Morgen- Ausgabe Nr. 505 A247 49. Jahrg. Rebaktton und Verlag, Berlin S\V 63, Lindenstr. 3 JJtmfptttf)«.«7 Am, Dönhoff 282 t>« 287 ?elegiammadr«!s«! Sozialb emotrat D«ilw BERLINER VOLKSBLATT MITTWOCH 26. Oktober 1932 In Groß- Berlin 1l) Pf. Auswärts....... 15 Pf. V«zug«beb gäbe* wagt es, mit einer triumphierenden Schlag- zeile zu erscheinen, aber auch sie bezeichnet im Text das Urteil als„Kompromiß". Als Gradmesser für die Stimmung der nicht auf den Straßenhandel eingestellten Rechtspresse zitieren wir nachstehende Ueberschristen aus Rechtsblättern: „Deutsche Zeitung*: Folgenschweres Urteil in Leipzig. „Deutsche Allgemeine Zeitung": Zwiespältiges Urleil. .Lreuz-Zeitung": Eine unmögliche Entscheidung. „Lokal-Anzeiger": Sonderbares Kompromiß. „Berliner Börsen-Zeitung": widerspruchsvolles Urteil. Der nationalsozialistische„Angriff" überschreibt sogar:„Niederlage Popens." Bei dieser Ueberschrift hat allerdings die Schadenfreude der Konkurrenz Pate gestanden. Die mehr oder weniger hinter Papen stehenden Blätter machen sich sehr ernste und große Sorgen, was nun geschehen soll. Ihr Bestreben geht zunächst dahin, den durch den Spruch des Staatsgerichtshofs rechtens gewordenen Zustand als unhaltbar hinzustellen. Berliner Börsen-Zeitung: „Will man diese theoretische Entscheidung des Staatsgerichtshofes in die rauhe Praxis umsetzen, so würde ein Zustand geschaffen, der sich zwischen den Extremen von K o mi k und Chaos be- wegt." Kreuz-Zeitung: „Wenn es noch des Beweises bedurft hätte, daß die Einschaltung juristischer Instanzen in die le- bendige politische Entwicklung zu st a a t s r e ch t> lichen und politischen Ungeheuerlich- ketten führt, dann ist dieser Beweis durch das Leipziger Urteil des Staatsgerichtshofes erbracht worden. In ihm hat das formal juristische Mcrn hetzt zum Staatsstreich Denken einen Triumph über die Ueber- legungen der primitivsten politischen Ver- nun st gefeiert." Deutsche Allgemeine Zeitung: „Wenn jetzt die alten preußischen Minister wieder ihre Plätze im Reichsrat einnehmen, so«nt- steht die Gefahr, daß die Politik der Reichsregie- rung an einer sehr verwundbaren Stelle schwer bedrängt wird. Auch sonst er- öffnen sich höchst unerfreuliche Perspektiven... Schon der Versuch der alten preußischen Minister, in ihre alten Amtsräume zurückzukehren, wird voraussichtlich Komplikationen nach sich ziehen... Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß durch das Leipziger Urteil eine außerordentliche Ver- wirrung und Beunruhigung hervorgerufen wor- den ist." Lokal-Anzeiger: „Nach der Entscheidung des Staatsgerichtshofs soll also theoretisch ein staatlich unmöglicher Zu- stand rechtens sein... Man könnte die Beispiele häufen. Das ist überflüssig, da die Unmöglichkeit — die staatliche Unmöglichkeit, nicht die juristische freilich— dieser Konstruktion ohnehin auf der chand liegt." Die Folgerung, die von der Papenpresse aus der angeblichen Unmöglichkeit des Zustands ab- geleitet wird, daß der Staatsgerichtshof die Regie- rung Braun nach wie vor als die rechtmäßige Preußenregierung erklärt hat, während anderer- seits der Staatskommissar weiter amtiert, liegt bei der Denkart dieser Leute auf der Hand: die Re- gierung Papen wird von ihrer Presse zum offenen Staatsstreich gegen das Leipziger Urteil aufgefordert. Vorsichtig tarnt die„DAZ." die Forderung: „In politischen Kreisen erwartet man für die allernächste Zeit eine Notverordnung über die Klärung der vom Slaatsgerichtshos ossengelassenen staatsrechtlichen Fragen." Viel deutlicher wird die„Deutsche Z i i- t u n g". Sie beklagt, daß die Reichsregierung durch die Anerkennung des Staatsgerichtshofs das Einigung in Varis Oer Konklilrt überwunden IUI Eigener Bericht des„Vorwärts" Paris, 25. Oktober. Die StudienkommissioU des Obersten Landes- Verteidigungsrates hat in einer Nachtsitzung bis «in Uhr morgens den französischen Abrüstungs- plan in seinen Grundzügen fertiggestellt. Am Freitag wird der Oberste Landesverteidigungsrat, dessen Vorsitzender der Präsident der Republik ist, unterrichtet und schließlich der Ministerrat. Luft- minister P a i n l e v e sprach nach Beendigung der Sitzung einem Vertreter des„Echo de Paris" gegenüber seine Befriedigung über das Zustande- kommen der Einigung aus und erklärte, daß die Gerüchte von einem scharfen Konflikt zwischen der Regierung und General Weygand übertrieben gewesen seien. Es habe natür- lich Meinungsverschiedenheiten gegeben, aber das sei durchaus normal. H e r r i o t gab zu verstehen, daß wegen dieser Gerüchte die Studienkommission etwas schneller habe arbeiten müssen, nach seiner Ansicht wäre ein langsameres Arbeiten vorzuziehen gewesen. Die Hauptsache sei jedoch, daß eine Einigung erzielt und das Ergebnis der Arbeiten befriedigend sei. * Der Plan wird Anfang November In Genf ver- öffentlicht werden. Man wird dann sehen, ob er nach dem Willen der Generäle gestaltet oder zur Förderung der Abrüstung geeignet ist. Un- abhängig davon bleibt bestehen, daß in der f ra n- z ö s i s ch e n Demokratie die Militärs ebenso wie jeder andere unter dem Gesetz stehen und den gesetzmäßigen Anordnungen der verfassungs- mähigen, vom Parlament gehaltenen Regierung zu folgen haben. �uLenpoIitiseKs Debatte vertagt Eigener Bericht des„Vorwärts" Paris, 25. Oktober. Kammer und Senat traten am Dienstag nachmittag zu ihrer Herbsttagung zusammen. In der Kammer waren sowohl die Abgeordneten- bänke als auch die Tribünen in Erwartung der angekündigten Interpellationsdebatte über die Außenpolitik stark besetzt. Aber wie häufig im französischen Parlament, kamen die Dinge anders, als man sie sich vorgestellt hatte. Die Kammer be- schloß nämlich mit 500 gegen 78 Stimmen, an Stelle der Interpellationen über die Außenpolitik diejenigen über die Notlage der Landwirt- s ch a f t zu diskutieren. Der Grund für diese Programmänderung liegt darin, daß die Regierung eine Debatte über die Kriegsschuldenzahlungen, die der Nationalist Marin angekündigt hatte, vor der Präsidentenwahl in Amerika vermeiden will, um sich nicht ihre Handlungsfreiheit bei den späteren Besprechungen mit der Washingtoner Regierung einschränken zu lassen. Die Regierung „Recht der Diktatur" preisgegeben habe. Sie plädiert für ein„politisches Notstands- � recht", das der Reichsregierung über alle Ver- fassungshindernisje Hinweghelsen soll: „Das Notstandsrecht läßt sich nicht auf Eis legen. Die Regierung Papen hat viel oersäumt. Jetzt oder nie wird sie zeigen müssen, ob sie jähig ist, den Gedanken der soviel zitierten autoritären Staatsführung" in die Tat umzusetzen oder nicht. Es handelt sich nicht um den Staats- gerichtshof und sein Urteil, sondern es geht heute um den neuen Notstand, der durch das Urteil des Staatsgerichtshofs geschaffen ist: Zwei Re- gierungen in Preußen, von denen eine oben- drein noch gegen die Reichsregierung steht, das ist ein Notstand. Dieser Notstand kann nur durch politische Entschlüsse behoben werden. In das gleiche Horn stößt die„Kreuz-Zei- t u n g", indem sie die Frage aufwirst, „ob an dem Widersinn der Weimarer Verfassung schließlich noch das ganze Reich zugrunde gehen soll... Dieses Problem ist so schwerwiegend, daß die Reichsregierung jetzt vor die aller- ernstesten Entscheidungen gestellt wird." So ist man hier munter dabei, die Reichsregie- rung zum Rechts- und Verfassungsbruch anzu- spornen.— Ganz im Gegensatz zu diesen Stimmen sieht die Zeitung„Der Deutsche" die Lösung des Problems in ganz anderer Richtung. Sie schreibt, nachdem sie festgestellt hat, daß der Reichspräst- dent nach diesem Urteil nicht das Recht hat, die preußische Regierung abzusetzen und an ihrer Stelle diktatorisch zu regieren: „Die Amtsenthebung kann nur vorübergehend sein. Der Preußische Landtag hat das Recht, eine neue Regierung zu bilden... Es liegt beim Preußischen Landtag, bei den Parteien, dem jetzigen Zustand ein Ende zu machen und in Preußen die normalen Zustände wieder herzustellen." Womit offensichtlich die Bildung einer Nazi- Zentrumskoalition in Preußen gemeint ist. oerriet aber diese Absicht nicht. Herriot erklärte, als der Kammerpräsident nach der Verlesung der Interpellationen fragte, welche Reihenfolge die Regierung vorschlage, daß er dem Auswärtigen Ausschuh versprochen habe, sofort nach Wieder- eröffnung des Parlaments in eine' Debatte über die Außenpolitik einzuwilligen. Cr halte an diesem Versprechen fest, aber wenn die Kammer infolge der letzten Ereignisse aus den Getreidemärkten es für nötig halten sollte, zunächst die Inter- pellationen über die Landwirtschaft zu besprechen, werde die Regierung nichts dagegen einzuwenden haben. Ein radikaler Abgeordneter beantragte darauf, zuerst die Interpellationen über die Land- Wirtschaft zu erörtern. Trotz aller Bemühungen von Marin, Franklin-Bouillon und eine» Kommu- nisten, die eine außenpolitische Debatte vor dem Wiederbeginn der Arbeiten der Abrüstung»- konferenz forderten, beschloß die Kammer, zuerst die Interpellationen über die Landwirtschaft zu besprechen. Der Senat vertagte sich nach einer kurzen Debatte über sein Arbeitsprogramm bis zum 8. November. ScUoffi M (uc den ldaUUuu*ip$ o�er „d B. Juli offenkundig war. Nur aus der Tatsache, daß die Frage des Verhältnisse» von Abs. t und 2 überhaupt nicht erörtert worden ist, läßt sich erklären, daß der Punkt— ob nicht die Gefahrenlage durch die Maßnahme der Reichsregierung selbst erzeugt worden ist— ausdrücklich als unwesentlich an- gesehen wurde. Eine schwere juristisch« Unter- lassungssllnde, die zu der Ansicht verleiten muh, daß Treu und Glauben nur zugunsten, nicht ober zuungunsten der mächtigeren Partei zur Anwen- dung zu kommen hat! Endlich aber die bedenklichst« aller R e ch t s k o n st r u k t t o n e n, die zur Recht- fertigung dafür angewendet wurde, daß der Reichspräsident nicht nur die polizeilichen, sondern olle staatlichen Machtmittel Preußen» an da» Reich übertragen konnte. Der Staatsgerichtshos gebraucht hier, um nicht prüfen zu müssen, welcher Anlaß zur Uebernahme der einzelnen Ministerien vorhanden war, einen seltsamen Ausweg. Er prüft lediglich nach, ob unter den konkreten Um- ständen der Reichspräsident innerhalb seines pflichtgemäßen Ermessens handelt, wenn er den Reichskommissar ermächtigt, die Vereinheitlichung der staatlichen Machtmittel vorzunehmen. Mit der Zeslslellung, daß in der reinen Ermächtigung keine Ermessensüberschreilung zu finden ist, hält er seine Ausgabe in diesem Punkt für beendet und sagt ausdrücklich, daß die Frage, ob der Reichskommissar bei seiner Vertreibung der einzelnen preußischen Minister sachgemäß verfahren ist, den Staatsgerichtshos nichts angehe, da der Reichskommissar hier nur dem Reichspräsidenten verantwortlich sei. Es wird hier also wieder die Frage der Zu- lässigkeit der Ermcssungsnachprüfung schlechtweg verneint, sie wird aber natürlich auch nicht be- saht, sondern der Staatsgerichtshos schiebt lediglich die Verantwortlichkeit vom Gerichtshof an den Reichs- Präsidenten ab. Indem Preußen so tatsächlich seiner Macht- mittel beraubt wird, ohne daß eigentlich eine Ent- schetdung darüber gefällt wird, ob dafür ein hin- reichender Grund besteht, wird die Reprä- sentation de» Landes der alten Staatsregierung zugewiesen, ohne daß ersichtlich wäre, wie diese unmögliche Spal- tllng der Staatsgewalt staatsrechtlich im vollen Umfang durchgeführt werden soll, chier rächt sich die Beschränkung der Nachprüfung, die dazu ge- führt hat, daß der gesetzmäßigen Regierung keinerlei Arbeitsgebiet mehr zufällt. Zwar wird der rechtmäßigen Regierung die Vertretung im Landtag zugestanden, was aber im Effekt nur dazu führen wird, daß dem Land- tag gegenüber jegliche Verantwortlichkeit aus- geschlossen ist. Die nichtgeschäftsführende Regie- rung ist verantwortlich, der geschäftsführenden Ersatzregierung wird damit aber ihre Unverant- wortlichkeit bescheinigt. Wie unter diesen Um- ständen die Preuhenregierung die ihr ebenfalls zugesprochene Vertretung im Reichsrat durch- führen soll, ist schwer ersichtlich. Zumal der Staatsgerichtshos ohne weiteren Grund noch ein neues Damoklesschwert über die Preußenregie- rung aufhängt. Denn er weist Herrn von Papen vorsorglich darauf hin, daß ein an und für sich möglicher Widerspruch, den sich die Preußenregie- rung im Reichsrat gegen das Reich erlaubt,«ine dem Art. 48 Abs. 1 widersprechende Geschäfts- führung mithin als Pflichtverletzung angesehen werden kann. Klargestellt ist lediglich, daß die kalte Reichs- reform über den Reichsrat wohl nicht mehr er- folgen kann, und weiterhin steht auch fest, daß Herr von Gayl die preußischen Minister nicht mehr hindern kann, sich im Reichsrat zu betätigen. Der Satz der mündlichen Urteilsbegründung, der die Deamtenanstellungs- und Entlassungsfragen betrifft, ist zu unklar, als daß daraus etwas End- gültiges entnommen werden könnte. Von Belang scheint noch, daß die im Reichstag erörterte Frage, ob durch Notverordnung Anleihen aufgenommen werden können, vom Staatsgerichtshof für Preußen jedenfalls verneint worden ist. Im ganzen— auch suristisch gesehen— ein unbe- friedigendes Urteil, das noch zu viel unbefriedi- genderen Folgen führen wird. Otto Ktrdllieimer. Severing über das Urteil Eigener Bericht des„Vorwärts" Braunschweig, 25. Oktober. Der größte Saal Vraunschweigs, die Stadt- halle, konnte heute abend nicht die Massen der Eisernen Front fassen, die zur Severing- Kundgebung aufmarschiert waren. Genosse Seve- ring, von den rund 10 000 Männern und Frauen stürmisch begrüßt, wandte sich zunächst aufs schärfste gegen den Kurs des Herrn v. Papen. Wenn dieser Reichskanzler glaubt, allein mit dem Reichspräsidenten die Dinge in Deutschland zu meistern, so sei ihm zugerufen: Das Volk ist auch noch da, es läßt sich nicht ausschalten! lTlürmische Zustimmung.! Das Volk will keine Präsidialkabinette, sondern politisches Recht, wie es in der Verfassung ver- ankert ist. Nach einer scharfen Abrechnung mit der Demagogie sowohl der Nazis wie der Kommu- nisten erklärte Genosse Severing zu dem Leip- z i g e r Urteil folgendes: Die Reichsregierung hatte damit gerechnet, daß sie durch ihre Staatskommissare In Preußen die preußischen Reichsrats stimmen instruieren darf. Das ist ihr durch das Leipziger Urteil unter- sagt worden. Wenn heute in einem offiziösen Kommentar der Reichsregierung behauptet wird, daß diese Entscheidung den Erwartungen ent- spräche, so stimmt das nicht. Bereits bei den ersten Auseinandersetzungen mit den Herren von Papen und von Gayl über die Einsetzung eines Reichskommissars in Preußen habe ich dar- auf hingewiesen, daß der Wortlaut der Amtsenthebung mit den Artikeln 17 und 53 der Reichsverfassung nicht vereinbar sei. Da» ist heute bestätigt worden. Beide Herren haben sich damals ausge- schwiegen. Wenn sie jetzt Hinlecher erklären, so well sei die Amleenlhebung nicht gedacht, so haben sie nachträglich diese Kenntnis von ihren Rechtsberatern gewonnen." Severing erhielt stürmische Ovationen. Die erste Tat des Papen-Kabinetts war, den früheren Regierungen die Schuld an einer Zer- rüttung der Reichsfinanzen in die Schuhe zu schieben Diese unglaubliche Behauptung stand in krassem Widerspruch zu den Tatsachen, denn trotz der außerordentlichen Verschärfung der Wirt- schaftskrise konnte das Kabinett Brüning den Haushalt im Finanzjahr 1031/32 fast ausgleichen. Zwar war im Gesamtergebnis ein Fehlbetrag von rund 449 Millionen Mark entstanden, zugleich aber waren 420 Millionen Mark kurzfristige Schulden getilgt worden, so daß ohne diese Schuldentilgung Einnahmen und Ausgaben des Reiches im vergangenen Finanzjahr nahezu balancierten. Jetzt veröffentlicht das Reichsfinanzministerium die Entwicklung der Reichsfinanzen im ersten Halbjahr des lausenden Rechnungsjahres 1032/33 (1. April bis 30. September). Diese sechs Monate fallen bereits zum größten Teil unter die Verantwortung der Baronsregie- rung. Man muß sagen, daß das Ergebnis der Papenschen Finanzgebarung nicht gerade den Schluß zuläßt, daß dieser Kanzler„den in drei- zehn Jahren aufgehäuften Schutt" hinwegräumtl Die veranschlagten Einnahmen waren auf 3732 Millionen Mark sestgesehl. dagegen sind in diesem Ieilabschnilt nur 3352 Millionen Mark eingegangen. Das erste Halbjahr schließt also mit einem Defizit von 380 Millionen ab, so daß sich, aus das ganze Dohr übertragen, ein Defizit von reichlich einer dreiviertel Milliarde ergibt. Allerdings verspricht sich das Papen-Kabinett noch belebende Wirkungen für die Reichsfinanzen von der Wirtschaftsankurbelung. Was man bisher Havemann evn hrio Violinkonzert mit Pfeifkonzert Eigener Bericht des„Vorwärts" Frankfurt, 25. Oktober. Die Leitung des Frankfurter Orchestervereins hotte, wohl auf Weisung