Morgen-Ausgabe Nr. 509 A249 49. Jahrg. Redaktton und Verlag, Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernsprecher A 7 Ami Dönhoff 292 bu 207 T-legramm-bresse! Sozialbemobra, Berlii, VOLKSBLATT FREITAG 28. Oktober 1932 In Groß- Berlin 1(1 Pf. Auswärts....... 15 Pf. D«zugSdeöingungen und Anzeigenpreise siehe am Schluß des redaktionellen Teil» Äenteaioesa« der Sozialdemokratische« Partei Deutschlands Roter Massenaufmarsch im Westen Glänzende Kundgebung der Berliner Sozialdemokratie in den Tennishallen Die Sozialdemokratie hat die Berliner Arbeiter aufgefordert, nach dem feudalen Berliner Westen zu ziehe« und dort ihren Kampfcswillen für Freiheit und Demo- kratie zu bekunden. Tie Berliner Ar- beiterfchaft hat diefcn Ruf aufgenommen und ist ihm in überwältigenden Massen gefolgt. Tie große Wahlkundgebung in den Tennishallen war ein glänzender Crfolg? S6)on von 1419 Uhr ab zogen auf den Zu- gangsroegen zu den T e n n i s h a l l e n am Preußenpark die Gruppen der Frauen und Männer, der Reichsbannerkameraden und Jugend- genossen, dicht gedrängt einander folgend, heran. Di« Uniergrundbahnhöfe standen von bald nach 18 Uhr ab im Zeichen der Freiheitrufe. Mit Freude bemerkt man schon lange vor Beginn der Kundgebung die starke Beteiligung Jugendlicher. Die Erkenntnis greift um sich, daß die radikale Phrase ein Irrwahn ist und zu nichts Positivem fuhrt! Uni 20 Uhr war die weite Halle bis hinten zur letzten Stuhlreihe dicyt besetzt. Stehend begrüßen die Tausende den Einmarsch der Fahnen. Unsere Sportler finden besonderen Beifall. Genosse Franz Künstler begrüßte die Ver- sammlung mit dem dreisachen Rufe Freiheit! Dann sagt er: „Die Ereignisse des 20. Juli wurden nicht zu- letzt von dem Reichskanzler von Papen Herbei- geführt, weil unser Massenaufmarsch am 14. Juli durch Wilmersdorf den Reaktionären Angst und Schrecken eingeflößt hatte. Jetzt, nach dem Urteil des Slaatsgerichishofes in Leipzig vom 2ö. Ok- tober wird Herr von Papen erkannt haben, daß die von uns durchgeführte Taktik am und nach dem 20. Juli sein eigentliches Borhaben ganz ge- wältig gestört hat! Der derzeitige Kanzler wird längst wieder zu seinen Privatinteressen zurück- gekehrt sein, ivenn wir Sozialdemokraten Freiheit und Sozialismus erkämpfen! (Stürmischer Beifall.) Mit besonders herzlichen Worten wandte sich Künstler andielZgDelegierien ausdem Deutschen Beamtenbund, die an der sozialdemokratischen Massenkundgebung teil- nahmen. Er sagte: Wenn die Reichsregierung von Papen es nicht für nötig hielt, die deutschen Beamten zu be- grüßen(Psui-Ruse). dann ljaben wir Sozial- demokralen, wir Arbeiter, das um jo stärkere Bedürfnis, der deutschen Beamtenschaft unsere brüderlichen Grüße zu übermitteln.(Minutenlange Zustimmung.) Mit stürmischer Begeisterung empfangen,«ahm nun das Wort Genosse Albert Grzesinski: Um einem dringenden Bedürfnis abzuhelfen, wählen wir am 6. November zum fünften Male. Aber wir werden wählen! Wir Sozial- dcmokraten lassen uns nicht mürbe machen, auch wenn noch so oft gewählt wird. Der letzte Reichs- tag wurde aufgelöst, niemand weiß recht, warum. Das Votum des deutschen Volkes vom 31. Juli sagte klar und deutlich, daß Herr von Papen und seine Baron« von der politischen Bühne zu ver- schwinden hätten. Der Artikel 48 schaltet die Demokratie aus, wir wollen W i e d e r h e r- stellung der Demokratie!(Lebhafter Beifall.) Grzesinski behandelte sodann die reaktionäre Politik des Reichskanzlers und Staatskommissars von Papen auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens und sprach dann unter gespanntester Aufmerksamkeit der Zuhörer über �ie Ereignisse am 20. Juli und den Spruch des Staatsgerichts- Hofes vom 2ö. Oktober. Er sagte: Es ist sehr viel erörtert worden, ob wir am 20. Zull richtig gehandelt haben, als wir . der Gewalt nicht die Gewalt ent- gegensehten. heute werden die etwas vorlauten, denen das herz mit dem verslande durchgehen wollte, ihre Ansicht revidiert haben! Gegenüber den 1Z0 Beamtendelegierten muß ich aber betonen, daß als Betrüblichstes bestehen bleibt der starke Stoß gegen die Autorität und die Grundsätze des deutschen Beamtentums.(Sehr richtig!) Wenn mit den höchsten Beamten so um- gegangen wird, wie es geschah, welch« verderblichen Folgen muß das zeitigen! Wir haben keine Ver- sehlungen begangen, aber es ist außerordentlich be- denklich, daß nach unserer gewaltsamen Entfernung uns vorher unterstellte Beamte von ihren neuen Vorgesetzten über etwaige Bersehlungen von uns ausgehorcht wurden.(Pfuirufe.! Da muß sich der gesunde Geist der Beamtenschaft empören.(Sehr richtig.) Ihre makellos dastehenden Chefs sind durch Reichswehrsoldaten wie Ber- brecher abgeführt worden. Ich bin darüber hin- weg. Diese Behandlung reicht an mich nicht heran.(Stürmischer Beifall.) Aber in der Beamtenschast hat es einen Knacks gegeben, der freilich nicht dem Interesse der autoritären Exe- kutoren dient! Grzesinski nannte dann die Entscheidung des. Staalsgerichtshofs das höchste, was von einem Ge- richt jemals staatsrechtlich bewältigt wurde. Man sagt, es fei ein Mittelweg gesucht und gefunden. Zch möchte die Entscheidung einen vollen Er- folg des rechtmäßigen Kabinett» Braun nennen. (Stürmischer Beifall.) Als Grzesinski dann die Schuld Hitlers am Zustandekommen und an den Taten des Ka> binetts von Pape» geißelte, gab es im hinteren Teil des Saales einige Unruhe. Grzesinski ließ sich nicht beirren, nationalsoziali st ische Störenfriede wurden entfernt. In längeren Ausführungen beleuchtete der Redner dann die Mißerfolge der Regierung von Papen auf den Gebieten der Innen- und Außen-, der Handels- und Wirtschaftspolitik. Er schloß unter stärkster Begeisterung mit einem flammenden Bekenntnis zum Sozialismus. Nach Albert Grzesinski nahm der frühere Kam- munist Joses Dünner das Wort. Er sagte: Die Reaktion geht zum Kampf gegen die elemcn- tarsten Lebensrechte über. In dieser Situation weiß die KPD. keine andere Losung, als den Hauptschlag gegen die Sozialdemokratie zu füh- ren. Diese Politik der KPD., die bereits zur Unterstützung des faschistischen Volksentscheids gegen Braun und Severing führte, geht auch heute auf die Zersetzung der Arbeiterklasse aus. Wir müssen die Einheit der Klasse verwirk- lichen. Deshalb trete ich zur Partei Bebels und Wilhelm Liebknechts.(Stürmischer Beifall.) Als letzter Redner sprach für die Sozialistische Studentenschaft Genosse Lnül Groß. Er führte aus, daß Kopf- und Handarbeiter zu- fammengehören und daß die Sozialdemokratie heute die einzige Kulturttägerin in Europa ist. Die Praxis der bisherigen grundsätzlich neuen Staatsführ.mg bedeutet nichts anderes als einen Klassenkamps von oben. Das läßt sich auch durch noch so viele Rundsunkreden nicht aus der Welt schaffen. Wir wenden uns auch gegen die Staatstheorie, die unlängst von dem Berliner Professor Karl Schmitt vor dem Leipziger Staatsgerichtshof ver- treten wurde. Dieser Krononwalt der Regierung von Papen hat in seinen Schriften dargetan, daß das Wesen des Politischen durch den Gegensatz Freund-Feind gekennzeichnet sei und nur dort eine politische Entscheidung vorliegt, wo der Gegner bis zur körperlichen Vernichtung bekämpft wird. Wir wenden uns gegen diese Staatslehre. Wir stellen ihr den Gedanken einer sinnvollen Politik gegenüber. Unter stärkstem Beifall schloß Groß mit einem Bekenntnis zum ge- m e i n s a m e n Kampfe. Hinreißend sprach Genosse Klawitie Verse von Dehmel. Unsere Arbeiterjugend sang ein neues Freiheitslied. Noch einmal richtete Franz Künstler stammende Worte an die Taufende, am 6. November bis zum letzten die Pflicht zu tun. Braun bei ftindenburg Unterredung über beipzig am Sonnabend Der Reichspräsident wird am Tonnabend in Gegenwart des Herrn von Papen den preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun zu einer Unterredung über die Turchführung des Leipziger Urteils emp- fangen. ie Die Rechtspresse ist bestrebt, die Papen-Barone aus den Weg des Staats st reichs zu drän- gen. Sie ruft nach Taten und fordert die Barone auf, nicht über Zwirnssäden zu stolpern. In diesem Sinne kündigt die schwerindustrielle „Deutsche Allgemeine Zeitung" bereits „neue Maßregeln in der Richtung auf weiteren Ausbau der Machtposition des Reichs in Preußen" an, und im Lager der Freunde der Barone redet man davon, daß die Reichsregierung bereits in ihrer Freitagsitzung entsprechende Beschlüsse fassen werde, die zunächst die Zusammenlegung mehrerer preußischer Ministerien zum Ziele haben Absichten ber Barone Reicbsmumter für Preußen 3n später Nachtstunde erfahren wir, daß dos Reichskabinett sich heute mit folgendem Vorschlag befassen wird, der in einer sogenannten Ehes- besprechung zwischen Papen, Gayl. Bracht und Meißner gestern ausgearbeitet wurde und eine Lösung des Konflikt» Reich-preußen aus der Grundlage des Leipziger Urteils darstellen soll. Danach sollen folgende Herren zu Reichs- ministern ohne Portefeuille ernannt und gleichzeitig mit der Wahrnehmung der Ge- schäfte preußischer Ministerien beauftragt werden: Dr. Bracht für das Innenministerium, ein Herr von hülsen, der kürzlich als Ober- Präsident in Kassel in Aussicht genommen war, für das Kultusministerium, und der frühere Staatssekretär P o p i h für das Finanzministerium. Die übrigen preußischen Ministerien sollen zum Teil zusammengesaht, zum Teil ab- geschasst werden. Das Bestehen der Regierung Braun soll zwar ausdrücklich anerkannt, aber ihr jede Vollmacht praktisch genommen werden. Be- züglich der Beantwortung der Anfragen im Parlamenten soll der neue Reichsminister ohne Portefeuille Bracht von Fall zu Fall dazu Stellung nehmen, in welcher Form dies geschehen soll. Die Reichsregicrung hofft, die Zustimmung des Reichspräsidenten zu diesem Vorschlag zu finden. Zehn Jahre Mussolini Line Lehre und eine lifahnunj* Das faschistische Italien feiert seit Tagen das Heute zum zehnten Male wiederkehrende Datum der Kapitulation des K ö- nigs Victor Emanuel vor den Fa- schiften, die sich von Neapel aus in Lewe- gung gesetzt hatten und Rom zu besetzen drohten. Denn etwas anderes war der viel- gerühmte„Marsch auf Rom" nicht, als der Verzicht des Monarchen auf die Verteidigung der von ihm beschworenen Verfassung. Der Schwächling Facta, der ihn als Minister- Präsident damals beriet, war der typische Vertreter jenes liberalen Bürgertums, das zunächst ganz froh war, die Arbeiterschaft durch eine Diktatur mattsetzen zu können. Man dachte, daß Mussolini nur eine kurze Episode sein würde und daß man ihn, wenn er erst seine Schuldigkeit als Hausknecht der Kapitalisten getan haben würde, wieder leicht los werden könnte. Das war offenbar auch die Absicht des Königs selber, der sich auf die Armee verließ und vielleicht sogar ehrlich hoffte, später zu verfassungsmäßigen Zuständen zurückzukehren. Aber diese Hoffnung hat sich als trügerisch erwiesen. Sie unterschätzte die Rücksichts- losigkeit Mussolinis und seiner Anhänger. Alles, was Italien an wagemütigen Aben- teurem und Schiebem zählte, setzte sich unter dem Schutze der Schwarzhemden an der Futterkrippe fest, entschlossen, sich lebens- länglich zu mästen. Die Arbeiterschaft hatte zunächst durch radikale Unbesonnenheiten, später durch dreifache Spaltung den Weg Mussolinis zur Macht geebnet. Moskau sorgte auch nach dem Sieg des Faschismus, daß die Spaltung aufrechterhalten blieb. Heute noch führen die italienischen Kommunisten selbst in der Emi- gration den wildesten Kampf gegen ihre sozialdemokratischen Leidensgenossen, wäh- rend vußen- und handelspolitisch die Sowjetregierung, unbekümmert um die grausamen Kommunistenverfolgungen in Italien, die regsten Beziehungen zur Regie- rung des„Duce" unterhält! Die innerpolitische Bilanz der zehnjährigen Herrschaft der Schwarzhemden kennzeichnet sich durch die Zerstörung aller Frei- h e i t e n moderner und zivilisierter Staats- wesen, das Monopol der Regierungspartei und der Regierungspresse, die Umwandlung der Rechtspflege in ein Machtinstrument der herrschenden Minderheit— kurzum ein Bolschewismus mit umgekehrten Vorzeichen. Die außenpolitische Bilanz verzeichnet eine gewaltige Vermehrung der R ii st u n g e n, die das Land finanziell erdrücken, eine dauernde Unruhe st iftung in Europa durch die säbelrasselnden Reden Mussolinis und die aufpeitschenden Artikel seiner Presse, hauptsächlich gegen Frankreich und Iugo- slawien, und dabei immer wieder durch vor- sichtige Rückzüge, sobald die Angegriffenen sich energisch zur Wehr setzen. Gegenwärtig leistet sich Italien eine billige Propaganda für die Revision der Friedensverträge— außer natürlich den Vertrag von St. Ger- main, der das deutsche S ü d t i r o l der Faschistenherrschaft hilflos ausgeliefert hat. Das faschistische Italien betätigt sich als Lockspitzel Deutschland gegenüber, um morgen wieder sich mit der„lateinischen Schwester" Frankreich zu versöhnen, wenn ihm auf kolonialem Gebiet die kleinsten Zu- geständnisse gemacht werden. Sein Eintreten für die Abrüstung ist vor allem ein Zeichen dafür, daß ihm infolge seiner eigenen wahn- witzigen Rüstungsausgaben die Luft im Weit- lauf mit Frankreich auszugehen droht. Wirtschaftspolitisch ist Italien von der Weltkrise mindestens so schwer in Mit« leidenschaft gezogen wie die anderen Länder der Welt. Die Banken und die großen In» dustrieunternehmungen sind trotz riesiger Rüstungsaufträge längst am Ende ihrer Kräfte und müssen vom Staat subventioniert werden. Sozialpolitisch herrscht, trotz aller Spiegelfechtereien des„Korporatiostaates", die Willkür des Unternehmertums. Streiks sind bei schwerer Strafe verboten, die Löhne sind nahezu die tiefsten in Europa, die Ar- beitslosenunterstützungen sind so minimal und von so kurzer Dauer, daß die private Wohl- fahrtspflege, vor allem die katholische Kirche, Hunderttausende von Menschen kümmerlich über Wasser halten muß. Oppositionelle Regungen, durch ein Heer von Spitzeln überwacht und denunziert, wer- den mit langjährigen Zuchthausstrafen und Verbannung nach den Mittelmeerinseln ge- sühnt. Das ist Italien nach zehnjähriger Herrschaft des Faschismus. Aber das faschistische Imperium Musso- linis wird ebensowenig ewig währen wie das Kaiserreich Napoleons III., das erst nach 18 Jahren zusammenkrachte. Und so wie die französischen Freiheits- kämpfer unter Führung des großen Dichters Victor Hugo nach langjähriger Verbannung als Triumphatoren in die Heimat zurück- kehrten, werden auch die italienischen Emi- granten von heute die Führer der Zukunft sein. Eines Tages wird das ganze italienische Volk seine Freiheit zurückerobern, eingedenk des Wortes seines großen Märtyrers M a t t e o t t i:„Die Freiheit ist wie die Luft und das Wasser: man muß ihrer be- raubt sein, um zu erkennen, daß man ohne sie nicht lehen kann." Voraussetzung aber für die Befreiung ist die Ueberwindung jenes Hauptübels, das erst die Knechtschaft verschuldet hat: die Spaltung der Arbeiter- schaft! Der konservative Popen Züge aus seiner parlamentarischen Tätigkeit Popen kurbelt an Arbeiter werden entlassen Eigener Bericht des„Vorroärts" Aachen. 27. Oktober. In Holland ist einem großen Teil der deutschen Hausangestellten, obwohl ihre Arbeitgeber mit ihnen zufrieden waren, die Aufenthalts- erlaubnis nicht verlängert worden. Ueber öll deutsche Hausangestellte haben die holländische Grenze bei Emmerich bereits passiert, um in ihre alte Heimat zurückzukehren. Auch gegenüber hilfsbedürftigen deutschen Familien läßt das Entgegenkommen der holländischen Be- Hörden stark nach. Eine ganze Reihe von Familien ist bereits bei Aachen über die Grenze gesetzt war- den, wo sie den deutschen Grenzorten zur Last fallen. Das Vorgehen der Holländer wird auf die tnitsche Kontingentierungspolitik zurückgeführt. Itach Hein Boykott deutscher Waren folgt nun der Boykott deutscher Menschen. Eine Folge der Wirtschaftspolitik der Nazi-Barone. Die„Kommissare" Lie fassen immer noch Beschlüsse In dem Augenblick, da die an sich schon kaum bemerkbare„Autorität" der„autoritären Staats- führung" durch das nüchterne Urteil des deutschen Berfassungsgerichts einen ungeheuren moralischen Stoß erhalten hat, wagen es die als Ministerersatz amtierenden preußischen Staatssekretäre einen „Staatsministerialbeschluß" vom 27. Oktober zu veröffentlichen, der wieder eine ReiheoonBe- amten entläßt und neu ernennt, als ob gar nichts gewesen sei. Der Spruch des höchsten Gerichts in Ver- fasfungsstreitsachen wird dadurch einfach beiseite ge- schoben. Die von diesem Gerichtshof ausdrücklich als rechtmäßige preußische Regierung, die das Land Preußen einzig und allein nach außen zu vertreten hat, wird so offenkundig provoziert, als ob die alldeutschen Maulaufreißer ihre Befehle schon verwirklicht hätten! Die„Staatsministerialsitzung" der Kommissare hat demnach wieder Regierungspräsidenten und Landräte abgesetzt und„ernannt", als ob sie allein über die Finanzen Preußens zu verfügen hätte. So hat sie den Polizeipräsidenten von Bielefeld F i e h n in den Ruhestand geschickt und an seine Stelle den Regierungsrat von Werder- Berlin zum Polizeipräsidenten ernannt. Werder erhält da- mit eine besondere Anerkennung der Helden- haften nächtlichen Sprengstoffsuche im Reichstag, bei der ihm ein Buch über— Eisenbahnbau in die Hände siel! ZS Prozent; In Köln wurden am 39. Sep- tember durch Wohlfahrts-, Jugend- und Arbeits- amt 194— 218 Parteren mit 209 236 Köpfen, also annähernd 28 Prozent der gesamten Kölner Einwohnerschaft, durch die öffentlich« Wohlfahrt versorgt. Demnach wird fast seder dritte Kölner aus öffentlichen Mitteln unterstützt. Der Sozialdemokratische Pressedienst hat ver- zeichnet, daß Herr von Papen es in seiner Eigenschaft als preußischer Zentrums- abgeordneter abgelehnt hat, von der Tri- büne des Landtags herab über und für das unter Fremdherrschaft stehende Saargebiet zu reden: Er hätte seinen Verwandten schaden können. Das Beispiel zeigt besser als alle Reden des Herrn von Papen, was von seinem „Mut zur Unpopularität" zu halten ist. Ueber die„konservative Staatsge- sinnung" des Herrn von Papen gibt der Soz. Pressedienst einige Beispiele: Während seiner dreizehnjährigen parlamentari- schen„Tätigkeit" als preußischer Abgeordneter hat Herr von Papen seine konservativen Grund- sätze wiederholt in die Mottenkiste gepackt, um sie nach Bedarf wieder herauszuholen. Freilich hat er einige Male in der Zentrumsfrattion des Preu- ßischen Landtages versucht, aus der Reihe zu tanzen, und zwar geschah das jedesmal, wenn ihm im Herrenklub oder einem anderen feudalen Gremium das nahegelegt worden war. So wollte der Zentrumsabgeordnete von Papen durchaus den Ausmarsch der Deutschen Bolkspartei mitmachen, als diese 1925 aus der großen Koali- tion in Preußen ausbrach. In der Tat stimmte er am 29. Februar 1925 einem Mißtrauens- an trag zu, der den damaligen preußischen Mi- nisterpräsidenten Wilhelm Marx, den Vor- sitzenden der Zentrumspartei, zu Fall brachte. Im Herrenklub ließ sich damals Papen als Held feiern und Thyssen jun. schickte ihm eigenhändig ein Glückwunschtelegramm. Aber schon wenige Wochen später, am 4 April 1925, wurde in Preußen ein neuer Mi- nisterpräsident gewählt, nämlich der Sozial- demokrat Otto Braun, und siehe da, diesmal stimmte der Zentrumsabgeordnete papen, der seinen Zentrumskollegen Marx mit zu Fall gebracht hatte, mit seiner Fraktion f ü r den sozialdemokratischen kandi- daten Otto Braun. Die konservativen Grundsätze hatten nur zwei Monate vorge- gehalten. Was war inzwischen geschehen? Die Zentrums- fraktion des Landtages hatte Herrn von Papen vor die Wahl gestellt, entweder mit der Fraktion zu stimmen, oder aus ihr auszuscheiden. Um diesem drohenden Ausschluß zu entgehen, revi- Vierte Herr von Papen schleunigst seine Stellung und stimmte treu und brav für den Sozial- demokraten Braun. Das Abgeord- netenmandat einer„Syst empörte i" war schon eine Messe wert. Weiterhin ist Herr von Papen dann immer bei der Stange geblieben. Er hat die zahlreichen Die Kommunisten beten die Taktik des„alles oder nichts" an. Sie sind völlig unnütz für den Kampf der Arbeiterschaft in der gegenwärti- gen Situation, in der es ausdauernd und zäh um jede materielle und moralische Position gegen die Reaktion zu kämpfen gilt. Der Ausgang des großen Staatsprozesses in Leipzig hat sie deshalb in schwere Verlegenheit gesetzt. Sie haben zunächst sauersüß die Niederlage der Bracht und Papen angesehen, bis sie auf den gewohnten Dreh ver- fallen sind: die Niederlage der Reaktion in Leip- zig fei ein sozialdemokratischer Betrug, in Wahr- heit wollten die SPD.