Morgen-Ausgabe Nr. 515 A252 49. Jahrg. Redaktion and Verlag, Werlin SW 68, Lindenstr. 3 Stnifpredjer. 37 Am, Dönhoff 297 bu 297 Dtltgtommabteffei«ojlaffj.moho,-v«r«» DIENSTAG 1. November 1932 BERLINER VOLKSBLATT Aentvalovsa« der Sozialdemorvatischen Partei Deutschlands Was kosten uns die Barone? E!ne I�IilUar�e Oeki�it!— Vier Milliarden Vorbelastungen!— Erschütterung der Reichsfinanzen! In ihrem Antrittsprogramm, in dem die Re- gierung Popen gegen den Wohlfahrt s- st a a t zu Felde zog und die sittlichen Grundlagen der Nation wieherherzustellen versprach, oerhieß sie dem Volk auch eine Stärkung der er- schütterten finanziellen Grundlage des Staates. Was ist au« diesen hochtra- benden Versprechungen geworden? Den Abbau des Wohlfahrtsstaates hat die Re- gierung zwar gründlich besorgt, die Wiederher- stellung der sittlichen Grundlagen der Nation hat sie osfenbar durch ihren Zwickelerlaß in die Wege geleitet. Aber wie steht es mit der Wiederher st ellung geordneter Staatsfinonzen? Bei aller Kritik, die an der Politik der Regierung Brüning zu üben war. mußte man ihr doch das eine lassen: sie Hot ihrer Nachfolgerin einen ausgeglichenen Reichshaushalt hinterlassen. Wenn aber eine Regierung die finnn- zielle Grundlage des Staates erschüttert hat, dann ist es die Regierung Papcn. Denn die Finanzpolitik, die sie treibt, ist eine ausgesprochene Politik des Aben- tcuers, ein Ritt über den Bodensee! Die Regierung stellt sich, als wäre der chaus- halt des laufenden Rechnungsjahres in Ordnung. Man hört— zumindest vor dem 6. November— kein Wort über das dro- hende Defizit., man lieft nur, daß die Kassenlage des Reiches bis jetzt ausgeglichen, eine Vermehrung seiner schwebenden Schulden bis jetzt nicht eingetreten ist. Es wird aber oerschwiegen, daß die zweite Hälfte des laufenden Rechnung?- jahres zwangsläufig einen ganz anderen Verlauf wird nehmen müssen als die erste Hälfte, daß sich dann die Rückgänge der Steuereinnahmen in einem gewaltigen Defizit werden auswirken müssen. Schon jetzt läßt sich das Tesizit des Reichs— unter der selbstverständ- lichen Voraussetzung, daß das Reich den Ländern ihre Ausfälle an lieber- Weisungssteuern erstattet, weil die Län- der und Gemeinden sonst zusammen- brechen müssen— für das laufende Rechnungsjahr auf mehr als eine Milliarde Mark schätze». Dabei ist diese Schätzung nicht oberflächlich, sondern sehr sorgfältig durchgerechnet und auf optimistischen Erwartungen über den Wirtschastsverlauf lm kommenden Winterhalbjahr aufgebaut. wir fragen: wann gedentl die Regierung dem Volk den reinen wein über die Finanzlage einzuschenken, und was gedenkt sie zur Deckung des Defizits zu tun? Oder will sie das Milliardendefizii genau so als Ballast für ihren Ritt über den Bodensee mit- schleppen wie den noch größeren Milliardenballast der Vorbelastungen der zukünftigen Reichshaushalt«? Dieses Kapitel der Vorbelastungen ist womöglich noch trüber als das des Defizits des laufenden Jahres Eine genaue Durchrechnung aller Vorbelastungen, die den Reichshaushalten der nächsten Jahre in den verschiedensten For- men— Steue r g u t s ch e i n e. Schatz- anweisungen. private Wechsel, die später vom Reich eingelöst werden müssen— bis jetzt auferlegt wurden, kommt zu der er- schreckenden Zisser von rund Milliarden oder wenn man annimmt, daß die Steuergutscheine in ihrer vollen Höhe in Anspruch genommen werden sogar Z.8 Milliarden also nahezu 4 Milliarde» Mark. Wie viele von diesen Vorbelastungen sich durch Rückzahlungen der eigentlichen Schuldner, zu deren Gunsten die Schatzanweisungen ausgegeben weiden, erledigen werden, läßt sich natürlich noch nicht abschätzen. Jedenfalls aber steht schon jetzt fest, daß die Reichshausholte der nächsten Jahre heute schon mit vielen Hunderten Mil- lionen in jedem Jahr vorbelastet sind. Diese furrhtbare» Lasten werden ge- tragen werden müssen, gleichgültig, ob die Konjunktur gut oder schlecht sein wird, oder ob wir gar unter einer ähn- lichen Krise wie heute leiden werden, die die Herausholung solcher Beträge aus der Volkswirtschaft natürlich unmöglich machen würde. UeberflMg noch zu erwähnen, daß diese Vor- belaswngen zu lvll Proz. reine Subven- t i o n e n an die verschiedensten Wirtschaftszweige, Zu den„Ministerernennungen" durch Papen nimmt man innerhalb der rechtmäßigen preußischen Stoatsregierung etwa folgende Stel- lung ein: Die Ernennung von Reichsministern ist a n s I ch Sache des Reiches. Preußen hat dabei lediglich im Rahmen des Reichsrats wegen der haushaltsmäßigen Unterlagen mitzusprechen. Die Ernennung ist nach der grundsätzlichen Auffassung der preußischen Staatsregierung deshalb überflüssig, weil die Verwaltung preußischer Angelegenheiten durch das Reich auf Grund des Artikels 43 Absah 2 nach ihrer Ansicht nicht notwendig ist. wenu sie aber für notwendig gehalten wird, kann die B e- schränkung aus Preußen nicht gerechtfertigt werden. Die Bezeichnung der Kommissare als„Reichsminifier" ist immerhin zutressender als die Bezeichnung als„Landes- minister" oder„Landesregierung", die mil der Entscheidung des Staatsgerichtshofes nicht in Ein- klang steht. 3n der Ernennung von Herrn P spitz wird man eine gewisse Abkehr der Reichsregie- rung von der bisherigen Verurteilung der früheren Zinanzgebarung des Reiches zu erblicken haben, an der Herr Popitz, Staatssekretär im Reichssinanzministerium bis Ende lg2?, als maß- gebender Fachberater mitgewirkt hat. VerkassungsausschuO de» Reichsrats am 3. November Die preußische Staatsregierung Braun Hat der Absicht der Reichsregierung, den Reichsrat erst in den nächsten Wochen zusammentreten zu lassen, widersprochen. Aus ihren Antrag ist nun- mehr eine Sitzung des Ausschusses für Verfassung und Geschäftsordnung bereits aus Donnerstag, den 3. No- o e m b e r, anberaumt worden, um die durch das dreimonatige Ruhen aller Sitzungen entstandene Geschäftslage zu besprechen und die weiteren Sitzungen vorzubereiten. Protest aus VWlrttemherZ Stuttgart, 31 Oktober. Im Württembergischen Landtag hat Abg. Keil 1e!I>en die Nazis? Seit einigen Wochen hat auch auf dem Lande die Wahlagitation wieder in verstärktem Maße eingesetzt. Die ländliche Ruhe ist gestört, Plakate fordern „Entscheidet euch!", und auf einmal gibt es auch in Dustersdorf und Zuckelhausen Parteien und widerstreitende Meinungen, UaenniicUicller Kampieseiier Unsere Genossen auf dem Lande, die in diesem Wahljahre wie wir alle bereits ein gehöriges Quantum Arbeitsleistung hinter sich haben, sind trotzdem wieder mit unermüdlichem Kampfeseifer für die Partei tätig. Diese Funktionäre auf