Jenivawvsan der Sozialdemokeatifche« Oavtei Deutschlands -�.usAade ssr. 314 L249 49.«Jsirjj. Redaktion and Verlag» Berlin SW 68, Lindenstr. 3 5etn(pt«(f>et: 37 Am! D«nh»II 292 bü 797 Stlegrammabttffei Sojtalbtmottot Deilm VOLKSBLATT MONTAG 31. Oktober 1932 In Groß• Berlin 1 0 Bf- Auswätts....... 10 Bf- 9gezug«i>edingllng«n uttb Anzeigenpreis« siehe am Schluß be» redakttonillen Teil« Wer regiert? Hermann Müller oder Franz v. Rapen? Mancher Berliner mag sich wohl erstaunt die Augen gerieben haben, als er an den Anschlagsäulen die neuesten kommunistischen Plakate erblickte! Leben wir nun, so dachte er. im Jahre 1928 oder im Jahre 1932. und heißt der deutsche Reichskanzler immer noch Hermann Müller oder heißt er nicht schon seit einiger Zeit Franz v. P a p e n? Warum hat die Kommunistische Partei soviel Arbeit und Geld angewandt gegen eine Regierung, die gar nicht mehr existiert? Wären Arbeit und Geld nicht vielleicht besser angewandt, wenn man mit dem gleichen Eifer gegen die jetzige Reichsregierung Die kreüiek ruft! Miilionenschrei: Das Volk entscheidet Liste 21 Sozialdemokraten! losgeschlagen hätte? Diese Frage erledigt sich nach kommunistischer Logik ungeheuer einfach. An der gegenwärtigen Reichsregie- rung besteht kein oder nur ein höchst mäßiges Interesse, weU keine Sozialdemo- traten in ihr sitzen. Die Regierung Her- mann Müller dagegen war eine Koalitions- regierung. an der Sozialdemokraten beteiligt waren. Da auch bei dieser Wahl der „H a u p t s ch l a g" befehlsgemäß gegen die Sozialdemokratie zu führen ist, kann man mit Papen gar nichts anfangen und muß man auf Müller zurückgreifen. Dazu kommt noch eines: Ueber Papen hätte man ein sehr schönes Plakat anfertigen können, in dem lauter Wahrheiten standen! Das Plakat gegen die Hermann- Müller-Regierung dagegen besteht aus lauter Lügen. Würde der KPD. ein Wahlkampf Spaß machen, in dem man die Wahrheit sagt und nicht lügt? Darum nichts gegen Papen und alles gegen Hermann Müller! Wenn man sich nun auch gegenüber einem politisch ununterrichteten Publikum manches leisten kann, so glauben wir doch, daß das kommunistische Plakat eine große Torheit ist. Denn es fordert auch den einfachsten Verstand zu Ueberlequngen her- aus, die den Kommunisten höchst unbequem werden können. Wenn nämlich am 6. No- vember darüber abgestimmt werden sollte, ob die Zustände, wie sie jetzt unter Papen bestehen bleiben sollen oder ob die Zustände wiederkehren sollen, wie sie zu Zeiten Her- mann Müllers bestanden— es würde keinen Kommunisten in Berlin und in ganz Deutscbland geben, der dann nicht für die Wiederkehr der Hermann- Müller-Regierung stimmen würde! Daß uns aucb damals keine gebratenen Tauben in den Mund geflogen find, willen wir alle. Aber kein Mensch kann schließlich so verdreht sein, nicht zu bemerken, daß da- mals troll alledem das Leben für die arbei- tenden Massen etwas freier und leich- t e r war. als es jetzt ist. Schließlich sollte auch ein Kommunist Verständnis für den Unterschied finden, wenn Angebörige der Arbeiterklasse oder wenn Barone in der Reaierunq sitzen. Aber der Hauptiilllag muß gegen die So- zialdemokratie geführt werden! Darum fcMönt man lieber auf den toten Hermann Müller als auf den lebenden Paven, und darum lügt man lieber über die Regierung Hermann Müller, als daß man über die Re- gierung Papen die Wahrheit sagt! Der Bankerott der Gewattpottttk Kommissar Brach ts Bilanz: Das Funktionieren des ganzen Reichsapparats in Frage gestellt! Das Kabinett der Barone behauptet, daß es sein diktatorisches Regime in Preußen zur Auf- rechterhallung von Ruhe und Ordnung weiter fortsetzen müsse. Was dies Regime über Preußen gebracht hat, geht aus einem geheimen Schreiben des Reichskommisiars B r a ch t' an den Reichskanzler und sämtliche Reichsminister hervor. Dies Schreiben wird im„Völkischen Beobachter" veröffentlicht. Es stammt vom 18. Ok- tober 1932. Darin steht u. a.: „Da den Gemeinden und Gemeindeverbäoden die Aufnahme irgendwelcher Kredite nicht mehr möglich war und ist, sind ihre sämtlichen eigenen Fonds(einschließlich der zweckverbundenen) inzwischen ausgezehrt worden. Die R ü ck st ä u d e der preußischen Gemeinden an uichlabgelieserten Staatssteuern beliefeu sich am 30. Mai 1932 auf S1.7. am 30. Zun', 1S32 auf 83,1, am 31. Zuli 1932 auf 107,2 und am 31. August 1932 auf 129.6 Millionen Reichsmark. Seitdem sind sie weiter gestiegen, trotzdem durch den Runderlaß vom 22. August 1932— Min-Blatt für die innere Der- waltuug, Seite 843— alle nur erdenklichen Maßnahmen getroffen worden sind, um die Ablieferung der Slaatssteueru sicherzustellen. Gerade der praktische Mißerfolg dieses Erlasses ist ein klassischer Ausdruck für die ungeheure Fiuanzirot der Gemeinden und ihrer Rückwirkung aus andere Interessen- sphären, indem selbst die lokalen Aussichtsbehördeu im weitesten Umfang genötigt waren, sich über die jetzigen Anordnungen der Zentraliustanzen einfach hinwegzusehen, um den Gemeinden durch Freigabe hoher Beträge au Staotssteuern die Zahlung von wohlfahrtsullterstühungen zur Aus- rechterhallung von Ruhe und Ordnung vorläufig noch sicherzustellen. 3n welche unüberwindliche Schwierigkeiten der Staat dadurch gekommen ist, braucht nicht hervor- gehoben zu werden. Das Funktionieren des ganzen Staats- apparates ist durch Nückstäude in solcher Höhe in Frage gestellt." Räch einer Darstellung der trostlosen Finanzlage im einzelnen heißt es dann weiter: „Es bedarf keiner weiteren Ausführungen dar- über, daß die Dinge so uicht weiterlause« können. Die schwere und sich ständig verschärfende Fiuauzkrise der Gemeinden und Gemeindeverbände kann auch nicht weiterhin isoliert für sich betrachtet werden. Sie hat bereits in immer stärkerem Maße Auswirkungen auf die Lage des Staates und anderer Körperschaften, uicht minder aber auch der privaten Wirtschaft gezeitigt. Diesbezüglich muß ich mit aller Deut- lichkeit betonen, daß der Zusammenbruch Flieger verschollen D2017 London— Köln verunglückt Das Postflugzeug D 2017 auf der Strecke L o n- d o n— Köln, das Sonnabend um 7 Uhr abends von London abgeflogen war. sandte etwa 40 Minuten nach dem Start sunkentelegraphisch Hilfe- rufe. Da sich das Flugzeug zu dieser Zeit in der 3)er tWIol Cuno Rühe des Kanals befinden mußte, wurde der gesamte Küstenwachtdienst alarmiert. Es gelang jedoch nicht, e'ne Spur von dem vermißten Flugzeug zu finden. 3m Kanal herrschte schweres. stürmisches Wetter. Auch die Besatzung eines nach Tagesanbruch zur Rachsuche von Köln nach London eulsandteu Flugzeugs konnte keine Feststellungen mocheu, so daß mau wegen des Schicksals der Flieger starke Besorgnisse hegt. Räch einer unbestätigten Meldung aus Brüssel soll ein unbekannter Dampfer die Flieger gerettet haben Es handelt sich um den Flugzeugführer Wilhelm E u n o, der bereits 300 000 Kilometer Im Luft- verkehr und davon allem aus der Rachtstrecke nach London 120000 Silometer zurückgelegt hat. u»d den Funker und Maschinisten Werner D r e b e s. der seit zwei Zahlen mit Euno auf dieser Linie fliegt. Da es sich um ein Racht-Bostflugzeug handelt, befanden sich keine Passagiere an Bord. Die weiteren eingelaufenen Nachrichten zu dem Unglück des Nachtfluczeugs London— Köln sind lehr widersprechend. Bisher konnte die Rettung der deutschen Flieger noch nicht bestätigt werden. Auf dem Flugplatz von Croydon liegen außer der kurzen Brüsseler Meldung, daß die Insassen des Flugzeugs D 2017 von einem unbekannten Damp- ser am Sonnabend um 23.40 Uhr MEZ. auf- genommen worden seien, noch keine weiteren Mel- düngen vor. Die meteorologische Lage war beim Start des Flugzeugs keineswegs ungünstig. Es wehte zwar ein starker Wind, aber erst späterhin setzte der Sturm ein. In Brüssel wurde von dem dortigen Flughafen später unter allem Bor- behalt eine Meldung ausgegeben, nach'der zwar das Wrack der v 2017 von einem Dampfer un- bekannter Nationalität gefunden sein soll, von der Besatzung aber jede Spur kehle. Dieser Meldung widerspricht eine weitere Meldung ebenfalls aus belgischer Quelle, die besagt, daß die Flieger von einem dänischen Dampfer, dessen Name jedoch nicht genannt wird, im Kanal gerettet sein sollen. In Brüssel ist ferner eine Nachricht aus Marseille eingelaufen, die eine» Funkspruch des Dampfers„Gaslight" erwähnt, der in der Nacht zum Sonntag im Wattenmeer von Gunfleet ein Feuer in der Luft bemerkt haben will. Auf dieser Meldung bauen wohl die Gerüchte auf. die von einem Brand an Bord der V2017 wissen wollen. zahlreicher Gemeinden und Gemeindeverbände alle Maßnahmen zn- nichte machen würde, welche die Reichsregicrung zur Hebung des Vcr- trauens und zur Belebung der Wirtschaft inzwischen eingeleitet hat." Dr. Bracht schlägt dann u. a. die sofortige Erhöhung der schlüsselmähigen Reichswohlsahrts- dotationen monatlich um mindestens 25 Millionen Mark aus dem Ersparnis der Alu und Pru, und zwar bereits für den Oktober 1932 vor und schreibt dazu: „Ich betone dabei nochmals besonders, daß diese Erhöhung schon für den Monat Oktober unerläß- lich ist, denn gerade für Ultimo Oktober fürchte ich die größten Schwierigkeiten, würde die Erhöhung, entgegen meinen dringenden Vorstellungen, erst für den Monat Rovember erfolgen, dann könnten inzwischen schon mehrere, und zwar große Gemein- den. namentlich im rheinisch-westfälischen Industriegebiet. zusammengebrochen sein, und der dadurch bewirkte Rückschlag könnte auch unübersehbare politische Auswirkungen haben." Das Kabinett der Barone treibt Macht- Politik für die Junker in Preußen, es setz: der Bevölkerung tönende Reden über die Reichs- r e f o r m vor, es greift nach den Rechten des Volkes— aber hinter der Fassade des Regiments der Barone liegt ein schauerlicher Trüm- m erHaufen! Welche Enthüllungen über den Bankrott des Regiments der Barone hat das Volk erst nach dem 6. November zu erwarten! Die Erb- schaft der Diktatur wird erschreckend sein. Wenn Herr Bracht schon am 18. Oktober einen solchen Notschrei an seinen Auftraggeber ge- richtet hat, dann kann man das schlimmste er- warten! Fort mit der Diktatur! Haltet Abrechnung am 6. November! Klage gegen Bracht Um die Schulden von Ohlau Mit der famosen Bracht-Auflage„Die Schuld von Ohlau" beschäftigte sich heute das Landgericht I. Es soll entscheiden, ob diese Auflage den„Vorwärts" und 15 weiteren Partei- blättern zu Recht aufgezwungen worden ist oder ob der preußische Staat die durch Abdruck dieser„Auslage" entstandenen I n s e r t i o n s- ge b ü h r e n in Höhe von 1300 Mark zu bezahlen hat. Bracht hat im August und September dieses Jahres die Be u r t e i l u n g nicht gefallen, die dem Ohlauer Schreckensurteil gegen die Reichsbannerleute im„Vorwärts" und an- deren Partciblättern zuteil wurde. Er schickte des- halb an die sozialdemokratischen Blätter und einen Teil linksbürgerlichcr Zeitungen eine„Auslage" nach Schema F, die nichts anderes enthielt als einen Teil der Urteilsbegründung im Ohlaucr Prozeß. Diese einzigartige„Auflage" war mit einem Begleitschreiben versehen, in dem es u. a. hieß:„Anläßlich der Verhandlung über den Ohlauer Landsriedensbruch... hat Ihre Zeitung Heide Heue' Weit: Hk�seukuHd�eSuH� Abends 7.30 Uhr. Redner: Friedrich Stampfer, M. d. R.; Erich Schmidt, SAJ.; W. Scheveneis, Generalsekretär des Internationalen Gewerkscha tsbundes.