Abend-Ausgabe Nr. 500 B242 49. Jahrg. RebakNon unb Verlag, Berlin 8� 68. Linöenstr. 3 Fernsprecher: A7 Amt Dönhoff 292 bis 297 Telegrammadresse: Sozialdemokrat Berlin BERLINER VOLKSBLATT SONNABEND 22. Oktober 1932 In Groß- Berlin 1 9 Pf. Auswärts....... 10 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe am Schluß des redaktionellen Teils Jentvalovga« der Sozialdemokratischen Oartei Deutschlands Nie Preußenkasse als Reichsanstalt Heute wd die Notverordnung herausgegeben Neumanns Sturz „Kapitulation vor SPD." gerade noch verhindert! „Unter stürmischem, minutenlangem Beifall" ist nach dem Bericht der„Roten Fahne" auf der kommunistischen Parteikonferenz der Ausschluß S i n o w j e w s aus der russischen Partei verkündet worden. Nicht geringer scheint die Begeisterung für die Maßregelung Heinz Neumanns gewesen zu sein. Die Kommunisten sind fürwahr ein merkwürdi- ges Volk: wenn sie ihre Führer los werden, jubeln sie! Wenn erst einmal Stalin und T h ä l m a n n abgesägt werden, was wird es da für ein Fest geben! Dem armen Heinz werden jetzt in der „Fahne" alle seine Sünden vorgerechnet. Es ergibt sich, daß er wirklich schlimme Eseleien begangen hat. So hatte er die Formulie- rung geprägt, daß mit der Regierung Brüning der Faschismus bereits da sei, und von ihm stammt die idiotische Parole: „Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft!" Die„Rote Fahne" sagt jetzt sehr richtig, daß diese Formulierungen und Parolen den Kampf gegen den Faschismus a b g e- Achtung! Wahlschwindel! In den Straßen Verlins wird für Z Pf. das Stück ein Wisch verkauft, der sich der„Rote Vorwärts" nennt und vorgibt, Diskussions- organ einer„sozialdemokratischen Opposition" zu sein. Die Verkäufer machen sich eines B e- trug es schuldig, da es sich um ein kom- munistisches Schwindelflugblatt hau- delt, das nicht einmal einen halben Pfennig wert ist, geschweige denn jllnfl schwächt und Tendenzen des individuellen Terrors gefördert hätten. Genau dasselbe hat der„Vorwärts" schon damals gesagt, und die„Fahne" hat ihn deshalb einen krummen Hund gescholten. Immerhin, er braucht sich dafür wenigstens nicht jetzt selbst zu ohrfeigen, wie es die„Rote Fahne" mehrfach und heftig tut. Abgesägt worden ist aber der arme Heinz nicht wegen seiner Eseleien, sondern— das wurde schon heute morgen hier gesagt— wegen seiner lichten Augenblicke. Wie man erst jetzt erfährt, gibt es in der KPD. Leute. die nicht hundertprozentig den Unsinn glau- den, daß die sozialdemokratische Opposition nur„ein linkes Betrugsmanöver" fei. Dem armen Heinz selbst scheinen Zweifel daran gekommen zu sein, ob die SPD. wirklich nichts anderes sei, als ein gekaufter Agent der Bourgeoisie. Das ist aber die These, die jetzt hundertprozentig geglaubt werden muß. Die Esel, die sie predigen, werden erst das nüchstemal aus der KPD. herausge- warfen! In welchen Gefahren die KPD. geschwebt hatte, war der Oeffentlichkeit völlig mibe- kannt geblieben. Man erfährt es jetzt mit Staunen und Grausen, wenn die„Rote Fahne" schreibt: Gegen jedes rechtsopportunistische Abgleiten, gegen jede Kapitulation vor der SPD.- und ADGB.-Führung sowohl in den Betrieben, als auch innerhalb der Gewerkschaften ist daher ebenso wie gegen jede sektiererische Isolierungs- Politik der entschiedenste Kamps zu führen. Es gab also, gibt vielleicht heute noch in der KPD. Leute, die vor der SPD., der sozialfaschistischen Agentin der Bourgeoisie. kapitulieren wollen! Schlimm, schlimm! Aber, daß es Millionen Ar- beiter gibt, die dieses blöde Affentheater noch ernst nehmen. das ist das Allerschlimmste! Die Notverordnung über die Preußenkasse wird heute erlassen. Das Unrecht, mit dem das Reich damit über preußische Staatsrechte und preußischen Staatsbesitz verfügt, ist vom„Vor- wärts" immer wieder gegeißelt worden. Durch die Notverordnung wird die Preußische Zentral- genossenschaftskasse zu einer R e i ch s a n st a l t ge- macht. Nach unserer Kenntnis folgen noch zwei weitere Verordnungen mit den neuen Großsubventionen von iOO bis 500 Mil- Hitler Fiasko in Oftpreußen Volles Absacken der Begeisterung Aus Ostpreußen wird uns geschrieben: Hitler hielt in der letzten Woche in Ostpreußen eine Anzahl Versammlungen ab, deren Besuch den katastrophalen Rückgang der Nazibewegung im Osten deutlich dokumentierte. Im„Haus der Tech- nik" in Königsberg blieben viel« hundert Sitzplätze unbesetzt, trotzldem auf Lastautos aus nah und fern alles aufgeboten war. In I n st e r- bürg waren etwa 700 Personen anwesend, meist von auswärts auf Autos herangeholt. Als Hitler im Saal erschien, tönte von der Decke herab aus einer vergitterten Ventilationsöfsnung die Stimme des wegen Meuterei abgesetzten Insterburger Sturmsührers, der sich über den ostpreußischen Gauleiter Koch bitter beschwert« und von Hitler Remedur forderte. Nach kaum viertelstündiger Rode, die ollgemein enttäuschte, verschwand Hitler wieder im Auto, ohne daß ihn die vor dem Lokal aufmarschierten SA.-Leute zu Gesicht bekommen hätten, weil er aus Attentatsfurcht das Lokal durch einen versteckten Nebeneingang betreten und ver- lassen hatte. In E l b i n g hatten die Nazis mit 12 000 Besuchern gerechnet, erschienen waren ober nach dem Bericht der rechtsstehenden„Elbinger Zeitung" nur 5000 Menschen. Das ostpreußische Naziblatt, die„Preußische Zeitung", macht 9000 daraus und der„Völkische Beobachter" in München schwindelt gar von 25 000 Besuchern! Nicht nur in den Städten, sondern besonders auch auf dem Lande ist in Ostpreußen Hitlers Stern im Sinken. Bei den Bauern haben die Terroratte nach der Iuli-Wahl den Nazis sehr geschadet, ebenso Hitlers „Mes-oder-Nichts-Po?itik" Der ganzen Nazi- bewegung in Ostpreußen fehlt jetzt der Elan und man recbnet mit einem starten Stimmenrückgang. Ganze Dörfer, die noch im Sommer für Hitler waren, wollen nichts mehr von ihm wissen. lionen für die Genossenschaften, d. h. hauptsäch- lich für die Besitzerhaltung der Großagrarier. Der Wortlaut der Verordnung ist bei Re- daktionsschluß noch nicht bekannt. Aus ihrem Inhalt folgendes: Die Preuhenkasse wird Reichsanstalt mit finanzieller Beteiligung Preußens. Die Aufsicht liegt beim Reichsfinanzniinistc- rium. Das Kapital beträgt 100 Millionen Mark. In 85 Millionen teilen sich das Reich und Preußen je zur Hälfte und geben je 2%. Millionen Mark Anteile an die R e n t e n b a n t- kreditanstalt. Diese wird also nicht, wie es anfangs hieß, mit der neuen Anstalt verschmolzen. Die Genossenschaften sind mit 15 Millio- nen beteiligt. Die nicht eingezahlten Antelle der Genossenschaften bei der alten Preußenkasse werden g e st r i ch e n. Das Wichtigste sind die Bildung und die Voll- machten des H a u p t a u s s ch u s s e s, der aus 25 Mitgliedern bestehen und die entscheiden- den Verwaltungsbefugnisse haben wird. Von sechs Staatsoertretern ernennt das Reich drei und Preußen drei. Das Reich ernennt ferner drei Sachverständige für Kreditwesen und drei Sach- verständdige für Genossenschaftswesen. Dem Ausschuß gehören ferner an ein Reichsbankver- treter, ein Vertreter der Rentenbankkreditanstalt, Genosse Kurt Heinig hat dem Staatssekretär Planck auf sein bekanntes Schreiben vom 21. Oktober folgendes geantwortet: Schr geehrter Herr Staatssekretär! Besten Dank für Ihren Brief. Leider verbinden Sie Ihre Darstellung mit einer polemischen Be- merkung über frühere Reichsregierun- gen, die ich schon deswegen ablehnen muß, weil ich weiß, daß Vermutungen, die von verantwort- licher Stelle ausgesprochen werden, in der Wahl- agitation als feststehender Beweis zur Ver- unglimpfung des politischen Gegners benutzt werden. Da ich den Pflichteifer genau kenne, mit dem Sie früheren Regierungen gedient haben, bedauere ich besonders, daß gerade Sie mit jener Bemerkung solche politische Scheidemünze ösfent- lich in Umlauf gesetzt haben. Sie oersichern mir, daß weder der Geheimfonds des Ministers des Auswärtigen noch der des Reichswehrministers, noch der Fonds zur Förde- rung des deutschen Nachrichtenwesens im Ausland „von Rechts wegen" mit der deutschen Presse „irgend etwas zu tun haben dürfe". Das Recht ist in Deutschland— von der Reichsversassung angefangen bis zur Reichsschuldenordnung— in den jüngst vergangenen Monaten so schwer miß- handelt worden, daß mir seine Anrufung nicht durchschlagend beweiskräftig erscheint. Die Wahr- heit könnte nur durch ernsthaste Rechnungs- Prüfung jener Fonds ermittelt werden, aber dieser sind sie ja auch heute grundsätzlich entzogen. Im übrigen ist der Begriff— Nachrichtenwesen im Ausland— wie Sie selbst wissen, nur eine der Präsident der Anstalt und zehn Genossen- schaftsvertrcter. Der Widerspruch zwischen der kapitalmäßigen Verpflichtung und den Mit- bestimmungsrechten Preußens ist flagrant. Der Hauptausschuß bestellt die Mitglieder des Direktoriums im Benehmen mit der Reichsregierung. Der Präsident wird nach Anhörung des Ausschusses von der Reichsregie- rung ernannt. Die Reichsregierung hat das Recht der Abberufung und kann auch im Staatsinteresse Beschlüsse des Ausschusses und des Präsidenten inhibieren. Tfr Wie wir weiter erfahren, werden die Notver- ordnungen über Preußenkasse und Genossenschasts- Hilfe heute vom Reichspräsidenten unterzeichnet und spätestens am Montag im „Reichsgesetzblatt" veröffentlicht. Die beiden zu- sätzlichen Verordnungen über die E r w e i t e- rung der O st Hilfe und die Sanierung des Genossen schaftswesens im Reich treten gleichzeitig in Kraft. Der neue Geldaufwand soll 250 Millionen betragen und zum Teil von der Reichsbank, zum Teil vom Reich in Schatzwechseln zur Verfügung gestellt werden, deren Tilgung 1936—1938 im Etat vorgesehen werden soll. Zweckbestimmung und keine Grenzziehung. Bei meiner Feststellung im„Vorwärts" kam es mir aber nicht darauf an, formalistisch nachzu- weisen, daß der Herr Reichskanzler bei seiner Aussage nur zwei Titel des Reichshaushaltes aufzählte, die./überhaupt für die Presse(Inlands- presse) in Frage kommen könnten", während es in Wirklichkeit nach wie vor deren fünf sind. Ich wollte damit sachlich mehr sagen und möchte das jetzt, weil Sie das wohl übersehen haben, noch unterstreichen. Niemals feil 13 Jahren hat irgend eine Reichs- regierung so viel unkonlrollierte Mittel, Mög- lichkeiten und Hilfsquellen zur Verfügung gehabt, wie infolge ihrer großzügigen Sa- nierungs- und Subvenlionierungspolitik die gegenwärtige Reichsregierung. Durch die Ausschaltung des Reichstages, durch die Zurllckdrängung des bedeutsamen Einflusses, den der Rechnungshof des Deutschen Reiches und die Reichsschuldenverwaltung unter früheren Re» gierungen durch das Parlament eingeräumt be- kommen hatten, stehen jetzt dem Kabinett v. Papen neben dem offiziellen Haushalt materielle Be- lvegungsmittel in Milliardengröße tat- sächlich ohne Gegenkontrolle zur Verfügung. Sie sind bald schon ein ganzer Haushalt neben dem offiziellen Reichsetat. Die große Presse und ihre Verlage gehören heute zum Kundenkreis derjenigen Danken, die jetzt vom Reich beherrscht oder beschirmt werden. Die vielfachen, vom Reiche mitgegründeten oder titacyeto lebziee To# zur Einsichtnahme in die Wählerlisten. Prüfe jeder selbst die Liste und mache auch Freunde darauf aufmerksam, daß morgen der letzte Tag zur Einsichtnahme ist. Jeder, der nicht in der Stimmliste aufgeführt ist, i/e-dUd stiu StwMMecUi! Heinig antwortet Planck Die Finanzgebarung der Reichsregierung Der Kronzeuge gegen Klepper Ein deutschnationaler Journalist am Pranger mitgehaltenen Hilfsinstitutionen und sonstigen Finanzierungsapparate ergeben die bedenklichsten Verknüpfungen von Beziehungen und Geschäften. Alles ist Einflußsphäre und auch materielle Wirtungskraft der Reichsregierung. Dazu kommt, daß auch die jetzt geübte Re- gierungspraxis bei jedem objektiv um das Schick- sal der Reichsfinanzen besorgten Beobachter tieffte« Mißtrauen erwecken muß. Den fertig gedruckten Reichshaushaltsplan 1932 hat das Kabinett Papen dem Reichstag vorent- halten. Es hat sogar die nicht einmal von ihr zu verantwortende Haushaltsrechnung 1931 dem Parlament nicht zugehen lassen, obwohl sie rechtzeitig vollständig vorhanden war. Sie hat es auch oermieden, Ueberfichten über die Beteiligungen des Reiches, über