Abend- Ausgabe Nr. 516 B250 49. Jahrg. Redaktton und'Derlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 S«n>spr-ch«: Ä 7 Am, Dönhoff 2S2 blt 2S7 TeKgrammabresse l Sozlalbemotr« Bor!«» BERLINER Wählt liste �.. o J*,..rJ/r/lk£M' VOLKSBLATT DIENSTAG 1. November 1932 In Groß- Berlin 1 0 Pf. Auswärts....... 10 Pf. Bezug Sbebtngungen unb Anzeigenpreise sieh« am SchLutz bei reboktionellen Teils Jetttealoega« der Gozialdemokeatischen Partei Deutschlands Die Kamarilla Aeberspannt den Bogen nicht! Helä unä Severins warnen— Papens Geständnis Gremium um Gayl Wer sich an die Jahre zurückerinnert, die dem Zusammenbruch des kaiserlichen Regi- ments vorangingen, der weiß, welche Rolle die unverantwortlichen Ratgeber des Monarchen gespielt haben. Die Ent- hüllung der„Liebenberger Tafel- runde" unter dem Fürsten Eulenburg durch Maximilian Harden war eine der größten Sensationen dieser Epoche. Damals erfuhr die staunende Welt die Tatsache, daß neben der offiziellen Staatsleitung ein Kreis unverantwortlicher, persönlicher Freunde des Kaisers, ein Kreis, der obendrein noch sehr merkwürdige Veranlagungen aufwies, in Wirklichkeit die Geschicke Deutsch- lands bestimmte. Die Oberschicht des alten Preußen steht jetzt an der Spitze des Staates,— und schon ist die L i e b e n b e r g e r e i wieder da. Im Falle des Kabinetts Papen wird die Lieben- berger Tafelrunde ersetzt durch den Deut- schen Herrenklub, wobei wir den Ver- gleich nur auf den politischen Ehrgeiz bei- der Kreise, die Regierung zu lenken, nicht auf die sonstigen Nebenerscheinungen ausdehnen wollen. Inspirator des Herrenklubs ist be- kanntlich jener Heinrich von Gleichen, dessen Briefe über die politischen Hinter- gründe der Papen-Regierung schon mehrfach die Oeffentlichkeit beschäftigt haben.(„Das neue Kabinett wird von Hitler nicht nur ge- duldet, es genießt sogar seine positive Unter- stützung.") Im Folgenden geben wir einen Brief des Herrn von Gleichen wieder, der an einen o st preußischen Groß- grundbesitzer gerichtet ist und der«inen deutlichen Einblick in das Treiben der Nebenregierung gibt. Der Brief lautet: Heinrich von Gleichen Herausgeber der Konservativen Wochenschrift Der Ring Berlin W9. 12. Oktober 1932. Euer Exzellenz hatten mir zuletzt Mitteilung gemacht, daß wir im Oktober wieder die Freude haben würden, Sie bei uns zu begrüßen Inzwischen hat Herr Schotte eingehende Aussprache mit Herrn v. Gayl ge- habt gerade über die Reichsreformfrage und äußerte sich darüber optimistisch. Znsbesondere soll bei Herrn v. Gayl die Absicht bestehen. ein kleines Gremium von höchste»? 10 geeigneten Persönlichkeiten zu bilden, wodurch der von mir vorgeschlagene Plan eines größeren Gre- w i u m s überholt erscheint. München scheint ja auch so weit gut zu lausen. Nachdem übrigens die Tätigkeit des Herrn v. Aloe n sieben keine wirklichen Erfolge ge- bracht hat, wie wir ja auch erwartet haben, soll der W e h r m i n i st e r sich wieder ganz von ihm distanziert haben. Dagegen scheint die Ver- bindung mit dem St a h l h e l m eine recht positive geworden zu sein, was wir nur begrüßen. Unerfreulich sind dagegen die Schwierig- leiten wegen der amtlichen Handelspolitik und Zwar weniger well die Opposition aus dem agrarischen Lager sich meldet, als viel- mehr wegen der Reaktion beim W i r t s ch a f t s- minister, woraus ich auch in der letzten Spitz- glosse des Ringes„Außenpolitische Pause" hin- gewiesen habe. Ueberraschenderweise taucht das Gerüchi. Herr v. Knebel- Löberitz als Nach- folger Brauns auf. Wie es heißt, hat sich Warmbold an den Wehrminister gewandt. Leider hat bisher der Ober st o. Hin den- bürg mich nicht wieder empfangen, wobei ich noch nicht weiß, ob das auf einen Einfluß zurückzusühren ist. Den Kanzler hoffe ich in den nächsten Tagen zu sprechen. Wann werden Euer Exzellenz nach Derlln kommen? Mit dem Ausdruck meiner Verehrung Ihr aufrichtig ergebener gez. Gleichen. Man sieht hier die Macher am Werke, die Frankfurt a. ZN., 1. November. In der überfüllten Frankfurter Feschalle sprach. von 22000 Menschen mit Freiheitsrufen und end- losem Beifall stürmisch begrüßt, der preußische Innenminister Carl S e v e r i n g. An die Adresse des Reichskanzlers von Papen gerichtet, sagte Severing: Mit Kanonen und Maschinen- gcwehren kann man viel zerstören, aber nicht pro- duzieren. Ich warne dringend, den Bogen allzu straff zu spannen, er könnte springen. (Stürmischer Beifall.) Herr von Papen schmückt sich allzusehr und allzuoft mit dem Namen des Herrn Reichspräsidenten. Ich bereue auch heute noch keineswegs, daß wir Hindenburg gewählt haben, denn ohne den 10. April hätten wir den 13. August nicht erlebt. Zn der Rcichsversassung gibk es nicht nur den Reichspräsidenten, sondern auch den Reichskag. Mit dem Reichspräsidenten allein kann man kein Deutschland ausbauen. Der breite Rücken hindenburgs kann nicht alle falschen Maßnahmen Popens decken. Gegen die Bezeichnung„Streikbrecher", die in einem kommunistischen Flugblatt gegen Severing gebracht wurde, erwiderte er: Ich war eher a u s der schwarzen Piste alo streitender Metallarbeiter, ehe Thälmann politisch zu Wirten begann. Hätten wir am 20. Juli zum Generalstreik ausgefordert, so wäre das General- unsinn und Generalschuld gewesen. Herr von papen hat am Sonnabend in Gegenwart des preußischen Ministerpräsidenten Braun erklärt, daß heute die Ordnung weniger gesichert sei. als am 20. Zuli. wenn ich bei dieser Unterredung dabei gewesen wäre, hätte ich dem Herrn Reichspräsidenten vorgeschlagen, sich nach einem Reichs- Mßlmigen Kurbel zurückgeschlagen!" nach allen Richtungen ihre Fäden spinnen. Der zu Anfang des Briefes genannte Schotte ist ein sehr betriebsamer Herr, der während des Krieges eine Bewegung für die Naumannfche Idee eines„Mittel- europa" zu organisieren versuchte, der dann aber immer weiter nach rechts geriet. Der weiter genannte Herr von Alvensleben ist der offizielle Borsitzende des Herrenklubs. Man gewinnt aus dem Brief ein anfchau- liches Bild, wie diese Leute bei den offiziellen Staatsleitern herumwispern und herum- wieseln, wie sie in die Ohren blasen und die eigenen Ohren spitzen: Herr Schotte unter- hält sich mit Herrn von Gayl, Herr von Alvensleben sucht Fühlung mst dem Reichswehrminister, der rührige Herr von Gleichen selber sucht Verbindungen zum oberkommisiar umzusehen, der die Ausgabe hätte, Herrn von Papen abzusehen. Als Reichsinnenminister hätte ich eine Reichs- r e f o r m und zwar viel systematischer durch- geführt, wenn ich nur ein Quäntchen der Voll- machten gehabt hätte, die der Reichspräsident Herrn von Papen zur Verfügung gestellt hat. Den Zeitpunkt der Abrechnung bestimmen nicht Papen oder Thälmann, den bestimmen wir. (Stürmischer Beifall.) Wie unsere Leute mit Bismarck und Puttkamer fertig geworden sind, so werden wir auch mit Herrn von Papen fertig werden. Endscheibungskampf! Lchrokke Absage Bayerns an Papen Eigener Bericht des„Vormärit" Stuttgart, 1. November. Der bayerische Ministerpräsident Dr. Held richtete am Montag in Stuttgart aus einer Zentrumsversammlung die denkbar schärfsten Angriffe gegen das Kabinett Papen wegen seiner neuesten Anordnungen im Konflikt mit Preußen. Das Kabinett Pape» glaube offenbar, die großen Fragen der Verfasiungs- und Reichs- reform mit Notverordnungen lösen zu können, obwohl er selbst versprochen habe, sie nur im Einverständnis mst den Ländern durchzuführen. Das von Herrn v. Gayl verkündete Reform- Programm fei das Gegenteil einer föderalistischen Politik, wie sie das Kabinett zugesichert habe. Wenn er, Dr. Held, sich in dem Konflikt Preuße n— R eich auf die Seite des Minister- Präsidenten Brami stelle, so unterstütze er damit nicht eine Person oder Partei, sondern er folge nur dem Gedanken des Rechts und der Wahrhaftigkeit.(Lebhafter Beifall.) Man wolle jetzt alle Macht in die Hände eines kleinen Kreises spielen, um das Volk von der politischen Mitbestimmung im Staate auszuschließen. Wer gegen das Parlament kämpft, kämpst, gegen das Volk, das sich eine Entrechtung nicht bieten lassen wird. Die geplante staatsrechtliche Reform lehnen wir unbedingt ab. Um sich zu schützen, hat Bayern den Staatsgerichtshof angerufen. Wir bestreiten grundsätzlich, daß ein Staatskommissar zu mehr berechtigt ist als zu nur vorübergehen- den Anordnungen für Sicherheit, Ruhe und Ord- nung. Niemals habe er das Recht, Regie- rungs Mitglieder abzusetzen. Aber statt das einzusehen, sucht man mit Formeln der Gewalt sein Ziel zu erreichen. wenn man Reichsminister ohne Portefeuille ernennt und zu preußischen Staatskommissaren macht, so widerspricht das der Dersasiung sowie dem Urteil des Staatsgerichtshofes. Denn auf diesem Weg wird das verfasiungs- Sohne des Reichspräsidenten und zum Reichskanzler von Papen. Bei Herrn von Gayl bildet sich ein„kleines Gremium" von etwa zehn— unverantwortlichen— Ratgebern zur Reichsreform, nachdem man den Plan eines größeren Gremiums fallen ge- lassen hat. Mit diesem verborgenen Zehn- männerkollegium berät Herr von Gayl, auf welchen Wegen sich wohl am einfachsten das gleiche Wahlrecht und die Rechte des Reichs- tags beseitigen lassen. Ueberall wispert das, überall intrigiert das, überall schmiedet das Plänchen, während derwellen die Vertretung des Volkes, der zur Beratung der Re- gierungsfragen wirtlich berufene Reichs- tag, ausgeschaltet ist. Genau wie zu Wilhelms Zeiten, oder vielmehr— weit f ch l i nt m e.r l mäßig« Staatsministerium gehindert, von den ihm zuerkannten Rechten überhaupt Gebrauch zu machen. Eine solche Handlungsweise ist eine glatte Absage an den Gedanken des Rechtsstaates, ja sie ist seine Ver- h ö h n u n g. Dazu zu schweigen wäre Pflicht- Verletzung, wäre Verrat am eigenen Staat, und deshalb ist die Stellungnahme der bayerischen Regierung erfolgt. Wer Gewall an- wenden und das Recht verletzen wolle, der muß mit dem schärfsten Widerstand rechnen, ob er nun Papen heiße oder anders. Die Lage sei heute so ernst wie selten seit 1918. Man habe in Preußen Anordnungen getroffen, durch die die Grundlagen unserer Verfassung geradezu umzukehren versucht werden. Er, Held, habe das Kabinett Papen bisher nicht aus Oppo- sition angegriffen, aber jetzt sei er genöligk, össentlich zum Kamps gegen dessen Maßnahmen aufzufordern. Was ist aus denen geworden, die sich bisher in Berlin konservativ nannten? Sie handeln revolutionär, wenn sie das Recht miß- achten und es als Zwirnsfäden verächtlich machen wollen. Es wäre wäre Pflicht des Reichs- j u st i z m i n i st e r s, gegen solche Aeußerungen einzuschreiten. Sie sind auf die Dauer nicht er- träglich. Gerechtigkeit und gleichmäßige Anwcn- dung des Rechts müssen die Grundlagen des Staates bleiben, sonst hat der Rechtsstaat aufge- hört zu bestehen.