Morgen-Ausgabe Nr. 521 A255 49. Jahrg. Redaktion und �Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher, Q17 Amt Dönhoff 292 btS 297 Telegrammabress«: Sozialdemotrat Berlw FREITAG 4. November 1932 BERLINER VOLKSBLATT AKW Zentvawesan der Gozialdemokeatifche« Partei ZheMchtands BBG.-Gchiedsspruch verbindlich I�lanteltarlk unverändert verlängert— Lohnsenkung 2 Pfennig Gestern abend 10 Uhr ist Vom Schlichter Amtsgcrichtsrat Tr. Heuer der Vom Ichlichtungsausschuf» gefällte«chieds- fpruch im Uonflikt bei der BBG. fiir Verbindlich erklärt worden. Den Beratungen der Schlichtungskammer, die gestern nachmittag unter Borsitz des Gewerberates Körner über den Konflikt bei der BVG. zu entscheiden hatte, gingen nur verhältnismäßig kurze Vorverhandlungen zwischen den bisherigen Tarisparteien voraus. Der Vertreter der Direktion der BVG. bean- tragte die Erhebung des Angebots, das die BBG.- Belegschaft in ihrer Geheimabstimmung abgelehnt hat, zum Schiedsspruch. Von den Gewerk- schaftsvcrtretern wurde zunächst darauf hin- gewiesen, daß mit der Gleichstellung der Verkehrs- arbeiter mit den städtischen Werksarbeitern im Stundenlohn noch keine Gleichstellung hin- fichtlich der Wochenverdienste erfolgt sei, da bei der BVG. eine viel kürzere Arbeitszeil als bei den städtischen werken bestehe. Es müsse weiter berücksichtigt werden, daß die Verkehrsarbeiter einen viel höheren Beitrag zur Ruhegehaltskasse, ein Teil des Personals der Hoch- und Untergrund- bahn sogar bis zu g Pro z. des Einkom- mens zu zahlen haben. Ein großer Unterschied zwischen dem von der Belegschaft abgelehnten Angebot der Direktion und der jüngsten Regelung der Entlohnung der städtischen Arbeiter sei auch der, daß das Lohnabkommen für die städtischen Arbeiter bis zum 28 Februar befristet sei, das Abkommen für die Verkehrsarbeiter jedoch von Monat zu Monat kündbar sein sollte. Die Gewerkschaften verlangen, daß die allen Löhne bis zum ZS. Februar weitergezahlt werden und daß der Manteltarisvertrag, iiber den bisher noch keine Einigung zwischen den Parteien erzielt werden konnte, unverändert ein Jahr, also bis zum 30. September 1933 weiterläuft. Die Unterhändler der Gewerk- jchasten betonten, daß die Erregung unter den Verkehrsarbeitern zum großen Teil auch darauf zurückzuführen sei, daß bis jetzt infolge des Ver- Haltens der Direktion noch keine Klarheit über die zukünftige Regelung der im Manteltarif- vertrag festgelegten Arbeitsbedingungen geschaffen worden ist. Den Argumenten der Gewerkschastsvertreter wurde von der Direktion entgegengehalten, daß die BVG. insotge ihrer wirtschaftlichen Lage zu diesem Lohnabbau gezwungen sei. Es müsse etappenweise die in der Rotverordnung vorgeschriebene Angleichung der Löhne der Verkehrsarbeiter an die der Reichs- arbeiter erfolgen! Die BVG habe in diesem Jahr mit einem Fehl- betrag von 8 bis 9 Millionen Mark und im nächsten Jahr mit 13 bis 16 Millionen Markn den einstweiligen Ruhestand verseht oder In andere unter- geordnete Referate abgeschoben werden. Das gleiche Schicksal soll über 200 mittleren preußischen Be- omlen blühen. Natürlich nicht als Strafe, sondern aus„Er- fparnisgründen". Rur ist der haken der, daß von dem neuesten Plan der papen-Barone ausschließ- lich Beamte der republikanischen Parteien be- trosscn werden, wie es heißt, ist die entsprechende Verfügung bereits sertiggeftellt. Ihre Veröfsent- lichung ist jedoch mit Rücksicht auf die Wahlen erst für Montag vorgesehen. Botschafter v. hoesch, bisher in Paris, ist in London eingetrosfen, um seinen neuen Posten anzutreten. Die Presse begrüßt ihn sehr freundlich. 6B erscheinen In Berlin. Nur eine einzige von ihnen vertritt die großen Massen, die hinter der Sozialdemokratischen Partei stehen. 9ZZ064 W&Uu haben bei der vorigen Reichstagswahl In Berlin Ihre Stimme für die SPD. abgegeben. Der ist die einzige sozialdemokratische Tageszeitung in Berlin und das Zentralorgan der ?9539S6 Hlänuec üud Tcauet* die im Reiche für die SPD. gestimmt haben. Der„Vorwärts" erscheint täglich zweimal und kostet bei freier Zustellung einschließlich .VolU uud 2ai' der Illustrierten Sonntagsbeilage In Tiefdruck, 75 Pf. pro Woche. Ministerpräsident Ltto Braun wird sich wegen der Nichtausführung des Leipziger Urteils beschwerdeführend an den Reichs- Präsidenten wenden. Er teilte darüber vor Pressevertretern mit: „Wir sind bis zum letzten gegangen in der Verständigung. Ich werde daher in einem Brief an den Reichspräsidenten offen darlegen, wie die Zachlage nach der llnterredung sich dargestellt hat, daß eine loyale Durchführung und An- Wendung des Urteils von der Reichs- regierung nicht stattgefunden hat, daß sie vielmehr mit den kleinlich- sten Mitteln äußersten Wider- st a n d entgegensetzt. Ich werde weiter darauf hinweisen, daß der Reichs- Präsident berufen ist, das Urteil aus- zuführen, und daß ich hoffe, daß er dafür sorgen werde, daß der Reichskommissar für Preußen sich in den Grenzen hält, die ihm im Urteil vorgeschrieben sind, und daß die Preußische Ztaatsregierung wieder in das Amt eingesetzt werde, schließlich, daß wir bedauern würden, loenn wir nochmals gezwungen wären, wegen des Widerstands der Reichs- regierung den Staatsgerichtshof in Anspruch zu nehmen." Braun wird deutlich! Ministerpräsident Otto Braun führte weiter aus: In»er Presse ist in den letzten Tagen Unzu- stiedenheit mit der Haltung des preußischen Kabi- netts zum Ausdruck gekommen. Ein Teil der Presse verlangt von mir, daß ich mit der Faust auf den Tisch schlagen solle, andere sagen, ich werde aggressiv. Mit der Faust auf den Biertisch schlagen, macht sich ja ganz gut, besonders wenn Maßkrüge darauf stehen, die nicht kaputt gehen können. Aber ich bin Politik mit der Faust nicht gewöhnt! Das preußische Kabinett stellt sich auf den Boden des Leipziger Urteils in der Annahme, daß die Reichsregierung das Urteil loyal auslegen und ausführen werde. Ich habe dem Reichs- Präsidenten nahegelegt, auf die Reichs- regierung einzuwirken, daß sie das Urteil loyal auslege und ausführe, Ich habe es da'ei als selbstverständlich er- achtel daß die preußischen Minister in chre Aemter wieder eingesetzt werden und daß über die Abgrenzung der Zuständigkeilen eine Verständigung stattfinden müsse. Der Reichspräsi- denl hat mir darin zugestimmt. Es ist bisher leider nicht gelungen! Das liegt nicht an der preußischen Regierung. Ich habe schon beim Reichspräsidenten aus die Pressemeldungen hingewiesen, wonach becbsicht'gt sei, die Ministerialzuständigkeiten in Preußen anders zu regeln und das Wohl- fahrtsmini st erium aufzulösen. Ich habe darauf hingewiesen, daß die, nicht anginge, daß Ich auch nicht anerkennen könne, daß es z u r Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung nötig sei. die Zuständigkeiten zu ändern ohne die Zustimmung des Skaatsministe- riums und des Landtag». Bei der Gelegenheit hat der Reichskanzler nicht ein Wort davon gesagt, daß diese Maßnahmen bereits beschlossen seien, daß das Gesetzblatt darüber bereits gedruckt vor- liege. Denn als ich wieder zurück zum Wahl- fahrtsministerium kam. lag das gedruckte Gesetz- blatt bereits vor. Zudem war es unterzeichnet- „Das Staatsm-nisterium," Stantsministerium ist lediglich die alle preußisch« Staat-reoierung. N i e- ma n d ha t da? Recht, sich außerdem io zu nennen. Man kann üi er dies Verhalten denken wie man will, ober eine Absicht zur ver- ftändim'na und lonal-r Zriommenarbest kann man'meifellas aim dieiem verhalten des Reichskommissars nicht erkennen. Nun werden meiter Schwieriakeiten gemacht wegen der Einsetzung des Staatsmini- st e r i u m» i n d a s A m t. Die Reichsrecierunq hat d-rüber in der Presie einiges oerlautbaren lasten. Die„DAZ," bringt heute eine Notiz „Braun wird agarestiv", in der offiziös erklärt wird, daß die Stellungnahme des preußischen Staatsministeriums irresülmend sei, wenn belmimtet wird, daß die Pflicht bestebe da« preichische Staatsministerium wieder in leine Aemter einm- setzen. Am 20, Juli w»>-den die St--at?minit'er ihre« Amte? enthoben Wir klaaen. Der St-rits- gericht«hof erklärt:„Die Reichsreaierung hatte nickt da« Reckt, d'e Minister ihre? Amtes w entheben, Wa« enashs sich daraus für den gesunden M-ns-b-nverstand? Es ist nickt richstn daß der Staat?aeri-Z-t«hof uns einige Beluaniste z'-erkennt hat. Vielmehr hat er uns Z'-erkamrt daß mir re-k-fmästia in un- serem Amte sitzen, Ri-t-t im» sind �«suamsse ich ertragen, sondern dem Reichskommissar eitzige Be- fimniste der Staatsrealerung! Es wird nun versüßt, die Anaeleaenhelt zu bagatellisieren durch die Behauntnna die Sache schrumpfe ans den Streit um die Räume zu- sammen. Zum Amt gehört das Anit«nebäuoe. der Beamtenanporat olles, was zur Amt«aus- Übung nötia ist. Es mun atsa der Zustand her- gestellt werden, der am 20, Juli recht-midrig be- seitigt worden ist. Das Staatsministerium bat Der preußische Unterrichtsminister Grimme sprach in einer großen Wahlkundgebung in Bad Homburg. Er führte u. a. au«: Adolf Hitler Hai im August deutlich bewiesen, daß ihm seine Partei über alles geht, während sein Vaterland für ihn Luft Ist. hätte die Sozialdemokratie ttzlS ebenso wie Hitler gehandelt, dann wäre Deutschland heute nicht mehr am Leben. Die Führergualitäten hillers zeigen sich am besten darin, daß er aus seinem Sieg vom M. Juli nichts gemacht hat. Alles Geschrei der Razis kann nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, daß der Herrenreiter