Morgen- Ausgabe Nr. 507 A248 49.Jahrg. Redakkton und'Verlag, Berlin 8� 68, Lindenstr. 3 ?-rnspr«chkr> A7 Am, Dönhoff 292 bis 29? T-l«gr»mmabr-,ie> SozwlöomoK-, B-rNn BERLIK ER VOLKSBLATT DONNERSTAG 27. Oktober 1932 In Groß- Berlin Ii) Pf. Auswärts....... 15 Pf. DezugSbebingungen und Anzeigenpreise siehe am Schluh beö redaktionellen Teils Jentrawvgan der GozialdemotratiZOe« Partei Deutschlands Die Reichsanstalt als Geldquelle Es könnten 600000 Arbeitslose unterstützt werden! „Bon„unlerrichteler Seile", also zweisellos vom Borfiand der R e i ch s a n st a i l für Zlrbeitsver- miltlung und Arbeitslosenversicherung, wird mit- geleilt, dah die ZNahnahme der Reichsregierung, für die Unlerslühlen in den Gruppen I bis VI in der Arbeitslosenversicherung und in der Krisen- sürsorge, soweit sie»erheiratet sind, die Unterstützung um etwa 2 Mark die Woche während des Winters zu erhöhen, getroffen worden fei, ohne dag die Reichsregierung die dafür angcfehten 70 Millionen Mehrkosten aus Reichsmitteln zur Berfügung gestellt habe. Diese notwendige Summe werde also„aus den Ersparnissen der R e i ch s a n st a l t" ausgebracht. Die Reichsanstalt macht also Ersparnisse? Um das Erstaunen darüber nicht zu groß werden zu lassen, wird von besagter unterrichteter Seite ein Ueberblick über die Finanzlage der Reichsanstalt gegeben. Danach habe das Beitragsauskommen vom 1. April bis 30. Sep- tember trotz Rückgangs der Beitragszahler und der Löhne«ine halbe Milliarde Mark überschritten, so daß man sür das ganze Haushaltsjahr mit mehr als 1 Milliarde rechnen könne. Nun sei der Unterstützungsbezug aus der Arbeitslosenversicherung aus sechs Wochen bc- schränkt worden, worauf die Hilssbedürstigkeits- Prüfung einsetzt. Dadurch sei die Zahl der Unterstützten stark gesunken. Ebenso sei die Höhe der August Wichelm Prinz von Preußen, auch Prinz Auwi genannt, hat am Dienstag im Sportpalast in Nazinianier gegen den Stahlhelm geredet. Die Reichspresse st elle des Stahlhelm antwortet, indem sie das folgende Porträt des Hohenzollernspröhlings zeichnet: „Seine Königliche Hoheit Prinz August Wilhelm von Preußen, der die finanziellen, m a t e- r i e l l e n und gesellschaftlichen Bor- teilescinerStellung durchaus in Anspruch nimmt. die er lediglich dem erfolgreichen Kamps nationaler Kräfte gegen die Fürstenentcignung zu verdanken hat. hält es für angebracht, in letzter Zeit in össent- lichen Bersammlungen. so auch in der gestrigen Versammlung der Nationalsozialistischen Arbeiter- parte! im Berliner Sportpalast, den Stahlhelm. insbesondere seine Bundesführung, aus das schärfste zu kritisieren. Renegateneiser ist bekannt. Während des vierjährigen Welt- k r i e g e s und in der Nachkriegszeit bis 1927 hat der Prin., eine bemerkens- werte Zurückhaltung beobachtet. Deutschland wurde vor dem roten Bol- schcwismus in den Zahren 1918 bis 1924 gerettet, wahrlich nicht durch die Nationalsozialisten? Im Jahre 1927 kam der Prinz zum Stahlhelm und schwor bei jeder passenden Gelegenheit den Bundesführern öffentlich die Treue. Er verließ trotzdem nach etwa drei Jahren die Stahlhelm- bewegung, weil er sich nicht genügend beachtet glaubte, Unterstützung„aus das äußer st« herab- gesetzt", so daß der durchschnittlich« Unter- stützungsaufwand in der Bersicheruirg sich auch nach Einführung der Wintererhöhung auf etwa 44 Mark monatlich belausen werde. Jnfolgedesier? habe die Reichsanstalt nicht nur die 79 Millionen „aus eigenen Mitteln", d. h. aus Mitteln der von den Versicherten und den Unternehmern geleisteten B e i t r ä g« aufbringen können, fondern sie habe auch im starken Umfang« sich an der F i n a n- zierung der Notstandsarbeiten und des freiwilligen Arbeitsdienstes be- teiligt. Darüber hinaus hat die Reichsanstalt für das Ardeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung zunächst 20 Millionen aufgebracht und werde zum zweiten Plan eine noch viel größere Summ« zuschießen. Außerdem hat die Reichsanstalt dem Reich seit dem 1. April 1932 aus ihren Ueberschüsien KK) Millionen zur Verfügung gestellt zur Aufbringung der Mittel für die Krisenfürsorge und die Wohl- sahrtspflege. Darüber hinaus werde die Reichs- anstalt aus der neuen Abgabe zur Arbeitslosen- Hilfe dem Reich 249 Millionen zuführen. Dann heißt es: „hätte die Reichsemstall den Ueberschuß von 160 Millionen Mark verwende«, am den krei, der llnlerstühlen;a erweitern, die sie ans eigenen Milleln zu betreuen hat. so hätte sie. unbeschadet ihrer sonstigen finanziellen hilf». Unmoralität vor. Wir empfehlen ihm, sich zunächst mit der Moral in der Nationalsozialisti- schen Arbeiterpartei zu beschäftigen, aus der nam- haste Mitglieder wegen der unmoralischen Zu- stände laut öffentlicher Erklärung ausgetreten sind." Das Porträt ist von Kennern gezeichnet. E i n echtes Hohenzollernporträt! Aus Nazi-Thüringen Stadtrat mit Arbeitermehrheit aufgelöst Zella-Mehlis(Thür.), 26. Oktober. Das thüringische Innenministerium hat den Stadtrat von Zella-Mehli» mit sofortiger Wirkung ausgelöst, weil er wiederholt Beschlüsse gesaht ftellungen. die Zahl der von ihr Betreuten um «ehr als 600 900 ausdehnen können. Im übrigen rechnet die Reichsanstalt im zweiten Halbjahr mit einem Ueberschuß von 299 Millionen. Zum Schluß heißt es dann in der Mitteilung: „Diese Zahlen und die lausend veröffentlichten Finanznachweise der Reichsanstalt zeigen, wel- chen starken Faktor die Reichsanstalt innerhalb der gesamten Arbeitslosenhilfe ausmacht, wie stark sie auf diesem Gebiete als Finanzaus- gleich zwischen Ländern und Gemeinden wirkt und wie sehr die Reichsregierung auf die finanziellen Mittel der Reichsanstalt zurückgreis t." In den ersten Jahren der Arbeitslosenversiche- rung sind von Reich, Ländern und Gemeinden f ü r mehr als 2� Milliarden Zuschüsse a n die Reichsanstalt geleistet worden. Jetzt, unter der„grundsätzlich neuen Staatsführung" der Nazibarone ist die Reichsanstaltzueiner Geldquelle für das Reich geworden. Mindestens 699 999 Arbeitslose könnte die Reichs- anstalt aus eigenen Mitteln mehr unterstützen. Aber der Staat soll nach dem Worte von Papen keine Wohlsahrtsanstalt sein. Wenig- stens nicht für Arbeitslos«. Für Prämien und Steuergeschenke an die Kapitalisten sind allerdings Milliarden da. Ueber diese„grundsätzliche neu« Staatsführung" wird am 6. November das Urteil zu fällen sein! Hab«, die undurchführbar gewesen seien und die vom Staatsbeaustragten wieder aufgehoben wer- den mußten. Die Neuwahl findet am 4. De- zember, dem Tage der Thüringer Kommunal- wählen statt. In dem aufgelösten Stadtrat hatten die Kommunisten mit einem Sozialdemokraten die Mehrheit, dem standen vier bürgerliche und drei Nationalsozialisten gegenüber. Habsburger Keile Mit Stinkbomben Hamburg, 26. Oktober. Die gestrige deutschnational« Wahl- v e r sa m m l u n g in den Elbecker Bürgersälen wurde vonNationalsoziali st enge stört. Gleich zu Beginn der Versammlung machten sie Zwischenrufe, dann sangen sie das Horst-Wesiel- Lied und warfen schließlich Stinkbomben. Zwischen ihnen und dem deutschnationalen Saal- schütz kam es zu Prügeleien, so daß die Polizei eingreisen mußte. Die Prügeleien setzten sie auch aus der Straße fort, sie riefen„H u g e n b e r g verreck« l" und räumten erst das Viertel, als Schnellwagen der Polizei eingesetzt wurden. KPD. entlarvt Von Max �Vestpbal Die Taktik der KPD. war stets darauf gerichtet, mit den Mitteln des außerparla- mentarischen Kampfes, mit Gewalt die pali- tische Macht in Deutschland zu erobern. Die Kommunisten waren immer wieder bestrebt, den politischen Kampf zu außerparlamenta- rischen und gewaltmäßigen Auseinander- setzungen zu„steigern". Das sogenannte „Weitertreiben der Revolution" 1918/19, der Osterputsch in Mitteldeutschland 1921, der Hamburger Putsch 1923, der Maiputsch in Berlin 1929 sind die bekanntesten Wahr- zeichen dieser Taktik. Alle diese Putsche waren Verbrechen gegen die Arbeiterklasse und den Sozialismus. Sie haben der Ar- beiterschaft außer vielen nutzlosen Blut- opfern und außer der Steigerung des Hasses im Bruderkampf nichts gebracht, zum Er- starten der Reaktion und des Faschismus aber sehr viel beigetragen. Paul Levi, damals noch Führer der Kom- inunisten, schied wegen des mitteldeutschen Putsches aus der Partei und hielt in der Broschüre„Unser Weg" fürchterliche Abrech- nung mit diesem„bakunistischen Wahnsinn". — Ueber den Putsch von 1923 sagte Brandler, damals Führer der Kommunisten,' später einmal: „daß es ein Fehler war. sich von den russischen Genossen breitschlagen zu lassen und auf der Grundlage der falschen Analyse der Lage und der von Trotzki... verfochtenen Terminsetzung für den Aufstand, der Umstellung der Partei von der Defensive... aus die direkte Offensive zuzusteuern. Er glaubte, die russischen Genossen mit ihrer sieg- reichen Revolution konnten ein solches Verlangen stellen. Die von den russischen Genossen zur Ver- fügung gestellten Spezialisten versagten auf Grund ihrer Unkenntnis der speziellen Kampsbedingungen und Besonderheiten des deutschen Kampftcrrains im wesentlichen und erzeugten z. T. nur Des- Organisation".(„Rote Einheit", Nr. 4, April 1929.) Aber hären wir noch, was der ehemalige Kommunist Z e u t s ch e l über die Auslösung des Hamburger Kampfes berichtet: „Als es feststand, daß die SPD.-Leute(auf dem Chemnitzer Betriebsrätekongreh. D. V.) nicht das Spiel der KPD. mitmachen wollten, gab Teddy in einer Auswallung den Kurieren den B«sehl zur Abreise— mit dem Befehl zum Aus- stand. Unmittelbar nach der Betriebsrätekonferenz trat die KPD.-Zentrale zu einer Sitzung zu- jammen, um über die weiteren Schritte zu beraten. Im Grunde waren alle froh über die Ablehnung der Sozialdemokraten... Da platzt« die Mit- teilung Teddys von der Absendung der Kuriere wie eine Bombe herein. Alles sprang von den Sitzen auf und starrte sich entgeistert an. Brandlcr erhielt zuerst sein kühles Blut wieder. Er schickte sofort einige ihm ergebene Leute los, um die Kuriere anzuhalten Es war noch keiner abgereist bis auf den Hamburger und den Mecklenburger. Ihr Zug mutzte gerade in dem Moment abfahren, Ucuic yeoßc UaUlcdc Wir zeigen unsere Macht im Berliner Westen! In den Tennishallen, Wilmersdorf, Brandenburgische Straße 53, sprechen heute, 27. Oktober, um 20 Uhr, ALBERT GRZESINSKI und EMIL GROSS. Eintrittspreis 30 Pf. Für Erwerbslose gegen Vorzeigung der Stempelkarte 10 Pf. (Sin Hohenzollernporträt Gezeichnet vom Stahlhelm Ärs-ri'™5" � foUwtMS(üc du fceiUä acae* dU lUddio*! Jetzt wirst der Prinz Öffentlich dem Stahlhelm Der Standpunkt der preußenregienmg Zu Verhandlungen über die Durchführung des Urteib bereit— Ernste Mahnung an das Reich als die Voten losliefen. Aber es war doch nur der Hamburger abgereist. Der Mecklenburger hatte noch vor der Abreise eine Tasse Kafsee im Warte- saal getrunken und war just in dem Augenblick auf den Bahnsteig getreten, als der Hamburger Zug, mit dem auch er fahren mußte, aus der Halle dampfte.. Für Hamburg war der Befehl zum Auf ft and gegeben. Eine Tasse Kaffee war schuld daran, daß er nicht auch nach Mecklenburg ge- langte." Noch eine dritte Großaktion der Kommu- nisten sei hier angeführt, der Ruhrstreik 1930. In der Zeitschrift„Die Kommunistische Jnter- nationale"(Märzheft 1931) wird die Reso- lution des Zentralkomitees der KPD. über diesen Kampf wiedergegeben, und darin heißt es u. a.: „Die jüngsten Bewegungen und Massenstreits offenbarten zugleich'mit der ungeheuren Steige- rung der Kampfkraft und des revolutionären Kampfgeistes der breitesten Massen«in« außerordentliche organisatorische Schwäche, mangelndes Orient!«- ru n g s v e r m ö g e n.