Abend- Ausgabe Nr. 502 B243 49. Jahrg. Redaktion und Verlag- Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher- A7 Aml Dönhoff R2 di« 297 Telegrommadr-fse- SozioldemoKot Berlin BERLINER VOLKSBLATT MONTAG 24. Oktober 1932 In Groß- Berlin 1 0 Pf. Auswärts....... 10 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe am Schlub beS redaktionellen Teils Jentraloegan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Die Äwickelkultur �ciolk I�oehs Körperkultur verboten Wir erfreuen uns, beim Zeus, einer weit- sichtigen Regierung. Naive Leute glaubten, die Regierung müsse sich den Kopf darüber zerbrechen, wie sie für den kommenden Winter sieben Millionen Arbeitslose beköstigen, be- Heizen, und— nicht zuletzt— bekleiden könne. Aber unsere Regierung sieht weiter. Was ist schon die Bekleidung der A r b e i t s- losen im Winter? Eine weitsichtige Regierung hat sich den Kopf darüber zu zer- brechen, daß im kommenden Sommer die Badenden ausreichend bekleidet sind! Das Gelächter über den Zwickelerlaß ist noch nicht verstummt. Die Tinte auf den Regierungsprolokollen ist noch nicht getrocknet, die auf Grund langwieriger Konferenzen den zulässigen Tiefpunkt des weiblichen Rückenausschnitts auf der Gürtellinie fest- gelegt haben. Aber der Eifer unserer Sitt- lichkeitsfanatiker niht und rastet nicht. Sie haben ihren zelotischen Eifer gegen jede Berührung des menschlichen Körpers mit Luft und Sonne durch einen neuen Erlaß dargetan. Auf Verfügung des kommissarischen 23er- Walters des Unterrichtsministeriums ist die Körperschule Adolf Koch, die in zehn deutschen Städten Unterrichtsstätten mit fast zehntausend Besuchern unterhält, mit Wirkung von? 31. Oktober verboten worden. Als rechtliche Grundlage des Verbots hat der Staatskommissar eine„staatsministerielle Instruktion" vom 31. Dezember-- 1839 hervorgeholt, die in sieben Jahren das ehrwürdige Jubiläum hundert- jährigen Bestandes feiern kann. Sachlich stützt sich das Verbot darauf, daß in dem eigentlichen staatlich anerkann- ten Schulbetrieb die ärztliche Beratung und Untersuchung der Schul- Mitglieder, sowie Hähensonnebestrah- l u n g und Brausebäder stark in den Vordergrund getreten seien, ebenso wie die sozialen und gesundheitlichen Gesichtspunkte. Brausebäder— da haben wir die Schweine- rei! Nur ein sittlich verkommenes Ferkel kann sich mit Brausebädern abgeben. Soziale und gesundheitliche Gesichtspunkte— man erschrickt, daß so etwas bisher gestattet war. Höhensonnebestrahlung— wer noch nicht begriffen hat, daß Sonne, Licht, Strahlen— und nun gar Höhensonne— absolut marxistische Erscheinungen sind, der hat überhaupt nichts im nationalen Deutschland zu suchen und mag. wozu man jetzt in Wochenendketzereien aufgefordert wird, auf der Stelle seine Antenne erden! Mögen selbst einmal hier und dort unnütze Ucbertreibungen vorgekommen sein— kein vernünftiger Mensch kann leugnen, daß die Freilicht- und Freiluftbewegung eine große Kulturbewegung ist, und um die moderne Körperkultur nicht zu unterschätzende Verdienste hat. Die Tatsache, daß heute mil- lionen Menschen am Wasser und� in freier Luft ihre Erholung suchen, ist zum großen Teil auf die Propaganda dieser Bewegung zurückzuführen. Allerdings: das„national erwachte" Deutschland liebt die Stickluft einer muffigenAmtsstube und sein Symbol ist der— Zwickel! 23 Rcichswahlvorschläge. Die Frist zur Ein- reichung der Reichswahlvorschläge ist am 23. Oktober abgelaufen. Beim Reichswahlleiter sind bis zu diesem Zeitpunkt insgesamt 23 Reichswahlvorschläge eingereicht worden. Ueber die Zulassung entscheidet der Reichswahlausschuß in seiner Sitzung am 25. d. M. Otto Wels fragt Hmdenburg Wer beauftragte Papen, dem Volke den Krieg zu erklären? Eigener Bericht des„Vormärts" Dresden, 24. Oktober. Unser Parteioorsitzender, Genosse Otto Wels, sprach am Sonnabend auf der Dresdener Rad- rennbahn vor einer vieltausendköpfigen Ber- sammlung. Die Kundgebung war die stärkste, die Dresden seit langer Zeit erlebt hat. Als Wels, der von der ostsächsischen Parteipresse anläßlich der Kundgebung als der ewig Junge gefeiert wurde, die Rednertribüne bestiegt, wurde er von den Masten herzlich begrüßt. Wels führte u. a. aus. die Rede, die Papen in München gehalten habe, sei eine Kriegserklärung an das deutsche Volk. Nur der zweite Teil der Reichsverfassung solle un- angetastet bleiben, aber nicht der erste, in dem stehe, daß die Staatsgewalt vom Volke ausgehe. Wenn es nach den Baronen ginge, dann würde Deutschland an seiner Spitze bald einen Reichs- verweser und schließlich wieder einen Kaiser haben. Kommuni st en und National- s o z i a l i st e n hatten im Reichstag eine Mehr- h e i t zustande gebracht, die schließlich die G r u n d- läge für den Triumph des Besitz- bürgertums gab. Wels erinnerte den Reichspräsidenten dann daran, daß von Papen in seine Hand geschworen habe, die Verfassung zu achten, und richtete an Herrn von Hindenburg die Frage, ob er dem Reichskanzler den Austrag gegeben habe, dem deutschen Volke in München den Krieg zu erklären und zu sagen, daß er den Willen und die Macht habe, seine Pläne durchzusetzen. Die Regierung Papen habe es soweit gebracht, daß Deutschland heute wieder in der Welt isoliert sei. Hitler habe einmal gesagt, daß er nur die Vordertreppe benutzen werde. Am 13. August aber sei er die Vordertreppe herunter- geworfen worden. Die Herren, die seit 1000 Jahren in Deutschland die Macht gehabt hätten, wollten zwar Herrn Hitler für ihre Zwecke benutzen, ihm aber nicht die Macht ausliefern. Ohne hiller wäre dos Wort vom„Wohlsahrts- staol" nicht gesprochen worden. Ohne Thäl- mann gäbe es keinen Hitler und ohne Hitler keinen papen. Wels kritisierte dann, daß das von der Sozial» demokratie beantragte Volksbegehren bisher nicht zugelassen sei und die Barone im Begriff ständen, dem Volke auch das Recht auf ein derartiges Volksbegehren zu nehmen. Schließlich wandte er sich nochmals gegen Papen, der in München alle als„Feinde des Volkes" bezeichnet hat, die seiner seiltänzerischen Außenpolitik nicht Folge leisten. Wels erklärte dazu:„Wir stellen die Ration über alles, wir führen das Wort Vater- land nicht im Wunde. Wir haben dem Deutschen Reich gedient und werden ihm weiter dienen. Die, die heute wieder einmal vorgeben, Deutschland zu dienen, waren 1318, als es galt wieder aufzu- bauen, nicht zugegen, sie waren ausgerückt. Jetzt spielen sie sich wieder als Patrioten auf. Aber wer ist patriotischer als der, der die Interessen von Millionen unseres Volkes in der Form vertritt, daß er ihre Lebenslage bessern will? Nur ein „Feind des Volkes" kann uns, die wir inter- national sind, weil wir im besten Sinne zugleich national denken, vorwerfen,„Feinde des Volkes" zu sein. Wir verwahren uns gegen diese Ver- leumdung! Mit ihrem Urheber darüber zu debattieren, ist unter unserer Würde." Frankreichs Abrüstungsplan �iderstanö der Generale Eigener Bericht des„Vormärts" Paris, 24. Oktober. Eine Kriegerdenkmalsenthllllung in L e n s er- öffnete der sozialistisch« Bürgermeister und Abg. Mass mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die Völker nicht nur auf militärischem, sondern auch auf wirtschaftlichem Gebiet bald a b r ü st e n werden. Ministerpräsident H e r r i o t antwortete: „Es gibt kein Land, das mehr als Frankreich den Frieden zu erhallen strebt. Erheben wir unsere Seelen, indem wir an die Toten denken, die der letzte Krieg gekostet hat. In der Nähe von Lens, auf dem Friedhof des Weißen Hauses, ruhen 7SOOO deutsche Soldaten, ohne Zweifel Männer, die in Ruhe zu leben gewünscht haben. Erweisen wir ihnen Ehre, wie wir unseren Toten Ehre erwiesen haben. Frankreich hegt keinen Haß gegen seine ehemaligen Feinde. Es hat alles getan was es konnte, um seinen Friedenswillen zu beweisen. Man vergißt das Ziel im Ausland und, was noch ärgerlicher ist, in Frankreich selbst. Frankreich versteht, edelmütig zu sein, wenn es sich um materielle Interessen handelt. Es hat nur den Wunsch, das Werk des Friedens weiter zu verfolgen und deshalb ist es im Vegrisf, einen Plan vorzuschlagen, der die Abrüstung mil der Sicherheit verbindet, der den Verzicht aus die Rüstungen von einem Anwachsen der kräste des Rechts abhängig macht. Wenn dieses Werk Erfolg haben soll, müssen alle Völker ebenso vernünftig wie Frankreich sein. An der endgültigen Befestigung des Friedens, dem alle Völker wünschen, wird meine Regierung unaufhör- lich arbeiten, ohne sich um heftige oder begeisterte Kundgebungen zu kümmern." Die Opposition des Generalstabs Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Kriegs- minister Paul Boncour bzw. der Regierung und dem Generalstab über den neuen französischen Abrüstungsplan werden jetzt von dem offiziösen „Petit Parisien" zugegeben. Er schreibt zu der Sonnabendsitzung des Studienkomitees des ober- sten Landesverteidigungsrats: „Man kann nicht darüber erstaunt sein, daß ein Plan