Abend- Ausgabe Nr. 504 B244 49. Jahrg. Redaktion und«Verlag- Berlin SW 68. Lmdenstr. 3 F-rnspr-ch«-, A7 Am, Dönhoff IS? bi» IS? Ttl-grammadttss«! Tojioldemokra! Borlin BERLIN ER DIENSTAG 25. Oktober 1932 In Groß- Berlin 1 l) Pf. Auswärts....... 10 Pf. �ö«zugSbebingungen und Anzeigenpreise siehe am Schluß des redaktionellen Teil« Aentealoega« der Gozialdemotratischen Partei Deutschtands Das Arteil von Leipzig Eine balbe Entsebeidung— Verfassungsfragen sind Machtfragen! Preußen bedeutet. Das kann nicht ohne Rück- Wirkung auf ihre Stellung gegenüber der Beamtenschaft, gegenüber der Exeku- tive sein, die durch dieses Urteil des Staats- gerichtshoses darauf hingewiesen wird, daß die rechtmäßige preußische Staatsregie- rung nach wie vor besteht. Bin politische» Urteil Die Entscheidung des StaatsgerichtsHofs ist«ine politische, keine rechlliche. Der Staatsgerichts- Hof ist dem schweren Konflikt mit dem Reich aus- gewichen, der sich ergeben hätte, wenn er den Anspruch der preußischen Regierung in vollem Umfang anerkannt haben würde. Es ist aller- dings zuzugeben, daß Reichskanzler und Reichs- Präsident bei einer solchen Entscheidung in eine karastrophole Lage geraten wären. Diese Konsequenzen chres Eingriffs in die Rechte Preußens inußten sie aber tragen. Der Staats- gerichtshof hat die Papen-Regierung vor einer solchen Katastrophe bewahrt. Sein Urtell ist das Gegenteil eines salomonischen: es hat das strittige Kindlein fein säuberlich in zwei Hälften zerlegt und jeder der streitenden Mütter je eine Hälfte zuerkannt. In der Entscheidung des StaatsgerichtsHofs liegt die Verneinung des Hauptvor- wurfs, der von der Papen-Regierung gegen das Preußenkabinert Braun erhoben wurde, daß dieses nämlich seine Pflichten gegen das Reich verletzt habe. Als Entschädigung für diese sanfte Züchtigung gesteht aber die Entscheidung der Reichsregierung das Recht zu, auf Grund des Absatzes 2 des Artikels 48(wegen Störung der Ruhe und Ordnung) für bestimmte Aufgaben vorübergehend einen R e i ch s k o m- in i s s a r zu bestellen. Aber nur vorüber- gehend und für bestimmte Aufgaben- kreise. Die Existenz der preußischen Regierung als solche durste nicht angetastet werden. Damit bestehen nun nach diesem Urteilsspruch beide zu Recht: der Staatskommissar und die Preußen-Regierung, freilich mit einem gewaltigen Unterschied: der erste zwar vorübergehend, doch mit überragender Machtsüllc, die andere zwar als Daucrgcbilde, aber praktisch mit geringer Wir- tungsmöglichkeit. Wie sich das praktisch auswirken wird und soll, wissen die Götter. Die Begründung des Llrteils Der Begründung schickte der Borsitzende, Reichs- gerichtspräsident Dr. B u m k e, die Bemerkung voraus, daß er naturgemäß daraus verzichten müsse, die ganze Fülle der Gesichtspunkte, die in der Verhandlung zutage getreten seien, auch nur einigermaßen zu erschöpfen. Ueber den w e s e n t- lichen Inhalt der Gründe, von denen der Staatsgerichtshof bei seiner Entscheidung aus- gegangen sei, führte er aus: Die Anträge, über die der Staatsgerichtshof zu entscheiden hatte, zerfallen in drei Gruppen. Die e r st e Gruppe bilden die Anträge, die sich unmittelbar gegen die Verordnung vom 20. Juli und deren Auswirkungen richten. Mit der zweiten Gruppe wird eine Entscheidung des StaatsgerichtsHofs darüber angestrebt, daß gewisse Maßnahmen auf Grund des Art. 48 niemals und unter keinen Umständen getrossen werden dürfen. Die dritte Gruppe bildet der Antrag, durch einen besonderen Ausspruch festzustellen, daß die Behauptungen des Reichs, Preußen habe seine Pflicht gegen das Reich nicht erfüllt, nicht begründet und nicht erwiesen seien. vorgeworfen habe, konnte keine Folge gegeben werden. Diese Frage ist eine von den zahlreichen Vorfragen, zu denen der Staats- gerichtshof Stellung nehmen muß, um über die unmittelbar gegen die Verordnung gerichteten An- träge entscheiden zu können. Darauf, daß eine dieser Vorfragen zum Gegenstand eines b e s o n- deren Ausspruches im Urtellstenor gemacht werde, haben die Beteiligten kein Anrecht. Ein solches kann auch daraus nicht hergeleitet werden, daß eben diese Frage von besonderer politischer Bedeutung ist. Di« Anträge, die sich uimüttelbar gegen die Ber- ordnung vom 20. Juli und ihr« Ausfuhrung richten, sind von dem Lande Preußen, von zwei Fraktionen des Preußischen Landtags, von dem am 20. Juli im Amte befindlichen preußischen Mimstern und, soweit es sich um die Vertretung im Reichsrat oder sonst gegenüber dem Reiche handelt, auch von Bayern und Baden gestellt. Sie richten sich gegen das Reich, vertreten durch die Reichsregierung. Der Antrag der preußischen Minister ist zugleich gegen den Reichskanzler in seiner Eigenschaft als Reichskommissar für das Land Preußen erhoben. Die Fraktionen haben in der mündlichen Verhandlung versucht, diese Klage nach der gleichen Richtung zu erweitern. An der Anlragsbesugnis des Landes Preußen und auch der Länder Bayern und Baden besteht kein begründeter Zweifel. Auch an der Aus- sassung, daß das Land Preußen im gegenwärtigen Rechtsstreit durch die am 20. Juli amtierenden preußischen BUnister und durch die am 20. Zuli amtierende preußische Landesregierung vertreten wurde, hält der Staalsgerichtshos fest. Den beiden Fraktionen vermag der Staalsgerichtshos die Anlrogsbesugnis für den vorliegenden Fall nicht zuzuerkennen. Einen Streit gegen das Reich können sie nicht führen, weil sie zur Vertretung des allein zu einer Klage gegen das Reich befugten Landes nicht berufen sind. Dem Versuch, mit ihrer Klage das Verfahren auf den Reichskommissar auszudehnen, hat dieser widersprochen. Ohne seine Zustimmung kann die Ausdehnung in diesem Abschnitt des Verfahrens nicht mehr vorgenommen werden. Die Antragsbefugnis der einzelnen Minister ist zu bejahen, soweit ihr Antrag gegen den Reichs- kommissar gerichtet war. Insoweit liegt eine Versassungsstreitigkeit inner- halb des Landes Preußen vor. Sie ist dagegen zu verneinen, soweit das Reich als Antragsgegner in Anspruch genommen wird. Eine Streitigkeit gegen das Reich kann nur namens eines Landes, nicht von einer einzelnen Stelle oder Persönlichkeit im eigenen Namen, geführt werden. Bei der Stellungnahme zu den Anträgen, die unmittelbar Mu ediäutpft, wtc vcd dcc Ae&eiievscUaft? Leipzig, 25. Oktober. Der Neichsgcrichtsprasident Dr. Bumte verkündete pünktlich um 12 Uhr die Entscheidung des Ttantsgerichtshofes dahin: »Die Verordnung des Reichspräsidenten vom 20. Juli 1032 zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Gebiet des Landes Preußen ist mit der Reichsverfassung vereinbar, soweit sie den Reichskanzler zum Reichskommissar für das Land Preußen bestellt und ihn ermächtigt, preußischen Ministern vor- übergehend AmtSbefugnisse zu entziehen und diese Befugnisse selbst zu übernehmen oder anderen Personen als Ktommiffaren des Reiches zu übertragen. Diese Ermächtigung durfte sich aber nicht darauf erstrecken, dem preußischen «taatsmiuifterium und seinen Mitgliedern die Vertretung des Landes PrcußenimReichStag, im Reichs- rat, oder sonst gegenüber dem Reich oder gegenüber dem Landtag, dem Staatsrat oder gegenüber anderen Ländern zu entziehen. Solueit den Anträgen hiernach nicht ent- sprachen wird, werden sie zurück- g e w i e s e n." Was bedeutet das klrteil? Von besonderer Seite wird uns geschrieben: In dem Augenblick, da diese Zeilen in Druck gehen, ist die Rechtslage nach dem Leipziger Urteilsspruch noch nicht völlig zu überschauen. Aber eines steyt bereits fest, der Staatsgerichtshos hat ausdrücklich fest gestellt und damit Preußen gemäß seinem Antrage von dem tief- kränkenden Vorwurf der Pflichtverletzung befreit, daß eine Pflichtverletzung des Landes Preußen nicht vorgelegen ha». Infolgedessen Artikel 48 Abs. 1 nicht in Frage kommt. Neben dieser sehr wesentlichen Feststellung hat der Staatsgerichtshof verfassungsrechtlich den Herren von Papen und Bracht den Boden ihrer Existenz dadurch zum mindesten wesentlich beein- trächtigt, daß er den Kommissaren des Reichs- Präsidenten die Vertretung Preußens gegenüber den gesetzgebenden Körperschaften, also gegenüber Reichstag und Landtag Reichsrat und Staatsrat ausdrücklich genommen hat. Dadurch wird der provisorische Charak- t e r der Kommissarherrschaft betont. Ausdrücklich spricht der Staalsgerichtshos in seinem Urteil dem Reichskommissar nur die Befugnis zu, den preußischen Ministern nur vorübergehend die Ver- sügungsberechtigung über ihre Aemter zu ent- ziehen. Das bedeutet, daß die Pläne des Herrn von Papen, Dersassungsresorm aus dem kvege über die Zustimmung durch den Reichsrat zu betreiben, empfindlich gestört sind. Dean die preußischen Reichsrotsslimmen werden nunmehr allein lnslrnier» und geführt von der Regierung Braun-Hirtsieser. Einen großen Teil der in den Anträgen nieder- gelegten Fragen hat der Staatsgerichtshof u n- beantwortet gelassen. Es steht fest, daß das Urteil des Staatsgerichts Hofes für den Reichskanzler von Papen und seinen Preußenkommissar, Henr Bracht, eineschwere Beeinträchtigung in ihrem Ansehen gegen- über den geletzgebenden Körperschaften des Landes Eine sachliche Entscheidung aus die Anträge der zweiten Gruppe hat der Staalsgerichtshos abgelehnt. Er verneint nicht. daß die Länder ein Interesse daran haben, die Grenzen, die bei Maßnahmen aus Grund des Artikels 48 den Ländern gegenüber eingehalten werden müssen, ein für allemal festgestellt zu sehen. Dieses Interesse ist aber politischer Jl a t u r und reicht nicht aus, um die Annahme zu begründen, daß eine Streitigkeit im Sinne des Artikels 49 der Reichsversassung vorliegt. Dieser Begriff erfordert anders als der in den Artikeln 13 Abs. 2 und IS Abs. 3 der Reichsver- sasiung umschriebene Begriff der Meinungsoer- schiedenheit das Vorliegen eines bestimmten Einzeltatbestandes. An diesem fehlt es bei den Anträgen Bayerns und Badens mit einer Ausnahme. Diese Ausnahme bildet der An- trag, festzustellen, daß auf Grund des Artikels 48 die Vertretung eines Landes gegenüber dem Reich insbesondere die Vertretung eines Landes im R e i ch s r a t nicht angetastet werden darf. Insoweit sind durch das Vorgehen gegen Preu- ßen die Jnteresien der anderen Länder unmittelbar in Mitleidenschaft gezogen. Hier ist somit ihre Antragsbefugnis anzuerkennen. Die sachliche Ent- scheidung über diesen Teil der Anträge ergibt sick aus der Entscheidung über die unmittelbar gegen die Verordnung gerichteten Anträge. Auch dem Verlangen, ausdrücklich auszusprechen, daß das Reich dem Lande Preußen zu Unrecht ein« Nichterfüllung von Pflichten Als Sozialdemokratie und freie Gewerkschaften für die Einführung und den Ausbau des Tarifvertrag- w e f e n s gekämpft haben, schrien die Kom- munisten über„Tarifschwindel". Sozialdemokratie und G e w e r k- s ch a f t e n haben die Tariflöhne erkämpft. Sie verteidigen sie jetzt mit Erbitterung. Die Kommunisten setzen sich jetzt ein für Verteidigung der Tariflöhne, die sie bisher als„Schwindel", als„Lohnraub" bezeichnet haben! Sozialdemokratie und f r e i e G e- werkschaften haben die � r w e r b s- lofenfürforge erkämpft, ad die Kom- munisten? Bei den Beratungen übe. das Arbeits- lofenversicherungsgefetz im Jahre 1927 hat ihr Fraktionsredner Rädel im Reichstag eine Erklärung abgegeben, die folgende Sätze ent- hielt: .Die kommun stlsche Fraktion hat bei den Vera- wogen über das Arbellsloseaversicherungsgesch keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie grundsätzlich gegen dieses Gesetz ist... Gemeinsam mit dem Bürgerblock, mit den Klassengegnern des Proletariats, hat die Sozialdemokratie dieses reaktionäre Gesetz geschassen. Sie rühmt sich. daß durch ihre Initiative die Schassung der Erwerbslosenversicherung erreicht worden sei. Mit ihrer Zustimmung übernimmt die Sozialdemokratie die vollständige Mitverantwortung für dieses neue Klassengesetz. Die kommunistische Fraktion lehnt dieses G e- seh, das ein Stück der reaktionären Bürgerblock- polittk ist, ab." Jetzt müssen die Kommunisten anerkennen, daß es sich nicht um„reaktionäre Bürger- blockpolitik" handelt, sondern um soziale Er- rungenschaften, die verteidigt werden müssen im Interesse der Arbeiterschaft. Diese sozialen Errungen- schaften hat die Sozialdemokra- tie erkämpft! Die Sozialdemokratie erblickt den Haupt- feind in der Reaktion und in den National- sozialisten. Die Kommunisten erblicken den Hauptfeind in der Sozialdemokratie. Arbeiter, nun urteilt! Lee B&zicktvo&siaud dec SED—ßecUu Das Befinden der Gängerin Das Befinden Gertrud JIndernagels ist nach einer Mitteilung des Chefarztes Dr. Erich Tieuperl vom Krankenhaus Westend in den M'tlagsstunden im groheu und ganzen unverändert. Die gestern verbreitete Ttachricht, daß sich die Künstlerin bereits außer Lebensgefahr befindet, trifft leider nicht zu. Es werden Komklikationen befürchtet, da die Zterzte nach dem lchlen Befund mit der Gefahr einer Bauchfellentzündung rechnen. Durch das Geschoß, das noch nicht enfernt werden konnte, ist der Darm verleht. Der Zustand der Künstlerin hat eine polizeiliche Vernehmung noch nicht zugelassen. Die polizei- liche Untersuchung hat dadurch eine Unterbrechung erfahren, daß die Aussagen der Ueberfallenen tür die weitere Beurteilung der Tat von Bedeutung sind. Die Vernehmung des Gallen Gertrud Binder- nagels, des Attentäters s) i n ß e, zog sich bis heute früh hin. Während H. noch am Montagvormittag keine genauen Einzelheiten angeben konnte, änderte er in den Nachtstunden seine Taktik. Er bestrellet, die Absicht gehabt zu haben, seine Frau töten zu wollen. Seine Angaben werden durch die Aussagen der Zeugen in vielen Bunt- ten widerlegt. So behaupten die Zeugen, daß er durchaus nicht betrunken gewesen sei. Nach den Komplikationen bekürcktet Angaben der Verwandten der Frau Bindernagel ist dem Altentat bestimmt kein Wortwechsel vor- ausgegangen, er hätte besthumt geHort werden müssen. Die Pistole ist am Sonuaoend von einem Sachverständigen nachgesehen worden, ch. ver- kaust« diesem Mann ein Jagdgewehr und zeig!