(Stürmischer Beifall.) Dr. Held löste die lebhaftesten Zustimmungs- kundgebungen aus, als er die Unaufrichtigkeit des jetzt gegen die politischen Parteien geführten Kampfes aufdeckte. Die Parteien waren doch nicht schuld am Krieg, Zusammen- b r u ch und Inflation. Sie haben vielmehr das große Verdienst, diese unglückliche Zeit über- wunden zu haben. Damals, als es galt, nationale Gesinnung durch die Tat zu beweisen, waren viele nicht zu sehen, die sich heute als national ausgeben. Damals hat man bei der Sozialdemokratie mehr staatspolitisches perständnis gefunden als bei hugenberg.(Stürmischer Beifall.) Held schloß mit einem Appell, das Ringen am 6. November als einen Entscheidung?- kamps um die Volksrecht« zu betrachten und durchzuführen. Popens Tage gezählt! Otto Wels in Königsberg Eigener Bericht des„Vormärts" Königsberg, 1. November. Im riesigen Raum des Hauses der Technik, der bis aus den letzten Platz befetzt war, sprach am Montagabend vor mehr als zwölftausend Männern und F r a u e-n des arbeitenden Volkes der Führer der deutschen Sozialdemokratie O t t o W e l s. Er beleuchtete zunächst die außen- politischen Gefahren, in die uns die Politik der Re- gierung Papen gebracht hat, und die Verderblichkeit der Autarkiepläne. Die Kontingemierungspolitik habe es erreicht, daß die ausländischen Ab- nehmer deutscher Waren sich immer mehr von Deutschland abwenden, daß statt Ankurbelung der Wirtschaft eine Steigerung der Arbeitslosigkeit in Deutschland eintrete, und daß, selbst wenn die Weltwirtschaft sich wieder belebt, Deutschland keinen Anteil daran haben wird. Wenn min Herr von Papen, so führte Otto Wels unter stürmischem Beifall aus, die Stenern für die kommenden Jahre bis 1938 vorwegnehme und sie in Form von Steuergutscheinen in Höhe von � einer Milliarde Mark- in diesem Jahre und zwei Milliarden Mark im kommenden Jahre in die Industrie schütte, dann schaffe er damit keine neue Kaufkraft, keine Le- lebung der Wirtschast, dann stehe am Ende das Gespenst der Inflation. Unter der stürmischen Zu- stimmung der Versammlung machte Wels energisch Front gegen die Haltung der Papen-Regierung in dem Konflikt mit Preußen. In der Unterredung mst Otto Braun beim Reichspräsidenten habe Herr van Papen mit keinem Wort erwähnt, daß sein« Regierung bereits ein« neue Lerordnung in Aufmarsch im Friedrichshain Gewaltige Wahlkundgebung für den Sozialismus der Tasche habe, die wenige Stunden später einen neuen Schlag gegen Preußen führen sollte. Die Pläne zur Nerfassungsänderung, zur Bildung eines Oberhauses werde die Arbeiterschast nicht dulden. Die Tage des Herrn von Papen seien schon jetzt gezählt. Wenn in der Weihnachtszeit aus den Dörfern das Schweineschlachten beginne, sei Herr von Papen erledigt. (Stürmischer Beisall.) Gegenüber den Bemühungen der Nationalsozia» listen, einen Gegensatz zwischen Gewerkschaften und Sozialdemokratischer Partei zu konstruieren, stellte Wels unter dem stürmischen Beifall der Bersamm- lung fest, das Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaften in der Eisernen Front sei unlösbar. Sie seien auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden. Das wisse Hitler, das sollten auch Papen und Schleicher wissen. Es gebe nur eine Einheitsfront, das sei der Kampf gegen Reaktion, das sei die Eiserne Front! Die Rede fand in allen Teilen die stürmisch« Zu- stimmung der Versammlung. Kein Gegner wagt«. sich störend bemerkbar zu machen. Blum über Herrivts plan Französische Sozialisten wünschen seinen Erfolg Paris, 1. November. Im„P o p u l a i r e" schreibt Leon Blum, die Kommentare des„Vorwärts� und des „S o z. Pressedienst" zu dem französischen Abrüstungsplan seien ein Beweis dafür, daß die französischen Sozialisten richtig gehandelt haben, als sie für.die Resolution zugunsten der Regie- rung Herriot stimmten. Die deutschen Sozial- demokraten hätten sofort die Bedeutung des fran- zösifchen Angebots erkannt. Sie hätten wie die französischen Sozialisten verstanden, daß die Einheitlichkeit des Militärstatuts die cheore- tische und praktische Anerkennung des Gleichberechtigungsprinzips in sich schließt. Sie hätten verstanden, daß die sran- zösische Regierung folgerungsweise die Annullie- rung der Militärbestimmungen des Verfailler Vertrages annehmen und selbst die erste Revision in die Wege leite Sie hätten vor allem ver- standen, daß die Gesamtheit des französischen Plans bereits heute als etwas Neues er- scheint. Es genüge, die aus allen Weltteilen ein- getroffenen Kommentare zu lesen, um sich darüber Rechenschaft abzulegen, daß sich durch den Plan eine neue Atmosphäre um die Abrüstungs- konferenz gebildet hat. Damit sei ein erstes Re- fultat erzielt, und die französischen Sozialisten hätten nicht das Recht gehabt, es durch ihr Votum abzuschwächen. Der Plan werde gut sein, wenn er Erfolg habe. d. h. wenn man dahin gelangt. um ihn die Zustimmung aller Mächte zu grup- Pieren. Der Plan werde schlecht sein, wenn er scheitert, d. h. wenn es mit seiner Hilfe nicht gelingt, die Konferenz auf eine erste Etappe der Rüstungsbeschränkungen hin zu orientieren. Die französischen Sozialisten wünschten seinen Erfolg und sie zögen nicht einmal die Idee eines Miß- «rfolges in Betracht. Sie fühlten hinter sich die ganze Kraft des Volkswillens. Sie würden der Dolmetscher dieses Volkswillens sein und nötigen- falls sein Vollstrecker. Gruß zum 6. November aus der Tschechoslowakei Der Parteivorstand hat folgendes Telegramm erhalten: Der von mehr als SOsi Delegierten beschickte Parteitag der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republik übermittelt der Sozialdemokratie Deutschlands die herzlichsten freundschaftlichen Grüße. Die sudeten- deutsche Arbeiterschaft verfolgt mit außerordent- lichem Interesse den schweren, Held enmüti- gen Kampf, den die Arbeiterklasse Deutschlands um Demokratie und Freiheit gegen alle reaktionären Elemente führt. Der Kampf geht um die elementarsten Interessen der Arbeiterklasse und wir hoffen und wünschen, daß dem schweren Kampf der foeutfchen Arbeiterklasse schon am tz. November ein sichtbarer Erfolg beschie- den sein möge. (Zndglittlg eingesieM Das Verfahren gegen WeiQ und Heimannsberg Die Staatsanwaltschaft beim Landgericht I Hatte am 23. Juli gegen Dr. Weiß und H e i m a n n s° b» r g Anklage erhoben wegen angeblichen Ver- stoßes gegen Z 3 der Verordnung des Reichspräfi- deuten über Wiederherstellung der Sicherheit und hundert bis hundertfünszig schwarzrotgoldene und rote Frelheitssahnen aus und neben der Bühne, ein Einmarsch, der. mit nicht enden- wollendem Jubel begrüßt, alle Sparten der E'ser- neu Front zeigte. Reden, die immer wieder von stürmischer Zustimmung unterbrochen wurden— dag ist In großen Zügen das Bild der gewaltigen gestrigen Saalkundgebung der Berliner Sozial- demokratie Im Friedrichshain. Schon lange vor Beginn mußte der Polizei- offizier den Versammlungsleiter darauf aufmerk- sam machen, daß die Versammlung überfüllt sei und er deshalb den Zutritt sperren müsse. Es erfolgt« der Einmorsch. An der Spitze marschier- ten unsere Kameraden vom Reichsbanner, dann kamen in ihrer Sportkleidung öl> wehrhafte Ar- beitersportler und-sportlerinnen, die frischen Jungen und Mädels der Arbeiterjugend und die Bannerträger der Partei bildeten den Abschluß. Unsere Frauen in ihrer schmucken Kampskleidung trugen unter stürmischem Beifall einen Sprechchor vor. Dann nahm Genossin Hanna das Wort, die den fozialreaktionärcn Kurs des Kabinetts der Barone geißelte. Es war eine Anklage gegen Nationalsozialisten und Kommunisten zugleich, als sie den Löhnen und U n t e r st ü tz u n g e n, die unter der Regierung Hermann Müller bezahlt wurden, die kümmerlichen Lohn- und Unterstützungssätze entgegenstellte, die wir heute unter Herrn von Papen erleben müssen. Jedem Einsichtigen mußte klar werden, daß nur eine starke Sozialdemokratie die Rest« der ß B Ordnung. Ws wurde beiden zur Last gelegt, dem Erlaß des Generalleutnants v. Rundstedt vom 20. Juli, durch den ihnen die weitere Amtsaus- Übung untersagt wurde, zuwidergehandelt zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte beantragt, die Hauptverhondlung zu eröffnen. Die Strafkammer hatte es aber abgelehnt, dem Antrage der Staats- anwaltschaft Folge zu leisten. Der Generalstaatsamvalt legte gegen diesen Be- schluß Beschwerde ein. Diese Beschwerde ist jedoch jetzt zurückgezogen worden: das ge- gen Dr. Weiß und Heimannsberg eingeleitete Ver- fahren ist somit endgültig erledigt. ÄN Frack und Zylinder Nazis verhöhnen die Harzburger Eigener Bericht des„Vor mär it" Slel, 1 November. Eine Versammlung der Deutschnationalen, in der Schmidt-Hannooer sprach, wurde von eini» gen hundert SA. und SS.