-Führer die faschistische Dik- tatur retten! Das Ist alles, was sie dazu zu sagen haben! Weil die preußische Regierung den Popen und Bracht nicht vorwände zu neuen Gewaltmah- nahmen gibt, schreien die KPD.-Dcmagogen über ein angebliches Bündnis Braun-papen! Während die Reaktion verbissen und kleinlaut neben dem Ergebnis von Leipzig steht, redet die „Rote Fahne" ihr eifrig zu, daß Kleinmut nicht angebracht sei: denn Herr v. Papen habe gesiegt. Die Kommuni st ische Partei versucht also in der Arbeiterschaft mo'rali- schen Defaitismus hervorzurufen, indem sie gleichzeitig die Reaktion aufzumuntern verfucht. Feine Arbeiter- Partei! Die Kommunisten machen sich mit dieser Stel- lungnahme lächerlich. Sie zeigen nur, daß ihr Haß gegen die Sozialdemokratie ihnen den letzten Funken von Vernunft geraubt hat! Die„Rote Fahne" deklamiert: „Die Severing und Braun dürfen den Mi- Nistertitel weiter tragen. Sie bekommen Dienst- Mißtrauensanträge gegen die preu- ßische Regierung Braun mit abge» lehnt und fast alle jene Beschlüsse durch seine Zustimmung gutgeheißen, die heute v o n i h m und anderen als fchwarz-rote Mißwirtschaft verlästert werden. Das ging so Jahre hindurch, bis auf einmal wieder die konservativen Grund- sätze zur Anwendung kamen. Das war bei dem legten Beschluß des alten Preußischen Landtages, die Geschäftsordnung für die Ministerpräsidenten- wähl zu ändern. Herr von Papen stimmte mit der Rechten und den Kommunisten gegen diesen Antrag. Er wußte an diesem Zeltpunkt, daß er— für den neuen Landtag nicht mehr als Kandidat aufgestellt werden wurde. Anfang vorigen Jahres bewarb sich Herr von Papen eifrig um den Posten des Ge- sandten in Luxemburg. Das Auswärtige Amt winkte damals heftig ab, weil wun wegen der bisherigen diplomatischen Großtaten des Herrn von Papen und wegen seiner sonstigen diplomati- schen Eigenschaften mit Recht Bedenken hatte. Es langte weder für den Gesandtenposten in München noch in Luxemburg. Im Juni 1932 wurde Herr von Papen Reichskanzler. Die WD. ermuntert die Barone �Inr keinen Kummer über die Leipziger Niederlage personal und amtliche Arbeitsräume. Sie dürfen im Preußischen Landtag im Staatsrat und im Reichsrat erscheinen und präsentieren. Das nennen sie einen Sieg der Arbeiterklasse, eine Niederlage der Reaktion So wollen sie ihre Kapitulation am 29. Juli rechtserl.gen." Der Titel, die Gehälter, das Auto— das ist alles, was die kommunistischen Führer sehen. Die Zerstörung reaktionärer Bersassungspläne, die ent- scheidende Veränderung in der Stellung des Reichs zu den Ländern, das Scheitern der gefährlichsten und verstocktesten Pläne, die unter dem Namen Reichsresorm und Verfasiungsreform laufen— alles das sieht man bei den kommunistischen Demagogen nicht! Denn die Hetze gegen die So- zialdemokratie ist ihnen wichtiger als die Aus- klärung der Arbeiterschaft über das was ist! Daß die sozialdemokratische Taktik vom 20. Juli, die manchem Heißsporn zu ruhig war, nun letzten Endes zu einer moralischen Stärkung unserer Stellung und zu einer moralischen Schwächung der Papen-Brachl geführt hat. das sollen die kommunistischen Arbeiter nicht er- fahren! Gegenüber der blöden Demagogie der Kommu- nisten gegen Braun und Severing aber genügt eine einzige Frage an die kommunistischen Führer: „Warum habt ihr denn am 29. Juli zum General- streik für Broun und Severing aufgerufen?" Diese Frage stellen heißt die Hanswurstrolle der kommunistischen Politik aufzeigen. Was kann eine Partei der Arbeiterschaft nützen, die wie die kom- munistische Partei bei jeder Niederlage der Rc- aktion vor Zorn geifert gegen— die Sozialdemokratie, und die ganz deutlich erkennen läßt, daß sie Siege der Reaktion wünscht? teidigungsrat den Abrüstungsplon erst gut- heißen müsse. Er schlug daher der Kammer vor, für Freitagnachmittag eine Debatie übel die Ab- rüstungssrage anzuberaumen. Ueber das Schul» denproblem dürfe während dieser Debatte nicht gesprochen werden, denn die Regierung müsse jede Aeußerung darüber in dem gegenwärtigen Augenblick ablehnen. Nach der Debatte, die am Freitagabend beendet werden müßte, werde die Regierung die Kammer um ein Ver- trauensvotum bitten. Die Kammer beschloß, die Interpellationsdebatte über die Abrüstung am Freitagnachmittag abzuhalten. Der„Paris Soir" teilt zu dem französischen Abrüstungsplan mit daß dieser auch für Deutschland das Recht vorsehe, eine neunmonatige Dien st zeit einzuführen. Außerdem solle Deutschland die qualitative aber nicht die quantitative Gleichberechtigung für seine Rüstungen gewährt werden, Tschechischer Nationaltag 23. Oktober 1918— 1932 Heute feiert die Tschechoslowakische Republik den Gedenktag xhrer Errichtung. Er fällt in die furchtbarste Wirtschaftskrise, die besonders auch in den überwiegend deutschen Gebieten unseres Nachbarlandes die ehemals werktätigen Massen verelendet. Exportindustrie und Handel klagen bitter über die Devisensperre. Zahl und Kampf der Parteien sind nicht geringer als in den an- grenzenden Staaten. Auch in der CSR. gibt es Demagogen, die von der Verleumdung und der Uebertreibung wirklich vorhandener Mißstände politisch leben. Noch immer haben die Minder- heitsvälker, besonders die Deutschen, die ein gutes Viertel der Gesamtbevölkerung bilden, Grund ge- nug zu heftigen Anklagen gegen die Nationali- tätenpolitik des Staates. Aber von Grund auf freiheitlich gesonnen, hält das begabte und energische Tschechentum fest an der Demokratie und ihrer parlamentarischen Führung. E» gibt— nach den Erfahrungen mit dem altösterreichischen Z 14— kein außerparlamentarische» Verordnungsrecht de» Staatspräsi- Kenten. In der ehrwürdigen Gestalt de» Präsi- denken Th G. M a s a r y k ist der freiheitliche Grundzug des tschechischen Wesens verkörpert. In der Regierung sitzen neben deutschen und tschechischen Agrarparteien und stadtbllrgerlichen Vertretern Sozialdemokraten beider Na- tionen, die seit Jahren immer einheitlich zusam- menarbeiten. Diese Republik ist, zwischen dem reaktionären Zustand in Deutschland und den Versuchen, es in Deutschösterreich nachzuahmen, ein Fels der europäischen Demokratie. Debatten-Abkürzung französischer Parlamentarismus Eigener Bericht des„Vormärls" Pari», 27. Oktober. Um jeder Debatte über die Festsetzung eines Datums für die Besprechung der neuen außen- politischen Interpellation auszuweichen, erklärte H e r r i o t zu Beginn der Kammersitzung, er halte es für gerechtfertigt, daß die Kammer über die Absicht der Regierung auf dem Gebiet der Ab- rllstung unterrichtet zu werden wünsche, aber die Regierung könne die« nicht vor Freitagnoch- mittag tun, da der Oberst« Lande» oe r- Sühne für Bifchdvrf Reichsbannerlührer Musiol und Olbrich gerechtfertigt Eigener Bericht des„Vorwärts" B r e s l a u. 27. Oktober. Die Strafkammer Oppeln verurteilte im Bischdorser Raziprozeh sieben SA.- Leute und vier Stahlhetmsührer wegen Land- sriedensbruch und schwerer Körperverletzung. Drei SA.-Leute erhielten Geldstrafen bis zu 90 Mark, von den übrigen Angeklagten wurden ein SA.-Mann zu neun Monaten, zwei SA.- und drei Stahlhelmleute zu je sieben Mo- nalenGesängnis verurteilt, zwei Angeklagte erhielten drei und vier Monate Gefängnis. Der Rest wurde freigesprochen. In der Urteilsbegründung stellte der Vorsitzende fest, daß bereits das gewaltsame Eindringen der Angeklagten in die geschlossene Kundgebung der Eisernen Front als strafbare Handlung zu werten. sei. Die wegen dieses Vorgehens angeklagten Na- tionalsozialisten und Stahlhelmleute seien jedoch trotzdem freigesprochen worden, weil sie sich ver- mutlich nicht der Strafbarkeit ihres Auftretens be- wüßt gewesen wären. Die Hauptursache der blu- tigen Zusammenstöße sei in der Herbeirufung der SA. zu suchen. Derjenige, der die SA. alarmiert habe, trage die eigentliche Verantwortung für die Bischdorser Vorfälle Leider habe sich nicht er- Mitteln lassen, von wem der Telephonanrus erfolgt sei. Für die auf der Dorsaue randalierende Menge habe keinerlei Veranlassung bestanden, die au» dem Versammlungslokal heraustretenden re- publikanifchen Führer zu beschimpken. Die Reichs- bannerführer Musiol und Olbrich, die bei dem Ueberfall schwere Verletzungen davontrugen, hätten, als sie auf dem Wege zum Bahnhos be- droht und niedergeschlagen wurden, Ihre Waffe ausschließlich zu ihrem Schutz und in Notwehr gebraucht. Das Gericht verurteilte die an dem Ueberfall auf Musiol und Olbrich beteiligten Angeklagten zu den Mindeststrafen Es stützte sich dabei auch aus die Ausführungen des Vertreters der Nebenkläger, Rechtsanwalt Dr. Braun> Magdeburg, der in seinem Plädoyer gebeten hatte, es bei einer erzieherisch wirkenden Strafe bewenden zu lassen und die überwiegend jugendlichen Angeklagten nicht so hart zu bestrafen, wie es von anderen Gerichten in ähnlichen Fällen gegen Reichsbanner- leute geschehen sei. Papsns große Niederlage l'atsaclien, clie aielit vergessen verclen Türkei» LtaliUielm gfSFen Auwi Au- wi so trügerisch— sind Stahlhelmherzen Der preußische Ministerpräsident Otto B o u n hat dieser Tage vor der Presse ironisch Hemer», daß er nicht so bescheiden sei wie die Reichsreg>erung und durch das Urteil de- Etaatsgerichtshoses keineswegs so befriedigt sei, wie die Herren Papen und Bracht zu sein vor- geben. In Wirklichkeit ist die Selbstzufriedenheit. die in den Kreisen der Barone zur Schau ge» tragen wird, nur aus propagandistischen Gründen vorgetäuscht. In ausländischen Kreisen ist man sogar so„respektlos", den unmittelbar nach der Verkündung des Urteils von der Reichskanzlei herausgegebenen Sicgesbericht mit jenen Siegesmeldungen Ludendorffs zu vergleichen, durch die das deutsche Volk jahrelang darüber hinweggetäuscht wurde, daß die deutschen Heerführer kein einziges strategisches Ziel zu er» reichen vermochten. Um die schwere moralische Niederlage Papens ganz zu ermessen, muß man sich in dieser kurzlebigen Zeit daran er» innern, wie sich die Reichsregierung noch vor drei Ntonaten, also unmittelbar nach ihrem Streich gegen Preußen» gebärdete. Damals war in ihren Erklärungen von einer vorübergehenden Amtsenthebung der preu- ßischen Minister keineswegs die Rede, sondern nur von einer endgültigen Absetzung. Als ein Beispiel unter vielen sei nur an folgenden be» zeichnenden Vorfall erinnert: Die Notverordnung vom 20. Juli wurde an jenem Vormittag vor der versammelten deutschen Presse durch den Staats- sekretär Planck, also durch Popens rechte Hand, offiziell verkündet. Damals wurde sofort aus der Mitte der Versammlung der Wunsch geäußert, daß der Presseresorent des preußischen Innenministeri- ums, Ministerialrat H i r s ch f e l d. Gelegenheit er» halte, den Standpunkt der preußischen Minister darzulegen. Herr Planck aber erhob dagegen mit den Worten Einspruch:„Es gibt keine preußische Ttaatsregicrung mehr: Herr Minister Severins ist abgesetzt." Daß die Herren von Papen und Genossen das preußische Staatsministerium als völlig erledigt und nicht mehr existierend betrachteten, geht auch aus der Tatsache hervor, daß sich der Reichs- innenminister von G a y l ausdrücklich weigerte, die erste Reichsratssitzung nach dem 20. Juli zu eröffnen, weil der stellvertretende Ministerpräst- dent und Wohlfahrtsminister H i r t s i e s e r seinen Sitz als Vertreter Preußens im Reichsratssaal vor Beginn der Sitzung eingenommen hatte. Es kam damals zu einem peinlichen Zwischeniall, den die Reichsregierung bald darauf bemüht war, vor der Oeffentlichteit abzuschwächen. Taraus geht eindeutig hervor, daß die Reichsreglerung sogar in jener Frage, die verfassungsrechtlich zweifellos ain bedenklichsten war, nämlich bezüglich der Reichsratavertretung Preußens» aufs Ganze zu gehen entschlossen war und die Regierung Braun auch in diesem Punkt für abgesetzt und erledigt erklärte. Später ist sie so weit gegangen, sogar vollendete Tat- fachen durch Ernennung eigener Reichsratsver- treter schassen zu wollen, was eine glatte Brüskie- rung des Staatsgerichtshofes bedeutete. Aber ge- rade in diesem Punkt bedeutet das Leipziger Urteil eine hundertprozentige Nieder» läge für Papen. Gayl und Bracht und eine hundertprozentige Rechtfertigung von Otto Braun und Hirtsiefer. Es darf auch nicht vergcsicn werden, womit der Reichskanzler am Abend des 20. Juli im R u n d- funk seinen Streich begründete: innere Abhängig- keit der preußischen Regierung von den Kommu- nisten, geheime Abmachungen des Staatssekretärs Abegg mit kommunistischen Reichstagsabgeord- neten und ähnliche Erzählungen. Der Staatsgerichtshof hat mit einer Handbewegung dieses gesamte„Beweis- Material" der Papen-Regierung beiseite geschoben und ist darüber hinaus von den Methoden deut- lich abgerückt, die Dr. Bracht innerhalb der preu- ßischen Ministerien angewendet hatte, um gegen die gewaltsam entfernten Minister nachträglich Belastungsmaterial zu sammeln. Ueberall in der Welt gibt es nur eine Meinung darüber, daß eine Regierung, die eine derartige moralische Katastrophe erlitten hat, in jedem anderen Lande keinen Tag länger im Amte verbleiben würde. Die Regierung Papen spekuliert auf die Urteilslosigkeit und die Gedächtnisschwäche breiter Wählerschichten. Wir müssen dafür sorgen, daß alle diese Tatsachen, durch die allein man die Größe der Leipzigei Niederlage des Papen» Regimes ermessen kann, nicht vergeisen werden! Ganz wie Wilhelm? Turme, Mensch, Türme! Mussolini hat in Mailand den Rohbau des Kunstpalastes besichtigt. Der Bauplan sieht dabei einen Turm vor, der höher als alle an- deren Türme Mailands fein soll. Mussolini hat dagegen Einspruch erhoben und hat befohlen, daß der Turm des Kunstpalastes«inen Meter niedriger zu sein habe als der Turm des Mailänder Domes. Die Symptome des Cäsarenwahns sind bei allen Sub- jekten, die ihm versallen sind, die gleichen. Wilhelm II. zeigte dieselben Symptome wie Mussolini. Was Mussolini in Mailand angeord- net hat, hat sein Vorgänger Wilhelm in Berlin schon vor ihm befohlen. Die Kupp«! des Reichstagsgebäudes mußte niedriger fein als die Kuppel des Berliner Schlosses, damit der Größe der Krone durch das Symbol der Volkssouveränität kein Abbruch geschehe. Und als die Spitze der sogenannten Kaiser-Wilhelm- Gedächtniskirche im Berliner Westen ihm nicht hoch genug war, mußte bcfeksismäßig ein sinn- loser, klotzig prunkhafter Stern auf die Turm- spitze gesetzt werden, um sie künstlich zu ver- längern. Das Ende vom Lied war bei Wil- Helm IL, dem Vorgänger Mussolinis im Größen- wahn, die Flucht nach Holland. Wie wird es bei Mussolini enden? In Leipzig führte der„Weimarer Kreis". eine überparteiliche Vereinigung Verfassung s- treuer republikanischer Hochschul- l e h r e r eine Reichstagung durch, die aus allen Teilen des Reiches beschickt worden war. Zu Vorsitzenden der Tagung wurden die Professoren R a d b r u ch- Heidelberg, Götz- Leipzig und M e i n e ck e- Berlin gewählt. Aus der Tages- ordnung stand ein Referat von Prof. Hol- dorn- Berlin über die Reichsverfassung und ihr Verhältnis zur Freiheit von Forschung und Lehre. Er führte u. a. aus, daß freie Wissenschaft nur in einem demokratischen Staate zu voller Enb- saltung kommen könne. Der Weg zurück zum Obrigteitsstaat, der heute von amtlichen Kreisen gegangen zu werden scheine, bedrohe das not- wendig innige Verhültn's von Staatsaufbau und freier wissenschaftlicher Forscherarbeit. Ueber„Verfassungstreue und Ver- fassungsänderung" sprach Prof. G i e s e- M ü n ch e n, der zu den Fragen der Versassungs- reform keine grundsätzlich ablehnende Haltung ein- nahm, jedoch mit aller Entschiedenheit betonte, daß jede Reform lediglich der Verfassung dienen müsse, sie aber nicht ausheben dürfe. Es gehe bei der Reform niemals um eine Aenderung, son- dern um notwendige Ergänzungen, die der Er- Haltung des Rechtsstaates zu dienen haben.