«inen Mangel an Entschlossenheit und praktischer Tatkraft der Partei und REO.... Die zentrale Kampfleitung wurde zwar auf breitester Grundlage der Einheitsfront gewählt, die selb- ständige Arbeit dieser Leitung wurde aber nicht genügend gefördert. Die kollektive Zusammenarbeit und die Heranziehung der neu in die zentrale Streikleitung gewählten— natürlich noch unerfahrenen Genossen— wies darum mancherlei Mängel auf... Besonders stark machte sich auch das Fehlen eines gut funktio- n ier enden Vertrauensmänner- k ö r p e r s bemerkbar... Schließlich sei auf den Opportunismus hingewiesen, der in allen Formen austrat und der u. a. dadurch seinen Ausdruck fand, daß„rote" Betriebsräte sich bewußt verschlief e.n, sich weigerten, den Streik auszulösenund daß vi«l« Straßenzellen die Auffassung vertraten, als sei die Streikbewegung eine Angelegenheit der NGO." Braucht man da noch Worte der Kritik hinzuzufügen? Ist diese Selbstkritik nicht eine Selbsthinrichtung? So aber sind alle Aktionen der Kommunisten ein wildes Hasardspiel gewesen und nicht„revolutio- näre Klassenpolitik". Diese Taktik schwächte die Arbeiterbewegung und stärkte die Reaktion! Aber das Anwachsen der Reaktion brachte den Kommunisten nicht die Einsicht von der Verfehltheit ihrer Taktik, vielmehr entstand berechnen die hirnverbrannte Idee, die Re- aktion als Vorspann für die Entfesselung der Revolution zu benutzen. Erst wenn der Fa- schismus gesiegt hat, kann die kommunistische Revolution kommen— das war die neue Linie. Deshalb die Beteiligung am Stahl- helm-Nazi-Volksbegehren in Preußen. Des- halb das Ueberlaufen von 500 000 Kommu- nisten zu Hitler beim 2. Wahlgang der Reichspräsidentenwahl. Dies war das Er- eignis, das der kommunistischen„Welt am Abend" seinerzeit das Geständnis entlockte, daß„in Berlin einige tausend Kommunisten aus revolutionärer Ungeduld, um die Eni- scheidung rascher herbeizuführen, für Hitler stimmten..." Diese sogenannte„revolutionäre Ungeduld" war Wegbahnerin der Reaktion, sie war im April 1932 der direkte Weg zum Faschismus! Der Kampf der Sozialdemokratie für den Sozialismus und gegen die Reaktion wurde von den Kommunisten stets diffamiert und sabotiert.„Alles oder Nichts" war immer die Parole, nach der man arbeitete. Jede Ver- besferung in der Lebenslage der Arbeiter- fchaft könnte ja dem revolutionären Geiste Abbruch tun. Aus diesem Geist nannte zum Beispiel 1927 der kommunistische Redner im Reichstag das zur Beratung stehende Ar- beitslosenversicherungsgesetz„... ein Klassen- gesetz übelster Art" und verkündete:„Auch dieses Gesetz wird, wie alle anderen Gesetze der Bourgeoisie dereinst im Feuer der Re» volution verbrennen." Und jetzt wollen die Kommunisten f ü r dieses Gesetz auf die Barrikaden steigen! Für jeden denkenden Arbeiter ist die kom- munistische Politik gerichtet. Gewiß, radikal gestimmte Massen wählen kommunistisch. Aber das Gros dieser Wähler ist, wie oft be- wiesen, keineswegs bereit, aus diesem Radi- kalismus Konsequenzen zu ziehen. So ist dieser ganze KPD.-Radikalismus hohl, un- fruchtbar und wirkt nur lähmend auf den Kampf der Arbeiterbewegung. Diesen Ra- dikalismus überwinden und die ganze Kraft der Klasse konsequent positiv für den sozia- listischen Aufbau über den Weg der„sozialen Errungenschaften" einsetzen— das ist der Weg zum Sozialismus! Wir müssen dafür sorgen, daß er von der Arbeiterbewegung geschlossen und kraftvoll gegangen werden kann. Die preußische Staatsregierung hatte zu Mitt- wochabend die Preffeverlreter zu sich geladen. Bor der überaus zahlreich besuchten Konferenz sprach zunächst der Vertreter der Klage Preußens vor dem Staatsgerichtshof, M i n i st e r i a l- direktor Dr. Brecht: Nicht nur allgemein, sondern spezialisiert, stellt das Leipziger Urteil fest, daß die Vorwürfe einer Pflichtverletzung Preußens u n b e r e ch- tigt sind. Das ist das wichtigste für Preußen und für Deutschland überhaupt. Das Reich fürchtete mit Artikel 48.2 nicht durchzukommen und mußte daher versuchen, eine Pflichtverletzung dar- zulegen: je stärker das geschah, desto stärker muhten wir dagegen ankämpfen. Nun aber, nach der Die ständige Ansicht des Reichsgerichts, daß mit dem Artikel 48 nicht in die Hoheitsrechte der Länder ein ge griffen werden kann, hat der Staatsgerichtshof aufrechterhalten. Wäh- rend das Reich erklärte, der Reichskommissar sei die Landesregierung, hat Preußen betont, daß er immer Organ des Reiches bleibt, welches zwar die Zuständigkeiten der Länder zusammenpressen, aber nicht aufheben oder beseitigen kann. Dem hat der Staatsgerichtshof am Schluß seiner Begründung zugestimmt: im Namen des Landes hat nur die Landesregierung zu sprechen, niemals aber ein Reichskommissar, wenn auch zeitweise Zuständigkeiten der Landesregierung auf ihn übertragen sind. Preußen hat rund 50 Reichsralsbevollmäch- tigle, die vom Kabinett Vraun-Severing ernannt worden find. Diese Liste ist ja auch noch Ende August— ob durch Lapsus oder Absicht, bleibe unerörtert— dem Reichstag vorgelegt worden. Diese Bevollmächtigten haben nun auch weiterhin ihr Amt im Reichsrat auszuüben. �sinistenpi-äsickent Lraun zu dessen Ehren sich die ganze Konferenz erhoben hatte, als er den Saal betrat— führte aus: Es liegt im Interesse des Landes, sich auf den Rechtsboden dieses Urteils zu stellen und an seiner loyalen Ausführung sachlich mit- zuarbeiten. Durch die Zurückweisung des in- famierenden Vorwurfs der Pflichtverletzung Preußens gegenüber dem Reich ist die Atmosphäre etwas gereinigt und die Möglichkeit gegeben, die notwendige Neuregelung zu treffen. Verwirrung ist nicht durch daö Urteil geschaffen, sondern durch die Vcrord- nung vom 20. Juli. Ter Staatögerichts- Hof hat versucht, an Stelle dieser Ver- wirrung eine klare Rechtslage zu stellen. Wenn ihm daS nicht ganz gelungen ist, dürfen wir ihn nicht kritisieren, sondern müssen an den Ausgangspunkt dieser Verwirrung zurückkehren. Unsere Enthüllung des verräterischen Eharakters des Wahlaufrufs der KPD. hat bei der kommunistischen Zentrale Veitstänze hervorgerufen. Aber was gibt es da zu bestreiten? Denn inzwischen geht das Zentralkomitee der KPD. mit einem neuen Antrag hausieren, den die Kommunisten im nächsten Reichstag stellen wollen und dessen erster Artikel laulen soll:„Der Ver- sailler Vertrag wird sofort außer Kraft gesetzt und für null und nichtig erklärt". Das ist die blödsinnigste nationalistische Aktion, die denkbar ist. Sie ist noch blöder als alles, was die Nazis auf diesem Gebiete bisher geleistet haben. Es ist eine Lüge gegenüber der Arbeiter- klasse, der man erzählen will, daß sie infolge„des räuberischen Diktates von Versailles mit einer zermalmenden Last des Elends bedrückt werde". Es ist eine Verschleierung der Klassen- kampfsiluatlon in Deutschland, eine Täuschung der Arbeiterschaft über die Lage, über ihre Ausgaben, über die Wege zu ihrer Rettung und Befreiung. Wie einst Hugenberg predigte: fort mit Boung-Plan, und alles wird besser, so predigt jetzt die Zentrale der KPD.: fort mit Versailles, und alles wird besser. Es sind die Methoden politischer Ge- sundbcter und Volksbetrügcr. die da- mit geübt werden. Dieser plötzliche Ausbruch national- bolschewistischen Irrsinns bei der Zentrale der SPD. ist aus deutschen Verhältnissen und aus der deutschen klasseokomps- tage gar nicht zu erklären. Er ist nur erklärlich als Auswirkung eines strikten Befehls, den die Heloten in der KPD.-Zenlrale von Moskau empfangen haben. Stalin und seine Berater spielen ein wenig Nationalsozialismus, sie blasen in das chauvinistische Feuer, weil sie es für sich für nölig halten— und ihre Heloten in Deutschland unter- stützen damit hirnlos und sinnlos das Spiel der Nationalisten und Kriegshetzer! Ich will nicht darauf eingehen, ob die Voraus- setzungen zu einem derartigen Vorgehen bestanden haben und ob es nicht zweckmäßig gewesen wäre, daß der Reichspräsident, ehe er solche durchgreifende Maßnahmen erließ, wie auch früher mich zu sich gebeten und mit mir die Dinge durch- gesprochen hälte, fondern derartig einschneidende Maßnahmen gegen die preußische Staatsregierung erlasien hat, ohne vorher den Versuch gemacht zu haben, mit dem verantwortlichen preußischen Minister Fühlung zu nehmen. Als geschäftsführendes Ministerium sind wir nach der Verfassung verpflichtet, die Geschäste des Landes zu führen, bis uns eine vom Landtag ge- wählte Regierung ablöst. Die Begründung der Verordnung vom 20. Juli mit dem„nur" ge- schäftsfllhrenden Charakter der Regierung geht fehl. Mir und meinen Kollegen wäre nichts lieber, als wenn der Landtag seine Pflicht erfüllte und eine Regierung wählte. Solange er das nicht tut. müssen wir gemäß der Verfassung die Geschäfte weiterführen. Nun erklärt der Staatsgerichtshof uns zur Landesregierung, die die Hoheits- interessen Preußens zu vertreten hat, und zwar gegenüber dem Landtag, dem Staatsrat und dem Reichsrat sowie auch der Ceffentlichkeit und dem Reiche gegen- über. Die Exekutive oder die Amts- befugnisse hat der Reichskommissar für sich in Anspruch genommen auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten. Es wird sehr. schwer sein, diese Abgren- zung praktisch durchzuführen. Das Ttaatsministerium wird nichts tun, um die Regelung auf Grund des Urteils zu erschweren. Wenn einzeln« Zeitungen durchblicken lassen, der Reichskommissar habe das Gel d, die Beamten und den Apparat, also könne die gesetzliche Regierung nichts machen, so wird damit bei den verantwortlichen Reichsstellen eine Böswilligkeit vorausgesetzt, die ich der Reichs- regierung nicht unterstellen möchte. Ich bin der Auffassung, daß die Reichsregierung ebenso wie die Landesregierung das Urteil respek- tieren und bemüht sein wird und muß. im Interesse des Reiches und Preußens einen Aus- gleich zu finden.' Gewiß besteht eine Reihe von Schmie- rigkeiten. Kleine Anfragen aus dem Landtage soll die Staatsregierung beantworten. Wie könn- ten wir das. ohne daß uns der Beamtenapparat und die Akten zur Verfügung gestellt werden? Die Verfassung verpflichtet uns, dem Staatsrat Die Sozialdemokratie fordert auf zur sozio- l i st i s ch e n Aktion, die KPD. aber zum nationali st ischen Humbug. Der Unter- schied ist klar. Sozialisten marschieren des- halb mit der Sozialdemokratie! Die nationale peitsche Neues Sinnbild des Aufbauwillens Heinrich Heine, auf dessen Geburtshaus in Düsseldorf seine Worte stehen:„Denk ich an Deutschlano in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht", läßt einen Vorläufer späterer Zeiten sagen:„Wir brauchen ein Nationalzuchthaus und eine gemeinsame Peitsche". Nicht von ohngefähr trägt Adolf Hitler, wo er geht und steht, eine Hunde-, neuestens Nil- pferd peitsch« mit sich. Aus dem Auto, in dem er durch Magdeburg fuhr, ist— natürlich in sausender Fahrt— mit Peitschenhieben aus Re- publikaner am Straßenrand eingehauen worden; die Polizei hat die Peitsche nachher aus dem Luxuswagen herausgeholt. Nun lesen wir in Wiener Zeitungen, daß am Begräbnistage der zwei Aufbauwilligen, die unter den Angreifern des Arbeiterheims Simme- ring gewesen waren und dort erschossen worden sind, Hakenkreuzler mit Hundepe it- s ch e n um die frischen Gräler kreisten und frieo- liche Friedhofsbesucher anstänkerten und bedroh- ten. Erst herbeigerufene Polizei konnte dem ein Ende machen. An der Wiener Universität mußte auf Antrag der jüdischen Studenten die Ein- schreibungsfrist verlängert weroen, da die täglichen U e b e r f ä I l e der Aufbau- willigen auf Lernwillige es diesen unmöglich macht, zur Einschreibung zu gelangen. Auch am gestrigen Mittwoch mußten wieder Verletzte ver- bunden, einer sogar rasch abtransportiert werden! allmonatlich Auskunft über die laufenden Geschäfte zu geben. Wie sollen wir das durchführen, wenn der Kommissar die Akten für sich nimmt und uns sitzen läßt und nicht informiert? Wir sollen un- sere Reichsratsvertreter für die Stellungnahme zu den Vorlagen der Reichsregierung instruieren. Wie sollen wir das machen, wenn uns nicht die Sachberater zur Verfügung stehen, um uns zu informieren? Preußen und das Reich müssen also einen Modus finden, der ein reibungsloses Arbeiten gewährleistet. Die Reichsregierung wirb sich ernstlich fragen müssen, in welchem Umfange und wie lange noch sich die Zustände und Maßnahmen aufrechterhalten lassen, die auf Grund der Verordnung vom 20. Juli geschaffen worden sind. Uebrigens haben wir Ruhe und Ordnung m! n- bestens in demselben Maße aufrecht- erhalten wie der Reichskommissar, wir sind aber ohneZuchthausoerord nun g ausgekommen! Ich sehe allerdings nicht ein, warum zur Sicherung der Ordnung und Ruhe z. B. dem Landwirtschaftsniinister die Stierkörung und die Bullenprämierung, warum dem Handels- minister die Porzellanmanusaktur und dem Finanz- minister das Katasterwesen oder mir die Verwal- tung der Archive der alten Akten des Großen Kur- fürsten und Friedrich des Großen entzogen werden mußten. Solange politische Parteien die Faust an Stelle des Kopses gebrauchen, werden sich Leute auf den Straßen herumprügeln. Das kann aber keine Rechtfertigung dafür sein, die Ausnahmemaßnah- men dauernd