- Leuten in erheblicher Weise gestört. Flankiert von unifor« mierten Hitler-Leuten marschierte ein Dutzend Nazis in Frack und Zylinder, blumen- geschmückt in den Saal. Sie stellten die R e- gierung der Barone dar. Die Polizei mußte auf Anfordern des Vorsitzenden eingreifen und nicht nur die„Barone", sondern auch wäh- rend de« Verlaufs der ganzen Versammlung sortgesetzt Nationalsoziali st en aus dem Saal befördern. Die Abwehr des Vor- sitzenden beantworteten die Nazis mit Wurf- geschossen. Der Redner sagte in seinem Vortrag, daß er einen derartigen Skandal noch in keiner deutschen Stadt und in keinem deutschen Dorf erlebt habe. Die Nazis sollten lieber— marxistische Versammlungen stören I Äusttz-Korrektur Erfolgreiche Lerufung Eigener Bericht des„Vorwärts" Frankfurt a. d. Oder. 1. November. Wie auch der„Vorwärts" berichtet Hatte, wurden im Januar d. I. vom Schöffengericht Frank- furt a. d. Oder, das unter dem Vorsitz des be- kannten Amtsgerichtsdirektors W r e d e tagte, fünf Arbeiter, darunter vier Mitglieder des Reichs- banners, zu Gefängnis st rasen von drei Wochen bis zu drei Monaten verurteilt. In einer sozialdemokratischen Versammlung, in welcher der italienische Genosse Professor Corsi über den Faschismus sprach. Hatten die N a t i o n a l s o z i a- listeneineSchlägereiprovoziert. Die Folge war, daß nicht die Nazis, sondern die in Notwehr befindlichen Reichsbannerleute angeklagt und zu Gefängnisstrafen verurtellt wurden! Das Urteil löste damals überall große Empörung aus. In der jetzigen Berufungsoerhandlung stellt« die durch sie erreichten sozialen Errungenschaften er- halten, verlorene Positionen wiedergewinnen und neuen Fortschritt erreichen kann. Otto Friedländer beleuchtete in vortresf- licher Rede die durch das Kabinett der Barone herbeigeführte oder angestrebte Rückwärtsbewegung auf allen Getieten der Kultur, der Wirtschaft und der allgemeinen Politik.„Es ist eine Lüge, wenn der Marxismus als der Schuldige an unserem Elend hingestellt wird. Man will ihn zum Sünden- bock machen, in Wahrheit aber sst der Sünder die kapitalistische Unfähigkeit." Das wies Genosse Friedländer mit schlagenden Beweisen nach. Der Fahnenausmarsch zeigte noch einmal die ganze mitreißende Gewalt dieser Kunoaebung. Alle drei Strophen der Internationale waren ver- klungen. als die letzten Fahnen noch hinaus- getragen wurden. Genosse B u ch m a n n schloß die prächtige Kundgebung mit einem nochmaligen Appell zur Pflichtersüllung und mit dem von Tausenden begeistert aufgenommenen dreifachen Rufe:„Freiheit!" AUeäüMfydevUc! UmhängeDlakate, Resultatzettel und •blocks sind im Sitzungssaal des Bezirksverbandes gegen Ausweis am Mittwoch abzuholen. Große Strafkammer fest, daß die Nazis tat- sächlich die Angreifer gewesen waren, so daß dem Reichsbanner sogar Kollektivnotwehr zu- gebilligt wurde. Aus diesem Grund« wurden drei Reichsbannerleute freigesprochen, nur bei zwei An- geklagten wurde wegen anderer Vorgänge die Be- rusung verworfen. Der„Vorwärts" hatte auch von einer anderen Verhandlung des Frankfurter Schöffengerichts be- richtet, die unter dem Vorsitz des gleichen Amts- gerichtsdirektors stattfand und mit der Verurteilung von zwei Reichsbannerleuten zu Gefängnisstrafen endete. Die Angeklagten hatten in einem Demon- strationszug auf einem Lastwagen mit Korken ge- sicherte Mistgabeln mitgsführt. mit welchen sie a l s Landarbeiter eine Symbolgrupp« darstellten. Das wurde ihnen als strafbare„Be- waffnung" ausgelegt! In der Berufungsverhand- lung wurden auch diese drei Angeklagten aus Kosten der Staatskasse freigesprochen! Schupo-Zragödie In der Unterkunft erschossen In der Polizeiunterkunft in der Chausseestraße hat sich heute vormittag eine Tragödie abge< spielt. Der 23jährige Polizeiwachtmeister Alfred W e i n o w s k i von der 3. Bereitschaft Nord hat sich mit seiner Dienstpistol« erschossen. Das Motiv zur Tat, so wird vom Polizeipräsidium mitgeteilt, ist noch unbekannt. Der Erschossene war ein be- sonders tüchtiger Beamter, der sich sowohl bei seinen Vorgesetzten als auch bei seinen Kameraden wegen seines sympathischen Wesens allgemeiner Wertschätzung erfreute. W. hatte gestern abend noch seine in Schöne- berg wohnenden Eltern besucht. Im Anschluß nahm der junge Beamte an einer Feier teil. Als heute gegen 9 Uhr Kameraden den jungen Be- amten, der kurz vor seiner Beförderung zum Oberwachtmeister stand, zum Unterricht abholen wollten, fanden sie ihn in seinem Zimmer mit einer schweren Schußverletzung in der rechten Schläfe auf. Weinowski wurde in das Polizei- krankenhaus nach der Scharnhorststraße gebracht, wo er unmittelbar noch seiner Einlieferung starb. In einem Anfall von Schwermut hatte der hoffnungsvolle junge Mensch seinem Leben ge- waltsam ein Ende gesetzt. Am Leben verzweifelt! Eine Selb st mordtragödie wird aus der Großgörschensttaße IS im Südwesten Berlins be- kannt. Dort wurden heute mittag der 32 Jahre alte Kaufmann Jakob M a e t t l e r und seine 4Sjährige Frau Charlotte durch Gas vergiftet leb- los aufgefunden. Die Wiederbelebungsversuche der alarmierten Feuerwehr blieben ohne Erfolg. Wie aus einem Abschiedsschreiben hervorgeht, ist das Ehepaar im gegenseitigen Einverständnis aus dem Leben geschieden. M., der früher ein gutgehendes Geschäft hatte, war durch die Un> gunst der Zeit immer mehr in Verschuldung ge- raten. Um ein Haar hätte die Tat der Verzweifelten noch ein weiteres Opfer gefordert. Das Gas nahm seinen Weg in die darüberliegende Wohnung. Die Wohnungsinhaberin wurde durch die Einwirkung der Gase betäubt: glücklicherweise wurde die Ge- fahr rechtzeitig entdeckt, und die Frau komtt» ge- rettet werden. Etadigui brenn!! RiesenmenZen Getreide verhrannt Durch ein Großfeuer wurde heule vormittag auf dem städtischen Gut Selchow bei Lichtenrade eine 1100 Quadratmeter große Scheune eingeäschert. Etwa 3500 bis 4000 Zentner Getreide sielen den Flammen zum Opfer. Das Feuer ist aus ncch ungeklärter Ursache bei Drescharbeiten entstanden. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Trotz aller Bemühungen der Feuerwehr konnte von dem brennenden Gebäude nichts gerettet werden. Muckertum fühlt sich stark Die Schließung der Koch-Schule Die Begründung des vom Kultuskommissar aus- gesprochenen Verbots der Freikörper- schule Adolf Kochs war so ungeheuerlich, daß die Oeffentlichkeit annahm, das Verbot würde selbst von den„neuen Herren" nicht aufrecht- erhalten werden. Die Leitung der Schule halte in Besprechungen mit dem Vertreter des Kultus- Ministeriums nachgewiesen, daß die gemachten Be- anstandungen nicht zutreffen Trotzdem soll das Verbot, gestützt auf die alte Kabinettsordre aus dem Jahre 1839, durchgeführt werden. Die Leitung der Schule teill der Presse mit, daß inzwischen maßgebende juristische Persönlich- ketten die Ansicht vertreten, daß selbst ein recht- mäßig amtierender Kultusmini st er nicht das Recht besitze, Schulen wie die Adolf-Koch-Schule zu genehmigen oder zu verbieten. Die Staats- ministerialinsttuktion vom Jahre 1839 stützt sich nämlich wieder aus eine königlich preußische Kabinettsordre von 1834! Diese Kabinettsordre schließlich wird abgelettet von dem allgemeinen Landrecht des Jahres 1794! Es wird in der Erklärung der Adolf-Koch- Schule noch einmal betont, daß es sich hier um eine Erziehungsstätte handle, die nichts mtt an» deren öffentlichen Schulen zu tun hat, sondern eine freiwillige Körperkulturstätte der werk- tätigen Bevölkerung darstellt. Das Muckertum fühlt sich stark in Deutschland. Daß es seine Maßnahmen aus vermoderte und veraltete Gesetzesbestimmungen zu stützen versucht, zeigt jedoch seine innere Schwäche. Die Flieger aufgegeben Keine Hoffnung mehr Die Nachforschungen der Luft-Hansa nach dem Zustandekommen der ersten Meldung am Sonntag über die angebliche Rettung der deutschen Post- slieger haben jetzt dazu geführt, daß die belgischen Stellen, die diese Nachricht verbreitet hatten, selbst die Unrichtigkeit der ihnen zugegangenen In- formation über die Aufnahme der Flieger durch einen Fischdampser zugegeben haben. Damit ist auch die letzte schwache Hoffnung. daß sich die vermißten aus einem kleinen Dampfer, der keine Funketarichtung besitzt, be« finden könnten, endgültig begraben und an dem Tod« des Piloten C u n o und des Funtermafchiniften D r e b e« ist leider nicht mehr zu zweifeln. Das verunglückte Postflugzeug l) 2017 ist in dem schweren Seegang, der in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag'» dem Kanal herrschte, sicherlich sofort nach seinem Aussetzen aufs Wasser von den Wogen zerschlagen worden und mit seiner Lesatzung untergegangen. Greisin niedergeschlagen Wohliabrtsemplängerin beraubt Ein frecher Raubübersall wurde heute vormittag!m hause Schönburgstrahe Z in I e m p e l h o s verübt. Dort wurde die 79 Zahre alte Rentnerin Auguste UZ i l l e von einem jungen Burschen überfallen und um Wohlsahrtsgelder beraubt, die sie sich gerade geholt hatte. Bach kurzer Verfolgung konnte der Bursche vom lieber- sallkommando festgenommen werden. Es ist ein 25 Zahre alter Expedient lvaiter F«y. der am Marheineckeplah 10 wohnt. Bracht macht Konferenzen. Reichskommissar Dr. Bracht Hai die preußischen Oberpräsidenten, Regierungspräsidenten und den Berliner Polizei- Präsidenten für Frettag, 4. November, zu einer Be- sprechung eingeladen, in der laufende Berwaliungs- angelegenhetten erörtert werden. Haussuchung Im Braunen Haus in Breslau. Am Dienstagvormiilag in aller Frühe stattete ein größeres Polizeiaufgebot dem Braunen Haus, dem Sitz der Gauleitung der NSDAP, in Breslau, einen Besuch ab Die Polizei riegelte das Haus ab, und Kriminalpolizei durchsuchte sämtliche Räume. Schreibtische und Schränke. Wie man hört, soll die Polizei hochverräterisches Material gesucht haben Die Polizei nahm schließlich vier im Hause als Wache befindliche SA.