Morgen-Ausgabe Nr. 503 A246 49. Jahrg. Redoktton und Verlag, Berlin S\V 68, Lindenstr. 3 Sernfprechn> A7 Ami Dönhoff 292 Mi 297 T-l«zrammodr«sse, Sozi-Ib-mokr-l Berlin BERLIN ER VOLKSBLATT DIENSTAG 25. Oktober 1932 In Groß- Berlin 1 0 Pf. Auswärts....... 15 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe am Schluß beS redaktionellen Teil» Jentvatovsan de««Sozialdemokratische« Oavtei Deutschlands KPD. im Schlepptau der Kriegshetzer �-Ä*?«" Abgedroschene Hakenkreuzphrasen als Wahlaufruf— das ist ihr Kurs! Die Nationalsozialisten verdanken ihr Wachstum der geistigen Verwirrung, die als Folge der ent- setzlichen Not in Deutschland um sich gegrifsen hat. Diese geistige Verwirrung hat den Boden abgegeben für eine dreist verlogene, das Volk vergiftende nationalistische Hetze. Daß diese Hetze Erfolg haben konnte, daran trägt die Kommunistische Partei ein wohlge- rütteltes Maß von Schuld! In der Wirtfchasts- krise war es die Aufgabe, für Klarheit in den Köpfen der Arbeiter zu sorgen und der Der- wirrung durch die Krise entgegenzuarbeiten Das war eine Aufgabe von größter Verantwortlichkeit, die selbstverständlich nicht mit blöden Schlag- warten und blödem Propagandageschrei vom„so- zialdemokratischen Hauptfeind" zu lösen war. Es galt, die wirtschaftlichen und sozialen Ge- schehnisse vom marxistischen Gesichtspunkt aus zu durchleuchten und die nationalistische Ideologie durch klarste Herausarbeitung ihrer Wurzeln zu zerstören. Gegenüber dieser Ausgabe hat die kommu- nistische Partei restlos versagt. Sie hat die blödesten nationalistischen Schlagworte und Stichworte übernommen. Sie hat eine S ch m u h k on k u r r c n z in nationa- listischer Hetze mit den haken- k r e n z l e r n betrieben. Sie hat andererseits den hakenkreuzlern die verlogenen und haß- ersülllen Stichworte gegen die Sozialdemokratie geliefert, die jetzt nicht nur zum Repertoire der Kommunisten, sondern auch der Nationalsozialisten gehören. Die geistige Verwirrung haben die Barone benutzt, um in die Macht zu klettern. Sie fühlen sich seitdem als die Herren Deutschlands. Die Republik, die Freiheit des deutschen Volkes und seine demokratische Verfassung, die Rechte und die Errungenschaften der Arbeiterklasse sollen beiseite geschoben werden. Die Herren Barone betreiben eine Außenpolitik mit nationalistischen Vorzeichen. Wo ist noch der Wille zur Verständi- gung? An seine Stelle ist eine reine Macht« Politik getreten, eine Politik zum mindesten der geistigen Aufrüstung des deutschen Volkes für den kommenden Krieg. Reaktion und Ra- tionalismus im Bunde bedrohen nicht nur die deutsche Arbeiterklasse, sondern vielmehr die Ar- bciterklasse in der ganzen Welt! Demgegenüber gilt es, die elementarsten Rechte der arbeitenden Klasse zu verteidigen! Nie waren die Klassen- fronten klarer, nie war cs nötiger, für die geistige Klarheit und Geschlossenheit der Arbeiterklasse im Kampfe gegen ihre Feinde zu sorgen, als heute! Zn dieser Situation erläßt das Zentral- komitee der KPD. einen Ausruf, der einen glatten Perrat an den Interessen der Arbeiterschaft und des Volkes darstellt, einen Aufruf, der ein Dokument der geistigen Minderwertigkeit und des geistigen Zusammenbruchs der Kommunistischen Partei ist. Den Kern dieses Aufrufs bilden die abgedroschensten nationalistischen hetz- p h ra s e n, die die Hakenkreuzler und ihre Bundesgenossen in den letzten Iahren benutzt haben, die sie aber heute nicht mehr anwenden, weil ihre eigenen Anhänger heute laut auslachen würden, wenn sie damit Propaganda treiben wollten. Denn in- Zwischen ist es klar geworden, daß die nationa- listische Hetze nur der Vorwand war für den Macht- und Restaurationswillen der Reaktion! Für die Führung der Kommu- nistischen Partei ober sind diese abgedroschenen, überholten Phrasen gerade noch gut genug, um als Glanzpunkte des zentralen Wahlaufrufs der Kommunistischen Partei zu dienen. So lesen wir in der Berliner„Roten Fahne" in diesem Wahlaufruf, drucktechnisch auf das Schreiendste hervorgehoben: „Schwerer denn je zerren die Ketten von Versailles an den Gliedern des werktätigen deutschen Volkes und vergrößern die Ausbeu- tung und Ausplünderung der Massem Ein so- zialistische- Deutschland wird den Schand- vertrag von Versailles zerreißen, es allein wird'm Bündnis mit dem befreiten Millionenvolk der Sowjetunion jeden An- schlag Frankreichs, Polens und anderer Imperialisten auf Deutschland zu vereiteln wisten. Erst das kommende sozio- listische Deutschland wird der unterdrückten deutschen Bevölkerung in Oesterreich, Elsaß-Loth- ringen, Südtirol usw die Möglichkeit eines frei- willigen Anschlusses geben. Werktätige in Stadt und Land, ftälkt daher unsere revolutionäre Freiheitsarmee im Kampfe gegen Versailles." Dieser Rückfall in den blödsinnigsten National- bolschewismus ist ein Dokument des geistigen Zu- sammenbruches der Führung der Kommunistischen Partei! Dies Dokument liefert den nationalisti- fchen Hetzern in Deutschland geradezu Stichworte! An den Gliedern des werktätigen deutschen Volkes zerrt etwas ganz anderes als die Ketten von Versailles! Die Politik des Lohndrucks, der Per- elendung der Arbeiterklasse, die Machtgier des Unternehmertums, die wahnwitzige Politik der Störung der deutschen Exportbeziehungen zugunsten einer sturen Liebesgabenwirtschast an das ostelbische Junkertum— alles das hat nichts, aber auch gar nichts mit Versailles zu tun! Welche willkommene Gelegenheit für die Barone und für die ganze Sozial- r e a k t i o n, sich hinter die Ketten von Versailles zu verkriechen, wenn die Kommunistische Partei in solcher Situation nichts anderes zu sagen weiß als dies! Welche willkommene Gelegenheit für alle nationalistischen Panikmacher und Kriegshetzer in Deutschland, wenn die Zentrale der Kommunistischen Partei in ihrem Wahlaufruf von imperialistischen Anschlägen Frankreichs und Polens gegen Deutschland faselt! Alle a u s- rüftungsliisternen Elemente konnten sich keine bessere Begründung für ihre Absichten wünschen! Gegenüber diesem Verbrechen an den Interessen der Arbeiterklasse tritt selbst zurück, was dieser Wahlaufruf an schamlosen Verleumdungen des Kampfes der Sozialdemokratischen Partei enthält. Daß sie unseren Kamps um die Demokratie und um den Sozialismus als schmutzigen Betrug be- zeichnen,— das ist noch klein gegenüber dem un- geheuren Derbrechen, dos den Kriegshetzern, den aufrüstungslüstcrnen Elementen, den Nationalisten und Chauvinisten, bei ihrer Arbeit der Völker- Vergiftung Bundeshilfe leistet! Dieser Aufruf ist eine Schande für die deutsche Kommunistische Partei, er ist eine Schande für die ganze kommu- nistische Internationale, er ist eine verräterische und würdelose Anbiederung an die geistige Verwirrung des Nationalismus! Eine Partei, die so klar ihren geistigen Bankerott erkennen läßt, ist völlig ungeeignet zur Vertretung der Interessen der Arbeiterklassen. Es gilt,' diese Bundesgenossen der schlimmsten Nationalisten in Deutschland bis zum 6. November auf das stärkste zu bekämpfen— im Interesse der Arbeiterklasse, im Interesse der Freiheit des deutschen Volkes wie im Interesse des Friedens! Frankreichs Abrüstungsplan �ViJerstand der Generale Eigener Berieht des„Vorwärts" Eine Kriegerdenkmalsenthüllung in L e n s er- ösfnete der sozialistische Bürgermeister und Abg. M a e s mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die Völker nicht nur auf militärischem, sondern auch auf wirkschastlichem Gebiet bald a b r ü st e n werden. Ministerpräsident H e r r i o t antwortete: „Es gibt kein Land, das mehr als Frankreich den Frieden zu erholten strebt. Erheben wir unsere Seelen, indem wir an die Toten denken, die der legte Krieg gekostet hat. In der Nähe von Lens, auf dem Friedhos des Weißen Hauses, ruhen 7 5 000 deutsche Soldaten, ohne Zweifel Männer, die in Ruhe zu leben gewünscht haben. Erweisen wir ihnen Ehre, wie wir unseren Toten Ehre erwiesen haben. Frankreich hegt keinen Haß gegen seine ehemaligen Feinde. Es hat alles getan was es konnte, um seinen Friedenswillen zu beweisen. Man vergißt das Ziel im Ausland und, was noch ärgerlicher ist, in Frankreich selbst. Frankreich versteht, edelmütig zu sei», wenn es sich um materielle Interessen handelt. Es hat nur den Wunsch, das Werk des Friedens iveiler zu verfolgen und deshalb ist es im Begrisf. einen Plan vorzuschlagen, der die Abrüstung mit der Sicherheil verbindet, der den Verzicht aus die Rüstungen von einem Anwachsen der Kräfte des Rechts abhängig macht. Wenn dieses Werk Ersolg haben soll, müssen alle Völker ebenso vernünftig wie Frankreich sein." Die Opposition des Generalstabes Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Kriegs- minister Paul B o n e o u r bzw. der Regierung und dem Generalstab über den neuen französischen Abrüstungsplan werden jetzt von dem offiziösen „Petit Parisien" zugegeben. Er schreibt zu der Sonnabendsitzung des Studienkomllees des ober- ften Landesvcrteidigungsrats: „Man kann nicht darüber erstaunt sein, daß ein Plan über die Herabsetzung der Rüstungen gewisie Vorbehalte und Wider st Snde derjenigen hervorruft, denen der Schutz des Landes obliegt und die notwendigerweise dazu geneigt sind, die Ding« für sich allein zu betrachten, und s i ch n i ch t viel um Erwägungen i n t e r n a t i o n a- ler Artzu kümmern, mit denen sie nicht ver- traut sind." Lo�ialistiseber Gegenstoß Leon Blum protestiert im„P o p u l a i r e" auf das schärfste gegen die Sabotageversuche der Generalität und fordert die Regierung eindring- lichst auf, sich dadurch nicht auch nur zur geringsten Verschleppung der Abrüstungsarbeit bewegen zu lassen. Die Kritik Leon Blums an dem verhallen des Generals weygand, der den neuen französischen Abrüstungsplan zu sabotieren versucht, hat den Ersolg gehabt, daß die Sludienkommission des Obersten Landesverleidigungs- r a l e s ihr« Arbelten beschleunigt, damit der Plan gemäß dem Wunsch der Regierung bis zur nächsten Sitzung des Büros der Abrüstungskonferenz am Z. November fertiggestellt werden kann. Neben das„Dritte Reich" und das„Sowjet- Reich" ist ein neues politisches Wunschbild getreten, Herrn v. Popens„Heiliges R e i ch". Der Kanzler hat sein romantisches Ideal aus der Truhe feudaler Vergangenheit geholt und sucht es zeitgemäß aufzuputzen. Die„grundsätzliche neue Art der'Staats- führung", unter der das deutsche Parlament an die Kandare genommen werden soll, sin- det nach Meinung des Herrn v. Papen ihre Begründung in der Gnade Gottes, da sie in dem Willen des Volkes schlechthin nicht zu begründen ist. Wird aber erst einmal der irdische Boden als Basis des politischen Machtanspruches geleugnet, dann kann es nicht ausbleiben, daß die Gedanken am grünen Tisch zu galoppieren beginnen, wie die Pferdchen auf dem grünen Rasen: Hin- dernisse werden nicht beseitigt, sie werden in kühnem Satze gleich einer Hürde genommen. So kann es auch nicht verwundern, daß für alle Pläneschmiede jene Konjunktur ge- kommen ist, die wir leider auf Wirtschaft- lichem Gebiet dank Lohnabau und Kontin- gentmacherei, diesem törichten Po-Po-Spiel der Wirtschaftspolitik, nur schwerlich für Deutschland herannahen sehen. Wenn die Träume, die an den preußischen Kaminen be- plaudert werden, nichts als ein fröhlicher Zeitvertreib der Klubherren wären, wer wollte dann so grausam sein, sie mitzuteilen. Wissen wir doch alle, daß Träume allzu oft peinliche Charakterdeuter sind! Aber hier handelt es sich um mehr. Zu allen den bekannten Plänen, die auf eine völlige Entrechtung des Volkes abzielen, tritt ein Angriff auf die Volkssouveränität als Grundlage der Verfassung. Die volksfeindlichen Pläne sind nicht so leicht zu verwirklichen. Weder der jetzige, noch ein künftiger Reichstag werden dazu die notwendigen Majoritäten liefern. Ein Volksentscheid erst recht nicht. Und selbst der Artikel 48, dieses Küchen- wunder der deutschen Verfassung, reicht dazu nicht aus. Also beliebt man, sich daran zu erinnern, daß zwar nicht die gegenwärtig geltende Verfassung, die nur„d a s deutsche Volk einig in seinen Stämme n", wohl aber die alte B u n- desverfassung von 1870, einen Bund der Landeshäupter kennt. Also schlägt man vor, diesen Bund mit einer Reihe von Staatsverträgen ge- wissermaßen aufs neue zu schließen. Ob frei- lich solche Ideen abseits vom lauten Trubel des Mllnchener Oktoberfestes oder der etwas allzu großen Stille des bayerischen Waldes in der normalen politischen Atmosphäre vom Kanzler und Reichsinnenminister erfolgreich hs�RAUS ZUR GROSSEN itfäUict-lUwdyt&usity! A*n Douuetttafy, deu* 2?. OUiofac, ZO UUc, in den Tennishallen, Wilmersdorf, Brandenburgische Str 53. Redner: Polizeipräsident a. D. ALBERT GRZESINSKI, EMIL GROSS von der Sozialistischen Studentenschaft. Eintrittspreis 30 Pf. Für Erwerbslose gegen Vorzeigung der Stempelkarte 10 Pf.— Die Sozialistischen Jugendverbände treffen sich um 19 Uhr an der rechten Seite im Gang hinter der Galerie. fükMM. sind Mdbzubciuq&r! mit den Ländervertretern durchgesprochen werden können, erscheint nach den letzten Aeußerungen aus dem deutschen Süden wenig wahrscheinlich. Selbst wenn ein güti- ger Knecht Rupprccht auch die Verfassungs- autonomie der Länder einschließlich eines Wittelbachschen Königspurpurs und ein- schließlich von Wahlrechtsreformen sonderlich- ster Art in seinen Gabensack packte, so wird das bei den Ländern diesseits und jenseits der Mainlinie wenig Begeisterung auslösen. Warum wir dabei Preußen seiner Be- deutung gemäß nicht gesondert nennen? Einfach deswegen, weil die gleichen Ver- fafsungsstrategen, die diese Pläne diskutieren, aus dem jetzigen Provisorium derart ein De- finitivum zu machen gedenken, daß Preußen im Reiche aufgeht und nur gnädigst ein Kultusministerium und ein Finanzministe- rium, sowie in Gestalt eines besonderen Aus- schusses der preußischen Reichstagsmitglieder eine Art Ersatzparlament erhalten soll, dem obendrein nicht einmal das Recht gegeben wird, selbständig den preußischen Ministern ihr Vertrauen wirksam zu ent- ziehen! Bisher wurde zu all diesen Projetten ge- schwiegen. Wenn aber der Kanzler selbst immer wieder trotz aller Scheu vor dem Worte„Verfassungsbruch" derartige Dinge in der ihm nahestehenden Presse ungehindert diskutieren läßt und sich selbst in das mysti- sche Halbdunkel vager Erklärungen begibt, so ist es an der Zeit, wenigstens das sonst so oft gehörte Rasseln der Dementiermaschine hervorzulocken. Oder sollte da nichts zu dementieren sein? Wie dem auch sei, mit aller Deutlichkeit ist zu erklären: das deutsche Volk braucht weder ein Drittes Reich, ein Sowjet-Reich, noch gar ein„Heiliges Reich". Das deutsche Volk braucht„das Deutsche Reich". Denn: das Deutsche Reich ist laut§ 1 seiner Verfassung eine Republik, in der die S t a a t s g e- walt vom Volke ausgeht. Hat Sie das Volk gewollt, Herr v. Papen? Doch weder Sie, noch Ihr„Hei- liges Reich"! Also, um in der den hohen Herren ge- wohnten militärischen Kürze zu sprechen: „W e g g e t r e t en!" Bracht behauptet... er niemals beweisen kann Dieser Tage richteten 4M„nationale" Wirt- schaftsvertreter, die unter dem Vorsitz eines nationalsoziali ftischen Reichstagsabge- ordneten in Zeven tagten, an den stellvertretenden Reichskommissar eine Protestentschließung gegen den volksparteilichen Regte- rungspräsidenten in Stade. In dem Protest wurde u. a. die Abberufung des Regie- rungspräsidenten gefordert. Der stellvertretende Reichskommissar für Preußen hat darauf in einem Brief geantwortet, in dem es einleitend wie folgt heißt: „Die in Zeven gefaßte Entschließung gibt zu einer Abberufung des Regierungspräsidenten Dr. Rose in Stade keinen Anlaß. Die Zeiten, in denen leitende Beamte auf Grund von V er s a m m l u n g s b e sch l ü s se n a b- gesetzt wurden, sind vorüber und— so Gott will— für immer!" Das ist die„g r u n d f ä tz l i ch n e u e S t a a t s- führung" wie sie leibt und lebt! Man kriti- siert und stellt wie die Gottheinerei in Leipzig Be- hauptungen auf, ohne sich auch nur im geringsten darum zu kümmern, ob das, was man sagt, mit der Wirklichkeit in Einklang zu bringen ist. Daß früher in Preußen leitende Beamte„auf Grund von Versammlungsbeschlllssen abgesetzt" wurden, kann Herr Bracht niemals beweisen, weil es niemals der Fall gewesen ist. Diese Methode hat sich erst nach dem 20. Juli eingebürgert, seit der Herrenklub und die Deutschnationale Partei die„überparteiliche" Regierung in Preußen kom- mandieren! Menschenfreunde! Die Aerzte der Amtshauptmannschaft Grimma haben beschlossen, keine Wohlsahrts- empfänger mehr auf Rechnung des Bezirks- Verbandes zu behandeln, weil sie seit Monaten kein Geld mehr bekommen. Rur bei Lebensgesahr wollen sie eine einmalige kostenlose Behandlung der Kranken vornehmen. ! Freiheit! Freiheit! Otto Lauer iiW Demokratie und Sozialismus Im österreichischen Nationalrat hat der Bundes kanzler Dollfuß unserem Genossen Otto Bauer zugerufen:„Sie sind ein Bolschewik! Sie haben sich nie ehrlich zur Demokratie bekannt." Otto Bauer antwortet darauf in der Wiener„Arbeiter- zeitung". Er führt den österreichischen Spießern die Größe des weltgeschichtlichen Geschehens in "V.'VV- ScUafft IfhutUuHz füc dctt zu werben oder sie vor dem russischen Volke zu rechtfertigen: wenn ich sehe wie auf einen Wint des Diktators alle Geleyrten im weiten Rußland hre soziologischen, ihre philosophischen Ueber zeugungen bei Strafe der Amtsentsetzung, der Verhaftung, der Verbannung verleugnen oder revidieren müssen: wenn ich sehe, wie jeder russi- sche Arbeiter. Bauer Beamte, der eine der Re- gierung mißliebige Meinung zu äußern wagt, ohne gerichtliches Verfahren, auf administrativem Wege verhaftet und schwersten Strafen unter- warfen werden kann, dann fühle ich: da kann ich nicht mit! Da scheidet mich vom Bolschewis- mus meine Schätzung des Wertes der individuellen geistigen Freiheit. Um der individuellen geistigen Freiheit willen