Garan- tien, Bürgschaften, Darlehen und Kredite dem Haushaltsausschuß des Reichs- tages zugehen zu lassen, die von früheren Re- gierungen immer vorgelegt wurden. Die der- zeitige Reichsregierung verhindert systematisch den Einblick in ihre materielle Geschäftsführung. Das neue System geht zwangsläufig und wohl auch bewußt den Weg der autoritären Haushalts- gebarung und der machtpolitischen Bewirtschaftung der heute riesenhaften außeretatlichen materiellen Interessen des Reiches. Deswegen hat der preußische Unterfuchungs- ausschuß nach meiner Ueberzeugung den Herrn Reichskanzler in der falschen Richtung befragt, was aber nach wie vor nichts daran ändert, daß feine Antwort auf die an ihn gestellten Fragen— soweit der Reichshaushalt in Betracht kam— nach meiner festen Ueberzeugung nicht er- schöpfend gewesen ist. Auch ich werde diesen Brief der Oeffentlichkeit übergeben, sobald Sie ihn erhalten haben. Ob allerdings die Ihrer Regierung gesinnungsmäßig nahestehenden Zeitungen, die Ihre Vermutung gegenüber früheren Regierungen saftig auegenutzt haben, meine Erwiderung veröffentlichen werden, wage ich zu bezweifeln. Mit größter Hochachtung Kiurt Heinig. V. Sdl. und Hochzeitsbier Schon wieder ein Verrat der SPD. Ein neuer Verrat der verruchten SPD. wird von der„Roten Fahne" enthüllt. Unser Koburger Parteiblatt hat zwei Versammlungen mit Genossen Viktor Schiff angekündigt und auf derselben Seite ein bezahltes Inserat gebracht, in dem das Hofbrauhaus Koburg auf die Vorzüglichkeit seines Gustaf- Adolf- Sibylla- Hochzeits- b i e r aufmerksam macht. Die Sache ist der„Fahne" so wichtig, daß sie ihr f a st eine h a l b e S e i t e ihres wertvollen Raumes widmet. Wir jedoch, verdorben wie wir sind, meinen, die Geschäftsführung unseres Ko- burger Blattes hätte. geradezu Prügel oerdient, wenn sie auf das Bierinserat verzichtet hätte. Und nun hat wieder die„Fahne" das Wort. Drakonische Sowjetjusiiz. Sechs Angestellte des Schuhwerks„Skorochod" wurden in Leningrad wegen Diebstahls von 1990 Paar Schuhen zum Tode verurteilt. Das Gericht erklärte, dieses Urteil müsse endlich beweisen, daß die Regierung keinen Diebstahl staatlichen Eigentums zulasse. Die Verurteilten haben telegraphisch um Be- gnadigung gebeten. Ausschnsidsn! In dem sogenannten.Llepper-Ausschuß" des Preußischen Landtages hat die chugen- berg-Hitler-Gruppe einen Ueberumpe- lungserfolg zu erzielen gesucht, indem sie am letzten Tage der Verhandlung einen oeutschnationalen Journalisten F r i t h j o f M e l z e r vernahm, der behauptete, Mi- nister Klepper habe ihm ein Bestechungs- angebot gemacht. Eine sofortige Gegenüber- stellung Kleppers mit dem Kronzeugen hat der Ausschuß mit Stimmengleichheit ab- gelehnt. Klepper hat jetzt an den Ausschußoor- sitzenden Z u b k e(dntl.) folgenden Brief gerichtet, den er gleichzeitig der Presse übergibt: Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt! Wie ich dem übereinstimmenden Bericht der Presse entnehme, hat der Herausgeber der„Landwirt- schaftlichen Wochenschau", Herr F r i t h j o f M e l- zer bei seiner gestrigen Vernehmung vor dem XXI. Ausschuß des Preußischen Landtags aus- gesagt, er habe mich bei«inem Abendessen der Deutschen Rentenbank-Kreditanstalt kennengelernt und neben mir gesessen. Herr M e l z e r hat wei- ter behauptet, ich habe ihm gelegentlich dieser Tischunterhaltung einen Kredit ohne Sicher- heiten angeboten, ein Angebot, das er nur als Bestechungsversuch habe bewerten können. Auf Borhalt hat Herr Melzer dann aus- geführt, die ausdrückliche Zurückweisung dieses Be- stechungsversuches habe er aus Gründen der Höf- lichkeit gegenüber dem Gastgeber unterlassen: er sei auch späterhin nicht ausdrücklich auf die An- gelegenheit zurückgekommen, habe sich das viel- mehr für eine besondere Gelegenheit aufgespart. Den Verkehr mit mir will Herr Melzer je- doch aus Gründen der Sauberkeit nach dem Vor- Aus der großen Zahl der Naziraufbold«, die am ß. Oktober d. I. in der deutfchnatio- nalen Versammlung in der Neuen Welt zu Ehren der Harzburger Front eine Saalschlacht veranstaltet haben, standen bereits am Sonnabend morgen vor dem Sondergericht zwei SA.-Burschen im Alter von 18 Jahren und zwar der Arbeiter Schäfer und der Lehrling Willke. Die Anklage legt den beiden Burschen zur Last, daß sie durch Zurufe planmäßig darauf ausgegangen seien, die Versammlung zu sprengen und außerdem sich der gemeinschaftlichen Körper- Verletzung haben zuschulden kommen lassen. Natürlich werden sie zu Unrecht beschuldigt. Nicht sie haben angegriffen, sondern sie sind selbst angegriffen und unschuldigerweise böse zugerichtet worden. Der Angeklagte Schäfer erzählt, daß er nur mit dem Angeklagten Willke zur Versamm- �ussotmsldon! fall auf das dienstlich notwendige Maß beschränkt haben. Da mir der Ausschuß bisher leider keine Ge- legenheit gegeben hat, mich auf dem Wege einer Zeugenaussage zu diesen absurden Unterstellungen zu äußern, bitte ich Sie als Vorsitzenden, die folgende Erklärung dem XXl. Ausschuß zur Kenntnis zu bringen: Die Behauptung des Herrn Melzer, ich hätte ihm einen Kredit angeboten, ist unwahr. Die Behauptung, ich hätte die Bekanntschaft mit Herrn Melzer gelegentlich einer Tischunterhaltung mit einem Bestechungsversuch eingeleitet, ist so grotesk, daß ich meine Richtigstellung nicht näher zu begründen brauche. Ebenso grotesk ist d'e Auffassung, der Gastgeber habe es als un- höflich empfinden können, wenn Herr Rlelzer den angeblichen Bestechungsversuch alsbald zurückgewiesen habe. Schließlich ist das nachfolgende Verhalten des Herrn Melzer eingänzlichandsres gewesen, als er es in seiner Zeugenaussage behauptet. Kurze Zeit, nachdem Herr Melzer und ich uns kennengelernt hatten, nämlich am 27. November 1929, richtete er an mich einen Brief, in dem er erklärt, er würde m'r dankbar sein, wenn ich einem früheren Mitarbeiter von ihm eine Be- schäftigung verschaffen könnte. Am 22. Januar 1939 erhielt ich von Herrn Melzer ein weiteres Schreiben, in dem er mir mitteilte, daß die„Landwirtschaftliche Wochenschau" anläßlich des 2öjährigen Jubiläums des„Kurzen Wochenberichts der Preisberichtsstells beim Deutschen Landwirtschaftsrat" eine Fest- Dazu kommt, daß auch die jetzt geübte Re- gierungspraxis bei jedem objektiv um das Schick- nummer herauszugeben beabsichtige, die Aeuße- rungen„der führenden Agrarpolitiker" enthalten solle. Er fährt fort: lung in die Neue Welt gegangen sei. Als es dann im Saal zu einem Tumult kam und alles auf die linke Seite des Saales hinüberlief, seien er und Willke ruhig auf der rechten Seite ge- blieben. Als der Saalschutz auf sie zustürmte, glaubte er, sich in Abwehr zu befinden, erhob einen Stuhl, wurde aber zu Boden geschlagen und später, als er sich erhob und davonlief, noch ein- mal gepackt. Nunmehr kommt es zu einem Zwischenfall. Als Landgerichtsdirektor Dr. T o l k den Angc- klagten, der zugibt, daß er selbst Gelegenheit ge- habt habe, am nationalsozialistischen Saalschutz teilzunehmen, fragt, ob es nicht ganz in Ordnung gewesen sei, daß in diesem Falle der deutfchnatio- nale Saalschutz versucht habe, Ordnung zu schaffen, gibt der Angeklagte eine unzureichende Antwort. T o l k: Sie haben mich wohl mißverstanden? R.-A. Deutschmann: Der Angeklagte hat Sie sehr gut verstanden. T o l k: Bitte unterbrechen Sie mich nicht. R-A. Deutschmann: Sie haben den Angeklagten unterbrochen. Ich muß ihn gegen diese Unterbrechung in Schutz nehmen. T o l k: Sie haben den Angeklagten hier gar nicht gegen mich zu schützen. Ich verbitte mir das. R.-A. Deutschmann: Sie haben sich gar nichts zu verbitten. T o l k: Das ist unerhört. Ich werde die Sitzung aufheben und die Ver- Handlung auf Ihre Kosten vertagen. Nachdem man sich beruhigt hat, schildert auch der Angeklagte Willke seine Teilnahme an der Saalschlacht. Auch er hat nur einen Stuhl ergriffen, um die anderen Stühle abzuwehren. Der erste Zeuge, Polizeihauptmann Schmidt. erkennt beim Betreten des Saales den Ange- klagten Schäfer sofort wieder. Auf Befehl der Inspektion Neukölln hat er die Versammlung in Zivil beigewohnt. Als die Ralionalsozialisten auf ihre Gegner mit Stühlen losgingen, ergriff auch der An- geklagte einen Stuhl. Der Angeklagte Schäfer wandte sich gegen den Zeugen und rief:„Raus mit dem Kerl. Schläge hat der Hauptmann nur von seinen eigenen Leuten mit dem Gummiknüppel erhalten!" Auch der zweite Zeuge erkennt im Angeklagten Schäfer denjenigen wieder, der mit dem Stuhl losge- gangen ist. Das Urteil ist erst in den Nachm'ttoasftunden zu erwarten. Hälft du deinen Eid- so werde ich auch meinen halten! In einer Wählerversammlung der Nazis in Berlin sprach am Freitag— nach einem Bericht der TU.— der Reichstagsabgeordnete Wagner- Bochum die— Erwartung aus, daß der Reichspräsident sich nicht dazu hergeben werde, Pläne zu fördern, die ganz offen einen Bruch des auf die Verfassung geleisteten Eides dar- „Dafür bitte ich in wenigen Zeilen Ihre kurz« Aeußerung mit der Erlaubnis, sie in der Festnummer bringen zu dürfen." Der Brief schließt mit den Worten: „Mit dem Ausdruck der vorzüglichsten Hochachtung zeichne ich als Euer Hochwohl- geboren stets ganz ergebener Melzer." Am 25. Februar 1930 sprach Herr Melzer mir seinen„ergebensten Dank für meine gütige und wertvolle Mitwirkung" aus. Mitte Januar 1931 teilte mir Herr Melzer einen Todesfall in seiner Familie mit Am 25. März 1931 zeigte mir Herr Melzer die Ge- burt'eines Zwillingpaares an. Diese Familien- anzeigen erwähne ich deshalb, weil außer jener Tischunterhaltung und einer Reihe von d i e n st l i ch e n Besprechungen keinerlei Verkehr zwischen Herrn Melzer und mir statt- gefunben hat. Am 19. April 1931 versichert mir Herr Melzer anläßlich einer sachlichen Korrespondenz, er lege „Wert auf ein offenes und ehrliches Verhältnis" zu mir. Die Schlüsse daraus, ob das hier geschilderte Verhalten des Herrn Melzer.seine Behauptung, er sei von mir bei dem ersten Bekanntwerden durch einen Bestechungsversuch beleidigt worden, glaub- hast macht, glaube ich dem Ausschuß und der Oefentlichkeit überlassen zu dürfen." Man sieht, daß die Kronzeugen der Re- aktion von ganz besonderem Charakter sind. Jemand der sich durch ein„Bestechungsan- gebot" angeblich beleidigt fühlt, schreibt dem Anbietenden herzlich-untertänige Briefe und schickt ihm die privatesten Familienanzeigen. Wie müßte der Mann sich erst benehmen, wenn er wirklich„beleidigt" worden wäre? stellten. Solange das deutsche Volk darüber wache, daß der Eid, den der Reichspräsident und die Reichsregierung auf die Verfassung geleistet haben, gehalten werde, so lange gelte für die RSDAP. jener Eid, den Hitler vor dem Staats- gerichtshof in Leipzig ablegte. Es müsse schon heute vor dem ganzen deutschen Volk und vor der Geschichte die Schuld festgelegt werden, die auf das Konto desjenigen falle, der bewußt und offen den beschworenen Eid auf Verfassung und Gesetze als erster zu brechen beabsichtige. Heißt ein Hände l mit Verfassungseiden! Harzburger Keilerei Eins deutschnationale Versammlung in Pots- dam mit dem Reichstagsabgeordneten Schmidt- Hannover als Redner endete mit einer kräftigen Keilerei. Ueberaus zahlreich hatten sich National- sozialisten in der Versammlung eingefunden. Schmidt-Hannover setzte sich, durch zahlreiche Zwischenrufe immer wieder unterbrochen, mit den Nazis auseinander. Nach kleineren Störungsver- suchen der Nazis kam der große Krach, und mit Stuhlbeinen ging man aufeinander los. Schließ- lich mußte die Polizei eingreifen. Gerede und Gerüchte Line Erklärung Leiparts Nachdem sie der Regierung der Barone in den Sattel geholfen haben, suchen die Nationalsozialisten Bundesgenossen, die ihnen zur Herrschaft verhelfen könnten. Zu diesem Zweck hat Gregor S t r a ß e r in einer Rede die freien Gewerk sch asten und ganz besonders den Vorsitzenden des ADGB-, unfern Genossen L e i p a r t, mit Lob- Hudeleien bedacht. Andere Leute, die das Gras wachsen hören, haben daran Kombi- Nationen geknüpft von einem gemeinsamen Vorgehen Schleicher-Leipart-Straßer. Die kommunistische Presse stimmt natürlich das übliche Verratsgeschrei an. In zwei Wochen sind Reichstagswahlen. Da bekanntlich niemals mehr gelogen wird, als vor einer Wahl, während