— Mitwirkende: Spieltruppe der SAJ. und des Reichsbanners. Neue Junkerherrschaft in Preußen Die Larone richten sich für die Dauer ein irreführende Mitteilungen über Urheberschaft und Schuld an den blutigen Ausschreitungen gebracht. Auf Grund des Sj 5 der Verordnung des jierrn Reichspräsidenten... ersuche ich daher" usw usw. Der„Vorwärts" und die Parteiblätter waren der Ansicht, daß diese Auslage zu Unrecht auf- gezwungen worden sei und verklagten aus Grund des Artikels l3l der Verfassung, der bestimmt, daß der Staat für den Schaden haftbar ist, den ein Beainter durch Ueberschreitung seiner Pflichten einem Dritten zufügt, den preußischen Staat auf Ersatz der Insertionskosten. In der heutigen Verhandlung führte Rechts- anwalt Dr, N e u m a n n als Vertreter der Kläger aus. daß die Auslage rechtswidrig sei. Erstens berufe sie sich nicht aus bestimmte Tatsachen, sondern beziehe sich vielmehr auf eine Unzahl von Veröffentlichungen zum Ohlauer Pro- zeß sowohl im„Vorwärts" als anderen Partei- blättern und den bürgerlichen Linksblättern. Zweitens stelle die Auslage auch selbst nicht be- stimmte Tatsachen fest, sondern enthalte nichts anderes als das Urteil des Ohlauer Gerichts, das heißt spezifizierte juristische Erwägungen. Eine Entgegnung der Behörde auf Grund des Z 5 der Notoerordnung müsse jedoch im Gegensatz zu einer Kundgebung der Regierung die Widerlegung b e- st i m m t e r Tatsachen im Interesse der Oessent- lichkeit darstellen. Der dritte Grund für die Rechtswidrigkeit bestehe darin, daß die Frist für die Auflage vielleicht oerwirkt sei: das Urteil ist am 22 August gefallt worden, die Auslage erst am 3. September den Zeitungen zugegangen. Diesen Einwendungen hielt der AnwaU der Staatsregierung Dr. Eisen entgegen, daß die Auf- läge erstens an solche Tatsachen anknüpfe, deren Richtigstellung im Interesse der Oeffentlichkeit ge- legen habe, und daß sie Tatsachen innerer Natur enthalte. Der Vorsitzende erklärte, daß ein weiterer Ter- min nicht erforderlich sein würde, da es sich ja um einen Rechtsstreit handele. Beide Parteien seien sich ja daran einig, sofern die Auflage rechtswidrig erfolgt sei, der dadurch entstandene Schaden zu ersetzen sei. Der Termin für die U r t e i l s v e r- kündung wurde auf den 21. November fest- gesetzt. Wer ist GieseSe? •Adolk Hitlers allerneueste Erwerbung Triumphierend meldet der„Angriff":„KPD.- Führer kommt zu Adolf Hitler.— Leutnant Scheringers Freund für Liste 1." Der KPD.-Führer, der jetzt zu Hitler über- gelaufen ist, ist der ehemalige Polizeioberleutnant Gerhard G i e s e ck e, der auch bei uns nicht un- bekannt ist. .. Giesecke trat im Herbst 1S2L aus der Sozial. demokratischen Partei aus und im Frühjahr 132!? in die Kommunistische Partei ein./ Ansang Juli 1332 meldete er sich bei Genossen Künstler, um eventuell in die Sozialdemo- kratische Partei zurückzukehren. Da er nicht die erwariete Aufnahme fand, wandte er sich am 9 August d. I. an den sozialdemokratischen Partei- vorstand mit einer Beschwerde, mit der er aber gleichfalls kein Glück hatte. In dem Beschwerde- bries heißt es zum Schluß: lind dabei haben Sie es doch, wenn Sie den rechten Weg gehen, so leicht. Hunderttausende in Ihre Reihen aus der KPD. zurückzuholen. Auch von diesem lockenden Angebot hat der Par- teivorstand aus triftigen Gründen keinen Gebrauch gemacht. Hätte er anders gehandelt, so wäre Giesecke heute wieder ein ebenso treues Mitglied der SPD. wie er jetzt ein begeisterter Nazi ist. Die Partei hat gut getan, auf Gerhard Giesecke zu verzichten! So etwas gehört eben zur NSDAP.! AutoungW« in Berlin L�.-AVagen umgestürzt 3n der Nähe von Berlin, auf der Strecke nach Nauen, ereignete sich am Sonntag ein schweres Autounglück, dem etwa 40 Personen, dar- unter 14 Schwerverletzte, zum Opfer fielen. Sämt- liche Verunglückten sind Nationalsozialisten, die aus Verlin nach Perleberg zurückkehren wollten. Der verunglückte Lastwagen nebst Anhänger ist Eigentum eines Berliner Chauffeurs, der sich nach dem Unfall gegenüber einem Feuerwehroffizier folgendermaßen äußerte:„Ich wollte zuerst geradeaus. Plötzlich rief aber einer:„Wir müssen l-nks einbiegen!" Ich riß daher das Steuer nach lmk� In diesem Augenblick kam der Anhänger zum Kippen!" Berschütteli In Dell ys bei Algier ereignete sich bei Neu- bauarbeiten ein Erdrutsch, wodurch sechs Arbeiter lebend begraben wurden. Vier von ihnen konnten nur noch als Leichen geborgen werden.— Ein anderes folgenschweres Unglück ereignete sich in der Nähe von Oran. Die Bremsen eines vollbesetzten Autobusses versagten auf einer abschüssigen Landstraße plötzlich den Dienst, so daß der Kraftwagen mit ungeheurer Geschwindigkeit dahcrraste. Drei der Insassen wollten sich durch Abspringen in Sicherheit bringen und wurden gegen die die Landstraße einsäumenden Bäume geschleudert. Alle drei waren auf der Stelle tot. Fünf andere, die ihrem Beispiel gefolgt waren, erlitten schwere Ver- letzungen. Das Kabinett der Barone hat neue Kommis- sare in Preußen ernannt. Die Liste der kom- missarischen Verwalter sieht nunmehr so aus: Inneres: Dr. Bracht, der zum Reichsminister ohne Geschäftsbereich ernannt worden ist: Zinanzen: Dr. P o p i h. ebenfalls zum Reichsminister ohne Geschäftsbereich ernannt: Landwirtschaft: Reichsernährungs- mini st er v. Braun; Wirtschaft und Arbeit: Staatssekretär Ernst: Kultus: Professor Dr. Kaehler-Greiss- wald: Justiz: Staatssekretär Hölscher. Aus dieser Liste geht hervor, daß man sich im Reichskabinett keine Mühe gibt, die Serie von Verstößen gegen das Leipziger Urteil zu be- mänteln. Man richtet sich für die Dauer ein! Mit der Unterstellung des Landwirtschaftsmini- fteriums unter den Frecherrn v. Braun wird die Absicht des Kabinetts der Barone ganz deut- Altenburg, 31. Oktober. Der Führer der deutschen Sozialdemokratie Otto Wels sprach hier am Sonntag in einer Wahlkundgebung. Das Verfammlungs- lokal war lange vor Beginn der Ver- anstaltung so überfüllt, daß die Kund- gebung vor dem angesetzten Termin begonnen werden konnte. Otto Wels führte u. a. aus: Wenn man das Leipziger Urteil nimmt und die neuesten Handlungen des sogenannten Reichskommissars für Preußen Zu ihm in einen Vergleich stellt, dann kann man nur sagen: Alles, was dieser Reichskommissar, der Zu- Novemberspuk „Hilfe! Die Gespenster von vorgestern gehen um!" fallskanzler ohne Gottesgnaden oder seine Beauftragten zurzeit tun und lasten, ist nur unter der Devise zu rechtfertigen:„Je weniger Recht wir haben, um so dreister müssen wir sein." Warum ich gerade dieses Wort ge- brauche, wird besonders Herr Bracht wissen, der zufällig auf der anderen Seite der Wilhelm- strahe sitzt und dessen Existenzgrundlage ebenso wie bei dem Herrn, der zurzeit„ordentlicher" Reichskommissar spielt, nicht der überragende Verstand, sondern die reaktionäre Ge- sinnung ist. Wenn dieser Herr von Papen heute an höchster Stelle erklärt, daß Ruhe und Ordnung jetzt weniger gesichert wären als vor drei Monaten, als Braun und Seoering noch im Amte waren, so hat er damit einmal die Wahr- heit gesagt. Aber in dieser Wahrheit liegt der Bankrott dieses Systems des Herren- reiters, der Bankrott, der mit der gewalt- famen Amtsenthebung unantastbarer Persönlich- keiten begann, der sein Zwischenstadium in dem Urteil des Ttaatsgerichtshofes fand, und dessen Ende bisher nicht abzusehen ist. Der Zufallskanzler hat unterdessen unter dem Druck des Häufleins, das hinter ihm steht, neue V-erfügungen gegen Preußen durch- gefetzt. Das preußische Staatsministerium Braun hat die Pflicht, auf diese Verfügungen schnell» st e n s und klar zu antworten. Wenn der lich. Jetzt haben wir die Barone di- rekt in Preußen! Das preußische Landwirtschaftsministerium wurde einst von Otto Braun geführt. Die Ab- Wendung vom Kurs der Herrenhäusler und des Ostelbierrums ist darin deutlich zum Ausdruck ge- kommen. Jetzt sitzt wieder ein Ost- elbier im preußischen Landwirt- s ch a f t s m i n i st e r i u m! Die Bevölkerung in Preußen soll den Interessen des ostelbischen Groß- grundbesitzes dienstbar gemacht werden. Die preu- ßischen Staatsfinanzen sollen unter ostelbischen Gesichtspunkten von einem Finanztechniker ver- waltet werden, der sich den Baronen zur Ver- fügung gestellt hat, und der Polizeiapparat soll unter Brachtschem Kommando die Jnteresten der Junker schützen! Immer feste druff ostelbisch geredet— das ist die Parole des Kabinetts der Barone. Seine Basis im Volke wie im Recht wird immer schmaler, aber seine Machtziele werden immer größer! Die preußische Staatsregierung wird über diese neue Provokation am Dienstag- vormütag beraten. Wahrscheinlich wird noch in Reichspräsident nicht einsieht, daß in diesen Verfügungen eine gewalttätige Beugung des Leipziger Spruches liegt, dann wird die recht- mäßige preußische Regierung gezwungen sein, dem Recht zum Rechte zu verhelfen. Der Reichspräsident wird dann entgegen allen Versicherungen seiner Ratgeber eine neue Niederlage zu verzeichnen haben. Im weiteren Verlauf seiner Rede charakteri- sierte Wels in scharfen Wendungen gegen die Papen-Regierung deren reaktionäre Politik, ihre politischen Methoden und Absichten, gegen die überwältigende Mehrheit des Volkes Berfastungs- änderungen und Wahlrechtsänderungen durchzu- setzen. Aber ohne Nationalsozialisten und Kom- munisten wäre diese Regierung, die sich aus nichts anderes stütze als auf den Reichspräsidenten und auf ihre reaktionäre Gesinnung, nicht möglich. Diese nationalsozialistisch-kommunistische Basis der Baronsregierung zu vernichten, sei das Ziel des Wahlkampfes. Massenkundgebung in Nürnberg Eigener Bericht des„Vormärts" Nürnberg. 31. Oktober- Zu einer Riesenkundgebung gestaltete sich die Versammlung der Eisernen Front in Nürnberg, in welcher der hessische Staatspräsident Adelung und Paul L ö b e sprachen. Die Versammlung war trotz Wind und Wetter weitaus stärker be- sucht, als die vor einigen Tagen von den Nazis abgehaltene Hitler-Derfammlung. Ueber 23003 Männer und Frauen der Eisernen Front waren in der großen Halle des Luitpoldhains versammelt. Der hessische Staatspräsident Adelung legte den Wählern noch einmal dar, um was es bei den jetzigen Wahlen geht. Paul L ö b e ermahnte die Riesenversammlung, jeden Tag bis zur Wahl auf dem Posten zu sein und durch die Roßtäuscher- künste der Nazis und der KPDisten nicht die klaren Fronten verwischen zu lassen. Unser Kampf am kommenden Sonntag sei ein Kampf für das deutsche Volk und für die deutsche Kultur. Es gelte, der Reaktion eine deutliche Ab- sage zu erteilen und endlich dafür zu sorgen, daß die ungerechte Wirtschaft, die die deutschen Kapi- talisten unter der Papen-Regierung führen, be- scitigt werde. Brot genug gebe es auch in Deutschland, wenn endlich die 30 Millionen deutscher Steuerzahler mehr zu sagen haben als die eine Million, die an dem falschen Wirtschafts- system interessiert sei. Laste sich das Volk nicht täuschen, dann werde am 6. November siegreich ir. ganz Deutschland der Ruf erschallen: Freiheit! Neue BlLioyfer Trotz der ArtikeI-48-Regierung Weiderich. 