-Männer mtt auf die Wache. HssjZe M cdiUtütodgt&ÜHfy am Freitag, dem 4. November, 20 Uhr, im Sportpalast, Potsdamer Str. 72- Redner: Artur Crisplen, Tony Sender, Otto BauersWien,» Eintritt ab 17 Uhr. Eintritt ab 17 Uhr. Wieder eine Blütenlese •«• Abermals sind der italienischen Emigranten- zeitung„Liberia� aus Italien verschiedene „Dienstschreiben" des Pressechefs Mussolinis, Poloerslli, zugeflogen. Wir entnehmen aus den Dienstschreiben vom lS. September IgZZ: 1. Die ZeUungen werden angehalten, über' den Aufmarsch der Bersaglieri(die Truppe, bei der Mussolini seine„heldenhaften" 38(!) Front- tage absolvierte) in Rom ganz besonders zu bi� richten. Sie haben die hohe Bedeutung der Manifestation und die Begeisterung, die dabei herrschte, ganz besonder» hervorzuheben. 2. Die Berichte über die französischen Manöver auf der ersten Seite bringen. Die große Geheimhaltung der Aufmarschpläne und der Ziele de» Manövers tüchtig hervorheben. 3. Die Kommentare der deutschen Zeitungen über die Erfolge bei der Ent- sumpfung der pontinischen Sümpfe und bei anderen öffentlichen Arbeiten aufnehmen und wiedergeben." 20. September 1932. 23. September 1932. „3. Die Kunstkritiker werden angehalten. in keiner Weise B a l d i n i anzugreifen. 4. An das geltende absolute Verbot, die Empfänge des Duce nicht schon vorher anzu« kündigen, wird erneuert hingewiesen. 5. Es ist absolut ein für allemal verboten. früher oder später Nachrichten über die Zere- monien, die am nächsten Sonntag in der gemischten Schule in Rom stattfinden, zu bringen." 26. September 1932. „1. Die Zeitungen dürfen über die Resultate der Gemeindewahlen in Sofia keinerlei Rachrichten bringen. 2. Sehr viel über die kommende Reise des „Rex" schreiben. Die Zeitunzen haben b e> geisterte Worte über dieses neue vom Duce gewollte Werk zu schreiben. 3. Die Zeitungen werden auf die bestehenden Polizeivorschriften aufmerksam gemacht, daß es absolut— bei Strafe der Beschlagnahme— verboten ist, Rachrichlen über Selbstmorde oder Selbstmordversuche zu bringen." 27. September 1932. 2LS 000 im Streik Die IVagocüe in Lancashire London, 1. November. Die englische Textilarbeiterschaft kommt nicht zur Ruhe. Sie kann sich nicht aus die Stufe der Lebenshaltung der indischen Baumwollspinner zurückwerfen lassen. Der Streik gegen die Lohnkürzung hat am Montag fast die gesamte englische Baumwoll- industrie erfaßt. Nahezu sämtliche Spinnereien in Lancashire liegen still. In den wenigen Bc- trieben, in denen die alten Lohnsätze weitergezahlt werden sollen, ist die Arbeit nicht unterbrochen worden. Die Unternehmer, denen die Solidarität der Arbeiter verhaßt ist, fordern nun Solidarität von ihren Klassengenossen und verlangen daher, daß auch diese Betriebe stillgelegt werden, damit die noch arbeitenden Spinner den Streit nicht finanziell unterstützen können. Einstweilen besteht keine Aussicht aus Beilegung de» Streits. Die letzte Verhandlung zwischen den Vertretern der Fabritanten und der Gewerkschaft der Spinnerei- arbeiter am Montag war ergebnislos. Das Arbeitsministerium erklärt, in den Kampf zunächst nicht einzugreifen. Der Arbeitsminister befürchtet, daß angesichts des erbitterten Kon- kurrenzkampfes, den die englische Baumwoll- industrie zu bestehen habe, der Streik zu einer dauernden Schädigung führen werde. ?2.peN!SMUS QmrtlieK-nationalsr Rundfunk Am 31. Oktober widerhallte der Rundfunk von christlich-nationalem Geist. Von 19,Zl> Uhr bis 22 Uhr ergoß sich lutherisches Christentum gleich- zeitig über die Wellen des Deutschlandsenders und der Berliner Funkstunde: auch sonst war zu dieser Zeit im Reich wenig anderes zu hören. Da- zwischen„erinnerte" die Funkstunde an Scharn- Horst. Die„Stimme zum Tag", die ebenso wie die Sendung„Wir erinnern an" Dr. Franz Mariaux unterstellt ist, hatte wieder ein vor- schristsmähig zettfremdes, konservatives Thema gefunden! auf Dr. Rudolf Pechel, den freiherrlich Bewährten, fielen dabei manche freundliche Glanzlichter. Die Deutsche Welle brachte um 18,30 eine Abhandlung über die Kriegeschuldfrage. Damit war wirtlich jede kleinste Lücke de» Abend- Programms von Popenismus erfüllt. Die„Literarische Abteilung" Edleff Koppen» scheint völlig unter Diktatur gestellt zu sein. Eine für den 1. November angesetzte Sendung von Gerhard Menzel„Eine allerchrisllichste West" fällt aus: dafür gibt es ein christliches Strest- und Trostgespräch aus dem Fahre 1400,„Der Acker- mann und der Tod". Da« für den 2. November angesetzte Zwiegespräch über Gerhard Menzel» Werk fällt ebenfalls aus. Am Donnerstag, dem 3. November, wird die Abendveranstaltung von 19,40 bis 20 Uhr, in der der durch einige v«r> heißungsvolle Dichtungen bekannt gewordene Arnold Krieger zum Wort kommen sollt«, eben- fall» abgesetzt. Fst der nationalsozialistische Pro- grammleiter der Berliner Funkstunde, Kolb, hier am Werk?_Ir. „Zigeuner der Nacht" Capitol � Unter den Kriminalfilmen hat sich eine besondere Spezialität entwickelt, die Gelegenheit gibt zu Ausflügen in» Mondäne: der Film der Juwelen- diebe. Da die Gallung aber schon ein bißchen ausgespiest ist, hat chermann Kosterlitz in seinem Manuskript einige» Neue probiert, den etwas ledernen Braten mit allerlei festen Einsällen ge- spickt und da» Ganze in ein« Beleuchtung gerückt, daß man manchmal nicht weiß, ob es Ernst oder Spaß ist. Schon diese Diebesbande die in einer vornehmen Villa im Westen haust, im elegantesten Dreß auftrstt und nebenbei Schlager singt, ist nicht alltäglicher Art. Aus einem Vorstadttino. dessen Milieu ganz reizend gezeigt wird, rauben sie sich einen Vorführer, weil ihr Filmapparat nicht funktioniert. Sie haben den großen Juwelen- Händler im Film aufgenommen, um danach eine getreu« Maske anfertigen zu können. Der große Coup gelingt, die Diebe entwischen mit dem Raub noch Hamburg. Der Vorführer, der die Schwester de» Ch-f- der Bande entführt hat, wird als angeblicher Dieb oerhaftet, aber diese fährt mst dem Juwelenhändler noch chamburg An Bord eines großen chapagdampfers entwickelt sich ein aben- teuerlich« Diebesjagd, der Händler kriegt seine Ju- welen wieder und die Schwester ihren Vorführer. Der Film ist in vielen Partien überdehnt. Hanns Schwarz hat nicht immer Tempo halten können. Es ist zuviel auseinander gehäuft. Außer- dem schwimmt dos Ganze in einer musikalischen Sauce mit überslüsiigen Schlagern. Di- Aktiv- Posten sind neben den ausgezeichneten Kamera- leistungen das Liebespaar des immer frischen Hans Brause weiter und der zurückhaltend spielen- den Jenny Jugo sowie der sympathische Paul K e m p als Klavierspieler im Flohkientopp und der samose Iuwelenhändler Julius Falken- stein. r. AI SV. Friedrichsseide. Funktionärversammlung am 2. November fällt aus. Die Genossen betelligen sich an der Sporsterkundgebung im Lehrervereinshau». „1. Es ist absolut untersagt, über die Ber- Haftung von Staatsbeamten in Ben- timiglia zu schreiben. 2. Die Rede des Duce an die nach Rom ge- kommenen Bersaglieri muß auf der ersten Seite und in Kursiv gebracht werden. Begeisterte Artikel über die Ergebenheststundgebungen der Bersaglieri aus Cremona dem König und dem Duce gegenüber bringen. 