aufrechtzuerhalten! Tie Staatsregierung ist bereit, loyal und sachlich, zum Pesten des Reiches und Preußens an der Lösung all dieser Fragen mitzuwirken. Was die Reichsreform anbelangt, so ist all- bekannt, daß ich stets darauf bedacht gewesen bin, dem Reiche nicht unnötig Schwierigkeiten zu be- reiten. Auch gegenüber seinen wechselnden und oft sehr verschiedenartigen Kabinetten war Preußen stets von diesem Bestreben geleitet. Der Weg. den die Reichsregierung durch eine gewaltsame Reichs- exekution eingeschlagen hat, die in ihren wesent- liehen Teilen jetzt durch den Staatsgerichtshof als verfassungswidrig abgelehnt wurde, ist nach meiner Meinung nicht der geeignete Weg zum Besten des Reiches und Preußens und zum Nutzen der ganzen brennenden Reichsreform. Dieser Weg muß so bald wie möglich verlassen, aber dar- aus die Lehre gezogen werden, daß man gemein- sam etwas Vernünftiges zum Besten beider Teile herbeiführen muß. Auf verschiedene Fragen antwortete der Mini st erpräsident noch- Von einer Besprechung des R e i ch s p r ä f i- denken mit mir oder der Reichsregierung mit uns ist mir bisher außer den Zeitungsmeldun- gen nichts bekannt. Das letztere aber wäre gewiß zu begrüßen. Was die Preußentasse anbe- langt, so sind uns die Einzelheiten dieser Trans- aktion noch nicht bekannt. Darum können wir auch noch nicht sagen, was daran Hoheitsinter- esse und was Amtsbefugnis ist. Das Reich ist ja an der Preußenkasse seit zwei Iahren finan- ziell und verwaltungsmäßig beteiligt. Ich kann mir allerdings nicht denken, wie es ohne Ver- letzung der Verfassung möglich sein sollte, preußi- sches Vermögen ohne Zustimmung des Landtags und des Staatsrats abzutreten! Schließlich erklärte der Ministerpräsident zu dem in der Presse angekündigten Erlaß des stell- vertretenden Reichskommissars Dr. Bracht an die Beamten, soweit darin die Be- amten zur Erfüllung ihrer Gehorsamspflicht auf- gefordert würden, wäre dagegen selbstverständlich nichts einzuwenden, sollten jedoch die Beamten zur Gehorsamsverweigerung gegenüber dem Staats- Ministerium auf dessen vom Staatsgerichtshof um- fchriebenen Wirkungsgebiet aufgefordert werden, so wäre das eine Zuwiderhandlung gegen das Urteil. Brecbt bei Meißner Der preußische Ministerialdirektor Dr. Brecht hatte am Mittwochabend eine Unterredung mit dem Staatssekretär des Reichs» Präsidenten. Die Unterredung galt der Ausführung des Leipziger Urteils. Braebts Erlaß Der Reichskommissar Bracht hat am 26. Oktober 1932 an alle preußischen Behörden folgenden Erlaß gerichtet: „Die Gehorsamspflicht der preußischen Beamten gegenüber dem durch die Verordnung des Reichs- Präsidenten vom 20. Juli 1932 eingesetzten Reichs- kommissor und den von ihm bestellten Vertretern steht nach dem Urteil des Staatsgerichtshofes vom 25. Oktober 1932 fest." Neuer Nationalbolschewismus Nationalistischer Humbug der KPD. Die Versucher Nicht zögern, Herr Reichskanzler, abreißen! Pah— ein Fetzen Papier!" 45 Monate Zuchthaus! Gegen drei katholische Arbeiter Von der Presse völlig unbeachtet, hat sich gestern vor der zweiten Großen Strafkammer des Land» gerichts III unter Vorsitz von Landgerichtedirektor Siegert eine neue Gerichtstragödie ab- gespielt, die abermals die unerhörte Härte der letzten Antiterroroerordnung auf- zeigt. Wegen einer in der Nacht vom IS. August ausgebrochenen Schlägerei an der Ecke der Wilmersdorfer und Kantstraße, bei der keineswegs ernsthafte Verletzungen entstanden sind, ist der Fahrstuhlführer Erwin kupczak zu Wt Jahren Zuchthaus, fein Bruder Bruno kupczak und fein freund, der Arbeiter Subalczyt zu je 15 Atonalen Zuchthaus ver- urleilt worden. Gegen alle drei wurde Haftbefehl erlassen und Bewährungsfrist„wegen der Schwere der Tat" abgelehnt. Alle drei Angeklagten sind st r e n g e K a t h o- l i k en. die sich politisch überhaupt nie betätigt haben und höchstens der Zentrums- Partei als Wähler nahe stehen. Erwin K., der Fahrstuhlführer im Cafe König ist, ein wegen seines ruhigen, höflichen Wesens bei allen Berufs- kollegen und Gästen gleich beliebter Mensch, der erst zwei Monate zuvor geheiratet hat, soll nach einer Geburtstagsfeier seiner jungen Frau in etwas angeheitertem Zustand mit einem National- sozialisten zusammengestoßen sein. Ueber die Entstehung dieser Keilerei war schon deshalb nicht volle Klarheit zu erlangen, weil der zu Boden geschlagene Nationalsozialist als Be- lastungszeuge zugeben mußte, daß er selber angetrunken war. Ist er wirklich„Nazi- schwein" tituliert worden, wie er behauptete, wer hat zuerst geschlagen, läßt sich die Angelegenheit überhaupt als politisch bezeichnen? Lauter Fra- gen, die nicht eindeutig beantwortet werden können. Daß Erwin K. eine gewisse Animosität gegen Nationalsozialisten empfand, mag schon zu- treffen, wenn man bedenkt, daß er als Fahrstuhl- führer im Cafe König wiederholt das Ueberfall- kommando gegen Hakenkreuzlerische Rowdys alarmieren und Gäste gegen antisemitische Kra- keeler schützen mußte. Jedenfalls steht fest, daß sich Pasianten ein- mischten, die sich mit dem Angeklagten Erwin Kupczak und mit den inzwischen hinzugekommenen Bruno Kupczak und Kubalczyk herumschlugen. Ein verletztes— nicht einmal lädiertes— Nasenbein und ein Schlag aus die Schläfe waren die ganze Bilanz dieser völlig unpolitisch gewordenen Schlägerei, wie sie dutzendweise in Groß-Berlin jede Nacht vorkommt. And dafür 48 Monate Zuchthaus auf drei Ange- Nagle verteilt! 48 Monate Zuchthaus für etwas. was sonst mit 50 Mark Geldstrafe oder schlimmstenfalls zwei Wochen Gefängnis mit Bewäh- rungsfrift geahndet wird! Die Große Straf- kammer ging sogar über die Forderung de» Staatsanwalts hinaus, der nur die Mindest- strafe der Notverordnung, nämlich 1 Jahr Zuchthaus, beantragt hatte! So geht das nicht weiter! Jedes neue Urteil auf Grund der Antiterroroerordnung vom 9. August ist ein Beweis mehr für die Notwendig- keit ihrer schleunigsten Aufhebung und darüber hinaus einer Ueberprüfung sämtlicher Urteile, die auf ihr beruhen! Wessen Schuld? Naziverbrecber auf der Flucht In Pirmasens wurde seinerzeit ein umfang- reiches nationalsozialistisches Bombenlager auf- gedeckt. Als Verfertiger der Bomben wurde der Nationalsozialist Theodor Eicke festgestellt, der in einem großen Werk als„Sicherheits- kommisiar" angestellt war. Eicke hatte umfang- reiche Sprengstoffdiebstähle begangen. Am 15. Juli 1932 wurde er zu z w e i I a h r e n Zuchthaus verurteilt. Die Strafe war u n- gewöhnlich milde. Eicke verteidigte sich, daß er„aus lauleren patriotischen Mo- t i v e n" gehandelt hätte, er habe nämlich die Bomben angefertigt— zur Abwehr eines KPD.- Putsche? Das Gericht hat ihm die Motive ge- glaubt Wozu die NSDAP. Bomben gebrauchte, hat sich in der Terrorzeit nach der Wahl vom 31. Juli herausgestellt. Alsbald nach dem Urteil wurde der Straf- Vollzug ausgesetzt. Eicke wurde a u s sechs Wochen aus der Haft entlassen! Welchem Verurteilten, der zwei Jahre Zuchthaus erhalten hat, passiert das sonst noch? Aus den stchs Wochen sind Monate geworden, und jetzt ist Eicke— seit drei Tagen flüchtig! Dieser Eicke hat Kollegen! Im Zusammenhang mit den nationalsozialistischen Mordtaten in Fried- richskoog waren wegen der Ueberfälle auf Reichs- bannerleute drei SA.- Leute zu Zuchthaus- strafen von 1)4 bis 2 Jahren verurteilt worden. Bis auf einen, der sofort verhaskel werden konnte, sind die übrigen geslüchlet. Mehrere Angeklagte waren zu Gefängnisstrafen von vier bis zehn Monaten verurteilt worden. Auch sie sind verschwunden. In den Nazikreisen an der Westküste erzählt man sich jetzt, daß die geflüchteten SA.Leute sich teils im Nazi- paradies Oldenburg, teils in M e ck l e n- bürg bejinden. Die Bemühungen der Staatsanwaltschaft, die ebenso feigen wie gewalttätigen Burschen in die Gefängnisse zu bringen, sind bisher ergebnislos geblieben. LprengstoffurteUxegenl�oinniumsten Leipzig, 26. Oktober. In dem Prozeß gegen sieben Berliner Kommu- nisten, über den bereits berichtet wurde, fällte heute nach dreitägiger Verhandlung der vierte Strafsenat des Reichsgerichts folgendes Urteil: Die Angeklagten werden mit Ausnahme von Emmerich und Barnitzke der Vorbereitung zum Hochverrat in Tateinheit mit Sprengstoffoerbrechen und Der- gehen gegen das Republikschutz-, Kriegsgeräte- und Schußwaffengesetz sowie der Angabe eines falschen Namens für schuldig befunden. Es werden ver- urteilt: Lesniewsti zu fünf Iahren und Behring zu vier Iahren Zuchthaus unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf zehn Jahre, B e h r und Beckmann zu je 2'A Jahren und Bauersfeld zu l)� Iah- ren Zuchthaus unter Aberkennung der bür- gerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre. Die Ange- klagten Emmerich und Barnitzke werden zu je zwei Iahren Festung verurteilt, wobei ihnen die Ueberzeugungstäterschaft zugebilligt wird. Funkstunde empfiehlt: Fin waschechter Putschist gegen die Republik In einer neuen Reihe„Wir stellen vor" hat die Funkstunde vor acht Tagen einen Dr. Edgar Jung aus München sprechen lassen, der unter anderem als Führer der Truppe vorgestellt wurde, die seinerzeit die Separatistenregierung erschoß und der von den Franzosen aus Saarbrücken ausgewiesen wurde. Der Sozialistische Kulturbund hat wegen der Ablehnung des Bortrages„Der 9. No- vember und die Arbeiterschaft" durch die Deutsche Welle und die Berliner Funk- stunde, die vom„Vorwärts" bereits gekenn- zeichnet wurde, an das R e i ch s m i n i st e r i u m des Innern folgendes Schreiben gerichtet: .hierdurch unterbreiten wir dem Ministerium folgende Angelegenheit zur Entscheidung: Bei der Direktion der Deutschen Welle wie der Berliner Funkstunde hatten wir beantragt, in das Rundfunkprogramm am 9. November einen Vor- trag des früheren Herrn Reichstagspräsidenten Paul L ö b e über das Thema„Der 9. N o- vember und die Arbeiterschaft" aufzu- nehmen. Die Direktionen der genannten Sender haben den Vorschlag abgelehnt mit der Begrün- dung, es fei zu befürchten,„daß dieser Vortrag zu lebhasten Auseinandersetzungen in der Oeffentlich- keit Anlaß geben und mithin zu einer Verschärfung der politischen Gegensätze beitragen würde". Die Begründung der Ablehnung erscheint uns nicht st i ch h a l t i g. Vielmehr dürfte die Be- fürchtung, daß der Vortrag zu lebhaften Ausein- andersetzungen in der Oeffentlichkeit Anlaß geben und damit zu einer Verschärfung der innenpoli- tischen Gegensätze beitragen würde, noch weit mehr für die Ablehnung des Vortrages zutreffen. Denn weite Kreise der Arbeiterschaft und darüber hinaus der republikanischen Bevölkerung werden diese Ab- lehnung als eine Mißachtung ihrer Gefühle emp- finden. Die Ablehnung wirkt um so verbitternder, Gestern abend lieh sie als zweiten Redner in der neuen Reihe Dr. Kleo Pleyer sprechen. Zur Einführung dieses Herrn gab der Sprecher der Funkstunde, Abteilung„Zeitfunk", Herr M a r i a u x, eine biographische Emp- fehlung, in der er betonte, daß Dr. Pleyer, der Führer der„Bündischen Reichsschast", i m Hitler-Ludendorsf-Putsch, an pro- minenter Stelle mitgewirkt habe. ein besonderer„Freund" der Tschechen fei, die ihn zum Dank eingekerkert haben und der sich jetzt als Jungbauer und nationalistischer Jugendsührer betätige. Dr. Pleyer selbst führte unter anderem aus, daß„Nachgiebigkeit um jeden Preis der Grund- faß der Außenpolitik des Novembersystems" fei. Statt dessen müsse der„Geist des Grenzkampfes" herrschen. Wen wird man uns nächstens vorstellen? Herrn R ö h m oder Herrn Heines? Wann ist der Rathenaumörder Techow an der Reihe? als in letzter Zeit eine große Anzahl national- sozialistischer und rechts gerichteter Darbietungen zugelassen worden ist, die teilweise zu lebhaften Auseinandersetzungen geführt haben, also in ihrer Wirkung nicht anders zu bewerten sind als der Vortrag zum 9. November fälschlich beurteilt wird. Wir weisen ferner darauf hin, daß mit dem 9. November 1918 der Grundstein gelegt worden istfürdenAufbaudesrepublikanischen Staates, der dem deutschen Volke den Weg aus dem Chaos zum Wiederaufstieg geebnet hat. Es müßte daher eine E h r e n p f l i ch t des Rundfunks als einer Einrichtung der deutschen Republik sein, der entscheidenden und positiven Bedeutung dieses Tages in seinem Programm zu gedenken. Der republikanische Teil des deutschen Volkes kann es nur als eine beschämende Tatsache empfinden, daß der Rundfunk nicht von sich aus diese