Abend- Ausgabe Nr. 520 B252 49. Jahrg. Rebaktton und Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 37 Ami Dönhoff 292 bU 297 Tklezrammabrofi«: Sozlalbomvkrai Berlin BERLINER WWW? * j____ Al/fSihCM* VOLKS BLATT DONNERSTAG 3. November 1932 In Groß- Berlin 1 ll Pf. Auswärts....... 10 Pf. Jentvawvga« der SozialdemoSvatischsn Oavtei Deutschlands Der Verkehrsstreik k'ür gewerhsehaktliehe Disziplin! Die Belegschaft der BVG. Hat Heute morgen die Arbeit eingestellt. Berlin steht im Zeichen des V e r ke h r s st r e i k s. An- laß zum Konflikt bot die Notverordnungs- Politik, die eine Ungleichung der Löhne der Gemeindearbeiter an die der Reichsarbeiter vorschreibt. Obwohl es den Gewerkschaften gelungen war, eine erhebliche Milderung in der Ausführung zu erreichen, blieb immer noch eine weitere Lohnkürzung von 2 Pf. pro Stunde. Daß sich die Belegschaft dagegen zur Wehr setzte, ist um so verständlicher, als sie obendrein noch befürchten muß, daß dem jetzigen Lohnabzug nach einem Monat schon wieder ein neuer folgen könnte! Die Gewerkschaften haben angesichts des Ergebnisses der Abstimmung die Unter- Zeichnung des Abkommens abgelehnt. Sie haben den Vorsitzenden des Aufsichtsrats zu neuen Besprechungen aufgefordert, in denen eine V e r st ä n d i g u n g zur baldigen Bei- legung des Konflikts gesucht werden soll. Kommuni st en und National- s o z i a l i st e n sind freilich Erwägungen solcher Art unzugänglich. Sie sind zwar einig in der Meinung, daß es keine Streiks mehr geben darf, wenn sie einmal selber regieren werden. Bis dahin jedoch find sie für jeden Streik zu haben, wenn sie glauben, mit ihm zugleich ihre parteipolitischen Ge- s ch ä f t e fördern zu können. Wir meinen also, daß ein Weg der Ver- ständigung gesucht werden soll, um aus einer Situation herauszukommen, die für das Wirtschaftsleben ganz Berlins schwere Ge- fahren in sich schließt. Die BVG.-Arbeiter aber müssen einsehen, daß die berufenen Vertreter ihrer Interessen in den G e- w e r k s ch a f t e n zu suchen sind und nicht dort, wo man am Feuer eines Lohnstrekts kommunistische oder national- sozialistische Parteisuppen kochen möchte! ReichsratS-AuSschuß Näekwte Woche neue Sitzung Im großen Reichsratssitzungssaal trat am Don- nerstag vormittag der Ausschuß des Reichs- rats für Verfassungs- und Ge- schästsordnungsfragen zusammen. Den Vorsitz führte Reichsinnenminister Freiherr von Gayl, der in Begleitung des Staatssekretärs Zweigert, des Ministerialdirektors Gottheiner und verschiedener anderer seiner Beamten erschienen war. Für Preußen waren die Ministerialdirektoren Brecht und B a d t anwesend. Außer den Län- dern, die durch ihre chauptbevollmächtigten ver- treten waren� waren auch die Vertreter der Pro- vinzen vollzählig erschienen. Auf der Tagesord- nung der Ausschußsitzung steht offiziell die Geschäftslage des Reichsrats. Tatsäch- list soll bekanntlich diese Aussprache, die als Ersatz für eine offizielle Auseinandersetzung zwischen dem Reich und der Preußenregierung beiderseits oerein- bart worden ist, eine vertrauliche Erörte- r u n g über die bestehenden Meinungsverschieden- heiten ermöglichen. Ein Antrag auf Einberufung des Ausschusses lag schon seit längerer Zeit von dem Vertreter der Rheinprovin.; Dr. Hamacher vor. Dieser Antrag wurde sofort mit der Besprechung verbunden. Die Ausschußsitzung des Reichsrats war von etwa einstündiger Dauer. Man einigte sich dahin, daß in der nächsten Woche eine neue Sitzung des Berfasiungsausschusses stattfinden soll, m der die Verfassungssragen besprochen werden sollen Im Anschluß an die heutige Sitzung fand jedoch eine interne Besprechung der Haupt- bevollmächtigten der verschiedenen Länder ohne Beteiligung der Reichsregie- r u n g über das weitere Verhalten der Länder statt. Berlin ohne Verkehrsmittel Ansturm auk Stadtbahn, Autos und Fahrräder Für den größten Teil der Berliner Bevölkerung ist der Ausbruch des Verkehrsstreiks vollkommen überraschend gekommen. Nur einige Straßen- Passanten, W gestern gegen Mitternacht aus den politischen Versammlungen kamen, konnten t o m- munistische Gruppen beobachten, die, auf den Fahrdämmen entlangziehend, allen Fahrern und Schaffnern der Straßenbahn zuriefen: „Morgen ist Streik! Kurbel raus!" In- zwischen war aber das Abstimmungsergebnis in der Reichshauptstadt bekanntgeworden, das be- kanntlich die nach den Statuten des Gesamwer- bandes notwendige Mehrheit nicht gebracht hatte, Tie Verhandlungen zwischen den Ge- »verkschasten und dein Aufsichtsrat der BVG. sind gescheitert. Tie Gewert- schasten haben ihre alte Forderung— unveränderte Verlängerung des Lohn- und Manteltarifes— bei diesen Verhandlungen wieder aufgenommen. Die Verhandlungen sind jedoch an dieser For- derung gescheitert. Ter Vorsitzende des Aufsichtsrats, Bür- gcrmeister Tr. Elsas, hat daraufhin den äüild rom Straßenbahnhof: 3)er Verkehr fleh! füll so daß jedermann annahm, es würde Donnerstag früh wohl kaum zu einem Streik der Berliner Verkehrsmittel kommen. Um so größer war die Ueberraschung, als heute früh an den Haltestellen der Straßenbahn und der Autobusse Flugzettel der„Revolutionären Ge- werkschaftsopposition" angeklebt waren, statt daß die Fahrzeuge verkehrten. Die U-Bahnhöfe hatten erst gar nicht ihre Tore geöffnet, sondern blieben verschlossen. Am U-Bahnhof Friedrichstraße hatten Nationalsozialisten Streikposten aus- gestellt, die sich Schilder umgehängt hatten:„Hier streikt die NSBO." Diese„Streikposten" waren jedoch nicht Angehörige der BVG., sondern SA.- Leute. So war, trotzdem die Verkehrsmittel heute im Straßenbild fehlten, das Straßenbild ein ungemein belebtes. Lange Kolonnen mit Regen- schirmen marschierten ihren Arbeitsstätten zu, die viele Arbeiter und Angestellte allerdings nur verspätet erreichen konnten. Am Stettiner Bahnhof waren die ersten wilden„V e r k e h r s g e s e l l s ch a s t e n" zu sehen. Hier hatten Lastkraftwagen mit Stühlen und Bänken Aufstellung genommen und eine Verkehrslinie Stettiner Bahnhof— Hallesches Tor— Hermannplatz eingerichtet. Gegen 10 Uhr fuhren die Besitzer dieser Lastwagen jedoch wieder nach Hause, denn die Benutzung dieser wilden Fuhr- werke war so gering, daß die Unternehmer keine Geschäfte machen konnten. Die Werktätigen Berlins haben nicht mehr soviel Geld, daß sie mehrere Mark für eine Fahrt von den Köpfbahn- Höfen der Vorortbahn in die Innenstadt ausgeben können. I�ein S-Bahnstreik Geflissentlich werden Gerüchte in Umlauf gesetzt, daß ab 12 Uhr auch die Eisenbahner der Stadt- und Ringbahn in den Streik treten. Wie uns mit- geteilt wird, liegen bis jetzt keinerlei Anzeichen dafür vor, daß die 8-Bahner sich dem Streik des BBG.-Personals anschließen,.zumal bei der Reichsbahn gegenwärtig kein Konslikt besteht. Allerdings sind Kräfte am Werk, die den Sympathiestreik nicht nur bei der Stadtbahn, sondern auch in den städtischen Werken fordern. Auch die Reichsbahndirektion Berlin erklärt, daß ein Streik bei der Stadt- und Ring- bahn nicht zu befürchten ist. Tchlichtungsausschust angerufen. Der Vorsitzende des Tchlichtungsaus- fehusses hat die Parteien zu heute nach- mittag 4 Uhr geladen. Amtliche Erklärung Das Nachrichtenamt der Stadt Berlin teilt zu dem Streik bei der BVG. mit: Im allgemeinen wird sonst der Betrieb der Straßenbahn schon morgens um 4 Uhr, der der U- B a h n um 3 Uhr ausgenommen. Heute morgen hatten sich an fast allen Betriebsbahnhöfen Arbeitswillige für alle Verkehrsmittel eingefunden. Das arbeitswillige Personal bei der U-Bahn reichte jedoch keineswegs aus, um den Betrieb aufzunehmen. Vor fämt- lichen Betriebsbahnhöfen haben bereits während der Nacht Streikposten jeden Arbeitswilligen am Betreten des Bahnhofs gehindert. Polizeilicher Schutz ist noch in der Nacht eingesetzt worden, um die Anlagen zu schützen. Ebenso wie auf der U.