der obersten Rundfunk- behörde, als Solisten ihres Montogs-Konzerts den Geiger Gustav Havemann verpflichtet, der als Dirigent eines Berliner nationalsozia- listischen Orchesters sich parteipolitisch sehr stark exponiert hat. Vor und während des Kon- zerts kam es zu politischen Kundgebun- gen. Auf der Straße wurden Handzettel verteilt, die zum Boykott de» faschistischen Rundfunks auf- forderten und das Verhalten Havemannz glossier- ten, oer für Geld das Konzert desJudenMen- d e l s s o h n spiele. Ms Havemann das Podium betrat, wurde er mit einem Pfeifkonzert empfangen. Schließlich konnte das Mendelsfohnfche Konzert zu Ende geführt werden. Am Schluß des Musik- stückes begann das Pfeiftonzert aufs neue. Der Rundfunkfkandal Loholz xerüff elt Selbst die„Deutsche Tageszeitung" nennt die Rundfunkveranstaltung vom Sonnabend „Ketzereien am Wochenende" einen Skandal von ungewöhnlichen Ausmaßen. Wie man hört, hat inzwischen der zuständige Reichsinnen- minister den verantwortlichen Rundfunkkom- von dieser„Ankurbelung zu sehen bekommen hat, berechtigt jedoch zu keinem Optimismus. Die einzelnen Posten der Steuer- und Zoll- einnahmen lassen die zusätzlichen Massen- belastungen deutlich in Erscheinung treten. Der größte Teil der Steuerausfälle geht zu Lasten der Besitz- und Verkehrssteuern. Die E i n k o m- m e n s st e u e r ist um 145 Millionen Mark hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die Körper- s ch a s t s st e u e r blieb allein in den letzten drei Monaten um 28,1 Millionen hinter dem Vor- anschlag zurück. Bei der Jndustrie-Aufbringungs- Umlage blieben die Einnahmen vom Juli bis September gegenüber der gleichen Zeit des Vor- jahres um 76,1 Millionen Mark zurück, was auf besondere Subventionen aus der Papen-Verordnung im Juni dieses Jahres zurück- zuführen ist. Andererseits haben die Umsatz- st e u e r vom Juli bis September 98,4 Millionen Mark mehr eingebracht, die Zölle fast 30 Mii- lionen Mark und die Zuckersteuer 12,5 Mil- lionen Mark mehr. Diese Mehreinnahmen gingen ausschließlich zu Casten der breiten Massen, deren Ein- kommen durch Lohndruck und Arbeilsiosigkeil schon unerträglich gekürzt worden ist. Bei einer derartigen Entwicklung der Reichs- finanzen kann das Mißtrauen der Oeffent- l i ch k« i t gegen die wahllose Verschleuderung von Riesensubventionen und ihre Finanzierung mit Schatzanweifungen gar nicht groß genug sein. Diese hemmungslose Liebesgabenpolitik steht jedenfalls— das zeigt dieser Ausweis des Finanzministeriums ganz eindeutig— i n schärfstem Widerspruch zu der Entwick- lung der Reichsstnanzenl missar Scholz ersucht, dafür zu sorgen, daß Vorträge dieser Art in Zukunft unterbleiben. Zu gleicher Zeit ist Scholz der Auftrag gegeben wor- den, auf die Progrommleitungen dahin einzu- wirken, bei der Auewahl der Vortragenden vor- sichtiger zu sein. Das ist alles. Und das ist mehr wie eürftig. Es ist ja kein Geheimnis mehr, daß die Regierung Papen mit der neuen Rundfunk- leitung, die nicht nur innenpolitisch Schwie- rigkeiten macht, sehr unzufrieden ist. Trotzdem läßt sie, wie es den Anschein hat, den Dingen ihren Lauf. Nach einer starken Hand sieht das gerade nicht aus. Und so können wir mit einiger Spannung auf c>en nächsten Rundfunk- s k a n d a l warten. Sin gefälschter Brief Erklärung des„Lokal-Anzeigers" Der„Berliner Lokal-Anzeiger" veröffentlichte am 28. Juli 1032 in Nr. 354(Morgenausgabe) unter der Ueberschrift: „Sozialdemokratische Selbst- « r k e n n t n i s" das Faksimile eines Briefes des fozialdemokrati- fchen Reichstagsabgeordneten k e>» i g an seinen Parteigenossen Schlemminger. Landrat des Kreises Niederbarnim. In dem Briefe warnt« der Abgeordnete Heinig den Landr.it Schlemminger vor verfassungswidrigen Gewaltstreichsn, die Schlemminger vorgeschlagen haben sollte Heinig begrllnbete diese Warnung mit der augenblicklichen finanziellen Schwäche der Sozialdemokratie. In dieser Angelegenheit fand eine Besprechung aller Beteiligten bei dem Vorgesetzten des Land- rats Schlemminger, Regierungsvräsidenien Joe- nicke in Potsdam, am 7. Oktober 1032 statt, die folgendes Ergebnis hatte: 1. Der Regierungspräsident Kellte auf Grund der beiderseitigen Angaben fest, daß Brief und Unterschrift geschickte Fälschungen sind 2. Der„Berliner Lokal-Anzeia?:" erklärt daß er durch diese Fälschungen getäuscht worden ist, den Brief aber in gutem Glaub-n veröffentlicht hat. 3. Herr Reichstagsabgeordneter Heinig und Herr Landrat Schlemminger erkennen nach dieser Erklärung an. daß die Redaktion den Brief in gutem Glauben veröffentlicht ha«." Milde für Nazis Billiger Tarif für rohe Naziführer Limburg, 25. Oktober. Die drei Kölner Nazifllhrer, die in Limburg in der Nacht zum Sonntag nach Schluß der Polizeistunde gewaltsam in eine Wirtschaft eindrangen, dort Schüsse abgaben, eine große Glasscheibe zertrümmerten, die Wirtin am Halse würgten und auf den Wirt so lange einschlugen, bis er ohnmächtig zusammenbrach, sind vor dem Limburger Schnellrichter sehr milde davon- gekommen Der nationalsozialistische Abgeord- nete des Preußischen Landtags Polm-Köln wurde wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruchs und Nötigung zu einem Monat Gefängnis oerurteilt, der kaufmännische Angestellte Nietzer erhielt sechs Wochen Gefängnis, der Stabführer der Kölner Nazis Erhard von Schmidt zwei Wochen Gefängnis mit Bewährung?- frist. Der Chauffeur wurde freigesprochen. 10.Jahre Zuchthaus gegen Arbeiter! Söslin, 25. Oktober. Die Große Strafkammer verurteilte heute wegen des Landfriedcnsbruchs in Belgard, wo am 21 August Zusammenstöße zwischen Kom- munisten und Sozialdemokraten einerseits und Nationalsozialisten andererseits stattgefunden hatten, die Arbeiter Mqronde. Höb und Femann zu j» zehn Jahren Zuchthau». Liebesgaben und Reichsfinanzen Eine schlechte Halhjahreshilanz— Großes Reichsdefizit Sin Unternehmerprogramm Schäffer zeichnet die„Sozialpolitik" der Nazibarone Der gegenwärtige Reichsarbeitsminister hielt am Montag in Stuttgart eine Rede über das A r- facitsrccht, seine Entwicklung und wirtschast- liche Bedeutung. „Das neu« Arbeitsrecht", meint Herr S ch ä f- f e r,„gibt den Gewerkschasten außer der Mitwirkung bei Festsetzung der Arbeitsbedingungen auch gewisse ösfentlich-rechtliche Befugnisse. Die durch das Betriebsrätegesetz geschaffenen Betriebsräte ordnen sich tatsächlich den Ge- werkschaften unter. Die Tarifordnung, die Un- obdingbarkeit des Tarisverlrages und die Oessent- lichkeit seiner allgemeinen Berbindlichkeitserklärung, diese und vor allem die aus den Demobil- machungsvorschriften stammende Verbindlich- keitserklärung von Schiedssprüchen haben dem Tarif- und Schlichtungswesen einen gewissen Zwangscharakter verliehen. In Gegenwirkung gegen die in der Zeit nach dem Umsturz folgenden heftigen Arbeits- und Lohnkämpfe wurde die Staatsautorität vielleicht etwas zu weitgehend in die früher freie Lohnregelung eingeschaltet, und der Staat sah sich vor die Ausgabe einer Lohnpolitik und der eigenen Stellungnahme zur Frage der Tarifwilligkeit der Verbände gestellt." Herr Schäffer entwickelte sodann das sozialpolitische Programm der neuen Reichsregierung: Anerkennung der Notwendigkeit der Ge- werkschasten und ihre Betätigungsfreiheit, aber„nicht Anerkennung des Mono- p o l s bestimmter Verbände", Anerkennung des Tarifgedankens. ober das Bestreben, seine Starrheit zu mildern durch erhebliche Einschränkung der Verbindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen, durch hinwirken auf größere Anpassung des Tarifinhalts auf örtliche und betriebliche Besonderheiten, Ein- schränkung auch der allgemeinen Verbindlichkeits- erklärung von Tarifverträgen, soweit sie zur An- wendung des Tarifvertrages auf Verhältnisse führen würden, für die er nicht berechtigt sei, und durch die Möglichkeit der Kürzung des Tariflohnes in wirtschaftlich besonders gefährdeten Betrieben auf Grund der Verordnung vom S. September 1932: im Arbeitsschutz Vereinfachung der jetzt sehr mannigfachen Vorschriften, z. B. aus dem Gebiete der Sonntagsruhe, in der Sozialver- sicherung Verwaltungsvereinsochung, endlick Ar- beitsbeschafsung und Ankurbelung der Wirtschaft,. womit die Sozialpolitik wieder in die Wirtschasts- Politik einmünde. Die Hauptaufgabe sei jetzt die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit: auf dieses Ziel seien alle Maß- nahmen des Regierungsprogramms eingestellt. nämlich die Notstandsorbeiten aller Art für frei- willigen Arbeitsdienst, das landwirtschastliche und vorstädtische Siedlungswejen, die Mittel für die chausreparaturen, für die Schaffung von Eigen- Heimen, ferner die Tarifverordnung vom 5. September und besonders auch die Gewährung von Gutscheinen für gewisse Steuern und für Mehrbeschäftigung. Ganz unrichtig sei die Ausfassung, als ob es sich hierbei um Subventionen für die Unternehmer handele. Im Gegenteil, dem Unternehmer er- wachse die besondere Pflicht, für Arbeit zu sorgen und zu diesem Zweck die Steuergutscheine und nach dazu möglichst viele eigene Mittel zu ver- wenden. ★ Es ist geradezu unglaublich, welche Opfer die Regierung den Unternehmern zumutet. Sie müssen sich für l'A Milliarden Mark Steuern schenken lasten, Prämien von 400 Mark für jede Neueinstellung ertragen, die Löhne außerdem noch abbauen, alles Dinge, von denen die glückliche Arbeiterschaft verschont bleibt. Vielleicht wird sie sogar wieder Sonntags arbeiten dürsen, im christlichen Geist natürlich, um das wieder zu erarbei- ten, um was die Sozialversicherung zur Erleichte- rung der„Wirtschaft" erleichtert wurde. Im übrigen: Fort mit dem„Monopol" der Gewerkschaften. Anpassung der Tarifverträg« an die„Betriebsverhältnisse", Beseitigung des „Zwangscharakters" der Schiedssprüche, soweit es sieh nicht um den Abbau der Löhne und die Ver- schlechterung der Arbeitsbedingungen handelt. Dieses Programm des derzeitigen Reichsarbeits- Ministers und vormaligen Direktors von Krupp ist die vollinhaltliehe Erfüllung der„sozialpoliti- schen" Forderungen der Unternehmerverbände. „Auslockerung" der Tarifverträge, Beseitigung des „Monopols" der Gewerkschaften, d. h. Anerken- nug der von den Unternehmern ausgehaltenen Gelben, Beseitigung der„Zwangsschieds- spräche". Was die Sozialoersicherung, besonders die Arbeitslosenversicherung betrifft, ist das Unternehmerprogramm bereits verwirklicht. In, übrigen stellt Herr Schäffer die„Verein- sachung" der Sozialversicherung und der Bestim- mungen über die Sonntagsruhe in Aussicht. Das kann nett werden. Wenn Herr Schäffer beabsichtigt haben sollte, noch vor den Wahlen allen Arbeitern und Angestellten klarzumaehen, daß es auch in der kapitalistischen Gesellschaft nicht gleichgültig ist, wer regiert, so hat er seine Absicht vollkommen erreicht. Anrecht an Ansatlverletzten Wie«He Papen-Regiemng für«He Rentner sorgt In der Verordnung„zur Ergänzung von sozialen Leistungen vom 19. Oktober 1932" stellt die Regierung, wenigstens theoretisch, kleine Ver- besserungen, insbesondere für die Unterstützungs- bezieher der Arbeitslosenversicherung und Krisen- fllrsorge in Aussicht, lieber die U n f a l l v e r- sicherung sind in dieser Verordnung nach- stehende Bestimmungen enthalten: „Renten für Unfälle, die sich nach dem 31. De- zcmber 1931 ereignen, werden nicht um sieben- einhalb vom Hundert sNotverordnung vom 14. Juni 1932 Erster Teil Kapitel ll Artikel 4�1 — RGBl. S. 273, 275) gemindert." Es wäre ein Irrtum zu glauben, daß damit die auf Grund der Notverordnungen vom 8. De- zember 1931 und 14. Juni 1932 vorgenommene Entziehung der kleinen Renten und der Abbau der übrigen Unfallrenten um 15 bzw. 7)4 Proz. auch zum Teil wieder rückgängig gemacht wird. Was die Regierung jetzt anordnet, bedeutet für die bisherigen Bezieher von llnfallrenten keinerlei ZNilderung. Die neuen Bestimmungen dienen lediglich dazu, die k ü n s t i g e Unfallrente(Verunglückte des Jahres 1933) nicht noch viel schlechter zu stellen als diejenigen, die bisher schon Unfallrente beziehen. Die Unsallrenten werden nach dem Jahres- arbeitsverdienst des Verletzten im vorangs- gangenen Jahre berechnet. In dem zu Ende gehen- den Jahre 1932 sind erhebliche Lohnkür- zungen eingetreten. Die Senkung des Jahres- arbeitsoerdienstes bedingt also eine automatisch verminderte Unsallrente. Bliebe die bisher geltende 7feprozcntige Kürzung noch ausrecht erhalten, so würden die Unfallverletzten, die im neuen Jahr hinzukommen und deren Rente sich nach dem Ar- beitsvcrdienst des Jahres 1932 errechnet, eine dop- pelte Benachteiligung erfahren. Wie sich die Be- stimmungen oAswirken, geht aus nachstehendem Beispiel hervor. Ein Unfallverletzter erhält bei einem Jahrcsarbeitsverdienst (1931) von........ 2000,— M. als Vollrente(festgestellt 1932) bei völliger Erwerbsunsähigkeit % von 2000 M.......— 1333,— M. davon ab 7% Proz. Kürzung..— 100,— M. (Notverordnung 14. Juni 1932) bleiben.......... Die Unfallverletzten des Jahres 1933 stehen sich also, obwohl die 71äprozentigc Kürzung wegfällt, noch wesentlich schlechter als die Verletzten, deren Renten im Vorjahre festgesetzt wurde. Angeblich entstehen durch den Wegfall der Kür- zung für künftige Unfälle bei den gewerblichen Berussgenossenschaften 4 Millionen Mark, bei den landwirtschastlichen Berussgenossenschaften eine Million Mehrkosten. Diese Summe hat man an- scheinend errechnet in der Annahme, daß die Be- russgenossenschaften, trotz der inzwischen stark ge- sunkenen Arbeitsverdienste auch weiter neue Renten um 7*6 Pro,}, kürzen können. Es ist be- zeichnend, daß die Unternehmerverbände sich stark gegen den Wegsall der Kürzung aus- gesprochen haben, obwohl die Unfallversicherung im laufenden Jahre durch den vorangegangenen Rentenraub eine Ersparnis von rund 90 Millionen Mark gehabt hat. Berücksichtigt man die Großzügigkeit der Regie- rung gegenüber den Unternehmern bei der Gewährung von Steuergutscheinen, bei der Ge- Währung von Einstellungsprämien usw. und be- trachtet man andererseits die Haltung der Regie- rung den Unfallverletzten gegenüber, dann zeigt sich deutlich, welche Gruppe von Volksgenossen sich des besonderen Wohlwollens dieser Regierung erfreut. Jahresarbeitsoerdienst (1932) von........ (Lohnkürzung 15 Proz. gegen- über 1931) als V o l l r e n t e(festgestellt 1933) % von 1700 M....... Keine Kürzung für neue Renten nach dem 31. Dezember 1932 (Verordnung v. 14. Okt. 1932) bleiben.......... 1233,— M. 1700.