. R. Er. Milde für Verleumder Eigener Bericht des„Vormärts" Limburg, 21. Oktober. Mit der sehr geringen Strafe von zwei Monaten Gefängnis wurde ein Nazi- Wanderredner namens Bruckmann aus Bad Homburg von der großen Strafkammer in Limburg verurteilt. Bruckmann hatte in zwei Naziversammlungen im Unterlahnkreis den preußischen Innenminister Carl Seoering in unverschämter Weise beschimpst. Das Limburger Gericht hatte den Nazi-Bruck- mann seinerzeit wegen seiner Unverschämtheiten zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Auf die Revision des Angeklagten hin hob das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache an das Limburger Gericht zurück. Das Reichsgericht begründete diesen Beschluß mit dem mehr als originellen Hinweis, daß der Ange- klagte seinem Bildungsgang nach gar nicht die Tragweite und den Inhalt seiner Behauptungen habe ermessen können. Unter dem Wort„Kor- ruption" verstehe man, daß irgend etwas nicht in Ordnung sei. Die Ausdrücke„Faules System" und„Schacher" könnten eine geschichtliche Be- trachtungsweise darstellen. Es komme nicht darauf an, was der Redner sage, sondern wie es von den Zuhörern verstanden worden sei. Eine Be- leidigung Eberls müsse ausscheiden, da das Land- gericht hierüber keine Feststellung getrofsen habe. Der Vorsitzende des Limburger Gerichts, Land- gcrichtsdirektor Dr. Lehr, machte in der neuen Verhandlung die für die Sorgfalt des Reichs- gerichts außerordentlich peinliche Feststellung, daß das Reichsgericht ein auf die Ebert-Beleidigung bezügliches Akten st ück übersehen habe... Der Angeklagte Bruckmann bestritt, Severing beleidigt zu haben, obwohl er das in der ersten Instanz zugegeben hatte. Der Staatsanwalt lehnte die Stellungnahme des Reichsgerichts ab und bean- tragte acht Monate Gefängnis, da jedes Kind hierzulande wisse, was unter den Aus- drücken, die der Angeklagte gebraucht hätte, zu verstehen sei Der Angeklagte habe selbst gesagt, daß„Korruption" Bestechung sei. Das Gericht hielt sich an die Entscheidung des Reichsgerichts gebunden, daß der Angeklagte seinem Bildungsstand nach gar nicht Tragweite und Inhalt seiner Beleidigungen habe ermessen können. Das milde Urteil von zwei Monaten Gefängnis erfolgte lediglich wegen übler Nachrede und öffentlicher Beleidigung. In der Urteils- begründung wird ausgeführt, daß nur eine Ge- fängnisstrafe in Frage komme, da gegen die moralischen Qualitäten des Mi- nisters Severing nicht das gering st e bekannt geworden sei. Noch mehr Splitter! Im Reichstagswahlkreis Ostsachsen hat sich trotz des gänzlichen Miß- erfolges der zahlreichen Splitterlisten bei der letz» ten Reichstagswahl die Zahl der bisher ein- gereichten Wahlvorschläge noch vermehrt Es sind 23 oder 24 Listen eingereicht worden gegenüber 19 am 31. Juli siralesischsr Gesandter Dr. F. Frank Handel um seine Nachfolge Warum der langjährige deutschösterreichisch« Gesandte in Berlin, Dr. Felix Frank, von diesem Posten abberufen worden ist, war bisher nicht bekannt, so erstaunlich gerade diese Maß- nähme der Wiener Regierung gegen einen mit Recht so hochangesehenen Mann und den ehe- maligen Vizekanzler der Republik Deutschösterreich ist. Nun scheint sich herauszustellen, daß der Berliner Gcsandtenposten freigemacht werden mußte, um mit seiner Neubesetzung ein politisches Geschäft zu treiben D'c Wiener„Neue freie Presse" berichtet nämlich, daß der Bundeskanzler Dollfus den Großdeutschen diesen Posten angeboten habe, wenn sie dafür ihre Opposi- tion gegen die Regierung aufgeben; andernfalls solle der Landbündler T a u s ch i tz Gesandter in Berlin werden. Die Regierung und ihre Parteien, die Christlich- sozialen, Landbündler und Hetniwehrler, haben Lcbworrkoxlcolf kobmsnordelt Dazu eine elea Gamasche in V OK grau oder mode I 140 eigene Verkaufsstellen, davon 22 in Groß- Berlin und Potsdam Gwsendungen für dtefe Rubrik sind V e r l i o SW 68, Lindenstraße% parieinachrichten�Mfür Groß-Verlin stets»n das Bezirksjetretartal Z. Hot, 2 Trevvea rechts, ju richte« Beginn aller Veranstaltungen I Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 3. Kreis. Die Parteimitglieder werde» aufgefordert, sich am Sonntag, Äi, Ol» tober, an der Werbevcranstaltung der SAI, in der Alhambra, Müller- Ecke Sccstraße, zu beteiligen, Programm: Film„Kameradschaft", Sprech- chor, Schallplattcn. Eintritt ZZ Pfennig. 7. und 8. Kreis. Heute von 17 bis 18 Ilhr Juristische Sprechstunde, Jugend- heim Ziosinenstr. 4. Gelegenheit zum Kirchenaustritt. 13. Kreis. Sonntag, 23, Oltober, 17r,i, Uhr, veranstaltet der Boltschor Tempel- hof-Mariendorf im Parlrcstaurant Elldende fein Herbstkonzert, Eintritt 7,1 Pf, Erwerbslose 3ll Pf. Die Mitglieder der SPD, werden um rege Beteiligung gebeten. 8. Abt. Die Transparente mit Liste 1 sind bis spätestens Sonntag zur Um- arbcitung bei Rickert, EteüimeKsir. 36a, abzugeben. 11. Abt. Heute geselliger Abend der jüngeren Parteimitglieder bei Scholz, Levetzow- Ecke Iagowstrasie. Die anderen Parteimitglieder sind hierzu ein- geladen. 21. Abt. Heute, 18 Uhr, Flugblattverbreitung von den Zahlabendlokalcn aus. 3g. Abt. Sonnabend, 17 Uhr, bei Topp. 32. u. 62. Abt. Siemens stadt. Sonnabend, 2g, Oltober, 23 Uhr, Kino-Nacht- Vorstellung der Filmkameradschaft, Eintrittskarten zu 50 Pfennig, sllr Er- wcrbslosc 20 Pfennig, bei den Funktionären. Gäste herzlich willkommen, 55. Abt. 10. Gruppe: Heute, 10 Uhr, Flugblattvcrbreitung an bekannter Stelle. 58, Abt. Heute ab 10 Uhr Flugblattverbreitung, 83. Abt. Heute, Ig Uhr pünktlich, wichtige Sitzung des erweiterten Porstandes, g3. Abt. 108. und 10g. Bezirk: Sonntag, 9 Uhr, Flugblattverbreitung im, Bär- Winkel, 103. Abt. Heute ab 17 Uhr Flugblattocrbrcitung in den bekannten Lokalen, 108. Abt. Ächtung! Für die Kietz- und Ältvorstadt findet die Verbreitung bereits Sonnabend, 17 Uhr, vom Parteiheim aus statt. Köllnischc Vorstadt: Sonntag, 8 Uhr, 108a. Abt. Heute, 17 Uhr, Flugblattausgabe bei Marx, Mahlsdorfcr Str. 1, und bei Eisner, Kaiser-Rilhelm-Str. 3. III. Abt. Sonntag, 23. Oktober, treffen sich alle Mitglieder, die ein Fahrrad besitze», um 8 Uhr vor dem Semeinschaftshaus Falkenberg. 124. Abt. Sonntag, 23. Oktober, 8 Uhr, treffen sich alle Parteimitglieder und die Mitglieder der Eisernen Front zur Flugdlattverbreitung bei Anders, 133. Abt. Sonntag, 23. Oktober, 8 Uhr, wichtige Zusammenkunft sämtlicher Parteigenossen bei Kaehne, Berliner Str. 39, zwecks Flugblattverbreitung in den Kolonien. 130. Abt. Die Flugblattverbreitung findet am Sonntag, 8>:, Uhr, von den Be- zirkslokalen statt. Die Bezirisführer laden noch dazu ein. 137. Abt. Sonntag, 8sd Uhr, gemeinsame Flugblattverbreitung vom Volkshaus ScharnweberstraKe aus. Alle müssen sich beteiligen, 139. Abt. Flugblattverbreitung heute, I0!5 Uhr, von den bekannten Stellen aus. Arbeiksaemeinschaft der Kinderfreunde Groß-Berlin. Der Bastelkursus für die Kreise Zricdrichshaia, Mitte, Weihenscc, Prenzlauer Berg, Lichtenberg findet Dienstag, 25. Oktober, und 'i Dienstag, I. Rovcmber, im Kreishcim Fricdrichshain, Mühlcnstr. 50, ,.,i statt. Beginn der Kursustage pünktlich tOU, Uhr. sFahrtvcrbindung Mh bis Schlesischer Bahnhof.) Thema für beide Kurse: L Abend: W Kasperletheater— Kasperpuppen; 2. Abend: Holzarbeiten.(Für den 1. Abend Kneifzange, Schere und Bleistift mitbringen.— Der Tagungsort für den Bastclkursus der Kreise Wedding. Reinickendorf und Pantow wird in der Dicnstag-Morgcnzcitung bekanntgegeben. Krcuzberg: Alle Falken, die den kleinen Häwelmann gespielt haben, kommen heute um 14 Uhr zur Probe nach dem Heim Porckstr, 11. Keiner dar? fehlen, die Veranstaltung der Bolksfürsorqc beginnt 10)4 Uhr, wir gehen von der Probe aus geschlossen hin. Bis 20 Uhr sind wir bestimmt zurück. Eharlottcnburg: Achtung, Helfer! Am Sonntag Helferiahrt. Treffpunkt 8 Uhr am Iohannisstift sEndhaltestelle der 154). Heute vou 10 bis 19 Uhr kommen die Falken zum Basteln nach dem Heim Rosinensirasie, Neukölln: Am Montag, 24. Oktober, kommen die Nestfalkcnhclfer von 19 bis 21 Uhr zum Basteln in das Heim Ganghoferstraße. Kreis Reukölln: Sitzung des Bildungskollektivs heute, Sonnabend, um 14 Uhr im Krcisheim,— Abt, Paul Lcvi: Treffpunkt zur Sternwarte am Sonn- tag um 12U Uhr Bhf. Neukölln oder 13 Uhr Hcrtzbergplatz. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 45. Abt. Am 18. Oktober verstarb unsere Genossin A u g u st e L ü ck im 07. Lebensjahre. Ehre ihrem Andenken! Einäscherung Sonnabend, Ijy, Uhr, in Baumschulcnwcg. Um rege Beteiligung wird gebeten. D SozialiMcheArbettm'ugendGroß-Verlm j Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugendsekretariat ' Berlin SW 68. Lindenstraße 2. vorn 1 Treppe rechts. Vorsitzcndenkonferenz Montag, 19H Uhr, im Preußischen Landtag. Ohne Mitgliedsbuch und Ausweis kein Zutritt. Alle Genossen und Genossinnen beteiligen sich heute an der Flugblattver- breitung der Partciabteilungen! heute, Sonnabend: Falkplotz 1: Flugblattvrrbrritung. Treffpunkt 17 Uhr Sonncnburgcr Str. 1. llllorgon Fahrt, Treffpunkt 7>,7 Uhr Bhf. Schönhauser Allee, Humannvlatz: Fahrt nach Rüdersdorf. Treffpunkt>8 Uhr Bhf. Prenzlauer Allee.— Köpcnickcr Viertel: Beteiligung an der Parteiveranstaltuug 20 Uhr Gewerkschaftshaus. Fulkcntracht,— Neukölln IV: Morgen Fahrt. Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Neukölln. Fahrgeld 00 Pfennig, Bcrbebezirk Reinickcndors: Wichtige Vorstandssitzung mit den Bildungs- oblcuten und Jugendbeirätcn im Heim Reinickendorf-Oft, Lindauer Str. 2, pünkt- ilch WM, Uhr. tffrm Gewerkschafts-Zugend Berlin Heute, Sonnabend, 22. Oktober, finden folgende Veranstaltungen statt: Eharlottenburg: Fahrt nach Rüdersdorf,— Inqcndgruppc des Deutschen Textilorbcitcrverbanbes: Feierstunde mit Jubilarehrung.— Jugend- gruppe des Sesamtvcrbandes: Wochenendfahrt nach dem Peetzsce. Treffpunkt Bahnhof Stralau-Rummelsburg, Eingang Sonntagftrasie. Ig Uhr. Unkosten 80 Pfennig. Vorträge, Vereine und Versammlungen jüdischer Frontsoldaten, Unterbczirk Barnim-Börse. Eimchas. Thora-Bav am Sonntag, 23. Oktober, im Hackeschen Hof, Rosenthaler Str. 40/41. Beginn 18 Uhr. »aafs Tlicaffr Sonnabend, den 22. Oktober staatsoper unter den Linden 20 Uhr Wiener Blut staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Wilhelm Teil BETRIEB ,1 S KEMPlHSKli.J gm Täfll. s u. 8)4 Uhr 3ANDREU RIVELS BARNABAS VON SLUY öno WALLBUR61 PLAZA Hihi Sdilis, Bhf. 5 g. 8u.St5S. 2,5.8I6Ü. E7 Weichsel 4031 Dollarprinzessin siam. Oper Chanottenburg Fraunhofer 0231 Sonnabend, 22, Okl. 20 Uhr Ein hiashennaii Neueinstudierung Bindernagel, Thorborg. Prahl, Cavara, Hüsch, Destal, Ditter, Qonszar Dirigent: Fritz Busch a. G. VOLKSBÜHNE Theater am Bü3owplatz 0 I. Norden 2944. Täglich H Uhr Die Ratten Regie: Heinz Hilpert Käthe Dorsch, Eugen Klopfer, Otto Wernicke WALLNER-THEATER laglidi 8.15„Mitschuldigen" „Satyros" von Goethe— Musik; Mozarl Preise 0,50 bis 3,- M.— Sonnt. 5 u- 8,15 Uhr Vorverkauf täglich ab 10 Uhr o unr is. Flora 3434, Raoibeo en. Bronett-Familie. Lord Ain. 7 Alfredos. Marianne u. Roberts. Dormonde. MaeElgin. Mary Erik u. Co. usw. Sonnabend und Sonntag auch nachm. 4 Uhr zu kleinen Preisen sv. uhr CASIHO- THEATER«'.-uw Lothringer Strahe 37. Illllllllllllll II 1 1 1 IUI I llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Nur noch bis 3. November auch Sonntags nachm. 4 Uhr; Königin der lull Am 4. November zum 1. Male: Die Liebe blüht in Werder Gutschein für die Leser 1—4 Personen Faut 0.75 M.. Sessel 1.25 M.. Park. 0.50 M. Stettiner Sänger Reichshallen-Theater (Dönhoffplatz) ' Dir. Meysd. Dir. Keysei. Tägl. 8.15 Uhr, Sonntags 3.30 Uhr(ermäßigte Pr.) Das neue Programm mit der Posse (,Uncl abends wind getanzt" rup£ MariaElsner /DomBraf-FaßbaenderllaneHaldj 1 Adele Sandrock/ Hörbiger/ Gfllstor« r { Graetz.'Genia Nikolaiewa /Lingen'Niemar 1 Diegelmann/ Arco/ Nlnl Theiiade I Mus. Ltg.; The Mackeben Regie; Rudoif Bernauer GROSSES SCHAUSPIELHAUS r-Thealer id.-, Stresemannstr. Täglich S1/*; ii wahi. Wllh«!!!» von Bernh. Shaw Moissi, v Thell- mann, Bertens, Evans.Olto, Sima, Wiemann, Deppe, de Kowa. Schiller irolmansir. 70,71 Steinpl.(C 1) 6715 Täglich SV« Uhr Robert und Bertram Alfrad Braui. Frit: Hindi. Senta Sönaland Stg. nachm. 