über die Herabsetzung der Rüstungen gewisse Vorbehalte und Wider st ände derjenigen hervorruft, denen der Schutz des Lande» obliegt und die notwendigerweise dazu geneigt sind, die Dinge für sich allein zu betrachten, und s i ch n i cht viel um Erwägungen internationa- lerArtzu kümmern, mit denen sie nicht ver- traut sind. Um in der Lage zu sein, diese mög- lichen Einwendungen und Widerstände zunichte zu machen, war Paul Boncour am Sonnabend von seinen sämtlichen Genfer Mitarbeitern umgeben. Die noch zu erledigende Arbeit ist beträchtlich und der Studienausschuß wird sicherlich noch mehrere Sitzungen ablzalte» müssen, bevor sich die Regie- rung über den Plan aussprechen und ihn dem Büro der Abrüstungskonferenz unterbreiten kann." Sozialistischer Gegenstoß Leon Blum protestiert im„Populairc" auf das schärfste gegen die Sabotagevcrsuche der Generalität und fordert die Regierung eindring- lichst auf, sich dadurch nicht auch nur zur geringsten Verschleppung der Zlbrüstungsarbeit bewegen zu lassen. Auch die anderen entschieden linksgerichte- ten Zeitungen weisen die militärische Einmischung scharf zurück. sammlung wurde er von 20 Kriminalbe- a m t e n umringt, verhaftet und auf die Polizei gebracht. Dort teilte man ihm mit, daß die Re- gierung sehr empört darüber sei, daß er als Z e n- trumsmann gegen die österreichischen C ch r i st- lichsozialen, die doch seine Bruderpar- t e i sei, Stellung genommen habe. Er wurde verwarnt und es wurde ihm aufgetragen, Oester- reich bis Mittwoch zu verlassen. Vosaöowsttz gestorben Oer Sozialpolitiker aus der Kaiserzeit Am Sonntagvormittag ist der frühere kaiserliche Staatssekretär des Innern Graf von Posa» dowsky-Wehner im Alter von 87 Jahren in Naumburg verstorben. Graf Posadowsky hat in der Kaiserzeit viele Nie Nollfuß-ReaNion �Vegen Kritik ausgewiesen Eigener Beridit des„Vormärts" Wien, 24. Oktober. Die Wiener Polizei hat am Sonntagabend den reichsdeutschen Prinzen HubertuszuLöwen- stein-Wertheim wegen„Beschimpfung der Regierung" mit Ausweisung bedroht und zu sofortiger Abreise gezwungen. Löwenstein hott« den letzten beiden Sitzungen d«s Nationalrats beige- wohnt. Unter dem Eindruck des Verhaltens der Regierung und ihrer Mehrheit war er in den so- zialdemokratischen Klub gekommen und hatte er» klärt, daß er als Zentrumsmann und Reichs- bannerkamerad aus seiner Empörung über diese Vorgänge keinen Hehl machen wolle. Cr bat dar- um, in einer Versammlung sprechen zu dürfen. Am Sonntag sprach er in einer der 16 sozial- demokratischen Jugendversammlungen. Er war in Reichsbannerunfform erschienen. Noch der Ver- Jahre das Reichsamt des Innern als Staats- s e k r e t ä r— Reichsminister gibt es erst seit 1919— betreut, nachdem er vorher einige Jahre Staatssekretär des Reichsschatzamtes gewesen war. Vom Juli 1897 bis Ende Juni 1907 leitete er das Reichsaint des Innern, dem auch dos große Ge- biet der sozialpolitischen Gesetzgebung unterstand, Auf dem Gebiet der Soztakpolitik hat Posadowsky sich den Ruf eines fleißigen und ehrlichen Mannes erworben, obgleich am Beginn seiner Tätigkeit ein Zwischenfall stand, der für die damalige Zeit charakteristisch war. Als im Jahre 1899 wieder einmal ein.Luchthausgesetz" gegen die Arbeiter- bewegung durchgebracht werden sollte, lieh sich Posadowsky als Staatssekretär vom Zentral- verband der Industriellen Propaganda- geld geben, um damit Stimmung im Lande für das Gesetz machen zu lassen. Das Gesetz versank trotzdem im Orkus. Posadowsky hat aber aus dem Zwischenfall gelernt. Je mehr er sich mit den sozialpolitischen Fragen beschäftigte, desto mehr rückte er ab von den scharfmacherischen Tendenzen, die an der Wiege der deutschen Sozialpolitik ge- standen hatten. Nach seinem Rücktritt vom Amt, war er eine Zeitlang still geworden. Im Jahre 1912 aber wurde er als Sammelkandidat aller bürgerlichen Parteien in Bielefeld aufgestellt und siegte dort als Reichstagskandidat gegen Carl S'e v e r i n g. Er blieb im Reichstag franktionslos. Zur Nationalversammlung aber ließ er sich als Abgeordneter der neugegrllndeten Deutsch- nationalen Partei wählen. Später kehrte er dieser den Rücken und gründete die Auswertungs- Partei, als deren Vertreter er mehrere Perioden dem Preußischen Landtag angehörte. Den Landtag von 1928 eröffnete er als Alterspräsident mit einer vielbeachteten Ansprache. Bei den letzten Wahlen wurde er nicht wiedergewählt. Der mißhandelte Funk Knltureinrichtung oder Herrenklubfiliale (Sine„papenstütze" Der Bayerische Bauernbund München. 24. Oktober. Der Bayerische Bauernbund, der als O p p o- sitionsparlei gegen die klerikale vormacht- stelluag des Z e n t r u m s in den neunziger Jahren entstand und immer ein Sammelbecken der fort- s ch r i t t l i ch e n und zum Teil revolutionären klein- und mittelbäuerlichen Elemente war. hat sein ganze» demokratisch-republikanisches Pro- gramm über den Hausen geworsen und eine vollkommene Schwenkung seiner politischen Einstel- lung gemacht. Auf dem am Sonnabend und Sonntag in Mün- chen abgehaltenen Bundestag wurde ein Bund- nis mit der Regierung Papen ge- schlössen. Allerdings löste die Verbrennung der schwarz- rotgoldenen Farben der deutschen Republik bei den Delegierten keine Begeisterung aus. Die Grundstimmung des ganzen Parteitages war beklommene Resignation. Der Kaufpreis, für den die Parteileitung das bauernbündlerische Wählerkontingent in das Lager der Iunkerregierung führte, ist die Kontingen- tierungspolitik. Professor Fehr, der dieses politische Schachergeschäft geschaukelt hat, sprach dies ganz offen aus. Er erläuterte auf dem Parteitag dos neue Programm. Es ist in politischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht nicht» anderes als ein Abklatsch des Programms der Papen-Reaktion. Die Hauptpunkte sind folgendem 1. Die parlamentarische R«gierung»form wird durch eine Präsidialherrschast ersetzt, auf die die Par- teien keinen Einfluß haben. 2. Resorm der Wei- marer Verfassung mit einer Verstärkunq des föderativen Unterbaus des Reiches und Präfi- dialregierungen auch in den Ländern. 3. Er- höhung des Wahlalter» auf 2ö bzw. 39 Jahre, Abschaffung des Frauenwahlrechts und B«s«iti- gung der Listenwahl. 4. Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, d. Rückkehr zur vollen Privatwirtschaft und Förderung des gesunden Unternehinerkapitalismus. ö. Agrarhilse durch Stärkung des Vinnenmarktes. 7, Beseitigung de» Tarifwesen» und weiterer Abbau der sozia- len Leistungen. Bei den Wahlen 1939 mustert« die Partei rund 399 999 Wähler, von denen bei der Reichstags- wähl im Juli d. I. nur noch 134 999 übrig blieben. Dies hat dem festen Kern der Partei allen Mut auf die eigen« Kraft genommen und ihn sür den Glauben empfänglich gemacht, daß nur durch den Uebergang in» Lager der„grundsätzlich neuen Staatsführung" die völlige Auflösung de, Bauern- bundes verhindert werden kann. Tränengas gegen Salome Nazistreich im Theater. Wuppertal. 23. Oktober. Bei der hiesigen Erstaufführung der Strauß- schen Oper„Salome" im Elberfelder Haus der Wuppertaler Bühne verübten(wahrscheinlich nationalsozialistische) Täter«inen Tränengas- a n s ch l a g auf da» bi» zum letzten Platz gefüllte Theater. Die Aufführung hatte dadurch besondere Bedeutung, daß die Titelrolle von der philip- pinischen Sängerin Jovita Fuente» ge- jungen wurde. Kurz vor der Vorstellung ver- breitete sich eine Wolle von Tränengas im ganzen Zuschauerraum, dt« das Publikum zu fluchtartigem Verlassen des Theaters zwang. Feuerwehr und Polizei wurden sofort alarmiert, und es bedurfte angestrengter Arbeit, um den Raum von den Gasen zu befreien. Die Vorstellung konnte erst mit 114 Stunden Ver- jpätung begonnen«erden. Die Beredtheit unserer Freiherren haben wir aus ihrer Massenproduktion an Rundfunkreden kennengelernt. Sie ergoß sich zu allen möglichen Tag- und Nachtstunden über Deutschland. Aber noch sind, wie der Augenschein beweist, längst nicht alle Kräfte erschöpft. Nachdem die Regierung ihre christlich-nationalen Weisheiten dem deutschen Volk aufgezwungen hat, rückt nun auch der Dirigent des regierenden herrenklubs, Herr v. Gleichen, vor das Mikrophon. Als Diplomat alter Schule sagt er dann am wenigsten, wenn er am heftigsten redet. In einer halben Stunde„Von Reich u n d R e i ch s f ü h r u n g" gab es nichts als einen diplomatischen Eiertanz, der in einer Verherrlichung der Baronsregierung endete. Vor einigen Tagen kam ein amtlicher Rundfunkerlaß heraus, in dem es heißt: „Entsprechend diesen(neuen) Leitsätzen hat das Retchsministerium des Innern befchlosien, den politischen Parteien den Rundfunk im gegenwärtigen Wahlkampf für Wahlreden nicht mehr zur Verfügung zu stellen." Gegen diese ihre eigenen Gesetze hat die Regierung allerdings nicht verstoßen, denn s i e allein ist in der Lage, über keine politi- schen Parteien zu verfügen.