31. Oktober. An der Unterführung der Hüttenbahn der vereinigten Stahlwerke wurde bei einem politischen Zusammenstoß der 13jährige Schüler hoss- mann durch einen Revolverschuh verletzt. an dessen Folgen der Knabe kurz darauf starb. Ein Trupp von etwa 30 Rationalsozialisten hatte Flugblätter oerteilt, und hierbei war es zwischen einem der Zctleloerleiler und dem Arbeiter Fleeken zu einem Zusammenstoß gekommen. in dessen verlaus Fleeken mit einem Stein warf. Im selben Augenblick fielen drei Schüsse, die von Rationalsozialisten dieser Woche der Reichsrat zusammentreten. Die Isolierung des Reichskabinetts von allen politischen und verfassungsmäßigen Kräften in Deutschland wird dann in aller Schärfe hervortreten! Rampk um den Reichsrat Der Reichsinnenminister hat den R e l ch» r a i zu einer Plenarsitzung für den 10. Rovember cinberrsen. Die Rcicherateausschüsse sollen bereits in dieser Woche ihre Arbeiten ausnehmen. Mit der Festsetzung dieses Termins zeigt sich deutlich, daß das Reichskabinet» den Zusammentritt des Reichsrats vor den Reichstagswahlen zu vermeiden sucht. Demgegenüber sei fest. gestellt, daß Preußen und Bayern es jederzeit in der Hand haben, den Reichsrat binnen 48 Stunden zusammentreten zu lassem Die formelle Einberufung ist zwar Sache des Reichrinnenministers. doch ist es eine z w i n- g e n d e Geschäftsordnungsbestimmung des Reichsrats. daß dieser innerhalb von 48 Stunden zusammentreten muß, wenn ein Drittel seiner Mitglieder es verlangt. Das preußische Staatsministerium tritt am Dienstag zusammen und wird über diese Frage Beschluß fassen. abgegeben sein sollen. Die Zellelverteiler zogen sich daraus zurück. Der Schüler hoffmaon wurde durch einen der Schüsse verletzt; man schaffte ihn zu einem Arzl. der aber nur noch den inzwischen eingetretenen Tod feststellen konnte. Der Knabe hatte die Straße aus Reu- rierde betreten, um den Zwischenfall zu beobachten. Der Arbeiter Flesken und 18 Rationalsozmliflen wurden festgenommen. iSuchthau surteil gegen Nationalsozialisten halle. 31. Oktober. Nach zweitägiger Verhandlung verurtellte die Große Strafkammer Halle am Sonnabend den 22jährigen Diener Kurt Wilhelm, der der NSDAP, angehört, wegen tätlichen An- griffs aus einen Polizeiosfizier zu einem Jahre Zuchthaus Der Unter- suchung lagen Zusammenstöße zwischen National- sozialisten und Polizei zugrunde, die sich am 23. August beim Einzug einer Reichswehrbatteri« in Halle ereignet hallen. politische Zusammenstöße in Hamburg Hamburg, 31. Oktober. An der Wandsbeker Grenze kam es zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten zu einer Schlägerei, in deren Verlauf Schüsse fielen. Ein KPD.- Mitglied wurde durch Bauch- schuß oerletzt. Polizeibeamte wurden gleich- falls beschossen, mit Steinen beworfen und so hart bedrängt, daß sie von der Schußwaffe Gebrauch machen mußten. Dabei wurde der in Wandsbek wohnende 27 Jahre alte Bruno Borowski durch Kopfschuß verletzt. Auch Borowski soll Angehöriger der KPD. sein. Weitere verlegte Personen konnten von der Polizei nicht festgestellt werden. Tragödie am Srankesee Mutter und Kand in den Tod 3n Hohenschönhausen spielte sich heute vormittag eine erschütternde Tragödie ab. von einem Steg stürzte sich gegen 11 Uhr die dreißigjährige Frau Frieda König aus der Straßburger Straße in Hohenschönhausen milihrem zweijährigen Töchterchen Irmgard in den Orankesee. Spaziergänger hatten den Vorfall beobachtet und man unternahm sofort Rettungsversuche. Die Lebensmüde war mit dem Kind jedoch sofort untergegangen und es dauerte einige Zeit, bis� es gelang, beide aus dem Wasser zu ziehen. Von der inzwischen alarmierte» Feuerwehr wurden Wiederbelebungsversuche unternom- men, die aber ohne Erfolg blieben. Die Leichen wurden nach der Hall« des Hubertus- Krankenhauses gebracht. Die Kriminalpolizei ist zur Zeit bemüht, das Motiv zu dem Ver- zweiflungsschritt zu klären. Dpfer von Gekdräubern Als heule zwischen neun und zehn Ahr zwei Kassenboten einen Geldtransport von der Erfurter Reichsbankfiliale nach der nur 200 Meter entfernten Dedi-Lank bringen wollten, sprangen plötzlich aus einem in der Rahe stehenden Auto zweiMänuer heraus, die kl nd- lings auf die Relchrbankangestelltm schössen. Der eine Kassenbote wurde sofort getötet und der andere schwerverletzt. Die Räuber konnten mit dem geraubten Gelds in dem bereitstehenden Aulo unerkannt entkommen. Gegen die Reaktion — und ihre Helfershelfer N.uer Autturabbau In der brelteu Oeffentlichteit sind Gerüchte über einen neuen bevorstehenden radikalen Lehrerabbau aufgetaucht. Diesen Gerüchten zufolge verlangt das Ministerium der Kommissare vom Berliner Magistrat, daß er bis zum Früh- jähr 1333 wiederum eine große Zahl von Lehrer- stellen einziehen soll. Außerdem hat das Ministerium eine neue Anstellungssperre für alle Lehrkräfte Groh-Berlins verhängt. Der Provinzialverein Berliner Bolksschul- lahrerinnen schreibt uns dazu:„Diese beiden Maß- nahmen bedeuten einen weiteren Kulturabbau. Die Durchschnitts-Klassenfrequenz wird unerträglich erhöht werden. Was das zu bedeuten hat, kann nur der ermessen, der in der Zeit schwerster Not innerhalb einer Klassen- gcmeinschaft eine so große Zahl von Kindern nicht nur unterrichten, sondern auch erziehen soll. Die Grundforderung der modernen Pädagogik, indi- viduelle Behandlung, wird durch die neuen Spar- maßnahmen unmöglich. Und doch ist sie heute nötiger als je, um unseren Kindern das ersorder- liche Rüstzeug für den schweren Wirtschaftskamps mitzugeben. Für viele Kinder ist die Schule bisher eine Zu- fluchtsstätte voll Licht und Sonne gewesen, in der sie die Not und Enge des Elternhauses für Stunden vergessen konnten. In den letzten dreißig Iahren wurde beim Bau von Schulhäusern den Forderungen moderner Pädagogik nach kleinen Älassengemeinschaften Rechnung getragen. In über- füllten Klassen wird für unsere unterernährten, mangelhaft gekleideten Volksschulkinder der Nähr- boden für ansteckende Krankheiten geschaffen. Wie soll also die Platzfrage gelöst werden, ohne die Kinder gesundheitlich schwerstens zu gefährden und zu schädigen?" Franz Schrekers neue Oper „Der Schmied von Gent" in Charlottenburg Ein absonderlicher Teil des Publikums der Städtischen Oper, jener nämlich, der wild ent- schlössen scheint, nur deutsche Meister oder was ihm dafür gilt, auf feine Art zu ehren, bereitete dem neuesten Bühnenwerk Schrekers ein für Berlin beschämendes Nachspiel. Rode, der sicherlich verdienstvolle Sänger, der überragende Gestaster der Titelrolle, wurde in des Reichstags würdigen Sprechchören hervorgerufen, der Dichter- komponist dagegen— mst Pfiffen empfangen. Was hier überhaupt nur erwähnt wird, um von dieser Art organisierter Dummheit von vorn- herein auf das entschiedenste abzurücken, was auch immer gegen das Werk im einzelnen vorzubringen sein wird. Sind wir vielleicht so reich an schöpferischen Persönlichkeiten, ja an großen Talenten nur, so arm ferner an Achtung vor der Kunst, um einem Mann von solcher Meisterschaft auch nur einen Augenblick lang die schuldige Ehr- furcht versagen zu dürfen? Ob man ihn vor zwanzig Iahren als musikalischen Revolutionär verdammte, ob man ihn heute als reaktionär ver- achtet, ob man ihm krasien Realismus, verstiegene Romantik, hypertrophischen Symbolismus, in einem Atem meistens, vorwarf— immer hat man ihn mit allen möglichen Maßen gemessen, nur nicht den ihm gemäßen: die sich aus seinem Werk ergeben. Mag er tragisch zwischen den Zeiten stehen, mag er mit unserer nicht viel anzufangen wissen(ich beneide die Leute, die sie auf eine künstlerische Formel zu bringen vermögen)— dies ist doch sicher: er ist eine ursprüngliche Opern- begabung, wie es wenige unter den Lebenden Mord Lutherstraße aufgeklärt ver 1'ätsr, ein belcenntsr Verbreeder, geständig Die schwere Dlukkak in der tulherstr. 19, der die 74 Jahre alte Obsthändlersfrau Auguste Sö- nicke zum Opfer fiel, ist jetzt völlig aufge- klärt worden. Der Täter ist der am 76. ZNärz 1903 in Berlin geborene frühere Kaufmann Friedrich Mann aus der Longen Straße K3. Mann hat bereits ein umfassendes G e st ä n d- n i s abgelegt. Er behauptet, die Tat allein aus- geführt zu haben. Die Kriminalpolizei glaubt ihm aber nicht und fehl die Nachforschungen weiter fort. Mann ist in verbrecherkreisen bekannt. Er ist der Einbrecher, der am 26. Mai 1923 die Zörstengruft zu Weimar ausplünderte. Mann war aus dem Zuchthaus entlasten wor- den. Nach seinen Erzählungen sei ihm bereits im August diese Gelegenhest zum Raube bekannt ge> wesen Er hätte festgestellt, daß die Frau ziemlich unregelmäßig morgens zwischen 8 und 9 Uhr die Wohnung verlasse, um Milch und Butter zu holen. Regelmäßiger jedoch sei sie am Mittwoch und am Sonnabend mit einer Kaffeekanne fort- gegangen, um— wie er festgestellt hatte— ihrem Manne und ihrem Sohne aus den Märkten am Winterfeldtplatz und am Wittenbergplatz Kaffee zu bringen. Er entschloß sich zu einem Diebstahl. Ende September öffnete er mit einem Dietrich die Tür und betrat den Vorraum, der zur Küche führt. Als er vorsichtig den Türspalt aushob, sah er zu seiner Ueberraschung Frau Ä. im großen Zimmer arbeiten Leise zog er die Tür wieder hinter sich ins Schloß und verschwand. Er wußte, daß die Ausgänge der Frau unregelmäßig waren und von ihrem Gesundheitszustand abhingen Am 22. Oktober, Sonnabends, kam er nicht durch die Tür, sondern st i e g zum Fenster ein. Er stieg zur großen Stube hinein und stand vor dem großen Schreibtisch. Die Frau muhte ihn aber gehört haben. Sie kam hinzu und schlug sofort Lärm. Er wollte ihre Hilferufe ersticken und trug sie daher in das mittelste Zimmer und legte sie aufs Bett. Er behauptete, daß es nicht seine Absicht gewesen sei, die Frau zu töten Er habe ihr darum auch das Kopfkissen umgebunden. Geschlagen habe er sie nicht. Seine Angaben in dieser Beziehung dürfen wohl zutreffen Sie widersprechen nicht dem Be- sund am Tatort und dem der Obduktion. Unglaub- würdig hingegen sind seine Angaben, daß er die Tat allein ausgeführt habe. Es find sicher noch eine oder zwei Personen dabei betelligt gewesen. �Ver ist Mann entstammt einer angesehenen kleinbürger- lichen Familie. Als Siebzehnjähriger beging er zunächst eine