3>/. NeidM v. Oneisenau Preis 0.40 bis 2,00. Lessing-Theaier Tägl 8'/a Uhr Grete Mosheim Oskar Homolka in Pygmalion Ba B. B» Bendows Bunte Bühne Kottbusser Straße 6 früher„Elite- Sänger' Ladie didi gesund! Tgl. B UHr, Sonnt, nadm. 3'- Preise von 50 Pf. an — Theater am— Schiffbauerdamm D 2 Weidend. 9953 Täglich»Vt Uhr die„Truppe 1931" spielt „Da liegt der Hund begrahen' Komödie m. Musik. Thealerii.Westens I Steinpl. 5121 täglich 41/1 u 8V4| Stg. 2-/0, 5 u.»>,.| Körster- ch r i st e l Wörner, Stüwe, Lichienstein I.Vorst, 0.30-1,50 Z.Voist. 0,50-2,50 Bln. Aufzüge Reparaturen Neulieferungen -Wilmersdorl. Tübinger slr. 2/ Tel.: Pfaiiburj U33 Julius Ehl metropoi-meater I Täglich 8Va Uhr I Zritzi Masfary Eine Erau. die veiß, vas sie vlll! Sonntag nachm. 1/23 u. 5 Walzerlraum I- Theater im- lAdmlraisGalast | Täglich 8% Uhr Gitta A l p a, in Katharina Rose- Theater Groin Frankfnrter StraBe 13? Tal. Wnldisei E 7 34?? 5 Uhr Frau Holle 8.15 Uhr Der Hauptmann von Köpenick 11,45 Uhr Ganouenehre Deutsches Theater Weidend. 5201. 8 Uhr Pilnz WM » Honming Sdiauspiel ron H. v. Kleist Regie: MaxReinhardt Kamme,"spiele 8 Uhr Schultes Bühne Heiterer Ludwig. Thoma-Ahend Die Brautschau Erster Klasse OuiffungA Itatoaii u tleklomrmdrttm frrK�f Vit«»STohrrn ab ftinmd Müller Schöne Kränze liefert preiswert Blumen-Meler Prenzlauer Allee 222 Tel. Humboldt 0652 Am 20 Okiober verstarb nach kurzem Krankenlager meine liebe Frau Johanna Pätzoid im 58. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen Otto Pätzoid. Bln.-Bohnsdorf, Waldstr. 31. Beerdigung Montag, nachm. 3 Uhr, Waldfriedhof Grünau. Gcwinnauszug 1. Klasse 40. Preubisch-Eüvdeutschc Staats-Lottcne. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hob« Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 1. Ziehungslag 21, Oktober 1932 In der heuiigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 309 M. gezogen 2 Gewinne zu 60000 921. 392208 2 Gewinne zu 1 0000 M. 1 33992 4»«Winne zu 5000 W. 339295 379313 8 S-winn- zu 3000 M. 251440 257004 346573 380928 6 Gewinne zu 2000 921. 202377 351273 387524 22 Sewinne IN 1000 M. 35898 67247 77887 95461 113765 14112g 230688 342050 354483 373905 384516 32 Gewinne in 800 921. 7440 1 1840 2346S 53357 72829 73153 128473 137433 I8I536 287907 273551 322182 331780 350082 374073 374217 62 S-winn- zu 500 9N. 39238 51232 51513 62777 35850 100425 113999 131983 134012 135343 137481 185782 188773 181539189473 201230 213053 223311 233134 241793 255577 267227 271537 280395 291494 302204 321505 323553 325537 347493 361763 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 3 M. gezogen 2 s-winn- zu 10000 M. 3391 13 4 S-winn- zu 5000 M. 217127 313377 6 S-winne zu 2000 Dl. 1 15914 237035 341420 38 G-winn- zu 1 000 M, 7923 20902 50543 63994 91617 180945 250017 284973 273392 233109 233939 286325 307740 345202 346236 392793 394452 393463 43 S-winn- zu 300 M, 6159 19245 27340 31955 46135 51489 93648 105348 105774 123330>33048 187817 137958 193308 2431 5S 284378 277045 287999 320304 332845 345436 387986 389491 395854 44 S-winn- ,u 500 Dl. 15173 13749 19526 54239 55443 58300 30735 98934 107483 154317 157740 182430 200883 211333 223914 253027 288567 279433 292320 320866 347851 391495 Vorkaut zovrell Vorrat I A Damen-Handschuhe imitiert Schweden, moderne Schlupfform mitver- qc ziert. 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Heute werden die Kartoffeln jedoch ausgepflügt und für die Kiepe erhalten die Frauen nur noch lv Pf. Denn sie brauchen die Kartoffeln nur noch aufsammeln. Jetzt wollen ober die Kartoffelbuddler das alte Geld wie früher oerdienen und schuften nun mit dem Ergebnis, daß nicht so sauber gelesen wird. Den Gewinn davon haben die Berliner Arbeitslosen, die die liegengebliebenen Kartoffeln sammeln. Dabei erzählte ein Stoppler neulich folgendes: „Bor allem", sagte er,„bekommt man einen Hunger beim Stoppeln. Wir nehmen nun schon drei Paar Stullen mit, aber frühmorgens um S Uhr haben wir längst alles ausgegessen und dann schiebe» wir Kohldampf. Das macht die frische Luft und die ungewohnte Arbeit. Denn wo bisher der Pflug war, da kommen wir jetzt mit der Hacke und wühlen nochmal das ganze Feld um." Geschickte Stoppler mögen pro Tag einen halben Zentner zusammenbekommen. Es gibt sogar Spitzenleistungen mit 7l> Pfund am Tag. Rur ist die Konkurrenz groß, auf einem Kartoffelacker wühlen oft genug Hunderte von Arbeitslosen herum. Dann gibt es natürlich bei Hermsdorf oder bei Erkner nichts mehr zu stoppeln, wer noch ein gutes Feld finden will, muß mindestens zwei bis drei Stunden mit dem Fahrrad trampeln. Das macht für die Hin- und Rückfahrt also schon durchschnittlich fünf Stunden und es kommt hinzu, daß die Stoppler jeden Tag weiter hinaus fahren müssen, um überhaupt noch einen lohnenden Acker zu finden. Die Stoppler erleben hier gewissermaßen ihr Sondergesetz vom abnehmenden Bodenertrag. Die größten Konkurrenten der Radfahrer sind aber die Motorradfahrer. Frühmorgens sausen sie an den Radfahrern vorbei, und wenn dann die Radfahrer glücklich bei Kremmen angekeucht kommen, haben die Motorradfahrer ihre Säcke schon voll. Allerdings ist dos auch wieder nicht so einfach, denn die Schnelligkeit der Motorradfahrer muß erkauft werden mit dem Preis des Brenn- stoffs. Aber diese eine Mark erst einmal besitzen! So müssen sich denn die arbeitslosen Motorrad- fahrer in die Schuldknechtschast begeben und einen erheblichen Teil ihrer Ausbeute für das geborgte Markstück abgeben. Ein Vorteil bleibt jedoch: sie brauchen sich nicht zu schleppen. Denn obwohl es sich um dreißigjährige Männer handelt, die abends in dichten Kolonnen durch Tegel kommen, sehen sie doch aus wie Greise: vor Morgengrauen noch aus den Betten, dann ßü Kilometer treten, den ganzen Tag einen alten Acker durchwühlen und dann mit einem halben Zentner auf der Lenkstange 60 Kilometer wieder nach Hause treten. Das ist eine schwere Arbeit, bei der viel- leicht ein Stundenlohn von 15 Pf. herauskommt. Keine Straßenbettelei! Die allgemeine Straßenbeltelei der Rationalsozialisien und Kommunisten veranlaßt Schwind- ler zu wilden Sammelaktionen, wobei sie angeben, für die Sozialdemokratische Partei, bzw. für den Republikanischen Wahlsonds zu sammeln.— Weder die Sozialdemokratische Partei noch das Reichsbonner haben eine Sammelaktion aus den Straßen durchgeführt. Wir bitten unsere Anhänger, solche wilden Sammler sofort durch die Polizei feststellen zu lassen, da es sich hier um notorische Schwindler Handell. sich zurück in die Zeit, die unwiederbringlich verloren ist. Nur ein kleiner Rest der Idylle, die dem Berliner die Panke bot, ist in unserem Bilde noch erhalten. Aber auch das wird in nicht zu ferner Zeit verschwunden sein. ic Eine pholographische Führung durch die male- rischen Winkel Alt-Berlins mit Besichtigung der Stadtoogtei veranstaltet H. Starke am Sonntag, 23. Oktober. Treffpunkt U.-Bahnhof Jnselbrücke, Ausgang Roßstraße, Vzll Uhr. Eleittizitäts Anion Das Interesse der öffentlichen Hand Der Magistrat läßt der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage über die Gründung einer „Berliner Elektrizitäts-llnion" zugehen. Die Stadt besitzt von der Berliner Kraft- und Licht-A.-G.(BKL.), in die im vorigen Jahr die Städtischen Elektrizitätswerke und die Aktien der Bewag eingebracht worden sind, nom. i Millionen Mark-Aktien und nom. 30 Millio- nen Mark K-Aktien. Sie verfügt mithin über ein Stimmrecht von zusammen 80 Millionen Mark Aktien, d. h. über ein Viertel der Ge- s a m t st i m m e n. Ueber die nom. 80 Millionen Mark K-Akti«n mit doppeltem Stimmrecht, an denen die Stadt mit nom. 38 Millionen Mark, die Reichselektro- werke und die Preußische Elektrizitäts-Aktien- gesellschaft(Preußenelektra) mit je nom. 21 Mil- lionen Mark beteiligt sind, ist anläßlich der Gründung der BKL. zwischen diesen drei Kon- sorten unter dem 2./9. Mai 1031 ein Konsortialvertrag geschlossen worden, der genaue Bestimmungen über die etwaige Ver- äußerung der K-Aktien an Dritte, über die Eni- sendung von Aufsichtsratsmitgliedern und über die Ausübung des Stimmrechts in der General- Versammlung bei gewissen Gegenständen der Tagesordnung, so bei der Frage der Erhöhung des Strompreises, trifft. Die gesamten L-Aktien sollen nun in eine neu zu gründende Berliner Elektrizitäts-Union G. m. b. H. ein- gebracht werden, um hierdurch eine noch wirk- s a m e r e gemeinschaftliche Wahrnehmung der Interessen der öffentlichen Hand zu erreichen. Freispruch für Saro? Vom Staatsanwalt heantraxt Räch einem dreistündigen Plädoyer beantragte gestern der erste Staatsanwalt Zager im Prozeh der Millionäre Caro— Petschek Freispruch für Caro. Es sei, erklärte er, dem Geheimrat Caro Unrecht geschehen. Allerdings habe er sich durch seine Haltung in der Ouitlungs- angelegenheit zum Teil selbst zuzuschreiben, daß er aus die Anklagebank gekommen ist. Wenn seine Darstellung über das Verschwinden der Quittung und das spätere Auffinden auch reichlich phantastisch erscheine, so habe sich diese Darstellung doch in vielen Punkten als richtig erwiesen. Gefälscht sei die Quittung nicht. Die 15 Sachverständigen hätten 15 verschiedene Auffassungen. Doch sei dem Urteil das Gutachten von Professor Brüning zugrunde zu legen, der die Unterschrift von Jgnaz Petschek auf der Quittung für echt gehalten habe. Die Zeugen Jgnaz Petschek wie auch seine Söhne Dr. Ernst und Franz Petscheck, die von Haß gegen Caro erfüllt seien, dürsten nicht ausschlaggebend sein. Der Angeklagte Caro hat nach der Art seiner ganzen Persönlichkeit seiner Tochter die Mitgift gegeben, das haben Zeugen aus dem Munde Jgnaz Petscheks selbst gehört, und auch die Existenz dieser Quittung sei durch Zeugen be- glaubigt worden. Wenn Caro in der eidesstatt- lichen Versicherung auch erklärt habe, die Original- Urkunde sei von ihm vernichtet worden, so sei dies allerdings objektiv unrichtig gewesen; eine straf- bare Handlung habe er sich ober nicht zuschulden kommen lassen, weil er sich bei der Abgabe der Versicherung in einer Erregung besand, in der er überhaupt nicht gewußt habe, was für einen Unsinn er sagte. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Jäger beantragte, die Kosten des Verfahrens dem Nebenkläger Dr. Petscheck aufzuerlegen, da dies für ihn, einer der reichsten Leute Europas, keine unbilligr finanzielle Härte bedeute und die Strafverfolgung Caros nicht im öffentlichen Interesse gelegen habe. Am Mittwoch beginnen die Plädoyers der Nebenkläger. Straßenräuber Kolonne verfolxt Warentransport Em aufregender Vorgang spielte sich in den gestrigen Abendstunden im Rorden Berlins in der W a t t st r a h e bei der Festnahme eines der be- rüchtigsten Diebe Berlins ab. Dort wurde der 22 Jahre alte Paul Klaus von dem Fahrer eines Berliner Lieferwagens nach heftigem Kampfe festgehalten und der Polizei übergeben. Klaus war auf den fahrenden wagen gesprungen und Halle dem Kutscher die Lederlasche aufgeschnitten, aus der er mehrere Hunderl Mark nahm. Paul Klaus hatte schon mit 15 Jahren be- gönnen, in Gemeinschaft mit Komplicen systema- tisch Berliner Kutscher zu berauben. Im Mai 1025 wurde er bei einem solchen Diebstahl festgenommen und erhielt eine Gefängnisstrafe mit Bewährungs- frist. Er tat sich mit jungen Burschen zusammen Zwei Arme hat die pante Man soll das kleine Flüßchen nicht unter- schätzen. Es hat der Berliner Straßen- und Wasserbauverwaltung viel Arbeit gemacht. Am W e d d i n g zum Beispiel teilt sich das muntere Wässerlein, das seinen Lauf im lieblichen W i e s e n t a l bei Bernau beginnt und dem Schloßpark von Nicdcrschänhausen zur besonderen Zierde gereicht, in zwei Arme. Der eine von ihnen stürzt sich in das Schön- walder Becken des Nordhasens: Ein Wasserfall von einem Meter Höhe setzt seiner Munterkeit ein Ende. Es ist wie ein Abschiednehmen, ein lautes Betonen einstiger Selbständigkeit. Und der andere Arm fließt still und bescheiden meist unter Ausschluß der Ocsfentlichkeit dahin. Teilweise haben die Straßenbauer geschlossene Asphaltdecken über diesen Arm gelegt, so daß ihn der eilfertige Berliner kaum noch erkennen kann. Aber zeitweise tritt er dann wieder in Erscheinung. So an der Hannover- schen Straße. Und hier zeigt sich ein Stadt- bild, das man überall, nur nicht in Berlin ver- muten würde. Alte baufällige Fachwerkhäuser mit langen schiefen Ziegeldächern, hohe Ufer- mauern und mühselig abgestütztes Bohlwerk begrenzen die User dieses Armes der Panke. Dazwischen recken sich krumm und gebückt früh- zeitig entlaubte Bäume, die ihren Tribut der Großstadt zahlten. Sie spiegeln sich in den trüben Fluten des einst so hellen Wassers. Zwischen hohen Häusermauern drückt sich das Bächlein durch bis in die Nähe der Weiden- dammer Brücke. Prosaisch und zweckmäßig ließen die Wasserbauer in die Usermauer der kanali- sierten Spree ein viereckiges Loch einfügen, das gerade groß genug ist/ den zweiten Arm der Panke hindurch zu lassen, um auch hier eine traurige Hochzeit mit der in ein strenges Bett gezwungenen Spree zu feiern. Früher, da galt die Panke noch etwas bei den Berlinern. Am Gesundbrunnen und in Pankow drehte sie klappernde Mühlräder. Aber Dampf und Elek- ä)ie.Tanke in der lkaiiiiorerfchen Strafe trizität und nicht zuletzt der Verbrennungsmotor verstehen das Drehen von Grund auf viel besser. Und darum hat man auf die weitere Arbeit der kleinen Panke verzichtet. Die alten Berliner aber, die sich noch der seligen Zeiten des Wasserrades entsinnen können, sehnen i BrWvr konigin 30 \ w ▼ wiML& w MW .o!,» 4°..