« ihm dabei die Pistole. Der Käufer sah sich die P stol« an und sagte, daß sie gut in Ordnung wäre. H. steckte die Waffe dann wieder zu sich. Trotz aller Borhallungen bleibt e: bei-einer Dar- stellung und behauptet, daß nichts passiert wäre, wenn er seiner Frau allein gegenübergestanden hiitte Die Anwesen- heit der Verwandten hätte sie unzugänglich ge- macht. Im Laufe des heutigen Tages wird Hinge dem Vernehmungsrichter btim Amtsgericht Ehar- lottenburg zugeführt. Greisin verbrannt LcKrecKensLTenen im Gartenhaus Bei einem Dohnuagsbrand in der H e l m- siebter S t r. 2 ö in Wilmersdorf spielten sich in der vergangenen Nacht Schreckensszenen ab. Eine gegen die Verordnung vom 20. Juli und deren Ausführung gerichtet sind, war zunächst über die strittig gewordene Frage zu entscheiden, w i e diese Verordnung auszulegen ist. Die Antragsteller gehen davon aus, daß die Verordnung dem Reichskommissar die Befugnis einräume, die preußischen Minister endgültig ihrer Aemter zu entheben. Das Reich vertrat da- gegen die Auffassung, daß die Verordnung in einem engeren Sinne zu verstehen sei und den Reichskommissar nur ermächtige, die preußischen Minister vorübergehend ihres Amtes zu entheben, im übrigen also eine Maßnahme zu treffen, die der vorläufigen Amtsenthebung, der Suspension des Beamtenrechts entspreche. Der Wortlaut der Verordnung, in dem schlechthin von Amtsenthebung die Rede ist, spricht für die weitere Auslegung. Die Prüfung des Staatsgerichtshofs mußte sich daher auch auf die Frage erstrecken, ob eine Ermächtigung dieser Art mit der Reichsverfassung vereinbar ist. Von der so ge- wonnenen Grundlage aus war zunächst darüber zu befinden, ob die Verordnung vom 20. Juli in dem Abs. 1 des Art. 48 der Reichsverfassung die erforderliche Stütze findet. Diese Frage hat der Staatsgerichtshof verneint. Die Vorschrift gibt dem Reichspräsidenten für den Fall, daß ein Land seine Pflichten gegenüber dem Reich nicht erfüllt. die Befugnis, das Land mit Hilfe der bewaffneten Macht zur Pflichterfüllung anzuhalten. Die Auf- fassung, daß es sich bei den Voraussetzungen des Art. 48 Abf. 1 um eine reine Ermessene» frage handle, vermag der Staatsgerichtshof nicht zu teilen. Keine pflichtverletaing Preußens! Die Behauptungen, auf die das Reich den Vor- wurf der Nichterfüllung von Pflichten gründet, bestehen zum Teil aus Handlungen, die nicht von den verantwortlichen Trägern der Staatsgewalt in Preußen, sondern von nachgeordneten Person- iichkeiten vorgenommen worden sind. In solchen Handlungen kann eine Pflichtverletzung des Landes Preußen nicht gefunden werden. Andere Anführungen scheiden deshalb aus— wie insbesondere die Darlegung des Verhällnisies des Landtags und die Verausgabung staatlicher Mittel für parteipolitische Zwecke— weil hier eine Pflichwerletzung gegenüber dem Reich nicht in Frage kommt. Ein weiterer Vorwurf geht dahin, daß der preußische Minister des Innern, Dr. Severin g, die Politik der Reichsregierung in der O«fsentlich- keit in einer der Treupflicht Preußens gegenüber dem Reich« widersprechenden Weis« bekämpft habe. Es mag zugegeben werden, daß in Zeiten höchster politischer Spannung«» in besonders scharfen An- griffen von Ministern eines Landes auf die Politik dos Reiches die Verletzung einer Treupflicht ge» flinden werden kann. Die Möglichkeit, in solchen Angriffen eine Pflichtverletzung des Landes zu er- blicken, wird auch dadurch nicht ohne weiteres ausgefchlosstn, daß der Minister nicht in amtlicher Eigenschast, sondern als Privatmann oder als Parteimitglied handelt. Die Prüfung der Aeußerungen des Ministers Dr. Seoering ergibt aber, auch wenn man sie im Lichte der gesamten damaligen Lage vornimmt. daß sie das Maß der gebotenen Zurückhaltung nicht derart überschreiten, daß darin eine Pflichtverletzung de» Landes gegenüber dem Reiche erblickt werden kann. Hiernach bleibt zur Stützung der Behauptung einer Pflichtverletzung nur die eine vom Reiche am stärksten betont« Anfüh- rung übrig, daß die preußische Regierung es an der erforderlichen Tatkraft bei der Bekämpfung der kommunistischen Bewegung Hab« fehlen lassen. Diese Behauptung ist in der mündlichen Derhand- lung dahin zergliedert worden, daß sie zwei Vorwürfe enthält. Einmal habe e» dem preu- ßischen Ministerpräsidenten und dem preußischen Innenminister als Mitglieder der Sozialdemokra- tischen Partei angesichts der innerhalb ihrer Partei damals hervorgetretenen Wünsche nach einem Zusammenschluß mit den der Kommunist!- schen Partei angehörenden Arbeitern an der nötigen inneren Freiheit zur Bekämpfung der Kommunisten gefehlt und sie hätten infolgedessen die nötige Tatkraft oermissen lassen. Ferner aber hätten sie mindestens erkennen müssen und auch erkannt, daß die Kommunisten im Hinblick aus jene Strömungen zu der Auffasiung gelangen würden, daß eine Regierung mit starkem sozial- demokratischem Einschlag ihnen gegenüber im ent- scheidenden Augenblick von den staatlichen Macht- Mitteln nicht bis zum äußersten Gebrauch gemacht werde. Aus den Behauptungen zur Begründung dieser Borwürfe ergibt sich für keinen der beiden Borwürfe eine genügende Stütze. Insbesondere bilden die vom Reiche beigebrachten Aussagen von Beamten der preußischen Staatsvcrwal- tung keinen Anhalt für die An- nähme, daß der preußische Innen- minister es wirklich an der nötigen Tat- kraft gegenüber den Kommunisten habe fehlen lassen. Soweit diese Aussagen überhaupt bestimmt« Angaben enthalten, und nicht nur allgemeine Ein- drücke und Stimmungen wiedergeben, geht aus ihnen nicht mehr hervor, als daß der. preußische Minister des Innern mitunter Anregungen zu be- stimmten Maßnahmen gegen die Kommunisten keine Folge gegeben hat, die entscheidende Frage aber, ob das Verhalten des Ministers nicht durch sachliche, in der jeweiligen politischen Lage be- gründete Erwägungen begründet war, ist offen geblieben. Nur dann, wenn diese Frage zu verneinen und wenn die entsprechenden Motive zu einer inneren Unfreiheit und fehlenden Tatkraft gegenüber den Kommunisten zu suchen wären, könnte von einer Pflichtverletzung gegenüber dem Reiche die Rede sein. Auf Abs. 1 des Art. 48 kann hiernach die Berordnung vom 20. Juli nicht begründet werden. Damit erübrigt sich im vorliegenden Rechtsstreit eine Stel- lungnahme des Staatsgerichtshofes zu der Frage» welche Befugnisse für den Reichspräsidenten der Abs. l in sich schließt und ob und inwieweit bei einem Borgehen auf Grund dieser Borschrift gewisse Formen zu beachten sind. /�rtileel 48, Abs. 2 D«r Absatz 2 des Art. 48 gewährt dem Reichspräsidenten für den Fall, daß im Deutschen Reich die öffentliche Sicherheit»riö Ordnung erheb- lich gestört und gefährdet ist dos Recht, die zur Wiederherstellung nötigen Muhnahmen zu treffen, erforderlichenfalls mit Hilfe der bewafineten Macht einzuschreiten. Er gibt zugl-icki d>e Befugnis, zu diesem Zweck bestimmte Grundrechte außer Kraft zu setzen. Zu der Frag«, ob der Staatsgerichtshof im Streitfall den Umfang der Voraussetzungen des Art. 48'Abl 2 nachzuprüfen hat oder ob er insoweit bei feiner Entscheidung di« Zluffassung des Reichspröfidemen zugrunde zu legen habe, hat der Str't.mer'chtshof bisher nie- male Stellung genommen. Im vorliegenden Falls bedarf es einer Stellungnahiu: zu dieser Frage nicht, denn es ist offenkundig, daß die Verordnung vom 20. Juli in einer Zeit schwerer Störung und Gefährdung der öffentlichen S'll, erheit und Ord- n u ng erlassen wurde. In jenem Zeitpunkt standen große politische Parteien einander bewaffnet in erbitterter Feind- schast gegenüber. Die Feindseligkeiten entluden sich fast täglich in blutigen, zahlreiche Menschen- leben vernichtenden Ueberfällen. Zugleich aber bestand die ernste Gefahr, daß die innenpolitische Spannung sich noch weiter steigern und zu einer unmittelbaren Gefahr der Grundlagen unseres Verfassungslebens auswachstn werden. D i e Voraussetzungen für ein Ein- schreiten auf Grund des Art. 48 Abs. 2 waren danach ohne weiteres gegeben. Aus der Größe der Gefahr ergibt sich zugleich, daß es das Recht und die Pflicht de? Reichspräsi» deuten war, zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung alle ihm geeignet er- scheinenden Mittel anzuwenden, soweit sie mit der Reichsverfassung vereinbar sind. Der Reichspräsident konnte in dieser Lage nach pslichlmähigem Ermessen zu der Auffassung gelangen, daß es geboten fei, nicht nur die polizeilichen Machtmittel Preußens in die Hand des Reiches zu legen, sondern die gesamten staatlichen Machtmittel de» Reiches und Preußens in einer Hand zusammenzufassen und die Politik des Reiches und Preußens in einheitliche Dahnen zu lenken. Hieran würde nichts ändern können, wenn die Behauptung Preußens zuträfe, daß die Gefahren- läge zum mindesten zu einem Teil auf die eigenen innerpolitischen Mahnahmen der Reichsregierung zurückzuführen sei. Eine Ermessensüberschreitung würde dann vorliegen, wenn sich ergäbe, daß in der Verordnung vom 20. Zuli Maßnahmen getroffen worden sind, die offensichtlich über den Zweck der Wiederherslelluog der össeollichen Sicherheit und Ordnung hinausreichten. Für eine solch« Annahme fehlt e» an einem Auhall. Znsbesondere Ist eine Ermessensüberschreiwng nicht darin zu erblicken, daß die Berordnung den Reichskom- miffar nicht nur gegenüber dem preußischen Ministerpräsidenten und dem preußisthen Minister des Znnern, sondern auch gegenüber allen anderen preußischen Ministern zu einem Einschreiten ermächtigt hat. Die Frage aber, ob der Reichskommissar bei seinen Maßnahmen gegen diese anderen preußi- schen Minister sachgemäß versahren ist. hatte der Staatsgerichtehof nicht nachzuprüfen. Soweit die dem Reichskommissar erteilte Ermächtigung mit dem Reichskommisfar in Einklang steht, war er befugt, von dieser Ermächtigung nach seinem eigenen Ermessen Gebrauch zu machen. Was er in dieser Beziehung getan hat, hat er n u r gegenüber dem Reichspräsidenten zu verantworten. Die Maßnahmen des Reichskommissars können daher als solche den Staatsgerichtshof nur beschäf- tigen, soweit sie etwa die Grenzen der ihm er- teilten Ermächtigung überschreiten. Die Maßnahmen aus Artikel 48 Wsatz 2 müssen ober nicht nur dem Zweck dieser Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung wider- sprechen, sondern sich auch in den unüberschreit- baren Grenzen halten, die sich aus dem Zusammen- hang jener Vorschriften mit den anderen Be- stimmungen der Reichsverfassung ergeben. Der Staatsgerichtshof hat sich in seiner bisherigen Rechtsprechung