-Bahn konnte auch der Omnibusverkehr überhaupt nicht aufgenommen werden. Bei der Straßenbahn ergibt sich folgende- Bild: Der Betrieb wurde teilweise aufge- n o m m e n, und zwar fahrplanmäßig von der Linie 3, die jedoch am Alexairderplatz ausgehalten wurde. Mit llnlerstühung des sympalhsiierenden Publikums bedrohten die Streikenden die Straßenbahnschaffner, schlugen teilweise die Fenster ein und zwangen die Führer, in den Betriebsbahnhof zurückzu- fahren. Dieselbe Situation entstand für die Wagen der Linie 141. Die Linien 54 und 154 hatten von Spandau aus den Betrieb ausgenommen. An der Gedächtniskirche wurden sie jedoch aufgehalten und da? Publikum wurde gezwungen. die Wagen zu verlassen. In einem Falle entwendete man dem Weichensteller die Stange/ in einem anderen durch Schnitt die Leine der Stromabnehmerstange, so daß die Wagen nicht weiter fahren konnten. In vielen Fällen wurden die Wagen mit Steinen beworfen und die Fensterscheiben zertrümmert. Auch hatte man die Weichen teilweise mit Sand und Steinen gesperrt. Noch«he eine polizeiliche Hilfe eintraf, wurden auf den Höfen in Britz, Spandau und Müller- straße mehrere Straßenbahnwagen beschädigt. Die Bahnhöfe Köpenick, Weihensee, Treptow, Ober- schöneweide und Westfälische Straße haben über- Haupt keinen Betrieb ausgenommen. Augenblick- lich besteht nur noch ein Pendelverkehr zwischen Tegelort und Heiligense«. Nach den letz- :en Mitteilungen ist bereits aus einer Strecke ein Teilverkehr ausgenommen worden. Zwei Wagen der Linie 75 sind von Spandau nach Kupfer- graben unterwegs: sie werden von einem Polizei- streifenwagen begleitet, um zu vermeiden, daß während der Fahrt Streikende mit Unterstützung des Publikums die Fahrer angreifen und zur Rückkehr zwingen. Stellung der Gewerkschaften Die an dem Konflikt mit der BVG. beteiligten Gewerkschaften haben gestern abend den Obleuten die Weisung erteilt, sich irgendwelchen Gewalt- androhungen der Streikkomitees der Kommunisten und. Nazis nicht zu widersetzen, sondern Gewehr bei Fuß zu stehen. Dementsprechend hat sich auch das Personal verhalten, als heute früh die Arbeit aufgenommen werden sollte. Heute vormittag waren die Ortsverwaltungen der Gewerkschaften versammelt, um zur Gesamt- läge Stellung zu nehmen. Die Sitzung wurde unterbrochen, da der Vorsitzende des Aufsichtsrats Bürgermeister Dr. Elsas die Gewerkschaften zu einer gemeinsamen Besprechung mit der Direktion und dem Aufsichtsrat geladen hat. Inzwischen sind auch die gewerkschaftlichen Funktionäre zu einer Konferenz zusammenberusen worden. Die Gewerkschaften haben im übrigen zur Lage in folgender Erklärung Stellung genommen: „Die vom Arbeiterrat der BVG. durchgeführte Urabstimmung hat eine Mehrheit für die Annahme des Verhandlungsergebnisses der Gewerkschaften nicht erbracht. Nach Ansicht der am Tarifvertrag beteiligten Verbände ist aber auch keine Streikmehrheit erreicht wor- den. Die Gewerkschaften sehen sich daher �außerstande, auf Grund dieser Situation einen neuen Lohntarifvertrag abzuschließen. Die Vertreter der Verbände sind zu heute mittag von dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats zu Verhand- lungen geladen worden. Sie haben sich bereit er- klärt, der Einladung des Aufsichtsratsvorsitzenden Folge zu leisten." Sturm auk die Stadtbahn Die überraschende Stillegung von Straßenbahn, U-Bahn und Autobus war in den Morgenstunden für die Hunderttausende Arbeiter, Angestellte und Beamten, die an ihre Arbeits- und Dienststellen wollten, von geradezu katastrophalen Folgen. Taufende legten den oft stundenlangen Weg zu Fuß zurück. Wer aber irgendwie die Möglichkeit hatte, mit der Stadtbahn fahren zu können, be- nutzte schleunigst diese Gelegenheit. Es setzte ein ungeheurer An stürm auf die Stadt- bahnzllge ein. die bald sämtlich bedrohlich überfüllt waren. Die Züge erlitten zun: Teil er- hebliche Verspätungen. Autodroschken waren in der Stadt und in den Außenbezirken ein sehr gesuchtes Objekt. Oft beobachtete man drei, vier oder fünf Passanten, einander völlig unbekannt, die sich gemeinsam eine Taxe mieteten, um so schnell wie möglich in die Stadt zu kommen. Außer- ordentlich bezeichnend war die Haltung vieler männlicher und weiblicher Angestellten, die voll offensichtlicher Unruhe und Sorge darüber waren, daß sie nicht rechtzeitig ins Geschäft kommen wür- den. Man wird angesichts der Lage von allen Chefs weitestgehende Rücksicht- nähme auf ihre Angestellten erwarten dürfen, besonders auf jene, die weitab von den Stadt-, Ring- und Vorortbahnen wohnen. Zehntausende Radfahrer unterwegs Durch den überraschenden Streikbeschluß bei der BVG. sind viele Berliner, die zur gewohnten Schmeißt ihn raus! Oer Staatsstreich von Eutin Stunde sich zur Arbeitsstelle begeben wollten, ge- zwungen gewesen, sich anderer Verkehrsmittel zu bedienen. Bereits in der K. Morgenstunde Hatto n die Tori ein Geschäft, wie sie es seit Iahren nicht beobachten konnten. Besonders in der 8. Stunde war kaum eine leere Taxe zu sehen. In den Außenbezirken hatten die An- gestellten und Arbeiter, als sie von dem Streik erfuhren, die Räder vom Boden und aus den, Keller geholt, um auf diese Weise in die Stadt zu gelangen. Man konnte besonders in der Innenstadt, aber auch in den Jndustriegegenden Zehn tau sende von Rädern auf den Straßen beobachten. Größere Autodroschkenfirmen erwägen bereits, olMsie nicht den stillgelegten Part wieder in den Betrieb einsetzen können. Aller- dings wollen sie erst abwarten, wie die Aussichten des Streiks liegen. Eine Schwierigkeit besteht allerdings darin, daß mit der chaftpflichtversiche- rung und mit dem Polizeipräsidium eine Regelung getroffen werden muß, da die neu in Betrieb ge- nommenen Wagen nach Beendigung des Streiks wieder aus dem Verkehr gezogen werden nnißten. Alle Kraftdroschken im Verkehr Der Polizeipräsident hat angeordnet, daß sämt- liehe Kraftdroschken, soweit sie verkehrssicher sind, sofort in Betrieb genommen werden dürfen. Der Fall Niels �Vas hat der Oberregierungsrat ausgesagt? In dem Konflikt zwischen dem Reiche und Preu- ßen hat die Reichsregierung ihr gewaltsames Vorgehen vom 20. Juli sowohl damals wie später vor dem Staatsgerichtshof damit zu moti- vieren versucht, daß der preußische Staatssekretär A b e g g vom Ministerium des Innern kommu- nistischen Fuhrern Rotschläge erteilt habe, wie sie nach außen hin Legalität vortäuschen könnten. Diese Anschuldigung beruhte aus dem Zeugnis des Regierungsrats Diels, der nach der Einrich- tung des Reichskommissariats mit auffälliger Schnelligkeit zum Oberregierungsrat auf- ruckte. Staatssekretär A b e g g hat die Dar- stellung des Oberregierungsrats Diels von Anfang an auf das energisch sie be st ritten. Das„8 Uhr-Abendblatt" hat nun zu dieser Sache Mitteilungen gemacht, die geeignet sind, die Glaubwürdigkeit des cherrn Diels auf das schwerste zu erschüttern. Nach der Behaup- tung dieses Blattes hat Herr Diels dem Rechts- beistand des Staatssekretärs Abegg, dem Rechts- anwalt Dr. Feder, freiwillig eingestanden, daß er niemals eine derartige Beschul- digung gegen Abegg erhoben habe und daß von einer Handlungsweise des Staats- sekretärs Abegg, wie sie seitens der Reichsregie- rung ihm zur Last gelegt wird, nicht die Rede ,is e i n könne. Demgegenüber erklärte die Reichsregierung in einem amtlichen Dementi, daß die seinerzeitigen Aussagen oes Oberregierung-rats Diels pro- tokolliert worden seien und absolut klar und eindeutig waren. Die Aeußerungen Diels gegenüber dem Rechtsanwalt Dr. Feder könnten unter diesen Umständen nicht als stich- h a l t i g angesehen werden. Dr. Feder hat im.B-Uhr-Abendblatt" seine Bc- Häuptlingen vollkommen aufrechterhalten. Wie wir nun weiter erfahren, ist dies für die Reichsregierung ein Anlaß gewesen, um das „8-llhr-Abendblatt" mit einer Auflagenach- richt zu versehen, die es am heutigen Tage an der Spitze des Blattes bringen muß. In dieser Auflagenachricht heißt es: Die Behauptung, daß Oberregierungsrat Diels unlängst den Rechtsbeistand des Staatssekretärs Abegg, Rechtsanwalt Dr. Feder, in seinem Büro aufgesucht und ihm hierbei Mitteilungen über den Inhalt seiner Aussagen gemacht habe, ist ebenfalls frei erfunden. Dieser Satz, der für unkundige Leser das ganze Gespräch Feder-Diels als nicht gewesen und er- sunden hinstellt, klammert sich in Wirklichkeit an eine Aeußerlichkeit. Er ist so zu lesen, daß der Ton auf den Worten„in seinem Büro" und „hierbei" liegt. Es ist nämlich in der Dar- stellung des„8-Uhr-Abendblattes" nur der ein» nebenfächliche Umstand unzutreffend gewesen, daß die betreffende Besprechung im Büro des Herrn Dr. Feder stattgefunden habe. Sie hat stattgefunden im Haus der Berliner Pres s e, Tiergartenstraße. Daß die Unterredung als solche stattgefunden und den im„8-Uhr-Abend» blatt" wiedergegebenen Inhalt gehabt hat, kann jederzeit durch das eidliche Zeugnis des Dr. F e d e r sowie auch durch das von ihm gleich im Anschluß an die Unterredung angefertigte Protokoll nachgewiesen werden. Wenn man in dieser Sache der Reichsregierung bzw. dem Reichskommissar selber den besten Glauben zubilligen will, so steht doch die Unzu- verlässigkeit des Zeugen, auf den sie ihre Annahme über das Verhalten des Staats- sekretärs Abegg stützt, nach diesen Borgängen fest. Herr Diels, der gegenüber der Reichsregierung den Mund voll nimmt, gegenüber dem Rechtsbei- stand des Dr. Abegg wehmütig alles widerruft, er kann als klassischer Zeuge— und am allerwenigsten einem Mann wie Dr. Abegg gegenüber — wahrlich nicht gelten. Mögen Papen und Bracht subjektiv von der Aussage des Herrn Diels überzeugt gewesen sein, objektiv oerdiente dieser Mann keinen Glauben und damit war auch objektiv das an seine Aussage geknüpfte Vorgehen der Reichsregierung gegen Preußen un- berechtigt. Wie die Papen fungen, so zwitschern die Jungen. Der H i n a u s w u r f des Bürgermeisters von Cutin durch den nationalsozialistischen Regierungspräsidenten Böhmcker, worüber wir be- reits im Morgenblatt berichteten, hat aber nicht nur eine groteske, sondern auch eine sehr ernste Seite. Wie nämlich der hinausgesetzte Bürger- meister Dr. Stoffregen in der Hugenberg-Presse erklärt, liegt der tiefere Grund seiner gemalt- samen Absetzung darin, daß die Nationalsozialisten unter allen Umständen die von ihm angelegten Akten über die holsteinischen Bom- benattentätcr in die Hand bekommen wollten. Dr. Stoffregen führt darüber folgendes aus: „Die städtische Polizei hat in dieser An- gelegenheit sehr erfolgreich gearbeitet, und die Staatsanwaltschaften in Altona und in Lübeck haben mir als dem Inhaber der Polizei- gewalt ausdrücklich strengstes Still- schweigen auferlegt. Alle Versuche der Nationalsozialisten, näheres über die Ermitt- lungsergebnisse in Erfahrung zu bringen, blieben daher auch erfolglos, so daß sie sich schließlich zu einer Gewalt maß- nähme entschlossen haben. Ich wurde heute abend durch ein Kommando von drei Mann, sozusagen unter polizeilicher Bedeckung, auf die Straße geführt. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte wurde ein nationalsozialistischer Angestellter der Regierung, namens Kahl, der auch Magistratsmitglied in Eutin ist, beauftragt." Die Zustände unter der„grundsätzlich neuen Staatsführung" spotten jeder Beschreibung. Die Absetzung des politischen Gegners mit Brachial- gewalt zu dem Zwecke, politische Parteigänger der Strafverfolgung zu entziehen,— das ist der „autoritäre Rechtsstaat", wie er leibt und lebt. Wer will, daß wieder die elementarsten Grundsätze von Recht und Gesetz gegenüber einer schrankenlosen Willkür hergestellt werden, der sorge am ö. November dafür, daß jeder L i st e 2 wählt! Rover erklärt was Nach der neuesten Heldentat der Röver-Regie- rung wird unsere Leser eine Zuschrift dieser Regierung an den„Vorwärts" interessieren, die Herr Röver irrtümlich als„Berichtigung" gemäß § 11 des Pressegesetzes bezeichnet. Das„Staats- niimstenuin" von Oldenburg schreibt uns nämlich: „Die in dem Artikel„Die Nazipleite von Oldenburg", der in der Nr. 301 Ihrer Morgen- ausgäbe vom Sonntag, dem 23. Oktober 1932, er- schienen ist, enthaltenen Mitteilungen: „Braune Parleibuchwirtschast", „Ganz einseitig ist die Personalpolitik der Regierung". „Zum anderen stoßen sie sich an der ewigen öffentlichen Schimpferei des winisterpräsi- deuten Rover", Amtlich wird mitgeteilt: Der Reichspräsident hat durch eine auf Grund des Artikels 48 Abs. 2 der Reichsverfassung erlassene V e r o r d- nung ein mit dem Wahltage in Kraft tretendes Verbot aller öffent- lichen Politischen Versammlun- gen, also auch solcher in geschlossenen Räumen, erlassen, das zu dem in Kraft bleibenden Demonstrationsverbot Nazifehütze verhaftet Nach Fahnenraub gewalttätig Düren.?. November. Gestern nachmittag riß ein junger National- sozialist am Ge werkschaftshaus eine rote Fahne mit den drei Pfeilen ab. Er wurde daraufhin von einigen Reichsbanner- leuten gestellt. Es kam zu einem Kampf, in dessen Derlauf der Nationalsozialist eine Pistole zog und mehrere Schüsse abgab. Ein Reichs- bannermann erhielt einen Unterschenkel- und einen Streifschuß. Der Nationalsozialist, der nunmehr flüchtete, konnte in der Znnenstadt verhaftet werden. Die Schießerei in Meiderich Duisburg, 3. November. Zu den politischen Zusammenstößen, die sich am Sonntag im Stadtteil Meiderich ab- spielten und bei denen ein13jährigerKnabe erschossen wurde, veröffentlicht die Politische Polizei einen Bericht, in dem es heißt, daß nach einwandfreien Feststellungen und nach dem Ge- ständnis von vier Mitgliedern der NSDAP., die an den Zusammenstößen betei- ligt waren, dies« Schußwafjenmitgeführt „Der Ministerpräsident belegte diese Haltung der verantwortlichen kirchlichen Personen mit den schärfsten Ausdrücken und Drohungen" sind unrichtig. Die getriebene Peamtenpolitik ist vollkommen eindeutig im Sinne des Derussbeamtentums. kein nationalsozialistischer Landesbeamter genießt einen Vorzug vor anderen Landesbeamten. Die Staatsanwaltschaft hat das Strafverfahren gegen den oldenburgischen Ministerpräsidenten wegen Bedrohung des Oberkirchenrats in der be- kannten Kwami-Angelegenheit eingestellt, da die Nachforschungen nicht den Schatten eines Beweises gegen ihn erbrachten. Röver." Ganz abgesehen davon, daß der Herr Minister- Präsident und Nazigauleiter Röver das Presse- gesetz herzlich schlecht kennt, ist diese Zuschrift doppelt interessant, weil sie durch den Staats- st reich von Eutin sofort die s ch l a g e n d st e Widerlegung fand. Zu allem übrigen wird noch bekannt, daß die Nazimehrheit der Stadtverordneten von Stadt Oldenburg soeben die Amtsentsetzung des nicht-nationalsozialistischen Oberbürgermeisters be- schlössen und das Staatsministerium aufgefordert hat, daraus die Konsequenzen zu ziehen. Röver kann also wieder eine Abteilung Schwartauer schicken, um zu beweisen, daß„die getriebene Beamtenpolitik" ganz dem Gesetze ent- spricht. Nazi-Brandbomben Ein neuer Schandstreich Eigener Bericht des„Vormärls" Hamburg, 3. November. In dem Allonaer Stadtteil Klein-Flottbek fand am Mittwochabend eine von der Sozialdemo- kratifchen Partei einberufene Versammlung statt, in der der Oberbürgermeister der Stadt Altona, Max B r a u e r, als Redner angekündigt war. Kurz vor Beginn der Versammlung wurde von einer Gruppe Nationalsozialisten in einen Neben- räum des Lokals eine Brandbombe ge- schleudert, die sofort einen Schrank und andere Holzteile in Brand setzte. Wäre das Feuer nicht rechtzeitig entdeckt worden, so hätte das Attentat bei einem Uebergreifen des Brandes auf das überfüllte Versammlungslokal ein furcht- bares Unglück anrichten können. Daß das Attentat wohl vorbedacht war, geht aus einer Drohung hervor, die von SA.-Leuten gegen Oberbürgermeister Brauer in einer früheren Versammlung ausgesproochen wurde, indem man ihm, als er von dem SA.-Mord in Potempa sprach,.zurief:„Auch du kommst an die Reihe!" Außerdem hat man dem Inhaber des Lokals, auf das das Attentat verübt wurde, am Abend vorher durch SA.-Leute sagen lassen:„Morgen bei der SPD.-Versammlung könnt ihr was erleben!" hinzutritt. Das Verbot aller öffentlichen politischen Versammlungen ist auf die Tage vom ll. bis IS. November 1 S!i S befristtet. Zweck dieses Verbots ist es, daß nach Abschluß des Wahlkampfes eine Entspannung der durch ihn hervor- gerufenen starken politischen Erregung eintritt, und daß den Polijeibeamten, an deren Dienst die letzten Wochen erhöhte Ansprüche gestellt haben, eine Ruhe- und Erholungspause gegönnt wird. und daraus geschossen haben. Ein fünftes Parteimitglied will aus einer Schreckschußpistole geschossen haben. Während im Laufe der Ermitt- lungen 14 Personen wieder entlassen werden konnten, wurden heute neun Beteiligte dem Unter- fuchungsrichter vorgeführt. Verderbet Deutschlands Sie dürten nicht plakatiert werden E i s e n a ch, 3. November. Am Volkshaus in Eisenach halte die Sozial- demokratische Partei ein 4 Meter langes Mahl- plakat mit der Ausschrift:„Die drei Der- derber Deutschlands" aufgehängt. Recht, und links aus dem Plakat befanden sich die Bild- nisse Hitlers und T h ä l m a n n s, in der Mitte ein unbekanntes Gesicht mit der Freiherrnkrone. Das Plakat erregte den Unwillen der Polizei. Gestern nachmittag erschien ein Kriminalbeamter in Begleitung von zwei uniformierten Beamten und ließ unter spöttischen Zurufen der Arbeiter das Plakat abnehmen. Zwei Genossen, die das Trans- parent zur Polizei bringen sollten, lehnten das ab: der Beamte mußte sich selbst damit abquälen. Harzburger Wahrheiten Oering: SA. half den feinen Leuten Je heftiger der Wahlkampf wird, um so er- bitterter werden die Angriffe der Nazis gegen die Deutschnationalen. Am letzten Sonnabend sprach Herr G ö r i n g in Frankfurt a. M Nach dem Bericht des„Völkischen Beobachters" zeichnete er dabei in schärfster Weise Herrn Hagenberg und die Deutschnationalen, die jetzt ihre Maske sollen ließen. Intelligenz und Gemeinheit hätten sich hier vermählt. Außerdem aber fügte Herr Göring hinzu:„Unsere SA. war es, die die Straße erst wieder frei machte, damit die Hugenbergianer heute in Frack und Zylinder überhaupt noch Feste feiern können." Aus- gezeichnet, Herr Göring, und in jeder Beziehung richtig! Die SA. Adolf Hitlers, die nichts für das deutsche Volk geleistet hat, kann ein Verdienst unwidersprochen für sich in Anspruch nehmen: sie hat den Hugenbergianern die Möglichkeit gegeben, in Frack und Zylinder Feste zu feiern, während das Volk hungert!