- also wird sie weiterhin ihre tägliche„Stunde der Regierung" zweckmäßig auswerten und die Sender werden auftragsgemäß auch sonst für olle Werbekund- gebungen der Regierung zur Verfügung stehen.— Das nennt man„überparteilich"! Der„Ketzer" Koehn Der Mann, der aus hinterhältiger Anonymität am Sonnabend vom Mikrophon der Funkstunde aus die linksstehende Hörerschaft anpöbelte, ist inzwischen entlarvt worden. Cr heißt C. M. K o e h n (bitte auf das„e" zu achten) und ist Redakteur eines sogenannten Witzblattes, das die National- sozialiften herausgeben. Vordem hat er an der hugenbergschen„Nachtausgabe" fein Brot ver- dient. Er ist außerdem Verfasser einiger talent- loser Schwänke. Im übrigen interessiert uns Herr Koehn weit weniger als die Leute, die ihn ans Mikrophon gestellt haben. Die oerantworllichen Leiter des Rundfunks lassen ein Beschwichtigungsgesäusel los: es fei nicht„so schlimm" gewesen Demgegenüber erklären wir: Es war das Schlimmste, was man bieten konnte, nämlich demagogische Parteilichkeit und Verlogenheit. Unter„Ketzereien" erwartet der Hörer Wahrheit und Gerechtigkeit von überragender Warte. Statt dessen: Herr Koehn fälschte in verlogener Weise Tatbestände, um aus seiner ver- Nazi-Skandale LtraQenscklackt in Kösliner Straße Der gestrige Sonnlag war reich an politischen Schlägereien und Zwischenfällen. Zn den meisten Fällen waren dle Zusammenstöße mit Link»- radikalen aus unverschämte Provokationen von SA.- Leuten zurückzuführen. Am schlimmsten erging e» den nationalsozialistischen Provokateuren auf dem Ivedding, wo sie einen Propagandaumzug veranstalteten und durch die 1V e d d i n g- und Kösliner Straße mar- schierten, in der fast ausnahmslos Kommunisten wohnen. Die Kösliner Straße, in der bei den damaligen Kommunistenunruhen auf dem Wedding tagelang eine Art Belagerungszustand herrschte, glich einem Hexenkessel im Augenblick, als die Hitler-Söldlmge gegen 9 Uhr früh dort auftauchten. Trotz der starken polizeilichen Begleitmannschaft, aus 129 Nazis kamen etwa 49 Polizisten, wurde auj die Provokateure ein Bombardement eröffnet, wie es selbst in dieser Gegend noch nicht gejehen wurde. Aus den Fenstern und von den Dächern Hagelten Steine, Ziegel, Flaschen und andere Wurfgeschosse auf den Fahrdamm nieder. Der Nazitrupp löste sich sosrt auf und in den Haus- toren suchten die Hitler-Leute Schutz. Drei von ihnen hatten erhebliche Verletzungen erlitten und mußten in» Krankenhaus übergeführt werden Die Polizei trat dann in Aktion und es wurde scharf geschossen. Dabei gingen die Fensterscheiben mehrerer Wohnungen in Trümmer. Getroffen wurde von den Polizeikugeln jedoch niemand. Unter dem Schutz der Polizeikarabiner und Pistolen mußten die hakenkreuzler schleunigst die Straße verlassen. Am Tegeler Weg wurde ein Parteigenosse, der Wahlflugzettel verteilte, von SA.- Leuten überfallen und mißhandelt. Zwei Täter konnten von einer Polizeistreife festgenommen werden.— In der Cotheniusstraße über- fiel ein starker Trupp hakenkreuzler mehrere Kommunisten. Ein Kommunist wurde nieder- geschlagen. Er erlitt schwere Verletzungen, so daß er ins Krankenhaus übergeführt werden mußte. Die nationalsozialistischen Wegelagerer entkamen.— Auch an anderen Stellen der Stadt inszenierten SA.»Leute Zusammenstöße. zerrten Darstellung antisemitische Hetze- r e i e n ableiten zu können. Zum Punkte Gerech- tigkeit nur eine Anmerkung: Herr Koehn prä- sentierte sich als Schützer der F r a u e n e h r e. Ein Gedicht in der„Weltbühne" hatte es ihm angetan. Aber hat Herr Koehn. der Redakteur des nationalsozialistischen Witzblattes, nie etwas gehört von jenem schmachvollen Antrag 'Per Nazifraktion im Preußischen Landtag, der die Frauenehre der Gattin des Polizeivizepräsidenten Weiß infam besudelte? hat er nichts gehört von dem ebenso infamen Vorgang im Landtag, als den sozialdemokratischen Frauen auf deren Hinweis, daß ihre Söhne im Kriege gefallen feien, mit dem national- sozialistischen Zurus geantwortet wurde:„I h r dummen Ziegen, dazu wurden sie euch doch gemacht!! Wo blieb hier seine Ent- rüstung? Diese Angelegenheiten existieren für den Koehn nicht. Daß die Hörer, die vom Mikrophon aus beleidigt werden, höhnisch ersucht wur- den. ihre Antenne zu erden, dürfte ein Novum sein. Wir meinen, daß nicht der Hörer seine Antenne zu erden hat, sondern daß die Rundfunkleitung solchen Burschen wie dem Koehn das Mikrophon abzustellen hat. Eine Leitung, die dies unterläßt, gehört nicht an ihren Platz. Ohrfeigen statt Gründe Disput im Harzburger Stil Ein Beispiel von den vornehmen Umgangs- formen zwischen Deutschnationalen und National- jozialisten lieferte eine deutschnationale Wahl- Versammlung in Feldberg(Mecklenburg). Darüber berichtet der deutschnationale„General-Anzeiger" in Neustrelitz(Nr. 247 vom 21. Oktober) wie folgt: „Zu dieser Versammlung waren auch d i« N a- tionalsozialisten unter Führung ihres Landtagsabgeordneten Scheibner er- schienen. Die Versammlung nahm zunächst einen durchaus ruhigen Verlauf, nachdem ein Stören- fried durch die Polizei entfernt war. Leider versagte die elektrische Beleuchtung im Verlauf der Versammlung, so daß mit Hilfe von zehn Kerzen jür Notbeleuchtung gesorgt wer- den mußte. Scheibner erhielt auf seine Meldung hin das Wort zur Aussprache.... Wenn Scheibner sich auch zu manchen unglaublichen Aeußerungen ver- leiten ließ, wie z. B. der Behauptung, daß Reichs- kanzler von Papen jetzt ebenso gehandelt habe, wie die Drahtzieher der Revolution 1918, und daß ihnen jeder Weg recht sei, der zum Ziele führe, daß er von der Herrenclique sprach und von dem Kampf zwischen dem neuen revolutio- nären Deutschland und der Reaktion: wenn er sich auch dazu verstieg, die nationalsozialistische Revolution anzukünden für den Fall der Wieder- ouslösung des neu zu wählenden Reichstags, so hatte man doch den Eindruck, als bemühe er sich, seine Ausführung zunächst in fachliche Form zu kleiden. Ilm so entsetzter war die Versammlung, als Scheibner seine Ausführungen, die zeillich weit über das ihm zugebilligte TNah hinausgingen, damit schloß, daß er gänzlich unvermutet unter dem Schutz der mangelhaslen Beleuchtung den Versammlungsleiter. den in nationalen Kreisen hoch- verehrten Apothekenbesitzer Funke, in» Gesicht schlug, und dann sofort im schnellen Lauf durch den Blittelgong zu entfliehen versuchte. Die Ver- sammlungsteilnehmer hielten ihn aber auf und übergaben chn der Polizei. Die Tat des nationalsozialistischen Helden, der sich als Abgeordneter für immun hält, ist um so charakteristischer, al« der von ihm mißhandelte Apothekenbesitzer Funk« ihm, als er vor mehreren Jahren in vollständig verkommenem Zustande in Feldberg eintraf, persönlich bei sich aufgenommen und ihm Arbeit verschafft hat. Es war Scheibner seinerzeit gelungen. Herrn Funke dadurch zu interessieren. daß er behauptete, ehemaliger Angehöriger der Organisation Roßbach und in dieser zum Leut- nant befördert zu sein. Bei einem Besuche, den Oberleutnant Roßbach später in Feldberg machte. entlarvte Roßbach ihn al, Schwindler, der nie zu seiner Organisation Beziehungen hatte." Wir gratulieren herzlich zu diesem neuen Pauk- Eomment der horzburger Freunde, Die Hitlerpartei zerfällt Huckt der Bürger zu Hugenberg Eigener Bericht des„Vormärts" Bremen, 22. Oktober. Der nationalsozialistische Präsident der Bremer Bürgerschaft, Dr. Backhaus, hat in einem heute der Oesfentlichkeit übergebenen Brief an Adolf Hitler seinen Austritt aus der NSDAP., die Niederlegung seines Präsidentenpostens und seinen Austritt aus der Bremer Bürgerschaft erklärt. In dem Brief an Hitler führt Dr, Backhaus au», daß er die wüste Bekämpfung der Regierung Papen durch die Nazipartei, die niederträchtigen Angriffe gegen alle Andersdenkenden und die Vernichtung der Harzburger Front durch die Hakenkreuzpartei nicht mehr mitmachen könne. Besonders scharfe Vorwürfe erhebt Dr. Backhaus gegen Hitler, daß er jede warnende Stimme gegen seine politische Haltung rücksichtslos unterdrückt habe. Der Rücktritt Dr. Backhaus' vom Posten des Bllrgerschaftspräsidenten ist der zweite Fall, wo nationalsozialistische Bürgerschaftspräsidenten ge- scheitert sind. Der jetzige Fraktionsführer der nationalsozialistischen Bürgerschaftsfrattion muhte seinerzeit als Präsident zurücktreten, weil seine Fraktion seine Maßnahmen nicht deckte. Dr. Back- Haus ist nun nicht nur zurückgetreten, sondern hat die Hitler-Partei verlassen. „Die ewige Legalität" Revolutionsstimmung bei der SA. Zreiburg. 24. Oktober. Bei einer Fahnenweihe der Standarte 113 der hiesigen SA. sprach Oberführer L u d i n— einer der Ulmer Reichswehroffiziere— zu den versammelten SA.-Leuten. Er führte dabei u. a. aus, daß nicht parlamentarischer Kuhhandel noch Regierungsnotoerordnungen eine Aenderung in Deutschland herbeiführen würden, sondern nur die soziale und nationale Revolution der NSDAP. In Baden seien 13 999 SA.-Männer die besten Garanten für diese kommende Revolution. Er wünschte, daß noch mehr SA.