ständig zu der Ansicht bekannt, daß der Reichspräsident, abgesehen von der ihm freigegebenen vorübergehenden Außerkraftsetzung und diesen Grundrechten an olle vor- schrislen der Reichsverfassung gebunden ist, die nicht lediglich die Zuständigkeiten des Reiches gegenüber den Ländern oder die Zuständigkeiten der verschiedenen Reichsorgane gegeneinander abzugrenzen. An dieser Rechtsansicht ist festzuhalten. Danach ist der Inhalt der angefochtenen Ver- ordnung an sich zulässig, sowell er als eine bloße Verschiebung von Zuständigkeiten, als eine Uebertrogung von geschäftlichen Befugnissen von der Landesregierung an ein Reichsorgan aufgefaßt werden kann. Dagegen ist er mit der Reichsver- fassung nicht vereinbar, soweit durch die Berordnung in andere Vorschriften der Reichsverfassung eingegriffen wird. Zu den Verfassungsvorschristen, die in der Haupt- sache nicht bloße Grenzziehungen von Zuständig- leiten enthalten, gehören die Bestimmungen über die Stellung der Länder innerhalb des Reiche, und über den Aufbau der Länder insbesondere in den Artikeln 17. S0 und S3. Der Artikel 17 schreibt vor, daß jedes Land eins freistoallich« Verfassung haben muß, die sich auf der Volksvertretung auf- baut. An Stelle dieser Landesregierung kann auch vorübergehend kein anderes Organ gesetzt werden. Die preuÜiscbs Regierung besteht zu Recht Artikel 63 bestimmt, daß die Länder im Reichsrat durch die Mitglieder ihrer Regierungen vertreten werden. Diese Vor- schrist ist, weil der Eintritt der Länder auf die Gesetzgebung und Verwaltung des Reiches nach Artikel 60 durch den Reichsrat ausgeübt wird, für die Länder von höchster Bedeutung. Diese Vertretung im Sinne des Artikels 48 Absatz 2 einem Lande zu entziehen und sie auf einen Reichskommisiar zu übertragen, bedeutet eine wesentliche Beeinträchtigung der Stellung des Landes im Reiche und eine dem Wesen des Reichsrats widersprechende Ver- änderung seiner Zusammensetzung. ?Sjährige Frau fand bei dem Feuer den Flammentod. Im ersten Stockwert des Gartenhauses wohnte die alleinstehende 78 Jahre alte Witwe Hedwig L e v y n. Gegen 3 Uhr wurden Mieter de» Hinterhauses plötzlich durch gellende Hilferufe aus dem Schlaf geschreckt Der Aufgang des Hinter- gebäudes war völlig verqualmt und aus den Fenstern der im ersten Stockwerk gelegenen Woh- nung der Greisin schlugen meterlang« Flammen empor. Die Feuerwehr erschien auf den Alarm„Menschenleben in Gefahr" mit mehreren Löschzügen. Die Schreie in der Woh- nung der alten Frau waren inzwischen ver- stummt. Ein Löschtrupp drang gegen die brennende Wohnung vor. Dabei ereignete sich gleich ein schwerer Unfall. Der Feuerwehrmann Braun von der Wache Wilmersdorf wurde beim Einschlagen der Tür von einer Stichflamme getroffen und am Kops schwer verletzt. Der Verunglückte mutzte ins Krankenhaus gebracht werden. Durch starkes Wassergeben gelang es dann, den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Die greise wohnungsinhaberin wurde, fast bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, aus den rauchenden Trümmern geborgen. Die Entstehungsursache des Brandes ist bisher noch völlig ungeklärt. hiernach geht es nicht an. einen Reichs- kommifsar als Landesregierung einzusehen und dle verfassungsmäßig bestellten Minister ihres Amtes zu entheben. Die Veränderung läßt sich aber unter dem Gefichtspunkt der Zuständig- keitsverfchiebung innerhalb der Grenzen, dle sich hieraus ergeben, rechtfertigen. Die Befugnisse der preußischen Minister in Landesangelegen- Helten konnten unter Delasfung der gegen- wärtigen Minister in ihrer Amtsslellung von der Landesstaatsgewalt abgetrennt und dem Reichskommisfar als Reichsorgan übertragen werden. Es muß die verfassungsmäßige Landesregierung als Organ des Landes selbst bestehen bleiben. Es muß ihr die Vertretung des Landes gegenüber dem Reiche, insbesondere im Reichsrat und Reichs- tag, wie gegenüber anderen Ländern belassen wenden. Auch die verfassungsmäßigen Rechte und Pflichten gegenüber den anderen höchsten Landes- organcn können der Landesregierung nicht ge- nommen werden. Der Staatsgerichtshof verkennt nicht, daß die Entscheidung, die sich hieraus ergibt, zu Rei- b u n g e n zwischen dem Reichskommisiar und preußischen MinistcrN geführt hat. Die Rücksicht hierauf kann aber nicht bewirken, daß die ver- fassungsmäßigen Garantien der Länder beiseite geschoben werden. Bei einem jeden Diktatureingriff besteht die Gefahr von Reibungen zwischen dem Reichskommissar und der Landesregierung. Aufgabe beider Stellen ist es, diese Reibungen durch eine erträgliche Zusammenarbeit zum Wohle de» Landes und des Reichs zu über- winden. Soweit etwa eine Landesregierung in dem ihr verbleibenden Aufgabentreis die Geschäfte in einer Art führen sollte, in der eine Rechts- Verletzung gegenüber dem Reiche zu erblicken ist, würde der Reichspräsident auf Grund von Ar- tikel 48 Abs. 1 weitergehende Eingriffe in die Rechte des Lande» vornehmen können. Zm übrigen steht es beim Preußischen Land- tag, durch Bildung einer neuen preußischen Landesregierung dem jetzigen Zustand ein Ende zu bereiten. Mußte hiernach der preußischen Landesregie- rung die Ausübung des Stimmrechtes im Reichs- rat belassen werden, so konnte ihr folgerichtig auch die Befugnis nicht entzogen werden, den vor- handenen' Bevollmächtigten weiterhin An- weifung en für die Ausübung ihrer Rechte zu erteilen. Dem Reichskommisiar konnte weder diese Befugnis noch das Recht über- tragen werden, die bisherigen Bevollmächtigten im Hauptamt in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen oder neue Bevollmächtigte für den Reichsrat zu ernennen. Dagegen lassen sich aus der Reichsverfassung im übrigen keine begründeten Beden- ken gegen die Ausstattung des Rsichekommifsars mit der Befugnis herleiten, Beamte in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen, zu ernennen, zu befördern oder zu entlassen. Wenn dem Reichskommissar weiter die Befugnis zur Aufnahme von Anleihen für Zwecke des Landes gegeben wird, so erledigt sich diese Frage mit der sich aus Art. 6S der preußischen Ver- fassung ergebenden Bestimmung, wonach die Be- schaffung von Geldmitteln im Wege des Kredites nur durch Gesetz erfolgen soll, also die Zu- stimmung des Landtages erforderlich ist. Damit rechtfertigt sich die getroffene Entscheidung. Drummond in Berlin. Nachdem er in Italien ein Zusammentreffen mit Mussolini gehabt hat, ist der Generalsekretär des Völkerbundes. Sir Eric Drummond, am Montag in Berlin eingetroffen, um mit frer Reich-regierunq über die Neubesetzung des Untergeneraljekrelärpoftens zu verhandeln. Die„Neue Gtaatsfiihnmg" Zur Personalpolitik des Reichskommissars Durch die Presse geht die Antwort des Beauf- tragten des Reichskommissars, Dr. Bracht, auf die Anfrage des Naz�mannes Kube im Landtag, warum im Kreise Kalau statt des angeblichen Staatsparteilers Dr. Krause nicht ein Nazipartei. buchbeamter zum kommissarischen Landrat bestellt worden sei, denn die NSDAP, habe den weitaus größten Teil der Bevölkerung des Kreises Kalau hinter sich. Diese Behauptung des Kube ist Schwindel. Die „marxistischen" Stimmen übersteigen im Gegenteil die Nazistimmen um rund 6000 und mit den mehr als bOOO Stimmen anderer bürgerlicher Parteien bei einer Gesamtstimmenzahl von rund 37 000 gegenüber 25 000 Nazistimmen um rund 12 000. Auf diese Tatsache muß in seiner Antwort sogar Herre Bracht auf die Anfrage hinweisen. Für die Sozialdemokratische Partei und die Arbeiterschaft ist aber eine Wendung in der Ant- wort des Herrn Bracht über die Person des neuen kommissarischen Landrats Dr. Krause von beson- derem Interesse. Es heißt da u. a.: „Dr. Krause hat es insbesondere verstanden, seine persönliche politische Ansicht dem Staats- dienst unterzuordne n." Was meint Herr Dr. Bracht damit? Will er sagen, daß es ein Verdienst ist, daß Herr Krause. obwohl er Staatsparteiler war, sich der jetzigen voll-, und verfassungsseindlichen Papen-Bracht- Regierung restlos zur Verfügung gestellt hat und die gegen das Volt und den demokratischen Staat gerichtete Politik dieser Herren auf das beste unterstützt? Er hat ja aber auch die srühere Re- gierung, und zwar als Staatsparteiler aus tiefster „Ueberzeugung"„unterstützt". Bruno Walter begann den Zyklus seiner Konzerte mit Verdis über alle Worte Herr- lichem„R e q u i e m". dessen Itthurgischen Text brandende Fülle musikalischer Phantasien über- flutet. Apokalyptische Gesichte, Höllenangst, Erden- not und Himmelsträume, tn uralten feierlichen Formeln eingefangen, lateinischen Abbreviaturen des Glaubens, der Liebe, des Lebens— hier wurden sie, unkirchlich symbolisch genommen. dramatisch lebendige, lebensnahe Musik von unheimlich großer Gewalt. Unbeschreiblich, mit welch innerer und äußerer Ruhe, mit welch sicherer Beherrschung des Riesenapparates(Kittel- scher Chor, Phicharmonisches Orchester) Walter das Werk erstehen ließ. NemetH, Th or» borg, Sitte jch, S ch e y waren die Solisten, sämtliche über schöne Stimmen verfügend, wenn auch stilistisch recht uneinheillich: jede und jeder der vier sang sozusagen im eigenen Raum. Die Singakademie brachte unter Georg S ch u- mann, ihren Direktor, Robert Schumanns lyrisches Chorwerk„Paradies und Peri" zu Gehör: als Einleitung des Abends erklang— zum erstenmal in Verlin— Heinz Schuberts „Hymnus" für Sopransolo, Chor und Orchester nach Worten des persischen Zarathustra: ein gut gemachtes, klang, und wirkungsvolles, ein wenig äußerliches Stück, dem die Solistin Merz- Tunner zu schönem Erfolg verhalf. * Bleibt von zwei auegezeichneten Arbeiterchören zu berichten: dem„Sängerchor Berlin Seit einigen Tagen ist das Ermeler-Haus in der Breite Straße der Allgemeinheit zugänglich ge> macht, und es erfreut sich eines überaus regen Besuches. Der Berliner bekommt ja dort nicht nur ein Musterbeispiel Altberlier Wohn» kultur tn unverfälschtem Zustand van Anno 1870 zu sehen, sondern auch einen über- aus ersreulichen Ableger des Märkischen Museums, das die rückwärtigen Zimmer in vorbildlichem Geschmack hergerichtet und mit seinen Beständen angefüllt hat. die in einem näheren Zusammenhang mit dem Patrizierhaus stehen; Berliner Bildnisse des 18. Jahrhunderts, Pfeifentöpfe, Spielzeug, Puppenstuben, Hauswirt- schaftliche und Küchengeräte nebst einer Samm- lung kurioser Beleuchtungskörper aus dem Berlin von 1700 bis 1870 sind in hellen Räumen ge- Ichmackvoll und sparsam aufgestellt. Direktor Dr. Stengel oerdient das höchste Lob für diese Neueinrichtung. Bor allem interessieren die Gesellschastsräume des ersten Geschosses, die Peter Friedrich Damm. Armeelieferant des Königs, um 1760 neu her- richten lieh, und die nunmehr von den Malern Agthe und Longhammer in ihrer alten Schönheit sorgfältig wiederhergestellt worden sind. Schon die Wendeltreppe mit dem köstlichen vergoldeten Schmiedegitter und persstettivistischen Malereien führt in den Geist der Rokokokultur ein: besonders bezeichnend die Prunkräume im Aber ist es insbesondere zutreffend, daß der für den Sozialdemokraten Freier berufene kommissa- rische Landrat Dr. Krause sowie der als Ersatz für den Sozialdemokraten Fitzner zum kommissarischen Reglerungspräsidenten ernannte und mit dieser Stellung belohnte Ministerialrat Thönner in Frankfurt a. d. O. Aussagen gemacht haben, die der Papen-Bracht-Regierung als Unterlage für das verfassungswidrige Vorgehen am 20. Juli 1932 und als Material für das Verfahren vor dem Staatsgerichtehof gegen die rechtmäßige preu- hische Staatsregierung gedient haben? Eine Bejahung dieser Frage würde allerdings Herrn Bracht recht geben mit seiner Behauptung, daß Herr Krause seine staatsparteiliche Ansicht der neuen Art von Staatsauffassung, wie sie durch die Herren Papen-Bracht repräsentiert wird, untergeordnet hat. Treffen diese Vermutungen zu, so können sie nicht besser gekennzeichnet werden, wie Ministerial- direktor Brecht das vor dem Staatsgerichtshof tn Leipzig getan hat, als er am Schluß seiner Aus- führungen noch schwere Angriffe gegen die Reichs- regierung richteie, weil sie bei der Sammlung von Material gegen die � preußische Regierung außerordentlich eigenartig vorgegangen sei.