— M. - 1133,— M. 1133,— M. Sostnörud überall! Der Bühnenarbeiter-Schiedsspruch Im Tarifstreit zwischen dem Verband Berliner Bühnenleiter und dem Gesamtverband wegen des Abschlusses eines neuen Lohn- und Manteltarifes für das technische Bühnenpersonal in den pri- vaten Berliner Thealern wurde am Montag ein Schiedsspruch gefällt, der das übliche Mittelding zwischen den Forderungen der Unternehmer und Arbeiter ist. Die Löhne, die die Bühnenleiter um 16 Proz. gekürzt wissen wollten, kürzt der Schiedsspruch um 6 bis 7 Proz. Die von den Theater- direktoren geforderte Einführung der„Arbeits- bereitschaft" lehnte der Schlichtungsausschuß ab. Der Zuschlag für Uebcrstunden jedoch wird von 25 auf 15 Proz. gekürzt, ebenso auch der Urlaub, der zum Beispiel bei den über zehn Jahre beschäftigten nicht mehr 18 son- dern 14 Tage betragen soll. Der M a n t e l t a r i f soll bis zum 30. Sep- tember 1933, der Lohntarif ab 1. November bis 30. April 1933 gelten. Die Erklärungsfrist endet am 29. Oktober. Ob durch diesen Schiedsspruch der drohende Streik der Bühnenarbeiter in den privaten Ber- liner Theatern vermieden wird, ist noch sehr zweifelhaft. Es wird durch den Schiedsspruch zwar die tarifliche Regelung der Entlohnung Ballspiel i�zvischen Rapen und KPD, Der Reichskanzler hat in seiner Rede vor den Jnnungsmeistepn das zu durchsichtigen Zwecken von den der derzeitigen Regierung nahestehenden Kreisen betriebene Manöver sortgesetzt, die freien Gewerkschasten zu loben, um einen Gegensatz zwischen diesen und der Sozialdemokralischen Partei zu konstruieren, vor allem aber, um die Gewerkschaften in den Augen der Arbeiterschaft zu kompromittieren. Wie erinnerlich, hat Genosse Tarnow in seinem Referat auf der Kund- gebung der freien Gewerkschaften das Wirtschasts- Programm der Reichsregierung einer Vernich- tenden Kritik unterzogen. Tarnow hat da- bei bemerkt, daß er der Regierung die Chance zubillige, die Brauchbarkeit ihres Programms unter Beweis zu stellen, aber leidenschaftlich gegen die Lohnabbauabsichten protestiert und erklärt, jeder Versuch, die Gewerkschaften schachmatt zu setzen, würde zu Kampfformen führen, an�denen weder die Regierung noch die Unternehmer Freude haben würden. Diese deutliche Kampfansage hat Herr von Papen in seiner Rede in ihr Gegenteil verkehrt und Tornows Erklärung„begrüßt". Worauf na- türlich die kommunistische Presse mit Wonne- geschrei de» Ball aufsängt und wieder einmal das „Zusammenspiel" zwischen Papen, Leiport, Tor- »ow und Hitler„feststellt". Ein Zusammenspiel besteht allerdings. Aber ein Fangballspiel zu politischen Zwecken zwischen der KPD- und der gesamten Reaktion. wiederhergestellt, ebenso auch die tarifliche Rege- lung der allgemeinen Arbeitsbedingungen auf- rechterhalten, jedoch mit ganz erheblichen Verschlechterungen für die Bühnen- arbeiter. Für die Theatcrdirektoren ist es bezeichnend, daß sie sich ganz entschieden für einen starken Abbau der Löhne ihrer Arbeiter eingesetzt haben, während sie aus der anderen Seite nicht laut genug klagen konnten über den schlechten Besuch ihrer Thealer, der nicht zuletzt auf die allgemeine Drostelung des Einkommens der breiten Massen zurückzuführen ist. Gegen die Betriebsräte (»escheiterte Verhandlungen in der Schuhindustrie Bekanntlich Hatten die Schuhfabrikanten den M a n t e l t o r i f für die Schuhindustrie g e- kündigt und eine Reihe von Abänderungs- anträgen gestellt. Diese Abänderungsvorschläge bezweckten die vollkommene Ausschaltung der Betriebsräte bei Festsetzung der Akkordlöhne. Die Verhandlungen zwischen Unternehmern und Arbeitervertretern fanden am Montag und Dienstag in Berlin statt. Obwohl die Arbeilervertreter gleich zu Beginn der Verhandlungen die grundsätzliche Erklärung abgaben, daß sie der Ausschaltung der Betriebsräte unter keinen Umständen zustimmen würden, beharrten die Unlernehmervertreter aus ihren Verschlechle- rungsanträgen, so daß die Verhandlungen scheitern muhten. Die Unternehmer wollen nun das Reichsarbeits- Ministerium anrufen und glauben, mit dessen Hilfe ihre Verschlechterungen durchzusetzen. Der Vorsitzende des Zenlralverbandes der Schuhmacher. Genosse Simon, gab die Erklärung ab. daß die Arbeiterorganisation auch einen Schiedsspruch des Reichsarbeitsministeriums, wenn er die wünsche der Unternehmer erfüllen sollte, unter ollen Umständen ablehnen würde. Nie Verbündeten RG0. und Nazi-Streik Der Streik der Tarichaufleure bei der „Kraftag" nimmt den Verlauf, den man von allen Kämpfen gewöhnt ist, die von der NGO. bisher inszeniert worden sind. Die Direktion der „Kraftag" hat an den größten Teil der Chauffeure, die sie vor Monaten wegen der Einschränkung ihres Betriebes entlassen hatte, geschrieben und sie ersucht, in ihrem Unternehmen wieder anzufangen. Auf Grund dieser Aufforderung sind heute bereits in den Depots Garten st raße und Sophie- Charlotte-Straße eine ganze Anzahl Taxen wieder beseht und in den Verkehr gebracht worden. Die Situation ist jedenfalls so oerfahren, daß niemand mehr in der N a z>> K o zi- S t r e i k- lei�ung ein noch aus weiß. Ueber diese Tat- fache täuschen auch die Artikel in der„Roten Fahne" nicht hinweg, die voller Konsusion und Gehässigkeit gegen den Gesomtverband sind, weil er diese„revolutionäre" Aktion von Anfang an nicht mitgemacht hat. Johann Janecek Der Vorsitzende des Bundes der freien Gewerk- schaften Oesterreichs, Johann I a n e c e k, ist in der Nacht zum Montag einem Herzschlag erlegen. Janecek, der zugleich Vorsitzender des österreichi- schen Metallarbeiterverbandes war, begann seine gewerkschaftliche Lausbahn als Vertrauensmann seiner Kollegen in der Werkstatt. Nach dem Rück- tritt H u e b e r s im Jahre 1931 wurde er zu dessen Nachfolger gewählt. Auch in der Parteibewegung und in der Kronkenkassenbewegung hat sich Janecek hervorragend betätigt. Er war Mitglied des österreichischen Parlaments, wo er als guter des Hauptverbandes der Krankenkassen. Der völlig unerwartete Tod des Einundfllnszigjährigen ist ein harter Verlust für die österreichische Arbeiter- bewegung. Nie neue Einheitsfront KPD. und NSDAP. Köln, 25. Oktober. In dem Tarifkampf im Kölner Ein- zelhandel machte der Schlichter einen Vor- schlag auf eine durchschnittlich vierpro zen- tige Lohnkürzung. Die Unternehmer haben diesen Vorschlag angenommen, die Gewerkschasten haben sich noch nicht entschieden. Diese Bewegung versuchte die REO.„weiter- zutreiben". Man beabsichtigte, das Warenhaus Leonhard T i e tz A. G. zu bestreiken. Natür- lich tonnte nun die Betriebszellenorganisation der Nazis nicht tatenlos zusehen. Im gegenseitigen Konkurrenzspiel haben sich die gewcrkschaftsfeind- lichen Brüder schließlich in einem„Kampf- a u s s ch u tz" gesunden, der sich aus Vertretern der beiden Richtungen und Unorganisierten zu- sammensetzt. Die Firma Tietz entließ nun- mehr neun Mitglieder des Kampjausschusses, dar- unter vier Nazis. I» einer von diesem Kamps- ausschuß einberufenen Versammlung, an der nur etwa 20 Angehörige der nach Tausenden zählen- den Belegschaft des Warenhauses Tietz teilnah- men, während die übrigen Teilnehmer betrieb?- sremde Kommunisten und Nazis waren, wurde der Streik beschlossen. Am Dienstagmorgen versuchten Streikposten der Kommunisten und Nazis die Angestellten vom Betreten des Betriebes abzuhalten. Nirgends war der Erfolg so groß, daß die Geschäfte hätten schließen müssen. Wieder- holt kam es im Laufe des Tages zu Ansamm- lungen vor den Warenhäusern Tietz, die von der Polizei jedoch leicht abgedrängt wurden. Jeden« falls steht jetzt schon fest, daß der„wilde Streik" ein klägliches Ende nehmen wird. Der einzige„Erfolg" der Nazi-Kozi-Streikbrllderschaft wird sein, daß einige ihrer Leute auf der Straße bleiben. Hierzu 2 Beilagen Der„Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal. Sonntags und Montags einmal. Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit", i B-zugsvreise: WSchentljch 7b Vi., monatliä, SZö Iii-davon 87 Vi monatlich tllr stustelluna in« tin voraus zahlbar. Postbezug 8,97 3f einschließlich 60 Hl Postzeitung. und 72 Pf. Postdeslellaebähren. Ausland-abonn.m-n. 5,65 M. vro Mona,: für Länder mit ermäßigtem?rncksachenp».o<65 M?T*?sfa° der Li-se?una w?aen N°-°-D-"°lt besteht»in Anspruch' der»bannenlen aus Ersatz./ S n,. i g. n p r. i s.; Zzi. einspaltige Millimeterzeile 90 Pf.. ZZellam-z-il. 1.50 M. l ein. 71 n z eigen" da» fettgedruckte Wort 20 Pf. jedes meitne Wort 10 Ps. Rabatt laut Tarif. Worte über lo Buchstaben zahlen für zwei«orte. Arbmtsmarlt Millimeterzeile 25 Ps. Familienanzeigen Millimeterzcile 16 Ps. Anzeigenannahme im S a u v t g e s ch S i t Lindenstr 3 w°chen?»„t06 von SZi bis 17 Uhr. Der Verlag behält(ich das Recht de- Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor. Verantwortlich für Politil: Richard Sch-ar»! Wirtschaft®.«-w»!Ä�-b°w«gu»s. tz Ski«.'»euwew? üczit«; Lokales und«oichig-z: Zri»»«ftadti Anzeigen: Ott» Hevzst: sämtlich in Berlin./ Verlag: Borwärts.Berlog ib. tn. b. H.. Berlin. Druck: Lorwärts-Suchdruck-rei und BerlagsanftaU Pau: Singer u. Co., Berlin's«. 68, Lmdenstrz! ERSTE BEILAGE WlANs MITTWOCH, 26. OKT. 1932 Etadtparlament und neues Berlin �usspracke über elas k�ekormwerk— Klare Linie der Sozialdemokraten Im Ztadtparlamcnt stand gestern der Magistratsplan zur N e u g e st a l- tung der Berliner Verwaltung zur Beratung. Nach diesem Plan soll die Reichshauptstadt bekanntlich zukünftig nur noch aus neun Bezirken bestehen. Der vorberatende Ausschuß hatte zunächst gegen den Erlaß des Herrn Bracht protestiert. der der Stadt die bekannte„Galgenfrist" gestellt hatte. In dem Protest war sestgestellt, daß die Stadtverordneten durchaus positiv an der Neu- gestaltung der Bezirke mitarbeiten wollen. Im Ausschuß war schließlich mit der Stimme des Zentrums ein kommunistischer Antrag angenom- men worden, der eine Wiederherstellung der Be- zirksverwaltung nach dem Gesetz vom April l920 verlangt. Später war man versucht, das Ab- stimmungsergebnis wieder zu korrigieren. Die Schlußabstimmung ergab Ablehnung des Magi- stiatsprojektes. Für die gestrige Debatte im Plenum war jeder Fraktion eine halbe Stunde Redezeit zugebilligt worden. Der kommunistische Redner nahm die Zeit voll in Anspruch mit dem Ergebnis, daß er die Vorlage gemäß dem Antrag im Ausschuß vollkommen ablehnte. Die Wahnsinnsmethode der Kommunisten zeigte sich auch hier. Hauptgedanke der Rede war die These: Hauptfeind ist die So- Steuerschwund 29 Millionen venixer Einnaliinen Im houshaltausschuß der Berliner Sladwer- ordnetenversammlung hielt Stadtkömmerer Bruno A s ch gestern eine wichtige Rede über die Iukunsl der Berliner Finanzen. Der Stadtkämmerer erklärte, daß man die Aus- Wirkungen des Arbeitsbeschaffungsprogramms und die Wirkung der Papenschen Steuergutscheine zwar noch nicht voraussagen könne, daß die Stadt Berlin aber nach der bisherigen Entwicklung mit einer Mindereinnahme an Steuern von rund 20 Millionen Mark werde rechnen müssen. Der Rückgang der Einnahmen sei besonders stark bei den Uebcrweisungssteuern. Auch die Lohnsummen- steuer sei durch die erhöhte Arbeitslosigkeit und die Lohnsenkungen stark zurückgegangen. Da das Reich eine bindende Erklärung abgegeben habe, wonach die Gemeinden höchstens 680 Millionen Mark Wohlsahrtslasten tragen sollen, die Stadt Berlin aber einen bedeutend höheren anteiligen Betrag aufzuwenden hat, sei es jetzt moralische Verpflichtung des Reiches, ausreichende Hilfe zu gewähren. Der Haushaltausschuß beschloß, von einer Ab- sümmung über den Gesamtetat Abstand zu nehmen und die ganze Vorlage der Vollversamm- lung der Stadtverordneten zu überweisen. zialdemokratie! Der Volksparteiler Ca spart war gegen die Zusammenlegung von Charlotten- bürg und Spandau. Die Abänderungsanträge, die der Nazi Treff einbrachte, waren fast um- fangreicher als die ganze Vorlage. Nach den Stadtverordneten Jochen(Staatsp.), S t e i n i ck e(Dnat.) und Lange(Z.) sprach der Vorsitzend« der sozialdemokratischen Fraktion, Erich F l a t a u. Er betonte, daß die Sozialdemokraten ihr« Stellung zu der Umgestaltung der Bezirke bereits bei der ersten Beratung der Vorlage im Plenum dargelegt, und daß sie sich von dieser Linie nicht entfernt hätten. Die von den Sozial- demokraten stets betonte Absicht der positiven Mit- arbeit s«i dadurch erreicht worden, daß Aende- rungen und Verbesserungen von den sozialdemo- kratischen Vertretern im Ausschuß vorgebracht wurden. Was die Vorredner in bezug über die Einschränkung der Selb st Verwaltung vor- gebracht hätten, rechtfertige nicht ihre Befllrch- tungen. Solange die Stadtvcrordnetenversamm- lung als von der Bürgerschaft gewählte Vertretung bestehe, wäre auch die Selbswerwaltung gewahr- leistet. Im übrigen müsse es sich die sozialdemo- kratische Fraktion versagen, im Augenblick lange Reden zu halten: sie würde aber die Gelegenheit bei der bevorstehenden Etatberatung wahrnehmen, ihre grundsätzliche Auffassung mit aller Ent- schiedenheit zu vertreten. Die Haltung der Sozialdemokraten zur Vorlage sei gegenüber der wankel- mütigen Stellung der anderen Fraktionen allein konsequent und folgerichtig gewesen. Die Abstimmung über die Vorlag«, die Ab- änderungsanträge und die Beschlüsse des Aus- schusses wird am Donnerstag vorgenommen werden. * Wie wir in dem Bericht über die letzte Stadt- vcrordnetenfitzung mitteilten, war die Vorlage des Magistrats wegen des Verkaufs von G r u n d st ü ck s g e l ä n d e an gemeinnützige Baugesellschaften, das durch die Käufer bebaut worden war, an diese Gesellschaften nicht verab- schiedet worden, weil die Kommunisten gegen die sofortige zweit« Beratung Einspruch erhoben. In- zwischen haben sie ihre Ansicht geändert, so daß in der gesttigen Sitzung die Vorlage ohne De- batte verabschiedet werden konnte. Stadwerorönete gegen Lärm Sclrnlklainpker werden studiert Die Städtische Verkehrsdeputation besichtigte unter Führung von Stadtbaurat Dr. Adler die Versuchsanstalt für Kraftsahrzeuge an der Tech- Nischen Hochschule. Es wurden Versuche mit neuartigen Schall- Kämpfern für Motorräder nach Dr. Kaufs- mann vorgeführt, die das jetzt außerordentlich störende Knattern vermeiden sollen, ohne daß die Leistungsfähigkeit der Motoren herabgemindert wird. Solche Schalldämpfer sollen in Zukunft von der Industrie nach und nach bei allen Motor- rädern angebracht werden. Ferner wurden der Deputation wertvolle Verbesserungen an H u p e n- s i g n a l e n gezeigt, die eine Verminderung der störenden Hupengeräusche bei völliger Wahrung der Verkehrssicherheit zum Ziele haben. Landes oder der Welt) von Brotgetreide ein Brot, von Baumwolle einen Ballen, von Zucker einen Zuckerhut. Sa wird alles vereinfacht, typi- siert, versinnbildlicht. Die Ausstellung informiert zureichend nicht nur über die heutige Wirtschaftslage Deutschlands, son- dern auch Berlins, im Vergleich zu früheren Jahren. Jeder kann aus wenigen Bildern mühelos lernen, was er vielleicht sonst nie lernen würde, da ihm Statistiken und nationalökonomische Schriften zu schwierig sind. Geöffnet ist diese Ausstellung täglich von 16 bis 21 Uhr, Sonntags von 10 bis 12 Uhr(Gesundheitshaus Kreuzberg, Am Urban 10/11). Die Wirtschaftslage Bildstatistilc im Gesundheitshaus Zur Vorbesichtigung der sehr interessanten Aus- stellung hatte das Bezirksamt Kreuzberg eingeladen. Diese Ausstellung will dem einfachen wie dem gebildeten Besucher einen Ueberblick über„Deutschlands Wirtschaftslage" geben, und zwar wirklich einen„Ueber-Blick". An Stelle zahlreicher trockener Tabellen und langatmiger Texte treten wenige gut ausgewählte, in Form und Farbe einprägsame Bilder. Die Ausstellung zeigt Material des M u n d a- n e u m, Wien, eines internationalen Instituts für Volksbildung, das zusammen mit dem Gesell- schafts- und Wirtschaftsmuseum in Wien, dies« neue Methode der Bildstatistik in zehnjähriger Arbeit erprobt hat. Diese Methode erläuterte Direktor Otto Neurath, Wien, der sie als eine„Bilderschrift", als eine Wieder- erweckung der Hieroglyphe bezeichnete. Hiera- glyphe— das ist ein Bildzeichen für einen Be- griff. Will man also die Arbeitslosigkeit in Berlin darstellen, so zeichnet man beispiels- weise für 25 000 Arbeitslose einen Arbeiter, einen typisch gezeichneten Arbeiter. Dieses Bildzeichen „Arbeiter" wird entsprechend der Menge der Ar- beitslosen wiederholt: also 100 000 Arbeits- lose werden durch 4 solcher Bildzeichen dargestellt. Aehnlich zeichnet man für eine b e st i m m t e Menge(etwa die Jahresproduktion eines felde, Cichenweg 7, erlitt einen komplizierten Schädelbruch und einen Oberschenkelbruch, seine 4l Jahre alte Ehefrau Martha und sein sechs Jahre alter Sohn Horst, die beide im Beiwagen saßen, erlitten gleichfalls erhebliche Verletzungen, so daß die ganze Familie von der Feuerwehr nach dem Jüdischen Krankenhaus gc- bracht werden mußte. ..Vorwärts"-Haus wirbt k'ür sozialistische Volksherrschalt Die Zentrale der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, das„vorwärts"-haus in der Lindenstraße, steht im Zeichen der kommenden Reichstagswahl vom 6. November. Vom Dache weht seit langem die rote Fahne mit den drei Pfeilen der Frei- h e i t, und einer der großen Toreingänge ist mit rotem Tuch, das drei riesige weiße Pfeile trägt, beschlagen. Oben aber, beleuchtet und die Linden- straße hinauf nach der Ierusalemer Kirche zu weithin sichtbar, mahnt es in riesigen Lettern: „Liste Z. Für sozialistische Volksherrschast." Plakate am Nebenhaus verkünden:„Das wollen wir! Gegen die Front der Gegenrevolution! Für die Eiserne Front des Sozialismus!" und dann wieder, nüchtern und klar:„Denkt nach! Tat- fachen, keine Phrasen!" Selbstverständlich ist vor dem großen Schau- fenster, hinter dem morgens und abends der „Vorwärts" aushängt, die Diskussion rege. Dis- kutierklubs tagen oft, und unsere Parteigenossen benutzen eifrig die Gelegenheit zur Werbung für die Partei der Arbeit. SchwererDerkchrsunfall Ein folgenschwerer Verkehrsunfall ereignete sich gestern nachmittag gegen 3 Uhr im Norden Ber- lins an der Kreuzung der Schweden- un� Christianiastraße. Ein Motorrad mit Beiwagen', das mit drei Personen besetzt war, wurde beim Ueberqueren der Kreuzung der Schweden- und Christianiastraße von einem Lieferwagen erfaßt und mehrere Meter mitgeschleift. Der Fahrer des Motorrades, ein 47 Jahre alter Werkzeug- wacher Kurt Stephan aus Spandau-Haken- Weihnachtsmarkt Berliner Künstler. Unter dem Protektorat des Herrn Oberbürgermeister Dr. Sahm veranstaltet das Berliner Ausstellungs-, Messe- und Fremdenverkehrs-Amt unter Mitwirkung der bildenden Künstler, der prominenten Berliner Schauspieler, Sänger, der Opern- und Operetten- Häuser, des Tonfilms und der ersten Kräfte aus Variete und Kabarett in der Zeit vom 3. bis 11. Dezember d. I. in der großen Ausstellungs- Halle II am Kaiserdamm den„Weihnachtsmarkt Berliner Künstler". Wohlfahrtsmarken. Vom 1. November an werden die Postanstalten und die Deutsche Not- Hilfe neue Wohlfahrtsmarkrn zu 4 6, 12, 25 und 40 Pf. vertreiben. Für die