-Leute in die Gefängnisse wanderten und daß neue Verbote kämen, damit die NSDAP,„endlich Schluß machen könne mit der ewigen Legalität". Die Politik mit dem Gewehr sei allerdings furchtbar, wenn aber die Stunde gekommen sei, wo der illegale Weg zur nationalen Notwendigkeit beschritten werden müsse, werde die SA. in Deutschland den Sieg erringen. Das Schicksal- Deutjchlands werde in Zukunft durch die Faust der SA. entschieden. r Bewaffnung der Braunschweiger Nazis Braunschweig, 24 Oktober. Der Koch der SA.-Führerschule m Kreiensen, der den S A.- M a n n Fritz Lampe aus Hannover erschossen hat, wurde vom Amtsgericht Greene wegen fahrlässiger Tötung zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Nach einem früheren Erlaß Hitlers soll jeder aus der NSDAP, ausgeschlossen werden, der mit einer Waffe in der Hand, betroffen wird. Aber fast sämtliche Mitglieder der SA. de» Freistaates Braunschweig sind nach wie vor mit Waffen ausgerüstet, ohne daß sie deshalb aus der Hitler-Partei ausgejchlossen würden. Hitler zieht nicht Eigener Bericht des„Pormärts" Hitler hat am Sonnabend auf seiner Reklame- tournee Halle besucht, um in einem aus dem Rummelplatz aufgestellten Zelt ein«, wie da» Nazi- blatt sagt, länger« programmatisch« Red« zu halten. Der Besuch zeigte deullich das Abflauen der Hitler- Begeisterung auch im Bezirk Halle. Statt der er- warteten 59 999 waren aus ganz Mitteldeutsch- land bis nach Kottbu» und in das Thüringer Land hinein etwa 19 999 Personen erschienen. Da« Zelt war nur zu drei Viertel b«s«tzt. Während der Rede Hitlers versagt« plötzlich die Lautsprecher- anlage, so daß nur ein ganz kleiner Teil aus seinem Munde vernehmen konnte, wann der End- sieg nunmehr zu erwarten sei. Schon bei der Ankunft, mehr aber noch bei der fluchtartigen Abfahrt des Ofafs brach die in großen Massen d«n Plag umsäumende republikanisch« Be- välkerung Halles in stürmische Nisderruje aus. 22 Personen wurden wegen dieser Rufe sestge- nommen.. Lm Wohnwagen erschossen Die 2. Reservemordkommission unter Leitung des Kriminalkommissars Zapfe wurde nach dem Rummelplatz aus dem Grundstück Müller- st r a ß e 14 8 aus dem wedding alarmiert, wo der b2jährige Schausteller August C z e r a n s k i in seinem Wohnwagen erschossen ausgefunden wurde, wie die Untersuchung ergabt, halte Cz. einen Einschuß an der rechten Gesichtsseite. Zuerst schien es. daß der Schausteller Selbstmord verübt hat, dann tauchten aber Verdachtsmomente auf. die ein verbrechen nicht ausgeschlossen erscheinen lassen. Als der Schuß fiel, befand sich die Zrau de» Schaustellers Im Wohnwagen. Die Ehetragödie der Gängerin Gertrud Bindern agel von ihrem Gatten niedergeschossen kurz nach Beendigung der gestrigen Aufführung von Richard Wagners„Siegfried" in der S i ä d i i f ch e n Oper ereignete fich am h'nleren Bühnenausgang eine blutige Tragödie. Als die 38 Jahre alte Kammersängerin Gertrud H i n tz e. geborene Bindernagel. auf die Straße hinaustreten wollte, begegnete sie ihrem Ehemann, dem 53 Zahre alten Bankier wil- Helm H i n H e, mit dem sie in eine Auseinander- fehung geriet, die bald sehr heftige Formen an- nahm, plöhlich zog hinhe eine Pistole aus der Tasche und jagte seiner Frau, die sich in diesem Augenblick umgedreht hatte, um wieder in die Oper zurückzukehren, eine Kugel in den Rücken. Frau Vindernagel brach mit einem Aus- schrei zusammen. Der Täter wurde von Polizei- beamten festgenommen und nach dem Polizeipräsi- dium gebracht. Frau hinhe-Bindernagel wurde noch dem Krankenhaus Westend geschafft. Die Kugel ist Frau Bindernagel in den Rücken ge- Der Hauptschlag „Der Hauptschlag gilt der Sozialdemokratie" (Kommunistische Wahlparole) Durch nichts läßt sich ihr Blick beirren Und mit untrüglichem Verstand Hat auch in dieses Wahlgangs Wirren Die KPD. den Feind erkannt. Man muß dies Kompliment ihr winden: Es war schon diesmal allerlei, Zur SPD. sich durthzufinden Als hassenswertester Partei. Der Hitler schwelgt in blutigen Räuschen, Der Kronprinz ist schon rex in spe. Doch konnte alles dies nicht täuschen Den klaren Sinn der KPD. Uns gelten die geballten Hände. Die Losung von dem Hauptschlag schwirrt.. Na, wenn nicht dieser Schlag am Ende Ein Hauptschlag nur ins Wasser wird! Hans Bauer. drungen und in der Riercngegend steckengeblieben. Frau Bindernagel begab sich nach der Bor» stellung in ihre Garderobe. Sie war in Begleitung ihrer Mutter, ihrer Schwester Alice und ihres 18 Jahre alten Sohnes aus erster Ehe. Ihr Ehemann, der 53 Jahre alte frühere chaupt- mann und spätere Bankier Wilhelm Hintze, hatte gegen neun Uhr abends bereits beim Pförtner des Haupteinganges vorgesprochen, der ihn aber nicht einließ, weil er Anweisung von Frau Bindernagel hatte, ihren Mann abzuweisen. Hintze ging jetzt von der Seesenheimer Straße aus ins Gebäude. Cr setzte sich zunächst ins Kasino und wartete den Schluß der Borstcllung ab. Hintze hatte mehrere Glas Bier getrunken. Er war aber nicht betrunken. Gegen 12 Uhr verließ Frau Bindernagel in Be- gleitung ihrer Angehörigen ihre Garderobe. Sie ging mit ihrer Schwester zuerst die Treppen hinunter, der Sohn hatte die Mutter der Frau B. untergefaßt und folgte mit ihr. Jetzt sprang Hintze plötzlich hervor. Er lief einige Stusen zu der schmalen Treppe hinauf, zog dabei eine Pistole. Er rief seiner Gattin etwas zu, was niemand ver- stand. Er selbst will sich auch nicht mehr daraus besinnen können, was er gesagt hatte, tzfach einer Bersion soll er gerulen haben:„Du mußt mit mir sterben." nach der anderen:„Wo ist unser Kind?" 3m gleichen Moment krachte ein Schuß und Frau Blndernaael sank— in die Hüfte ge- troffen— zu Boden. Hintze setzte die Pistole dann sich selbst an die Schläfe und drückte ab. Der Schuß versagte. Cr schleuderte die Waffe sort, stürzte die Treppen hinunter und lief aus die Straße. Der Beleuchter Erich Haack überwand als erster den Schreck. Er stürzt« dem Schützen nach und nahm ihn fest. Ein Au/o brachte die Schwerverletzte ins Krankenhau», Ohne Widerstand ließ sich Hintze abführen. Auf dem 132. Polizeirevier am Kaiscrdamm wurde sofort mit dem Verhör des Mannes be- gönnen. Er konnte aber keine Aussagen machen und erklärte, daß er tagelang nicht mehr geschlafen hätte und überreizt sei. V7ie es zu dem Attentat kam Der Bankier und Hauptmann der Reserve Wilhelm Hintze ist 187g als Sohn eines Ober-Feuerwehrmannes in Potsdam geboren. Er war früher Besitzer der Kursächsischen Braunkohlenlager bei Fürstenberg. Hintze wird als der typische Inflationsgewinnler geschildert. In Zehlendorf hatte er eine große Villa und führte ein großes Haus. Vor acht Jahren heiratete er zum dritten Male und zwar die Kammersängerin Gertrud Bindernagel, die in erster Ehe mit einem Ingenieur verheiratet war. Aus dieser Che mit H. ist eine 8 Jahre alte Tochter Erika entsprossen. Als die Geldverbältnisie in Deutschland sich ordneten, war die Blütezeit seiner Geschäfte vorbei. In den Iahren 1928/29 mußte er seinen Haushalt immer mehr ein- schränken und schließlich kam es soweit, daß Frau Bindernagel einspringen mußte und Berpflich- tungen für ihren Mann übernahm. Bis in dle letzte Zeit hinein hat sie von ihrer Gage die Schulden ihres Mannes bezahlt. Frau Bindernagel wandte sich nun mehr ihrer Familie zu und beobachtete den Aufstieg ihrer jungen Schwester Alice Bindernagel, die letzthin In „Frühlingsluft" im Ross-Theater auftrat. Als ihr Engagement abgelaufen war, mußte Frau Gertrud Bindernagel einspringen, um den Lebensunterhalt ihrer Schwester und auch ihrer Mutter zu be- streiten. Aus der Villa in der Bayern-Allee waren sie in eine Sechszimmer-Wohnung in der Platanen- Allee gezogen. Mutter und Schwester wohnten auch dort. Hintze versuchte immer wieder auf seine Frau einzuwirken, daß Alice und die Schwieger- mutter das Haus verließen Frau Gertrud B. hatte aber an der künstlerischen Entwicklung ihrer Schwester großes Interesse und wollte sich nicht von ihr trennen. Hintze war das anscheinend un- verständlich. Er fühlte sich vernachlässigt und zurückgesetzt. Das Beiinden der Künstlerin! Wie wir aus dem Westendkrankenhaus erfahren, ist die schwerverletzte Kammersängerin in den frühen Morgenstunden von dem Direktor der ersten chirurgischen Abteilung, Dr. Erich Neupert, operiert worden. Die Operation ist einigermaßen zufriedenstellend verlaufen, doch ist das Befinden der Künstlerin nach wie vor äußerst e r n st. Es besteht weiterhin Lebensgefahr. Es hat sich herausgestellt, daß die Kugel innere Zer- reihungen verursacht hat und es wird weiterhin aller ärztlichen Kunst bedürfen, um die beliebte Kommersängerin zu retten. Tater vom Kreisarzt untersucht Heute früh ist Hauptmann Hintze vom zustän- digen Kreisarzt untersucht worden, da H. noch seiner Verhaftung erklärt hatte, daß er unmiitel- bar vor der Tai viel getrunken habe. In der Nacht weigerte sich H., irgendwelche Angaben über das Motiv