selbstverständ- liche Pflicht erfüllt. Die Haltung des Rundfunks muß um so mehr befremden, als zum Beispiel der Berliner Sender für den 28. Oktober eine Hörfolge über Mussolini anläßlich des zehnjährigen Gedenk- tages des Marsches auf Rom vorgesehen hatte. Diese Verbeugung vor einem ausländischen Herr- schastssystem, das das Deutschtum in Süd- t i r o l brutal unterdrückt, läßt das Verhalten der deutschen Sender in einem besonders merkwürdigen Licht erscheinen, wenn auf der anderen Seite den breiten Volksschichten des eigenen Landes das elementarste Recht, an einem Schicksalstag des deut- schen Volkes zu Wort zu kommen, verweigert wird. Bleibt die Ablehnung aufrechterhalten, so ist da- mit zweifelsfrei dargetan, daß im Rundfunk m i t zweierlei Maß gemessen wird. Die starke Er- regung, die schon in weiten Beoölkerungskreisen über die einseitige Programmhaltung des Rund- funks herrscht, wird dadurch nur noch mehr ge- steigert werden, so daß gerade durch die Ableh- nung unseres Vorschlages die befürchtete Der- Ichärfung der innenpolitischen Gegensätze eintreten wird. Wir bitten daher das Reichsinnenministerium. die Entscheidung der Direktionen der Deutschen Welle und des Berliner Senders aufzuheben und den berechtigten Wünschen der republikanischen Be- oölkerung Rechnung zu tragen, damit der von der Reichsregierung wiederholt betonte Grundsatz der Unberparteilichkeit auch im Rundfunk zur Geltung gebracht wird. Haftung der Bankruineure Auch Rothschild soll büßen Die Regierung der Republik Deutschösterreich hat ein« Notoerordnung zur Sicherstellung (Pfändung) des Vermögens derjenigen erlassen. die für den so folgenschweren Zusammen- bruch der Kreditanstalt verantwortlich sind. Dies« Grohkapitalisten setzen natürlich olle Rechts- mittel und sonstigen Hebel gegen die Ausführung jener Verordnung in Bewegung, und in einem Falle hat das Handelsgericht den Antrag der Finanzbehörde bereits abgewiesen. Das war nur möglich, weil die Verordnung nicht von vorn- herein gegen gerichtlichen Eingriff hieb- und stich- fest gemacht worden ist. Gegen einen Haupwerantwortlichen aber, den „Baron" Louis Rothschild, der während der letzten Jahre Präsident der Kreditanstalt ge- wesen ist, geht die Regirung des Dürgerblocks überhaupt nicht vor; er besitzt zwar ein Riesen- oermögen, ist aber nach dem Gesetz nicht haftbar, weil er nicht dem geschäftssührenden Vorstand« sondern dem— verantwortungsfreien— Verwaltungsrat angehört. Diesen Mangel nun zu er- setzen, haben die Sozialdemokraten be- antragt, daß die Vankhafwng auch gegen Verwaltungsräte gellend gemacht werde. Weiter verlangen sie. daß die in verfassungs- widriger Form angeordnete— und darum vor gerichtlicher Aufhebung nicht gesichert«— Sicherstellung des Vermögens der Schuldigen in die korrekte Gesetzesform umgewandell werde. Das Gesetz soll als Verfassungs- gesetz beschlossen werden; damit nicht einge- wendet werden kann, es handle sich um ein Aus- nahmegesetz gegen Einzelpersonen. Nun haben die bürgerlichen und faschistischen „Antikapitalisten" das Wort! 2000 Hungermärschler Gegen den Bedürftigkeitsnachweis Eigener Bericht des„Vormärts" London. 26. Ottober Die aus allen Teilen Englands auf London zu- strömenden Hungerdemonstranten, deren Zahl auf 2006 geschätzt wird, treffen zum großen Teil in der Nacht zum Donnerstag in der Haupt- stadt ein. Sie werden in den kommenden Tagen demonstrieren gegen die geringe Höhe der Arbeits- losenunterstützung, vor allem aber gegen den Bedürstigkeitsnachweis. Die Londoner Polizei hat große Vorbereitungen getroffen, um unliebsame Zwischenfälle von vornherein unmög- lich zu machen. Der Abgeordnete der Unabhängigen Labour- Party McGooern beantragte, daß eine Dele- gation der Demonstranten vor dem Unter» h a u S die Forderungen der Arbellslosen vortragen könne. Dazu wird es schwerlich kommen. Aber das Parlament wird sich ohnedies am Donnerstag mit einer neuen Vorlage zur Abänderung des Verfahrens bei Anwendung des Bedürftigkeits- Nachweises befassen. Daß der Grundsatz des Be- dürftigkeitsnachweisee beibehalten werden wird, ist kaum zweifelhaft. Die Labour-Party, deren Miß- trauensantrag gegen die Regierung inzwischen mit 462 gegen 55 Stimmen abgelehnt wurde, wird jede Form des Bedürftigkeitsnachweises im Parlament bekämpfen. Neuer Word in Sofia. Am Donnerstag wurde der aus Slldslawien eingereiste Bulgare M i t o f f erschossen. Der Mörder Todor Petroff hat sich der Polizei gestellt, er habe Mitoff als serbischen Spion hingerichtet. Jituuiiüiu! Für den Wahlkampf! Unietstüi'zi den Müfnftf füe Tctikeii und Bcoi Freiwillige Spenden auf Postscheck-Konto 14157(Adolf Holz) 9. November und Nunösunk Bin Protest des sozialistischen Kulturbundes Gewerkschaften und Partei ZcKiclwslsxememsctraft im Kampf für die Arbeiterschaft In der bürgerlichen Presse tauchen seit einiger Zeit Gerüchte aus von einem Abschwenken der freien Gewerkschaften von der Eisernen Front und somit auch von der Sozialdemokratischen Partei. Diese Gerüchte werden zweifellos aus Quollen des Regierungslagers gespeist. Auch in seiner letzten Rede vor den Innungsmeistern hat der Reichskanzler von Papen eine Verbeugung vor Tornows Sachlichkeit gemacht und nach außen den Eindruck zu erwecken versucht, als habe Genosse Tornow in seiner großen Rede in der Kund- gebung des ADGB. und AfA-Bundes im Plenar- foal des Reichswirtschaftsrotes am 15. Oktober das Wirtfchaftsprogromm der Reichsregierung, wenn nicht ausdrücklich gebilligt, so doch mindestens „toleriert". Tatsachlich hat Genosse Tornow eine äußerst scharfe Kritik an diesem Programm geübt. Wie stehen die freien Gewerkschaften tatsächlich zur Eisernen Front und zur Sozialdemokratischen Partei? Nochstehende Auszüge aus der Gewerk- schostspresse zu den Reichstagswahlen geben dar- über Auskunst: In der„A f A- B u n d e s z e i t u n g" vom Oktober schreibt der Vorsitzende des AfA-Bundes, Genosse Aufhäuser, in einem Artikel„Wendepunkt" folgendes: „Arbeiter und Angestellte stehen heute vor der geschichtlichen Aufgabe, im entscheidenden Kamps gegen die Staatsmacht und gegen die Bour- geoisie die kapitalistische Reaktion niederzuringen und den zur Hilfe jür die Erwerbslosen unerläß- lichen Umbau einer ebenso unfähigen wie wider- sinnigen Wirtschastsverfassung zu erzwingen. Das vom AfA-Bund aufgestellte Wirtschafts-Aktions- Programm, das alle übrigen Glieder der Gesamt- bewcgung mit übernommen haben, ist die Fahne in diesem Ringen um einen befreienden Gegen- wartssoziolismus." Genosse Aufhäuser schließt diesen Aussatz mit den Worten:„Rcichstagswahl und Volksentscheid müssen zur Mobilmachung jener breiten Front des schaffenden Deutschland werden, „die den Sieg des Sozialismus verbürgt." In der„AfA-Bundeszeitung" vom September teilte der Bundesvorstand des AfA-Bundes mit, daß er Wert darauf legt, seine volle Ueber- einstimmung mit dem ADGB. fest- zustellen, der sich gegenüber den Zllarmnachrichten über eine angebliche Einheitsfront von den Nationalsozialisten bis zum ADGB. in der„Gewerk- fchastszeitung" folgendermaßen ausließ: „Wenn wir die Art der Anteilnahme des ADGB. an der Gestaltung der politischen Führung im Reiche kennzeichnen sollen, so müssen wir feststcUen, daß der ADGB. nur von dem einen Bestreben geleitet ist, seine Unabhängigkeit von jeder Regierung, wie immer sie beschaffen sei, in vollem Ümsange sicherzustellen." Die angebliche Abschwenkung der freien Ge- werkschasten von der Sozialdemokratischen Partei wird auch dadurch widerlegt, daß der Genosse S p l i e d t, Sekretär des ADGB., in der letzten Konferenz der Gewerkschaftsredakteure in Ueber- einstimmung mit deren Teilnehmern zum Ausdruck brachte, daß die Sozialdemokralische Partei die einzige ist, die in den Parlamenten die von den Gewerk- ichasten ausgestellten Forderungen vollinhaltlich und mit ganzer Kraft vertritt. Die meisten Organe der Verbände der Arbeiter und Angestellten haben ebensalls zu der Wahl am S. November Stellung genommen und sich ein- deutig für die Wahl von Sozialdemo- k r a t e n ausgesprochen. So schreibt z. B. der „G r u n d st c i n", das Wochenblatt des Deutschen Baugewerksbundes, in seiner letzten Nummer zur Reichstagswahl folgendes: „Die einzige Partei, die sich rückhaltlos auf die Seite der bedrängten Arbeiter stellt, die in keiner Weise zu irgendwelchem Kompromiß bereit ist mit den Parteien der Volksfeinde, die schon immer als Hort der Demokratie, des Ar- beitsrechts und des sozialen Fortschritts aufgetreten ist, ist die Sozialdemokratie. Damit ist diese Partei zugleich auch der Schützer aller gewerkschastlichen Interessen. Deshalb darf es für jeden Gewerkschafter am 6. November kein Besinnen geben! Jeder, ob Mann, ob Frau, trete an die Wahlurne und gebe seine Stimme der Sozialdemokratischen Partei!" Der ,,P r o l c t a r i e r", das Organ des Fabrik- arbeiterverbandes, bringt in seiner letzten Ausgabe vor der Reichstagswohl auf der Titelseite in drei- spaltiger Aufmachung folgenden Appell an seine Mitglieder: „Tarifrecht, Arbeiterschutz, Koalitionsrecht sind durch die Reaktion bedroht! Gewerkschaftler, wählt sozialdemokratisch!" Das Organ der Buchdrucker, der„Korrespon- dent", schließt in seiner Nr. 8Z einen„Gewerkschaft und Politik" überschriebenen Artikel mit folgenden Worten: „Wo so viel auf dem Spiel steht, muß der Ar- beiter auch eine politische Entscheidung bei der Reichstogswahl treffen, denn mit dem Erlahmen des politischen Einflusses der Arbeiterklasse sind auch die Gewerkschaften in ihrer Machtstellung be- droht. Eins ist von dem anderen nicht zu trennen. Wollen wir das verhindern, so werden wsr jener Partei die Unterstützung zuteil werden lasien, die von ihrem ersten Austrelen an bis aus den Heu- tigcn Tag für die politische Freiheit und den sozio- len Fortschritt gekämpft hat. die ihre Kräfte nur aus der Arbeiterschaft nahm, wo sie ihre treueste Gefolgschast fand. Deshalb gehört unsere Stimme am Tag der Wahl der Sozialdemokratischen Partei." Die„Buchbindcr-Zeitung", die kürzlich vom neuen Berliner Polizeipräsidenten für einige Wochen verboten war. erinnert an die vor mehr als vier Jahrzehnten im Reichstag von dem Reichskanzler Bismarck ausgesprochenen Worte: „Ohne Sozialdemokratie keine soziale Gesetz- gcbung" und weist die Mitglieder des Buchbinder- Verbandes darauf hin. daß sich daraus die Pflicht ergibt, am 6. November für die Liste 2 der SPD. zu stimmen. Der Vorsitzende des Holzarbeitsroerbandes. Ge- nosie Tornow, führt in der letzten„Holz- arbeiterzeitung" den Aerbandsmitgliedern vor Augen, daß die Verwirklichung der sozialistischen Forderungen von der politischen Machtgestaltung abhängt, also davon, daß die vom Kapitalismus Enterbten sich in einer politischen Willenseinheit zusammenfinden. Der Boden dafür sei die Sozialdemokratische Partei, der am S. November alle gewerkschastlichen Stimmen ge- hören müssen. Die„Bergbauindustrie", die Wochenzeitung des Verbandes der Dergbauindustriearbeiter, schließt ihren Leitartikel in der legten Ausgabe wie folgt: „Die sozialistischen Baupläne sind fertig! Sowohl das wirtschaftliche Umbauprogramin des ADGB. als auch die Soziolisicrungsanträgc der SPD. zeigen die Marschrichtung der Arbeiterschaft. Sor- gen wir deshalb dafür, daß am 5. November die politische Vernunft und der sozialistische Kampfes- wille über die kapitalistische Mißwirtschaft und reaktionären Machenschaften siegt." Aehnlich äußern sich olle übrigen Gewerkschafts- Zeitungen, sofern ihr Erscheinen es zuläßt, daß sie schon zu der Reichstagswahl Stellung nehmen konnten. Das Auseinonderloben und das Aus- einandcrhetzen von Partei und Gewerkschaften, das schon andere versucht haben, aber immer ver- gcblich, ändert nichts und wird nichts ändern an der geschichtlichen Tatsache, daß die freien Gewerk- schasten und die Sozialdemokratie durch eine Schicksalsgemeinschast miteinander verbunden sind und bleiben. Nie Angst der KPN. Vor den sozialen Errungenschaften Der KPD. ist ein Lapsus unterlaufen, als sie ihre Wähler auch zur Verteidigung der sozialen Errungenschaften aufrief. Das ist ihr nun wieder leid geworden, weil sie damit ihre eigene Demagogie vor den Arbeitern enthüllen muß. Deshalb sträubt sie sich mit allen Mitteln dagegen, als Verräter an den so- zialen Interessen der Arbeiter angeprangert zu werden. Nach der„Roten Fahne" vom 26. Oktober 1932 will ihr Abgeordneter Rädel am 7. Juli 1927 dos Arbeitslofenverficherungs- g e f e tz namens der KPD.