Marken wird ein Zuschlag von 2, 3, 4, 10 und 40 Pf. zugunsten der deutschen Wohlfahrtspflege erhoben. Die Marken zeigen folgende Bilder: 4 Pf. Wartburg, 6 Pf. Schloß Stolzenfels, 12 Pf. Burg Nürnberg, 25 Pf. Schloß Lichtenstein, 40 Pf. Schloß Marburg. Unsere Leistungen für das Volk. Machtvolle Kundxehun? in Lichtenberg— Ruf zum Kampf Die Eisern« Front Lichtenbergs ist gestern mit einer zweiten machtvollen Kundgebung in der Riesenaula Schlichtallee an die Bevölkerung des Ostens Herangetreten. Nach dem Fahneneinmarsch sprach Carl Litte. Bielen deutschen Volksgenossen sei leider erst heute klar geworden, so führte der Redner aus, wo sie die harten und einschneidenden Maß- nahmen der Regierung der Barone am eigenen Leibe spüren, was m aufopferungsvoller Arbeit die Sozialdemokratie nicht nur allein auf dem Gebiet der Sozialversicherung geschaffen hat. Die Not schreie aus allen Gassen. Deshalb müßten alle Kreise des Volkes unterschiedslos Opfer bringen, um den Staat zu erhalten. So sprach diese Regierung. Und was tat sie? Sie kürzten den Aermsten die Renten, die Unterstützungen und — sie schanzt« die so gewonnenen 1,15 Milliarden Goldmark in Form von Steuergutscheinen den Unternehmern zu. Das ist die Regierung der Barone! Diese Kreise dürfen nicht herrschen. Wir wollen, daß des Volkes Wille gilt! Wenn erst wieder der K l a s f e n st o l z des Proletariats er- wacht sein wird, wenn der organisierte Arbeiter es ablehnen wird, mit den Nichtorganisierten zu- sammenzustehen, dann wird die E i n h e i t s. front da sein, an der die Angriff« aller unserer Gegner zerschellen werden. Sorgen wir dafür, daß der politische Elan der Arbeiterklasse so stark wird, dieses Ziel in Kürze zu erreichen. Mar- schiert, kämpft und siegt deshalb unter der Parole FreiheitI B 5. T/f**** Ö»* ■le<3esC.. sich 55 SC h\vor Du, Sozialdemokrat- ich, Nazi! Freundesbrief eines Ehrlichen Vor kurzem wurde über einige Leute der Eisernen Front, die in einen Zusammenstoß mit Nazis bei dem Dorfe Börnicke verwickelt waren. da« Urteil gesprochen. Innerlich und äußerlich saubere Menschen des Proletariats, die sich in den Dienst der Verfassung und de? Volksstaates gestellt hatten, sollen nach dem Willen de» Ge> richte?, das sein Urteil„Jin Namen des Volkes" gefällt hat, in den Kerker, Noch vor Verkündung de» Urteils gelangte an den einen von ihnen, einen Sozialdemokraten, der folgende Brief, gc- schrieben von einem jungen Nationalsozialisten, den zu diesen Zeilen eine ganz offenkundige see- tische Not drängte. Wir veröffentlichen die Zu- schrift ungekürzt, nur unter Auslassung einiger Zeilen, die den jungen Menschen verraten könnten, Bln.. den 9, Okt, l9Z?, Mein lieber..... Da es mir leider jetzt gar nicht möglich war, mich mit Dir persönlich zu unterhalten, muß ich zur Feder greisen, um Dir mein Fühle» und Denken mitzuteilen. Der Prozeß, in den du ver- wickelt bist, wühlt mich bis in meine tiefste Seele auf. Mein lieber Junge, wir sind jeßt über lll Jahr« die besten Freunde, ich weiß, daß Du Sozialdemokrat bist und Du weißt, daß ich Nazi bin und gerade dieser große Gegensatz in unserer Politik bzw. in unserer politischen llebcrzeugung ist es, der mir unsere doch wirklich ausrichtige und tiefempfundene Freundschaft so überaus wert- voll erscheinen läßt, Du kannst Dir nun ungefähr Die Ehe des Lehrers Prozeß Hillges aufgeflogen In der Verhandlung gegen den Lehrer Hill- g e s, der am 2. Juli seine Frau im Vellevucpark getötet hat, sollte nur noch ein Zeuge vernommen und die Gutachten der Sachverständigen gehört werden. Doch ganz überraschend rückte der Staatsanwalt, nachdem er am Sonnabend selbst auf die Vernehmung der Schwiegermutter des Angeklagten verzichtet hatte, mit neuen Beweis- antrügen heraus. Die Presse habe die Verstorbene angegriffen. Ihre Ehre müßte in der Gerichts- Verhandlung wieder hergestellt werden. Er bean- trage aus diesem Grunde die Vernehmung dreier neuer Zeugen, um den Nachweis zu führen, daß 'niemand anders als der Angeklagte die wefent- liche Schuld an der Zerrüitunh der Ehe trage, Rechtsanwalt Dr. Alsberg erwiderte darauf, daß die Verteidigung sich unter diesen Umständen gezwungen sehen würde, die Vertagung der Verhandlung zu beantragen, um ihrerseits den Beweis zu führen, daß den Angeklagten keine Schuld an der Ehezerrüttung treffe. Die neuen Beweisanträge des Staatsanwalts seien um so verwunderlicher, als die Anklageschrift überhaupt nicht auf die Eheoerhältnisse eingegangen sei. Die Staatsanwaltschaft hätte Zeit genug gehabt, vor dem Gericht die erforderlichen Beweise zu führen. Das Gericht gab den neuen Beweisanträgen des Staatsanwalts statt und vertagte die VerHand- lung auf unbestimmte Zeit, um der Verteidigung die Möglichkeit zu geben, sich zur Führung des Gegenbeweise» vorzubereiten. Glashütte niedergebrannt Line Arbeitergenossenschaft Straßburg. 25. Oktober, Die Arbeiterglashütte von Arz- weiler in Lothringen, die vor kurzem erst ihr erstes Betriebsjahr mit günstigen Ergebnissen ab- geschlossen hat, ist durch einen Großbrand zum vorstellen, wenn ich da im„A n g r i f f", den ich ja täglich lese, vom SO. September lese„Hölter- mann-Verbrecher", später wurde sogar„Hölter- mann-Banditen" geschrieben. Glaube mir, mein Junge, ich schäme mich vor Dir, daß derartige Ausdrücke, die ja wohl mal gegen diesen oder jenen im äußersten Fall« angewendet werden könnten, zum täglichen Sprach- bzw. Schrift- gebrauch gehören. Es ist ein beschämendes Gefühl, wenn man von den eigenen Leuten einen lieben Menschen, der einem sozusagen das zweite Ich geworden ist, mit derartig häßlichen und niedrigen Ausdrücken bezeichnet sieht. Ich brauche Dir ja nicht zu er- zählen, wie sehr ich Dich als Freund schätze. Du bist der einzige Mensch, dem ich alles, was mich erfreut und bedrückt, dem ich mein ganzes Seelen- leben offenbare. Ich habe von der Schule her viele gute Freunde gehabt, denen ist ober meistens das Studium, was sie durch der Väter Geld, nicht immer durch die eigenen geistigen Gaben erlangt hoben, in den Kops gestiegen. Mein Vater starb, als ich erst 10 Jahre alt war, und dadurch war mir alles verwehrt. Wer weiß, wozu es gut war. Meine Schulfreunde, heute z. T. Ingenieure, Mediziner usw., sehen mich na- türlich nicht als voll an und daher ist man auch vollkommen auseinandergekommen. Eben gerade aus diesem Grunde ist mir unsere Freundschaft so wertvoll. Du hast Herz und Gemüt, und Deine Ausrichtigkeit und Freimütigkeit ist es. die ich so hoch schätze. Jetzt bist Du nun ein„Höltermann- Teil zerstört worden. Das Feuer brach in der Schleiferei aus, der einstürzende Dachstuhl zer- schlug die Inneneinrichtung. Auch einige Neben- gebäudc sind zerstört. Der Gesamtschaden wird aus eine halbe Million Franken geschätzt. Trotz der schweren Brandschäden kann der Betrieb der Glas- Hütte, die genossenschaftliches Eigentum der Ar- beiter ist und 170 Arbeitskräfte beschäs- tigt, aufrechterhalten werden, Die„Vollexistenz" Betrogene Stellungsuchende 3n einem großen Hotel in der City spielten sich kürzlich turbulante Szenen ab. Ein Direktor Stein hatte in einer Berliner Tageszeitung ein Inserat losgelassen, wonach er„destinguierten Herren zur Auswertung einer absolut einmaligen und eigenartigen Idee eine vollexistenz bot. Kapital nicht erforderlich, aber unbedingte Scriö- sität", so hieß es in der Anzeige. Dieses verlockende, Inserat, in dem der Herr Direktor alles oersprach und nichts forderte, hatte selbstverständlich einen Massenandrang stellungsuchender Berliner zur Folge. In dem Hotel fanden sich weit über 500 Personen ein, die nun gern alle die„Vollexistenz" haben wollten, Sehr schnell sollten die Erschienenen erfahren, daß sie einem großen Bluff zum Opfer gefallen waren. Schon nach den ersten Verhandlungen mit einigen Stellungsuchenden gab es erregte Auf- tritte. Es waren nämlich Fragebogen aus- zufüllen, in denen sogar die Konfession auszufüllen war. Zum Schluß kam das sogenannte dicke Ende, denn jeder Bewerber sollte 250 Mark Barkaution oder eine Sicherheit in entsprechender Höhe hinterlegen. Und wofür...? Für den„genialen" Gedanken, daß die„destinguierten Herren" mit einer Mappe und einem kleinen Oelbild versehen, die Hinterbliebenen kürzlich Verstorbener aussuchen sollten, um ihnen für 75 Mark eine Vergrößerung eines Photos des Toten auszuschwätzen. Die Ver- ärgerung der geprellten Stellungsuchenden war so groß, daß einige sofort zur Polizei liefen und gegen den Direktor Anzeige erstatteten. Bandit und Verbrecher". Ich komme nicht dar- über hinweg, wie man gegen andere Menschen. nur weil die Gesinnung eine andere ist, derartig ausfällig werden kann, Lieber Junge, ich war 4 Jahre in dem Sport- verein..... ich bin ein überzeugter, obwohl nicht organisierter Anhänger Adolf Hitlers, ober die Art und Weise der Berliner Press« stößt mich ab. Ich muh mit mir noch große Kämpfe durch- fechte», ob ich der bleibe, der ich bis jetzt war. Es ist traurig bestellt für unser arme» Volk, wenn die politische Anschauung den Gegner, nur weil er Gegner ist, zum Verbrecher stempelt. Daß es anders sehr wohl möglich ist. beweist unsere gute Freundschaft. Nun, ich denke, für heute hast Du genug von mir gelesen, ich hoffe auf die Gerech- tigkeit der deutschen Richter und erwarte mit Spannung den Spruch, Und das verspreche ich Dir, mein Lieber, solltest Du entgegen meiner Erwartung verurteilt werden, unsere Freund- schaft wird dadurch nicht leiden, sondern fester denn je, Im Glauben an eine gute Zukunft bleibe ich heut« mit herzlichen Grüßen Dein treuer..... Wir sind überzeugt, daß dieser ehrliche anstän- dige junge Mensch, viel zu schade für die Nazis, eines Tages ganz von selbst den Weg zu uns, zur Sozialdemokratischen Partei, sinden wird, um gemeinsam mit Millionen Jungen und Alten für das große Menschheitsziel des wahren Sozialis- mus zu kämpfen. Schaffe im Südwesten politische Schlägerkolonnen In den gestrigen späten Abendstunden kam e» in der bekannten Unruhegegend Nostiz- und Gnei- senaustraße im Südwesten Berlin» zu einer schweren Auseinandersetzung zwischen Haken- kreuzlern und Kommunisten. Im Verlaufe der Schlägerei, bei der die Ratio- nalsozialisten in mehrfacher Uebermacht waren, fielen einige Pistolenschüsse, Mehrere an der Schlägerei Beteiligte wurden durch Schläge verletzt. Als ein Uebersallkommandowagen der Polizei auf dem Kampsplatz erschien, wurden die Beamten von den Schlägerkolonnen mit Stein- würfen empfangen. Die Schupobeamten mußten erst einig« Schreck- schüsse abgeben, bevor es gelang, mehrere der Haupträdelsführer festzunehmen. Dienst am Kranken Leistung des Wohlfahrtsstaates Die Zahl der deutschen Krankenhäuser hat sich in den letzten 50 Jahren mehr als ver- doppelt, die Zahl der Krankenbetten mehr als versünffacht. Mit über 400 000 Betten für körper- lich Kranke hat Deutschland hie ausgedehnteste Fürsorge in der zivilisierten Welt. Ein wesent- sicher Teil dieser Entwicklung ist d e m Wohl- fahrt» st aat zu danken, der nicht nur die Möglichkeiten zur Anstaltsbehandlung erheblich erweiterte, sondern auch durch die Krankenver- sicherung und die öffentliche Fürsorge es gerade den minderbemittelten Kreisen erleichterte, die Krankenhäuser in Anspruch zu nehmen. Wie Genosse Dr. Goldmann, Ober- regierungsrat im Reichsministerium des Innern, in der Berliner Gesellschast für öffentliche Gesund- heitspflege an zahlreichen Beispielen bewies, sind die Krankenhäuser unentbehrlich für jede verantwortungsvolle Menschen- wi r t s ch a s t und müssen deshalb auch auf ihrem Stand erhalten werden. Die Krankenkasien hoben 1930 nahezu 300 Millionen Mark für Kranken- hauspflege aufgewandt, darunter 59 Millionen Mark für Zlngehörige von Versicherten. Trotz des riesigen Fortschritts gegenüber der Vorkriegs- zeit ist damit keineswegs das erreicht, was im Interesse der Bolksgesundheit erstrebt werden muß: der Zugang zum Krankenhaus darf nicht an der Kostenregelung scheitern. Die Reparatur- Werkstätten der leidenden Menschheit müssen durch Pflegesäge, die der wirtschaftlichen Leistungs- fähigkeit der Krankenkasse» und der nichtver- sicherten minderbemittelten Schichten angepaßt sind, allen Kranken zugänglich gemacht werden. In wenig Worten In Stendal wurde am Dienstag die 25 Jahre alte Ehefrau des Maurers Karl Ialas ermordet aufgefunden. Der Leichnam, der in einem verdeckten Brunnen schwamm, wies zahl- reiche Stiche auf. Der Ehemann der Ermordeten, der allem Anschein nach das Verbrechen verübte, ist flüchtig. Bis vor kurzem war Ialas eifriger SA,- Mann; noch heute ist er Mit- glied der NSDAP, it In P i ltsch bei Leobschütz nahm der Häusler Reschny, der Sand aus einer Grube holen wollte, seine zwei Kinder im Alter von 4 und 6 Iahren mit. Als er den Sand auf die Fuhre lud, lösten sich plötzlich größere Erdmassen, die ihn und seine Kinder begruben. Die Verschiitteten konnten zwar bald wieder herausgegraben werden, die beiden Kinder waren jedoch bereits erstickt, ★ In der Nähe von Ophoven wurde eine acht- köpfige Schmugglerbande von Zollbeamten gestellt, deren Haltrufe und Warnungsschüsse keine Beachtung fanden. Als die Beamten scharf schössen, trafen sie einen 16jährigen Junge» aus Scharfen- berg ins Herz, so daß er auf der Stelle tot war. Man fand bei ihm 12 Pfund Kaffee und kleine Mengen Tabak. Zwei weitere Mitglieder der Bande wurden festgenommen. "k Am Dienstag ist an Bord des dänischen Dampfers„Tordensjkol" die unter der Leitung vrm Dr. F a n ck stehende Grönlandexpe- Bekewrmnui! Ab Sonnabend, den 29 Oktober: ToUuch Uecaäsl d i ti o n nach Hamburg zurückgekehrt. Unter den Begleitern Dr. Fancks waren Dr. Sorge, der wissenschaftliche Berater des Unternehmens, der Pilot Ernst Udet, der bei der Expedition zwar zwei Flugzeuge, aber nichts von seinem Wagemut verloren hat. serner die Schnee- und Eisschau- spielerin Leni R i e s e n st a h l, Albert Löwenlhal gestorben. Der in Britz vielbekannte Genosse Albert L ö w e n t h a l ist am 21, Oktober, 72 Jahre alt, gestorben. Schon als Lehrling in dem politisch dunklen, ostpreußischen Städtchen Braunsberg fand der Verstorbene den Weg zum Sozialismus, Den Kampf, den er als Lehrling begonnen, setzte er als kleiner Geschäfts- inhaber im früheren zweiten Reichstagswahlkreife in Berlin und in den letzten 26 Iahren im Vor- orte Britz fort._ Wie wird das Wetter? In Berlin und Umgebung: Neue Bewölkung?- zunähme, Regenfälle, milder, auffrischende West- winde.— In Deutschland: West- und Süddeutsch- land: bedeckt. Regenfälle, mild, Mitteldeutschland: neue Eintrübung, Regenfälle, milder. Ostdeutsch- land: zunächst noch wolkig bis heiter, dann rasche Bewölkungszunahme mit folgenden Regenfälle» und Ansteigen der Temperatur, jWSozialMcheArbeiterWendGroß-Verlm Einsendungen iUr diese Rudrit nur an das Iugendl-kretariot Berlin SÄ S8. Lindenstraße 2. vorn l Trepve recht», Adteilunasleiter! Reicht sofort da» Rovemberprogramm und den Bericht». bogen ein, sorgt dafür, daß die Abrechnung der aaiupfsondmarleu und der Arbeiterjugend sowie der Platetten vom Anti.Kriegsjugendtag vor- genommen wird, Freie Sozialistische Hochschule. Vortragsabend d. November, Ig' t Uhr, Reich»- wirtschaktsrat, Bellevuestr. ts. Es spricht Eenosse Otto Bauer-Wien über„Krise de» Kapitalismus", starten zu so Pf. sind im Sekretariat erhältlich, Wähler-Kundgebung in b,» l»»»i»hallen, Wilmersdors, Brandenburgische Str. bZ, morgen, Donnerstag, 20 Uhr Iresspunkt 1t Uhr an der rechten Geite im Gang hinter der lbalerie. heute, Mittwoch, 26. Oktober. 20 Uhr: Gestenddr»»»«« Partei, Litauer Elr, IS.— Warschauer viertel sR,-?,): Litauer Straß, 18. sturzreferate.— Spandau«Aeltere): Lindenuser l. Wir und der Belichewiomu».— lempelhos: Eötzstraße. Heimabend.— Adlerohos: Bismarck- straße l. Die Mädel gestalten de» Abend aus.—- Bohnsdorf und Falkonberg: Gemeinschaslsbau« der Gartenstadt Falkenberg, Berliner Humor.— Friedrichs- Hägen: Friedrichstr, 87. Bürgerliche und marxistische S-sellschaftsauff-ssung.— Petersburger Viertel: Ebertistr. 12. Sexuelle Fragen.— staul-dorsl Adolf. straße 25, Schachabend,— Lichtenberg-Mitte: öcharnwiderstr, 22, Schallplatten. abend,— Reu-Lichtenberg: Gunterstr.-H, Literaturabend,— Lichlenberg-Rord! elunterstr. 44. Schallplattenabend,— Mahlsdors: Melanchthonstr, 68. Mitglieder. Versammlung,— Reinickendors-West: Seidelftr, 1. Leseabend,— Luisenstadt, ststtbusser Tor und Reichenberger Viertel: Beteiligung an der Parteiveran. stllltung um 19H Uhr im Deutschen Hof, Luckauer Straße,— Haleudeide: Wi Uhr in Baabes Festfälen, Fichtestr, 22, Beteiligung an der stundgebung, Werbebezirk Tiergarten: Iüngeren-Arbeitsgemeinschaft Bremer Etr. 7V, »Wz, Uhr, Werbebezirk Weddiug: Alle Eenosse» der Tambourkapelle treffe» sich 19% Uhr in den Pharussälen, Berbebeziri Teltowkaaal: Vorstandsstßung in Steglitz, Albrechtftr, 47, Werbebezirk Reulölsn: Borstandssitzung 191-; Uhr im Parteibüro, Fulda- straße. Der„Querschnitt" trifft sich pünktlich Igsij Uhr Hermannplatz, » Werbebezirk Müggelsee: Morgen, Donnerstag, Borstandssitzung im Partei- heim, stäpenick, Schloßstr, 27, GewertschaftS'Zugend VerUn f Heute, Mittwoch. 