zur Tat zu machen. Heute vormittag wurde er Kriminalkommissar Schwörer vom Polizeiamt Charlottenburg-TIergarten vorgeführt, der ihn ein- gehend vernahm. Gertrud Bindernagel als Sängerin Die so tragisch verunglückte Künstlerin ist zweifellos eine der wertvoll st en Kräfte der Charlottenburger Oper: vorher waren die Berliner Lindenoper und das Mann- heimer Nationaltheater Etappen ihres raschen Auf- stiegs und Stätten ihres Ruhmes. Ihre Stimme fällt vor allem durch erstaunliche, durch ganz sin- malige Kraft und Größe auf: als Lady Macbeth zum Beispiel übertönte sie im ersten Finale mühe- los und strahlend geradezu unglaubliche Klang- massen von Ensemble, Chor und Orchester. Sie verfügt über große Technik und bewundernswerte Vielseitigkeit(auch im Konzertsaal wußte sie sich zu behaupten)— als Brünhilde vor allem wie in vielen anderen Partien wäre sie gar nicht zu er- setzen. Neu— Alt-Heidelberg Der„Studentenprinz" im Großen Schauspielhaus Poelzigs Tropfsteinpalast, das Große Schauspiel- Haus genannt, beherrscht, verzerrt und vergewaltigt notwendigerweise alles, was in ihm zur Aufführung gelangt. Abend für Abend werden hier, im Riesen- rund unter dem Stalaktitengewirr, Menschenmassen zusammengerufen, denen man als Massen von heute nichts sie Interessierendes, Aufwühlendes, Mitreißendes zu geben hat, oder(Gott behüte!) geben will. Massen, die man einfach(lächerlicher- weise) als multipliziertes Publikum begreift, das man mit dem Ueblichen abzuspeisen gedenkt, indem man sich auf die Wirkung prunkvollster Auf- machung, auf effektvolle Einzelepisoden und jenen dekorativen Rausch verläßt, der ja bereits zur ruhmreichen Tradition des hohen und weiten Hauses gehört. Das hier geübte Verfahren, jedes Stück lediglich als Thema aufzufassen, zu dem es möglichst viele und möglichst pompöse Varia- tionen zu erfinden gilt(Reinhardt glückte e», Charell glückte es besser), ist freilich immer wieder zu gottverlassener Geistiosigkeit verurteilt. Denn diese Variationen werden ja nicht etwa aus dem Thema entwickelt, sondern vom Aeußerlichen und Aeuherlichsten her bestimmt und wachsen sich schließlich zu Monstrerevuen aus, die es nur nicht wahr haben wollen, daß sie es sind. Zum Thema nun: es ist eine süße romantische Kitschmelodie: es ist Meyer-Försters angeblich un- sterbliches Stück„Alt-Heidelberg", aus dem amerl- kanischen ins Deutsche zurückübersetzt, aus dem Tonfilmischen ins Theatralische heimgekehrt, mit Musik versehen und Singspiel geworden. Nichts gegen die Handlung, gegen Studentenleben in Saus und Braus, Schlägerschwingen, Salamander- reiben und alte Burschenherrlichkeit, gegen Prinzen- liebe und traurigen Verzicht aus Staatsraison! Hier wäre jedes Wort der Ablehnung zu viel: das macht nur leise traurig wie der Anblick altdeutsch nachgemachter Kredenzen etwa oder vor lauter Lächerlichkeit schon wieder rührender Plüschgarnl- turen. Das so etwas wiederkehren, ja auch nur wieder interessieren könnte, werden selbst die „Deutsche Symphonie" Capitol Im stummen deutschen Film haben wir bleibende Werte, es muh nur jemand kommen. der sie weckt und zu verwerten versteht. Diese und noch andere Aufgaben, die ausschließlich auf dem Gebiete des Kulturfilms liegen, möchte die Degeto (Deutsche Gesellschaft fün Ton und Film E. V.) lösen. Sie hat bereits früher bemerkenswerte Filme vermittelt und durch ihre Absichten für dieses Jahr in beachtlicher Zahl die Lichtspiel- theaterbesitzer gewonnen. In der ersten Matinee wurde die„Deutsche Symphonie" uraufgeführt, ein Film, der in künstlerisch wertvoller Bildmontage(ohne Ein- schaltung irgendeines Textes) von Deutschland er- zählt. In dieser Art sahen wir einmal Paris und waren begeistert von der Vielgestaltigkeit und dem Zauber der Großstadt. Und dann sahen wir in ähnlichen Montagen Russenfilme, und sie eroberten durch ihren hinreißenden Schwung die Welt. In dieser„Deutschen Symphonie" sieht über allem das Schaffen der Werktätigen, das nicht nur rein optische Eindrücke übermittelt, sondern auch beim Zuschauer die Eigenverarbeitung des Ein- kühnsten Recken kultureller Restauration nicht glauben wollen. Zur Variationentechnik der Herren Bearbeiter sowie des Regisseurs Rudolf Bernauer: es ist natürlich von vornherein unsinnig, dies kleine Rührstück, das dazu in keiner Weise geeignet ist, in solcher Weise aufzuziehen. Da gibts Parade- märfche nach alter Tonfilmweis', da müssen die Kellnerinnen zu Dutzenden antreten, um den Raum zu füllen: da gibt es ganze Regimenter von Stu- denten und Studentenbräuten, gibt es Heidelberger Nachtleben, als wäre es Karneval in Venedig, Gondelfahrt, Schloßillumination.— Alles, ob lustig und sentimental, wird gedehnt, geweitet und ins Monumentale gesteigert. Das große Unglück der kleinen Käthi wird selbst nur eine aus dem Kontrast heraus noch dazu unerträglich peinliche Episode. Demgegenüber ist Meyer-Försters Schau- spiel eine gehaltvoll echte Angelegenheit: was w-.r vor uns haben, ist also Kitsch zur zweiten Potenz. Wer versteht, daß Domgraf-Faßbaender um dieser Rolle willen aus dem Berband der Staatsoper ausgetreten ist? Um— statt Mozarts Lieder— Romberg» Liedchen zu singen, die— kann man sie besser charakterisieren—- zu dem Ganzen ganz ausgezeichnet passen? Maria E l s n« r bringt ein paar menschliche Momente zuwege— was vermag sie aber gegen diese Rolle! Di« Sandrock und Liane Haid, Paul Hörbiger. Gülstorfs und Theo Lingen. die Nikolajewa, Niemar und Graetz sind ausgeboten, um da» Ganz« schmackhaft zu machen— umsonst, Ein parodistischer Charaktertanz Nim T h e i l a d e s und Rolf Ar cos fällt angenehm auf: entlassen ober wird man mit der unauslöschlichen Crinne- rung an ein geradezu grauslich geschmackloses Schlußbild, das das vergebliche Ansinnen stellt, witzig empfunden zu werden. Die Freude des Abends war nur das Publikum, da? auffallend kühl und zurückhaltend blieb: und offenbar begriff, was da gespielt wird. Arnold Walter. drucks fördert. Aber wir sehen auch wunderbare Landschaftsbilder, die derart stark an unser Gefühl appellieren, daß wir durch sie im Augenblick unsere Naturverbundenheit verspüren. Diese Cinzelaufnahmen au» dem Schongerschen Bild- archio find bestimmt mehr wert als ein ganzer Operettenkitschsilm. Um den Film aktuell zu gestalten, deutet man auch die Arbeitslosigkeit in Deutschland an. Man übergeht jedoch das Ringen um eine neue Wirt- schaftsform und läßt den Film ausklingen mit dem erfüllten Wunschtraum der Wirtschaftsankurbelung. e. b. Bildung im Rundfunk Stimme zum Tag: Freitag, den 21. Oktober wurden die zehn Minuten mit einem Rückblick auf Grünberg, Orlik und S l e- v o g t gefüllt. Für den deutschen Rundfunk gibt es nur noch ein Vorvorgestern, falls es sich nicht um militärische Ereignisse, Kolonialfeiern und kosmische(lieber Setzergenosse: kosmische!) Ver- finsterungen handelt, für die der Freiherren- rundsunk selbstverständlich besondere Feinfühlig- keit hat. Dem Sprecher dieser Stimme zum Tag, Wolfgang Hoffmann-Harnisch, muß aller- dings anerkennend bestätigt werden, daß er feine zehn Minuten für die Hörer auszuwerten ver- stand. Elly Heuß-Knapp dagegen schob— im Programm der Deutschen Welle— das von ihr behandelte Thema„Neuwertung der Familie" völlig auf das literarische Ge- biet ab, auf dem sie etwa den Gesichts- und Wissenskreis einer höheren Tochter entwickelte. Herr Stapelfeldt, Programmleiter der Reichsrundfunkgesellschaft, hat gegen derart er- leuchtete Vorträge selbstverständlich nichts einzu- wenden; er wurde zu ganz anderen Zwecken er- nannt. Am Donnerstag brachte der Deutsch- landsender eine Vertonung von Conrad Fer- dinand Meyers Dichtung„Huttens letzte Tag e", übertragen aus Bern. Die Sendung dauerte von 8 Uhr bis 9,59 Uhr. Der Hörerkreis, der für derartige Darbietungen, zumal in der Woche, Interesse aufbringt, ist sehr klein. Wer aber auf den Berliner Sender umschaltete, kam vom Regen in die Traufe. Er hörte eine Uebertragung aus Breslau, eine bruchstück- weise Vorlesung aus einem Bühnendrama„Kep- ler" von Hans R e h b e r g. Breslau ist schon einmal mit einem ähnlichen Experiment kläglich gescheitert. Der modernen Bühnensprache fehlt die unmittelbare Bilidhaftigkeit, die allein imstande wäre, selbst aus so völlig unverbundenen Hörfetzen noch eine Vision des Ganzen zu formen. Am Sonntag wurde als„Stimme zum T a g" eine im Stil von Bierbankulk tiefsinnig Optimismus unkende Sendung verbreitet. Selbst wenn so etwas wie eine wirtliche Zeitstage in diesem geistigen Kauderwelsch angerührt wurde, ge- schah es völlig verständnislos und mit grenzenloser Wichtigtuerei. In der vorfreiherrlichen Epoche hatten wir einmal jemand, der Sonntags im Pro- gramm der Berliner Funkstunde seine Zeitglossen machte.