-Fraktion als einen „neuen Verrat an der Arbeiter- klaffe" abgelehnt haben, weil es wesentliche Verschlechterungen für die Arbeiter gegenüber der seitherigen Erwerbslosenfürsorge gebracht haben soll. Diese Helden spekulieren auf Sie Vergcß- lichkeit der Arbeiterrvähler, denn die Schreiber solcher Sätze stellen ihre Behauptung wider besseres Wissen auf. Wie liegen die Tatsachen und was ist Wahr- heit? Bis zum 36. September 1927 erhielten Arbeits- lose in Deutschland überhaupt nur Unterstützung, wenn die Wohlfohrtsbehörden die Be- dürftigkeit anerkannt hottsn. Obwohl seit Oktober 1923 regelmäßig Beiträge vom Lohn abgezogen wurden, erhielt dadurch niemand einen Unterstützungsanspruch. Ab 1. Oktober 1927 fiel mit dem Arbeitslosenversicherungsgesetz die B e- dürftigkeitsprüfung für die ersten 26 Wochen Arbeitslosigkeit, und alle Arbeitslosen echielten statt Almosen rechtmäßige Unterstützung. Die Unterstützungssätze waren in der Erwerbslos enfürsorg« gestaffelt noch drei Wirtschaftsgebieten, vier Ortsklassen(Beamtenbesoldung) und zwei Altersklassen, sowie noch dem F a m i- l i e n st a n d. Berlin zahlte die höchsten Sätze, und zwar erhielten wöchentlich: Arbeitslose unter 21 Jahren 4,76 M. bis höchstens 7,15 M.; über 21 Jahre alte Arbeitslose 7,76 M. bi« höchstens 12,66 M.; Verheiratete je nach Familienstand 14,— M. bis höchstens 26.36 M. Diese Sätze waren fortgesetzt in Gesahr, weil die Gemeinden ihren Anteil vielfach nicht aus- bringen konnten und im Reichstag sich keine Mehrheit für erhöhte Zuschüsse fand. Das von der Reichstagsfraktion der SPD. und von den Gewerkschaften vertretene neue Gesetz ließ nicht nur die Bedürftigkeitsprüfung fallen. sondern stufte Sie U n t e r st ü tz u n g e n nur nach Verdienst und Familienstand ab. Jetzt erhielten Unterstützung alle Arbeits- losen je nach Verdienst, und zwar wöchentlich: Ledige 6,— M. bis 22,65 M.: Verheiratete(einschließlich Landarbeiter usw.) 6,46 M. bis 37,86 M. Ab 27. Woche fetzte die Krisenunter- st st tz u n g ein mit 6,— M. bis 27,— M. wöchentlicher Unterstützung. Die finanzielle Auswirkung dieses„A r b e i t e r v e r r a t s- K e s e tz e s" er- gibt sich aus folgender Gegenüberstellung: Es wurden aufgewenoet in Millionen Mark: Versicherung nicht rütteln lasien wollte, deshalb sind die sozialdemokratischen Minister(in den Zeitungen und Reden der Kommunisten als Ar- beiterverräter beschimpft) aus dem Kabinett ausgeschieden. Die sozialen Errungenschaften in dem durch Weltkrieg und Inflation niedergebrochenen Deutschland kann die schlimmste Rabulistik und Demagogie der KPD. nicht verkleinern. Während die KPD. alle Erfolge der Gewerkschaften und der SPD. in den Schmutz zerrt, Hot sie es jenen überlassen, auf den Trümmern der deutschen Wirtschaft diese sozialen Leistungen auch auf dem Gebiet der Sozialversicherung zu vollbringen: 1931 1936 1913 Krankenkassen........ 1618 1996 569 Unfallversicherung..... 415 425 227 Invalidenversicherung... 1522 1468 243 Angestelltenversicherung.. 263 225 15 Knappschaftsversicherung.. 222 246 47 Alu und Kni........ 2318 2144 Nichts 6358 6492 iTÖT Die Zuschüsse des Reichs, der Länder und Gemeinden betrugen 1936 etwa 3362 Millionen Mark, 1913 nur 58,5 Millionen Mark. Dazu kommen für 1931 an Wohlfahrtserwerbslose und öffentliche Fürsorge 2,666 Millionen Mark, für Kriegsversorgung 1,366 Millionen Mark. Das find soziale Errungenschaften, vom 1. 7. 1924 bis 36. 6. 1925 vom 1. 7. 1925 bis 36. 6. 1926 vom 1. 16. 1926 bis 31. 12. 1927 vom 1. 1. 1928 bis 31. 12. 1928 vom 1. 1. 1929 bis 31. 12. 1929 vom 1. 1. 1936 bis 31. 12. 1936 vom 1. 1. 1931 bis 31. 12. 1931 249.8 782,6 918,2 1,671,7 1,538,8 2,144.4 2,318,3 Der Zuschuß von Reich, Länder und Gemein- den betrug seit dem Inkrafttreten des Gesetzes (ab 1, Oktober 192?) 2,636 Millionen Mark, ausschließlich aller Aufwendungen für Wohlfahrtsunter st ützungen. Hätten die Kommunisten den Wert des Gesetzes für die Ardeiterschaft gewürdigt, dann wäre es unmöglich gewesen, die Unterstützungssätze und die Dauer der Unterstützungen auf den gegenwärtigen Zustand herabzuschrauben. Weil das Kabi- nett Hermann Müller an dem Schutz der Arbeitslosen und an den Leistungen der Sozial- Neuer Reichstartf In der Herrenleonlehtion Für die Herrenkonfektion'tritt am 1. November ein neuer Reichslohn- und Manteltarif in Kraft, der ohne Mit- Wirkung der staatlichen Schlich- tungsin stanzen zustande gekommen ist. Der neue Tarif ist ein Kompromiß, das weder den Konfektionsarbeilern gerecht wird, noch den Forderungen der Unternehmer in dem von ihnen gewünschten Maße Rechnung trägt. Er sieht für die Arbeiter der Herren- und Lodenkonsektion einen Abbau der Löhne um S Proz. vor, so daß z. B. der Lohn des Konfettionsschneiders in Berlin fortab nur noch 86 Pf. in der Stunde betragt. Unter vejondercn Voraussetzungen dieser Lohnabbau auch für die sogenannte Masfenkonfektion ein, die von Zwischen- meistcrn und Hausgewerbetreibenden hergestellt wird. Die Unternehmer hatten für die Schneider einen Lohnabbau um 15 Proz. und für die Zu- schneider um 26 Proz. gefordert. Der H ö ch st u r l a u b betrögt in Zukunft nicht. wie die Unternehmer verlangten, sechs Tage, sondern zehn Tage, anstatt, wie bisher, zwölf. Tage. Die sogenannte Verfall- k l a u s e l für Forderungen aus dem Tarif- vertrag ist leider zugunsten der Unternehmer verschlechtert worden. Mantel- und Lohntarif gelten bts zum 36. April 1933. In einer Versammlung der im Bekleidungs- arbetterverband organisierten Berliner Konsek- tionsschneider am Dienstag in den„Residenz- festfälen" setzte Genosie K u g e b a ch den Ver- bandsmitgliedern auseinander, daß infolge der allgemeinen wirtschaftlichen und politischen Lage ein besseres Verhandlungsergebnis leider nicht zu erzielen war. Die Versammelten anerkannten ausnahmslos die schwierige Lage, in der sich die Unterhändler gegenüber den Unternehmern be- sunden haben und billigten die Zustimmung der Ortsoertreter zu dem Verhandlungsergebnis. Knappschaft muß zahlen Die Verwaltung der Reichsknapp- f ch a f t ordnete vor einigen Tagen an, am 1. No- vember in der A n g e st e l l t e n p e n s i o n s- lasse nur 86 Proz. der fälligen Pensions- leiftungen auszuzahlen. Der AfA-Bund hat gegen diese ungesetzliche Maßnahme sofort beim Reichsarbeitsministeriuni Einspruch erhoben und erreicht, daß die Anord- nung der Reichsknappschaft zurückgezogen werden mußte. Auch das Reichsarbeits- Ministerium hält das Vorgehen der Reichsknapp- fchaft für rechtlich unzulässig. Es ist be- reits eine neue Anweisung dahin ergangen, daß am 1. November die fälligen Leisttingen in voller Höhe ausgezahlt werden. Außerdem werden die im Oktober einbehaltenen Renten- betröge nachgezahlt. Im Laufe des Monats November sollen neue Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium über die Sicherung der Zahlungsfähigkeit der An- gestelltenpensionskofse stattfinden. RGS.-Betriebsrat Leine Kollegen bestohlen Ein Musterexemplar von RGO.-Mann war der Obmann des roten Betriebsrats bei der Eisen- gießerei Härtung A.-G., Lichtenberg, Hertz- bergstraße, Z i e n t k o w s k i aus der Möckern- straße. Mit ihm muß sich die Kriminalpolizei be- fassen, da er seinem eigenen RGO.-Kollegen Kempen den Wochenlohn von netto 21 M. aus dem Spind gestohlen hat, während Kempen im Waschraum war. Er soll auch andere Kollegen um Beträge von 5 bis 16 M. bestohlen haben, sogar einen Lehrling um den ganzen Wochenoerdienst von 5 M. Von einer Geldsamm- lung für die Witwe eines verstorbenen Kollegen zog Z i e n t k o w s k i 5 M. für sich ab. Da er nicht den Mut hatte sich seine Papiere von der Firma persönlich abzuholen, ersuchte er telephonisch um Zusendung derselben. Die Firma bestand auf persönliche Abholung. Zientkowski besann sich aus das Beispiel von Ludendorsf und setzte sich eine blaue Brille auf, um auf feinem Gang zu der Firma nicht erkannt zu wer- den. Allein die blaue Brille bewahrte ihn nicht vor einer gehörigen Tracht Prügel. Wichtiger ist aber, daß die Arbeiter sich ihre Leute in den Betrieben näher ansehen, bevor sie sie mit irgendeinem Posten betrauen. Aus die Finger sehen, nicht aus die große Klappe' Phrasenmachereien, Schimpfereien zur gegen- seitigen Verhetzung der Arbeitskollegen unterein- ander im Namen der„Einheitsfront" sind das Gegenteil des Beweises von Fähigkeit, Lauterkeit und Solidarität. Abstieg der RGO. Daß Oie k o m m u n i st i s ch e RGO. dabei ist, auch in solchen Betrieben abzuwirtschaften, die sie einmal unbeschränkt beherrschte, zeigen die B e- triebsrätewahlen aufderZeche W e st- folen. Dort erhielt die RGO. im März 1931 noch 1694 Stimmen: sie ging bis Oktober 1932 auf 869 Stimmen zurück. Dagegen konnten die freien Gewerkschaften(Lergbauindustrie- orbeiter-Verband) ihre Stimmen von 366 auf 322 steigern. Die Nazis erhielten von 1667 abgege- denen Stimmen 134, die zweifellos ganz auf Kosten der RGO. gehen. Ein Päckerstreik in Warschau setzte am Sonn- abend ein, wodurch etwa 86 Proz. aller Böckereien stillgelegt wurden. Hierzu 2 Beilagen Ter..Borwärts-' erscheint w°ch«n>äglich zweimal Sonntags und Montags einmal. Illustrierte Sonntagsbeilage„Bolk und Zeit», i Bezugspreise: WSchentlich 7b P,.. monotlub 3*, M(davon 87 monatli»«lir qull.g„n„„.. im voraus»ablbar. Postbezug 3,97®.«inschlieblich 60-Pf. Postjettung. und 72 Pf. PoNbestellaedUhren. Auslandsabonnement 5,65 M. pro Monat:«tir Länder mit ermäßiglem Bruitsachenvorto 4«5 36!.?ei ä.isfall der»ieseruna S?opn höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten aus Srsa«. I Anzeigenpreise: Die einspaltig» Millimeterzeile 50 Pf., Reklamezeile 1,50 M.„« l»Vi,» 2l n,, i a e n» da» se'taedruckte Dort 20 Wort 10 Pf. Rabatt laut Doris. Wor e über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Zlrbeitsmartt Millimeterzeile 25 Pf. Famil,-nanzeigen Millimeterzeile 16 Pf Anzeiaenan�ahm. im Sau p t a. s ch ä l t Linden.'tr 5 mo*. von 8� bis U Uhr. Der«--!-« b-hättüch da« Recht der-Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor., B.rantwortlich für Politik: äich-rd Sch-a-H- Wirtscha-':» Sl«�rtML.Änz: Stch».-"�.nin.�'�W wp-r»; Lokales und S-nstrges: Sri»«arft-bi: Anzeigen: Otta Hengst; samtlich in B-rltn., Perlag: Lorwärt-.P-ilag S. m. b. H.. Berlin. Dru?: Borwärt-. Buchdruckerei unbPerl-g-ansl-U Paul Singer u. So.. Berlin'ss W Lindensir z ERSTE BEILAGE DONNERSTAG, 27. OKT. 1932 Sechs Bräute und ihr Schicksal Die xroVe Hoffnung— Momentbild von der Not der jungen Leute 5n dem Atelier eines Berliner Großbetriebs steht ein Arbeitstisch. Das ist nichts Abson- derliches, denn es stehen viele Arbeitstische da. Aber an diesem einen Tisch sitzen acht Frauen. Von ihnen sind sechs Bräute, deren sechs Braut- männer wiederum alle arbeitslos sind. Hätten wir die Krise nicht, dann würde dieser Arbeitstisch gar nicht mehr existieren, alle Bräute wären längst verheiratet So müssen die Bräute weiterarbeiten, hoffentlich keine bis an den St.