Unterschlagung, dann einen Dieb« stahl und zum Schluß einen kleinen Einbruch. Er konnte sich trotz milder Bestrafung aus den Kreisen nicht mehr losreißen und wurde ein Schwerverbrecher. Den sensationellsten Diebstahl verübte er Ende Mai 1923 in Weimar. Mit einem Komplicen drang er in die Fürsten- g r u f t ein. Die Beute entsprach aber nicht ihren Erwartungen. Im Oktober des gleichen Jahres wurde er mit seinem Komplicen in Berlin fest- genommen. Er erhielt 2)4 Jahre Zuchthaus. Kaum in Freiheit wieder, verübte er andere Straftaten und wurde zuletzt im Juni dieses Jahres aus dem Zuchthaus entlassen. Großfeuer! földersdorker Mühle eingeäschert Ein verheerendes Schadenfeuer wütete in der vergangenen Nacht in dem Berliner Ausflugsort Rüdersdorf bei Kalt- berge. Tie dortige Groß-Elektro» mühle brannte bis auf die Grundmauern nieder. Ter Scha- den geht in die Hunderttausende. Leider sind durch das Riesenfeuer etwa zwanzig Mühlenarbciter beschäftigungslos ge» worden. Das Feuer brach am Sonntag kurz nach 22 Uhr im Erdgeschoß der langgestreckten, mehrere Stock- werke hohen Mühle aus. Die Flammen griffen mst so rasender Schnelligkeit um sich, daß nichts mehr zu retten war. Ein Dutzend freiwillige Feuerwehren aus der Umgebung, ein Berliner Be- rufszug und die Köpenicker Feuerwehr eilten auf den Alarm„Großfeuer— hoch st- Alarm. stufe" nach Rüdersdorf. Als die Wehren nach. einander on der Unglückcstätte eimrafen. glich die Mühle einer brennenden riesenhaften Fackel. Etwa 29 Schlauchleitungen wurden in Töt gleit gesetzt, um die angrenzenden Gebäude und einige benach- barte Wohnhäuser vor der drohenden Vernichtung zu retten. Ganz Rüdersdorf. Kalkberoe und die Nachbargemeinden waren in hellster Aufregung. Der weit über 59 Kilometer sehr deuttich zu er- kennende Feuerschein lockte immer mehr Neugier ge herbei, die auf Fahrrädern. Motorrädern und sy- gar in Autos nach Rüdersdorf kamen. Inmitten der Löscharbeiten erfolgten mehrere gibt. Er hat der Bühne lebensfähige Werke, der Musik zauberhaft klingende Partituren geschenkt; er ist und bleibt Franz Cchreker, der neben vielem anderen das Vorspiel zu den„Gezeichnete n". das wundervolle Nachspiel zum„Schatzgräber" geschrieben hat: wir wollen und werden es chm nicht vergessen. Von jeher war er sein eigener Librettist. Bleibt es auch hier, wobei freilich eine fundamentale Wandlung festzustellen ist. Seine bisherigen Texte waren lediglich ins theatralisch Wirksame über- setzte Visionen persönlichster Art, aus einer musi- talisch- rauschhaften Grundvision geboren, dem leidenschaftlichen, dem besessenen Suchen nach dem „fernen Klang"..... Dies gab all den Werken ihre ungeheuerliche Subjektivität, bedingte aber zugleich ihre unerhörte Geschlossenheit, ihre künst- lerisch« Einheit. Dem„Schmied von Gent" dagegen liegt ein fremder(da C o st e r' s „flamischen Mären" entnommener) Stoff zugrunde, ein epischer Stoff ohne alle dramatische Quali- täten. Es ist die Geschichte von Smee, dem Schmied, der ins Unglück gerät und sich für sieben Jahre Gold und Glück der Hölle überantwortet. Auf gut slamisch prellt er die dummen Teufel, die ihn holen wollen: wie er dann in den Himmel will, setzt's frellich einige Schwierigkeiten, bis chm auch dies gelingt und alle Engelchöre Hallejujah singen Dies nun wird ohne fühlbare Steigerung oder sonderliche Konzentration in unverbindlicher Szenenreihung so hinerzählt, fast hingeplaudert: wir erleben auf der Bühne den behaglichen Ver- lauf einer flandrischen Novelle, einen angenehmen Weg mst reizvollen Stationen für Musik. Dies heißt aber, daß Schreker sein bisheriges Schaffens- prinzip verläßt, das ihm die Geburt der Tragödie aus dem Geist seiner Musik unerbsttlich vorschrieb. Daß er sich einer ganz anderen Art Theater zu- wendet. Daß er versucht, sich zu objektivieren, in scharf profilierten Szenen und Szenenkontrasten zu denken. Daß er es unternimmt, vorbereitete Formkonturen mit musikalischem Leben zu füllen. Mag er nun aus diesem oder jenem Grund dazu gekommen sein: aus persönlichem Zwang, der ihn neue Wege suchen heißt, da er den alten bis zu Ende ging; aus der Lust(und dem Recht) der Reife zum Experiment, beeinflußt oder unbeeinflußt von der Begeisterung der jüngsten Moderne für Form- und Struktur- Probleme auch in der Oper— wichtig ist nur, was ihm gelang. Und da ist leider zu sagen, daß dieser Musik Ursprünglichkest und Kraft versagt geblieben ist. Es ist, als musiziere Schreker nicht aus dem tiefsten Kern, sondern irgendeiner peripheren Zone seines musikalischen Selbst. Was nützt die konzise Form der einzelnen Szenen und ihre wohlerwogene Kontrastierung gegeneinander. was nützen der meisterliche Satz, die kontra» punktischen Künste, die Durchsichtigkeit der Stimm- führung, die anziehende Herbheit des Stils, die auffallende Helligkest der Instrumentation, wenn die musikalische Substanz ins Spirituelle, ins dürr Abstrakte verdünnt ist? Was die kluge Ab- weslung von Traurigem und Burleskem, Lied- haftem und Ariossm, von Einzelgesang, Tänzen. Chören, Orchesterzwischenspielen, wenn die me- lodische Kraft fehlt, die allein die ganze An- läge zu rechtfertigen vermöchte, da die orgiasti- sche Glut, die polytonalen Farbenmischungen Schrekerscher Harmonik polyphonen Konstruk- tionen weichen mußten? Im weitaus größten Teil des Werks ist die szenische Formidee(die musikalische Formel für die in sich geschlossenen Szene; ein instrumentales Prinzip im Grunde), der bestimmende Faktor. Erinnern wir uns des zweiten Aktes: Pastorale. Fugato, Menuett mit Riwrnell, travestierte Arie, Passacaglia— diese einander folgenden, aufeinander abgestimmten Formen sind stärker als die musikalische Cha- rakteristik der Personen; stärker als die Stimmen, die nirgends in großem Bogen geführt sind; stärker als der singende Mensch, stärker als da» vokale Prinzip. Zum erstenmal im Leben hat hier Schreker größtenteils nicht eigentliche Opern- musik, sondern achtbare, aber szenisch unwirksame Instrumentalmusik gemacht: zum erstenmal ist der Eindruck des Klaoierauszuges stärker als der de» lebenden Klanges. Der Städtischen Oper ist es hoch anzurechnen, daß und wie sie das Werk herausbrachte. Mag man sich im Orchester unter B r e i s a ch manches plastischer, in N e H e r s Bildern der ersten zwei Akte manches bunter, farbiger, flamisch-kraftvoller gewünscht haben— schwer zu sagen, ob es nicht unerfüllbare Wunschträume waren. Z i n d l e r als Regisseur tat alles Mögliche und erwies seine Herrschaft über den großen Apparat. Rode, von dem schon die Rede war, hatte in Charlotte Müller eine prachtvolle Partnerin; und auch die kleineren Partien waren sämtlich gut und wirkungsvoll besetzt. �rnolä TValter. kleine Explosionen, die vermullich von Mehlstaub herrührten. Unter großem Krach stürzte die brennende Mühle später zusammen, nur die Um- fassungsmauern blieben stehen. Heute vormsttag er- schienen Beamte der Kriminalpolizei in Rüders- dorf, um nach der Entstehüngsursach« zu forschen. Es wird kaum möglich sein, noch etwas Posstives feststellen zu können, da von dem modernen Mühlengebäude nur ein wüster Trümmerhaufen übrig geblieben ist, aus dem verbogene Maschinen- teile und Transmisstonswellen hervorragen. Drei Kinder verbrannt A l l e u st e l g(Württemberg). 31. Oktober. Zu einem als Armeuwohnung d'enendeu Eisenbahnwagen eines Arbeitslosen brach gestern Feuer aus. Drei Kinder im Aller von sechs, zwei und einem Jahre waren in Abwesenheit der Eltern im Wagen eingeschlossen. Zu wenigen Minuten verbrannte der ganze Wagen. Die drei Kinder wurden aus einem Sofa zu- sammengekauert tot ausgesunden. Die Insel der Pinguine Aufführung der Degeto Die Kinotheater lassen sich keinen patriottschen Schmarren, kernen abgestandenen Milstärschwank, keinen süßlichen Overettenkstsch entgehen, aber es muß erst die verdienstliche„Deutsche Gesellschaft für Ton und Bild" kommen, um einen der origi- nellsten Tierfllm« vorzuführen(im Capstvl). Und doch sind die Pinguine wohl die Vögel, die beim großen Publikum als interessanteste Marke gellen. Mit chren seltsamen Bewegungen und Typen erinnern sie lebhast an menschliche Erscheinungen. Sie sind nicht nur drollig, sondern auch das Vor- blld sozialen Zusammenlebens, eine große Repu- blik der Freien und Gleichen. Wirklich, man könnte glauben, daß diese Tiere, wie ein Dichter gefabelt hat, verwandelte Menschen sind, zu klug, um zu sprechen. Cherry Kearton hat sich mit seiner Frau monatelang auf der Insel Dassan südlich von der afrikanischen Kapspitze aufgehalten, um die Mll- lionen Pinguine, die dieses kleine Eiland be- Völkern, zu beobachten und für den Film zu er- obern. So ist einer der schönsten Tiersllme ent- standen, die wir haben. Man sieht nicht nur das ungeheure Gewimmel der dem Meer zuströmenden und auch im tollsten Sturm hinausschwimmenden Vögel, man wird auch Zeuge ihrer Lebens- gswohnheiten, ihres Familienlebens, ihrer Komödien und Tragödien.(Der begleitende Vortrag vermenschlicht freilich die Tiere allzu sehr.) Mit einem Male sind die Millionen Tiere verschwun- den, sie machen weite Reisen an die Küsten des afrikanischen Festlandes. Mst ihren Augen sieht die Kamera die große Fauna Südafrikas. Gern hätte man mehr wissenschaftliche Auf- klärung über den Sinn dieser Reisen und viele andere naturwissenschaftliche Einzelheiten ge- wünscht. Das Publikum, das solche Filme besucht, will ja nicht bloß unterhalten, sondern auch be- lehrt sein. sie Angestellte, die sich in der Inslatlonszest mit Schinken. Wurst und Bier mästen konnten und Geld für allerlei Vergnügungen und schöne Kleider hatten, die heute aber abgebaut sind und elend vegetieren müssen. Die Inflation sah in Wirklich- kest im Angestelltenhaushall ein bißchen anders aus! Am Frestag hatte die Deutsche Welle einen neuen Weltkriegsgedenktag entdeckt. Der todes- bereste kleine Kreuzer„Emden" kämpfte am 28. Oktober 1915 im Hafen von Penang in der Südsee. In einem von Weltkriegsbegeisterung durchzuckerten Brei für politische Säuglinge zeigte Walter F. Bochow seine Künste als zestgemäher Rundsunkkoch. Der Titel dieser Sendung sprach nicht etwa schlicht von„der Emden", sondern von „SMS. Emden", von„Seiner Majestät Schiff". Am Sonnabend trat im Programm der Funk- stunde der neue Letter der Vortragsabteilung. Dr. Harald Braun, vor das Mikrophon. Wie es zur Zeit üblich ist, verhieß er viele scharfsinnig ausgeklügelte Neuerungen für feine Abteilung; bei Licht besehen, zeigte sich das alles freilich als Erbe einer rundfunkerfahrenen Vergangenheit. Sowohl die Aussprachen verschiedener Persönlich- ke>ten zu demselben Thema wie die Mehrgespräche hat es im Rundfunk längst gegeben; nur die Rundjunkunerfahrenhest der Frecherrenmänner hat sie abgeschafft. Da man Dr. Harald Braun doch den guten Glauben zu billigen möchte, so lassen seine feierlich angekündigten vortragstech- nischen Neuerungen erkennen, mit welcher lata- strophalen Unkenntnis auch dieser Mann seinem Amt gegenübersteht.