vor- geschobenem Posten, Pioniere auf schwierigem Gelände, sind mit einem Mut und einer Tapfer- kcit bei der Sache, die wahrhaft bewunderungs- würdig sind, Sie haben sich meist noch mit Widerständen auseinanderzusetzen, mit denen wir in der Stadt vor etwa dreißig Jahren noch zu tun hatten. Da hat der Mutige, der unerschrocken iür die Ziele der Sozialdemokratischen Partei ein- tritt, damit zu rechnen, mit kleinlichen Schikanen und Intrigen bekämpft zu werden. Cr muß dauernd befürchten, seine Arbeitsstelle zu ver- lieren. Ja, wie die Ersahrungen dieses Jahres mit erschreckender Deutlichkeit gezeigt haben, er hat mitunter alle Veranlassung, für den Schutz seines Lebens Sorge zu tragen. Daß sich unsere Genossen auf dem Lande trotz- dem nicht entmutigen lassen, verdient unsere größte Anerkennung. Die ländliche Werbe- arbeit ist heute so wichtig geworden, daß wir' Kilometersteine mit der Ausschrift 23,3 gibt es viele in Deutschland, aber nur einen, bei und um den es„spukt". Leider ist er für die Berliner Motoristen nicht greisbar. Im Gegenteil, er ist ziemlich weit von uns entsernt, liegt an der Chaussee zwischen Bremen und Wesermünde und hat sich durch sein offen- kundig feindliches Verhalten den wilden, mit Furcht gepaarten Zorn aller Motoristen jener Gegend zugezogen. Rund fünfzig teils leichte, teils schwere Auto- Unfälle haben sich, wie früher berichtet wurde, an diesem Stein 23,9 zugetragen. Das wäre nun in der Tat mehr als auffällig, aber es hat sich herausgestellt, daß sich diese 50 Autounfälle auf einen Raum von 7 Kilometer um jenen ominösen Stein verteilen. In der Nacht zum legten Sonn- tag hat sich wieder bei dem unheimlichen Stein ein Autounglück zugetragen. Ein aus Richtung Wesermünde kommender mit 6 Personen be- setzter Kraftwagen eines Geestemünder Fischhänd- lers fuhr bei Kilometerstein 24,6, also in der Ge- sahrenzone des berüchtigten Kilometersteins 23,9, gegeneinenBaum. Das Auto wurde schwer beschädigt, zwei Insassen wurden leicht verletzt. Der verunglückte Wagen mußte ab- geschleppt werden. Der Unfall ereignete sich auf schlüpfriger Straße 400 Meter vor der Kreuzung der Landstraße Hagen— Stubben und ist besonders bemerkenswert, weil das Auto aus Richtung Wesermünde und nicht wie sonst bei den über 50 Unfällen in jenem Bereich aus Rich- tung Bremen kam. Die Geschwindigkeit des Wa- ohne die Unterstützung der Genossen draußen nur unter den größten, fast unüberwindlichen Schmie- rigkeiten für uns Boden gewinnen könnten. Für die Parteireserenten sind die dörflichen Ver- trauensleute die unerläßlichste Hilfe, Von ihnen erfährt er lokale Einzelheiten, die er zur Aus- einandersetzung mit dem Gegner braucht. Ohne ihre Vorarbeit wird der beste Redner, und sei er auch die größte Kanone, wirkungslos ver- puffen. Der folgende Brief eines Parteireferenten gibt ein gutes Bild von der schwierigen und mühevollen Arbeit auf dem Lande, Eia Refereat schreibt: „Gestern abend hatten wir eine Versammlung in I. Wir sind vier Mann hoch auf Rädern hin- gefahren. Die drei Genossen, die mit mir waren, sind schon seit Jahr und Tag arbeitslos. Sie haben selbst im Sommer und zur Erntezeit ab und zu einmal ein paar Tage Arbeit gehabt. Die Bauern hier sind alle nur kleine Besitzer, die ihre Arbeit selbst machen, und die Gutsbesitzer sind Nazis und stellen nur SA.-Leute ein. Auf diese Weise wird allerdings mancher Nazi, der es im Innern gar nicht ist. Bei den Bauern vollzieht sich eine bemerkenswerte Wandlung in ihrer Ein- stellung gegenüber den Nationalsozialisten, Viele sind von den Nazis enttäuscht, manche erwarten von den Autarkiebestrebungen der Regierung Papen eine Besserung ihrer Lage, aber viele be- ginnen doch zu begreifen, daß es ihnen schließlich nur besser gehen kann, wenn der Arbeiter in der gens betrug auf der als Gefahrenzone bekannten Strecke nur 40 Stundenkilometer. Was hat das alles zu bedeuten? Ein Berliner Hugenberg-Blatt hat sich mit Dem merkwürdigen steinernen Feind der Automobilisten spaltenlang beschäftigt. Ein sogenanter Rutengänger aus Lesum hat angeblich ein geheimnisvolles Metall- kästchen konstruiert und bei dem ominösen Stein eingegraben. Sofort sollen all« Autounfälle hier aufgehört haben, um sich sogleich wieder einzu- stellen, nachdem das Kästchen entfernt war. Wahr- scheinlich ist der Stein selber und seine Umgebung gar nicht so unheimlich, aber nachdem irgendeiner seine angebliche fatale Eigenschaft entdeckt hat, ist beim Vorbeifahren wahrscheinlich den meisten Fahrern so unheimlich geworden, daß sie ent- weder so zu schnell fuhren oder vor Angst so unsicher wurden, daß etwas passieren mußte. Viel- leicht geht es mit diesem spukhaften Kilometerstein wie bei jedem Spuk: wenn man ihn bei Tag« besieht und sich über ihn gründlich ausspricht, bleibt nichts Geheimnisvolles mehr übrig. Der Berek-Vertrag Die neue Magistratsvorlage, die das Pacht- Verhältnis der Stadt zur Berek auf einer neuen Grundlage regeln soll, wurde in einem Ausschuß eingehend behandelt. Bisher war die Pacht- summe, die von der Berek an die Stadt gezahlt Lage ist, ihre Produkte zu kaufen. Die psycho- logische Situation ist günstig für uns, es kommt jetzt darauf an, sie richtig auszunutzen. Wir hatten eine gut besuchte Versammlung. An der Theke haben wir noch bis Mitternacht zusammen- gestanden, das ist dann ja erst die eigentliche Dis- kussion. Und hier, im Gespräch von Mann zu Mann, haben wir noch manchen für uns ge- wonnen. Heimwärts mußten wir zwei Stunden laufen, da es in Strömen regnete und der Weg völlig aufgeweicht war. Ein paar Stunden Schlaf, und um 6 Uhr bin ich mit dem Postauto wieder weitergefahren. Es ist eine Anstrengung — aber man sieht den Erfolg. Es geht vorwärts!" In den größeren Städten gebärden sich die Nationalsozialisten ja ziemlich hoffnungsvoll, aber auf dem Lande, und das kann man auch schon in kleineren Städten beobachten, sieht es doch wesentlich anders aus. Bei den letzten Wahl- kämpfen haben die Nazis das flache Land förm- lich mit Flugblättern und Plakaten überschwemmt, in kleinen Städten hatten sie mitunter jeden zweiten Tag eine Versammlung oder sonst einen Klamauk, Diesmal ist es merkwürdig still ge- worden bei den Braunhemden. Und das liegt nicht nur daran, daß die Geldgeber zurückhalten- der geworden sind, auch die Stimmung der Wählermassen ist umgeschlagen. Der Klamauk wirkt nicht mehr. Der Katzenjammer beginnt. Die Zeit ist mit uns. Wirke jeder auf seinem Platze: Stadt und Land gemeinsam für den Sozialismus— so werden wir allen Widerständen trotzen! werden soll, auf 2,4 Millionen Mark jährlich fest- gelegt