2«, Oktober, 19� Uhr, tagen die lvruppen: Süd- Westen: Jugendheim Porckstr. 11 lFabrikgebäude), Quer durch Europa, — Schöneberg: Jugendheim Hauptstr, 15 lEartenhaus), Unser« Mädel» haben da» Wart, Spandau-Neustadt: Jugendheim Lindenufer 1. Arbeits- dienstpflicht.— Nordring: Jugendheim Sonnendurger Str, 22, Der Umbau der Wirtschaft,— Da» Wirtschaftsprogramm der Hewerkschaften,— Weiß«»- I»e: Jugendheim Weißen see, Easeler Str. 2, Di« Jugend aus Fahrt.— Arn»- walder Platz: Jugendheim Schönlanker Str, II, Baracke 8, rechter Eingang. Ausspracheabend,— Reuköllu: Jugendheim Bergstr, 29 fHosl, Die modernen Arbeitssnfteme.— Flughafen: Jugendheim Flughasenstr, 88 sU-Bahn Boddin- straße>, Aufrilstuugl Kriegsgefahr!— Humboldt: Jugendheim Graun. Ecke Lortzingstraße. Die Frau im Berufsleben,— Schillerpart: Jugendheim, Schule fallen die Sruppenveransialtungen aus. Wir beteiligen uns an der stund- gebung der Eisernen Front in den Tenniohallen, Drandenburgische Str. 58, Föhnen sind mitzubringen,— Treffen pünktlich um 19x4 Uhr im Vorraum, Fahrverbindung: U-Bahn Fehrdelliner Platz, S-Bahn Hohenzollerndamm, §Luqendqruppe Oes Zentralverbanves ver Anaestellten Heul«, Miiiwoch, finden folgende Beranstaltungen statt: Schönhauser Vorstadt: Jugendheim der Schule stastanienallee 81. Vortrag: Fragen der Fürsorgeerziehung. Referentin: Marie Hirsch.— Nordost l: Jugendheim Danziger Sir. 62(Baracke 8>. Arbeitsgemeinschaft: Unternehmungen der Ar- beiterschast, 3. Abend. Die Arbeiterpresse. Referent: Paul Bube.— Reinickeu- dors: Jugendheim Lindauer Str. 2 lBaracke). Vortrag: Die Genossenschafts. bewegung in Deutschland. Referent: Bunzel.—»äpeaick: Der Gruppenabend fällt aus.— Reuköll»: Jugendheim Böhmische Str. 1— i. Ecke stanuer Strohe. Vortrag: Ein Oberhaus als künftiges Kontrollorgan für den Reichstagl Refr» rent: Krebs,— schöneberg! Jugendheim Haupistr,>5(Hafgebäude, Sachsen- zimmer). Das prolelarifche und da» bürgerliche Buch,— Eharlottenburg: Ju- gendheim Spieldagenstr, 4. Heimabend,— Südost: Jugendheim Manteuffel- straße 7. Diskufsionsadend: Wir und die anderen,— Südwest: Jugendheim Vorckstr, ll<2, Hof, Quergebäud», Aufgang l, Zimmer 8, Heimveranstaltung. — Spandau: Jugendheim Lindenufer l, Taaespolilifche Rundschau,— Potsdam- Rowawrs: Jugendherberge Rowowe», Bortrog: Urlaub— Gehalt— Arbeits. zeit— drei Frage», die leben lugendlicken Angestellten interefsiere». Referent: Dr, Lewinfki,— Die Derstcherungsgefellschaft„Sorgenfrei- A.-G. tagt heute von 18 bi» 18 Uhr im Verhandshau», -------—■- Achtung, Buchdrucker! 4. Bezirk fViusterdamer Richtung), Sonnabend, 29, Oktober, l9',., Uhr, findet im Lokal Seiple eine wichtige Fraktionssitzung statt. Da» Erscheinen aller SPD,-Kollegen ist wegen wichiiger Tagesordnung unbedingt erforderlich. Der Fraktwnsvorfiand, Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäft« st eile: Berlin E, 14 Sebastionstr 97—88 Bot 2 Tr, streuzberg. 38, Oktober Saalschutz, Zug 8 und 4 stammersäle, Tel. law er Straße, Zug l und 2 Kleins Festsäle, Llücherstr, 81, Zug 5 und 7 Deutscher Hof, Luckauer Str. 15, Antreten 19 Uhr,— Ziergarten(Orts- verein), J, und 2. Kameradschaft, Antreten aller arbeitsfreien Kameraden am 27, Oktober, 18 Uhr, bei Schmidt, Wielefftraße, zur Beerdigung des Kam«. roden Dürr«. Arbeiter Samariker-Vund e. V.. Kolonne Berlin. Geschäftsstelle: NO. ii. Zostpstr. 4. Telephon: E 3 Königstadt 544«. JK/ Sonntag, 32. Dktober, Geschäftsstelle Zostnstr. 4, Herbstvergnügen -C? der Abteilung Friedrichshain, Beginn 17 Uhr, Eintritt 82 Pf. Gäste sind herzlich willkommen, Beltfriebeusbuab der Mütter und Erzieheriuae». Klubhaus um Knie, Ehar. lottenburg, Berliner Str, 29, Sonnabend, 29, Oktober, 22 Uhr, Der Europa. Kongreß in Bafel, Referentin: Dr. Margaret« Stegmann(Dresden), Aussprache« 68 kleine Gutsbesitzer Das Siedlungswerk von Fehrbellin ®ie Abwärtsentwicklung bts Wirtschaftslebens, insbesondere der Preisversoll für landwirtschost- lich« Produkte, lieh in letzter Zeit den S-edlungs. gedanken etwas vorsichtiger beurteilen. Am Ende der Siedlung konnten nicht Hunderte neuer Wohlfahrtsempsänger stehen. Nun hat man zwischen S p a n da u und Neuruppin, in unmittelbarer Anlehnung an da» Landstädtchen Fehrbellin einen Siedlungstyp geschaften, der— soweit sich übersehen läßt, mit Erfolg— die bisherigen Vssahrenmomente ausschaltet. Hier hat die„Fehrbellin", Havelländische Siedlungs- Gesellschait, eine Heimstättensiedlung geschassen, die in der Hauptsache fiir Rentner und Pensionäre gedacht ist. Ein frühere» Domänengelände von etwa MOll Morgen ist unter Aufsicht des preußischen Kulturamtes und mit finanzieller Hilf« der Landesrentenbank als Rentengut auf- geteilt worden. Jeder Siedler erhält ein Drei- einhalbzimmerhaus mit zwei Morgen Land un- mittelbar am Haus(Boden erster bzw. zweiter Klasse) und dazu zwei Morgen Wiese. Die Siedlerstellen sind eingezäunt, Elektrizität und Wasserleitung sind vorhanden, Straßen sind im Bau, belasten aber nicht den Siedler, dazu wird der Vorgarten und eine kleine Obst- und Beerenanlage geliesert. Einige Häuser haben Bad und Zentralheizung: man hat sich also bemüht, den neuzeitlichen Komfort der Großstadt auch dem Heimstättensiedler zugute kommen zu lassen. Ein« solche Siedler st ell« kostet 17 689 Mark, das ist«in Festpreis, zu dem dann später nicht mehr enttäuschend« Notariats-, Auf- lasfungs- und sonstige drückende Gebühren kam- men. 3000 M. hat der Rentner als Anzahlung zu zahlen, dazu kommt eine Hauszinssteuer- Hypothek in Höhe van 3600 M., so daß ein Rest- tauf gelb von 11089 M. bleibt. Für dieses Restkaiifgeld find 4'A Proz. Zinsen und Vi Proz. Kleidersammlung Bitte der Winterhilfe Heut« und morgen werden in R e i n i ck e n- darf, am 31. Oktober und 1. November 1932 in Pankow und Tempelhos und am 1., 2 und 3. November 1932 in Charlotten- bürg Kleidersammlungen für die Berliner Winterhilfe mit Hilfe der Reichswehr durch- geführt. Die Berliner Winterhilfe wiederholt chre Bitte: Erleichtert den Helfern, dl« alle ehrenamtlich tätig find, ihr Werk! Alle führen sie polizeilich abge- stempelte Ausweise bei sich. Laßt euch diese Au»- weis« zeigen! Alles, was gesammelt wird, wird unentgeltlich abgegeben. Die Reichswehrwagen können bei der Tamm- lung nicht durch alle Straßen fahren. Wer von dem Signal der Hornisten also nicht erreicht wird, kann auch Kleiderspenden direkt senden an die Hauptgeschäft» st eile der Berliner Winterhilfe, Berlin C. 2. Burgstr. 28. Telephon: D 1 Norden 1928. Geldspenden werden erbeten aus das Postscheckkonto Nr. 100, Preußische Staatsbank sür die Berliner Winter- hilf«.__ Heller spricht in Berlin Am Freiag, dem 28. Oktober, 20 Uhr, spricht im Schinkelsaal der Hochschule sür Politik. Schinkelplatz. der sozialdemokratische Vertreter vor dem Staatsgerichtshof in Leipzig. Prof. Dr. Her- mann Heller, Frankfurt, über„Der Preußen- kämpf vor dem Leipziger Staatsgerichtshof.' Ein- tritt 0,60 M. Erwerbslose und Studenten gegen Ausweis 0,25 M. Gesellschaft für konationale Erziehung. Am Mittwoch, 26. Oktober, spricht im Rahmen der Ver- anstaltungen der Gesellschaft sür konationale Er- Ziehung e. V. der bekannte Arabienforscher Hans H e l f r i tz in einem Lichtbildervortrag über das Thema:„Im dunkel st en Arabien. Wolkenkratzer in der Wüste', bei gleich- zeitiger Vorführung arabischer Musik auf Schall- platten. An den Vortrag schließt sich ein ge- selliges Beisammensein an. Die Veranstaltung findet im Kaisersaal des Restaurants Zoologischer Garten statt. Eingang Budapester Straße. Ein- laß Igz; Uhr: Beginn pünktlich 20 Uhr. Eintritt«- preis 75 Pf. einschließlich Vergnügungssteuer. vle Golden« Hochzeit feierte gestern da» Ehepaar August und Wilhelmine Leitzke. Berlin N 6°., Schulstroße 44. SPORT Trabrennen ju ZNariendorf. vrei» Ben Warend.r,: 1. Ctti iCH. Ml»): 3. Eros: 3. Lady Neil»: 4. Patrizier. Toto: 20:10. Play: 15, 2«,, 81, 25:10. ferner liefen; gel, bürg, Tunichtgut. Maikater, Tirekirire, Fcarn,, Brocken, Herbert N., Hermann Almers, Landstreicher. Preis von Labe«: 1. Natanüa t Herrn. Schleusenern 2. Quäker: S. Agnes 51.; 4 Herzallerliebste. Toto: 1285:10. Platz: 45. 64, 54. 16:10. Ferner liefen: Öfter- Amortisation zu zahlen: die Hauszinssteuer- Hypothek ist mit 3 Proz. pro Jahr zu verzinsen. Hieraus ergibt sich schließlich eine monatliche Be> lastung von 49,30 Mark für den Siedler. Nun ermöglichen 2 Morgen Land und 2 Morgen Wiefe schon eine erheblichere Zubuße zur Lebenshaltung als etwa die 1000 Quadratmeter der Stadtrand- siedlung. Auch die Futterfrag« für«ine ausgedehntere Kleintierhallung bereitet keine über- mäßigen Sorgen, wenn auch ein Siedler, dessen Hühnerbestand augenblicklich auf 52 Stück Rhode- länder angewachsen ist, sagte, daß er diesen Be- stand auf die Dauer nicht durchhalten könne. Do« gegen konnte eine geschickte Siedlersrau trotz der niedrigen Preise dieses Jahres mehrere hundert Mark aus ihrer Erdbeerkultur herausholen. Nun ist allerdings die Lage insofern günstig, als Er- werbsfragen bei dieser Rentengutssiedlung nicht sa sehr im Vordergrunde stehen als anderswo. denn der Siedler ist meist ein Pensionär, bei dem zum Monatsersten der Geldbriefträger an die Tür klopft. Der älteste Siedler ist bereits 82 Jahre alt, ober immer noch bei Sonnenaufgang auf seinem Acker:«■» ist der ehemalige Ober» gärtnerder Sultansgärten von Kon» st a n t i n o p e l. Insgesamt bestehen 68 solcher Siedlerstellen, davon sind zur Zeit wohl knapp 60 oertaust. Mit der Siedlerstelle haben übrigens die Männer einen neuen Titel bekommen: wer an sie einen Brief schreibt, muß ihr» beginnen: „An den Herrn Rentengutsbesitzer...' Daneben sind noch einige Bauernsiedler» st e l l e n geschaften worden in Größe von 35 bi» 60 Morgen. Die Baukosten find so niedrig wie möglich gehatten worden, damit der Siedler nicht an einer unmöglichen Rente von 25 bis 40 Mark pro Morgen zugrunde geht. Seine Belastung beträgt vielmehr nur 13,60 Mark pro Morgen und Jahr. Da in Württemberg kaum noch Land zu haben ist, sind einige Württemberger bereits da. und so wird Fehrbellin demnächst eine schwäbische Kolonie erhalten. Martha, Walküre, Vol», Druien, Petersilie, Penare,, Guy Bird, Trubelrind, Ouivila, Medicu,, Samson, Solraies, Wildtaube, Jordan, Ostara, Eschtrut. Grohcurt-Reunen: 1. Zliphia« ICH. Pütz); 2. Armut; Z. Aristides. Toto: 23:10. Platz: 14, 18:10. Ferner liefen; Zisra, Edgar, Lautari. Preis von Trakehnen: 1. Kätchen D.(Ch. MillS); 2. Nerv: 3. Jenny Lind. Toto: 36:10. Platz: 12, 14, 31:10. Ferner liefen: Ouebeck, Eminenz, Don Jos,, Romuald. Preis von Beberbeck: 1. Silva(I. Middeldorf); 2. Magda; 3. Pedonia; 4. Leibgardehusar. Toto: 182:10. Platz: 25, 37, 28, 37:10. Ferner liefen: Hägen, Gro?- blmne, Ouivila, Laetiüa, Jeanne d'Are, Aida, Ohlen- darf, David Tillon. Preis von Celle: 1. Putte lllh. Mills); 2. Elfenbein; 3. Pinie; 4. Orient. Toto: 31:10. Platz: 16, 19, 19, 35:10. Ferner liefen: Puchhof, Jngara, Blanco, Dia- nette, Allmacht, Pirna, Fata Morgana, Cortez, Albrecht der Bär._ Briefkasten 8. T. 7». Ja. Beantragen Eie beim Amtsgericht den Erlag eines Zahlungsbefehls.—®. S. SO. Die Zahlung de» Aufwertungsbetrage» kann vor dem 1. Januar 1035 nur verlangt werden, wen» der GUlublger schriftlich qe. kiindiat hat. Die ZUindfgunasfrist beträgt 1 Jahr. Die «undiguna ist nur fär den Schlug eines italenderviertel» jalires zulässig. � H. M. 16. 1. u. S. ist die dreimonatige Frist maßgebend. 2. Es muß Klage erhoben werden. Z. Nach unserer Anticht fa.— A. 8. 18. 1. Nein. Jedenfalls mußten Sie erst in Kenntnis gesetzt werden. 2. Wenn Sie aber gegen das Amt vorgehen, wird diese« vermutlich mit seiner Segensoederung aufrechnen, so daß un» weiter» Schritte in der Angelegenheit zwecklos erscheinen. „Imprägniere selbst." Es ist aus finanztech- nifchen. Gründen ungemein wichtig, unserer Klei- dung eine möglichst lange Lebensdauer zu bereiten. So zeigt jetzt das Kaufhaus Israel, König- straße, das neue Selbstimprägnierungs- verfahren mit„Imprägnol'. Jmprägnol ist eine breiige Masse, deren Hauptbestandteil efsig- saure Tonerde bildet: sie wird in heißem Wasser ausgelöst und unter Zusatz von beliebiger Wasser- menge auf das gewünschte Maß gevracht. Im halbtrockenen Zustand wird der imprägnierte Stoff dann geplättet und ist nun gefeit gegen alle äußeren Einflüsse von Feuchtigkeit. Man kann auf diese Weise jedes Gewebe. Seide, Wolle, Strümpfe und so weiter wasserdicht machen: vor allem empfiehlt sich die Imprägnierung für Sport- kleidung, dann auch für Zeltbahnen, Verdecke, Bootskissen usw. Zum Unterschied von dem bis- her üblichen Imprägnierungsverfahren können die mit„Imprägnol" behandelten Gewebe ungehindert dem Sonnenlicht ausgesetzt werden, sie leiden auch nicht unter dem Zusammenlegen und der damit verbundenen Wärmeerzeugung. Auf dem mit Imprägnol behandelten Stoff gleitet der aus- fallende Wafsertrovfen ab. die Stelle selbst bleibt trocken und unverändert. Gegenstände, die heißer Seifenwäsche unterzogen werden(Strick- und Wirkwaren), sind nach dem Waschen nochzu- imprägnieren. ftaba heißt ein Familiengetränk, dos von her Plantagengesellschaft in Bremen in den.Handel gebracht wird. Wie die Analyse zeigt, ist Kaba ein leicht verdauliche» Genußmittel von recht hohem Nährwert. Nor allem sei auf den hohen Gehalt an Trauben- und Fruchtzucker hingewiesen. Gerade diese Zuckerarten gehören zu den wichtig- sten resorbierbaren und aufbausähigen Nähr- Mitteln. Sie sind ein schlackenlofes Brennmaterial für den Körperhaushalt. Die Analyse des Kaba nennt ferner als wichtige Nährstoffe: Fett, Ei» weiß, Mineralbestandteils, darunter Kalk und Phosphorsäure. Wichtig ist auch der Vitamin- geholt. Ein besonderer Vorzug des Kaba ist es. daß«r den Magen nicht belästigt und nicht stopfend wirkt. So wie das, K beim ülphabet- an ersterSfelle ATA steht/ Alex ha! durch hervorragend© Güle und Billigkeil schnell den ersten Platz unter den Putz- und Scheuermitteln erobert. In Ata haben Sie eine sparsame, hygienische und vielseitige Putzkraft. Mit Ata können Sie alle Gegenstände aus Holz. Metall oder Stein, auch die empfindlichsten, schonend säubern. Das gehl rasch und mühelosl Frische und Glanz sind im Augenblick da. Soviel Vorzüge, soviel Nutzen für nur wenige Pfennige! Wirklich: Sie sparen beim Scheuern und Putzen wie alle, die Henkel' s Ata benutzen? Auch für Aluminium bestens bewährt! Aluminium trocken putzen! AlW/yib Nehmen Sie zum AufwaBchen, Spülen und Reinigen Henkels(w) Groß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik sind et stets an das Beztrkssekretaria. Berlin EW S». Liudenstraße i, 2. Hos, 2 Treppen rechts, zu richten tfnfere Nächstenpartei- und Betriebsveranstaltungen „Tie Sozialdemokratie im Kampf gegen kapitalistische Verelendung, für sozialistischen Aufbau." 3..Kreis Wedding. Mittwoch, 26. Oktober, i9'A Uhr, 5 öffentliche Wählerversammlungen in folgenden Lokalen: Löwenbrauerei, l)och- Ecke Badstraße. Referent Lorenz Breunig. Oberer Saal der Atlantiksäle, Behmstraße, am Bahnhof Gesundbrunnen. Refe- rent Hans Gottfurcht. Unterer Saal der Atlantiksäle. Refe- rent Stadtrat Karl Mermuth. Pharussäle, Müllerstr. 142. Referent Bürgermeister Paul Mielitz. Hochschulbrauerei, Amrumer Ecke Seestraße. Referent Dr. Hermann Schützinger. 38. Abt. Mittwoch 26. Oktober, 191- Uhr, öffentliche Wählerkund- gebuna in den Residenz-Festsälen, Landsberger Str. 31. Refe- rent Erich Kuttner, M. d. L. 39. und 49. Abt. Mittwoch, 26. Oktober, 29 Uhr, Wählerkundgebung im Cecilienfaal der Kammersäle, Teltower Str. 1— 4. Referent Richard Barth. 42. Abt. Mittwoch, 26. Oktober, 29 Uhr, Kundgebung in Kleins Fest- fälen, Blllcherstr. 61. Referent Bruno Woyda. 43. Abt. Mittwoch, 26. Oktober. 29 Uhr, Kundgebung in Rabes Fest- fälen, Fichteftr. 29. Referent Heinrich Schliestedt. 44., 43. und 48. Abt. Mittwoch, 26. Oktober, 1914 Uhr, öffentliche Wählerkund- gebung im Deutschen Hof, Luckauer Str. 15. Referent Karl Litke, M. d. R. 82. Abt. Steglitz. Mittwoch, 26. Oktober. 29 Uhr, im Parkrestaurant Südende Wählerkundgebung. Referent Arthur Crispien, M. d. R. »9. Abt. Britz. Mittwoch, 26. Oktober, 1914 Uhr, öffentliche Wählerkund- gebung bei Becker, Britz, Chauffeestr. 97. Referent Otto Tost. 492. Abt. Baumschulenweg. Mittwoch, 26. Oktober, 29 Uhr, bei Gerhard, Vaumschulenweg, Baumschulenstr. 