eines Krieges und nach einer Jagd, so erübrigt es sich eigentlich, auf den dummen Schwindel ein- zugehen. Um aber allen Enten die Flügel zu beschneiden, ermächtigt uns Genosse Leipart zu erklären, daß er weder an Ver- Handlungen mit Herrn v. Schleicher, noch an irgendwelchen Besprechungen über irgend- eine Regierungsbildung teilgenommen hat. Mit den Redereien Straßers hat er erst recht nichts zu tun. Seine politische Stellung- nähme hat er erst vor einigen Tagen öffent- üs- in der Kundgebung des ADGB. und des AfA-Bundes klar umrissen. Von irgend- welchen Sympathien des Genossen Leipart zu den Faschisten oder den heute regierenden Herren zu reden, ist daher entweder bös- willige Verleumdung oder phantasievolle Kombinationssucht, der jede tatsächliche Unterlage fehlt. Zum DisUuUceeft! Tcacfi dtH. Hazi: Was suchen die Barone und OHiziere, die Kapitalisten und Großgrundbesitzer, was suchen diese„feinen Leute" in eurer„A r b e 1 1 e r p a r t e I"? Wie stellen sich der Stahlmagnat Thyssen, Prinz Auw! oder der Herzog von Koburg zum Sozialismus? Warum begeistern all diese„feinen" und reichen Pg.'s sich für euren„deutschen" Sozialismus? AuiwotU dem VUvzi: Wer Sozialismus will, muß die Sozialisierung der Bergwerke und der Schwerindustrie wollen. Die Verstaatlichung der Werke des Herrn Thyssen wäre ein erster Schritt zum Sozialismus. Herr Thyssen aber will die Sozialisierung seiner eigenen Werke bestimmt nicht, und er wäre nicht Mitglied der NSDAP,, wenn er nicht wüßte, daß deren„Sozialismus" nur auf dem Papier steht. Sagt dem VUvzi: Wer Sozialismus will, muß die Enteignung der fürstlichen Güter und Waldungen wollen. Prinz Auwl und der Herzog von Koburg wollen die Enteignung ihrer Güter und Waldungen bestimmt nicht, sie sind nicht SoziMr-cv sondern schärfste Gegner der sozialistischen Volksmassen. Tcage du* Heuzi: Warum begeistert sich der„junge volksbewußte Ade I", warum begeistern sich die nationalsozialistischen Offiziere für die NSDAP.? Hast du je erlebt, daß sich Adel und Militaristen für den Sozialismus begeistern? Sage dem 1/lazi: Ausgeschlossen! Alle diese„feinen Leute" In der NSDAP, wollen auch heute keinerlei Sozialismus, sie fühlen so wenig wie die„feinen Leute" im Stahlhelm und im Horrenklub mit dem Volke. Sie erwarten vom Nafional-„Sozialismus" dieselbe Festigung ihrer Privilegien, die der Faschismus Mussolinis in Italien den„feinen Leuten" und dem besitzenden Bürgertum gebracht hat. Wir aber kämpfen für die Sozialisierung der Großindustrie und des Großgrundbesitzes zugunsten der Arbeiterschaft. Wir wollen wirklichen Sozialismus! Raufhelden aus der Neuen Welt stfozi» vor dem Sondergeridit „Zu wahr, um schön zu sein" Der neue Shaw in der Stresemannstraße Bauernrevolte 2000 Nazibauern demonstrieren— S.A. und S.S. verprügeln Landjäger Eigener Beucht des„Vorvoärts" kiel. 22. Oktober. Schleswig-Holstein, der ewige Unruheherd, das Land der Schwarzen Fahne und des Hakenkreuz- terrors, hatte am 12. September ein neues Bei- spiel unerhörten Naziterrors erlebt. In Kellinghusen. einem kleinen Landstädtchen in der Nähe Itzehoes sollte an diesem Tage der Hosbesitz des Nationalsozialisten Uhl in Wrist ver- steigert werden. Zu diesem Termin hatte die so- genannte Not- und Schicksalsgemeinschast der schleswig-holsteinischen Bauern, die nichts anderes ist als die Fortsetzung der Landvolkbewegung, ihre Anhänger aufgerufen. Tatsächlich sind zwischen 2000 und 3000 Marsch- und Geestbauern diesem Ruf gefolgt und am frühen Morgen des 12 September vor dem Amtsgericht in Kelling- Husen aufmarschiert. Zwischen den Bauern und ihren Knechten sah man ober auch in sehr großer Anzahl uniformierte SA.- und SS.- Leute. Diese waren auf Lastautos aus der ganzen Umgegend zusammengezogen worden. Der Sinn der Bauern- und Nazidemonstration war ganz klar. Man wollte die Zwangsversteigerung verhindern. Das Kellinghuscner Amtsgericht hat sich aber durch die auf der Straße und sogar im Gerichtssaal randalierenden Bauern und SA.- Leute nicht einschüchtern lassen. Es wurde ein einziges Gebot abgegeben. Der frühere Be- sitzer des Hofes erwarb das Grundstück zurück. Interessant daran ist, daß dieser Landmann selbst Nationalsozialist ist. Betrieben wurde die Zwangsoersteigerung von einem Hypothekengläu- biger, der seit über einem Jahr keine Zinsen er- halten hatte und deshalb dem Wohlfahrtsamt zur Last fiel! Bor dem Amtsgericht kam es während der Ver- steigerung zu schweren Zusammenstößen mit den Landjägern und der Ortspolizei. Die Polizei- beamten waren erst sehr nachsichtig gegen die Demonstranten gewesen Die griffen erst schärfer durch, als die Menge die Beamten angriff. Ein Landjäger wurde durch einen Stein- wurf am Kopf schwer verletzt. Zwei andere erhielten Stockhiebe über den Kopf und wurden dadurch kampfunfähig. Die Menge ließ erst von den Angriffen aus die Be- amten ab. als diese scharf schössen. Acht der Demonstranten wurden festgenommen. Es sind das alles SS.» oder SA.-Leute. Einer von ihnen führte bei der Demonstration einen Galgen mit, an dem eine offene Schlinge baumelte. Die An- klage gegen die acht Nazis lautet auf Land- friedensbruch und Aufruhr. Einige sind außerdem wegen Rädelsfllhrerschaft und Waffenbesitzes an- geklagt. Da die Tat nach Erlaß der Antiterror- Notverordnung passierte, müssen die Angeklagten, soweit ihnen eine Beteiligung nachgewiesen wird, zu schweren Zuchthausstrafen verurteilt werden. Für die Berhandlung vor dem Kieler Sonder- gericht sind 4 bis ö Tage vorgesehen. Herbst-Sommer 22 Grad Wärme— Abnorme Temperaturen Seif Freitag Ist unser Gebiet in den Bereich eines warmenLufttörpers geraten, so daß fast im ganzen Reich, mit Ausnahme der Ostseeküste und des Nordostens, geradezu sommer- liches Wetter eingetreten ist. Die Temperaturen haben in vielen Gegenden für die vorgeschrittene Jahreszeit einen geradezu abnormen hochstand erreicht. Das Tagesmittel in Berlin ist mit 8. 6 G r a d Wärme errechnet worden. Bereits gestern aber wurden IS Grad gemessen und unter dem Ein» fluß des Warmluftkörpers ist das Thermometer unaufhaltsam weiter gestiegen. Um 12 Uhr mittags herrschten heute bereits annähernd 22 Grad Wärme, damit war aber noch keineswegs das Tagesmaximum erreicht. Aehnliche Tempc- raturen werden aus allen Teilen des Reichs ge- meldet. Sogar in den deutschen Bergen ist die Quecksilbersäule in den höheren Lagen über den Nullpunkt gestiegen. Die Zugspitze meldete heute früh 2 Grad, die Schneekoppe 4 Grad und der Brocken sogar 9 Grad Wärme. Wie der Amt- liche Wetterdienst erklärt, liegen die Temperaturen überall erheblich über„normal". Nach der zur Zeit herrschenden Druckverteilung ist leider damit zu rechnen, daß es am morgigen Sonntag nicht ganz so warm wie heute sein wird. Die Prognose lautet: Zeitweise Wolken und etwa» kühler, mäßige südwestliche Winde, vereinzelte Regenschauer nicht ganz ausgeschlossen! Zusammenstoß in der Luft Hieger sofort tot w a r s ch a u. 22. Oktober. In P o l n i ch n o in kongrehpolen stießen während einer Flugübung zwei Segelflugzeuge in der tust zusammen. Die Flugzeuge stürzten zu Boden und wurden vollständig zertrümmert. Die beiden Insassen wurden aus de r Stelle ge tätet. Das ist der erste Unglück»- fall dieser Art in Polen. „Ich muß predigen und predigen, einerlei, wie vorgerückt die Stunde und wie kurz der Tag sein mag, einerlei, ob ich etwas oder nichts zu sagen habe." Das sind die letzten Worte, die(nach dem Willen des Dichters, aber nicht in dieser Auf- führung) aus undurchdringlichem Nebel hervor- tönen, Worte des Pathos, die sich ironisch selbst aufspalten, überzeugter und doch zweifelnder Aus- klang einer Komödie der Weisheit, durch die Bernard Shaw, der Aphorismeneremtt, die Bühne wahrhaft zur moralischen Anstalt wandelnd, der Welt den Spiegel vorhält: Zu wahr, um schön zu sein. Ein rastloser Wanderer, den keine Tiefe dieses irdischen Daseins schreckte, der durch sämt- liche Lügen sich hindurchhieb, immer frisch-fröhlich auf der Jagd nach dem Sinn dieses Lebens, kommt am Ende zu der Erkenntnis, daß wir alle verlorene Seelen sind. Schnell aber fügt er hinzu: „Nein, nur verlorene Hunde. Verlorene Hunde finden immer ihren Weg nach Hause." Faustisch schließend, beginnt der kritische Kaiser- schnitt, den der furchtlose Erforscher unserer Gattung und ihrer Kultur vollzieht, mit einer Art von fanatischem Prolog. Ein Ungetüm geistert durch die ersten Szenen, ein Bazillus, der von Menschen krank geworden ist, ein greinender Mephistopheles, der den Menschen bezichtigt, daß er die Natur verderbe. Solch Motiv der Buße marschiert trommelnd und pfeifend durch alle drei Akte:„Wenn ich mit Männern und Frauen zu tun habe, fühle ich mich geistig trank. Die Mensch- heit enttäuscht mich immer, die Natur— niemals." Aber bei solcher Erkenntnis will es Shaw nicht belassen: er will den verlorenen Hund nach Hause bringen. Shaw will ein prophetischer Führer sein Marjr Wigman Bach-Saal Mary Wigman ist ein Wunder der Tanzkunst. Sie reift in ihrer Kunst mit ihr, ohne die Zeichen ihrer eigenen körperlichen Reife abzuleugnen oder zu bekämpfen. Vielleicht wird dadurch ihr Tanz so harmonisch, so auodrucksgewaltig. Der Tanz- zytlus„O p f e r", eine Neuaufführung für Berlin, ist Bekenntnis eines reifen Menschen, dem seine tänzerische Geste das eigentliche Ausdrucksmittei Heinz Neumann erledigt (Ketzervcrbrennungs-Partei Deutschlands) von Wünschen und Wissen geworden ist. Der .Tanz für die Sonne" läßt golden« Tücher in weichen, blanken Wellen in den Raum schwin- gen, ihn von ihnen umfassen, erfüllen, ins Gren- zenlose weiten. So erlebt nur ein Mensch Un- endlichkeit des Lichts, so in Glanz und Demut der die Endlichkeit aller Dinge längst erfahren hat. Und nur ein solcher Mensch ringt so todesbereit mit dem Tod, im Auf- und Abschwellen seiner rasselnden Klangdrohungen, wie die Wigman in ihrem„Tanz in den Tod". Ein einziger Tanz steht in diesem sechsteiligen Zyklus, in den, mir die Wigman ihrer Kunst nicht ganz gerecht zu werden scheint. Die beklommen verkrampften Gesten, die im Anfang des„T a n z e s f ü r d! e Erde" ihren Sinn haben, scheinen als Ausklang mehr Stilmotio denn Erlebnis. Außer dieser geschlossenen Tanzfolg« zeigt- die Wigman noch einige Einzeldarbietungen, darunter zwei Neuaufsührungen.-in heiter schwingendes „R o n d o" und in stolzer Freiheit der Bewegung ein„Ä la Polonaise". Der sommerliche Tanz „Schwingende Landschaf t", der den Raum vom Boden her in die Unendlichkeit zu messen scheint, litt unter einem kleinen Motiv, das vor wenigen Jahren noch wohl nicht als störend empfunden wurde. Heute ist die Wigman über das spielerisch« Glück des kindhaften Menschen her. ausgewachsen, der sein« Welt im wirbelnden Rundtanz zu umfassen vermeint: in dem heutigen Entwicklungzstadium der Wigman ist Gebunden- heit entweder drückende Eng«: sie erscheint al» in das Reich der Vernunft, der Gerechtigkeit und der Musik. Um augenfällig zu machen, daß die sogenannte moralische Zivilisation eine grausige Verwirrung ist und daß Hochstapelei die einzig wirksame Me- dizin zu sein scheint, zeigt Shaws Narrenpritsche im ersten Akt auf eine verhätschelte junge Dame der besten Gesellschaft, die im Bett liegen muß. Bielleicht weil sie krank ist, aber noch mehr, weil die„Klette Mutter" an ihr hängt, die hysterisch liebende Mutter. Zu dieser Kranken kommt die Nachtschwester, die eigentlich eine Gaunerin ist. Draußen wartet bereits ein Kaplan, Sohn eines Atheisten, der sich zum erstenmal als Einbrecher betätigen möchte. Die Perlen der kranken Dame sind das Ziel: die kranke Dame aber schlägt die beiden räuberischen Dilettanten nieder und hilft so dem diebischen Gentleman zu der Erkenntnis, daß es für alle drei ein famoses Abenteuer wäre, wenn die Patientin die Perlen verkaufte und wenn sie alle miteinander durch die Welt reisen wollten. Also geschieht es. Der zweite Akt zeigt die muntere Reisegesell- schaft im Zeltlager irgendeines englischen Kolonial- obersten: die Hochstaplerin tn eine Gräfin, die vor- nehme Patientin in ein Kammermädchen ver- wandelt. Auf dem Hintergrund solcher symbolischen Verwechslung vollzieht sich ein Erdbeben des Dia- loges, das unter Kraterausbrüchen eine Welt