„Sie habe nicht nur alle Akten durchstöbert und durch- sucht, um Vorgänge zu finden, die man der preu- ßischen Regierung zum Vorwurf machen könne, sondern sie habe auch die Beamten ver- nommen und dazu veranlaßt, un- günstige Aussagen über die bis- herigen Minister zu machen. Ein solcher Vorgang ist einzigartig in der deutschen Geschichte. Niemals, auch nicht nach dem Um- 1 90 0", sowie dem„Männerchor Fichte- G e o r g i n i a", die unter ihren Chormetstern Georg Oskar Schumann und Wilhelm Knöchel zu hören waren. Beide Chöre ver- fügen über schönes Stimmaterial, sorgfältige Schulung und heiligen Eifer für die künstlerische Sache. Der„Sängerchor" ist lyrischer eingestellt, auf häufiges An- und Abschwellen, auf Crescendo und Decrescendo bedacht(was übrigens nicht immer ein Vorteil sein muß):„Fichte-Georginia" singt zusammengefaßter, geballter, männlicher, kontrastreicher. Was freilich die Programme beider Chöre anlangt, hätten sie(insbesondere bei „Fichte-Georginia") etwas weniger gemütlich sein, hätten sie zettnäher ausfallen, sozialistischer ton- zipiert werden können und müssen. Arbeitersänger zu sein, ist ja nicht nur eine künstlerische Ausgabe, es ist zugleich ein« politisch« Ver» p f l i ch t u n g. Es soll und darf heute nicht mehr vorkommen(wie es beim Sängerchor der Fall war), daß in einem Arbeiterchorkonzert ein Wald- horitquortett als Einlage Abts„Waldandacht" spielt, daß wir auf solche Weise also die ältesten Ladenhüter bürgerlicher Kunst verbrauch«» Auch „Fichte-Georginia" hatte mit seinen Einlagen wenig Glück: die Altistin L i s B e ck hat noch viel, sehr viel an Technik und Vortrag zu lernen, ehe sie sich der Oeffentlichkeit wieder präsentiert; und H a u s ch i l d. ein sympathischer Baritonist, be- mühte sich vergeblich um sehr gleichgültige Lieder von Kanetscheider und Petschnig, die er zur Uraufführung brachte. A. W. Obergeschoß Mit Architekturmalereien von dem Theatermaler Fechhelm im großen Saal, dem reizenden Vogelzimmer und der Wiedergabe des Gutes Dammsmühle in Niederbornim, die einen anschaulichen Begriff von den Wochenendfreuden eines wohlhabenden Zeitgenossen Rousseaus und zugleich die erste wirkltchkeitstreue Landschasts- darstellung der Mark gibt. Das zweite Geschoß ist für wechselnde Ausstellungen bestimmt. Zunächst hat man in einigen Zimmern Kostproben jüngster Wohn- weise dargeboten: spätes Biedermeier. M a k a r t z e i t von 188S mit muffiger Plüsch- garnitur und überreicher Ornamentik„aus unser Väter Werk" und Jugendstil von 1900. Bei dem unausgeglichenen Verhältnis, das wir zur Lebensauffassung unserer Väter und Großväter haben, lag eine tarikatuvstlsche Aufsasiung dieser wenig ansprechenden Gebrauchskunst nahe; ge- rechter« Beurteilung im historischen Sinn wird das Lächerliche solcher Extreme demnächst wohl etwas milder» können. Durchaus zu begrüßen ist die Gedächtnisschau für Max S l e o o g t, die in diesen schönen Zimmern das Märkische Museum veranstaltet hat Es ist die Sammlung, die Slevogts Freund Eduard Fuchs von Gemälden und Zeichnungen zusammengebracht hat: sie gibt ein sehr anregen- des Bild seines Schaffens, gerade das Persönliche und Zufällige ihrer Entstehung spricht klar und stürz, wurde von einer neuen Regie- rung in solcher Weise Material gegen ihre Vorgängerin gesammelt. Ich glaube, wir habe» allen Grund, im Interesse des deutschen Beamtentums diesem Kapitel so schnell wie möglich ein Ende zu machen." Ketzereien am Wochenende Unser Vorschlag für das nächste Mal erfreulich für Slevogts kühne, stets einfallsreiche Art. Hauptstücke der Kollektion sind das berühmte Triptychon des Verlorenen Sohnes; das große Porträt von Fuchs: die prachtvollen lebendigen Raubtierstudien; die Skizzen nach d'Andrade als Don Juan, die köstlichen, frisch empfundenen Abenteuer Don Ouixottes, am herrlichsten viel- leicht die Studie eines sich bäumenden Pferdes, von der Genialität Göricaults. Ganz unmittelbar, mit dem Glück momentaner und persönlicher Be- Ziehungen, wirken die vielen skizzierten Postkarten, die der große Improvisator an seinen Freund ge- schrieben hat: Zeugnisse eines vitalen, heiter über- sprudelnden Lebensgefühls. ?aul k'. Lchmidt. Der Schweinigel-Dramatiker Der Rundsunthetzer Köhn, der sich voe dem Berliner Mikrophon als Anwalt völkischer Moral gebärdet und alle freidentenden Menschen be- schimpft hatte, wurde schon vor drei Jahren als ein besonderer Zotenmacher und Schweinigel ent- larvt. Damals wurde in der Sommerjaison am „Theater des Westens" eine sogenannte Komödie ausgeführt, die den Titel führte„W a s ist denn nur mit Balduin?" Als Autor signiert« ein gewisser Franke, den niemand kannte. Alles, was dieser Premiere beiwohnte, war höchst verwundert. Denn das Stück zeugte nicht nur von einer ungewöhnlichen Talentlosigkeit, sondern von einer so widerwärtigen Schmutzerei und Gemein- heit, daß der unbekannte von der gesamten Ber- liner Kritik ein ekelhafter Schweinigel genannt wurde. Im Theater selbst saß der bisherige Theaterkrttiker der Scherlschsn„Nachtausgabe", Herr Köhn, der sich bisher dadurch ausgezeichnet hatte, daß er in stümperhaftestem Deutsch den Regisseur und Intendanten des Staatstheaters, Leopold Jeßner, antisemitisch angepöbelt und schon damals verlangt hatte, daß die Regierung das subventionierte Theater von allen rassefremden Elementen säubere. Als einziger amüsierte sich über die Schweinerei auf der Bühne der Theater- kritiker Köhn. Ja, er machte sich sogar an Kritiker, die er oberflächlich kannte, heran, um sie von der Vorttefslichkeit des Stückes zu überzeugen. Bald darauf wurde das Pseudonym Fraick« ge- lüftet. Kein anderer als der Scherlsche Theater- kritiker Köhn war der allgemein gebrandmarkte Schweinigel-Dramatiker. Selbst dem hartleibigen und gegemiber bösartigen Kulturhegern sehr tole- ranten Hugenberg-Verlag waren diese Tricks des Gerissenen zu dumm. Köhn mußte die Kritiker- feder weglegen, doch er wurde unterirdisch noch weiter beschäftigt. Dann tauchte er wieder aus der Versenkung aus als Redakteur des Nazi-Witzblattes „D i e B r e n n e s s e l". Er war zur Hälfte Nazi geworden, zur Hälfte war er Hugenberger ge- blieben. Er schrieb wie der richtige Schmock, bald rechts, bald links. Nun versuchte er wieder sein Kuckucksei zu legen, und es war Zeit geworden, ein wenig in den Schweinigel- und Drückeberger- charakter dieses sauberen Männchens, hineinzu- leuchten. Nobelpreis für llpkon Sinclair verlangt. Das Nobelpreis-Komitee hat eine von 800 namhaften Autoren und Wissenschaftlern aller Erdteile unter- zeichnete Petition erhallen, in der die Forderung ausgesprochen wird, den diesjährigen Nobel- preis für Literatur dem amerikanischen sozialistischen Schriftsteller Upton Sinclair zu verleihen. W ehrhaft der Rundfunk! Für die deutsche Jugend Gelände- und Wehrsport soll, auf Wunsch des Reichsinnenministeriums, zunächst einmal zurückgestellt werden. Der„Stahlhelm- s e n d e r" war darüber höchst entrüstet, und da er ja seine speziellen Gönner hat kommt man ihm beim Rundfunk selbstverständlich entgegen. In der Jugend st unde der Berliner Funk- stunde sprach Freiherr von Massen- dach über„Geländelauf und Gelände- spiel e". „Dann beginnen die Uebungen, bei denen an erster Stelle der Geländesport steht, darunter Meldeübungen, Geländebeurteilung und-aus- Nutzung, Tarnen, Gasschutz, Gebrauch des Schanz- zeuges, Zurechtfinden im Gelände durch Karten- lesen usw. Neben Leibesübungen und Ordnungs- Übungen, wie Gymnastik, Turnen, Bodenübungen, Freilauf und Hindernislauf, Nahkampfschulung werden Geländespiele gezeigt, bei denen die Findigkeit, die Aufmerksamkeit, das Urteils- vermögen und die Entschlußkraft gefördert werden sollen: daran schließen sich Schießübungen und gemeinsamer Gesang." Der Hugenbergsche„Tag" brachte am 14. Oktober diese Schilde- rung, die natürlich viel ausführlicher ist und in jedem Satz von militärischem Geist strotzt. Der Redner der Funkstunde transponierte das Thema auf eine Tonart von mittelalterlicher Ro- mantik, und nur einige Grundakkorde schlugen forsche preußische Töne an. Ws Rattenfänger von Hameln sang er sein Lied von Geländespiel und Geländesport. Nahkampfschulung, Hindernislauf, Gebrauch des Schanzzeuges, Tarnen— das läßt sich auch an einem mittelalterlichen Raubritter- kämpf üben, den Freiherr von Massenbach neben Geländeübungen vorschlug. Daß in solchem Wehrsportlager für strammen Drill gesorgt wird, versteht sich von selbst. Den reizenden Ab- schluß, Kleinkaliberschießen und gemeinsamen Ge- sang, will Herr von Massenbach sicherlich auch keinem Teilnehmer an solchem Lager nach des Tages Arbeit vorenthalten. Der Bericht aus dem „Tag" ist ja eine Schilderung aus einem Wehr- sportlager des Kyffhäuserbundes, der von der Freiherrenregierung und ihren Rundfunkleuten so herzlich getätschelt wird.— h. Krebs- F rühdiagnose Die Aussicht auf Heilung des Krebses ist nach Ansicht der Aerzte um so größer, je eher das Leiden erkannt wird. Der Krebs ist ein bösartiges Leiden nicht nur wegen der Schwierigkeit der Be- Handlung, sondern auch seiner Erkennung. Fast alle Formen des Krebses machen im Anfang meist weder Schmerzen noch sonstige Beschwerden. Das Bestreben der Medizin muß immer wieder dahin gehen, Methoden zu finden, die den Krebs mög- lichst früh nach seinem Entstehen mit Sicherheit erkennen. Nach einer soeben in den„Fortschritten der Medizin" erschienenen Arbeit von Dr. I. Aman- München ist es diesem Forscher ge- lungen, aus Krebsgeschwülsten ein Kleinlebewesen in Reinkullur herzustellen, der als infektiöser Er- reger der Krebsneubildung angesehen wird. Aus diesen Coccen wird eine Jmpsvattine zu diagnosti- schen Zwecken hergestellt. Hiermit wird eine absolut unschädliche, subkutane Impfung vorgenommen, die an der Stell« der Injektion schon nach 24 Stun- den eine lebhaft gerötete Verdickung erkennen läßt, falls irgendwo im Körper bösartige» Tumor- gewebe vorhanden ist. Beim Gesunden bleibt jede Reaktion aus. Die diagnostische Impfung eröffnet der rechtzeitigen und wirksamen ärztlichen Krebs- fürsorge neue Aussichten. Unser neuer Roman Morgen beginnen wir mit dem Abdruck des Romans„Schicksal Maschine" von Stefan P o I l a t s ch e k. Die drohende Alleinherrschaft der Maschine über den Menschen wird darin in spannender Form behandelt. Der Autor ist ein junger Wiener, der mit seinem Erstlingsroman „Dr. Berghof ordiniert von 2— 4 Uhr" sofort Erfolg erzielte. Ein anderer Roman von ihm, „Gericht", ist in der Wiener„Arbeiter-Zeitung" erschienen. Der soeben beendete Roman„G i l g i, eine von uns" von Irmgard Keun ist im Universi- täts-Verlag erschienen und durch unsere Buch- Handlung I. H. W. Dietz zu beziehen. „Voruntersuchung", das justizkritische Schauspiel von Max Alsberg und Otto Ernst Hess« ist jetzt in das unter Leitung von Christi S t o r m stehende Zentraltheater gewandert. Bei anspruchsloser Ausstattung bewahrt das Stück unter der Regie Richard M i l e w s k y seinen bühnenwirksamen Charakter. Man bleibt sich allerdings bewußt, daß diese Zugkraft mehr im Kriminalistischen als im Sozialkritischen begründet ist. Die These, die das Stück erweisen soll, die Verfehltheit des heutigen Untersuchnngsver- fahrens, fällt letzten Endes der bühnenwirksamen Schürzung des Knotens zum Opfer. Gespielt wird aus einem anständigen Niveau. Wolsgang E. P a r g e als kesser Kabarettist, der den Untersuchungsrichter amüsant verkohlt, und Walter Fein als versonnener Büroangestellter, der den gleichen Herrn kriminalistisch schlägt, holten sich in ihren Rollen einen Sondererfolg. e. lc. Die ersten Qiorkonzerte Verdis ,, Requiem"— Arbeitersänger Das Museum im Ermeler-Haus Gedächtnisschau für Slevogt Die Partei stößt weiter vor �nwacksen der Versammlungswelle im Reich 5m großen Saale des Gesellschastshauses in Senftenberg sprach Otto Wels. Der Kampf der SPD. auf politischem Gebiet gelte im Hinblick auf die kürzlich vom Reichskanzler in München gehaltene Rede allen Kräften, die an den Grundpfeilern der Weimarer Verfassung rüttelten, weiter einer Reichsresorm, die eine Ver- selbstäirdigung der Länder zur Folge habe. Auf wirtschaftlichem Gebiete sage die SPD. vornehm- lich den Förderern der Autarkie schärfsten Kampf an, da die bereits durchgeführte Kontingentierung der Einfuhr die schwersten Schäden für das schaffende Volk zur Folge gehabt Habe