6. Referent Albert Falkenberg. 198a Abt. Köpenick. Mittwoch, 26. Oktober, 1914 Uhr, Kundgebung bei Seidler, Uhlenhorst, Mahlsdorfer Straße. Referent Dr. Helmut Klotz. 128. Abt. Pankow. Mittwoch, 26. Oktober, 1914 Uhr, Kundgebung im Gefell- fchaftshaus, Pankow. Berliner Str. 192. Referent Dr. Otto Friedländer. Bersammlung der Eisernen Front der Anstalten Herz- berge und Wuhlgarten. Mittwoch, 26. Oktober, 29 Uhr, bei Tempel, Lichtenberg, Gudrunstr. 7. Referent Ludwig Diederich. 7. Kreis Eharlottenburg. Mittwoch, 26. Oktober, 15 Uhr, im Türkischen Zelt, Charlotten- bürg, Berliner Straße 53, öffentliche Erwerbslofenversamm- lung.„Arbeit und Brot durch Umbau der Wirtschaft." Referent Max Brinitzer. Bezirksamt Prenzlauer Berg. Mittwoch, 26. Oktober, 161- Uhr, im Derfammlungssaal des Hufeland-Hofpitals, Fröbelflr. 16/17, Bersammlung aller beim Bezirksamt beschäftigten Arbeiter, Angestellten und Beamten. Tagesordnung:„U7ngestalwng Groß-Berlins." Referent Stadtrat Dr. Heuer. Aron-Werke Eharlottenburg. Mittwoch, 26. Oktober, 1614 Uhr, bei Reimer, Eharlottenburg, Kirch- Ecke Grünstratze, Versammlung aller SPD.-Genossen. Freigewerkschaftler und Hammerschaftsmitgliedcr.„Lohn und Arbeit unter der neuen Staotsführung." Referent Karl Hetzfchold. National-Registrier-Kassen. Mittwoch, 26. Oktober, 16 Uhr, Betriebsoersammlung im Gambrinus, Neukölln, Kaifer-Friedrich. Ecke Treptower Straße.„Notverordnung— Tartfrecht." Referent Fritz Kummer. Soziale Baubetriebe. Mittwoch, 26. Oktober, 17 Uhr, Kundgebung im Saal 4 des Gewerklchoftshaufes, Engelufer 24/25. Referent Otto Ortmann. 18. Kreis Weißensee. Donnerstag, 27. Oktober, 15 Uhr, im Lokal„Zum Pferde- markt", Weißensee, Schönstraße, öffentliche Erwerbslosen- Versammlung.„Arbeit und Brot durch Umbau der Wirt- schast." Referent Karl Hetzfchold. >92. Abt. Baumschulenweg. Donnerstag, 27. Oktober, 29 Uhr, bei Borgmann Nachf., Baumschulenweg, Baumfchulenstraße 89. Referentin Anna Geyer.— 29 Uhr bei Haß, Baumschulenweg, Baumschulen- strahe 72. Referentin Marie Kunert, M. d. R. 142. illbt. Heiligensee. Donnerstag, 27. Oktober, 191-> Uhr, Kundgebung im Lokal Dorfaue, Dorf Heiligenfee. Referent Robert Breuer. Aschinger-Konzern. Donnerstag, 27. Oktober, 17 Uhr, Versammlung im P. d. C., Rosenchalerstraße 36. Referent Max Brinitzer. Eharit«. Donnerstag, 19 Uhr, im Hamburger Hof, Unterbaumftratze, Versammlung der Eisernen Front. Referent Gottlieb Reese. Bezirksamt Eharlottenburg und Arbeitsamt West. Donnerstag, 27. Oktober, 1914 Uhr, Hammerfchastsverfamm- lung bei Röhrich, Eharlottenburg, Schloßstraße 45, Eck« Hebbelstraße. Referent Max Gillmeister. Arbeitsanstalt und Waisenhaus Rummelsburg. Donnerstag, 27. Oktober, 16 Uhr, Lokal Ponzontek, Lichten- berg, Hauptstraße 87. Eiserne-Front-Bersanimlung. Thema: „Lohn und Arbeit unter der neuen Staatsführung." Referent Hans Bauer WerbegufecKeine der Freien Gewerkschaften werden von der Lindcar- Fahrradwerk A.-G., Unternehmen der Freien Gewerkschafren, eingelöst. Für 1 Gutschein sind zu beziehen: 3 Decken Peter-Temoo....... im Werte von RM 3,— oder 1 Satz kompl. Bereifung Phönix-Stabilet im Werte von RM. 3,50 oder I Lindcar-Batterie-Blende mit Batterie. im Werte von RM. 3,50 Gegen 2 Gutscheine: 1 Nählicht..... im Werte von RM. 6,— Gegen 3 Gutscheine: 1 ündcar-Lichtanlage. im Werte von RM. 10,— ■ USW. Vimisr'\ainii>/>u-n�t»/Mvm|n/''Wi»ziLi/vViipu/v�m1i/vvinni/yijti iis/Sajmn/ � Staats Theater Mittwoch, den 26. Oktober staatsoper unter cen Linden 20 Uhr Sizilianisdie Vesper staatncües Schauspielhaus 20 Uhr Wilhelm Teil VOLKSBÜHNE Theater am Bfllewplatz D 1, Norden 2944. Täglich 8 Uhr Die Raiten Dorsch, Klopfer, Wernicke, Verhoeven, Hormey, Fein. Stein, Thau, Kurz. T»ol. S a. 8y, Uhr J AHOREU- RIVELS BARN. V.6ECZY V ALLBURG usw. Klhe Sdiln. BM. Sa.8lö,Stgs. 2,5.8l6ll. ET Weichsel 4031 DollarprinzOT 8 Ulli is. Flora 3434. Rauhen eri. Bronett-Famiiie. Lord Ain. 7 Alfredos. Marianne u. Roberts. Dormonde. MaeElgin. Mary Erik u. Co. usw. Wallnertheater i Täglich S'T« Uhr LeiDKutscheriiesFriüericusRex Sinospielv.G.Quedeiiieldt. Musik v. Jos. Snaqa Preise 0.50 bis 5 M. Vorverk. ab 10 Uhr.| sv. uhr CASIHO- THEATER»bvb. Lothringer Strafe 37, iiiimiinHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiittmiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiM Nur noch bis 3. November auch Sonntags nachm. 4 Uhr: Kdni�in der Luft Am 4. November zum 1. Male: DieLielie blütit in Werder Gutschein für die Leser 1— f Personen FauL 0.75 M., Sessel 1.25 M., Park. 0.50 M. Deutsches Theater Weidend. 5201. 8 Uhr Prinz Mridi von Hnmbiiig Sduaspiil«oo H.«. Rieth Regie: MaxReinhardl Kaimnsrsiüeie Letzte VorsteHung 8 Uhr Schuttes Bühne Heiterer Ludwig- Thoma-Ahend Die Brautschau Erster Klasse Rose-Thealer CnSe Frankfurter Strale 137 Tel. Welduel f 7 3427 5.15 und 8 30 Uhr Der Hauptmann von Köpenick Steltiner Sänger Reichshallen-Theater 8.15 Sonntag 3.30 zn ermäßigten Preisen. Letzte Woche! „Und abends wird getanzt" und das Oktober-Programm — Theater am— Schiffbauerdamm D 2 Weidend. 9955 Täglich 8�4 Uhr die„Truppe 1931* spielt „Da Ilegl der Hund begraben" Komödie m. Musik 8mai.yver Charlotrenbure Fraunhofer 0231 Mittwoch, 26. OkL Turnus II Nadame Butterfly 20 Uhr Reining a. G., Fidesser. Zador, Hüsch, Kandl, Pechner, Gombert. Dirigent: Ladwig Mfauwigia Blsmarckstr.(Kalt) Steinpl.(Cl) 6715 Täglich SVi Uhr Robert und Bertram Alfred Braun. Fritz Hindi, Santa Söneland Komödientiaus Schlffbauerdamm 25 II 2 Weidend. 6304—05. Täglich 8'/. Uhr Auslandreise ».OesterreidisrD.lliniiifsliI Felix Bretsart Maria Paudler Paul Heidemann -Thealer id.-, Stresemannstr. Täglich SVt: Iii walir, MriMlll» v. Bernard Shaw Moissi, v Thell- mann, Bertens. Evans, Otto, Sima, Wiemann. Deppe, de Kowa. Lessfng-Ttieaier Tägl 8>/« Uhr Grete Mosheim Oskar Homolka in Pygmalion Hannoversciie Bodenkredit-Bank in Hildesheim Erste Bekanntmachung Erste Auslosung r- u von AVi 7c(ab f. Januar 1932 bis auf weiteres 5'/..c) Gold- Pfandbriefen Reihe 15 vom Jahre 1928. der Erweilerungs- ausgäbe vom Jahre 1931 und der 2ten Erweiterungsausgabe vom Jahre 1932 sowie der Certitikatc. Bei der am 21. Oktober 1932 in Gegenwart des slaaflicki bestellten Treuhänders zu notariellem Protokoll statt- gefundenen ersten Auslosung unserer vorbezeichneten (.old-Pfandbriefe und Certifikate sind alle Stücke, deren Nummer die zweistellige Endziffer 82 tragen, gezogen worden. Diese Stücke sind damit zur Rückzahlung zum 1. Februar 1 933 gekündigt. Die Verzinsung endet mit dem 31. Januar 1933. Die Rückzahlung erfolgt zum Nennbetrage ab 1. Februar 1933 gegen Rückgabe der ausgelosten Gold-Pfandbriefe ran Zinsscheinen per I. Juli 1933 und ff. sowie Erneueruugs- sdieinen zuzüglich 5,/i% Stückzinsen bis zum 31. Januar 1933 und der ausgelosten Certifikate zuzüglich Zinsen und Zinseszinsen bis ebenfalls 31. Januar 1933. Die Einlösung erfolgt kostenfrei an den Kassen der Bank in Hildesheim und Berlin sowie bei der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G. in Berlin und deren Niederlassungen. „„ Preußischen Zentral genossen schaftskasse in Berlin, .. Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft in Berlin, ,, Deutschen Bank und Disconto-Gesellscfaaft, Filiale Hildesheim in Hildesheim. „„ Deutschen Volksbank A.-G. in Essen. Dresdner Bank in Berlin. Firma Gebr. Arnhold in Berlin und Dresden, .... J. Dreyfus&Co. in Berlin und Frankfurta. M., „ Hardy& Co. G. m. b. H. in Berlin. A. E. Wassermann in Berlin und Bamberg. Die Beträge fehlender Zinsscheine werden vom Ein- lösungsbetrage gekürzt. Anteil- und Ratenscheine sind nicht mitzuliefern. Die ausgelosten Stücke können schon jetzt bei unserer Kasse in Hildesheira. Gartenstr. 20, eingereicht werden; die Einlösung erfolgt jedoch nicht vor dem 1. Februar 1933. Diese Veröffentlichung gilt als erste Bekanntmachung. Hildesheim, den 22. Oktober 1932. Hannoversche Bodenkredit-Bank Astor Kühneck Dr. Davidson-Schmieder Blumen mimiiiimimiiimimiiiiiiii Paul Golletz Mariannenstr. 3 F8, Oberbaum 1303 Ba B. Ba Bendows Bontc Bühne Kottbusser Straße 6 früher„Elite- Sänger*' lactie ditti Mail! 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Körster- ch r i st e! IWörner, Stüwe, i Lichtenstein I I.Vorst. 0.30-1.50 I 2. Vorst. 0.50-2.50 9 IWer Nletallarbeiter-Terliaiid Verwaltungsstelle Berlin Todes-Anzcigen Den MiigUedern zur Nachricht, daß unter ttolleg-, drr Monteur Hartwig Lodenkämper qeb. 4. Februar 1877, am 22. Ottoder gestorben ist. Die Einäscherung findet Mittwoch, den 26. Otlober, 15 Udr. im Kre» malortum Wilmersdorf statt. Ferner starb am 22. Ottober unser Kollege, der Dreher Alkred Neufert geb. 13. Dezember 1887. Die Beerdigung findet Donners- tag, den 27. Olloder. I4>/, Uhr. von der Leichenhalle des Demeinde-Fried- Hofes in Neulölln, Mariendorfer Weg. aus statt. Den Kollegen ferner zur Nachricht. daß am 23. Ottober der Mechantier Willi Dürre geb. 12. März 1905, gestorben ist. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 27. Ottober.>4�? Uhr. oon der Leichenhalle des Städtischen Fried» Hofes in Reinickendorf, Humboldt» strahe, aus ttatt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Ote Orlivcrwaltunc Fahnentuch, echt tot, 116 Senti. meter, 58 Pf. Geb«. reilager. Telephon! Berolina 4468. Kochherde feder Art u. Größe. Rietenauswahl. Teilzahlung, frans- portable Kachelöfen, Badewannen-Oefen. Kesselöfen. Die olle Firma Temmler und Blepberg, Dresdenerstraße 99. Iannowiß F 7 6651. Linoleum Ssillat, Kolonie- stiaße 9. HieidungssHiche, uiascim usw. Leihhans Lowicki vertauft zu un» t laublich billigen ireiten wenig ge- tragene towie neue Herrengorderobe. Herren- u. Damen. pelze. Weitester Weg lohnt. Keine Lombardware. Prinzenstraße 105. eine Treppe.__ Hosen tllr Fimmerer und Maurer. Wilhelm Bahr, Brunnen» ftraße 78. Ttannenerregende Preise im ehe- maligen Auttions- haus, Reue Fried- richstraße 7—8. ne- den Amtsgericht, tabritiieuer und ge- brauchtet tompletter Simmer, oerfchie. oener Stilarten. Küchen, Antteide- tchrante, Einzel» möbet, große Aus- wahf.' Rächen 65—290, Weißtack. tchränte 35, Metall» bettstellen 29. Ka. Pierling. 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Oktober, Erwerbsiosenzutainnienkunfte an fotflendc» Stellen: Reinickendort-Ost: Schule Hoppestraß«, 15 Uhr, Ret. Heinrich Iatubowicz: Reinickendort-West: 15 Uhr, Außenspietpiatz, Rei. Arthur Börner: Wiltenau: 16 Uhr. Jugendheim Reue Schule, Ref. Paul Bernstein: Tegel: 15 Uhr, Jugendheim, Echöneberger Str. 3, Ref. Gen. Böhme. Thema in allen Peranstaitungen:„Wie diskutiere ich mit meinein Gegner?" Abt. Heute, 20 Uhr, Mitgtiederversammlung im Swinemllndrr Gesell- fchaftshaus, Swinemllnder Str. 42.„Unser Kampf gegen die Reaktion." Referentin Anna Geyer. Abt. Heute ötfentlichc Versammlung, Löwcnbrauerei. Abt. Das Propagandamaierial ist ab Donnerstag, 17 Uhr, von der Ge- schäftsstelle, Utrechirr Str. 21, abzuholen. Abt. Die Gruppe I hat Iahlabend heute, Mittwoch. Achtung, neues Lokal! Tunicht, Schwedter Str. 22. Abt. Freitag. 2b Ottober, t8 Uhr, Zusammenkunft aller tatigen Genossen zur Fliigblativerbreftung bei Rosenau, Varziner Ecke Loubacher Straße. Abt. Freitag, 28. Oltcber, Fuiiktionärstzung. Abt. Doiiiierstag, 27. Oktober, erweiterte Vortiandssttzung bei Pomme- rening, Berliner Str. 100. Abt. Heule. 20 Uhr, Zusammentuntt jUngerer Parteimitglieder im Jäger- heim, Wiidcnbruchsir. 81.— Ächtuna, Bezirkstührer! Freilag ab 17 Uhr bei Wolf: Ausgab« des Wahlmaieriais und der Transparente.— Wir de- teiligen uns aii der ösfenttichen Kundgebung der 95. Abt. am Freitag in den Passage. ELIen. Abt. Heute, 20 Uhr, Funktionäre zu Stolze, Böhmisch« Ecke Schudoma- straße. Abt. Heute, 20 Uhr, im Buschkrug: Mtgliederversaimnlung mit Fahnen. weihe. Mitwirkende: Spielgruppe„Wir vom Wedding""", der Sprechchor der SAI. Britz und der Gruppe junger Sozialdemokralen, Abt. 99o. Abt. Heute Fu»ktio:>ärverfamn>luiig bei Biockwitz. Bestimmtes Erscheinen erwartet. Abt. Freitag. 28. Oktober, 17 Uhr, im Lokal Fahrendhotz, Wilhelm. Ecke Kirchstraße: Zusammentuntt der erwerbslosen Genossen. Bortrag Uber „Das Arbeitsbcschattuiigsproaramm der Regierung Pape»— Das Arbeits- betchattuiigsprogramm der S� Genosse Reh. >araii BD. und der treten Gewerkschaften". Reterent 117. Abt. Freitag, 28. Oktober, 20 Uhr, Funktionärsttzung bei Siewert. 122. Abt. Heule, 20 Uhr, bei Porath, Marzahner Str. 31, außerordentlich« Mitgliederverfammtuilg. 127. Abt. Heute, 20 Uhr, treffen stch die Bezirkstührer bei Schiebe, Berliner Straße. 141. Abt. Freitag, 28. Oktober, bei Hottinann, Edelweißstr. 5, Funktionär- sttzung. Frauenveranstaltungen. 5. Kreis. Donnerstag, 27. Oktober, 20 Uhr, im Heim, Trlsiter Straße 4/5, Schulungsabend. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrl. 5. Kreis Friedrichshain. Donnerstaa, 27. Oktober, 19V- Uhr, in Ewes Fcsttäten, Große Frantfurter Straße 30: Fllnterausfchußsttzung des Kreises. Besprechung der Wimerhiite. 13. Krei» Tempethos, Mariendors, Marienselde, Lichtenrade. Freitag, 28. Oktober, 20 Uhr, Dorstir. 42, Sitzuilgssaal I. Reterai des Genossen Tolks» dort:„Gewährung oon Mietzlltckillssen in der Wohttahrt". Erscheinen aller Wohlfahrtspftegeriinnen) dringend erforderlich, da noch wichtige Fragen der Winlerhilfe besprockien werden. 18. Krei» Weißens««. Freitag, 28. Oktober, 20 Uhr, im Evortheim am Sportplatz. Rennbahiistraße, Hetfcrversammiuiig der Arbeilerwohltahrl. Re. ferat des Genossen Slaester über„Freiwilliger Arbeitsdienst".— Winterhilfe. Sozialistische Siudenlenschoft. Donnerstag, 27. Oktober. Zur Tennishallenkundgebung treffen wir uns um 18� Uhr im Bund, oder 19*4 Uhr am Eingang. Freitag, 28. Oktober, 20 Uhr, spricht in der Hochschule für Politik, Schinkelplatz, Genosse Hermann Heller über:„Das Urteil des Staatsgerichtshofs". Alle Genossen beteiligen sich. Arbeitsaemeinschaft der kinderfreunde Grost-Verlin. Heute, 194 Uhr, Bastclkursus für die Rreise Wedding, Pankow und Reinickeudorf Putbusser Str. 22(Nähe Gesundbrunnen), Heim. ,,5. Tempelhof. Montag, 31. Oktober, 20 Uhr. Helfersitzung bei fPäBSllf Pommerening, Berlin- Tenipelhof, Berliner Str. 100. MrWk- Krcuzberg. Heute, 18 Uhr. Falkenrat im Heim Porckstr. 11. MWM m Ätcis Neukölln. Abt. Kurt Eisner und Paul Levi. Heute. Mitt. woch, Sportabend um 17»� Uhr in der Turnhalle, Schule Donau» Achtung! Raumänderung! Der Uebungsabend findet nicht in der Schule Kaiser» straße � 120. Turnschuhe und Turnhose mitbringen.— Instrumentalkrcis. Friedrich.Straße 4, sondern in der Karl-Marx-Schule statt. Zeit von 17 Uhr an. Sterbetafel der Graß-Berliner Partei-Organisation 11. Abt. Nach kurzem, schwerem Leiden verstarb am 23. Oktober unser früherer langiähriger Funktionär Willi D ll r r e. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung tindei am Donnerstag. 27. Oktober, 14.30 Uhr. von der Salle des Slädtitckxn Friedhots, Reinickendort, Humboldtstraße, aus statt. Reg« B«t-lt>gung wird erwünscht.- Nach iäiigerem. schwerem Leiten starb a, 23. Oktober die Frau unseres Funttionars. Anna Boll«. Ehre ihrem Au. denke»! Einäsckierung Freitag, 28. Oktober, 18 Uhr, Krematorium Gericht. straße. Rege Beteiligung wird erwartct. ZWEITE BEILAGE VorUSrks MITTWOCH, 26. OKT. 1932 ROMAN von STEFAN POL LATSCH EK Der gehetzte Mensch. 1. Wenige Minuten nach sieben Uhr betrat Wilhelm Weltlin, von einer kurzen Geschäfts- Tteise heimgekehrt, seine Fabrik. Er ging nicht— wie dies sonst seine Gewohnheit war — zunächst in die Betriebsräume, sondern begab sich sogleich in sein Prioatkontor. Sein Prokurist Lechner erwartete ihn und berich- tete über die Vorkommnisse während der Ab- Wesenheit des Chefs. Die Mitteilungen waren für Herrn Weltlin unerfreulich. Der Einkauf an Aufträgen war gering und zu Preisen, die kaum das Auslangen boten. Die Reisenden hatten geschrieben, daß sie außer- stände wären, irgendwelche Geschäfte zu tätigen, da die Konkurrenz zu weit billigeren Preisen offeriere. Weltlin hörte, ununter- brachen rauchend, ruhig zu. Er blätterte kaum in der Mappe, die Lechner ihm gereicht hatte, sah in die Luft und meinte dann:„Es ist klar. Wir können eben nicht mit, ehe wir nicht die neuen Maschinen eingestellt haben. Es ist übrigens fraglich, wie lange die Kon- kurrenz mitmachen kann. Hier sehen Sie, die. Owag in Essen hat bereits weit vollkomme- nere Maschinen, von deren Existenz auch unsere Konkurrenz noch nichts wissen dürfte. Sehen Sic sich dann meine Berechnungen durch. Wenn wir uns nur auf diese neuen Maschinen umstellen könnten! Wir könnten manche verlorene Position wieder gewinnen!" „Sind die Owag-Maschinen teuer?" „Im Verhältnis zur Arbeitsleistung sind sie eher billig zu nennen. Sie ersparen gegen- über den Maschinen, die die Konkurrenz ver- wendet, etwa drei, gegenüber unseren Ma- schinen vier Kräfte. Die Amortisation wäre in kurzer Zeit mögli j." „Dann müssen wir diese Maschinen wählen, Herr Westl l." „Ja. wenn das s einfach wäre!" rief der Fabrikant, ging zum Fenster und blies Rauchringe von sich. „Darf ich mir die Frage erlauben", sagte Lechner mit bescheidener Stimme,„wie die Verhandlungen in Berlin ausgefallen sind?" „Schlecht, sehr schlecht, aber es ist noch immer ein wenig Hoffnung vorhanden. Ich werde dann mit Ihnen alles im Detail be- sprechen. Für den Augenblick nur so viel, daß wir Leute abbauen müssen. Wir können nicht weiter auf Vorrat erzeugen. Die Preise fallen von Tag zu Tag, es hat keinen Sinn. gegen die Zeit zu kämpfen. In der Gießerei, Färberei. Zurichtung und Erpedition können wir jetzt auf fast die Hälfte der Arbeiter ver- zichten. Stellen Sie nachher mit Ingenieur Hanau und den Vertrauensleuten dle Liste zusammen. Und schicken Sie mir bitte meine Sekretärin!" 