der lügnerischen Konvention zusammenbrechen macht. Der dritte Akt bringt dem davongelaufenen Mädchen, das man für geraubt hielt, die Mutter zurück, während der Kaplan seinen atheistischen Vater trifft und die unverwüstliche Gaunerin einen ebenso biederen wie theosophischen Feld- nicht voll durchlebtes Tanzmotiv. Ob, vielleicht später einmal, ihr Tanz tyis der Enge eines Raumes die Weite der Unendlichkeit erfaßt, läßt sich zur Zeit nicht sagen. Die Wigman gibt immer das Beste: sie gibt sich selber im Tanz. Tes. Es lebe der Leibkutscher Wallner-Theater Bevor der Prinz, des Alten Fritzen Neffe, mit dem Potsdamer Barbierstöchterlein Wilhelmine Cnie das vollzieht, was der Damenflor dieses Theaterparketts durch freundlichen Beifall als patriotische Iungfrauendienstpflicht anerkennt, schallt es aus dem Souffleurtasten:„Die ersteh Liebe—". Der Künstler, der das auf der Bühne nachsingen soll, muh ein Tenor sein. Es ist eine außerordentlich starke, mächtige Gröhlerstimme, und nur in besonders gefühlvollen Augenblicken besänftigt sie sich zur Nascnstimme. Kaum hat sie ausgesungen, als von der dreizehnten bis zur sechzehnten Parkettreihe die Klaque bei der Hand ist. Diese Klaque hat Bärenhände, die ihr un- mittelbar von den Göttern Tor und Wotan zum Gnadengeschenk gegeben wurden. Das Barbierstöchterlein kann sich mit ihrem frisierten Mllndchen und ihren fistelnden Tönen gegen die prinzliche Urriesenstimm« nicht be- haupten, und das ist, da ja Rangordnung die Hauptsache ist, durchaus in der Ordnung. Während der Alte Fritz redet, schweigen re- spektvoll die Musikinstrumente, die der weit- bekannte Komponist Joseph S n a g a zu Ehren des königlichen Leibkutschers spielen läßt. Snaga ist ein dankbarer Komponist, der beim Militär- marsch und verklungenen Schlager nimmt, was er kriegen kann. Das Stück des Dichters Ouedenfeldt: „Der Leibkutscher des Alten Fritz" ist übrigens ein uraltes Stück, und es wurde nur für die Nationaltheaterrenaissance des Wallner- theaters aus den verschimmelten Archiven des mit Recht verfemten artfremden Theaters wieder her- vorgeholt. Das Stück Quedenfeldts hat das Ver- dienst, die Unbescholtenheit des braven Kutschers Pfund nachzuweisen, der vom Prinzen als Liebesbote zu Fräulein Enkc benutzt wurde und dabei in den Verdacht geriet, ein Spitz- bube zu sein. Und so brauchen die befrie- digten Freunde dieses Hauses nicht mehr zu seufzen, was ihnen Dr. W. Freiherr von Gers- dorff, ihr Aesthetiker, im Programmheft vor- seufzt:„So weit ist es gekommen, daß der einst blühende Garten deutscher Kunst heute einem Schindanger gleicht, an dem ein Mann von rein- lichen Instinkten nur mit verhaltener Nase vor- übergehen kann." m. k. . Mann und Weib Vortrag M. Vacrting Wohl selten hat die Gesellschaft für Konstitutionsforschung, die Frau Pro- fessor Mathilde Vaerting. Professor an der Universität Jena, zu einem Vortrag über das Thema „Der wahre Unterschied zwischen Mann und Weib" einlud, einen so großen Kreis weiblicher ZuHörerinnen In ihren Räumen versammelt wie Freitagabend. Der alte Plato, so meinte die Vor- tragende, hätte sich damit begnügt, einen einzigen webel entert. Sie treffen sich und gehen ausein- ander, scheinbar ruhig, um sehr gewöhnliche Dinge zu tun: aber zwischendurch haben sie sich gegen- seitig durchleuchtet und entblößt. Also doch: un- heilbarer Katzenjammer? Die Geschehnlsse der Bühne möchten es beinahe glauben machen: aber der Engel Gabriel, der mit dem Schwerte des Wortes durch die Marionetten hindurchschreitet, weist durch Marksteine der Erkenntnis die Brücke der Erlösung. Die Frage ist: Soll und kann dies an Hand- lung arme, in der Linienführung der gedanklichen Zusammenhänge(absichtlich oder zwangsläufig) wirre, von letzten Aufschlüssen, von ätzenden Denk- ergebnissen explodierende Stück auf einer irdischen Bühne vorgeführt werden? Ja, es soll vorgeführt werden, aber niemal» so wie gestern. Das war ein In der Absicht gewiß zu lobender, aber völlig mißlungener Versuch. Spielleiter wie Schauspieler (ausgenommen Oskar S i m a, der weit- und himmelskluge Feldwebel) übersahen, daß gerade dieser Shaw aus sinnbildenden Worten, aus Wort- gestein gebaut ist und darum gesprochen und ge- hört(erhört) werden muß. Kaum geringer war der Irrtum, aus dem Lebensbekenntnis eines den- kenden Dichters eine Posse voll wilden Geschreis und jäher Grimassen zu machen. Dann störte die unbegreifliche Angst, mit der Shaw zerrissen und gemildert wurde. Schade, mehr als schade: nach dieser fehlgehen- den Aufführung, die weder der melancholische Tenor M o i s s i s, noch die kluge Rosa B c r- t e n s. auch nicht, gut anzusehen. Karin Evans und Erika von T h e l l m a n n retten tonnten, bleibt un» für» erst« nur übrig, da» Buch zu lesen. R. Breuer. Geschlechtsunterschied zwischen Mann und Weib gelten zu lassen:„Der Mann zeugt, das Weib gebiert": die heutige Menschheit würde sich aber kaum wohlfühlen bei nur einem einzigen Ge- schlechtsunterschied. Sie hat den Klauben an viel- fache seelische Verschiedenheiten der Geschlechter. Und dieser Glaube macht sie nicht allein seelig, sondern er schafft auch tatsächliche Unter- schiede, die von Natur au» gar nicht vorhanden sind. Nimmt man z. B. irgend- eine angeblich typisch„männliche Eigenschaft" etwas näher unter die Lupe, etwa die Kühlheit und Sachlichkeit, so zeigt sich, daß es auch bei den meisten Männern an dieser Eigenschaft hapert, daß sie nämlich von 200 Männern nur 80 wirk- lich besitzen. Der Geschlechtsfaktor ist es besonders, der vielerlei Geschlechtsunterschiede vortäuscht, die es Im Grunde genommen gar nicht gibt. Unter seiner Herrschaft zeigt die Frau dem Manne ein ganz anderes Gesicht wie ihren Geschlecht»- genossinnen. Dem„möblierten Herrn" zeigt sich die Zimmervermieterin häufig von ihrer lieben»- würdigsten Seite—, oft von einer zu liebens- würdigen. Der weiblichen Mieterin gegenüber erscheint sie dagegen als Eerberus. Das gleiche Verhältnis finden wir aus allen Gebieten. Im Wirken der Sexualkomponente liegt der einzige wirklich echte durchgehende Unterschied zwischen den Geschlechtern begründet, während alle anderen Unterschiede durch die Machtsituation des Mannes mehr oder weniger künstlich kon- struiert sind. Wie sich aber diese Unterschiede im einzelnen auswirken, worin die echten Unter- schiede zwischen den Geschlechtern bestehen,— da» zu ermitteln ist eine der wichtigsten Kultur- aufgaben. Dr. L. H. „Geld ohne Arbeit" Im Renaissance-Theater. Das Erfolgsstück der Volksbühne ist jetzt mit einem Teil des früheren Volksbühnen-Ensembles in ein neues Theater eingezogen und hat hier von neuem feine außerordentlich starke Bühnenwirkung aus- geübt. Diese italienische Komödie von Colon- t u o n i, die R. A. S t e m m l e so geschickt be- arbeitet hat, ist wie«ine Sprenggranate: die ganze Verderbnis, die schon die Aussicht auf einen Lotteriegewinn, ein Erbstück eines alten Sonder- lings, unter seinen Erben anrichtet, wird hier mit starker moralischer Tendenz und in einer bis zur Karikatur gesteigerten Form demonstriert. Natür- lich bringen sich die Erben durch ihre Raserei und Unvernunft um die Erbschaft, und noch im Grobe triumphiert der Erblasser über das geldgierige Gesindel. Was auf der großen Bühne des Theaters am Blllowplatz angemessen war, erwies sich auf der kleineren Bühne zum Teil als über- trieben. Leonhard Stecke! erfüllte mit setner Stimme und seinen Gesten die ganze Bühne und trieb auch seine Mitspieler in einen vollen Wirbel von Hand- und Redegefechten. Einige Rollen sind neu besetzt(darunter Leo Reuß). Aber das Ganze hat seinen turbulenten und fortreißenden Charakter beibehalten. ck. In der verwaltungs-iltademie spricht Montag, Uhr( Alte Aula der Berliner Universität), Prof. Dovifat über„Die Pressefreiheit im Leben des modernen Staates". Eintrittskarten kostenlos Charlottenstr. 80/51 m(Fahrstuhl). Fernruf: v. 2 Flora 8322. Pros. Dörgen spricht im Marmorhaus am Sonntag um IIVj Uhr über„Zwei Stunden Weltgeschichte in Stimmen der Völker mit Ton und Bild" Di« Staatlich« Kunstbibliolhck muß von Montag ad bis auf weiteres aus Gründen der Lichterspar- n t s um 8 Uhr anstatt bisher 10 Uhr gtschlossen werden. „Die ganze Hand!" Hausbesitzer wollen mehr Steuergutscheine Die Reichsregierung hat den Hausbesitzern wahrlich schon genug gegeben Zinssenkung, Hauszinssteuersenkung, Steuergutscheine, Repera- turbeihilfen—, ober die Hausbesitzer wollen— der Appetit kommt beim Essen— die ganze Hand. Der Zentralverband deutscher Haus- und Grund- bcsitzeroereine fordert Steuergutscheine auch für die Hauszinssteuer, diese an- geblich„Milliardenwerte vernichtende Sonderlast". Warum eine Verweigerung dieser Staats- Hilfe„dem Appell der Reichsregierung an die Privatinitiative zuwiderlaufen" würde, das kann nur ein Hausbesitzer begreifen. Vielleicht ist es ja gar nicht so unlogisch gedacht, wenn man einer Regierung, die 2,2 Milliarden Steuergut- scheine ausgab in der Spekulation, sie in späteren Jahren einlösen zu können, zumutet, noch weitere 350 Millionen Mark auszugeben. Aber bei der Hauszinssteuer ist es schon finanztechnisch nicht möglich, weil ihr fortschreitender Abbau bis 1940 bereits f e st g e l e g t ist. Es gibt also in späteren Jahren gar kein Hauszinssteueraufkommen, aus KPD. gegen Arbeiter Ciewerhschatten sollen ausgeschaltet werden Der Aufsichtsrat der BVG. nahm am Freitag zu dem Tarifkonflikt Stellung. Von sozialdemokratischer Seite lag folgender Antrag zu Punkt 5 der Tagesordnung vor: „Die Beschlußfassung über den Antrag betreffend Lohn- und Arbeitsbedingungen wird zurückgestellt. Der Vorstand der BVG. wird beaustragt, mit den Arbeitnehmcrgewerkschaften auf der Grundlage der jetzigen Lohn- und Arbeitsbedingungen zu verhandeln. Nach Beendigung der VerHand- lungen, oder falls eine freie Vereinbarung nicht zustande kommt, tritt der Aufsichtsrat erneut zu- sammcn. Di« Kommunisten stimmten nicht nur gegen den ersten, sie stimmten auch gegen den zweiten Teil dieses Antrages. Sie wollen also nicht, daß der Vorstand der BVG. beauftragt wird, zu v e r- handeln. Sie wollen nicht, daß er mit den Gewerkschaften verhandeln soll und sie wollen nicht, daß auf der Grundlage der jetzigen Lohn- und Arbeitsbedingungen ver- Handell werden soll. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Kommunisten angenommen. Das Verhallen der kommunistischen Aufsichtsrats- mllglieder läuft darauf hinaus, dem Vorstand der BVG. freie Hand zu lassen, die G e w e r k- schaften auszuschalten. Diesen klaren Tatbestand versuchen die Kommu- nisten jetzt durch allerlei Schwindelmeldungen zu verwischen. In ihrem Haß gegen die Gewerk- schasten haben sie sich dazu hinreißen lassen— diese Tatsache wäscht kein Regen ab—, der Direktion für Verhandlungen eine Blankovollmacht zu erteilen. Wo die Belegschaft bleibt, ist diesen sonderbaren Arbeitervertretern höchst gleichgültig. Die Hauptsache ist, daß den Gewerkschaften Knüppel zwischen die Beine geworfen werden. Die Arbeiterschaft der BVG. wird für diesen Verrat der Kommunisten am 6. November die Quittung erteilen. Kundgebung der Freidenker Ein Gemeinschaftsabend der Mitglieder des Deutschen Freidenkerverbandes in Britz, dem Frauen- und Kindergruppen sowie ein Sänger- quartett freundliche Umrahmung gaben, gestaltete sich zu einer einmütigen Kundgebung für die Wahl von Sozialdemokraten am 0. November. Dr. Eberlein sprach über „Kulturreaktion, Freidcnkertum und Reichstags- wähl", wobei er die Unkultur der kapitalistischen Wirtschaft und Gesellschaftsordnung in Gegensatz stellte zu den Kulturidealen des Sozialismus und des Freidenkertums. Sein Referat klang aus in der Aufforderung, bis zum Wahltage alle Kräfte einzusetzen für den Sieg der Sozialdemokratie. Polizisten gegen Arbeitslose Zum ersten Male seit langer Zeit kam es nun auch in London zu schweren Zusammenstößen zwischen der Polizei und Arbeitslosen, die dagegen protestierten, daß in Unterstützungsfällen der Grad ihrer Bedürftigkeit überprüft werden sollte. Starke berittene Polizeiabteilungen wurden ein- gesetzt, um die demonstrierenden Arbeitslosen zu vertreiben. Zwanzig Personen, darunter fünf Polizisten, wurden verwundet. dem Steuergutscheine eingelöst