worden. Aber die Entwicklung der Wirt- schost in den letzten Jahren hat in der Tat eine wesentlich geringere Pachtabgabe gebracht. Schon 1930 blieb die Berek hinter dem vereinbarten Be- trage mit 750000 Mark zurück, und im Etat sür 1932 sind überhaupt nur noch 1,25 Millionen als Pachtsumme angesetzt worden. Der Ober- bürgermeister empfiehlt nun, ein passenderes System der Pachtabgabe anzuwenden, und zwar von den monatlichen Roheinnahmen einen be- stimmten Prozentsatz zu erheben. Diese monat- lichen Pachtraten sollen von der Berek immer erst nach drei Monaten abgelöst werden, damit ihr selbst die nötigen Mittel für ihre Betriebs- führung bleiben. Der Ausschuß stimmte diesem Vorschlag grundsätzlich zu. Iliegertod im Kanal Nachkorsdhuaxen ergebnislos Es scheint leider Tatsache zu sein, daß die Be- satzung des vermißten Postflugzeuges O 2017 ein Opfer ihres Berufes geworden ist und den Tod in den Wellen des Kanals gefunden hat. Alle Nachforschungen nach der Maschine sind bisher vergeblich gewesen, es sind auch keine Flug- zeugtrllmmer oder Postsäcke von der Ladung ge- sichtet worden. Man hat noch festgestellt, daß der e r st e 8 G 8- R u f bei der englischen Funkstation in Croydon ganz klar ankam, während die späteren Hilferufe in der etwas flüchtigen Weise, wie sie gefunkt waren, für den Sachverständigen erkennen ließen, daß der sendende Funker offen- bar in großer Erregung die Taste bediente. Man nimmt jetzt an, daß das Flugzeug nach Eintritt der Motorpanne über dem Kanal zum Gleitflug ansetzte und wohl den Versuch machte, die eng- tische Küste wieder zu erreichen. Dabei ist die O 2017 aber wahrscheinlich in der Dunkelheit und bei dem zu jener Zeit im Kanal herrschenden Sturm nach Nordwesten abgetrieben worden und hat infolgedessen das rettende Land verfehlt. Der Flugzeugführer Wilhelm C u n o stand im 32, Lebensjahr und war ein gebürtiger Danziger, Im Dienst der Lufthansa hat er insgesamt 302 000 Kilometer zurückgelegt, davon mehr als 120 000 Kilometer im Nachtslug. Auf der Nachtpoststrecke Köln— London war er seit länger als zwei Jahren tätig. Sein Begleiter, der Funkermaschinist Werner D r e b e s, stammt aus Berlin, stand im 31. Lebensjahre und war in Köln verheiratet. Brand in Stettin i�we! Tote, vier Schwerverletzte Wie der Berliner Feuerwehr aus Stettin berichtet wird, wütete gestern in den Z ü I l- chower An st alten in Warsow bei Stettin ein Großfeuer, das für die cöschmannschaften der SIettiner Wehr von furchtbaren Folgen war. Nachdem der Brand eingedämmt war, stürzte ein Teil des Gebäudes krachend zusammen. Sechs Zeuerwehrbeamte, Brandirektor Senkel, Ober- brandingenieur Rösener, die Brandmeister Machet und Meier sowie die Oberseuerwehrleute Boß und waser wurden unter den glühenden Trümmern begraben. Nur mit Mühe konnten die Ver- unglückten aus ihrer entsetzlichen Lage befreit werden. Brandmeister Machet, dem ein Bein abgequetscht wurde, und Oberbrandingenieur Röse- oer sind inzwischen ihren furchtbaren Verletzungen erlegen. Leider ist zu besürchlen, daß die Brand- katastrophe noch ein drittes Todesopfer fordern wird, denn dem Brandirektor Senkel mußte ein Bein amputiert werden. Außerdem hat Senkel schwere Knochenbrüche und innere Verletzungen erlitten. „Blinder Passagier" bekannt Elncht wegen Mietschulden Das Geheimnis um den seltsamen Reisenden, der vor einigen Tagen in dem D-Zug 45 Wiesbaden— Berlin anscheinend bewußtlos aufgefunden wurde, konnte jetzt endlich aufgeklärt werden. Eine ganze Woche war es dem Mann gelungen, seine Personalien vor der Polizei geheim zu halten, Die Vermutung, daß es sich um einen Simulanten handelt, hat sich nun als richtig herausgestellt. Wie der Berliner Polizei gestern abend aus Wies- baden mitgeteilt wurde, ist der„Mann im D-Zug" ein 35 Jahre alter Schlosser Richard Bauer, der lange Zeit in Wiesbaden möbliert wohnte. Da B, ohne Verdienst war, hatte er bei seiner Wirtin beträchtliche Mietschulden. In den Abend- stunden des 17. Oktober entfernte er sich heimlich aus der Wohnung und einige Tage später trat er die Fahrt nach Berlin an. Vermutlich hat er eine Bahnsteigkarte benutzt oder für eine kurze Strecke eine Fahrkarte gelöst. Den größten Teil legte er dann als„blinder Passagier" zurück. Todessturz auk dem Neubau! Auf dem Neubau in der Schneewittchenstraße 30 in Köpenick ereignete sich ein tödlicher Unfall. Beim Ueberschreiten einer Laufplanke verlor der 55 Jahre alte Zimmermann Fritz Hausknecht aus der Niederbarnimer Straße 11 in Berlin den Halt und stürzte kopfüber in die Tiefe. Der Ar- beiter erlitt einen Halswirbelbruch, an dessen Folgen er im Köpenicker Krankenhaus einige Zeit nach seiner Aufnahme gestorben ist. Spuk am Kilometerstein i£ukall, Angst oder was sonst? KON LINON weil sie in dieser Cigarette stets ihre berechtigten Ansprüche aut Qualität, Frische und Format erfüllt sehen. /?äs ist höher zu bewerten eis Zugehen wie Wert merken, Gutscheine und Stickereien, die aruno dusschiießen muß, um ihre anerkennte Güte zu wehren. So besteht eine Verbundenheit des Rauchers mit seiner Juno! Das geraubte Buch Na2Ü in zweiter Instanz verurteilt Der Kaufmann Hermann Friedrich, der sich im Februar d. I, den Spaß erlaubte, mit dem Eisernen Buch das Weite zu suchen, stand zum zweitenmal vor Gericht. Das frei- sprechende Urteil des Schnellgerichts hat seinerzeit mit Recht Aufsehen erregt. Sollte es straflos abgehen, wenn politische Rowdys dem Gegner Dokumente entwenden in der Absicht, sie zu ver- Nichten? Die zweite Instanz hat gestern diese Frage mit einem klaren Nein beantwortet. Die Einzelheiten sind noch in Erinnerung. Im Lokal Wolter in der Westfälischen Straße lag das Eiserne Buch aus. Wiederholt hatten verdächtige Gestalten dem Nebenzimmer, in dem Mitglieder der Eisernen Front die Eintragungen entgegennahmen, Besuche abgestattet. Man war deshalb auf der Hut. Die Eintragungen wurden auf einzelnen losen Seiten gemacht, als Unter- läge diente der Deckel des Eisernen Buches. Am lv. Februar betrat ein junger Mann das Zimmer und fragte, ob er einen Ausweis vorlegen müsse, die Frage wurde verneint. Er trug sich in das Buch mit dem Namen Müller ein, hielt aber dabei die linke Hand in äußerst verdächtiger Weise neben dem losen Bogen. Der junge Mann riß die Eintragungsliste und den Deckel des Eisernen Buches plötzlich an sich und stürmte aus dem Zimmer. Er wurde gefaßt und bei der Polizei legte er eine Invalidenkarte auf den Namen Müller vor, nannte aber dann seinen richtigen Namen Friedrich. Die Jnvalidenkarte hatte er von einem befreundeten Nazi bekommen. Das Ganze war also wohlvorbereitet. In der Verhandlung war der Führer des Reichsbanners Karl Höltermann durch den Rechtsanwalt Dr. Max Kantorowicz als Nebenkläger vertreten. Die Anklage wegen Dieb- stahls ließ der Staatsanwalt fallen, da eine Be- reicherungsabsicht bei dem Angeklagten nicht vor- gelegen habe. Er beantragte zehn Tage Gefäng- nis wegen versuchter Sachbeschädigung und drei Tage Haft wegen intellektueller Urkundenfälschung. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen versuchter Sachbeschädigung in Tateinheit mit Nötigung— Friedrich hatte sich mit Gewalt los- gerissen, als man ihm das Eiserne Buch wieder abnehmen wollte— zu 100 Mark Geldstrafe, für die im Nichtbeitreibungsfalle zehn Tage Gefängnis treten sollen und zu 3 Mark Geldstrafe wegen intellektueller Urkundenfälschung. Bergangene Pädagogik I�löekte wieeler lebendig werden Der Arbeitskreis für Reform der Für- sorgeerziehung veranstaltete im Plenar- saal des Reichswirtschastsrats eine Kundgebung gegen die pädagogische Reaktion. Der erste Sprecher des Abends, Prof. Röhl, wandte sich mit großer Schärfe gegen die Mächte, die einen Abbau der pädagogischen Bewegung er- streben, und zwar in einem Augenblick, da Deutschland diese Waffe am notwendigsten braucht. Die Stationen dieses äußeren Abbaues find: Immer stärkere Kürzungen des Etats, plumpe Vergrößerung der Klassen, Beseitigung aller für- sorgerischen Maßnahmen. Aufhebung der Fort- bildungsschulen auf dem Lande. Hinter dem Unverständnis für die pädagogischen Zusammen- hänge steckt eine gewisse Gegnerschaft gegen die pädagogische Bewegung und ihre Träger. Diese Gegnerschaft zeigt sich auch in der Personal- poltttk, die die führenden Kräfte auf tote Gleise abschiebt. Sie zeigt sich vor allem in der geistigen Reaktion, dem inneren Ab- bau. Es tauchen systematisch die Formen einer vergangenen Pädagogik wieder auf und verbrämen sich mit den Schlagworten: Autorität, Zucht, Leistung, Wissen, Uebung und neue Strenge. Die Sozialpädagogik mit ihrer Arbeit an den Anormalen möchte man am liebsten beseitigen.„Wir Erzieher", sagte Prof. Nohl zum Schluß seiner äußerst wirksamen und wirkungsvollen Rede,„kämpfen in jeder Situation der Geschichte für die Rechte des Menschen und für die Freiheit zur E n t- faltung seiner besten inneren Kräfte." Prof. B o n d y sprach über die Praxis der Sozialpädagogik. Wenn man mit ihm auch in manchen Einzelheiten nicht einverstanden sein konnte, so mußte man seinen Schlußworten doch zustimmen:„Es gibt nur eine Entscheidung. entweder die Bejahung der richtiqverstandenen pädagogischen Bewegung oder die Bejahung der pädagogischen Reaktion. Gegen die pädagogische Reaktion gibt es nur eine saubere und eindeutige Haltung: Unbedingter Kampf." Tc&U SMMilisüscUc HocUscUuic Sonnabend, 5. November, 19K Uhr. Plenarsaal des Reichswirtschaftsrates, Bellevue- straSe 15: Vortrag des Genossen Otto Bauer Uber „Heise des ICofUlaUstnus" Karten zum Preise von 50 Pf in den bekannten Verkaufsstellen. Karten fUr Erwerbslose und Studierende zu ermäßigten Preisen an der Abendkasse. Bullerjahnprozeß 3. November Das Wiederaufnahmeverfahren im Landesverratsprozeß Bullerjahn wird am 3. November vor dem 4. Strafsenat des Reichsgerichts unter dem Vorsitz des Senatspräsi- denten Dr. Bänger verhandelt werden. Es ist vorgesehen, daß der Senat drei Tage lang in Leipzig und zwei Tage lang in Berlin verhandelt. Dann wird der Senat in Leipzig zur Anhörung der Schlußansprachen zur Urteilsfindung und Urteilsverkündung zusammentreten. Im.Auto ertrunken Amsterdam, 31. Oktober. Unweit Purmerend ereignete sich ein schweres Automobilunglück. Ein Kraftwagen aus Rotter- dam geriet bei Jlpendam auf der längs des Nord- holländischen Kanals führenden Straße infolge der Nässe ins Schleudern. Der Führer verlor die Gewalt über den Wagen, der in den Kanal fuhr, wo er sich noch zu allem Unglück überschlug. Der Führer des Wagens, seine Frau und sein vier- zehnjähriger Sohn sowie ein vierter Insasse e r- tranken. Nach zweistündigem angestrengtem Arbeiten konnte der Wagen mit den Leichen ge- Zeugen gesucht. In der Nacht vom 20. zum 21. Oktober verunglückte der Gewerkschaftsange- stellte Willi K i r ch m a i e r. K. benutzte die Linie 47 zur Heimfahrt nach Britz. Als der Wagen an der Berg- und Ecke Ionasstraße hielt. stürzte K. plötzlich von der Plattform und erlitt schwere Verletzungen. Um die näheren Begleit- umstände zu klären, werden Augenzeugen höflichst gebeten, sich bei Paul Kirchmaier, Britz. Staven- Hagener Str. 16, zu melden. Stasendungen sSr diele Rubelt sind Berlin SW«S, Lindenstraße 3, parteinachrichten�M�für Groß-Berlin stet» an da» Bezlrtasetretaria. 2. Hof, 2 Treppen recht», ,u richten Unsere nächsten Partei- und Äetriebsveranstaltungen „Tie Sozialdemokratie im Kampf gegen kapitalistische Verelendung, für sozialistischen Aufbau." l. Kreis Mitte. Dienstag, 1. November, 19% Uhr, Kundgebung in den Ger- � mania-Sälen, Chausseestr. 110. Referent Friedrich Stampfer, i M. d. R. Unter Mitwirkung des Laienspieler-Verbandes und � der Reichsbannerkapelle Wedding. 3. KreiS Wedding. Dienstag, 1. November,. 1914 Uhr, fünf öffentliche Kund- gedungen: oberer Saal der Atlantik-Säle, Behmstraße am Bahnhof Gesundbrunnen. Referent Dr. Otto Friedländer! unterer Saal der Atlantik-Säle, Referentin Frieda Gladosch; Pharus-Säle, Miillerstr. 142, Referent Siegfried Aufhäuser, M. d. R.i Hochschulbrauerei. See- Ecke Amrumer Straße, Referent Max Heydemann, M. d. L.i Swinemünder Gesell- schaftshaus, Swincmünder Str. 42. Referent Dr. Otto Suhr. 7. KreiS Charlottenburg. Dienstag, 1. November, 20 Uhr, Kundgebung im Türkischen Zelt, Charlottenburg, Berliner Str. 53. Referent Paul Mielitz. 11. KreiS Schöneberg. Dienstag, 1. November, 1914 Uhr, Kundgebung in der Hohen- zollernschule, Schöneberg, Belziger Ecke Eisenacher Straße. Referent Erich Kuttner, Bt. d. L. 17. Kreis Lichtenberg. Dienstag, 1. November, 1914 Uhr, Kundgebung in der Schul- aula Parkaue, Lichtenberg, an der Möllendorffftraße. Re- ferentin Gertrud Hanna, M. d. L- 84. Abt. Lankwitz. Dienstag, 1. November, 20 Uhr, Kundgebung in Lehmanns Festfälen, Lankwitz, Kaifer-Wilhelm-Str. 29/31. Referent Dr. Kurt Löwenste'in, M. d. R. 99a Abt. Britz. Dienstag, 1. November, 1914 Uhr, Werbeveranstallung der Frauen im Lindenpark, Britz, Chausseestraße. Vorführung des Films„Freie Fahrt". Referentin Käthe Kern. 19tt. Abt. Johannisthal. Dienstag, 1. November, 20 Uhr, Kundgebung im Logenhaus, Johannisthal, Friedrichftr. 61. Referent Dr. Julius Moses. 