„Wie er sich räuspert und wie er spuckt. das habt ihr ihm gründlich abgeguckt: aber fein Genie, ich meine seinen Geist..." Wer übrigens sich nach Hofnachrichten sehnt, der findet wohl zu guter Stunde einen kleinen Ersatz dafür in den Sportberichten. Man verfehlt dort selbstver- ständlich nie, die Anwesenheit prominenter Ro- gierungsführer bei Rennveranstaltungen mitzu- teilen. Mit geziemender Ehrfurcht konnte man an diesem Sonntag zur Kenntnis nehmen, daß in Karlshorst Herr von Papen„es sich nicht nehmen ließ, den Preis mit eigener Hand zu überreichen". Das tröstet über wieles.— lz. Hat Hubert van Eick gelebt? Eine wahrhaft sensationelle Meldung aus Brügge, geeignet, die Kunstfreunde der ganzen Welt in Erregung zu versetzen: Ein Kunstsachver- ständiger namens R e n d e r s will nachgewiesen haben, daß Hubert van Cyck niemals gelebt hat, daß der Genter Altar nur von Jan van Eyck gemalt ist. Der Direktor des Berliner Kaiser-Friedrich-Museums weilt zur Zeit in Brügge, um diesen Beweis nachzuprüfen. Bisher verzeichnet die Kunstgeschichte drei berühmte Mit- glieder� der Familie Eyck, Hubert und Jan sowie ihre Schwester Margarethe. Die Begründer der altflandrischen Schule, die seit Vasari als Erfinder der Oclmalerei gelten, stehen an der Wende zweier Zeiten. In ihnen verkörpert sich das Mittelalter. Aber die Brüder Eyck wiesen schon in eine neue Zeit, nicht nur durch ihre verbesserte Technik. Von den Lebensumständen der Familie Eyck weih man nicht sehr viel. Unmöglich wäre es also nicht, was Renders behauptet. Aber wie soll man es erklären, daß Jan van Eyck einem Bruder, den es nicht gegeben haben soll, an seinem Meister- werk, dem Genter Altar, eine Inschrift setzte, in der es etwa hieß, daß Hubertus van Eyck, ein Maler, wie er größer nicht gefunden werden könne, das Bild begonnen habe, daß jedoch die schwerste Arbeit ihm, Jan, zugefallen sei? Hubert van Eyck, der um 29 Jahre ältere Bruder, soll um 1379 geboren und 1426 in Gent gestorben sein. Das Meisterwerk der Brüder van Eyck, der Genter Altar, für den Hubert van Eyck um das Jahr 1429 den Auftrag erhalten haben soll, steht am An» beginn der großen europäischen Malerei. Bi» ins 16. Jahrhundert nahm man an, daß Jan van Eyck dieses Bildwerk geschaffen habe, aber als dann der Altar gereinigt wurde, fand man die oben erwähnte Inschrift, die auf die Existenz eines Hubert van Eyck schließen ließ. Deutsches Theater auch in Meß. Die letzte größere Stadt in Elsaß-Lothringen, die sich seit dem Kriege gegen deutsches Theater sperrte, hat jetzt ihren Widerstand aufgegeben. Ende November wird im Metzer Stadttheater Schillers„Don Carlos" aufgeführt werden als Gastspiel des Stadttheaters Freiburg, das feit Jahren in elsässischen Städten regelmäßig Gastspiele gibt. Schauspielhaus Sieglitz. DormerStaa und Freitag findet ein Gastspiel der Thoma-Ganghofer-Biihne lDir. Schultes» statt mit den Einaktern„Tie Brautschau" und„I. Klasie" sowie„Der drei Dorf- heiligen". Rundfunk der Woche 9. November— fällt aus Der Deutschlandsender, als Reichs- sender zur Zeit allein siir politische Vorträge zuständig, hat den Vortrag des Genossen L o e b e über den„9. Novemberunddie Arbeiter- s ch a f t" abgelehnt, da er, wie der Leiter der Deutschen Welle, Prosessor S ch u b o tz, schriftlich begründete,„uns in Anbetracht der gespannten Lage... nicht opportun erscheint".„Es ist". so sährt das Schreiben fort,„zu befürchten, daß dieser Vortrag zu lebhaften Auseinandersetzungen in der Oesfentlichkeit Anlaß gebe» und mithin zu einer Verschärfung der inneren politischen Gegen- sätze beitragen würde." Wohlgemerkt: Es handelt sich bei dieser Ab- lehnung um das Vortrags t h e m a überhaupt. nicht etwa nur um bestimmte inhaltliche For- nnilierungen. Der Text lag der Deutschen Welle gar nicht vor. Ein Vortrag zuin' 9. November erscheint eben„u n s" nicht opportun. Welchen „uns"? Herrn Scholz persönlich? Man täte ihm mit dieser Vermutung zu mel Ehre an. Aber welche anderen Männer sind in diesem Fall die Diener der Freiherrendiktatur? Man muß sie in der R e i ch s r u n d f u n k g c s c l l s ch a s t suchen, die ja überhaupt die wesentlichen Scholz-Funktionen in bezug aus die S e n d e p r o g r a m m e über- nommen hat. So gesehen, bekommt die Ablehnung des Vor- träges zum 9. November einen ganz besonderen Reiz. Bekanntlich müssen alle Programme die Kontrollstelle S t a p e l f el d t in der Reichsrund- funkgcsellschaft passieren, ohne daß aber etwa Dr. Stapelfeldt der allein Entscheidende ist. Man verträgt sich dort, wie der Oesfentlichkeit versichert wurde, geistig ausgezeichnet miteinander. Dieser Programmkontrollstclle hat auch die Sendefolge der Berliner Funkstunde vom 2 3. bis 2 9. Oktober vorgelegen, in der für den 28. Oktober eine Hörfolge„M u f f o f i n i" angekündigt wird. Es heißt in der Ankündigung: „Die Hörfolge„M u s s o l i n i", die die Funk- stunde... anläßlich des zehnjährigen Gedenktages des Marsches auf Rom in ihrem Programm zur Sendung bringt, schildert in einer Zusammen- stellung von Reden, Debatten, Tagebuchaufzeich- nungen und Hörszenen entscheidender historischer Ereignisse die wichtigste Epoche im Leben Musso- linis. Aus Gründung, Anwachsen und Krise des „Fascio"— ursprünglich eine Organisation der Kriegsteilnehmer und Ausdruck nationalen Willens der Frontgeneration— soll das menschliche Charakterbild Mussolinis... verdeutlicht werden." Von der italienischen Feier des Mussolini-Gedenk- tagcs war den Berliner Hörern bereits ein Aus- schnitt auf Wachsplatten geboten worden, der mit der faschistischen Hymne„G i o v i n e z z a" schloß. Bon dieser ausgiebigen Faschistcnoerherrlichung befürchtete also weder d i e Berliner Funk- stunde noch die Zensur st elle der s e l l s ch a f t„lebhafte der Oeffentlichkeit" und innenpolitischen Gegen- Reichsrundfunkgej Auseinandersetzungen in „eine Verschärfung der satze"? Allerdings hat man von ganz oben her dann doch abgewinkt: die Sendung muß ausfallen. Der schneidige Rundfunkgalopp in den internationalen Porzellanladen nahm sich ja im nationalsozia- listischen Zirkus recht efsektvoll aus: es scheint aber, daß allmählich den passionierten Reitern es doch zum Bewußtsein gekommen ist, daß sie diesem Beifall zu Liebe eine Menge schwer ersetzbarer Kostbarkeiten zertöppert haben. Die Forderung des Deutschen Offiziersbundes und seiner Hintermänner„M ehr Wehrgeist im Rund- funk" findet selbstverständlich noch immer hin- gebungsvolle Erfüllung. Wir stehen mit Marsch- musik auf und werden von ihr durch de» Tag geleitet: wir repetieren sämtliche von den Schul- büchern verbürgten preußischen Helden- taten wie einst, da wir noch die Schulbank drückten und die ganze Weltgeschichte als preußisch- deutsche Kulturtat betrachten lernten: wir müssen Weltkrieg büffeln, als sollten wir an einem unserer königstreu-republikanischen Gymnasien im nächsten Semester das Abitur machen, und wir müssen feiern, Tannenberg, Sedan, Leuthcn(vorverlegt wegen ungünstigen Wetters) und uns an alt- und neupotsdamer Paraden begeistern, als wären wir schon mittenmang in einem neuen herrlichen Siegeszug. Aber die Leute vom Stahlhelm klagen: Es ist nicht genug, was da geboten wird! Das Reichs- i n n e n m i n i st e r i um beginnt— weise, wenn auch reichlich spät beraten— wenigstens die SerienderWehrsportoorträgevor den Mikrophonen aufzulockern. Der„Stahlhelm- sender" druckt ein solches Schreiben aus dem Reichsinnen mini st erium ab: es lautet: ,Im dringenden Interesse der Reichspolitik wäre es erwünscht, daß die öffentlichen Diskussionen über Iugendertüchtigung, Gelände- und Wehrspart im Rundfunk z u n ä ch st einmal zurückgestellt werden, weil durch solche Vorträge der außenpolitische kurz der Regierung leicht erschwert werden kann...: überhaupt sollte gegenwärtig nach außen hin vermieden werden, das öffentliche Znteresse stärker als nötig auf diese Dinge hinzulenken." Der„Stohlhelmsender", der ja immer- hm bestimmten regierenden Kreisen sehr nahe steht. bringt in dem Artikel, in dem er diesen Brief mitteill, einen weiteren interessamen Absatz: da heißt es:„Außenpolitisch gesehen erscheinen uns die Verbote der Wehrsportvorträge keinesfalls gerechtfertigt, denn es dürfte sich doch nun hin- länglich erwiesen haben, daß die Frage der Ab- rüstung für die ehemaligen Feindbundstaaten erledigt ist und es sich jetzt nur noch darum handeln kann, Deutschland in allen Rüstungssragen die Gleichberechtigung zu erkämpfen." Es gibt eben noch immer Porzellan zu zerschlagen, und einiges könnten die Regierungsherrenreiter ja doch vielleicht sonst heil lassen: da kommen ihnen ihre Getreuen zu Hilfe! Außerdem entwickelt der„Stahlhelmsender" im Verlauf feiner Ausführungen ein herrliches Pro- gramm lückenloser Rundfunkdiktatur, unter dem Stichwort:„Der Rundfunk untersteht der Reichs- regierung! Das heißt: die Länder und ihre Rund- funkkommifsare haben nur regulativen Einfluß," Uns komint es aus eine etwas mehr oder weniger deutliche Diktatur nicht an: wir werden jede mit allen Kräften bekämpfen, wir, das Volk der deutschen