werden könnten. Außerdem würden die Finanzen der Länder und Gemeinden noch mehr in Schwierig- leiten geraten. Vor allem aber ist die ganze Forderung a b- solut unberechtigt. Nach neuesten Fest- stellungcn eines Sachkenners, Dr. Kokotkiewitz, sind die bereits gewährten Erleichterungen für den Althausbesitz(nur er zahlt Hauszinssteuer) ausreichend, den Rückgang der Mieteinnahmen r e st l o s auszugleichen. Dieser wird auf etwa 800 Millionen Mark geschätzt: dem stehen gegen- über: Hauszins st euersenkung um 400 Millionen Mark, Z i n s s e n k u n g um 170 Mil- lionen Mark und Steuergutscheine von 235 Millionen Mark, sind zusammen über 800 Millionen Mark. Außerdem hat der Alt- hausbesitz eine Reichsbürgschast für 100 Millionen Mark Kredite zugesagt, Zinszuschüsse von 5 Mil- lionen Mark und Reparaturersatz von 50 Mil- lionen Mark als Geschenke erhalten, Mittel, mit denen eine durchgreifende Erhöhung des Grundstückswerts zu erreichen ist.. UekenmAen an Türkei Aufträge für 40 Millionen freigegeben Der große B a h n b a u- und Lieserungs- vertrag, den ein deutsches Industriekonsortium unter Beteiligung der Dresdner Bank vor zwei Jahren mit der Türkei abgeschlossen hatte, wird jetzt durch umfangreiche Bestellungen in Höhe von 40 Millionen Mark endgültig ab- gewickelt. Die türkische Regierung hat beschlossen, außer- halb der festgelegten Einfuhrkontingente deutsche Materialien in dem genannten Werte zur Einfuhr zuzulassen. Er handelt sich in erster Linie um Schienen, Brückenkonstruktionen sowie um Lokomotiven und Waggons. Wie wir hierzu er- fahren, sind an diesen Lieferungen außer dem Stahlverein und der Gute-Hoffnungs-Hütte noch der Krupp-Konzern und die Lokomotivfabrik Henschel u. Sohn in Kassel beteiligt. Die fertig- gestellten Bahnbauten hat seinerzett die Berliner Baufirma Julius Berger Tiefbau A.-G. durch- geführt. Ner Umweg �Venn Arbeiter nicht organisiert sind Bei der Firma Werner-Marienfelde waren die Schaber vor drei Wochen in einen „wilden" Streik getreten, weil sie mit den Akkord- preisen nicht zurechtkamen. Die Akkordpreise waren bis vor kurzem noch auf der Basis des Stundenlohnes des hochgualifizierten Facharbeiters der Klasse A berechnet. Sie wurden plötzlich nach dem Stundenlohn des weniger qualifizierten Facharbeiters der Klasse B umgerechnet, was einer Ver dien st Verringerung um durch- schnittlich 10 Pf. pro Stunde gleichkam. Diese Absicht der Firma ist durch den drei- wöchigen Streik oerhindert worden, was letzt von der REO., die diesen Streik„geführt" hat, in der„Roten Fahne" zu einem riesigen Erfolg gemacht wird. Die Schaber hätten diesen Erfolg jedoch viel billiger haben können, wenn sie den Metallarbeiterverband benachrichtigt hätten, der Streitigkeiten dieser Art schon unzählige Male innerhalb von 24 Stunden durch VerHand- lungen zugunsten der Arbetter beigelegt hat. Da aber nur wenige der Schaber bei Werner frei- gewerkschaftlich organisiert sind, die Mehrzahl also„revolutionär" ist, hat man den etwas weiteren Weg eines dreiwöchigen Streiks gewählt, um zum Ziele zu kommen. Daß man sich dann der Forderung der Firma unterwerfen mußte, hinsichtlich der Gewährung von Urlaub und sonstigen Vergünstigungen um fünf Jahre in der Beschäftigungsdauer zurückversetzen zu lassen, und mit den während des Streiks von der Firma angeworbenen Streikbrechern in trauter Harmonie zusammen zu arbeiten, fällt, bei solchen kommunistischen„Erfolgen" natürlich nicht ins Gewicht. RGO.-Gtfeik bei der Kmstag Bei der K r a f t a g ist am Freitagabend in einem von ihren drei Depots ein wilder Streik ausgebrochen, der sich gegen eine Ab- machung richtet, die der G e s a m t v e r b a n d hinsichtlich der Entlohnung der Chauffeure vor einigen Tagen auf Beschluß seiner Mit- g l i e d e r getroffen hat. Der Streik wurde in einer Betriebsversammlung beschlossen, in der von den 1050 Beschäftigten 102 Mann anwesend waren, von denen 90 für und 40 gegen den Streik stimmten, während sich der Rest der Stimm« enthielt. Im Anschluß an diese Ver- sammlung hat die RGO. die„Führung" über- nommen und eine aus RGO.- Leuten und Nazis zusammengesetzte Streikleitung wählen lassen. Man muß abwarten, ob es den sonst so feindlichen Brüdern in ihrer neuen Gemeinschaft gelingen wird, etwas Besseres für die Choufseure der Kraftag zu erzielen, als das bisher dem Ge- samtverband möglich war. wegen der Einführung der verkürzten Arbeitszeit herausgegeben. Die VerHand- lungen sind von dem staatlichen Schlichter geführt worden und bisher ergebnislos verlaufen. Di« Unternehmer behaupten, die Abschaifung der Ueberarbeit sei ohne Bedeutung. Nur 13 000 von 314 000 Arbeitern hätten sich freiwillig mit der verkürzten Arbeitszeit einverstanden erklärt. Die Fachverbände verlangen die Aufrechterhaltung des bisherigen Arbeitslohnes. Der Sozialminister erklärt jetzt daß er selbst noch einmal Verhandlungen mit beiden Gruppen führen werde. Falls sie ergebnislos verlausen sollten, würde ein Gesetzesvorschlag der Regierung über Verkürzung der Arbeitszeit vorgelegt werden, und zwar so schnell wie mög- lich. Diese Frage stehe auf der Tagesordnung in allen Ländern. Theater der V/oche Vom 23. bis 31, Oktober. Volksbühne. Theater am Bülomplatz! Die Ratten. Siaalstheater. Städtische Oper, Charlottcnburg: 24. Die»erkaufte Praut. 25. Fidciio. 2«., St. Madame Butterslu. 27. Die Entführung aus dem Serail. 28. Die Banditen. 29. Der Schmied von Gent. so. Undinc.., Staatliches Schauspielhaus: 24., 25., 26.,.7. Wilhelm Teil. 28. öabricl Schillings Flucht. 29., SO., 31. Wilhelm Teil..„ Staatsoper Unter den Linden: 24. Maskenhall. 25. Meistersinger. 26. Sizilianischc Vesper. 27. Äriadne auf Raxos. 28., 31. Wiener Blut. 39. Hugenotten. Schillcr-Theater: Robert und Bertram. Thealer mit festem Spielplan. Kuriurstendamm- Theater: Der Vetter aus Dingsda.— Deutsches Theater:"lSrini Friedrich von Homburg.— Kammcrspielc: Heiterer Ludwig-Thoma-Ahend.— Die Komödie: Beine und Banditen.— Deutsches Künstler- Idealer: Das Märchen vom Wolf.— Theater IN der Streiemannstraße: Zu wahr, um schön zu sein.— Äo* mödienhaus:'Auslandsreise.— Metropol-Theater: Eine Frau, die weiß, was sie will!— Theater des Westens: irörsterchristl.— Theater im Admiralspalast: Katharina. — Kamische Oper: Man braucht kein Geld.— Großes Schauspielhaus: Der Studentcnprinz.— Lesfing-Theatcr: Pvgmalion.— Theater am Rollcndorsplatz: Der Fürst der Berge.— Zcntral-Theater: Boruntersuchung 29., 23 Uhr, Die Schifdruchigen.— Theater am Schissdauerdamm: Da liegt der Hund begraben.— Thalia-Theater: Prin- Zessin für eine Nacht.— Die Tribüne: Der öpazierstock. — Kleines Theater: Ganovenehre.— Wallucr-Theatcr: Mitschuldigen.— Renaiffanee-Thcater: Geld ohne Arbeit. - Theater in der Bchrenstraße: Bargeld lacht.— Rose» Theater: Bis 39. Der Hauptmann von Köpenick. Ab 31. Der Zigeunerbaron. 29. 23% Uhr. Ganovcnehre.— Easiuo. Theater: Königin der Lust.— Plaza: Die Dollarprinzessin. — Skala, Wintergarten: Internationales Variete.—, Reichshalen-Thcater: Stettiner Sänger. Ttachmittagsvorstellungen. Die Komödie: 23., 39. Beine und Banditen.— Deutsches Künftlertheater: 29. 16 Uhr. 39. 15 Uhr. Kai aus der Kiste. 39. 17>a Uhr. Spiel im Echlog.— Mctrapal- Theater: 23., 30. 14U und 17 Uhr. Ein Walzertraum..— Theater des Westens: Försterchristl.— Komische Oper: 23., 39. Man braucht kein Geld...— Zentral-Theater: 26., 30. Das tapfere Schnciderlein.— Wallncr-Tbeater: 23., 30. Mitschuldigen.— Rose-Theater: 26. IV/t Uhr. 302 17iÄ Uhr. Der Hauptmann von Köpenick. 29. 17 Uhr. Frau Holle. 30. llij Uhr. Ganovenehrc.— Easiuo-Theater: 23., 30. Königin der Luft.— Plaza: Die Dollarpriuzessin. — Skala: Internationales Variete.— Wintergarten: 23., 29., 30. Internationales Variete.— Reichshallen» Theater: 23., 30. Stettiner Sänger. Erstaufführungen. Freitag: Schaufvielhaus: Gabriel Schillings Flucht. Souuabend: Städt. Oper: Der Schmied von Gent. Hierzu 1 Beilage. Verantwortlich für Politik: Richard Schwartz; Wirtschaft: G. K l i n g e l h ö f er; Gewerksckafts- beweguna: I. Steiner; Feuilleton: Herbert Lepöre; Lokales u. Sonstiges:# r t tz K a r st a d t; Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin. I Verlag: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlm. druckt Vorwärts-Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3./ Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen-Ausgabe des„Vorwärts veroffentucht. »last» fe. Theater Sonnabend, den 22. Oktober staatsoper Unter den Linden 20 Uhr Wiener Blut staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Wilhelm Teil VOLKSBUHNE Theateram BQlowpiatz i) 1. Norden 2944. Täglich 8 Uhr Die Ratten Regie: Heinz Hilpert Kithe Dorsch, Engen Klöpfer, Otto Wernlcke WALL N ER-THEATER Wi» 8.15„Mitschuldigen" „Satyros" von Goethe— Musik; Mozar Preise 0.50 bis 3.- M.— Sonnt 5 u. 8,15 Uhr Vorverkauf täglich ab 10 Uhr Arbeilözeiwerkurzung In Dänemark Sopenhagen. 21. Oktober. Der dänische Sozialminister S t e i n ck e hat einen Bericht über die gescheiterten VerHand- lungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern Stettiner Sänger Reichshallen-Theater (Dönhoffplau) ' Dir, MqrseL Dir. Meysel. Tägl 8.15 Uhr, Sonntags T30 Uhr(ermäßigte Pr Das neue Programm mit der Posse •«Und abends wird getanzt" 8 Uhr IS. Flora 3434. Daadien erl. Bronett-Familie. Lord Ain. 7 Alfredos. Marianne u Roberts. Dormonde. MaeElgin. Mary Erik u. Co. usw. Sonnabend und Sonntag auch nachm. 4 Uhr zu kleinen Preisen »V.Uhr CASinO-THEATER Lothringer Strafe 37. iiiiiiiiiiiiniiHiNiiiiiiiiiniiinuiiiiiuiuiiMiuiiiiiiiiiiHiiMiiiiifiiii Nur noch bis 3. November auch Sonntags nachm. 4 Uhr Königin der Lull Am 4. November zum 1. Male: Die Liebe blübt in Werber Gutschein für die Leser I— 4 Personen FauL 0.75 M., Sessel 1.25 M., Park. OSO M Deutsches Theater Weidend. 5201. 8 Uhr Plioz WM m HDH Sduospiel von H.?. Kleist Regie: MaxReinhardt Kammerspieie 8 Uhr Schultes Bühne Heiterer Ludwig- Thoma-Abend Die Brautschau Erster Klasse MWUW aaanBB Irotiuaamr. 70/71 SteinpL(0 1) 6715 Täglich 80. Uhr Robert und Bertram AlfradBrauD. frih Hindi, SentaSSaelanl Stg. nachm. 3'/. NdM v. Cneisenau >reis 0 40 bis 2,00 WlNMlYt Restaumnt Berlins BETRIEB*«t kempihski4'5 — Theater am Schiffbauerdamm D 2 Weidend. 9935 Täglich 8% Uhr die„Truppe 1931" spielt „Da Hegt der HundbegraDeo' Komödie m.Musik. $fäfU.0per Charlottenburg Fraunhofer 0231 Sonnabend, 22. Okt 20 Uhr Ein masKennaii Neaeinihidierong Bindernagel, Thorborg. Pfahl, Cavara, Müsch, Destal, Ditter, Oonszar Dirigent: Fritz Busch a. G. Rose- Tlieater Große Frinltforter Straße 13Z Iii. Weidnei t 1 3422 5 Uhr Frau Holle 8.15 Uhr Der Hauptmann von Köpenick 11.45 Uhr Ganouenehre B. B. EL Bendows Bunte Bühne Kottbosser Straße 6 trüber„Elite- Sänger" Lache dich gesnnd! Tgl. 8 Uhr, Sonnt, nathm. SV- Preise von 50 Pf. an siahnaebisie, Vlatinabr'älle Qucckttlbci.ginn- Metalle, Silber» schmelze Goldschmel- zeret. Ehriftionat, Käpenicketstrasie 39, Haltestelle Ädalbert- itrafee Kleiitwohauage. Grosiauswahl. Bcmpert, Maybach. lufet 4.• SONNABEND, 22. OKT. 1932 BEILAGE - �- Zwei Qescbicbien von Wölfen Sechs Welte und. ein'Mann Von Ulexandev v. Sacbev~Dtasocb "„Thomas, wie war doch das mit den Wölfen?" sagte einer von uns. Schweigen entstand. Und in dieses Schweigen träufelte wie von ferne die Stimme des alten Wenteurers. „... Ich ging also los, denn ich hatte eilig in Weddental zu tun. Mein Gevatter, der dort eine Wirtschaft betreibt, hatte mir Nachricht gegeben. die Sau sei endlich geschlachtet und ich könne mir meinen Schinken holen, wenn ich wollte. Ich wollte natürlich. Obgleich mir's an jenem Morgen gleich nicht geheuer vorkam, als ich vor das Haus trat, um einzuspannen. Es war noch dunkel und der Schnee fiel in kleinen, nadelspitzen Flocken. Das gibt einen Mordsfrost, dachte ich mir. Aber auf den Schinken wollte ich keinesfalls verzichten. Die Frau jammerte die ganze Zeit.„Warthe," sagte ich zu ihr,„Mund gehalten und her mit dem Speck und fülle mir die Flasche, aber nicht halb, wie das letztemal, sonst setzt's was!" Wenn ich den Weg über die Temes nahm und Richtung hielt, konnte ich es in sechs Stunden zu Fuß schaffen. Ich drehte den Schafpelz nach innen, zog die Mütze über die Ohren und griff nach dem Stock.