„Nötig ist ein Ausgleich zwischen Demokratie und Autori- tät. Aber es ist unrichtig, zu glauben, man könne in Deutschland Autorität ohne Demokratie herstellen." In einem weiteren Referat sprach Dr. R u o f f.- Leipzig über Lage und Ziele der gegenwärtigen akademischen Jugend. Seine tiefempfundenen Ausführungen, die die materielle und geistige Krise der Heuligen Jugend aufzeigten, gaben zu einer recht eingehenden und fruchtbaren Diskussion zwischen Professoren und eingeladenen Vertretern der Studentenschast verschiedener Hochschulen An- DAÄ. gegen Henderson Das Unternehmerblatt wird gestäupt Eigener Bericht des„Vormärts' Zürich, 27. Oktober. Die„Neue Züricher Zeitung" schreibt heute unter dem Titel„Deutscher„Dank" an Henderson":„Während die Abrüstungs- kcnferenz wegen der weltpolitischen Lage und nicht zuletzt wegen der neuen deutschen Wahl- kampagne die Beratungen ihrer größeren Kom- Missionen bis in den November hinein vertagen mußte, setzten einige technische Sonderausschüsse ihre Tätigkeit fort. Auch der Konferenzprösident wellt noch in Genf, um die Wiederaufnahme der Aktion durch das Konferenzbüro vorzubereiten und die Ausarbeitung einiger Teilberichte sicherzu- stellen. Dafür wird nun Herr Henderson aus» laß. Dabei setzten sich die s o z i a l i st i s ch e n Studenten Böttcher, Gleitze und Krüger besonders für eine umfassende Hochschul- reform im demokratischen Geiste ein. Allgemein von Prefessoren und Studenten ab» gelehnt wurde das akademische Werkjahr in der von der Reichsregierung geplanten Form. Einmütig wurde betont, daß eine Besserung der Hochschulverhältnisse und eine Ueberwindung der Hochschulüberfüllung nur durch eine der Leistung angepaßte, aber sozial gerechte Auslese zu er- warten ist. Zum Abschluß der Tagung wurden von dem Weimarer Kreis drei Entschließungen angenommen. Die eine Entschließung befaßt sich mit der Frag« der Reichsverfassung und ihrer Reform. Darin bekennt sich der Weimarer Kreis von neuem zum Geiste von Weimar, zu den Gedanken des Dolksstaates, des Rechtsstaates und der sozialen Gerechtigkeit. Er verschließt sich nicht der Notwendigkeit ge- wisser Verbesserungen unserer Verfassung. Die Weimarer Verfassung hat sich von vornherein nicht als einen unabänderlichen Endzustand angesehen, sie hat vielmehr selbst den Weg zu ihrer Abände- rung osfen gelassen. Der Weimarer Kreis fordert jedoch gegenüber offenen oder versteckten Be- strsbungen ungesetzlicher Verfassungsänderung mit Nachdruck, daß die notwendige Reform auf dem Wege der Verfassung durchgeführt werde. Nur durch die Verfassung hindurch führt der Weg zu neuem Vepfassungsleben, an ihr vorbei nur der zum Staatsstreich. In einer weiteren Entschließung wendet sich der Weimarer Kreis an die Oeffcntlichkeit und die deutschen Hochschullehrer, „in dem Kampf um die Freiheit der Wissen- schaft nicht nachzulassen. Mit großer Sorge er- füllen die Hochschullehrer die Versuche, der Wissenschast durch Notverordnungen die unge- hinderte Vertretung ihrer Ueberzeugung in der Presse zu nehmen. Das sind Anschläge gegen die von der Weimarer Verfassung gewährleistete Freiheit von Forschung und Lehre. Der Wei- marer Kreis verlangt Achtung vor den Rechten der akademischen Selbstverwaltung, zu deren Sicherung ein Disziplinarrecht der Hochschul- lehrer zu fordern ist." In einer dritten Entschließung setzt sich der Wei- marer Kreis für die Erneuerung der studentischen Selbstverwaltung ein und begrüßt ein neues Stu- dentenrecht, das im Sinne eines sachschaftlichen Ausbaue« die sachliche Mitarbeit der Studenten am Hochschulleven aus überparteilicher Grundlag« garantiert. gerechnet in der offiziösen„Deutschen All- gemeinen Zeitung" mit einem nicht weiter zu charakterisierenden persönliche� Angriff be- dacht. Das Blatt richtet an ihn die Frage, was er denn jetzt, wenn auch noch so still und unauf- fällig, in Gens zu tun habe? Dann wird mit deutscher Gründlichkeit vorgerechnet, was Hender- son und sein Privatsekretär und seine Steno- graphistin für Tagesentschädigungen beziehen und sonst für Auslagen verursachen— mit fast ver- doppelter Uebertreibung gelangt man dabei auf 400 Franken pro Tag—, und die Schlußfolge- rung daraus lautet, daß in einer Zeit allgemeiner Sparnotwendigkeiten Henderson als Präsident der Abrüstungskonferenz damit mehrere tausend Fron- ken nutzlos verbrauche. Es ist gewiß nicht nötig, die Persönlichkeit Hendersons gegenüber solchen Angriffen in Schutz zu nehmen. Es gibt in allen Staaten der Welt zu viele sachkundige Leute, die genau wissen, daß, selbst wenn die Abrüstungs- konferenz in einem vollen Fiasko enden sollte, auf ihren Präsidenten dafür keine Schuld fallen würde. Merkwürdig nimmt es sich jedoch aus, wenn man gerade in einer deutschen Zeitung, die als o f f i- z i ö s gilt, Henderson dafür verdächtigt, daß auch er während der gegen seinen Willen er- zwungenen Konferenzpause seine schwere Aufgabe nicht aus den Händen läßt. Daß er gerade jetzt in Genf weilt, ist sehr begründet, weil ja, wie alle Welt weiß, der Generalsekretär des Völker- bundes eben mit dem italienischen Regierungs- chef und der deutschen Reichsregierung Be- sprechungen gehabt hat, die sich zweifellos auch auf die Abrüstungskonferenz bezogen haben, und deren Ergebnis bei der Rückkehr Sir Eric Drum- monds sofort persönlich zu erfahren, gewiß nicht nur zu den Rechten, sondern sogar zu den Pflichten des Präsidenten der Abrüstungs- konferenz gehört. Das Erstaunlichste an den An- griffen der„DAZ." gegen Henderson liegt aber wohl darin, daß damit von einer der deutschen Regierung nahestehenden Seite derjenige Mann zum Zielpunkt einer gehässigen Polemik gemacht wird, der sich seil Monaten, wie kein anderer, für die deutsche Gleichberechtigung eingesetzt hat." Die„Neue Züricher" verweist nun auf einen Ar- tikel Hendersons über den Stand der Abrüstungs- konferenz, der in ihren Spalten erschienen ist, in dem Henderson. mit voller Namenszcichnung und eindringlich den„Anspruch Deutschlands auf militärische Gleichberechtigung" unterstützt, die ihm auf der einen Seite ebensoviel Bewunderung, wie von den Gegnern Deutschlands zahlreiche und harte Anfechtungen eingetragen hat. Aber nicht wenige Leute in der Welt dürften beim Lesen dieses Angriffs der„DAZ." gegen den Präsidenten der Abrüstungskonferenz sich kopfschüttelnd fragen: „Ist das der Dank aus Berlin?" * Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" ist nicht nur. wie die„Neue Züricher Zeitung" mit Recht betont, als Papen-osfiziös anzusprechen, sondern auch, was viel schlimmer ist, ein Blatt, das ohne Subventionen keine drei Tage er- scheinen könnte. Sie wird subventioniert teils durch Unternehmungen wie die Reichsbahn- g e s e l l s ch a f t, auf die das Reich stärksten Ein- fluß ausüben kann, teils durch Unternehmungen, die nur durch Rettungsaktionen gröh- ten Stils mit öffentlichen Mitteln vor dem Bankrott gerettet werden konnten. Und ein solches Blatt wagt es, Henderson und seinem engeren Stab vorzurechnen, was ihr Aufenthalt in Genf kostet! Friedrich karikas, der aus Rußland nach Ungarn heimgekehrte Kommunist, dessen Genossen Fürst und Szallai standrechtlich gehenkt wurden, ist vom ordentlichen Gericht zu vier Jahren Zuchthaus und anschließender Landeioerweisung oerurteilt worden. Staats- anwalt und Verteidiger haben Berufung eingelegt. 5>Jf? DEN WAHLKAMPF! Unicciluizt den HcunftQ Qüc J-ceiUeti und Ucol Freiwillige Spenden auf Postscheck-Konto 14 157(Adolf Holz) Demokratie und Geistesfreiheit Tagung der republikanischen Hochschullehrer Die Volit» des DBB. Im Mittelpunkt des ersten Berhandlungstages der 8. Bundestagung des Deutschen Beamtenbundes im Großen Festsaal der Krolloper, über deren Eröffnung wir bereits gestern abend berichteten, stand ein Referat des Bundesvorsitzenden Flu- g e l über„Die Politik des Deutschen Beamten- bundes". Flügel erinnerte an die schweren ma- teriellen Opfer, die den Beamten seit dem vori- gen Bundestag auferlegt worden sind und die bei den Beamten starke Erregung hervorgerufen haben, jedoch weniger deshalb, weil, sondern w i e sie den Beamten auferlegt wurden. Die bis jetzt vorgenommenen Kürzungen der Bearntengehälter feit deren Höchststand haben die ansehnliche Höhe von 2� Milliarde Mark erreicht. Im Zusammenhang mit der Kritik an den notver- ordneten Gehaltskürzungen nahm der Bundes- Vorsitzende Flügel scharf gegen Herrn von Siemens Stellung, der erst kurz vor der Bundestagung in einer Rede gegen die angeblich unerträgliche Be- vorzugung der Beamten gegenüber den Arbeitern und Angestellten der Privatindustrie gewettert und damit der Beamtenhetze neue Nahrung ge- geben hat. Mit leidenschaftlich bewegten Worten wandte er sich gegen die Absichten, die Beamten oder wenigstens einzelne Gruppen durch E n t- ziehung des passiven Wahlrechts zu „neutralisieren" und sie dadurch zu Staatsbürgern minderen Rechts zu machen. Ueber die politische Erziehungsarbeit des DBB. führte Flügel folgendes aus: Der DBB. muß dem einzelnen Beamten klarmachen, daß er sich auch in der deutschen Republik nicht hem- mungs- und zügellos politisch betätigen darf, daß er nicht bloß an die Schranken der allge- meinen Gesetze gebunden ist, sondern auch an die Absage der Beamten an die Nazis Grenzen, die die Beamten- und Disziplinargesetze ziehen. Die Pflichten, die sich aus diesen Ge- setzen ergeben, hat der Beamte bei seinem öfsent- lichen Auftreten zu beachten und zu erfüllen. Zu diesen Pflichten gehören im besonderen die Treue- pflicht gegenüber dem Dienstgeber, der den Staat verkörpert, und die damit verbundene Pslicht, beim öffentlichen politischen Auftreten taktvoll und zurückhaltend zu sein. Die Erinnerung an den im Landtag abgelehn- ten Antrag der NSDAP., in dem die Auflösung des preußischen Polizei- beamtenverbandes oerlangt wurde, sowie der Hinweis auf die Mißachtung der B e- amtenorganisationen in Oldenburg durch die dortige nationalsozialistische Staats- regierung riefen eine starke Entrüstung hervor. Der DBB. sei stark angegriffen worden wegen der Unterzeichnung des Ausrufes sämtlicher ge- werkschastlichen Spitzenkörperschasten vom 20. Juli, der die Arbeiter, Angestellten und Beamten zur Ruhe und Besonnenheit ermahnte. Der geschäftsführende Bundesvorstand hat diese Unterzeichnung wegen verschiedener Wendungen in dem Aufruf nicht gebilligt und für die Zukunft jede Beteiligung an gemeinsamen Kund- gedungen untersagt, die den Anschein Partei- politischer Stellungnahme erwecken könnten. Der von verschiedenen Kreisen innerhalb des DBB. erhobenen Forderung, jede Zusammenarbeit mit den anderen gewerkschaftlichen Spitzenkörper- schaften abzulehnen, könne der Bundesvor- stand jedoch nicht nachkommen, denn das hieße das Kind mit dem Bade ausschütten. Daß der DBB. zur Reichspräsidentenwahl nicht Stellung genommen habe, be- gründete der Bundesvorsitzende damit, daß diese Wahl eine politische gewesen sei. Der Beamte müsse sich zuerst als Staatsbürger fühlen, dann als deutscher Beamter und erst zuletzt als Partei- Mitglied. In der ausgiebigen Debatte wurde bald die Tatsache klar, daß der infolge nationalsozialisti- scher Wühlereien erwartete Krach nicht kommen konnte, weil die erdrückende Mehrheit der Der- treter der Mitgliedschaft im DBB. nichts für die nationalsozialistischen„Freunde" der Beamtenschaft übrig hat. Das kam besonders deutlich bei der Dis- kussionsrede des Führers des kaum GM Mitglie- der zählenden Bundes der technischen Zollbeamten Dr. K l ü w e r zum Ausdruck, der den Streich gegen Preußen am 20. Juli zu verteidigen suchte und die Absetzung der Führer des DBB. und damit eine derartige Aenderung des Kurses der Bundesleitung forderte, daß mit der National- sozialistischen Partei wieder besser Fühlung ge- nommen werden könne. Dieser offensichtliche Vertrauensmann des Braunen Hauses wurde mehrmals mit so starken Zwischenrufen über- schüttet, daß er minutenlang nicht zum Reden kam. Ihm zollte nur eine Anzahl sicherlich zum Applaudieren bestellter Tribünenbesucher Beifall. Besonders starke Zustimmung fanden der Vertreter des Verbandes preußischer Polizei- beamten, sowie der Sprecher des Reichsverbandes der Post- und Telegraphenbeamten, die sich mit aller wünschenswerten Deutlichkeit von den natio- nalsozialistischen Bestrebungen innerhalb des DBB. distanzierten und auch den G e s i n- nungswechsel gebührend kennzeichneten, der sich in den letzten zwei Jahren bei einer ganzen Anzahl von Beamten infolge des Kurswechsels in der Reichspolitik bemerkbar gemacht hat. „Krdftdg" Streik beendet Niederlage der RGO. Der wilde Streik der Taxichauffeure bei der „Kraftag" ist vollständig zusammengebrochen. 3n den Depots Gartenstraße und Wrangelstraße wurde gestern die Arbeit restlos wieder aufgenommen, und zwar sowohl von den dort beschäftigten RGO.-Leuten, als auch von den Rationalsozialisten. 3n dem Depot Wrangelstraße, wo von den organisierten Thausfeuren angesichts der Aussichtslosigkeit des Kampfes für gestern vor- mittag die Arbcitsausnahme beschlossen war. fuhren die größten Schreier der RGO. bereits eine Stunde und noch früher aus dem Depot als die organisierten Kraftfahrer. Die Verschärfung des Kampfes bei der„Kraflag". von der die kommunistische Presse berichtet, besteht nur in der Phantasie der Drahtzieher der RGO. Das Depot i» der Sophie-Charlotte- Straße wird von der Direktion der„Kraftag" vorläufig nicht wieder eröffnet, so daß der„Erfolg" der RSO.-Aktion darin besteht, daß mehrere hundert Chauffeure erwerbslos auf der Straße liegen. * Für den Streik, der von der RGO. zusammen mit den Nazis„geführt" wurde, suchte man schon tagelang nach einem Sündenbock für den unoer- meidlichen Zusammenbruch. Den freigewerkschaft- lich organisierten Chauffeuren, die sich zu Anfang an der wilden Streikbewegung nicht beteiligt haben, sondern erst durch Terrormaßnahmen dazu gezwungen wurden, warf man in der kommu- nistischen Presse Streikbruch vor, und dem G e- s a m t v e r b a n d, der sich nicht vor den ver- fahrenen Karren der kommunistisch-nationalsozia- listischen Streikleitung spannen lassen will, Per- rat an den Chauffeuren der„Kraftag". Da die tollsten Dinge über diesen Streik behauptet wur- den, sei hier einmal ausführlich der Konflikt ge- schildert. Die tarifliche Regelung der Lohn- und Arbeits- bedingungen der Chauffeure der„Kraftag" ging am 30. September zu Ende. Die Bemühungen des Gesamtoerbandes zwecks Abschlusses eines neuen Tarifcs schlugen zunächst fehl. Als dem Gesamtverband in einer Betriebsoersammlung am 2. Oktober, die in der Hauptsache von U n- organisierten besucht war, das Mißtrauen ausgesprochen und zur Beendigung der Bewe- gung eine„neutrale" Kampfleitung gewählt wurde, ließ der Gesamtverband diese Kampslei- tung ruhig gewähren. Die„Weiterführung" der ' Bewegung durch die„neutrale", in Wirklichkeit kommunistische Kampfleitung bestand jedoch nur darin, daß sie mehrere Flugblätter mit den üblichen Beschinipfungen der Gewerkschaften her- ausgab. Als den organisierten Chauffeuren dieies Hinholten endlich zu dumm wurde, beauftragten sie ihre Organisation, nochmals mit der Direktion zu verhandeln, um vor allem ein Lohndiktat zu verhindern. Der Gesamtverband brachte dann auch ein Verhandlungsergebnis zustande, das von seinen Mitgliedern am 17. Oktober angenommen wurde, weil es neben der geringfügigen Herab- setzung des Garantielohnes auf 4,25 M. keinerlei materielle Verschlechterungen enthielt. Erst als dieser Abschluß zustande ge- kommen war, wurde die RGO. wieder rührig und kurbelte am 21. Oktober den Streik in dem Depot Sophie-Charloiten-Strahe an, der am 24. Ok- tober auf die übrigen Depots übergriff. Der Ge- samtoerband, der seit der Mitteilung der An- nähme des Verhandlungsergebnisses an die Di- rektion am 18. Oktober wieder Tarifkontrahent ist, konnte diesen Streik nicht sanktionieren. Er hätte aber auch, wenn er nicht tarisgebunde» wäre, mit RGO.-Leuten und Nazis keine gemein- same Kampfleitung gebildet. Wohltätigkeit Zum Schaden der Musiker Die Berliner Funkstunde teilt durch ihren Sonderdienst mit: „In einer heute zwischen der Direktion der Funkstunde Berlin und den Vertretern des Vereins Berliner Hotels, Restaurants und verwandter Verriebe, dem Internationalen Varietedirektorenoerband und dem Reichsverband der Cafehausbesitzer statt- gehabten Besprechung ist es erfreulicherweise ge- lungen, über die Frage der Rundfunkübertragung eine dem Standpunkt beider Parteien rechnung- tragende Lösung zu finden. Die Funkstunde Ber- lin wird die Uebertragung wie bisher honorieren. Die beteiligten Verbände ihrerseits jedoch werden ihren Mitgliedern empfehlen, daß der nicht für Mehrleistung infolge der Rundfunkübertra- gung verbrauchte Betrag— nötigenfalls im Einvernehmen mit den Kapellmeistern— der Wohltätigkeit zugeführt wird." Seit der Freiherrenära sind im Rundfunk die Uebertragungen aus Cafühäusern usw. unablässig angestiegen. Früher wurden die verschieden-" Rotslandsorchester arbeitsloser Musiker etwa ze dreimal im Monat beschäftigt, was für 500 bis 600 arbeitslose Musiker ein Monatseinkommen von durchschnittlich 150 Mark bedeutete: sie fielen infolgedessen nicht der Arbeitslosenunterstützung zur Last. Jetzt werden die Notstandsorchester nur noch etwa einmal im Monat vor das Mi- krophon geholt, wobei das nalionolsozialiftische Deutsche Konzertorchester Professor Hove- manns bevorzugt wird, das überhaupt nicht als Erwerbslosenorchester angesprochen werden kann. Jetzt kosten die neuen Rundfunk- beamten soviel Geld, daß für die Rundfunk- Programme und die ausführenden Künstler nur noch sehr wenig übrig bleibt. Wie will sie verantworten, solche Reklome- sendungen zu übernehmen, wo so viele Musiker mit ihren Familien hungern müssen! Lzeute sieht es jedoch so aus, daß ausgesprochene Cafehausmusik nur darum übernommen wird, weil mit ihrer Hilfe der Tariflohn für Mu- fiker eingespart werden kann. Da die be- treffenden Cafehausmusiker gewöhnlich eine Ent- schädigung überhaupt nicht erhalten, kann in ihrem Fall von Doppelverdienst allerdings selten ge- sprachen werden: den Gewinn haben die K a- p e l l m e i st e r und die Cafehausbesitzer. Dazu ist die Funkstunde dann in der Lage, einen kleinen Teil von der Summe, die sie von hungernden Musikern eingespart hat, der Wohl- t ä t i g k e i t zuzuführen. Beschlüsse des IAA. Madrid. 