Die glänzend besuchte Versammlung war vom besten Kampfgeist belebt 5n einer großen Kundgebung der Eisernen Front sprach am Montagabend in der Stadthalle in Stuttgart vor etwa 700Y bis 80vv Zu- Hörern Paul Lobe über die politische Lage. Zur Außenpolitik sagte der Redner u. a.: Durch die falsche Behandlung der Wrüstungsfrage und durch die verhängnisvolle Kontingentierungspolitik sei heute Deutschland in die gleiche Isolierung hineingeraten, in der es sich im Jahre 1914 be- funden habe. Selbst Mussolini, auf dessen Stimme man immer wieder große Hofsnungen gesetzt habe, sei in seiner letzten Rede wohl für die Gleich- bercchtigung Deutschlands eingetreten, aber nicht für die Aufrüstung. Diese Wendung der Dinge führte der Redner daraus zurück, daß bei der Be- Handlung dieser maßgebenden Fragen d i e Stimme des Volkes gefehlt habe. Löbe unterzog dann die Wirtschaftspolitik der Regierung Papen einer scharfen Kritik. Angesichts der schlimmen Auswirkungen dieser Wirtschaftspolitik müsse die Arbeiterschaft ihre wirtschaftlichen und sozialen Volksrechte wieder zurückerobern. Nach dem Zusammenbruch der kapitalistischen Wirt- schastssormen, die sich im Früh-, Hoch- und Spät- kapitalismus ausgewirkt hätten und nun am Ende feien, müsse jetzt in Gestalt der sozialistischen Wirtschaft die Ablösung kommen. Der Spitzenkandidat der SPD. im H a m- burger Wahlkreis, Staatssekretär z. D. Dr. Hans Staudinger aus dem preußischen .Handelsministerium, sprach in einer sozialdemo- kratischen Massenkundgebung über das Thema „Hamburgs Handel und Wirtschaft in Gefahr". Die Veranstaltung stellte einen Protest der Ham- burger SPD. gegen die Kontingentierungspolitit dar, die für den Hafen der Hansestadt den Ruin bedeuten müsse. Dr. Staudinger nahm zugleich Gelegenheit, die preußischen Staatsbetriebe zu verteidigen, die wirtschaftlich und sozial unantast- bar erfolgreich gearbeitet hätten. Angriffe gegen die ersten Ansätze zu einer Sozialisierung, und das geschehe in einem Augenblick, da für den Umbau in die sozialistische Wirtschaft ökonomisch die Vor- aussetzungen vielfach schon gegeben seien und nur politisch noch umkämpft würden. Der Redner wandte sich weiter energisch gegen alle aus die Verfassung abzielenden Attacken. Breche man, so sagte der Redner, von oben das Recht, so werde man es unten zu schützen wissen. Die SPD. stehe vor Monaten schwersten Kampfes, aber sie sei ge- rüstet, allein den Stoß der Reaktion aufzufangen. In über hundert Versammlungen und Kund- gedungen brachte die Partei in F ra n ke n in der letzten Woche ihre Begeisterung und den Kampfeswillen bei den Reichstagswahlen zum Ausdruck. In drei großen Kundgebungen mit den Genosten Keil-Stuttgort, Reißner-Berlin und Witte- Wiesbaden demonstrierte die N ü r n» b e r g e r Sozialdemokratie gegen die Papen- Herrschaft. Genosse S e v e r i n g sprach in über- füllten Versammlungen zu Bamberg und Fürth. In Schwabach und Coburg rech- vete Genosse T r k« p I« n> vertln mU den Kozis und Nazis ab. Die überfüllte Crispien-Versamm- lung in Coburg am Tage nach ver Prinzenhochzeit gestaltete sich zu einem wahren Triumph der sozialsttischen und republikanischen Idee in dieser bisherigen nordbayerischen Hochburg der faschisti- schen Reaktion. Genosse Keil sprach in gut be- suchten Versammlungen in Rothenburg o. T., Roch D i n k e l s b ü h l und S ch w e i n f u r t. Hans Vogel sprach im Frankcnwald in von Be- geistcrung getragener Versammlung. In einer überfüllten Kundgebung sprach Genoste W i s s e l l in Hos. E n d r e s- München sprach in Ansbach. Die Versammlungen der Partei sind durchwegs gut besucht, während die Veranstaltungen der anderen Parteien einen schwachen Besuch aufzu- weisen haben. In Kiel erörfnete die Partei mit drei sensatio- nellen Versammlungen den Wahlkampf. All« drei Säle waren übersüllt und polizeilich gesperrt. In der„Waldwiese", dem größten Saale Kiels, sprach Genosse N ö l t i n g. Zur Diskussion stellten sich ein Kommunist und ein Nationalsozialist. Beide erlebten im Schlußwort eine peinliche Abrechimng durch Nölting. Im Gewerkschaftshaus und in einem weiteren großen Saal konnten die Masten diese Reden und die Abwehr mit anhören. Es war ein Postkabel freigemacht worden, so daß die Reden nach den beiden Sälen übertragen und dort durch Lautsprecher glänzend wiedergegeben wurden. KlaggesausdemRüözug Eigener Bericht des„Vormärts" Braunschweig, 25. Oktober. Einen Rückzug vor dem Deutschen Hochschulver- band mußte der Naziminister Klagges ntrcien. Er hatte vor einem halben Jahre den Genossen AdolfIensen, Professor an der hiesigen Tech- nischen Hochschule, zwangsweise pensioniert und ihm widerrechtlich den Lehrauftrag entzogen. Ge- noste Jensen ließ durch den Deutschen Hochschulver- band Klage einreichen. Bevor diese jedoch cntschie- den wurde, hat Klagges jetzt die P e n s i o n i e- ru n g zurückgenommen und die Eremi- t i e u n g ausgesprochen. Genoste Jensen wird weiter Vorlesungen halten. Rundfunk am Abend Dienstag, 25. Oktober Berlin: 16.05 Schlaflose Nächte (Dr. L. Paneth).(6.30 Aus Leipzig; Konzert. 17.30 Dr. Ueberall erzählt. 17.50 Bücherstunde. 18.10 üuterhaltungsmusik. 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Unterhaltungsmusik. 19.30 Klangcharakter in deutschen Mundarten(Professor W. Doegen). 19.55 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 20.00 Chöre. 20.30 Stein(Hörspiel). 22.10 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königs wuster hausen; 15.45 Künstlerische Handarbeiten(U. Scherz, W. Wauer). 16.30 Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30 Tiere und Umwelt(Prof. Just). 18.00 Musik- Pädagogik(H. Connor, musikal. Ltg. Prof. . Jöde). 18.30 Volkswirtschaftsfuuk(Regierungsrat Dr. Kleiner). 18.55 Wetterbericht 19.00 Kurzschrift für Fortgeschrittene(Prof. Dr. Amsel, P. Fischer). 19.30 Zeitdienst. 22.30 Aus Hamburg: Spätkonzert. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf., durch alle„Vorwärts"- Boten oder die Postanstalten. Wetter für Berlin: Nachts klar und kalt bis zu Bodenfrost. Am Tage Eintrübung und Milde- rung. Mäßige, wieder nach West drehende Winde. — Für Deutschland: Im Osten und Süden sehr kichl und weiter Wetterbesserung, im übrigen Reiche westostwärts fortschreitende Eintrübung mit T«m- peraturanstieg. Im Westen wieder Regen. Hierzu 1 Beilage. Verantwortlich für Politik: Richard Schwartz: Wirtjchast: G. Klingelhöfcr: Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner: Feuilleton: Herbert Lepere; Lokales und Soninges: Fritz Karstadt: Anzeigen: Otto Hengst: säintlich in Berlin. I Verlag: Borwäns-Berlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts.Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraßc 3. I Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen-Ausgabe des„Vorwärts" veröffentlicht. PROGRAMM für die Zeit vom 25. Okt bis 27. Okt. KINO-TAFEL PROGRAMM für die Zeit vom 25. Okt. bis 27. Okt ©lOlÖ Primus-Palast Potsdamer Strafle 19. üraufführtin«: llusoronllebc mit Else Elster, M. Adalbert W. 5.15, 7.15. 9.15 Uhr Potsdamer Straße 38 Der träumende Mund mit EI. Berg:ncr, R. Forster W. 5. 7. 9 Uhr Odeon.PotsdamerStrJS Tannenberg Für Jugendliche freigegeben! W. 5. 7. 9 Uhr Turmstraße 12 Scluisucht 20Ä mit Mugda Schneider, Fritz Schulz W. 5. 7. 9 Uhr A lexanderstraße 39-40 (Passage) Hölzerne Kreuze(Jenseits der deutschen Gräben) Den ganzen Tag geöffnet Alhambra Müllerstr. 136. Ecke Seestraße. Tanncnber«; Für Jugendliche freigegeben! W. 5, 7. 9 Uhr Germania-Palast Charl., Wilmersdorfer Str. 53/54 Die. oder keine mit CWitta Alpar, Max Hansen W. 5. 7. 9 Uhr Kant-Lichtspiele Charl.. Kantstr. 54. Kikj mit Anny Ondr«. Hermann Tbimigr W. 5, 7. 9 Uhr Franziskaner EGeFr7Xicrh»u: Um 9. 12, 3, 6, 9 Uhr beginnend: Es lebe die Freiheit mit Rene Clair Um 10.30. 1.30. 4.30. 7.30. 10.30 Uhr Die elf Schillschen Offiziere mit Kayßler. Hertha Thiele Emelka-IVochenschau Die Kamera Unter den Linden 14 3. 5. 7. 9 Uhr Russen-Tonfilm:_ Der Weg- ins Loben mit Xikolai Dataloff. Regie: N. Ekk.— Tonwoche Kolonnaden-Kino-UA?« Leipziger Str. 58 Ab 9 Uhr vorm. Das Mädchen vom Montpar- nasse mit Fr. Schulz, Eniniy Hessel.— Lustspiel1: Müller lernt Tango.— Fox tönende Wochenschau Ä Wochcnt ab 6 Uhr tiTlUSnOf Sonntags ab 5 Uhr Perlcberger Str. 39. Teilnehmer antwortet nicht. — Die Czikosbaroneß mit Ciretl Theimer.— Foxtonwoche Schlüter-Theater b, Schlülerstr. 17. Stg. 3 Uhr: Jugd.-V. Das schöne Abenteuer mit K. v. Xajcy, A. Sandrock— Wer zahlt heute noch? Ä Wocheot. 7. 9� U. Atrium s»g d. 7. 914 u Kaiserallee. Ecke Berliner Straße Uraufführ.: Das erste Hecht des Kindes mit 11. Thiele. II. Fehd- mer, II. Vallentin. E. Morena — Tonfilmbeiprogramm >_ Zehlewdorf-Mitf � 7*13 Beginn tägl. 5, 7, 9 Uhr Arfff/ Stg. 3 Uhr Jugendvorst. Potsdamer Str. 5b. Der Feldberrnhügel mit Hoda Roda.— Primanerehre mit Lil Dagover, Laos. U 11 Titania-Palast �A'zo.sv. Stealitz. Schloflstr d GckcGntsinuthsstr Uraufführung! Liebe In Uniform mit Liedtke, Ery Bos, Kampers, Uetdemann._ Tontilmbeipr. Friedenau Kronen-Lichtspiele Rheinstraße 65 Beginn: 7. 9 Uhr. Sbd., Stg. 5, 7, 9 Uhr Madame hat Ausgang mit Eiane Haid, Brausewetter.— Beiprogramm.— Woche Rheinschloß-Lichtspiele Rheinstr. 60. W. 5. 7. 9, So. ab 3 Uhr Gräfin Mariza mit Dor. Wieck, Sz. Szakall— Beipr. Jgdl. Zutr. Alhambra Tonnim Hauptstraße 30. Zwei Tonfilme. Ikarus, Gunther Plüschows Fliegerschicksal.— Madame Blaubart Titania Schöneberg Wt,® Hauptstraße 49. Tonwochc Der träumende Mund mit Elis. Bergner, R. Förster— Tonbpr. Südwesten Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1 W ab 5.30. S. ab 3.30 2 Großtonlilme: Unheimliche Geschichten mit Wegener.— Vier vom Bob 13 mit W. Fütterer c Tempelhof Knrfnr** w 7' 9' sbd �g. 5. 7. 9 MlUriUrSi Mg, 3 Uhr. Jgd.-Vorst Dorfstraße 22 Ecke Berliner Straße Bunbury(Liebe. Scherz und Ernst) mit Gg. Alexander.— Tonbeipr. Tivoli Täglich: 5, 7. 9 Uhr Sonnt.: 3, 5. 7, 9 Uhr Berliner Straße 97 Der träumende Mund mit Ell sabeth Bergner, Rud. Forster D Mr, Ii Mariendorfer W 7. 9. IflQ'Ll Tonlichtspiele S. 5. 7. 9 Chausseestr 306 Die, oder keine tu. Gitta Alpar, Max Hansen.— Tonbeiprogr. Jugendliche haben Zutritt Neukölln Wochentags ab 6� DXCeiSlOT Sonntags ab 4 Uhr Kaiser- Friedrich-Straße 191 Mata Hari mit Greta Garbo. Ramon Xovarro.— Tonbeipr. Kukuk Wochentags ab 6% Sonntags ab 4 Uhr Koltbusser Damm 92 Die— oder keine! mit G. Alpar, M. Hansen— Tonbeiprogramm Jugendliche haben Zutritt Mercedes-Palast sl�khl ü: Hermannstr. 212. Kiki mit Anny Ondra, Hermann Thimig.— Großes Tonbeiprogramm Primas-Palast Ii* u." Am Hermannplalz, ürbanslr 72/76. Der träumende Mund mit Elis. Bcrgner, R. Forster— Ikarus, Plüschow t Stern, Hermannstraße 49 Wochentags ab 6% Sonntags ab 4 Uhr Ele.be, Scherz und Ernst mit Adele Sandrock, Georg Alexander.— Tonbeiprogr. Südosten Deatsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68 Wochent. 5. 7. 9 Uhr Die Tänzerin von Sanssouci mit Eil Dagover. Otto Gebühr. — Tonbeiprogramm Filmeck W. ab 6H U. £tg. ab 3 ü. Am Görlitzer Bahnhol Die— oder keine! mit Gitta Alpar, Max Hansen Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Luisen- Theater Ttga»bl ü: Reichenbereer Str 34 Liane Haid. Gustav Fröhlich in der Tonfilm-Operette Ich will nicht wissen« wer du bist! Auf vielfachen Wunsch.: Bähoenscbao Stella-Palast Znlx. aifs uilJ Köpenicker Straße 12—14 Theodor Körner mit Willi Domgraf-Faßbaender, Dorothea Wieck Ferner* Slim u. Slum in der Tonfilm-Posse Kasernenhof und Blechmusik Jugendliche haben Zutritt > Treptow"b Treptow-Sternwarte Mittwoch 8 Uhr. Donnerstag 8 Uhr: Oesterrelchlscbe Rhapsodie, Filmwanderung durch Oesterreich W O» t e n"b Germania-Palast Z: Frankfurter Allee 314 Der sensationelle Welterfolg: Mata Hari mit Greta Garbo, Ramon Xovarro Auf der Bühne; Wieder 3 große Variete-Attraktionen v. Weltruf Dr. Knauer dirigiert sein Orchester Volks-Kino Königstadt Schönhauser Allee 10. Wochent. 5. 7. 9 Uhr Die Tänzerin von Sanssouci mit Dagover, Gebühr— Ton» beiprogramra— Tonwoche.— Kretschmer und sein Orchester Jugendliche haben Zutritt W Ncu-tichtenberg"b Kosmos-Lichtspiele � l Lücksir. 70. Stg 2% Uhr: Jug.-Vorst. Die Tänzerin von Sanssouci mit Gebühr.— Tonbeiprogr.— Konzertteil.