bin ich Demokrat. Die Demokratie— das ist mir etwas mehr als der Parlamentarismus, mehr als eine Summe juristischer Institutionen. Sie ist mir die Staatsverfassung, die die best- möglichen Bürgschaften der indi- oiduellen, der geistigen Freiheit gibt. Sie ist mii wie ich es einmal in einer Abhandlung gesagt habe, die von Demokraten aller europäischen Länder in allen europäischen Sprachen oerbreitet worden ist, das kost- barste Gefäß der geistigen Frei- h e i t." Die kleine Gestalt des österreichischen Bundes- kanzlers hat Anlaß gegeben zu einem großen und feurigen Bekenntnis zur Freiheit! Dies Bekenntnis zur Freiheit scheidet uns nicht nur von den Kommunisten, es führt uns in den Kampf gegen die geistige und politische Reaktion, es ist der tiefe Sinn des Kampfes, den wir heute führen— um Freiheit! Der HundepeitfchendMator k'eixer Ueberfall auf Reichsbannerleute aus dem Auto Hitlers "x:■-'Ä vr* Ii-:' Ii'■.T-Vir;:. ::.v: Ruhland vor Augen, um dann auseinanderzu- setzen, warum e r kein Bolschewik ist: „Ich sehe die weltgeschichtliche Größe dessen, was in der Sowjetunion geschieht. Ich bemühe mich seit fünfzehn Jahren, es gewissenhaft zu studieren. Aber ich bin kein Bolschewik. Was mich vom Bolschewismus scheidet, sind nicht etwa bloß taktische Erwägungen darüber, daß die Me- thode der Bolschewiken, in der Geschichte und der sozialen Struktur Rußlands begründet, in West- und MilteseurozÄ' nicht nachgeaMt webbcn'tänn. was mich vom Bolschewismus scheidet, ist etwas viel wesentlicheres als alle taktischen Erwägungen, ist etwas Grundsätzliches, etwas, was in meiner ganzen Auffassung der Entwicklung der menschlichen Kultur begründet ist: ist meine Schätzung des unerseh- lichen wertes der individuellen. der gel st igen Freiheit. In jahrhundertelangen Kämpfen, in denen die Besten der Menschheit Freiheit und Leben ge- opfert haben, haben die europäischen Nationen dem Staat und der Kirche die Bürgschaften der individuellen, der geistigen Freiheit abgerungen. Es gäbe keine Wissenschaft, vor allem keine moderne Naturwissenschaft, ohne die schwer er- kämpften großen Siege im Kampfe um die geistige Freiheit. Und ohne die moderne Natur- Wissenschaft gäbe es keine moderne Technik, Me- dizin, Hygiene, keine moderne Zivilisation. Es gäbe kein modernes öffentliches Leben, kein Ringen der großen Geistesströmungen um die Seele der Völker, ohne jene schwer erkämpften Errungenschaften der individuellen, der geistigen Freiheit— nicht jene große Schule, in der allein die Völker zur Selbstbestimmung reifen können. Es ist meine lleberzeugung, daß der Sozialismus die Bürgschaften der individuellen geistigen Freiheit nicht zerstören soll, sondern sie, das kostbare Erbe des Zeitalters der bürgerlichen Revolutionen, hinüberretten muh in die sozialistische Gesell- s ch a f l der Zukunft, in der sie erst, von aller kapitalistischen Verfälschung und von allen kapitalistischen Fesseln befreit, ihre volle Ent- sallung finden, ihre volle Schöpferkraft be- künden werden. Wenn ich lese, daß die russische Diktatur Männer wie Sinowjew, Kamenew, Uglanow ausstößt und mundtot macht, nur weil sie über die oder jene Einzelfrage anderer Meinung sind als der Dik- tator, und daß für diese Männer nicht die ge- ringst« Möglichkeit besteht, in Wort und Schrift für ihre abweichende Meinung im russischen Volke Am Sonnabend, dem 22. Oktober, sprach Hitler in Magdeburg. Er traf auf dem Magdeburger Flugplatz ein, um sich von dort mit dem Auto zur Stadthalle zu begeben. Am Reichsbanner- stadion„Neue Welt" standen einige Reichs- b a n n e r l e u t e auf der Straße, als die beiden Autos, die Hitler und seinen Stab in die Stadt brachten, oorüberfuhren. Plötzlich schwenkte das zweite Auto gegen den Bordstein, und von den Znsassen wurde mit schweren Peitschen aus die Reichs- bannerleute eingeschlagen. Drei von ihnen wurden verletzt. Ein Polizeibeamter, der vor der„Neuen Welt" Dienst hatte und Zeuge dieses heimtückischen Ueberfalls war. nahm zusammen mit mehreren Funktionären der Magdeburger Gauleitung in einem Privatauto die Verfolgung der Schläger auf. Es gelang leider nicht, das Auto noch vor der Stadthalle einzuholen. An der Stadt- Halle selbst wurde dann eine polizeiliche Durchsuchung der Autos vorgenommen. Hier- bei wurde eine anderthalb Meter lange, schwere, geslochtene Lederpeitsche gesunden, in der Art, wie Roubtierdompteure sie gebrauchen. Die Peitsche wurde beschlagnahmt. Die Namen der Chauffeure der Autos wurden polizeilich festgestellt. Die Ver- letzten haben Strafantrag gestellt. Das Magdeburger„Reue Tageblatt", das nalionalsoziolistifche Organ Magdeburgs, teilt mit, daß Hitler im zweiten Auto gefahren sei. hat der Regierungsrat Hitler etwa selbst zu den Schlägern gehört? Zeden» falls hat er sich in dem Anto befunden, aus dem der Ueberfall ausgeführt wurde! Das Naziblatt behauptet allerdings, es sei aus das Auto m>t Steinen geworfen worden. Daß dies eine völlig haltlose Beschuldigung ist, wird die Vernehmung des Polizeibeamten ergeben, der den Vorfall aus unmittelbarer Nähe beobachtet hat. Er wird bezeugen können, daß keiner der etwa zehn Reichsbannerleute, die an der„Neuen Welt" standen, mit Steinen geworfen hat! Der Verdacht, daß Hitler selbst geschlagen hat, ist nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen. Im„We st deutschen Beobachter" liest man folgenden Bericht über eine ähnliche Helden- tat Adolf Hitlers: „Auf der Fahrt zum Sächsischen Hof wurde Hitlers Wagen mit Steinen beworfen. Er war nicht faul, springt heraus, und eins, zwei, drei kriegen die Burschen mit der langen N i l p f e r d p e i t s che immer wieder links und rechts eins über die Schnauze. Das Pack flüchtet« Hitler hinterher. Die Kameraden oermissen ihn. Wo st der Führer? Er schlägt sich noch draußen mit dem Mob herum. Dann krempelt er ruhig seine Hemdärmel herunter und beginnt im Sächsischen Hof zu sprechen: „Volksgenossen...!" Es liegt also System in der Nilpferdpeitsche I Wir fragen: wird gegen den schlaglustigen Hitler auf Grund der Notverordnung vor- gegangen werden? VWe der Herr, so's Gescherr Limburg, 24 Oktober. Eigener Bericht des„Vormärts" Vier Naziführer aus Köln, unter ihnen der preußisch« Landtagsabgcordnete Palm, haben in Limburg schwere Ausschreitungen begangen. In der Nacht zum Sonntag begehrten die Hitle- rianer nach der Polizeistunde Einlaß in«in Restaurant. Als der Wirt ihnen wegen der Polizei- stunde den Eintritt verweigerte, versuchte sich einer der Kölner Nazis gewaltsam Einlaß zu ver- schaffen, indem er den Fuß zwischen die Tür klemmte. Der Wirt stieß ihn zurück, so daß er die Treppe hinunterstürzte. Darauf zertrümmerten die vier die große Glasscheibe der Eingangstür und traten die Türfüllung ein. Siedrangendann in das Lokal ein. Einer gab mehrere Schüsse aus einer Schreckschußpistole ab. Wäh- rend der Wirt flüchten konnte, wurde die W i r t s- frau von einem der Nazis am Hals gewürgt. Als die Frau um Hilfe schrie, kehrte ihr Mann zurück. Er wurde von dem Abgeord- neten Palm an der Brust festgehalten, während die anderen drei so lange auf ihn«in- schlugen, bis er ohnmächtig zusam» m e n b r a ch. Die inzwischen alarmierte Polizei nahm die vier Rowdys fest. Sie tobten auch auf der Polizeiwache noch derart, daß sie in eine Zelle ge st eckt werden mußten. Der Abgeordnete Palm benahm sich selbst in der Zelle so gewalttätig, daß die Beamten genötigt waren, ihn zu fesseln. Palm rief den Beamten aus der Zelle heraus zu. er werde ihnen schon von Berlin aus das Nötige bei- bringen. Ein anderer Nazi schrie, wenn er heraus- komme, schieße er alle nieder. Am Sonn- tagvormittag wurden die Nazis dem Amtsgericht übergeben, das sie gegen Ueberlassung ihres Kraft- wagens vorläufig aus der Haft entließ. ?r«Iwi»Ig» Spenden aut Postschockkonto 14157(Adolf Holz) Die Antifaschisten Kommunisten wählen Nazis zum Antifaschistenkongreß Aus Karlsruhe wird uns berichtet: Man ist zwar von den Kommunisten vieles gewöhnt. Was sie sich aber dieser Tage geleistet haben, dürste doch noch nicht dagewesen sein. Unter der Flagge „Kampfbund gegen den Faschismus" hielten sie hier eine öffentliche Versammlung ab, die von etwa 200 Personen besucht war.«in für Karlsruher Verhältnisie guter Besuch. Unter den Besuchern befanden sich etwa 20 Nationalsozia- listen. Redner war ein Redakteur des Mann- heimer Kommunistenblattes. Nach Schluß des Referats fand die Wahl von Delegierten zu einem dieser Tage in Karlsruhe stattfindenden „Kampfkongreß der antifaschistischen Einheits- front" statt. Ausgerechnet zu diesem Antifaschistenkongreß wählten die 180 Kommuni st«n al» Delegiert« zwei der anwesenden National- s o z i a l i st e n I Man möchte solche Verrücktheit nicht glauben, wenn das hiesig« natwnolsozia» listische Vlott nicht siegesstrahlend die Namen der beiden faschistischen Antifaschisten mitteilen würde! Jämmerlicher konnte die KPD. ihr Anti- faschistengeschrei wohl kaum selbst entlarven. Der Wasfenschmuggel Neue Verhaftungen an der deutschholländischen ßrenze Amsterdam, 24. Oktober. Der wasfenschmuggel bei veolo Hak mii der VerHaflung des Düsseldorfer» Szymanski noch kein Ende genommen. Die niederländische Grenzpolizei hie» dieser Tage wieder einen Mann an. der 42 automakische Pistolen und 1000 scharfe Patronen über die deutsche Grenze schaffen wollte. pLym auf AgiSMÄu k�esktionsre I�e�e vor clsn Handwerksmeistern Wildersrdrama in Preußen „Zurück— hier habe nur das Recht, Böcke zu schießen!" Reichskanzler von Popen sprach am Montag- nachmittag auf der Obermeistertagung des Ber� liner uniz mariischen Handwerks ii er die politischen und wirtschaftspolitischen Ziele seiner Re> gierung Weder der Ton noch der Inhalt der Rede hat sich seit der Kriegserklärung, die der Reichskanzler am 12 Oktober in München an die Weimarer Verfassung richtete, geändert. Auch die Erklärung des Reiche kanzlers zu den monarchistischen Um- trieben in Deutschland bleibt in ihrer ausweichen- den Art höchst unbefriedigend. Herr von Papen fand sich zwar zu der Feststellung bereit, dag diese Frage bei der Fülle von ungelösten Problemen nicht zur D.ebatte steht. Mit einer solchen nichtssagenden Erklärung können die republika- nischen Massen in Deutschland aber nichts an- fangen. Der Reichskanzler hat sick mit seiner Er- klärung nur auf die unmittelbare Gegenwart fest- gelegt, hat sich aber gehütet, zwischen seiner Re- gierung und den monarchistischen Treibereien einen deutlichen Trennungsstrich zu ziehen. Wenn Papen zum Schluß seiner Rede die Taten seines fünf Monats alten Kabinetts aufzählte, so kann man ihm für diese Auffrischung des Gedächt- nisses nur dankbar sein. Aus den Hinweis des Kanzlers, daß zu den Verdiensten seiner Regie- rung auch die Aufhebung von Sonderbestimmun- gen gegen einzelne politische Bewegungen(Auf- Hebung des SA.-Iiniformverbotes) gehöre, rea- gierte die Versammlung der würdigen Handwerks- meister nicht. Draußen im Lanoe aber wird sich ein einziger Aufschrei der Tausende von Opfern, ihrer Angehörigen und Gesinnungsfreunde er- heben, die unter dem Terror Leben und Gesund- heit hingeben mußten! Was der Reichskanzler im übrigen als besondere Taten seiner Regierung anpries, wird für die Millionenarme« der Rcpu- blikaner«in nur um so größerer Ansporn sein. olle Kraft für die Entscheidung am 6. November einzusetzen und dieses Kabinett der Barone und der Reaktion fortzujagenl Die Papen-Rede In seiner Rede führt« der Reichskanzler unter anderem aus: „Man wirft der Regierung vor, daß sie die Rechte des Volkes antaste. Wir denken nicht daran, das zu tun! Vielmehr sind wir der Ueber- zeugung, daß über Parteigezänk und Machtsragen die eigentlichen Rechte des Volkes vergessen war» den sind. Ist das etwa das höchste Volksrecht, daß die Parteibürokratie nach Belieben Minister wählen und stürzen und die Staotssinanzen ruinie- ren kann? Man hat solange geglaubt, hierin(!) den wahren Inhalt der Derfasiung sehen zu müssen, bis schließlich von der ganzen Gesetz- gebungsmaschine nichts mehr übriggeblieben ist als der Artikel 48. Die wahren Rechte des Vol- kes, sie Rechte auf Arbeit und Brot, auf die Frei- heit des staatsbewußten Bürgers, aus die Familie christliche Erziehung und öffentliche Mitwirkung der Berufsstände aber hat man vergessen. Nicht die Regierung hat diese Krise, die zu einer Erschütterung des Rechts geführt hat, herbei- geführt, nicht d i e Leute haben die Wesensgrund- läge des Staates unterwühlt, die sich jetzt seit fünf Monaten unter Einsetzung ihrer ganzen Kraft bemühen, den Schutt der letzten dreizehn Jahre wegzuräumen, sondern diejenigen Führer und die Parteien, die in jenen dreizehn Iahren Deutsch- land mit ihrem Streit erfüllt haben, sind es gc- wesen, die die Grundlagen der Verfassung ins Wanken gebrocht haben/ In seinen weiteren Darlegungen setzte sich von Papen mit der Rede des Zentrumssührers Dr. K a a s in Münster auseinander. Es hieße, so erklärte der Kanzler, die Dinge auf den Kops stellen, wenn der Führer des Zentrums behauptet, die Regierung habe am 12. September, dem Tage der Reichstogsauflösung, eine Aussprache gescheut und sei dem offenen Kampf im Parlament aus- gewichen. Es sei ein unmöglicher Zustand, daß eine Mehrheit im letzten Reichstag, bestehend aus zwei ertremen Parteien, entgegen der ousdrück- lichen Versassungsbestimmung, wonach die Abge- ordneten nur ihrem Gewissen unterworfen sind. Befehle für ihr politisches Handeln von Stellen erhielten, die mit dem Reichstag nicht das ge- ringste zu tun haben. In einem Reichstag, der nur in der Verneinung einig ist, kann der Wille des Volkes keinen Ausdruck finden. Das Volk muß daher bekähigt werden, neben dem Reichstag seinen Willen auch durch andere Ver- t r e t u n g e n geltend zu machen, zu denen die Organisationen der wirtschaftlichen Selbstverwal- tung gehören. Vom Auslande werden mit besonderer Aus- merksamkeit die Methoden verfolgt, mit denen eine gewisse deutsche Presse den Wahlkamps sührt. Darunter fällt das Geschrei von der bevorstehen- den Restauration der Monarchie in Deutschland Die Auslandspresse hat diesen Ball geschickt aus- gesangen, um darzutun, daß bei solch bevorstehen- der Gefahr Europa erneut in Unruhe versetz, werde und es deshalb notwendig fei. die Fesseln von Versailles nicht nur nicht zu lockern, sondern noch enger zu ziehen. Ich möchte nicht den ge- ringsten Zweifel darüber lassen, daß wir nie- mandem im Auslände das Recht zuerkennen darüber zu urteilen, welche Staatsform für Deutschland die geeignetste sei. Darüber hat allein das deutsche Volk zu entscheiden. Aber ich betone noch einmal: Wir haben eine solche Fülle von Problemen zu lösen, daß wir froh sind, uns nicht auch noch um Fragen der Staats�orm sorgen zu müssen Diese Frage steht nicht zur Debatte. Das Randwörk und die Wirtschafisankurbelang Die wirtschaftspolitischen Forderungen, die das Handwerk Herrn von Papen präsentierte, bildeten einen wahren Blütenkranz von sozialreaktionären Tendenzen. Weg mit den„starren Tariflöhnen" aus dem Handwerk, insbesondere Ausschaltung der Lehrlinge aus dem Tarifvertrag, radikaler Abbau der Soziallasten, schnellere Beseitigung der Hauszinssteuer und beschleunigter Abbau der Gewerbe- und Umsatzsteuern sind nur eine kleine Zluslese. Des weiteren folgten heftigste Ausfälle gegen Warenhäuser und Genossenschaften, wobei natürlich die Forderung nach einer neuen Sonder- steuer nicht fehlen durfte. Der fetteste B'ssen, den Herr von Papen den Handwerkerorganisationen vorwarf, war die An- kündigunq einer Verordnung, welche die ö f s e n t- lichen Betriebe einer besonderen Prüfung „unabhängiger" Stellen unterwirft und eine „Einschränkung der privatwirtschaftlichen Betäti- gung" der öffentlichen Betriebe zum Ziel hat. Außerdem kündigte der Kanzler noch ein aus- drllckliches Verbot der Schwarzarbeit an. Die Wünsche, auch auf die Einkommensteuer das System der Steuergutscheine zu übertragen. lehnte Herr von Papen wegen technischer Undurch- führbarkeit ab. Die übrigen wirtschaftspolitischen Erklärungen boten im wesentlichen nichts Neues. Die Bauernrevolte ßekanglnis und Zuchthaus für SA.- Leute Eigener Bericht des„Vorwärts" Siel. 24. Oktober. Das Kieler Sondergericht verkündete am Mon- tag abend in dem Prozeß gegen die K e l l i n g- husener Bauernrevolte vom 12. Sep- tember folgendes Urteil: Der SA.-Mann Sievers wird wegen Verbrechens gegen die Terroriwtoer- Eine Regierung, die über den Parteien steht und m ihren Bemühungen, das arme deutsche Volt von der P a r t e i w i r t j ch a f t zu be- freien, nicht nachläßt, wird sich trotzdem freuen, wenn sich Parteien finden, die sie zu stützen be- reit sind. Dieses Glück ist dem Kabinett Papen am Sonn- tag widerfahren. Zu den Deutschnationalen sind als Hilfstruppen der gegenwär- tigen Machthaber zwei weitere Parteien gestoßen. Sie sind allerdings rein ziffernmäßig gesehen von keiner Bedeutung, aber der gegenwärtige Reichskanzler, dem die Demokratie ein Dorn im Auge ist, hält es natürlich mit dem Grundsah. daß man die Stimmen wägen und nicht zählen soll. Da ist zunächst der Bayerische Bauern- bund. Das war einmal eine ganz demokratische, sogar ein bißchen revolutionäre Organisation, die die Bayerische Volkspartei als reaktionär be- kämpfte. Jetzt ist sie für die„neue Staats- führung" gewonnen und stellt ein Programm ganz in deren Sinne aus: Präsidialherrschast, Resorm der Weimarer Verfassung, Heraussetzung des Wahlalters, allgemeine Wehrpflicht. Privatkapita- lismus, Stärkung des Binnenmarktes- Sozialab- bau. Gründlicher kann man sich schon nicht wan- dein. Aber du lieber Gott, was sind Demokratie und Republik, wenn die Abkehr von diesen einst- maligen Hochzielen mit Subventionen für die Be- völkerungsschicht bezahlt wird, deren Stimmen der Bauernbund einsangen will? Das ist eben deutscher Idealismus. Und da ist ferner die Deutsche Volks» partei. Sie hat in Dresden durch den Mund des Abg. Dr. Schneider verkünden lassen. daß sie geschlossen hinter dem Popen-Programm stehe. Herr Dr. Schneider galt einmal als linker Flügelmann der Partei, und er betrachtete es außerdem als feine besondere Aufgabe, den aus Handels» und z o l l p o l i t i I ch e Ab» s ch l i e ß u n g Deutschlands gerichteten Bestrebun- gen entgegenzutreten. Jetzt wiegen für ihn und seine Partei wohl die Stimmscheine schwerer als die Befürchtungen wegen der Kontingentierung»- Politik. Oder nimmt Herr Dr. Schneider etwa an es werde mit der Autarkie nicht so ernst werden? Nun, ein Parteivorstandsmitglied der Deutsch- nationalen, Herr von W i n t e r f e l d t, hat eben- iolls am Sonntag in Stettin auf Grund einer Unterhaltung mit dem Reichskanzler mitgeteilt, daß an der Kontingentierungspolitik festgehalten werde, und daß die Kontingente sehr bald bekanntgegeben werden sollen. ordnung vom 9. August 1932 zu einem Jahr Zuchthaus, der SA.