„c n16 HN�tszeichp � 9 ßerl'"5-- urrti betrieb jetzt den Straßenraub In großem Umfange. Gestern war Klaus wieder mit zwei Gefährten auf Fahrrädern unterwegs. Er hatte leichte Radfahrerschuhe an. Die drei hatten schon seit geraumer Zeit das Fuhrwerk einer Likör- firma verfolgt. In der Wattstraße sprang Klaus vorsichtig auf den Wogen. Während seine Kom- plicen langsam mit den Rädern folgten� beugte sich Klaus auf dem Wagen liegend herum und trennte mit einem Rafiermesier die Ledertasche des Kutschers auf. Er stahl ihm aus einer darin befindlichen Brieftasche mehrere hundert Mark. Als er vom Wagen springen wollte, be- merkte der Kutscher, was geschehen war. Er hielt sofort an. Inzwischen hatten die beiden Komplicen dem K. schon sein Fahrrad hingehalten, auf das sich der Bursche schwang, um zu flüchten. Der Kutscher hatte aber seine Peitsche ergriffen und schlug auf die davoneilenden Räuber ein. Der Kutscher eilte hinterher und schlug dabei einmal mit seiner Peitsche nach Klaus. Dabei wickelte sich die Peitschenschnur um den Hals des Diebes. Der Kutscher riß die Peitsche zurück und zog den fahrenden Dieb vom Rad herunter, so daß er ihn mit Hilfe von Passanten festnehmen konnte. In wenig Worten Ein eigenartiger Unfall ereignete sich gestern vormittag in der L a n g e n s ch e id t st r a ß e in Schöneberg bei Ausbesserungsarbeiten an der dortigen Brücke. In einen etwa 3 Meter tiefen Schacht, der plötzlich einstürzte, wurde der darin arbeitende ZOjähnge Emil Buchs aus der Krunewaldstraße 84 verschüttet. Man schaffte den Verletzten nach dem Achenbach-Krankenhaus. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich in der in der L i n d e n st r a ß e 8 7 gelegenen Berufs- schule. Während der Pause stürzte dort der Mjährig« Schüler Wolfgang H a n d r a ck, Fried- richshagen, Stillerzeile 4K, aus dem dritten Stock- werk über das Treppengeländer in den Licht- s ch a ch t. Er fiel auf einen im Erdgeschoß auf- gestellten Fahrradständer, wo er mit schweren Verletzungen liegen blieb. Handrack wurde ins Urban-Krankenhaus gebracht. ★ In dem bekannten Prozeß des Filmschauspielers Willy F r i t s ch gegen die Zigarettenfabrik Bergmann in Dresden, der bereits kürzlich das Dresdener Landgericht beschäftigt hatte, wurde der Kläger mit seiner Klage kostenpflichtig a b g e- wiesen. Die Zigarettenfabrik hatte ihren Er- Zeugnissen neben anderen Karikaturen auch solche von Willy Fritsch beigelegt, die der Schauspieler als eine Kränkung empfand. ie Das Logierhaus St. Hubertus in B a d F l i n s- b« r g, das fast 30 Zimmer enthält, brannte v o l l st ä n d i g nieder. Der Brand entstand in den oberen Stockwerken und brach an mehreren Stellen gleichzeitig aus. Die Feuerwehr mußte sich darauf beschränken, die Nachbargebäude zu schützen. Der Besitzer des Grundstücks, das kurz vor der Zwangsoersteigerung steht, ist unter dem Verdacht der B r a n d st i f t u n g verhaftet worden. * Das Schwurgericht in Saarbrücken ver- urteilte die Ehefrau Elisabeth Linz und deren Geliebten, den Hilfsarbeiter Josef Klein, wegen gemeinschaftlichen Mordes an dem Ehe- mann der Linz zum Tode. Die Anklage warf ihnen vor, am Karfreitag dieses Jahres gemeinsam den Mann der Frau Linz mit Beilhieben ermordet zu haben. * Ein Lehrer aus Neviges(Wuppertal), der schwere Sittlichkeitsverbrechen an Schülerinnen unter 14 Jahren begangen hatte, wurde zu drei Iahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrenrechtsverlust verurteilt. Mit Rücksicht aus die Schwere der Tat sowie das ganze Verhalten des Angeklagten versagt das Gericht dem Lehrer mildernde Umstände. Neue Tiefe im Zoo Im Berliner Zoo hat die Zwergflußpferdfrau, die schon die Stammutter mehrerer Zwergfluß- pferdfamilien ist, wiederum ein Junges zur Welt gebracht, das bei seiner Geburt 13 Pfund wog. Es heißt, genau wie alle seine Brüder, Nauke. Mit einem großen interessanten nordischen Transport ist u. a. auch ein zahmer Viel- fraß mitgebracht worden. Sein Name kommt nicht vom vielen Fressen, sondern von„F j ä l l". Mit diesem Wort jedoch bezeichnet man in Schweden die flachen Ebenen des Hochgebirges. Der Fjällfraß wird in Schweden erbarmungslos Reicht es zum Wintermantel? Die sclmere Sorge aller Werktätigen Wie das Institut für Konjunkturforschung meldet, konnten die deutschen Warenhäuser im August 1932 nur noch 31� Proz. ihres Umsatzes an Bekleidung verkaufen, wenn man die Umsätze des Jahres 1925 als Grundlage nimmt. Das heißt mit dürren Worten: unter den verheeren- den Wirkungen der Wirtschaftskrise hat sich die Bevölkerung nur noch die Hälfte an Mänteln. Jacken, Hosen, Hemden usw. gekauft, als sie es in besseren Zeiten getan hat. Dieser Umsatzrückgang an Bekleidung, der in den Warenhäusern zu statistischen Zwecken genau registiert wird, hält nun schon seit drei bis vier Iahren an. Dabei steht die Frage in diesen Tagen unabwendbarer denn je vor jedem Werktätigen: wie komme ich zu einem Winter- mantel? An Bedarf fehlt es nicht, nur die Kauf- kraft ist erschlagen und gemordet worden. Schon die Saisonausverkäufe in diesem Sommer signalisierten ein außerordentliches Ge- fahrenmoment: war nämlich immer noch da und dort ein Sparkassenbuch vorhandey, auf das man in Tagen der Not zurückgreifen konnte, um sich ein größeres Kleidungsstück anzuschaffen, so ist jetzt festzustellen, daß von Monat zu Monat mehr diese letzte Reserve aufgezehrt ist. Im großen und ganzen war nämlich die Zahl der Käufer immer noch verhältnismäßig stabil geblieben— wenn auch der einzelne weniger kaufte— diesmal aber sank die Zahl der ausgegebenen Kassen- zettel um 13 Proz. Das bedeutet wiederum, daß Taufende von Käufern schon im ver- gangenen Sommer darauf ver- zichtenmußten, irgendwelche A n s ch a f f u n- gen zu machen. Auch die Preisherabsetzungen zu den Saisonausverkäufen konnten daran nichts ändern. Hinzu kommt die Tendenz der Abwanderung in billige und billig st e Preislagen. Hierüber führt der Reichsverband für Herren- und Knabenkleidung sehr eingehende Statistiken. Konnte man nämlich bis zum uferlosen Herein- bruch der Krise damit rechnen, daß der einzelne Kunde beim Einkauf eines Anzugs oder Mantels 39 bis 89 M., meist sogar über 89 M. aufwendete, so wurden in der letzten Zeit Einkäufe in dieser Höhe immer spärlicher. Der überwiegende Teil aller Kunden legt heute nur noch bis zu 39 M. bei jedem einzelnen Ankauf an. Diese Umsatz- rückgänge haben dazu geführt, daß jetzt in Berlin 6999 S ch n e i d e r g e s e l l e n auf dem Nachweis sitzen, während nur noch 3999 Mann in Arbeit stehen. Auf der einen Seite be- schäftigungslose Arbeitshände sonder Zahl, aus der anderen Seite die Massen der Werktätigen ohne warme Winterkleidung. Dabei bleiben die Aussichten auf einen Winter- mantel trüber denn je: weder die Unterstützungs- sätze der Erwerbslosen noch die Einkünfte der überlebenden Arbeitsmänner gestatten irgend- welche Anschaffungen: was die Miete übrig läßt, geht für das frugale Essen drauf. Nur die all- morgendlichen Schlangen vor den Wohlfahrt?- ämtern werden immer größer und länger und die Erbitterung der Massen steigt. Einbrechers Glück Seck« Monate Gefängnis für den Gentleman Marggraf Wenn ein Einbrecher Glück und Verstand hat, so wird er weder bei der Tat gefaßt, noch vom Gericht verurteilt. Solch ein„Hans im Glück" ist der berüchtigte Gentlemaneinbrecher Marggras. Sein luxuriöses Leben brachte ihm den Neid seiner Zunftgenossen ein. Er wurde ver- schentlich aus dem Untersuchungsgefängnis ent- lassen und es kostete nicht wenig Mühe, ihn wieder einzufangen. Jetzt stand er vor dem Schöffengericht Charlottenburg. Man höre und staune: Im Dezember 1939 brechen Diebe durch den Keller in einen optischen Laden in der Wilmers- dorfer Straße ein. Sie erbeuten unter anderem 123 photographische Apparate. Am nächsten Tage befindet sich Marggrafs Braut, Fräulein G.. im Besitz eines dieser Apparate. Marggraf sagt aber: ich habe mit dem Einbruch nichts zu tun. Im März 1931 wird bei einem Bankier Griinberg eingebrochen. Unter anderem wird ein Pelzmantel im Werte von 6999 Mark gestohlen. Wenige Tage darauf wird der Mantel von Marggrafs Braut, Fräulein G., versetzt und Marggraf sagt: Ich habe mit dem Einbruch nichts zu tun. Am 15. April 1931 wird der Legationsrat der polnischen Ge- sandtschaft von Dieben heimgesucht. Es wird Silber gestohlen, unter anderem auch zwei Krön- leuchter aus Zinn. Eine Frau X erhält die Kron- oerfolgt, weil er ein Feind der Renntiere ist. Falls er die lebenden Tiere nicht tötet, stöbert er die vergxabenen Vorräte an Renntiersleisch auf, die von Menschen zur eigenen Winternahrung aufbewahrt werden. Wenn er diese Vorräte mit- unter auch nicht restlos auffrißt, so verunreinigt er sie doch und hat sie dann dadurch ungenießbar gemacht. Sonst kamen noch nach hier Unglückshäher, wenig scheue nordische Vögel, Süßwasserrobben aus dem Ladogasee und dem Saimasee und euro- päische Flughörnchen aus Finnland, die aus einer Höhe bis zu 39 Meter absegeln können. Zugendweihe Weißensee! Die Lebenskunde beginnt am Montag, dem 24. d. M., von 13 bis 17 Uhr in der weltlichen Schule, Park- Ecke Amalienstraße und wird 14täglich durchgeführt. — Achtung, Jugendweiheannahme- st eilen! Anmeldungen sind im Lause der nächsten Tage dem Jugendweihesekretariat zu- zustellen. Autobus gegen Gti-aßenbahn Secks VerleUte in Licbterielde In Lichterfelde-Ost ereignete sich am gestrigen Tage ein Zusammenstoß zwischen einem Autobus der Linie 44 und einer Straßen- bahn der Linie 36. Sechs F a h r g ä st e er- litten leichte Verletzungen. Zwei Verunglückte mußten durch die Feuerwehr ins Vinzenzkranken- Haus gebracht werden. Der in Richtung Lichterfelde-Ost fahrende Auto- bus kam unweit des Restaurants„An der Wiesen- baude" aus dem schlüpfrigen Asphalt derart ins Schleudern, daß der Führer völlig die Gewalt über sein Fahrzeug verlor. Mit angezogenen Bremsen rutschte der Wagen weiter und prallte mit großer Wucht gegen den Vorderperron einer aus entgegengesetzter Richtung kommenden Stra- ßenbahn der Linie 36. Bei dem Zusammenprall gingen zahlreiche Scheiben in Trümmer. Beide Fahrzeuge wurden schwer beschädigt und mußten aus dem Verkehr gezogen werden. Sechs Fahrgäste erlitten Verletzungen. Während sich vier von ihnen in ärztliche Behandlung be- gaben, wurden der Kaufmann Otto B o t h- mann aus der Berliner Straße in Wilmersdorf und das Kind C i l l y Paul aus der Steglitzer Straße in Lichterfelde durch die Feuerwehr ins Vinzenzkrankenhaus gebracht. Durch den Unfall trat eine erhebliche Verkehrsstörung ein. leuchter von Fräulein G. zum Geschenk. Marggraf sagt: Ich weih nichts von diesem Einbruch. Wie kam aber Fräulein G. zu all den Sachen? Ach, sagt Marggraf, sie hatte ja s o viele Sachen. Und immer wieder versetzte sie welche. Pelzmäntel hatte sie ganze sechs, einen im Werte von 1999 M., einen anderen im Werte von 1399 Mark usw. Wozu brauchte sie denn soviel Pelze, fragt der Staatsanwalt. Ja, Herr Staatsanwalt, meint Marggraf, Sie kennen die Frauen nicht. Und dann habe ich ja gut verdient. Von meiner Mutter bekam ich monatlich aus Amerika meine 159 Dollar geschickt. Außerdem machte ich Auto- Vermittlung— und andere Geschäfte. Es war immer so mit Fräulein G. Sie bestellte sich die teuersten Kleider, vier auf einmal, und ich mußte dafür geradestehen. Fräulein G. wurde seinerzeit von der Anklage der Hehlerei freigesprochen und der Angeklagte Marggraf von der Anklage des Diebstahls. Er erhielt nur wegen Hehlerei sechs Monate Gefängnis. Wenn jemand von Glück sprechen darf, so Marz- gras, der bereits wegen zahlreicher Einbruchs- diebstähle eine Gesamtstrafe von vier Iahren Zuchthaus oerbüßt hatte. Bei der erwähnten Braut wurde auch ein Korb voll moderner Ein- bruchswerkzeuge gefunden.