-Nimmerleinstag. Die erste Braut hat einen Schneider- gesellen. Er.ist schon anderthalb Jahre arbeits- los und einer von den 6000 Schneidergesellen, die auf dem Nachweis sitzen, während 3000 noch Arbeit haben. Die Aussichten sind denkbar trübe: als die Schneider die Klappen noch mit der Hand pikierten, brauchten sie dazu 30 Minuten, heute machen dos die Maschinen in 6 Minuten. Mit der Zeit wird übrigens ein Erwerbsloser der Deibel des anderen, wenn der arbeitslose Braut- mann zum Beispiel einem Bekannten einen Hosenboden einsetzen würde und ein anderer merkt das, dann kann er Gift daraus nehmen, daß das Wohlfahrtsamt am nächsten Tag einen Brief des Denunzianten hat. Die zweite Braut hat einen Me ch a n i k e r. Dieser junge Mann ist bereits über zwei Jahre arbeitslos. Gesetzt den Fall, er bekäme Arbeit, dann könnte er auch noch keinen Hausstand gründen. Aus besseren Tagen hat der Schlosser noch ein Segelboot. Er kann es halten, weil sein Verein von Arbeitslosen kein Standgeld nimmt und die Braut das Fahrgeld für das Wochenende bezahlt. Die dritte Braut hat einen Tischler. Obwohl er 23 Jahre alt ist, bekommt er keine Unterstützung, denn sein Vater ist Meister. Neulich bekam er eine Aushilfe. Er war gerade einen Tag im Betrieb, da begann die NGO. eine wilde Kiste zu schieben. Am Abend kam der Tischler nach Hause und schimpfte:„Kinders, man ist ja kein Streikbrecher, aber den ersten Tag wieder im Betrieb sein und dann gleich streiken, das ist ziem- lich reichlich, wenn man jahrelaitg arbeitslos war." Die vierte Braut hat einen A n g e st e l l- t e n. Der war anderthalb Jahre arbeitslos und ist einer von den weißen Raben, die durch die Steuergutscheine Arbeit bekommen hoben. Sein monatliches Gehalt beträgt 120 Mark, dafür be- kommt der Unternehmer allerdings erst einmal 400 Mark vom Staat. Dennoch freute sich der Ar- beitslose: während der Tischzeit am ersten Tag kam er sofort zu seiner Braut gerannt, brachte ihr eine Tafel Schokolade mit und sagte:„Siehst du, nun habe ich wieder die Kaufkraft gehoben!" Die fünfte Braut hat sich mit ihrem Feinmechaniker erst kürzlich verlobt. Der schon mehrere Jahre arbeitslose Brautmann konnte natürlich keine Ringe für 36 Mark kaufen, so ließ er sich den einen von seinem Vater geben, und «inen anderen hatte er mal gesunden. Das Um- schmelzen kostete dann pro Ring nur 4 Mark. So konnte Verlobung gefeiert werden mit Lagerbier und Heringssalat. Die s e ch st e Braut endlich hat einen S ch l o s s e r g e s e l l e n. Natürlich arbeitslos. In der Familie der Braut ist so gut wie alles „tot", der Vater arbeitet verkürzt, der Bruder ist arbeitslos, die Schwester muß den gesamten Ver- dienst von 20 Mark netto abgeben. Sie kann also nicht wie die anderen ihrem Bräutigam Sonn- abends ein Glas Bier kaufen. Sie kann auch kein Geld für die Bettbezüge sparen. Ihr armer Bräutigam erhält sogar nur 7 Mark Unterstützung die Woche. Es ist schlimm. Nun warten die sechs kleinen Bräute darauf, daß die Krise einmal enden möge. Helfen wir, daß sie nicht zu lange warten müssen! Zaungäste am Äppelkahn Jtuf den„.üppelliHhtietf ist das Obfi nichf gerade teuer. Aber felhfl daau reich! es tiichl mehr. So fleht man am Qeländer und schaut fehnftlehltg auf die rollen Nisten. Unzüchtig? Muckertum gegen Wissenschaft Das Muckertum macht immer weitere Fort- schritte. Was noch vor wenigen Jahren auf dem Büchermarkt erlaubt war, soll jetzt verboten wer- den. Es gab stets Werke erotischen Inhalts von großem wissenschajtlichen und künstlerischen Wert, die zwar nicht der Masse der Leser zugänglich waren, die aber von speziell interessierten Fach- leuten aus dem einen oder anderen Gebiete er- worden werden konnten. Diese Bücher wurden numeriert ausgegeben, es bestand im großen und ganzen die Gewähr, daß sie nicht in unbefugte Hände gelangen würden. Zu solchen Werken ge- hörte auch die sogenannte„Anthropophryteia" her- ausgegeben von dem Wiener Professor K r a u ß. Die zahlreichen Bände enthielten Sammlungen von Aussprüchen, Sagen. Erzählungen usw., so- Saalschutz Tennishallen Jür die wahlkundgebung der Eisernen Front am Donnerstag in den Tennishallen stellen den 5 a a l s ch u h alle Reichsbanner-Ortsvereine de» Kreises Westen mit Ausnahme de, Ortsvereins Spandau. Antreten 19 Uhr. Die arbeitsfreien Kameraden treten bereits um IS Uhr in den Tennishallen an. Um 18.30 Uhr Antreten der Spielmannszüge Charlotlenburg und Tiergarten und der Musikkapelle Eharlottenburg. fern sie sich nicht mit dem Geschlechtsleben ver- schiedener Völker befaßten. Diese Bände bilden eine Schatzgrube der Erkenntnis des Geschlechts- lebens der Völker. Neuerdings ist in Wien wie- der ein Band dieses Sammelwerks erschienen; es besaß« sich diesmal mit den japanischen Sitten. Dem Werk wurden auch Abbildungen japanischer erotischer Kunst beigegeben.-Die beiden Bände sollten nur Interessenten geliefert werden. Die Staatsanwaltschaft leistete jedoch gegen diesen Band das objektive Verfahren ein mit dem Ziele, daß es eingestampft werde. Sowohl die Staatsanwaltschaft alz auch die Vertreter des Verlages, die Rechtsanwälte Gronemann und Klee, hatten eine Anzahl hervorragender Sachverständiger geladen, die sich äußern sollten, ob das Werk als unzüchtig zu betrachten sei oder nicht. Professor T h i l e n i u s, einer der größten Kenner auf dem Gebiete der Völkerkunde, Professor B u s ch a n und Professor K r o n f e l d erstatteten ihre Gutachten dahin, daß das Werk größten wissenschaftlichen Wert be- anspruchen dürse. Die Sachverständigen des P o- lizeipräsidiums glaubten dagegen, das Werk für unzüchtig erklären zu müssen. Ein« be- sondere Gefahr erblickten sie darin, daß es auch den Leihbibliotheken zugänglich werden könne und so in die Hände unerfahrener Jugend geraten würde. Der Staatsanwalt beantragte die Ein- stampfung des Werkes, die Verteidiger forderten seine Freigabe. Das Urteil wird erst am Sonn- abend gefällt. Alarm im Gericht Eluchtversuch eines Gefangenen 3m Reuen Kriminalgerichtsgebäude in der Turmstraße wurde gestern nachmittag gegen drei Uhr plötzlich das Alarmsignal gegeben, das verabredete Zeichen dafür, daß ein Gefangener zu entfliehen versuche. Dorschristsgemäh wurden sofort alle Ausgänge des Gebäudes, sowie der Derbindungsgang des alten Gebäudes von Justizwachtmeistern besetz». Es stellte sich dann heraus, daß bei der im Saal 303 tagenden 3. Strafkammer des Land- gerichts II, wo sich unter dem Rubrum„S ch e m- verzweigten Gangsystem verbunden sind, war es na- türlich nicht gleich möglich, festzustellen, wohin sich der Flüchtling gewandt hatte, der aber auf keinen Fall auf diesen Gängen aus dem Gebäude herauskommen konnte, zumal die nach den Ver- Handlungssälen führenden Gangtüren nach Schluß der Sitzungen abgeschlossen werden. Man for- derte schließlich vom Gefängnis einen Polizei- Hund an, mit dem sich einige Beamte auf die Suche nach dem Flüchtigen machten und ihn bald fanden. Uebrigens wurde Arnst, während man noch nach ihm suchte, vom Gericht freigesprochen, es schweben aber noch andere Verfahren gegen ihn. mert und Genossen" drei Untersuchungs- gefangene wegen schweren Diebstahls im Rückfall zu verantworten hatten, einer der Angeklagten wäh- rend der Urteilsberatung zu flüchten versucht hatte, und zwar ein gewisser Peter A r n st. Seine beiden Mitangeklagten waren bereits von Justizwachtmeistern nach dem Untersuchungs- gesängnis zurückgebracht worden, und dann wollte man ihn abholen. In einem unbeobachteten Augenblick verschwand dann aber Arnst in dem Gang, der direkt von der Anklagebank zu dem nur für den Gefangenentransport dienenden Verbindungsgang zum Untersuchungsgefängnis führt. Da alle Verhandlungssäle mit diesem sehr Gtimmfcheine desorgen Keine Stimme llarf verloren gehen! Wer sich am 6. November außerhalb seines Wohnsitzes aufhält, lasse sich rechtzeitig durch die Gemeindebehörde seines Wohnortes einen S t i m m s ch e i n ausstelle». Besonders wichtig ist die Besorgung von Stimmscheinen für See- l e u t e, für die Besagung der Binnenschiffe, sür Angehörige der Reichsbahn, der Reichspost, wie aller Verkehrsunternehmungen. Auf Grund des Stimmfcheines kann in jedem beliebigen Stimm- bezirk des Deutschen Reiches abgestimmt werden. Der Stimmschein ermöglicht auch die Stimm- abgab« im Reiseverkehr auf den größeren Durch- gangsbahnhöfen sowie an Bord der für die Ab- stimmung in Betracht kommenden Seeschisse. Keine Stimme darf der Liste 2. der Liste der Sozialdemokratie verloren gehen! Gastwirt überfallen In einer Gastwirtschaft am Weihenseer Weg in Hohenschönhausen erschienen gestern vier junge Burschen, die eine Lage Bier tranken und dann mit einem Fünszigmarkschein bezahlen wollten. Dem Wirt waren die vier verdächtig vorgekommen und mit der Kassette, die unter dem Ladentisch stand, ging er nach der Küche, um den Schein dort zu wechseln. Jetzt rief einer der Burschen, daß er mit einem Dreimarkstück zahlen wolle. Der Restaurateur kam in den Laden zurück, ließ aber wohlweislich die Kassette in der Küche stehen. Das vierblätterigs Kleeblatt bedrohte den Wirt plötzlich, und einer der Burschen eilte in die Küche, ergriff die Kassette und flüchtete. Die anderen drei schlössen sich ihm an. Die Banditen versuchten in eine Autodroschke u springen und davonzufahren. Mittlerweile war aber der Wirt mit einigen Nach- barn hinter den Räubern hergeeilt. Es gelang ihnen, drei der Täter zu fassen, der vierte dagegen konnte mit der Kassette, in der sich etwa 50 Mark befanden, entkommen. Unruhen in Neukölln Vor dem Rathaus Neukölln kam es gestern wie- der zu Demonstrationen kommunistischer Erwerbs- loser. Während der Sitzung der Neuköllner Be- zirksversammlung bildete sich vor dem Rathaus in Der seltsame Reisende Der Mann aus ckern D-�ug ein„blinder Passagier"? Tos mutmaßliche Verbrechen im D-Zu« 45 Wiesbaden— Verlin hat eine seltsame Wendung genommen. Ter nach dem ersten Vesund im Zuge als betäubt und beraubt angesprochene Reisende hat in den gestri- gen RachmittagSstunden das Bewußtsein im Krankenhaus Friedrichshain wieder- erlangt, und es taucht der Verdacht einer raffinierten Täuschungsaktion auf. Beamte des Raubdezernats erschienen alsbald im Krankenhaus, um den Mann zu vernehmen. Seltsamerweise reagierte er auf die ihm gestellten Fragen überhaupt nicht. Man nahm deshalb an, daß der Fremde der deutschen Sprache nicht mächtig sei, und reichte ihm Papier und Schreib- zeug. Aber auch das lieh der Mann unbeachtet. Sein Appetit dagegen war recht gut, und als sich der Mann unbeachtet glaubte, stand er sogar aus seinem Bett auf und versuchte von anderen Passanten einige Zigaretten zu bekommen. Nach- her markierte er plötzlich wieder den Schwer- kranken. Beamte des Raubdezernats wollten den seltsamen Kranken noch gestern abend ins Polizeipräsidium holen, der behandelnde Arzt lehnte dafür aber die Verantwortung ab, da bisher noch nicht festgestellt werden konnte, was dem Mann überhaupt fehlt Nach allem ist es nicht ausgeschlossen, daß es sich um einen sehr geschickten Simulanten handelt, der für eine kurze Strecke eine Fahrkarte löste, den größten Teil der Reise aber als„blinder Pasta- gier" mitmachte. Sollte sich der Fremde auch heute noch weiter weigern, seine Personalien anzugeben, so wird sich der Erkennungsdienst näher mit ihm befassen, denn es ist leicht möglich, daß man es mit einem Manne zu tun hat, der allerlei auf dem Kerbholz hat. frfafu'iwg(*-'daher CrhöItÜdi in den, QSßAM- Verkoufssteßen, der Berliner Straße ein Demonstrationszug von etwa ISO bis 200 Kommunisten, die Sprechchöre bildeten. Die Polizei griff ein und zerstreute die Menge, die in die Nebenstraßen abgedrängt wurde. Drei Personen wurden wegen Nichtbefolgung der polizeilichen Anordnungen zwangsgestellt. Im Rot- Haus wurde dann eine Delegation von füns Er- werbslosen empfangen, die den Fraktionssührern die Forderungen der Erwerbslosen unterbreiteten, die die unentgeltliche Belieferung mit Kohlen und Kortosseln verlangten. Am pulsschlag der Arbeit Werbearbeit in den Betrieben— Versammlungswelle über Berlin Die KPD. sucht Dumme Die KPD wirbt durch Plakate für Wahlver- sammlungen, auf denen sie neben KPD.