27. Oktober. Der Verwaltungsrat des Internationalen Ar- beitsamtes hat mehrere die Organisation der am 10. Januar 1933 zusammentretenden vorbereiten- den Konferenz betreffende Fragen geregelt und dann eine Reihe von Punkten erörtert, die auf die Tagesordnung der Internationalen �Arbeitskonfe- renz von 1933 gesetzt werden sollen.'Die Verhand- lungen bezogen sich u. a. aus die Erweiterung der Dersicherungspflicht gegen Berufskrankheiten, auf die Regelung der Verwendung von Frauen in Bergwerksbetrieben, aus Maßnahmen zur Be- Hebung der Folgen, die aus der Arbeitslosigkeit jugendlicher Personen erwachsen, und auf die Frage der Lohnzahlung an beurlaubte Arbeiter. Ferner wurden die vom Internationalen Ar- beitsamt seit Jahren vorbereiteten Berichte über die Arbeitslosenentschädigung sür Seeleute im Falle eines durch Schiffbruch veranlaßten Schiffs- Verlustes und namentlich die Landwirtschaft be- treffende Probleme erörtert. Für die entsprechen- den in Kraft befindlichen Vereinbarungen sind keine Revisionsvorschläge gemacht worden. Die vorgelegten Berichte wurden gebilligt und ihr« Weiterleitung an die Internationale Arbeits- konferenz von 1933 beschlossen. Ansspemmg m Forst Forst, 27. Oktober. In seiner Sitzung am Mittwoch beschloß der Arbeitgeberverband für die Textilindustrie die Kündigung der gesamten Arbeiterschaft des Platzes Forst(Lausitz) zum 5. November. Der Grund zu dieser Aussperrung, die etwa 10 000 Arbeiter betreffen würde, ist ein Streik bei der Firma Hänsel u. Co.. deren Weber sich weigern, nach dem Zweistuhlsystem auf Grund der Löhne für das Einstuhlsystem zu arbeiten. Hierzu 2 Beilagen WERTHEIM Zusendung von 5M cm. Obst, Gemüse u. leicht verderbtiohe Artikel werden nicht zugasudr. Frisches Fleisch Obsi u. Gemüse Ochsensuppenflsisch 0,48 Ochsenschmorfleisch ichfcr»u» der Keule, Pfd. 0.63 Ochsengulasch»uchgem. 0.68 Ochsenroulade..... Pfd. 0 73 Kalbskamm........ Pfd. 0 48 Kalbsbrust......... Pfd. 0.48 Kalbskeule o.Haxt.o.Blg. 0.68 Schweineschinken.Pfd. 0.78 Schweinekamm u. Schuft 0.78 Lammfleisch diel» Rippe 0.68 Lammkeule u. Rücken 0.78 Gehacktes......... Pfd. 0.48 Schweinekopf mit Back« 0.43 Kaßler frisch gerauch., Pfd. 0.68 la Berl. Bratwurst...Pfd. 0.78 Jaden Freitag u. Sonnabend FrisciieBlut. u. Labervfurst mit Suppe, Pfund Pf. Kochbirnen....Pfd. 0.09 0.15 Eß- u. Kochäpfel.. 2 Pfd. 0.25 Tiroler Eßäpfel Pfd. 0.15 0 20 Eßbirnerv......... 2 Pfd. 0.35 Amerik. Aepfel...3 Pfd. 0.78 Bananen........... Pfd. 0.24 Schwarzwurzeln...Pfd. 0.25 Rot- u. Weißkohl 3 Pfd. 0.10 Wirsingkohl, Möhr.3Pfd. 0.10 Bayr. Rettiche...2 Stück 0.15 Märk. Rübchen...4 Pfd. 0.15 Rosenkohl....... 2 Pfd. 0.35 Ananas WM i. Ganz., Pfd. v, an Pf. Preisel- MSD beeren 3Pfd.%idttPf. Fische Osiseedorsch...... Pfd. 0.06 Merlan............. Pfd. 0.16 Rotbars, Seelachs F. 0.18 Kabeljau o. K., gz. F., Pfd. 0.22 Scheltfisch........ Pfd. 0.24 Kabeljaufilet....... Pfd. 0.34 Heringe, Schollen 3 Pfd. 0.38 Leb. Hechte..Pfd. ron»-> 0.62 Leb. Karpfen ron an Pfd. 0.62 Konserven Spinat 0.40 Karotten 0.28 Gemüse-Erbsen....... 0.50 Erbsen..Kaiser 1.2 J mtf. 0.68 Gemischt Gemüse V.. 0 b2 Gem. Gemüse mittdf...0.88 Br.-Spargel mt 1.25 o. K. 0 95 Stg.-Spargei-.«t. 1.60 mt. 1.40 Pflaumen o. St 0.65 m.St. 0.48 Mirabellen............. 0 95 Frischgurken.......... 0.63 Billige Lebensmittel fpwcU Porrah Räucherwaren Fettbücklinge Pfd. ran an 0.22 Makrelen.......... Pfd. 0.26 Seelachs, Rotbars..Pfd. 0.34 Aale..Pfd. an 1.40 Bd. an 0.20 Frische Krabben...Pfd. 0.30 Fischmarinad. V,Lt.-D«.anO 48 Ölsardinen 5 Dosen ▼.»n 0.85 Kolonialwaren Weiße Bohnen Pfd. 0.13 0.20 Viktoria-Erbsen Pfd. 0.16 0.22 Linsen......... Pfd. 0 20 0.26 Bruchreis.. 0.11 Taf. 0.13 0.22 Auszugmoh!...Pfd. 0.24 0.26 MakkaroniBruch, Pfd. 0.35 0.46 Puddingpulver Pfd. 0.38 0.60 Bosnisch. Pflaumen 0.25 0.32 Backobst ecm facht...0 36 0.58 Kalif. Pfirsiche Pfd. 0.48 0,60 Kaffee e-hr.. Pfd. 2.00 2.40 2 80 Wurst Hausmacher-Sülze Pfd. 0.44 Dampf- u. Fleischwurst 0.75 Landleber- u. Jagdwurst 0.84 Mettwurst(Br. Art)..Pfd. 0.95 Feine Leberwurst..0.98 1 08 TeeWUrstfdncu.Srote.Pfd. 1.18 HolstZervelat u. Salami 1.18 Speck fett Pfd. 0.82 ma((Soz.), Hahn (Staatsp.) und Adler(Z.) kandidierten wieder. Bevor es jedoch zu den entscheidenden Abstim- mungen kommen sollte, wurde ein Antrag der kommunistischen Fraktion angenommen, der die Ausschreibung der Wahl verlangte. Für diesen Antrag stimmten neben den Kommunisten auch die Deutschnationalen und die Nazis, die sich dafür revanchieren wollten, daß ihnen ein Naziantrag auf Aussetzung der Wahl bis zur Neuwahl der Versammlung abgelehnt worden war. Für den kommunistischen Antrag stimmten serner noch die Wirtschastsparteiler und die drei Mann des Christ- lichen Volksdienstes. Die praktische Auswirkung der Angelegenheit ist belanglos, die Wahl der Stadträte wird lediglich um einige Wochen ver- zögert. Wer später gewählt wird, ist natürlich eine Frage der Mehrheitsoerhältnisse in der Stadt- oerordnctenoersammlung. Neubauwohnung„geraubt" Verzwickte Rechtslage In Reukölln Ha« sich in der THiemannslraße 19 ein seltsamer Vorfall abgespielt. Erwerbslose haben sich gewaltsam in den Besitz einer leerstehenden 2 �-Zimmer-Wohnung geseht. Es sieht so aus, als ob in diesem Fall die gesetz- lichen Bestimmungen, ähnlich wie es bisher bei der vorübergehenden Entwendung eines Kraft- wagens der Fall war, eine Lücke enthalten. Die Polizei lehnt nämlich nach wie vor jedes Ein- greisen wegen dieses„Raubes" einer Neubau- wohnung ab, weil niemand bedroht sei und keine erkennbare strafbare Handlung vorliege. Auch der Hinweis der Hauseigentümerin, daß die Eindring- linge zum mindesten doch zu der ungerechtfertigten Benutzung der Heizungs- und Warmwaffereinrich- tungen dieser Wohnung gekommen seien, hat bis- her an dieser Stellungnahme der zuständigen Be- Hörden nichts ändern können. Da auch das Wohl- fahrtsamt ein Einschreiten abgelehnt hat, mußte die Hauseigentllmerin den Weg der Z i v i l k l a g e beschreiten. Sie hat beim Amtsgericht Neukölln die Exmissionsklage gegen die Eindringlinge an- gestrengt. Der Gatlenmord in Stendal in der Altmark hat zu einem überraschend schnellen Ergebnis geführt. Der S A.- M a n n E r n st I a l a s hat sich in- zwischen g e st e l l t und den Mord an seiner Ehe- frau gestanden. Körperkultur der Arbeitenden Verbot der �.doIf-Roch-LchuIe unhaltbar! Zu dem verbal der körperkulturschule Adolf Koch sendet uns der Leiter der Schule die folgenden Ausführungen. Körperkulturarbeit an der werktätigen Bevölke- rung muh vom Milieu des Alltags ausgehen, muh von vornherein auf die Lebensnotwendig- leiten einerseits und die Lebensbedingtheiten andererseits eingestellt sein. Die primitivste Forderung für jede Lebens- Möglichkeit ist die H y g i e n e. Das Wichtigste der Hygiene ist Sauberkeit des Körpers. 92 Proz. der Mitglieder der Schule haben kßine eigene Bade- oder Warmwasserbrausen in ihrer Wohnung, 46 Proz. aller Mitglieder haben infolge des Wirtfchaftselends nicht mehr die verfügbaren Mittel, um sich täglich warm waschen oder warm abreiben zu können. Das Geld zur Benutzung öffentlicher Badeanstalten ist nicht mehr vox- handen. Der primitive Drang nach Reinlichkeit aber lebt in dem Menschen. Und so war es eine Selbstverständlichkeit, eine hygienische Pflicht, gerade diesen Werktätigen zu erst einmal warmes Wasser, Brause- und Schwimmbäder zu geben. Diese Leistung wird nicht bezahlt. Nach Auffassung der staatlichen Schulaufsichtsbehörde gehört diese Betreuung nicht zum Aufgabenbereich einer sozialpädagogischen Körperkulturschulel Es heißt in der Verbotsverfügung wörtlich, daß die Brausebäder stark in den Vordergrund ge- treten sind. Es ist bedauerlich, daß Behörden, die die Pflicht haben, Volkshygiene zu treiben, die einfache Pflege körperlicher Sauberkeit mit Strafen belegen. Neben planmäßiger Körperhygiene gehört zu jeder körperseelischen Erziehungsarbeit ärztliche Beratung, ärztliche Ueberwachung. Ohne Wissen um den tatsächlichen Körperbefund, ohne Wissen etwa vorhandener Krankheitsanlagen, ohne Wissen vorhandener innerer oder äußerer Körper- schäden ist eine planvolle gymnastische Körper- ausbauarbeit nicht zu leisten. Auch diese als V o r- aussetzung anzusehend« Arbeit ist nach Auf- sassung der Schulaufsichtebehörde zu stark in den Vordergrund getreten. Man sollte meinen, daß in einer Zeit, wo die öffentlichen Wohlsahrts- und Krankenkassenmittel bis aufs äußerste angespannt sind, der Staat von sich aus diese Arbeit an- erkennen mühte, weil er ja selbst den größten Vorteil davon hat, weil die öffentlichen Mittel entlastet werden. Das ist jedoch nicht der Fall. Nur weil zu Zeiten des Königs Friedrich Wil- Helm III. der Unterricht auf biologische Belange noch keine Rücksicht nahm, muß diese Arbeit in einer sozialpädagogischen Körperkulturschule ver- boten werden. Der dritte Vorwurf, der zum Verbot der Schule geführt hat, ist das starke Jn-den-Vordergrund- Treten der sozialen Arbeit. Welcher Greis in welcher Behörde hat hier den traurigen Mut besessen, Menschen, die sich selbstlos in den Dienst der Gemeinschaft stellen, auf Grund einer Motten- kistenoerfügung zu bestrasen. Körperkulturerziehung ohne stärkste Berück- sichtigung der gesundheitlichen und sozialen Ge- sichtspunkte sind nur bei einer Auffassung mög- lich, welche die Lage der werktätigen Arbeiter- bevölkerung verkennt. Man muß annehmen, daß der Dezernent, der die juristische Begründung zum Verbot der Körperkulturschule Adolf Koch gegeben hat, niemals mit der Masse der Unterdrückten ge- fühlt hat, niemals leidende Kinderkörper von Ar- beitslosen gesehen hat, niemals erlebt hat, was es heißt, sauber und froh in Wasser, Sonne und Licht sein zu können. Es ist bezeichnend, daß gerade die Körper- kulturerziehung getroffen werden soll, welche die sozialistischen Schichten der Arbeiterbevölke- rung betrifft. Andere Institutionen hat man un- behelligt gelassen! Den Aermsten der Armen das Wenige nehmen, was sie sich aus eigenen Mitteln erkämpften, ist ein Verbrechen am Volk. In wenig Worten Vor dem Amtsgericht Brem erHafen fand die Verhandlung gegen den Berliner Schauspieler Kurt Gerron wegen Tabakschmuggels statt. Gerron war persönlich erschienen und gab zu, hintenherum einige Zigaretten und Zigarren ge- kauft zu haben. Es war die Gegenüberstellung mit einem gewissen Schneider aus Berlin not- wendig, der nach der Schweiz geflüchtet ist. Die Verhandlung wurde deshalb vertagt; gegen Schneider wurde Haftbefehl erlassen. Der Polizeioberleutnant B., der gestern aus der Toilette eines Weinlokals im Berliner Westen in angetrunkenem Zustand geschossen hat, ist von der Ausübung seiner Dtenstgeschäste vorläufig ent- bunden worden. Der Polizeipräsident hat eine Untersuchung angeordnet. ★ Auf die Postagentur Werkstein bei Aachen wurde von zwei unbekannten Burschen ein dreister Raubllberfall ausgeführt, der den Tätern 2399 Mark«inbrachte. Die Räuber bedrohten den Post- agenten und einen Hilfsarbeiter mit Pistolen. Dann warfen sie dem Postagenten Pfeffer ins Gesicht und stahlen die Holzkassette mit dem Geld. Die Verbrecher sind auf Fahrrädern entkommen. * Ein schwerer Unfall, der«inen Toten und drei Verletzt« forderte, ereignete sich in Wintere- dorf bei Altenburg, als der Maurermeister Franz Bernstein aus Zechau In einem Wasserloch der alten Tongrube Fische sangen wollte. Als Bernstein einen mit einer Zündschnur versehenen Sprengkörper ins Wassel werfen wollte, um die Fische zu betäuben, explodierte der Sprengkörper vorzeitig. Bernstein wurde aus der Stelle ge- tötet, drei seiner Freunde, die dabeistanden, wur- den teils schwer, teils leicht verletzt. Auf etwa 120 000 Siedlerstellen können nahezu 450 000 Arbeitskräfte untergebracht werden hat Staatssekretär Ha n s K rüge r, einer der ersten Siedlungsfachmänner Preußens, in einem ein- gehenden Bortrag auf dem am 24. September 1932 stattgehabten Ostdeutschen Bauhllttentag nachgewiesen. Für den Bau dieser Siedlungen könnten jährlich rund 30 000 Bauarbeiter be- schäftigt werden Dazu kommt noch der Einfluß der Siedlung auf die Belebung des örtlichen Handwerks, Handels und Verkehrs. Einen aus- fllhrlichen Bericht über diesen bedeutsamen Vor- trag finden wir in der neuesten Nummer der Zeit- schrift für Soziale Bau- und Wohnungswirtschaft: Bauen, Siedeln, Wohnen. Wie wird das Wetter? 3n Berlin: Vorwiegend bedeckt und stürmisch, Regenfälle, noch ziemlich mild, später Abkühlung und leicht aufheiternd.— In Deutschland: Im Nordweste» veränderlich mit sinkenden Tempe- raturen, Regenschauer. In West-, Mittel- und Ostdeutschland meist trübe und regnerisch. Tempe- raturen zunächst wenig verändert, überall im Reiche stark windig. HOCHWERTIGE VERBANDSTOFFE sind für die Heilung nicht minder wichtig wie gute Arznei. Kauft Heilmittel nur in der Apotheke—• Ihr seid es Eurer Gesundheit schuldig I Stillvergnügter Genießer ,,Das muß doch auch noch sein" Wir saßen, nach einem Abendspaziergang, in einem kleinen bescheidenen Cafe im Berliner Westen und waren mit unseren Journale» be- schästigt, als ein junger Mann den Raum betrat, Er stellte ein Pappschälchen mit Schlagsahne, das er sich unter Umgehung der Bedienung gleich selbst vom Berkaufsraum mit herein gebracht hatte, mit einen der Tische, Daraus postierte er sich vor dem großen Wandspiegel, Mit tänzerischer Pose nestelte er kokett am untersten Knopf seines Jacketts, wobei er seinem Spiegelbild verliebt zu- lächelte. Dann setzte er sich und begann zu essen Aber das war kein gewöhnliches Essen! Er stürzte sich nicht wie ein Kavolleriegeneral sofort aus das Gros des Feindes, nein— er begann mit Borpostengefechten: er schlich sich listig an den Gegner heran und griff ihn von der Seite an, Dann ober, nachdem er ihn völlig umzingelt hatte, erledigte er schnell das Ganze. Während er aß, war der ganze Körper in rhythmischer Bewegung, Der Schluß glich dem An- fang, indem er sich auf den Rand des Schälchens zurückzog, dabei das Schlachtfeld gründlich aus. räumend. Nachdem er sich nach sorgfältigster Untersuchung endlich davon überzeugt hatte, daß auch an der Außenseite des Schälchens nicht etwa noch vergessene Sahnenteilchen übersehen waren, legte er den Lössel.zeremoniell nieder. Es folgte eine merkwürdig« abschließende Bewegung beider Hände, die er wie segnend über den Tisch kreuzte. Melcher erteilt Lehren �her Neues weiß er nicht In der mit den Fahnen des Reiches und Preußens geschmückten Turnhalle der Polizei- Unterkunft Karlstraßc begrüßte gestern vormittag Polizeipräsident Dr. Melcher 40 nach Berlin ver- setzte Polizeiofsiziere und 254 aus den Polizei- schulen zur Polizeiverwaltung Berlin versetzte Wachtmeister. Die Polizei, so sagte der Präsi- dent, diene keiner Partei, keinem Stande und keiner Beoölkerungsschicht, sie diene lediglich der Allgemeinheit und damit dem gesamten deutschen Volk. Durch diese Ausgabe nehme sie im Staate eine bevorzugte Stelle ein, die aber gleichzeitig besondere Pflichten in sich schließe. Die Ueber- Parteilichkeit müsse stets das Ziel des Handelns eines jeden Polizeibeamten fein. In dem Wort des Reichspräsidenten von Hindenburg„Pflicht geht vor Recht" sei den Beamten selbst ein leuchtendes Beispiel der Pflichterfüllung gegeben. Al« ein Glied der Allgemeinheit aber habe sich der Polizeibeamte auch dann einzufügen, wenn der einzelne einmal eine Anordnung nicht in ihrer ganzen Tragweite erfasse. Besonders scharf wandte sich der Polizeipräsident gegen die angeb- lichc Behauptung von dem militärischen Charakter der Schutzpolizei Daß sie bei größeren Unruhen auch Methoden anwenden müsse, die das Beruss- Heer in seinem Pflichtkampf nach außen hin aus- übe. sei ein zwangsläufige Folge dieser rein poli- zeilichcn Aufgabe. Lügen nach System Nari-Kowd�s in der Naunynstraße Bor einigen Tagen wurden die sozialdemokra- tischen Teilnehmer einer Geburtstagsfeier in der Naunynstraße von einer große Horde SA.- Leuten übersallen und zusammengeschlagen. Die Uebersallcnen slüchielen in ein Wohnhau«, wohin ihnen die braunen Banditen folgten. Ein Parte!- genösse wurde im Seitenflügel des Hauses nieder- gestochen. Bon den Hakenkreuzlern wurde noch eine Fensterscheibe eingeschlagen Als die Polizei erschien, erfolgten mehrere Festnahmen. Was macht das nationalsozialistische Berliner Sudel- blatt aber daraus?„Planmäßiger marxistischer Uebersall aus Nationalsozialisten— Reichsbannerstrolche über harmlose Nationalsozialisten herge- fallen!' In diesen Verdrehungen und Fälschungen zeigt sich das System der Lüge. Diese neueste nationalsozialistische Sudelei paßt durchaus in den Rahmen der üblichen erstunkenen und erlogenen „Nazikriegsberichtc"._ Gegen Hochschulreaktion Aktion der Sozialistischen Studenten Am 1. November beginnt in Berlin das Wintersemester. Bei den im Sommer in ollen Teilen de« Reiches stattfindenden Studenten- wählen hat sich gezeigt, daß gerade auf den Hoch- schulen, die lange ein Hort des deutsche» Faschis- mus waren, diese Bewegung des Ungeistes zuerst den Rücktritt antreten mußte. In Berti n hatte die unermüdlich« Werbe- und Aufklärungsarbeit der freiheitlichen insbesondere der sozialistischen Studenten den Erfolg, daß sich bei den von der Deutschen Studentenschaft, der Spitzenorganisation oller Rechtsverbände, In diesem Jahre veran- stalteten Wahlen für ihre amtlich überhaupt nicht anerkannte Siudentenkammer nur? 5 P r o z, oller Studenten beteiligte gegen- über 70 Pro,,, bei der legten Wahl. Dt- große Masse der an der Universität Studierenden war also der Parole der freiheitlichen Studentcnver- Darauf sprang er auf, um nochmals— wie zum Abschied— seinem Spiegelbild zuzulächeln, sich vergnügt 0>e Hände reibend. Es war ein netter Junge mit einem ausgesprochenen Mädchengesicht. Ebenso schnell wie er gekommen, verließ er das Eafc. Wir.zahlten und versuchten, ihn aus der Straße einzuholen, Bald fanden wir ihn, wie er. die Hände aus dem Rücken, die Straße herauf- tänzelte. An einer Querstraße, die er überschreiten wollte, machte er an der Bordschwelle zunächst einen tänzerischen Pas. Dasselbe wiederholte sich am gegenüberliegenden Straßenrand. Kurz hinter- her sprach er zwei Damen an: eine von ihnen gab ihm ein Geldstück. Wir hatten ihn indessen überholt und sahen noch, wie er einen Herrn an- bettelte, der sich aber kurzerhand abwandte. Jetzt steuerte er auf uns zu:„Berzeihen Sie, meine Herrschaften, geben Sie einem armen durchreisen- den Musiker eine kleine Gabe... lassen Sie Ihr gutes Herz sprechen... Sehen Sie, wenn Sie mir nichts geben, kann ich aus der Stelle tot um- fallen...; ich habe seit heute morgen nichts ge- gessen!"