3. Es ist absolut ein für allemal verboten, irgendwelche Nachrichten bezüglich der An- Wesenheit des Duce bei Kundgebungen, Zeremonien, Inaugurationen usw. zu bringen, ohne vorher von uns die formale Erlaubnis dazu zu haben." Das„Wallner- Theater" ist gestern abend geschlosien worden unter der fadenscheini» gen Motivierung, daß in der Wahlwoche nicht ge- spiest werden solle. In Wirklichkeit ist diese»„na- tionale" Theater, das mit so großen Versprechun- gen anfing, elend verkracht. Weder das klassische Repertoire(man hatte ein paar kleine Stücke von Goethe ausgegraben) noch die altbackene Operelle „Der Leibkutscher des Fridericus Rex" zogen. Das Personal wurde immer wieder vertröstet, aber die Gage konnte auch gestern abend nicht ausge- zahlt werden. Es heißt, daß die notleidenden Künstler sich an der Kaution schadlos halten wollen. Die Herren, die mst dem Aushängeschild de»„nationalen" Theaters in Berlin Geschäft« zu machen suchen, werden vielleicht jetzt genug davon haben. Der Berliner ist zu helle, um auf solchen Gimpelfang hereinzufallen. Dies ist nun schon die zwest« nationale Bühnenpleite. Herrenlos ist zur Zell auch wieder die„K o- mödie". Die„Beine und Banditen" haben den erhofften Erfolg nicht gehabt. Auch die r i b ü n e" wird von morgen wieder schließen. Gleich als die heurige Theatersaison ver- heißungsooll zum Start antrat, krachte im „Theater am Kurfllrstendamm" ein Kabarettunternehmen nieder. Nebenan— in der .Lomödie"— Direktion Ferry Werner— ebenfalls Riesenfiasko. Im„Theater am Schiffbauerdamm" etablierte sich die für Berlin nicht mehr ganz neue Direktion Bernd Hoffmann. Mächtige Besucherorganisationen, hieß es. stünden hinter chr, ein Dutzend Stücke wurden angekündigt, man wollte sogar täglich zwei Vor- stellungen geben— und überdies sprach man von Jahresoerträgen mit den Schauspielern. Vierzehn Tage nach der ersten Premiere— das Theater wird an die„Truppe 1931" westerverpachtet; Hauptpächter ist aber nach wie vor Herr Bernd Hoffmann.— Die dem Deutschen Theater ange- schlossenen„K a m m e r s p i e l e" wurden unter eigener Direktion eröffnet— drei Wochen später gastiert im selben Haüse die Schultesbühne. Das „Kleine Theater" war unter der neuen Direktion Ferber schon nach zwei Tagen schach- matt.— Im.Renaissancetheater" schaltet und waltet ein Direktorium, das so vielköpfig wie eine Hydra ist, dessen Leistung aber bisher darin bestand, längst abgespielten Erfolgsstücken Obdach zu gewähren. Vorige Saison haben sich unbekannte Autoren ihre Aufführungen bezahlt— diese Saison beginnt man schon die sogenannten Meisterwerke der Vergangenhest zu finanzieren. Aus diesen Tatsachen-st zu ersehen, daß die Theatermihwirl- schaft. wie sie am Ende der verflossenen Saison fu unangenehm bemerkbar machte, keineswegs überwunden ist. Man kann ruhig behaupten, wohl haben sich oie Gesichter verändert, nicht aber ihr« Sitten. Die, neuen Herren", die sich groß ankündigten und wachen- und monatelang viel von sich reden machten, haben sich aus dem grellen „1. Die erste Fahrt des„Rex" besonders hervor- heben. Alle Zsstungen, die kein« Spezialbericht- «rstatter an Bord des Schiffes haben, übernehmen die Berichte der römischen Zeitungen." 1. Oktober 1932. „1. Es ist verboten, über die Bestrafung und die Freilassung des Bankiers Riccavdo G u a l I n o zu schreiben.(R. Gualino ist einer der niedrigsten und größten Börsenschieber.) 2. Was dieHavariedes„Rex"unds«in Anlaufenmüsscn von Gibraltar an- belangt, nur das, was der offizielle stalle- nisch« Nachrichtendienst„Stefan!" bringt, schreiben. Für die Einhaltung dieses Befehls Rampenlicht der Oefsenllichkest in chre stillen. polstertürigen Kämmerchens zurückgezogen und sitzen nun sorgenschwer über ihre Kassenrapporte gebeugt. Die ersten Mißerfolge haben sie sichtlich irretiert und nervös gemacht. Diese Nervosität übertragen sie auf chren Betrieb, sie wollen den geschäftlichen Erfolg um jeden Prei» erzwingen und gelangen ja doch nicht zu dem gewünschten Resultat. Sie schieben hin, sie schieben her— sie Unterpachten— Unterunterpachten und vergessen ganz, daß das Theater ein Unternehmen ist, an dem so und so viele Existenzen hängen, und keine Spielbank. Und zweitens— daß unser Theater Volksgut ist, ein Faktor also, mst dem man zu rechnen, ein höheres Besitztum, mst dem man gewissenhaft umzugehen hat. Vor allem aber darf durch diese auch dem Nichteingeweihten offen- sichtlichen Geschäftsmanipulationen dem Publikum nicht da« Vertrauen zum Theater genommen werden, vielmehr da« Vertrauen zu den Leuten, die Theater machen. Es geht nicht an, daß man die kapitalistischen Mechoden in chren krasiesten Auswüchsen auch auf den sogenannten Kunst- betrieb überträgt. Aber da findet sich keine Stimme von den Schreiern, die das Schlagwort „Kulturbolschewismus" geprägt haben. F. L. Bach in der Volksbühne Die Sonntagevormittagskonzerte in der Volks- bühne sind vielleicht die sinnvollsten Veranstal- tungen des gesamten Berliner Musiklebens. Fern dem normalen Musikbetrieb, abgelöst vom Werk- tag, seiner Hetzjagd und seiner oft unüberwind- lichen Müdigkeit, herausgehoben aus dem Grau unseres Alltags, sind sie als musikalische Sonntags- feiern gedacht, bei denen das Best« an innerem Gehalt und äußerem Glanz geboten wird: sind sie endlich für all die Mühseligen und Beladenen, die sich an Musik erquicken wollen, durchaus er- schwinglich. Schon das erste Konzert, in dem nur Werke Sebastian Bach» vorgesehen waren, fand großen Zuspruch unb wache Begeisterung, eine ganz außer- ordentliche und erfreuliche Resonanz also, die sich, dem Aufbau der Programme nach zu schließen, im Laufe der Saison noch stark steigern werden Wer wollte«s auch versäumen, in dem schönen Haus zu so ansprechender Zeit um so wenig Geld Bach? Lukas-Passion, Beethovens Neunte Symphonie, Edwin Fischer, Schlusnus, die Ivogün zu hören? Michael Taube, der das Bach-Könzert mit seinem disziplinierten und kultivierten Kammer- orchester bestritt, begann mst der herrlichen O-Dur- Suite. Ihr folgte das Tripel-Konzert in �-Moll für Cembalo. Flöte, Geige und Orchester, bei dem sich Alice Ehlers, die Cembalistin. so prachtvoll in den Vordergrund spielt«, daß beinahe ein Cem- balokonzert daraus geworden wäre. Den Schluß bildete ein« selten zu hörende, ganz entzückende, werden die Chefredakteure persönlich hast- bar gemacht. 3. Di« Zeitungen haben sich zu enthalten. Notizen über die Verleihung eines fron- zösischen Ordens an Toscanini(be- rühmtefter Dirigent, den die Faschisten in Florenz ohrfeigten, weil er nicht die Faschistenhymne spielen wollte) zu bringen. 4. Der Bericht über die Sitzung des großen Faschistenrates lüid die von Seiner Exzellenz S t a r a c e(Generalsekretär des Fascie) vorge- lesene Tagesordnung und die begeisterten Ova- tionen für den Duce sind auf der ersten Seite und über sieben Spalten zu bringen." 2. Oktober 1932: „1. Der Rede des Duce vor Akademikern, die nach Rom gekommen, ist der größtmöglichste Raum einzuräumen. Der Text der Rede selbst ist in Kursiv und fett zu bringen. 2. Lebhaft bedauert wird, daß einige Zestungen lange und breste Nachrichten über Familiendramen. Morde, Betrüge- r e i e n usw. brachten. Die Zeitungen werden erinnert sich streng an die schon früher erlassenen Vorschriften zu halten, und sich— um strengen Maßnahmen zu entgehen— solcher Nachrichten zu enthalten. 3, keinerlei ausländische Rachrichlea. die sich auf den„Rex" beziehen, veröfsenllichen." 3. Okkober 1932: „1. Die Meldungen der„Stefani" über die von dem Amerikaner Knickerbocker aus Italien an amerikanische Zestungen gesandten Nachrichten besonders hervorheben— mst einem Titel mindestens über zwei Spalten. 4. Ueber die italienisch-deutschen Wirtschafts- Verhandlungen in Rom sich jedweder Kommentare enthalten. Nur Meldungen der„Stefani" weiter- geben." wellliche Kantate:„Der Strest zwischen Phöbus und Pan", in der sich im Anfangs- und Schluß- chor Taubes Kammerchor«benso bewährt«, wie vorher sein Kamm«rorchester. Unter den Solisten ragten Fischer, Schey und Gombert be- sonders hervor. Sympathisch der Alt Paula Lindbergs, der biegsame Sopran Minette M u t h e s i u»'. Walther Ludwig verfügt über einen prächtigen Tenor, hat freilich im Vortrag noch einigt- zu lernen: so schön er da» Recstativ begann, so wenig gelang e, lhm. dl« darauf folgend« Arie zu formen. A. W. Sensationsfilm von einst M itternachts Vorstellung Die Entwicklung des deutschen Film» möchte die Degeto gerne aufzeigen, darum brachte sie im Marmorhaus„den Studenten van Prag" zur Aufführung. Man ftrstt einst wider diesen Film und kämpfte für ihn: denn damals(im Sommer 1911) geschah durch ihn„der erste Durchbruch der Kunst im Film". Der meistgenannte Kämpe für den Film war der Schauspieler W e g e n e r, der die Kullurentwick- lunz des ganzen Filmwesens sördern wollte. Er hat in vielem recht gehabt und recht beHallen. Ex sprach jetzt ein paar schlichte Cinführungsworte für den Film. Er selbst hatte Ihn fest 1911 nicht mehr gesehen und er haste Lampenfieber bei dieser Mumienausgrabung, die zur Geisterstunde geschah. Wegener empfindet es als frevelhaft, Vergangenes ans Licht zu zerren, das heute nicht mehr zuständig ist. Diese Behauptung ist nicht ganz zutrefsend, wirkt doch dieser Film noch heute, freisich au»- schließlich durch Wegeners darstellerische Leistung. Was damals Sensation war. die Doppelrolle, deren Wahrheitstreue durch die doppelte Photo- graphie ermöglicht wird, ist bis heute der gern ausgenutzte Treffer der Stars geblieben. Die ge- wollte stimmungsmäßige Verwendung von Land- schaft und Architektur ist Inzwischen nicht nur weiter ausgebaut worden, sondern hat auch große Triumphe errungen. Wegeners Gesten sind(er wäre heute anders geschminkt und stände in an- derer Beleuchtung) bis auf den heutigen Tag gültig, während die anderen Darsteller nach der damaligen Manier dick auftragen und jede Ver- innerlichung ihrer Rolle scheuen. Ulkig wirkt für uns, daß der Kameramann ausgerechnet bei den Außenaufnahmen seine Stellung nicht wechsell und immer wieder Menschen und Tiere durch dieselbe Gegend sagt. Die Texte jedoch halten das gleiche Niveau wie heute die Durchschnittstonfllmdialog«, über die man hoffentlich nach 20 Jahren auch lachen wird. eb. Em„Colleaiu« Dramaturgie»«" hat die„Vereint- gung kunstlerlscher Bühnenvorftönde" eingerichle«. Die erste Beranstaliung lim Deutschen BiihncN'Club, Ja- achimSthaler Ztr. g) wird Leopold I e s s n e r heute abend, 10.30 Uhr, eröffnen. Danach spricht Dr. Wols- gang Hossmann-Harnisch über den„Prinzen von Homburg". 