Papen auf einem braunen Pferdchen auf dem Sportplatz der deutschen Politik eingeritten ist. (Stürmische Heiterkeit.) Bei näherem Zusehen stellt sich Popens autoritäre Staatsregierung als ein lackiertes Schild heraus und. kratzt man den Lack ab. so kommt darunter das Wort vom Obrig- kcl'sstaat zum Vorschein. Diesen Obrigkeitsstaat will die deu'sche herrenkaste wieder errichten. Herr von Papen kann sich dabei nur auf einen verschwindenden Bruchteil des deutschen Volkes stützen. Im Leipziger Prozeß hal die Reichs- regierung das letzte Stückchen Prestige im deutschen Nie Reichsfinanzen Kleiner Ueherschuß im September Im Monat September betrugen die Reichs- einnahmen aus Steuern, Zöllen und Abgaben nach den Mitteilungen des Finanzministeriums 587 Mill. M. und die Ausgeben 566,6 Mill, M, Es ergilt sich für September somit eine Mehr- einnahm« von 20,4 Mill. M. gegenüber einer Mehrausgabe von 4,3 Mill. M. im Monat August, Die Einnahmen in den ersten 6 Monaten oes lausenden Rechnungsjahres blieben mit 3.73 Mil- liarden zwar erheblich hinter dem Voranschlag zurück, über st eigen jedoch die Ausgaben mit rund 3,63 Milliarden um rund 09,3 Mill. M. Volke verloren. Daß Severing selbst den Reichs- kommissar gefordert habe, glaubt außer Papen kein Mensch in Deutschland. Zch muß die Frage, die ich in Hamburg an Herrn von Papen gcrichlel habe, hier erneut wiederholen: hat diese an- gebliche Aeußerung Severing» eine Rolle gespielt, als in Reu deck die Unlerschrift von Herrn von hinden- bürg eingeholt wurde zum Vorgehen gegen Preußen?(Stürmische hört-hörl- Rufe.) Die Antwort steht bis heute aus. Wir müssen verlangen, daß die Regierung noch vor dem 6. Rooember eine eindeutige Antwort gibt. Für religiöse Menschen ist e» onerträalich. daß Herr von Panen iich so oft aus den lieben Gott beruft. Gott ist kein staatsrechtlicher Lück-mbüßer. Konflikte innen, Konflikte außen, das sind die Beoleifersch«innngen dieter Regieruna, die auch in außenpolitischer Beziehung eine klassische Regie- rung der Wcllfrcmdheil ist. Hitler hat den haß mobilisiert, hugenbero das Kapital. Wir wollen den Solidarität«- gedanken mobilisieren, um die Menschheit zu befreien Im Geiste des Sozialismus.(Langan- haltender stürmischer Beifall.) Der au»»em Vorjahr übernommene Fehlbetrag von 1532,3 Mill. M. sank infolge Schuldentilgung auf Grund oes Tilanngsgesetzes vom Oktober 1930 um 210 auf 1322,3 Millionen, linier Einrechnnng des Einnahmeiiberjchulses beträgt demnach das Defizit im ordentlichen Etat Ende September 1223 Millionen, Im außerordentlichen Etat wer- den keine Einnahmen ausgewiesen, dagegen?Ius- gaben in Höhe von 12,3 Mill, M,— Die Gesamt- schuld des Reiches erreichte Ende September 10,5 gegen 10,63 Milliarden Ende Juni d. I. Das jugoslawische Kabinett hat seinen Rücktritt eingereicht. Der König hat den Rücktritt der Re- gierung angenoiiimrn Dle Terroriflenbande von Schlesien deines uml seine Leute vor dem Sondergericht Die Exekution von Eutin Eigener Bericht des„Vorwärts" Schweidnitz, 3. November. Vor dem Sondergericht beim Landgericht Schweidnitz in Schlesien begann heute der Prozeß gegen die Nationalsozialisten, die an dem Attentat auf den sozialdemokratischen Redal- t e u r P a e s ch k e vom„Proletarier" In R e i- chenbach(Eulengebirge) beteiligt gewesen sind.- Bei diesem Attentat, das in der Nacht zum 9. August stattfand, wurde der SA-Mann I a e h n k e von dem Sprengkörper, mit dem Paeschke„erledigt" werden sollte, in Fetzen gerissen. Die nationalsozialistische Presse ver- suchte sofort mit der ihr eigenen Unverfrorenheit, den Sachverhalt zu fälschen, indem sie bewußt ver- breitete, Jaehnke sei das Opfer eines Mord- anschlages von Reichsbannerleuten und Kommu- nisten geworden. Der preußische Reichskommissar Dr. Bracht zwang damals den..Angrifs", der den Fall zu einer wüsten chetze benutzte, eine Auflage- Nachricht zu bringen. Wie gespannt die Atmosphäre in Schweidnitz ist, zeigt die Tatsache, daß Redakteur Paeschke, der als Nebenkläger zugelassen ist, gestern abend in Schweidnitz von Nazis erkannt und verfolgt wurde, so daß er unter dem Schutz der Polizei in sein chorel gebracht werden mußte. Auch vor dem Gerichtsgebäude, das stark polizeilich gesichert ist(die Waldenburger Schutzpolizei ist zur Verstärkung herangezogen worden), herrscht dieselbe Atmosphäre. Einwohner stehen in Gruppen auf der Straße umher und beobachten den Aufmarsch der Prozeßbeteiligten. Starke SA.-Trupps erscheinen in Massen und benehmen sich ungemein provokatorisch. Der Gerichtssaal ist schon vor Deginn der Verhandlung stark bewacht und polizeilich gesichert. Der Zu- Hörerraum ist säst ausschließlich von Nazis besetzt, die sich und die Angeklagten, die natürlich in SA.-Uniform erschienen sind, ungeniert mit dem Hitler-Gruß begrüßen. Dies steigert sich noch, als der Angeklagte cheines erscheint. Der angeklagte Standartenführer Rauscher betritt die Anklagebank mit den Worten:„Stan- darte 46 in bester Ordnung." Die Angeklagten gehören sämtlich der Standarte 46 an. Angeklagt sind: der handlun-zsgehilse Erich Wagner- Reichcnboch, der Arastwaoenführer Herbert Polomski- Breslau, der Elektriker Woltcr-Rei chenbach wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit verbrechen gegen dos Sprengstofsgeseh. Ferner sind angeklagt: Sturmbannführer Stabs aus Fürstensteln, Standartenführer B a u s ch e r, Dillmannsdors, Gruppenführer Heines, Breslau. Slabsührer Heyn, Breslau, wegen Begünstigung. Wie die Bombe explodierte Nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses folgt die Vernehmung der Angeklagten, zunächst des töjährigen Krastwagenführers Polom- s k i. P. hat am Abend des 8. August den Jaehnke und einen Begleiter, den er nicht kennen will, mit dem Wagen von der Untergruppe Schweidnitz der NSDAP nach Reichenbach gefahren. Beim Ein» steigen habe der Begleiter Jaehnkes daraus hin» gewiesen, daß Jaehnke eine Bombe bei sich trage. Unterwegs hätten Jaehnke und der Unbekannte davon gesprochen, man wolle dem Paeschke einen Schreck einjagen, damit er aus Reichenbach verschwinde. Er sei mit dem Wagen bis zur Pulverstraße gefahren, in die Nähe des Tatortes. Jaehnke sei aus die Synagoge zu» gegangen, in der Mitte des Weges habe Jaehnke die Bombe angezündet, die Bombe fei explodiert, und da man Stöhnen gehört Hab/, fei man der Meinung gewesen, llaehnke sei etwas passiert. Da sei er mit Wagner in das Auto gestiegen und nach Breslau gefahren. In Breslau habe er bei Heines Geld bekommen, fei nach Zürstensicin gefchickl und später durch den Slabsührer Stabs nach Beichensorst gewiesen worden, wo er bei einem Hauptmann Müller als Herberl Schmidt unter- gebrach' worden sei. Der 2Zjährige Handlungsgehilfe Wag- n e r ist am Nachmittag des 8. August mit Jaehnke zusammen gewesen, der chn gefragt habe, ob er an einem Sprengstosfattentat auf die Synagoge teilnehmen wolle. Er sei schließlich beauftragt wordeii das Auto an den Tatort zu dirigieren. Dort sei er mit einer Viertelstunde Verspätung, um Vi) Uhr nachts, eingetroffen. Er sei weggeschickt worden, um Streichhölzer zu holen, weil Jaehnke angeblich eine Zigarette rauchen wollte. In Wirklichkeit brauchte man die Streichhölzer zum Anzünden der Bombe. Der Angeklagte wird gefragt, ob er verpflichtet gewesen sei, einer An- ordnung Jaehnkes, an dem Attentat teilzunehmen, zu entsprechen. Der Angeklagte schweigt und er- klärt schließlich, darüber könne er keine Aus- k u n s t geben. Da Wagner immer wieder daraus hinweist, daß ein Attentat aus die Synagoge und nicht aus Paeschke verübt werden sollte, wird ihm vorgehalten, daß er Iaehnke aus das kommen Paeschkes aufmerksam gemacht habe. Ferner stellt der Vorsitzende fest, daß die Attentatsstelle weiter von der Synagoge, als von der Woh- nung Paeschkes in der Trenkstrahe entfernt ge- wesen sei. Auch hinsichtlich der Zusammenkunst mit Heines in Breslau verwickelt sich der Ange- klagte in Widersprüche. Er bestreitet, länger mit Heines gesprochen zu haben Ihm wird vorge- halten, daß er in einem Brief an seine Eltern von einer zweistündigen Unterredung mit Heines gesprochen habe. In diesem Brief nennt er die Tat einen politischen Anschlag, für den es einmal eineAmnestie geben werde. Nach der Verlesung eines Briefes, den der Nachfolger Heines in Reichenbach, von Ober- nick, an den Angeklagten geschrieben hat, erklärt der Vorsitzende, wenn man den Brief lese, be- komme man den Tindruck, es hätten auch andere Stellen von den Absichten Iaehnkes usw. gewußt. Die VersntworiimZ der NSDAP. Bei der weiteren Vernehmung Wagners, der als der Hauptattentäter anzusehen ist, wird auch ein Protokoll oerlesen, nach dem Wagner gesagt hatte:„Ich hatte die Ueberzeugung, daß Jaehnke auf Anweisung handelte. Jaehnke sagte mit aller Bestimmthest, daß er die Bombe besorgen werde. Ich hatte das Empfinden. daß die Partei hinter solchen Taten st e h t." Wagner versuchte sich damit herauszu- reden, daß er seine damaligen Aussagen unter dem Einfluß des Oberstaatsanwalts gemacht habe. Die Vernehmung des Angeklagten Wolter, der jede Beteiligung bestreitet, ergibt nichts Wesentliches. Es tritt hierauf eine anderthalbstündige Mittagspause ein. Vor dem Gericht hatten sich die nach Schweidnitz beorderten SA.-Leute ver- sammelt, die Heines mit Gejohle und dem Ge- brüll„Deutschland erwache!" empfingen und mit ihm in geschlossenem Zuge zu seinem Hotel zogen. Das Dcmonstrationsverbot gilt ofsenbar ln S-blelien nicht. Nach der Mittagspause wurde der Ange- klagte Stabs vernormnen, der der Leiter der SA.