„Die habe ich noch von früher her," sagte er. Das Gegenteil war ihm nicht nachzuweisen.... Neues Alaska? Die„Kupferberge" der Eskimos Eigener Bericht des„Vorwärts" New Jork, Mitte Oktober. Das riesige englische Dominion Kanada hat fast die Größe Europas, aber nur etwa zehn Mil- lionen Einwohner. Nur die südlichen Gebiete sind planmäßig besiodelt: die hier gelegenen von den Weizenfarmern besetzten Prärieprovinzen bil- den den wirtschaftlichen Rückhalt des Landes. Nur wenige kühne Männer find tief in die Nordwestterritorien vorgedrungen, die bis an das nördliche Eismeer heranreichen— in jene Gegenden also, in denen bei den dort lebenden Es- kimos und Indianern die Sage von den Kupfer- bergen umgeht. Diese Sagen haben eine fach- liche linterlag«. Sachverständige Geologen bestäti- gen jetzt, daß es zwischen dem Großen Bärensee und dem Krönungsgolf große Kupferlager gibt, außerdem an der Oberfläche liegende Silber- minen. Ebenso soll sich auf der Seeplatte Gold in ziemlich weiter Ausdehnung finden. Endlich wurden auch Petroleumvorkommen entdeckt, und zwar weiter westlich bei Fort Norman am be- rühmten Mackenziefluß. Alle diese Entdeckungen würden vielleicht nicht so sehr alarmierend wirken, wenn nun nicht auch noch die Narforschungen noch Radium von Erfolg gekrönt worden wären: In den beiden entsprechend geschürften Tonnen, die kürzlich im Flugzeug und per Dampfer nach Mon- treal und Ottawa gebracht wurden, fanden sich nicht weniger als 38 Proz. Uranium. Aus dem Uranerz wind aber das äußerst seltene und wert- volle Radium gewonnen. Der Wert der beiden «ingeschickten Probetonnen wird mit ungefähr 39 090 M. beziffert. Nach dem Bekanntwerden des Fundes bildet« sich sofort eine Expedition von 249 Männern, die an die Ausbeutung des festgestellten Radium- Vorkommens gehen wollen. Außerdem hat sich der Expedition eine Frau angeschlossen. Der Trupp lebt in einer Kolonie, die 1299 Kilometer von der nächsten Siedlung entfernt liegt und auf ein Gebiet von etwa 25 Quadratkilometer verteilt ist. Die Erzgräber wohnen l» Blockhütten und Leinwand- zelten. Di« notwendigen Lebensmittel und Aus- rüstungsgegenftände werden ihnen aus den In- dustriestädten Kanadas durch Flugzeuge gebracht. Gelbstmord EecchiniS Lugano, 21. Oktober. Der wegen Tötung seiner Gattin zu zehn Iahren Zuchthaus verurteilte Florentiner C e c- ch i n i wurde nach der Strafanstalt Lugano über- geführt. Als der Wärter am Abend die Zelle des Mörders betrat, fand er Cecchini als Leiche auf. Cecchini hatte sich mit einem Leinentuch erhängt. Dom Unglück verfolgt Bor einigen Tagen wurde die Frau des 36jäh- rigen Arbeiters N e u m a n n und deren fünf- jähriges Kind in Britz von einem Lastauto über- fahren. Frau N. st a r b noch am gleichen Tage und das Kind liegt noch immer mit schweren Ver» letzungen im Krankenhaus darnieder. Gestern wurde die tödlich Verunglückte auf dem Britzer Friedhof beerdigt. Auf der Fahrt zur Beerdigung wurde der Mann gleichfalls von einem schweren Unfall betroffen. Neumann hatte sich ein« Autodroschke genommen, um zum Friedhof zu fahren. In der Rudower Straße in Britz geriet die Droschke auf dem schlüpfrigen Asphalt ins Schleudern, fuhr auf den Bllrgerfteig und prallt« schließlich gegen einen Laternenmast. Der Wagen wurde schwer beschä- digt und Neumann erheblich verletzt. Die Firma„Schuhhos" ersucht uns mitzuteilen, daß ihre Schuhwaren mit der Marke„Tromm- l e r" nichts mit dem von den Nazis gebrauchten parteipolitischen Zeichen Trommler zu tun haben. Die von der Firma A. Troinmler, Schuhfabriken, Zwönitz i. Sa., hergestellten Kinderschuhe werden schon seit mehr als 49 Jahren unter der Marke Trommler in den Handel gebracht. Briese, die uns nicht erreichten „Adressat unbekannt verzogen" stellt da auf einem Brief, den die Post als unbestellbar zurück- sandte und man wird sich bemühen, seinen Per- bleib ausfindig zu machen. Was die Post nicht er- Mitteln konnte und was persönlichen Nach- forschungen versagt blieb, das wird gar häufig nach longer Zeit auf polizeilichem Wege, durch die Arbeit der Vcrmißtenzentrale, klargelegt. Im Getriebe der Weltstadt verschwinden Men- schen, sie tauchen unter und st erben, sie sind eben eines Tages nicht mehr da. In bei- nahe lll Proz. oller Berliner Todesfälle hat eine vorherige ärztliche Behandlung nicht stattgesundcn. Bei Säuglingen in den verschiedenen Altersstufen der ersten Lebensjahre beträgt dieser Anteil sogar bis zu 25 Proz. Gewiß sind in der ersterwähnten, außerordentlich hohen Sterbeziffer auch jene plötz- lichen Todesfälle, hervorgerufen durch Herz- und Gefäßkrankheiten, miteingerechnet! trotzdem aber verbleiben immer noch Tausende jährlicher Todes- fälle, wo Menschen ohne ärztliche Hilfe verstorben sind, trotzdem mehr als zwei Drittel der gesamten Berliner Bevölkerung der Versicherungspflicht' bei den Krankenkassen unterliegt. Die Statistik über diese Art der Todesfälle ohne Arzt ist in Berlin nicht vollständig, sie wird zentral erst seit 1927 durchgeführt. Vorher war es nur Neukölln, das eine Erhebung im Jahre 1912 durchgesührt hat. Es ist nun außer- ordentlich interessant, einen Vergleich zwischen dem Jahre 1912 und heute zu ziehen, um fest- zustellen, inwieweit sich die öffentliche Gesund- heitsfürsorge verbessert hat. Während 1912 in Neukölln fast ein Drittel— 30,4 Proz.— der verstorbenen Säuglinge ohne Arzthilfe starb, ist dieser Anteil heute im gleichen Bezirk auf 17,3 Proz. zurückgegangen. Diese günstige Entwick- lung, wie sie sich im Bezirk Neukölln zeigte, trifft auch im allgemeinen auf die übrigen Groß- Berliner Bezirke zu, deren Aerschiedenartigkeit in der sozialen Zusammensetzung ihrer Bevölkerung allerdings ein oft abweichendes Bild von der Sterblichkeit geben. So sind beispielsweise in den Bezirken Köpenick, Pankow, Weißensee, Spandau, Wedding und Reinickendors die Todesfälle ohne ärztliche Hilfe ganz besonders hoch, während Zehlendorf, Schöneberg, Charlattenburg und Steglitz derartige Fälle nur in geringem Maße aufweisen. Diese statistischen Ermittlungen lassen ohne weiteres erkennen, wie der planmäßige Ausbau des städtischen Gesundheitswesens dazu beigetragen hat, die allgemeinen Gesundheitsverhältnisse der Bevölkerung zu heben. In dem Riesenreservoir einer Weltstadt werden immer heim- und Heimat- lose Menschen unbekannt und unbeweint am Wege sterben. Aber was getan werden kann, um auf der einen Seite die Volksgesundheit aus ein möglichst hohes Niveau zu bringen, auf der an- deren Seite durch fürsorgerische Maßnahmen sich auch der pflegebedürftigen Stadtfremden soweit wie möglich anzunehmen, das geschieht. Wir sind schon um einen großen Schritt vorwärts gekom- men, aber wir wollen dabei nicht halt machen, denn die Not der Zeit wirft immer mehr Men- schen auf die Straße, gibt sie preis allem körper- lichen und seelischen Elend. So ist der ständige Ausbau der öffentlichen Gesundheitsfürsorge die wichtigste und vornehmste Aufgabe der kommu- nalen Verwaltung. EinVergleichsverfahren den Beamten-Wirtschaftsverein Das Amtsgericht Berlin-Tempelhof hat das Vergleichsverfahren über den Beamten-Wirtschaftsverein e. G. m. d. H., Berlin eröffnet. Die vorliegenden Gutachten stellen fest, daß keine Verfehlungen des Auffichts- rats oder des Vorstandes vorliegen. Die Ursache der Zahlungseinstellung ist darin zu erblicken, daß die durch den Zusammenbruch verschiedener Beamtenbanken und später der Großbanken ein- getretene Vertrauenskrise zum Entzug vieler Mit- lionen Sparguthaben führte. Da große Mittel immobilisiert sind, trat ein Zustand völliger Illiquidität ein, der auch zu beträchtlichen Ver- lusten führte. Der Vergleichsvorschlag sieht vor, daß Warensorderungen bis 100 M. voll befriedigt werden. Die übrigen Warengläubiger sollen zum Ausgleich ihrer Fonderungen 00 Proz. in zwölf gleich hohen Monatsraten erhalten. Die Spartassengläubiger sollen bis Ende 1930 auf £.v. v.V'V'V'""i ß. rfv.»- oev.v.yv.y. Zinsen verzichten und bis zu diesem Zeitpunkt eine Stundung in der Weise gewähren, daß sie vom 1. Januar 1934 bis 31. Dezember 1930 successive höchstens 18 Proz. ihrer Guthaben ab- heben. Weitere 02 Prpz. sollen den Sparkassen- gläubigern vom 1. Januar 1937 ab nach den Regeln der gültigen Sparordnung zur Verfügung stehen. Für die restlichen 20 Proz. erhalten die' Sparkassengläubiger Besserungsscheine, über deren Honorierung eine vom Vergleichsgericht nach An- hörung des Gläubigerausschusses und des Vor- standes zu ernennender Ueberwachungsausschuß entscheiden wird. Die Kosten der Neuwahl Die Kosten der zweiten Reichstagswahl am 0. November müssen mit 210 000 Mark neu in den Haushalt der Stadt Berlin eingestellt werden. Vom Reich werden 100 000 Mark erstattet, der Rest muß aus gemeinsamen Vorbehaltsmitteln bewilligt werden. Der Stadtoerordnetenversamm- lung wird eine entsprechende Vorlage zugehen. Zm Casino-Theater prasseln Lachsalven, toben Beifallsstürme, wenn Tante Julchen alias Direktor Berg, in später Stunde noch einen Freier er- wischt. Aber es war bloß ein holder Irrtum, Herrn Amadeus Lampes Johannistrieb gehört Lora, der Königin der Luft. Beinah wäre er auch noch überglücklicher Gatte dieser lustbeschwingtcn Schönen geworden, wenn ihm nicht das schwieger- väterliche Metier eines Tierbändigers noch vor der Zeit Angst und Schrecken eingeflößt hätte. Aber Lora hatte Ersatz in der Gestalt ihres Bewerbers Nr. 2, Herrn A. B. C. D. Steinermann. Reisender in Oel und Seife. Daneben blühte heimlich, still und leise noch ein zweites Brautpaar heran, Herrn Lampes Töchterlein hatte mit ihrem Klavierlehrer solange und so herzlich geübt, bis sie sich einig waren. An ulkigen Situationen war absolut kein Mangel. Einmal war es der liebe- girrende Herr Lampe, dann wieder sein brum- melndes Hausfaktotum Marianne und als Dritter im Bunde der fchüchtern-verliebte Tastenbezwinger Peter, der viel Laune um sich verbreitete. Alles war mit Lust und Liebe bei der Sache. Vorher gab es einen artistischen Teil, in dem drei knusprige Tanzelfen, Rea, Gisy und Evelyn, flotte Tänze zeigten und Otto Jlgner mit Fixigkeit und Laune das Publikum an der Nase herumführte. Museum ausgeplündert Tat einer internationalen Bande? Die Berliner Kriminalpolizei ist von einem Riesendiebstahl benachrichtigt worden, der vor kurzem im Städtischen Museum in Zittau in Sachsen verübt wurde. Offenbar von einer internationalen Bande ist das Museum um unschätzbare werte beraubt worden. Den Ver- brechern> sielen eine Uhrensammlung aus dem 16. Jahrhundert, goldene Kelche und Hostien, Fingerringe und Ketten aus dem 12. und 13. Jahr- hundert sowie goldene Monstranten in die Hände. Die Beute hat einen Sammlerwert von mehreren hunderttausend Mark. Da es nicht ausgeschlossen ist, daß die Verbrecher sich nach Berlin gewandt haben, sind von der hiesigen Kriminalpolizei alle Maßnahmen in die Wege geleitet. Wie die polizeiliche Untersuchung ergeben hat, sind die Täter über Leitern und Strickleitern von einem alten Kirchhof aus, der an das Museum grenzt, in die Räume eingedrungen. Die Diebes- bände muß unter sachkundiger Leitung gearbeitet haben, denn nur die wertvollsten Stücke wurden geraubt. Nach den Ermittlungen der Museumsleitung sind folgende Gegenstände ge- raubt worden: 16 Taschenuhren aus dem 10. und 17. Jahrhundert mit silbergetriebenen Gehäusen und zum Teil emaillierten Ziffern- blättern, neun goldene Kämme, zehn Halsketten von erster Zünftlerarbeit, zahlreiche Ringe mit Edelsteinen und Halbedelsteinen besetzt, kostbare Ohrgehänge, eine Perlenhalskette und zahlreiche goldene kirchliche Museums st ücke, die alles in allem unschätzbare Werte darstellen. Wetter für Berlin: Sehr mild, meist wolkig, vereinzelt noch leichte Sprühregen, im ganzen aber trocken, mäßige bis frische südwestliche Winde.