139. Abt. Tegelort. Dienstag, 1. November, 1911 Uhr, öffentliche Versammlung im Lokal„Zum Schwan", Tegelort, Scharsenberger Str. 31.'Re- ferent Otto Meier, M. d. L. Grost-Ziethen. Dienstag, 1. November, 20 Uhr, im Lokal von Otto Schicke, große öffentliche Wählerkundgebung. Ref. Reichstagsabg. Franz Künstler. Thema:„Die Sozialdemokratie im Kampf gegen Hitler, Pagen und Thälmann. AEG. Hennigsdorf. Dienstag, 1. November, 1514 Uhr, bei Wolter, Hennigsdorf, Versammlung.„Lohn und Arbeit unter der neuen Staats- führuna." Referent Karl Litte, M. d. R. Schultheiß-Patzenhofer Brauerei Abt. II. Dienstag, 1. November, 1614 Uhr, bei Förster, Dreibundstr. 11, Versammlung der Eisernen Front.„Unser Kampf um die Lebensrechte der Arbeiterklasse." Referent Genosse Oltersdorf. Arbeitsamt Mitte und Landesarbeitsamt Brandenburg und Bezirksamt Mitte. Dienstag, 1. November, 1614 Uhr, Versammlung im Hackeschen Hof, Rosenthaler Str. 40/41.„Kampf um den Sozialismus." Referent Dr. Richard Mischler. Mitwirkung der„Roten Rotte". Rezitation Martha John. Ltis-Borsigwalde. Dienstag, 1. November, 16 Uhr, Betriebsversammlung bei Ladewig, Eichbornstraße. Referent Max Fechner, M. d. L. Lindcar-Werke. Dienstag, 1. November, 16)4 Uhr, Betriebsversammlung im Betrieb," Kantine. Referent Genosse Bührig. Spinnstoff-, Armit- und Goerz-Werke, Teltow. Dienstag, 1. November, 16 Uhr, im Lokal Schwan, Betriebs- Versammlung.„Gegen die Barone— für das Volk." Referent Emil Barth. Behala Westhafen. Dienstag, 1. November, 17 Uhr, im Sturmeck, Fehmarn. Eck« Föhrer Straße, Eiserne-Front-Versammlung.„Lohn und Ar- beit unter der neuen Staatssührung." Referent Bruno Lösche. Loewe Radio. Dienstag, 1. November, 16 Uhr, in Pichlers Viktoriagarten, Lankwitz, Viktoria- Ecke Siemensstraße, Eiserne-Front-Ver- sammlung.„Unsere Abrechnung mit der Reaktion." Referent Kollege Schröder. BVG. Bahnhof 24 Lichtenberg. Dienstag, 1. November, 1814 Uhr, bei Henfel, Lichtenberg, Hubertus- Ecke Wagnerstraße, Belegschaftsversammlung. „Lohn und Arbeit unter der neuen Staatssührung." Referent Max Brinitzer. BVG. BetriebSh. 13 und 22 Weistenfee. Dienstag, 1. November, 19 Uhr, in der Sportklause, Weißen- see, Berliner Allee 193, Kundgebung der Eisernen Front. „Lohn und Arbeit unter der neuen Staatssührung." Referent Hermann Harnisch, M. d. L. Kadewe. Dienstag, 1. November, 20 Uhr, Hammerschaftsverfammlung im Lokal Matschke, Kurfürsten- Ecke Lutherstraße.„Sozialis- mus oder Faschismus?" Referentin Klara Bohm-Schuch, M. d. R. * In der Wahlwoche sind sämtliche Büros des Bezirks- Verbandes jeden Abend bis um 2V Uhr geöffnet. Beginn aller Veranstaltungen 1914 Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 11. Krei». Morgen, vor der öffentlichen Versammluog in der Hohenzollern» Schule, 12 Ulir, Kreisvorstand mit Abteilungsleitern. 13. Krci». Die Parteimitglieder werden gebeten, die am 2. November statt, findende Kundgebung in Maricnfelde bei Lterfe unbedingt zu besuchen. 3. Abt. Donnerstag, 3. November, im Saal s des Gcwerkfchaftshauses wich- tige Funktionärsitzung. Jeder Bezirk mutz vertreten sein. 3. Abt. Mittwoch, 2. November, Mitgliederversammlung im Rosenthaler Hos, Rosenthaler Str. 11/12: Unser Kampf gegen die Reaktion. Res«. rent Mar Kreutziger, ». Abt. Heute tzimkiionärsttzung bei Hiibner, Mlsnacker Str. 31. 1». Abt. Heute 18 bis 2a Uhr Klugblattverbrettung, Anschlietzend Funktionär- und Eiserne-Front-Sitzung bei Kuhg, Lesstngstr. 11. 11. Abt. Die Parteimitglieder treffen stch heute um 18 Uhr in den Zahl- abendlokalen zum Empfang der Flugblätter und beteiligen stch dann an der öffentlichen Kundgebung im Ewinemstnder Gesellschaftshau». 18. Abt. Heute öffentliche Kundgebung in der Lichtburg, oberer Saal. 21. Abt. Mittwoch, 2. November, 18 Uhr, Flugdlattoerbreitung von den sZahlabendlokalcn aus. 21a. Abt. Heute Funktionärsttzung bei Köhler. 27. Abt. Heute 18 Uhr Flugblattvcrbreitung. Die Erwerbslosen treffen stch um 15 Uhr. Mittwoch, 2. November, Fahlabende in den bekannten Lokalen. 28. Abt. Mittwoch, 2. November, fällt der Diskusstonsabend aus. »1. Abt. 1., 3. und 1. Gruppe Zahlabende Mittwoch, 2. November, in den bekannten Lokalen. 2, Gruppe Fahladend Donnerstag bei Jamin. Organi. sation der Wahlarbeit.— Heute und Mittwoch beteiligen stch alle Partei. Mitglieder an der Flugblattvcrbreitung. 1. Gruppe Flugblätter abholen bei Schulz, Brombeerweg 11, 52. Ab. Zur Flugblattvcrbreitung finden stch die Parteimitglieder heute 1? Uhr pünktlich bei Wolter ein, die Genossinnen zum Kniffen um II Uhr. 58. Abt. Mittwoch, 2. November, 20 Uhr, Zahlabcnde an folgende» Stellen: 1. und 3, Gruppe bei Licrsch, Kantstr. 82: 2. Gruppe bei Iaskowiak, Holzendorffftr. 2g. Alle Parteimitglieder müssen erscheinen. Einteilung zur Wahl. Zu gleicher Zeil Flugblattvcrbreitung. 8V. Abt. Heute 2V Uhr Mitgliederversammlung bei Kulka, Lauenburger Etratze 21. 78. Abt. Mittwoch, 2. November, 2g Uhr, Zahlabcnde in den bekannten Lo. kalen. Einteilung der Wahlarbeit. 1. Bezirk erst am Donnerstag, 3. No. pcmber, bei Christ, Edersstr. Ig. 78. Abt. Mittwoch, 2. November, außerordentliche Zahlabenb« in den b«. kannten Lokalen. 82. Abt. Mittwoch, 2. November, sg Uhr, Zahlabendi in den bekannten Lokalen. Einteilung der Wahlarbeit. 83. Abt. Mittwoch, 2, November, 20 Uhr, Zahlabcnde: Bezirk Süd bei Fritsch, Berliner Etr, 123b. Referent Paul Walther. Bezirk Ost bei Wannowski, Bismarcistr. 2S. Referent Dr. Otto Koch, Bezirk West II bei Schilling, Zehlendorfer Etr. 5/8. Referent Ludwig Diederich, West I bei Rohde, Roonstr, 38 Ecke Hindenburgdamm. Referent Daniel Stllcklen. 81. Abt. Heute treffen stch sämtliche Funktionäre bereits um IS Uhr bei Lehmann. Bezirksführcr nehmen die Flugblätter in Empfang.— Witt- woch, 2. November, Mitgliederversammlung bei Lehmann, Kaiser-Wilhelm- Stratze 29/31. Besprecksung und Einteilung der Wahlarbeit. 88. Abt. Mittwoch, 2. November, außerordentliche gahlabende: 1,, 2. und 7. Bezirk bei Ncumcper, Schönebergcr Etratze: 3. bis 8. Bezirk bei Wericr, Kurfürstenstr, 21: 8. bis lg. Bezirk bei Dhonau, Friedenstr, 8. 98. Abt. Mittwoch Zahlabcnde in allen Bezirken mit Ausnahme von 19 u. 81. »1. Abt. 23. Bezirk Extrazahlabend am Ällittwoch bei Köster, Karlsgarten- stratze. 92. Abt. 29a., 51., 55., 58. Bezirk. Heute Ertrazahlabend bei Rippert, Harzer Str. 88. Einteilung zur Wahlarbeit. 99. Abt. Mittwoch, 2. November, Zahlabend in allen Bezirken an den de- kannten Stellen. Referate. Einteilung der Wahlarbeit. Sbn. Abt. Flugblattverbreitung in der Grotz-Siedlung findet nicht Dienstag, sondern Mittwoch statt. Treffpunkt 18'- Uhr in der Halle am Hufeisen. 