2. Welllin hätte es nicht nötig gehabt, diese Weisung zu erteilen. Kaum hatte der Pro- kurist das Zimmer verlassen, als durch die Tapetentür die junge Dame eintrat. „Ach. Susi!" rief der Fabrikant, schritt rasch auf sie zu und schloß sie in seine Arme. „Ich bin so froh, daß ich wieder bei dir bin", sagte er nach einer Weile. „Wann bist du gekommen?" „Mit dem Nachtzug. Ich wollte sogleich zu dir. aber es ging nicht. Ich mußte doch zu- erst nach Hause. Es war ein erquicklicher Familienabend. Meine Frau war scheinbar erst kurz voi mir nach Hause gekommen. Sie war bei Crusius, ihrem Freund. Diese Freundschaft...! Ich lebe nun schon seit Iahren nicht mehr mit dieser Frau, die meine Gattin und die Mutter meiner Kinder ist. Gott mag wissen, wie es dieser Crusius aushält, so lange der Freund Theresens zu sein. Daß es schwer ist, der Gatte eines Engels zu sein, das weiß ich, ich habe es er- fahren. Wie schwer aber muß es sein, der Freund eines Engels zu sein, der jahrelang selbstlose Freund einer Dtilderin!" „Ich dachte, daß dies alles hinter dir liegt. Wilhelm." „Es ist auch so, Susi! Diese Ehe wird gegen meinen Willen aufrechterhalten, weiß Gott! Therese will ihre Märtyrerrolle zu Ende spielen und ich muß schweigen, solange Erna unverheiratet ist. Auch sie war noch wach, als ich kam. Sie arbeitet viel in der Bank. Sie ist ein fleißiger, allzufleißiger Mensch! Anfangs, als sie unter allen Um- ständen einen Beruf ergreifen wollte, habe ich das für einen Spaß, für eine dieser modernen Ideen gehalten, aber ich hatte Un- recht. Die Arbeil gehört zu ihr. Neulich sagte mir erst Krüger, wie sehr er mit ihr zu- frieden sei. Sie ist mir so fremd geworden, ich weiß nicht mehr mit ihr zu sprechen, und doch war sie einmal der Inhalt meines Lebens... Alle sind mir so fremd geworden, Susi, seitdem ich dich kenne, und manchmal ist mir's, als würde ich auch dich ver- lieren..." „Wilhelm!" „Nun gut, mein Kind! Komm, ich will dir erzählen.-Endlich werde ich reden können. Komm näher, mein Liebling, komm näher, es geht mir gar nicht gut. Ich habe große Sorgen." Und Herr Weltlin begann zu berichten. Er war zunächst in Köln gewesen, so erzählte er. wo er mit den englischen Unterhändlern verhandelt hätte. An eine Verlängerung des Vertrages sei nicht mehr zu denken. Die Konkurrenz verkaufe bis zu dreißig Prozent billiger. Er habe klar erkannt, daß seine Existenz vernichtet wäre, wenn es nicht ge- linge, die neuen Maschinen zu erwerben. Aber selbst die Sorge, wie das Geld für die neuen Maschinen aufzubringen wäre, sei in den Hintergrund getreten, seitdem er in Essen die neue Anlage der Owag gesehen habe. Weltlin schilderte diese Wunderwerke und geriet in Feuer.„Diese Maschinen!" rief er aus und ging unruhig auf und ab.„Denk dir. sie ersparen vier Arbeitskräfte. Der Reallohn sinkt um etwa fünfundsiebzig Pro- zent! Wir könnten nahezu drei Viertel der Belegschaft entlassen! Hier wäre die Vollen- dung— und sie ist unerreichbar! Was habe ich nicht alles in Berlin versucht, es war vergebens! Ich habe in die Luft gesprochen, ein Stein wäre eher zu erweichen gewesen, als diese hartgesottenen Sünder! Zwei Mög- lichkeiten gibt es noch: Entweder der Trust hilft, oder die Bank gibt das Geld. Einen anderen Weg sehe ich nicht." Weltlin schwieg, zündete wieder eine Zi- garette an und trommelte mit den Fingern auf dem Tisch. Das Mädchen an feiner Seite suchte ihn zu beruhigen: es gelang ihr. Man rechnete, stellte Tabellen auf, die Zahlen führten einen wilden Tanz auf. wur- den hin- und hergeworfen, gestrichen, erschienen wieder an anderer Stelle, verschwanden und erstanden aufs Neue. Aber bald wurden die Beiden in ihrer Arbeit gestört, ein Beamter meldete Herrn Albert Weltlin an. „Du hast deine» Sohn kommen lassen, Wilhelm— hierher?" „Ja, Susi. Ich bin ihm in diesem Augen- blick Rechenschaft schuldig. Wenn er mir auch ganz entfremdet ist, er ist mein Sohn!" „Du hast recht, Wilhelm", sagte das Mäd- chen, packte die Papiere zusammen und ent- fernte sich. 3. Albert stand seinem Vater seit langem fremd gegenüber. Als Gymnasiast schon hatte er sein eigenes Leben geführt und war dem väterlichen Zuspruch früh entwachsen. Er war ein schwer erziehbares Kind gewesen, ein frühreifer Knabe, der unter den elter- lichen Zerwürfnissen schwer zu leiden hatte. Kaum siebzehn Jahre alt, war er in sozia- listischen Vereinigungen tätig gewesen, hatte sich ganz seiner Partei verschrieben. Er wollte sühnen, daß sein Vater der Klasse der Unter- drücker angehörte, er ertrug es nicht mehr, von ihm Geld zu nehmen, in dem elterlichen Heim zu wohnen. Er nahm eine Stelle in einem Parteibüro an und verließ das Eltern- haus. Seine Mutter besuchte er ab und zu. Er wählte eine Zeit, in der er Mutter und Schwester allein zu Hause wußte. Seinen Vater sah er selten, und. wenn es geschah, hatte er ihm nichts zu sagen, das Gespräch erstickte, ehe es recht begonnen hatte. Nun hatte er eine dringliche Einladung des Vaters erhalten und war gekommen. (Fortsetzung folgt.) 3>ie Tragödie des roien IMmmes Ein Epos vom Wnler gang/ Ton Jiermann Wendel Ist der Mensch vielleicht dock) von Natur aus gut? Jedenfalls, als uns in ach. längst ent- schwundenen Kindertogen das beliebte Spiel: Weiße und Indianer erhitzte, drängte sich jeder von uns zu den Rothäuten, und nur ungern war man Bleichgesicht, obwohl es so hervorragende Vertreter der abendländischen Rasse gab wie Lederstrumpf und Old Shatterhand. Ob es nun ein halb unbewußtes Gerechtigkeitsgefühl war. das uns den Roten zugesellte, ob nur ein halb unbewußtes Bedürfnis nach Federschmuck, Kriegsbemalung und Tomahawk— zwei höchst bcochtliäic Werke der jüngsten Zeit,„D a s Grenzerbuch" von Friedrich von Gagern (Verlag Paul Pareq, Berlin) und„Frank- reichs rote Kinder" von Friedrich Sie- bürg(Societäts-Verlag, Frankfurt) nehmen ganz bewußt Partei für die Indianer, deren Sache die der Gerechtigkeit sei. Aber wenn sich auch dem Umsang nach das zierliche Bändchen S i c b u r g s neben dem dicken Werk G a g e r n s ansieht wie eine Schaluppe neben einem Ozeandampfer, so ist nicht nur der Stoffkreis und die Grundhaltung der zwei Bücher gleich, sondern beide wetteifern auch miteinander durch Stärke des dichterischen Gehalts. Das Lebendigste vom Lebendigen, das Anschaulichste vom Anschaulichen, das Farbigst« vom Farbigen, ist das eine wie das andere ein hinreißendes Epos in Prosa, das Epos vom Untergang des roten Planne«. Um das Jahr 1600 zeigen sich an der Ostküst« Nordamerikas kaum erste schwache Spuren schüchterner weißer Besiedlung, um 1700 sind schon viele der östlichen Jndianerstämme voll- kommen ausgerottet oder vertrieben, und wieder ein Jahrhundert später ist die rote Nation bis auf unbedeutende Trümmer im Norden und Süden teils vernichtet, teils über den Mississippi nach den westlichen Prärien verdrängt und selbst dort nicht mehr ihrer Menschenrechte gewiß. Sagt Sie- bürg mit Fug, daß dieser Wlauf der amerika- nischen Siedlungsgeschichte jedem sühlendcn Menschen eine unermeßliche Traurigkeit einflößen müsse, so zittert G a g e r n s Herz vor eitel Empörung über die Summe von Grausamkeit und Gemeinheit, die in diesen Gebieten das Vor- dringe» der sogenannten Zivilisation umschließt. Liebevoll entrollt er den landschaftlichen Hintergrund des großen Dramas, die unbe- rührte Natur der amerikanischen Wildnis:„Wo heute die Turbinen und Motoren unaufhaltsam wachsender Städte rauschen, brausen, verheeren, vertilgen, den fiebrisch gewordenen Stoffwechsel einer wahnsinnig gewordenen mechanisierten Menschheit betreiben, da weideten damals friedlich die dunklen Bifonten, des großen Geistes Herde, in Blaugras und Weißklee lieblicher kleiner Prärien: anmutige Haine des zarten Zuckerahorns und der wilden Sauerkirsche, des schwarzen Nuß- baums und hochschäftiger Eschen, ungeheurer Hickories und mächtiger Pappeln begleiteten und säumten in angenehmstem Wechsel die zahl- reichen kleinen Gewässer, dicht bevölkert von Rot- wild und starken Flügen des Truthuhns, Bären und baumfällenden Bibern." Liebevoll befaßt er sich auch mit den Bewohnern dieser reichen und zauberhaften Gegenden, den allein rechtmäßigen Herren des Landes. Die einzelnen Bölker und Stamme zählt er nicht elwa trocken und katalog- Haft aus, die Algonkin mit den Unterabteilungen der Mohikan, Lenape und Wampanoaq, der Pequod, Pokanohet und Natikok, der Chippewoys, Cheyenne und Arapoko, die Huronen und Iro- kefen, die Sioux, Shoshonen lind Pawnees, sondern von jeder Gruppe weiß er auch zu berichte», was ihr eigentümlich ist und was sie mit den anderen verbindet. Den„behaglichen Kesselrauch des Wigwam" heraufbeschwörend, zerstört er bei Schilderung von Kleidung und Bewaffnung manche überlieferte Vorstellung wie die, daß der Indianer ein guter Büchsenschützc gewesen sei, ober er zergliedert auch die gesellschaftliche Verfassung de« roten Menschen, die Gentilgenossenschast, wie Morgan und Engels sie beschrieben haben:„Dos irokesische System mit seinen Ge- schlechter» und streng getrennten Heiratsklassen wiederholt sich mit Abweichungen bei nahezu allen nordostamerikanischen Völkern." Nur zeigt sich Gagern leicht erstaunt über das Mutterrecht bei den Irokesen und rutscht vollends in Werner 3iergengruen: 3)ie eivigen Wälder Unsre Häuser stehn auf zerstampften Feldern. Die Felder haben uns lange verziehn. Aber wir wohnen in erschlagenen Wäldern. Bett und Schrank sind vom Walde geliehn. Nachts, wenn Wolken das Dach umreiten, Sinken wir grundwärts wie Korn und Keim, Kehren wir in urölteste Zeiten, In das Dunkel der Waldungen heim. läuft ein Schauer durch Birke und Buche Und den Schreibtisch von Eichenbaum, Und es rauschen mit harzigem Ruche Ewige Wälder durch unseren Traum. Wenn die Wipfel im Herbststurm knarren, Dünn sich der blätterne Vorhang bläht,— Hebt sich ein Knacken in Schwellen und Sparren, Quillt es und schwillt es und ächzt im Gerät. Und wenn sich Ferren und Moose besamen, Raunts durch der Schrankfächer trockene Reih' lieber Gestelle und Leisten und Rahmen Wie ein dunkeles Stammesgeschrei. Aber sie wollen sich ja nicht wehren. Sie erwuchsen, drum haben sie Zeit. Sie verstummen im Frühlicht und kehren Heim in die große Geduldigkeit. Wissen: nach winzigen Menschen jähren Sind acht Bretter uns zugedacht, Bretter, die Bäume im Walde waren (Auch die Bretter ächzen bei Nacht). Einmal aus den zerfallenen Brettern, Aus zerfallenem Fleisch und Bein Heben sich Bäume mit Aesten und Blättern, Ewige Wälder walkenein. Au« Werner Bergengruen„Der Wanderbaum" Verlag..Die Raben preaae", Berlin. historische Verstäudnislosigkeit aus, wenn er dieser Darlegung den Schnörkel anhängt:„Megärenver- sassung, die sich in manchen modernen amerika- nischen Verhältnissen treulich widerspiegelt." Gegen diese Eingeborenenvölker mit ihrer Imdenständigen Kultur prallt die„Zivilisation" des weißen Mannes. Ihr Land wird„G r e n z e". dos ist: das langsam oder sprunghost weiterrückende Vorland, die Westmark der Zivili- sation, die Zone der vorgeschobenen Posten, der . ollgegenwärtigen Gefahr, der unermeßlichen Para- diese und Einöden, das Revier der Pioniere, der Wahr- und Iägerbauern, der Hinterwäldler, der, dunkle, blutige Grund, der Schauplatz der omeri- konischen Ilias." Auch die Weißen der Grenze sucht G a g e r n sozial zu erfassen. In den britischen Kolonien Virginia und Carolina etwa gehörten die ergiebigsten Ländereien üppigen Kavalieren aus oltenglischem Adel, und auch eine zweite Schicht von Pflanzern, die unseren Ritter- gutsbesitzern oder Großbauern entsprachen, lebte aus dem Vollen.„Die erste und die zweite Klasse der virginischen und carolinischen Land- bevölkerung nahmen mehr als neun Zehntel des wertvollsten, des erschlossenen Fruchtbodens für sich in Anspruch: der dritten gehörte, was davon etwa noch übrig blieb, und— die unbegrenzte Wildnis. Diese dritte Klasse, ganz im Sinne der französischen Revolution und ihrer? Wortführers S i e y e s der.chritte Stand": dos find die Hinter» wäldler, die Grenzer." Aber dieser Vergleich mit dem „dritten Stande" hinkt, denn ob sie Siedler oder Jäger waren, die Hinterwäldler hatten vom Proletarier mehr an sich als vom Bürger. Nichtshäbig und unbehauft, waren sie abhängig vom Bürger, vom Kapitalisten, dem sie sich für die kostspielige Ausrüstung verschuldeten: dos „Grenzerbuch" hebt es hervor:„Rur allzu oft stand hinter den Pioniere» das starke Geld, dos Kapital: wie Konzern oder Trust hinter dem Korundstahlmeißel, der ihrer Allmacht den Weg durch die Felsen bohrt." In G a g e r n s Darstellung wird das unge- bundene Dasein dieser Prärieläufer und Urwald- roder, die sich sehr oft aus gescheiterten Existenzen aller Art, Galeerensträflingen, Gefängnisinsassen, Deserteuren bunt ergänzten, herrlich plastisch. In allem, was des Lebens Nahrung und Notdurft anging, bewegte man sich aus dem Boden ältererPsahlbaukultur und hielt bewußt daran fest: jedwedes wurde, von den Kerzen aus Hirschtalg bis zur Fenscher„scheibe" aus dünn- geschabter Hirschblase, in der eigenen Wirtschast gefertigt: selbst die Hausfrauen mußten sich mit Nadeln und Ahlen aus Knochensplittern und Ge- weihsporen begnügen. In Sitten und Gebräuchen glichen derart diese Hinterwäldler vielfach den Indianern:„die gemeinsame Mutter, die Wildnis, bestimmte beider Lebensart", erklart G a g e r n. und S i e b u r g erzählt:„Der Waldläufer leistet« das Aeußerfte an Anpassung. Dutzende eines Schlags gingen überhaupt völlig in den befreun- deten Indianerstämmen auf, heirateten rote Frauen, wählten ein Totemzeichen und nahmen die Adlerfeder, um als große Krieger der Lenapen, der Miami oder Pattowatomy hochbetagt zu sterben." (Ein zweiter Artikel folgt.) Lehren der Kontingentspolitik Frankreichs Außenhandel halbiert— Verminderte Konkurrenafähigkeit durch hohe Preise Frankreich hat seit Beginn de» Jahres zum Schutze seines einheimischen Marktes für zahl- reiche Warengruppen Kontingente eingeführt, d. h. für die Einfuhr vieler Erzeugnisse bestimmte, nicht überschreitbare Grenzen festgesetzt. Die Folge dieser Mahnahmen und der verschiedensten Zollerhöhungen war naturgemäß eine starte Ver- Minderung der Einfuhr: trotzdem zeigen die Cr- gebnisse des französischen Außenhandels im ersten chalbsahr lgZL sehr deutlich, daß das französische Kontingentierungssystem der französischen Wirt- schaft recht erheblichen Schaden zugefügt hat. Insgesamt verminderte sich die französische Wareneinsuhr von 1929 bis 1932 um die Hälfte. Den stärksten Rückgang zeigen jedoch nicht die von den Kontingentierungsmaßnahmen betroffenen industriellen Fertigerzeugnisse, s o n- d e r n die Rohstoff«. An der starken Schrumpfung des Werts der Rohstoffeinfuhr spie- gelt sich teilweise natürlich der Preissturz vieler ausländischer Rohstoffe wider, teilweise aber die verringerte Beschäftigung der fran- zösischen Industrie. Dagegen ist die Ein- fuhr industrieller Fertigerzeugnisse in wesentlich geringerem Grad« zurückgegangen. Den geringsten Rückgang zeigt, trotz der auch hier eingetretenen Preissenkungen, die Nahrung«- mitteleinsuhr. Die Ziffern sehen folgendermaßen au»: die Rphstofseinfuhr belief sich im ersten Halbjahr 1932 auf S,84 Milliarden Franken gegenüber 11,24 im ersten Halbjahr 1931 und 18,83 Milliar- den im ersten Halbjahr 1929. Der Wert der Roh- swffeinfuhr ging somit innerhalb des Zeitraums 1929 bis 1932 um fast zwei Drittel zurück. Da- gegen hatte die Einfuhr industrieller Fertigerzeug- nisse im ersten Halbjahr 1932 noch einen Wert von 3,93 Milliarden Frank, verglichen mit 4,89 im ersten Halbjahr 1931 und 4,78 im ersten Halb- jähr 1929. Eine wesentlich stärkere Schrumpfung als die Einfuhr zeigt die A u s fu h r. Der Gesamtwert