— Ir. 7. kreis Eharlottenburq. Bezirksverordneten- fraktion mit sämtlichen Bürgerdeputierten heute pünktlich 19)4 Uhr Sitzungszimmer 1 Rachaus Charlottcnburg. 127. Abt. All- Bezirksführer und Flugblattoer- teiler treffen sich heute abend um 29 Uhr bei Schiebe, Hohenjchönhaujen, Berliner Straße. SMZ. Emden Die Fahrt ins Schwarzweißrote In voriger Woche war im Rundfunk M u s s o- l i n i Trumpf. Das Hörspiel vom„Marsch auf Rom" mußte freilich ausfallen, aber Beumel- burgs Drahtloser Dienst lieferte eine sehr lange und sehr breite Schilderung von dem Festtag des Helden aller autorstär-diktawrisch gesinnten Deut- schen. Bon den Verbannten, den Gefangenen, von der unterjochten Freiheit, von der zwangsweisen Entdeutschung Tirols war in diesen Berichten selbstverständlich nicht die Rede. Von solchen un- freundlichen Erinnerungen wußte auch die Sen- dung am Sonntag nichts, die unter dem schönen Tstel„Wir schalten um auf 1922" ebenfalls eine Musfolini-Verherrlichung brachte. Außerdem zeigte Oer 2Seit8aüriker geißelt Das Thema Caro-Petschek, von dem Zeit- satiriker de- Kurfürstendamms, Anton Kuh, glossiert, hatte ein zahlreiches Publikum am Sonn- tagmittaz in das Deutsche K ü n st l e r> t h e a t e r gelockt. In sprudelnder Stehgreif- ansprach- hielt der Deutsch-Prager Krstiker den versammelten Möchtegern-Caros und-Petscheks den Spiegel vor Sein Versuch, dem Konflikt ein shckefpearisches Antlitz zu verleihen, mißglückte zwar, denn die Vergleiche mit dem Veroneser Milieu von Romea und Julia hinkten mst beiden Füßen: dafür lösten seine erbarmungslosen De- merkungen über die kapitalistischen Geldehen der heutigen Zeit, über die gehelligte Familienmoral des Herrn Bracht, über die tragischen Gefahren solcher Hochzeitsnächte, die keine Jubiläumsauf- führungen. sondern Premieren sind, Lach- und Bei- fallsstürme aus. Lob. Das Staatliche Schauspielhaus dringt alz nächste Neueinstudierung Anfang Dezember„F auf! I" in der Regie vcn Lothar Müchel.„staust II" wird in der Gestaltung von Louise Dumont und Gustav Lindeman» zur Darstellung gelangen. Rundfunk der Woche Von Scholz bis Köhn J)err d. Gayl hat den Reichsrundsunkkommissar Scholz wegen der Köhnschen Sudeleien «m Wochenende öffentlich gerüffelt. Man kann daraus wohl mit einiger Berechtigung den Schluß ziehen, daß vorlaufig wenigstens der Pg. i. W. Erich Scholz noch nicht im Rundfunk abgewirt- fchaftet hat: denn für den bereits erledigten Mann hätte sich die sanfte Rüge erübrigt. Schuld an diesen und ähnlichen Borfällen trägt nicht eigentlich Scholz persönlich, sondern das freiherr- l i ch e Ä ch o l z f y ft e m des deutschen Rundfunke. Allerdings ist der Fall des chugenberg-Razis Köhn Mi, mittelbarer dem Pg. i. W. Erich Scholz ver- bunden, als es den Anschein haben könnte. Der Balduin-Köhn war nämlich von Herrn Scholz ursprünglich für eine n festen Rund- funkposten in Aussicht genommen worden. Da die durch den Balduin-Skandal pein- lich bekannte Gestalt des Köhn dieses Projekt doch wohl mindestens vorläufig unausführbar erscheinen lieh, wurde er für die„Ketzereien am Wochen- ende" wohlwollend vorgemerkt. Dr. Franz M a r i a u x, der Leiter des„Zeit- dienftes" der Berliner Funkstunde. hat selbstoer- ständlich den Köhn bereitwillig aufgenommen: daß er für pikante politische Erscheinungen be- sonderes Wohlwollen hat, beweist er ja mich in seinem Zyklus„Wir stellen vor". Der„Angriff" zeigt denn auch ein herzliches Wohlwollen für diesen Dr. M a r i a u x. der, aus der Perfpek- tive des RaziblaUes, das Lob„tüchtig" verdient. Der„Angriff" kann sich beruhigen: Herr v. Gayl wird die Abberufung von Dr. M a r i a u x sicher nicht fordern. Die Regierung erkennt feine regie- rungstreue Gesinnung an, die sogar die Rede des chitler-Ludendorff-Putfchiften Kleo P l e y e r zu einer Propagandareds für das„Heilige Reich" Herrn v. Popens dressierte. Auch der provisorische, von feinem national- sozialistischen Sendeleiter K o l b wohlberatene In- tendant der Berliner Funkstunde, Dr. D u s k e, kann infolge Bewährung auf eine feste Anstellung rechnen. Es wird bereits offiziell mitgeteilt, daß die Absicht bestehe, nach der Umwandlung der Funkstunde A.-G. in eine gemeinnützige Gesell- schaft Dr. Duske in den Vorstand zu berufen. Am g. November wird dieser tüchtige Inten- dant den Rundfunkkritiker der„Deutschen Zeitung" Alfred M ü h r eine Reportage aus dem Berliner Obdachlosenasyl, der„Palme", senden lassen. Er weiß, was er unter der Freiherrn- Regierung dem 9. November schuldig ist! Alfred Mühr wird den garantiert richtigen Ton treffen. Er empfiehlt sich ja auch in letzter Zeit wieder besonders heftig als Rundfunkreforzner, und es hat den Anschein, als solle er über nicht sehr lang den en'ehnten günstigen Posten beim Rundfunk nun auch erhalten. Selbstverständlich ist, daß die Rundfunksender einem so wnhlaiigesehenen Mann besonderes Entgegenkommen beweisen. Obgleich nach einer Verfügung der„Funkstunde" Rund- funkkritiker nicht mehr als Mit- wirkende verpflichtet werden dürfen, macht man bei Alfred Mit h r eine Ausnahme: es ist bekannt, daß er außerdem alle deutschen Sender mit seinen Vorträgen bereift. Das System, unerwünschte Vortragsthemen und unerwünschte Vortragsredner, die noch aus der Vor-Freiherrn-Acra oerpflichtet sind, lautlos versinken zu lasten, wird weiter geübt. Auf die Kosten kommt es dabei nicht an. Die Honorare werden anstandslos bezahlt: aber vor das Mikrophon kommt keiner, der fzerrn Stapelfeldts derzeitiger Weltanschauung nicht entspricht. Dafür wimmeln die Programme jetzt von adligen Namen und hohen Mili- t ä r s: der Rest der Mitwirkenden kann zum größten Teil in der regierungsgenehmen Presse gesucht werden, was übrig bleibt, unter den Mitgliedern der Zentrumspartei. Von Zeit zu Zeit darf dann auch einmal jemand aus etwas links liegenderen Gegenden mit einem neutralen Vortrog vor das Mikrophon, falls er nicht vor- zieht, das häufig in grotesker Weile zensurierte Manuskript lieber nicht zu verlesen. Was sollen wir machen, um endlich dieses un- erträgliche Rundfunksystem zu stürzen? Hier wie immer gilt die Mahnung: einig sein! Wir müssen immer wieder darauf hinweisen, daß alle unzu- sriedenen Hörer, die sich in geschlossener Front an dem Kamps gegen diesen Rundsunk beteiligen wollen, ihre Adressen an den Arbeiter- Radio-Buich, Berlin, einsenden mögen: Kosten entstehen ihnen durch diese Meldung nicht. Vor einigen Tagen schrieb uns ein Hörer, es wäre doch zweckmäßig, das Rundsunkprogramm aus offensichtlich kulrurreaktionäre VeranstaUungen durchzusehen und diese regelmäßig bekanntzu- geben mit dem Hinweis an unsere Leser, solche Darbietungen nicht abzuhören. Das wäre, wie der betreffende Hörer meint, zweifellos auch eine wirksame Anprangerung. Diese Anregung ist un- zweifelhaft beachtenswert: aber bei dem heutigen Rundsunkbetrieb, der von A bis Z auf Reaktion eingestellt ist, wär damit doch wohl nicht immer das richtige zu erreichen. Denn erstens ist es doch gerade wichtig, daß die sozialistischen Hörer die besonders reaktionären Vorträge nach Möglichkeit verfolgen, um ihren Inhalt und ihre Tendenz mit vielleicht geistig weniger regen Hörern gründlich zu diskutieren. Das ließe sich durch eine all- wöchentliche Anprangerung der als reaktionär erkennbaren Vorträge allerdings auch erreichen: jedoch ist das deutsche Rundfunkprogramm heute so mit getarnten reaktionären, monarchistisch- militaristischen Veranstaltungen überladen, daß die wenigen am Titel erkennbaren dabei kaum eine Rolle spielen. Es bleibt dem Hörer nur eins übrig: möglichst oft aufmerksam in die Sende- darbietungen hineinzuhören. Zuschriften, die an den Rundfunksendungen Kritik üben, werden von uns jederzeit zweckmäßig verwertet und eventuell an die zuständigen Stellen weitergeleitet. Anläßlich der Köhnschen Sudeleien haben wir besonders zahlreiche Schreiben erhalten, in denen die Kündigung des Rundfunks mitgeteilt wird.„Da ich mir für mein Geld anti- semitische Pöbeleien nicht gefallen lasse..."„da mich die verlogene Hetze zu sehr angewidert hat...":„da für inich als gläubigen Christen nach dieser unanständigen Sendung der Rund- sunt erledigt ist..." Die Funkstunde wird diese Sätze aus den Kündigungsbriefen, die ihr zu- gingen wiedererkennen. Am ö. November ist Wahltag: rechnet mit der Freiherrnregicrung. rechnet auch mit ihrem Rundsunk ab! Ohne Bleibe... „Rehmen Sie mich kest!" Gegenüber dem Berliner Polizeipräsidium ereignete sich ein Vorfall, der die furchtbare Rot, in der sich Taufende junger Menschen in Berlin befinden, erschreckend beleuchtet. Ein sehr ärmlich bekleideter junger Mensch von 23 Iahren wari mit einem mitgebrachten Stein die Schauietstier eines großen Möbelgeschäftes ein. Als der hinzu- kommende Polizeibeamte ihn festnahm, ließ er sich willig mitnehmen und erklärte, daß er so hoffe, etwa» zu essen und«ine Bleibe für die Rächt zu erhallen. ff Entdeckungen Vor der Wahl n Eigentlich ist es nur ein« einzige„Entdeckung", die die KPD. jetzt kurz vor der Wahl gemacht hat: Die Sozialdemokratie ist an allem schuld. An der Wirtschaftskrise, an der Arbeits- lvsigteit, an den gekürzten Unterstützungen, an schlechten Wohnungen und an allen anderen er- deutlichen liebeln. Sie ist schuld daran, wenn nicht in jeder Woche in jedem Betriebe mindestens ein T e i lft r e i k unter Führung der RGO.„aus- gelöst" wird, sie ist auch schuld, daß die Arbeit- nehmerschast nicht längst im permanenten Massenstreik aller Erwerbslosen und Mieter steht, daß Deutschland iminer noch kein Sowjet-Deutschland und die Msrwells- revolution noch nicht im Gange ist. An ollem ist der H a u p t f e i n d der KPD. schuld, die S P D., und mit ihr natürlich auch der A D G B. Auf der einen Seite der„Roten Fahne" wird der seit Wochen geübte Schwindel von der„Ein- heitssront Leipart-Straßer" ausge- wänni, auf der anderen Seite derselben Ausgabe des Blattes wird diese Lüge„abgewürgt" durch das Geschrei über den Wahlaufruf des ADGB. sür tue Liste 2. Die Führer der freien Gewerkschaften werden als,.Streirbruchorganisatore n" beschimpft, die zur Wahl der L i st e 2 ausrufen. Es muß nicht zum besten um eine Sache stehen. die sich derart skrupelloser Wahlmanöver bedieM, nationalistische Register zieht, schimpit und tobt, um sich wichtig zu machen. Daraus kann es nur eine Antwort geben: Am Sonntag: Liste 2! ZG.-ZorbeN'SPioaage lim Opfer der KPD.-Zentrale Der 5. Strafsenat des Reichsgerichts verurteilte den mitteldeutschen RGO.-Führer und Be- triebsrarsvorsitzenden Thiele aus R i e m e g k, der in den I G.- F a r b e n- W e r k e n zugunsten Rußlands Betriebsspionag« getrieben hat. wegen Verrat militärischer Geheimnisse und fortgesetzter Betriebsspionage zu drei Zahren Zuchthans und drei Iahren Ehrenrechtsverlust. Der Vorsitzende gab folgende Begründung: Thiele sei seit sieben Iahren in der elektrischen Abteilung des Farbenwerkes beschäftigt worden. Er habe als RGO.