— Jugendl. Zutritt W FrledrichsfeldG"fc Kino Busch FrdÄ' 5 � .Alt-Friedrichsfelde 3. 2 Tonfilme: Zwei glückliche Tage mit Cläre Rommer. Hör biger.— Tom Mix in Goldfieber W Pankow"fc Palast-Theater Breite Str. 21a. W. 7. v Tonoperette: Die— oder keine! mit Gitta Alpar, Max Hansen. Jugendliche haben Zutritt ! iinn~Pnln*f Woch 6 Uhr LiUTia-raiaSl Sonnt ab3i:hr Gr. Frankfurter Str. 121. Tonwochc Mata Hari mit Greta Garbo— Tonbeiprogr.— Bühnenschau Schwarzer Adler au"1» W 5. 7. 9 Uhr S 3. 5. 7. 9 Uhr Teilnehmer antwortet nicht m. Gust. Gründgens.— Tonbeipr. — Bühnenschau Viktoria- Theater tu Frankfurter Allee 48 Auf vielseitigen Wunscn verlängert: Die elf Schillschen Offiziere mit Fr. Kayßler. Hertha Thiele — Beiprogramm— Jugendl. Zutr. B Nordosten A F/v*fnmt4 Prenzlauer ,fIjl Slam Allee 55 W. 5.15. 6.30. 9.15. S. 3. 4.30, 7. 9.15 Mata Hari mit Greta Garbo, Ramon Xovarro— Gut. Tonbpr. T*'_ /' Wochentags 6.30, 9 Uhr 1 IVO II sbd.. Sonnt. 5. 7. 9 Uhr Berliner Straße 27. Großtonfilm: Mata Hari mit Greta Garbo, Ramon Xovarro— Tonbeipr. ■ Tegd.«Ä D. BEILAGE VsmNZ DIENSTAG, 25. OKT. 1932 Was lelirf Qilgi? Wenigev Verachtung, mehr menschliches Verständnis I Eine Diskussion über den Roman„GUgi" ist aus ganz besonderen Gründen zu begrüßen. Es geht dabei nicht um eine Diskussion über Wert oder Unwert der Leistung der Verfasserin, aber auch nicht über den der„Heldin" des Romans (einem lebendig gestalteten Romangeschöpf), sondern es geht hier um mehr! Es geht um die Frage, wie wir Sozialistinnen erreichen können. Frauen wie Gilgi zu uns heranzuziehen, sie für den Kampf um den Sieg unserer Idee zu be- geistern. Im Gegensag zu Hanna Hertz, Dr. Else Möbus, Ella Rensky, Kaut und Langhans sehe ich immer wieder mit Bedauern, daß so viele„Gilgis", und wie sie sonst heißen mögen(und aus welchem Milieu sie auch kommen mögen), den Weg zu uns nicht finden können. Da ich vom Werten nichts halte, kann ich weder den Gilgis noch uns die Schuld daran zuschreiben. Wer aber überlegt und nach den Gründen dafür sucht, wird vielleicht Wege finden, die ungezählten Scharen von Frauen für uns zu gewinnen, die trotz„sozialisti- scher Sehnsucht" noch abseits von uns stehen. Der Grundgedanke, den fast alle meine Vor- schreiberinnen zum Ausdruck brachten,„Eine von uns kann nur werden, wer Eine von uns ist!" der ist es, gegen den ich mich wehre. Es muß immer wieder zur psychologischen Behandlung und Betrachtung derjenigen Schichten unserer Bevölke- rung angeregt werden, die aufwachsen resp. auf- gewachsen sind, ohne schon von Jugend an soziali- stisches Denken kennengelernt zu haben. Die Be- schäftigung mit diesen Ideen ist gerade dem Spieß- bürgertum der Pslegeeltern Krön von Gilgi heute noch gerade so fremd wie früher. Sie gehären zu denen, die, solange sie gut leben können, nicht gern von der Not anderer hören, sie werden zum Sozialismus geführt, erst wenn eigene Ber- elendung sie schreckt. Sie find es, die den Nationalsozialismus auf ihre Fahnen geschrieben haben, weil ihr zartes Gemüt dort nicht so oft vom„Proletarier" sprechen hört. Das gibt ihnen nämlich einen surchtbarell.�Stich ins Gemüt. Sie, die innerlich hol sind, legen den größten Wert auf„Stellung" und„gute Gesell- schaft" gerade, weil sie oft erst die erste Generation sind, die vom Proletarier unter der kapitalistischen Aera zu Spießbürgern" geworden sind: sie sind zu Geld gekommen und setzen ihren Ehrgeiz darin, anderen vorzutäuschen, daß sie immer„Besitzende" gewesen sind. Die Kinder, die in diesem Milieu aufwachsen, haben es sehr schwer, gerade wenn sie Wahrheit- suchende Menschen sind wie Gilgi. Ihre Gefühls- weit ist klein, sie werden ins Erwerbsleben ae- drängt und haben keine Möglichkeit, sich mit sich und der Umwelt mehr als unbedingt nötig aus- einanderzusctzen. Sie ahnen, daß sie durch ein Chaos schreiten, daß heute„alle wie sie" sich nur sicher bewegen können, wenn sie sich nicht ge- statten, auch nur einen Blick in dies Chaos von Wirtschastsnot, Verhetzung, geistigem und kulturellem Durcheinander zu werfen! Für sie ist die Liebe noch das Wesentlichste, obgleich sie unterbewußt fühlen, daß sie sich dadurch dem Mann unterordnen. Dagegen lehnen sie sich auf und erkennen leider nicht, daß es ihnen hier geht wie den Arbeitern, die erstmalig zu sozialistischen Ideen kamen, auch weil sie Untergeordnete waren, Untergeordnete des Arbeitgebers, dem sie zur Aus- beutung ausgeliefert waren, die tun mußten nach seinem Willen und Gesetz und keine Freiheit für ihre eigene Person kannten. Aus ihrem v e r- letzten Stolz kam ihre revolutionäre Ge- sinnung und sie wurden die ersten Sozialisten: sie begannen den Kamps für sich selbst! Aber bald genügte ihnen das nicht, sie erkannten, daß der Mensch zur inneren Ausgeglichenheit nur kommen kann, wenn er für alle seine Schicksals- geführten auch Befreiung aus der ungerechten Ordnung der Welt erkämpft! So ist es logisch, daß Gilgi und ihresgleichen, eben Frauen aller Schichten, heute beginnen, sich erst einmal mit sich selbst auseinanderzusetzen! „Sie, Gilgi, wird von den gleichen Gefühlen hin- und hergezerrt wie das Bürgermädchen von ehe- dem", sagt Hanna Hertz. Ja, glauben wir denn wirklich, daß Liebe bei Bürgern anders verläuft als bei uns Soziali st en? Ich glaube es nicht. Mensch bleibt Mensch, Frau bleibt Frau. Wer einer starken überwältigenden Liebe nicht fähig ist, der ist ein armseliger Mensch, ganz gleich wie er sich nennt. Ich wage sogar auszusprechen, daß es gelegentlich Sozialisten passiert sein soll, daß sie sich in Nicht- sozialisten rückhaltlos verlieben mußten. Biel- leicht hatten sie dann sogar vorübergehend nicht das gleiche Interesse für Parteiarbeit, hörten sie darum auf. Sozialisten zu sein? Keineswegs: ebenso wie es nicht ausgeschlossen sein soll, daß Bürgerliche(Erkelenz, Thomas Mann?) zur Partei kommen und so gute Sozialisten sein können wie eventuell Genossen, die Jahrzehnte «ingeschriebenes Mitglied der Partei sind. Kommen p rominente Männer und Frauen aus anderen Parteien zu uns, so konstatieren wir das mit großer Freude und es wird niemandem einfallen, nach unedlen Motiven für diesen Eintritt zu suchen. So sollten wir es auch halten, wenn wir „Gilgis" unsere Gemeinschaft schüchtern suchen sehen. Wäre P i t ein aktiverer Sozialist, so hätte er Gilgi menschlich viel sein können, und ich meine, er hätte sie für uns leicht gewinnen können, wenn ihn chre Puderdose, ihr Pelzmantel, kurz gesagt ihre„damenhaften bürgerlichen Allüren" nicht zu- rllckgehalten hätten, wenn er mit weniger Verachtung und mehr menschlichem V e r st ä n d n i s sie behandelt hätte, wie sie es leider auch häufig bei uns tun, Wir sind von Kindesbeinen an Sozialisten, unsere Eltern und Verwandten sind es gewesen und doch haben wir tief innen noch immer nicht den wirklichen Sinn des Sozialismus er- faßt. Wir sehen ringsum nicht in unseren Mit- menschen den„Mitarbeiter", den Genossen, dem wir frei und herzlich entgegenkonmien sollten, weil er Gemeinschaft sucht wie wir, ganz gleich, ob er mit oder ohne Kragen uns entgegenkommt. Wir verwechseln noch immer Klassenbewußtsein des Arbeiters mit Proletorierfein und gebärden uns oft unehrlicherweise so, als wäre es unsere Sehnsucht, nur ja immer„Proletarier" zu bleiben. Während jeder von uns danach streben sollte, und unsere Führer besonders danach gestrebt haben, freie Menschen aus uns zu machen, uns aus dem Elend zu retten, ganz gleich, welcher Arbeit wir nachzugehen haben. Freiheit, Gleich- heit und Brüderlichkeit sollten ausräumen mit Verlogenheit, Mißgunst und veralteten Vor- urteilen! Und doch stecken in uns selbst noch so viele unseren Mitmenschen gegenüber, deren einer heute gerade„Gilgi" heißt. Es besteht in mir kein Zweifel darüber, daß sie zu uns gehört, sie wie Tausende und Millionen andere! Sie hat es nur noch nicht klar erkennen können. Jeder Mensch, der ringt nach Klarheit, wie Gilgi es auch rat, der sucht nach einem Aus- weg, der das innere Bedürfnis hat sich hinzu- geben, zu helfen, der gehört zu uns! Wir müssen ihm entgegengehen, soweit wir können, wir müssen ihn gewinnen für uns, dann wird er mit» „'Fvcndeu.vin in menschlichen Wenn ein Roman mit dem Titel„Gilgi, eine von uns" im„Vorwärts" erscheint, dann muß natürlich dieses„uns", bezogen auf die sozialisti- schen Leserinnen, zu lautem Widerspruch heraus- fordern. Nein, die kleine Büroangestellt« Gilgi ist in ihrer geistigen Haltung gang und gar nicht eine bewußt mit ihrer Klosse verbundene sozialistische Arbeiterin, sondern weit eher ein Exempel für die ihrer Berufsschicht eigene individualistische Ideo- logie. Trotzdem ist sie mit ihrer gradlinigen Natürlichkeit, ihrer Zielklarheit und ihrem ausgeprägten seelischen Reinlichkeitssinn eine Frondeurin i n menschlichen Bezirken, auch da, wo sie ihren Ressentiments gegen gedankenlos, faules und verkitschtes Kleinbürgertum die Zügel schießen läßt. Man kann übrigens überhaupt nicht an das Buch Gilgi die Maßstäbe eines sozialen Epos legen, wie an die Romane Zolas und Upton Sinclairs, die ihre Ausgabe in der Darstellung und Kritik sozialer Geschehnisse und kollektiven Schicksals sehen. JrmgardKeun streift die Arbeitswelt der An- gestelltenfchast und das Spezifische der Büroatmo- sphäre ja auch nur mit flüchtigen Strichen, sie will in. E. nicht vorwiegend d i e Angestellte in ihrer Umwell schildern, sondern das Liebesschicksal einer jungen, berufstätigen Frau unserer Zeit ge- stallen. In der sehr plastischen und lebendigen Zeichnung ihrer Heldin und einiger Nebenfiguren gelingt es ihr, uns den sozialen Raum, in dem diese Menschen leben, sehen zu lassen und Wesent- liches und Typisches über die Mentalität der weib- lichen Angestellten aus, zusagen. O ja, Gilgi i st eine von den Hunderttausenden der Stenotypistinnen und weiblichen Handelsangestell- ten! Sie ist Ueberdurchschnllt in ihrer hellsichtigen Zielstrebigkeit, mit der sie erkennt, daß man im Erwerbsleben nur durch straffe Diszipliniertheit und Tüchtigkeit weiterkommt im Gegensatz zu vielen dumpfer Dahinlebenden, die nach dem be- kannten Filmmärchen„wie heirate ich meinen Chef" auf ein Wunder hoffen. Aber sonst ist sie eine der ihren in vielen Gemeinsamkeiten: in der mangelhasten Berufsausbildung, mit der man nur Hilfskraft bleibt, in ihrem Streben, nicht nur durch Arbeitsleistung, sondern auch durch kluge Koketterie vorwärts zu kommen, in ihrer Sehnsucht nach Glanz und schönen Kleidern, in ihrer Illusions- losigkeit Männern gegenüber, mit denen man allzu oft unromantische Ersahrungen macht, in ihrem. kühlen Sachlichkeitspanzer, den sie zur Schau trägt. Sind sie nicht alle— wie Gilgi— gern Dame in ihrer äußeren Erscheinung, opfern sie nicht alle, weil das Geld zum Fertigkaufen meist nicht reicht, einen guten Teil ihrer Freizeit zur Erzielung einer einigermaßen eleganten Fassade? O, man braucht das im Berus, denn die Herren Büro- gewaltigen urteilen und schätzen sehr nach dem Aussehen. Man braucht es aber auch z u r e i g e- n e n Selbstbestätigung, denn durch Kleider kann man vor sich selbst und seiner Umgebung avancieren oder— deklassiert werden. Mag die Tätigkeit noch so mechanisiert, das Gehalt noch so proletarisch sein, man fühlt sich doch als Ange- stellte der besseren, der gebildeten, der geistigen Arbeit zugehörig, wenn man's in Wirklichkeit auch nur durch bloße Aeuherlichkett ist. Ist man ja doch auch durch da- persönliche Zusammenarbetten mtt dem Unternehmer einer sozial gehobenen Schicht von vornherein viel näher als die Fabrik- arbeiterin und durch die unmittelbare Berührung ist die Verlockung dieser bürgerlichen Sphäre viel größer. Die Strebsamen nutzen jede Chance, mn so well als möglich an sie beranzakommen, alle Bemühungen um Erweiterung ihrer Bildung dienen dem Aufnehmen von Fachwissen. Und auch die Freizeit steht unter ihrem Einfluß. Man ist arm, aber pretentiös, und da einem die Unter- Haltungen kultivierter Bürgerlichkeit nicht zugäng- lich sind, begnügt man sich mit P s e u d o- erlebnissen, die man in einer Scheinwelt hellerleuchteter Cafes und in Kinos findet, deren Schlagermelodien und deren Erotik am anderen Morgen in den Bürotag hineinklingen. Die groß- städtische Vergnügungsindustrie beweist es, welch ungeheure Roll« solche Surrogate lebendiger Werte im Leben großer Massen spielen. Aber Gilgi ist nicht nur Angestellte, sie ist im weiteren Sinne„eine von uns": Als Typus der Frauen generation von heute, der noch manche Schlacken der Frau von gestern an sich hat. Wie„weiblich" ist sie in ihrer politischen Indolenz! Man soll sie in Ruhe lassen mit Po- litik, sagt sie chrem Freund Pit. Sie ist wie viele Frauen warmherzig und hilfsbereit lebendigen Einzelwesen gegenüber, deren Elend chr persön- lich nahegeht. Aber„die Masse" ist ihr ein leerer Begriff.