— Für Deutschland: In der südlichen Hälfte trocken. vielfach heiter und relativ warm, im übrige» Reiche wolkig bis bedeckt. Besonders an der 5lüstc zeitweilig Sprühregen, sehr mild. MeiMUUe- A die den„Vorwärts" noch nicht abonniert und den jetzt erscheinenden Roman„Gilgi, eine von uns" noch nicht gelesen haben, sollten schleunigst das Versäumte nachholen und an dem Psceisaussckceifrcu des ,)J(Hwdds" teilnehmen. RM 400.— Bargeld und wertvolle Preise sind ausgesetzt. Die Bedingungen des Preisausschreibens sind in der Sonntagsausgabe des„Vorwärts" veröffentlicht Berlins grösstes Schuh- und StrumpShaus Preise unverändert niedrig, wie Schuhpreise seit 20 Jahren nicht waren Damen-, Herren-, Kinder-, Haus- u. Ueberschuhe Qualität u. Passform weltberühmt Vernunft diktiert: Jetzt kaufen Häutepreise In drei Monaten 50% gestiegen! Äil?? (ULM VOH UMS 47] Gilgi faßt fester das Kuvert und die Ringe >... solche Träume darf man doch nicht haben — das ist widerlich— solche Träume... Sie klopft an die halbgeöffnete Tür— so ein knöcherner Laut... tack, tack, tack... alles ist still hier oben. Jemand hat gesagt, daß ich tausend Stunden hier klopfen muß— tack, tack, tack— ich habe rote Schuhe an und mein blaues Kleid— wie kommt es denn, daß ich zu meinem blauen Kleid die roten Schuhe angezogen habe? Das ist mir doch noch nie passiert— tausend Stunden muß ich klopfen... warum steht auf Straßenbahn- fahrscheinen so furchtbar viel drauf— ich möchte wissen, was das alles bedeutet, was auf den Straßenbahnfahrscheinen steht... tack, tack, tack— ob ich jetzt tausend Stunden geklopft habe? Die Türklinke ist blind und hat dunkle Flecken— man müßte die Klinke mal putzen mit... ja, wie heißt das Zeug, mit dem man Klinken putzt? Wie heißt das denn... ich muß auf den Namen kommen... jetzt ruft die schmutzige Klinke nach meiner Hand— ich muß sie anfassen... Gilgi geht in das Zimmer, zieht die Tür hinter sich zu. Das Fenster ist aufgerissen, die Betten sind grau zerwühlt. Ein ekelhafter, süßlicher Ge- ruch kriecht über den Boden— an einem herauf,.. ich habe rote Schuhe an— und auf Straßenbahnfahrscheinen steht so furchtbar viel drauf... ich weiß, daß ich rote Schuhe anhabe... ich weiß noch mehr... ich weiß, daß die tot sind— der Hans und die Hertha und die kleinen Kinder— Hans— Hertha— haben denn Tote auch noch Namen? Ich bin nicht irrsinnig, ich bin ganz wach und klar und kalt und gar nicht traurig— ich bin gar nichts mehr. Gilgi tritt an das geöffnete Fenster, beugt sich weit hinaus... sieht tief unten die Straße... man muß sich ent- scheiden—— und man darf nicht davon- laufen... ich weiß alles— alles— die find tot— was ist das?— die sind tot, weil ich gestern nicht gekommen bin— das muß ich ganz zu Ende denken— das bleibt mir nicht erspart— da muß ich weiter denken— weiter— weiter— ganz genau denken— nichts auslassen... die sind hier gestorben, während ich mit Martin... Hyazinthen in schwarzen Vasen... Gilgi beugt sich weiter aus dem Fenster... da unten das Pflaster, das macht alles zu Ende— das gibt es— zu wissen, daß alles zu Ende fein kann— sehr schön, das zu wissen— sehr, sehr schön. Das muß man sich genau vorstellen: nach unten fällt man— durch die Luft— ein leichtes Geräusch— ein löschender Schmerz, ein sehr harter Schmerz— ein zerflossener Brei von Fleisch und Blut und Knochen— alles fließt aus einem heraus— das ganze Blut und Hirn und das Untragbare. Das ist gar nicht ekelhaft— das ist sehr schön— so rotes Blut auf dem schmutzigen, grauen Pflaster— und alles zu Ende... Man muß sich entscheiden— ich bin nicht irrsinnig, und ich werde auch nicht ohnmächtig— ich habe ganz und gar meinen freien Willen— nichts hilft mir— von außen. Noch etwas weiter hinausbeugen— dann falle ich— dann... ich habe gar keine Angst... mein Kopf ist so schwer— er zieht mich— nach— unten— meine Füße sind so schwer— lösen sich nicht vom Boden— ich habe rote Schuhe an, rote Schuhe— die sind an den Boden genagelt... Gilgi fällt hintenüber, fällt mit der Schläfe gegen einen Stuhl— Blut rieselt übers Ge- ficht— feucht und warm. Stumm bleibt sie liegen— die Augen weit offen— Sekunden, Minuten. Steht dann auf. Hart und ent- schlössen. Tritt vor den kleinen Spiegel über dem Waschtisch— taucht ein Taschentuch in den Wasserkrug und wischt langsam das Blut von Wange und Schläfe— das Gesicht im Spiegel ist grau und verfallen. Lange sieht Gilgi in das fremde Spiegelgesicht. Preßt die Lippen zu einem schmalen, harten Strich zusammen. Von vorne anfangen, Gilgi! Vier Menschen sind tot. Die Schuld, die ich daran habe... sehen, wie ich damit fertig werde. Die Schuld, die ich nicht habe— die lehne ich ab, die rede ich mir nicht ein, die will ich nicht tragen. Das Tatsächliche ist mir schwer genug. Und ich weiß, was ich tun muß— das Schwerste. Aber ich lebe, und Martin lebt, und das Kind lebt... ich will leben— und ich bin froh, daß ich lebe. Gilgis harte kleine Schritte verhallen auf der Treppe. Vorbei an den schwatzenden Weibern— durch die Straße... Neun Uhr ist's, und Martin wird fort fein. Gut so. Im Schlafzimmer unterm Schrank steht Gilgis Koffer. Sie zieht ihn hervor. Packt ihre Kleider, ihre Wäsche hinein. Sehr schnell, sehr sicher hantiert sie. Sicher? Das winzigste Fragezeichen, das allergeringste Ueberlegen im Kopf macht die Hände zittern, unfähig, sich zu bewegen, zu fassen, zu halten. Hart bleiben, hart bleiben— das Schwerste tun, das Richtige tun— Richtige? Warum richtig?... Ah, nicht denken... Sie streicht leicht mit der Hand über die bunten Abendkleider im Schrank— ihr könnt hängen bleiben, ich brauche euch nicht— eh' ich mal wieder ein Abendkleid trage, seid ihr längst unmodern geworden. Nicht ruhig stehen— immer was tun, immer was tun— sie schließt den Koffer. Was jetzt... ein paar Zeilen für Martin... ich tu' mir so weh, ich mache mich ganz tot— die Luft muß mir helfen und das Papier und alles um mich herum— zu schwer allein... zu schwer— nein— doch, ich schreibe... feste, harte Buchstaben— weißes Papier, schwarzes Gekringel, weißes Papier ... rote Schuhe, rote... und die Luft muß mir helfen. „... nur weil ich dich liebe. Hab' keine Angst— um mich nicht. Muß alles so sein, Hab' Vertrauen zu mir— Du— etwas ist geschehen, ich kann nicht mehr lachen, lange nicht mehr. So, wie ich jetzt bin, würd' ich nur Last für dich sein und dich mit traurig machen... vielleicht hättest du mich dann nicht mehr lieb... vor nichts Hab' ich mehr Angst. Vergiß mich nicht— bitte." Der Name verweint sich in schlingernder Linie. Sie legt den Zettel mitten auf den Eßzimmertisch— Hyazinthen— weiße Hyazinthen in schwarzen Vasen. Mein süßes Leben— ewig trage ich dich in meinem Blut. Das goldene Feuer... Kniet vor dem Diwan, die kleine Gilgi, legt den Kopf in die Kiffen— die goldrote Seide— Farbe deiner Lebens- liebe— du und wieder nur du... Hab' keine Träne für andre— Tränen verzischen un- geweint in Liebe zu dir... du hast mich ge- schaffen— ich bete dich an— deine goldrote Farbe— ich will kein Grau in ihr— für dich nicht, für mich nicht... der Koffer wird schwer sein... Gilgi steht aus. Blind versunken die Augen, verkrümmt den Mund, verfahlt die Haut... und man geht, geht— man weint nicht, man stirbt nicht— man geht— mit dem Koffer — man fährt... Gefrorene Welt. Warum tut man sich weh— so sehr? Man ist ein blutiger Fetzen Fleisch, von Haut verhüllt... ach, mein Kopf— wer sticht die Nadeln hin- ein— lieber Gott, denkst du. mein Kops ist ein Nadelkissen... „Pit", sagt Gilgi und tritt in sein Zimmer —„Pit, daß du da bist! Gott sei Dank! Du mußt mir helfen, daß ich heute abend mit dem Zug nach Berlin fahre..." (Fortsetzung folgt.) 3)ie Versicherung 3)ie QefchicMe eines, der im QeSängnis faß/ Ton tßernhard Qerraife Als Afrsd Merker dos Gefängnis verließ, stieß er zu seinem größten Erstaunen aus seinen frühe- ren Chef, der ihn für einen Diebstahl hatte vcr- urteilen lassen. „Guten Tag, Merker!" rief er aus.„Mich haben Sie hier wohl nicht erwartet? Was? Ich hatte mich erkundigt und erfahren, daß Sie heut« frei- gelassen würöen." „Was wünschen Sie denn van mir?" fragte Merker, nicht besonders liebenswürdig. „Ich möchte Ihnen einen Vorschlag machen." erwiderte Herr Doßler,„wollen Sie wieder zu mir kommen?" Der frühere Strafgefangene zuckte zusammen: „Wieder zu Ihnen kommen?" „Ja, Sie haben zwar Dummheiten gemacht— aber decken wir den Mantel der Nächstenliebe dar- über!... Ich hoffe allerdings, daß Sie aus dem Vorgefallenen«ine Lehre gezogen haben, und wir wollen nicht mehr davon reden. Wenn Sie zu den gleichen Bedingungen wie früher Ihren Posten wieder bei mir übernehmen wollen, kom- men Sie am Montag ins Büro, ich erwarte Sie." Alfred Merker überlegte einen Augenblick, bis er sich entschied:„Abgemacht!" sagte er,„bis Montag also!" Man kann sicher über den Einfluß der Gefäng- nisse auf die Moral verschiedener Ansicht sein, es laßt sich aber nicht bestreiten, daß man dort ein gewisses Gefühl der Würde erwirbt. Mcrker wäre sich in seine» eigenen Augen als herabgesetzt vor- gekommen, wenn er diesem Vorgesetzten ohne eine Spur von Herz, der ihn trotz aller Bitten und Tränen wegen geringfügiger Unterschlagungen der Justiz ausgeliejert hatte, auch nur die geringste Dankbarkeit entgegengebracht hätte. Es war ge- rade genug, daß er sein Anerbieten angenommen hatte. „Schließlich blieb mir ja keine Wahl," sagte er sich zur Entschuldigung.„Mit den Zeugnissen und Referenzen, die ich jetzt vorweisen könnte, findet man nicht so leicht eine Stellung als Kas- siercr und Buchhalter!" Selbstverständlich würde er keine verletzende Anspielung noch irgendeine deplacierte Bemerkung seitens des Chefs oder seiner Kollegen dulden. Aber man benahm sich außerordentlich taktvoll, empfing ihn sehr freundlich und nahm seine Rück- kehr als die natürlichste Sache der Welt hin. Der Chef besaß so viel Anstand, nicht etwa diese un- erträgliche Eitelkeit zur Schau zu tragen, wie man sie bei Leuten findet, die glauben, ein gutes Werk getan zu haben. „Guten Tag, Merker!" sagte er einfach.„Sie wissen ja, was Sie zu tun haben, ich brauche mich also nicht darum zu kümmern, nicht wahr? Falls Sie aber irgendwelche Auskünste benötigen über das, was in Ihrer Abwesenheit vorgefallen ist, so stehe ich Ihnen gern zur Verfügung." Alfred dankte von oben herab und begab sich an die Arbeit. Es gab wahrlich genug zu tun, denn die Bücher waren sehr vernachlässigt. „Wir haben inzwischen drei Buchhalter gehabt, die es nicht geschafft haben," belehrte ihn der Hausdiener.„Sie behaupteten alle, daß es für einen zu viel Arbeit wäre und verlangten eine Hilfe, die der Chef aber niemals bewilligt hat, das können Sie sich ja denken!... Er pflegte in solchen Fällen zu sagen: Ihr Vorgänger ist auch allein fertig geworden!" Und er setzte hinzu:„Sicher hat man Sie nur aus diesem Grunde wieder zurückgeholt." Trotz THondänes 3)orf Ton£rna.