- Betriebsratsvor- sitzender großen Einswß auf die Arbeiter ausgeübt. Im Juni 1931 fand sich in Bitterield ein Abgesandter der Sowjetunion ein, der Vejprechungen mit dem Angeklagten und anderen kommunistischen und RGO.-Funktionären abgehal- ten habe. Das Ziel der Besprechung sei gewesen, möglichst die Geheimnisse der JG.-Farbenindustrie auszuspionieren. Der angeklagte RGO.-Führer Thiele habe sich sofort in den Dienst des von der KPD.-Zentrale abgesandten Agenten gestellt. Als w i l l f ä h r i- ges Objekt der KPD.- Zentrale habe er im Interesse seiner Partei Betriebsspio- nage geleistet. Obwohl allen Angestellten und Arbeitern in der JG.-Farbenindustrie streng untersogt sei, Betriebsgeheimnisse zu verraten, habe Thiele die kommunistischen Arbeiter zur Betriebs- jpionage veranlaßt. Er wollt« sich dadurch noch mehr Sympathien bei der KPD.-Zentrale und in der RGO.-Leüuna erwerben Wer sich zu solch schweren Verbrechen oerlellen loste, oerdiene keine Milde. Das Gericht sei des» halb zur Auswersung einer Zuchthausstrafe von drei Jahren gekommen. Sechs Monate gelten durch die Untersuchungshaft als oerbüßt. VerheimlichtesBodnunglück Russisches>�hschrechun8«urteil Moskau. 31 tzktob-r. In dem Prozeß gegen mehrere Angestellte der Kursker Eisenbahnlinie wegen des Eisenbahn« Unglücks bei Lublino am 16. Oktober, hat der Oberste Gerichtshof den Stationsvorsteher von Lublino, Bulakoff, zum Tode verurteilt. Der Fahrdienstleiter Wanlejeff erhielt eine acht- jährige, ein dritter Angeklagter eine sechs- jährige Freiheitsstrafe. Der Signalist Kus- minoff wurde zu Zwangsarbeit mit ISprozentiger Lohnkürzung vsrurlellt, der fünfte Angeklagte wurde freigelprochen. Das Ur- teil ist endgültig und unterliegt keiner Kas- sation. Bei dem Eisenbahnunglück waren, wie jetzt bekannt wird, 3b Personen getötet und 31 verlehl worden. Durch falsche Weichenstellung war ein Schnellzug auf eine Rangierlokomotive mit zwei Plattiormwagen aufgefahren. Wetter für Berlin: Etwas kühleres, tagsüber zeitweilig ausbeiterndes Wetter ohne nennens- werte Niederschläge, mäßige nördliche Winde.— Zur Deutschland: Im Osten noch vorherrschend regnerisch, im übrigen Deutschland allmähliche Wetterbesserung, überall recht kühl. Rundfunk am Abend Montag, den 31. Oktober 1932 Berlin: 16.15 Der Meister der stillen Kostbarkeiten(J. V. vau Delft zum 300jahr. Doktor Ueberall erzählt. 18.03 Alte Flöfen- sonaten. 18.33 Neuer Horizont über der LandsdiaJt(R. Bie, F. Lenk). 18.30 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.53 Die Funkstunde teilt mit- 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Wohnen als Aufgabe(K. Sdieffler). 19.30 Aus Wittenberg: Lutherische Vesper. 20.13 Aus Leipzig:„Wittenberg" 21.00 Mir erinnern an.,. 21.13 Luthdr und die Hausmusik. 22.00 Wetter-. Tages- und Sportnach- riditen. 22.30 Aus Hannover: Unterhaltungskonzert. 12.00 Wiederholung: Orchester- konzert Königs Wusterhausen: 16.00 Pädagogischer Funk. 17.30 Tier und Umwell (Prof. Just). 18.00 Musizieren mit unsichtbaren Partnern(Dr. IL Just). 18.30 Die Kriegsschuldfrage(Major a. D. Dr. h. c. A. v. Wegerer). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Stunde des Landwirts(Min.-Rat Dr. Hillebrandt). 19.25 Viertelstunde Funktechnik (Ob.-Ing. Nairz). 19.40 Zeitdienst 21.00 Tagesund Sportnachrichten. 21.10 Die Serenaden. 21.40 Gotische Fenster und Statuen(Hörfolge). 22.10 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Sonst: Berliner Programm. Hierzu 1 Beilage. Verantwortlich für Politik: R i ch a r b S ch w a r tz: Wirtschaft: v. Klingelhöfer: Gcwerkschastsde- wcgung: H. S t e i n c i: Feuilleton: Herberl Le» v« r e: Lokales und Tonstigcs: Fri'y Karstadt; Anzeigen: Otto Hengst: lämtlich in Berlin. I Verlag: Vorwärts-Verlag G. in. b. H.. Berlin. Truck: Vortoärts-Buchdrulkerci u. Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin TD. 08, Lindeustr. Z. l Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen- Ausgabe des„Vorwärts" veröffentlicht Sl&ali meoicr Montag, den 31. Oktober staatsoper unter den Linden 20 Uhr Wiener Blut staaiiicnes sciiauspieihaus 20 Uhr Wilhelm Teil VOLKSBÜHNE Theater am Bttieweiatz v I. Nordfn 2944. Utrtc 4»cftS Tg. g Ohr Die Patten Dorsch, Klöpfer. Wernicke. Verhoeven, hormey. Fein, Stein, Thau, Kurz UM- 8 Uhr t5. Flora 3434. Raamen«n. Bronett-Familie. Lord Ain. 7 Alfredos. Marianne u Roberts. Dormonde. MaeElgin. Mary Erik u. Co. usw. »•-uhr CflSlltfl-THEfllER»'.v- Lothringer Slranc 37. immmmitmuuuuiniiiifiiiiMinMiniiimiiiimmiimMimemin Nor noch bif 3. Noremhcr aodi Sonntag« nadhrn. 4 Uhr Königin der LdU Am 4. NoTember zum t. 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Mtt 1 23 | Jaden S(v nafcend 1 1 Vi Uhr: Ngchtvortteltonol B. B. B. Brodowa Enste Bobi- Koubasser Stufte 8 trftber..Elite. Singer' Tgl. 9 ülir, Susi. nun. SV. Preise von 50 Pf. an Ab 1. Kot. Lessüig-TüeaiBP Tagt Ühi GreteMosheira Oskar Homolka in Pygmalion Berlins Rose- Theater Snb Fmilortti Slnb 137 1«. WttAut£ I 3472 8,15 Uhr Premiere Der Zigeunerbaron r- Theater am— Schiffbauerdanur 02 Weidend. M53 Täglich 8% Uhr die„Truppe 1931" spielt „Da liesl der BnodbeoraDer Komöd em Musik TheateriWeslens I Steinpl 5121 1 Lrtzte Ttge! Tägl.«>/, u 8U I Stg. ZV,. 5 u. 8'.,| Körster- griffet IWömer, Stöwc, I Uchienstein I I.Vmt. 0.30-1.50 1 2. Vsnl. 0.50-2,50 I y-Ttioaior Im—■ |AflroiralsDa>8stl I Täglich 8% Uhr 1 Gitta A l p a r in Katharina Ab 1 November| im fhea'e' de> Westens Auch bis 12 MONATS' RAT EM dRüjääcUz 122-12$ Badstraße 30 M&Iierstraß« 174 Prenzlauer Alle« 204 ffistropoi-meaier I Täglich 8V, Uhr I Jtitzi Massary in Else Fru, die velft, «u sie will! Sonntag nachm.>»z u, s Valzertraum Inierieren briset ERPOLQI mm Walinertfaeater na Täglich SV, Uhr LeMDischerdesFridericosRex arspiil V. 6. tadiifildt, Musik v. Jk.Siuii Preise:.sohlst M. Vorveik. ab 10 Uhr. Schwerhörig- — aber doch gut hören MOchten Sie das wieder 7 Wollen Sie Ihrem Beruf ungehemmt nachgehen, an allen Freuden von Wort, Ton und Musik wieder teilnehmen? Slohcrltcn! „Original-Akustik" mk seinem neuen Tonfilter-Mikro- fon und dem Go dknopfhörer, kleiner als ein Pfennig, bringt Ir nen das große Geschenk wieder hören m können. Fordern Sie Prospekt D 16. Dea.'sdie Akostil; OssellsM m. b. ü Weiteste u. führende Sperialfabrik Gegr 1905 Verkaut o. Vorführung: serim-BJiütwMar!. motair.M Eeciln. KiastePsir. o« Keinickendor.'-ost, aneszer Str.« Geöffnet täg.ich von 9—5 Uhr. Vertreter in allen OroSstädten. Auf Wunsch Zahlungserieichterung r-Theaier l.d.-n Stresemannstr. Täglich 8'.'. wahi. üDiSfhtsiBsei v. Bernard Shaw vtoissi, v Thell- mann, Benens. Evans.Otto, S:ma, Wiemann. 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Verlangen nach einem Angriffskrieg, Streben nach einer Welt- ß.e g e n o m i e. Annexionspolitik und krassester �m perialismus. Aus dieser völkischen Jdeo- �gie ist der W e l t k r i e g geboren. Kamps gegen Ätttves- und Doung-Plan, gegen die Reparationen und all das. was nur ein Resultat ihrer eigenen Politik ist, dient als Köder zur Gesinnung der- jenigen Elemente, die die soziologischen und politi- schen Zusammenhänge nicht kennen, daher die Tendenzen und wahren Zsele nicht durchschauen. Der„Alldeutsche Verband" beruht aus vier mit- einander verwandten Grundgedanken: l. auf den „Völkischen", 2. auf den„Machtgedanken", 3. aus der Bekämpfung der„Verschweizernng" des deut- scheu Volkes und 4. dem„Pangermanismus" und dem„Imperialismus". Eines der markantesten Kennzeichen des AV. ist das Streben um Macht", nur Macht im physischen Sinne, die durch Worte:„in der Po- litik entscheidet nicht die Liebenswürdigkeit und der tief philosophische Geist einer Versammlungsrede, sondern die Zahl der Kanonen" charakterisiert werden kann. Der Wille zur Macht ist der Motor des politischen Handelns, Recht und Moral sind ihm untergeordnet, er bedeutet:.Leben und das Leben der anderen bestimmen." Nach dem Kriege packte die Alldeutschen die Angst vor der„B e r s ch w e i z e r u n g" Deutsch- lands, Angst vor dem Erlahmen des Willens zur Macht im Volke.„VerschwAzert" sein bedeutet, ohne Erpansionsgedanken unfr AnnerionspoliM mit einem bestimmten Lebensraum verbunden für einen kulturellen Aufbau zu leben. Verschmerze- rinig bedeutet auch die selbstverständliche Ver- Mischung von Rasjen, und dieser„Derschweize- rung" auf dem Gebiete der Rasse, der Politik, der Wirtschast, der Kultur, gilt der Kamps. Die zunehmende Kultur, die mit Eni- Militarisierung und Abrüstung Hand in Hand geht, wird als Krankheit bezeichnet. Für diese Kriegshetzer kam der Krieg viel zu spät. Aber auch nach dem Kriege waren die„Alldeutschen" von ihrem Machtgedanken nicht kuriert. Eine ihrer ersten Forderungen, die sie in der Bamberger Tagung 1Sl9 erhoben, war der Wiederaufbau des Heeres und nach wie vor ist die Macht, vor allem die Militärmacht, ihr Götze— ihr einziger Weg zur Freiheit— deswegen sind sie im wahrsten Sinne„kulturlos". Mit dieser alldeutschen Gedankenwelt ist auch der„Pangermanismus" verbunden. Der Pangermanismus ist die Ideologie der Expansion der Deutschen über Europa, um Deutschland zu einer herrschenden Weltmacht zu erheben. Die Schaffung eines„A l l d e u t s ch l a n d" geht über die Leichen der anderen Völker. Vor allem gilt es die slawische Bormacht R u h l a n d zu schlagen und wehrlos zu machen. Nur nach der Niederlage dieses„Feindes" wird es möglich sein, ein„A l l d e u t s ch l a n d" zu schaffen. Die All- deutschen waren auch die Einpeitscher des imperia- listischen Gedankens in Deutschland, denn sie lehrten, daß Deutschland die Welcherrschaft er- obern müsse und das mit Waffen, durch Krieg. Nachdem ihre imperialistischen Machtvestrebun- gen Schiffbruch erlitten hatten, konzentrierte sich der AB. auf die Bekämpfung der Ver- sklavungsgesetze und die Diskreditie- rung und Schmähung des Staates von Weimar, der oerschwinden muß, um einem völkischen Staat Platz zu machen, dessen Grund- idee nicht die Sorge für das Wohlergehen der Bürger, sondern die Gestaltung des Volkes zu einer wahren Volkspersönlichkeit, die Formung einer deutschen Voltsseele ist. Kurz die„Auf- artung des deutschen Volkes" Damit hängt eng die Rassensrage, vor allem die Juden- frage zusammen: E r b k a i s e r t u m, Ver- sklavung dek Frau und Abschaffung der Demokratie sind im völkischen«taat Selbstverständlichkeiten. Man wundert sich nicht weiter, wenn dies« Ideo- logie im Ausland Erbitterung. Mißtrauen und Feindschaft gegen Deutschland schuf. Mißachtung kultivierter Nationen gegen diese Ideologie der Barbarei. Ein großer Teil des Buches ist den Wehr- verbänden gewidmet. Der Stahlhelm ist der größte und wohl jetzt auch politisch