- Wehrsportschule in Fürsten- st e i n ist. Bei dem trafen Wagner und P o l o m s k i nach dem 9. August ein. Sie brach- ten einen Brief aus Breslau ohne Kopf mit, der eine unleserliche Unterschrift trug und in dem Osr ctsutsotinstiongisSllrgsrmsistsr vonETutin wurde von dem Nazi-Reglerungspiäsidenten gewaltsam aus dem Amt entlernt. Bürgermeisteramt EUTIN Der rausgeworfene Deutschnationale:„0 weh, mir fallen all meine preußischen Sünden ein," diert. Ferner enthielt er die Anweisung, den Brief zu vernichten. Auf die Frage des Vor- sitzenden, ob ihn das nicht stutzig gemacht habe, gibt er eine nichtssagende Antwort. Auf die Frage des Vorsitzenden aber, ob er den Brief für einen Befehl einer übergeord- n e t e n Stelle gehalten habe, der er G e- h o r s a m schuldet, antwortet er bejahend Bei einer früheren Vernehmung hat Stabs erklärt, daß der Brief von dem Stabfllhrer Heyn unter- schrieben gewesen sein könnte. Stabs hat den Wagner angewiesen sich in Fllrstenstein an Schmidt zu wenden. Wagner ist von dem Ober- führer von Obernick abgeholt worden, Polomski wurde von einem Meldefahrer nach dort mit- genommen. Der Oberstaatsanwalt gibt Mitteilung davon, daß bei der Vernehmung in Reichenbach der G r a f S p r e t i an ihn herangetreten sei und ihn daraus hingewiesen habe, die Bombe sei von Linkstreisen aus Jaehnke geworfen worden. Der Oberstaatsanwalt Hai ihm aber" erklärt, das sei nach Lage der Ermittlungen ausgeschlossen. Der angeklagte Sturmbannführer Rauscher erklärt, der Befehl, Polomski von Fürstenstein wegzuführen, sei von seinem Adjutanten ossenbar auf Anweisung der Gruppe gegeben worden. Auf die Anweisung einer Stelle, die er nicht kenne, nahm er dw Papiere und den Kontattschlüssel des Autos an sich, mit dem Gerirud Bindernagel Ihre Bedeutung als Sängerin Gertrud Bindernagel ist gestern plötzlich an tungenembolie gestorben. Die letzte Rolle, in der wir sie, in der wir ihre herrliche Stimme erlebten, war die der Brün- Hilde in„Siegsried". Es war ihr nicht immer gegeben, der sichtbaren Gestalt Wirklichkeitsillu- sion abzugewinnen; so war es auch da. Aber d i e Stimme stieg auf, diese ungeheure Stimme von seltener Größe, seltenem Glanz und seltener Kultur: ,heil dir. Sonne, heil dir, strahlendes Licht." Diese Stimme, nun für immer verstummt, war selbst ein strahlendes Licht, das in„Fidelio" (Leonore), in Verdis Werken(Lady Macbeth, Amelia u a.) in Wagners Pctralogie leuchtete wie kaum ein anderes und ihre Trägerin Triumphe feiern ließ. Der tragische Tod der Sängerin ist für die Charlottenburger Oper, die sie jetzt m ihrem Neuaufbau nötiger gehabt hätte als je, ist für die ganze deutsche Opernbühne ein unersetz- sicher Verlust. stand, die beiden seien zum Lehrgang komman- Polomski nach Fürstenstein gekommen war. Methode der Provokation Nationalsozialistische und kommunistische Arbeiterschädlinge In Hamburg haben sich in den letzten Tagen eine Reihe von blutigen Vorfällen ab- gespielt, deren Aufeinandersolge höchst lehrreich ist. Zunächst überfielen Nationalsozialisten eine Gruppe von Stahlhelmern und stachen einen Stahlhelmsührer in der brutalsten Weise mit dem Messer nieder.» Es folgte daraus eine heftige Erklärung des Stahlhelms gegen die nationalsozialistischen Mär» derdanden. Bemerkenswerterweise jand diese Stahlhelm-Erklärung in der Rechispresse kein Echo. Vielmehr riet die Rechtspresse den Stahlhelmern und den Nazis sich zu vertragen, und die Folge war denn auch, daß die streitenden Harzburger Brüder, die eben noch gegeneinander mit dem Messer gearbeitet hatten, einen Burgfrieden ,n Hamburg schlössen. Schon am nächsten Tage folgte der nächste Akt: ein organisierter mörderischer Ueberfall auf Reichsbannerleute, bei denen ein Reichs- bannermann ermordet wurde Weiterhin erfolgten nattonalsozialistische Uebersälle . �ÖO.- Bütydd und w&dvoii& HceUe- sind fllr die Leserinnen des„Vorwärts" durch Teilnahme an dem Preisausschreiben des..Vorwärts" zu gewinnen Verlangt werden fllr den Wettbewerb kleine literarische Beiträge. Niederschriften und knappe Sk zzen, deren Tnema trei gewählt wercen kann. Die Einsendungen müssen bis zum I Dezember 1932 eingegangen sein Neue Abonnentinnen erhalten auf Verlangen kostenlos den Abdruck der Bedingungen für die Beteiligung an dem Wettbewerb. auf Kommunisten die zwei Todesopfer auf kommunistischer Seite erforderten. Gemordet wird von den Nationalsozialisten auf alle Fälle— wer ermordet wird, scheint bei ihnen gleichgültig zu sein! Die Kommunisten aber gingen nun ihrer- seit? zur Blutrache über, der nächste Akt des Dramas war ein kommunistischer Ueberfall auf Nationalsozialisten. * Und nun schreit die gesamte sogenannte nationale Presse in ganz Deutschland Zeter und Mord- über den„Terror des roten Untermenschentums in Hamburg"! Atardgeist der Zehnjährigen In einem Rundschreiben der Braun- schweizer Hitler-Jugend heißt es: „Im Kampfmonat werden Klebezettel verteilt, und zwar nicht mit spießbürgerlichen Aufschriften, wie„Kommt zu uns", sondern mit Texten wie „Hitler-Iungen merkt euch die mar- xistischen Provokateure" oder„Tau- sendsältige Rache für jeden gemeu- ch e l t e n h i r l e r- I u n g e n". Die anläßlich der Winterosfensive herauskommenden Flugblätter sind äußerst scharf gehalten. Sie greifen den Gegner in brutaler Weise an und sind glänzend zur Ver- teilung geeignet, weil sie aus dem Rahmen des Alltäglichen herauesallen." Das-sind nette Früchtchen! Dafür hat aber auch Herr Bracht in Preußen die nationalsozialistischen Jugendorganisationen in das amtliche Verzeichnis der staatlich geförderten Jugcndpslegeorganisa- tionen ausnehmen lassen. Radikaler Parteitag Eigener Bericht des„Vorwärts" Paris, 3. November. In Toulouse begann am Oonnerstaxvor» mittag der 29. Kongreß der Radikaler» Partei. Etwa 1699 Delegierte und 299 Paria- mentarier, tarunter die meisten Minister, nahmen an dem Kongreß teil. Ln der Vormittagssitzung, die der Prüfung der Mandat« und der finanziellen Lage der Partei gewidmet war, teilte der Kassierer m», daß die Partei zur Zeit 119 99t) zahlende Mitglieder um» fasse. Die Nachmittagejitzung, zu der auch herriot erschien und mit Beifallskundgebungen begrüßt wurde, begann mit Ansprachen des Ehren- Vorsitzenden Maurice Sarraut und des Mi» nisterpräsidenten, der Vorsitzender des Exekutiv» ausschusses der Partei ist. Sarraut erklärte in seiner Rede u. a. über die A b r ü st u n g s f r a g e: „Das Problem, das zur Zelt aufgeworfen ist, übersteigt die Persönlichkeiten, so hoch gestellt sie auch sein mögen Man kann die ungeheuer ernst« politische Krise verkennen, die entstehen würde, wenn die Partei bei ihren Bemühungen scheitern sollte. Diese Krise muß aus alle Fälle vermieden werden. Wir können das. wenn wir es wollen. Es genügt, zu diesem Zweck alles Trennende bei» feite zu schieben und nicht einen Augenblick das zu erreichende Ziel aus den Augen zu verlieren. Es kann genügen, auch darübel nachzudenken, daß eine Auswechslung des Gespanns in einem Augenblick, in dem die gefährlichste Stelle zu passieren ist, ein Fehler wäre, der nicht begangen werden darf." Anschließend begann die Debatte über die all- gemeine Politik der Partei, über die der Vize- Präsident der Kammer, Deibos, Bericht er- stattete. Lprenßst die kesseln! Macht euch frei! Volksbekenntnis: Liste 2! SoxüaMemokr aten! Hierzu 2 Beilagen S«..Uotmans-«Idjtint wocheniiiaiich zweimal Tönnings und-Siontags einmal 3ttuftnerte Sonniagsdeiiage«olt und Zeit" r B e z u g»? t e t i«:«ijchentii-t, 71 Pt., rntmailich 3.25 21!.(baoon 87 PI inonaiiich Uli Zustellung in« Hau«) im Daraus jat)lboc Postbezug 39, 3J! einschiießtich SN PI Postzeltuna. und 72 Iis. Pas>kes>e0gedllt>ren.'Ausiandsabrnneinenl 5,65 M. pro Monat! sllr Sandel mit ermäßigtem Druitsachenparlo 4 65 M Bei 21. stall der Eieleiung wegen böherer Sewaii besteh! kein-Anspruch der-Abonnenten aus Trsog«n z e i g e n p r e i s e i Die e i n I p a I I t g' Millimeterzeile 3i> Ps.. Retlamczeile 1,5« M.»leine Anzeigen" da« setigedruitte Morl 20 Pt lebe« weiten •ii.rt 10 Pf Rabatt laut Tarn Worte Uber 15 Buckistab-n zllbien sllr zwei Worte Ardeitsmartt Millimeterzeile 25 Pf. Familiennnzeigen Millimeterzeile 16 Pf Anzeigenannahme im S a u p t g e s ch itn> Sindenstr. 3, wochentäglich uon 8', bis 17 Uhr Der-Scriog behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor./ Perantwortlich für Politil: Rudolj Brenden- llhl; Wirtschaft: IS. Älingeliiöser! Gewertschastsbewegung- J. Steiner-, Feuilleton: H-rder» Sie tc-, Solales und Eonsliges: Fritz«arstädt! Anzeigen: Otto Sengst! sämtlich in Berlin. I Verlag: Vorwärts-Verlag®. m. b. H.. Berlin. Druck: Vocwärts.Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Einger u. Co.. Berlin EW. 68. Sindenstr. tz. Schfllzt die sozialen Errungenschanen! Holt das uerlorengegangene wieder! Kämpft mit uns für den Sieg des sozialismust Die kommunistische Presse hatte de» Bericht über die neuesten Beschlüsse Di« Kommunist««! gegen K«n KünöigUNgS schütz des Etekutivkomstces der Kommunistischm Internationale mir einem � Veranlassung der sozialdemokratischen Fraktion bat der Reichstag im Artikel begleitet, in dem der Sah vorkam:„Das Ende der lozialen Re- Sommer l9ZK einen kundigungslchuh»ur altere Sngefteltte ge- sormcn bedeutet den gesteigerte« Hencralangrist aus»i« sostale« Bis dabin harten die Unternehmer mir Vorliebe zuerst die alteren Lrrnngmschaste« der Krbeiterttlaste.?u gleicher Zeit aber wurde Mgestellten auf die Straße geworfen. Durch die Verlängerung der Kim- Nc Parole ausgegeben, öe«„Hauptlchlag gegen die öoeialdemo- digungssrist bis zu sechs Monaten wurde den alteren Angestellten eine, wenn straiic" xu führen. auch beschränkte Sicherung gegen die sofortige Vernichtung ihrer Eristen; Bisher harren die kommunistischen Parteiführer den Arbeitern immer ein- �„ren. An dem Widerstand der bürgerlichen Parteien ist damals cmc zureden versucht, es gäbe gar keine soziale« Prrungenfchaltcn. Je« weitere Ausdehnung dieses Schutzes gescheitert. Was tat die kommunistische aber rufen stc zu ihrer Verteidigung aus, zur Verteidigung der gleichen Er- In der Reichstagssilzung vom 2. Juli 1926 erklärte der Ab- rungenschaften, die die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften in jähr- geordnete Nörgler: zchntelangcm opferreichem Kampfe erobert haben......„Wir werden fe,l>stv-rstS«»li» g«ge«»i-f-n lächerliche« Re- Wemt es nach den Kommunisten gegangen wäre, so ständen die deurlchen gieru«gs!entto«rf stimmen. Wir werden aber auch gegen den Antrag der Arbeiter den Angriffen der Reaktion ohne jeden sozialen Schul, gegenüber. Regierungsparteien, rinnncn,weilcr...lediglichcinPalliarivmirtclchcnist". Die kommunistische Führung hat nämlich alles getan, um das Zustande- Die vielen Dausende von alteren Angestellten, die seitdem gemerkt haben, was kommen der loz>alen(.rrungenl chatten zu verhindern. Hier ist der eoku- Kündigungsschutz für sie bedeutete, werden es sicher nicht vergessen, daß inenrar„chc Beweis dasur. Kommunisten dagegen gestimmt haben. Di« Kommunist«« 0«0«« öi«!lrb°.ts>°l«n».«rs.ch°run0 x,i. Kommnnist.n 0.0«« das klrb-itsg-richtsg-s.tz Vor den, Kriege gab es in Deutschland keine öffentliche Unterstützung der Die Neuregelung des Arbeitsgerichtswesens, die im Jahre 1926 durch- Arbeiter>in Falle der Erwerbslosigkeit. Nur die H-wcrlilchatt-n habe» worden ist, hat eine wesentliche Verbesserung bei der Austtagung ihren arbeitslos gelvordenen Mitgliedern Bcistaiid geleistet. Eine der ersten Uon Streitigkeiten aus dem Arbeitsrecht gebracht. Vor der Schluß- -.atcn der fozialtcmokratilche« tZolksbeaultragte« war die Ar- ubstiininung am 11. Dezember 1926 erklärte der kommunistische Abgc- beitslosenfürsorge. Dieses Softem ift im Jahre 1927 durch das Gesetz ordnete Vertz: über Arbeirsloscnversichcrung und Arbeitsvermittlung abgelöst worden. zgenn man sich nicht an den äußerlichen Klang des Wortes„Arbeits- Die l ozialdemokratilche Reicl>stagssrakr>on hat ihnen ihre Zustimmung ge- geoicht" halt, sondern sich mehr um das innere Wesen der ganzen Ratcric geben, obwohl es nicht alle Forderungen der Arbc.tcrschas« ertullrc. Die ttümmt. muß man zu der Überzeugung kommen, daß dieses Gesetz keine kommunistische Kaktton dagegen ließ m derWchlutzabstnnniung vom 7.Jul, Reforni. am allccwemgften ei«« f-zial- darstellt... Man 1927 durch den Abgeordneten Naoel wortlich erklaren: wird sehen, daß im Arbeitsrechtswesen kein anderer Zustand herbeigeführt „Die kommunistische Fraktion hat bei den Beratungen über das Arbeits- wird, ja, er wird noch schlechter durch dieses Gesetz und deshalb auch losenversichcrungsgesetz keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie grunö- unsere ablehnende Stellung." Mtzlich gegen dieses Hetetz ist... Die kommunistijche Fraktion Inzwischen hat„man", nämlich die Arbeiterschaft gesehen, daß das Arbeits- lehnt dieses Gejetz, das ein Stück der reaktionären Vürgerblock- genchtsgesetz trotz mancher Mangel im einzelnen doch einen Fortschritt ge- Politik ist, ab. genüber den früheren Zustanden darstellt, also eine soziale Errungenschaft Die Kommunisten haben also die Arbeitslosenversicherung nicht etwa des- ist, zu deren Verteidigung jetzt auch dieKommunistischeParteileitung auftuft. wegen abgelehnt, weil sie zu wenig brachte, sondern weil sie„grundsatzlich" � gegen das Gesetz waren. �egm kapltaltsttsche Reemttlm � bat die kommunistijche Reichstagsftaktion auch die Erweiterung des Dse mommumsten gegen ose nrssenfursorge Schutzes für Schwangere und Wöchnerinnen, die Ausdehnung der Die gleiche ablehnende Stellung hat die kommunistische Reichstagsftaktion Unfallversicherung, wie überhaupt jede Erhöhung der sozialen Leistun- eingenommen, als es sich darum handelte, den in der Versicherung aus- gen abgelehnt. Sie ist auch stets gegen das Tarifrecht aufgetreten. Nur gesteuerten Erwerbslosen den weiteren Bezug von Unterstützungen zu in einem Falle machte sie eine Ausnahme. Am 23. Juli 1926 stimmten sichern. In der Reichstagssitzung vom 13. November 1926 erklarte die Kommunisten gemeinsam mir den Sozialdemokraten für das Reichs- Frau Ärenöfee ausdrücklich: Wir werden gegen die Rrifenfurforge KnappfchaftSgefesi. Diese vernünftige Haltung trug der kommu- stimmen und die Erwerbslosen zumKampfe auftufen." Undam 1 1.Juli 1928 nistijchen Fraktion aber eine scharfe Rüge erst durch ihre Presse und dann hat der kommunistijche Reichstagsabgeordnete Rädel ausgerufen: durch die Leitung ihrer Partei ein. „Ja, noch im Wahlkampfe brüstete sich die Sozialdemokratie damit, Wir brauchen diesen Tatsachen nicht mehr viel hinzuzufügen. Sie zeigen, daß sie mit dem Arbeitslosenversicherungsgesetz eine wesentliche sozial- daß alle sozialen Errungenschaften das Werk der Sozialdemokratie sind. politische Errungenjchaft erobert habe." Die-kommunistische Partei hat ihre Schaffung zu verhindern gesucht, sie In der gleichen Sitzung bezeichnete Herr Rädel die Krisenfürsorge„als leistet der Reaktion bei ihren Angriffen auf die Sozialgesetzgebung Vor- das Resultat der sozial-reaktionären Bürgerblockpolitik", an der die Sozial- schub, wenn sie dazu auffordert, den Hauptschlag gegen die Sozialdemokratie demokratie mitgeholfen habe. Wie froh waren die Erwcrbslojen, wenn sie zu richten. heute die gleichen Unterstützungen beziehen würden, wie in den Jahren, als Jetzt lassen die Kominunisten in Berlin Plakate gegen die Regierung die Sozialdenwkratie ihren Einfluß auf Erhaltung und Erweirung der Hermann Müller anschlagen, als ob diese immer noch iin Amte Ware sozialen Leistungen ausüben konnte!" und als ob es keine Regierung der Varone gäbe! ist das reuetntienärer Klassenkampf? Nein, das ist eine Hirnverbranntheit, die den Klassenkampf des arbeitenden Volkes aufs schwerste schadigt! den Bruderkampf! Mr die soziale« Errungenschaften der Arbeiterklasse, sur Demokratie und Sozialismus mit yste2 Sozialdemokraten ERSTE BEILAGE FREITAG, 4. NOV. 1932 Der Wahlkampf aus der Höhe Wir werben für die Freiheit— Alle Mann an Deck: Nutzt die Zeit! Zu dem Sturm der Flugblätter auf die einzelnen Haushalte, neben den vielen überfüllten Verfammlun- gen und auster den wehenden Freiheits- fahnen, die da� Stadtbild kennzeichnen, wirbt die Sozialdemokratie schon seit Tagen mit ztvei großen Laut- sprecherautos für die Idee der Freiheit. Tag für Tag fahren sie in die entferntesten Vororte, an die Tore der Fabriken und durch den Lärm des Zen- trums. Ueberall aber wird der Wage» der Freiheit stürmisch begrüßt. * Eine von den Bezirken Kreuzberg und Neukölln einberufene Crwerbslosenoersammlung wurde zu einer mächtigen Kundgebung für die Sozialdemokratie. Gegenüber den demagogischen Scheinanträgen der Neuköllner Kommunisten aus «ine nicht durchzuführende Hilfe für die Erwerbs- losen, stellte sich die Versammlung einmütig in die Kampfeslinie der„Eisernen Front". Die„Kliems Festsäle" in der Hasenheide waren schon früh überfüllt und mußten polizeilich ab- gesperrt werden. Trotzdem nur Stühle aufgestellt waren, fanden nicht mehr alle Platz. Hier saßen die Männer im alten Arbeitskleid, das sie nun tragen müssen, auch ohne Beschäftigung zu haben. Blutjunge Menschen, die der Kapitalismus um ihren Lebensweg betrogen und Alte, die man aus ihrer Arbeit ausgestoßen hat, hörten die Worte Theodor Haubachs, der in einem IZ-�stündigen Referat das herrschende System geißelte und als einzigen Ausweg die Durchführung der sozio- listifchen Aktion aufzeichnete. Rettung für die Millionen Deutsche, die heule im tiefsten Elend sind, kann nur durch den Umbau der lvirlschast kommen, wie er von der Sozialdemokratie und den freien Gewerkschaften angestrebt wird. Reiht euch alle ein und sorgt dafür, daß das tot- geborene Kind der kapitalistischen Sanierung durch die Regierung der Barone von einem p r a k- tischen Sozialismus der Arbeiterschaft abgelöst wird. Einmütig wurde folgende R e s o- lution angenommen: Die am 3. November 1932 in Kliems Festsälen versammelten Erwerbs- losen Neuköllns stellen sich voll und ganz hinter das wirtschaftliche und sozialpolitische Programm der sozialdemokratischen Reichstagssraktion und der freien Gewerkschaften Sie fordern alle Prole- tarier Neuköllns auf, am ß. November nur die Lifte 2 der Sozialdemokratie zu wählen. Spandsu auf dem Posten Die Schlußkundgebung des Kreises Spandau war ein großer Erfolg. Die große Jubiläums- Turnhalle war bis auf den letzten Platz gestillt. In den Gängen und auf den Rängen drängten sich die Massen. Genosse Guth eröffnete die Versammlung und wies verschiedene Berleum- düngen zurück, die die Kommunisten im Ort ver- breiten. Junge Parteigenossen führten einen Sprechchor auf, der mit großem Beifall auf- bei. Am Schluß sang die Versammlung stehend das