— Wir wollten uns nicht als strenge Richter ausspielen und gaben ihm etwas, konnten es uns aber nicht verkneifen, ihn leise an Schlag» sahne zu«rinnern, „Ja, sehen Sie", erwiderte er unter vergnügtem Händereiben,„das muß doch auch mal sein, sonst sieht dos Leben gar zu kahlfetzig aus!" und fort war er.— Hat er nicht recht? bände auf Fernbleiben von der Wahl gefolgt. Auch die Wahlen zu der einzigen amtlich aner- kannten Berliner Studentenvertretung, der auf der Hochschule für Politik, endeten mit einem Sieg der sozialistischen Studentenschaft, die 2 von insgesamt 5 Sitzen erhielt, während die vereinigte Rechte nur einen erringen konnte. Für das kommende Semester hat die sozio- ltstische Studentenschast neben der Unterstützungsarbeit für ihre vielen mittellosen Mitglieder eine große Werbeaktion auf allen Berliner Hochschulen vorbereitet. Alle freiheitlichen Studenten müssen in dieser Zeit mitkämpfen, die Fahne des Sozialismus in die Hochburgen der Reaktion zu tragen. Beitrittserklärungen sind an die Ortsgruppe Berlin NW. b, Albrechtstr. ll, Gartenhaus 2 Treppen, zu richten, wo auch täglich Beratung in allen Studienfragen stattfindet. Berliner Olympiakommiffar Oberbürgermeister Dr. Sahm hat für die Bear- beitung der mtt den Olympiawettkämpfen Berlin 1030 zusammenhängenden Fragen Obermagistrats- rat Dr. L i e b r e ch t als städttschen Sonder- kommtssar bestellt. Für etwa 18 000 ZN. Zutterstosse, Seide und andere Textilien erbeuteten Einbrecher in einem Konfektionsgeschäft in der Leipziger Straße 53. Die Teilnehmer der neuen Sprachkurse der „Fredita"(Freunde der internationalen Klein» arbeit) kommen am Freitag, 2 8. Oktober, 20 Uhr, im Gesangssaal de» Köllnischen Gym» nasiums, Insel- Ecke Wallstraße, zu einer B e- s p r e ch u n g zusammen. Dort können auch noch Anmeldungen zu den neuen Sprachkursen vollzogen werden. Auskunst erteilt bereitwilligst die Geschäftsstelle der„Fredika"(Genosse Willi Floerke), Berlin SW. 10, Kurstr. 32(Tel. Merkur 210«). Professor Heller In der Hochschule für Politik. Am Freitag, 28. Oktober, 20 Uhr, spricht im Schinkelsaal der Hochschule sllr Politik, Schinkel- platz, der sozialdemokratische Vertreter vor dem Staatsgerichtshof in Leipzig, Professor Dr. Her- mann Heller, Frankfurt,' über„Der Preußen- kämpf vor dem Leipziger Staatsgerichtshof". Eintritt 60 Pf,. Erwerbslose und Studenten gegen Ausweis 26 Pf. SPORT Rennen zu Strausberg. H.-v.-Treskow-Jagdrenncn: I, Meermädchcn lWolssy 2. Lillput: 3. Markols. Toto: 23:10. Plo?: 16, 13:10. Ferner lies: Sternkunde. Eapt.-Joe-Flachrennen: I. Gala>F. Stetnh 2. Ahapsodie: 3. Ricklfest. Toto: 76:10, Pia«: 10, 18. 13:10, lZerner liefen: Eldo», Pistole, A, D. R„ Fibelia, Zlalliebting, Lysandcr, Flappcr, Palaslwachc, F.-v.-Tchmidt-Pauli-Jaadrennen: l. St. Georg >Bel.)! 2 Heinsried: 2 Tramonto: 4. Elvira. Toto: 34:10. Platz: 17, 24, 20. 64:10. Ferner liefen: Eisainc, Kili, Comiesle Jsola, Tiedrich, Tie Teutschc, Matador, Baron Peres, Blauer Bogel, Flavia, Tcrna. O.-O«hlschläger-FIachrcnnen: 1. Garde«F. Hentscheln 2. Melodei: 3. Achmed: 4. Rhodesia. Toto: 257:10. Platz: 32, 12, 14, 17:10 Ferner liefen: Onkel Karl, Rnslico, Consta»»», Hanstein. Go adead, Moira, Rose os Jericho, Piano, Beta. Spiekermann-Fagdrcnnen: 1, JimplarS«WslssO, 2. Atondau: 3. Grimoucho». Toto: 22:10. Platz: 14, 14:10, Ferner liefen: Tolvdln, Rote Nelke. S..«lsr..v.-Lppenheim-Flachrennen: 1. Goldraute lVinzcn,!: 2. Freiin: 3, Carito, Toto: 44:10. Platz: >8, 35, 46:10. Ferner liefen: Joujou, Demut, Itbaka, Hagebutte, Gras-E.-Henckel-Fagdrennen: 1, Collie lFlorianl: 2. Prunella: 3, Frag Papa, Toto: 112:10, Platz: 40, 65:10 Ferner liefen Lillith, Faun»», Feine G.-V.-Bleichriider-Flachrennen: 1, Steinseld lLud- wig>: 2. Golo: 3. Huri, Toto: 66:10, Platz: 25. 16, 21:10, Ferner liefen: Chinasener, Donatello, Henvill, Porrius, Jbering. Toppclwette: St. Georg— Goldraute 514:10. Das obige Angebot steht Ihnen ab Freitag zur Ve#f9gvs� Märkische Kraftpvsten Das kürzlich erschienene Winterfahrplan- Heft der Oberpostdirektion Potsdam, das die Fahrpläne der märkischen Kraftpostcn ab 2. Oktober enthält, verzeichnet insgesamt kW Linien, In der Gegend um Potsdam ist das Liniennetz am dichtesten. Die längsten märkischen Kraftpost- linien sind mit 44 Kilometer Länge die Strecken Rathenow— Schollene— Havelberg, Jüterbog— Baruth und Gllstebiese— Bärwalde— Warnitz— Neudamm(Neumark). Es folgt dann die 40 Kilometer lange Strecke Angermünde— Greiffen- berg— Gramzow— Prenzlau. EfwerbswsenMfeLmöenhof In vorbildlicher Solidarität haben sich in der Schöneberger Siedlung Lindenhof Verwaltung und Mieterschaft zusammengefunden. um ihren erwerbslosen Anwohnern ein preis- wertes und gutes Mittagessen zu verschaffen. Die „SieMungsgesellschaft Lindenhof" stellte zwei zu ebener Erde gelegene Wohnungen zur Verfügung und ermöglichte auch die Anschaffung des not- wendigen Inventars, wie Glyzerinkochkessel und Geschirr. Die Siedlung umfaßt rund 1000 Haus- Haltungen, von denen annähernd gut ein Fünftel zur Arbeitslosigkeit verdammt ist. Diesen Unglück- lichen Genossenschaftlern wollen nun diejenigen der Mieter, die noch in Verdienst und Arbeit stehen, in selbstverständlicher Kameradschaft zu einem Mittagstisch in nächster Nähe verhelfen. Bei der Ausgestaltung der Räume— es ist auch ein Aufenthaltsraum mit Lautsprecheranlage und Vi- bliothek vorgesehen— hat man keineswegs aus den äußeren Schmuck verzichtet. Man rechnet damit, daß werktäglich 300 bis 400 Portionen zum Preis von 10 Pf. ausgegeben werde». Die gesamte Arbeit wird von ehrenamtlich tätigen Anwohnern geleistet werden. Damit die groß- zügige Hilfsaktion von Bestand sein kann, haben sich alle Mieter, die teilweise auch stark in ihrem Verdienst gekürzt sind, bereit erklärt, ihr Scherflein beizutragen. Die Siedlungsküche wird am 1. No- vernber eröffnet. Es ist zu hoffen, daß sich auch andere Berliner Siedlungen zu ähnlicher Hilfe- leistung, wie es z. B. auch das Britzer Vorbild zeigt, bereit finden werden. Lwtonietonzcrt des vollsbildungsamtes Pankow. Am Freitag, dem 4. November, 20 Uhr, eröffnet das Notstands» orchestcr Berlin-Mitte unter Leitung feines Dirigenten Eugen Sonntag in der Aula des Lrizeums Pankow, Görfchstr. 4Z, die Reihe der Winterveranstaltungen des Volksbildungsamtes Pankow- mit einem Sinfonickonzert. Briefkasten Genosse Z. 3. Neukölln fragt uns bezüglich der von den deutschen und den französischen Kommu- nisten eingebrachten gleichlautenden Gesetzentwürfe, wonach der Versailler Vertrag abge- schafft, die sämtlichen Ausgaben für Militär und Polizei gestrichen werden usw., wie stark denn die Kommunistische Partei in Frankreich ist. A n t- wort: die kommunistische Fraktion verfügt über 12 von insgesamt 012 Abgeordneten- Mandaten. Es lohnt sich, einen Blick in die Schaufenster von Kaiser'? Kaffeegeschäft zu werfen! In diesen Fenstern stehen jetzt wertvolle Por- zellan-Bonbonnieren, gefüllt mit Pralinen und feinem Gebäck. Man kann sie so leicht durch Kaiser'? Weihnachts-Sparbuch erwerben, denn auf all die bekannten Kaiser'? Erzeugnisse gibt es trotz ihrer hohen Qualität und niedrigster Preise ständig 5 Proz. Rabatt in Marken! Was wunder, daß keine kluge Hausfrau vor den Schaufenstern stehen bleibt, sondern eintritt und die Vorteile wahr- nimmt, die sich ihr bieten! L. B. B., d. h. Bendows Bunle Bühne, kott- busser Straße 0, bringt ab 1. November cr. eine Berliner Revue nach Skizzen aus dem Nachlaß von Marc. Schiffer unter dem Titel„Hier können Familien Kaffee kochen" mit Wilhelm Bendow. Max Ehrlich, Baby Gray, dem berühmten Musikalclown Düker, den 4 Eastons u. a. m. cindenrestauront, diese altbekannte Berliner Gaststätte, wird am Freitag wieder eröffnet. Damit entsteht im Brennpunkte der City, nämlich an der Friedrichstraße Ecke Unter den Linden, ein Bier-Restaurant mit Schwemme, wie es von allen Berlinern und Fremden an dieser Ecke bisher vergeblich gesucht wurde. Für Qualität, Essen und Trinken und Bedienung bürgt der Name des bekannten Berliner Gastronomen Willy Seidlitz von der Zoo-Quelle. Bokal-Sängerinnen im„Taxi".„Taxi", das Warenhaus des Vergnügens, Neue Königstr.01— 64, das heute, Donnerstag, 27. Oktober, eröffnet wird, hat in seinen Betrieb 8 Vokal-Sängerinnen ein- gestellt, die zum erstenmal den Vokal-Gesang nicht bühnenmäßig, sondern zur Stimmung aus dem Tanzparkett bringen. parteinachrichten�Mfür Groß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik sind Iß, M stets au das Bezirkssekretaria. Berliu SW 68, Liadeustrahe 3, 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten Unsere Nächstenpartei- und ÄetriebSveranstaltungen „Tie Sozialdemokratie im Kampf gegen kapitalistische Verelendung, für sozialistischen Aufbau." 3. Kreis Wedding. Freitag, 28. Oktober, 1914 Uhr, im Swinemünder Gesellschafts- haus, Swinemünder Str. 42. Referent Dr. Otto Friedländer. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Freitag, 28. Oktober, 1914 Uhr, Kundgebung in der Schulaula Gleimstraße 40. Referent Bürgermeister Paul Mielitz. 15. Kreis Treptow(Frauen). Freitag, 28. Oktober 1914 Uhr, Werbeveranstaltung in der Aula der Volksschule Niederschöneweide, Hasselwerder Eck« Berliner Straße. Politisches Kabarett„Rote Rotte". An- spräche Klara Bohm-Schuch, M. d. R. Lst. Abteilung. Freitag, 28. Oktober, 191- Uhr, öffentliche Versammlung bei Wende, Koloniestr. 147. Referent Genosse Petzold. 8!). Abt. Lichterfelde. Freitag, 28. Oktober, 20 Uhr, öffentliche Versammlung in den Lichtecfelder Festsälen, Lichterfelde, Zehlendorfer Straße 5/0. Referent Robert Breuer. Mitwirkung des Reichsbanner- Tambourkorps Mitte. Eintritt 20 Pf., Erwerbslose frei. 88. Abt. Lichtenrade. Freitag, 28. Oktober, 1914 Uhr, Kundgebung bei Dreißig, Lichtenrade, Ost-Kelonie, Buckower Weg 01. Referent Otto Meier, M. d. L. 9Ä. und 95. Abt. Neukölln. Freitag, 28. Oktober, 191- Uhr, Kundgebung in den Passage- Sälen, Neukölln, Bergstraße 150. Referent Georg Mader- holz, M. d. L. 9«., 97.. 98. Abt. Neukölln. Freitag, 28. Oktober, 19 Uhr, Kundgebung in der Albrecht- Dürer-Oberrealschule, Neukölln, Emser Straße 134. Referent Arthur Crispien, M. d. R. lv-l. Abt. Niederschöneweide. Freitag, 28. Oktober, 1914 Uhr, Beteiligung am„Politischen Kabarett" der„Roten Rotte", in der Aula der Volksschule Nicderschöneweide, Hasselwerder Ecke Berliner Straße. An- spräche Klara Bohm-Schuch, M. d. R. 112. Abteilung. Freitag, 28. Oktober, 20 Uhr, Wahlkundgebung im Lokal Sturm, Wilhelmshagen, Wichelmstr. 10. Referent Max Urich. III. Abt. Lichtenberg. Freitag, 28. Oktober, 191- Uhr, Kundgebung im Logenkasino, Lichtenberg, Knorrpromenade 2. Reserent Stadtrat Wilhelm Reimann. 119s Abt. Wittenau. Freitag, 28. Oktober, 1914 Uhr, öffentliche Bersammlung bei Eberhard, Wittenau, Lübarser Straße. Referenten Franz Künstler, M. d. R., und Fritz Erler, SAJ. Spieltruppe„Wir vom Wedding". «PT.-Fraktion Bezirksamt Pankow. Freitag, 28. Oktober, 20 Uhr, Wahloersammlung im Türkischen Zelt, Pankow, Breitestraße 14.„Der Kampf um die Lebens- rechte der Arbeiterschaft." Referent Dr. Julius Moses. (?lsner A.-G., Gehring u. Reimers G. m. b. H„ Wilhelm Greve A.-G. Freitag, 28. Oktober, 17 Uhr, öffentliche Belegschastsoersamm- lung, im Dresdener Garten, Dresdener Straße 45.„Die ArbeitetElasse im Kampf um ihre Lebensrecht«." Referent Karl Litte, M. d. R. BVG. Bahnhof 17, Britz. Freitag, 28. Oktober, 1814 Uhr, bei Schrammer, Britz, Ehausseestraße 123. Versammlung.„Lohn und Arbeit im Lichte der neuen Staatsführung." Referent Karl Hetzschold. Arbeitsamt Nord. Freitag, 28. Oktober, 1014 Uhr, Eiserne-Front-Versammlung in der Hochschulbrauerei, Seestr. 15. Reserent Fritz Schröder. Eiserne Front des Nordens. treitag, 28. Oktober, 1911 Uhr, Kundgebung in den Germania- älen, Chausseestr. 110. Referent Dr. Richard Mischler. Siemens& Planta. Freitag, 28. Oktober, 1614 Uhr, Betriebskundgebung der Eisernen Front bei Schünemann, Lichtenberg, Möllendorfs- straße 54/55.„Die Notverordnungen vom 4. und 5. Sep- tember und ihre Auswirkungen auf die Arbeiterschaft." Re- serent Max Gillmeister. Akkumulatorenwerke Oberschöneweide. Freitag, 28. Oktober, 1011 Uhr, Betriebsversammlung in der Sportklause, Oberschöneweide, Wilhelminenhof- Ecke Rathenau- straße. 8. Kreis Spandau. Sonnabend, 29. Oktober, 1914 Uhr, politisch-satirischer Abend in Kochs Festsälen, Spandau, Feldstr. 52. Referent Otto Bach. 52. und 92. Abt. Siemensstadt. «onnabend, 29. Oktober. 23 Uhr, Nachtvorstellung im Kino «ieinensstadt, Nonncndammallee. Film:„Kameradschaft". Reserent Dr. Theodor Haubach. 9.?. Abt. Staaken. Sonnabend, 29. Oktober, 20 Uhr, Wählerversammlung bei Richter, Staaken, Spandauer Str. 112. Referent Gerhard Breitscheid. 91. Abt. Eladow. Sonnabend, 29. Oktober, 20 Uhr, Wählerversommlung im Cladowcr Hof, Eladow. Referent Gottlieb Reese. 198s Abt. Köpenick. Sonnabend, 29. Oktober, 1914 Uhr, Kundgebung bei Pirschet, Köpenick-Nord, Hoppendorfer Straße. Referent Archur Richter. 113. Abt. Schmöckwitz. Sonnabend, 29. Oktober, 1914 Uhr, Kundgebung im Cafe Landhaus, Schmöckwitz, Hinter der Brücke. Referent Erich Raddatz. 132. Abt. Blankenburg. Sonnabend, 29. Oktober. 1914 Uhr, Kundgebung bei Klug, Blankenburg, Dorfstr. 2. Reserent Karl Hetzschold. 17. Kreis Lichtenberg. Sonntag, 30. Oktober, vormittags ll'A Uhr, in den Kosmos- Lichtspielen, Lichtenberg, Lückstr. 70. Vorführung des Films „Niemandsland". Referentin Käthe Kern. Die für den 23. Oktober gelösten Eintrittskarten haben ihre Gültigkeit. 29. Kreis Reinickendorf. Sonntag, 30. Oktober, vormittags 1114 Uhr, Wahlkundgebung der Frauen im Residenz-Kasino, Reinickendorf-Ost, Residenz- straße 142. Vorführung des Films„Kameradschaft". An- spräche Maria Krische. Eintritt 30 Pf. Blankenfelde. Sonnlag, 30. Oktober, 10 Uhr, Kundgebung bei Tinius. Re- ferent Franz Böhme. Bassain-Reis.......... Pfd. 0.15 Haterflocken.......... Pfd. 0.20 Erbsen..... Pfd. 0.26, 0.22. 0.18 Eier-Schnittnudeln...Pfd. 0.36 Pflaumen getr....... an Pfd. 0.25 Sultaninen......... an Pfd. 0.32 Mandeln süß u. bitter... Pfd. 1.35 Malzkaffee............ Pfd. 0.28 BUTTER, FETTE, EIER Koch- u. Backbutter..Pfd. 1.04 Molkereibutter....... Pfd. 1.12 Tafelbutter II.......... Pfd. 1.34 Markenbutter......... Pfd. 1.40 Bratenschmalz........ Pfd. 0.48 Rohschmalz........... Pfd. 0.46 Kokosfett............ 3 Pfd. 0.88 Eier............... an 10 Stck. 0.78 OBST UND GEMUSE KONSERV. MARMEL. Brechspargel..dünn>/, Ds. 0.30 Stangenspargel erDs. 1 25 Jg. Erbsen m.Kar.-/.Ys. 0,88,0.71, 0.58 Jg. Wachsbohnen I•/, Ds. 0.62 Birnen weiß»/, Frudif- l Ds. 0.30 Sauerkirschen o. St. Vi Ds. 0.38 Pflaumonmus.Thuringia' Topf 1.00 Rübensaft noturr. 2 Pfd. Ds. 0.58 DIVERSE KÄSE Feiner Harzer..ca. 1 Pfd. 0.28 Camembert»ollf. 2 Sdidi. 0.35 Weißkäse frisch........ Pfd. 0.34 Allg. Stangenkäse 20%oid. 0.42 Camembert vollf.% Sehest. 0.58 Steinbuschero. Edamer Pfd. 0.63 Holländer o. Tisiter...pfd, 0.68 Bayr. Schweizer vollf.an Pfd. 0.82 GEFLÜGEL UND WILD DELIKATESSEN Lübben. Diltgurken 0.09, 0.07, 0.05 Feine Gewürzgurken viPfd. 0.10 Anchovis............ im Pfd. 0.35 Ital. u. Heringssalat Pfd. 0.53 Mayonnaise u. Remoul.'Ja Pfd. 0.23 Ostseelachs........>/, Pfd. 0.43 Fettbücklinge.......... Pfd. 0.22 Stückenflundern... v, Pfd. 0.23 WURSTWAREN landleber- o. Jagdwurst..Pfd. 0,88 Streichmettwurst...... Pfd. 0.32 Grobe Mettwurst....Pfd. 0.88 Speck fettPfd.0.86, mag. Pfd. 0.38 Plockwurst............. Pfd. 1.08 Thür. Knackwurst..... Pfd. 1.28 Schinkenspeck........ Pfd. 1.16 Nußschinken.......... Pfd. 1.30 FRISCHE FISCHE WEINE VOM FASS Edenkobener io L. s.so, l L. 0.60 Nierst. Domtal 10 L. 8.00, 1 L. 0.85 Zeller schw. Katz 10 L 8.50, 1 L. 0.30 Sdiloß Bockel h. 10 L.12.00. 1 l. 1.25 Wermut, Tarrag. 10 L. 9.00, l L 0.35 Malaga, Bornas, 10 L. 10.50, IL 1.10 Portwein..... io LI 7. 10, 1 L 1.75 Dürkheimer., io L 7.50, 1 1. 0.80 KONFIT., GEBÄCK Malzbonbon.......... Pfd. 0.60 Vollmilch-Sehokol. 3 TB. 300 g 0.50 Aachener-KräuterPrinfen Pfd. 0.65 Keks-Sondermischung...Pfd. 0.80 Bienenstich, Streußelkuch. Strf. 0.48 Schloßkuchen........ Stüde 0.75 Ananaskuchen....... stück 0.70 Dessertstücke...stück o.is, 0.10 FRISCHFLEISCH Ochs.-Suppenfl____ an Pfd. 0.40 Rouladen.............. Pfd. 0.84 Rinder-Goulasch..... pid. 0.68 Schweine-Kotelett an Pfd. 0.82 Schw.-Schinken.m. B. Pfd. 0.78 Kalbskotelett.......... Pfd. 1.08 Hammelragout........ Pfd. 0.54 prompt erledigt Gerhard Hoffmann Kochbirnen, große 3 Pfd. 0.42 Tafeläpfel, Edelsarten Pfd. 0.20, 0.15 Bananen............... Pfd. 0.24 Rot-, Weiß-, Wirsingkohl 3 Pfd. 0.10 Möhren, Kohlrüben..... 3 Pfd. 0.10 Sellerie, Spinat..... 3 Pfd. 0.20 Grünlinge.............. Pfd. 0.06 Bestellungen über In den Dachhallen Wolga-Hühner....an Pfd. 0.68 Suppenhühner....an Pfd. 0.62 Frische Gänse..... an Pfd. 0.75 Fasanen............ an Stck. 2.15 Hirschrücken....... an Pfd. 0.75 Hirschkeule........ an rfd. 0.88 Wildschweinblatt.. an Pfd. 0.80 SMark unter F 6 Ba ipielen die Kapellen Seelachs a. K. i.Gz. an Pfd. 0.18 Schellfisch m. K..... an Pfd. 0.24 Rotbars o. K......... an Pfd. 0.1 8 Kabeljau 0. K........ an Pfd. 0.22 Fischfilet............ an Pfd. 0.28 Lebende Schleie..an Pfd. 0.55 Lebende Karpfen an Pfd. 0.62 irwald 0012 werden Efim Schachmeister u. SCHLAGER DER WOCHE Kaffee 1 nn an Pfund....................... livU Erdbeer-yKirsch-, n QQ Hlmb-, Aprik.-Konf. ca 2Pfd.-E. U.