_ Im Tiergarten erschossen Auf einer Bank im Tiergarten wurde heute früh«in junger Mann erschossen aufgefunden. Nach dem Befuno scheint Selbstmord vorzu- liegen. Der Lebensmüde, ein 23jähriger Alfred K. aus der Friedeberger Straße, hatte sich aus einer Pistole, die neben dem Toten lag, einen Schuß in die Herzgegend beigebracht. Das Motiv zur Tat ist noch unbekannt. Kriegsgericht tagt Oer Lintergang der„Niohe" kiel, 3. Novemer. Heute früh begann pünktlich vor dem Kriegs- gericht des Befehlshabers der Aufklärungsstreit- kräfte die Verhandlung gegen den Kommandaiiten des gesunkenen Segelschulschisfes„N i o b e". Ka- pitän R u h f u s. Die Verhandlung wird geleitet von dem Marinelriegsgerichtsrat Schuck. Als Anklagevertreter amtiert Marinekriegsgerichtsrat Becker. Dem angeklagten Kommandanten stehen als Verteidiger ein Seeoffizier, Kapitänleutnant R o g g e, und«in Jurist, Rechtsauwalt R a t h j e. zur Seite. Das Kriegsgericht fetzt sich zusainmen aus einem Marinekriegsgerichtsrat und zwei Bei- sitzern. Von den Beisitzern ist nach gesetzlicher Bc- stimmung einer im Range eines Kapitänleutnants, der andere im Range des Angeklagten, in diesem Falle also ebenfalls ein Kapitänleutnant. Die Anklage legt zunächst die Umstände dar, unter denen das Unglück stattfand. Sie verweist darauf, daß eine strafrechtliche Verantwortung für den Wachoffizier nicht in Frage kommt, da der Kommandant seit IVj Stunden an Deck war und die Schiffssllhrung in die Hand ge- uommen hatte. Das Entstehen einer dunklen Wolkenwand über Fehmarn wurde von der Schifssführung rechtzeitig beobachtet und sorg- fältig verfolgt. Die Obersegel wurden geborgen. Für die Wache wurde Oelzeug ausgegeben. Im übrigen wurde der übliche Dienst fortgesetzt, da beunruhigende Anzeichen nicht zu beobachten waren. Um 14.27 Uhr erfolgte plötzlich der Ein- fall einer Bö. die das Schiff in ganz kurzer Zeit flach aufs Wasser drückte. Die sofortige gefähr- liche Schräglage hat den Versuch vereitelt, das Schiff durch Ruderlegen aufzurichten. Hakenkreuzpaftoren Die Hakenkreuzseuche unter den pro- t e st a n t i s ch e n G e i st l i ch e n hat in den letzten Monaten auch in Bayern, vor allem im fränkischen, so stark um sich gegriffen, daß der Präsident des evangelisch-lutherischen Landes- kirchenrats sich zum Einschreiten gezwungen sieht. Im Kirchenamtsblatt wendet er sich mit einem Wort„ernstester Mahnung" grundsätzlich gegen die politische Betätigung der Geistlichen über- Haupt und verurteilt im besonderen die national- sozialistische Gruppe des protestantischen Klerus, die die unbedingt einzuhaltende Linie der geböte- nen Zurückhaltung weit überschritten und den Die n st der Kirche geschädigt habe. Der Kirchenpräsident verpflichtet alle Geistlichen, sich unbeschadet ihrer eigenen politischen Ueberzeugung im öffentlichen Auftreten einer streng Überpartei- lichen Haltung zu befleißigen und will seine Be- kanntmachung als letzte Warnung gewertet wissen, damit es ihm erspart bleibe, gegen Träger des geistlichen Amtes vorgehen zu müssen. »Vorwärts'-Händler niedergeschlagen Heute morgen gegen Viö Uhr wurde Genosse Fritz Schmidt, als er am Straßenbahnhof II, Müllerstraße, den„B o r w ä r t s" verteilte, von Nazis und Kommunisten hinterrücks überfallen und der Zeitungen beraubt. Nur dem Zufall, daß gerade eine Schupo st reife vorüberkam, ist es zu danken, daß Gen. Schmidt keinen ernst- lichen Schaden erlitt. Die Radikaldemokralische Parle! legt Wert auf die Mitteilung, daß sie ihre Reststimmen aus den Wahlkreisen der Reichsliste der Sozial- demokratischen Partei zuführt. papen verordnet Frieden Nach dem Wahltag darf keine Versammlung stattfinden Der neue Prozeß Bullerjahn Oberreichsanwalt will wieder hinter verschlossenen Türen verhandeln— Reichsgericht lehnt ab Die Gottgesandten...! Ga�I will leben oder— sterben! Adolf Hitler liebt es. sich in seinen mystisch- verworrenen Reden als ein W e r k z e u g der Vorsehung hinzustellen, das dazu ausersehen ist, dem deutschen Volke die Rettung zu bringen. Solche Geste läftt auch die Allcrchristlichsten nicht schlafen, die heute die Reichsregierung bilden und sich bemühen, den„christlichen Staat" wieder aufzurichten. P a p e n ist ein st r a m m e r K a- t h o l i k, war, trotz geschäitlicher Neigungen, bis vor kurzem sogar Jentrumsabgeordneter. Frei- Herr von G a y l dagegen, fein Gehilfe in inneren und Verfassungs(änderungs)sragen, ist ein ebenso st ramm er Protestant. Als solcher hat er gestern auf einer Veranstaltung des Gustav- Adolf-Bereins eine Rede gehalten, in der er— augenscheinlich in bewutztem Gegensatz zu dem Katholiken Papen— sich als evangelischer Reichsinnenminister vorstellte und dabei die fol- genden netten Satze einfliehen ließ: „Es ist nun einmal so in der Welt, dag Männer die Geschichte machen, die sich rück- haltlos einsetzen für das als richtig er- kannte Ziel bis zum Einsatz ihres Lebens... So eingestellte Männer machen Die fconarilla Die Meldung des„Vorwärts" von einem Zehnmänner-Gremium, das Gayl bei seinen Verfassungsplänen berät, wird offiziös bestätigt. v. Gayl:„Immer herein, raeine Herren. Wer Sie sind, braucht das Volk nicht zu sehen! Das ist autoritäre Staatsführung." Geschichte, und sie bleiben lebendig im Herzen des Volks. Das Volk will wisse», dah seine füh- renden Männer jede Stunde bereit sind, sich per- sönlich einzusehen und für die Erreichung ihres Zieles mit dem Leben zu zahlen, wenn dieses Ziel keine Erfüllung persönlichen Ehrgeizes, son- dern eine große, tragende Idee von volksweiter Bedeutung ist. Im Lärm und in der wider- l i ch e n Hetze und Verdrehung, die heute in unserem öffentlichen Leben herrschen, tritt diese Sehnsucht des Volkes nach Männern, die sich tat- sächlich einsetzen, scheinbar in den Hintergrund, oft zugunsten volkstümlich redender Demagogen. Dennoch besteht si«... Alle wirklich großen Führer eines Volkes oder einer Glaubensgemeinschaft sind Gottes Werkzeuge ge- wesen, gleichviel, ob sie sich dessen bewußt waren oder nicht." Das klingt beinahe so großartig, als ob es von Friedrich Wilhelm IV gesprochen wäre! Wir nehmen geziemend davon Kenntnis, daß die Regierung der Barone nach ihren Ankündigun- gen„Geschichte machen" will. Wir nehmen ferner Akt davon, daß zumindest Baron Gayl, da er doch als evangelischer Reichsinnenminister seine Verfassungsänderungspläne durchsetzen will, sich als Werkzeug Gottes betrachtet, bereit ist, f ü r seine AbsichtenZein Leben zu lassen! Bescheiden, wie es sich für Untertanen gebührt, warten wir darauf. Der neue Präsident des Archäologischen Institutes, Professor Theodor W i e g a n d in Berlin, ist soeben vom Reichskabinett zum kommissarischen Präsidenten des Archäologischen Instituts ernannt worden. An Stelle des bisherigen Präsidenten Professor Gerhart Rodenwaldt, der die ordentliche Professur für klassische Aechäologie an der Uni- versität Berlin angenommen hat. Professor Wiegand, der dieser Tage sein 68. Lebensjahr vollende, hat mit seinen Ausgrabungen in Priene, Milet, Baalbek praktische Arbeit in der Spaten- forschung geleistet, er hat als Berliner Museums- direktor die Vollendung der Neubauten für die Antikensammlungen betrieben und die Samm- lungen neu aufgestellt. Tie Urauia bringt Freitag, 8.15 Uhr, Luisenstr. 59, einen Lichtbildervortrag von Heinrich Trampe über eine Ueberquerung der La Meije(3987 Meter hoch) in den französischen Südalpcn. Wetter für Berlin: Mild, zeitweise abnehmende Bewölkung, keine Regenfälle von Bedeutung, westliche Winde.— Für Deutschland: Im Süden trocken und ziemlich heiter, auch im Westen und Mitteldeutschland Wetterbejserung, im Osten noch ziemlich trübe mit Strichregen. Leipzig, 3. November. Unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten des 4. Strafsenats am Reichsgericht Dr. B ü n g c r begann am Donnerstag, wie angekündigt, das Wiederaufnahmeverfahren im Falle des Oberlagerverwalters der Berlin-Karlsruher Industriewerke WalterBullerjahn.deram lt. Dezember 1325 von demselben Strafsenat unter dem Borsitz des Reichsgerichtsrats Rosenthal wegen Landesverrats zu 15 Jahren Zucht- Haus verurteilt worden war. Der Beginn verzögert sich etwa um eine halbe Stunde. Die Klage wird durch den Oberreichs- anwalt Dr. Werner persönlich vertreten, dem Reichsanwalt Dr. Nagel zur Seite steht. Für Bullerjahn ist Rechtsanwalt Dr. R o s e n f e l d- Berlin erschienen. Als militärischer Sachverstän- diger ist Major Himer vom Reichswehr- Ministerium anwesend. Zeugen sind siir den ersten Verhandlungstag noch nicht geladen. Sie treten also erst im späteren Verlauf der Verhandlung in die Erscheinung. Der Vorsitzende Dr B ü n g e r machte nach Er- ösfnung der Verhandlung darauf aufmerksam, daß es sich hier keineswegs um eine politische Sache handele, sondern nur darum, ob ein Mensch schuldig sei oder nicht. Die Frage sei dadurch neu aufgerollt worden, daß das Wiederaufnahmeverfahren für begründet erklärt worden sei. Die Sache liege anders als in einem Fall, wo etwa das Wiederaufnahmeverfahren nur für zulässig erklärt werde. In einem solchen Stadium sei das Verfahren gewissen Befchrönkun- gen unterworfen. Bei der begründeten Wieder- vufnahme des Verfahrens sei die Lage genau so wie bei Eröffnung des Hauptverfahrens selber. Die Kehrseite davon sei, daß nun aber auch manches überholt sei und keine Bedeutung mehr Statistik ist vielleicht die windigste aller Wissen- schaften: es läßt sich damit, wenn man will, alles beweisen. Erst recht ist Vorsicht geboten, wenn statistische Behauptungen in bildlicher Darstellung erscheinen. Jedoch wenn diese Projektionen und Bildchen mit gebührender Kritik betrachtet wer- den, und wenn man stets berücksichtigt, wer sie schuf, ob Arbeitgeber oder Arbeitnehmer, ob ein wissenschaftliches Institut oder ein Propaganda- chef, dann dürfen auch diese Anschauungsmittel sowohl für die allgemeine Erörterung als auch für Unterrichtszwecke benutzt