Republik, das ein Recht auf die Gedenktage seines Landes hat, auf diese Gedenktage, deren Begehung gerade in der heutigen Zeit nicht nur selbstverständliches, sondern notwendiges Bekenntnis der Regierung wäre, zur Befriedung im Innern, zur Beruhigung des Auslandes, zur Wahrung der Ehre Deutsch- lands, der Ehre der deutschen Republik! Tes. Die engfochen Eisenzölle Verlängerung um 2 Jahre Das Britische Schatzamt hat jetzt auf Antrag der Zolltarifkommission(Dreier-Kommission) die Verlängerung der englischen Eisen- und Stahl- zölle auf weitere zwei Jahre verordnet. Die Eisen- und Stahlzölle in England, die bei den allgemeinen Zollerhöhungen im vergangenen Frühjahr von ll> und 29 Proz. auf durchschnittlich 33 Proz. herausgesetzt wurden, waren seinerzeit nur mit einer Geltungsdauer bis zum 23. Oktober gedacht. Zeigt schon aiese Verlängerung der hohen Eisenzölle, daß die Schutzzöllner in England auch zur Zeit noch Oberwasser haben, so deutet die Zolltarifkommission jetzt bereits eine weitere Heraufsetzung dieser Zölle an, wenn die jetzigen Zollsätze gegenüber den ausländischen Preisunterbietungen nicht die gewünschte Wirkung haben. Um der inländischen Schwerindustrie aber nicht eine bequeme Faulheitsprämie zu vcr- schaffen, sind diese erhöhten Schutzmaßnahmen an eine„befriedigende Reorganisation der englischen Stahlindustrie" gebunden. Die Regierung will durch diese Drohung die britische Schwerindustrie zwingen, ihre veralteten und unrentablen Betriebe umzubauen. REemisehe Landesbank Sanierung durch Staatshilfe Das Reich und der preußische Staat haben jetzt die Verhandlungen über einen Sanierungs- plan der Landcsbank der Rhein- provinz abgeschlossen. Da die Behebung der Illiquidität der Landesbank in erster Linie mit der Wiederherstellung der finanziellen Leistungs- fähigkcit der bei ihr verschuldeten rheinischen Kam- munen zusammenhängt, haben sich, wie der Amt- lichc Preußische Pressedienst mitteilt, Reich und Staat bereit erklärt, der Landcsbank ein Minde st aufkommen aus den laufenden kommunalen Zins- und Tilgungsschulden in 5)öhe und Aufsichtsbehörde dafür sorgt, daß diese Maßnahme rückgängig gemacht wird und dafür sorgt, daß dieser Zweig der Sozialversiche- rungn nicht versackt. Hier wird nicht einmal Rücksicht aus die Höhe der einzelnen Leistungen genommen, so daß in vielen Fällen nur noch wenige Mark aus- gezahlt werden. von 15 Millionen auf die Dauer von vier Iahren zu garantieren. Voraussetzung für diese Garantie ist. daß die Gläubiger der Landesbant sich gleichfalls zu einem Entgegenkommen in der Zinshöhe und Stundung der Kapitalforderungen auf mindestens vier Jahre bereit finden. Gleichfalls unter der Voraussetzung, daß diesem Sanierungsprogramm sämtliche Gläubiger zustimmen, hat sich die R e i ch s b a n k berciterklärt, zu den bereits gegebenen 75 Millionen eine weitere Liquiditäts- Hilfe zu gewähren. Reichsknappschaft Im.Anti-Wohlfahrtsstaat Die Reichsknappschast. die Versicherungsanstalt der Arbeiter und Angestellten im Bergbau, hat ihren besonderen Namen aus der früheren Bc- Zeichnung der Bergleute als Bergknappen über- nomine». Neuerdings scheint der Sinn ihres Namens sich darin auszudrücken, daß es bei dieser Versicherung knapp zugeht, die Bersicherungs- leistungen immer knapper bemessen werden. In der Angestelllenpensionskasse ist das Ruhe- g e l d um 39 Pro;, verknappt, die Witwen- Pension ist um Zt Proz. gekürzt und das W a i s e n g e l d um 60 Pro;. Jetzt hat die Reichsknappschast ihre Bezirks- knappschaften angewiesen, am kommenden Monats- schluß von den laufenden Leistungen der Ange- stelltenpensionskasse nur 89 Proz. auszuzahlen. Die flüssigen Mittel reichten zur Zahlung der Renten in voller Höhe nicht mehr aus. Es ist dies der erste Fall, daß ein Träger der öffentlich-rechtlichen Rentenversicherung seinen Verpflichtungen nicht mehr in vollem Umfange nachkommt bzw. seine Zahlungenteilweise einstellt. Der Anspruch auf die Gewährung der laufenden Leistungen in voller Höhe ist zwar gesetzlich gesichert, ober diese Garantie wird einfach negiert. Es bleibt abzuwarten, ob das Reichs- arbeitsmini st erium als Regierungsstelle „Kraftag"-Streik Wie bereits berichtet, hat die RGO. am Freitag» abend bei der„Kraftag" einen wilden Streik der Chauffeure„ausgelöst", den sie unter chrer bekannten„siegreichen" Führung im trauten Ver» ein mit den?iazis betreibt. Die RGO.-Betriebs- räte hatten zunächst im Depot Sophie-Charlotte- Straße den Streik inszeniert und schließlich gc- lang es ihnen, auch aie Fahrer der anderen De- pots in der Garten- und Wrangelstraße, die cm Freitag und Sonnabend noch im Dienst waren, zur Arbeitsniederlegung zu veranlatien. Etwas mehr als die Hälfte der Chauffeure stimmre nach gründlicher Bearbeilung für den Streik. Der G e s a m t v e r b a n d hat mit dem wilden Streik der RGO.- und Nazichaufseure nichts zu tun und lehnt jedes Eingreifen ab. Rundfunk am Abend Montag, 24, Oktober Berlin; 16.05 Lebeufangst und ihre Abwehr(Dr. V. v. Staohr). 16 30 stöbert Fran/.. 17.05 Violinrausik. 17.30 Geländelauf und Geländespiele(Dr Frh. v. Massenbach). 17.50 Mit den deutschen Loggern auf Heringsfang (H. v. Hülsen). 18.10 Ergebnisse des Wettbewerbes: Wer kann zählen? 18.55 Die Funkstunde teilt mit 19.00 Stunde der Reichs- regierung. 20.00 Aus Hamburg: Da makt he sick een Hanseat. 21.00 Zeitfunk. 21.15 Franz Schubert. 22.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. 24.00 Das Lokalstück (Wiederholung). Königs Wusterhausen: 16.00 Pädagogischer Funk. 17.30 Die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache(Professor Dr. A. Hübner). 18.00 Musizieren mit unsichtbaren Partnern(Dr. H. Just). 18.30 Die Kriegs�chuldfrage(Major a. ü. Dr. h. c. A. v. Wegerer). 19.00 Stunde des Landwirts (Güterdir. Bräuninger). 19.20 Funktechnik (Obering. Nairz). 19.30 Stunde der Reichsregierung. 21.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Aus Hamburg: Heiteres Konzert. 22.20 Wetter-, Tages- und Sport- Nachrichten. 22.45 Aus Köln: Nachtmusik und Tanz. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa programm im„Volksfunk", monall. 06 Pf., durch alle„Vorwärts"- Boten oder die Postanstalten. 13. Abt.: Heute, 19'e Uhr, bei Röstet, Putlitz» straße 19, Frauenobend. Dr. Norbert Marx spricht über Bevölkerungspolitik. 114. bis IIS. Abl. Die Gruppenführer müsien noch heute die Einladungszettel zu der morgigen Versammlung von der„Vorwärts"-Spedition ab- holen. 129. Abt.: Heute, ISbL Uhr, bei Tempel, Friedrichsseide. Prinzenallee 45, Mitgliederver- sammlung. Referent: Siegfried Aushäuser, MdR.: „Unser Kamps gegen die Reaktion." Wetter für Berlin: Kühler, meist stark bewölkt mit Regenfällen und frischen westlichen Winden.— Für Deutschland: Im Nordosten starke Abkühlung, unbeständiges, stürmisches Wetter. In den mittleren Landesteilen weitere Abkühlung und noch vielfach Regenfälle. Im Nordwesten noch ziemlich mild, später kühler, aber noch regnerisch. Hierzu 1 Beilage. Verantwortlich siir Politik: Richard Otto Hengst: sänitlich in Berlin. Z ch w a r tz: Wirtschaft: G. K l i n g e lh ö f e r: Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner: Feuilleton: Herbert Lepäre: Lokales und Sonstiges: Fritz Karstadt; Anzeigen: I Verlag: Borwärts-Verlag G. m. EH., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 08, Lindenstrage Z. I Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen-Ausgabe des„Vorwärts" veröffentlicht. «a»k» Tiicafcr Montag, den 24. Oktober staatsoper unter den Linden 20 Uhr Ein Maskenball staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Wilheim Teil VOLKSBÜHNE Theater am Bfiaowpiatz D I. Norden 2944. Täglich 8 llhr Die Ratten Dorsch, Klopfer, Wernicke, Verhoeven, Hormey. Fein, Stein Thau, Kurz. st. uhr CASIISO- THEATER 8,'.uh. Lothringer Sirafjc 37. iiMiiiiiiiiminiuiimiiiiiiiiiiiiiiiiii Nur noch bis S. November auch Sonntags nachm. 4 Uhr Königin derlnll Am 4. November zum 1. Male: Die Liebe bliibi in Werder Outschein für die Leser 1—4 Personen figut 0.75 M., Sessel L2S M., Park. 0.30 M, Slädi.Oper Charlotienburc Fraunhofer 0231 Volksvorstellung Kartenverk. 4 Rang Montag. 24. Okt. 20 Uhr Die uerhautte Braut Friedrich, Cavara, Kandl.Steier, Frind, Heyer Dirig Landeker TäBi. 5 u. ey2 Uhr 3ANDREU. RIVELS BARNABAS VCN 6tCZY Icrrc WAuauRGl plAza Nlh! Sdiln, Bhl. Su.B'MIgs. 2,5.«läÜ £7 Willi MSI Doüarprinzessin Deutsches Theater Weidend. 5201. 8 Uhr Pil fl!M von Hoinig SdMDSpiel von 5.«. Kleist Regie; MaxReinhardt Kammerspieie 8 Uhr Schultes Bühne Heiterer Ludwig- Thoma- Abend Die Brautschau Erster Klasse Schiller IGrolmanstr. 70/71 SteinpL(C I) 6715 Täglich S1/# Uhr Robert und Bertram Alfrsd Braun. Fritz Hirsd, Senta SSnHand Stg. nachm. 3Vt IfeiiiMt v. Gneiseaa'j Preis 0 40 bis 2,00 Mttonni-insski!!' I Täglich m Uhr lj Srißi Massary Eine Frau, die weiß, was sie will! Sonntag nachm. ,/a3 u. 5 Walzertraum Theater am Schitfbauerdamm D 2 Weidend. 