-Mann Niedorf zu acht Monaten Gefängnis, der SS.-Mann Krahl zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Die übrigen SA.» und SS.-Leute werden freigesprochen. Staatsanwalt und Gericht waren sich einig in der Feststellung, daß Aufruhr und Land- srtedensbruch nicht vorlägen. Diese Fest- stellung ist um so merkwürdiger, als ganz Zweifels- frei durch die Beweisaufnahme festgestellt wurde, daß die Menschenmenge mit vereinten Kräften Gewalttätigkeiten begangen hat. Es sind nicht weniger als fünf Polizeibeamte niedergerissen, niedergeschlagen und mit Steinen beworfen worden. Bei diesem Tat- bestand, der noch durch vule Feststellungen verstärkt wurde, Landfriedensbruch zu verneinen, be- deutet weitestgehendes Entgegenkommen für die Angeklagten. Der Beantwortung der durch die Reichsgerichts- rcchtsprechung so akut gewordenen Frage des „ü b e r g e s e tz l i ch e n Notstandes" ist das Aber auf jeden Fall: Herr von Papen wird sich seiner neugewonnenen Bundesgenossen freuen und aus den Treueschwüren des Häufleins Bekehrter wahrscheinlich den Schluß ziehen, daß das Volk in immer größeren Scharen zu seinen Fahnen ströme. vielleicht tröstet ihn der Gewinn der beiden Grüppchen auch über die Unfreundlichkeit hinweg, mit der ihn die„Tägliche Rundschau", das Blatt, das zwar kein Geld vom Reichswehrministerium erhält, aber unverkennbar aus Schleicher-Uiegen wandelt, an diesem ereignisreichen Sonntag sozusagen schon zum alten Eisen warf, und jeden Tag als verloren bezeichnete, den er nach dem ö. November noch im Amte bleibe. Auch das mag ihn ermutigen, daß ihn die „Deutsche Allgemeine Zeitung" zur Anwendung der brutalsten Mittel aus- fordert, um die Linke zu schwächen. Doch er soll sich nicht täuschen, wenn er auch berechtigt sein mag, die Wichtigtuer der„Täglichen Rundschau" nicht zu hoch einzuschätzen, so sind die Grüpplein. die sich jetzt zu ihm bekennen, doch bei weitem noch nicht das deutsche Volk. Das Volk steht in seiner überwältigenden Mehrheit gegen ihn, und daran wird er auch dann nichts ändern, wenn er dem Rat zur Anwendung brutalster Mittel folgt. Der Bankerott der„Politik aus dem Glauben" d. h. aus dem Glauben an die Unüberwindlichteit der Cliquen, mit denen Papen regieren will, ist unvermeidlich. OttoWels in Genftenberg Pur Demokratie— gegen Autarkie Conti- Meldung Senftenberg, 24. Oktober Im großen Saale des Gesellschaftshauses sprach heute abend der sozialdemokratische Parteiführer Otto Wels, der mit der kommenden Reichstags- periode für den Unterwahlbezirk Kalau-Luckau feit 2l> Jahren kandidiert. Der Redner setzte sich zu- nächst mit dem Kabinett Papen und der NSDAP auseinander. Um eine positive Beeinflussung der Geschicke Deutschlands im Sinne der demokratischen Weltanschauung zu erreichen, werde die SPD. ein Volksbegehren einleiten, welche dos deutsche Volk wieder zu seinem eigenen Gesetzgeber mache. Gericht damit ausgewichen, daß es den Land- sriedensbruch verneinte. Auch bei diesem Prozeh konnte wieder festgestellt werden, daß die H a u p t t ä t e r und besonders die Drahtzieher der ganzen Revolte nicht gesaßt wurden. Die hier Verurteilten sind Naziproleten, die gar nicht emmal genau wußten, für was' man sie miß- brauchte. Sie bezahlen ihren blinden Gehorsam mit Gefängnis und Zuchthaus! Hitler fällt durch. In Hümbrecht, einer Gemeinde mit einer nationalsozialistischen Mehr- heit im oberbergischen Land, sollte Hitler Ehrenbürger werden. Im Gemeinberat wurde bald ein entsprechender Antrag gestellt. Aber wer trotz der Nazimehrheit durch- fiel war Hitler! Einige seiner Getreuen haben ihm bei der Abstimmung die Gefolgschaft versagt. Der Kampf der Sozialdemokratie auf p o l i t i- s ch e m Gebiet gelte im Hinblick auf die kürzlich vom Reichskanzler in München gehaltene Rede allen Kräften, die an den Grundpfeilern der Weimarer Verfassung zu rütteln versuchten, ferner einer Reichsreform, die eine Ver» selbständigung der Länder zur Folge haben würbe. Auf wirtschaftlichem Gebiete sage die Sozialdemokratie vornehmlich den Förderern der Autarkie s ch ä r f st e n Kampf an, da die bereits durchgeführte Kontingentierung der Ein- fuhr die schwersten Schäden für das schasfenbe Volk zur Folge gehabt habe. Die Kundgebung oerlief ruhig, kommunistische Störungsoersuche wurden durch den eigenen Saal- schütz vereitelt. Bmtschelb an das Zentrum Düsseldorf, 24. Oktober. In einer Wahlkundgebung der Eisernen Front in der Tonhalle erklärte Reichstagsabgeordneter Dr. B r e i t s ch e i d mit Bezug auf die Ausführungen des Prälaten Dr. K a a s in Münster, die Zentrums- partei, die nicht ganz mit Unrecht von sich sage, daß ihre Klugheit traditionell sei, müsse wissen, was sie tue. Für die Sozialdemokraten gebe es keine Möglichkeit, die Verfassung und die Demokratie in einer gemeinsamen Front mit den nationalsozialistischen Anhängern der Diktatur zu verleidigen oder wiederherzustellen. Ebenso sei der von Gregor Straßer geäußerte Gedanke einer G e w e r k s ch a f t s f r o n t für die Sozialdemo- kratie eine glatte Unmöglichkeit. Ein Versuch, die freien Gewerkschaften von der Sozialdemokratie zu lösen, werde n i e gelingen. Im weiteren Ver- laus seiner Rede kritisierte Dr. Breitscheid scharf die Mahnahmen und Absichten der Reichsregierung auf den verschiedensten Gebieten der Wirtschaft und Politik. Die angekündigte Versassungs- autonomie für die Länder bedeute die Möglichkeit der Rückkehr zum Dreiklassenwahlrecht sowie zu Ländermonarchien. Die Zentrumspartei. die diese monarchistischen Pläne ehrlich ablehne. müsse sich in dieser Beziehung etwas mehr um ihre bayerische Schwesterpartei kümmern. Auf die Abrüstungsfrage eingehend, erklärte Breitscheid, die Sozialdemokraten verurteilten es aus das schärfste, daß die anderen Länder ihren Verpflichtungen aus dem Völkerbundspakt und dem Versailler Vertrag nicht nachgekommen seien. Aus einen kommu- nistischen Zwischenruf eingehend, erklärte der Redner, der Sozialismus könne nur auf dem Boden der republikanisch-demokratischen Staat»- form erkämpft werden. Die Krücken des Kabinetts der Barone I�exierunx ohne Volk— aber mit Splittern Frisches Fleisch Suppenfleisch ptd von Schmorfleisch LeÄ 0,72 Schweine:schmuTt.0.deprfd 0,78 I Eisbein....pid. 0,48 Bralwurst.............. pw 0,78 Kalbskeule bi59PM s% o,S8 Frische Rinderleben(d 0,84 Schweinenieren...p/d 0,60 Rinderbacken....... m 0,40 Rinderschwänze pm 0,48 Hammeivorderfi. Pfd. von 0,58 Schweinekotelett Pfd. von 0,78 Lebensmittcizusendungen bei Bestellung von 5,00 an Fische, Raocherworen Kabliau o. K. im ganzen, Pld. 0,26 Seelachs gr.,o.K.,i.ganz., Pfd. 0,24 Rotbars im ganzen....... Pfd. 0,24 Grüne Heringe...... Z Pfd. 0,42 Schallen.............. 3 Pfd. 0.38 Karpfen lebend.......... Pfd. 0,62 Schellfisch geränchert...Pfd. 0,32 Fischmarinaden.....'/.Dose 0,35 Fischmarinaden.....'/. Dose 0,25 Delikatessgurken Spez.-Ds. 0,68 Senfgurken....... Spez.-Ds. 0,68 �»CN u. te'Cht verJero.iche bva. an vom vors.na aus osser«. 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Leipziger Allerlei.— Moabit: Jugendheim Bremer Str. 63—73. Die Jungs haben das Wort..— Spandau- Wilheimstadt: Jugendheim Sportplatz, Seeburger Straße. Lehrlingsrecht und Lehrlingspflichtin.— Pankow: Jugendheim Aifsingenftr. 48, Zimmer Z. Großer er Abend.— Treptow: Jugendheim Elfenstr. 3(am Bahnhof Treptow). Wir feiern unfern 13. Geburtstag.— Aranksurter Allee: Jugendheim Litauer Straße is. Linter den Kulissen der politischen Presse.— Landsberger Platz: Jugendheim Diesteimenerstr. ö. Diskussion über Artikel in der Sewerkschafts- presse.— Lichtenberg: Jugendheim Dossefir. 2£. Die Kirche in der Karikatur.— Reu-Lichtenberg: Jugendheim Gunterfir. 44. Bofksgefundheit und Sefdifechts. kronkheiten.— Ostende: Jugendheim Karfshorst, Treskowallee 44(Kanf-Schufe). Reihenvortrag: DuriH das deutsche Strasrrcht.— Arkonaplatz: Jugendheim, Liederabend.— Iugendgruppe des Gesamtoerbandes: Jugendheim Gewerk- sdiaftshaus, Engelufer£4— 2Z.— Friseurgruppe: Fachlicher Uebungsabend. f Zuqendciruppe Ses'Zentralverbandes der Anaestellten Leute, Dienstag, finden fofgcnde Beranstaltunqen statt: Gesund» brunncu: Jugendheim Echönstedtstr. l. Aussprache.— Lichtenberg: Jugendheim Guntcrstr. 44. Die Revolution von 1313.— Nordwest: Jugendheim Lehrter Str. 18—13. Bortrag: Das Kommunistische Manifest. Referent: Bern- stein.— Heute, ab 23 Uhr, Sprechchorprobe in der Turnhalle Baruther Str. 23. SPD.-Betriebs-Fraktion beim Städtische» Obdach, Fröbelstraße. Heute, Dicnslag, 23 Ahr, Lokal Heibutzki, Danzigcr Str. 4b, Fraklionsversammiuiig. Referent: Kollege Schulz vom Gefamtverdand. Thema: Entkommunalisserung der Eefundheitsbetriebc. Erwerbslose Korrcltore« im Verband der Deutschen Buchdrucker(Sau Berlin). Mittwoch. 23. Oktober, mittags, Versammlung i» der Schildkröte, Kam, Mandanten. Ecke Reue Erllnstraße. TFiscrter, Lichtspiele usw. Ifaafs feA Theater Dienstag, den 25. Oktober Staatsoper Unter den Linden 19 Uhr Die Meistersinger von Nürnberg staamenes Schauspielhaus 20 Uhr Wilhelm Teil KsriaElsner OomBraf-raübaemler ümeHaid I Adele Sandreck, Harbige r Gülslorff{ Craetz ScniaNikolejewa Llngen Ntemar| Dlegelmann Arco Nim Thellade Mut.ltg.: TheoMackeben flegle: Redelf Benaeer j äv, uhr CRSIHO- THEATER Lothringer Strafe 37, iiuiiiiiitiiHiiiinifiiiitiiiiifluiiiiiiiiiiiiitiutnnitiiiiHiniumiiiiiii Nur noch bis 3. November auch Sonntags nachm. 4 Uhr KöniglnderLult Am 4. November zum 1. Male: Die Liebe blübt in Werder Gutschein für die Leser 1—4 Personen Faut. 0.75 M-, Sessel 1.25 M.. Park. 0.50 M. c Mb,,, i.,.......... � rm Wallnertheater Taglich 8'. Uhr LeibkutsctieriiesFridericusRex Sin; Pre Singspiel v. G. Omdenf eldt. Musik v. Jos. Snaja riMHOMbialM. Vtz»MM>MWW Preise 0,50 bi« Vorverk. ab 10 Uhr. 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Die Inhaber der Firma Gebrüder Jüdel Warschauer Str. 39 40 Schiller Blsraarckstr.(Knie) Stcinpl.(Gl) 6715 Täglich 8 Vi Uhr: Robert und Bertram fliinfl Botii. Friti Hindi Senta Söndaad I Täglich S'/a Uhr 1 Srifc» Massary üeMiMMM-WM Komödientiaus Schltlbauerdamm 25 D J Weidend. 6304—05. Täglich 8Vi Uhr Auslandreise v.Oesterreldieru.llirsdifeld Felix Brefljarl Maria Paudler Paul Heidemann F1 Tbeater Stresemannslr. Täglich SV*; Zü M, nsdiiiustia v. Bernard Shaw Moissi, v Thell- mann, Bertens, Evans,Oito,Sima, Wiemann, Deppc, de Kowa. Eine Frau, die weiü, was sie will! Sonntag nachm. lf»3 u. 5 Walzertraum p- Theater Sin— lAdmlralspaiast 1 Täglich 8(4 Uhr Gitta A l p a r I in I I Katharina 1 rhealeriWestens ISteinpl 5)21 täglich 4'/! u 814 Stg. 2V*. 5 u. 8',. Körster- christe IWörner, S:tlwe, Lichienstein t.lonl. 0.30-1,50 2.»onl. 0,50-2.50 yersteigere heute Ii Wir, trw. Höchstgebot u. 10? 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Unsere erwerbslosen Kollegen machen wir darauf ausmerfsam, daß Erwerbslosen» Pewammlungen nicht mehr stattfinden. Alle enverdsiosen Kollegen nehmen an den Branchenoersammlungen teil. Mitgliedsbuch iegNtmiert! Zahlreicher Besuch wird erwartet. Adüaiutt Adilang! Graveure und Ziseleure! Die Vranchen- Versammlung der Sraaenre nnd Ziseleure am Donnerstag. dem 27. Oktober, fällt an». Dafür in am glrichcu Tage eine nesiditiüunS „Baus der Tediaik" Friedrichstr. 110 112, amOrantendurg, Tot Gezeigt wird u. a. der Film: vte ZussnUrdavu Teilnehmer treffen sich ngchmitt, 4>,'! llhr oor dem Eingang, Ansang punkti. 5 Uhr. Erwachlene Angehörige Tonnen teilnehmen. Donnerstag. ben27 Oktober nachm. 5 Ahr, in E tuest' FeslsSIen, tvrotze Zran.furter Str. 30 klitgUederversammtunS des 2. Bestrlts Tagesordnung: Bortrag: Die jetzige Wirtschaftskrise nnd die Werbeaktion des DMA. Referent: Kollege Fritz Köcher Ohne Mitgiiedsduch fein Zutritt Es ist Psttcht aller Kollegen und Kol» iegtnnen. an dieicr Persammlttttg fetiztt- nehmen. Sympachiesstende Metallarbeiter und Arbeiterinnen können eingeführt Patenimatratzcu ..Primissima", Aus. Icgematratzen, Me» tall betten 3,—, Chaiselongues. Walter, Stargarder Straße achtzehn. Kein Laden. Eiche» Speisezimmer. großes Büfett mit Nußbaum- Mittel titr, Bitrinenauf bau. kompl. 320,—. Moritz Hirschowitz, Audreosstraßc 30, gegenüber Leiser.' Verlangen Sic Bedingungen un scres Preisaus schrcibens. 30 Preise im Werte von 2331 Mark. Berliner Möbelhaus Moritz Hirschowitz. End osten, Skalitzerstr. 23 (Hochbahn Kott. busser Tor),_] Im Marstall- geböudc. Breite straße 36. gebrauchte Möbel spottbillig.� Schlafzimmer 250— 850, Dielen. garniturcn 20—75. Kamcrling, Kasta nienallee 56(Ecke Fehrbellinersttaßc). 730.k-am'Ardie. Motorrad mit mo. dernster überkam. pleiter Ausstattung, Baujahr 1330, erstklassiger Zustand, 640,— Mark, Ardic. 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Nach dem klinischen Befund ist der von dem Bankier auf seine Zerau Gertrud Hinhe- Bindernagcl abgegebene Schus» ein aus- gesprochener Nahschuf», der in die Bauch- höhle drang. Aus dem Polizeiamt Charlottenburg-Tiergarten ist Hinge gestern von Kriminalrat Gärtner und Kriminaltommissar S ch w ö r e r längere Zeit ver- noinmen worden. Er erklärte, daß er mit seiner Frau und seinem Kinde in dem denkbar besten Einvernehmen gelebt hat, bis die Mutter und Schwester seiüier Frau aus Magdeburg in Berlin auftauchten. Bon da an sei es mit dem ehelichen Frieden aus gewesen. Es kam zu einem heftigen Zerwürfnis. Darauibin verließ die Mutter und Schwester der Frau Hinße-Bindernagel die Woh- mmg des Schwagers. Die Berwandten kamen wieder, als es ihnen wirtschaftlich schlecht ging. Das führte zum endgültigen Bruch mit seiner Frau, die sich für ihre Angehörigen, nach seiner Meinung, in einer übertriebenen Weise einsetzte. Ueber die Tat selbst hat Hintze bisher so gut wie keine Angaben gemacht. Sobald die Kommissare aus den blutigen Vorgang in der Städtischen Oper zu sprechen kamen, schwieg der jrühere Bankier. Das Verhör mußte � schließlich wegen völligen Nervenzusammenbruchs des Mannes aufgegeben und auf heute vertagt werden. Inzwischen haben sich mehrere Zeugen gemeldet und erklärt, daß Hintze unmittelbar nach der Tat sosort die Flucht ergriffen und aus keinen Fall einen Selb st Mordversuch unternom- wen habe. H. sei auf die Straße geeilt, wo er, immer noch mit der Pistole in der Hand, eine Tare besteigen wollte. Dabei stürzte er zu Boden und seine Verfolger überwältigten ihn. Sonderbarer- weise ist die Waffe spurlos verschwunden. * Aus dem Bekanntenkreis des früheren Bankiers Hintze erfährt man gewisse Einzelheiten, die doch geeignet sind, bei aller Verwerflichkeit der Tat, das Drama in etwas anderem Lichte erscheinen zu lassen, als es nach den ersten Schilderungen in der Presse betrachtet werden mußte. Es erscheint vor allem, daß gewisse Be- hauptungcn über die Lebensweise des Täters von interessierter Seite soiort in die Welt gesetzt worden sind, um ihn als einen verworfenen Menschen hinzustellen, der ausschließlich aus Kosten seiner Frau ein luxuriöses Leben weiterführen wollte, ohne selbst zu arbeiten, mindestens stark übertrieben sind. Richtig ist, daß seit dem Zusammenbruch seiner Banksirma Hintze selber nur noch wenig verdiente, jedenfalls unvergleichlich weniger als seine Frau, und daß die Gelegenheits- geschälte, die er tätigen konnte, immer seltener wurden. Aber unzweifelhaft ist auch, daß er seine Betrug an Erwerbslosen Neueste kornmunistisclie Schandtat kommunistische Propagandatrupps verteilten am Sonnabend und Sonnlag in den Häusern der Arbeiterviertel heklographierte Flugzeltel, in denen sie die Erwerbslosen und Rentenempfänger aussorderlen, sich am Rlonsag- vormittag tll!lhr vor dem Bezirksamt in der waisenslraße?S einzufinden, um dort karlofseln in Empfang zu nehmen. Das war aber, wie sich später herausstellte, ein aufgelegter frecher Schwindel. Der kommunistische Zettel hatte folgenden Wort- laut:„Holt euch Kartoffeln! Achtung Er- werbslose und Rentenempfänger! Die Stadtver- ordnetenversammlung hat den Antrag der kommu- nistischen Fraktion für Belieferung von Kartoffeln an Erwerbslose angenommen. Wir fordern euch auf, dieselben am Montag, dem 24., vormittags 10 Uhr, im Bezirksamt Waisenstraße 28 abzuholen. Säcke sind mitzubringen! Die revolutionären Ar- beiter Berlins!" Dieser Zettel wurde jedesmal in den Wohnungen verteilt, nachdem sich ein kom- munistischer Wüstenprediger auf dem Hof des bc- treffenden Hauses in gemeinen Schimpfereien gegen die Sozialdemokratie ergangen hatte. Die meisten Arbeitslosen rochen aber den Braten und verzichteten darauf, wieder einmal als Statisten eines kommunistischen Radautrupps mitzumimen. So kam es vor dem Jugendamt in der W a i s e n st r a ß e, wo einige Dutzend armer Menschen mit Moskauer Schreiern an der Spitze irrtümlich hindirigiert worden waren, zu lärmen- den Austritten, die aber von der Polizei schnell unterdrückt werden konnten. Aehnlich war die Si- eigene Lebensweise dementsprechend sehr stark ein- geschränkt hatte und mit der Zeit immer anspruchs- loser wurde. Umsomehr bemühte er sich, die ge- schäftliche Seite des Künstlerlebens seiner Frau zu fördern, und begleitete sie auf ihren Gastspielen mißerhalb Berlins, so erst vor kaum zwei Wochen nach Südwestdeutschland. Es scheint, daß das Eheleben erst durch Ein- slüss« von außen in letzter Zeit getrübt worden ist. Die Bekannten des Täters bestätige», daß Hinge zwar ein sehr jähzorniger, äußerlich sogar brutal wirkender Mensch ist, der aber in> Grunde seines Wesens weich und gutmütig ist und der seine Frau abgöttisch bewunderte und liebte. Erst in jüngster Zeit sei jedoch Frau Bindernagel durch ihre nächsten Angehörigen gegen ihren Mann aufgehetzt worden, weil er, der aus eigenem nichts verdiente, sich dagegen sträubte. daß die ganze Familie seiner Frau mit ernährt wurde. Angeblich hat Hintze in den Zeiten, als er wohlhabend war, Frau Bindernagel unter schweren finanziellen Opfern als Opsrnfängerin ausbilden lassen. Nachdem sich seine Frau von ihm getrennt hatte, soll es ihm so schlecht gegangen sein, daß er am Sonntagabend, wenige Stunden vor der Tat, in ganz verzweiselter Stimmung seine Uhr zu verkaufen versuchte, um einige Mark zu erhallen. Die Schuld an der abscheulichen Blut- tat gegen die bedeutende Künstlerin wird dadurch in keiner Weise beschönigt. Vielleicht tragen aber auch nach andere Personen eine moralische Mit- schuld an der plötzlichen Zerrüttung einer bis vor kurzem durchaus glücklichen Ehe. tuation auf dem Wohlfahrtsamt in der Spree- straße 3g/4l> in Charlottenburg. 