„Auf Wiedersehen!" sagt« ich, dann ging ich los. Ich war gut drei Stunden marschiert, als ich merkte, daß ich irgendwie aus der Richtung ge- kommen war. Sollte ich umkehren? Zum Kuckuck, nein! Da- zu kannte ich die Gegend wie kaum einer, aber diese vevdammte milchige Dämmerung an jenem Tag und die immer noch nieselnden Schnee- splitter waren schuld an allem. Ich ging also von neuem los. Diesmal stimmte die Richtung, wie ich später feststellte, aber es mochte bereits Mittag sein, und ich hatte durch den Umweg von neuem sechs Stunden vor mir. Ich aß einen Happen und nahm einen tiefen Schluck, denn die Kälte hatte bedenklich zugenommen. Im Verlauf einer weiteren Stunde hörte es ganz auf zu schneien. Es war eine Märchenlandschaft, aber eine sehr un- gemütliche, die ich durchwanderte. Rechts, links, vorn und hinten eine endlose weiße Fläche, und nn Osten tauchte ganz zart aus der klaren werden- den Luft die Kette der Berge auf. Das bedeutete einen Hundefrost, so viel war sicher! Ich mar- schierte drauf los wie ein Besessener, die Hände in den Taschen vergraben, mit eingezogenem Kopf und otmere Dunstwolken aus wie ein Dampsroß. Meiner Berechnung nach hatte ich noch drei Stun- den Weg vor mir. Ueber dem Schnee hatte sich eine Kruste gebildet, die bei jedem Schritt zer- splitterte wie feines Glas. Ich stampste fest auf, denn es begann ungemütlich zu werden.(Wir hatten damals dreißig Grad und die Leute taten keinen Schritt aus der Stube.) (jeräusche... Es mochte gegen halb fünf abends sein, als ich das Geräusch hinter mir zum ersten Male ver- nahm. Oestlich begannen die Berge gerade zu verblassen. Ein leichtes Klirren war es, als liefen hinter mir die geschäftigen Finger eines Klavier- spielers über die gefrorene Schneedecke, aber gan� leise. Ich wußte gleich, was los war. Aber ich sah mich nicht um, denn soviel ich aus dem Ge- räusch merkte, waren sie noch weit hinter mir. Ich verdoppelte meine Schritte. Oben hüllte die Dämmerung alles in graue Leinwand ein, nur der Schnee leuchtete geisterhaft und endlos. Wenn ich nur nicht wieder die Richtung verlor. Ich mochte ein« halbe Stunde gelaufen sein, da hielt ich sekundenlang inne und lauschte hinter mich. Sie hatten aufgeholt, die Biester! Ich warf einen Blick über die Schulter zurück. Da kamen sie in Schwarmlinie angerückt, ihrer sechs. Sechs kleine, schwarze Punkte, in einer Entfernung von viel- leicht hundert Metern. Einer von ihnen trabte auf meiner Fährte. Er schien größer als die anderen. Sechs, das war ein starkes Rudel für unsere Gegend. Nach einer weiteren Viertelstunde merkte ich, während ich in größter Eile über den Schnee stapfte, merkte ich, daß der mittlere wohl etwas wie ein Leitwolf war. Ich vernahm kurzes Gebell und, eilig vorwärts spähend, sah ich die Kerle beängstigend nahe hinter mir. Sie waren näher zusammengerückt und liefen, ein schweigsamer, ge- spenstifcher Trupp, aus meiner Fährte. Der Leit- wolf, er war wirklich beträchtlich größer als die anderen, war den übrigen etwa um zeyn Schritt voraus. Er trottete nicht übermäßig schnell, aber mit unheimlicher Gleichmäßigkeit daher. Sein Fell war eisgrau, während die anderen dunkler gefärbt schienen. "Wolfe slawen mich an Die Dämemrung vertiefte sich, sie mochten nur mehr dreißig Meter hinter mir sein. Ich blieb stehen und drehte mich um. Sie blieben noch ein paar Schritte weit in Bewegung, dann hielten sie wie auf Komamndo an und setzten sich auf die Hinter- bcine. Da war nichts zu machen, wenn ich nicht erfrieren wollte, mußte ich mir Bewegung ver- schaffen. Ich machte also, daß ich weiterkam. Na- türlich war äußerste Vorsicht geboten. Ich»er- renkte mir fast den Hals durch das immerwährende Rückwärtsspähsn. Sie ließen nicht ab von mir, Daß sie von mächtigem Hunger geplagt wurden, war offensichtlich. Ihre Flanken waren eingefallen und ihre Augen leuchteten in unheimlich starrem Glanz. Sie schienen ihrer Sache sicher zu sein und holten gemächlich Schritt für Schritt auf. Ich nahm den Speck aus dem Seitenbeutel, überlegte mir aber dann die Sache. Es war ein guter Speck, müßt ihr wissen, und er schien mir zu schade für diese Mörderbande. Dennoch wußte ich jetzt genau, daß es nicht ohne Keilerei abgehen würde. Ich machte also noch einmal halt und es wiederholte sich das gleiche Schauspiel wie vorhin. Nur waren sie jetzt noch nähergekommen und trotz der sinkenden Dämmerung konnte ich ihre Ge- stalten genau erkennen. Sie sahen sehr ungemüt- lich aus und verhielten sich völlig schweigsam. Der große Kerl vorn entblößte ein funkelndes Gebiß und hatte respekteinflößende Kinnladen. Das konnte ja lustig wenden. Aber allmählich wurde ich wütend. Das rührte in der Hauptsache davon her, daß mich die Nackenmuskeln erheblich schmerzten vom vielen Rückwärtsschaucn. Aber ich mußte die grauen Hunde beobachten, um nicht vom anspringenden Leitwolf überrumpelt zu werden. Denn gelang ihm das— dann gute Nacht, liebe Urgroßeltern! Ich nahm einen tiefen Schluck aus der Flasche und sie wurde gleich ganz leer, darauf könnt ihr Gift nehmen! Dann drehte ich mich um und ging langsam auf die Gesellschaft zu. Ich sah, daß sich ihr Fell sträubte, aber sie rückten nicht von der Stelle. Der Leithund starrte mich an, während er das furchtbare Gebiß entblößte, und der Teufel hole mich, aber es war mir, als grinste er. So«ine Unverfrorenheit war mir noch nie- mols vorgekommen! Jetzt war ich dem Kerl viel- leicht auf zehn Schritt nahegekommen, da machten sie alle wie auf Verabredung kehrt und liefen da- von, nicht allzu eilig, aber immer gerade so schnell, wie ich ihnen folgen konnte. Ich sah ein, daß es so nicht ging. Außerdem mußte ich noch vor sinkender Nacht in Weidental sein. Fluchend zog ich wieder los. Hinter mir klirrte es, klick, klick, klick, tapp, tapp, tapp, näher als je. Mein« Nackenmuskeln schmerzten furcht- bar. Ich mußte sie überlisten. Ich spähte also noch einmal vorsichtig nach hinten und sah den frechen Lesthund mit aufgestellten Ohren etwa zehn Schritte hinter mir, dann machte ich einen Sprung und stürmte vorwärts. Ein kurzes Gebell, dumpf und krachend, wie der Applaus vieler Männerhände, belohnte mich. Blitz- schnell wandte ich den Kopf, der Leitwols war mir dicht an den Fersen. Die anderen folgten in sicherer Entfernung. Jetzt konnte er nicht mehr anders, er mußte wohl oder übel angreifen. Die anderen erwarteten es von ihm, kalkulierte ich. Und ich behielt recht. Denn in dem Augenblick, als ich blitzschnell herumfuhr, von einem neuer- lichen Gebell der Meute gewarnt, sah ich den grauen Schatten vor mir in der Luft, in Mannes- höhe. €s kommt zum Kampf Die Wut eines Teufels packte mich. Der Blei- köpf meines Stockes wirbelte herum und klatschte dumpf auf den zottigen Schädel. Zwar hotte ich den ersten Angriff dadurch abgewehrt, aber der Hieb saß nicht richtig und war halb abgeglitten. So schoß der Körper dicht an mir vorbei und schnellte, sich noch im Sprunge drehend, zu neuem Angriff heran. In dieser Sekunde warf ich einen Blick auf die Meute. Sie saßen im Halbkreis wie Zuschauer in einem Zirkus und beobachteten die Vorstellung. Sie sahen ganz harmlos und neu- gierig aus, aber ich wußte, wenn ich mit dem Kerl nicht Schluß machte, erging es mir schlecht. Es war ihnen gleich, wer von uns beiden fiel, doch sie mußten fressen. Sein zweiter Sprung war gut berechnet. Er verfehlte um Haaresbreite meinen Hals und sein übler Atem siel mir ins Gesicht. Mein Stock wirbelte und diesmal traf ich richtig. Er fiel auf den Rücken und seine Schnauze war blutig, als er wieder hochkam. So ein hart- näckiger Teufel! Und imemr noch grinste er mit entblößten Zähnen, wie mir schien. Da packt« mich die Wut so, daß mir Hören und Sehen verging. „Du Biest!" schnaufte ich und rückte ihm zu Leibe. Solch unbändiger Zorn schüttelte mich, daß ich den Stock einfach in den Schnee steckte und dem neuen Sprung mit bloßen Händen entgegensah. Sein Körper hatte trotz aller Abgezehrtheit genug Gewicht und ich taumelte, als meine Finger den zottigen Nacken umschlossen. Ich griff zu und nicht sanft, darauf könnt ihr wetten. Es muß ein sonderbarer Anblick gewesen sein, das graue, hagere Tier, die Hinterbeine gegen den Schnee gestemmt, sein Kopf reichte mir fast bis zum Kinn. Wir staüden da, als wollten wir ein Tänzchen miteinander machen. Aber ich sah schon, daß ihm die Augäpfel aus den Höhlen zu quellen begannen, er schnaufte nicht mehr und die Zunge rückte ihm aus dem Maul. Das Unheimliche dabei war, daß er immer noch grinste, der graue Teufel! „Lachst du über mich?" knurrte ich ihn an. Und dann drehte ich ihm den Kragen um. Es schien mir, als wäre die weite Fläche mit rotem Schnee bedeckt. So stark saß mir die Wut in den Augen. Ich packt« den Kerl beim Schwanz und stürmte auf die neugierig gaffenden fünf Zuschauer los. Und den Körper des Oberräubers durch die Luft wir- belnd, schleuderte ich ihn mitten in die ekelhafte Gesellschaft hinein. Ich wollte noch etwas sagen, aber ich brachte kein Wort über die Lippen, so widerwärtig waren mir ihre Fratzen. Sie machten nicht viel Federlesens mit ihrem ehemaligen Leit- Hammel und sielen gleich über ihn her, heiß- hungrig wie— nun, wie Wölfe! Ich wartete die Sache nicht ab, zog den Stock aus dem Schnee, der in der Dämmerung allmählich wisder weiß zu leuchten begann, und lief, was mich die Beine tragen konnten. Denn zu weiteren Auseinander» setzungen fehlte es mir an Zeit. Abends kam ich denn auch richtig bei meinem Schinken an. Hie Sehne des Später Winter war über Bosnien, wild und hart. Er trieb die Menschen in ihre Häuser, zu Ofen, Schnaps und Speck: und er trieb hungrige Gäste aus der Planina hinunter in die Täler: die Wölfe... Letzte Nacht hat gar einer der alten Maika Rodojcwitsch die einzige Kuh im Stall gerissen. Da geht der Jäger los, und er nimmt mich mit: Wolfsjagd! Wir besteigen die mit Holzsätteln ausgezäumten, winzig kleinen Gebirgspserdchen, die Paßgang lausen und niemals stürzen. Der Schnee ist nicht tief, wir kommen gut vorwärts, aber der Wind schneidet ins Fleisch des Gesichtes und der Hände, die Handschuhe helfen da nicht viel. Hinter schmalen Waldstreifen stehen die Felsen nackt, sie sind zu steil, als daß der Schnee sich auf ihnen halten könnte, aber in den Kronen der urwald- dicht stehenden Eichen und Tannen lastet er schwer. Nach dreistündigem Ritt werden die Pferde in einer Hütte untergestellt, und wir gehen zu Fuß weiter, biegen ab von der Straße, schmale Pfade ins Unterholz gehend— stellenweise sieht man noch dir Spuren der Axthiebe, mit denen der Jäger sich heute morgen hat freie Bahn schaffen müssen. Es ist am Dämmern, als wir die Lichtung erreichen, auf der eine Hälfte von Maika Rodoje- witsch' Kuh blutig lockend liegt. Im Gestrüpp fassen wir Posten, rauchen und trinken ab und zu einen Rakia— noch ist es nicht dunkel genug, noch ist Buk") nicht zu erwarten. „Wissen Sie auch", erzählt der Jäger,„wie die Einheimischen jetzt die Wölfe nennen? Söhne des Krieges... Sie haben recht, die Leute. Vor dem großen Kriege hatte ich noch etwa 20l> Wölfe im ganzen riesigen Revier, jetzt sind es allermindestens 3000. Wer hat Zeit gehabt in diesen Iahren, Wölfe zu schießen? Das Pulver wurde für die Menschenjagd gebraucht. Sie sind die einzigen, die Wölfe, die vom Krieg profitiert haben, boganri**)..." Es ist dunkel genug geworden, der Schnee rieselt lautlos und dicht wie Regen, der nicht rauschen darf, die halbe Kuh ist ein weißer Hügel mit dunklen Flecken darin, und in ihrer armen Hütte sitzt jetzt Mutter Rodojewitsch und weint und jammert um diesen Hügel, der ihre einzige Kuh war bis gestern Nacht. Zwei Rehe ziehen vorüber— vielleicht werden sie wenige Kilometer weiter Vuks Beute. Sie sind so satanisch schlau, die Wölse, wenn der Hunger sie tiefer in die Täler treibt: einer von ihnen saßt Posten am Bachlaus, denn diesen Bachlaus muß das Reh zur Flucht wählen, wenn der andere es verfolgt: im Bachlauf allein ist kein Schnee, im Bachlauf allein kann es schnell dahinjagen, denn im Schnee sinkt es ein mit seinen schmalen Beinen, indeß der Wolf aus dem Schnee läuft. Im Bachlauf kann es sich retten vor dem einen Wolf, und im Bach- lauf wird es die Beute des andern: der springt ihm aus dem Dickicht auf den Rücken, das zarte ') Der Wolf.