werden. Darum ist es zu begrüßen, daß im Z e n t r a l i n st it u t für Erziehung und Unterricht, Pots- damer Straße 120, zur Zeit täglich von 10 bis 18, Sonntags von 10 bis 14 Uhr, eine systematisch ge- ordnet« Zusammenstellung besonders interessanter Bilddarstellungen politischer, wrrt- schasts- und sozialpolitischer, geo- und kulturpolitischer Themen zu sehen sst. An der Ausstellung beteiligen sich zahlreiche Wirtschastsverbände, verjchisdene Ministerien und Reichsämter, im besonderen das Statistische Reichs- amt und die Zentrale für Heimatdicnst mit dem ihr angegliederten Deutsche» Lichtbilderdienst, be- teiligen sich ferner die Stadt Berlin, die Luft- Hansa, fachwissenschastliche Museen und Institute und private Verlage. Die Gewerkschaften sind nicht vertreten, wohl aber die Arbeitgeberverbänd«. Für die Beurteilung solcher Darstellungen ist die Methode maßgebend: wirkt sie oder verpufft sie, entwirrt sie das Problem und, was die Haupt- sache ist: gibt sie das Wesentliche auf den ersten Blick? Darstellungen, die viel Nachdenken ver- langen, sind unzweckmäßig. Im großen und ganzen darf man sagen, daß neben der sogenannten Wiener Schule, die nur durch kunstgewerb- liche Koketterie und monomane Mathematik zu- weilen unleidlich wirkt, die Methode, die der Deutsche Lichtbilderdienst anwendet, die wirksamste ist: diese Bilder sind immer inter- essant und leicht erkennbar, vor allein hüten sie sich, zuviel zu geben. Im Laufe der Jahre hat der Lichtbilderdienst viele hundert graphische Dar- stellungen politisch wichtiger Tatsachen heraus- gegeben und in regelmäßig erscheinenden Heften zusammengefaßt. Es gibt selbstverständlich auch bei dieser Pädo- gogik mancherlei Komisches; wenn etwa Popens Wirtschaftsplan als Uhrwerk gezeigt wird, wie die Mittel des Reiches als Steuerschein in das Räderwerk der Wirtschaft fallen und der Apparat zu lausen beginnt, so kann man nur sagen: Ihr Bild in Gottes Auge. Es gibt auch Bedenkliches, ja geradezu irre- führende Propaganda: dazu gehören die Darftellungen zum Thema Abrüstung und Lust- abwehr. Es ist absichtsvolle Theorie, die gesamte Heeresmacht Frankreichs, Belgiens, Italiens, der Tschechoslowakei und Polens in einem gewaltigen eisernen Ring um Deutschlands winziges Wehr- häustein zu gruppieren, oder jämllich« Flugzeug« Frankreichs auf eimal gen Berlin rollen zu lassen. Auch eine Darstellung der Arbeitgeberverbänd« ge- hört in diese Gruppe des Bedenklichen: es wird gezeigt, wie der Realstundenlohn in den Jahren habe. Der Vorsitzende empfahl daher, alles Ueberflüssige beiseite zu lassen. Sodann wird festgestellt, daß der Angeklagte Walter B u l l e r j a h n am 10. September 1593 in Hamburg geboren wurde und zur Zeit der ihm zur Last gelegten Tat 32 Jahre alt war. Er ist verheiratet Sein Bater, ehemaliger Militärmusik- meister, ist seit längerer Zeit tot. Erzogen wurde Bullerjahn im holsteinischen Militärwaisenhaus. Sodann wird der erste Eröffnungsbeschluß vor- gelesen, ferner das Urteil vom 11. Dezember 1925, sowie der Beschluß des Reichsgerichts, in dem das Wiederaufnahmeversahren für begründet erklärt wird, da in der Zwischenzeit gewisse Tat- lachen festgestellt worden seien, die dem Senat bei seiner Urteilssällung noch nicht bekannt waren, vielleicht aber, wenn sie bekannt gewesen wären, ein anderes Ergebnis in der Urteilssällung hätten herbeiführen können. Hierauf beantragt Cberreiclisanwalt Dr. Werner für die ganze Tauer der Verhandlung den Ausschlust der Qeffent- lichteit wegen vlefährdung der Staats- jicherheit. Er erklärt: Ick) verkenne nicht, daß es an sich er- wünscht ist, in voller Oesfentlichkeit zu verhandeln, weil sich die Oesfentlichkeit in ganz besonderem Maße schon seit längerer Zeit für dieses Ver- fahren interessiert hat und weil in der Oeffent- lichkeit über den Sachverhalt Mitteilungen gemacht worden sind, die jedenfalls de» Sachverhalt nicht richtig widergebcn. Aber so hoch ich dieses Interesse einschätze, es müßte nach meinem Dafürhalten gegenüber den größeren wichtigeren Inter- essen der Staatssicherheit zurücktreten. Der Oberreichsanwalt beantragt ferner, über seinen An- trag auf Ausschließung der Oesfentlichkeit i n g e- hcimer Sitzung zu verhandeln. Rechtsanwalt Dr. R o s e n f e l d widerspricht 1925 bis 1932 von 80 auf 110 gestiegen ist, wäh- rend der Gesamtreallohn und das gesamte Ge- Haltseinkommen von 80 auf 72 sielen: der naive Betrachter könnte leicht den Eindruck erhalten, daß der tarifmäßige Stundenlohn ausschlaggebend sür den Wohlstand der Arbeitnehmer sei. Wesentlich harmloser sind Darstellungen, die zeigen, wie der Versailler Vertrag auf die deutsche Wirtschaft gewirkt hat, oder wie die Reparationen in die B. I. Z. flössen und von dort durch die europäischen Siegerländer in die Taschen von USA. Auch die Vorführungen der Berussentwick- lung des deutschen Volkes kann man gläubig hin- nehmen: 1882: 40 Proz. Land- und Forstwirtschaft, 1925 nur noch 23 Proz. Nicht minder einwand- sreig sind die Einzeichnungen der Standorte der deutschen Maschinenindustrie oder ähnlicher Er- scheinungcn, die bildlich gemachten Kurven der Sparkassen, des Wohnbedürfnisses und dessen Er- füllung, der Kohlenförderung und des Elektrizitäts- Verbrauches. Die Kohlenförderung betrug 1900: 118 Millionen Tonnen. 1913: 209, 1929: 202, 1931: 148 Millionen Tonnen. Der Verbrauch der In- dustrie mit 34 Proz. liegt unwesentlich höher als der Hausbrand mit 29 Proz. der Förderung. Hat das Volk kein Geld, mangelts der ganzen Welt. r. br. kleines Kunstallerlei Porza, Kunstgemeinschaft, KDW.; Hans v. Marecs und Mareks Der Porza sind von der Dresdner Bank am Reichskanzlerplatz(Kaiserdamm 39) unentgeltlich Ausstellungsräume überlassen worden, und sie hat dort eine sehr anziehende und sozial wirkende Schau eröffnet: Zeichnungen und Aquarelle von abgebauten Kunstlehrern und-lehrerinnen, die ausnahmslos mit 3 bis 50 Mark zum Ver- kauf stehen. Den recht übereilt und sinnlos ent- lassenen Kunstlehrern, deren Arbeiten schon die Kunstgemeinschaft und das ehemalige Kunst- gewerbemuseum zeigten, geht es schlecht. Das wäre freilich noch kein Grund, ihre Aquarelle zu loben. Sie sind aber fast durchgängig so trefflich gemalt, künstlerisch so heiter und gelockert, daß man dem warmherzigen Unternehmen nur ausgiebigen Er- folg wünschen möchte. Die Deutsche Kunstgemeinschaft im Schloß setzt auch nach dem Tode ihres verdienst- vollen Begründers Heinrich Schulz ihre Tätigkeit mit gleicher Tendenz des Abzahlungsverkaufs und guter Qualität des Ausgestellten fort. Unter dem Titel„Einen Sommer lang" zeigt sie die jüngste Ausbeute ihrer Mitarbeiter: schöne Bilder und Aquarelle von Krauskopf, Sandkuhl, Gawell. Breinlinger, Fritsch, Pech- st e i n sind besonders zu rühmen. Endlich stellt auch der Verein Berliner Künstlerinnen eine hübsche und bequem er- reichbare Kollektwn seiner Mitglieder aus, nämlich im Kaufhaus des Westens, unter dem einheitlich durchgeführten Stichwort„Rund ums KDW". diesem Antrag aufs entschiedenste, der in der Oesfentlichkeit die größte Entrüstung hervorrufen würde. Der Oberreichsanwalt habe selbst darauf hingewiesen, daß es wünschenswert wäre, diesen Prozeß in vollem Lichte der Oeffent- lichkeit durchzuführen. Die Oesfentlichkeit habe sich mit Recht in ganz besonderem Maße für den Prozeß interessiert. Das sei auch nicht erstaun- lich, nachdem durch Gutachten von fünf hervor- ragende» Professoren der Rechtswissenschaft erhebliche Mängel des Urteils des Reichsgerichts festgestellt worden sind. In der Oesfentlichkeit seien einige Tatsachen unbestritten bekanntgegeben worden, die die Ueberzeugung bringen mußten, dah die Grund- lagen, aus denen das Urteil beruht, stark erschüttert sind. Es seien wahrscheinlich dieselben Tatsachen, die das Reichsgericht zu seinem Wiederaufnahme- beschluß veranlaßt hätten. Gegen eine zeit- w e i l i g e Ausschließung der Oesfentlichkeit habe die Verteidigung nichts einzuwenden. Der Oberreichsanwalt erwidert darauf, daß er über die Motive seines Antrages nicht vor der Oesfentlichkeit sprechen könne. Darauf zieht sich das Gericht zu geheimer Beratung über den Antrag des Oberreichs- anwalts zurück. Es wird öffentlich verhandelt. Nach etwa einstündiger Beratung verkündete der Senatspräsident Dr. B ü n g e r den Beschluß des Gerichts:„Der Senat hält es nicht für ge- boten, die Oesfentlichkeit für die Dauer des Pro- zesscs auszuschließen. Hierbei behält sich der Senat vor, die Oesfentlichkeit von Fall zu Fall auszuschließen." Darauf wurde mit der V e r n c h ni u n g B u l l e r j a h n s begonnen. Koref-Stemmler, Inia Brcusing, M. Winkler. Julie Wolfthorn, Anni Schröder haben sehr liebenswürdige Beiträge zu dem vielsagenden Thema geliefert. Zu Flechtheim lockt die Aussicht, hundert unbc- kannte Zeichnungen von Hans v. Mörses aus einer Prioatsommlung zu finde». Die Blätter sind fast durchgängig von hohem und höchstem Rang. Marees legte ja schon in die ersten flüch- tigen Skizzen soviel Geist und Nachdruck, daß die Betrachtung seiner Handzeichnungen