Lied„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit", begleitet von den Klängen der Reichsbannerkapelle. * In einer sehr stark besuchten Versammlung in Lichterfelde sprach Robert Breuer. Er schilderte überzeugend die Gesahr, in der sich die deutsche Arbeiterschaft befindet. Nach einer Kennzeichnung der wahren Situation am 29. Juli rief er zum Kampf für die Sache der Freiheit auf. Begeistert stimmten die Massen in den Freiheitsruf, der seine Rede schloß, mit ein. treu aurSostialdemohralie: tVerbung für die Tiste 2 an der iKellerirohnunq eines Zrnerbsloien in tempelhof genommen wurde. Das einstllndige Referat des Genossen K u t t n e r entfachte immer von neuem Zustimmung und Beifall der Zuhörermasse. Ellen T r e b u r g trug durch ihre Rezitationen zur weiteren Steigerung der begeisterten Stimmung Gewählt wird von 9 bis 6 Ahr Das Kreuz gehört ins zweite Feld! Am kommenden Sonntag wird die Wahl des Reichstages in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags in den von den Bezirksämtern bestimmten Abslimmungsräumen durchgeführt. Die Abgrenzung der Stimmbezirke und die Lage der Abstimmungsräume werden von den Bezirksämtern an den Litfaß- säulen bekanntgegeben. Aus diesen Bekannt- machungen müssen die Wähler ihren zuständigen Abstimmungsraum selbst feststellen. Die Stimmzettel sind wieder amt- lich hergestellt und werden im Abstim- mungsraum den Stimmberechtigten ausgehändigt. Der Stimmberechtigte muß auf dem amtlichen Stimmzettel den Kreiswahlvorschlag, dem er seine Stimme geben will, in einwandfreier Weise kenn- zeichnen. Dies geschieht am besten dadurch, daß in den leeren Kreis, der sich neben jedem Wahl- Vorschlag befindet, ein Kreuz oder ein ähnliches Zeichen gesetzt wird. Alle denkenden Arbeiter, Angestellten und Be- amten, alle Republikaner und Freiheilskämpser sehen das kreuz ins zweite Feld und wählen Sozialdemokraten, Liste 2! lottenburg zu. Dort stürzte, offenbar unter dem Einfluß des starken Regens, ein großer Koks- st a p e l zusammen. Der 43 Jahre alte Platz- arbeiter Richard S ch ü ß l e r aus der Charlotten- burger Straße in Weißensee wurde unter den Koksmassen begraben. Von Kollegen wurde der Verschüttete schwerverletzt geborgen und durch die inzwischen alarmierte Feuerwehr ins Moabiter Krankenhaus gebracht. DreiArbeiterverungwSl In den gestrigen Rachmittagsstunden ereigneten sich zwei folgenschwere Arbeilsunsälle. Im Hause Oranienstraße waren zwei Angestellte der Städtischen Gaswerke mit dem Einbau eines Gasreglers beschäftigt. An einer undichten Stelle der Leitung entströmten unbemerkt größere Gasmengen, so daß die beiden Arbeiter unter der Einwirkung der Gase betäubt zu Boden sanken. Von der Feuerwehr wurden die Gas- arbeiter zur nächsten Rettungsstelle gebracht, wo sie ins Leben zurückgerufen werden konnten. Der zweite Unglücksfall trug sich auf einem Lagerplatz in der Morsestraße in Char- ZW in Arbeitergruppe Hamburg, 3. Rovember. In Rothenburgsort ereignete sich ein schweres Unglück. Ein Güterzug, der sich auf der Fahrt von Harburg-Wilhelmsburg nach Hamburg befand, fuhr um 14.t0 Uhr am Vrückendamm in eine Arbeiterkolonne hinein. Drei Arbeiter wurden getötet, zwei schwer und mehrere leicht verletzt. Vier Krankenwagen sorgten sür den Abtransport der verletzten. Stimmzettel, die mehrfach oder überhaupt nicht gekennzeichnet sind, sind ungültig. Inhaber von Stimmscheinen können in einem be- liebigen Stimmbezirk des Reiches ihre Stimme abgeben. Der Stimmzettel darf nur in einem amtlich abgestempelten Umschlag, der ebenfalls im Abstimmungsraum ausgehändigt wird, dem Ab- stimmungsvorsteher übergeben werden. Das A n- kreuzen des Stimmzettels und das Hineinlegen in den Umschlag muß unbeobachtet erfolgen; jeder Stimmberechtigte muß sich deshalb in eine der im Abstimmungsraum aufgestellten Wahlzellen begeben. Der Abstimmungsvorsteher darf keinen Stimmberechtigten zur Abstimmung zulassen, der seinen Stimmzettel nicht in der Wahlzelle in den Umschlag gelegt hat. Allen Wählern wird emp- sohlen, das Stimmrecht möglichst bereits am Vormittag auszuüben. Notwendig ist Mit- nähme geeigneter Ausweispapiere. Anträge auf Ausstellung von Stimm- scheinen können bei den zuständigen Bezirks- ämtern(Bezirkswahlämtern) nur noch bis heute, 4 Uhr nachmittags, gestellt werden. Gertrud Bindernagel tot Die Folgen einer Fmholie Die Künstlerin Gertrud Bindernagel ist gestern nachmittag im Westend-Krankenhaus gestorben. Durch eine plötzliche Lungenembolie wurde dem Leben der bekannten Sängerin, um die sich die Aerzte seit tv Tagen mit allen zur Verfügung stehenden Rlitteln bemühten, ein jähes Ende gesetzt. Frau Bindernagel wurde bekanntlich in den späten Abendstunden des 23. Oktober nach Schluß der„Siegfried-Aufführung" beim Verlassen der Städtischen Oper in Charlottenburg von ihrem Mann, dem früheren BanLer H i n tz e, durch einen Schuß niedergestreckt. Die 24 Stunden später vorgenommene Operation nahm einen günstigen Verlaus, und so schienen alle Vorbedin- gungen für eine Wiedergenesung der Sängerin gegeben. Frau Bindernagel befand sich gestern, den Allgemeinumständen nach, in bester Ver- f a s s u n g. Ganz unerwartet setzte um 14.39 Uhr die Lungenembolie ein, die den sofortigen Tod zur Folge hatte. Durch das Dahinscheiden der Künstlerin erleidet die Städtische Oper einen außerordentlich schweren V e r l u st. Die Intendanz der Städtischen Oper hat aus Anlaß der Trauer die gestrige Abendvorstellung ausfallen lassen. Herbflsest der Hammerschast Ullstein. Die Hammerschast des Verlages Ullstein veranstaltete wie im vorigen Jahr ein großes H e r b st f e st, dessen Ertrag dazu verwandt wird, die Kinder von 199 erwerbslosen Arbeitern des graphischen Gewerbes zu Weihnachten mit Lebensmitteln und warmen Kleidern zu beschenken. Redakteur Salingre begrüßte die anwesenden Vertreter der Partei, Gewerkschaften und des Reichsbanners. Die Festansprache hielt Major Heinrich, der von den Anwesenden lebhaft begrüßt wurde. Er rief zur Wahl der Sozialdemokratie am 6. November auf. Vor und nach der Festansprache spielte das Tambourkorps des Reichsbanners Friedrichshain und eine Tanzkapelle. Verkaufsfell "ERMANN STR In wenig Worten AUHMlvk ött Die Deutsche Baugenossenschaft zu Berlin ist im August 1931 in Zahlungsschwierig- leiten geraten. Die Reichspost hatte sich dann be- reit erklärt, eine Bürgschaft zur Sanierung der Genossenschaft zu übernehmen, der zum größten Teil untere und mittlere Postbeamten angehörten. Wie die Baugenossenschaft jetzt mitteilt, lehnt die Post jeden Vergleich ab, so daß der Konkurs der Deutschen Baugenossenschast unvermeidlich ist. "k Auf Ersuchen des zuständigen Kreisarztes sind die Klassen V und VII der 2 3 8. Gemeinde- schule, Pappelallee 41a, wegen Diphtherieer- krankungen bis einschließlich Sonnabend geschlossen worden. * Vor dem Landgerichtsgebäude in G ö t t i n g e n wurde ein schwerer Raubüberfall verübt. Dem 18jährigen Kassenboten Heise der GLttinger Gewerbebank wurde von zwei Motorradfahrern seine Aktentasche mit 5909 M. Silbergeld entrissen. * In Niedervellmar bei Kassel spielte sich eine blutige Liebestragödie ab. Ein junges Mädchen aus Berlin namens Suse Lewin, unter- hielt seit längerer Zeit mit einem jungen Mann aus Niedervellmar ein Liebesverhältnis. In der letzten Zeit fühlte sich das junge Mädchen oer- nachlässigt und sann auf Rache. Es nahm eine Axt vom Gut mit und drang in das Haus seines Liebhabers ein. Im Schlafzimmer versetzte es dem Schlafenden mit der Axt einen Hieb gegen den Kopf. Dann trank das Mädchen eine Flasche Salzsäure aus. k Der 72jährige Landwirt Martin Wölke aus Treppendorf bei Lübben hatte am 8. Oktober den Amtsgerichtsrat Tilk im Lllbbener Amtsgericht erschossen. Der Mörder wurde noch an demselben Tage nach dem Untersuchungsgefängnis in Kött- bus übergeführt. Hier hat er ohne Angabe von Gründen seit fast drei Wochen jede Nahrungs- aufnähme verweigert. Sein starker körperlicher Kräfteversall brachte eine Herzschwäche mit sich, an deren Folgen der Mörder gestorben ist. Berlin muß laufen Der gestrige Nachmittag ist ruhig verlausen. An einzelnen Stelleu bildeten sich in den Abendstunden kleine Ansammlungen, die aber, wie die Polizei mitteilt, mühelos und ohne Zwischenfälle ausgelöst werden konnten. In den Straßen zeigte sich nach Arbeits- und Geschäftsschluß das schon in den Morgen- stunden gewohnte Bild. Zehntausende strömten den Stationen der Ringbahn zu. Im Spitzen- verkehr zwischen IS und 18 Uhr herrschte trotz verstärkter Zugfolge oftmals eine lebensgefährliche Fülle in den Abieilen. Ungezählte Passanten, be- sonders die Inhaber von Wochen- und Monats- karten machten den Heimweg zu Fuß, da ihnen einfach das Geld für die Ringbahn, geschweige denn für«ine Autodroschke fehlte. Zum Glück hatte der Regen in den Nachmittagsstunden etwas nachgelassen. Bon 16 Uhr ab waren die Straßen schwarz von Menschen, überall bewegten sich end- lose Passantenketten nach allen Richtungen. Die meisten Droschkenchauffeure sind mit der erhofften Bilanz des gestrigen Tages keinesweos zufrieden, denn die Einnahmen blieben hinter den (kxkaK-Meter in Aufregung— Gerichtsvollzieher geht ein und aus „Es war kein llebermut. als wir uns vor einigen Jahren die Neubauwohnungen nahmen. wir nahmen sie damals aus Not, weil es keine anderen Wohnungen gab. Aber heute, wo wir arbeitslos sind, wo man uns die Gehälter unglaublich gekürzt hat, wo wir nur noch vier Tage in der Woche arbeiten, können