„Die hat doch kein Gesicht, ist doch kein Mensch, dem man helfen möchte." Mädchengeneration von heute ist sie in der unsentimentalen Entschiedenheit, mit der sie das Band löst, das sie an ein ihre Entwicklung hemmendes Familienleben kettet. Sie empfindet sich selbst lieblos und undankbar, als sie den harten Schnitt tut, denn„die Alten meinen es doch auf ihre Weise so gut". Wie viele, die das- selbe Notwendige getan haben, fühlten nicht dabei dieselben Skrupel! Es ist schwer sich freizumachen von traditionellen und gefühlsmäßigen Bindungen. Das allerschwerste aber ist es— und wie sehr bauen helfen an unserer gerechteren sozialistischen Gesellschaftsordnung, die kommen wird! So fest wir daran glauben, so fest müssen wir auch an das ehrliche Mithelfenwollen der„Gilgis" glauben. Dieser Glaube allein verpflichtet und Hütt uns zusammen. Wir dürfen uns nicht anmaßen, bei den ersten Schritten, die„Gilgis" in unserer Ge- meinschaft gehen von„sozialistischen Anwand- lungen" zu sprechen und deren„Echtheit" an- zweifeln. Hüten wir uns davor, daß wir pharisäisch sprechen:.Herrgott, ich danke dir, daß ich nicht so bin wie jene!" Gerade weil, wie Bebel sagt, jeder Tag vom raschen Wachstum der immer gewalliger werden- den Ausbreitung der sozialistischen Ideen neue Beispiele liefert, müssen wir die um uns scharen, die glauben, heute würde er wohl sagen, trotz aller zeitweiligen Rückschläge, die wissen: „Dem Sozialismus gehört die Zukunft, das heißt in erster Linie dem Arbeiter und der Frau." Lusi Borü. ist sie da eine von uns— die innere Freiheit und Unabhängigkett in dem überwältigenden Er- lebnis einer großen, alle hart erkämpfte Klarheit und Selbständigkeit hinwegschwemmenden Liebe zu behalten. Wie groß ist da die Versuchung für jede gefühlsstarke Frau, ganz ihrem Herzen zu folgen, nur der Liebe und dem geliebten Menschen zu gehören und alles andere aufzugeben! Im Zentralpunkt des Frauenlebens steht nun einmal die Liebe mit stärkerer Intensität als beim Manne, und nicht nur kleine Büroangestellte wie Gilgi haben einen ohnehin nicht sehr geliebten Beruf geopfert: an der Klippe Liebe und Ehe scheitert immer wieder manch schöne Karriere und viel weiblicher Berufsehrgeiz. Das ist das Neue und Zukunftweisende an diesem aufrechten Mädchen Gilgi, daß sie der großen Versuchung Weibchen» haften Sichaufgebens widersteht und ihre innere und äußere Unabhängigkeit unbedingt zurückge- Winnen will. Sie liebt und bewundert Martin schrankenlos und sie liebt und bewundert seine weiträumige farbige Well, aber sie will nicht sein Geschöpf sein, sie will ihren Persönlichkeitswert sich selbst gegenüber behalten. Und als sie erkennt, wie nah die Gefahr ist, sich in der Hingabe zu verlieren, fügt sie sich selbst den härtesten Schmerz zu, als sie sich von dem Geliebten zeitweilig trennt, um ihre menschliche Freiheit wiederzu- finden. Der Roman der Irmgard Keun hat insofern eine soziale Note, als er Einblicke in die Psyche der weiblichen Angestellten vermittell. Sein Hauptwert aber liegt in einem sehr sympathischen und sehr erfrischenden menschlichen Fron- deurtum. �larxsreto Dortig. 99 nie und nimmer CC Sehr geehrte Genossen! Schon bevor im Abend-„Vorwärts" vom 18. Oktober zur Diskussion über„Gilgi— eine von uns" ausgefordert wurde, sind in den Kreisen unserer weiblichen Mitglieder Stimmen lebhafter Kritik laut geworden. Eine Versammlung unserer Funktionärinnen am 20. Oktober, an der ISO Kolleginnen teilnahmen, hat uns nunmehr beauftragt, Ihnen die Stellungnahme unserer weiblichen Mit- glieder zur Kenntnis zu bringen. „Ist Gilgi wirklich eine von uns?" Diese Frage muß verneint werden. Durch ihre Lebens- auffassung wie Lebenshaltung unterscheidet sich Gilgi so erheblich vom Durchschnittstypus der weiblichen Angestelllenschaft, daß wir Gilgi nie und nimmer als eine von uns weiblichen Ange- stellten ansehen können. Und noch weniger ent- spricht Gilgi dem Borttupp, der sich entschiedener noch als die große Masse mit den Arbeits- und Lebensproblemen unserer Zeit auseinandersetzt. Erhebt ein Roman den Anspruch, mit seiner Heldin gleichzeitig das Schicksal einer bestimmten sozialen Schicht zu schildern— im Falle„Gilgi" die weib- liche Angestelltenschaft— so muß der soziale Tatbestand des Romans mindestens in seinen alltäglichen Zügen der Wirklichkell entsprechen. Daß ein Mädchen von 21 Jahren mit zuletzt 150 Mark Einkommen und keineswegs primitiven Lebensansprüchen nach nur 4 Iahren Berufstätigkeit 1200 Mark erspart haben soll, dürfte nicht gerade üblich sein. Sonstige Lebensgewohnheiten, nicht ganz billige Vergnügungen, Parfüms und elegant gestickte Schlafanzüge tun ihr Uebriges, um die Verzerrtheit des Gesamtbildes zu erweisen. Und daß Gilgi ihre Arbeitslosenunterstützung zu nichts Dringlicherem benötigt als zur Anschaffung von Puder und Lippenstiften, ist vollends ein Hohn auf die Not der Zeit. Es ist daher nur ver- ständlich, daß auch die menschliche Haltung Gilgis, trotz ernster Bemühung, der Lebens- und Liebes» schwierigkeiten Herr zu werden, rein bürger- lich-individualistisch bestimmt ist und alles vermissen läßt, was Gilgi auch im feineren Sinne zu einer Vertreterin der arbeitenden Frau unserer Zeit machen könnte. Von einer Schicksals- gemeinschast mit einundeinerhalben Million weib- licher Angestellten kann eine Gilgi ebensowenig wissen wie von sozialen Auseinandersetzungen und den Möglichkeiten gemeinsamer Kämpfe. Die Funktionärinnen des ZdA. bedauern es sehr, daß schon allein durch den Abdruck des Romans sowie durch das bekanntgegebene Preis- ausschreiben der Eindruck erweckt wurde, als würde mindestens die Redaktion des„Vorwärts" Gilgi bereits als„eine von uns" betrachten. Die kitschigen und übelstes Filmklischee verratenden Paramount-Bilder tragen noch täglich zur Ver» stärkung dieses Eindruckes bei. Die in diesen Bildern gezeigte Gilgi entspricht vielleicht einem Wunschbild, wie es Magazine, Wahre Geschichten und schlechte Filme der großen Masse aufzudrängen suchen. Mit der Lebens- und Arbeitsnot der weiblichen Angestellten, mit ihren Kämpfen um Klassen» erkenntnis und Klassensolidarität hat diese Gilgi nichts, aber auch gar nichts gemein." Frechell! Zeittraloerband der Angestellten Ortsgruppe Groß-Berlin Laus Gotikurdit. Gertrud Ellert, Herbst- Waldläufe Arbeitersportler im Grunewald und in Treptow Die Arbeiiersportler veranstalteten zum Ab- schluß der Sommersaison Herb st Waldläufe, die sich starker Beteiligung erfreuten. Als Veranstalter des 4. Bezirks hatte der ASV. Schöneberg an der Krummen Lanke ein schönes Gelände ausgesucht. Mit Ausnahme der IvlXZ-Meter-Läufer hatten die Teilnehmer zwei Runden, die SOOO-Meter-Läuser sogar drei Runden zu laufen. Dadurch bekam der Nichtbeteiligte einen Einblick in den Stand des Rennens auf halber Strecke. Die Neuköllner stellten in allen Läufen die Sieger, nur im EKXO-Meter-Laus zeigte sich Ast- Fichte als der bessere. Den 1000-Meter-Lauf der Sprinter holten sich die beiden Neuköllner Volks- sportler Braunsdorf und S ch a t t l i n g in scharfem Endkampf vor Sühring(Fichte). Bei den Alterssportlern(bis 35 Jahre) siegte Schmidt vor Mertens, beide ASV. Neukölln, während den Jahrgang der älteren Volkssportler Meese und Görlitz in dieser Reihenfolge entschieden. Etwa 2« Sportlerinnen bestritten in guter Verfassung ihren lOOO-Meter-Lauf. S i e b ert(Volkssport Neukölln) siegte 3 Meter vor ihrer Vereinsgenossin Neumann, der in kurzem Abstand Meklenburg (Schöneberg) folgte. Den schönsten Lauf lieferte die Jugend. Bei 1000 Meter lag das Feld noch ziem- lich geschlosien. Im 200-Meter-Endsport liefen dann H a u s e r(ASV. Neukölln) und Scharf (Volkssport Neukölln) dem Felde davon. Hauser entschied den Kampf mit nur Brustbreite für sich. Im Mannschaftslauf siegte erwartungsgemäß ASV. Neukölln mit 10 Punkten vor Volkssport Neukölln mit 15 Punkten. Der 3000-Meter-Mann- schaftslauf der Männer zeigte auf halber Strecke Zu einer Protestversammlung gegen die hohe steuerliche Belastung der Kraftverkehrswirtschaft, besonders gegen die Verteuerung der Ben- z i n p r e i s e, hatte der Allgemeine Deutsche Auto- mobilklub in den Krollsaol«ingeladen. Innerhalb 19 Tagen während des Monats Ok- tober sind die Benzinpreise dreimal erhöht wor- den, sie bewegen sich um 40 Pf. herum und be- lasten neben allen anderen Abgaben die Auto- mobilbesitzer so stark, daß an eine Rentabilität der noch in Betrieb befindlichen Kraftfahrzeuge kaum zu denken ist. Frei Schiff Hamburg kostet Benzin 61� Pf., 2014 Pf. steuerliche und Zollbe- lastung ruhen auf dem Liter, den Rest beansprucht die Verkaufsorganisation. Der Redner forderte, daß nicht nur die Steuern und Zölle gesenkt wer- den, sondern auch die Verkaufsgesellschasten sich mit einer geringeren Verdienstquote begnügen. Cr wandte sich gegen den Tankstellenluxus und meinte, die Autofahrer würden gern auf die kostenlos ab- gegebene Luft für die Reifen verzichten, wenn sie nur das Benzin billiger bekämen. Selbstverständ- lich geben die inländischen Treibstoffprodu- zenten das Benzin auch nicht billiger ab, obwohl es weder durch so hohe Steuern noch durch Zölle belastet ist. Di« Leunawerke verlangen aber, daß durch hohe Verdienste beim Benzin die Ausfälle in den anderen Produktionszweigen ausgeglichen werden. So hält sich alles an die Kraftverkehrswirtschaft. Das Ende ist, daß in diesem Winter ein Fünftel der Automobile stillgelegt werden. * In Deutschland gibt es über 1 500000 Kraftfahr- zeuge: etwa 300 000 Wagen, also ein Fünftel oa- von, werden jeden Winter aus dem Verkehr ge- zogen, sie verschwinden einfach aus dem Wirt- schaftsleben. Aber nicht nur die Einsparung der viel zu hohen Steuern, sondern die noch reichlich hohe Garagenmiete ist für die Winterabmeldung bei vielen Kraftsohrzeugbesitzern maßgebend. Alle Autobesitzer werden schon jetzt mit Prospekten ge- schäststüchtiger Firmen überschwemmt, die in leeren Fabrik- oder Lagerschuppen Winterquartiere für Autos zum Preise von 3, 4 bis 5 M. pro Monat anbieten, gegenüber einer Garagenmiete von 30 bis 40 M. monallich eine reichliche Ersparnis! Allein der Steuerausfall für die abgemeldeten eine ziemlich geschlossene Spitzengruppe der ersten Mannschaften. In der letzte» Runde holte ASV. Neukölln dann 50 Meter Dorsprung heraus und gewann. Es folgten als Außenseiter die Teltower, die die Schöneberger Mannschaft im Endkampf zwei Meter zurücklassen konnten. Gutes Wetter und eine beträchtliche Zuschauer- menge gaben der Veranstaltung de? 1. Bezirks das notwendige Gepräge. Wenn der Weg auch etwas hart war, so wurde dies doch gern in Kauf genommen. Nur einmal wirkte sich der harte Boden zum Nachtell der Ostring-Mannschaft aus. Kittler trat schlecht und mußte für seine Mannschaft ausscheiden, die dadurch aus einer guten Position abfiel. Dem Atheltik-Sport-Club fiel das Siegen daher sehr leicht. ★ 4. Bezirk. 1000 Meter Srrinter: I. Braunsdorf(Bolks- frort Neukölln) 3:21,3.— 1000 Meter Alterssportler, 31-35: 1. Schmidt(ASV. Neukölln) 3:40.- 1000 Meter Alters- sportler über 30: 1. Meese(Volkssport Neukölln).— 1000 Meter Frauen: I. Sichert(Volkssport Neukölln) 4:03. — 2000 Meter Jugend: 1. Hauser(ASV. Neukölln) 7:24,3. — 2000.Mcter,Iuoend.MannschaftsIauf: 1. ASV. Neukölln 10 Punkte.— 30M-Meter,Rannschaftslauf: 1. ASV. Neu» kölln 9:48.2. II. Mannsckioften: 1. ASV. Reukölln.— 5000.Mcter. Einzellaus: 1. Ast(Fichte) 13:33,2.— 3000 Meter Einzelwertung: 1. Huwc(ASC.). Mannschaftswertung: 1. ASC. 9 Punkte: 2. VfL. Ostrinq 23 Punkte: 3. ASC. 2 24 Punkt».— 3000 Meter: 1. Velgens(Schönow) 16:28,3.— 2000 Meter Spielsrmannschaftea: 1. ASC. im Alleingang. — 1000 Meter: Alterzsportler 31—35 Jahre, Einzelwertung: 1. Keller I und ll(Wildau) 3:303. Alterssportler(Iber 30 Jahre: 1. Heinz(BiL. Ollring). Mannschaftswertung: I.Wildau 10 P.: 2. ASC. 21 P.; 3. VfL. Ostrinq.