ßüfitiy Nicht weit van der Großstadt liegt es, dieses kleine verträumte Dorf Noch hat es aus der Landschaft heraus seine Eigenart. Wenn im Winter in der Großstadt der Schnee in schmutzigen Haufen Fußsteige und Fahrdämme einsäumt, dann guckt er im Dorf noch mit tausend diamantenen Sternenaugen von den grünen Tannenzweigen. Und wenn im Sommer die Großstadtstraßen im schmierig dunstigen Asphaltnedel verschwinden, dann atmen die Bäume des Dorfes Sauerstoff aus. Das sind die Reize des Dorfes, die seine Be- wohner. mit zager Hoffnung aus die Großstadt, modernisieren. Da ist der Friseur. Er hat sich, als schicksal- gebundenes Kompliment an die Großstadtdamen. einen Dauerwellenapparat angeschasst. Der hat seine Kundschaft: weil die Damen, die nur äußer- lich den zur Zeit modernen Dorffrieden loben, in Wirklichkeit nichts mit ihm anzufangen wissen und daher Ruhe haben, beim Friseur zu warten. In der Stadt macht dieses Warten nervös, aber auf dem Dorf ist es angenehm, da man staunenden Ohren von sich und seinen gesellschaftlichen Ver- pflichtungen in der Großstadt erzählen kann. Darum ist er viel in Betrieb, dieser Dauerwellen- apparat. Er ist an der Pumpe angeschlossen und die gesamte Nachbarschaft kann, falls sie gerade arbeitet, kein Wasser holen. Die Pumpe teilt dann nämlich elektrische Schläge aus, die unbedingt kräftigen Ohrfeigen gleichkommen. Mehrere Wasserträgerinnen schließen einen geduldigen Halbkreis um die Pumpe. Auch der Kaufmann muß sich aus die groß- städtische Kundschaft einstellen/ Cr hat einmal in einer Zeitung gelesen, daß ein berühmter Innen- architekt behauptete, gelb sei die Farbe der Freude. Darum hat er sein Haus gelb streichen lassen, obwohl es nun srierend kalt und nahezu abweisend in der Landschaft steht. Früher war es rot ge- wesen und ein warmer Farbenklex: denn rot ist die Farbe des Blutes und somit des Lebens. Doch der schlaue Kaufmann beachtete nicht nur die Aeußerungen eines Innenarchitekten, er beachtet auch peinlich genau alle Strömungen der Politik. Deshalb bezieht er von einer großstädtischen Firma Hakenkreuzbonbons und von einer zweiten Bonbons in schwarzrotgoldener Verpackung. Doch da durch diese beiden Sorten die Politik noch nicht gewinnbringend genug erfaßt ist, hat er einen kleinen stellungslosen dörflichen Bonbonkocher an der Hand, der ihm schwarzweißrote Bonbons, solche mit dem Sowjetstern und allen möglichen anderen Parteiabzeichen fabriziert. Diese mischt der Kaufmann alle durcheinander, sie kommen in ein Bonbonglas und bei einem Viertelpsund Bonbon kann man sich unter Garantie durch sämt- liche politische Richtungen Deutschlands fressen, die Splitterparteien mit eingeschlossen. Noch liegt dieses vom Wald durchschnittene Dorf im tiefen Frieden. Aber sein hartes Schicksal ist entschieden, die Großstädter haben es entdeckt und die Dorfbewohner modernisieren es und schon heißt die Kuh im Stalle nicht mehr Liese, sondern Ly, und die Kaninchenzippe' nicht mehr Mucki, sondern Mia und der das Gehöft nachts wachsam umstreichende Karo macht am Tage schon Pflicht- schuldigst sein Photographiergesicht, falls von irgendeinem Amateur zum so und so vielten Male der„Dorfsrieden" geknipst wird. Das Dorf steht im Sommer und Winter im Grünen, es hat Tannen und Erhöhungen, die mühelos zu Rodel- schlittenstraßen gestaltet werden können. Folglich hat es Dauerbetrieb und es wird so modern werden, daß seine Bauernhäuser nur noch wie kranke Steinhausen in der Landschaft stehen. Die Vögel und Eichhörnchen werden srech werden und sich an Bananen, Zucker und Kuchenkrumc» über- fressen. Sie werden keck in die mit Restaurations- betrieben gesegneten Dorfgärten kommen. Ihre Wohnstätten ober müssen sie, aus Selbiterhal- tungstrieb, mehr waldeinwärts verlegen. Kennen sie doch aus Empfindungen heraus das Dorf, daher wissen sie: das Dorf kann alles ertragen, Schneeverwehungen und Glatteis, die jeden Ver- kehr unmöglich machen. Regen, der die Wurzeln großer Bäume bloßlegt, und Sonne, die das Gras auffrißt. Nichts ertötet leine Eigenart. Es trotzt gleich stark der guten wie der bösen Zeit. der überaus viele» Arbeit beklagte sich Merker nicht. Er war glücklich, seine alten Gewohnheiten wieder aufnehmen zu können, seinen Tisch, seinen Stuhl und alle kleinen Bürogegenstände wieder- gefunden zu haben, bis auf das Tintensotz, oen Schwamm, den stets trockenen Leimtops! Was ihm aber noch lieber war, war die Ruhe, die in diesem Hause herrschte. Er fürchtete an- sangs, daß er künftig in einer Atmosphäre des Verdachts, unter der unablässigen Kontrolle seines Chefs leben würde, die mit Rücksicht auf das Vorgefallene von Mißtrauen erfüllt wäre. Emp- findlich, wie er geworden war, hätte er das nicht zu ertragen vermocht. Aber Herr Doßler be- handelte ihn im Gegenteil genau wie früher: niemals prüfte er die Rechnungen nach, niemals schien er auch nur den geringsten Zweifel zu hegen. Wie früher übergab er ihm die Schlüssel zum Geldschrank und überließ ihm damit oft namhafte Beträge. Ein derartiges Vertrauen rührte endlich Merkers Herz. „Er ist wirklich«in famoser Kerl, ich hätte ihm das nie zugetraut," sagte er sich. Unld er bezeugte ihm seine Dankbarkeit durch verdoppelten, selbst- losen Fleiß und Eiser, um das Versäumte so schnell wie möglich nachzuholen. Manchmal stieß er auf Schwierigkeiten, zahlreiche Konten waren während seiner Abwesenheit im Hauptbuch er- öffnet, und er setzte seinen ganzen Ehrgeiz da» hinter, sich allein die ersorderlichen Ausklärungen zu verschasten. Unter diesen Neuigkeiten interessierte ihn be- sonders eine Summ« von 500 M., die unter dem merkwürdigen Titel„Die Kompensation" unter den Generalunkosten aufgeführt war. Was konnte das nur bedeuten? War das eine Firma, was hatte sie dem Hause Leopold Doßler verkauft? Es wäre sehr einfach gewesen, den Chef um Aus- kunst zu bitten, aber seine Eigenliebe ließ das nicht zu, er wollt« ganz allein die Läsung finden: zwanzigmal sah er die Rechnungen durch... vergebens! Das Geheimnis wurde nicht enthüllt. ' Indessen Herr Doßler die gute Meinung seines Buchhalters mehr und mehr rechtfertigt«. Merker fühlte sich ganz zerknirscht:„Und daß ich einen solchen Mann bestohlen Hab«..." dachte er. Seine Rührung sollte noch einen höheren Grad erreichen, als Herr Doßler ihm eines Tages mit- teilt«: „Ich wende für einige Tage verreisen, hier sind ein paar Blankoschecks, die Sie ausfüllen können, je nachdem Geld gebraucht wird." Bei diesem neuen Beweis des Vertrauens stie- gen ihm die Tränen in die Augen, als der Chef fortfuhr: „Sie werden auch die„Kompensation" bezahlen, die Quittung wird in diesen Tagen kommen." Alfred benutzt« die Gelegenheit: „Ich wollte Sie schon immer fragen," meinte er,„was ist das eigentlich, die„Kompensation"?" „Was! Sie wissen es nicht?" rief Herr Doßler aus,„das ist die Versicherungsgesellschaft." „Sie sind nicht mehr bei der„Allgemeinen"?" fragt« der Buchhalter erstaunt. Und Herr Doßler erklärte einfach: „Doch, aber die„Allgemeine" versichert nur gegen Feuer, das genügte nicht.... Sie ver- stehen, jetzt bin ich auch gegen Diebstahl ver- sichert....." Auf das tiesste getroffen und verärgert, verließ Alfred Merker noch am gleichen Abend das Haus. wo man ihn um eine gute Absicht geprellt hatte. Und das gehört auch zu den Dingen, die ein Mensch nicht gern erträgt, der durch die strenge Schule der Gefängnisse gegangen ist. Berechtigte UeberseKung von Grete Blumenthal. Steich und arm Um einen Faulen zu laben, Mülle» viel Pferde traben, Müssen viel Füße rennen, Muß viel Sonne vom Himmel brennen, Müssen viele Pflugscharen graben Und die Aecker Regen und Wärme haben. Um einen großen Herrn zu machen, Müssen viel Ackerbauern frönen und nicht lachen. üsrei nach dem Altdeutsche» von Walter Metfailer.� ZWEITE BEILAGE SONNABEND, 22. OKT. 1932 Subventionen und Direktorengehälter Oder wie kommt Papen zum Eierkuchen, ohne Eier zu zerschlagen Bei ihrem Regierungsantritt hat die Papen- Regierung verkündet, daf; sie unverzüglich die bei den subventionierten Betrieben noch gezahlten Riesengehältcr revidiere» würde. Aber die beteiligten Ressorts haben es osfenbor sehr schwer, Papen den erforderlichen Eierkuchen zu backen, ohne Eier zu zerschlagen. Die Angelegenheit läßt nämlich sehr auf sich warten. Seit September be- steht die Ermächtigung. Die Durchführüngsver- ordnunge» zum Lohnabbau sind Schlag aus Schlag erschienen, alle Machtmittel wurden ein- gesetzt, um den Lohnabbau sofort zu erzwingen— hier aber eilt es absolut nicht. Die Betrossenen wehren sich natürlich, und außerdem fürchtet„die Wirtschast", d. h. der Klub der Generaldirektoren, das„schlechte Beispiel"' Die bürgerliche Presse appelliert eifrig an die Regierung, entsprechend„ihrem Grundbckenntnis der Belebung der privatkapitalistischen Initiative", die Herren Direktoren doch möglichst schonend zu behandeln. Ein besorgtes Gemüt hat in der„Berliner B ö r s e n z e i t u n g" ausgeplaudert, daß„ein großer Kreis von Unternehmungen in die Ge- Haltsabbauaktion der Reichsregierung einbezogen werden müßte", wenn man den Abbau aus alle subventionierten Unternehmungen ausdehnen würde. Ihre schwerindustriellc Schwester, die „Deutsche Bergwerkszeitun g", hat erst jüngst die Forderung auf Herabsetzung der astro- nomischen Direktorenbezüge als„k u l t u r- w i d r i g", als„Ruf nach dem Einheitsein- kommen" bezeichnet, der nur„blasse»' R c i d" und„M inderwertigkeitsgcfühlcn" cnt- springe. Nun, die Herren brauchen bei der Papen- Regierung wohl nicht allzu ängstlich zu sein. Das so oft verheißene Reichskommissariat für die subventionierten Betriebe, an sich eine Notwendig- kcit für eine wirklich durchgreifende Bereinigung der zahlreichen mit Unsummen subventionierten Wirtschaftszweige, ist bis heute nicht geschaffen, und kommt es, so wird der herrenklub schon auf st an desgemäße Rücksichtnahme drängen. Ueber die Auslegung der Ermächtigung schweben„natürlich" noch umfangreiche Diskussio- nen zwischen dem Rcichsfinonz- und dem Rcichswirt- schaftsministerium. Zunächst soll überhaupt nur geklärt werden, welche Betriebe als subventionierte anzusehen sind. Einen Vorgeschmack hiervon bekommt man bereits durch die Erklärung der Gelsenkirchen- Direktion, die sich mit Ent- rüstung dagegen verwahrt hat, ihren Konzern als subventioniert zu bezeichnen. Aber Scherz beiseite. Es scheint uns nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit zu sein, daß mit dem Unfug riesenhafter Gehälter bei den öffentlich gestützten oder subventionierten Unter- nehmungen endlich aufgeräumt wird. Wenn die Direktoren der subventionierten Unter- nehmungen von Gelsenkirchen, Oberhütten, Mans- feld, hapag. Norddeutscher Lloyd usw. Gehälter von SO 000 bislOOOOOlDlart und darüber weiter beziehen und führende Dirck- toren der vom Reich gestützten und der heute im Reichsbesitz befindlichen Großbanken noch immer mit ihren Nebeneinnahmen aus Aufsichtsrats- Posten, Iahresbezüge bis zu einer Viertel- Million erhalten, so ist für dieses Staalsrentnerlum kein Verständnis mehr möglich. Die Gehälter müssen auf ein einigermaßen gerecht- sertigtes Niveau herunter, und die Papen-Regie- rung, die den Wohlfahrtsstaat für die Massen bekämpft, hat allen Grund, sich im eigenen Interesse zu beeilen. Das, was sich nun schon seit Wochen abspielt, hochtrabende Ankündigungen, tiefgründige Presse- erörterungcn, Ressortbesprechungen in den ministe- riellen Garküchen, nur damit möglichst wenig Eier für die Direktorenomeletten zerschlagen werden, das ist ein Possenspiel, das nur zu kennzeichnend ist für die grundsätzlich neue Staats- führung, die für Deutschland verkündet worden ist. Ein Tomatenbrief aus Rom Machiavelli über deutsche Autarkie Liebe Redaktion! Bald werdet Ihr mich wieder bei Euch sehen. Alle Schönheiten Italiens können mich jetzt von der Rückkehr nach Deutschland nicht abhalten. Ich habe mich sogar entschlossen, von den hiesigen reizenden Eseln Abschied zu nehmen. Aller- dings hat mir Eure Mitteilung, daß jetzt auch Deutschland schon seinen Bedarf an Eseln aus eigener Produktion decken kann, diesen Entschluß erleichtert. Ausschlaggebend war aber für mich nicht diese beglückende Feststellung, sondern meine Unterhaltung mit den Mitgliedern der T o m a- t e n k o m m i s s i o n. Die cherren haben mich ein wunderbares„autarkes" Frühstück kosten lassen. Es war zwar etwas peinlich, daß ich die in chinterpommern gezüchteten Bananen für Kau- gummi und den Jnsterburger Portwein für Essig gehalten habe, aber sonst war es furchtbar nett. Was mir die Herren über das neue heilige Reich erzählten, erinnerte mich an die Schilde- rung der Autarkie im alten deutschen Reiche bei Machiavelli. Ich stelle mir jetzt meine Heimat so vor, wie es Machiavelli vor vier Jahr- Hunderten schilderte: ,',In den deutschen Ländern ist noch viel Rechtschaffenheit und Religion im Volk lebendig, weshalb es auch dort noch viele freie Republiken gibt, die ihre Gesetze halten und die weder von außen noch von innen jemand anzutasten wagt. Solche Rechtschasfenheit findet sich heute nur noch in jenen deutschen Ländern. Und zwar hat dies zwei Ursachen. Einmal haben die Deut- s ch e n keinen großen Handel und Verkehr mit ihren Nachbarn, denn sie sind zufrieden mit dem, was sie besitzen, leben von den Er- Zeugnissen ihres eigenen Landes und kleiden sich in die Wolle, die ihnen ihr Vaterland gibt. Damit fehlt der Anlaß zu lebhafterem Verkehr mit Fremden und also der Grund und Anfang jeder Verderbnis, sie haben keine Gelegenheit, die Sitten der Franzosen, der Spanier und der Italiener anzunehmen, und diese drei Nationen miteinander sind ja das Verderbnis der Welt. Sodann aber dulden diese Republiken, in denen noch ein unverfälschtes politisches Leben herrscht. in ihren Mauern keine Adligen und keine adlige Lebensweise. Sie halten die völlige bürgerliche Gleichheit aufrecht, und den Rittern und Adligen ihrer Umgebung sind sie todfeind, fällt ein solcher in ihre Hand, so töten sie ihn als den Inbegriff aller Verderbnis und die Ursache aller politischen Unordnung. (Discorsi I. 5S.)" Nun verstehe ich nicht, warum ausgc- rechnet der Adel, der im autarken Deutschland so unsanft behandelt werden soll, für die Autarkie ist. Das werde ich sicher nach der Rückkehr besser begreifen können. Ihr werdet mir doch helfen, nicht wahr? Rom, am tö. Oktober 1932. Euer Fröhlicher Volkswirt. 