181. Abt. Heute, 1. November, 18 Uhr, Flugblattverbreitung bei Pomp, Hafsel- werderstr. 12. Di- Frauen und die arbeislosen Genossen schon um 15 Uhr. 188. Abt. Mittwoch, 2. November. Ausgabe von Wahlmaterial /Fahnen, > Transparente, Plakate usw.) zwischen 17'/- und 18'/, Uhr im Parteiheim, Echloßstr. 27. 111. Abt. Heute 20 Uhr pünktlich wichtige Funktionärsttzung bei Heimann. Dazu haben auch die AED.eMitglieder restlos zu erscheinen. 117. Abt. Mittwoch Zahlabendc in folgenden Lokalen: Gruppe Ramp, Diet- rich, Etahn bei Sieoert: Gruppe Unzner, Döhring bei Brunn: Gruppe Wottke, Koppcrnak, Kuschle bei Klose: Kruppe Klingenberg bei Klug- mann. Köpenicker Ehaussee 21: Gruppe Hude, GUntzel am Donnerstag, 3. November, bei Dzuga. Tagesordnung: Der 8. November. 121. Abt. Mittwoch, 2. November, Zahlabende: Mahlsdorf-Söh« im Lokal Jakob, Lemkestr. 150: Referent Franz Böhme: für Siedlung Till I im Lokal Nordstern. Hönower Str. 19: für Siedlung Teil II im Lokal Schmidt, Marienburger Str. 8: Referent Theodor Kotzur: für Mahlshorf-Ort im Lokal Anders, Bahnhofstr. 35—37: für Mahlsdorf, Rathausviertel im Lokal Bürgerwäldchen, Köpcnicker Allee 151. 1Z8./129. Abt. Alle Patcimitglieder beteiligen stch am Mittwoch an der Kund, gebung der 130. Abt. in Heinersdorf. Näheres stehe Spiegel der öffent. lichcn Bcranstaltungen. 137. Abt. Heute treffen stch sämtliche Parteimitglieder um 17'/, Uhr im Bolkshan», Scharnweberstratze. 13». Abt. Di« Parteimitglieder beteiligen stch an der heutigen Kundgebung in Tegelort. Treffpunkt 18'/- Uhr Schlotzstratze, Normaluhr. Arauenveranstaltungen: Achtung! Genofstnne»! Die großen Z-Pfeil-Broschen stnd zu» Preise»o» 88 Pf. im Frauensekrctariat zu haben. 8.«rei» Mittwoch. 2. November, pünktlich 17V. Uhr, Abrechnung aller Billett» im Orpheum, Hasenheide. Nicht zurückgegebene Karten gelten als verkauft........ 13. Krei«. Di« Mariendorfer Genossinnen treffen stch zur Wahlkundgebung In Marienfelde am 2. November um 19 Uhr Dorf- Ecke Rathausstratze. Die Tempelhofer Genossinnen 19'.. Uhr Bahnhof Maricnfelde, Haltestelle. 181. Abt. Mittwoch, 2. November, 20 Uhr, Funktionärinncnsltzung an bekannter Stelle.„. 127. Abt. Heute Frauenabend bei Krämer, Suermondstr. 81. Reserent Günther Scheele:„Bersassungsfragen". Sozialistische Studentenschaft. Freitag, 4. November, geschlossene Teilnahme an der Sportpalast. Kund- gcdung. Treffpunkt IbZp Uhr im„Bund". Bezirksausschuh für Arbeiierwohlfahrk. 3. Krei» Wcdding. Die Abteilungsleiter haben umgehend für Akontozahlungen der umgesetzten Lose und Arbeitermohlfahrtsmarken Sorge zu tragen. Adrech- nung täglich von 6—7 Uhr, außer Dienstags und Freitags, bei dem Genossen Retzlaff, Pankstr. 78. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Dienstag. 1. November, 19'.. Ubr. im Alters» heim, Danziycr Str. 62. wichtige Helfersitzung der Arbeiterwohlfahrt mit den Abteilungsletterinnen und Agitation. 7. Kreig Charlottenburq. Freitag, 4. November. 20 Uhr, wichtige Sitzung der Arbeiterwohlfahrt im Sitzungszimmer. IU des Rathauses. Arbeiksgemeinschafk der kinderfreunde. Die„Sozialistische Erziehung" ist abzuholen.„,. Der Bastclkurfus iHolzarbeiten) ist heute nicht Muhlenstrotze, sondern Diestclmegcrslr, ö— 8, Nähe Landsberger Platz. Beginn 19>4 Uhr. Bringt euch Werkzeuge mit. WH Krcuzbeeg: Alle Falken nehmen morgen, Mittwoch, an den w.'sx,. zzzjaungsgruppen teil, Beginn aller Veranstaltungen 17 Uhr.— Bastclkrcis: Wassertorstr. 4.— Singekreis: Urbanstr. 167.— Erste Hilfe: Dieffenbachstratze(Weltliche Schule). Neukölln, Abt. Jungvolk und Bauvoll: JF. und NF. Svortabend morgen, Mittwoch, um 17bh Uhr, in der Turnhalle Donausir, 128, Turnhose und -schuhe mitbringen.'— Revolutionsgedenltag: Am Dienstag, 8, November, findet im Saalbau Bergstraße um 19 Uhr die Veranstaltung„Falken gedenken der Revolution" statt. zZ�Freie Gewerkfchafts-Fugend Verlin I Heute, Dienstag, 1. November, um 19 Vi Uhr, tagen die Gruppen: Ost- Hasen: Jugendheim Gotzlerstr. 81.„FSZ. in Wort und Bild"(Licht- bildcrvortraa).— Stcälitz: Jugendheim Fleminingstr. IIb. Heimbe- Iprelyung. Liederabend. Pervandsbuchkontrolle.— Moabit: Jugendheim Bremer Str. 89—70. Heimbesprechung. Berdandsbuchkontrolle.— Spandau- Wilhelmstadt: Jugendheim Sportplatz, Seeburger Straße, Heimabend. Per- banosbuchkontrolle.— Pankow: Jugendheim Äiistngcnstr. 18, Zimmer 5. Heim- besprechung, Buchkontrolle.— Treptow: Jugendheim Elsenstr, 3(am Bhf. Treptow). Heimbesprechung,— Frankfurter Allee: Jugendheim Litauer Str. 18. Seimbesprechung,— Landsberger Platz: Jugendheim Diestelmegerstr. 5.„Die Frau in der Politik,"— Lichtenberg: Jugendheim Doffestr. 22.� Hcimbesprcchung und Verbandsbuchkontrollc.— Rcu-Lichtenberq: Jugendheim Guntcrstr. 11. Heimbesprechung,— Ostende: Jugendheim Karlshorst, Trcskowallee 11(Kant- schule). Hcimbesprechung,— Arkonaplatz: Jugendheim Schule Ellsabcthklrch- stratze 19, Heimbespzechung, Verbandsbuchkontralle.„Mit Buch und Schall- platte durch die Welt."— Schönewcid«: Jugendheim Hastelwerderstratze, Mädchenschule im Keller. Heimbesprechung,— Adlcr-hos: Jugendheim Adlers- Hof, Bismarckstr. 1. Heimbesprechung,— Boranzeige! Die Sprechstunde in der Jugendzentrale fällt am Freitag, 1. November, wegen der Kundgebung im Sportpolast au». Iuqenvqruppe des'Zentralverbandes der Anaestellten Heute, Dienstag, finden folgende Beranstaltungen statt: Gesund» V brunncn: Jugendheim Schönstedtstr. 1.„Sacco und Panzetti"(Gedenk- abend).— Osten: Wir besuchen die Versammlung des Werbebezirks.— Lichtrn- bcrg: Wir besuchen die Versammlung des Werbebezirks.— Nordwest: Jugend- heim Lehrter Str. 18—12. Aussprache:„Das ist mein Milieu"(die Welt der werktätigen Jugend). Allgemeiner Deutscher Bcamtcnbund, Bczirk-ausschutz Berlin. Funktionär- Generalappell Mittwoch, 2. November, 19'/. Uhr, Gewerkschaftshaus, Großer Saal, Enaeluser 21—25. Referenten: Max Dillmcistcr und Otto Thcuner. Mit- Wirkung des Männerchors Prenzlauer Berg. Eintrittsausweise durch die an- geschlossenen Verbände. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S, 11 Sebastionstr 37—38 Hot 2 Tr. Ganvorstand. Die Rechtshcratunasstell« des Gauvorstandes, in __ welcher den Kameraden in allen Rechtsfragen Rat und Hilst, die im Zusammenhang mit ihrer Reichsbannertätigkeit stehen, gewährt wird, ist Dirnstags und Freitags von 18 bis 17 Uhr mit einem rechtskundigen Kamera- den besetzt. Kameraden, die von dieser Einrichtung Gebrauch machen wollen, müssen die oben genannten Zeiten unbedingt einhalten.— Mitte, 1. Kamerad- schaft: Donnerstag, 3. November. Kameradschastsversammlung bei Klement, Sophienstr. 8. Rcfer»nt Kam. Moldcnhauer.