wir die teuren, unter ganz anderen Verhältnissen seslgesehten Neu- baumielen nicht mehr bezahlen." So sagte am Mittwochabend im großen Saal der Sophiensäle ganz klar und einfach ein Mieter aus den Gagfah-Siedlungen. Diese überfüllte Kundgebung war vorbereitet von einer Interessengemeinschaft der Gagfah-Mieter und daß man heute Versammlungsräume vom Ausmaß der Sophiensäle braucht, um die Miet- fragen einer einzigen Baugesellschaft zu disku- tieren, zeigt die außerordentliche Not auf, in die die Neubaumieter geraten sind. Seitdem die Gerichtsvollzieher in den Neubaublocks ein- und ausgehen, werden die Mieter rebellisch. Jetzt gehen die Neubaumieter allenthalben hin und holen sich die Bilanzen ihrer Gesellschaften, und wenn sie da für Verwaltungsunkosten Posten von 2 Millionen Mark ausgewiesen finden, dann schlagen sie die Hände über dem Kopf zusammen. Und so stand ein anderer Redner auf und sagte: „Wir müssen heute erleben, daß man die Unter- nehmer milliardenweis« mit Steuergut- scheinen füttert, daß man den Landwirten alles gibt, was sie fordern, aber uns Erwerbs- lose, uns Kurzarbeiter, uns Abgebaute, uns läßt man vor die Hunde gehen!" Die Interessengemeinschaft der Gagfah-Mieter schätzt die Höhe der Arbeitslosigkeit in einzelnen Siedlungen auf 3S bis 49 Proz. der Mieter, zu- sammen mit den Kurzarbeitern kommen bis zu 69 Proz. Notleidender vor. Die Brüningsche Mietsenkung war nur ein Tropsen aus dem heißen Stein, die Einkommenskürzungen waren doppelt so hoch wie die Mietnachlässe. Viele Gagfah-Mieter haben ihre Wohnung bereits auf- geben müssen, verschiedenen droht die Ex- Mission. Uebrigens befindet sich unter den zur Räumung Verurteilten auch der Vorsitzende der Interessenvereinigung, obwohl er nur einen Monat Miete rückständig ist. Während nun am Mittwoch in den Sophiensälen von den 7999 Gagfah- Mietern erst 1299 saßen, dann wird die Folge derartiger Kraftmeiereien sein, daß die Mieter noch rebellischer werden und zur nächsten Ver- sammlung werden vielleicht 3999 Mann im Saalbau Friedrichshain sitzen. Es wurde dann geschildert, wie dt« Mieter- Vertretung von Pontius zu Pilatus lief. Man ging zu den Regierungen, zu den Parlamenten, zu den Gewerkschaften, zur Reichsverstcherungsanstalt für Angestellte und abgesehen von einem Antrag, den das Preußenparlament einmal zugunsten der Neubaumieter annahm, hatte nur die Aktion bei der Reichsversicherung einigen Erfolg: dort er- klärte man sich bereit, in besonderen Notfällen über ein« Senkung der Hypothekenzinsen ver- handeln zu wollen. Die Gagfah-Verwaltung aber hatte vorher gesagt, sie hätte ihre Verträge mit ihren Geldgebern, sie könne nichts machen. Und als die Mieter nun zu diesem Geldgeber gehen, stellt sich heraus, daß der Geldgeber gar nicht so hartgesotten ist. Kein Wunder, wenn die Mieter rebellisch werden. Nun fordern sie: ISprozentige Mietsenkung, Schuldenniederschlagung für Mieter, die mehr als ein Jahr erwerbslos sind, Rücknahme aller Ex- Missionen, Zulassung der ratenweisen Miet- Zahlung, Uebernahme der Reparaturen durch die Gagfah und Mitbestimmungsrecht der Mieter. Abendstunden hinein beherrschten Radfahrer, Privatautos und Taxen das Straßenbild. Die Verkehrsschupos hatten durchaus keinen leichteren Dienst als sonst. Im Gegenteil: die Verkehrsregelung gestaltete sich bei dem regnerischen Tag und der seltenen Autosülle in den Hauptverkehrspunkten, wo sich der Massen- betrieb in einem Zeitraum von wenigen Stunden zusammenballte, sehr schwierig. Im Laufe des gestrigen Tages sind von der Polizei insgesamt 195 Personen f e st g« n o m- m e n worden. Die Mehrzahl wurde bis 22 Uhr von der Politischen Polizei wieder entlassen. Nur wenige, die sich wirklich strafbare Handlungen haben zuschulden kommen lassen, werden im Gewahrsam behalten und dem Schnellrichter vor- geführt. Verstärkter Stadtbahnverkehr Wie die Reichsbahndirektion Ber- lin mitteilt, ist auf der Ringbahn und auf den Strecken nach Tegel, Kremmen, Oranien- bürg und Bernau ein verstärkter Verkehr«in- gerichtet worden. Auch in der verkehrsschwachen Zeit werden Vollzüge gefahren und im Be- rufsverkehr auf der R i n g b a h n sind in die plan- mäßigen Züge sechs sogenannte Wagenzüge«in- geschaltet worden. An den Fahrkartenausgaben und Sperren ist durch erhebliche Personalver- stärkung dafür Sorge getragen, daß Stockungen, wie es gestern früh verschiedentlich der Fall war, Die Berliner Elektrizitäts-Union Die Berliner Elektrizitäts-Union G. M- b. H. ist nunmehr gegründet worden. In die neue Ge- sellschaft werden bekanntlich von der Stadt Berlin 38 Millionen Mark L-Aktien der Berliner Kraft- und Licht-A.-G.(BKL) von der Elektrowerke A.-G. 21 Millionen Mark und von der Preußi- schen Elektrizitäts-A.-G. ebenfalls 21 Millionen Mark L-Aktien der BKL., und zwar zu einem Kurse von 195 Proz. eingebracht. Das Stamm- kapital der neuen Gesellschaft beträgt demnach 84 Millionen Mark. Zu Geschäftsführern wurden bestellt von der Stadt Berlin Obermagistratsrot Dr. Ziethen, von den Elektrowerken Rechtsanwalt Dr. Hilb und von der Preußenelektra Regierung?- rat a. D. Dr. Weigert. vermieden werden. Wenn auch der Ansturm be- sonders auf die Ringbahnzüge zeitweise außer- ordentlich stark war, ist im großen und ganzen alles ziemlich reibungslos abgelaufen. Die verhaßte Freiheitsfahne Im Hause Lindenstraße 199, gegenüber dem Nazisturmlokal, hatte ein Parteigenosse an dem Fenster seiner Wohnung eine F r e i h e i t s- sahne gehißt. Als er gestern abend um 24 Uhr nach Hause kam, mußte er feststellen, daß Ban- diten die Fahne durch Bespritzen mit Salzsäure zerstört hatten. Das Fenster ist ziemlich niedrig gelegen, so daß die Täter ihr mutiges Werk in der Nacht von ebener Erde aus vollführt haben dürften. Die Hitler-Knechte offenbaren durch der- artig gemeine Kampfmethoden ihr wahres Gesicht. An den ✓/ l/eeldgt„l/öcwacU BERLIN SW68, LINDENSTR. 3 Ich abonniere den„Vorwärts" zweimal täglich frei ins Haus mit der illustrierten Sonntagsbeilage in Tiefdruck „Volk und Zeit" zum Preise von 75 Pf. pro Woche. Name: Wohnung:______ BEITRITTSERKLÄRUNG An den Be&icksvu&cutd Bcciiu. du$?4) (SozialdemokratischePartei Deutschlands) SEKRETARIAT: BERLIN SW 68, LINDENSTR. 3 Hiermit erkläre ich meinen Beitritt zur Sozialdemokratischen Partei Deutschlands• Bezirk Berlin An Beiträgen entrichte ich: Eintrittsgeld............. 50 Pf. m«nnl.i20Pt. welbl. ilOPt," Wochenbeiträge Summa............... Pf. .......................... ,den.............. Vor- und Zuname:.......... geboren am....................... zu. Staatsangehörigkeit:________ Beruf:______________ Bei welcher Gewerkschaft?____ .1932 Wohnung: Bei der Aufnahme Ist sehr erwünscht, da8 außerdem Eintrittsgeld mindestens die Beiträge für einen Monat(4 Wochen) gezahlt werden. Postscheckkonto: Berlin Nr. 14 1 57. Adolf Holz, Kasslerer, Berlin LW 68. U-BAHNHOP HERMANNPLATZ• DER KARSTADT-BAHNHOF BUTTER UND KÄSE Molkereibutter....... Pfd. 1.12 Tafelbutter I........... Pfd. 1.34 Markenbutter......... Pfd. 1.40 Bratenschmalz........ Pfd. 0.46 Rohschmalz............ Pfd. 0.46 Harzer........ ca. 1 Pfd.-Pck. 0.28 Camembert voiif. 2 Sdich. 0.35 Camembert voiif.•/, Sdidi. 0.55 AiiB.Stangenkäse20»/IJP,d. 0.42 Briekäse, vollf......... Pfd. 0.68 Bayr. Schweizer voilf.an Pfd. 0.92 OBST UND GEMUSE Kochbirnen u.-ApUt..Pfd. 0.18 Butterbirnen........... Pfd. 0.25 Bananen............... Pfd. 0.24 Dattel wein............. Pfd. 0.40 Kranzfeigen........... Pfd. 0.22 Zitronen............ 12 Stüde 0.38 Kot«, Weift-, Wirsingkohl 3 Pfd. 0.10 Möhren, Kohlrüben..... 3 Pfd. 0.10 Sellerie, Spinat..... 3 Pfd. 0.20 Rosenkohl........... 2 Pfd. 0.35 Tomaten holländi5dio...Pfd. 0.29 Bestellungen über 5 In unseren Dac W U RST WA REN Dampfwurst........... Pfd. 0.75 Fleischwurst............ Pfd. 0.85 Landleberwurst....... 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Fl. 2.95 Kalbskotelett...... an Pfd. 0.98 Tafelöl................. uter0.85 w«- Weinbr. Spazial...1 Ltr. m. Fl. 4*20 Kalbsschnitzel...... an Pfd. 1*28 Gersto u. Roggen gebrannt Pfd. 0.20 S C8 U G 1* IC VO U f � CL 2 Pfund................. FISCHE, RÄUCHERW. KONSERV. MARMEL. DELIKATESSEN Kabeljau Rotbars e. K......... an Pfd. 0.16 Junger Kohlrabi.... v, Ds. 0.43 fübben. Dillgurken St. 0.09, 0.07. 0.05 an'pfand� �»1 Seelachs o. Kopf i.G. an Pfd. 0.16 Gem.GemüseVjDs.l.ee, 1.10,0,70 0.58 reine Gewürzgurken �Pfd. 0.10_............. Kabeljaufilet....... an Pfd. 0.24 Stangenspargel stark...th Ds, 1.60 Portug. Oe sardinen..... 5 Ds. 0.78 rOSaneil T Q Grüne Heringe.an 3 rfd. 0.42 Stangenspargel»�er... Vi Ds. 0.70 Fischmarinaden..Port. Ds. 0.25 an Stück................#/✓»/ Lebende Karpfen an Pfd. 0.62 Preißelbeeren...... V, Ds. 0.78 Fischmarinaden... Ufr. Ds. 0.55 Tafel-LlkÖre 7 C/i Lebende Schleie..an Pfd. 0,65 Apfelmus tafelfertig..V. Ds. 0.60 Dreipack........../, itr. Ds. 0.48 Sorten...■/ Fl.£ V ........ Ptd. 0,24 Pflaumenmus„thuringia'' Topf 1.00 Sprotten inTomaten..... Ds. 0.30_ r 1* X■.. ........ Pfd. 0.32 Joh.-.Orang. Konfit. CO. 2Pfd.E. 0.93 Mixed-Pickles....... Pfd. 0.20 I ate I a pre I fj �[L ........ Pfd. 0,30 Viertrudit-Marmel. ca. 2Pfd.E. 0,75 Sardellenbutter.... 14 Pfd. 0.45 arnerik......... 3 Pfund /» ..an 14 Pfd. 0.35 Rübensaftnoturr. ea.2Pfd.Ds. 0.58 Ital. u. Heringssalat pfd. 0.58 Kartoffeln /f J ft ..... Zt Pfd. 0.48 Apfei-Gelee.......... Glas 0.50 Mayonnaise u. Remoul., Pfd. 0.29 10 Pfund................ C//�T werden prompt erledigt. Mengenabgabe vorbehalten. Verkauf soweit Vorrat • mber die Kapellen Emil Roösz und Gerhard Hoffmann Fettbücklinge Seelachs...... Makrelen..... Lachs In Stüdcen Ostseelachs... ald 0012, im N o v .f:' Qwqmm dßmeletepiöße Selbstmord mit Exportprämien Drei Beispiele von vernichtender Beweiskraft— Stürzt die Barone! Die Verschärfung der Krise und ihre unerwartet« Dauer hat fast alle Lander zu Maßnahmen ge- fuhrt, die Schrumpfung des Binnenmarktes durch verstärkten Export zu mildern. Mit der Aus- brettung der Wirtschaftskrise verringerte sich die Aufnahmefähigkest des Weltmarktes ständig, der Konkurrenzkampf auf dem verengten Weltmarkt- räum wurde immer heftiger, und so wollte man mit Exportprämien die eigene Konkurrenzfähigkeit erhallen oder noch steigern. Das völlig« Fiasko dieser Wirtschaftspolitik kann heute an folgenden Beispielen für England, Deutschland und Frank- reich nachgewiesen werden. Die Plundentwertung— eine Exportprämie? Seit mehr als zwei Wochen stürzt das englische Pfund Sterling von neuem. Di« wirtschaftliche Situation Großbritanniens ist wieder in den Mittelpunkt des internationalen Interesses ge» rückt. Als am 18. September 1931 das englische Pfund von der Goldbasis losgelöst wurde, herrschte bei den englischen Industriellen allgemein die An- ficht, daß eine Abwertung des Pfundes um 2t) bis 39 Prozent den englischen Waren in der Welt vor allen Ländern mit Goldwährung einen gewalligen Borsprung verschaffen mußte. Die englischechandelsbilanz der ersten neun Monate 1932 beweist einen eklatanten M i ß- erfolg. Auf den ersten Blick scheint sich Eng- lands Export mit einem Wert von 271,1 gegen 292,3 Millionen Pfund in der gleichen Zell des Vorjahres nicht schlecht behauptet zu haben. Das versuchte auch kürzlich ein Mitglied des Kabinetts Macdonald dem Unterhaus weiszumachen. Dabei wurde übersehen, daß es sich 1931 um Gold- pfunde und 1932 um Papier pfunde Handelle. Rechnet man nämlich den Papierwert vom Januar bis September 1932 in Goldwerte um, so ergibt sich Januar bis September 1931 Exportwert..... 5,96 Milliarden Mark Januar bis September 1932 Exportwert..... 3,94 Milliarden Mark Troß der 25- bi» Rprozenligen Exportprämie infolge der Abwertung de» Pfunde» ist der Wert der englischen Ausfuhr um nicht weniger al» 36,4 Prozent gesunken. Auch die Arbeitslosigkeit ging nicht zu- rück, sondern stieg. Ende September 1932 wurd«n in England offiziell 2,85 gegen 2,82 Millionen Arbeitslose im September 1931 gezählt: durch die verschärften Aussteuerungsbestimmungen sind noch etwa 409 900 bis 509 000 Arbeitslose hinzuzu- rechnen. Seinerzeit wurde die Pfundentwertung zugleich als ein Mittel zur Verhinderung des Lohnabbaues hingestellt. Di« großen Arbeitskämpfe, die feit dem Sommer England erschüttern, sind der beste Beweis dafür, wie die Unternehmerschaft sich jetzt mit Lohnsenkungen schadlos halten will, nach- dem die Devalvation als Exportprämie versagt dem die Devalvatton als Exportprämie versagt hat. Oeutsdie Exportprämien— Lohnabbau Di« gewaltsamen Eingriffe, die Deutschland 1931 in Gestalt von verordnetem Lohnabbau, zwangs- weiser Zinssenkung und der Preisabbauverordnung erlebt hat, dienten mit der Devise„Herunter mit den Gestehungskosten" gleichfalls dem Ziele, bei Erhaltung der Goldwährung der deutschen In- dustrie zur Stärkung ihrer Konkurrenzfähigkeit eine gewaltige Exportprämie zu verschaffen. Bei der Durchführung dieser Politik hat man in Deutschland das eiserne Gesetz umge- st o ß e n, daß ein st a r k e r Binnenmarkt Boraussetzung für die industrielle Exportsähigkeit ist. Das hat sich schwer gerächt! Nicht nur die Absperrungen des Auslandes, sondern zugleich der Kauskrastmord im Jnlande haben bewirkt, daß trog dieser Exportprämien die deutsche Ausfuhr viel rascher als früher zusammensackte, vom Januar bis September 1931 bzw. 1932 nämlich von 7,2 auf 4,29 Milliarden Mark, also um 41 Proz. Die Lohnsenkungsattionen unter staat- licher Leitung sind also exportpolitisch völlig verpufft, sie haben aber zusammen mit der Zerschlagung der Sozialversicherung durch Pape», dem übersteigerten Gehaltsabbau der Beamten die große Kr i s e n r e s e r v e, die eine stabile Massenkaufkraft darstellt, vernichtet und da- mit auch die ersten Ansätze zur Wiederbelebung ungemein erschwert. Frankreichs überschwemmte Kriseninsel Frankreich hatte als erstes Land in Europa eine scharfe Kontingentspolitik«ingeführt. Es wollte sich damit seinen Charakter als Kriscninsel erhalten unb zugleich seiner Exportindustrie den notwendigen Rückhalt oerleihen. Die Ergeb- Nisse sind vernichtend. Die Absperrung vom Auslande hat zu einer außerordentlichen Teuerung geführt, so daß bei allgemein sinkenden Lebenshaltungskosten in der Welt d» sranzösffche Index vom November 1931 bis zum Sommer d. I. noch von 531 auf 535 stieg. Die Unterbindung der Weizeneinfuhr hat die französische Landwirt- schaft zu verstärktem Weizenanbau angeregt, der nach der diesjährigen Rekordernte einen un- geheuerlichen Preiszusammenbruch und Gefähr- dung unzähliger Betriebe nach sich gezogen hat. Auch für die Ausfuhr hat die Teuerung schwere Rückschläge mit sich gebracht. Sie betrug im ersten Halbjahr 1932 nur noch 10 gegen 16,2 Milliarden yrank(1 Frank-- 16 Pf.). Di« Kontingent»- �olMk der letzten anderthalb Vahr« hat sich all- gemein so verheerend für die französische Wirtschast ausgewirkt, daß auch ,chie glückliche Insel" Frank- reich jetzt von der Krisenwelle überschwemmt ist. Heraus aus dem Wirrwarr Die Mißerfolge der Wirtschaftspolitik in diesen drei größten Ländern Europas liegen auf der Hand. Die Erfahrungen aus dieser Verhängnis- vollen Politik zwingen zu der Erkenntnis, alle internationalen Kräfte anzuspannen, um aus der kommenden Weltwirtschaftskonferenz einen Ausweg aus dem fürchterlichen Zirkel der Krisenverschärfung zu finden. Der Arbeiterklasse fällt die große Aufgabe zu, um die Kontrolle der kapitalistischen Wirtschaft zu kämpfen, durch zähes Ringen den Lebensstandard der Massen wieder zu bessern und damit die Vorbedingung für einen nachhaltigen Auffchwung zu schaffen. In Deuffchland hat das Volk am 6. November Gelegenheit, durch eine klare Absage an das Kabinett der Barone, das den Exportprämien- Wahnsinn aus die Spitze getrieben, der Vernunft Die Kosten der Tonproduktion einschließlich Lizenzen betragen überraschenderweise nicht mehr als 7 Millionen Mark, also nur einen geringen Anteil des Gesamtumsatzes. Im Durchschnitt sind die Produktionskosten eines Tonfilms 30 bis 50 Proz. höher als eines stummen Films. Der Filmaußenhandel ist mit rund 15 Mil- lionen Mark aktiv, während zur Zeit des stummen Films der Einfuhrüberschuß 10 bis 12 Millionen Mark betrug. in der Wirtschaftspolitik schaffen. wieder Geltung zu ver- B— e. Film in Zahlen In einer Untersuchung über die Entwicklung der Filmindusttie kommt das Konjunkturinstitut zu bemerkenswerten Ergebnissen. Die Bruttoeinnahmen der Kinotheater werden für 1931 auf etwa 200 Millionen geschätzt. Die Einnahmen des Filmverleihgeschäfts werden auf 55 Millionen Mark und der Filmproduktion auf 40 Millionen Mark beziffert. Danach erreicht der Gesamtumsatz der deutschen Filmwirtschaft rund 300 Millionen Mark. Lokomotiven gegen Tabak. Wie mit Brasilien und Aegypten steht jetzt auch ein großes Waren- austauschgeschäft mit Bulgarien vor dem Abschluß. Eine deutsch« Jndustriegruppe, oer mehre» Lokomotio- und Waggonunternehmunzen sowie Stahlwerke angehören, will im Austausch gegen deutsche Eisenbahnmaterialliefenmgen bul- garischen Tabak im Werte von 20 bis 25 Mill. M. aufkaufen. Neben rollendem Material kommt als Lieferung Schienen- und anderes Oberbaumateriol in Betrocht. Ausländische Firmen in England. Im Unter- Haus teilte Runciman auf Anfrage mit, daß seit dem 4. Juli nach den Informationen des Schatz- amtes einige 50 neue Unternehmungen für ausländische Firmen oder mit deren Hilfe ins Leben gerufen worden. Wer wird Vizedirektor? Die Leitung im Internationalen Arbeitsamt in Frage kommen, des E x i st e.n z- Deutschlaich hat in Genf seinen Anspruch auf die Besetzung des Bizedirektorpostens im Internationalen Arbeitsamt an- gemeldet. Wie verlautet, wurde Ministerialdirek- tor Dr. S i tz l e r vom Reichsarbeitsministerium für diesen Posten vorgeschlagen. Deutschland hat auch ein Recht darauf, bei der Besetzung des Vizedirektorpostens im Jnternatto- nalen Arbeitsamt besonders berücksichtigt zu wer- den; denn es ist in der internationalen Sozial- Politik stets führend hervorgetreten, jedenfalls so lang« der Einfluß der Arbeiterschaft auf die deutsche Regierung zu spüren war. Daher wäre es eigentlich nur eine Selbstverständlichkeit, wenn auch ein Deutscher in die Leitung des Jnternatio- nalen Arbeitsamtes berufen würde. Die deutsche Arbeiterschaft will aber nicht nur einen Deutschen auf dem Vizepräsidentenposten des Internationalen Arbeitsamtes sehen, sondern ebenso sehr einen Mann, der zugleich Ver- trauensmann der deutschen wie der internationalen Arbeiterbewegung ist. Bei der Neubesetzung des Direktorpostens des Internationalen Arbeitsamtes war fast allgemein die Ausfassung vorherrschend, daß neben Dr. B u t- ler, der aus der englischen Verwaltung kam, nun unbedingt ein aus der Arbeiterschaft hervorgegangener Sozialpolitiker von Format treten müsse, und wir sagen nicht zu viel, wenn wir betonen, daß der Arbeiterschaft damals die Erfüllung ihres Wunsches