ÖÜ fto°r'n?............ 0.80 Gek. Schinken n c>| -a Pfund........................ U.O'r Limburger o. Rd. n 4Q 20%, halbfett........... Pfund Ub�O Sauerkohl fl 1 R 2 Pfund......................... U, I Ü Hirschblatt n cn an Pfund....................... U.Ub Grüne Heringe n QQ und Schollen....... an 3 Pfund UB00 Spekulatius n cn Rheinischer Pfund............. UBwU Marmorkuchen-j QQ Tafel-Liköre O cn Ch.rry-Brdy., Halb u Halb'/i Fl.£.ilU Tafeläpfel n 7Q amerikanische.......... 3 Pfd. Ulf O Preißelbeeren n QO Pfund........................... UiW� „Du kannst beruhigt zu ihm gehen", ent- gegnete das Mädchen. „Gute Nacht, mein Kind", sagte Weltlin, hauchte der Tochter einen Kuß auf die Stirn und verließ auf den Zehenspitzen das Zimmer. 5. Der Vater hatte den Raum verlassen. Erna sah ins Dunkle. Ihre Gedanken gingen: Warum habe ich den Vater belogen? Warum sagte ich ihm nicht, daß ich Krüger liebe, daß ich seine Geliebte bin, obwohl ich weiß, daß er verheiratet ist, daß er Kinder in meinem Alter hat? Warum sagte ich nicht, daß ich Krüger inniger liebe, als ich je einen Mann geliebt habe? Warum sagte ich nicht, daß mein Leben hoffnungslos verpfuscht ist, war- um blieb ich so ruhig? Warum habe ich ge- logen? Hätte er mich verstanden, wenn ich gesprochen hätte? Hätte er mich verstehen können? Kann mich irgendein Mensch ver- stehen?... Alles muß ertragen werden!... Man kann nicht fort!... Kann man es wirklich nicht?... Die Dunkelheit wuchs und der Schlaf kam nicht. In der Mittagsstunde des anderen Tages saß Wilhelm Weltlin im Büro Krügers. Er hatte lange gesprochen, und es war ihm un- heimlich, daß der soignierte Herr ihm gegen- über nicht einmal seine Rede unterbrochen, nicht eine Frage an ihn gerichtet hatte. Er wurde unsicher: Kälte kroch den Rücken hinan, mitten im Satz hörte er auf. Nun muß er reden, dachte Weltlin, doch die Stille wurde nicht unterbrochen, sie lag bleiern, drohend in der Luft. Wenn er richtig verstanden habe, fing der Bankpräsident behutsam und leise an, so sei die Katastrophe unvermeidlich, falls es nicht gelänge, die neuen Maschinen zu erwerben. Jawohl, so sei es in der Tat, versicherte schnell und laut Weltlin. Nun gut, kam die leise Stimme, und was böte Gewähr, daß das Unternehmen wieder rentabel wäre, falls man diese Erwerbung durchführen könnte? Weltlin, der einen schwachen Hoff- nungsschimmer auftauchen sah, griff zu, die Worte übersprudelten, hetzten, jagten ein- ander. Es sei klar, daß die Fabrik dann wieder rentabel werden könnte, da sie dann in die Lage käme, billiger zu produzieren; jeder Fachmann, den die Bank befragen wolle, werde dies bestätigen... Daran zweifle er gar nicht, entgegnete Krüger, aber ein anderes Problem beschäftige ihn. Vor drei Iahren erst sei die Fabrik modernisiert, der Maschinenpark erneuert worden, und ZßiwnU/ Jülich/£ehen? 'Die Dishutfion um„Qilgi" ZWEITE BEILAGE Weltlin erhob sich Fort mit solchen Sen- timentalitäten!— Er ging zum Telephon und rief seine Sekretärin an. Das Gespräch dauerte lang, es war zärtlich-behutsam. Dann empfand er mit einem Male Hunger, zündete alle Flammen des Lusters an und ließ das Abendbrot servieren. Während der Mahlzeit erschien Erna. Er erhob sich, ging der Tochter entgegen, empfand tiefe und starke Freude, daß dieses hübsche, große Mädchen sein Kind war. Erna erzählte, daß sie lang in der Bank zu tun gehabt und dann mit Krüger in einem kleinen Gasthaus gegessen habe. „Stehst du dem Manne so nahe?" fragte Weltlin, erinnerte sich des Lächelns seines Sohnes und es kam ihm schmerzhaft zum Bewußtsein, daß er so wenig von seiner Tochter wußte. „Aber Vater!" entgegnete diese,„Krüger und ich! Bedenk doch den Zlltersunterschied. Er ist doch in deinen Jahren. Ich bin seine Sekretärin." Weltlin dachte an Susi und meinte lang- sam:„Immerhin! Ich wüßte jemanden, dem das nicht gleichgültig wäre!" „Ich sehe Doktor Rabender nicht mehr", sagte Erna und machte schmale Lippen. Weltlin hatte zu Ende gegessen, zündete eine Zigarette an und hatte das Bedürfnis zu sprechen: er wußte nicht, wie er beginnen sollte. Mit großen Schritten ging er auf und ab und sagte schließlich tastend:„Hör mal! Es trifft sich gut, daß wir allein sind. Ich habe schwere, quälende Sorgen. Mit Mutter kann ich nicht reden. Du bist jetzt erwachsen. hast Augen, zu sehen, und weißt, wie es um uns steht. Dein Bruder will meine Sorgen nicht teilen, so möchte ich mit dir sprechen... Ach, das sind alles dumme Worte. Man kann überhaupt zu niemandem sprechen. Nie und zu keinem Menschen! Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, bin ich verloren! Ich bin vollkommen ruiniert!" Erna betrachtete tief erschüttert den wie gehetzt auf- und abschreitenden Mann, der ihr Vater war. Und sie hörte seine Worte: „Ich bin fertig! Die Maschinen meiner Fa- brik sind unrationell. Möglich, daß ich ein Stümper, daß ich ein untüchtiger Mensch bin. Vor drei Iahren, als wir die Maschinen kauften, waren sie das Beste, das Voll- kommenftc, das es damals gab Monatelang haben wir studiert, ehe wir uns zum Kauf entschlossen! Heute sind sie altes Eisen. Die Konkurrenz hat neuere Maschinen, die mich erschlagen, die die Fabrik unrentabel machen. Da, sieh mal, welche Maschinen die Owag in Essen hat! Dagegen kann man nicht kämpfen! Man muß sie besitzen oder man ist erledigt!" Ein Schwall von Worten entströmte dem Mund des Mannes. Während des Sprechens war ihm bis zur Uebligkeit bewußt, daß er dies alles, Wort für Wort, mindestens fünf- mal im Laufe des Tages gesagt habe, seinem Prokuristen, dann Susi, seinem Sohn Albert, dem Präsidenten des Trusts und schließlich durchs Telephon den Berliner Herren. Wort für Wort kannte er es schon: ihm war, als wäre er in der Schule und sagte ein aus- wendig gelerntes Pensum her... Das Wichtigste wäre nun, den Kredit zum An- kauf dieser Maschinen zu beschaffen. Die Herren in Berlin wären unnachgiebig, der Trust gleichfalls kaum dafür zu haben: wo- hin er komme, stoße er auf taube Ohren, morgen wolle er mit der Bank unterhandeln, mit Krüger. „Du bist doch seine Sekretärin", lachte er laut und gequält auf,„was meinst du, habe ich Aussicht?" Erna empfand starkes Mitleid für den ge- quälten Mann. Vorsichtig sagte sie:„Du weißt doch, Vater, daß ich von diesen Dingen nichts verstehe. Krüger diktiert mir Briefe, läßt sich durch mich verleugnen, das ist alles. Aber dich wird er sicher empfangen. Ich werde gleich früh mit ihm � reden und rufe dich dann in der Fabrik an." Weltlin erzählte und erzählte. Ziffern schwollen an, verstrickten sich, wurden abge- wogen. Dann sagte man sich gute Nacht. Als Erna bereits in ihrem Zimmer im Bette lag, klopfte es zaghaft. Zögernd trat der Vater ein, setzte sich behutsam an den Rand des Bettes. „Ich möchte dich etwas fragen, mein Kind. Ich will morgen zu Krüger gehen— kann ich das tun— oder muß ich fürchten, diesen Schritt zu bereuen? Kann ich zu Krüger gehen— versteh mich recht: Darf ich zu diesem Mann gehen? Wenn ich wüßte, daß du—, ich ginge nicht zu ihm, um keinen Preis, auch nicht für mein Werk, Erna!" Der„Vorwärts" hat bisher den absprechenden Urteilen über Irmgard Ken ns„Gilgi— eine von uns" den Vorrang gelassen, weil sich in schar- fer Kritik das Wesentliche eines Problems am besten herauskristallisiert. Die Leidenschaftlichkeit der Diskussion erklärt sich daraus, daß der von der Verfasserin gewählte Titel im allgemeinen zu eng aufgefaßt wurde. Wie dieser Roman auf die Leserinnen wirkte, schildert sehr anschaulich eine Stenotypistin E. Th., wenn sie uns schreibt:„Ich hatte den Roman nicht gelesen, denn ich lehnte bisher jede teelöffelweise Eintrichterung irgendwelcher Zeitungsromane, auch wenn solche der anerkannten Romankapazitäten gebrocht wurden, für meine Person ab. Als aber meine Kolleginnen mich im Büro in der Mittags- pause förmlich damit übersielen, daß ich den neuen Roman unbedingt lesen müsse, weil er angeblich etwas für mich fei, und ich außerdem hörte, daß die Genossinnen in der Nähstube der Arbeiterwohl- fahrt doppelt vom damaligen Verbot des„Vor- wärts" berührt wurden, weil sie drei Tage lang „Gilgi" entbehren mußten, da stürzte ich mich in „Gilgi" und lieh mich gleichfalls fesseln." Die Schreiberin hat den Sinn der Diskussion er- faßt, wenn sie weiter sagt, daß der Abdruck des Romans die Voraussetzung für die Auseinander- setzung war:„Wäre sonst eine derartige Dis- kufsion zustandegekommen? Hätte man sonst in den Bürostunden, in Familien- und Freundschasts- kreisen über alle in„Gilgi" angedeuteten Probleme sich mit derartiger Begeisterung in den Haaren ge- legen? Und wenn jemand Über Dinge zum Nachdenken angeregt wird, soll das nichts bedeuten?"„Aber Ihr", ruft E. Th. allzu eifrigen Kritikern zu,„liebe Zensoren, prüft einmal ehrlich, wieviele» eurer Gefühlsregungen Irmgard Kenn Ausdruck verliehen hat!" Auch in einer weiteren Zuschrift von A. D. und Frau wird zum Ausdruck gebracht, daß„Gilgi — eine von uns" ein ausgezeichneter Anlaß zum Diskutieren sei. Es wird die Hoffnung aus- timm SJorah; Abgeräumter&ark Alle Dächer ducken sich vor dem gestrengen Wind und noch einmal hat die Sonne einen Regenschauer Überstanden und bestrahlt ein elendes Proletenkind und den kranken Efeu an der Kirchhofsmauer. Auch die Bänke sind schon längst herausgenommen aus den Sträuchern, Holz ist knapp in diesem Jahr. Manchem Kober ist trotzdem die Pleite gut bekommen Daß es einmal Arbeit gab. ist nicht mehr wahr. Siehst sie müde lungern an den Straßenecken: Männer mit der ausgedörrten Muskelkraft und sie warten auf den Schrei, der sie erwecken und den Leib erlösen möchte aus der Hungerhaft. Gott ist eingeschlafen auf den abgerupften Bäumen und die Erde deckt ihn fanst mit Nebel zu. Niemand mehr hat eine Freude zu versäumen, bald hat auch die liebe Seele Ruh. (Aus Timm Borah„Berlin im Licht". Verlag„Die Rabenpresse", Berlin.) gesprochen, daß diese Diskussion Etappe weiterer Auseinandersetzungen mit der Frauenwelt werde: „Als Sozialistin finde ich es geradezu von ganz hochpolitischer Bedeutung, welche Anregungen uns ein Frauenroman geben kann... Ich beglück- wünsche den„Vorwärts" zu diesem Roman und hoffe, daß derartige Diskussionen die Triebkraft für neue Wege der Frauenbewegung sein werden." Eine dritte Genossin, R. C., begrüßt das Unternehmen:„... und doch ist es gut, daß der „Vorwärts" auch mal einen bürgerlichen Roman gebracht hat. Es ist gut, daß wir aufgefordert werden, in einer Diskussion dazu Stellung zu nehmen. Es gibt zu viele(auch in unseren Reihen), die Bücher gedankenlos schön finden, weil ein bißchen an ihr Sentiment gerüttelt wurde, weil etwas von Liebe darin steht." Aber ist„Gilgi" ein bürgerlicher Roman? Das ist eine Streitfrage, die viele verneinen. Man kann sich dem sehr wohl anschließen, wenn man in „Gilgi— eine von uns" einen Entwicklung?- r o m a n sieht. Das tut z. B. H. L., die die Liebe zu Martin als einen Umweg bezeichnet, über den Gilgi zur Erkenntnis kommt:„Und da Gilgi ein ehrlicher Mensch ist, macht sie sich von allem frei, was sie an diese Welt kettet und rettet sich hin- Über in die andere, in der es Arbeit, Verant- wortung, Mitmenschen gibt. Dieser Roman zeigt ja im Grunde nichts anderes als den Kampf der sozialistischen Welt gegen die b ü r g e r- l i ch e, und da dieser Kampf noch lange nicht ausgekämpft ist, kann Gilgi sehr gut als eine von uns bezeichnet werden." Aehnlich urteilt G. R.:„Erst der Freitod ihres ehemaligen Freundes Hans mit seiner Familie rüttelt sie aus, daß ein Leben mit solchen Zwie- spältigkeiten nicht weitergeführt werden kann. Mit ihrer Flucht vor Martin will sie das augenblick- lich Letzte, ihre Liebe zu ihm, nicht verlieren. Allein will sie ein neues Leben nicht beginnen, und sie findet die Kraft zu einer unehelichen Mutterschaft. Hat sie nicht in diesem Augen- blick das bürgerliche Milieu verlassen, um zu kämpfen für sich und das Kind? Und könnte sie da nicht eine von uns sein?" E. M. sagt:„Gilgi, sorglos im bürgerlichen Milieu aufgewachsen, sie war parteipolitisch keine von uns. Aber sie wird, durch Schicksal und Schmerz geläutert, eine von uns Frauen, darum ist die Gilgi auch mit ihrem leichten Sinn als eine von uns anzusprechen. In dem zwischen Willen und Gefühl sprunghaft pendelnden, noch nicht fest- gewurzelten Charakter Gilgi? finden wir eine Kombination vieler jugendlicher Frauencharaktere und Gestallen unserer heutigen Zeit wieder." L. F. versucht die soziologischen und Philosoph!- schen Hintergründe des Romans zu erforschen: „Ich möchte vorausschicken, daß„Gilgi" gar kein Tendenzroman, kein rein soziales Dokument sein will, sondern Schicksal und Entwicklung eines jungen Mädchens ist, das aber, hineingestellt in dies« Zeit, mit ihr, sei es auch zunächst noch un- bewußt, verbunden ist, wie jeder Schaffende, und gerade dies scheint mir da? zu tiesit Wahre, das allem Utopischen ferne, wie die Verfasserin das Naturgesetz erkannt und meisterhaft gestaltet hat, nach dem der Mensch erst als Einzelwesen das Leben erfassen und zur Persönlichkeit aus- reisen muß, ehe er den Weg zur Gesellschaft findet, d. h. daß der einzelne, wenn er nicht durch FREITAG, 28. OKT. 1932 heute seien diese Maschinen alt, überholt, un- rentabel. Nichts spreche dagegen, daß in abermals drei Jahren auch die neu anzu- schaffenden Maschinen wieder wertlos seien. Er wolle wissen, ob diese Maschinen in drei Iahren amortisiert sein könnten. Weltlin gab sich nicht geschlagen, noch war der Kampf nicht verloren. Nein, meinte er, in drei Jahren sei solch eine Investition wohl nicht zu tilgen, aber in etwa sechs bis acht Iahren. Doch er gebe zu bedenken, daß diese Maschi- nen tatsächlich das Vollendetste seien, die spätere Entwicklung sei hier schon vorweg- genommen, die Bank möge rigorosest prii- sen, sie habe ja die Organe hierzu: ob denn die Herren von der Bank wirklich glauben könnten, daß ein Unternehmen wie die Owag in Essen, die ja schließlich auch von Großbanken kontrolliert werde, unmoderne oder auch nur irgendwie nicht ganz erst- klassige Maschinen kaufen würde... Weltlin schwieg. Er hatte seinen stolzesten Trumpf aus der Hand gegeben, er war froh, daß er doch noch so überzeugende Worte gefunden hatte und sich nicht unterkriegen ließ. Der Hinweis, daß auch die Owag mit dem Gelde von Banken arbeite, war gar nicht so schlecht, das mußte auch hier wirken. Und der Fa- brikant empfand die Stille mit einem Male gar nicht mehr beklemmend, sie tat ihm sogar wohl und er nahm mit einer leichten Verbeu- gung aus dem vor ihm stehenden Körbchen eine Zigarre, entzündete sie und blies Rauch- ringe in die Luft... (Fortsetzung folgt.) Elternhaus und Umgebung von Kindheit an in sozialistische Ideen hineinwächst, erst lernen muß, sich als Glied der Gesamtheit zu fühlen»nd ver- antwortungsbewußt für ihre Interessen nützu- kämpfen. Gilgi geht diesen Weg. Sie findet, durch eigenes Schicksal und eigene Kämpfe gereist, zu ihrer Klasse, zum Sozialismus— der Gang zu Pit ist Symbol dafür, und daß sie treu sein wird, das oerbürgt ihre Ehrlichkeit und Standhaftigkeit gegen sich selbst." M. F. ergänzt das Bild, wenn sie darauf hin- weist, daß Irmgard Kenn mit ihrem Roman einen Beitrag zum Umwälzungsprozeß inner- halb der bürgerlichen Gesellschaft gibt. 3>erWnliche Jlusirirkuugeu Mehr ins Praktische und Persönliche gehen andere Zuschriften. In der einen erklärt Genossin E. H., daß sie, wenn sie eine Tochter hätte, ihr viele der Eigenschaften Gilgis wünsche: den Kameradschaftsgeist, die Anständigkeit ihren Stief- eitern gegenüber, eine liebendes Herz wie das Gilgis und ihren Opfermut. Genossin M. A. ruft ihren Schicksalsgenossinncn zu:„den Genossinnen aber, die Gilgis Putzsucht so unverständlich finden, möchte ich sagen, daß»s Wunder- bare Wirkung Ich litt an Rheumatismus und konnte trotz Bäder nicht geheilt werden. Nach Ver- brauch von 5 Paketen Zinsser-Rheumatls- mus-Tee war mein Leiden verschwunden und ich habe bis heute noch nichts wieder davon verspürt. «oskl Heinrich Wörner, Ratingen, Hombergerstr. Zlnsser-Rhcnma-Tce ist ein vorzügliches Mittel bei Rheumatis- mus, Gicht, Ischias, Gliederreißen, Neural- gien, Hexenschuß und Kreuzschmerzen. Paket Mk. 1.62, verstärkt(D.R.P.a.) Mk. 2.25. In vielen Apotheken zu haben, sonst direkt. (Versand-Apothekc.) 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St. beschäftigt sich in einer Zuschrift mit der Frage, ob Gilgi berechtigt ist. das Kind zur We l t z u bringen:„Sie läßt ihr Kind zur Welt kommen und dann überläßt sie es mög- licherweise der Pein. Hosten wir um des Kindes willen, daß alles gut geht. Diese» Typ Frau sehen unser» jungen, vermmstige» Genossen als besonders mutig an und uns Frauen, die wir gern wenigstens»in Kind haben mochten, ehe wir zu alt dazu sind, als feige! Gewiß, wir sind alle groß geworden, aber fragt uns nur nicht wie. Wir Frauen, von denen Gilgi kein« ist, können die Stempelstelle ertragen, schlechtes Leben und auch Kält« im Winter, aber wir ertragen es nicht, unser Kind in ebensolchen Verhältnissen zu wissen." Genossin L. G. O. erinnert daran, daß aus dem bürgerlichen Lager zum Sozialismus wertvolle Kräfte zugeströmt sind. Sie schreibt:„Männer aus bürgerlichen Familien, keine Prolcta- r i e r. keine von uns entfachten eine Arbeiter- b e w e g u n g, nicht aus Eigennutz für sich, einzig und allein aus sozialem Mitgefühl für ihre Mit- menschen. Diese bürgerlichen Männer hatten sicher viel bürgerliche Gewohnheiten, doch lehnten die Arbeiter diese Männer nicht ab, sondern sagten „unser Liebknecht" usw... Wenn die SPD. heute Mitkämpfer sucht, dann steht da: „Arbeiter, Angestellte, Beamte, Geistesarbeiter, freie Berufe usw.". fyit da der„Vorwärts" nicht geradezu eine Pflicht, Lebensschicksale aus allen diesen Lagern zu bringen? Darf ein Mensch sich Sozialist nennen, wenn er einen Mitmenschen ab- lehnt, nur weil ihm dessen Lebensweise nicht gefällt?" 