— Pankow(Ortsverein): Donners- tag, 3. November, 19 Uhr, Antreten der Kameraden au- Pankow und Nieder- schönhausen in Uniform im Konzcrthaus Pankow. Breitestr. 31. Tambourkorps mit Instrumenten.— Schönewcibe. Johannisthal(Kameradschaft): Dienstag, 1. November, 18 Uhr. bei Winkler, zum Saalschutz in Johannisthal. Bundes- Neidung mit Armbinde für aktive Pflicht.— Treptow(Ortsverein): Mittwoch, 2. November, 12 Uhr, Saalschutz Kameradschaft Baumschulenweg und Treptow, Viktoriagarten, Am Treptower Park 72—75. Kameradschaft Schöneweide. Johannisthal: Antreten 18 Uhr bei Winkler. Sozialistischer Esperanto-Bund. Dienstag, 1 November, im Metallarbeiter. verbandshaus, Ellässer Str. 88: Donnerstag, 3. November, im Jugendbeim Reinickcndarf-Ost. Lindaucr Str. 2. Kindergruppc: Danziger Str. 23 jeden Frei- tag von 18VH bis 20 Uhr Verein Freie Sammler Berlin. Dienstag, 1. November, im Metallarbeiter- abend im Lokal Schumacher, Wallstr. 82—33(Nähe Spittelmorkt). Gäste gern willkommen. „Sturmv-ael". Flugverband der Werktätigen E. V., Ortsgruppe Berlin-Ost. Sitzung am Dienstag, 1. November, 20 Uhr, im Restaurant„Zum Krug", Weichselstr. 27. Vortrag de« Kameraden Petzold. Die Segelflieger treffen sich jeden Sonntag aus dem Steinberg bei Ahrensdorf. Gekundenuhr des Verkehrs Line neue LiAnalleinpe Ueb«r das System der in Berlin üblichen V e r- k e h r s a m p e l n ist in der Oesfentlichkeit viel diskutiert worden. Insbesondere die Kraftsahrer haben es an Kritik nicht fehlen lassen. Aus dieser Kritik heraus ist eine neue Verkehrsampel ent- wickelt worden, die jetzt der Presse im Polizei- institut für Technik und Verkehr vorgeführt wurde. Es handelt sich um eine Ampel, die man geradezu als einen Sekundenzeiger des Verkehrs bezeichnen kann. Sie besteht aus einem trapezförmigen Leichtmetallgehäuse, dessen Seiten durchsichtige Signalscheiben von 8 Milli- meter Durchmesser tragen. Jede dieser Scheiben wurde so unterteilt, daß IZ Abschnitte entstanden, die am Rande abwechselnd durch helle und dunkle Streifen gekennzeichnet sind. Ein Heller, nachts leuchtender Zeiger dreht sich vor dieser Scheibe innerhalb einer Minute einmal herum, d. h. jeder der erwähnten 12 Streife» entspricht dann einer Zeit von genau S Sekunden. Bei den bisherigen Verkehrsampeln bedeutet bekanntlich rotes Licht„ch a l t", grünes Licht „Freie Fahrt" und Gelb ist das Ankündigungs- zeichen für«inen Signalwechsel. Run weiß man sehr oft bei gelbem Licht nicht, welches Verkehrs- zeichen folgen wird. Bei der neuen Ampel ist die Fläche jeder Signalscheibe so unterteilt, daß das waagerecht in der Mitte angeordnete gelbe Segment vor jedem Lichtwechsel ein Zwölftel des Scheibeninhaltes umfaßt. Der Zeiger braucht also genau 5 Sekunden, um über gelb hinwegzu- kommen. D«r Rest der Scheibe wird oben von rot und unten von grün eingenommen. Man kann nun ganz genau erkennen, wie lange noch das jeweilige Zeichen bestehen bleibt und wann der Wechsel eintritt. Die neue Sekunden- uhr des Verkehrs wird von einem im Innern angeordneten Synchronmotor angetrieben. Sie ist nicht nur am Tage, sondern vor allem auch in der Dunkelheit ausgezeichnet zu erkennen und dürste vielen Wünschen der Kraftfahrer ent- gegenkommen. Vielleicht könnte man, falls sich die Ampel wirklich im Verkehr einwandfrei bewähren sollte, das gelbe Ankllndigungszeichen überhaupt fortlassen, wodurch eine größere Beschleunigung für den Verkehr erzielt werden könnte. Interessant wäre es auch, über Anschaffungs- und Betriebs- >n clsn BERLIN SW68, LINDENSTR. 3 Ich abonniere den„Vorwärts" zweimal täglich frei ins Haus mit der illustrierten Sonntagsbeilage in Tiefdruck //Volk und Zeit'7 zum Preise von 75 Pf. pro Woche. Name:.......................................................... Wohnung:.............................................................. BEITRITTSERKLÄRUNG An den ß&ziclnd die„verräterischen SPD.- Bonzen". Wer den politischen Hochstaplern und Abenteurern der KPD. vertraut, der ist verkauft und verraten. ZWEITE BEILAGE DIENSTAG, 1. NOV. 1932 6) R.OMAN von stefan pollatsch ek\ (Copyright Sa,turii-Verlag.) An dem großen, runden Tisch, der in- mitten des Kaffeehaussoales stand, wurden sie von einer lärmenden Menge junger Men- schen begrüßt. Weltlin half Vera behutsam aus dem Mantel, fragte nach ihren Wün- Ichen und setzte sich erst, als sie Platz genom- men hatte. Solches Benehmen war an dem Tisch der Jugend sichtlich ungewohnt, man betrachtete den älteren Herrn und als man erfuhr, daß es Alberts Voter sei, trat eine merkliche Befremdung ein. Aber mit einem- mal wurde die Stimmung wieder laut und wild, als ein junger Mensch mit wirrem Haar über den Tisch rief: „Du warst auch bei dem Vortrag dieses Idioten Crusius? Was sagst du zu diesem Stumpfsinn. Albert?" „Ich bin im Falle Crusius nicht objektiv", erwiderte der.„Er ist, wie du weißt, mit meinem Vater befreundet. Ich sagte lange Onkel zu ihm. Er brachte mir als Kind immer Spielzeug, Bücher und einmal sogar eine herrliche Eisenbahn!" „Dann bist du freilich bestochen, doch da dein Vater hier ist, wollen wir lieber von etwas anderem reden." „Aber durchaus nicht!" sagte verbindlich lächelnd Weltlin„Ich wäre untröstlich, wenn meine Anwesenheit störend wirkte. Reden Sie, bitte, nur ungeniert. Es ist das Vor- recht der Jugend, auch über große Männer zu richten." „Ja, glauben Sie denn, daß dieser Crusius wirklich ein großer Mann ist?" „Run, er hat immerhin schon einiges ge- leistet und sein Name wird in der ganzen Welt mit Achtung und Anerkennung ge- nannt." „Sagen Sie: In der ganzen bürgerlichen Welt und dann haben Sie recht. Gut. er hat einige angeblich weltumfassende Erfindungen gemacht. Zugegeben, daß dem so ist. Wem kamen seine Erfindungen zunutze? Einigen Wenigen, die noch dicker, noch angefressener, noch angemästeter wurden. Aber die Allge- meinheit? Was haben die Arbeiter nun da- von, daß man die Atome in bestimmter Rich- tung und unter bestimmten Ilmständen zer- trümmern kann?" „Nun, ich denke, daß diese Frage mehr theoretisch gestellt ist, denn der Segen dieser Erfindung kommt ja allen Menschen zugute." „Das ist eine sehr bourgeoise Einstellung, Herr Weltlin! Fragen Sie doch mal die Bergarbeiter Schlesiens, ob es ihnen nun besser geht?" „Kommt es denn darauf an? Mit demselben Rechte könnten Sie fragen, ob die Rc latioitätstheorie..." „Nur darauf kommt es an, Herr Weltlin! Nur darauf, ob irgendeine Sache den Eni rechteten und den Sklaven zugute kommt!" „Ist das nicht eine sehr, wie soll ich mich ausdrücken?, eine sehr jugendliche Auf- fassung?" „Und ist die