2luch dort waren etwa 2l>l> Personen erschienen, die sich die von den Kommunisten versprochenen Kartoffeln abholen wollten. Im Zimmer des Wohlfahrtsamtsvorstehers war ein Mann eingedrungen, der sich nicht freiwillig entfernen wollte. Als der Vorsteher einen Schupobeamten herbei- rief, begann der Kommunist zu toben. Die auf dem Flur des Amtes stehenden Erwerbslosen schlugen jetzt die Tür des Zimmers ein, um dem Tobenden zu Hilfe zu kommen. Der Schupobeamte mußte zwei Schreckschüsse abgeben, um die An- greiser, die den Beamten hart bedrängten, zurück- zuhalten. Der Hauptkrakeeler wurde sestgenom- men. Eine Abordnung der Kommunisten wurde spärer vom Bürgermeister Augustin empfangen. der ihnen aber auch keine Versprechungen machen konnte. Die Kommunisten wußten und wissen ganz ge- »au, daß es auf den Wohlfahrtsämtern keine Kar- tosfeln gibt. Das macht aber nichts, die Haupt- fache ist Krach und Lärm, dann ist der Hauptzweck schon erreicht. Dela-Bolköwoche Bei dem großen Interesse, das die Deutsche Luft- sportausstellung am Funkturm gefunden hat, wird die gesamte Luftsportausstellung in allen sechs Hallen rund um den Funkturm bis einschließ- langem vergeblichem Bemühen die einzelnen Glie- der zu einer Beweiskette zusammenzuschließen. Im Jahre 1929 tauchten zum erstenmal wieder falsche Sll-Pfund-Noten aus, in den Jahren 1939/31 wurden in verschiedenen Ländern falsche 599-Dollar-Note» und l99-Pfund-Noten in den Verkehr gebracht. Aber erst Anfang 1939 gelang es, beim Ueberschreiten der Grenze einen Mann festzunehmen, der bei sich einen Paß auf den Namen K e r t e z s führte. Man fand in seinem Besitz eine Thermosflasche mit 32 falschen 199-Psund-Noten und 39 falschen 199-Dollar-Noten sowie einen Paß auf einen schwedischen Namen. Der Verhastete war der berüchtigte Mamonoff. Ueber verschiedene Mittelspersonen gelangte dann die Polizei zu dem früheren Koltschack-Osfizier U r a l s k i- U d i n z e w, bei dem man 99 S99- Dollar-Noten, 69 199-Pfund-Noten, Platten und Papier zur Herstellung von Falschgeld fand. Er wollte das alles von einem Landsmann Pinjagin zur Aufbewahrung erhalten haben. Das letzte Glied in der Kette bildete der Fall N e l i d o w. lich Sonntag, dem 39. Oktober, geöffnet bleiben. Den Besuchern wird an diesen billigen Volkstagen das vollständige, ungekürzte Ausstellungs- Programm zum Eintrittspreis von S9 Pf. für Er- wachsene und 23 Ps. für Kinder geboten. Die Ausstellung wird täglich von 9 bis 19 Uhr ge- öffnet sein. Russischer Geldfälscher Maler MiassojedoH vor Gericht Der bekannte russische Kunst- und Tiermaler Miassojedoff und der mit ihm seit Jahren verbündete russische Ingenieur Mamonoff, mit denen sich die deutschen Gerichte wegen Verbreitung gefälschter Dollar- und Pfundnoten bereits einmal zu befassen hatten, stehen wieder vor Gericht. Miassojedoff hat seine dreijährige Zuchthausstrafe im Jahre 1923 im Untersuchungs- gefängnis verbüßt und bei dieser Gelegenheit die Kapelle mit zwei großen Gemälden ausgeschmückt. Mamonoff hat seine 2>-jährige Zuchthausstrafe abgesessen. Der dritte im Bunde, gleichfalls russischer Flüchtling, der Künstler S m o l j a n o f s ist gleichfalls im Jahre 1928 in Holland zu einer 2VüjäHrigen Gesängnisstrafe und in München zu I Jahr 3 Monaten verurteilt worden. Zur Verhandlung, die etwa eine Woche dauern wird, sind u. a. als Sachverständige geladen: Professor Schäsfer und Schneiker als Gra- phologen, der Kunstmaler v. König und Kriminal- kommissar Liebermann von Sonnenberg. Vier Angeklagte sind flüchtig. Es bedurfte intensiver Zusammenarbeit der Kriminalpolizei verschiedener Länder, um nach Kleider für Neukölln Winterhilfe sammelt im Westen Die Hörner der Reichswehr rufen am 24., 23., 26. Oktober zur Winterhilfe-Kleidersammlung in Wilmersdorf, Schmargendorf, Grunewald. Es wird für den Patenbezirk Neukölln gesammelt. In jeder Straße wird nur an einem der drei Tage gesammelt. Es wird dringend gebeten, brauchbare Kleidung und Wäsche, warmes Unterzeug, be- sonders auch Männer- und Kinderstiefel, bereit- zulegen. Wer am Sammeltage nicht daheim ist, der gebe sein Paket an den Nachbar oder den Hauswart, damit es zum Sammelwagen der Reichswehr gelange. Sammler mit Ausweisen (Stempel des Polizeipräsidenten und der Winter- Hilfe) und mit Armbinden holen die Pakete aus dem Hause. Kundgebung für Ereihorperhultur Die Körperkulturschule Adolf Koch führte noch vor einigen Tagen eine überfüllte Protest- kundgebung gegen die Brachtschen Sitt- lichkeitserlasse durch. Die Redner— Dr. Siegfried K a w e r a u, Dr, Hans Graaz, Fritz Wildung, Hildegard Wegscheider, Stadtrat F r i e d l ä n d e r und Adolf K o ch— traten für die Freiheit der Seele und des Körpers, und damit für eine gesunde, natürliche Lebens- weise ein. Fritz Wildung wies darauf hin, daß außer noch zu treffenden Kampsmaßnahmen die Reichstagswahlen dazu angetan wären, durch Bekenntnis zur Sozialdemokratie der Frechheit der Reaktion die gebührende Antwort zu erteilen. Hildegard Wegscheider stellte fest, daß die Kleiderverordnungen, die Beschränkungen sreier Sportkleidung, die Zwickelerlasse(mit oder ohne Korrektur) eine Beleidigung der deutschen Frauen- ehre darstellen— Dinge, die nur von kranken Hirnen ausgebrütet werden konnten. Aeckeneinsturz 14 Personen getötet 3n der Röhe von Girgeh in Aegypten stürzte in einem Hause, in dem eine Hochzeit gefeiert wurde, der Fußboden des zweiten Stockwerks ein, in dessen Räumen sich die zahlreichen weiblichen Gäste zum Hochzeitsmahl versammelt halten. Die Anwesenden sielen in das erste Stockwerk, wo ebenfalls viele Gäste weilten, vierzehn Personen büßten ihr Leben ein, auch die junge Ehefrau befindet sich unter den Toten. Jkingt Hier liegt die Erklärung für die Treue von Millionen zu w die mit ihrer ungeiuöhnlich fein abgestimmten Mischung auch der strengsten Geschmackskritik standhält. Wählerische Raucher verlangen erstklassige Cigar eilen und keine Zugaben wie(Uerimarken, Guischeine oder Stickereien. Leistungen allein schufen die gpoge üuno-Gemeinde! KOM KUNST bpingt Schmuggel engros Millionen-Geldstrafen Wuppertal, 24. Ottaber. In zweitaqiger Verhandlunq beschäftigte sich bie Wuppertaler Strafkammer mit einem S ch m u g ge l p r o z e ß. der van dem als Neben- kläger anwesenden Vertreter des Landesfinanzamt- bezirks Düfseldarf als der grüßte und schwerste Schmuggelsall bezeichnet wurde. Augeklagt waren die Gebrüder Franz und Paul Kappen aus Wuppertal-Barmen sowie deren hachbetagte Eltern und siins weitere Personen, die als Träger oder Kraftwagenführer im Dienste der Hauptangeklagten gestanden hatten. Wie Franz Kappen angab, halte er ursprüng- lich ganz klein angefangen und die Ware selbst über die Grenze getragen. Bald war der Schmugel gaber so einträglich geworden, daß man ganze Trägerkolonnen einstellen konnte, die die Waren zunächst in eine an der Grenze ge- legene Scheune brachten. Von hier aus find sie mit Kraftwagen in das Hinterland verschickt wor- den. Das Schmuggelunternehmen»ahm schließ- lich einen derartigen Umfang an, daß drei Kraft- wagen angeschasft werden mußten, um die Schmuggelware zu befördern. In einigen Fällen wurde nach den Aussagen der Zeugen sogar ein graßer Autobus benutzt. Aufgedeckt wurde der Schmuggel dadurch, daß ein in Holland woh- ncndcr Lieferant Anzeige erstattete, weil er sich von den Gebrudern Kappe» betrogen fühlte. Di« Strafkammer verurteilte Franz Kappen zu einer Million Mark Geldstrafe, ersatz- weise ein Jahr Gefängnis, außerdem ein Jahr sechs Monate Gefängnis, 100 000 Mark Werterfatz. Paul Kappen erhielt ebenfalls eine Million Mark Geldstrafe, ersatzweise ein Jahr Gefängnis, außer- dem ein Jahr drei Monate Gefängnis. Siedler stellen aus In Mahlsdorf hat die Gemeinnützige Siedlungs- gcnosfenschaft Lichtenberger Garte»heim E. G. m. b. H. ihre zweite Gartenbau- und Klein- ticrausstellung veranstaltet. Was hier unter liebe- vollster Mühe und zähem Fleiß, vor allem ober unter schwersten wirtschaftliche» Opfern geleistet wird, das oerdient Lob und Bewunderung. Der Stadtrandsiedler, der Zwergbauer von Berlin, hat ein paar mächtige, schwerwiegende Gegner zu bekämpsen. Da ist crstmal der Boden, der selten oder nie so ist, wie er sein sollte, dann ist's das fehlende Geld, dem Boden das zuzu- sühren, woran es ihm mangelt und schließlich wieder und noch einmal das Geld, das man haben müßte, um die notwendigsten Anschaffungen zur kleine» Landwirtschaft zu machen. Ein schweres Stück Arbeit, aber es gelang! Die herbstliche Kernobsternte ist gut ausgesallen, davon sprechen die satt- und kraftstrotzenden Boskop- und Ontario- äpfel, die schöne Orangenrenette, die Goldparmäne, die Mammutquitte ünd noch viele andere Obst- sorten. Aber auch der Gemüsegarte» wuchs zur Zufriedenheit. Die rote Rübe hat fast Kindskopf- größe erreicht, der Wirsingkohl zeigt üppiges Blattwerk. Neben dem Frischobst und Gemüse steht eine Gläserbatterie voll Eingemachtem, ein Stückchen weiter große Flaschen mit Obstsast. Schließlich ist die Kleintierzucht vertreten durch wirklich schöne Exemplare befiederter und bc- haarter Haustiere. Da ist die deutsche Pekingente und die Rouenente, das Sousscxhuhn, das Rhode- länder Siedlerhuhn und wie sie alle heißen mögen? sie alle geben ihr Bestes, sowohl an Fleisch wie an Eiern. Vergnügt hupst eine große Gesellschaft von Wellensittichen in ihrem großen Bauer herum und die Nachbarin Frau Taube zeigt sich in schneeigem, graublauem und dunklem Fedcrkleid. Schließlich ist auch noch der heimische Pelzlieferont da, das Karnickel. Damit auch die Zaungäste etwas vom reichen Segen abbekommen, wurde ein großer Teil der nohrhasten Herrlichkeiten durch Lose verteilt. 3m Stadtparlament finden in dieser Woche zwei Sitzungen statt, und zwar am Dienstag, dem 25., und am Donnerstag, dem 27. Oktober. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung der Vorlage über die Neugestaltung der Bezirks- Verwaltungen sowie über den Ablauf der Wahl- zeit von drei besoldeten Magistratsmitgliedcrn. Der Bericht über die Ausschußberatung dieser Angelegenheit wird am Dienstag im Anschluß an die öffentliche Versammlung in nichtöffentlicher Sitzung erstattet. Ferner enthält die Tagesordnung die dritte Beratung des Stadthaushaltsplans für 1932 sowie die erste Beratung der Vorlage über die Gründung einer Berliner Elektrizitätsunion G. m. b. H., in die die städtischen K-Aktien der Berliner Licht- und Krast-A.-G. eingebracht wer- den sollen. Wer Laub abreißt... Jetzt im Herbst beobachtet man täglich, wie Leute von Ausflüge» mit großen Buschen Herbst- laub zurückkommen. Namentlich handelt es sich um das schöne leuchtend rote Laub der ameri- konischen R o t c i ch e. die bei uns mit großen Kosten und vieler Mühe als Schmuck und Zierde unserer Parkanlagen und Wälder angepjlonzt worden ist. Wer unbesugtcrweise Laub abreißt, begeht Waldfrevel und macht sich strafbar. Da durch dieses dauernde Beschädigen der Aestc die Bäume sehr leiden, oft sogar eingehen, sind sämtliche F o r st- und P a r k b e a m t e so- wie die polizeilichen Ueberwachungsorgane an- gehalten, den Ausslüglerverkehr in den nächsten Wachen in dieser Hinsicht streng zu überwachen. Arbeilereltern, euch geht es an! Die Arbeits- gemeinschaft sozialistischer Alkohol- g e g n e r sBorstand Carl Seoering, Hermann Tempel. Stadtarzt Dr Drucker. Geschäslsstelle Berlin SO 16. Engetufer 23/25) weist empfehlend auf die in der Zeil vom 24. bis 29. Oktober statt- findende Reichsschulwoche für alkohol- freie Jugenderziehung hin und ist bereit, auf Anfordern ein Werbeblatt„Arbeitereltern, euch geht es an", kostenlos von seiner Geschäfts- stelle aus zu oersenden. Zm Antikriegsmuseum. Parochialstraßc 29, ist augenblicklich eine aktuelle Ausstellung zu sehen: Der Krieg C h i n a— I a p a n". die in zahl- reichen Dokumenten die kriegerischen Ereignisse in der Mandschurei zeigt. Das Museuw ist wachen- täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Eiulenduugen für diese Rubrik find WerM» 8® 68, Lindcnstraße 3, parteinachrichien MMfur Groß-Berlm stets an das Bejirtsfetrekari«. 2. Hof, 2 Treppen recht», ju richten Llnsere nächstenpartei- und�Setrieböveranstaltungen „Tie Sozialdemokratie im Kampf gegen tapitalistischc Verelendung, für sozialistischen Aufbau." I i. Kreis Schöneberg. Dienstag, 25. Oktober, 20 Uhr, Frauen-Wahlkundgebung im Piccadilly, Schöneberg, Ebersstr. 80.„Gegen Ausbeutung und Not— für Sozialismus, Freiheit und Frieden." Referentin 51äthe Kern, Rezitationen Elfriede Wollmann, Fkch>UN- einmarfch. 17. Kreis Lichtenberg. Dienstag, 25. vttober, 191� Uhr, Kundgebung in der Schulaula Lichtenberg, Schlichtallee tan der Hauptstraße).„Unser Kampf gegen die Reaktion." Referent Karl Litke, M. d. R. 33. Abt. Dienstag, 25. Oktober, 191, Uhr, Wählerkundgebung in der Alten Taverne, Alt-Stralau 23— 26.„Unser Kampf gegen die Reaktion." Referent Stadtrat Karl Wermuth. .5». Abt. Spandau- Dienstag, 25. Oktober, 20 Uhr, Wählcrverfammlung im Paradiesgarten, Spandau, Seegefelder Straße 54/55,„Unser Kackipf gegen die Reaktion." Referent Dr. Otto Friedländer. ««. Abt. Martendorf. Dienstag, 25. Oktober, 191!- Uhr, Kundgebung in der Aula der Eckener-Oberrealschule Mariendorf, Kaiser- Ecke Rathausstraße. „Unser Kampf gegen die Reaktion." Referent Bernhard Göring. Zt»2. Abt. Vaumschulenweg. Dienstag. 25. Oktober, 20 Uhr, im„Neutivoli", Baumschulen» weg, Neue Krug-Allee. Referent Robert Breuer, VVW. Vahnhof 6, Tegel. Dienstag, 25. Oktober,\9'/j Uhr, bei Tornow, Tegel, Schlieper- Ecke Treskowstraße, Belegschaftsversaminlung.„Unser Kampf gegen die Reaktion." Referent Max Brinitzer. 3. Kreis Wedding. Mittwoch, 26. Oktober, 195- Uhr, 5 öffentliche Wählerver- sammlungen in folgenden Lokalen: Löwenbrauerei. Hoch- Ecke Badstraße, Referent Lorenz Breunig. Oberer Saal der Atlantiksäle, Behmstraße, am Bahnhof Gesundbrunnen. Rese- rent Hans Gottfurcht. Unterer Saal der Atlantiksäle. Rese- rent Stadtrat Karl Wermuth. Pharussäle, Müllerstr. 142. Referent Bürgermeister Paul Mielitz. Hochschulbrauerei, Amrumer Ecke"Seestrahe. Referent Dr. Hermann Schützinger. 38. Abt. Mittwoch 26. Oktober, l9ll Uhr, öffentliche Wählerkund- gebung in den Residenz-gestsälen, Landsberger Str. 31. Rese- rent Erich Küttner, M. d L. 3«. und 40. Abt. Mittwoch, 26. Oktober, 20 Uhr, Wählerkundgebung i Ceciliensaal der Kammersäle, Teltower Str. 1— 4. Resere Richard Barth. 42. Abt. Mittwoch, 26. Oktober, 20 Uhr, Kundgebung in Klein? Fest- sälen, Blücherstr. 61. Referent Bruno Woyda. 43. Abt. Mittwoch, 26. Oktober, 20 Uhr, Kundgebung in Rabes Festsälen, Fichtestr 29. Referent Heinrich Schliestedt. 44.. 45. und 48. Abt. Mittwoch, 26. Oktober, 191'- Uhr, öffentliche Wählerkund- gebung im Deutschen Hof, Luckauer Str. 15. Referent Karl Litke, M. d. R. 82. Abt. Steglitz. Mittwoch, 26. Oktober, 20 Uhr, im Parkrestaurant Südcnde Wählerkundgebung, Referent Arthur Crispien, M. d. R. 90. Abt. Britz. Mittwoch/ 26, Oktober, 19-4 Uhr, öffentliche Wählerkund- gebung bei Becker, Britz, Ehausseestr. 97. Referent Otto Tost. 102. Abt. Vaumschulenweg. Mittwoch, 26. Oktober, 20 Uhr, bei Gerhard, Baumschulenweg, Baumschulenftr. 6. Referent Albert Falkenberg. 108-1 Abt. Nopenic». Mittwoch, 26, Oktober, 1911 Uhr, Kundgebung bei Seidler, Uhlenhorst, Mahlsdorfer Straße. Referent Dr. Helmut Klotz. 128. Abt. Pankow. Mittwoch, 26. Oktober, Uhr, Kundgebung im Gefell» im erent schaftshaus, Pankow, Berliner Str. 102. Referent Dr. Otto Friedländer. Versammlung der Eisernen Front der Anstalten Herz- berge und Wuhlgarten. Mittwoch, 26. Oktober, 20 Uhr, bei Tempel, Lichtenberg, Gudrunstr. 7. Referent Ludwig Diederich. 7. Kreis tzkharlottenburg. Mittwoch, 26. Oftober, 15 Uhr, im Türkischen Zelt, Charlotten- bürg, Berliner Straße 53, öffentliche Erwerbslosenversamm- lung.„Arbeit und Brot durch Umbau der Wirtschaft." Referent Max Brinitzer. Bezirksamt Prenzlauer Berg. Mittwoch, 26. Oktober, 16'- Uhr, im Versammlungssaal des Hufeland-Hospitals, Fröbelstr. 16/17, Verjamnilung aller beim Bezirksamt beschäftigten Arbeiter, Angestellten und Beamten. Tagesordnung:„Umgestaltung Grvß-Berlins," Referent Stadtrat Dr. Heuer. Aron-Werke lkharlottenburg. Mittwoch, 26. Oktober, 1654 Uhr, bei Reimer, Charlottenburg, Kirch- Ecke Grünstraße, Versammlung aller SPD.-Genossen, Freigewerkfchaftler und Hammerschaftsmitglieder.„Lohn und Arbeit unter der neuen Staatsführung." Referent Karl Hetzschold. Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! 2. fltfi«. Mittwoch, 28. CItobrc, 14'/» Uhr, wichtige Zusammentunft aller Erwerbslosen i» den Arininiiissälen, Bremer Str. 7-/73. IZllr freie Be» wirlung itl gesorgt. Um recht püiiklliche» Erscheinen wirb gebeten. Sie» ferent Bilhelm Reimaiin. lt. Nrei». Ächtung! Die zum Donnerstag angesetzte Zusammenkunft erwcrb», loser Barleimtlglieder mutz umständehalber aus Mittwoch, 28. Oktober, >8 Uhr. verlegt werden. Lokal Will, Martin-Luther.Str. 89. 12. tlreis. Heute Kretsvorstandsfitzung an bekannter Stelle. 13. fieeU. Heule treffen sich alle erwerbelosen Parteimitglieder und sonst noch arbeitsfreien(Senossen pünktlich' 14 Uhr bei Mali, Mariendorf, Ehausseestr. 3t». 17. llreie. Mittwochs 28. Oktober. 19 Uhr, Sitzuua der Zeitungekommifston In der ,.Vorwärls",opeditioii, Borhageuei. Str. 82. Alle Abicilunge» müssen oertreten sei».— Mittwoch. 28. Oktober, 18 Uhr, Sitzung der Ä..S.'Ob> leute. Die Abt. 114, IA>, 121, 122, 122�. 124 haben oo» bekaunicr Stelle sofort Material in Empfang*u nehmen, 1.«bt. Mittwoch, 26. vitober, Zahlabcnd bei ZUement, Sophienftratze 6. „Reich» Verfassung". Referent Gen. üoewo. 3. Abt. Miliwoch, 28. Okiober, Zahlabendc in den bekannten Lokalen. 12. Äbt. Mittwoch. 28. Oktober, Funktionärkonferenz bei Schmidt. Bezirks» führer, Ädrefsen der Wahlvorsteher und Beisitzer mitbringen. 13. Äbt. Heute Zusammenkunft iüngcrcr Parteimitglieder bei Lausch, Mieles- Eitc Brcdowstratzc. Referent Dr. Hans Eohu. 24. Äbt. Mittwoch Mitgliedcroerfainmlung im Älterehcim, Danziger Str. 62. „Unser stampf gegen die Reaktion." Referent Ädoli Äblcr. 27. Abt. Mittwoch Funktlonärkonfercnz bei Ufert. Gletmftie. 88. 31, Ab». Die Äbteilungoversammlung fällt in diesem Monat aus. Die Mit- glteder beteilige» sich restlos an der streisveranstaltung am Freitag, 28. Oktober. 32, Abt. Heute statt der Mitgltederoerfammlung öffentliche Kundgebung in der Alte» Taverne. 33. Abt. Die Abteilungsversammlung fällt aus. 48, Abt. Heute, 1? Uhr. Bertetlung der Häuferblockzettung bei Laubahn, Luifen.Ufcr öZ. 38. Ab». Mittwoch. 20 Uhr, Abteilungsversammlung Im Eden-Palast. Ehar, lottcnburg.»aiser-Friedrich-Str. 24. Referent Dr, Franz Neumann. 38, Abt. Mittwoch, 20 Uhr, Diskusfionsabenb im Rankehau«, Rankestr. 4. „Rechtsfragen." Rcicreul Genosse Jgkodi. 88. Ab». Mittwoch Mitgliederverfammlung bei Rohrmann. 94. Abt. Mittwoch Funklionärsttzung bei Schröder, Slcmmetzstr. ö2, «i. und g?. Abt. Mittwoch, 20 Uhr. Zusammenkunft illngerer Parteimit» glicder in der Lesehalle Rogat. Ecke Ilsestratze. Tagespolitische Fragen. li>4. Abt. Mittwoch, 2u Uhr, Funltivniirsitzuna an bekannter Stelle. 108. Abt. Die Miinlteder der Zeitungskomnilssson und die Parteifunktionär« treffen sich heute im Parteihcim, Echlotzstr. 27. 108-. Abt. Heute, 20 Uhr, Sitzung des Porstandes mit sämtlichen Stimm. bezirksführern bei Marx, Mahlsdorfer Str. i. 114. Abt. Mittwoch Zahlabcnd« in folgenden Lokalen: l. Gruppe bei stohring. Fciedrich.starl-Str. 34. Ref. Gen. Arthur Richter. 2. u. 3. Gruppe bei Schwarzer. Gabricl-Mar-Str. 17. Ref. s«n. Ernst Arndt. 4. Gruppe bei Schüler� Mühlifchstr. 36. Ref. Gen. Theo Mittwoch BpitMll I arnwederftr. U4, Sitzung de» Bor. üchuicr, MUHItschtlr. ltd. Ret.... 129. Abt. Die Parteimitglieder beteiligen sich am an der stunbgebung der 128. Abt. Näheres liehe i � everftr. littwoch, dem 28. Oktober, .____»».. im«pieael. 137. Abt. Heute. 20 Uhr, im Volkshau» Echarnwckerftr. 114, Sitzuit, standes mit den Bezirksführern und Ausgabe von Wahlmaterial. 139. Abt. Mittwoch Mitgliederversammlung im Alten Krug, Hauptftr. 14. Rc- ferent: Friedrich Elchlcpp.„Unser Kampf gegen die Reaktion.-' Zrauenveranstaltungen. 79». Abt. Der für heute vorgesehene Frauenadend fällt zugunsten der Kreis- frauenveranstaltung aus. Näheres stebe im Svirgel. Arbeilsgemeinschafi der kindersreunde Groh-Berlin. lU.«ohnh»s Gesundbrunnen). Beginn pünktlich lou Uhr. Thema: Kasper- ibeatcr— Kasperpuppcn. Leitung: Hei» Ilgenfritz. Schere, Zange, Vleiftist und Papier sind mitzubringen. streuzbera: Heute, 20 Uhr, Kreishelfersitzung im Heim Parckftr. 11. Bringt die noch rüllständiacn Monatsprogramme mit. Neukölln, Snltrumentalkrei»! Di- ff" haben, kämmen zum ersten Uedungsä Falken, dt« sich zur Teilnahm, gemeldet abend morgen. Mittwoch, 17 Uhr, Schule Kaifer-Friedrich-Etratze» der Karl-Marr-Schule. Thema: Erziehungssrage».— Abt, Kurt Eisner und Paul Lcvi, Sporlabend morgen, Mittwoch, I7s.� Uhr, in der Turnhallt Donaustr. 128. Alle bringen Turnhose und Schuhe mit. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation SS. Abt. Am 22. Oktober starb unser Genosse und ftteuub Albert Löwen. thal im 72. Lebensjahre. Albert Löwenthal war einer der alten Kämpfer in unserer Abteilung, die kein Aufstieg der Sozialdemokratischen Partei Uber- hehlich machen konnte, die aber auch kein Rückschlag derselben wankend oder verzagend machen konnte. Seit über 40 Jahren in der Parteibewegung stehend, war er noch vor drei Jahren Bezirksführer eines Bezirks unserer Abteilung. Er war uns Jüngeren immer Vorbild in Gesinnungs- und Pflichttreue. Er wird uns darum immer unvergessen sein. Die Einäscherung und Trauerfeier findet statt am Mittwoch, dem 26. Oktober, abends Vs 7 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. 102. Abt. Arn 21. Oktober verstarb unerwartet unsere Genossin Anna Becker. Ehre ihrem Andenken! Trauerfeier: Dienstag, 25. Oktober. 16 Uhr, Krematorium Baumschulenweg.— Um rege Beteiligung wird gebeten. l«j. Abt. Unser langjähriger Parteigenosse Karl Reinhold ist am 21. Ok. tober nach schwerem Leiden im Alter von 59 Jahren verstorben. Ehre seinem Andenken. Die Einäscherung hat bereits stattgefunden. Der Abteilungsvorstand. BSozialistisSeArbelterlugendGroß-Verlin liinlcnduitgen für Olef« Rubrik nur an äo, gugenbl-kr-torio» Berlin SG 68 Lindenstratz» 2, vorn I Treppe rechts. Adteiluvgslelter! Reicht den Berichtsbogeu'und das Roveinberprogramm ein. Heute, Dienstag, Z0 Uhr: Arkonaplatz: Elifabelhiirchilr. 19. Politifchr Zeitungsfchau.—«eweek- fchiftshau«: Kopenicker Sie. 92. Marr— Engels— Rolenthaler Vorstadt: Titckstr. 18a. Liederabend.— Zentrum: Waifenftr. 18. Die Wahrheit Uber Kobura.— Brunnenplatz: Pank. Ecke Wiefenstratzc. Was ist Sozialismus?— Geinndbriinncn I: Kotenburger Str. 8. Das stommuniflischr Manifest.--- Gr- funddrunncn»i stolonirstr. 22. Zille-Abend.— Humboldthain: Lortzing. Ecke Graunstratzc. Lustiges Manatseude.— Norden: Puldusscr Str. 23. Seruellr Trage».— Schillcrpnrt: Schdningstr. 17, Lustiges Monatsende.— Wedding: N!�!.------ an— jft Mariismus?,— Wcdding-Rord: Tnrincr Ecke See- Sonnrnburger Str. 28. Dir Kulturaufqabcn der Ar. silllieiiowstr. ö. Was ist Mariismus?,— Aedding-Rird: Tnrincr Ecke See- nratze.— Arnimplatz: Sonnrnburger Str. 28. Dir Kulturaufgabcn der Ar- beiterdewegung. Arnswalder Plag>! Schönianker Str.>1, B. 8. Bud und Mädel.— Ballon: Mäildrlstr. 2, Arbritsgemeiuschafl.— Faltplatz 1: Funk- ttouärsitzuna beim Genossen Htldebraudt, Gaudnstr. 13 tl9>„ llbr>.— Helm- hoihplatz: Kaftanienallee 31. Tagespolitik.�— Hohenlchönhaufeu! Diugclstädler l? �>ch N!iner fW"ÜV it. Slratzc. Dir SPD. von IgI4 bis>932.— Nordosten i; Danziger ö!r. 82, V. Die Gewerkschaften.— Weitzenfce: Easeler Str. 2. Schallplattrnabcnd.— Hosen- Heide: Wasscrtorstr. 4. Heilerer Adend.— Reichcnderger Birrtel: Reichrnderger Straße 129. Bunter Adend." Südwest: Lindenstr. t. Togespolilit.' Shar- lvttrndurg: Rosincnstr. 4 Turnabeud.— Eharlottenburg-Nord: Kaiserin. Auaustg. Allee»7i'. Tagcopolitit.— Eichtamp! Turne».- Steglitz l! Aldrecht- stratzc 47. Meine Eindrücke von Sowjelrutzland.— Zehlendors-Dablemt Waid, schule, Schlieffen. Ecke Boelckestrotzc. Brettspiel- und Tennisabend.— Lichten» rade: Dorfstr. 38. Geschichte der Arbeiterbewegung. � Nru-Irmpethos: ffllnt. gensstratze, Schulbaracke. KPD. und Faschismus.- Britz! Hanncmaiinstr. 4t. Tagespolitik.— Neukölln Ii Sander- Ecke Sobrechtstratze Vir im Kampf.— Neukölln I»: Eteinmetzstr. 0. Die faschistische Gefahr in Dextlchtand.— 61»». källn IV; Kanner Slratze. Arbeitdgemeinschaft.' Neukölln t>: Treptower Strotze 93. llpton. Sinclair-Abend.— Neukölln V»; KM«. Gemeinsamer Heimabend mit den Kind-rfreunden.— Nentölln Villi Rütlistratze. Sind Theorie und Praris der Arbeiterparteien marxistisch?, 2, Teil.— Nrutälln IX: Maricn- dorter Weg. Mitgliederversammlung.— Neuldlln Li Sanghoferstratzc, R. 2. Arbeitsgemeinschaft, l. Teil.— Neukölln Xl> Flughafeiistr. 88, Wiener Abend mit de» Kinderfreunden,— Schöncwcidr!: Berliner Str.!!i. Eieschichtr der Sozialdemokratie, 3. Teil.— Treptow: Elf-nstr. 3. Erlebnisse im ibcfänguis. — Köpenick I: Grünauer Str. 5. Liederabend und Bunter Abend." Köpenick II: Dahlwitz«? Str. 15. Politisch.satirischer Abend.— Sermsdors! Roonstrgtze. Organisation.— Lübars: Schulbarocke. Kamviltederabend.— Relnickendors-Vst: Lindauer Slratze. Dir Aufgaben der Inaend in der Gegenwart.— Tegel: Schönebergcr«tr. 5. Der Wanderleiter bat dos Wort.— Wittenau: Haupt- ftratze 13. 8.Iahr.Feicr.— Ricderschönbaiifcn: Lindenstr. 47. Sexuelle Frage», 4. Teil.— Pankow Ii, Görschstr. jch. Tanzabend. Werde bezirk Prenzlauer fflctc- Svleltrupve„Junge Hammerfchakst- übt niinktlich I9>� Uhr bei Huckwitz, �»rliner Allee. Am Freitag, dem 28. Ok. lober, fall«» alle Gruppenveranstarkungen au». Geschlossene Belciligung au der Kundgebung«leimstratz». Fahnen mitbringen. Fallentracht. Werdedezirk Osten: Erwerbslosen, usammenlunst U Uhr im Heim Am Ost- bohnhof 17. Wcrdrdeziri Schönebera: Wir beteiligen uns an der Beranstaliung der Partei im Piccadilln", Ebersstr. 80<19 Uhr>. Alle Grupprnvcraiistaltunprn fall,» aus. Falkentracht. «erbebriirl leltewkanali Morgen, Mittwoch, Porstandssitzung um 20 Uhr in Steglitz. Albrechtstr. 47.,:. v 'f: Leitung: Hei» Ilgensritz. Zange, Schee«, Bleiftift und Papier sind Iß mitzubringen.— Thema de»»wenen Kursusabend: Für beide Kurse .. Holzardcitcn.— Morgen, Mittwoch, Kastclturfu, sgr die Kreise Wedding. Pankow, Rcinickendvrf im Jugendheim Putdusser Str. 22 >> Gesundbrunnen). Beginn pünktlich 19V. Uhr. Thema: Kasper- zur Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbonner..Schwarz-Rok-Gold" S e i ch ä M s st e 1 1»: Berlin 0, 14 Sebastianstr 37-3* Ho,} Tt. Nrnkölln-Vritz. 4. Kameradschaft. Die Irauerfeier liir den per- storbenen Kameraden Albert Lorwenihal findet am Mittwoch, dem 28. Oktoder, ltzZo Uhr, im Krematorium Baumschulenweg stall. Rege Zleieiii- gung wird erwartet. Deutscher Arbeiter- Sängerbund, Gau Berlin. Geschäslsstelle: p. Säineidex, Berlin RO. 55. hufelandfir. ZI. Perlinrr Lrndnai-Ehvr. Die Uebunasstunde findet heut« abend«i,d-r im alten Lokal. Aula de» Gymnasiums. Elifabethstr. 57. 3S, statt. l.oogt,»o» fintziisd Dediling Club. Bülowitr 104; Heut« abend. 8V» Uhr spricht Mr. Bulrnan-Smlth, M. A., über„Britain'a Infularity". Oiste wtlHeommen. Zur Bereitung vorzüglicher Fleischbrühe nimmt man ItMGGf5 Fleischbrüh- Würfe! Fabrik fliegt in die Luft Drei Schornsteine stürzen 5fr meldet sich om Telephon: Ilm 5 Uhr soll eine große Sprengung losgehen: Auf dem Eiswerver bei Spandau fliegt eine ganze Fabrik in die S2uft„Das„Testament des Dr. Mabuse" wird dort gedreht. Es Hannelt sich also um eine ganz große Sache. Ein langes, einstöckiges, gedecktes Fabrikgebäude war tüchtig mit Holzwolle auigestopft, drei Schornsteine waren unterminiert worden. Von den Brand- und Sprengstellen führten Kabel zu einem Schaltbrett. Ueberall hängen Lichtkabel für die Scheinwerfer Herum. Geschützt stehe» Tonsilm- Aufnahmeapparate uno M i- f r o p H o c, stehen richtig« und falsche Feuerwehr- leute herum. Inzwischen ist es dunkel geworden und es kann losgehen. Die auf hohen Gerüsten postierten Scheinwerser- batterien werden eingeschaltet, die Lichtkegel ein- geschwenkt. Alles verläßt die zum Untergang verurteilte Fabrik. Eine Rakete fährt steil in den Himmel: Alles klar zur Sprengung. Vier Brandherde werden automatisch entzünoet, weißer Qualm steigt aus dem langen Dach hervor. Plötzlich ein dumpfer schwerer Schlag, ein« riesige Flammengarbe schießt in die Lust. Ein Benzol- faß ist auseinondergerissen worden. Run ein Druck aus den Knopf des Schaltbrettes: Ein riesiger Schornstein scheint nur wenig er- schllttert zu sein. Dann aber neigt er sich fast schüchtern aus die Seite, uno schon im Fallen zer- bricht er. Donnernd legt sich die Steinmasse quer über das Fabrikdach, zerschlägt es, reißt die Mauer ein. Glühendes Chaos öffnet sich. Wieder eirplo- kiiert ein Benzolfaß. Prasselnd stürzt ein.zweiter Schornstein ins brennende Gemäuer. Roch ein Druck auf den Knopf: Eine riesige Benzolwolke stiebt empor, dann muß auch der letzte Schorn- stein dran glauben. Die Sprengungen sind beendet. Sachlich mich- tern schauen die Operateure aus ihre Meteruhren: In 72 Meter Film haben sie die gomze Angelegen- heit festgehalten. Doch schon geht es weiter, die Kameras müssen heran an den Unglücksherd. Feuerwehrstatisten rücken mit Schläuchen vor, Gas- masken über dem Kopf, einige tragen Sauerstoff- gerät« auf dem Rücken. Sie rücken vor gegen das Flammenmeer der Fabrik. Bon der Seit« stürzen als Arbeiter verkleidete Filmkomparsen heraus, die, so will es das Filmmanuskript, von dem Unglück überrascht wurden, ein Taschentuch vor den Mund gepreßt, taumelnd, zusammenbrechenid. Schließlich tritt richtige Feuerwehr in Aktion, nachdem die Filmleute weiter keine Verwendung für das Glut- meer haben. Etwa 80 000 M. hat die kurze Angelegenheit gekostet, dazu kommen noch einmal 12 000 M.. weil der Brand unerwarteterweise eine Woche zu früh ausbrach und ein Teil der Fabrik wieder neu ausgebaut werden mußte. Und wenn man sich im Kino etwa im März oen Film ansieht, dann ahnt man nicht, wieviel Kosten, Muhe und Per- antwortung eine Filmfzene von nachher vielleicht füni Minuten Spieldauer erfordert hat, Raketenstart Ein gelungener Versuch Vor einem kleinen kreise geladener Gäste führte am Sonntag morgen der Rakelenkonstnikteur Tiling au» Osnabrück auf dem Tempel- Hof er Aetd einen probe st art mit einer kleinen pulverrakete vor. um die Bedenken der SeHörden gegen eine Durchführung von Raketen- siarl» vor einem größeren Publikum zu zerstreuen. Die Rakete erreichte in wenigen Sekunden nach dem Abschuß eine Höhe von 80 0 Meter, dann entfalteten sich die Flügel, und in Spiralen kam das Raketenflugzeug etwa 400 Meter vom Start- platz im Gleitflug wieder zur Erde. Im Anschluß au den Probestort zeigte Tiling seine neueste Kon- struktion. die bei einer Hohe von drei Meter und einer Spannweite von vier Meter mit voller Ladung eine Höhe von 7000 Meter erreichen kann. um dann in einem Gleitflug 20 bis 40 Kilometer weit zu schweben. Diese Rakete soll am n ä ch si e n Sonntag aus dem Flughafen Tempelhof vor- geführt werden, allerdings aus Gründen der Sicherheit nur mit geringer Ladung abgeschossen werde» Tiling oerwendet bei seinen Vor- sührungen P u l v e r r a k e t e n, die bei diesen Versuche» billiger und einfacher zu handhaben sind. Die verwendeten Raketen haben bei einem Gewicht von ö Kilogramm eine Brenndauer von 10 bis 15 Sekunde». Doch hat der Konstrukteur auch Raketen von wesentlich längerer Brenndauer entwickelt. Auch Tiltng ist aber grundsätzlich An- Hänger der Flüssigkeitsrakete. Er arbeitet zur �jeit an einer Flüsstgkettsladuag, die er später in den jetzigen Raketenkörper einbauen will. Die nächste Etappe wird der Einbau einer Fernsteuerung sein Dann erst wird die nächste Rakete aus Duralumin und Elektronmetall gebaut und allmählich weiter entwickelt werden, bis man an den Bau einer bemannten Rakete denken» kann. Nazis stützen Popen In Friedrich, Hagen eröffnete die Partei den Wahlkampf um den neuen Reichstag mit einer öffentlichen Wählerkundgebung im größten Saal des Ortes. Der Versammlungsraum war bis auf den letzten Platz gefüllt. Redner war Ge- nosse Karl Litte. Seine mit einer erheblichen Portion Berliner Witz gewürzten und wiederholt von Beifall unterbrochenen Ausführungen waren eine scharfe Brandmarkung des Papen- k u r s e s. nicht minder aber auch der N a z i p a r- tei, deren Schuld an dem Zustandekommen der jetzigen Regierung nach Ansicht des Redners so klar zutage liege, daß sie auch der entschiedenste Kampf gegen die„feinen Leute" nicht aus der Welt zu schaffen vermag. Die Eiserne Front in Lichtenberg er- öffnete den Wahlkampf mit einer gewaltigen ö f s e n l i ch e n K u» d g e b u n g. Zu Beginn der Kundgebung gedachte Fritz Thurm, der Führer der Lichtenberger Genossen, mit bewegten Worten unserer für die Idee des Sozialismus gefallenen Genossen und derer, die für ihr« Ueberzeugung hinter Äesangnie- und Zuchthausmouern schmackp ten. Einmütig gelobte ihnen die Versammlung unverbrüchliche Treue und unbedingte Solidarität. Dann nahm Genosse Robert Breuer das Wort: Wenn die Kreise, die heute in Deutschland die Macht haben, glauben, daß die Arbeiterklasse durch fünf Wahlkämpse zermürbt oder ermüdet wäre, dann wird das Ergebnis de» 8 November für sie eine bittere Ueberroschung werden. Da» Pro- letariat weiß, daß es für seine Rechte kämpfen muh und es weiß auch, daß der beste Kampsboden die demokratische Republik ist Wir warnen des- halb, mit der Verfassung zu spielen. Die Ar- beiterklasse ist bereit, die Verfassung unter allen Umständen zu verteidigen. In wenig Worten Die Reichsbahn beförderte im Monat Sep- tember auf der Berliner 8- B a h n 28 410 512 Perjonen. Im gleichen Monat des Vorjahres wurden 33 066 317 Personen befördert. Das er- gibt einen Verkehrsnickgang um 14,1 Proz. Am Montag vormittag wurde in der Markgraf« Albrecht-Straße in H a l e n s e e die ZI Jahre alte Angestellte einer Berliner Butterhandlung von einem bisher noch unbekannten Mann einer Aktentasche beraubt, in der sich 1663 Mark be- fanden, * In den Werken der Eontinentol Coutchouc Co., Hannover, ereignete sich ain Montogvarmittag in der Nickelei durch Abplatzen eine» Deckel» in einem Vulkonisierkessel eine Explosion. Zwei Ar- b eiterinnen erlitten Schädelbrüche, die ihren Tod herbeiführten. * Konz London Ist seit Montag in undurch- dringliche Finsternis gehüllt. Es ist dunkler als um Mitternacht. Die Erscheinung wird mit der Windstille und der Bildung eines dichten Rauchnebels über der Stadt erklärt. •k Durch den Selbstmord des Obersekretär» H e n t s ch e von der Dresdener Ortskrankeirkasse ist man erheblichen Veruntreuungen auf die Spur gekommen: für die veruntreuten Gelder ist jedoch bereits Sicherstellung erlangt worden. Im Zusammenhang hiermit hat die Ortskrankenkasse größere Perfonalveränderungen vorgenommen. ck Der Filmarttsl T o m M i xjst bei einer Filmaufnahme verunglückt. Sein Lieblingspferd Tony kam zu Fall und warf dabei den Reiter !o unglückltch aus dem Sattel, daß er unter das Pferd geriet und schwere Verletzungen erlitt, * Ein Cinbruchzdiebstahl wurde in der Nieder- tage der Pharmazeutischen Werke Merck-Dorm- stadt verübt. Gestohlen wurden 230 Kartons Rauschgift(Morphium). Wie wird das Wetter? 