Unendliches über ihn aussagt und den reinsten künstlerischen Genuß vermittelt. Die neuen Skulpturen von Gerhard Marcks bei Flechtheim sind ebenso voll Gelingens wie voller Problematik: besser mag man ihn in den Zeichnungen und Holz- schnitten würdigen. y. k. scb. WeiQ Ferdl im Film Primuspalast Weiß Ferdl möchte man gerne über die Grenzen des Bayernlandes hinauswachsen lassen. Seine große Beliebtheit in Bayern reklamiert ihn für dieses Land, genau wie früher Patachon durch feine Volkstümlichkeit fast ausschließlich in Däne- mark festgehalten wurde. Doch der Aufstieg, der einst einem dänischen Clown möglich war, ist für Weiß Ferdl unmöglich. Ist doch ihre filmische Ausnutzung von Grund aus verschieden: denn Patachons Clownmimik und sein artistisch ge- schultes Spiel mit dem Körper ist international verständlich, während Weiß Ferdl nur Sprech- komikcr ist. Als solcher ist natürlich dieser rund- liche Mann, dem die Nase gleich einem Unglück- lichen Pilz aus dem Gesicht wächst und der«inen Mund macht wie ein nach Luft schnappender Fisch, für Dialektstllcke vorzüglich. Selbst bei dem schiechten Manuskript des„Schützenkönig s" lacht man über ihn. Hier muh er sich andauernd mit einem Berliner zanken, bis seine Tochter dessen Sohn heiratet. Inzwischen erlebt man dann noch ein Schützenfest mit allem drum und dran, das nicht nur eine Augenweide ist, sondern auch zur allgemeinen Hebung der Stimmung beiträgt. Der Berliner ist Max Adalbert, dem damit seine übliche Rolle des Schwadroneurs gegeben ist. Trotzdem kann Max Adalbert mehr als quasseln, er ist ein Charakterdarsteller, während Weih Ferdl über eine einzige Paraderolle nicht hinauskommt. Franz S e i tz' Regie ist nicht ge- willt, höheren Ansprüchen gerecht zu werden, e. b. Neues aus den Lerliuer Museen. Im vorderen Umgang des Kaifer-Friedrich-Museums ist eine Schenkung an die Gemäldegalerie, Albrecht Alt- d o r f e r s„Geburt Christi" zur Zeit ausgestellt. Das Gemälde gehört zu den künstlerisch bedeutendsten Erwerbungen der letzten Jahre. Da« Schillcr-Theater wird von Mitte nächster Wocke ab einige Stücke in der„K o in ö d i e" spielen, um so dem fest engagierten Ensemble, da» in„Robert und Bertram" nicht voll beschäftigt ist, Gelegenheit zur Be- tätigung zu geben. Da« Operngastspiel im Rosc-Thcater„H ä n s e l und Gretes" muß tvegen Erkrankung der Haupt- darsteller verschoben werden. Folitih... sichtbar gemacht Ausstellung des Zentralinstituts Schreckensurteil 63 Jahre Zuchthaus gegen Arbeiter Dürnberg, 3. November. Nor der Großen Strafkammer des Land- gerichts Nürnberg-Furkh ging jetzt die V c r- Handlung gegen 18 Arbeiter zu Ende, die nach der Anklage größtenteils der ÄPD. angehören sollen. Sämtliche Arbeiter stam- men aus Erlangen-Büchenbach. Sie waren wegen einfachen und schweren Land- und Hausfriedens- bruches aus politischen Gründen, schweren Auf- ruhrs und Beamtenbeleidigung nach der straf- erschwerenden Notverordnung angeklagt, die um Mitternacht vom 9. bis 19. August d. I. in Kraft trat. Die Angeklagten waren beschuldigt, ge- meinsam mit etwa 39 Arbeitern ungefähr eine Viertel st unde nach Inkrafttreten dieser Notverordnung in Büchenbach bei Erlangen nach planmäßiger Borbereitung einen von ihnen für einen Nationalsozialisten gehaltenen Landwirt, dessen Familie und Bekannte, darunter Reichs- wehrfoldaten, die von einer Wirtschaft heim- kehrten, beschimpft, bedroht, mißhandelt und mit allerlei Gegenständen nicht unerheblich verletzt zu haben. Die Angeklagten bestritten zum größten Teil jede strafbare Handlung und irgendwelche Parteizugehörigkeit. Der Staatsanwalt beantragte gegen vier An- geklagte Freisprechung, gegen 13 Angeklagte i n s- gesamt 115 Jahre Zuchthaus und gegen jeden der Angeklagten fünf Jahre Ehrverlust. Das um Mitternacht verkündete Urteil sieht sol- gende Strafen vor: Sechs Angeklagte zu je 19 Jahre Zuchthaus, drei Angeklagte zu je einem Jahr Zuchthaus, ein Angeklagter sechs Monate Gefängnis, sechs Angeklagte wur- den freigesprochen. Zwangsarbeit! Eigener Bericht des„Vorwärts" Wittenberg, 3. November. Wir berichteten kürzlich, daß verschiedenen jugendlichen W o h l f a h r t s u n t e r- stützungsempfängern des Landkreises Wittenberg vom Bezirksfürforgeoerband die Auf- forderung zugegangen ist, sie sollten sich wegen Aufnahme von Arbeit beim freiwilligen Arbeitsdienst, und zwar bei dessen Trägern, Stahlhelm und Jungdo, melden. In diesem Schreiben wurde angekündigt, daß der Bezirksfürsorgeverband sich vorbehalte, wenn die Arbeit nicht bis zu einem bestimmten Zeitpunkt aufgenommen worden sei, nachzuprüfen, ob die Bedürftigkeit zur Zahlung der Unter- stützung noch weiterhin anerkannt werden könne. Obwohl durch den Reichstagsabgeordneten Dr. Hertz Beschwerde erhoben und von zu- ständiger Stelle auch Abstellung ver- sprachen wurde, ist jetzt verschiedenen Jugend- lichen der Bescheid zugegangen, daß die Unter- stützungszahlung e i n g e st e l l t würde. In dem Schreiben heißt es u. a., daß den Arbeitslosen durch das Angebot der Beteiligung am frei- willigen Arbeitsdienst die Möglichkeit gegeben worden sei, sich selbst den notwendigsten Lebens- unterhalt zu sichern. Bei diesem sogenannten frei- willigen Arbeitsdienst, wie ihn der Bezirksfürsorgeverband einzuführen sich anschickt, sind 99 Proz. des Weges zum Zwangsarbeitsdienst bereits zurückgelegt. Es wird höchste Zeit, daß dem dafür verantwortlichen Landrat plausibel ge- macht wird, daß für sein Vorgehen die gesetzliche Grundlage fehlt! Ein Verleumder gestellt Der Redakteur des nationalsozialistischen „Lippischen Kurier", Helmuth Pommerenke, der schon wiederholt wegen Beleidigung vorbe- straft ist, wurde zu drei Monaten Ge- f ä n g n i s verurteilt, weil er wahrheitswidrig in seiner Zeitung behauptet habe, Fechenbach, der Redakteur des sozialdemokratischen Detmolder „Volksblatts" habe seine Stellung als Sekretär des bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner seine Stellung dazu benützt. Todesurteile gegen un- schuldige Geiseln zu unterschreiben. Der Ange- klagte mußte vor Geircht zugeben, daß er nicht inderLagesei, denWaHrHeitsbeweis für seine Behauptung anzutreten. Verantwortlich für Potitit: Rudolf Brendemühl; Wirtschast:®. K l i n g e l d o s« r: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: Herbert Lepere: Lokales und Sonstiges: Fritz Karstadt; Anzeigen: Otto Sengst; tämtlich in Berlin. 1 Verlag: Borwärts-Berlag . m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei und Derlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. K8, Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. 4- � 6efchäft$'Jbtseiger Genossem Ontersifitzl Eure eigenen Betriebe! Deckt Euren Bedarf a.Urnen U.Grabdenkmälern nur in d. (tninmnhhnftn C�meinnütrige Q. m. b. H, Baumschulenweg, JlclUillctlllulic, Kiefholzstr., gegenOber dem Krematorium. Tel.: F3, Oberspree 1685. Lieferung nach allen Friedhöfen in Groß-Berlin. Bitte auf die Finna aditen. Sonntags geöffnet. Intlt giirh' Gerichtsir. 46, gegenüber Kremat. Jtlil Uulll. Seestr. 59, geganüb. Urnenfriedhof Gläß&ihle Reparaturwerkstatt für graphische Maschinen— Dreherei— Fräserei Hobelei— Eig. AutogenschweiRanlage Berlin SW68, Alexandrinenstr. 24-25 Tel.: A 7 Dönhoff 4204. Nachtruf: D 8 Pankow 5883, F 5 Baerwald 2542 Autobereifung* Wilhelm Grabs Vertrieb in- und ausländischer Reifen Autoreifen- und Sdilaucfa-Reparahir- WerksfStle/ Autozubehör Berlin SW 48, Friedrichstr. 249 Nahe Bclle-Alllance-Platz— Tel. 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Wir hatten die Freiheit mitten in der Knechtschaft, und deshalb haben wir die gefetz- liche Ordnung mitten in der Anarchie. (Aus:„Die Geschichte Englands.") (föetxogene Jugend Ton Jose).Arndt Albert Lamm, der seit 1926 als Zeichen- lehrer in den Erwerbslosenkursen der Jugend in Neukölln wirkt, zeigt in seinem Buche„Be- trogene Jugend"(Verlag Bruno Cassirer, Berlin) die ersten Anfänge des Jugendamts, der rwerbslosen Jugend wenigstens für einige Stun- den am Tage ernste Arbeit zu vermitteln. Erst steht die Jugend diesem Beginnen ab- lehnend gegenüber, begreift aber später den hohen Wert der Beschäftigung. An Hand zahlreicher Bei- spiele schildert Lamm die Psyche der erwerbslosen Jugend und die materielle Not, die oft unbewußt zum Verbrechen fiihrt. Nicht als ob das Eigentum nicht geachtet würde; im Gegenteil, überraschend viel« bleiben trotz Hunger dauernd von innerster Ehrlichkeit beherrscht. Aber wenn ein Junge zu ihm sagt:„Wat woll'n Se, Herr Lamm; meine Mutter sacht: bring Jeld nach Haus; wo det her- nimmst is ma ejal," so ist das der Aufschrei einer gequälten Jugend. Oder wenn ein Sechzehnjähriger, der einen Stiefvater hat, erzählt, daß er sich mit seinen paar Mark allein ernähren muß, und wenn das Geld alle ist, dann muß er am gedeckten Tisch mit hungrigem Magen zusehen wie es den an- deren schmeckt, er aber bekommt nichts, dann sind das grauenhafte Zustände, die unsere Jugend demoralisieren müssen. Der Verfasser wendet sich dann mit Entschiedenheit gegen die jetzt vom