Ihre, Herr Weltlin, nicht eine sehr veraltete Ansicht?" „Aber Vater! Aber Genosse!", rief Albert und wollte vermitteln. „Dein Vater soll, wenn er schon hier ist. ruhig hären, wie wir denken", meinte der Langmähnige. „Aber gewiß, gewiß! Genieren Sie sich nur nicht!" „Ich finde also, daß dieser Herr Crusius sehr viel blühenden Unsinn verzapft hat. Haben Sie den Satz in Erinnerung, in dem der Herr ernstlich behauptete, daß das Un- heil unserer Zeit nicht so sehr von der unge- rechten Verteilung der Güter komme, als von deren zu geringer Produktion? Welch ein Un- sinn! Gerade daran kranken wir doch, daß planlos erzeugt wird, daß viel zu viel er- zeugt wird. Es ist kein Geld da, um all diese Waren, die da erzeugt werden, zu kaufen. Bedürfnis für all diese Güter wäre ja vor- handen. Wir alle hätten Bedürfnisse nach Kleidern, Schuhen, Wäsche.. „Das Bedürfnis nach reiner Wäsche sollte insbesonders bei Ihnen groß sein!" warf ein schmächtiger, blonder Mensch ein, der die ganze Zeit über schweigend dagesessen war. Der Mähnige knurrte mißvergnügt, fuhr aber unbeirrt fort:„Wir alle hätten Bedürf- nisse. können sie nicht befriedigen, und die erzeugten Güter sammeln sich an. finden keinen Absatz. Und nun kommt dieser Neun- malweise und erzählt uns, wir sollen noch mehr erzeugen. Wer soll das Geld zu dieser Erzeugung geben, wer soll die noch ver- größerte Menge an Gütern abnehmen? Welcher Fabrikant könnte heute nur das Geld hernehmen für die Rohmaterialien, für die erhöhten Löhne, oder glaubt der Herr vielleicht, die Arbeiter würden umsonst arbeiten?!" „«ie nehmen Herrn Crusius zu wörtlich", warf Weltlin leise ein.„Er ist ein genialer Erfinder, kein praktischer Mensch. Es sind die Gedanken eines Technikers. Er meint vielleicht, daß eine Massenerzeugung die Güter so billig herstellen ließe, daß jeder- mann in ihren Besitz gelangen kann, daß..." Doch da wurde er von allen Seiten unter- brachen, es prasselten die Argumente gegen ihn, und Weltlin wurde sich traurig bewußt, daß er zu dieser Jugend nicht mehr sprechen könne. Wohl, er verstand sie und verstand auch ihre ungeduldige Ungerechtigkeit, aber er fand die Worte nicht mehr, um mit ihr, zu ihr zu sprechen. Wie lange war es her, da war man selbst so jung, so lärmend gewesen, und nun saß man da, wurde als alt, zurückgeblieben, vergreist angesehen. Wie kurz ist doch dieses Leben, wie traurig— wie unsinnig kurz, dachte Weltlin, und er be- trachtete, während die streitenden Stimmen nur mehr wie von weitem sein Ohr be- rührten, die junge Dame Vera Wagner, die da saß, inmitten des sozialistischen Kreises und ein Modeblatt ernsthaft studierte. Wie weise bist du, Mutter meiner Enkel, dachte Weltlin und lächelte wieder über sich. „Der ärgste Unsinn aber war"— so hörte Weltlin nun wieder die Stimme des Mäh- nigen,„daß die Maschine die Retterin der Menschheit ist. Gerade das Gegenteil ist wahr! Sie ist das Unglück des Menscheit! Wohin wir sehen, macht sie Menschen arbeitslos. Sehen Sie doch, Herr Weltlin, dieser Genasse war Arbeiter in einer Knopf- fabrik und wurde entlassen, weil eine Ma- Ichine seine Arbeit verrichtet. Hier, mein Nachbar, war Beamter in einer Bank und ist nun ohne Brot, weil eine Maschine auch die Buchhaltung führen kann. Aufhängen müßte man die Erfinder, die immer mehr Menschen um ihre Existenz bringen!" „Also Maschinenstürmer?" „Ich weiß, daß man diesen gottverfluchten Fortschritt nicht aufhalten kann— leider! Aber kein Mensch wird mich dazu bringen, das anzubeten, was ich verfluchen möchte!" „Unser Unglück ist", warf hier Albert ein, „daß der Fortschritt der Technik zu rascb geht. Wir können uns ihm nicht anpassen." „Zumindest müßte man gesetzlich für zehn Jahre alle weiteren Erfindungen verbieten!" Weltlin lachte laut auf. „Ja, lachen Sie nur! Wir wissen wohl, daß das nicht geht, aber dos ist unser Malheur, daß wir alle rotlos vor diesem Chaos stehen, dos die Maschine hervorge- rufen hat." (Fortsetzung folgt.) Sine Ulfluller weint llovembergednnhen an den Virieg/ Don QoUfried ifinpf» Am Nachmittag des dritten Tages der Wände- rung sah ich endlich am Rand der Hochebene ein Häuschen liegen, in weitem Logen umgrenzt von einem kniehohen Steinwall. In dessen innerem Bereich zählte ich sieben unansehnlich magere Kühe: sie rissen mit ihren Zungen das bißchen Kraut ab, das zwischen den Steinen wuchs. Eine alte, krumm- gebückte Frau molk, einen Holzeimer zwischen den Knien, die dürren Tiere. Ich setzte mich aus die Schwelle und wartete: memand war im Hause. Als die Alte kam, bat ich sie um ein wenig Milch, Brot und Käse gegen gute Bezahlung. Sie gab keine Antwort: doch schlug sie die gesenkten Lider auf, was ich mir so auslegte, daß ich ihr ins Haus folgen sollte. Es hatte zwei Räume. In dem ersten, gleich hinter der Schwelle, standen ein Tisch, eine Bank, eine Feuerstelle, mit darüber sich senkendem Rauchsang: in dem anderen, tauni durch ein Eckchen Wand von dem einen gretrennt, ein Schrank, ein Stuhl und ein Bell, wenn man ein mit Decken gestilltes Gestell so nennen konnte. An der anderen Seite war ein zweites, aber leer, und, wie es schien, lange nicht benutzt. Die alte Frau schöpfte eine Tasse voll von der frischen Milch aus dem Eimer, stellte sie aus den Tisch, nahm ein Messer und ein Brot und schnitt Stucke davon herunter: alles ohne ein Wort zu sagen, so daß es mir unheimlich zumute wurde. Todmüdigkeit zwang mich aus die Bank und ich begann zu essen. Dabei hate ich Zeit, sie zu betrachten. Es war nur chr Schweigen, das Furcht einiloßte Die wehen, zerfurchten Züge, die ge- schlossenen Lider, der gekrümmte Gang, die Stille, in der sie hantierte, dos Brot für mich schnitt, laut- los und wie mit Schmerz beladen, hin und wieder ging, erweckten Mitleid, das sich nicht laut äußern durste und verhalten bleiben mußte wie nnge- weinte Tränen, wollte man ihr nicht noch weher tun. Warum sprach sie nicht? Warum fragte sie nicht? Es war im dritten Kriegsjahr, und die wenigen Menschen, die hier oben einsani im Ge- birge lebten, hatten, wenn ich bei ihnen Rast machte, sich überstürzt mit gierigen Fragen nach den Ereignissen in Ruhland und Frankreich. War die alte Frau taub? Stumm? Zürnte sie mir, weil ich in ihre Einsamkeit ein- Spruchgedichl um 13U0 Erde ist alles, was ich seh'! Glas ist Erde, Holz ist Erde, Silber ist Erde. Erde ist überall, wo ich geh': Heimat ist Erde, Acker ist Erde, Fremde ist Erde. Erde wird alles, was ich Hab': Glück wird Erde, Ehre wird Erde, Liebe wird Erde. Erde wird aller Rtensche» Grab: Verfolgter wird Erde. Verfolger wird Erde Alles wird crdengleich.