der französischen Ausfuhr verminderte sich nämlich von 24.72 Milliarden Frank im- ersten Halbjahr 1929 auf 16,22 im ersten Halbjahr 1931 und 19.08 im ersten Halbjahr 1932! Gegenüber 1929 beträgt die Schrumpfung also mehr als die Hälfte. Hier- bei zeigt sich eine außerordentlich starke Verminderung der Fertig- Warenausfuhr. Sie ging von IS, 37 Milliarden im ersten Halbjahr 1929 auf 19,16 im ersten Halbjahr 1931 und nur noch 6,29 Mil- liarden Frank im ersten Halbjahr 1932 zurück: d. h. aus 49 Proz. von 1929. Vergleichen wir die Ein- und Aussuhreniwick- lung der industriellen Fertigerzeugnisse, so kann man feststellen, daß die Einfuhr gegen- übe? 1929 um etwa 49 Proz..die Ausfuhr dagegen um etwa 69 Proz. zurückgegangen ist. Man hätte angesichts der Kontingentierung»- maßnahmen der französischen Regierung vielleicht die gegenteilige Entwicklung erwarten sollen. Man muß sich jedoch vor Augen halten, daß die sran- zösische Regierung und die an der Festsetzung der Kontingente mitbeteiligten Syndikate und Jndustrieorganisationen sehr daraus bedacht ge- wesen sind, daß nach Möglichkeit die f r a n z ö- sische Preisbasis durch die ausländische Konkurrenz nicht erschüttert werde. Viel- fach werden sogar mit den ausländischen In- dustrie- und Handelsorganisationen bestimmte Mindestpreise, die bei der Einfuhr eingeholten werden sollen, festgesetzt. Die Folge dieser künstlichen Preishoch- Haltung für viele Jndustrieerzeugnisie ist, daß die französische Industrie an Wettbewerbs- f ä h i g k e i t gegenüber der Industrie des Aus- lands erheblich verloren hat. Zweifellos wäre ohne die Maßnahmen, vor allem die Kontingen- tierung, die französische Einfuhr etwas höher geblieben: niemals aber hätte die Ausfuhr fron- zösischer Uhren so stark sinken können. Dos find klassische Lehren für Deutschland. Wie schon in den letzten Jahren ergab sich auch im ersten Halbjahr 1929 ein starkes Ueberwiegen der Einfuhr über die Ausfuhr. Der Einfuhr- Überschuß betrug im erstey Halbjahr 1931 6,98 Milliarden Frank und im ersten Halbjahr 1932 5,29 Milliarden, d. h. rund 1 Milliarde Mark. Der Einfuhrüberschuß hat sich zwar gegenüber dem Vorjahr etwas verringert, doch entspricht diese Verringerung noch nicht einmal der gesamten Schrumpfung des Außenhandels. Man kann daher auch für das laufende Jahr damit rechnen, daß Frankreich einen Einfuhrüber- schuß in Höhe von insgesamt 19 bis 12 Milliar- den Frank, d. h. mehr als 2 Milliarden Mark. zu finanzieren hat. Die Aufbringung der Mittel hierfür erscheint allerdings angesichts der großen Goldbestände, die Frankreich aufgespeichert hat, nicht schwierig, es ist aber zu berücksichtigen, daß die französische Zahlungsbilanz selbst infolge der Verminderung des ausländischen Fremden- Verkehrs, durch die Zurückziehung der Gelder im Ausland und infolge des Aufhören» der Repa- ratianen. passiv geworden ist. Mehts hinzugelernt! Die Kontingentspolitik, die Frankreich im vergangenen Jahre für agrarische wie auch kür industrielle Produkte eingeführt häß hat auf der ganzen Linie ve r s a g t. Die mit dieser Politik in ursächlichem Zusammenhang stehenden fühl- boren Rückschläge in der französischen Handels- Wahrheit und Dichtung Die wirkliche Lage der Landwirtschaft Die wirtfchafts- und handelspolitischen Abtei- lungen des Deutschen Landwirtschafts- r a t s, der Spitzenoertretung der Landwirtschafts- kammsrn, haben noch niemals eine objektive Dar- stellung der Lage der Landwirtschaft gegeben und scheuen sich auch nicht, demagogische Kniffe anzu- wenden, wenn sie eine Zollerhöhung oder eine andere Subvention durchsetzen wollen. Dagegen ist die betriebswirtschastlichc Abtei- lung dieser Körperschaft zu einer etwas objek- tioersn Arbeit verpflichtet, wenn sie aus den Buchführungsergebnissen Material zusammenstellt. Abgesehen davon, daß die Buchführung der Land- Wirte zu steuerlichen Zwecken gebraucht wird und infolgedessen vielfach frisiert ist, so daß aus diesem Grunde Mißtrauen gegen Verallgemeinerung der Buchführungeergebnisse geboren erscheint, können doch manchmal diese Ergebnisse mterelsante Hin- weis« für eine Beurteilung der wirklichen Lage der Landwirtschaft geben. So entnehmen wir au« der neuesten Ver- ö f f e n t l i ch u n g de» Deutschen Landwirtschaft»- rat» über die Entwicklung der landwirtschaftlichen Betriebsergebnisse in den letzten sieben Jahren, daß trotz beträchtlicher Steigerung der Zinslasten im Durchschnitt die Lage der Landwirtschaft bis zum Jahre 1931 sich erheb- lich gebessert haben muß. Die Wirtschafts- ausgaben sind seit 1924 bei den Kleinbetrieben um 9 Proz. gestiegen, bei den Großbetrieben um 4 Proz. gefallen. Dagegen sind die Wirtschaft?- einnahmen bei den Kleinbetrieben um 19 Pro- zent, bei den Großbetrieben um 19 Proz. ge- stiegen. Das Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben hat sich also bedeutend verbessert. Die ständig sinkenden Reinerträge, von denen so viel geredet wird, entstehen nur dadurch, daß Abschreibungen und der Lohnanspruch des Pe- sitzers buchmäßig stark hervortreten. Selbstverständlich hat sich seit 1931 durch das weitere Absinken der Preise die Lage der Land- Wirtschaft verschlechtert, wenn auch durch die Senkung der Zinsen und der Preise für land- wirtschaftliche Produktionsmittel ein gewisser Aus- gleich geschaffen ist. Klar geht jedenfalls aus dieser Verössent- lichung des Deutschen Landwirtschaftsrats hervor, daß mit der Wiedergewinnung des Preisniveaus von 1931 die Lage der Landwirtschaft, al» Ganzes genommen, durchaus zufriedenstellend wäre. Vor- aussttzung dafür ist die Stärkung d e r K a u f- kraft der Verbraucher. Dagegen arbeitet aber gerade der Deutsche Landwirtschaftsrat mit seiner verrückten Kontingentierung»- Politik und Zerschlagung unseres Industrie- exports am stärksten. Der Landwirtschaft würde daher der beste Dienst erwiesen, wenn man sie von dieser kurz- sichtigen, nur auf Tageserfolg erpichten Ver- bandsbürokratte befreit oder ihr keinen Einfluß auf die Gestaltung der Wirtschaftspolitik einräumt. Das kann selbstverständlich nur eine zielbewußte, sich auf die Mehrheit des schaffenden Volke» stützende' Regierung, die nicht, wie Popen, von Jnteresjentenhoufen abhängig ist. ptundkurs ohne Halt Die Bank von England in hi If loser Lage Der Kurssturz de, englischen Pfunde» setzt sich in geradezu katastrophaler Weis« fort. Am Montag wurde das englisch« Pfund in Berlin noch mit 14, IS Mark bezahll, am Dienstag nur noch mit 13,99 Mark. In einer knappen Woche ist das Pfund um 4 Proz. gesunken. Der letzt- Kurs ist der niedrigste dieses Jahres: er ist von dem tiefsten Punkte seit Aufgabe des Goldstandards, der im Dezember mit etwa 13,79 Mark erreicht war, nichr mehr weit entfernt. Diese Entwicklung des Pfundkurses z«igt eines mit schlagender Deutlichkeit: die völlige Hilf- l o s i g k e i t der Bank von England und der an- deren offiziellen Stellen, die über d>« englstche Währung zu wachen haben. Das internationale Mißtrauen gegen das bilanz haben feit einigen Monaten den Handels- politischen Reformtendenzen im französischen Wirtschaftsministerium einen starken Auf- trieb gegeben. Der französische Wirtschaftsminister hat daher die Spitzenverbände der agrarischen und indu- striellen Produzenten in Frankreich aufgesordert, Vorschläge fiir eine Reform der Handelspolitik einzureichen. Die jetzt veröffentlichten Handels- politischen Forderungen dieser Spitzenverbände lassen aber erkennen, daß man auch in Frankreich aus früheren Fehlern nichts gelernt Hot. Man will auch in den jetzigen Röten den Teufel durch Beelzebub austreiben und an die Stelle der Kontingente ganz beträchtlich erhöhte Einfuhrzölle setzen. Darüber hinaus wollen sich die industriellen und agrarischen Spitzenver- bände in Frankreich noch eine besondere Rücken- d e ck u n g dadurch sichern, daß in den Fällen, wo ihrer Ansicht nach nicht einmal die Hochschutzzölle die ausländische Einsuhr unterbinden, die Kon- tingente für eine bestimmte Frist im Geltung bleiben. Außerdem richten sich die Forderungen der Spitzenverbände auf Abschaffung des Prinzips der M e i st b e g ü n st i g u n g. die Kündigung der jetzigen Handelsverträge und den Abschluß von nur noch kurzfristigen Verträgen. Gegen diese Politik des hemmungslosen Schutz- zolls nimmt der Leiter des Verbandes der fran- zösischen Exporttndustrien. Alter- mann, in einer scharfen Erklärung Stellung. Altermann betont die Notwendigkeit einer Re- vision der französischen Zollpolitik. Im deutsch- sranzösischen Handelsvertrag seien 72 Proz. der Zollsätze gebunden, und die Meistbegünstigung?- klausel binde Frankreich auch gegenüber Belgien, der Schweiz, der Tschechoslowakei und anderen Nationen die Hände. Insosern bildet der deutsch-französische Bertrag den Kern der gesamten französischen Handelspolitik. Zölle sollten nach den Erfahrungen des letzten Jahres nur in begrenztem Umfange ange- wandt werden, da die Exportindustrien Frank- reiche für die Politik der Einfuhrdrosselung durch Repressalien des Auslandes büßen müssen. Dieser Borstoß des Verbandes der französischen Esportindustrien zeigt, daß diese nicht mehr ge- wlllt sind, die durch die Zoll- und Kontingents- Politik hervorgerufenen Verluste ihrer Export- märkte widerstandslos hinzunehmen. Hier spricht auch wesenllich die wachsende Erkenntnis in fran- zösischen Exportkreisen mit. daß die Kontingents- Politik— durch Festsetzung von Mindestpreisen bei der Einfuhr des Auslandes— den Preis- standard in Frankreich von den Einflüssen des Weltmarktes l o» g e l ö st und durch Schaffung eines überhöhten inländischen Preisstandards die französische Aussuhrindustrie in zunehmendem Maße exportunfähig gemacht hat. englische Pfund ist wieder allgemein: das ermog- lichte einer ausgedehnten Börsenspekula- Hon in Pfunden a la baisse(auf ein Sinken de» Pfundes) zu spekuliere». Die englische Hon- delsbtlanz zeigt in den letzten Monaten eine z u- nehmende Verschlechterung: die Einfuhr er- höhte sich von Juli bis September von 51,9 auf 54.7 Mill. Pfund, die Ausfuhr sank in der gleichen Zeit von 29,8 auf 26,2 Mill. Pfund. E n weiteres Moment für die Kursverschlechte- rung liegt in der Verpflichtung, die bei der Anleihekonversion gekündigten Beträge zurückzu- zahlen. Die daraus folgende Belastung ver englischen Zahlungsbilanz ist aus mehrer« 199 Mig. Mark zu schätzen. Ferner sind am 15. Dezember Kriegsschulden Zahlungen an Amerika fällig. Möglich, daß die vielleicht noch oorhand«- nen Devisenreserven für diese Zahlungen ge- schont werden, Die I�ar8tadt>5tutzung Der Reichswirtschaftsminister rechtfertigt sie Die Akzeptbank 21.•®. hat bekanntlich dem Karstadt-Konzern einen Stützungskredit von 25 Millionen Mark gegeben- Da» geschah im Einverständnis mit der Reichsregierung, die für alle Akzeptbank-Kredite die Garantie über- nimmt. Gegen diese Stützung haben Mittelstände lerische Organisationen beim Reichswirtfchaslse minister Warmbold Protest eingelegt mit der Begründung, daß dies« Subvention aus Kosten der Allgemeinheit den mit Karstadt in Wett- bewerb stehenden mittelständlerischen Einzelhandel schädige. Der Reichswirtschastsmimster bat in»wer Antwort die Stützung zu rechtfertigen versucht. Er weist darauf hin, daß die Grundstücke und Gebäude im Werte von 184 Millwnen Mark zum größten Teil dem Ausland verpfändet feien, 39 999 Einzellieferanten Forderungen an Kor- stadt hätten und über 29 999 Angestellte vom Konzern beschäftigt werden. Der Zusammen- bruch des Unternehmens wurde bedeutet haben. daß der Grundbesitz vermutlich für weniger Ol? «in Drittel des Wertes an ausländische Gläubiger fallen würde, die diesen Besitz nur durch einen gleichartigen Betrieb wieder hätten beleben können. Da den Bankschulden nur Verhältnis- mäßig geringe Abzüge gegenüberstehen, wären für die Banken«norme Ausfälle enlstanden. Die Warengläubiger hätten sich an die Waren halten müssen, die aber bei der Zahlungseinstellung mit sehr großen Verlusten veräußert werden müßten. 22 999 Angestellte würden außerdem einem sehr unsicheren Schicksal preisgegeben werden. Diese Antwort wird nicht nur den Einzelhandel, sondern auch die Oesfentlichkeit sehr wenig zufrieden st ellen. Mit der gleichen Begründung muß der Staat in jedem Falle den Zusammenbruch größerer Unternehmungen ver- hindern. Sicher schlägt die Begründung den Prin- zipien der freien Wirtschast ins Gesicht. Wenn ober schon der Reichswirtschaftsminister die Stützung des Karstadt-Konzerns für notwendig gehalten hat, so muß man ihn fragen, welch« Sicherheiten er sich von der Karstadt-Ver- waltung bzw. den indirekt mitgestützten Banken hat geben lassen. Der Steuerzahler hat durchaus ein Recht, gegen Ausfälle aus Garantien geschützt zu werden, die das Reich auf seinem Rücken übernimmt. Die finanzielle Sanierung steht bei Karstadt immer noch aus. Mindestens für ein- ordnungsmäßige Sanierung hätte das Reich bei der Gewährung des Kredits sorgen müssen. Rapens Mißerfolg Reichsbankkredite sinken weiter Der Mißerfolg der Papenschen Ankurbelung?- Politik wird immer deutlicher. Von Neuein- stellungen hört man immer weniger. Die Ar- beitslosigkeit hat in Deutschland zugenommen, ob- wohl der Zugang von Arbeitslosen vom Bau- markt nur gering sein konnte. Aber auch bei der Reichsbank zeigt sich sehr deutlich, daß von zu- nehmender Wirtschaftstätigkeit keine Rede sein kann. Der Reichsbankausweis om 22. Oktober zeigt wieder Rekordziffern des Tiefstandes in der Inanspruchnahme von Reichsbankkrediten. Wäre von einer Wirtschaftsbelebung die Rede, so müßten die von der Reichsbank gewährten Kre- dite, besonders angesichts der Saisonbelebung für das Wintergeschäft, zunehmen. Das Gegenteil ist der Fall. Die W e ch I e l b e st ä n d e der Reichs- dank sind gegenüber der Vorwoche um 139,3 auf 2616,9 Millionen gesunken und haben damit den tiefsten Stand des ganzen Jahres 193 2 erreicht. Die Bestände an Reichsschatz- wechseln nahmen um 7,8 auf 22,8 Millionen und die Lombarddarlehen um 7,1 auf 85,9 Millionen ob. Der Tiefstand der Lombarddarlehen zeigt, daß auch aus den Börsen alle» Weniger als eine optimistische Stimmung herrscht. Die ge- samte Kreditgewährung der Reichsbant betrug am 22. Oktober nur noch 3986,9 Millionen Mark und hat seit Juli«inen Rückgang um 399 Millionen Mark zu verzeichnen. Der Notenumlauf liegt gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres ebenfalls um fast eine Milliarde Mark niedriger. Er war in der dritten Oktoberwoche aus 3414.9 Millionen Mark gesun» ken: der Umlauf an Rentenbankscheinen betrug 392,3 Millionen Mark. Die Währung»» bestände der Reichsbank blieben auch in der dritten Oktoberwoche erfreulicherweise im Gleich- gewicht. Sie nahmen sogar noch etwas zu. Di« Goldbestände blieben mit 796,8 Millionen fast un- verändert, der Bestand an Deckungsdevisen ver mehrte sich aber um 2,1 auf 137,2 Mil- lionen Mark. Die Deckung der umlaufenden Noten durch Gold und Devisen zusammen hat sich gegeniiber der Vorwoche von 26,5 auf 27,4 Proz. erhöht. Die Preisentwicklung in den Konsumvereinen. Der konsumgenossenschastliche Trnährungsinder im September 193 2 weist, 1926-- 199 gesetzt, einen Stand von 75,9 aus. gegenubet einem Stand des amtlichen Ernährungsindex von 76,5. Gegenüber dem Monat August ist eine ge- ringe Abnahme der Indexzahl zu verzeichnen. Jedoch kommt hierin leine weitere Senkung der Preise zum Ausdruck, da z. B. der kosumgenosfen- schaftliche Ernahrungsmdex schon in den Monaten Mai und Juni aus fast der gleichen Höh« stand wie im September. Arbeitsbeschaslungsprogramm om MtUellond- kanal. Auch am Mutellandkanal werden nunmehr die durch die Deutsche Geselllchast sür ösfentlich« Arbeiten finanzierten Mehrarbeiten au» dem ArbeitsKeschosfungsprioramm der Reichs- regierung begonnen Der Austrag zum Baubeginn ist vom Reichsverkehrsminister im Einvernehmen mit dem Reichssinan.zminister erteilt worden, nach- dem die«rsorderliche Derständigung mit Preußen über die preußische Derpflichlung zur Beteiligung an einem Drittel der Baukosten des Mittellond- kanals erzielt werden konnte. Steigender Sunstseide-Absah. Die Kunstseide- Verkaussbüro G. m b. H., Berlm teilt mit, daß der Absatz an Viscose-Kunstseidengarnen in letzter Zeit ständig gestiegen ist und daß die Abliefe- rungen im Monat September die Höhe des Mo- natsdurchschnittss der'Adlmferung-n im Rekordjahr 1931 erreicht haben. � Die Bahn Türkismuhle— Kusel wird gebaut. Für den Bau der im Osthilsegesetz vorgesehenen Eisenbahn Türkismühls— Kusel hat der Reichs- nerkehrsministsr am 21 Oktober der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft den Bauauftrag er- teilt, nachdem die im Osthilsegesetz verlangten Boraussetzungen geschaffen werden konnten