**) Bei Gott. Von Gerbarl Uevrmann TUcsiai' Rückgrat zerbricht unter dem Druck des mörderischen Gebisses... So ist das, so wild und so traurig, so ist das jede Nacht... Wir hocken Stunden um Stunden, bis lange nach Mitternacht, und frieren jämmerlich, und nichts zeigt sich. Der Jäger steht endlich leise fluchend auf.„Buk muß etwas gewittert haben, oder er hat andere Beute gesunden", sagt er mürrisch, fast kindlich traurig.„Ich habe aber vor drei Tagen noch eine Falle gestellt, nicht weit von hier. Zwar habe ich wenig Hoffnung, aber wir können ja mal sehn..." Wir quälen uns durch Dickicht, oft genug muß der Jäger sein kurzes Handbeil zur Hilfe nehmen, denn diese Wälder sind Urwälder, noch immer. Stunden gehen wieder hin, am Himmel ist ein fahles Grau— da sind wir wieder auf einer Lichtung. Der Jäger bleibt leise fluchend stehn: „Nichts. Hab' mir's ja gedacht." Aber er tritt doch nahe an den Baumstamm heran, an dem die Kette der Falle befestigt ist. Da kann er einen leise jubelnden Rus sich nicht versagen. Die Kette, die Falle ist gar nicht mehr da, der gut 30 Zentimeter dicke Stamm ist durchgebissen—: Buk ist in die Falle geraten, vor drei Nächten wohl schon: er hat, während der Schmerz im Fuß tobte, das starke Holz durchgebissen, in unermüdlicher, angstgejagter Arbeit von Tagen und Nächten; endlich, wohl vor Stunden erst, ist es so weit gewesen, ließ die Kette sich abziehen vom Stamm, denn dicht neben ihr hatte er ihn durchbissen: nun rettet sich Buk hinauf in seine Berge, aber es geht so furchtbar langsam, er kann nicht rennen, nicht springen, die Kette ist schwer, die Kette schleppt, die Kette verhakt sich in Ge- strüpp und Gedörn... Die blasse Wintersonne geht aus: die Schnee- wölken sind verschwunden. Wir folgen Buk. Wir sehen die aufgewühlten Stellen, an denen er die Kette von irgendeinem Hindernis befreien mußte, und an diesen Stellen grinst der Jäger. Nein, es ist kein Mitleid in ihm mit Buk. Einmal, da hat es ihn gepackt, solch falsches Mitleid. Da hat er mitten im Sommer, ganz hoch oben in der Pla- nina,«ine Wolfsmutter getroffen, die säugte ihre vier Jungen. Es war seine Pflicht, diese säugende Mutter, diese trinkenden Jungen zu erschießen— das hieß, tausend Rehe, Ziegen, Kühe retten. Und doch war auch hier kindliches und mütterliches, unschuldiges Leben. Nun, er hat das Seine getan, er hat sie alle erschossen, aber es ist ihm schwer gefallen, verflucht schwer... Gerade hat die Sonne den letzten Wolkenschleier zerrissen— da bleibt der Jäger wieder stehen, beugt sich nieder: vor ihm liegt die Falle, in ihr steckt Vuks rechte Vorderpfote. Er muh nahe vor uns sein, er hat uns gehört, gewittert: da hat der Wahnsinn der Angst ihn gepackt, der wilde Wunsch nach Leben und Frecheit, da hat er sich den Lauf durchgebissen, genau im Gelenk— nun hängt der blutige Stumpf in der Falle, aber die Falle blieb zurück, blieb liegen im Unterholz, Buk war frei... Wir sind schon recht hoch oben, an die Stelle der riesigen Bäume tritt mannshohes Kiesern- buschwcrk. Ueber die Grate flüchten vereinzelte Gemsen, die wir aufgescheucht haben, schöne, grazile Schatten gegen den hellen Himmel. Sie sind Kinder der Höhe, fast unwirklich in der Leichtigkeit ihrer Sprünge, auch kein Wolf kann sie erreichen: Lieblingsgeschöpse des Berggottes. Vor uns bewegen sich Zweige. Der Jäger geht schneller. Entsichert die Flinte. Nun hören auch die Kiefern auf. Eine Steinhalde beginnt, mit nichts als dürftigem Heidekraut bestanden. Nach einigem Zögern tritt Buk auf diese Halde; er wäre besser im Gebüsch geblieben, aber er wagt sich wohl nicht zurück. Jammervoll sieht er aus. Ein Krüppel, der un- geschickt, vergeblich hastend aus drei Beinen hoppelt, das vierte blutet; wir haben diese Blut- spur ja seit Stunden verfolgt. Die Zunge schlappt, der Atem röchelt.„Machen wir ein Ende!" sagt der Jäger, legt an und schießt. Buk fällt zur Seite, wie vom Schlag getroffen: überschlägt sich nicht, sinkt nicht in sich zusammen, fällt einfach um, wie ein Spielzeug aus Holz. Wir treten heran. Stehen vier Schritte vor ihm. Da geschieht das Erschreckende, Sonderbare—: Vuk springt wieder auf. Will fliehen. Sieht uns. Begreift, daß Flucht sinnlos ist, und stellt sich. Unendlich traurig, grausig sieht die Kampfbereit» schaft dieses Krüppels aus. Die Pupillen der Augen sind stechend scharf, sind ganz klein, sind ganz Wildheit und Wut und Mut. Aber die Beine zittern. Wie er den Hinterkörper senkt, um zum Sprung anzusetzen, knicken sie ein, tiefer als der Wolfswille befahl. Mitten im schlaffen Sprung trifft ihn des Jägers zweite Kugel, sie zer- schmettert das Hirn zwischen den Augen. Er überschlägt sich, rollt uns vor die Füße, zuckt noch ein-, zweimal: dann ein müdes Sichdehnen, Sich- strecken—: es ist aus. Vuk, der Sohn des Krieges, ist tot. „Einer von 3000!" sagt der Jäger bitter. Dann untersucht er den toten Körper. Es ist nichts von einem ersten Schuß zu sehn. Der Jäger hatte gefehlt. Es gibt auch beim Wilde Ohnmächten aus Todesmattigkeit und Schreck... Die Sonne steht schon im Mittag. Wir schreiten zum Tal. Die Dörfler werden den Kadaver holen. An einem Felsrand sehen wir tief, tief unter uns das Dorf. Die Schindeldächer glänzen. Aus den Löchern darin quillt steilauf der Rauch der Holz- feuer, er sieht ganz schimmernd aus. Frieden... „Sie werden feiern heute abend", sagt der Jäger,„werden singen und trinken und mir zujubeln wie einem Helden. Aber es ist nur einer. nur ein einziger von 3000, und übssmorgen wird eine andere Kuh gerissen sein, und Maika Rodo- jcwitsch kriegt ihre nicht wieder. Wann wird man sie einmal ganz ausrotten, diese Söhne deq Krieges... 1" Müller ko. durch v. Porath Große Boxkämpfe gestern im Berliner Sportpalast Nach einem dramatischen Kamps unterlag gestern der deutsche Schwergewichtsmeister Hein Müller gegen seinen Widersacher, den Meisler von Norwegen Otto v. porath. durch Niederschlag. Alle Voraussagen, die diesem grohen Kamps vorausgingen. waren Fehlanzeigen, Müller hatte gegen den körperlich weit überlegenen porath nie eine Chance, und das Ende stand bereits nach der ersten Runde fest. Der Sportpalast hatte gestern wieder einen seiner grohen Boxkampstage. Ein überfülltes Haus, das in bester Stimmung war, sah eine An- zahl Kämpfe, die boxerische Qualitäten der Kämpfenden und interessante Runden brachten. Zunächst der Hauptkampf des Abends: Obwohl er nicht programmgemäß als eine A u s f ch e i- üung zur Europameisterschaft der Schwergewichte signiert war. kam ihm doch diese Bedeutung zu. Hein Müller, der im vorigen Sommer im Poststadion den Titelhalter, den Bei- gier Charles, glatt nach Punkten erledigen konnte und somit die Europameisterschaft an sich brachte, mußte, wollte er sie wieder erobern, den Weg über Porath nehmen. Er fand einen Gegner, der im körperlich sowohl als auch in der Schlagkraft stark überlegen war. Der Norweger brachte 91,7 Kilo, Müller dagegen nur 8S,4 in den Ring; war Porath erheblich größer und stärker gebaut, so er- schien Müller dagegen fast klein und zierlich. Gleich die erste Runde begann mit einem leb- haften Schlagaustausch. Man sah, daß jeder auss Ganze ging. Bereits von der zweiten Runde an war Müller angeschlagen. Porath konnte mehrere Male seine gefürchtete Rechte, die ohne erkenn- baren Ansatz kam, in da» Gesicht seines Gegners landen und ersichtliche Wirkung hervorrufen. Ob- schon Müller trefflich einsteckte und auch ebenso kräftig wiedergab, spielten sich doch in der dritten und vierten Runde ähnliche Borgänge ab, die den Deutschen immer mehr erschütterten. Er taumelte oft haltlos im Ring umher und Porath machte sich das Vergnügen, im wahrsten Sinne des Wortes mit der Linken Maß zu nehmen, um dann rechts ganz gehörig zu landen Was Müller dem entgegensetzen konnte, war ohne Belang. In der fünften Runde mußte der Kölner zweimal zu Boden. Er war sehr schwer angeschlagen und nur der Gong rettete ihn vor dem Auszählen. Die sechste Runde brachte dann das Ende. Müller taumelte in seinen Gegner hinein und empfing, was ihm dieser gab. Der entscheidende Niederschlag brachte das Ende eines Kampfes, der die hohen Qualitäten v. Poraths bewies. Das Rahmenprogramm brachte interessante Be- gegnungen. Im einleitenden Schwergewichts- kämpf zeigte sich der Berliner K ö l b l i n von stark verbesserter Seite, er war schneller als der Düsseldorfer W a l l n e r und gewann über die acht Runden verdient nach Punkten. Eine ziem- lich einseitige Angelegenheit war der nachfolgende Bantamgewichtskampf zwischen Rieth darf- Berlin und B e i s m a n n- Hannover. Der stürmisch angreifende Riethdors war in allen acht Runden überlegen und trug einen haushohen Punktsieg davon. Im Zeichen erbitterter Schlag- Wechsel stand das Treffen zwischen dem deutschen Federgewichtsmeister Harry Stein und dem Kölner Leichtgewichtler Jacob Domgörgen. Stein war zwar in der vierten Runde nach mehre- ren schweren Treffern etwas in Verlegenheit, überwand aber die kritische Situation durch tak- tisch kluges Boxen und konnte dank einer großen achten Runde noch ein Unentschieden herausholen. Zum Schluß gab es noch einen weiteren Schwer- gewichtskampf zwischen dem Kölner Vinzenz H o w e r und dem italienischen Riesen Berga- m a s. Der Rheinländer wußte mit seinem an- nähernd 30 Pfund schwereren, ihm auch an Größe und Reichweite überlegenen Gegner nicht viel an- zufangen. Bergomas, der sich nicht nur geschickt verteidigte, sondern in den beiden letzten Runden auch selbst zum Angriff überging, überließ Hower nur«inen recht knappen Punktsieg. Aus den Ringen Der alte Schwergewichtsmeister Ludwig H a y- mann feierte in der Stadthalle zu Stuttgart seine Rückkehr zum aktiven Boxsport. Der Münchener, der in seiner früheren Laufbahn wohl hohe Qualitäten verriet, doch infolge widriger Umstände nie recht überzeugen konnte, mußte sich von dem Berliner Karl Walter nach Punkten schlagen lassen. Der Ausgang war vorauszusehen, Haymann hätte bester getan wenn er auf sein Wiedererscheinen im Ring verzichtet hätte. Di« Niederlage durch Walter N e u s e l, die der kanadische Neger Larry G a i n s zu Beginn der Woche in Paris einstecken mußte, hat ihn zu einer Revancheforderung an seinen Besieger ver- anlaßt. Der Kamps soll in London stattfinden, die Zeit ist noch nicht festgesetzt, denn Neuste! will zunächst mal die deutsche Schwergewichtsmeister- schaft an sich bringen, die zur Zeit noch Hein Müller innehat. Der italienische Boxriese C a r n e r a hatte, wie wir berichteten, S ch m e l> n g s Kampfbörse aus seinem Treffen mit Mickey Walker beschlog- nahmen lasten mit der Begründung, daß Schmeling ihm, Carnera gegenüber, ein gegebenes Kampfversprechen noch nicht eingelöst habe. Wie aus New Pork gemeldet wird, hat nunmehr das ordentliche Gericht Carnera mit seiner Klage ob- gewiesen und verfügt, daß Schmeling sofort seine Gage ausbezahlt erhält. Es sind 73 999 Dollar! Sport am Sonntag Für jeden wird morgen etwas Interessantes geboten Mit den Bezirkswaldläusen am Sonntag be- ginnen die Veranstaltungen der Arbeiterleicht- athleten im Winterhalbjahr. In dieser Jahres- zeit kann es für Sporttreibende nichts Schöneres geben als ein mit gymnastischen Uebungen ver- bundener Lauf durch eine herrliche Herbstland- schaft. Der 1. Bezirk im 1. Kreise trifft sich im Plänterwald zu seinem Waldlauf. Sportlerinnen, Alterssportler und Sportler treffen in ihren Gruppen aufeinander. Dabei treten die führenden Vereine wie ASC., Ostring, Wildau, Köpenick mit den besten Läufern an. Der Start der ersten Gruppe ist auf 13 Uhr am„Alten Eierhaus" an- gesetzt. Da Start und Ziel sowie Kontrolle un- mittelbar beieinander liegen, läßt sich der Ver- lauf des Rennens gut übersehen. Anschließend findet im„Alten Eierhaus" ein Beisammensein statt. Beim Waldlauf des 4. Bezirks starten in der Jugendklasse 26, im Frauenlauf 16 und im Mannschaftslauf der Spieler 24 Teil- nehmer. Auch die Sprinter und die Alterssportler stellen ihre Kräfte auf einer 1999-Meter-Strecke unter Beweis. Es treffen nur L-Vereine, wie Volkssport Neukölln, ASV. Neukölln, Fichte, Teltow und