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Nov. bis 3. Nov. Volks-Kino Königstadt Schönhauser Allee 10. W. 5, 7. 9 Uhr. S. 2.45 Uhr Jgdv. Mata Hart mit Greta Garbo.— Wer gibt, der hat(Falschspieler) U Neu-Lichtenberg W Kosmos-Lichtspiele �5- o Lücksir. 70. Stg 2�4 Uhr: Jug.-Vorst. Ein blonder Traum mit Eilian llarvey, Willy Fritsch.— Gut. Toubeipr.— Ufa Ton w. (f Frledrlchsfelde Kino Bäsch l"r Alt-Friedrichsfelde 3 2 Tonlustspiele: Der unbekannte Gast mit Szakall. E. Englisch— Schönste Mann .Slegfr. Arno Staate mit Pankow Palast-Theater Breite Str. 21a. W. 7, 8%, Stgs. 5. 7. 9 Hiki mit Anny Ondra. Herrn. Thimijf— Außerdem: Mutter Schwarzer Adler W 5. 7. 9 Uhr S 3. 5. 7. 9 Uhr Ein blonder Traum mit Eilian llarvey, W. Fritsch. W. Forst. Paul llörbijcrcr— Tonbeipro�r. Bühnenschau— Jugend! Zulrilll Viktoria- Theater 3au5 Frankfurter Allee 48 Ein blonder Traum mit Eilian llarvey, W. Fritsch, W. Forst. — Tonbeiprogramm. Jugendliche haben Zutritt U_Nor«««?> politisch zu unterjochen, dann werden sie auch vor den politischen Rechten der Frauen- nicht hall- machen. Die ersten Trompetensignale, mit denen P a p e n, der kampflustige Führer der Junker, den Vorstoß gegen die Verfassung des Deutschen Reiches in seiner Münchener Rede angekündigt hat, lassen das bereits deutlich erkennen. Bei der letzten Reichstagswahl stimmten von 33 Millionen Wählern nur zwei Millionen für die Regierung Papen Bei der kommenden Wahl wird die Niederlage dieser Regierung ebenso eindeutig sein. Die Münchener Rede des Reichskanzlers ent- hält die Ankündigung, daß die Regierung nicht daran denke, aus ihren Niederlagen die Folge- rung zu ziehen und abzutreten. Sie will vielmehr die Abhängigkeit der Regierung von der Zu- stimmunq des Reichstages beseitigen und damit das wichtigste Grundrecht unserer parlamento- rischen Verfassung außer Kraft setzen. Dem deutschen Reichstage soll eine erste Kammer vor- gesetzt werden, von der Papen erklärte, daß sie als Gegengewicht gegen Reichstagsbeschlüsse zu dienen habe. Nach einer ossiziösen Darstellung soll diese erste Kammer gebildet werden zu einem Drittel aus Vertretern der Länder, einem zweiten Drittel aus Vertretern de-- Berufsstände, und das letzte Drittel soll vom Reichspräsidenten ernannt werden. Es bedarf keines großen Aufwandes an Phon- taste, um sich vorzustellen wie stark der Einfluß der Frauen in einer so zusammengesetzten Körper- schaft wäre. Dabei sollen Beschlvste des Reichs- tages nur Gültigkeit haben, wenn ihnen auch die ..Mts. Aunmer mst..Ito:.heit beitritt. Ebenso soll.. die Regierung nur gestürzt werden können, wen» zunächst der Reichstag und dann die erste Kammer entsprechende Mehrheitsbeschlüsse fassen, und wenn nach einer eventuellen Rückverweijung der Reichs- tag seine Beschlüsse mit Zweidrittelmehrheit wiederholen kann. Eine solche erste Kammer bedeutete nicht nur eine schwere Entrechtung des ganzen Volkes und besonders der Frauen. Praktisch käme sie aus eine Sabotage der ganzen gesetzgeberischen Tätigkeit des Reichstages heraus. Eine solche.Beschlutz- Verhinderungskammer" hätte nur den Zweck, die Uebermacht der Regierung gegenüber der Volks- Vertretung zu steigern. Oder findet Herr von Papen im Ernst, daß der Reichstag in den letzten Evich gcfffirefrcu: %€€€€€ und ein üetehl Heute noch liegen, wie französische Blätter melden, in der Umgegend der Lorettohöhe etwa 400 000 Weltkriegstote unbe stattet. 400 000, so wie der Krieg sie mähte. 400 000 unter Wiese und Baum, unter dem Haß und dem Hohn dieser Welt. Die Arbeiter, die angeworben werden, den Schrecken aufzuräumen, legen oft schon nach wenigen Tagen die Schaufel wieder beiseite. Die 400 000 Opser fordern weitere: manchmal platzen noch nachträglich Handgranaten, der Krieg dauert ewig. Und der Anblick der Halbverwesten frißt an den Nerven, Höllenbilder schreien sich in die Seele ein. Ich ging, 1923, über die Lorettohöhe. Ich sah die endlosen Felder weißer Kreuze, den Kirchhof von 34 000 erst im Totenreich Geeinten. Ich wußte nicht, daß unter mir noch 400 000 liegen. Ich war im„Ossuaire" auf Loretto: in jener Knochenkammer sind die Skelette von vielen tausend unbekannten Soldaten zusammengetragen, auch einzelne Betne, Arme, Hände, Wirbel... Ich wußte nicht, daß unter ihnen noch die Skelette, Beine, Arme, Hände, Wirbel von 400 000 liegen. Ein paar Wochen später kam ich nach V i n c e n n e s bei Paris. In Bincennes ist ei» großes, wohl das größte französische Kriegs- museum. Dos Grauen hängt hier wohlgeordnet und katalogisiert unter Glas und Rohmen. Hunderttausend Bilder sind hundert- tausend Dokumente der Not und des Wahnsinns. Ich sah die Sammlung und war erschüttert. Er- schüttert vom Abbild der Wirklichkeit. Aber als die Fenster klirrten, fürchtete ich, daß die Sammlung vielleicht einmal fortgesetzt werden müsse, denn das Klirren rührte her vom Gedröhn der unten vorbeiziehenden, in Bincennes statio- nierten Artillerie. Jetzt, nach sechs Iahren, hörte ich wieder etwas vom Vincenner Artillerieregiment. Sein Kom- mandeur erließ einen Tagesbefehl, in dem be- stimmt wird, daß jeder Soldat, der von einem Vorgesetzten beim P o- P o- S p i e l erwischt wird, mit drei Tagen M i t t e l a r r e st bestraft werden soll... Was entwickeln die hohen Militärs für Psycho- logie? Kann man nicht gleichzeitig ein guter Po- Po-Spieler und ein guter Schütze sein? Ist ein gelegentlich etwas verspieltes Heer zum Einsatz im großen Spiel der Politik ungeeignet? Hat Mars jemals gesagt: Laßt finstre Männer um mich sein? Es liegt kein tiefer Sinn im kindlichen No-Po- Spiel, ober es liegt ein tiefer Sinn im kindischen Po-Po-Verbot. Das Kriegsmuseum in Vincennes ist nicht groß genug, man ahnt die Richtung der vor dem Museum vorbeidröhnenden Artillerie: Loretto. 100 000 über der Erde, 400 000 unter der Erde— was verschlagen der Kriegsindustrie die Wunden, die anderen geschlagen werden. Aber wer beim Vormarsch spielt, muß brummen— denn das ist ja so ungefähr die einzige Kriegs- lüge, die jetzt nicht mehr aufgewärmt wird: daß Soldaten lächelnd in den Tod gehen. Auch der Kommandeur von Vincennes meint: wer lächeli und wer spielt, ist kein guter Soldat, in Uniformen gehören ernste Männer— und deshalb schießt er mit den Kanonen von Vincennes nach dem Uo-Po. Wie lange dauert es, bis die Kanonen von Vincennes nach größeren Zielen jagen werden? Wie lange dauert es. bis die 300 000 von Loretto, 100 000 über der Erde, 400000 unter der Erde, Lameraden bekommen? Jahren zu viele und allzu stürmische und unuber- legte Beschlüsse gesaßt habe? Die erste Kammer soll ernannt werden. Zum Reichstage wollen die Junker dem Volke immerhin das Wahlrecht ollergnädigst weiter belassen. Aber sie wollen ausprobieren, ob es nicht mit Hilfe der Einmännerwahlkreile gelingt, die Sozialdemokratie recht kräftig zur Ader zu lassen. Dabei spekulieren sie darauf, daß es bei kleinen Wahlkreisen und bei einem Wahlrecht mit Stichwahl leichter ge- lingen wird, un Kuhhandel zwischen Bürgertum und Hakenkreuz den Sozialdemokraten die Man- date abzujagen, während andererseits die politische Verbohrtheit der Kommunisten einem ähnlichen Zusammenwirken auf feiten der Arbeiterschaft hindernd im Wege steht. Datz in einem unter solchen Umständen gewählten Reichstage noch Frauen in nennenswerter Zahl sitzen würden, kaim�wohl als ausgeschlossen gelten. Sozialdemo- traten' und Kommunisten werden allen Schwierig- leiten zum Trotz einige Frauen aufstellen. Im übrigen wird von einem passiven Wahlrecht der Frauen nicht mehr ernsthaft die Rede sein können. Aber auch das aktive Wahlrecht der Frauen ist durch die junkerlichen Verfassungspläne bedroht. Die Regierung Papen will den einzelnen deutschen Ländern das Recht auf vollkommen freie Ge- staltung ihrer Verfassung sowie des Gemeinde- Wahlrechtes geben. Das besagt nicht allein, daß dann das eine oder andere Land wieder Monarchie werden könnte. Es ist auch beabsichtigt, in den Gemeinden das Pluralwahlrecht einzuführen. Das bedeutet, daß es Zusatzstiminen gibt bei höherem Einkommen oder bei Grund- oder Vermögens- besitz. Es kann auch bedeuten, daß die Stimmen der Arbeitslosen oder Rentenempfänger gar nicht oder geringer gewertet werden, wie ja auch zum Beispiel vor dem Kriege, in den Zeiten der Junker- Herrschaft, die Empfänger von Armenunterstützung vom Wahlrecht ausgeschlossen waren. Jede Form des PluralwaHIrechtes bedeutet aber eine Beeinträchtigung des Wahlrechtes der Frauen. Die Zahl der Frauen mit höherem Ein- kommen oder mit eigenem Vermögen oder mit eigenem Grundbesitz ist viel geringer als die ent- sprechende Zahl der Männer. Frauen werden daher in jedem Falle zu den durch das Plural- Wahlrecht benachteiligten Bevölkerungsteilen ge- hören. Es zeigt sich an diesen Plänen aufs deutlichste wieder die enge Verbundenheit der Fraueninter» essen mit den Interessen der Arbeiterklasse. Der politische Einfluß der Frauen ist abhängig von der politischen Machtstellung der Arbeiterklasse. Der reaktionäre Ansturm, der heute die politische Freiheit der Arbeiterklasse bedroht, gefährdet auch die Gleichberechtigung der Frauen. Man