Ar- beilsamt geförderten Kurse, die den Jugendlichen nur drei Monate die Teilnahme gestatten. Gerade die Jugend, die keine Unterstützung bekommt, steht nach dieser Zeit erneut dem Hunger gegenüber. Hier muß ein Ausweg gefunden werden. Wenn das Werk auch nur einen Ausschnitt aus der Arbeit des Jugendamts Neukölln gibt, dürfte es dennoch ein guter Ratgeber für jene sein, die das Los der erwerbslosen Jugend tuiKn, heljcn wollen. a Gekürzter Lohn- verlängerte Badehose! Die Arbeitersportler gegen Papen und Bracht, für Liste 2 Die überfüllte Versammlung, die das Berliner Kartell für Arbeitersport und Körper- pflege gestern im großen Saal des Lehrervereins- Hauses veranstaltete, nahm nach den mit Begeiste- rung aufgenommenen Referaten der Genossen W i l d u n g und Dr. ch a u b a ch folgende Eni- schließung einstimmig an: Seitdem die Sozialdemokratie aus der Verwaltung des preußischen Staates gewaltsam entfernt ist, hat die Reaktion aus allen Gebieten des Kulturlebens Verheerungen angerichtet. Besonders aus dem Gebiete der Körperkultur ist mit einer llnbekümmertheit zu Werke gegangen worden. die unser Land und Volk dem Gelächter der Welt preisgegeben hat. Was in jahrzehntelanger Erziehungsarbeit von den Sportverbänden erreicht worden ist, die Achtung vor der Heiligkeit des menschlichen Körpers, das wird nun kurzsichtig wieder zunichte gemacht. Die Prüderie wird zur Moral erhoben! Die versammelten Arbeitersportler erheben flammenden Protest gegen diese die Volksmoral und die Volksgesundheit schädigenden Maß- Rekorde! Henne und Winkler fuhren Weltrekorde Auf der bekannten Rennstrecke von Tat bei Budapest unternahmen am Dienstag die beiden deutschen Motorrad-R'ennfahrer Ernst Henne- München und W i n k l e r- Chemnitz Weltrekord- versuche, die von größtem Erfolg begleitet waren. lind das, obwohl das Wetter alles andere als ideal war, denn es war sehr windig uno zeitweise siel sogar einiger Regen. Das meiste Interesse beanspruchten die Rekordfahrten von Henne auf seiner 73l)-Kubikz«ntimeter-BMW.-Maschinc. Drei- mal sauste Henne mit fliegendem Start über den Kilometer, wobei er, mit dem Wind im Rücken, die phantastische Leistung von 2 3 9 Stunden- kilometern herausholen konnte. In entgegen- gesetzter Richtung fuhr Henne natürlich wesentlich langsamer, immerhin gelang es ihm, einen mitt- leren Durchschnitt von 13.2 Sekunden herauszu- dolen, was einer Stundenleistung von 239,639 Kilometer gleikommt. Damit hatte er den Rekord des Engländers Wright für die 739-Äubik- zentimeter-Klasse erheblicht überboten, den ab- soluten Weltrekord von 242,337 Stundenkilometer» allerdings verfeblt. Winkler stellte gleich vier neue Weltbestleistungen für Räder bis 230 Rubik- Zentimeter Zyliirderinhalt auf, indem er auf seiner DKW. folgende Zeiten fuhr: 1 Kilometer stehen- der Start: 39,33 Sekunden— 117,781 Stundenkilometer: fliegender Start: 24,93 Sekunden — 149,591 Stundenkilometer: 1 Meile, stehender Start: 43,27 Sekunden~ 127,979 Stundenkilometer; fliegender Start: 38,91 Sekunden— 148,378 Stundenkilometer. Bei seinem Versuch am Mittwoch gelang Henne der Rekord. Er bewältigte die 1 Kilometer lange Strecke in 14:73/199 Sekunden, das ist eine Durch- schnittsgeschwindigkeit von 244,399 Stunden- kilometern. Kegle r-Meiste rsch aften Die diesjährigen Bundesmeisterschaften des republikanischen Freien Keglerbundes werden am 3. November in der Sporthalle Alexandrinen- straße und am 6. November in der Sporthalle Südende ausgetragen. Das größte Interesse sin- den wie stets die Einzelmeisterschaft auf Bohle sowie die Klubmeisterschaft auf Bohle. Beide Konkurrenzen gehen über 299 Äugeln Zwangsauf- fatz auf den Bahnen der Südender Sporthalle. Die Einzelmeisterschaft auf Bohle sieht neben bekannten Könnern guten Nachwuchs am Start, der allerdings erst noch den alten Routiniers gegenüber sein Stehvermögen beweisen muß. Der Bundesmeister Otto Metel als Titelverteidiger wird von Otto Wieland, Erich Sorgalla, W. Meier nahmen der gegenwärtigen Machthaber, und sie geloben, mit allen Kräften für die Wahl der sozialdemokratischen Kandidaten eintreten zu wollen. Sie erblicken in der Sozialdemokralischen Partei die einzige wirkliche Kulturpartei, die gewillt ist. die Interessen der werktätigen Bevölkerung mit Rachdruck zu vertreten. Die Arbeitersportler versichern, daß sie auch in Zukunft treu zur Eisernen Zront stehen werden, um im Bunde mit der Sozialdemokratischen Partei, den freien Gewerkschaften und dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold für die Freiheit des deutschen Volkes zu kämpfen. Die Versammelten entbieten den Acbeitecsport- lern der Welt ihre brüderlichen Grüße und geloben, stets mit ganzer Hingebung sür den Frieden der Welt kämpfen zu wollen. * Dem Besucher dieser Riesenversammlung blieb nur ein Wunsch unerfüllt: würden doch die herrenklubler und Reichskommissare mit Minister- gehältern nur einmal in eine solche Volksoer- sammlung gehen! Dort, nur dort, nicht in ihren und Alfred Kollath hart bedrängt werden, was aber nicht ausschließt, daß der neue Bundesmeister aus dem Rudel der weiteren 23 Oualisizierten hervorgehen kann, weil sich darunter viel vor- wärtsdrängende Jugend befindet. In den Klub- Meisterschaften geht der SKK. Olympia wieder als Favorit an den Start, zumal zwei der spiel- stärksten Vereine des Gaues Berlin, SKK. Bun- destreue und Marathon, bei den Gaumeister- schaften sich für die Bundesmeisterschaften nicht qualifizieren konnten. Trotzdem wird SKK. Olympia in SKK. husch-husch, SKK. Aha und Frohsinn-Rloabit sowie SKK. Unter uns 17-Kiel Gegner finden, die nur durch ein kleines Plus der kampferprobten und gut zusammenliegenden Fünsermannschaft des SKK. Olympia besiegt wer- den können. Das gleichzeitig am 6. November stattfindende Bundesfest findet in den Gesamt- räumen des Parkrestaurants Slldende statt und bietet ein ausgewähltes Programm. Was zu berichten ist Vetrugsfall im Rcnnsport ousgedeckt. Das Große Schiedsgericht der Obersten Behörde für Bollblutzucht und Rennen hat den früheren Iockey Heinrich Ditsch von allen Rennbahnen ver- wiese». Diese Maßnahme steht im Zusammen- hang mit de» Betrügereien, die auf westdeutschen Rennbahnen mit den angeblichen Vollblütern Pflicht und Tarnkappe vorgenommen wurden. Es konnte seinerzeit festgestellt werden, daß es sich bei diesen Pferden nicht um die unter diesen Na- inen eingetragenen Vollblüter handelt. Außer diesen beiden Fällen sind der Obersten Behörde noch andere bekannt geworden, in denen der drin- gende Verdacht besteht, daß zu Bctrugszwccken Pferde vertauscht wurden. In allen diese» Fällen hatte Ditsch seine Hände im Spiel. Anerkannte Flugrekorde. Der internationale Luftfahrtverband hat verschiedene Höchstleistungen offiziell anerkannt. Zu den bestätigten Best- leistungen gehört unter anderem der Geschwindig- heitsweltrekord für Landflugzeuge auf 3 Kilometer Basis, den der amerikanische Major I. h. Doolittle beim Flugineeting in Cleoeland mit 473,829 Stundenkilometer ausgestellt hat. Der gleiche Rekord für Pilotinnen wurde der Amerikanerin M. haizlip mit 405,929 Stundenkilometer bestätigt. Weitere neue Rekorde sind: Leichtflug- zeuge 2. Kategorie: höhe 6923 Meter, aufgestellt von Jng. Drzewiecki und A. Koejan(Polen): Wasserleichtflugzeuge 1. Kategorie: Dauer 12 Std. 2 Min., aufgestellt von Capt. Pantazi und G. Grosea(Rumänien): Entfernung in gerader Linie ohne Zwischenlandung(Frauen): Amalia Earhart 3939,243 Kilometer, und Dauer mit Betriebstoffergänzung im Fluge(Frauen): Louise Thaden und F. Marsalis(USA.) 196 Std. 3 Min. feudalen Klubräumen, nicht auf der Rennbahn oder aus der Jagd können sie die wahre Volks- stimmung kennenlernen. Tausende junger Men- schen, die der Sport dazu erzogen hat, sich in leichtester Kleidung ohne Argwohn zu zeigen und zu geben, sitzen im Saal, hängen mit den Augen am Mund des Redners, der ihnen den Zu- sammenhang zwischen Herrenklub, Reichskommis- saren, Zwickelerlassen, Unterstützungstürzungen, Jndustriesubventionen und den Kampf der Sozial- demokratie gegen diese reaktionären Mächte, für die demokratische Versassung in einer freien Re- publik klarlegt. Tausende junger Arbeitersportler begreifen, legen flammenden Protest ein, geloben: Wir Eiserne Front, wir st ehe» und kämpfen gegen die Barone und ihre Helfershelfer, die Nazis! Am Sonntag ist Abrechnung. Wer nicht wählt, ist fahnen- flüchtig, wer nicht die Liste 2 wählt, gibt dem Gegner die Stimme! Darum .Arheitersportler» angetreten! Jede Stimme der Liste 2 Unmögliche Steuer Die Motorbootsteuer muß geändert werden Eine der ungerechtesten Steuern, die die Stadt Berlin erhebt, ist die M o t o r b o o t st e u e r. Jetzt, wo wieder die Zeit gekommen ist, daß die Motorboote außer Dienst gestellt und auf Werf- ten und Bootsplätzen untergebracht werden, erhebt sich wieder die Forderung nach einer Befreiung solcher Boote von der Steuer. Für Kraftwagen, die nicht benutzt werden, braucht der Inhaber auch. keine Steuern bezahlen, für ein Motorboot muß jedoch auch dann die städtische Steuer