bedeutendste Wehrverband. Es wird bewiesen, daß der Stahl- Helm längst picht mehr nur eine organisatorische Zusammenfassung des Frontsoldateukums bedeutet. Der Stahlhelm hat in der letzten Zeit eine be- sondere politische Aktivität entwickelt. Nach dem Zusammenwirken mit Hugenberg und Hitler an- läßlich des Volksbegehrens gegen den Poung-Plan hat der Stahlhelm mit dem Volksbegehren einer Auflösung des Preußischen Landtags die politische Führung in einer entscheidenden Aktton der„Na- tionalen Opposition" an sich gerissen. Der Stahl- Helm steht heute in der Front Hugenberg-Hitter. Die Gegensätze zwischen NSDAP, und Stahlhelm sind nur scheinbar, vielmehr ist ihre Arbeit ge- teilt— zwischen parlamentarischer und außen- parlamentarischer Aktion. Dieser, wie auch alle anderen völkischen Wehrverbände sind, von ideo- logischen Nuancierungen abgesehen, die Träger des völkischen Gedankens, des Krieges, der Wehr- haftigkeit und des Frontfoldatentums. Sie sind die Vorposten im Kamps gegen die„Herrschaft des„Pöbels", sie sind die Garde des Kapitals gegen die Arbeiterklasie, gegen den Marxismus, gegen die Gedanken der internationalen Verbrüde- rung. Ihre Namen sind oerschieden:„Werwols", „Wiking",„Tannenbergbund",„Bund Oberland", ihre Tressen und Uniformen sind oerschieden, aber der Geist ist der gleiche, der alldeutsche, der völkische. Ihr Ziel ist ein gemeinsames: Kamps dem Fortschritt— Kampf dem Marxismus— Kampf dem Bolschewismus. Das Buch ist weniger eine Sammlung privater Meinungen des Verfassers als eine exakte Zu- sammenstellung von Belegmaterial aus der völki- schen Presse und Literatur. Der Verfasier läßt die Völkischen für sich sprechen und von sich erzählen — und nichts wirkt erschütternder und überzeugen- der wie diese unglaubliche Wahrheit, wie diese nackten Tatsachen. Dr. Maria Fafibender. Her"Kreis um Jünger Die geistige Kraft der marxistischen Jdeenwelr kann sich nur bestätigen, indem sie alle anderen „Welten" in sich einzubcziehen vermag. Der Marxismus darf keine Konfession sein, er ist eine geistige und politische Kraft, die sich in der An- e i g n u n g anderer Kräfte stärkt und bewährt. Oft aber ist das, was sich vom Marxismus so deutlich und entschieden umerscheiden möchte, nur (bewußt oder unbewußt) marxistisches Gedankengut, freilich mit anderen geistigen Quellen verschmolzen. Zu den interessantesten Gestalten der jungen deutschen Rechten, die man von dem rüden Hakenkreuzlcrtum sehr wohl unterscheiden muß, gehört Ernst Jünger, dessen soeben erschienenes Buch„Der Arbeiter. Herrschaft und G e st a l t"(Hanseatische Verlagsanstalt. Hamburg 1932) zu einer Konfronlotion mit der marxistischen Weltauffasiung gut geeignet ist. Es ist frellich sehr schwierig, von Jüngers Gedanken- zug eine klare Vorstellung zu geben. Ernst Jünger argumentiert und beiveist nicht, er vermeidet bewußt jede analytische logische Methode, sein Denkstil ist optimistisch. Er sieht Dinge, gesell- schaftliche Verhältnisse, stellt seine Sicht vor den Leser hin, angreisend und mit der Geste: So ist es und nicht anders. Der eigentümliche Denkstil Jüngers erinnert an Oswald Spenglers „physio anomischen Takt", der für die Methode seines Hauptwerkes„Der Untergang des Zlbendl landes" bezeichnend ist. Dieser Denkstil birgt frei- lich große Gefahren in sich. Er ist schwer Zu kontrollieren und der sichere, mittige Ton, in dem die Säge vorexerziert werden, vermag über den begrenzten Subjektivismus nicht hinwegzutäuschen. Dennoch wäre es falsch, an einem solchen Buche mit dem überlegenen Achselzucken des logischen Systematikers vorüberzugehen. Wir haben auch damals— trotz aller Einschränkungen— von Oswald Spengler gelernt. Ernst Jünger sieht ein« alle Well untergehen, eine neue cht im Werden, deren Ordnung kann er aber noch nicht sehen. Er versucht die Momente des neuen Werdens, die in der Unordnung des gegenwärtigen Lebens eben durchbrechen, festzuhalten, er will ein Werdendes mit einer st a t i s ch e n Methode festhalten, denn die Dinge optisch oder„gestalthaft" sehen, heißt sie st a t i s ch sehen. Die Methode ist, scheint mir, von vornherein den Dingen nicht angemessen. Der Weltkrieg ist für Jünger der große Ein- schnitt, der eine versinkende und ein« neue Welt trennt. Die neue Well wird eine Welt der Arbeit und des Arbeiters sein.„Um dies begreifen zu können, muh man allerdings einer anderen Ausfassung der Arbeit als der herkömmlichen fähig sein. Man muß wissen, daß in einem Zeitalter des Arbeiters, wenn es seinen Namen zu Recht trägt und nicht etwa so, wie sich alle heutigen Parteien als Arbeiter- Parteien bezeichnen, es nichts geben kann, was nicht als Arbeit begriffen wird. Arbeit ist Tempo der Faust, der Gedanken, des Herzens, des Lebens bei Tag und Nacht, die Wissenschaft, die Liebe, die Kunst, der Glaube, der Kultus, der Krieg: Arbeit ist die Schwingung des Atoms und- der Kraft, die Sterne und Sonnensysteme be- wegt." Die Welt des Arbeiters ist demnach, die ganze Welt, nicht die partikulare Welt eines Standes oder einer Klasse, Vorstellungen, die aus der alten Welt nicht herausführen. Was ist die Welt der Arbeiter aber anderes als die neue Welt, die Marx schon im„Kommunistischen Hie schwarze'Front Unter den Gruppen, die von der NSDAP. abgesplittert sind, verdient die Schwarze Front unter der Leitung von Dr. Otto S t r a ß e r, dem Bruder Gregor Straßers, be- sondere Beachtung. Im weiteren Sinne gehören zur Schwarzen Front auch Bünde wie„Werwols", „Oberland", der„Widerstandskreis" um Niekijch und der„Tat-Kreis" um Zehrer: im engeren Sinne ist darunter die von Straßer persönlich geleitete„Kampfgemeinschaft Revolutionärer Nationalsozialisten"(Abzeichen: Hammer und Schwert) zu verstehen, die unter der schwarzen Fahne marschiert und sich neuerdings in der „Schwarzen Garde" eine eigene Schugtruppe zu schaffen beginnt. Otto Straßcr, Kriegsfreiwilliger, Frontoffizier, nach dem Kriege Student und später eine Zeitlang in der Verwaltung und in der Wirtschaft tätig, kam bei der Revolution.zur SPD., war Vorstandsmitglied des Republikani- schen Führerbundes, des Vorläufers des Reichs- banners, und führte während des Kapp-Putsches eine rote Hundertschaft. Später stößt er zum Kreise Moellers van den Bruck, des eigentlichen geistigen Führers der gesamten konser- valioen Bewegung der Nachkriegszeit(Schrift: „Das Dritte Reich"), und kommt auf diesem Wege zur NSDAP., wo er gegenüber dem ewig lavierenden Hitler eine scharf revolutionäre und sozialradikale Richtung(„Nationalsozialistische Briefe") vertritt, die schließlich im Mai 1939 zum B r u ch m it H i t l e r und zum Austritt Straßers aus der NSDAP, führt. Otto Straßcr bekennt sich gleichzeitig zum Sozialismus und zum Nationalismus, zieht aber eine scharfe Trennungslinie zur NSDAP., die er, jedensalls in ihrer Führung, als total vcrbürger- licht scharf bekämpft. Straßers„Sozialismus" gründet sich auf drei Forderungen: Aufhebung des Privateigentums, Autarkie und Binnenwährung. Er lehnt den Staatssozialismus ab und hat dafür ein eigenes wirtschaftliches System ersonnen, das — auch schon in den Ausdrücken— stark an mittelalterliche Formen erinnert. Das Eigentum an den industriellen und agrarischen Produktionsmitteln soll aus den Staat übergeführt werden. Der Betrieb— der Fabrik, des Bauern- gutes— wird absr von ständischen Berusskörper» schaften geeigneten Persönlichkeiten zu„Lehen", das heißt zur selbständigen Betriebsführung, wenn auch unter der Kontrolle der Berufskörper- schaften, gegeben. An die Stelle der Steuern tritt der„Zehn te", der von allen Betrieben erhoben wird. Das Handwerk wird wieder in „Z ü n f t e" gegliedert, die das Recht zum Gewerbebetrieb verleihen. Im übrigen tritt Straßer in starkem Maße für die„Reagrari- sierung" Deutschlands ein, die er durch eine rücksichtslos durchgeführte Autonomie in der Zoll- und Handelspolitik erreichen will.— Politisch erstrebt Straßer die Beseitigung des Parteien- staates, der parlamentarischen Demokratie, lehnt aber den Faschismus energisch ab. An Stelle dessen will er eine lückenlos durchgeführte ständische Ordnung(Reichsständekammer, Landschafts- und Kreisständekammern), daneben einen auf Lebenszeit gewählten Reichspräsidenten, etwa mit dem Titel„Herzog". Außenpolitisch lehnt Straßer zwar jeden Imperialismus ab, erstrebt aber die Beseitigung des Bersailler Vertrages auf kriegerischem Wege. Neuerdings sreilich scheint er sich dem Gedanken der Verständigung mit Frankreich stärker zuzuneigen, nachdem er in Paris mit französischen Sozialisten und Radikalsozialisten gesprochen hat. Dagegen hält er den K r ie g m i t Polen für erstrebenswert und unvermeidlich. Die Schwarze Front besindet sich heute noch allzustarr in der Entwicklung, als daß sich ein endgültiges Urteil über sie fällen ließe. Unver- tennbar ist der stark romantische Zug in ihrer Programmatik, die sich überhaupt allzusehr von der heutigen Wirklichkeit Deutschlands, dos ein Staat der Massen und in hohem Maße iudustriali- siert ist, entfernt. Der Hauptmangel des Wirt- ichaftsprogramms ist. von dem„Lehenssystem" ganz abgesehen, daß planwirtschafttiche Gedanken überhaupt fehlen. Politisch sind alle Einwände zu erheben, die gegen den Ständestaat überhaupt zu erheben stnd. Praktisch bedeutet er die Vernichtung der Demokratie. Am gefährlichsten aber Ist der außenpolitische Test des Straßers chen Pro- gramms, der nur zu einem erneuten Krieg und damit zum Untergang Deutschlands und Europos führen müßte. lfcuw Pfeifiar. Manifest" vorausgesehen hat, die Welt, welche die geschichllichen Zielsetzungen aller bisherigen Klassen zusammenfaßt und zu einer neuen Welt gestaltet? Es gibt keine Möglichkest, vor dieser neuen Arbeitswest zu fliehen. Auch der Bauer, der statt mit Pferden mit Pferdekräften zu arbeiten beginnt, wird zum Arbeiter im neuen Sinn, wenn, er nicht untergehen will. Die anonymen Massen des 19. Jahrhunderts werden zu den gegliederten Gefolgschaften des neuen Jahr- Hunderts. Die Individualitäten ver- schwinden, an ihre Stelle treten Typen. Jeder Gang durch die Straßen unserer Großstädte, meint Jünger, zeige dies. Die geheimnisvolle Welt der Unendlichkeit der alten West ver- schwindet, an ihre Stell« tritt eine durch den totalen Arbeitsprozeß gestaltete neue Well.„Es leuchtet ein, daß sich in diesem sehr präzis, sehr konstruktiv gewordenen Raum mit seinen Uhren und Meßapparaten das einmalige und individuelle Erlebnis durch das eindeutige und typisch« ersetzt. Das Unbekannte, das Geheimnisvolle, der Zauber, die Mannigfaltigkeit dieses Lebens liegt in seiner abgeschlossenen Totalität, und man nimmt an dieser Well teil, insofern man ihr gegenübersteht." Die Freihell besteht in dem Maß, in dem sich di'e Totalität der Well, in die der Mensch einbezogen ist, ausdrückt. Die Technik mobilisiert die Welt in der Geställ des Arbeiters. Sie zerstört die überlieferten Ordnungen bis auf den legten Rest.