3)ie Uläuner haben das IVorf Zum Schluß noch die Zuschriften einiger Männer. Genosse W. K. urteilt:„Gilgi ist, so wie wir sie in dein Roman kennengelernt haben, noch keine von uns. Aber sie wird es! In dem Augenblick, wg W Zug, in dem Gilgi nach Berlin fährt, die .Bahnhofshalle verläßt, beginnt für Gilgi der Weg, der sie unsehlbar zu un, führen wird." R. R. sieht in„Gilgi, eine von uns" den ersten Roman, der die Frage des Verhältnisses der liebenden Frau zu der werktätigen im proletarischen Sinne stellt und zu losen versucht:„Sie ver- liert durch die Liebe zu Martin die Freude an ihrem Berus, mehr noch de» Blick für ihren Be- ruf, sie verliert ihr Selbst, ihre Selbständigkeit. Ist das ein Problem? Und was für eins! Dies ist das Problem der Befreiung der Frau. Eben weil Victor M a r g u e r i t t e an dieser Frage vorbeigeht— die Garconne kann kein Kind bekommen—, ist sein berühmter Roman nichts als ein Schmarren... Gilgi ist eine prachtvolle Schwester der Anna, im Roman eine Pro- letarierin." Genosse H. W. urteilt aus seiner Eriahrung solgendermaßen:„Man kann aus geordneten Ver- Hältnissen stammen, man kann auch Interesse für Pelzmäntel, Abendkleider und sogar auch für Puder haben und doch eine von uns sein. Denn auch ich habe mir während meiner zwölfjährigen Tätigkeit die Erfüllung solcher Wünsche von meinem oerdienten Geld» möglich gemacht und bin trotzdem mit ganzem Herzen bei un- serer Bewegung, habe auch Zeit zum Lese», zum Besuch von Kursen usw. Man braucht nicht oberflächlich zu sein, wenn man an Dingen Freude hat, die andere als überflüssig, als Luxus bezeichnen. Es ist u. E. ein großer Fehler vieler Parteigenossen, die glauben, daß man ein echter Sozialist nur sein kann, wenn es einem nicht be- sonders gut geht. Sich für etwas einzusetzen, wenn nkin es nötig hat, ist gar nicht so schwer. Zu uns sollen jedoch auch alle die gehören, denen es schon besser geht. Sie können uns kämpfen helfen, daß es allen Menschen gut geht." B. I. deutet daraus hin, daß wir in einer Zeit der größten sozialen Umwälzungen leben:„Ist Gilgi eine von uns? Natürlich! Alle ar- beitenden Menschen gehören zu uns. Wir alle sind Kinder eines Milieus von vorgestern, falsch und mit Vorurteilen erzogen, Millionen Menschen können nicht aus ihrer Haut, trotzdem sie mit der heiligen bürgerlichen Ordnung nichts mehr zu tun haben, und so irren sie herum, finden nirgends einen Halt, sie können sich nicht von den aufoktroyierten Schlacken befreien, und so irren sie in dem Chaos unserer Tage herum: beengt und bedrückt... Der Geist der Zeit wirbelt uns an- ständig umher. Niemand weiß, wohin die Reise Die Arbeiter und der Soziaiismus Die Sozialdemokratie baut— die anderen schreien Noch nie war die Einsicht in das Versagen der kapitalistischen Wirtschaft, noch nie die Sehn- sucht nach dem Aufbau einer neuen besseren Welt so klar und verbreitet wie jetzt. Alle Wege, die be- schritten wurden, um die Wirtschaft in ihren kapitalistischen Formen wieder in Gang zu bringen, sind erfolglos geblieben. Vom Papen- Programm, das die Wiedererweckung des privat- kapitalistischen Unternehmergeistes mit Geschenken versucht, steht jetzt schon fest, daß auch ihm der Erfolg versagt bleiben wird. Bürgerliche Parteien können— von den traditionell ans Zentrum gebundenen Arbeitern abgesehen— heute nur mehr von Schichten gewählt werden, die sich mit dem Elend der heutigen Wirtschast a b s i n- d e n. Die Mehrzahl der Wähler folgt auch schon Parteien, die die Abkehr vom kapitalistischen Wirt- schaftssystem verkünden und den Sozialismus fordern. Es gibt Sozialisten und„Sozialisten". Fragt man nach dem eigentlichen Wesen dieser Parteien, so steht bei der n a t i o n a l„s o z i a l i- st i s ch c n" Partei unbestreitbar fest, daß ihr Sozialismus sich ausschließlich aus ihren Namen beschränkt. Sonst ist an ihr nicht das geringste sozialistisch. Die letzten Zweifel dar- über wurden von dem Vertreer ihres angeblich proletarischen Flügel», Gregor Straßer, selbst zer- streut. Straßer schrieb in seinem Interview' mit dem amerikanischen Journalisten Knickerbocker aus- drücklich den Schutz des kapitalistischen Privateigentums auf seine Fahnen und lehnte die Ueber- führung der Industrie, des Handels und des Groß- grundbesitzes in gemeinwirtschaftliche Formen schroff ab. Die Nazis reden also vom Sozialismus, um die Arbeiter zu betrügen. Und wenn man sie fragt, wie sie sich denn eigentlich die Ueberwindung der Krise vorstellen, was sie den von ihnen ge- rügten„Halbheiten" Popens entgegenzustellen haben, so ist die Antwort ein verlegenes Stammeln, soweit sie sich nicht auf das berüchtigte Feder- Geld zurückziehen. Das hat ja in der Tat auch Straßer mit seiner Parole der„produktiven Kredit- schöpfung" in praktisch unbegrenzter Höhe getan. Und die Tatsache, daß die Nazis den ach schon so arg ramponierten Feder aus der Versenkung, in der er inzwischen versunken war, wieder hervorge- holt und zum Vorsitzenden ihres„Reichswirtschafts- rats" gemacht haben, beweist ebenfalls, daß ihnen nichts anderes mehr einfällt als Inflation. Die Kommunisten aus der anderen Seite wollen viel, aber können nichts. Sie haben bisher ihre Politik mit dem Hin- weis auf Rußland bestritten. So wie es in Sowjetrußland keine Arbeitslosigkeit gibt, so würde es auch in einem Sowjetdeutschland keine Arbeitslosigkeit mehr geben. Die Kommu- nisten haben also ihren Anhängern einzureden ge- sucht, daß die Einführung einer proletarischen Diktatur genügt, um V oder 7 Millionen Arbeitslose sofort zum Verschwinden zu bringen. Daß dazu auch in Rußland mehr als ein Jahrzehnt nötig war und nur durch eine beispiellose lieber- stürzung der Industrialisierung des Landes möglich war, die für Deutschland gar nicht mehr in Frage kommt, verschweigen sie ihren Anhängern. Die Russen hatten nun wenigstens Ideen. WobleibenaberdieIdeenbei den deutsch-n Konimunisten? Kann jemand ernsthaft glauben, daß es eine konstruktive Idee ist, wenn man„Sowjet- deutschland" schreit, ohne auch nur mit Konjunkturziffern und ihrWert Die leichte Besserun? im September— Kein Konjunkturumschwung! Das Institut für Konjunkturforschung stellt in seinem letzten Wochenbericht apf Grund der G e- werkschafts st ati st ik und der Industrie- berichter stattung eine leichte Besserung in der Beschästigungslage der Industrie für Septem- der fest Setzt man die Zahl der Arbeiter, die heute in der Industrie bei voller Ausnutzung aller Anlagen beschäftigt werden könnten, gleich 100, so hat sich die Zahl der tatsächlich be- schäftigten Arbeiter von August bis September von 4l.Z auf 4l,8 Proz. erhöht. Gleichzeitig ist die Zahl der geleisteten Arbeiter st unden von 34,8 aus 35.9 Proz. der möglichen Arbeiter- stunden gestiegen. Eine nähere Untersuchung der einzelnen Zndustriegruppen zeigt erhebliche Unterschiede. Die P r o d u k- tionsgüterindustrien zeigen nämlich eine so geringe Besserung, daß das Konjunkturinstitut für sie die Lage als im allgemeinen un- verändert bezeichnet. Die Zahl der beschäftigten Arbeiter hat sich nur um 0,2 Proz., die Zahl der geleisteten Arbeiterstunden nur um 0.6 Proz. der Kapazität(der möglichen Höchstzahl) vermehrt. Ein einziger Industriezweig zeigt eine stärkere Besserung, die Pflasterstein- und Schotlerindustrie: das hat seinen Grund in einem Auftrag der Reichsbahn, der monatelang zurückgestellt war. Die Leder- und Papier- erzeugung und das Baugewerbe weisen ebenfalls eine geringe Besserung auf, der Verschlechte- r u n g e n in den Baustosfindustrien, in den Fahrzeugindustrien, bei den Sägewerken und anderen gegenüberstehen. Gegenüber der allgemein unveränderten Lage der Produktionsgüterindustrien zeigen die Ver- Od«' booo "MäSe" unübertrotten bei Rheuma-'Gicht Kopfschmerzen | Ischias, Hexenschuö und Erkältungskrankheiten- Stark harnsäurelösend, bakterien- tötendl Absolut unschädlich! Ein Versuch überzeugt! führt, gut, daß auch die Menschen umgekrempelt werden. Darum sag« ich: Laßt frische Lust in die Zahlabende und in die Funktionäroersammlungen herein. Der Sozialismus ist eine Weltanschauung, die zur Freiheit der Völker und des Geistes führt. Die Partei ist ihre frisch.frohe Kampswasse, sie muß aber frei von jeglichem Dogma sein. Darum bitte ich die oerchrlichen Kritiker, toleranter gegen Gilgi zu sein, der Sozialismus bekämpft lebensfeindlichc Probleme, aber nicht Menschen: Millionen verwirrter Menschen lausen und Hetzen durch das Chaos unserer Tage und suchen Wahr- heit— und ein bißchen Glück. Dorum ist es Pflicht, wenn wir Gilgi sehen, sie aufzuklären. denn sie ringt um Erkenntnis, und da dürfen wir niemanden zurückstoßen. Alle, alle ar- beitenden Menschen gehören zu uns und alle werden gebraucht zum Kampf um die Freiheit." W. H. schreibt uns:„Wer ist uns? Davon wird die Beantwortung dieser Frage abhängen. Wird unter uns ein Kollektiv parteibuchbesitzender weib- licher Angestellter mit garantiert proletarischer Her- kunft verstanden, dann ist Gilgi freilich keine von uns... Wer aber einen Hauch verspürt hat von den Problemen, die die moderne Jugend bewegen, soweit sie nicht, im dumpfen Fatalismus ergeben, brauchsgüterindustricn eine Mehr- beschäftigung nach Arbeitern um 1,0 Proz., nach Arbeiterstunden um 1,0 Proz. der Kapazität(der möglichen Höchstzahl). Ein Konjunktur Umschwung liegt jedenfalls nicht vor. Die Besserung von August zu Septem- der ist großenteils als eine Korrektur frühe- ren überstarken Beschäftigungs rückganges anzusehen. In vielen Zweigen— für die Baum- Wollindustrie wird das ausdrücklich festgestellt— wurde durch die stark gedrosselte Produktion nicht mehr der lausende Bedarf gedeckt. Da die Läger gerade für Verbrauchsgüter vielfach ge- räumt sind, da außerdem jetzt das Weihnacht»- geschäft in Gang kommt, kann in der geringen Produktionssteigerung kein Zeichen für eine a n- haltende Besserung erblickt werden, wenn nicht überhaupt Saisonmomente, wie das vorüber- gehende Steigen der Rohstoffpreise, entscheidende Bedeutung haben. Das Ko n j u n k t u r i n st i t u t, da» in diesen Ziffern die ersten Anzeichen einer konjunkturellen Besserung erblickt, warnt s e l b st davor, dos Ergebnis dieses einen Monats zu überschätzen, zumal in der nächsten Zeit mit einer Saisonvcr- schlechterung der Beschästigungslage zu rechnen sei. Oktoberverschlechlerung im Ruhrgebiel. Die Abteilung„W e st e n" des Konjunktur- instituts kommt in ihrem letzten Bericht vom 2 0. Oktober für das rheinisch-wcstfälische Industriegebiet zu dem Schluß, daß nach Aus- schaltung aller Saison- und Sondereinslüsse bis jetzt„eine leichte konjunkturelle Verschlechte- r u n g der Produttionslage mit Neigung zur Stagnation auf Teilgebieten" sestzustellen sei. ohne sich Rechenschaft über Sinn und Zweck ihres Lebens abzulegen, in den Zerstreuungen des groß- städtischen Amüsierbetriebs Erfüllung ihres Da- seins sucht, der wird der jungen Dichterin Dank wisien. Täuschen wir uns doch nicht: die in die politische Arbeit aktiv eingreifenden jungen Mäd- che» aus der Angsstelltenwelt können wir zählen. lind vor allem: so sehr diese ihre Arbeit adelt, so wenig gehören sie doch zu den„Uns". Eben weil sie die Erfüllung ihres Lebens auf einem anderen Gebiet gesucht und gefunden haben, nicht aber im Rahmen der Welt des Erwerbs, die ihnen nur lästige Pflicht ist. Ich bin mir natürlich klar dar- über, mit diesen Sätzen bei sehr vielen Leserinnen aus Widerspruch zu stoßen, wie eben alle Tatsachen, die man eigentlich nicht gern wahr haben möchte, auf Widerspruch stoßen. Der Konflikt von Liebe und Arbeit ist uralt und wird es überdies immer sein. Daß ihn ein emanzipiert sein wollen- des junges Mädchen aus dem Heer der?lnge- stellten auskämpft, ist neu. sieht man vielleicht von Sinclair Lewis„Der Erwerb"(gleichfalls im„Vorwärts" abgedruckt) ab. Gilgis Entscheidung fällt klar, deutlich, unzweideutig für die Welt der Arbeit. Und das macht sie zu keiner Beliebi- gen von un», auch nicht zum uninteressanten Einzelfall, sondern zu einer der Besten von uns." einem Sterbenswort zu verraten, wie man dieses Ziel erreichen zu können glaubt und was man dann beginnen will, wenn man das Ziel wirklich er- reichen sollte? Man kann bei den Kommunisten mit der Laterne suchen, man findet nicht einen wirklichen Gedanken über die THog- lichkeiten der Ueberwindung der Krise, über die Möglichkeiten, den weg und die Formen des sozialistischen Umbau« der Wirtschaft. Es gibt nichts so Unsruchtbares und Oedes wie die kommunistische Politik auch nach ihrer Wirtschaft- lichen Seite hin Nur ein kleines Beispiel dafür sei angeführt. Aus der Wüste der kommunistischen Vorstellung»- weit erhob sich nur ein einziges Mal so etwas wie ein Gedanke. Das war damals, als die Sozial- demokratie und die freien Gewerkschaften ihren ersten großen Vorstoß für eine umfassende A r- beitsbeschaffung machten. Da entdeckten die Kommunisten plötzlich, daß sie auch etwas tun mußten und stellten ebenkalls ein Arbeitsbe- schaffungsprogramm auf, obzwar sie es grundsätz- lich als„kapitalistisch" bekämpsen müßten. Und es war sehr bezeichnend, daß sich das kommunistische Arbeitsbcschaffungsprogramm vom sozialdemo- kratisch-gewerkschaftlichen nur in zwei Punkten unterschied: erstens darin, daß es mit Phantasie- zahlen aus der Sternenwelt operierte, zweitens da- durch, daß es nur die Hülle unseres Programms übernahm, nicht aber seinen Kern, nämlich die Verknüpfung mit dem sozialistischen Umbau der Wirtschaft. Fragt man sich, wie es möglich ist, daß noch immer Millionen sich von den leeren Versprechun- gen einer innerlich so unfruchtbaren und ideenlosen Partei einfangen lassen, so kann mo» dafür nur dieselbe verzweislungsstimmung und„Verwirrung der Gefühle" verantwortlich machen wie für das bisherige An- wachsen der Nazistimmen. Wer sich aber von Ge- fühl und Vernunft zugleich leiten läßt, muß von der Einsicht durchdrungen werden, daß es n u r einen Weg gibt, um aus dem Chaos der kapitalistischen Wirtschast herauszufinden: den Weg der ununterbrochenen geistigen und politischen Arbeit am sozial!» stischen Umbau der Wirtschaft. Diesen Weg geht allein die Sozialdemo- kratie. E» ist freilich leichter, die Wähler mit dem Lock- ruf nach dem Dritten Reich oder nach Sowjet- deutschland zu berauschen, die Ausmalung dieses Bildes aber der Phantasie der Wähler zu überlassen. Und es ist schwerer und gewiß auch weniger dankbar, in mühsamer Arbeit die Wege aufzufinden und zu weisen, die im einzelnen auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens beschritten werden müssen, um aus dem Chaos der kapitali- stischen Gegenwart herauszuführen und im Z-ähen Ringen um die bessere Einsicht des Wählers die politische Bahn für diesen Weg frei zu machen. Die Sozialdemokratie ist sich aber bewußt, daß. wenn auch der in ihrem großen vmbaupro- gramm aufgezeigte weg dorniger und weniger bestechend ist. er doch aus die Dauer der sicher siegreiche und der einzig gangbare Weg ist. Der Rausch der Nazibewegung ebbt schon heute ab. Aus der„großen Bewegung für das Dritte Reich" ist eine Partei geworden, die kein anderes Programm mehr hat als die Teil- nähme an der Regierung und immer noch jede Wählergruppe mit der andere» zu betrügen ver- sucht. Bei allen Wahlersolgen der K a m m u n i- stischen Partei war und ist auch heute deut- lich, daß sie Flugsand sind. Denn zwischen den Wählermassen und der Partei besteht nicht der ge- ringste Zusammenhang, wie gerade jetzt der völlig unbemerkt von den kommunistischen Wählern ver- laufen«„Kurswechsel" in der Führung der Kom- munistischen Partei beweist. Die Sozialdemokratie berauscht ihre Wähler nicht, aber sie baut, sie baut zäh und unverdrossen am großen Umbauwerk. Deshalb kann sie beruhigt darauf vertrauen, daß die Wählermassen, die sich enttäuscht von den Nazi» und den Kommunisten abwenden werden, früher oder später, soweit sie wirklich von antikapilalistischer Sehnsucht und vom willen zum Sozialismus erfüllt sind, den weg zur Sozialdemokratie finden und ihr damit ermöglichen werden, das Werk des Umbaus siegreich zu be enden. Die Karstadt-Kredite Eine Feststellung Entgegen unseren Ausführungen am ZS. Ok- taber, daß die Reichsregierung für olle Akzept- bank-Kredite die Garantie trage, wird von zu- stänoiger Stelle, also wohl vom Reichswirtschasts- Ministerium festgestellt, daß die Reichsregierung für die Karftadt-Kredite keine Garantie übernom- men habe. Diese Kredite seien mit Hilfe der Akzeptbank und anderer Banken zustandegekom- men. Für derartixe Kredite übernehme das Reich keinerlei Garantien. Eine formelle Garantie des Reiches für von der Akzeptbank mitgirierte Kredite besteht in der Tat nicht. Wohl aber besteht«ine Hastung des Reiche« für olle von der Akzeptbank mitgewährten Kredite, fcfltnil auch für die Karstadt-Kreoite, und zwar in Höhe des in, Vesig des Reiches befindlichen Kapi- talonteils der. Akzeptbank. Außerdem mutz das Reich vor den Bankaktionären Kapitalein.zah- lungen leisten. Ein Risiko des Reiches ist also gegeben, wenn auch kein« Kreditgarantie vorliegt. Das sinc! cüe Folgen Finnische Zollerhöhungen für Elektrowaren Wir hoben kürzlich darauf hingewiesen, daß der von Deutschland mit Dänemark und Finnland ge- schlossene Vertrag über neue Butterkontin- gente und Butterzölle nicht nur von den deutschen Verbrauchern mit höheren Zöllen, son- dern auch von der deutschen Exportindustrie mit der Erschwerung des Exports bezahlt werden muß. Finnland ließ sich nämlich die gegenüber Deutschland im Handelsvertrag von 1926 gebundenen Zollsätze hauptsächlich für elektrische Motoren. Apparate(Radiogeräte) und Glühlampen frei- geben. Damit war die Möglichkeit der Exporterschwerung nach Finnland durch Erhöhung der entsprechenden finnischen Zollsätze gegeben. Diese Möglichkeit wird jetzt promt aus- genützt. Mit allen Mitteln versuchen jetzt die entsprechenden sinnischen Industriezweige eine Erhöhung der bisherigen Zölle für diese Artikel durchzusetzen. Obwohl der deutsch-dänisch-sinnijche Vertrag erst Mitte November in Kraft treten soll, verlangt man schon jetzt sofortigen Schutz. Die finnische Glühlampensabrik„Airam" hat beantragt, bi» zum Inkrafttreten des neuen Zolles eine Steuer auf eingeführte Glüh- lampen im Werte der künftigen Zollerhöhung mit rückwirkender Kraft festzusetzen, womit die zu erwartende Voreinsuhr unterbunden oder unwirk- sam gemacht werden soll. Baumwoll-Optimismus Auf der Generalversammlung des mit 28 Millionen Mark Kapital arbeitenden Baumwollkanzcrns Debag äußerte sich der Vorsitzende Dr. Dierig über die Entwicklung des Beschäftigungsgrades sehr opti- m i st i f ch. Cr erklärte, daß die Beschäftigung im ersten Halbjahr allgemein gut war. Di« dann ein- tretend« erhebliche Verschlechterung wurde im Zusammenhang mit der Rohstoffhausse von einer überraschenden Belebung des Auftrag- eingangs abgelöst, die dazu geführt hat, daß die volle Beschäftigung sämtlicher Konzern- betriebe über das Jahresend« hinaus gesichert ist. F.eder als Fischfutter Auswüchse der Devisenwirtschaft Zu welchen grotesken Zuständen eine allzu starre und wirtschastsfremde Deoisenzwangswirl- schaft führen kann, zeigt jetzt eine öffentliche Protestkundgebung der Handelskammer von Galatz in Rumänien: In der Kundgebung wurde besonders gegen die unsinnige Bestimmung der rumänischen National- dank protestiert, wonach Einsuhrwaren erst neunzig Tage nach ihrer Ankunft(!!