entrichtet werden, wenn es nicht benutzt wird. Die Bc- stimmung, daß ausgebaute Motore den Besitzer von der Steuer befreien, veranlaßt nicht gerade viele, sich der Mühe der Demontage und der im Frühjahr folgenden Montage der Motoren zu unterziehen. Die Motorbootsteuer hat der Stadt Berlin im Jahre 1939 ganze 139 649 Mark eingebracht. Wie- viel davon die Verwaltung verschlang, kann kaum festgestellt werden. Das genannte Jahr kann man zu den guten rechnen: für 1931 und 1932 sind vorsichtigerweise schon nur noch je 129 999 Mark Motorbootsteuer in den Etat eingestellt worden. Ob sie«inkommen werden, ist bei der schlechten wirtschaftlichen Lage, in die viele Motorboot- besitzer inzwischen gekommen sind, sehr fraglich. Immer mehr Boote werden außerhalb der Weich- bildgrenze Berlins untergestellt, weil dann der Besitzer, obschon er Berliner ist, Steuern nicht bezahlen braucht. Wie sehr durch die Motorboot- steuer gerade die Besitzer kleiner Boote getroffen iverden, ergibt sich aus folgendem: Bon den 2791 angemeldeten Booten sind 1778 zum niedrigsten Satz von 39 Mark pro Jahr veranlagt: der Rest, also nur ein Drittel der Boote, fällt in höhere Steuerklassen. Gerade die Besitzer dieser großen und teuren Boote können es sich aber leisten, ihre Fahrzeuge immer mehr außerhalb Berlins unier- zustellen, weil für sie der Fahrpreis zu den An- liegestellen keine Rolle spielt. Wir haben schon früher darauf hingewiesen. daß der Besitzer eines Motorbootes, das er sich vielleicht in mühsamer Zlrbeit selbst gebaut hat. und das in Anlagekapital und Unterhaltung sicher nicht mehr kostet als eine Laube, für dieses Boot pro Jahr 39 Mark Steuern bezahlen muß. Da- von ist er auch nicht entbunden, wenn er winde- flens fünf Wintermonate hindurch das Boot gar nicht benutzt. Es kann jemand eine noch so teure Segeljacht haben, Steuern braucht er dafür nicht zu zahlen. Von den wenigen Motorbootbesitzern verlangt man ober Abgaben, die so ungerecht sind wie nur je eine Steuer sein kann. Bei der Aus- stellung des neuen Etats wird sich die Stadt Berlin auch mit diesem Uebelstoird besassen müssen. Noch ein Ski-Trockenkursus Neben de» drei bereits laufenden Skikursen der Arbeitersportler, Mittwochs in der Schule Neu- kölln, Richardstr. 47, ain Gesundbrunnen, Schule Gotenburger Straße, und in Lichtenberg, Schule Lückstr. 69— 64, beginnt Montag. 7. November, 20 Uhr, in der Schule Kaiserin-Augusta-Allee 74 in Charlottenburg ein Kursus für die westlichen Bezirke. Uebungsbretler stehen zur Verfügung. Gebühr 2 Mark, Erwerbslose nach Möglichkeit frei, Anmeldungen umgehend an W. Tausendfreund, Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 34, erbeten. Kursustage stets Montags 2 Stunden. Abendtrabrennen in Wariendorf. Die dritte Herbstveranstaltung wird am Freitag, 4. Zkovem- der, 13 Uhr. zu Ende gesührt. Im Höhepunkt der Rennen steht wieder ein Ausgleich für die inter- nationale Klasse, der über 2999 Meter führende Preis von Bardenhagen. Schwarzes Brett Freie»anufahrcr Spandau. Freitag, t. ziouemdcr, 20 Uhr, Mitgliederversammlung bei Äapkner. Spandau, Pichclsdorier slr. 3a.— Das erste, am Sonntag ausgc- iragene Handdallferienspiel gegen Undine, l. Mannschaft, murde itberlegeu mir 1ll:t Toren für Freie Äanusahrer Spandau gewönnen. Arbeiter. Photo-Gildc Süden. Donnerstag, Z. November, 2g Uhr, Neukölln, Bcrgstr. 29, Dunkelkammer, Anfänger kursusbeginn: Zusammenstellung des Entwilklcrs.— Gilde Liadcnhof. Montag, 7. November, 2V Uhr, Dunkel- kammcr, Lnthstr. 48:„Entwicklung von Panplatten".— Freie Phata-Bercinigung< Wedding). Donnerstag, Z. No- vcmbcr, 2N Uhr, Phnsikzimmer Schule Pank. Ecke Wiesen- straße:„Plattensortcn und ihre Eigenschaften". Freie Rudereroercinigung tStg. Sitzung, 4. November, 20 Uhr, im Torkrug sochlesisches Tor). ASV. Kellas. Persammlung Freitag, 4. November, nach dem Kadeabend. Gericht- Ecke tinnkelsiraßc, bei Brusederg. Turnabend jede» Montag, 19>.i Uhr, Lüttichcr Str. 4, „Sali", lirastfahrcr. Sonntag Fahrtcnsperrc. Alle Kraft- iahrer stellen sich in den Bezirken der Partei zur Per- sügung. Persammlungen: Abt. Norden: Freitag, 4. No» vcmder, 29 Uhr, Scestr. 62.— Abt. Eharlottcnburg: Don- »crstag, 8. November, 20 Uhr, Grünstr. 9— 10.— Abt. Tempclhof-Maricndorf: Donnerstag, Z. November, 20 Uhr, ltursurstc». Ecke Schützenstraßc. ATE. Berlin. Heute, 20 Uhr, bei Oppermann, NeukSNu, Emscr Ecke Oderstraßc, Versammlung. ASE. Hocken. Sitzung heute, Donnerstag, 20 Uhr, bei Zuschkat, Hohenlohe- Ecke Goßlerstraßc. Touristenaercin„Die Ratursrcunde". Achtung! Donnerstag. 4. November. Photoarbcitsgcmeinschaft Ro» wak: Iohannisstr. 13.— Naturkundlich- Abteilung: Ja- hannisstr. 13. Fische l.tzrrschci.— Nosenthaler Porstadt: Weinmeisterstr. 16—17. Gorli.— Tiergarten: Lehrter Straße 18— 19(Zimmer?.). Nevolutionsgedanken.— Humboldthain: Pank- Ecke Wiesenstraße. Singckreis.— Prenzlauer Berg: Danziger«tr. 62 lBarackc II). Mitgliederversammlung.— Südwest: Porckstr. 11. Literarisches.— Lichtenrade: Bei Lentz. Kaiser. Wilhelm-Str. 78. Ncvo- lutionsgcdanken.— Neukölln: Bcrgstr. 29 lNaum». Frei- williger Arbeitsdienst(E. Schmidt).— Lichtenberg:»un- tcrstraße 44.— Pinetaplatz, Schönhauser Vorstadt: Rote Schule, Putbusscr Str. 22. Die Bedeutung der Reichs- tagswahl. Rundfunk am Abend Donnerstag, den 3. November 1932 Berlin: lO.lo„Wie geht's" Nur eine Redensart?(K. Thomalla). 16.30 llnter- halttingsmusik. 17.30 Werkstätten auf dem Meeresgrunde(j. Boehmer).(7.45 Kinder- kalender November(Maria v. Faber du Faur). (8.05 Arien alter Meister.(8.30 Zwiegespräch über die Sdilacht bei Roßbaih(II. 11. Frh. Grote, l.tnt. Jobst v. Frankenberg n. Prosdi- litz). 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Sonate A-Dur v. Franz Schubert. 19.40 Arnold Krieger: Eigene Erzählungen. 20.00 Unterhaltung auf mancherlei Art. 22.00 W etter-. Tages- und Sport- nadmditeii. Aus dem Marmorsaal des Zoo: W'ohltätigkeitsball der Berliner Feuerwehr: Tanzmusik. 24.00 Aus dem Sdiallardiiv der Funks tundc. Königs Wusterhausen: 16.00 Pädagogischer Funk. 17.30 Das ungarländische Deutschtum und seine Sonderstellung in Südosteuropa(Dr. O. A. Isbert). 18.00 Wirt- sdiaftsre.volution und bernfsständische Ordnung(Dr. H. Reupke). 18.30 Die deutsche Dichtung vor dem Weltkriege(Dr. A. Malte Wagner). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Stunde des Landwirts. 19.25 Für und Wider. Wegweiser durch die Zeit(Dr. R. Pechel). 19.40 /eitdicust. 20.00 Aus Frankfurt a. M.: Orchesterkonzert. 21.30 Tages- und Sportnachrichten. 21.45 Aus Frankfurt a. M.; St. Hubertus(Von Jagd und Jägern). 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnadirich ten. Sonst; Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im„"Volksfunk", monatl. 96 Pf., durch alle„Vorwärts"- Boten oder die Postanstalten. j Ike Zhe&let. Lichlsptele usw j-rr1 ffftafi Thealer Donnerstag, den 3. November staatsoper unter den Linden 19V. Uhr Der Rosenkavalier staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Gabriel Schillings Flucht VOLKSBUHNE Theater am Beiowniatz D I. Noräni 294<4. letzte Vorstellung. 8 Dir Die Ratten Dorsch, Klopfer, Wemicke. Verhoeven, Hormey, Fein, Stein, Thau, Kurz städi.Oper Charlottenour 1 Fraunhofer 0231 Turnus III Donnerstag, 3. Nov 20 Uhr Die sanditen Pfahl, Eisinger, Höpfncr, Gründ- gens, Burgwinkel. Kandl, Pechner, Gonszar Egenlauf. Gombert, Feher, Hey er Dirigent Brcisach Schiller Blsmarckstr.(Knie) Steinpl.,. Uhr Auslandreise v.0nterreldiefu.liir3difelil Felix Bressart Maria Paudler Paul Heidemann B. B. B. Bendews Banfe Bilme Kottdnsser StraOe 8 früher„Elite- Singer" .Hier ROniicr, Familien Kaffee kocDen' fäU�ll Sonnt. urOn. 3'/. reise von 50 Pf. an Deutsches Theater Weidend. 5201 8 Uhr Piim FMidi von Homliurii Sduosptl nn H. o. Idilil Regie; MaxReinhardt Thimig, Fehdmer Gustav Fröhlich, KayBIer. Wegener Hammerspieie 8 Uhr dtose 3$ernd mit Paula Wessely »v.uhr CASIflfl-THEflTEH �.uu. Lothringer Strafe 37. MllllllllllltllMIIMMIIIIIIIHIIIMIIU Nur noch bis 3. November Kdnidin der Infi Am 4. November zum 1. Male: Die Liehe Dliiht in Werder Gutschein für die Leser I— 4 Personen FauL 0.75 M-, Sessel 1.25 M., Park. 0.50 M. ßETRfEBS /4'X KEMRHSKlI./ Ouiffung� babaii u ReKlomemorKen sef«»SJdhrrn dj SpeziahftÜ (bnrad Müller Mehrlldil 4-5 mal hellere Tisch beleuchtung, ade:'/j Stromeisparn Paß» aus sede Dlühlampe Seile ähnliches, fed- lerhaftes»uriick. 0.90 1.33. 1 bO Sichtbar im Schaufenster R. Zech'in, iluandemlaii 4«. Kabarett für Alle 4 Uhr Täglich 2 x 9 ülir j Das Eonsationell« Kabarett-Pro jrmnn: 3 Abendpreise 1— 3 Mk. a Nachm. Csdack 1,25| ladaa Bovaodoaa 1 1 V. Uhr: Nnchltortlell'jnte original- Beiema patentmatratzen/ Runebenen Couchs mit Betama- Federung Patent-Drehbclt(D.R.P.) ein Griff| ein Bett, sowie das neue Holzbett mit Bctcma- Federung sind vollkommen gei Iruchlos!— Rein Einliegen. Für tefawersie Belaotnng. Ueberau erhält! 20 Jahre Garantie. Ben. Feflermairalz.-Fiiiriii, xcoDanttr. 31 ßesonders����- iesVorwÄnVÄm billig! 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