„Die Phase der Zerstörung wird abgelöst durch eine wirkliche und sichtbare Ordnung, wenn jene Rasse(!) zur Herrschaft gelangt, die die neue Sprache nicht im Sinne des bloßen Verstandes, des Fortschrittes, des Nutzens, sondern als Elementarsprache zu sprechen oersteht... Erst dann ist es möglich, die Technik wirklich und widerspruchslos in Dienst zu stellen, wenn sich in den einzelnen und den Gemeinschaften, die über sie verfügen, die Gestall des Arbeiters repräsentiert." Der Arbeiter- st a a t wird das Zeitalter der liberalen Demo- kratie ablösen. Dieser neue Arbeiterstaat kann jedoch kein Staat der Restauration sein: die Be- mühungen zur Wiederherstellung des Stände- staates oder der konstitutionellen Monarchie sind für Jünger nur der Beweis, daß die bürgerliche Welt noch nicht völlig abgedankt hat. Ein um- fassender Arbeitsplan habe den neuen Menschen- typus in Gehorsam und Dienst zu ordnen. Man wird wohl schon dieser gedrängten Ueber- ficht entnehmen können, wo das gestalthaste Sehen Jüngers seine Grenzen findet. Er vermag nicht, in die eigentlichen gesellschaftlichen Zu» s a m m e n h ä n g e einzudringen. Jünger denkt bewußt ungeschichtlich. Der Mensch ist ihm ein kriegerisches Wesen:„der Mensch ist... nicht gut, sondern er ist gut und böse zugleich." Jünger interpretiert sich hier selber falsch. Sein Urbild vom Menschen ist der böse Mensch. Der Mensch ist der Feind des Menschen.(Homo bornini lupns.) Diese zutiefst u n g e s ch i ch t» liche Ausjassung vom Menschen widerspriSt jedoch dem geschichtlichen Ansatz Jüngers, der seit dem Wellkriege eine neue Welt im Wer- den sieht: deshalb versagt auch sein Denken gegen- über allem Institutionellen. So eindringlich die veränderte Gestalt des heutigen Menschen be- leuchtet wird, wenn von Architektur, Film, Radio, Musik, Landschaft, Straße, Stadt die Rede ist, geradezu naiv wird die Kritik am Spätkapitalis- mus, der eben nicht als G e st a l t. sondern nur als Prozeß zu fasten ist. 5iier erweist sich die unendliche Ueberlegenheit des Marxismus, der nicht nur die Fassade der Gegenwart, sondern ihr lebendiges Hineinströmen in die Zukunst auf- zuzeigen oermag. Eine sozialistische Arbeits« o r d n u n g, die von dem Fundament der Marxschen Prinzipien aus lebendig fortdenkt und handell, beschränkt sich keineswegs auf.geschaute" Bemerkungen über Eigentum und Arbeitslosen- Problem, sondern packt die Dinge fest im Hier und Jetzt an. Der„heroisch« Realismus" Jüngers wird unter der Wucht der zur Entscheidung vrängenden Gegenwart zur Illusion: nicht „Wenige" tragen die Verantwortung des neuen Werdens, sondern all«, die die geschichtliche Mission des Arbellers auf sich nehmen und zu ihr« ErMung berell stnd. J. P. Mayer. Schlechtes Spielwetter gestern beim Arbeiter-Fußball, Handball, Hockey Zu einem Fußball serienspiel weilte gestern die Mannschaft von E i ch e> Köpenick>n cherzselde Wird es zu einem Siege langen oder wird Eiche weiter nach unten kommen? Aus eigenem Plag sind die cherzselder ein schwer zu schlagender Gegner. Die Köpenicker setzten daher auch alle Krast ein, um einer Ueberraschung vor- zubeugen. Bis zur Pause gelang eine knappe 2: 1-Führung. Dann glaubte Eiche das Spiel ge- wonnen zu haben, da die cherzselder nachließen doch es war nur die oielzitierte Ruhe vor dem Sturm. Beim Stand? 3: l legten sich die Platze besitzer mächtig ins Zeug: immer ungestümer wurden die Angrisfe. immer mehr wurde Eiche in die Berteidigung gedrängt, bis Hsrzfelde aus 3: 2 herankam. Noch einmal riß sich Eiche zusammen, und kurz vor Schluß gelang dann auch der vierte Tresfer. Mit 4:2 s ü r Eiche endete ein schöner und interessanter Kampf, der den Provinzlern sicher neue Anhänger geworben hat. Die beider- seitigen zweiten Mannschaften trennten sich mit dem wohlverdienten S: l>-Sieg der cherzfelder. Die s.an der zweiten Halbzeit recht gut und wenn es auch keine überragende Leistungen waren, die man zu sehen bekam, so hielt die technische Ueberlegenheit Lichtenbergs unvermindert an und in regel- mäßigen Abständen fielen Tore, die einen oer- dienten Sieg ergaben. Vorwarts-Webbina gegen Blangelb 6:1(4:0). Der in Berlin ununterbrochen medergebende Renen beeinträchtigte alle Spiele, so dag weder Spieler noch Zuschauer einen rechten Genuß hatten. Vorwärts findet sich besser mit ��========����=:====::��======= dem nassen Boden ad und kann in regelmäßigen Abständen zu Torerfolgen kommen.— Nord gegen Eintracht- Reinickendorf 9:1(8:0). Die Exer-Leute sichern sich das? W m m T fy V» i* m Spiel bis zum Wechsel, um gegen die schwer kämpfenden§ H» A A � 3m*** Vk M j jl#«-»-» ttit•!- »ää1 ä" mvÄ m Lriiariottenourgs öcn Wimmrest infolge seines flachen Spieles stark Überlegen, kann aber arft nnrh h»m•TRortifoT an(�rfriTnon fftmirron ftta htr» noi-rn»- erst nach dem Wechsel zu Erfeigen kommen, als die gegne- rifche Lauferreihe uberlost�l ist und der Sturm versagt.— Borsigwalde gegen FSV. Pankow 3:3(2:1). Ein recht tS W 4 f t rp» n n( rt Y CUavNa 07 1* 4*-"— 1-«• A«- M 0— i»— Freie Schwimmer boten glänzenden Auftakt ouuuiiu/uirnujeyei; tunnen|iaj uui urm ilyloeren»tles- platz nicht finden und müssen bis zum Wechsel den Ball zweimal zur Mitte geben. Hernach drängen sie stark und rönnen den Ausgleich zweimal erzielen. Eine taktisch falsche Umstellung kann Saxonia zu den beiden Sieges- treffern ausnutzen.— Alemannia gegen FTGB. Bnch 4:3(2:3). Da Alemannia mit unvollständiger Mannschaft und gegen den Wind beginnt, gelingt es Buch über- rafch-nd-rweif-, bis zum Wechsel die Führung zu halten. Nach Halbzeit wendet sich das Blatt. Alemannia nutzt den Wind aus. Buchs Sturm versagt. Buchs Ausgleich in Form eines Elfmeters scheitert am guten Torwart.— Svielv-reinig-ng Ost gegen Eintracht-Mablsdorf 4:1(2:0). Osts Ueberlegenheit ist nicht so groß, wie das Ergebnis besagt. Lediglich das bessere Etellungsvermögen der Stürmer kann das meist ausgeglichene Spiel sieareich gestalten.— Rormaaaia gegen Werlsee 1l-2(6:0). Werl- war— zumal auf dem schweren Boden— dem svitzenr-iter des ersten Bezirks keinen Augenblick gefähr- waren die beiden Tore das Ergebnis un- ermudlichen Eifers.— Hansa 31 gegen Fortuna 5:0(4:0). "I.S? meßen besonderer Schwierigkeiten nur mit -cht Mann an. war aber trotzdem bis auf eine kurze n°ne DCri,*2 1" der S-nfa seinen Sieg sicher stellt-, ebenbürtig und hatte bei voller Besetzung kaum „Punkte verloren.- Teltow gegen M-nerna-P-ukölln gilt- 7�,» Gegner spielen lange Zeit äußerst vor. a-.°'>.-- Teltower Rübchen" verfügen aber aus dem voflitandig ausgeweichten Platze über besseres..Steh"ver. mögen und können das an sich-erteilte Spiel für sich «TTschetden-. Handball Stralau schlug Eiche 4:3 Nach der hohen Niederlage, die FTGB.- Stralau vor einer Woche vom Bezirk Süden der FTGB im Handballspiel bezogen halle, gab man für die Stralauer nur sehr wenig für die Begegnung mit E i ch e- Köpenick. Aber es kam diesmal anders. Die Stralauer besannen sich aus chren Ruf als Kampfmannschaft. Und das mußten sie, wenn sie gewinnen wollten. Beide Mannschaften begannen reichlich nervös. Eiche war zeitweise überlegen, konnte es jedoch nicht verhindern, daß die flinken Stralau-Stür- mer in der l4. Minute durch den Halbrechten in Führung gingen. Longe sollte die Freude jedoch nicht dauern. Eiches Linksaußen bekam den Ball gut zugespielt, rannte durch und der Ausgleich war geschossen. Nur wenige Minuten später war es der gleiche Spieler, der seine Mannschaft mll 2: 1 nach vorn brachte. Doch auch Eiche konnte sich nicht lange des Erfolgs freuen. Der Millelstürmer Stralaus hatte sich gut durchgespielt, und am überraschten Torwart vorbei fand der Ball den Weg ins Netz. Wieder war der Gleichstand er- zielt. Die Stralauer, die sich jetzt besser mit dem Boden abfanden, wurden immer gefährlicher. Bald hallen sie auch wieder die Führung erreicht, doch kurz vor der Pause holte Eiche wieder auf. Nach dem Seitenwechsel zunächst vollkommen oer- teiltes Spiel, keiner Mannschaft wollte Zählbares gelingen. Stralaus Hintermannschaft spielte sehr stark, während Eiches Schlußdreieck zu offen war. Schon glaubte man. das Resultat würde sich nicht mehr ändern, als es wieder dem Halbrechten ge- lang, einen seiner scharfen Schüsse anzubringen. Knapp aber oerdient verließ Stralau mit 4:3 als Sieger den Platz.— Stralaus Jugendmannschaft scheint aus dem besten Wege zu sein, sick> die Meisterschaft zu erringen. Mit nur zehn Mann konnte sie auch ihr letztes Serienspiel gegen Eiche mit 4: 1 gewinnen. Damit haben sie die Herbstrunde ohne jeden Punktverlust ab- geschlossen. Die Hockeyserie Im Spiel des Vereins für Leibesübungen Ost- ring gegen den Achletiksportklub kam es nur zu einem unentschiedenen 2: 2 Die Ostringer brachten sich durch schlechtes Verstehen und einer ui:möglichen Mannschaftsaufstellung selbst um den Sieg. Die Freie Turnerschast Groß-Berlin Tem- pelhos schaffte einen imposanten 4:l-Sisg über den Freien Hockeyklub Spandau. Der glatte Boden und das unfreundliche Wetter machte den Spandauern viel Mühe, und nachdem die Tempel- hofer dann noch in Führung gingen, verloren sie auch noch die Ruhe, so daß sie einem sicheren Ber- Mit einer über alles Erwarten gelungenen Ver- anstaltung haben die Freien Schwimmer Charlottenburg gestern Im überfüllten Charlottenburger Stadtbad in der Krummestraße ein hervorragendes Leistungszeugnis von spart- lichem Können und zielbewußtem Streben abge- legt. In den Wettkämpsen über die Bahn und mit dem Ball gab es begeisternde Kämpfe und ausgezeichnete Leistungen, die von großem Ehr- geiz sprachen und doch echte Freude am Spiel und Achtung vor dem Gegner oereinigten. Es war eben Arbeitersport, und er war es erst recht dann, als in einer sogenannten„Bunten Stunde" in ernster und heiterer Form mehr ge- zeigt wurde als nur ein Wettkampf. Unter drei- tester Anteilnahme aller Mitgliedschichten des Vereins wurden hier die mannigfachen Betäti- gungsmöglichkeiten im feuchten Element demon- slliert. Insbesondere die Kinder hallen hier mit ihren Vorführungen großen Erfolg. In Staffeln und Gruppenspringen und einem improvisiert heiteren Ausschnitt vom Uebungsbellieb zeigte sich der Nachwuchs mit großem Eifer bei der Sache. Einem ohne Tadel ausgeführten Reigen der Frauenmannschaft folgten übersichlliche Vor- führungen der Rettungsschwimmer, die Wasser- ballspieler zeigten Training, Geschicklichkellsstaffeln wurden geschwommen, ja sogar die Faltbootfahrer zeigten mit ihren Booten Kenterübungen im Bassin. Lachsalven durchdröhnten das Haus, als die„Bunte Stunde" mit einer Parade der Bade- bekleidungen von historischer bis zur„zwickligen" Ietztzell ihren Abschluß fand. In den Wettkämpfen gab es die erwarteten Erfolge des Veranstallers. Fast sämtliche bedeutenden Konkurrenzen wurden eine Beute der Charlottenburger. Im 2