3n Berlin: Meist stark bewölkt und kühl, ein- zelne Regensäll«, westliche Winde.— 3n Deutschland: Im Norden leicht veränderlich, vereinzelt Schauer, nachts sehr kühl, in der Nacht zum Mitt- woch Frostgefahr, im Süden noch trübe und regnerisch.« Fortschritt in der Küche Im Ilsa-Palast am Zoo zeigte die Maraa» r i n e< V e r k a u f»- II n i o n einen Wervesilm, der in amüsanler Weise über den Werde- gong und die vielfache Berwendungsmögiichkeit eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel, die Margarine, berichtete. In einer Lehrküche hotten sich Filmdtoen zu koch- und lernwütigen Küchen- feen gewandeil, die voll Andacht uno Eifer ins MargorinekoUeg stiegen. Sie sahen ebenso wie die unten im Parkett � den ganzen Herstelltinos- pryzeh der Margarine, angefangen von der G«- winnung der Kotos- und Erdnüsse auf Ceylon über die Reise nach dem Hamburger Hosen in die Oelwerke. In großen Oelmühlen werden die Nüsse zu Oel und Fett verarbeitet, dann so lang« gefiltert und geläutert, bis sie eine klare Substanz bilden. Durch Beimischung entrahmter Milch erhält die Margarine das Aroma. Nun geht's in die Kirn«, von da in die Kühltrommel, von hier nach dem Kneter, und schließlich in die Packmaschinen. Die aanze Herstellung erfolgt aus maschinellem Wege. Es sollte mit diesem Film vor allem gezeigt werden, wie rein, ohne chemische Mittelchen die Margarine bereitet wird. 0e»iit»n,tr. S0 Chausseestr. 113 Am OrqniKnpIqtg Beim Stettiner Bahnhof Kenigstraß« 33 Wllmertdorfarttr. 108 AmBhf. Al«iand«rplatz Am Bahnhof Charlottonburg Nachdruck von Worf und Bild verbeten! Die obigen Angebote stehen Ihnen ab Dienstag zur Verfügung. Wohlfahrt für Ausbeuter Auf Kosten der Steuerzahler und der Arbeitslosen In unserer Sonntagsausgabe haben wir den Inhalt einer Eingabe des Deutschen Äiextil- arbeiter-Verbandes an den Reichs- orbeitsminister besprochen. In dieser Ein- gäbe wird Bezug genommen auf eine Verein- b o r u n g, die zwischen dem Magistrat der Stadt Sarau und dem Fabrikanten verein dieser Stadt abgeschlossen worden ist. Wir brin- gen in nachfolgendem heute de» Wortlaut dieser Vereinbarung: „Zwecks Belebung des Arbeitsmarktcs und Unterbringung langfristig Erwerbsloser in der Textilindustrie wird zwischen dem Magistrat der Stadt Sarau(Städtisches Wohlfahrtsamt) und dem Fabrikantenoerein e. V. Sarau N.L. folgende Vereinbarung geschlossen: 8� Der Magistrat verpflichtet sich, an die Mit- gliedssirmen des Fabrikantenoercins e. V. Sarau N./L. unter den unten näher bezeichneten Be- dingungen Lohnbeihilsen zu gewähren. Die Lohnbeihilse beträgt für jeden untergebrachten wohlsahrtserwerbslosen und s ü r jede a n r e ch n u n g s s ä h i g e Woche für Ledige........ 7.— M. b) für verheiratete ohne Kinder. S,— M. c) für Verheiratete mit I Kind.. t0,50 IN. ä) für verheiratete mit 2 Kindern. 12,— vi. e) für verheiratete mit Z und mehr Kindern......... 14,— vi. Lohnbeihilfen werden gezahlt für aus Grund des Vorschlages des Wohlfahrtsamts vom Arbeitsamt zugewiesene w o h l s a h r t s- erwerbslose. §2. Die Zahlung der Lohnbeihilsen erfolgt nur für diejenigen Beschäftigungswochen, in denen die untergebrachten Wohlfahrtserwerbslosen Die jüngste Jahreskonferenz der Metallarbeiter war von 77 Delegierten aus 44 Verwaltung?- stellen des Bezirks Brandenburg des DMV. be- sucht! sie tagte im Berliner Gewerkschaftshaus. Der Bezirksleiter Mieles zeigte in seinem Jahresbericht, daß die Krise die Metallindudustrie des Bezirks schwer betroffen und selbst die größten und finanziell bestfundierten Betriebe erfaßt hat. In Brandenburg d. d. H. wurden Ende 1931 nur noch 900 Metallarbeiter beschäftigt gegen 14000 im Jahre 1 9 2 8. In Gassen N.-L. mit 6000 Einwohnern beschäftigte die Firma Flölher-Aktiengesellschaft in normaler Zeit etwa 800 Arbeiter! durch einen Zwangsvergleich der Firma sank die Zahl der Arbeiter bis auf 2 0 herab, erst in letzter Zeit stieg sie aus 19 0. Die als Spezialfirma gut fundierte Hirsch- Kupfer- Aktiengesellschaft mußte ihr Kapital zusammenlegen und englischem Kapital den groß- ten Teil der Aktien überlassen. Relativ am besten beschäftigt war noch die optische I n d u st r i e in Rathenow. während alle sonstigen Jndustriegruppen, wie auch das Handwerk, ausnahmslos schwer darnieder lagen. Daraus erklärt sich ein M i t g l i e d e r o e r l u st von etwa 11,14 Proz. Die Mitgliederzahl betrug Ende September 1932 noch 24 379 gegen 27 452 Ende 1931. Zur Belebung der Agitation unter den weiblichen Beschäftigten sind Agitations- kommissionen der M e t a l l a r b e i t e- rinnen eingerichtet worden. Auch die Organi- sationsarbeit unter den jugendlichen Kollegen war sehr rege. Rege Tätigkeit entwickelten die F um k- t i o n ä r e des DMV. bei den Spruchausschüssen der Arbeitsämter, als Beisitzer von den Arbeits- und L a n d e s a r b e i t s g e r i ch- ten, sowie bei der Vertretung vor den sozialen Rechtsinstanzen. Der Zusammenschluß der Kupferschmiede mit dem DMV. brachte im Bezirk eine Zunahme von 287 Kollegen aus 12 Verwaltungsstellen. Besonders tätig war die Organisation in der Abwehr gegen den Lohnabbau. Die jetzigen Löhne sind meist auf Grund der Notverordnung von, 9. Dezember 1931 festgesetzt. Nur in einer Reihe von Innungen ist versucht worden, die Löhne der Handwerker noch mehr zu kürzen. Teilweise ist bei den Innungen auch Tarifunwilligkeit zu verzeichnen. Die Vereint- gung der Metallindustricllen von Eberswalde und Umgegend e. V. hat sich vom Verband Bran- denburgischer Metallindustrieller losgelöst und bildet jetzt auf Grund eines mit der Bezirks- leitung des DMV. abgeschlossenen Vertrages ein geschlossenes Tarifgebiet. In letzter Zeit wird versucht, überall neue Lohnkürzungen auf Grund der Notver- ordnung vom 5. September 1932 vorzunehmen. Die Organisationsleitung hat sich energisch da- gegen gewandt und(mit Ausnahme eines Falles) bisher die Lohnkürzungen abwehren können. Der Verband Brandenburgischer Metall- industrieller hat der Bezirksleitung angc- kündigt, bei weiterer Abwehr von Lohnkürzungen s) nicht weniger als 32 Stunden beschäftigt worden sind, d> der Bruttolohn 150 Proz. des Lohnzuschusses nicht unterschreitet, c) die Zahl der sonstigen Arbeiter des Be- triebes, für die keine Lohnbeihilfc gezahlt wird, nicht niedriger ist als im Jahresdurch- schnitt 1931 unter Berücksichtigung eines der gegenwärtigen Wirtschaftslage ent- sprechenden Abschlags, sowie als am Stichtag. 8 3. Der Arbeitgeber verpflichtet sich, die eingcstell- ten Wohlfahrtserwerbslosen zusätzlich und nach Möglichkeit% Jahr lang zu den ortsüblichen Tariflöhnen zu beschäftigen. Er übernimmt jedoch eine unbedingte Verpflichtung für eine Beschäfti- gung von 4 Wochen. 8*• Lohnbeihilfen sollen in keinem Betrieb für mehr als 25 Proz. der jeweiligen Belegschaft gewährt werden. 8 5- Der Arbeitgeber verpflichtet sich, dem Magistrat eine Nachprüfung seiner Angaben über die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen, die Höhe der Beleg- schast und die Höhe des an die Wohlfahrts- erwerbslosen gezahlten Lohnes zu gestatten bzw. diesen Nachweis selbst zu führen. 8 8. Die Vereinbarung wird zunächst aus die Dauer von 6 Monaten geschlossen. Sie besteht jedoch weiter, falls sie nicht einen Monat vor Ablauf der Sechsmonatefrist gekündigt wird. Von da ob ist eine monatliche Kündigung zulässig. Die Vereinbarung gilt als mit sofortiger Wirkung von dem Zeitpunkt ab gekündigt, an dem eine Betreuung der Wohlsahrtserwerbslosen durch eine die Organisation schadenersatzpflich- t i g zu machen. Trotzdem hat die Bezirksleitung den Abwehr- standpunkt beibehalten und darauf verwiesen, daß die Gewerkschaften die Lohndruck-Notverordnung als gegen die Tarifvertragsverordnung verstoßend betrachten. Mehr als je wird die Aktivität der einzelnen Belegschaften beim Lohnabbau in Erscheinung treten müssen, soll der Kämpf gegen die weitere Verschlechterung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse erfolgreich sein. Nach Bekanntgabe der Verordnung vom 5. Sep- tember 1932 verfügte die am 1. Juli 1932 neu- gegründete Firma B r e n n a b o r-A.- G. eine Lohnkürzungfürdie 31. bis 40. Stunde um50Proz. Nach mehrmaligen Verhandlungen beim Schlichter wurde eine Vereinbarung ge- troffen, wonach der Lohnabzug rückgängig gemacht und die alten Lohnsätze bis zur Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts weiter gezahlt werden. In der D i s k u s s i o n berichteten die Delegierten über ihre örtlichen Verhältnisse und erklärten sich mit der Tätigkeit der Organisationsleitung einver- standen. Gewünscht wurde, daß die Berechnung der Erwerbslosenunterstützung bei finanzieller Besserung der Hauptkasse des Verbandes wieder wie früher auf die Grundlage von 72 anstatt 92 zurückliegenden Beitragswochen erfolgt. Einstimmig wurde eine Entschließung angenommen, die der Bezirksleitung das vollste Vertrauen ausspricht und begrüßt, daß der DMV. den Kampf gegen den Lohnabbau mit allen Mitteln geführt hat. Die Delegierten erklärten, mit erhöhtem Eifer für die Stärkung der Organisation einzutreten. S ch l i e st e d t vom Vorstand des DMV. hielt ein eingehendes Referat über die Notoerordnung vom 5. September 19Z2, den Volksentscheid und die Reichstagswahl. Seine Ausführungen erregten das volle Interesse aller Konferenzteilnehmer und zeigten in voller Klarheit die Schwierigkeit der Stellungnahme der Organisation zu den gegen- wärtigen wirtschafts- und politischen Fragen, aber auch den Willen der Organisation, alles zu tun, um die Wirtschaftskrise zu überwinden und die Rechte der Arbeiterschaft zu schützen und zu er- halten. Mit einem Appell zur einheitlichen Mit- Wirkung der Arbeiterschaft bei der Lösung aller durch die Krise ausgeworfenen Wirtschafts- und Machtsragen schloß Schliestedt seinen Vortrag. ,6del-Natlonalsozlaljömuö' Uns wird geschrieben: Es ist bekannt, daß die „Tägliche Rundschau" in den Besitz der national- sozialistischen Gruppe übergegangen ist, die sich um die„Tat"-Zeitschrist geschart hat. Wie dieser „Edel-Nationalsozialismus" in der Tat aussieht, er- kennt man daran, daß die Angestellten bei der „Täglichen Rundschau" in einem Ausmaß zu u n- gesetzlichen Ueberstunden genötigt wer- andere Stelle als das städtische Wohlfahrtsamt eintritt." Der Reichsarbeitsminister, der mit seiner Not- Verordnung dem Magistrat der Stadt Sarau das böse Beispiel gegeben hat, ist bis heute noch nicht dazu gekommen, dem Deutschen Textilarbeiter- Verband und der Oefsentlichkeit mitzuteilen, was er zu diesem Skandal sagt und was er dage- gen zu tun gedenkt. Den Arbeitslosen, den Rentnern und Kriegs- beschädigten werden die Unterstützungen gekürzt oder ganz gestrichen. Den Fabrikanten werden hohe Prämien gezahlt und Steuern erlassen, wenn sie so gnädig sind, die Arbeiter auszubeuten. Und nun kommt noch der Magistrat einer Stadt, um diese heillose Geldwirtschaft noch zu überbieten! Der Zweck, den der Magistrat der Stadt Sarau verfolgt, ist ein doppelter: Einmal den Fabri- kanten die Wohlsahrtsunterstützung zu zahlen, die für Arbeiter bestimmt ist, und zweitens, die Lasten, die die Notverordnungen der Reichsregie- rung den Gemeinden aufgehalst hat, wieder auf die Reichsanstalt abzuwälzen. Denn wenn die Wohlsahrtserwerbslosen ein halbes Jahr auf Kosten der Oefsentlichkeit und zum doppelten und dreifachen Prosit der Unternehmer von diesen ausgebeutet werden, dann kommen sie wieder in die Arbeitslosenversicherung, wenigstens für sechs Wochen, worauf die Hilfsbedllrftigenprüfung einsetzt. Das ist der„geniale" Plan des Magistrats der Stadt Sorau. Man kann wohl sagen, daß diese „Sozialpolitik" uns niemand in der Welt noch- zumachen imstande ist. Es ist eine vom Nazigeist inspirierte Wohlfohrtspolitik der Junker für kapi- talistische Ausbeuter. den, das in Anbetracht der heutigen Arbeitsmarkt- läge auch für die Angestellten als geradezu skan- dalös bezeichnet werden muß. Die Gewerbe- auffichtsbehörde und die Staatsanwaltschaft hätten alle Ursache, energisch einzuschreiten. Die Ange- stellten erhalten aber eine lehrreiche Lektion, wie solcher„Edel-Nationalsozialismus" praktisch aussieht. Die Angestellten müssen erkennen, daß wirklicher Sozialismus nur von der SPD. und den freien Gewerkschaften vertreten wird. Kampfdenpapenlöhnen Der Kahla-Konzern beabsichtigt, in der Porzellansabrik in Kahla(Thüringen) die Lohn- abbaubeskimmungen der Notverordnung anzu- wenden, weil 200 Neueinstellungen vorgenommen wurden. Die Belegschaft von rund 900 Personen reichte daraufhin einmütig die Kündigung ein. Wenn die Kahla A.-G. auf ihrem Lohnabbau- standpunkt verharren sollte, werden wahrscheinlich auch die anderen Konzernwerke mit rund 2700 Be- schäftigten in die Abwehrmaßnahme hineingezogen. In der Porzellanindustrie mit ihren unglaublich niedrigen Löhnen ist eine Lohnsenkung das Schlimmste, was den Arbeitern angetan werden kann. Llmfonft Preisausschreiben �a-iiproxfi-ainm ist Schwindel Der Deutsche Landarbeiter-Verband sagte be- kanntlich vor mehreren Wochen jedem Land- arbeiter öffentlich eine Belohnung zu, der ihm solche nationalsozialistischen Land- wirte namhaft machen könne, die die Land- arbeiterforderungen der NSDAP. in ihrem Betriebe verwirklicht hätten. Ferner erklärte sich der Verband bereit, den Land- arbeitern, denen nationalsozialistische Landwirte nicht bekannt seien, aus Wunsch solche zu be- nennen, unter anderem auch nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete und Landwirtschaftskammer- Präsidenten. Tie Landarbeiterforderungen der Nazi- Partei find in der parteiamtlichen nationalsozialistischen Schrift Nr. 17 „Nationalsozialismus und Landwirt- schast" enthalten. Sie lauten: Gerechte und kameradschaftliche BeHand- lung; als Lohn den(»rtrag von 1 2 Morgen gutemBoden. IS Morgen mittlerem Boden und 19 Morgen leich- terem Boden; eine Wohnung, be- stehend aus Küche. Wohnzimmer. Schlafzimmer der Eltern, der Kin- der. der erwachsenen Kinder und Hof- gänger, Llbstellräume. Speisekammer. drei Kellerräume; Hausgarten von zwei Morgen; Baderäume auf dem Gute; Näume für Bildungs- und Schu- lungs zwecke mit Rundfunkein- r i ch t u n g. Der„Vorwärts" gab seinen Lesern von dem Preisausschreiben des Deutschen Landarbeiter- Verbandes Kenntnis mit dem Bemerken, daß sich der Kassierer des Deutschen Laiü>arbeiter-Ver- bandes wegen der finanziellen Auswirkungen des Schrittes keine Sorgen zu machen braucht. Die Prophezeiung des„Vorwärts" hat sich als richtig erwiesen. Der Verbandsvorstand des Deutschen Landarbciter-Bcrbandes teilt in Nr. 41 des Verbandsorgans„Der Landarbeiter" mit, daß bei ihm auch nicht eine einzige Mel- d u n g eingegangen ist. Von den nächsten Wochen verspricht er sich kein anderes Ergebnis. Er gibt deshalb in der erwähnten Nummer des„Land- arbeiter" weiter bekannt, daß er die Aktion als abgeschlossen betrachte. Die Erfahrungen des Deutschen Landarbeiter- Verbandes bestätigen also die Richtigkeit der Meinung, die hier schon wiederholt über die 2lr- beiterforderungen der Nazipartei geäußert wurde: die Nazis nehmen ihre Arbeiterforderungen�selbft nicht ernst! die Arbeiter sollen mit diesen Forde- rungen nur für die Nazibewegung eingefangen werden. Aber auch hier wird sich am 6. Novem- der das alte Sprichwort bewähren: Lügen haben kurze Beine._ Ankurbelung Aus dem Kreise Hersfeld Land wird uns ge- schrieben: Die Gewerkschaft Winters- hall. Heringen, Wcrra, hat jetzt wieder 19 Kali- arbeiter entlassen. So kurbelt Rosterg mit Papen die Wirtschast an. Bei dem Stab von Beamten und Direktoren, Autos und Dividenden wird nicht gespart, nur bei den Arbeitern. Sin Wink für Arbeitslose Die Gemeinde muß einspringen lins wird geschrieben: Der„Vorwärts" brachte vor wenigen Tagen einen Artikel über die Rück- Zahlungen, die Arbeitslose wegen zuvielge.zahlter Unterstützung leisten müssen. Von unterrichteter Seite geht uns folgende Zuschrift zu: Die Rückzahlung siir Arbeitslose, die in der 7. Woche Arbeitslosenunterstützung oder Krisenunterstützung beziehen, ist praktisch ohne Bedeutung. wenn der Arbeitslose Bescheid weiß. Von der 7. Unterstützungswoche ab in der Arbeitslosenversicherung und in der Krisensürsorge bekommt der Arbeitslose nur noch dann Unterstützung, wenn er hilfsbedürftig ist. Die Höhe der Unterstützung hängt einzig und allein in diesen Fällen von dem Sag ob, den die Gemeinde vorschlägt, weil sie den vor- geschlagenen Satz zur Abwendung der Hilfs- bedürftigkeit für unbedingt notwendig hält. Hat nun ein Arbeitsloser in den obengenannten Fällen— und das sind die allermeisten— eine Rückzahlung zu leisten und zieht das Arbeits- amt von dem von der Wohlfahrt vorgeschlagenen Satz irgendwelche Rückzahlungsraten ab, dann hat der Arbeitslose nicht mehr soviel, wie er nach dem Gutachten der Gemeinde und nach Richt- sögen der Fürsorgepflichwerordnung zur Ab- wendung der Not haben muß. Die Gemeinde ist also aus jeden Fall gezwungen, zumindest den Ab- zug unverzüglich an den Arbeitslosen wieder auszuzahlen. Was das Arbeitsamt von den kärglichen Unter- stützungssätzen in Wochenraten absetzt, muß also die Gemeinde an den Arbeitslosen erstatten. Viel- leicht wird dieser Hinweis dazu beitragen, daß die Gemeinden gegen das ganze Rückzahlungsver- fahren der Reichsanftalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung Sturm laufen. Wenn alle Arbeitslosen so ihre Rückzahlungen auf die Gemeinden abwälzen, dann wird die Oesfentlich- keit erst erfahren, was für ein unsinniges Spiel da gespielt wird. Ein ganzes Buch hat die Reichs- anftalt vor ein paar Wochen über„ihr" Rück- zahlungssystem herausgebracht. In jedem Fall muß mit roter und grüner Tinte und mit 12 Formularen ohne Rücksicht auf die Höhe der Rückzahlung gearbeitet werden. 