dar! im Zusammenhange mit der Papen- Regierung nicht von einem Verfassungsbrüche sprechen. Darauf steht Zeitungsverbot als Strafe. Aber man darf feststellen, daß es eine legale Mög- lichkeit für diese Umgestaltungspläne der Junker nicht gibt. Das deutsche Volk wird in einem schweren Machtkampf entscheiden müssen, ob es seine freiheitliche und demokratische Verfassung rückwärts revidieren lassen will zu einer auto- kratischen Verfassung mit monarchistischer Tendenz: ob es sich noch einmal„herrlichen Zeiten" ent- gegenführen lassen will, wie 1914, oder ob es über seine Führung selbst bestimint. Für die Frauen kann es nicht zweifelhaft sein, wo in diesen harten Kämpfen ihr Platz sein muß. Wenn sie sich und ihre Kinder nicht einem neuen Kriege ausliesern wollen wenn sie ihre eigenen und die freien Rechte ihres Volkes wahren sollen, dann haben siesichamtz. Novembersürdi« Sozialdemokratie zu entscheiden, und dann haben sie bis zum Wahltage jede Stunde zur Aufklärung und Agitation auszunutzen. .iima Geyer. So tvirds gemacht! Die Preußische Hochschule für Leibesübungen und ihr Direktor Die Auflösung der Preußischen Hoch- schule für Leibesübungen in Spandau ist von der Regierung Braun-Severing durch einen Erlaß vom 23> Dezember v. Y. verfügt war- den, weil die Zahl der Kursisten, die auf der Schule zu Turnlehrern und-lohrerinnen aus- gebildet wurden, so stark zurückgegangen war. daß sich der finanzielle Auswand sür den um- fangreichen Betrieb an der Hochschule nicht mehr rechtfertigen ließ Leiter dieser Schule war der bekannte Dr. N e u e n d o r s f, der zweite Bor- sitzende der als stockreaktionär bekannten„Deut- schon Turnerschaft". Mit Herrn Dr. Neuendorff, dessen deutschnationale Gesinnung, die schon sehr erheblich ins Nationalsozialistische hinüberneigt, hat sich der„Vorwärts" beschäftigen müssen. Das „Volksblatt für Spandau", unser Parteiblatt für da« Havelland, kann über diesen Hochschulleiter interessante Tatsachen mitteilen, die die größere Oefsentlichkeit interessieren. Diesem Herrn gelang es, Bewerbungen von Schülern zu sammeln und den preußischen Behör- den plausibel zu machen, daß es nötig sei, noch einen letzten Ausbildungskursus abzuhalten. Man ging dabei sogar so weit, diesen Kursus in Vor- blndung mit der Deutschen Hochschule für Leibes» Übungen im Grunewald, die dem Reichsausschuß für Leibesübungen untersteht, vorzunehmen, und rechnete dabei dem zuständigen Ministerium so erhebliche Ersparnisse heraus, daß dieses schließ- lich seine Zustimmung gab. Tatsächlich wurde am 2ö. April d. I. die aufgelöste Spandauer Schule unter dem neuen Namen„Institut für die Aus- blldung von Fachturnlehrern" im Deutschen Sta- dion wieder eröffnet. Herr Neuendorff mußt« sich an diesem neuen Institut mit der zweiten Dirck- torenstelle begnügen, da der Generalsekretär des Reichsausschusses für Leibesübungen. Dr. D i« m, der Hauptlsiter der Deutschen Hochschule ist So hatte Dr Neuendorff durch den neuen Kursus seine Stellung gerettet, obschon man sich schwer vorstellen kann, daß er sich in der Nachbarschaft des früher von ihm nicht gerade freundlich be- handelten Dr. Diehm besonders wohlgefühlt haben kann. Die Abwesenheit Dr. Diems von Berlin anläß» lich der olympischen Spiele in Los Angeles be- nutzte nun Dr. Neuendorff dazu, von der Deut» fchen Hochschule für Leibesübungen wieder los- zukommen. In Zeitungsartikeln wurde ent» sprechend vorgearbeitet,«ine Zusammenarbeit mit der Deutschen Hochschule bei den dort angeblich vorhandenen Mängeln als unmöglich bezeichnet, so daß tatsächlich das Kultusministerium Herrn Neuendorfs die Rückverlegung seiner Hochschule nach Spandau genehmigte. Der finanzielle und sachliche Erfolg, den das Kultusministerium mit der Schließung der Spandauer Hochschule an- strebte, ist durch die Maulwurssarbeit Dr. Neuen- dorffs zum größten Teil verhindert worden, so daß er und seine Getreuen in Spandau wieder als Alleinherrscher austreten können. Es ist zu verstehen, daß er sein« Hochschule auf seden Fall zu erhalten bestrebt gewesen ist. Sie bietet ihm nicht nur sein gutes Direktorengehalt, sondern die Schüler müssen auch hohe Semester- und Prü- fungsgebühren bezahlen. Jedenfalls ist es dem tüchtigen Direktor möglich gewesen, neben seiner schönen Dienstwohnung im Spandauer Stadtwald in nur vier Iahren seiner Tätigkett eine wunder- schöne Villa bei Rheinsberg,.Ffohenleuchten" ge- nannt. zu erwerben. Gelegentlich eines Besuchs in 5)ohenleuchten äußerte er zu der erstaunten Frage des Besuchers, das seien seine Prüfungsgebühren! Die spartanische Einfachheit, die Dr. Neuendorff in Wort und Schrift den Turnbeflisienen der Deutschen Turnerschaft als zweiter Turnvater Jahn predigt, kommt für ihn nicht in Frage. Das körperstärkende Wandern hat er aufgegeben, weil er sich ein schönes großes Automobil halten kann: seine Tochter hat er als Hilsslehrerin bei der Hoch- schule angestellt, obwohl sie von den erforderlichen drei Prüfungen nur eine abgelegt hat. Eine frei» gewordene Angestelltenstelle übertrug er unter Umgehung des Arbeitsnachweises der Schwester einer bei ihm tätigen Hilfslehrerin, die die Töchter eines Obersten sind. So wird in Spandau gewirtschaftet, und der preußische Staat, den man sonst nicht scharf genug bekämpfen konnte, gibt das Geld dazu. ium 6. hwan&ec! Das Kartet fUr Arbeitersport und Körperpflege ruft die Berliner Arbeiter- Sportler zu einer großen Itfcddkutodfyc&uufy am Mittwoch, 2. November. 20 Uhr, ins Lehrervereinshaus, Alexanderplatz. Redner: Fritz Wildung und Dr. Haubach. AUes idtt oh! Achtung! Stillgestanden— Augen rechts! Das ist die Parole der Iunkerregierung und ihrer Gefolgschaft. Wenn das deutsche Volk dieser Regierung am kommenden Sonntag nicht eine gründliche Abfuhr bereitet, dann wird der Stahl» Helm in Deutschland zum Symbol der Politik ge» macht werden wie das Rutenbündel im fafchisti» schen Italien. Zurück zum Kasernenhof!, das ist die Parole des deutschen Befltzbürgertums. Dort soll der Unteroffizier Himmelstoß mit der beut» schen Arbeiterjugend wieder das schöne Spiel: „In Löhne umsteigen!" üben. Die bekannte Stunde„Sport" auf dem Kasernenhof, das Straf» exerzieren soll wieder zu Ehren gebracht werden. Schon hat die Deutsche Turnerschaft das„Still- gestanden!" zur Grundlage der turnerischen Er- ziehunz gewähtt und sich damit der Junker-Re- gierung bestens empfohlen. Im ganzen bürger- lichen Sport wird zur Zeit„Augen rechts!" geübt. Bei uns aber heißt es„Augen links!" und „Augen auf!" Volt der Arbeit, du sollst um den letzten Rest deiner Freiheit betrogen werden, du sollst stillstehen und stillhalten, während man dir deine Rechte klaut! Du sollst nicht mucksen dürfen, wenn der Schinder dir in die Kniekehlen tritt. Du sollst noch grinsen, wenn man dich einen Schweinehund schimpft. Wehre dich, Volk, gib uns die Macht, wähle Sozialdemokraten! Augen links. Liste 2! nationale. Leider mußt« das Saargebiet aufgegeben werten, da sein» Losgelöstheit vom Reich oen sportlichen Verkehr unterband. Die sportlichen Wettkämpfe im Bund haben trotz der Krisenzeit sogar Rekordziffern erreicht: in der Berichtszeit sind 1033 Wettstreite durchgeführt worden, an den Serienkämpfen nahmen 13 000 Mitglieder teil. Staunenswert ist auch oie rege Lehrtätigkeit in der Bundesschul«. Die internationalen Wett- kämpfe der Athleten überragen, gerechnet vom Jahre 1926/31, alle anderen Sparten. Der Bund führte in dieser Zeit 77 Kämpfe durch, alle Athle- tenverbände in der SASJ. zusammen 166 inter- nationale Treffen. Die Jugendbewegung im Bund schreitet viel- oersprechend voran: dem Iugendleiter Müller wird «in Arbeitsausschuß schon in der nächsten Zeit unterstützen. Der Kassenlage ist der Stempel der angespannten Wirtschaftslage ausgedrückt. Die Bundesschule in Magdeburg stellte die Bersamm- lung vor schweren Entscheidungen; laufende Be- lostung und der Zinsendienst bedingen ein« äußerst sparsame Kassensührung. Der Bundesvorstand wurde wiedergewählt und als Kassierer tritt Buder hinzu. Alle Jahre soll eine Kreislelterkonferenz abgehatten werden. Die Stellung des Kontroll- ausschusses übernahm wieder Berlin. Den Rest der Tagung nahmen technische, Statuten-, Bei- trags- und Unterstützungsfragen in Anspruch. Die Berliner Versammlung knüpfte hieran eine rege Aussprache, in der zahlreiche Fragen besprochen und geklärt wurden. Serie der Arbeiterkegler Die Klub-Serienkämpse der Arbeiterkegler nah- men ihren Fortgang mtt einem Treffen zwischen „Frei Holz"-Spandau und„Rührige Mannschaft", bei dem letztere auf ihren Heimatbahnen in der Berliner Kegler-Sporthalle ihre erste Niederlage erlitten.„Frei Holz" erzielte mit seinen fünf besten Keglern 3543 Holz, während die fünf Besten des Gegners nur 3202 erreichen konnten. Sro-dnific! Frei Kol,: 1. Thi-Ie 738$■! 2. Schick 717 H.; 3. fflosnl 708 Ö.: 4. Schilling 693 H.: 5. Mergenrcch 689 H.