— Sprinter 1000 Meter, Einzelwertung: 1. Slegencr(TSV. Lauls» darf) 3:43, s. Mannschaftswertung: 1. VfL. Ollring 12 Punkte: 2. ASC. 22 P.: 3. VfL. Ostring 2 28 P.— Jugend 2000 Meter: I. Bolze(ASC.) 3:21. Mannschaft». wertung: 1. ASC. 9 Punkte: 2. Wildau 20 P.: 3. VfL. Ost. ring 24 P.— Sportlerinnen 1000 Meter. 1. Schwarza (Fr. Tsch. Äalkderge 4:32,1. Wagen wird auf 129 Millionen Mark geschätzt. Die Gründe für die hohe Zahl der aus dem Verkehr gezogenen Wagen dürften nachstehende Ziffern am trefflichsten illustrieren. Die mehrmals heraufgesetzten Treib st offeinfuhrzölle be- tragen zurzeit 192 Millionen Mark, dazu kommen Umsatzausgleich st euern und Schmier- ö l z ö l l e von 9,6 Millionen Mark. Um den armen Landwirten zu helfen, wird der Autobesitzer gezwungen, Ka r t o f f e l s p i r i t u s in steigendem Maße abzunehmen und seinem Treibstoff beizu- mischen. Der Kraftverkehr wird dadurch um weitere 69,3 Millionen Mark belastet. Dazu kommt die allgemeine P a u s ch a l st e u e r mit etwa 169 Millionen Mark und damit nicht genug, sollen die letzten Benzinpreiserhöhungen im Oktober nochmals 83,5 Millionen Mark bringen. Mit fast einer halben Milliarde Mark Be- l a st u n g kann der Kraftverkehr kaum noch be- stehen. Allen anderen Wirffchaftszweigen, vor- nehmlich der Landwirtschaft, ist man mit Steuer- geschenken und Subventionen hilfreich beigesprun- gen. aber noch nie dem Kraftverkehrswesen. Schließlich wird ja der größte Teil der Fahr- zeuge nicht zu Vergnügungszwecken benutzt. Man hat ausgerechnet, daß im ganzen Kraftverkehrs- wesen über 159999 Personen weniger als früher beschäftigt werden und zum Teil der öffentlichen Wohlfahrt zur Last fallen. Das Geräteturnen Serienwettkampf Mitte gegen Moabit Den ersten Serienwettkampf der neuen Serie im Geräteturnen bestritten die Mittelstufen- Mannschaften des Sportvereins Moabit und der Freien Turnerschaft Groß-Berlin-Mitte. Mehr als 159 Zuschauer hatten sich eingefunden, die dem schon längst totgesagten Turnsport ihr Interesse entgegenbrachten. Die Mannschaften erfüllten aber auch alle in sie gesetzten Erwartungen. An allen Geräten holten die einzelnen Turner den sehr guten Durchschnitt von 39 Punkten heraus. Nur am Pferd ließen die Moabiter etwas nach. An den einzelnen Geräten holten die Mann- schaften folgende Resultate heraus: Mitte: Barren 158, Pferd 159, Reck 152, Gymnastik 31, insgesamt 491 Punkte. Moabit. Barren 155, Pferd 139, Reck 157, Gymnastik 39, insgesamt 481 Punkte. Der zu heute angesetzte Kampf Norden gegen Tempelhof muß ausfallen, da die Tempelhofer an der heute stattfindenden Wahlkundgebung teil- nehmen. Der Kampf findet Donnerstag, 27. Ok- Kaum sind die O l y m p i s ch e n Spiele der bürgerlichen Rekordsportler in Los Angeles vor- über, da beginnen für die Herren Sportführer neue Sorgen 1936 soll Berlin die Spiele aus- richten und schon jetzt bangt man um die Unter- bringung der aktiven Teilnehmer. Selbstverständ- lich kann so ein gottähnlicher Rekordmann nicht etwa in einem Hotel wohnen, oder gar, wie es die Arbeitersportler in Wien taten, in Massen- quartieren oder bei freundlichen Gastgebern, die vielleicht die letzte Decke und das knappe Brot mit ihm teilten. Amerika bot den Luxus des„olympischen Dorfes", einer eigens für diesen Zweck gebauten Siedlung, in der die Sportler nach Nationen streng geteilt(und hoffentlich diese wieder nach Maßgabe der Rekorde des einzelnen!) wohnten. In Berlin soll auch so ein Dorf entstehen. Bei Eichkamp will man es erbauen. Ein Muster ist vorhanden, Amerika spendete der deutschen Delegation ein Haus und danach soll gebaut werden. Obschon die Oeffentlichkeit immer noch darauf wartet, zu erfahren, wie tief die Reichsregierung in den Säckel griff, um die deutsche Luxusexpedition mit den modernsten und teuersten Dampfern nach Amerika fahren zu lassen, haben bürgerliche Sport- fllhrer, die sich„verantwortlich für die deutsche Jugend und das deutsche Vaterland" fühlen, keine anderen Sorgen, als die um den Aufbau eines olympischen Dorfes! Im Grunewald stehen die sogenannte Hochschule für Leibesübungen und das Sportforum, alles schöne große Gebäude mit vielen Zimmern. In Spandau ist das große Ge- bäude der preußischen Hochschule für Leibes- Übungen unbenutzt, aber deutsche Sportführer bauen olympische Dörfer! Das„Reichskuratorium für Jugend- e r t ü ch t i g u n g" des Herrn Innenministers von Gayl plant den Bau von Wassersport- schulen. Junge Leute sollen darin ordentlich see- männisch gedrillt werden mit Leibes- und„Ord- nungs"übungen, Kleinkaliberschießen: sie sollen seemännisch schimpfen lernen— TV. nennt es „seemännische Ausdrücke"— und auch Rudern und Steuern. Schließlich sollen sie noch den Gebrauch der Seekarten, des Komvasies, der Fahrwasser- bezeichnunqen und seemännische Signale lernen. Für die Landsportler Geländeübungen und Ge- päckmärsche, für die Wassersportler Ausbildung auf dem Schiff— so wird für Soldatennachwuchs gesorgt! Arbeiter-Wasserball Die letzten Spiele Die Serienspiele nahmen einen recht bewegten Verlauf. Am Sonnabend waren es die Mann- schaften von Charlottenburg II und Freiheit, die sich ein ziemlich gleichwertiges Spiel lieferten. Freiheit überraschte in diesem Kampf durch vorbildliche Angriffsfreudigkeit und verbesserte technisches Können, mußte aber trotz- dem eine unverdiente 7: 8-Niederlage hinnehmen. Charlottenburgs technisch guten Spielern man- gelte es im ersten Teil des Spieles an Zusammen- hang, dagegen bestimmte Freiheit das Tempo und erreichte mit gut verteiltem Stürmerspiel auch bald die zahlenmäßige Führung. Kurz vor Halb- zeit gelang es Charlottenburg, durch Deckung?- fehler der gegnerischen Verteidigung einige Tore auszuholen. Halbzeitstand: 5:3 für Freiheit Nach Wiederbeginn wurden die Leistungen der Char- lottenburger in der Ballabgabe besser und trotz aufopfernder Abwehrarbeit des Gegners gelang es nun, aufzuholen und im spannenden Endkampf, der die Spielpartner völlig ebenbürtig sah, war Charlottenburg so glücklich, knapp vor dem Ab- pfiff den entscheidenden Treffer zu erzielen. tober. in der Schule am Alarichplatz in Tempelhof statt. Am gleichen Tage stehen sich in der Holtey- strahe die Mannschaften von Lichtenberg und Süden gegenüber. Am Freitag kämpfen in der Schönfließer Straße Wedding und Nordring sowie in der Boddinstraße in Neukölln der ASV.-Neu- kölln und Karlshorst. Die Kämpfe beginnen um 29 Uhr. Luckenwalde bestritt am Sonntag sein erstes Spiel der Serie gegen Hellas II,, kam aber trotz schwimmerischer Gleichwertigkeit nicht gegen die spielersahrenen Berliner aus. 9: 5(Halbzeit 5: 1) lautete das Schlußergebnis für Hellas. Was zu berichten ist Achtung, Arbcilcrfporller! Mittwoch, 2. No- veniber, große Kundgebung der Arbeitersportler zur Reichstagswahl im Lehreroereinshaus, Alexanderplatz. Termin freihalten! Kartell für Arbeitersport und Körperpslege. Die Arbeiterkegler. Der aus den Heimatbahnen des Kegelklubs Knorke ausgetragene Rückkampf mit Frei Holz(Spandau) endete mit dem Siege von Knorke mit plus 59 Holz. Es erzietten: Knorke: Holzhütter 738, Fischmann 712, Schmidt 711, Kielblock 697, Gosemann 692 Holz: Frei Holz: Schick 714, Morgenrot 717, Schön- feld 692, Markus 699, Schilling 685 Holz. Der Rückkampf mit dem Kegelklub Rührige Mann- schaft findet Montag, 7 November, ab 17 Uhr, im Keglerheim Atlantic, Behmstraße 2, statt. Die Sportschule Dietrich zeigte in einer Matinee im Universum am Lehniner Platz chren Arbeits- plan und ihre Erfolge. Was Herr Dietrich und seine Assitentin Greil Vetter, die über reiche Er- fahrung im Sportlich-Gymnastischen verfügen, ihre Schüler vorführen ließen, ging teilweise über das hinaus, was man sonst bei solchen Instituten zu erwarten gewohnt ist. Was die Sportvereine im allgemeinen, Gymnastikschulen im besonderen bezwecken, nämlich dem arbeitenden Menschen einen Ausgleich für die einseitige Be- rufstätigkeit zu verschafsen, das erreicht seine Methode zweifellos, nur beging Dietrich bei den öffentlichen Vorführungen den Fehler, Spitzen- könner und-könnerinnen herauszustellen. Er sprach wohl von der Gymnastik der Aelteren, zeigte sie. aber nicht. Jungen Mädchen die„Kerze" so tadellos beizubringen, wie sie gezeigt wurden. ist nicht schwer: nötiger ist. gerade den Aelteren zu beweisen, daß sie für eine vernünftige Körper- pflege immer noch jung genug sind. Ob man die in Prioatinstituten oder in Sportvereinen be- treiben will, ist nicht so sehr eine Frage der Methode als des Geldbeutels. Vollssport Neulölln-Britz, Hockeyspieler. Mittwoch, 20. Oktober, 20 Uhr, Sonnenplaj. Volkssport Neukölln. Vrih. Die Uebungsabende der neu erölsneten Abteilungen: Lindersportabteilung: Mittwoch, 18 Uhr. Halle Richardstraße: 2. Frauenabteilung: Donners- tag, 20 Uhr, Salle Richardstrahe; Soortlerinnenabteilung: Donnerstag. 20 Uhr, Doppelhalle Lesstngstratz«: 2. Männer- abteilung: Donnerstag, 20 Uhr, Dopvelballe Lesslnqstrahe: Bewegungschor: Freitag. 20 Uhr, Mariendorier Strahe: Tennisabteilung: Donnerstag, 20 Uhr, Mariendorser Strohe. Turn- nab Sportoerein„Eiche'-Zlöpenick. Uebungs- stunden: Schiller: Dienstags, 17>, Uhr, 1. Gemeindeschule lAmtsstr.). Freitags, nVj Uhr, Dorothcenschule(Menzel- strahe).— Ecblllerinnen: Mittwoch». 17hl. Uhr. 7. Ge- meindeschule(Freiheit) Freitaas, llhh Uhr, Dorotheen- schule(Menzelstr.)— Leichtathleten:(Männer, Jung- Mädchen, Alterssportler, Jugend) Dienstag». I9>4 Uhr, 1. Semeindeschuie(Amtsstr.).— Turner(Männer und Jugend) Freitags.— Hausfrauenabteilung: Freitags 19, hg Uhr. Dorothcenschule(Menzelstr.).— Wegen de» Herbstwaldlaufes wird Sonntag, 23. Oktober, nur ein Handballspiel ausgetragen, und zwar spielt die 1. Schiller- Mannschaft 13 Uhr aus dem Eicheolah geacn Westen. Alle an dem Waldlauf beteiligten Sportler treffen sich 13rg Uhr in der Lindenstr.(Körnerschule).— Mittwoch, 27. Oktober, 20 Uhr, Iugendllhung bei Gollnow. Kietz 18. Tenai»-Rot Sroh-Bcrlin, Abt. Prenzlauer Berg. Mo- natsversammlung Donnerstag, 3. November, 20 Uhr, bei Hoffmann, Ltichener Str. 8. Mitgliedsbücher nicht vergessen. Arbeiter-Lichtbild-Buud. Arbeitsgemeinschaft Berlin. Dienstag, 23. Oktober. 19 Uhr, sille Berliner Photovereine und Gruppen im Phyllkraum der Sch'lle Pank- Ecke Wiefenstrahe Lichtbildervortrag: Bildaufbau. Anschliehend Führung durch die Lichtbildausstellung der Freien Photo- Vereinigung Berlin. Gäste willkommen. ADV. Borsiawalde sucht für Sonntag. 30. Oktober, Gegner für 1. Mannschaft auf eigenem Platz Angebote schriftlich oder fernmündlich Freitag ab 20 Uhr. Tegel 2061. 2. Bezirk. Schiedsrichter. Nächste Schiedsrichteroersamm- lung erst Mittwoch, 2. November. Näheres im VBA. Senkt die Steuern in der Kraftverkehrswirtschaft Sie haben Sorgen— die bürgerlichen Sportführer um das Olympia ffftafs fek Thealcr Dienstag, den 25. Oktober staatsoper unter den Linden 19 Uhr Die Meistersinger von Nürnberg staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Wilhelm Teil VOLKSBUHNE Theater am Bdlewpiatx D I. Norden 2944. TKgllch 8 Uhr Die Raiten Är Dorsch, Klöpfer, Wernicke. Verhoeven, Hormey, Fein, Stein, Thau, Kurz. Stadt. Oper Charloticnbur.' Fraunhofer 0231 Dienstag, 25. OkL Turnus II Fidelio 20 Uhr Bindernagel, Fidesser. Rode, HDsch, Baumann, Eisinger, Steier Dirigent; Paul Breisach. inn Rose- Iheater Grote Fmklirtar Slnla 131 lel. Weitol E 7 3422 8,15 Uhr Der Hauptmann von Köpenick llillllllil Deutsches Theater Weidend. 3201 8 Uhr Pfte fliM von Wuig Sdunpiel m H.«. Haiti Regie: MaxReinhardl Kammerspieie 8 Uhr Schnltes Bühne Heiterer Ludwig Thoma-Abend Die Brantschau Erster Klasse »•.uhr CIISIIIO- THEATER Lothringer Strahe 37. iiiiiiiiiiiimiiimiiiniiiiniiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiMiHMiiiiiiitiiiiiiiiii Nur noch bU S. November auch Sonntags nachm. 4 Uhr Königin der lull Am 4. November zum I. Male: Die Liebe blüht in Werder Outschein(ör die Leser 1— 4 Personen Faut 0.75 M.. Sessel 1.25 M., Park. 0.30 M Schiller Blsmudutr.(Knie) Steinpi.(Cl) 6715 Täglich S'/a Uhr Robert und Bertram Alfred Braao, Frih Hindi, Santa SIoalaDd raimm Komödlenliaus Stiillfbauerdamm 75 0 1 Weidend.«304—03. Täglich 8