> vom Zollamt ausgelöst werden dürfen. Dieses Glanzstück einer bürokratischen Verordnung hat dazu geführt, daß unter anderem eine große Ten» dung R o h l« d« r von dem Importeur nicht frei- bekomme» werden konnte, obwohl die Sanitäts- behörde die Räumung des Lagers aus Gesund- heitsrücksichten forderte. Aber auch der Einspruch der Gesundheitspolizei konnte die Devisenstelle der Nationalbank nicht eines Besseren belehren. Das verfaulte Rohleder mutzte in die Donau ge- morsen werden. Der Vorsitzende der Handelskammer betonte in diesem Zusammenhang noch, daß eine große An- zahl anderer leicht verderblicher Waren aus dem gleichen Grunde ins Wasser geschüttet werden mutzte Alillionenverlusk bei der Gutehossnungshütle. Das Vcrwaltungsunternehmen des Zechenkonzerns Gutehoffnungshütte in Otierhausen schließt das Geschäftsjahr 1931/88 mit einem Verlust van rund 4 Millionen Mark ab. Von diesem Verlust gehen zu Lasten der Oberhau sener Man- t a n b e t r i e b c 2,22 Millionen Mark. Bilanz und Gefchäitst'ericht des Unternehmens sind»och nicht veröffentlicht. parieinachnchten«� ««»I-ndunge» für dt-N R-drtt find «,» l»» S««8 Liadenltrafi, 3 für Groß-Berlin stet»»n da»«ezlrblekretart« !. bot, t Xttvvcn-echt». ,, richte» Achtung, Bildungsobleute: Die Korten zur Vortragsreihe„Das Antlitz der Weltwirlschast" müssen sofort abgerechnet werden. Peginn aller Veranstaltungen 191� Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe? «chbuig! Die»ochste allgemeine Zlugblattoerbreitung findet erfi am Di««»tao, dem 1. November statt. Achtung. Zeitiingslommifsi»»»«!«i» moche» doroui auf. mcttforn, dah sich da-«gitotionsmoieriol in den zuständige» Speditionen beiludet. Wir diticn alle Mitglieder der Romstissione«, sich dort hinzu- bemühen und die«rbeit sofort oustunchmen. Diele Roti, gilt nicht für Thorlottenburg, Reinickendorf und ürchtenberg. Afü- Arbeiter Berlin». Heute, 20 Uhr. Bcrsommluug sämtlicher Funktionäre der Afü-Arbeiter bei Schulz, Elifobethslr. 30. I.»reis. Die Bczirksführer melden sich Sonnabend in den bekonnten Lokalen zwecks Bcrbreituno der�Handzettel zur öffentlichen Rundgebung. 2. Rrei». Heute, 20 Uhr, Sitzung des Bildungsauoschusses bei Hübner, Wils. »acher Str. Zt. 13. Rreis. Sonnabend. 29. Oktober, pünktlich H Uhr, treffen sich alle arbeit». losen und sonst freien Genossen, sowie Pensionäre zwecks Propaganda im Lokal Mali, Mariendorf Chansseestr. Z0ö. 14. Rrei». Betr.„Borwärt»". Agitation. Die Abteilungen können am So»». abend, dem 29. Oktober, ad 17 Uhr, das Material I» den Speditionen emp. langen. Am Sonnlog, früh ab 0 Uhr, ist das weitere Material daselbst obzuhole». 3. Abt. Sonnabend, 29. Oktober. 15 Uhr, Zusammenkunft aller Mitglieder im Saal Z de- Gewerlschaftohauscs. Die Bczirksführer holen Freiraa Fahnen und Tranoparente in der Vorwärt». Spedition ab, deogleichen die Hand. zrttel zur Wahlkundgebung des l. Rreifes. 3l. Abt, Heute»och der Rundgedung Materialausgabe bei Goldschmidt. 32. Abt. Gruppe t>. Heute Zahlabend bei Valtin, Rrautstr. Ö4a. 33. Abt, Sonnabend, 20, Oktober, 4— ö Uhr nachm., Ausgabe der Fahnen und Transparente bei Ewert, Grotze Frankfurter Str. SS. nur an die Bezirks. führer und Handzettel zur Flugdlattverdreitung bei Bartusch. Friedenstr, 8«. Sonntag, 30. Oktober: Alle abkömmlichen Parteigenossen treffen sich»m II Uhr vorm. bei Bartusch. Friedenstr. 88. 4tz. Ab«. Abrechnung der Bczirkssührer Sonnadend, 29. Oktober, in der Woh, rning dt» Genossen Marth ab Ih * Sonnadend, 17 Uhr, treffen sämtliche Funktionäre zur Material. 34. Abt. «»»gäbe, 84. Abt, Heute zwischen 17'/- und I8l- Uhr Flugblattausgabe an bekannter Stelle, 90. Abt. Heute ab 17 Uhr Fahnen abholen beim Abt.-Rafsierer, 103. Abt. Heute ab 18 Uhr FlugdlaUverbreitung bei Schmidtbauer, Bismarck. strotze 74 Das erscheinen aller Funktionäre ist wegen einer Besprechung notwendig. 108. Abt. Achtung! Ansgabe von Wahlmaterial s Fahnen, Plakate. Tran». parentel, Sannabend zwischen 17-18 Uhr im Parteiheim, Schlatzstr. 27. 120. Abt. Beitcrc» Material für die Bezirksführer ist vom Gen Pröschel abzuholen. 131. Abt. Die Mitglieder der Abteilung beteiligen sich vollzählig an der Rund. gehung am Sonnlag, 30. Oktober, in Blankenselde, Rrstourant Tini»», nachmittags 4 Uhr, Arauenvcranstallungen: 2«. Krei,. Achtung, Genossinnen! Unsere Filmveranstaltung am Sonntag, 3». Oktober, beginnt erst um U'/, Uhr. Vezirksausschuh für Arbeiterwohlsahrt. 17.«reis Lichtenberg. Die im September abgesagte Sitzung des Vorstandes der Arbeiterwohlfahrt mit den Äezirksvorstehern und Stellvertretern findet am Freitag, dem 28. Oktober, 19 Uhr, im Rathaus. Mvllendorfftraße, statt. Arbeitsgemeinjchafk der Kinderfreunde Grofe-Berlin. liergarte», Abi, Bremerstr, Rote Falken, Sonnabend Fahrt nach Erkner. Treffpunkt 10 Uhr Bhf. Bcllevue. Rreishelfcrsitzitng Sonnabend, lo Uhr, Essener Str. 4, mit anschlietzendem Rursu», Thema: Spiele— Tänze und Lieder Rrenzberg, Alle Falken lrcsfcn sich Eonnabent nachmittag zum „.. Z Besuch der Bolksfürsorae-Beianstaltuug in der früheren Unions. brauerei Hafenheide, Beginn lO>/i Uhr. Alle kommen in Falken. kleidung. Die Spieler für„den kleinen Aäwelmaniü kommen um Ii Uhr im Heim Porckstr. 11 zusammen. > Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das Jugendfekretartal Brrlin SW 08. Lindensiratze 2. vorn I Treppe recht» Abteilungsleiter! Reicht sofort das Navemberpragramm und den Berichts- bogen ein, rechnet die Marken und die Arbeiterjugend van der Werbeaktion ab, Proletarisches Orchester der SA?., Gruppe A: IltZsi Uhr Probe im Heim, SW., Lindenstr, 4. heute, Areilag, 20 Uhr. Arlonaplatz: Elisabcthkirchftr, 19, Rundsunkabend,— Gewcrlschattsha»»: stöpnicker Str. 92. Mitgliederversammlung.— Rosenthale« Vorstadt: Tieckstr. 18. Was gibt es Rrucs in Oer Politik.— Zentrum: Waiicnstr. 18. Tagespolitik.— Honsa: Bochumer Str. 8b. Schallplatlcnabend.— Moabit Ii Waldenserstr. 20. Unsere Literatur.— Moabit LI; Bremer Etr. 70. Politische Lage.— Sportpalast, Jüngere: Genthincr Str. 17, Einführung in den Sozialismus, ö, Teil,— Ge- sündbrunnc» U: stolonieftr, 22. Mitgliederversammlung.— Wedding tR.>F.>: Turiner Ecke Seestratze. Tagespolitik.— Folkplatz I: stundgebung Glrimstrotzr. 19 Uhr Rvte Ecke.— Arnimplatz: Alle Genossen beteiligen sich a» der.stund» gebung in der tbleimstratze.— Andrcasplatz I: Brommhstratzc. Tagespolitik.— Boltciiplatz: Tilstter Str. 1— ö. Lichtbilder.— Franlsurter Viertel: Frank. furter Allee 307. Aussprache mit den jüngere» Parteigenossen.— Friedrichs» Hain: Dicstelmeperstr. ö— 0. 25 Jahre Zugendinternatiönalc.— Peters bnrger Viertelt Eberthstr. 12. Liederabend.— Stralaner Viertel: Gotzlerstr. Ol. Ar» beiterjugend und Spart.- Warschauer Viertel: Litauer Str. 18. Schallplatte». abend.— Warschauer Viertel: Sander. Ecke Hobrcchtstratze, Soziologie,— Reu. källn IN: Stetnmetzslr. 94, Das Programm der NSDAP.- Reukölln Ii': Heim» abend«ällt au», Beteiligung a» der Rundgebung der Partei, Illz, Uhr vor der Albrecht. Dürer» Oderrealschule,— Reukölln VII- stMS, Arbeitsgemeinschaft,— Reukölln VlLlj Schule RUtlistratze, Autarkiebestrebungen Deutschland».— Re«. kölln IX: Mariendarfer Weg, Im Rohlenpott.— Neukölln X: Ganghaferftratze, R. 2, Revaluttanstagc,— Reukölln XI: Flughafenstr, 08. Seruclle Frage», Vavmlchulenwcg! Ernststr, 10, Persien,— Johannisthal: Rathau». Demokratie oder Diktatur?— Treptow: Elfenstr, 3. Tagespolitik.— Adlerohof: Bismorck» stratzc I. Funktionärsitzung.— Bohnsdors.Falienbcrg: Polkstanzahend.— Räpenick 1: Grünauer Str. 5. KPD. und SPD.— stöpenick II: Dahlwitzer Strotze 16. Lustige» Monatsende.— Friedeichssrld»! Gunterstr. 44. Bezirk: Montag.>W> Festläle», Bremer Stratze: 3, Bezirk: Sonntag, 80, Oktober, 9Z» Uhr, im Restaurant Rl»g, Danzigcr Str. 71: 5. Bezirk: Sonnabend, 29, Ok. loder, 1914 Uhr, im Rrichenbergcr Hof, Reichenderger Stratze: 8. Be. zirk: Sonnabend, 29, Oktober, 20 Uhr, bei stutzki, Hermaniistratze 75: 9. Bezirk: Sonntag, 30, Oktober, 10 Uhr, bei Ä, Reimer, Charlotten. bürg, stirchstratze Ecke Grttnstratze: 10. Bezirk: Sonnabend, 29. Oktober, Wö Uhr, in Riederschöiiewcidc, Brückcnftratze 15. Erscheinen aller Rollege» ist Pflicht, Der Fraktionsoorstanb, Beamte, Lokal jammlung,_______________________________ Ächtung, Buchdrucker! 4. Bezirk tAmslcrdamcr Richlungs, Am Sonnabend, dem 29, Oktober, l9>., Uhr, findet im Lokal Seipke eine wichtige Fraktion». sitzung statt. Da» Erscheinen aller SPD.-Rollegen ist der Wichtigkeit wegen»n- bedingt erforderlich. Der Fraktionsnorftnnd, AV�feie Gewerkschafts-Iugend Berlin I Heute, 19>, Uhr, tagen die Gruppen: Freidcit: Jugendheim Wassertor- stratze 9, Politisch-satirischer Abend.— Thaelottcnbueg: Jugendheim Sprecstr. 3t>. Einführung in das Arbeitsrecht.— Rordring: Jugendheim Schule Sannenburger Str. 2t>. Fahrten in Bild und Wart.— Unsere z». künstigen Fahrten.— Zlughasea: Jugendheim Schule Mariendorfer Weg 89 70. Gcmeinschast im Flughafen.— Hcrtzbcrgplatz: Jugendheim Treptower Str. 98. Avsspracheabend.— Hermonnplatz: Jugendheim Sanderstr. II, Ecke Hodrecht. stratze. Wir tage» als Sondergericht.- Zranlsurtcr Aller: Jugendheim Litauer Stratze 18. Bunter Abend.— Zeppelinplatz: Jugendheim Turiner Ecke See. stratze. Hört ihr sie Schleichen...— Reinickendars-Ost: Jugendheim Lindauer Stratzc«Baracke»!. Madchenardcit in der FGI.- Adlershof: Jugendheim Adlershof, Bismarckstr. l. Die Stellung der Frau in der Gegenwart.— Wedding: Jugendheim Willdenowstr. 5, 2 Treppe», Zimmer>l. Unsere Jugend. arbeit und die anderen Jugendorganisationen.— Prenzlauer Berg: Jugendheim Gleimstr. 35. Was ist«in Tarifvertrag? @�uaendaruvpe des �entralverbandes! der Anaestellten Heule. Freitag, finden folgende Veranstaltungen statt: Britz: Gemein. schaftshaus in der Hannemannstratze der Bau- und Spargenosienschast ..Ideal", Vortrag: Wirtschäftsbelebung oder Wirtschaftsumbau.— Wird der neue Reichstag eine Entscheidung bringen? Referent: Dr. Leroinski.— Süd- «est: Jugendheim Porckstr. 11(2. Hof. Queraebäude. Aufgang ll. Zimmer 4). Lcseabend.— Die Berliner Drnckerei- und Berlag�aesellschaft m. o. H. tagt beute von 20 bis 22 Uhr im Verbandshaus.— Die Photogruppe tagt von I814— 21% Uhr im Jugendheim Frankfurter Allee 307. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold". G k 1 ch ä t t s st e l I e: Berlin S. 14 Sebastianstr 37—38 Hot 2 Tl. Mitte tOrtsvcrein>. Freitag, 28, Oktober, 19 Uhr, Antreten i» Bundeskleidung in den Germaniasäle», Ehaussecstratze tnichl Per» suchs. und Lehrbrauerci, Seestratze),— Friedrichshain lBläferkorps), Jeden Freitag, ab 20 Uhr, Uebungsstunde bei Reuman», Enibcncr Sir, 45, Tenor- und Waldhornbläscr werden noch aufgenommen— Wasseriportabteilung. Ztig Tegel, Sonntag, 30, Oktober, t7 Uhr. Zugversammlung im Bootshaus. Bortrag des Kameraden Rüter über freiwilligen Arbeitsdienst. Vollzähliges Erscheinen mit Angehörige» erwartet der Vorstand. Reichskortell Republik. KKS. Republik, Berlin-Often. Sportplatz Friedrich». selbe, Sonntag, 30. Oltobcr, oon 8—10 Uhr Ucbnngsschictzcn. Ab 10 Uhr Schietzen um die Bundesmciftcrschastc», Verband ehem. Polizeideamten Prcutzcn c. V, sBepp.) Sitz Berlin. Mit» gliederversammlung am Montag, dein 31. Oktober. 20 Uhr. in der Bockbrauerei, Fidicinstrgtze 2—3, Arbeiter, Radio- Bund Deutschlands E. V. Ortsgruppe Grotz Brrlin. Unter. ruppc Tharlottenburg, Tagungslokal Lehman», Ehariottenburg, stönigswcg 8, 'rettag, 4, Naveinde», um 20 Uhr, Bastelabend, Bortrag: Berechnung und Her. tellung von Spulen, Res, Gen, Forsdn,— Untergruppe Friedrichshain, Ta. gtingslalal«erlalla, Hobenlohestr. 3, Montag, 31. Otiabcr, 20 Uhr, Baftcl. abend.— Untergrnppc Lichtenberg, Tagungslokal Bibliothek, Weichselstr. 28, Freitag, 4, Rooember, 20 Uhr, Gruppenabend.— Untergrnppc Neukölln, Ta. gungslokal Rlamt, Berliner Str. 100, Freitag 4. November, 20 Uhr. Sperr- kleise, praktische Borftihrunae» Ref. Ge». Gimpel. Untegruppc Prenzlauer Berg. Tagungslokal Klug, Berlin RO 55, Danziger Str, 71, Dienstag, 1. Ro, vember, 20 Uhr, Gruppenabend,— Untergruppe strcuzbcrg.Tempclhos. Ta. guugslolat Restaurant Thiele, Fürbringcrstr, 9, Frciiag, 4. November, 20 Uhr, Gruppenabend,— Untergruppe Gesundbrunnen, Tagungslokas stlrines Ge. werkschaftshaus, Etcttincr Stratzc, Freitag, 4. November, 20 Uhr, Bortrog und Zahlodend,— Untergruppe Spandau. Anslhrist O, Linke, Spandau, Eschen, weg 10, Zither-Tlub 187» Reukölln,(Dirigent: Adolf Wöllcnschläger.j Jeden Frei. tag Uebungsstunde im Restaurant Meitzner, Kaiscr.Friedrich. lmd Anzen. gruberstr-.Ecke, Beginn 8'/: Uhr. Zithcrspiclcr und Gaste herzlich willkommen, Topographisches Orchester, Dirigrnt Erich Gutzeit, Uebungostundcn jedeit Freitag, 20H— 22% Udr, im Ideal. stasino, Reukölln, Weichfclstr. 8, Bläser und Streicher willkommen. Gleichzeitig sei aus die heute abend im Idcal-Rasino slattsindende Generaloersammlung ausmerksam gemacht. Unsere Groß- Berliner Filialen: M B«djcr. 18 Brunnen str. 76 Chaussecstr. 33 Danziger Str. 20 Greifswaider Str. 1 Kaatanienallec 36 a Landsberger Allee 37 Müllerstr. 55 a Müilerstr. 166 Reinickendorfer Str. 18 Schönhauser Allee 110 Treskowstr. 18 Gr. Frankfurter Str. 71 Gubener Str. 51 Paul-Singer-Str. 40 Kopernikusstr. 18 Krautstr. 46 b Petersburger Str. 81 Stralauer Allee 23 b ao Neanderatr. 37 Oranicnstr. 1 Rcichenbcrger Str. IV Wrangelatr. 23 Vrangclstr. 56 Kottbusser Damm 8 Dresdener Str. 115 Grafcstr. 25 Prinzcnstr. 31 SW Bcrgmannstr. 92 Frittirichstr. 227 und Kaffeestub« Kulm er Str. I Gcnthir.er Str. 26 Lüttowstr. 83 NW Alt-Moebit 112 Bcosaelatz. 29 Huttenatr. 1 Laisens tr. 43-64 Stephan str. 42 Turm str. 47e Waldau. 41 WilanKtar ta.» Charlottcnburg Augsburger Str. 54 Berliner Str. IIS und Kaffeestube D�nckelmannstr. 58 Grohn ans tr. 14 Holtzcndorffstr. 4 Kaiscr-Friedrich-S«. 55 Kantstr. 36 JOciststr. 20 Knobcladorflstr. 8 Pcstalozzistr. 28 Spandauer Str. 30 Suarczstr. 15 Tauroggeocr SB. 12 Uhlaadstr. 32 WUmcradorfcr Str. 69 Wämersdorfer Str. 150 Spendan Breite Str. 49 Hamburger Str. 35 Neuendorfer Str. 5 Potsdamer Str. la Schönwaldcr Str. 88 Haie Weatfaliachc Str. 50 Bcrlln-LJchtenberg Boxhagcncr Str. 42 Boxhag ener Str. 68 Frankfurter Allee 60 Frankfurter Allee 101 Frankfurter Allee 224 Wilhehnatr. 10 Berlin- Wilmersdorf Berliner Str. 131 Güntzelstr. 17-18 Kümbcrger Str. 33-34 Olivaer Platz 2 Präger Platz l Uhlandstr. 112-113 Uhlandstr. 148 Wexstr. 28 Bcrlin-Scböncbcrf Barbarossa plata 3 Cranachstr. 53 Eiscnachcr Str. 90 Kolonncnstr. 66 Martin- Luther- Str. 95 Tempclhofer Str. 21 Bcrlin-Steflitz Rh ein str. 42 Schloßstr. 85 Berlin-Neukölln Betgstr. 140 Hermannstr. 40 Hermannatr. 119 Kaiser-Fricdrich-Str. 243 Pflugemr. II Bln.- Oberachöneweidc Edisonstr. 58 Wilhelminenbofttr. 41 Adlershof, Bismarckstr. 23 Bernau, Bürgcrmeisterstr. 223 Birkenwerder, Hauptstr. 75 Britz, Chaussecstr. 47 Cöpenick, Schloßstr. I Erkner, Friedrichstr. 61 Friedrichsfeldc, Alt Friedrichsfcldc 40 Friedrichshagen, Friedrichstr. 86 Fürstenwalde(Spree), Markt 5 Hermsdorf, Bahnhofstr. 17 Hohenschönhausen, Berliner Str. 113 Kalkberge, Redenstr. 49 Lichtenrade, Bahnhofstr. 47» Ltchterfelde, Enzianstr. 5 Lichterfelde, Gelieustr. 1 Lichtcrfeldc-W.jHindenburgdamm 33 Mariendorf, Chaussecstr. 34 Nauen, Mittelstr. 32 Nowawcs, Friedrichstr. 20 Pankow, Schönholger Str. I Potsdam, Brand«rf»rger Str. 19 Potsdam, Luisen* tr. 10 Potsdam, Nauener Str. 38 Reinickendorf, Residenntr. 107 Rosenthal, Hauptstr. 10 Schmargendorf, Breite Str. 28 Strausberg, Große Str. 59 Südende, Steglitzer Str. 25 Tegel, Berliner Str. 9 Tempclhof, Berliner Str. 55 Neu-Tempclbof, Hohenzollern- korso 6 Treptow, Baum schulen* tr. 19-20 Treptow, Graetzstr. 61 yeißensee, Berliner Allee 242 Werder(Havel), Unter den Linden 3 Zossen, Berliner Stf. 12 | Kaiser* s Kaffeestuben: Charloüenburg, Berliner Straße 115, am Wilhelmplatz/ Berlin S1V, Friedrichstraße 227,(U-Bahn KochstraßeJ�J� lh uMsese KAFFEE GESCHÄFT KAISERS zcJff Hm««» J«tzt unsere ichSne« WeiKnachi»- Bonbonnieren, die Sie leicht durch Kaiter't Weihnacht*• Sparbuch erwerben. Ausserdem .erhalten Sie 50/o Rabatt.— Viel Freude macht da der Einkauf der guten und billigen Kaiser'* Erzeugnisse. 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Maske und Kinder ßeotsdier MetallarÄ-llsfW Verwalhingsstcile Berlin Todes- Anzeige ®cii Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Rkillriedörkttsedllkiiler geb. 10. Juni 1877, am 25. Oftober gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet ain Freitag. dem 28. Oftcder, 19 Uhr, im Krematorium Berlin, Dertchtstraße, statt. Rege Beteiligung erwartet Ole OrtsverwaUaiig. Tltcafcr Freitag, den 28. Oktober staatsoper unter den Linden 20 Uhr Wiener Blut staatliches Schauspielhaus 19 Uhr Zum 1. Male: Gabriel Schillings Flucht Tagl. 5 U. ey2 Uhr 3 AMOREU-RIVELS BARN. V.6CC2Y WALLBÜRG usw. PLAZA Nähe Sdiles. Bhf. hu.ö�.Stgs. 2.5,815ü. E I Weithsel 4031 Dollarprinzessin 6 Uhr 15. Flora 3434. Uaumen er). Bronett-Familie. Lord Ain. 7 Alfredos. Marianne u. Roberts. Dormonde. MaeElgin. Mary Erik u. Co. usw. Sonnabend und Sonntag auch nachm. 4 Uhr zu kleinen Preisen $lädl.0per Charlottenburi' Fraunhofer 0231 Freitag, 28. Okt. 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