70 Pfennig Rück- Zahlung kosten nach dem System der Reichsanstalt in Zukunft mindestens 10 Mark Gebühren. Einigung in Englands Spinnereien London. 24. Oktober. Nach zehntägigen Verhandlungen über den Lohn- konflikt in der Baumwollspinnerei von Lancashire kam es in der letzten Nacht zu einer Einigung. Anstatt der von den Unternehmern gesorderten Lohnkürzung von 2 Schilling 9 Pence je Pfund wurde eine solche von 1 Schilling 6K Pence je Pfund durchgesetzt oder rund 7?L Proz. Diese jetzt festgesetzte Kürzung ist um 0.8 Proz. geringer als die nach dem legten Streik von den Webern angenommenen Kürzung. Der drohende Riesenkamps in der englischen Baumwollspinnerei ist damit verhütet. Hierzu 2 Beilage» Gegen Lohnkürzungen Erfolgreiche �hwehr der Metallarbeiter im Bezirk Brandenburg Der..-SottDOtlä" erschein! wochenlaglich zweimal, sonntags»nd Montags einmal, dllustricrtc Sonntagsbeilage.Volt und Zeit"./ V e z u g s p r» i I e: Wöchentlich 7> Pt., monatlich M. ldavon 87 Vf monatlich für Zustellung ins Haus) im ooraus zahlbar. Postbezug 3,97 M einschließlich 61) Ps. Poslzcitung. und 72 Pf. Poslbcstcllgcbiibrcn. Äuslanbsabonnemcnt ä.6ä M pro Monat: für Länder mit ermäßigtem Drultsachcnpcrto t 6.7 M. Vei Aussall der Lieferung wegen bobercr Gewalt bestellt lein Anspruch der Abonnenten aus Ersaß. /'Anzeigenpreise: Die einspaltige Millimeterzcilc 30 Pf.. Rctlamczcile 1,50 M.„Z I e i n e Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte Uber 15 Buchstaben zähle» für zwei Worte. Arbeilsmarlt MiUimctcrzeile 25 Pf. Familienatizeigcn Willimcterzcile 16 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft, Liudenstr. 8, wochentäglich uon 84 bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor. f Verantwortlich für Politil: Richard Schwarß: Wirtschaft: S. stliagelhöser: Scwerllchaftsbewegung: Z. Steiner; Feuilleton: Herbert Lepore; Lokales und Sonstiges: Friß Karstadt! Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin./ Verlag: Vorwäris-Verlag lS. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. To., Berlin SB. 88, Liiidenstr. 8, ZWE ITE I LAG DIENSTAG, 25. OKT. 1932 (Schluß.) „Olga wird mir helfen. Ich kann ja alles mögliche, Pit— ich bin wirklich tüchtig. Und ich habe einen sehr starken Willen. Ich habe so viele gesehen, die Arbeit suchten und nicht fanden— die meisten aber, die wollten nur halb, denen war schon alles egal. Da ist eine ganze Menge, denen ich überlegen bin, weil ich mehr und stärker will. Spekulation a la baisse— traurig— aber ist ja nu' mal so." „Aber wenn du krank würdest... so eine Geburt.. „Krank werden! Was soll ich daran denken. Ich bin sehr gesund und Hab' tausend- mal die Chance, gesund zu bleiben. Natür- lich kann ich krank werden, kann auch von nem Auto überfahren werden oder aus'nem Fahrstuhl fallen... Mit solchen Möglich- leiten rec� ich nicht— das nimmt nur Kraft." Sie steht vor u,ti— straffer die Schultern, klarer die Augen. Pit sieht sie an— da hat er sie, wo er sie haben wollte. Die schafft's, der riecht man an, daß sie's schafft. Die weiß, was sie will, die bleibt bestehen. Wird noch verflucht schwere Stunden haben— arme Kleine— hat noch Berge von Schmerz und Dunkel zu überwinden— wird's überwinden.„Ach, Gilgi, verflucht lieb Hab' ich dich — darf ich dir einen Kuß geben— ist einer von denen, die du dir ruhig geben lassen kannst." „Gib mir man mehrere. Pit. wenn's dir Spaß macht." Zugiger Bahnsteig. Kalt-schwarzes Eisen von Lokomotiven und dunstiges Grau von Steinen und Staub. Auf einem großen Koffer sitzen nebeneinander Gilgi und Pit. Müde starrt Gilgi vor sich hin. Kluge, gerade Gleise— eine große, schwarze Lokomotive— sinnvoll zusammengefügtes Metall. Kleine Räder, große Räder— alles ineinander gehörig. Eine kleine Apfelsine ist den Bahn- steig hinuntergerollt, liegt unglücklich dumm Morgen neuer Roman SelUcUstdlflascUHC von STEFAN POLLATSCHECK und unzweckmäßig zwischen den geraden, glatten, klugen Schienen. Hastende Geräusche stillen die Luft. Fester faßt Gilgi Pits Hand. Zittert ein bißchen in frierendem Alleinsein. Fühlt die feuchte, dunkle Abendkühle durch das dünne Kleid dringen... Sieht, wie der große Zeiger der Bahnsteiguhr mit einem Ruck in die nächste Minute fällt. Heiß und würgend knäult sich Weinenwollen im Hals. Die vielen eisernen Räder... vor der Loko- motive liegt'ne kleine, gelbe Apfelsine— wie kommt die kleine Zlpfelsine denn dahin... eine dumme, kleine Melodie, die sich im Kopf festsummt... vor der Lokomotive... Biel- leicht sehe ich Martin nie wieder... sie schlägt die Hände vors Gesicht—„laß mich, Pit— laß mich"— vergräbt den Kopf in den Armen—„ich bitte dich, Pit— man muß sich auch allein lassen können..." Wenn ich ihn nie wiedersehe... ach, warum darf man nicht nur Frau sein— nur, nur, nur! Ist denn der Tag wichtiger als die Nacht— warum wird man in Nächte und Tage geteilt. Warum das Gesetz der Nacht im Blut— der ewig verlangende Schoß— in tausend Stücke bin ich geteilt— mein Verstand sagt ja zu Ordnung und Tag und Helle. Und meine Hände sind ratlos und wissen nicht, wohin sie gehören— meine Schenkel, meine Knie warten... nur Hyazinthen brauche ich zu denken, und ein Duft trennt mir die Einheit meiner Lippen.. zuckendes, sengendes Licht über weißen Kissen — ein dunkler Kopf— dein Mund— deck' nicht die Lider über deine Augen— gelieb- tester Schmerz— du— ich— wir— ver- fluchte Qual— gewünschte Qual— helfe mir Gott— ich will nicht— aber ich verbrenne in Sehnsucht nach dir... meine Nägel in deinem Fleisch— deine Zähne, die meine Lippen bluten machen— soll die Welt drüber sterben— Menschen, Menschen, Menschen sterben— du, dw du— helfe mir Gott —„Pit, ich muß nach Hause..." «D-Zug Köln— Berlin ist dein Zuhause.. „Martin ist mein Zuhause." „Schäm dich doch— du!" „Ich Hab' oerlernt, mich zu schämen."— Er packt sie am Arm— ist ein braver Junge, der Pit— arme, kleine Gilgi, wärst ja ver- loren allein. Falte brav und fromm die Hände und sag' Danke schön, weil man dir hilft— kleiner Mensch. Mensch sein heißt für dich Mensch sein und Frau sein und Arbeiter sein und alles, alles sein. Biel verlangt? Wird von jedem nur das verlangt, was er geben kann. Wehe, wenn er's nicht gibt. „Nimm dich zusammen, Gilgi!" Sie sieht ihn an— blind, verständnislos — seufzt müde:„Ja, du hast recht." Stumm sitzt sie wieder neben ihm. ... vor der Lokomotive liegt'ne kleine, gelbe Apfelsine... Eine winzige Freude zuckt auf— Sekundenblitz: man wird wieder da- zugehören— eingereiht sein in Pflicht und geschaffenem Räderwerk— man wird wieder geschützt sein in gewünschtem Zwang erar- beiteter Tage, in dem gewollten Gesetz eige- nen Schafsens—— vor der Lokomotive liegt'ne... ah, man wird wieder dazu- gehören. Man gehört ja in das Allgemein- gefüge, man ist nicht geschaffen, außen zu stehn— man glaubt nun mal zutiefst an die Verpflichtung junger, gesunder Hände... Zischend und dampfend setzt sich die Loko- motive in Bewegung. Nur einen Augenblick long freies Geleise— dann von weitem zwei Lichter, die näher kommen— näher... Gedrängter, gespannter wächst Unruhe sich be- wegender Menschen Dichter und wesenhafter wird Geräusch...„Einsteigen", sagt Pit und zieht Gilgi hoch. Einen Äugenblick schwankt sie— ein dünnes, zitterndes, kleines Nichts im Riesengewölbe von Stein, Glas und Eisen... Erschrocken faßt Pit ihren Arm— „Keine Angst. Pit, ich werde nicht ahn- mächtig— mit hilft man nicht mit so'ner kleinen Narkose, muß alles bei lebendigem Leibe durchmachen.." Sie reicht noch einmal aus dem herunter- gelasseneu Fenster Pit die Hand— will was wie Danke schön sagen— bringt kein Wort mehr hervor vor der Lokomotive liegt'ne kleine, gelbe Apfelsine.. Krampst die Hände über der Brust zusammen... Martin, einmal wirst du doch wieder bei mir sein— muß man ja glauben— hält's sonst nicht aus— oh, ich weiß, daß ich dich eines Tages haben werde— für immer... Phantasie— Flucht vor der Wirklickikeit? Flucht in bessere Wirk- lichkeit?. vor der Lokomotive liegt... „Leb' wohl, Gilgi— leb' wohl!" Pit läuft neben dem fahrenden Zug.„Leb' wohl, leb' wohl", ruft er mit unsestcr, kindlicher Stimme. „Lieber Pit", sagt Gilgi leise und müht sich für ihn um ein letztes, kleines Lächeln, das halb gelingt. Sine von am?/ von um? Sic 3>iskuS!ion um Qilgi geht weiter Hein! Eine von uns? Nein! Nicht nur. daß ich mich weigere, einen Menschen wie Gilgi zu uns zu rechnen, Gilgi ist eine Frau, die in einer Zeit lebt, die noch nie da war, bzw. erst kommen muß. Ich möchte einmal die vielen Mädels sragen, die im Monat löll Mark verdienen, wie weit sie damit kommen. Ist es euch möglich, davon ein Zimmer zu bezahlen, Pelzmäntel und elegante Abendkleider zu haben, und dann noch von diesen ISO Mark so viel übrig zu behalten, daß ihr soviel Ver- gnügungcn mitmachen könnt wie Gilgi?— Gilgis Woche muß scheinbar 14 Abende haben, den» sonst wäre es wohl nicht möglich, in einer Woche so viel zu erledigen wie sie. Sie nimmt Unterricht von fremden Sprachen, ist in ihrem Zimmer, findet Zeit für ihre Freundin, kami abends noch Schreib- Maschine schreiben gehen, macht die verschiedenen Vergnügungen mit und kann noch mit ihrer Pflegemutter fortgehen. Eigenartig. Die heutige Jugend sieht in ihren Erziehern nicht mehr die Unfehlbaren, die, denen sie blind- lings zu gehorchen hat, aber von einer so großen Oberflächlichkeit und Undankbarkeit, wie wir sie bei Gilgi finden, kann nicht die Rede sein. Wir ver- lassen nicht grundlos die Eltern, denn als Grund kann man doch nicht den Acrger des Pflegevaters ansehen, und wenn das schon verständlich wäre, so fände ich es mindestens angebracht, daß sie sich wenigstens einmal nach ihren Eltern umsieht. Auch Eltern verschwinden nicht plötzlich von der Bildslächc, keine Eltern, auch nicht Gilgis, wie sie beschrieben sind. Gilgis Benehmen der richtigen Mutter gegen- über ist zu lächerlich, als daß man sich darüber - aufregen könnte. Eine„gnädige Frau" erscheint nicht aus Befehl eines Menschen, den sie gar nicht kennt, ein Dienstmädchen läßt sich nicht so leicht verblüffen, ein Mädel von uns geht nicht durch wildfremde Zimmer. Vielleicht ein Mensch, der sich zu seiner Mutter hinge, zogen fühlt, der seine Mutter sucht, aber Gilgi? Man überlegt sich auch nicht, was man wohl am besten stehlen soll, oder es ist höchst verwerflich, was aber nicht hervor- geht. Dann die Szene zwischen Mutter und Tochter?— Mehr als Kitsch. Martin. Soll Martin ein Mensch oder eine tote Puppe sein? Die Charakterisierung von diesem Manne ist ausgesprochen schlecht, oder besser gesagt gar nicht da. Was man von ihm crsährt, ist herzlich wenig, nur daß ihn Gilgi sinnlos liebt,— aber das Wenige schließt auf allergrößte Oberflächlichkeit. Dann eine Frage: Wovon leben denn die beiden eigentlich? Geld woher? Neben- fache! Schulden, Stempelgeld. Mehr erfährt man nicht. Warum ist denn die einzige Arbeiterin in dem ganzen Roman so schlecht beschrieben? Die Näherin. Schmutzig, verkommen, liederlich, ist es eine Schande, Schneiderin zu sein? Freilich, so eine Garderobe und Ausmachung wie Gilgi es sich mit lSv Mark leisten kann, werden wir bei einer Arbeiterin wohl kaum finden. Die Schriftstellerin hat verschiedene Fehler ge- macht, begreiflich, aber der„Vorwärts", das sozialdemokratische Blatt, das wissen mußte, wie es in der Welt wirklich zugeht, darf diese Fehler nicht durchgehen lassen. Erstens, schon nicht schön, daß wir monatelang mit solch einer Geschichte be- glückt werden, zweitens wird die Jugend falsch erzogen. Ich weiß es von Arbeitersportlerinnen, daß sie sagten:„Machen wir es doch wie die Gilgi." Eine andere sagte mir:„Ach du meinst die Geschichte van den Abendkleidern, dem Pistoma und ohne Ppjonm. Drittens dürfen wir aber auch unseren Arbeitgebern nicht mit Gewalt die Waffen in die Hand drücken. Ganz klar und deutlich geht aus Gilgis Lebensgeschichte hervor, daß sie viel mit dem Gclde ansangen kann und daß sie viel Zeit hat und viel Kraft. Acht Stunden Arbeitszeit brauchen noch nicht olle Kraft auf, sie kann noch des Abends für andere schreiben, warum soll der Arbeitgeber nicht noch dies bisse! Kraft für weniger Lohn nehme»? Ich habe die Geschichte noch nicht zu Ende ge- lesen, aber ich möchte der„Vorwärts"-Redoktion sagen, auch wenn zum Schluß kommt, Gilgi wird Sozialistin, so bleibt sie noch wie vor ein un- wirkliches, gemachtes, versucht modernes Mädchen, das egoistisch, trotz der SOO Mark, durch das 20. Jahrhundert läuft. Ich hofsc, daß sich unsere SAJ.-Mädels kein Beispiel nehmen, und noch mehr hoffe ich, daß der„Vorwärts" seinen Lesern nicht noch einmal so eine Geschichte bringt, so etwas wollen wir nur dem Kino überlassen, zwei Stunden kann man eher so etwas vertragen, als Monate hindurch lesen! Es gibt bestimmt genug bessere Romane, selbst die„Berliner Morgenpost" bringt zum Teil bessere Sachen, und so ein Armutszeugnis wollen wir uns nicht ausstellen. Ich h>z?te es für ganz gut, wenn Sie wissen, wie alt ich bin, denn das Alter ändert an Urteilen ja ziemlich viel. Ich bin 17 Jahre. Freiheit! Ceräa Bacjestaus. A« Ist Gilgi«ine von uns? Ig, sie ist eine von uns. Und worum? Zunächst gehört sie zu den De- klassierten Enterbten, zu den unehelichen Nochkommen. Weiter, es liegt in ihr die Sehnsucht nach einem anderen Leben, das zwar noch unklar ist, das sie aber mit ihrer ganzen Kraft gestalten und verwirklichen möchte. Daher konnte sie in den kleinbürgerlichen Verhältnissen bei Krons nicht mehr atmen. Der Liebe Lust und Leid blieben ihr nicht erspart, wie einer jeden van uns. Gehört sie deshalb nicht erst recht zu uns? Hat sie in ihrer Stellung nicht alles durchkosten müssen, was auch uns alle nicht erspart blieb? Fühlt sie nicht die Atmosphäre der Stempelstelle genau wie eine jede von uns? Fühlt sie sich nicht verantwortlich, anderen zu helfen? Brachte sie nicht für Herta— Hans das große Opser. und brach sie nicht seelisch zusammen als ihr das nicht gelang? Giitg sie nicht, alle Brücken hinter sich abbrechend, im Be- wußtsein ihrer Mutterschaft mit freudiger Sicher- heit in die Zukunft hinein? Und wenn wir so Gilgis Schicksal betrachten, ist es nicht das Schicksal von Zehntausenden, ja von Hunderttausenden von uns? Und deshalb ist sie eine van uns. Zwar noch nicht durch das letzte Band einer festen Organisation verbunden, gleich den Hunderttausenden von uns, die noch zu er- fassen sind. Und weil in Gilgi der kämpferische Funke lebt, wird sie auch in diesem Sinne eine von uns sein. Es scheint mir von Bedeutung, diese Seite des von dichterischer Kraft zeugenden Romans zu be- tonen. Um so stärker, als sich die Diskussion um Gilgi bisher in unfruchtbaren Bahnen bewegte. dtartba Holimann. Hoch nicht! Gilgi ist k« i n e von uns. Sie kan" es werden und muß es werden. Der„Vorwärts" verdient Anerkennung, daß er uns mit„Gilgi", einem ausgezeichneten Werk mo- derner Unterhaltungsliterawr von Irmgard Keun, bekannt macht. Mit einem Werk, Das mit flotten sicheren Strichen und scharfer, humorgewürzter Beobachtung, an einigen abenteuerlichen Seichtig- kecken vorbei, spannend den Jugendtyp einer so- zialen Mittelschicht schiwert, die proletarisch ver- wachsen und verwurzelt, aber mit falschen bürger- lichcn Idealen belastet ist und unwissend abseits steht vom Kampf und Aufstieg einer neuen sozio- listischen Gesellschaft. In Gilgi, Der Titelheldin. verkörpern sich Kräste und Fähigkeiten, die sich, cntwicklungsgcschichtlich gesehen, noch im Stadium der Gefühlsmäßigkcit beünden, sich aber intellek- tucll entwickeln werden und den Anschluß an den großen Kampf für eine gerechtee soziale Gesellschaftsordnung finden müssen. Mit großem Interesse versolgen coir Gilgis Lebcnsgang, wie ihn die Verfasserin dem Leben ablauschte und mit großem Erzählertalent in künstlerische Form brachte. >lane Dösdior. •Dnnk an 3rau£anyhans Sehr geehrte Frau Langhans! Auch wir sind Abonnenten des„Vorwärts" und Leser des GUgi-Romans. Wir beglückwünschen Sie wegen Ihres gesunden Urteils. Schon nach den ersten Fortsetzungen waren wir uns einig darin, daß der Roman die Bezeichnung„Kitsch" redlich verdient. Wenn wir dennoch jeden Morgen die neuen Romanabfchnitte lasen, so geschah es nur, weil wir uns über die vielen Widersprüche in der Handlung und Eharakterzeichnung amüsier- ten. Es ist aber ein trauriges Zeichen unserer Zeit, Daß mit redlicher Arbeit sehr wenig verdient wird,'der Kitsch und die Sensation aber immer noch Erfolg haben. Freiheit! Mit Hochatung Friedrich Huth und Frau. Ich war krumm und steif Seit lk Fahren litt ich an chronischem Ge- lcnkrheumatismus. Ich war ganz krumm und steif vom Kopf bis zum Fuß. Ich war soweit, daß niemand glaubte, daß ich wieder auf die Beine käme. Seit ich Zinsser- Rheumattsmus-Tee trinke, bin ich soweit hergestellt, daß ich meine Arbeit wieder machen kann. Nc Lisette Schölt, Altendambach(Schleusingen-Land) Zinsser-Rheuma-Tee ist ein vorzügliches Mittel bei