— Rllhrig« M-.nnschzft: I. Nnaack 708 H.; Z.»cause Was zu berichten ist Egg bleibt Weltrekordhalter. Mehr als 18 Jahre lang hält der Schweizer Oskar Egg den Stunden- Weltrekord im Radfahren ohne Schrittmacher mit 44,247 Kilometer. Auch die jüngste Leistung des Franzosen Maurice Archambault. der auf der Bahn von Algier mit 44,264 Kilometer wohl 217 Meter mehr zurücklegte, darf als Erfolg im eigentlichen Sinne nicht gewertet werden, denn die Hauptbedingung, die offizielle Zeitnahme, ist bei diesem Rekordversuch nicht erfüllt worden. Egg bleibt also vorläufig noch im Besitz seines Weltrekordes. Die zweite Runde der Arbeiterschachspieler brachte als Ergebnis in der B-Klasse: Norden II gegen Norden-Mttte I �—7�(2 Hängepartien): Westen gegen Moabit 3— 3(4H.): Friedrichshain II gegen Friedrichsfelde 2— 2; Lichtenberg II— Wedding II 2—7(1 H.): Prenzlauer Berg II— Humboldt- Hain II 3—6(1 H.): Westend— Treptow II 3)4 — 2)4(1 H.). Heute abend findet der Spielabend der Abttg. Westen bei Rickert, Steinmetzstr. 36a, statt. Internationale Boxkämpfe. In Oslo führte der norwegische Arbeitersportbund an zwei Tagen ein außerordentlich stark beschicktes internationales Boxkampfturnier durch. Finnland, Deutschland und Oesterreich hatten dazu ihre besten Boxer entsandt Vor fast 4000 Zuschauern gelangten 40 Kämpfe zum Austrag, in denen die Norweger am besten abschnitten. Der deutsche Borer Lam- pert war von den Gästen am erfolgreichsten.— Dreiundzwanzig nationale und Internationale Best- leistungen im Leben haben die ö st e r r e i ch i- schen Arbeitersportler in diesem Jahre aufgestellt. Auch den deutschen Gewichthebern gelang es, einige bestehende Bestleistungen zu verbessern. Da die Saison erst beginnt, dürfte noch einigen Höchst- leistungen der Garaus gemacht werden. Die„Dela", Deutsche Luslsport-Ausstellung 1932, ist, nachdem sie um eine Woche verlängert worden war, nunmehr am Sonntag endgüllig geschlossen worden. Annähernd 120 000 Personen passierten die Eingänge. Die Dela hat in allen Kreisen und ganz besonders bei unserer heranwachsenden Jugend großes Interesse ausgelöst. Sie wird sicherlich dazu beitragen, die Fliegerei zu fördern und volkstümlich zu machen. Besonders erfreu- lich ist es. daß das umfassende grundlegende Ausstellungsmaterial nicht in alle Winde oerstreut, sondern von interessierten Stellen zu einer Wanderausstellung verwendet wird. Eine Anzahl Städte hat sich bereits um die leihweise Ueber- lassung des Ausstellungsmaterials beworben.. Die Unkosten der Dela. die nnt Aufbau und Durch- führung verbunden waren, wurden durch die Ein- nahmen und durch die weitere Verwertung des Ausstellungsmaterials gedeckt. Arbeiter. Turner. Städtewelkkampf Dresden- Breslau. Das waren kunstturnerische Glanz- leistungen. die die Mannschaften im Trianon- Saal zu Dresden boten. Dresdens besseres Kön- nen am Reck gab den Ausschlag für den Sieg der Elbestädter. Gesamtergebnis: 293:283 Punkte. Ergebnisse am Borren: Dresden 199, Breslau 192 Punkte. Am Pferd: Dresden 188, Breslau 194 Punkt«. Am Reck: Dresden 206, Breslau 194 Punkts. Rilhtto« U.............................-■ 702"fl.; 3. Srllnlch 698 H.l 4. Äunje 698 fi.; 5. Buch 596 H.— Bester Eiirjilkegler Thiele lFrel Hole) imt 736 Holz.— Der Rückkampf findet Hannabend. 10. De. zember, 18 Uhr, im»ealerheim Loebel, Hpandan-Haken- f-ld«. statt. Kartell für Arbeitrrfport and»örperpfles-, Benrt Acddiag, Zur WahUandgebung WUlwrch, 3. November, im Lehrervereinshaus irelen die gemeldeten Hundertschafts- Mitglieder zum Haalfchutz um 1816 Uhr an. Alle Frauen und ölungmiidchen trelen zum Fahneneinmarsch um 19H Uhr an. Für alle anderen Teilnehmer 1916 Uhr. Achtung. Bereinsoarsihcnde! Jeder Verein IStzt durSi einen Lerireler Mittwach, 2. Ravember, ran>7 bis 18 Uhr, Wahlsluablätter und Rundschreiben van der Kartellge. schänsstelle, Karl Müller, Reinickendorfer Str. 47, abholen. FTSB. Die Teilnehmerinnen an der Epartlerversamm- lung am Mittwcch im Lebrcrvereinshaus bringen zum Fahneneinmarsch ihre Spartkleidung mit. Bexirkslartell Zlreuzberg. Die Mitglieder aller Vereine und Abteilungen beteiligen sich an der Wahllundgebung des Berliner Kartells Mittwcch, 2. November, 19u Uhr, im Lehrervereinshaus. Spartlerhundertschast tritt zum Saalschutz ISzh Uhr an. Armbinden mitbringen. VfL. vstring. Mittwach, 3» Uhr, Kundgebung im Lehrer« vereinshaus. RB. BvrwSrts Berlin S. B. Am Mittwoch, dem 3. Nv- vember. 18lz Uhr, Antreten aller H.. Mitglieder im Lehrer- vereinshaus. Pflichtveranstaltung. Ardeiter-Fata. Silbe Osten. Mittwach, 2. November, 20 Uhr, Jugendheim, Franlfurter Alle« 307, Arbeitsabend. Rundfunk am Abend Dienstag, den 1. November 1932 Berlin; 16.13 Menschen zwischen Stadt und Land(H. Brandt). 16.30 Aus Leipzig: Xacbmittagskonzert 17,45 Der Mann, der die Sprache der Vöfrel versteht(W. Ehlers). 18 03 Geistliche Chöre. 18.30 Bücherstunde (H. Franck). 18.35 Die Funkstunde teilt mit 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Ueber den Zeiten(H. Frentz). 19.30 Schallplattenstunde. 20.30„Der Ackermann und der Tod" von J. v. Saaz. 21.15 Zeitfunk. 21.30 Johann Sebastian Bach. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königs Wusterhausen: 16.30 Aus Leipzig: Nachmittagskonzert 17.30 Deutsche Männer im außerdeutsdien Südosten(Prof, Dr. K. K. Klein). 18 00 Neue Musikpädagogik. 18.30 Volkswirtschaftsfunk(Priv.-Doz Dr. Ha- senade). 18 53 Wetterbericht. 19.00 Philosophische Lesestunde(Prof. Dr. A. Dietricht (9.30 Zeitdienst 20 00 Aus Hamburg: Freie Straßen— freies Land(musikalische Hörfolge). 21.10 Aus Hamburg: Konzert. 22.10 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Aus Flensburg: Nordmark-Konzert Weiler für Berlin. Nach kalter Nacht am Tage Bewölkungszunahme und aufkommende Regen- neigung. Mäßige, auf Südwest zurückdrehende Winde.— Für Deutschland. Weslostwärts fort- schreitende.Wetterverschlechterung mit leichten Regenfällen. Nur im Osten und Südosten noch vorwiegend trocken mit zahlreichen Nachtfrösten. Hierzu I Beilage. Verantwortlich für Politik: Rudolf Brendemühl! Wirtschaft: G. Klingelhöfer: Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner: Feuilleton: Herber» L e- v b r e; Lokale« und Sonstiges: Fritz Karstädt: Anzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Berlin.' Verlag: Vorwärts-Verlag G. m. b H Berlin. Truck: Vorwärts-Buchdruckerei u. Verla gsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Llndenftr. 3. 1 Bezugs- bedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen-Ausgabe des„Vorwärts" veröffentlicht. TlteaUt Lidtlspiele ustv Arbeiter-Athleten tagen Nach der alljährlichen Versammlung der bundes- treuen Arbeiter-Athleten des 4. Kreises (Berlin-Brandenburg) kamen am Sonntag die Vertreter des Kreises zu einer außeroroentlichen Tagung zusammen, um den Bericht der Kreis- leiterkonferenz In Magdeburg, die einem Bundes- tag gleichkam, entgegenzunehmen und um wichtige Organisationsfragen zu beraten. Der Kreisvorsitzende Heinrich ließ hier das Ge- hörte und Geschaffene noch einmal Revue passie- ren. Der Bundesvorsitzende Strumpf erstattete den Delegierten in Magdeburg eipen Geschäftsbericht und der technische Leiter gab ihnen eine» Umriß der sporllichen Tätigkett. Wie die Arbetts- losigkeit und die Wirtschaftskrise jeden Verein und Der. and schwer treffen, so leidet natürlich auch die trotz allem festgefügte Organisation der Athleten darunter. Nach wie vor ist die Mitgliederzahl di« höchst« in der Sozialistijchen Arbeiterjport-Jnter- Thcolcr Dienstag, den 1. November Staatsoper unter oen Linden 20 Uhr Der Troubadour Staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Gabriel Schillings Flucht VOLKSBUHNE Theater am BUlewoiatx 0 I, Noreeo 29«. letzte 3 lultü rg. 8 Dbr Die Ratten Dorsch, Klöpfer. Wernlcke. Verhoeven, Hormey. Fein, Stein. Thau, Kurt Slettiner Sänger Reichshallen-Thealer 8.15 Sonntag 3.30 zu ermäßigten Preisen. meiodla des GlflcKs und das November-Prograinm sifldi.oper Chanotienbur Fraunhofer 0231 rurnug III Diengtag, I. Nov. 2» Uhr Oer Schmied von 6em NeaeliutudieroB« Bode.Mtll er, Friedrich. Gura, Burgwinkel. Sreier, OonMar, Outtinann Oombert, Baumann Dirigent: Brebach Deutsches Theater Weidend. 5201 8 Uhr Prliil filediidi von Hiirg Sdnnglil no H, i. lüiltt Regte: MaxRelnhardt Thflmig.Fehdmer Clausen. KayBIer Wegen er » Uhr Rose Sfrernd mit Paqla Wessely »v.uhr CASIHO- THEATER Loibrinit«r Strafte 3 7. •iiiniinimntuiiiiiimiiimiiimmiiiiuniiumiiiiiiiiniiKiiiiiiiMi Nor nod» bis 3. Norcmb�r auch Sonntags nachm. 4 Uhr Königin der lull Am 4. Norcmber snm i. Male: Die UeDe DIDht in Werter Gutschein lür di- Leser 1—4 Personen Faut 0.75 SU Sessel I 25 M.. Park.OJO M. fE Restaurant Berlins BETRIEB A% KftiWHSKnl-* KomOdienliaus SchtHbauerdamm 15 0 i WeMead, 6304— 05 Täglich HVt Uhi Auslandreise v.OiJterraldi>rii.liirs(b'eld Felix Bressart Maria Pandler Paul Heidemann Bisoarckstr.(Kola) Steinpl.(Cl) 6715 TtUlich 8". Uhr Robert und Bertram tlfrjj Jrrai. fhh ffindi, Snli SIdM NS 4 Ohr Täglich ix 9 Uhr | Dusessatione'IeKabarett-FragTunB Abendpreise I— 3 Mk. Nachm. GedecS» 25 | Jeden So-retem 1 1 V, Unr:H,-chl»crttelliirf BadstraßeSO Müllerstraße 174 Prenzlauer Allee 204 Rose- Tliealer iroSi Fmktgrtii Sinti 137 Welituii f' 3)22 8,15 Uhr Der Zigeuner- baron H. B. B Bfnaows Beate Bttae Kotibasser Sirale 6 früher„Elite- Säm-er" .Bier ROnoen Familien Kalles koenen' 131.3(4 U Soenl. sa±n.3'/i Preise von 5u Pf. an ie8sing-Tiiea:er ragi kv. uhi Grete Mosheim Oskar Homolka in Py0mailon Blumen iimiiuimumiiiiitiiiiiinini Paul GolleU Marlannenstr. 3 F8, Oberbaum 1303 Eine altbekannte Berliner Gaststätte im neuen teitgemäßen Gewände fVeu eröffnet binden-(Restaurant Spezial- Ausschank nontfmer IftwenDrfio Heu• ohiku• Birzei Pilsner Orqoeli aus dem Bürgerlichen \ Bräuhau» in Pilsen Tellergerichto» Schnellimbiß Münchner SpezioHtöten