25 Jahre Edeka Feiern und Forderungen Am 21. Oktober bestand der Edeka Ver- band Deutscher kaufmännischer Ge- nossenschasten e. V. 25 Jahre. Dieses Jubiläum begehen die für ihren Einkauf organi- fierten Kolonialwarenhändler Deutschlands in Berlin vom 21. bis 23. Oktober festlich: es ist zugleich Anlaß, die Oeffentlichkeit auf wirtschafts- politische Forderungen aufmerksam zu machen. In der Edeka-Organisation(Edeka ist die Ab- kllrzung von„Einkaufsgenossenschaft Deutscher Kolonialwarenhändler") hat sich das genösse n- s ch a f t l i ch e Prinzip als ein wirksames Mittel der Selbsthilfe auch im Kleinhandel be- währt. Dem Edeka-Verband(Reoisions- verband) sind jetzt 439 Genossenschaften mit 28 999 Standardisierung und Typisierung ihrer Produkte dem Ausland gegenüber konkurrenzfähig zu machen. Ferner—„auf das verminderte Ein- kommen der breiten Masse der Bevölkerung..» muß unbedingt Rücksicht genommen werden". Aber es gab auch anderes. Wenn eine un- bedingte und unbeschränkte Sperre für Ein- heitspreisgeschäfte und Großsilialbetriebe gefordert wurde, wenn von einer„schreienden Ungerechtig- keit in der Besteuerung" zugunsten großkapita- listischer und kollektivistischer Betriebe gesprochen wurde, so ist das einmal falsch(Sonderumsotz- steuer für Großbetriebe!) und zweitens kein Lob für die genossenschaftliche Selbsthilfe, die den Kon- kurrenzbcdingungcn durch bessere Mittel begegnen muß. Kreuger IL Auf den Spuren des„großen Bruders" Gegen den Generalkonsul Torsten Kreuzer, den Bruder des toten ZUndholzkönigs, ist jetzt Haft- b e f e h l wegen Konkursbetruges und Bilanz- fälschungcn erlassen worden. Der Leiter der Stockholmer Kriminalpolizei hat Torsten Kreuzer persönlich den Haftbefehl überbracht und ihn ins Ilntersuchungsgefängnis abgeführt. Auch Torsten Kreuzer gehörte zu de» führenden Unternehmern Schwedens, wenn er auch nicht, wie fein Bruder, einen Milliardenkonzern beherrscht. Man schätzt den Kurswert der Aktienpakete, die sich in Kreuzers Besitz befinden, auch heute»och auf mehr als 199 Millionen Kronen. Seinem Konzern waren Banken(Südbank), Reedereien, Zeitungsbetriebe und auch verschiedene Produk- tionsunternehmen angegliedert. Die neuen Ent- hüllungen über Bilanzfälschungen und Konkurs- betrügereien werden selbstverständlich eine starke Erschütterung dieses Konzerngebildes zur Folge haben, die in Schwedens Gesamtwirtschaft neue Unruhe bringen muß. Mitgliedern(Kausleuten) in 5999 Orten Deutsch- lands angeschlossen. Die E d e k a- Z�e n t r a l e be- sorgt den gemeinschaftlichen Einkauf und führt die Verhandlungen mit anderen Wirtschaftsgruppen und mit den Behörden. Der Gesamtumsatz für die 28 999 Kaufleute wird für 1931 mit 1,8 Milli- arden Mark angegeben. Davon gingen 268 Mil- lionen über die 439 Genossenschaften und davon wieder 159 Millionen Mark über die Edeka-Zentrale. Zur Gosamtorganisation gehören noch eine Verlagsgesellschaft und die Edeka-Bank. In der gestrigen Feier im„C l o u", wo es hoch herging, wurde der Verbandsvorsitzende B o r r m a n n, der dem Verbände seit seiner Gründung leitend angehört, sehr gefeiert. In seiner Fest- und Kampfrede und in einer Entschließung fanden sich begrüßenswerte Feststellungen: die Ablehnung der Einfuhrkontingentierung: die Forderung, die deutsche Landwirtschaft durch -ArbeitsbeZchaffung Unternehmer für mehr öffentliche Aufträge Der Reichsvcrband industrieller Bauunternch- mungen bemängelt in einer Entschließung seiner Bonner Hauptversammlung, daß die im Wirt- schaftsprogramm der Reichsregie- rung geplanten öffentlichen Arbeiten weit unter dem Sachbedarf der öffentlichen Hand liegen. Er hält eine Erweiterung und eine Er- gänzung sowohl aus konjuukturpolitischen Gründen als auch im Interesse der Entlastung der Gemeindeetats von den Fürsorgelasten für not- wendig. Das Reich müsse den öffentlichen Körperschaften für eine Uebergangsperiode durch Gutscheine und Lohnpräm>en eine Hilfe gewähren. Dazu gehöre eine kurz- und mittel- fristige Finanzierung der in Angriff zu nehmenden Arbeiten. Verziehten, verzichten! Das Debakel der Kontingentspolitik Die Berliner Industrie- und Han- d e l s k a m m e r hat in einem Telegramm an den Reichskanzler den Verzicht auf die Kontingents- Politik verlangt. Der Außenhandelsver- band erklärt, daß durch die Kontingentspolitik Deutschlands politische Isolierung nie größer war als jetzt. Die Mißerfolge der Tomatenkommission zwingen zum Verzicht aus die ganze unglückliche Kontingentspolitik. fättkehSie schotv die. Heuek, JjawU-liei&ufmi Und die prämiierte Mischung? Lande beweist Ihnen, dass es möglich ist, die Qualität der Zigaretten zu verbessern und ausserdem eine solche geschmackvolle Beilage zu liefern. Natur_ IE: fermentiert Nazis als Lohndrücker �s�irexierimg senkt Arbeiterlöhne um 15 Prozent Erst mit Hilfe der Nazis konnte das Unter- nehmertum die L o h n d r o f f e l u n g e n der letzte» Jahre durchführen. Nun müssen die Nazis, während sie gegen die sogenannten„nationalen Kreise" in Deutschland nn harten Wahlkamgs stehen, mehr als bisher auf Arbeiter st im- men spekulieren. Aus rein wahltaktischen Gründen erklärt man deshalb, daß die Nazis Gegner jeden Lohnabbaus seien. In tausend Ver- sammlungen wird dieses Lied gesungen. Wie es wirklich gemeint ist, hat sich in O st- preußen gezeigt. Dort erklärten die Nazis, jeden landwirtschaftlichen Unternehmer aus der Nationalsozialistischen Partei ausschließen zu wollen, der den Landarbeiterlohn abbaut. Aber es ist bei der Ankündigung geblieben. Kurz nach der Ankündigung der Nazis wurden in Ost- preußen die Löhne der Hofgänger und Melker wiederum ganz erheblich abgebaut. Die nationalsozialistischen Landwirte Haben � diesen Abbau mitgemacht. Bis jetzt hat man aber nicht erfahren, daß sie aus der Hitler- Partei ausgeschlossen worden sind. Ein anderes Beispiel hat sich in M e ck l e n- burg-Strelitz ergeben, das feit geraumer Zeit mit einer Regierung„beglückt" ist, in der die Nationalsozialisten machen können, was sie wollen. Diese Regierung hat einen geradezu unglaublichen Vorstoß gegen die Lohn- und Ar- beitsbcdingungen der Forstarbeiter unternommen. In den Verhandlungen mit Ver- „Feinde des Volkes" Antwort an Papen Die Angestellten der Sozialversicherung haben gestern durch den Massenbesuch einer Kundgebung des Zentralverbandes der Angestellten in den „Alhambra-Festsälen" bewiesen, daß sie zu der Front derer gehören, die Herr von Papen, weil sie nicht hinter dieser Baronsregierung stehen, für„Feinde des deutschen Volks" er- klärt hat. Der Vorsitzende der Berliner Ortsgruppe des ZdA. legte den Versammelten dar, weshalb es die deutschen Unternehmer jetzt nicht mehr nötig haben, die nationalsozialistische Bewegung zu unterstützen. Man braucht eben keinen Gefreiten mehr mit einer irregulären Armee, wenn man einen General mit einer regulären Armee zur Verfügung hat. Die Regierung der Barone hat die sozialpolitischen Abbaumaß- nahmen durchgeführt, die man noch vor wenigen Monaten nur mit Hilfe der braunen Privatarmee Hitlers durchsetzen zu können glaubte. Sie hat durch rigorose Abstriche auf den ver- schicdensten Gebieten der Sozialversicherung d i e l'A Milliarden Mark eingespart, die sie jetzt den Privatkapitalisten zur Verfügung stellt. Warum soll das Unternehmertum nicht eine Regierung unterstützen, die die feste Absicht hat, mit allen sozialen Errungenschaften der Nach- kriegszeit gründlich aufzuräumen? Die Regierung hat zum Beispiel die Absicht, den Absatz 4 des § 84 des Betriebsrätegesetzes, der die Bestimmun- gen über den Einspruch bei Entlassun- gen wegen der unbilligen Härte enthält, für Be- Hörden und Verwaltungen außer Kraft zu trctern des Deutschen Landarbeitcrverbandes for- dcrte die Regierung in Mecklenburg-Strelitz: 1. Herabsetzung des Zeitlohns von S3 bzw. S2 Pf. auf 45 bzw. 44 Pf. 2. Entsprechende pro- zentuale Kürzung der Stücklöhne, was einer Kürzung um rund 15 Proz. gleich kommt. 3. Aufhebung der Vereinbarung, wonach die Festsetzung der Lohn- und Arbeitsbedingun- gen nach der in Preußen getroffenen Regelung zu erfolgen hat, und Rückkehr zur selbständigen Lohnfestsetzung Die nationalsozialistische Regierung begründet diese unglaublichen Forderungen damit, daß eine grundsätzliche Abkehr von den heute noch gezahlten politischen Löhnen unbedingt notwendig sei. Der Deutsche Landarbeiterverband hat die Naziregierung nicht darüber im Zweifel gelassen, daß die Arbeiter nicht mittun werden. So sind die Verhandlungen gescheitert. Der Schlichter hat nun das Wort. Die Naziregierung in Mecklen- burg-Strelitz hat aber von sich aus die Lohn- fenkungen vorgenommen, ohne daß die Leitung der Nazipartei in Mecklenburg-Strelitz gegen das Vorgehen der Naziregierung protestiert hätte. Nicht eine einzige nationalsozialistische Zeitung hat sich bereit gefunden, das Nötige über diesen Lohnraub der Naziregierung zu sagen. Die Landarbeiter, die Arbeiter überhaupt, wer- den sich daraus ihren Vers machen und am 5. November geschlossen gegen die Najis, für d i c Sozialdemokratische Partei stimmen. setzen, so daß der Entlassung politisch mißliebiger oder sreigewerkschastlicher Angestellter Tür und Tor geöffnet wird. Es wird dann nur noch kurze Zeit währen, bis diese Entlassungsschutzbestimmun- gen auch für Industrie und Handel ausgehoben werden. Unter der Regierung der Nazibarone wird es sicherlich nicht mehr lange ein Kündi- gungsschutzgefetz für ältere Angestellte, keine Der„Reichsanzeiger" vom 21. Oktober 1332 (Nr. 248) enthält eine neue Verordnung über die gewerbsmäßige S t e l l e n v e r m i t t- l u n g für A r t i st c n. Es heißt darin u. a., daß der Präsident der Reichsanstalt für Arbeits- Vermittlung und Arbeitslosenversicherung mit Wir- kung vom 1. November 1932 für die Vermittlung von Artisten die Erlaubnis zum Betrieb einer gewerbsmäßigen Stellen- Vermittlung erteilen kann. Wird diese Erlaubnis zum Gewerbebetrieb Personen erteilt, die nach dem Gesetz über die Entschädigung der gewerbsmäßigen Stellenvermittler vom 25. März 1931 einen Anspruch auf Kapitalsentschädigung haben, so erlischt dieser Anspruch mit der Erteilung der Erlaubnis. Kapitalsentschädigungen, die bereits gezahlt sind, hat der Stellenvermittler dem Reich zu erstatten. Der Reichsarbeitsminister kann nach Anhörung des Verwaltungsrats der Reichsanstalt den Zeitpunkt bestimmen, an dem die ge- werbsmäßigen Stellenvermittler, die auf Grund Knoppschoftsversicherung und kein Schwerbe- schödigtengesetz mehr geben, das den Namen Schutzgesetz zu Recht trägt, Gegen diese ungc- heuerlichen Pläne der Reaktion müssen auch die Angestellten der Sozialversicherung am 6. Novem- ber ihre Stimme in die Wagschale werfen, wenn auch an diesem Tage nicht die Hauptentschcidung in dem Ringen der sozialistischen