Rheumatis- mus, Gicht, Ischias, Gliederreißen, Neural- gien, Hexenschuß und Kreuzschmerzen. Paket Mk. 1.62, verstärkt(D.R.P. a.) Mk. 2.26. In vielen Apotheken zu haben, sonst direkt. (Versand-Apotheke.) Verlangen Sie aber ausdrücklich„Zinsser" und achten Sie auf nebenstehende Schutzmarke. Dr.Zinsserä:To.?Z: Leipzig 75 65000 Uneeliennungen über Amtter-Hau»» mitlel inoxmell beglaubig«) Unser Engros-Ausiieferungelagrr, Berlin C 25, Prenzlauer Str. 20, Tel. guptergraben 2274, weist aus Wunsch Verkaufssiellen gern nach Die allerneueste Osthilfeaktion Besitzerhaltung statt Agrarpolitik— Von unserem agrarpolitischen Bearbeiter Heute rft die allerneueste Umorganisation der Osthilfe im Reichsgesetzblatt verkündet worden. Auch die neuest« Notverordnung will die„beschleunigte" Durchführung der Ost- Hilfe, nachdem die letzte Osthilfenotverordnung vom K. Februar, die auch schon den hoffnungs- vollen Titel„Beschleunigung der Osthilfe" trug, wegen mangelnder Voraussetzungen nicht zum Ziel geführt hatte. Damals war beabsichtigt, mit 500 Millionen von der Rentenbank auszugebenden „Entschuldungsbriefen" und 100 Millionen Bar- Mitteln, die aus der Industrieaufbringungsumlage fließen sollten, die bankrotten ostelbischen Betriebe zu retten. Es zeigte sich aber, daß das Berhältnis von 1: S zwischen baren und unbaren Abfin- düngen den Osthilfegläubigern wenig zusagte, so daß statt der Beschleunigung eine Verlang- s a m u n g der Entschuldung eintrat. Jetzt wird ein neuer Weg eingeschlagen. Die Gesamtsumme der auszugebenden langfristi- gen Entschuldungsbriefe wird auf 350 Millionen herabgesetzt und die Barabfindungssumme auf 240 Millionen erhöht, so daß nunmehr die Glau- biger statt zu 25 Proz. zu 40 Proz. bar befriedigt werden können. Die Mittel für diese Barabfindung sind theoretisch vorhanden, da ja die Meng« der Entschuldungsbriefe herabgesetzt ist. Jedoch werden sie praktisch erst nach Iahren zur Verfügung stehen. Die Frage, wie man die Bar- abfindung in kürzerer Zeit vornehmen kann, ist daher noch wie vor u n g e l ö st. Der einzige Weg hierzu geht über die Reichsbank, die in Er- Wartung späterer Steuereingänge Geldmittel zur Verfügung stellen könnte. Fest steht jedenfalls, daß für dieses Jahr allein eine Vorfinanzierung von 50 Millionen erforderlich ist. Insgesamt soll die Osthilfe 500 Million«» ver- schlingen, 10 Millionen weniger, als durch die frühere Notverordnung beabsichtigt war, aber nur, weil die Pächterentschuldung besonders geregelt werden soll. Darüber hinaus ist beabsichtigt, auf dem Wege über die Genossenschaftssanierung die eingeschlafen« Osthilfe wieder flott zu machen. Die Forderungen der Genossenschaften an landwirt- schaftliche, im Entschuldungsverfahren stehende Be- triebe des Osthilfegebietes betragen über 200 M i l- lionen Mark, von denen die Hälfte als verloren zu betrachten ist. Das Reich wird nun den Genossenschaften die gesamten Forderun- gen für 140 Millionen Mark abkaufen, und zwar wird die Bank für Industrieobligationen 50 Mil- lionen in Entschuldungsbriefcn bezahlen, während das Reich selber für 90 Millionen Schatzanwei- sungen ausgibt, von denen aber nur 60 Millionen im Etat gedeckt sind. Auch die Differenz zwischen 140 und 200 Mill, wird aber durch die allgemeine Genossenschaftssanierung vom Reich bezahlt. Durch diese Gesamtablösung scheiden die Ge- nossenschasten als Gläubiger bei der Oschllfe aus, ihre Forderungen werden auf 25 Proz. herab- gesetzt werden, so daß die Forderungen der ande- ron Gläubiger in höherem Maße befriedigt werden können, als wenn die genossenschaftlichen Forde- rungen nur auf 50 Proz. herabgesetzt worden wären, oder es können mehr bankrotte Betriebe als bisher entschuldet werden. Außer der Uebernahme der Forderungen der Genossenschaften an Entschuldungsbetrieb« im Ost- hilfegebiet wird das Reich aber auch allen an- deren Genossenschaften, die durch faule, nicht wieder einzubringende landwirtschaftliche Außenstände in Schwierigkeiten geraten sind, bei- springen, indem es für 250 Millionen Mark Schatzanweisungen herausgibt. Wird dieses Pro- gramm durchgeführt, dann müssen insgesamt für 340 Millionen Mark Scbatzanweijungen ousge- geben werden, die bis zuin Jahre 1938 durch Steuermittel wieder gedeckt werden sollen Auf diesem Wege werden die Genossenschaftssanierung und die allerneueste Osthilfe«ine Aktion zur Besitzerholtung in der Landwirtschost auf Kosten der Steuerzahler. Würden die Genossenschaften nicht saniert wer- den, dann mühten sie ihre Forderungen an die Schuldner einzubringen versuchen, d. h. die ver- schuldeten Betrieb« würden zur Zwangsver- st e i g e r u ng gelangen. Ferner würden olle Genossenschaften, die sich durch Zwangsversteige- rung ihrer Schuldner nicht schadlos halten können, die Haftpflicht der Genossenschaften in An- spruch nehmen. Hieraus würde zweifellos ein« ganz« Reihe von Zusammenbrüchen entstehen, und man hätte unter Umständen damit einverstan den sein können, wenn das Reich zwecks Bermei- dung von Zusammenbrüchen sonst gesunder land- wirtschaftlicher Betrieb« Hilfsstellung geleistet hätte. Eine generell« Genossenschaftssanierung aber ohne irgendwelche Haftpflichtinanspruchnahme der be- teiligten Landwirte ist ein« nicht zu rechtfertigende reine Subvention, die dazu der Vernunft in der Agrarpolitik widerspricht. Die gleiche Notverordnung, durch die die Ge- nossenschaftssanierung verkündet wird, regelt auch die Umwandlung der Preußen-Kasse in eine„Deutsch« Zentralgenossenschaftekasse". Hiermit geht eine bedeutsam« Epoche deutscher Agrarpolitik zu Ende. Die Preußen-Kasse ver- stand, als sie noch der später« preußische Finanz- minister Klepper leitete, unter Osthilfc ganz etwas anderes als Herr Schiel«-oder jetzt Herr von Braun im Reich. Sie hatte klar erkannt, daß jede Osthilfe unfruchtbar ist, die nicht das Geschwür am Körper der oft- elbischen Wirtschaft beseitigt, uns die lediglich den Junkern ihre bankrotten Güter erhalten will. Sie hatte seit Jahren schon eine Auffangorganisa- tion verlangt, die alle überschuldeten landwirt- schaftlichen Großbetriebe aufnehmen und in leben-- fähige Formen überführen sollte, um damit eine Wanderung des Bodens zum besseren Wirt zu erreichen. Der Einfluß der Großagrarier auf die Reichs- regierung hat schon unter Schiele jede ratio- nelle Lösung der ostelbischen Agrarkrise verhindert Statt dessen wurden Millionen über Millionen in die verschiedensten Osthilfen gesteckt, immer ohne den geringsten Erfolg. Nach ein paar Monaten war jede neue Osthilfe wieder tot. Ein paar Großagrarier schöpften lediglich jeweils das Fett ab und sanierten sich. Die große Menge der überschuldeten Betriebe aber ging leer aus. Sie hielten sich nur dadurch am Leben, daß ein all- gemeiner Vollstreckungsschutz geschaffen wurde, unter den sie sich stellten und so dem Zugriff der Der unter Hugenbergs Herrschaft stehende Fi- nangkonzern„Ufa" hat, wenn inan der Bilanz vertrauen darf, auch in der Krise gute Geschäfte gemacht. In dem vom 1. Mai bis 30. April lausenden Geschäftsjahr 1931/32 wurde ein B e- triebsgewinn von rund 29 gegen 30,4 Mil- lionen Mark erzielt, von dem nach Absetzung der Unkosten und fast unveränderten Abschreibungen in Höhe von 18,7 Millionen Mark ein Rein- gewinn von rund 2 Millionen Mark oerbleibt. Hieraus wird eine Dividende von 4 gegen 6 Proz. im Vorjahr ausgeschüttet. Der Geschäftsbericht hebt hervor, daß der Theaterbetrieb von der Krise nicht ersaßt wurde, denn die Besucherzahl stieg im Berichtsjahr noch von 29,3 auf 30,7 Millionen Personen. Durch die Abwanderung auf die billigen Plätze und Rückgang der Eintrittspreise gingen die Ein- nahmen aus dem Theaterbesuch allerdings um 10 Proz. zurück. Die Zahl der Sitzplätze im Theaterpork der Ufa stieg van 101 050 auf rund 103 300 Plätze. Das Auslandsge- schüft wies in Europa eine stark« Belebung auf und die Geldeingänge aus dem Auslandsgeschäft erhöhten sich um nahezu 50 Proz. auf über 11 Mil- lionen Mark. Dagegen lag das Geschäft nach den überseeischen Ländern, insbesondere Amerika, sehr danieder. Di« Ausnutzung der Atelierbetriebs sank infolge der geringen Beanspruchung durch andere Produzenten von 83 auf 66 Proz. der Leistungsfähig- keit. Auch die Leistung der Filmkopierwerke ging In den letzten Monaten sind mit verschiedenen Ländern, in denen eine Devisenbewirtschaftung besteht oder die Bezahlung deutscher Waren aus anderen Gründen erschwert ist, Abkommen ge- schlössen worden, und zwar in Forin von Ver- einbarungen zwischen der Reichsbank und der Zentralnotenbank des berresfenden Landes. Zweck dieser Abkommen ist vor allem, die Bezahlung des deutschen Exports sicherzustellen und durch Ausschluß von Zahlungen in dritter Valuta den Handelsverkehr zwischen den beteiligten Ländern zu beleben. Es bandest sich dabei in der Regel um eine bankmäßige Verrechnung der Zahlungen im beiderseitigen Warenverkehr, wobei der sich ergebende Saldobetrag im allgemeinen in Devisen transferiert wird. Die erste dieser Bereinbarun- gen war das Abkommen zwischen der Reichsbank und der Dämchen Nationalbank, das neben dem bekannten Abkommen über den Austausch zuiätz Itcher Exportc abgeschlossen wurde und sich nur auf die Verrechnung solcher Waren bezog, die von deutschen Importeuren inner halb der De- visenkontingente, von dänischen Impor- teuren im Rohmen ihrer normalen Einfuhrgenehmigungen geleistet wir- den. Auf der gleichen Linie bewegen sich die Bonkenabkommen, die neuerding« mit Bulgarien. Griechenland. Jugoslawien, Lettland und Estland abgeschlossen worden sind. Um die Durchführung dieser Vereinbarungen sicherzustellen, hat der Reichswirtschastsminister nunmehr an- geordnet, daß alle Reichsmarkzahlungen, die für Warenlieferungen aus diesen Ländern im Rah- men der Devisengenehmigungen ge- leistet werden, auf das bei der Reichsbank Berlin bestehende Girokonto der betreffenden ausländischen Notenbank geleistet werden müssen. Ist Zahlung in der Währung des Lieferlandez vereinbart, so kann der deutsche Schuldner den geschuldeten Be- trag bei der Reichsbank, gegebenenfalls durch Ber- mittlung einer inländischen Devisenbank, kaufen und im Ausland an den betreffenden Exporteur Gläubiger entzogen. Jetzt hat die B a r o n s- Regierung ihr Heil versucht. Sie ist den bequemsten Weg gegangen, sie gibt in großem Umfang Schatzanweisungen aus, also Wechsel auf die zukünftigen Steuereingänge, um ihre Standes- genossen zu retten, und versucht außerdem den falschen Eindruck zu erwecken, daß die Preußen- Kasse diese Maßnahmen notwendig gemacht habe. Symptome statt das liebel. Auch diese neue Phase der Osthilsepolitik wird aber zum Scheitern verurteilt sein, weil sie lediglich besitzerhaltend orientiert ist und an den Symptomen herumdoktert, statt entschlossen da? Uebel zu operieren. Das Uebel ist und bleibt aber jener Großgrundbesitz, der ohne ständige Sub- oentionen sich nicht halten kann und sich jeder notwendigen Anpassung an veränderte Verhältnisse widersetzt. Von hier ist die von der Sozialdemo- kratie geforderte Enteignung des Groß- grurdbefiges eine Maßnahme, die auch durch die unmittelbaren Erfordernisse einer Ostsonierung geboten ist. um etwa 25 Proz. zurück, da nach dem Bericht der Verwaltung zahlreiche Aufträge wegen des hohen Kreditrisikos abgelehnt wurden. Der Um- satz im Filmverleihgeschäft des Inlandes hielt sich auf dem Stande des vorhergehenden Jahres. Hier sprach wesentlich die Tatsache mit, daß die Zahl der mit Tonfilm-Apparaturen aus- gerüsteten Theater im Berichtsjahr von 2500 auf 3500 gestiegen ist. In der Bilanz wird der Wert der fertigen und halbfertigen Filme mit 21,7 gegen 20,1 Millionen Mark im Vorjahr ausgewiesen. Der Zugang an neuen Filmen betrug im Berichtsjahr 15,9, da- gegen die Abschreibungen 14,3 Millionen Mark. Forderungen und Bankguthaben erscheinen Ins- gesamt mit 16 Millionen Mark, denen kurzfristige Schulden von knapp 12 Millionen Mark gegen- überstehen. Von der Proletarisierung, die der Politiker H u g«n b e r g als Vorbedingung zum Wieder- aufstieg dem deutschen Volk auserlegen will, merkt man bei dem Geschäftsmann Hilgenberg herzlich wenig. Die acht Vorstandsdirektoren der Ufa haben im vergangenen Jahr rund 770 000 M. an Gehalt und Nebenleistungen bezogen, so daß also auf den Kopf f a st 100 000 Mark entfallen. Auch der Auftichtsrat. dessen Vorsitz Herr Hugen- berg einnimmt, kommt mit rund 133 000 M. nicht schlecht weg. Die„Anpassung an die Armut der Nation" gist also nur für die geduldigen Wähler- schäfchen der Hugenberg-Partei, nicht aber für die deutschnationale Führerschaft. auszahlen lassen. Dagegen sind Zahlungen in dritter Valuta nach den bezeichneten Ländern im allgemeinen ausgeschlossen: die Bertragspart«isn müssen sich hier vielmehr über eine Umrechnung in Reichsmark oder in die im Lande des ausländi- schen Exporteurs geltende Währung einigen und dann in der bezeichneten Weise die Bezahlung vornehmen. Für die deutsche Devisenbewirtschaftung hat diese neue Zahlungswerse den weiteren Vorteil, daß künftig eine einseitige Belastung der deutschen Devisenbilan; vermieden wird, wäh- rend vor Abschluß dieser Abkommen zwar die Einsuhr aus diesen Ländern in Valuta bezahlt werden mußte, die Bezahlung des deutschen Ex- port? dorthin aber vielfach mit groß«n Schwierig- keiten verbunden war. Ottawa irndl Deutschland Wie„Times" aus Pretoria melden, ist der deutsch-südafrikonische Handelsvertrag dahin a b- geändert worden, daß Südafrika wegen der Ottawaer Abmachungen eine Ausdehnung seiner Vorzugszölle auf Waren aus England, den Dominien, Kolonien und englischen Mandats- gevtelen vornehmen darf, ohne daß dieje Lorzug»- zölle auch auf Deutschland Anwendung finden. Die abändernde Klausel unterliegt noch der Ratifi- zierung durch Deutschland und Südafrika Die deutsche und südafrikanische Regierung sind jedoch übereingekommen, daß sie vorläufig vom 24. Ok- tober ab in Kraft treten soll mit Ausnahme für solche Waren, die vor dem 13 Oktober nach der südafrikanischen Union verschifft worden sind. Neuer Pfundsturz Bank von England wieder am Ende? Gestern erlitt der Kurs des englischen Pfundes von neuem einen empfindlichen Rück- schlag. In Berlin wurde der niedrigste Kurs dieses Jahres mit 14,15 Mark für ein Pfund (am Sonnabend noch 14,29 Marks notiert. Die Notiz Pfund gegen Dollar hätte sogar nur 14.12 Mark rechnerisch ergeben. Dieser neue Pfundsturz rechtfertigt die Besürch- tung, daß die englische Währung wie vor einem Jahre wieder aufs schwerste bedroht ist. Die Bank von England hatte die Kursstützung (Abgabe von Gold uno Devisen gegen Pfund) in der vorigen Woche vorübergehend ein» gestellt, dann aber wieder ausgenommen. Wenn sie die Kursstützung gestern von neuem eingestellt hat, dann bleibt nur der Schluß, daß die Mittel des Valutoausgleichfonds tatsächlich er- schöpft sind. Die Kopitalabzüge des Aus- lands aus England scheinen viel stärker zu sein als die Rückflüsse englischer Kredite, obwohl die Rückzahlung den ausländischen Kreditnehmern «inen erheblichen Gewinn bringt. Dazu kommt das saisonmäßige Ansteigen der Einfuhr mit besonders hohen Devisenanforderungen. Erwartet wird zunächst eine Erhöhung des eng- tischen Diskontsatzes von 2 Proz., der bisher mit Rücksicht auf die englische Anleihekonversion niedrig gehallen wurde(New-Porker Diskontsatz 2ZHProz.!). Für die gesamte Weltwirtschaft, nicht zuletzt für die deutsche Ausfuhr, würden sich aus einem weiteren Sinken des Pfundkurses neue große Schwierigkeiten ergeben. Versteckte Gewinne Ueberraschung bei Görlitzer Waggon Der vom Aufsichtsrot genehmigte Abschluß der W u m a g, Waggon- und Maschinenbau A.-G., Görlitz, für das am 30. Juni beendet« Geschäfts- jähr 1931/32 bringt einen Verlustausweis von knapp 283 000 M. Da vom vergangenen Jahr noch ein Gewinnvortrag in Höhe von 420 000 M. vorhanden war, ergibt sich für 1931/32 noch ein Ueberschuß von rund 137 000 M. Ueberraschend aber ist die Mitteilung der Ver» waltung, daß„aus früheren Jahren" noch Ge- winne zur Verfügung ständen, die seinerzeit von den Aktiven in Abzug gebracht worden seien. Es handell sich hierbei um die er- kleckliche Summe von rund 619 000 M., die jetzt aus dem Versteck hervorgeholt werden. Das ist mehr, als für die Zahlung einer lOprozenti» gen Dividende(!) benötigt wird. Diese Ge- winne konnten in den Jahren als stille Reserven ausgespeichert werden, wo offiziell 10 bis 12 Proz. Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet wurden. Diese Fälle des plötzlichen Erscheinens gewaltiger stiller Reserven sind seit der Inkraftsetzung der Aktienrechtsreform nicht vereinzelt vorge- kommen und beweisen deutlicher als alles anders, daß die kapitalistische Hetze gegen die Sozial» demokratie, deren Politik angeblich die Substanz der Privatwirtschaft vernichtet habe, nichts als übelste Wahlmanöver sind. Die Görlitzer Waggon kann durch Heranziehung dieser Geheimreserve einen Ueberschuß von mehr als 756 000 M. für 1931/32 ausweisen, dos einer Dividende von 1214 Proz. entspricht. Liedlemnsen gesenkt Reichsdarlehen kosten nur 3,5 Proz. Die Reichsregierung hat beschlossen, unter Be- rttcksichtigung der wirtschaftlichen Loge der Land- Wirtschaft und insbesondere in Anbetrocht der Entwicklung der Preise für landwirtschaftliche Deredelungserzeugnisse, die Jahresrenten- l e i st u n g für sämtlich« mit R e i ch s m i t t« l n angesetzten landwirtschaillichen Siedler einschließlich der F l ü ch t l i n p s s i e d l e r auf die Dauer von zwei Jahren, beginnend am 1. Juli 1932, auf 3,5 Proz. zu senken. Die näheren Bestimmungen über die Durchführung dieser Reniensenkung wer- den demnächst bekanntgegeben. OOttS»-M die SunlicKl Seife jelzi so billig! Doppelstück jetzt 27 Pfg. Blockstück jetzt 23 Pfg. NEU/ 10 Pfg-Packung Hugenbergs Wohlfahrtsanstalt Ufa-Gewinne— 100000 M�rk für jeden Direktor Zahlungen im Außenhandel Die Verrechnungen im Zahlungsverkehr mit dem Ausland