-Rednern die Genossen Aufhäuser, Lobe und U r i ch als Korreferenten anführt. Das ist natürlich ein grober llnfugi iienn selbstverständlich haben die genannten Genossen etwas anderes zu tun, als kommunistische Versammlungen interessant zu machen. Dasselbe gilt sür unsere Parteigenossen und Freunde— wir werden diese Versammlungen nicht durch unseren Besuch aus der Oede kom- muniftischer Phrasendrescherei herausheben. Wieder Wochenendzug nach Hamburg. Als nächste Wochenendfahrt veranstaltet die Reichs- bahndirektion Berlin am 12. und 13. November eine Sonderzugfahrt nach Hamburg. Der Zug wird am Sonnabend, 12. November, ab Berlin Lehrter Bahnhof 11.45 Uhr abfahren und um 10.42 Uhr in Hamburg eintreffen. Die Rüchfahrt erfolgt am Sonnlag, 13. November, ab 10.4(1 Uhr, an Berlin-Lehrter Bahnhof 0.15 Uhr. Der Fahr- preis beträgt für die 3. Klasse 11.60 M., für die 2. Klasse 17 M. Der Verkauf der Fahrkarten und Zusatzkarten beginnt am 31. Oktober bei der Fahrkartenausgabe des Lehrter Bahnhofs und bei den bekannten Ausgabestellen des Mitteleuropäischen Reisebüros. Flugroketenlag in Tempelhos. Nachdem die Aufsichtsbehörden sür den Start der Tilingschen Flugraketen die Genehmigung erteilt haben, wird am Sonntag, dem 30. Oktober, im Zentralflug- Hasen der Abschuß von drei Flugraketen des Osnabrückcr Konstrukteurs erfolgen. Zimmervermittlung für republikanische Studenten. Der Kreis Berlin des Deutschen Studenten- Verbandes hat gemeinsam mit dem Reichsbanner eine Zimmervermittlung eingerichtet, die dazu dienen soll, Zimmer bei Reichsbannermitgliedern an republikanische Studenten zu vermitteln. Es Der fünfte Großwahlkampf, den die Berliner Sozialdemokratie in diesem Jahre zu führen hol, begann bei allen Parteien in seinen weiteren Auswirkungen etwas später als die vier vorauf- gegangenen Kämpfe dieses politisch bewegten Jahres, das an alle Freunde, welche Stellung sie auch einnehmen mögen, ganz besonders starke Anforderungen stellt. Freilich, die Berliner Sozialdemokratie war sehr früh auf dem Posten. Schon bevor der Wahltermin festgesetzt war, hatte sie die Tausende ihrer Anhänger in den Sportpalast gerufen. Unsere Massenversammlung, in der damals Otto Wels und Paul Lobe und der österreichische Genosse Ellenbogen sprachen, war ein großer Erfolg. Heule tragen wir die rolen Fahnen der Freiheit nach dem Berliner Westen, dem Hauptquartier des reaktionären Bürgertums. Albert G r z e s i n s k i und Emil Groß von der Sozialistischen Studentenschaft werden zu den sreiheitlich gesinnten Berlinern sprechen. Wie bei der großen Kundgebung kurz vor der Reichs- tagswahl vom 1. Juli, in der neben Wels Earl Sevcring sprach, solj auch heute abend der Westen von den Symbolen der deutschen Arbeiterpartei, der Sozialdemokratie, beherrscht sein. Neben den großen Massenaufmärschen leisten die Berliner Sozialdemokraten eine Arbeit, die weniger in die Augen fällt, dennoch aber von ganz besonderer, vielleicht manchmal sogar noch And wieder eine Nazipleite Schallplatten, die nicht mehr ziehen In der Potsdamer Sir. 113a ist das Büro einer Firma, die sich„N ationaler Schall- p la t t e n- D i« n st" nennt. Sie hat noch vor einem Jahre eine Zeit bester Konjunktur durch- gemacht. Da war der Nationalsozialismus, in dessen Dienst sie sich gestellt hat, große Mode. Die Platten mit den SA-Liedern wurden in Massen gekauft, und die Liederbücher mit den Hitler- Weisen, die gleichfalls vertrieben wurden, gingen wie warm« Semmeln. Drei Filialen wurden ein- gerichtet, und sogar die Gehälter der Angestellten und die Löhne der Arbeiter wurden pünktlich auf den Tag gezahlt. Und das will doch bei den Na- tionalsozialisten viel heißen! Di« Welle ist o e r r a u s ch t. Die große Zeit ist vorüber. Zwei der Filialen werden heute von den früher angestellten Verkäufern selbständig weitergeführt, eine ist vollkommen eingegangen. Zum 1. November hat man zahlreiche Kündigun- gen vollzogen, und Septembergehälter sind rest- lich erst am 15. Oktober bezahlt worden. Auch bei den Löhnen wird, wie der Berliner sagt, ge- stottert. Der Umsatz ist um 75 Proz. zurückgegangen. Schauen wir einmal in die Korrespondenz dieser Firma. Da finden wir z. B. folgendes Schreiben: Lüderitz&. Bauer Aktiengesellschaft für Buchgewerbe Berlin SW 68, Wilhelmstr. 118, Buchgewerbehaus. Diktat. Den 3. Oktober 1032. Schi. /Kl. Firma Nationaler Sle, Neukölln Emser Straße 134 Referent Arthur Crispien, M. d. R. Eiserne Front des Nordens. Freitag, 28, Oktober, 191s Uhr, Kundgebung in den Germania- Sälen,' Ehausseestr. 110. Reserent Dr. Richard Mischler. 20. Abteilung. Freitag, 28, Oktober, 195- Uhr, össentlichc Versammlung bei Wende, Koloniestr, 147, Referent Genosse Petzold, 02. und 03, Abt. Neukölln. Lreitaz, 28. Oktober,. 191- Uhr, Kundgebung in den Passage- Sälen, Neukölln, Bergstraße 150. Referent Georg Mader- hölz, M, d. L, 112. Abteilung. Freitag, 28, Oktober, 20 Uhr, Wahlkundgebung im Lokal Sturm, Wilhelmshagen, Wilhelmstr, 16. Referent Max Urich. 114. Abt. Lichtenberg. Freitag. 28, Oktober, 1914 Uhr, Kundgebung im Logenkasino, Lichtenberg. Knorrpromenade 2. Referent Jockel Meier, Akkumulntorenwerke Obcrschöneweidc. Freitag, 28. Oktober, 1614 Uhr, Betriebsversammlung in der Sportklausc, Oberschöneweide, Wilhelminenhof- Ecke Rathenau- straße, Siemens& Planta. Freitag, 28. Oktober, 1614 Uhr, Betriebskundgebung der Eisernen Front bei Schünemann, Lichtenberg, Möllendorss- straße 54/55,„Die Notverordnungen vom 4, und 5. Sep- tcmber und ihre Auswirkungen aus die Arbeiterschaft." Re- ferent Max Gillmeister. �iSozialistischeArbeitmugendGroß-Serlm Einlendungen tür diele Rudril nur an da» Jugendleteetarial Berlin SW KS, Lindensirage 2, vorn l Trepp' rech!», Abteilungsleiter! Gebt sofort da» Novemberprogramm und den Bericht». ��Proletarische» Streichorchester der TAI, Gruppe IN 20 Uhr Probe Neukölln, Heute, 20 Uhr, Wählcrkundgcbung in den Tennishallcn Wilmersdorf, Bran- denburgischc Straße'>Z, Treffpunkt unserer Genossen an der rechten Seite im Gang hinter der Galerie, Jahne» mitbringen, Fallenlrachl Treffpunkte der Abteilungen: Gesundbrunnen II: l7V, Ugr oci joacc.— Neukölln IX: 18 Uhr Bahnhof Hermannstraßc,~«ottbuscr Tor: I» Uhr Hott. buser Tor,— Falkplaß l: lZpi Uhr„Noie Ecke" sHeimabend fallt au»),— ktöpenicker Viertel: l8>, Uhr„Noter Treff". Wcrbebezirk Tiergarten: lb Uhr Ztleiner Tiergarte», sss,. Neukölln: Heimabend fällt rvege» der Kundgebung in den Tennis. hallen aus,* Werbedezirk Osten: Arbeitsgemeinschaft„Marxismus", Litauer Str. 1». Leiter Artur Neichardt,... Werbebetirk Neukölln,„Der Querschnitt" probt pltnktlich l!>>. Uhr St-»,. »metzstraße tlt,. ,. Werbebezirk Miiggelsee: Porslandsstßung 20 Uhr. Parleiheim. Köpeniek. � Äerd/berirl»reuzberp: Wochcnendkurfus i» Rüdersdorf,„Unsere Forde» rungen auf Umbau der Wirtschast", Referent Genosse Iacudowicz: Treftpunit Sonnabend, 10 Uhr, Schlejischcr Bahnhof. Fahrpreis einschl. Uedcrnachten, ZIasfcc und Essen 1,t0 M, -• Ä 5'"T'; v V--.Tl:'■.•' r''• tinlcnftungen für dtefe Rubrik sind «» r H» Sw 68, Liudenitrab« 3. Groß-Berlin ftcta an das Bezirksfekretarta» i. Sof, 2 Sternen rechts, zu richte» Achtung, Gtaötverol-dnetenfmktion! heule i6y, Uhr auherordenlliche Araktionssihung. Erscheinen Pflicht. Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! i. Kreis. Achtung, Crtrctbslofc! Freitag, von 9 bis 17 Ubr, steht uns der gutgcheizte Lesesaal mit vielen Tageszeitungen, Zeitschriften und Büchern zur Bcnuhung frei. »reis. Asü-Ärbeiter. Freitag, 28. Oktober, 29 Uhr, Vcrsammli licher Funktionäre der Asü. Arbeiter bei Schulz, Elisabethstr. 30. Kreis Tempelhof. Freitag, de» 28. Oktober, Kreisvorstandssitzung bei Pommerening, Tempelhof. Berliner Str. 190. Kreis. Achtung! Material ist in den Speditionen. Abteilungsoblcute so- fort hinbemilhen. Kreis. Die erwerbslosen Genossen von Rcinickcndorf-Ost und Roscnthal treffe» sich heute früh>,�8 Uhr bei Kiehne, Rcinickendorf-Ost, die crwerbs- losen Genossen von Rcinickendorf-Wcst, Wittenau und Borstawalde zur gleichen Zeit im Volkshaus, Schornwcberstr. 114, Reinickendori-West. Abt. Heute, 29 Uhr, Diskussionsabend, Patzenhofer, Turmstr. 29. Abt. oonntag. 39. Oktober, vormittags 9 Uhr, Funktionärsitzung mit der Agitationskommisston bei Lauritscn, Putbusser Str. 11. Sämtliche Bezirks- führer und Stellvertreter müssen erscheinen. Abt. Freitag, 28., und Sonnabend, 29. Oktober, von 17 bis 19 Uhr, Ma- terialausgabc für die Propaganda, in der„Vorwärts"-Spedition Utrechter Straße. Abt. Sonnabend, 29. Oktober, ab lä Uhr, Ausgabe der Fahnen bei Otto, Brandcnburgstr. 28. Abt. Siedlung. Die Parteimitglieder treffen sich heute, 181h Uhr, am U-Bahnhof Ricmcisterstr., zur Kundgebung in den Tennishallen. Abt. Freitag, 28. Oktober, Vorstand und Bezirksführer bei Lüddeckc, Luisen-Ufer 32. Abt. Heute, 18 Uhr, Biertelführer Fahnen abholen. Freitag besuchen alle Parteimitglieder die Wählerversammlung in den Passage-Sälen, Berg- straße 189. Abt. Freitag außerordentliche Funktionärsitzung bei Schmidt. Abt. Die Parteimitglieder betetligen sich Sonnabend, 29. Oktober, an der Versammlung der 132. Abt. bei Klug, Blankenburg, Dorsstr. 2. Abt. Wir beteiligen uns am Freitag, dem 28. Oktober, 29 Uhr. an der Wahlkundgebung in Röntgcnthal, im Lokal zur„Blauen Grotte". Abt. Die Gcnosstnvcn und Genossen treffen sich zur gemeinsamen Auto- fahrt nach den Tcnnishallen heute, 18�, Uhr, Berliner- Elke Bahnhofstraßc. Fahnen mitbringen. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groß-Berlin. Heute, Donnerstag, letzter Bastelkursus im Seim Charlottcnburg, Rosinenstr. 4. Beginn pünktlich 19iH Uhr. Thema: Holzarbeitea. Bringt euch alle Werkzeug mit. Krcuzbcrg. Achtung Rote Falke» und Jungsalken! Besorgt euch Ms Laubsägen, Holz und Pappe zum Bastelkreis am 2. November. M Alle Nestsalke» sammeln leere Streichholzschachteln. Treptow(Abteilung Thomas Munzel): Lichtbildervortrag. Bs- Uhr. Kreis Neukölln. Die Bcrichtsbogen September haben die Abteilungen Bau- voll und Fritz Reuter noch an den Kreis abzuliefern. Rote Falken. Am Sonntag, dem 39. Oktober, setzeil wir einen Arbeits- nachmittag, um 19 Uhr, im Krcisheim, fest. Wir üben für den 9. November. Nach dem Ueben ist Heimabend. 124. 133. 134. 13». ginn Abt. Sturmfalle. Wegen der Bahkarbcit findet die nächste Elternversamm- lung nach dem 9. November statt. Termin wird noch bekanntgegeben. Arauenveranstaltungen. Sonnabend, den 3. November, spricht um 19' 2 Uhr, im Reichswirtschaftsrat, Bellevuestraße 15, Otto Bauer aus Wien, über das Thema„Die Krise des Kapitalismus". Karten zum Preise von 59 Pf. sind im Zimmer 2 des Bezirks- Verbandes zu haben. Sterbetafel der Graf}-Berliner Partei-Organisation 83. Abt. Am 22. Oktober verstarb nach langem schwerem Leiden unser lieber Genosse Otto Hofsschild. Ehre seinem Andenken. Die Einäscherung findet am Freitag, dem 28. Oktober. 16 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. 117. Abt. Nach kurzem schwerem Leiden verstarb am 25. Oktober unser lieber Genosse Gustav Keil. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Sonnabend, 29. Oktober, 14% Uhr, Krematorium Baumschulenweg. Rege Beteiligung wird erwartet. ßFrete Gewerkschafts-Fugend Berlin Sämtliche Sruppenoeranstaltunge» fallen aus. Wir beteiligen uns an der Kundgebung der Eisernen Front in den Tennisballen Wilmers- dorf, Brandenburgische Sir. 83. Fahne» stnd mitzubringen. Tressen: Pünktlich um 19(4 Nhr im Borraum. Fahlverbindungen: U-Bahn Fehrbelliner Platz, S-Bahn Sohcnzollerndamm. §�ugendaruppe des'Zentralverbandes der Anaestellten Heute, Donnerstag, folgende Beranstaltungen: Nordost ll: Jugendheim eochönlanker Str. 11. Arbeitsgemeinschaft Nr. 2:„Einsührung in die sozialistische Gedankenwelt".— Norden: Jugendheim Puttbuser Str.(alte Schule). Aussprache: Gewerkschaftsfragen der Gegenwart, Leiter: Weißstock.— Osten: Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. Arbeitsgemeinschaft:„Ein. führung in die sozialistische Gedankenwelt", Leiter: Rachow,— Stralau: Jugendheim Dossestr.(Zimmer 3). Arbeitsgemeinschaft, 3. Abend: Am Scheide- wcge— die christlichen Gewerkschaften und ihre politischen Fürsprecher müssen Farbe bekennen, Leiter: Schmidt.— Treptow: Wir gehen zur Sternwarte. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäfts st elle: Berlin S. 14. Sebastionstr. 37—38. Hot 2 Tr. Mitte(Vortrupp). Heimabend der nördlichen Schar jeden Donners- tag von 18— 20 Uhr Jugendheim Tieckstr. 18, südliche Schar jeden Mittwoch von 18— 20 Uhr Gewerkschaftshaus. Turnabende jeden Dienstag von 19%— 21 Uhr Turnhalle Schmidtstr. Jeden Freitag von 17%— 19% Uhr Badeabend Stadtbad Gartenstr.— Mitte(Ortsverein). Freitay, 28. Oktober. 19 Uhr, Antreten in Bundeskleidung Versuchs- und Lehrbrauerei, Seestr. Die Käme- radschaktsfahnen sind zur Stelle.— Wedding(Ortsverein). Freitag, 28. Oktober, 19% Uhr, große Kundgebung der Eisernen Front in den Germama-sälen, Ehausseesrr. 110. Mitwirkende: Sängerchor 1900, Volkssport Gedding.� Es spricht Kamerad Dr. Mischler.— Reukölln-Britz(Iungba): Donnerstag, 27. Oktober, 20 Uhr. Fortsetzung des Kursus im Heim Rudower Str. Erscheinen aller Käme- raden Pflicht.— Pankow(Ortsverein): Mittwoch, 26. Oktober, 19 Uhr, Antreten im Gesellschaftshaus Pankow, Berliner Str. 102, der Kameradschaften: Pankow- Süd. Pankow-Nord, Niederschönhausen und des Spielmannszuges in Uniform. — Wassersportabteilung/, Uhr, vpn der Leichenhalle des Walb-Friebhoses in Oberschöneweide aus Natt, Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Ote OrtivcrwÄltunß Sonnabend, den 29. Oktober, abends 7 Ahr, im Lokal oon Sachte. Lindow«? Skr. 29(Ivedding) Brandien-Versammlnnö der Kesselschmiede und der dazu gehdrenden Berufe Tagesordnung: 1. Vortrag:„was tut zur Z«>» not?" 2. Branchenangeiegenheilen. Eck ist Pflicht aller in den Kesselschmieden bcschästiglcn Kollegen, an dieser Persamm- lung teilzunehmen. MitaiiS! Adilnnd! Venvalt und smitdlieder l Freitag, den 28. Oktober 1932, keine Ätbunn der Mittleren Ortsverwaltung. Die Auszahlung der Liquidationen er- folgt nachmittags von 4 bis>-7 Uhr. »aiwiküi Adilnnft! Drahtarbeiter! Sonnabend, den 29. Oktober 1932, abends 8 Ahr im Lokal oon Aaschke, verlin O 34, Matkernstr. 