Arbeitnehmer- schaft wegen des Umbaus der Wirtschaft fällt. Es gilt nach dem 6. November eine g e- waltige Volksbewegung für die sozialistische Idee zu entfachen, am Wahl- tage selbst aber durch die Stimmabgabe fü r L i st e 2 den regierenden Baronen zu zeigen, wen das deutsche Volk als seine Feinde be- trachtet. Kriegsbericht Die kommunistische Presse berichtete über eine Versammlung in Neu-Isenburg, die der KPD. und NGO. ihren Dank ausgesprochen habe für die Führung des Kampfes der Lederarbeiter in Neu-Isenburg anläßlich der Durchführung der Notverordnung. Der Gauleiter des Lederarbeiteroerbandes ging der Geschichte aus den Grund. Die Ortsverwaltung des Ver- bandes in'Neu-Isenburg bezeichnet es in einer von allen acht Vorstandsmitgliedern gezeichneten Erklärung als Schwindel, daß sie der KPD. und RGO. für die bewiesene Unterstützung des Kampfes der Belegschaft der Leder-Aktiengcscll- schaft Dank und Anerkennung ausgesprochen habe. Der Kampf der Lederarbeiter in Neu-Isenburg ist unter Führung des Deutschen Lederarbeiter- Verbandes Gau Hessen-Nassau, Sitz Offenbach am Main, eingeleitet und erfolgreich abgeschlossen und nicht von der RGO. organisiert und siegreich zu Ende geführt worden. Es ist ferner unwahr, wenn behauptet wird, der Gauleiter Kollege Büttner sei auf die Ein- ladung zu einer Belcgschastsversammlung nicht erschienen. In Wirklichkeit hat der Borstand des Verbandes in Neu-Isenburg mit dem Gauleiter Büttner ver- trauensvoll zusammengearbeitet. dieser Verordnung die Erlaubnis zum Gewerbe- betrieb erhalten haben, ihre Tätigkeit wieder ein- stellen müssen. Diese Bestimmung soll jedoch frühe st ens ein Jahr nach ihrem Erlaß in Kraft treten. Nach dieser neuesten Verordnung setzt sich der Reichsarbeitsminister über ein vom Reichs- tag beschlossenes Gesetz hinweg. Gerade im Artistenberuf hatten sich durch die gewerbsmäßige Stellenvermittlung skandalöse Mißstände herausgebildet. Und nun soll diesen gewerbsmäßigen Ausbeuter» der Artisten nicht nur ihr Handwerk wieder gestattet werden, man will ihnen sogar, soweit sie eine Entschädi- g u n g für die Einstellung ihres Gewerbes er- halten haben, die Rückzahlung dieser Eni- schädigung auf ein Jahr stunden. Die arbeits- losen Artisten aber, die man von der Sozial- gesetzgebung ausschließt, indem man sie zu„selb- ständigen Gewerbetreibenden" erklärt, können zu- sehen, wo sie bleiben. Nowerorönungsgeschenke Druck uuk die Arbeiterlöhne Wie die von der Regierung Papen notverord- ncten Einstellungsprämien miß- braucht werden, zeigt ei» Fall, der sich bei der Porzellanfabrik Grein er u. Herda, Oberkotzau bei Hos in Bayern, ereignet hat. Im genannten Betrieb waren vor Erlaß der Notverordnung 89 Personen beschäftigt, die 49 Stunden in der Woche arbeiteten. Die Wochenlohnsumme betrug 1699 M. Die Firma stellte 5 junge Mädchen von 16 Jahren und 3 Burschen im Alter von 17 bis 18 Jahren ein, wandte die Notverordnungsbestimmungen an und kürzte den Lohn. Die acht Neueingestelltcn werden nach Tarifsätzen bezahlt und erhalten einen Lohn für die Vierzigstundenwoche in Höhe von insgesamt 6 6 Mark. An Gesamtlohn wurde der Belegschaft aber nach den Bestimmungen der Notverordnung 83,39 Mark abgezogen. Die Firma bekommt demnach die Arbeits- leistung von 88 Personen in der Woche um 17,39 Mark billiger und dazu noch das Notverordnungsgeschenk von 61,69 Mark. Sie hat also einen Reinverdienst von 79 Mark und eine höhere Ar- b e i t s l e i st u n g. Da sie natürlich nicht daran denkt, ihre Waren im Preise zu senken, kann sie schmunzelnd den Gewinn in die Tasche stecken und dankt wahrscheinlich dafür den„christlichen" Grundsätzen der neuen Staatsführung in einem Stoßgebet. Gegen diese Art der Staatsführung sich zu wehren ist eine sittliche Pflicht. Negerküsse Zu unserer Notiz im„Vorwärts" vom Donners- tag früh erhalten wir von zwei der dort genannten Firmen, der Firma Dietrich K r ws e in der Holzmarktstraße, und der Firma Gräser in der Palisadenstraße, Erklärungen, in denen sie be- streitön, junge Mädchen zu elenden Löhnen zu beschäftigen. Die bei ihnen Beschäftigten erhielten in Wirklichkeit Löhne, die im Durchschnitt über den Tariflöhne» lägen. Nicht bestritten wird von beiden Firmen, daß lieberstunden gemacht werden. Sie begründen diese lieber- stunden jedoch mit der Eigenart der Betriebe, da es sich um sogenannte Stoßaufträge handle, die schnell erledigt werden müßten und wieder abgelöst werden von Zeiten der Flaute, wo gefeiert oder kurz gearbeitet werden müsse. Schließlich wenden sich beide Finnen energisch dagegen, daß man ihre alten und gutrenomniierlen Unternehmen als„Winkelbetriebe" bezeichnet. Dazu haben wir zu bemerken, daß es uns fern- gelegen hat, den beiden genannten Firmen vor- zuwerfen,„elende Löhne" zu zahlen. Das bezog sich nicht auf diese beiden Firmen. Es wäre im übrigen Sache der Gewerbeinfpektion, nachzu- prüfen, ob die Behauptung der beiden Finnen zutrifft, wonach Mehreinstellungen bei solchen Stoßaufträgcn nicht möglich seien. Leider ist unbestreitbar, daß die bei diesen Firmen beschäftigten Arbeiter selbst wohl die Hauptschuld an den Ueberstunden tragen. Sie befinden sich dort unter der Führung von Kommunisten, die es für höchst überslüssig halten, sich gcwerkschastlich zu organisieren und die bei der Firma Gräser es ausdrücklich ablehnen, aus Rücksicht auf ihre arbeitslosen Kameraden die Ueberstunden zu vermeiden Das ist die Frucht der kommunistischen Erziehung. Hierzu 2 Beilagen Herr Gchäffer verordnet „Sozialpolitik" für gewerbsmäßige Stellenvermittler Der„Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit". I Bezugspreise: Wöchentlich 75 Pf., monatlich 3,25 M. sdavon 87 Pf. monatlich fiir Zustellung ins Haus) im ooraus zahlbar. Postbezug 3,37 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitung, und 72 Ps. Postbestellgebllhren. Auslandsabonnemcnt S,Sö M. pro Monat! für Länder mit ermäßigtem Drucksachenporto 4,65 M. Bei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Ersatz. I Anzeigenpreise: Die einspaltige Willimeterzeile 30 Pf.. Reklainczcile 1,50 M.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte Uber 15 Buchstaben zählen fllr zwei Worte. Arbeitsmarkt Mlllimeterzeile 25 Pf. Familienanzeigen Millimeterzeile 16 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft, Lindcnstr. 3, wochentäglich uon 8>/h bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor./ Verantwortlich sllr Politik: Richard Schwartz; Wirtschaft: 8. Klingelhiiser; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steinet; Feuilleton: Herbert Lepsre; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstädt; Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin. I Verlag: Vorwärts-Berlag®. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts» Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68. Lindenstr. 3. Groß-Berlin Einsendungen für diese Rubrik sind Vi fl stets an das Bczirkssekrctaria. verlin SW 68, Lindcustraße 3, 2. Hof, 2 Treppen rechts,»u richten Llnsere Nächstenpartei- und Betriebsveranstaltungen „Tie Sozialdemokratie im 5iampf gegen kapitalistische Verelendung, fiir sozialistischen Ausbau." 122u Abt. Biesdorf-Tüd. Sonnabend, 22. Oktober, 29 Uhr, bei Döhring, Biesdorf-Süd, Köpenicker Straße 195/197, Kundgebung.„Unser Kampf gegen die Reaktion." Referent Paul Schaffer. Afü-Arbeiter beim Bezirksamt Prenzlauer Berg. Sonnabend, 22. Oktober, 19 Uhr, öffentliche Wählerversamm- lang im'Altersheim Danziger Straße 62.„Unser Kampf für die Rechte der Arbeiterklasse." Referent Karl Hetzschold. Wcrbeausschust der SPT. im Bezirk Friedrichshain. Sonntag, 23. Oktober, vormittags 11 Uhr, im Concordia- Palast, Andreasstraßc 64, politisches Matine. Eine Kund- gebung zur Reichstagswahl am 6. November. Politische Ansprache Bürgermeister Mielitz. Rezitationen: Martha John. Gesang: Ebert-Manz-Ouartett. Kollektiv des R. V. Vorwärts. Eintritt 49 Pf. l1?. Kreis Lichtenberg. vonntog, 23. Oktober, vormittags 11 Uhr, Sondervorstellung in den Kosmos-Lichtspielen, Lichtenberg, Lückstr. 79. Vor- führung des Filmes„Niemandsland". Ansprache der Genossin Lisa Albrecht. Eintritt 49 Ps., Erwerbslose 29 Pf. 7. Kreis Charlottenburg. Montag, 24. Oktober, 29 Uhr, im Türkischen Zelt, Charlotten- bürg, Berliner Straße 53, öffentliche Frauenkundgebung. „Gegen Reaktion und Unterdrückung— fiir Frieden und Freiheit". Reserentin Marie Juchacz, M. d. R. Fahnen- einmarsch, Rezitationen. Eintritt srci. 6. Kreis Spandau. Montag, 24. Oktober, 29 Uhr, Unterhaltunasabend fiir Er- werbslose in Kochs Festsälen, Spandau, Feldstr. 52. Referent Arthur Erispien, M. d. R. Musik, Rezitationen, Gesang. 12. Kreis Steglitz. Montag, 24. Oktober, 1914 Uhr, Frauen-Werbeveranftaltung in Lehmanns Festsälen, Lankwitz, Kaiser-Wilhelm-Str. 29/31. „Kampfbereit fllr Liste 2." Ansprache Paula Kurgaß. Rezitationen Martha John. Fahneneinmarsch. Musikkapelle der SAJ.-Neukölln. 133. Abt.«uchholz. Montag, 24. Oktober, 29 Uhr, bei Kaehne, Buchholz, Berliner Straße 39, öffentliche Kundgebung.„Unser Kampf gegen die Reaktion." Referent Rudolf Wissell, M. d. R. 11. Kreis Schöneberg. Dienstag, 25. Oktober, 29 Uhr, Frauen-Wahlkundgebung im Piccadilly, Schöneberg, Ebersstr. 89.„Gegen Ausbeutung und Not— für Sozialismus, Freiheit und Frieden." Referentin Käthe Kern, Rezitationen Elfriede Wollmann, Fahnen- einmarsch. 17. Kreis Lichtenberg. Dienstag, 25. Oktober, 1914 Uhr, Kundgebung in der Schulaula Lichtenberg, Schlichtallee(an der Hauptstraße).„Unser Kampf gegen die Reaktion." Referent Karl Litkc, M. d. R. 33. Abt. Dienstag, 2-5. Oktober, Igle Uhr, Wählerkundgebung in der Alten Taverne, Alt-Stralau 23— 26.„Unser Kampf gegen die Reaktion." Referent Stadtrat Karl Mermuth. 59. Abt. Spandau. Dienstag, 25. Oktober, 29 Uhr, Wähleroersammlung im Paradiesgarten, Spandau, Seeaefelder Straße 54/55.„Unser Kampf gegen die Reaktion." Referent Dr. Otto Friedländer. 86. Abt. Mariendorf. Dienstag, 25. Oktober, 1914 Uhr, Kundgebung in der Aula der Eckener-Oberrealfchule Maricndorf, Kaiser- Ecke Rathausstraße. „Unser Kampf gegen die Reaktion." Referent Bernhard Göring. BVG. Bahnhof«. Tegel. Dienstag. 25. Oktober, 1914 Uhr, bei Tornow, Tegel, Schlieper- Ecke Treskowstraßs, Belegschaftsversammlung.„Unser Kamps gegen die Reaktion." Referent Max Briniger. 3. Kreis Wedding. Mittwoch, 26. Oktober, 1914 Uhr, 5 öffentliche Wähleroer» sammlungen in folgenden Lokalen: Löwenbrauerei, Hoch- Ecke Badstraße. Referent Lorenz Breunig. Oberer Saal der Atlantiksäle, Behmstraßc, am Bahnhof Gesundbrunnen. Rese- rent Hans Gottfurcht. Unterer Saal der Atlantiksälc. Rese- rent Stadtrat Karl Mermuth. Pharussäle, Müllerstr. 142. Referent Bürgermeister Paul Mielitz. Hochschulbrauerei, Amrumer Ecke Seestraße. Referent Dr. Hermann Schützinger. 88. Abt. Mittwoch 26. Oktober, 1914 Uhr, öffentliche Wählerkundgebung in den Residenz-Festsälen, Landsberger Str. 32. Rese- rent Erich Kuttner, M. d. L. 39. und 49. Abt. Mittwoch, 26. Oktober, 29 Uhr, Wählerkundgebung im. Ceciliensaal der Kammersäle, Teltower Str. 1— 4. Referent Richard Barth. 42. Abt. Mittwoch, 26. Oktober, 29 Uhr, Kundgebung in Klein? Fest- sälen, Blücherstr. 61. Referent Bruno Woyda. 43. Abt. Mittwoch, 26. Oktober, 29 Uhr, Kundgebung in Rabes Fest- sälen, Fichtestr. 29. Referent Heinrich Schliestedt. 44., 45. und'48. Abt. Mittwoch, 26. Oktober, 19'A Uhr, öffentliche Wählerkundgebung im Deutschen Hof, Luckauer Str. 15. Referent Karl Litke, M. d. R. 82. Abt. Steglitz. Mittwoch, 26. Oktober, 29 Uhr. im Parkrestaurant Südende Wählerkundgebung. Referent Arthur Erispien, M. d. R- 99. Abt. Britz. Mittwoch, 26. Oktober, 19 Uhr, öffentliche Wählerkund- gebung bei Becker, Britz, Chaussecstr. 97. Referent Otto Tost. 198z. Abt. Köpenick. Mittwoch, 26. Oktober, 191- Uhr, Kundgebung bei Seidler, Uhlenhorst, Mahlsdorfer Straße. Referent Dr. Helmut Klotz. 128. Abt. Pankow. Mittwoch, 26. Oktober, 19)4 Uhr, Kundgebung im Gesell- schaftshaus, Pankow, Berliner Str. 192. Referent Dr. Otto Friedländer. Versammlung der Eisernen Front der Anstalten Herz- berge und Wuhlgarten. Mittwoch, 26. Oktober, 29 Uhr, bei Tempel, Lichtenberg, Gudrunstr. 7. Referent Ludwig Diederich.