Schöneberg, aufeinander. Durchge- führt wird der Waldlauf um 19.39 Uhr auf dem Gelände der Wolfsschlucht. Umkleidelokal„Wolfs- fchlucht", Nähe U-Bahnhof Krumme Lanke. An- schließend findet im genannten Lokal eine Sport- wartsigung statt. Ein Handballspiel Teltow gegen Schöneberg schließt um 12.39 Uhr im Zehlen- dorfer Stadion den Waldlauf ab. Im 2. B e- z i r k ist Start und Ziel ebenfalls um 13 Uhr im Volkspark Rehberge. Alkerslurner Im Friedrichshain. Der 23. Oktober sieht im Stadion Freidrichshain einen Herbstspiel- und-sporttag der Altersriegen(Turner und Sportler) des 1. Kreises im Arbeiter-Turn- und Sportbund vor. Um 13 Uhr beginnt die Ver- anstalwng mit einem Dreikampf im Medizin- ballweitwerfen, Gymnastik und Laufen über 73 und 69 Meter auf der Aschenbahn. Im An- schluß daran finden Staffelläufe auf der 499- Meter-Bahn statt. Weiter wird die am 4. Septem- der unterbliebene Austragung der Kreismeister- schaft im Faustball ausgetragen. Dabei hat der vorjährige Kreismeister, die Luckenwalder Turner- schaft, mit starken Gegnern zu rechnen. Die Freie Lehrersportvereinigung, der Bezirk Osten der FTGB. und Volkssport Wedding werden die Fein- heiten eines Faustballspiels gut herausbringen. Bei eintretender Dunkelheit wird als Neuheit ein Faustballspiel mit dem leuchtenden Ball vorge- führt Der Bezirk Osten der FTGB. und Proles- Ost treten hierbei als Gegner an. Als Werbe- Veranstaltung gedacht, ist der Eintritt zum Spiel- platz frei. Arbeilerboxer im Ring. Am Sonntag veran- staltet der bundestreue Boxklub„Britania 32" im Viktoriagart*!, Am Treptower Park 23, einen Kampfabend im Boxen. Mehr als ein Dutzend Kämpfe vom Papier- bis Schwergewicht werden geboten. Die schon oft erfolgreiche Vereinsmann- schaft trifft auf eine sehr starke kombinierte Staffel aus den Vereinen Tegel und Alt-Wedding. Außerdem bestreiten die Britania-Boxer Kunz II, Grodda, Mathan, Feldt, Sandow und Lehmann gegen starke Gegner Einleitungskämpse. Eintritt 59 Pf. einschl. Tanz. Einlaß 13 Uhr. Beginn der Kämpfe 16 Uhr. Abrudern und paddeln— Charlottenburger Boolslause. Ihr traditionelles Abfahren begehen am kommenden Sonntagvormittag die Arbeiter- wassersportvereine der Unterhavel. Von Ties- werder aus fahren die Boote haoelabwärts. Eine gemeinsame Rückfahrt beschließt die diesjährige Saison. Am Nachmittag taufen dann die Freien Schwimmer Charlottenburg auf ihrem Bootsplatz in Spandau-Tiefwerder, am Jürgengraben, die im Bootsbaukursus für erwerbslose Jugendliche her- gestellten Klinkerkajaks. Beginn 14 Uhr. An- schließend findet ein Handballspiel der FSC.- Kanuabteilung gegen die Reichsbanner-Wasser- sportabteilung, Zug Havel, statt. Danach Bei- sammensein im Sportshous Schulz, Tieswerder. Freunde des Arbeitersports und die Bruderver-� eine sind freundlichst eingeladen. Fahroerbindung: Stadtbahn bis Spandau(Hauptbahnhof), Straßenbahn 34 und 134 bis„Neue Welt", Spandau. Noch ein Arbeilerfuhballspiel. Im Neuköllner Stadion, Platz 3, hat der Sportklub Rot-Weiß Neukölln den Fußballklub„Eiche", Finkenherd bei Frankfurt a. d. O., mit zwei Mannschaften zu .Gast. Die Finkenherder sind im Oderbezirk Gruppenmeister, mithin ein spielstarker Gegner. Die Spiele beginnen um 13.29 und 13 Uhr. Schachwettkämpfe. Die �.-Gruppe der Freien Arbeiter-Schachoereinigung setzt ihren Kampf um die Abteilungsmeisterschaft fort; es spielen von 91-2 bis 13/4 Uhr die Abteilungen: Friedrichshain gegen Lichtenberg bei Albrecht, Straßmannftr. 42; Humboldchain gegen Treptow bei Müsch, Brunnen- straße 149; Grünau gegen Kreuzberg in Grünau- Falkenberg, Gemeinschaftshaus; Charlottenburg gegen Weißensee in Charlottenburg, Grünstr. 19; Prenzlauer Berg gegen Wedding bei Post, Star- garder Straße 19; Norden-Mitte 1 gegen Fried- richzselde bei Weiß, Bornholmer Straße 1. Gäste sind überall gern gesehen. „Z Stunden" im Sportpalast. Am Sonntag bringt der Sportpalast ein 3-Stunden-Mann- schaftsrennen. Es gehen elf Paare in das lange Rennen, und zwar die Hollänser Piet van Kempen-Pijnenburg, die Belgier Smets-Haegel- steens und die Deutschen Tietz-Kroll, Funda- Maidorn, Siegel-Thierbach, Ehmer-Resiger, Miethe-Ltroschel, Buse-Sieronski, Stöpel-Manthey, Gebrüder Nickel, Ahlers-Becker. Beginn 29 Uhkr. Meisterschaft der Zeitungsfahrer. Auf der 499 Meter langen Aschenbahn des Preußen-Sport- Platzes auf dem Tempelhofer Feld gelangt am Sonntag, ab 14 Uhr, die 8. Meisterschaft der Berliner Zeitungsfahrer zum Austrag. Es wer- den zunächst drei Vorläufe über je 19 Kilometer erledigt, die Besten kommen dann in den über 73 Runden(39 Kilometer) führenden Endlauf. Ueber 199 Nennungen sind für das Rennen ab- gegeben worden, darunter von so bekannten Fahrern wie dem vorjährigen Sieger Golz, ferner Kedzierski, Feder, Longardt, Gebr. Kalupa, Schwemmler, Tallmann, Schütze und Lipkow. Unter ihnen befinden sich auch Fahrer des„Vor- w ä r t s"- Verlages, für die der Verlag einige Preise zur Verfügung gestellt hat. Das erste Damenrennen auf der Karlshorster Bahn, das für Sonntag ausgeschrieben ist, wird unmittelbar nach dem Deutschen Halbblutrennen in der Pause zwischen diesem und dem Reichs- kanzler-Iagdrennen gelaufen. Serien ringkämpfe L,-F. 04 gegen Sparta 7: 7 Den zweiten Serienkampf im Mannfchaftsringen der Arbeiterothleten des 4. Kreises(Berlin und Brandenburg) trugen gestern in der Turnhalle Bürgerheimstraß« die beioen ö-Mannschaften der Vereine Lichtender g-F riedrichsselde 94 und S pa r t a- Neukölln aus. Die Lichtenberger, die in dieser Serie mit meist neuen Leuten starren. konnten ihren ersten Kampf gegen die Neuköllner Staffel mit einem beachtenswerten Unentschieden (7: 7) beenden. Der Fliegengewichtler Röll(L.-F.) konnte sich seinem routinierten Gegner Langer(Sp.) sieben Minuten lang erwehren und erlag dann einem blitzschnellen Hüftschwung. Im Bantamgewicht mußte Iähnicke(L.-F.) von Bresicke(Sp.) in oer vierten Minute durch Armzug am Boden eine Schulterniederlage hinnehmen. Für Lichtenberg holte W. Binder die ersten Punkte durch einen Blitzsieg über Steinicke(Sp.) nach 42 Sekunden Ringzeit. Der Leichte Spartaner Rösicke siegte über Neumann(L.-F.) in der zweiten Minute durch Eindrücken der Brücke. Im Mittelgewicht wurde P. Binder(L.-F.) kampslos Sieger. Der Hallfchwere Walloschek(L.-F.) warf Luge(Sp.) nach 1.43 Minuten durch einen kraftvollen Unter- griff auf beide Schultern; die Schwersten Rollos (L.-F.) und Gesch(Sp.) trennte ein Unentschieden. Bei den Iiu-Jitsu-Sportlern siegte Steinte(Einig- keit über Beseler(L.-F.) nach 3.39 Minuten durch Armhebel; Thun(L.-F.) zwang Vater(Einigkeit) durch Fußhebel zur Aufgabe, und Kunz(Einigkeit) siegte über Lück(L.-F.) noch 1.97 Minuten. Die Scheibenstange überließen die Bundesmeister der Vereinigung L.-F. gestern fast ganz den Nach- wuchshebern, die gute Leistungen zeigten. Für die Zuschauer Sechs Gebote für Betragen Die Klagen über undiszipliniertes Verhalten vieler Zuschauer bei Fußballspielen bürgerlicher Bereine verstärken sich immer mehr. Da ist es ganz interessant, was eine große Zeitung in Madrid ihren Lesern für Ratschläge gibt. Sie stellt sechs Gebote für Zuschauer auf, die so lauten: 1. Glaube ja nicht, daß die Ehre deiner Stadt von den Stiefeln der Fußballspieler abhängt. 2. Es ist außerordentlich schwer, eine erregte Debatte mit dem Nachbarn zu führen und gleich- zeitig jede Abseitsstellung genau festzustellen. 3. Ob der Ball im Spiel ist oder aus, das ist eine Frage der Perspektive. Ob du aber mit dem Linienrichter übereinstimmst oder nicht, ist eine Frage der Erziehung. 4. Es gibt Leute, die nach einem„Elfmeter" wie nach einem glücklicheren Los schreien. Die gleichen Leute sind höchst unwillig, wenn der Schiedsrichter ihren Gegnern gegenüber groß- zügig erscheint. 3.„Rempeln", ohne brutal zu sein, ist faires Spiel und in England die Regel. Bei uns vergißt man nur zu schnell, daß Fußball ein Spiel für Männer ist. 6. Seid kein« Narren! Vergeht nie, daß Fuß- ball nur ein Spiel ist. Die Phologemeinschast im Touristenverein„Die Naturfreunde" zeigt vom 29. Oktober bis einschließ- lich 13. November 1932 in eigenen Räumen. Verlin N., Johannisstr. 13, ihre Jahresschau. Die Ausstellung ist geöffnet werktags von 19 bis 21 Uhr, Sonntags von 19 bis 29 Uhr. Schwarzes Brett Radlahrer„Solidarität-. Touren für Sonntag, 23. Ottober. Tiergarten: Summt. Statt: 18 Uhr Bülowstr. 55. — Kre Urberg: Streifzüge durch die Dubrow. Start: 7 Uhr. 22. Oktober Klein-Koris. Start: 17 Uhr. Rhode, Dieffen- bachftr. iSSe.— Mitte: Durch den Grunewald. Start: 8 Uhr.— Zehlcndorf: Start: 13 Uhr. Beide Mariannen. plah.— Prenzlauer Berg: Ziel am Start. Start: 9 Uhr bei Holder, Oderberger Str. 31.— Friedrichshain: Rad- fahrt. Ziel am Start. Start: 8 Uhr Petersburger Platz.— Jugend: 22. Oltober nach Prenzlau. Start: 18 Uhr Peters. burger Platz— Wedding: Grunewald. Start: 8 Uhr Nettelbeckplatz.— Neukölln: 8 Uhr Start zur Bilderfahrt. Start: Sohenzollernplatz.— Moabit: Iörsfelde. Start: 13 Uhr Wiclefstr. 17.— Donnerstag, 27. Oltober, General- oerfammlung der Ortsgruppe um 19 Uhr im Gewerk- fchaftshau». Freie Zlauu.Uuiou Grotz-Berlin. Sonntag, 23. Oktober, 9 llhr, Arbeitsdienst in Köpenick, Bootshausgelände, Achenbachstraße. Dienstag, 25. Oktober, 19 Uhr, siehe An- lündigung des Arbeiter-Lichtbild-Bunde». Keine Lokaliperrung. Der Inhaber de» Lolal» Schreiber im Norden Berlins teilt uns mit, daß fein Lokal für die Arbeiterschaft nicht gesperrt ist lwie im Sportteil des ..Vorwärts" oom 15. Oltober z» lesen war). Lediglich die Radfahrgruppe oon„Solidarität" hat ein anderes Lokal bezogen. Rundfunk am Abend Sonnabend, 22. Oktober Berlin: 16.03 Blasordiesterkonzert. 17.00 „Der deutsche Film und seine Bedeutung" (J. Delmont). 18.00 Deutsches Sprachgut (Dr. W. Leyhausen). 18.25 Lula Mysz- Gmeiner singt. 18.30 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Emin Pasdia (R. Schmidt). 19.35 Deutschlöfft liest Heiteres. 19.50 Zehn Minuten Sport. 20.00 Orchesterkonzert. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. 24.00 Als Einlage: Vom nationalen Amateurtanzturnier um die Berliner Meisterschaft. Königs Wusterhausen: 16.00 Kitsch und seine Bedeutung für Kunst und Leben (Prof. Segal). 16.30 Aus Hamburg; Nachmittagskonzert. 17.39 Viertelstunde für die Gesundheit(Dr. Wehlau). 17.30 Uralte Stätten westl. Kultur in der Ueberlieferung der Odyssee(Prof. Dr. R. Fitzner). 18.03 Musikalische Wochenschau: Neue Schallplatten (F. Stössinger). 18.30 Deutsch für Deutsche (Dr. J. Günther). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Französischer Sprachunterricht. 19.40 Kirche und Gesellschaft(Chefred. O. Ernst). 20.00 Aus Wuppertal-Barmen: Veranstaltung zum Besten der Winterhilfe des Westdeutschen Rundfunks. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im„Volksfunk", monatl.% Pf. durch alle„Vorwärts"- Boten oder die Postanstalten. Sonntag, 23. Oktober Berlin: 6.15 Funkgymnastik. 6.35 Aus Hamburg; Hafenkonzert. 8.00 Mitteilungen für den Landwirt. 8.55 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 11.09 Märchen(Adele Proesler). 11.30 Reichssendung. Aus Leipzig: Bachkantate. 12.03 Aus Bamberg; Der Dom zu Bamberg(Hörbericht). 12.33 Aus Königsberg: Mittagskonzert. 14.00 Das Elternrecht in der Gegenwart(Dr. Kindt). 14.30 Blinden- konzert. 15.30 Orchesterkonzert. 15.50 Aus Köln: Hockey- Silberschild- Zwischenrunde, Brandenburg— Westdeutschland(Wachspl.). 16.03 Orchesterkonzert. 17.30 K. N. Nicolaus: Eigene Prosa. 18.00 Heimat zwischen Spree und Havel(Dr. W. Möbus). 18.20 Sonaten. 19.09 Zeitfunk. 19.13 Der Geistige in der Nation. 19.43 Sportnachrichten. 20.00 Das Lokalstück(Berliner Humor in alten Possen). 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königs Wusterhausen: 11.00 Dichterstunde: K. H. Waggerl: aus seinem„Wiesen- Buch". 14.30 Die Lyrik der Gegenwart (Dr. R. Voigt). 13.00 Jacob Böhme(Dr. G. Wyneken. 17.30 Der Lebenskampf der Ostmark(H. Kyser). 18.00 Deutsche Volkslieder (Helga Thorn u. O. Besemfelder). 18.30 Vom Reich der Deutschen(H. v. Gleichen). 19.50 Stunde des Landes. 20.30 Aus Leipzig:„Die Freunde von Salamanka" von F. Schubert. 22.13 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle„Vorwärts"- Boten oder die Postanstalten.