14 erapDen- Versammland aller zaunaufsteiier Mitgliedsbuch legitimiert! Zahlreicher Besuch wird erwartet. vie Orlsrerwalhing. IlteaUt, Lidtlsptele usw. L 1■.»-U. J-lV- Sfaafi fe. Theater Donnerstag, den 27. Oktober staatsoper unter den Linden 29 Uhr Ariadne auf Naxos staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Wilhelm Teil & 3 Uhr 15. Flora 3434. RoaGeneri. Bronett-Familie. Lord Ain. 7 Alfredos. Marianne u. Roberts. Dormonde. MaeElgin. Mary Erik u. Co. usw. VOLKSBUHNE Theater am BOIewpiaßz 0 I. Norden 2944. Täglich 8 thr Die Ratten Dorscll, Klöpfer, Wemicke, Karcbow, Almas, Loovsky, Marlow, Dahlkc, Wollenberg, Bethge Täol- 5 u. 8 Vi Uhr 3 MIOREU- RIVELS BARN. V. BlCZT WALLBURS ujw. Nähe Sdilts. Bhl. b«. a'-'.Stj:. 2.S,8'5Ü El Wtithsil 403! Dollarprinzessin iSßß&u&yerutQj Sonnt, nachm. 3 Uhr bill. Preise Deutsches Theater Weidend. 5201. 8 Uhr Piz FrlEU m loiiDis Sduaipill m H. r. Kleist Regie; MaxReinhardt Kammerspieie 8 Uhr 9lose Sternd mit Paula Wessely Theater am Schiffbauerdamm D 2 Weidend. 9935 Täglich 8% Uhr die„Truppe 1931" spielt „Da liest der Hundhesraben" Komödie m Musik Ba Sa Bs Bendows Bunte Bühne Kottbusser Straße 6 früher„Elite- Sänger" Ladie didi gesood! Tgl. 8 Uhr. Sonnt, nadim. IVs Preise von 50 Pf. an Ab 1. Xov. „Hier können Familien Kaffee kodien" CircusKonrado am Bezirksamt Wedding (Müllerstralle) Q a s t s p i e 1 28. Okt. bis 8. Novb. täglich 20.15 Uhr Der Riesenspielplan Sonnabend. Sonntag. Mittwodi je 2 forstellungen 15 Uhr, abds. 20.15. Nachmittags halbe Preise. Täglich Tierschau 10 bis 18 Uhr Volkstüml. Abendpr.v 50 Pf. an. MKW Resmnt Berlinsf §lädl.Oper Charlottenbure Fraunhofer 0231 Donnerstag, 27. Okt. Turnus II DieEntlütirung aus dem Serail 20 Uhr Befger, Eisineer, Ludwig, Andtdsen, Oombert, Quttmann Dirigent: Paul Breisach. »■/.Uhr CASII10- THEATER 8,'(uh. Lothringer Sirahe 57. 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Wie bereitwillig die deutschen Kapitalisten Herrn von Papen Vorschußlorbeeren für seine Win- schaftsexperimente erteilten, zeigt die Entwicklung der Berliner Zlktienbörse. Der Durchschnittskurs aller Aktien stieg vom 29. Juni bis zum 31. August von 47,7 auf 59,3 Proz. Am 7. September, eine Woche nach Popens erster Rede in Münster, wurde bereits der Höchststand von 62,3 Proz. erreicht. Im Sep- tember hielt sich das Kursniveou, um im Oktober langsam, aber stetig abzubröckeln, bis zum 19. Oktober auf 66,4 Proz. Der Aktienmarkt ist seit Wochen ausgesprochen„lustlos", d. h. Umsätze werden so gut wie keine mehr gemacht, Etwas anderes ist es mit den sestverzinslichen Papieren. Aber nicht etwa, weil hier Herrn Pa- pens Optimismus mehr Gefolgschaft sände, sondern die niedrigen Kurse bringen heute noch eine Per- zinsung von 8 bis 9 Proz,, die einen ständigen Kaufreiz ausübt. Dieser Kausrei; wurde verstärkt, als die Reichsbonk am 22. September den D i s- k o n tsa tz von 5 auf 4 Proz. senkt« und die Bon- ken ihre Zinssätze für Einlagen entsprechend her- absetzten. Nur aus diesen spekulativen Gründen ist der Dnrchschnittskurs aller festverzinslichen Papiere vom 29. Juni bis zum 19. Oktober ständig von 58,6 auf 69,4 Proz. gestiegen. Forlgcseßlc Depression in der wcltwirlschast. Seit August ist die große amerikanische Kreditausweitungsaktion, die in aller Welt Hossnungen geweckt hatte, keinen Schritt weitergekommen. Es gibt in Amerika grobe Leut?, die einen großen Teil der amerikanischen Maß- nahmen einfach als„Wahlschwindel" bezeichnen. Tatsache ist, daß die Stimmung an der New- Porker Börse in den letzten Wochen wenn möglich noch lustloser war als die in Berlin. Die Kurse sind gegenüber dem Höchststände wieder um 36 bi? 46 Proz. gesunken. Auf den Warenmärkten ist es nicht günstiger. Ein Steigen der Großhandelspreise— das erste Anzeichen einer Auswärtsbewegung— ist nirgends festzustellen. Die Großhandelsindizes des Ameri- kaners Irving Fisher(1928 gleich 166) zeigen das alte Bild des ständigen Abgleitcns. Für Deutschland einen Rückgang van 75,1 im Sep- tember 1931 auf 71,6 am 16. September 1932, auf 69,6 am 14. Oktober 1932� für die Bereinigten Staaten von 76,1 auf 64,4 aus 62,4', für England von September 1931 bis 16. September 1932 ein Ansteigen von 66,6 auf 68,6 sPfundentwertung!), danach ein Absinken auf 67,1 bis zum 14. Oktober. Und wie ist es mit den Rohstoffpreisen? Im Sommer hatte sich auf den Weltmärkten für einzelne Rohstasse eine überraschende Preissteigc- rung gezeigt, aus die das Konjunktur-Jnstitut und besonders die Papen-Regierung als günstiges Besserungszeichen hingewiesen hatten. Inzwischen sind wieder scharfe Rückschläge eingetreten. Die Nachfrage der Verbraucher ist nicht stärker gcwor- den, so daß das Mißverhältnis zwischen über- großen Vorräten und starker Produktion auf der einen Seite und schwacher Kaufkraft auf der andc- ren Seite unverändert bestehen blieb. Wir geben die Preise für einige wichtige Rohstoffe, wobei wir bitten auf die Entwicklung jeder einzelnen Zahlen- reihe zu achten, Rohstoffpreise 1932: 1 Cents je Vulliel s27,2 ÄNoyramm): t TenfK jP zpfunb (450 Gramm); s Pfennig ,e 4 und* Cents je Pfund(450 Gramm);$ Schilling je Pfund(450 Gramm). Also auch mit dem Silberstrcifen an den Roh- stoffmärkten ist es nichts. Aber wir wollen gerecht sein(und nicht in Herrn von Popens Fehler ver- fallen)— ein günstiges Zeichen gibt es: das ist die Geldfülle an den internationalen Geld- Märkten und die Niedrigkeit der Zinssätze. Aber dieser theoretisch günstige Zustand herrscht schon lange, ohne die Privatinitiative der Kapitalisten irgendwie anzuregen. Die Kapitalisten können einfach nicht produzieren. wenn die Rlassenkaufkrost in aller Welt so gedrosselt ist wie jetzt. Außerdem bestehen in den Haushalten oller Stao- ten ungeheure Defizite: in den Vereinig- ten Staaten ergab trotz drastischer Steuererhöhun- gen das erste Vierteljahr 1932 33 ein Defizit von 1,7 Milliarden Mark, in England das erste Viertel- jähr 1932 ein Defizit von etwa 2 Milliarden Mark: in Frankreich beträgt das Defizit für 1932 mindestens eine halbe Milliarde, das für 1933 mindestens eine ganze Milliarde Mark. Von Deutschland wollen wir in diesem Zusammenhange schweigen sbzw. erst in den nächsten Tagen reden), Schließlich weist Herr von Popen mit besonde- rem Stolz auf die Entwicklung der deutschen Arbeitslosen Ziffern hin. Im September sind wohl einige zehntausend Mann wieder in Arbeit gekommen, da auch die Gewerkschaftsstatistik eine Besserung ausweist. Aber in der ersten Hälfte des Oktobers hat die Arbeitslosigkeit wieder um 56 666 zugenommen. Dafür mag es viele Gründe jahreszeitlicher Art geben— nur Herr von Papen hat dos Recht verwirkt, sich darauf zurückzuziehen, Gerade im Oktober begann ja der„Segen" mit den Steuergutscheinen, gerade in den Wintermona- ten sollte ja die Arbeitslosigkeit sehr stark verrin- gcrt werden. Nur eine starke Entlastung des Ar- bcitsmarktes könnte uns über den Winter bringen, könnte die Finanzen retten, könnte dos ganze Wirtschaftsexperiment rechtfertigen— so hatte der Reichsfinanzminister Graf von Krosigk seine spekulative Belastung späterer Etats zu entschuldi- gen gesucht Mit dem erneuten Ansteigen der Ar- beitslosenzisfer sind die Experimente Popens und die Spekulation seines Finanzministers g e r i ch- t e t, noch ihren eigenen Worten, die sie bei An- kündigung ihrer Maßnahmen gebrauchten. Dornm hinweg mit dieser Regierungl- Die Sprache der Tatsachen Auch die Bankbilanzen zeigen für September keine Besserung Die Popen-Presse überbietet sich mit Nach- weisen, daß das Wirtschastsprogramm wachsende Erfolge zeige. Die„Deutsche Bergwerkszeitung" veröffentlicht ganze Artikelserien darüber. Für den Monat Oktober hat die Erhöhung der Arbeitslosigkeit bereits gezeigt, nach- dem der Baumarkt diesmal dazu kaum beitrogen konnte, daß günstige Auswirkungen des Papen- Programms nicht zu verzeichnen waren. Osten war die Frage für den Monat September, nachdem in diesem Monat eine Verringerung der Arbeitslosigkeit um mehr als 166 666 Personen zu verzeichnen war. die weidlich zugunsten des Papen- Programms ausgenutzt wurde. Die jetzt veröfsent- lichten Uebersichtcn über die Entwicklung der Bankbilanzen von Ende August bis Ende September beweisen, daß auch bei der Gesamtheit der deutschen Kreditbanken von einem vermehrten Kreditgeschäft für Wirtschaftszwecke nicht die Rede sein kann. Bei den Berliner Großbonken sind Zwar die gesamten fremden Gelder um 41 auf 7439 und bei sämtlichen deutschen Kreditbanken um 4 auf 9163 Millionen gestiegen. Daraus könnte man aber nur schließen, daß die Summe der für Wirtschastskredite zur Verfügung stehenden Gelder sich erhöht hat. Als zu Ende August die Kreditoren der Banken zurückgegangen waren, sagte die bürgerliche Presse, die Wirtschaft sinan- ziere eine sich anbahnende Besserung eben aus sich selbst, und daraus erkläre sich der Rückgang der den Banken anvertrauten Gelder. Die jetzige, an sich sehr geringe Erhöhung der Kreditoren erklärt sich zwanglos aus Zins- und Dividendenfällig- leiten zum dritten Ouartalsende und bedeutet bestenfalls einen psychologischen Per- t r a u e n s b e w e i s für das Papen-Programm, nämlich für den Fall, daß etwa gehortete Bar- gelder den Banken übertragen worden find. Die Vermehrung der Kreditoren war für die Banken natürlich eine Erleichterung, die die Flüssigkeit des Geldmarktes noch verstärkte. Das kommt auch im Rückgang der eigenen Akzepte um 9 auf 773 Mil- lionen bei den Großbanken und um 15 auf 855 Millionen bei sämtlichen Kreditbanken zum Aus- druck. Könnte von einer wirklichen Belebung im Sep- tember gesprochen werden, so müßte sich in den Aktiven der Bonken eine vermehrte Kredit- gewährung erkennen lassen. Das ist aber nicht der Fall. Am stärksten gestiegen sind die von den Bonken flüssig gehaltenen Gel- der: und zwar ist die Verflüssigung der Bank- bilonzen noch stärker als die Zunahme der Kredi- torcn. Das enstpricht auch vollständig der im Lause des Monats Oktober gemachten Erfahrung, daß die für dos Ende des dritten Quartals in An- spruch genommenen Rcichsbankkredite schon in der dritten Oktoberwoche mehr als abgedeckt waren. Kassenhaltung. Notenbankguthoben und Guthaben bei anderen Banken sind bei den Großbonken von 464 auf 446 und bei sämtlichen Kreditbanken von 568 auf 663 Mill. Mark gestiegen. Aus der anderen Seite sind die Bestände an Wechseln, bei denen eine Wirtschastsbelebung durch größere Umsätze zum Ausdruck kommt, bei den Großbanken um 14 auf 1651 und bei fämt- lichen Kreditbanken um 35 auf 2222 Millionen gesunken. Die Vorschüsse auf lagernde und schwimmende Waren, die eine Wirtschasts- belebüng im Auslandsverkehr erkennen lassen würden, sind ebenfalls bei den Großbanken uni 16 auf 1678 und bei sämtlichen Kreditbanken um 3 aus 1175 Millionen weiter zurückgegangen. Nun zeigt sich bei den auf laufendem Konto gewährten Kredit en der Groß- bauten zum erstenmal eine Steigerung um 17 auf 4631 Millionen. Bei sämtlichen Kreditbanken, die Großbanken eingerechnet, zeigt sich aber ein Rückgang um 16 auf 5685 Millionen, so daß also auch bei den laufend gewährten Krediten im ganzen keine Zunahme, sondern eine Ab- nähme festzustellen ist. Dazu ergibt sich für die Großbanken wie für sämtliche Banken auf dem Konto der Debitoren eine Vermehrung bei den an Banken gewährten Krediten um 15 bzw. 22 Millionen Mark, so daß die Kreditorenvermehrung bei den Großbanken sich gan,; eindeutig als eine Geschäftsverschiebung zwischen Banken und Banken, nicht ober als eine Kreditvermehrung an die Wirt- j'chaft darstellt, Trotz dieser ganz eindeutigen Entwicklungs- tendenzen liest man auch über die September- Bilanzen in der bürgerlichen Presse, daß die Wirtschaft ihren Aufftieg langsam mit Krediten zu finanzieren begonnen habe, und wir werden es k o n t i n g e n t e n, übergegangen war. Die jetzigen Verhandlungen, die den Zweck haben, den vertragslosen Zustand zwischen den beiden Län- dern zu überbrücken, haben, wenn auch das end- gültige Ergebnis noch aussteht, doch bisher schon dazu geführt, daß Deutschland eine Anzahl Zollpositionen