99S3 Täglich 814 Uhr die„Truppe 1931" spielt „Da liegt der Hund begraben" Komödiem Musik p- Theater im-* iAdmlralspaiasil I Täglich 8% Uhr I Gitta lessing-Tiisaler Tägl S'l, Uhr Grete Mosheim Oskar Hemolka Ql( P 0 f Pygmalion in Katharina — Rose- Theater| üroäe Frankfurtv Slraöe 137 Iii. Weldnel E 7 3422 8,15 Uhr Der Hauptmann von Köpenick �Theater i.d.-t! Stresemannstr. Täglich 8'/«. ü wähl. wüiznD v. Bernard Shaw Moissi, v Thell- mann, Bertens, Evans, Otto, Sima, Wiemann. Deppe, de Kowa. Thealerd.Weslens ISteinpI. 5121 täglich 4>.iU 824 Stg. 2>/.. 5 U. 8V. Körsier- ch r ist e l 1 Wörner, S'üwe. f Lichienstein l.Vcrtt. 0.80-1,50 2. Vant. 0,50-2,60 |«aricisner uonjyrai-raöw-snoer L.ena i 1 1 Adele Suidrock Hörbige r Oülstorff f urdott SeniiNlkoiaiewa L ng.n N.amar I J egelmann Arco Nin The last 1 1 19 s.Lte. T eoHactobee Desie: B itoit'enuoei f dunns. Flora 3434 RamneD cri. Bronett-Familie. Lord Ain. 7 Alfredos. Marianne u Roberts. Dormonde. MaeElgin. Mary Erik u. Co. usw. mmm Restaurant Berlins WALLNER-THEATER Tiglidi 8.15„Mitschuldigen" „Satyros" von Goethe— Musik; Mozar Preise 0,50 bis 3.- M.— Sonnt. 5 u. 8,1 5 Uhr Vorverkaul taglich ab 10 Uhr Stettiner Sänger Reichshallen-Theater (Dönhoffplatz) f Dir. Meysel. Dir. Meysel. Tägl 8.15 Uhr, Sonntags 3J0Uhr(ermäßigte Pr.i Das neue Programm mit der Posse „Und abends wird getanzt" .ÄlÄ Kabarett für Alte 4 Uhr Tätlich 2 x 9 Uhr Das Sensation ello Kabarett-Programm Abendpreise 1— 3.Vlk. Nachm. GedecR 1,25 Jeden Sonnabend 1 1 Uhr: Nachtvorstellung — I Dienstag, den 25. Oktober nadun. Z Uhr Kapitän Schneiders weltberühmte 70 u.lO Sensationen Stint. 2lira von I4c>llanclsr->lunlcli. .flnloni tan Jßeeintenhoeh Zu feinem 300. Qeburigtag am 21. Ohioher Antoni van Leeuwenhoek ist gewiß einer der eigenartigsten Geister unter allen denen, die der Wissenschaft, insonderheit der Biologie, gedient haben. Und dabei war er gar kein Wissen- schaftler, kein Gelehrter. Am 24. Oktober 1632 wurde er in dem holländischen Städtchen Delft geboren, verlor früh seinen Vater, besuchte eine Schule, aus der man lernte, was man in seinen Kreisen— des gewerbetätigen Mittelstandes— brauchte, und wurde bei einem Amsterdamer Tuchhändler Buchhalter und Kassierer. Von Wissenschast war da nirgendwo die Rede. Leeuwenhoek konnte nicht einmal Latein, und Latein war noch die fast ausschließliche Sprache der Wissenschaft. Er verstand überhaupt keine fremde Sprache, und ihm fehlte jede Möglichkeit, in die Literatur eines anderen Landes einzudrin- gen. Selbstverständlich, daß er unter diesen Um- ständen niemals eine Universität besuchte. Und doch wurde aus ihm einer der bedeutendsten Naturforscher: denn er besah ein offenes Auge, eine sehr geschickte Hand und war frei von Vor- urteilen, die ihn hätten falsche Wege führen können. Das Mikroskop, wie wir es heute kennen, war in jenen Iahren erst eben erfunden, übrigens auch von Holländern, aber noch gar nicht in Auf- nähme gekommen. Man benutzte Instrumente, welche fast immer nur eine Linse besaßen, die zwischen zwei Metallplatten lag. in denen je eine kreisrunde Oeffnung für die Linse ausgespart war. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der junge Leeuwenhoek schon in Amsterdam mit solchen In- strumenten Vekannsschaft machte, vielleicht bei dem Apotheker S w a m m e r d a m, dessen Sohn Jan zu naturwissenschaftlichen Studien von seinem Vater angehalten wurde— nicht ohne Erfolg, wie die Geschichte zeigt. Als Leeuwenhoek 1654 wieder nach Delft kam, um zu heiraten, selber einen Kram- laden aufzumachen und später die gutbezahlte und wenig mühevolle Stellung des Rathauspförtners zu übernehmen, war er sicher schon der, als den die Welt ihn später kannte, ein Besessener, der nichts tat und nichts wollte, als in die Geheimnisse der Natur einzudringen,— auf seine Weise. Arbeiter-Fuß- und-Handhall Minervas Festspiel— Der große Handballwerbetag Aus Anlaß seines vierjährigen Bestehens hatte der Fußballoerein Minerva 28 den Bezirks- meister des Frankfurter Bezirks, Eiche- Finken- Herd, zu Gast. Es muß festgestellt werden: über die Leistungen beider Mannschaften war man mehr als enttäuscht. Während des ganzen Spiels kam kein richtiger Zug hinein, ja manchmal hatte man das Gefühl, als schliefen die Spieler ein. Von Minerva, die allerdings durch den eingestellten sehr schwachen Ersatz im Nachteil war, hatte man bedeutend mehr erwartet. Die Finkenherder waren durch die lange Autofahrt ermüdet, so daß auch hier kein Tempo aufkommen wollte. Erst die zweite Halbzeit brachte etwas mehr Leben in die Bude, als die Gäste mit 1: l) in Führung gingen. Minerva versuchte dann einzelne Durchreißer, die Hintermannschaft Finkenherds war aber auf dem Posten. Selbst ein Handelfmeter konnte von Minervas Mittelstürmer nicht verwandelt werden. Dann legten die Finkenherder noch ein Tor vor, um sich dann mit dem Ergebnis 2:1 für Finken- Herd zufrieden zu geben. Minerva wollte durch- aus wenigstens das Ehrentor schießen. Schon glaubte alles an einen 2: ll-Sieg der Gäste, als mit dem Abpfiff zugleich Minerva den Ehren- treffer buchen konnte. Rot-Weiß Neukölln, der Gegner des Sonntags gegen Finkenherd, sollte eine unerwartet hohe Niederlage einstecken. Nicht weniger als neun Tore buchte Finkenherd, während Rot-Weiß leer ausging. Die Neuköllner waren der etwas harten Spielweise der Finkenherder nicht gewachsen. Bis zur Pause führten die Gäste mit 4:0, um nach dem Seitenwechsel noch weitere fünfmal erfolgreich zu sein. Die zweiten Mannschaften trennten sich mit dem Ergebnis von 1: 2. Hier verloren die Neuköllner nur durch ein Selbsttor ihrer Ver- teidigung. Weitere Spiele Trebbin— Teltow 4:1(2:1). Der Favoritenschreck blieb seinem Ruf auch gestern wieder treu. Eiche-Bohnsdors— wacker-Storkow K: 1(Z: 0). Der Sieger nimmt von Anfang an die Führung in die Hand, unterstützt durch die schlechte Deckung der Verteidigung. Wackers Sturm versagte. Butab gegen Adler 08 1:1<1: 0). Beinahe eine Riesen- Überraschung! Butab, am grünen Tisch in der Punktliste zurückgefallen, führte bis kurz vor Schluß infolge guten Flügelspiels. Adlers Innen- stürm versagte. Hansa ZI— Zehdenick 05 5: 1(3: 0). Das Spiel ist verteilt, die Mannschaft aus der Ziegelstadt spielt sehr eifrig, aber Hansa ist tech- nisch besser. Lichtenberg I— Eintracht- Spandau 8: 0 (4: 0). Spandaus Angriffsgeist verfliegt sehr schnell: da der Sturm zu zerfahren spielt, wird die an sich gute Verteidigung überlastet. Volks- sport-Veukölln— Jtormannia 0: 0. Ein Spiel der Hintermannschaften und der verpaßten Tor- gelegenheiten. Kickers— Einlrachl-Mahlsdorf 3: 1 (1: 1). Eintracht erzielt zwar durch Elfmeter das Führungstor, aber Kickers ist stark überlegen und ausdauernder. Saxonia— Alemannia 2:1(1:1). Schnell, oerteilt, fair. Die Tore der ersten Halb- zeit fallen infolge von Fehlern der Verteidigungen. Nord— Fortuna 4:2(2:1). Ein offenes Spiel, das sehr unter der Ungunst der Witterung litt und infolgedessen die zahlreich erschienenen Zuschauer nicht befriedigte. Fichte— Luckenwalde>V 4:1 (1: 1). Fichte gab der Vorschau recht und brachte die in der Abteilung führenden Luckenwalder um zwei außerordentlich wertvolle Punkte. Rathenow- Süd— Brandenburg 3:0(1:0). Die Entscheidung um die Meisterschaft der Havelgruppe des 3. Bezirks ist gefallen. Rathenow war in der Gesamtheit besser und drängte. Rowawes— Havel- berg 9: 0. Der Meister der Berliner Gruppe des 3. Bezirks war um eine Klasse besser als der Vertreter der Elbegruppe. Weitere Ergebnisse: Börnicke l— Porwärts.Weddinq Z 3: 1. Borwiirts.Vcdding 1— Wcrlsee 15:1. Saxonia 2 gegen Alemannia 2 1:1. Vorwärts. Wedding 2— Werlscc 2 8: 1. Volkssvort Neukölln 2— Sperenberg 17:1. Volks. spart Neukölln 3— Normannia 3 6:2. Jans» 2— Buch 1 4: 1. Hansa 3-gelidenick 2 5: 0. Adler 2— Butab 2 3:0. Adler 3— Borsigwalde 3: 0. Lichtenberg 2— Eintracht. Spandau 2 2:2. Lichtenberg 3— Schöneberg 3 1:4. Berlin XII 1— Lichtenrade 1 0:0. Vorwitrts.Wedding 1. Schiller— Fortuna 12: 0. Vorwärts. Wedding 2. Schüler gegen Fortuna 1: 1. Minerva Jugend— Luckenwalde I 1: 1. Minerva Schüler— Luckenwalde l 1:5. Hansa Schüler— Zehdenick 3: 2. Hansa 2. Schüler— Alemannia 1 0; 1. Lichtenberg Jugend— Alemannia 22 4; 1. Vorwärts. Wsdding Jugend— Nowawe» 0: 2. Handhall Berlin-Ostmark 11:5 Großer Werbetag auf dem Exerzierplatz! So lautete die Parole der Handballer des Nord- bezirks. Und sie waren alle erschienen. Auf den fünf Plätzen hinter der Mauer herrschte vom frühen Vormittag an ein lebhafter Spielbetrieb. Spiele der Jugend- und Frauenmannschaften wechselten in bunter Reihenfolge mit den Kämpfen der Männermanschaften ab. Je mehr sich die Zeit dem Hauptspiel der Auswahlmann- schaften des zweiten Bezirks und der O st m a r k zuneigte, um so gespannter wurden die Zuschauer und die Spieler. Als dann der Schieds- richter um 16 Uhr das Spiel anpfiff, standen mindestens 2