durchaus unmißver- ständlich in Aussicht gestellt worden ist. Di« Triebkraft des internationalen sozialpoliti- schen Fortschritts ist und bleibt nun einmal der organisierte Arbeiter. Er muß deshalb auch an maßgebender Stelle im Internationalen Arbeitsamt wirken können. Die Besetzung eines Postens in der Leitung des Internationalen Ar- beitsamtes ist eine Frage, bei der die für die Be- setzung Verantwortlichen schon etwas Weitblick zeigen müssen. Man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusehen, daß in nicht allzu ferner Zeit der Wert und die Bedeutung der Gewerkschaften in Deutschland wie in anderen Ländern wieder besser anerkannt und gewürdigt werden wird. Schon mehren sich die Anzeichen, daß aus so manchem Saulus, der auszog, die Gewerkschaften zu vernichten, ein Paulus werden will. Die For- derung der Arbeiterschaft, den Vizedirektorposten im Internationalen- Arbeitsamt durch einen Ver- trauensmann der A r b e i t e r b e w e- g u n g zu besetzen, mühte daher für die führenden Kräfte in der Internationalen Arbeitsorganisation, die über den Tag hinaus zu blicken vermögen, eigentlich willkommen sein. Beamte für Liste 2! Der große Saal des Gewerkschaftshaufes war am Mittwochabend bis auf den letzten Platz ge- füllt von den Funktionären der sreigewerk- schaftlich organisierten Berliner Beamten, die der Bezirksausschuß Berlin des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes zu einem Generalappell ausgerufen hatte. Der Vor- sitzende der Ortsgruppe Berlin der Reichsgewerk- schaft Deuffcher Kommunalbeamten, Genosse Mehlig, wies in einer kurzen Eröffnungs- ansprach? aus die Notwendigkeit des straffen, freigewerkschaftlichen Zusammenschlusses aller frei- heitlich gesinnten Beamten hin. Er forderte die Beamten auf, auch in politischer Be- ziehung aktiver als bisher zu sein und sich mit allen Kräften für die Erhaltung der demo- kratischen Republik, die auch ihnen viele Frei- Helten gewährt, einzusetzen. Nach der Ueberbringung der Grüße des Bundes- Vorstandes des ADB. durch den Genossen H ä n- d e l e r ergriff der Reichstagskandidat Genosse T h e u n e r das Wort zu einem instruktiven Vortrag über die Gründe der Wirtschaftskrise und das Anwachsen der nattonalsozialistischen Bewe- gung. Er verwies auf die Tagung des Deutschen Beamtinbundes, bei der die Reichsregierung nicht vertreten war und dadurch ihre Einstellung gegen- über der Beamtenschaft mehr als deutlich zum Ausdruck gebracht hat. Unter starkem Beifall der Versammlung erklärte er, daß die jetzige Zeit für verfassungsmäßige Experimente nicht geeignet sei, daß nicht die Weimarer Verfassung, sondern die Verfassung der deutschen Wirtschaft einer gründlichen Aenderung bedürfe. An Stelle des verhinderten Genossen Gill- m e i st e r wandte sich Genossen R a d d a tz von der Reichsgewerkschaft Deutscher Kommunal- beamten in einer zündenden Schlußansprache an die Funktionäre der Beamten und forderte sie aus, am 6. November geschlossen für die List« 2 zu stimmen. daß sie trotz der Krise gegen die mit dem Tarif- recht unvereinbare Notverordnung erfolgreich an- kämpfen können. Die Tarifverträge für die Maschinisten und Heizer wurden mit einzelnen Ausnahmen neu abgeschlossen. Ein Teil der Unternehmer hat die Verträge, die durch die Brüningsche Notver- ordnung im Anfang des Jahres mit Kündigungs- frist bis zum 30. April festgelegt waren. unverändert fortlaufen lassen. In einigen Fällen muhten Verträge abgeschlossen werden, obwohl sie eine Lohnkürzung mit sich brachten, weil eine tariflose Zeit noch ungünstiger sein würde. Ein weiteres Herabdrllcken der Löhne im allgemeinen könne nicht mehr da die u n t e r st e Grenze Minimums erreicht sei. Der Umsatz an Beitragsmarken ergab, daß gegen das 2. Quartal ein geringer Mitglieder- Zuwachs zu verzeichnen ist. Durch die fortschreitende Stillegung der kleineren Betriebe wie durch die Konzentration in große» Kraftzentralen gehen mehr und mehr Arbeits- stelle» verloren. In der Gesamtorganisation waren Ende September 33,5 Proz. Arbeitslose gegen 26,3 Proz. SVJ).- iKeiaMacteiiet! Montag, 7. November, 19 Uhr, Sophien- Säle, Sophienstr. 17/18, Versammlung aller im Deutschen Metall- a r b e i t e r v e r b a n d organisierten SPD.- Metallarbeiter. Tagesordnung: Stellungnahme zur Generalversammlung. Mitgliedsbuch der Partei und des Deutschen Metallarbeiterver- bandes muß am Saaleingang vorgezeigt werden. Der Besuch anderer Versammlungen muß an diesem Tage unterbleiben. Der Fraktionsvorstand. im September 1931. Verkürzt arbeiteten im September 36 Proz. Die durchschnittliche Ver- kürzung der Arbeitszeit betrug 15,2 Stunden pro Woche. Im Verwaltungsbezirk waren zu Anfang des Jahres 1250, Mitte des Jahres 1380 und Ende September 1300 Mitglieder arbeits- l o s. Durch die Notverordnung ist die Zahl der- jenigen Kollegen, die Krisen-, Wohlfahrts- oder überhaupt keine Unterstützung erhalten, sehr stark gestiegen. Die Organisation hat sich der zentralen Werbe- Veranstaltung voll angeschlossen und in den Be- zirken Hausagitationskommissionen gebildet. Z u r W a h l am Sonntag zeigte Reinsfeld, wie notwendig es ist, daß jeder einzelne Kollege für die Sozialdemokratische Partei, für Liste 2, stimmen muß. Mit Begeisterung wurde diese Parole aufgenommen. In seinem Kassenbericht kam Genosse Ruck- st u h l zu dem Schluß, daß die freien Gewerk- schaffen und mit ihnen die Maschinisten und Heizer trotz aller Widerwärtigkeiten die Krise siegreich überwinden werden. Die Maschinisten In der Generalversammlung des Berwaltungs- bezirks Berlin-Brandenburg der Maschinisten und Heizer am Sonntag im Berliner Gewerkschafts- hau» gab Genosi« R« i n« f« l d den Geschäft»- bericht. Di« fr«i«n Gewerkschaften hoben bewiesen. Werhtaflgc! Hon den Rul der freien Gewerttsdialfcn! Wer heute noch in Arbeit steht, übe SOLIDARITÄT, reiche helfend seine Hand— werde Mitglied im GESAMTVERBAND der Arbeitnehmer öffentlicher Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs Wir gewähren Streik-, Gemaßregelten-, Erwerbslosen-, Reise-, Umzugs-, Notfall-, Invaliden- und Todesfall-Unterstützung, Rechtsschutz, Haftpflicht, Fach- und Berufsausbildungskurse. wir zahlten 1931 über 12 Millionen Mark an Gesamtunterstützungen Bezirks- und Ortsverwaltung Berlin N 24, Johannisstraße 14-15, Sammelruf: Dl Norden 6361 TECHNISCHE ANGESTELLTE UND BEAMTE! Architekten, Bauführer, Chemiker, Ingenieure, Techniker, Kunstgewerbler finden ihre Interessenvertretung, Rat und Hilfe durch Rechtsschutz und Unterstützungen, Berufskrankenkasse usw. in der freien Gewerkschaft aller Techniker, dem Bund dertechnischen AngesteSIten und Beamten Haupt- und Orts Verwaltung Berlin NW 40, Werftstraße 7 BANK UND SPARKASSE ALLER ARBEITNEHMER .—. IST DIE - BANK DER ARBEITER. ANGESTELLTEN UND BEAMTEN, S BERLIN Zentrale: S 14, Märkisches Ufer 32 W a I I s I r a B e 62, 65 Depositenkasse: SW 68, LlndenstraBe 3 Im Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands sind 200 000 Eisenbahner, Arbeiter und Beamte, zusammengeschlossen, weil sie wissen, daß nur diese Organisation ihre Interessen wirksam vertreten kann. Der Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands führt zur Zeit einen erbitterten Kampf um die Erhaltung des Arbeitsplatzes eines jeden Eisenbahners und um die sozialen Einrich= tungen. Darum, Eisenbahnarbeiter u.-beamte, hinein in die Einheitsorganisation der Eisenbahner ZWEITE BEILAGE FREITAG, 4. NOV. 1932 9) ROMAN von STEFAN POLLATSCH EK] (Copyright Saturn-Verlag.J Der Lärm der Maschinen tat ihm wohl, er sprach mit den Arbeitern, Werk- führern, technischen Gehilfen, überprüfte Roh- Materialien und Fertigprodukte, schimpfte mit den Sortiererinnen und ging siegesgewiß mit Hanau wieder in sein Kontor Die Zeich- ner arbeiteten noch immer mit Zirkel und Linealen, noch immer saß Susi vor ihrer Maschine und klapperte, und der Prokurist Lechnei legte eben wieder neue Briefmappen auf den Tisch des Chefs. „Es geht vorwärts, Lechner", sagte Welt- lin und blätterte in den Mappen. „Unser Auftragsbestand ist zu groß, wir können nicht alles machen", sagte Lechner und kritzelte Zahlen auf ein Blatt Papier. „Wir werden alles machen, beruhigen Sie sich", lächelte Welllin und Hanau rief mit heller Stimme: „Wir können das doppelte Quantum leisten. Keiner kann uns nahe kommen!" Um elf Uhr erschien Crusius, angestaunt und viel bewundert. Im Augenblick war das Zimmer von allen Mitarbeitern frei. Als letzte verließ Susi den Raum. Crusius nickte ihr zu und Susi nahm mit Aerger wahr, daß Röte in ihre Wangen getreten war, doch das konnte man wohl gar nicht mehr gesehen haben. „Ich danke dir sehr, daß du gekommen bist", sagte Weltlin.„Die Herren vom Trust haben sich angesagt, es war mein dringender Wunsch, daß du dieser Unterredung bei- wohnst, sie werden wohl in einer dringenden Sache kommen und ich vermute, daß es sich darum handelt.." „Wir wollen keine Vermutungen anstellen, wir werden ja in wenigen Minuten hören, was die Herren wollen. Ich weiß nur nicht, warum du Wert auf meine Anwesenheit legst, ich verstehe nichts von geschäftlichen Dingen." „Es stärkt meine Position, wenn man weiß, daß du hinter mir stehst und ich habe Grund zu der Annahme, daß dieser Besuch mehr dir gilt als mir." Die beiden Herren, die kurze Zeit darauf das Zimmer betraten, waren Generaldirektor Ahler und der Syndikus des Trusts. Sie waren erstaunt, als sie Crusius vorgestellt wurden, und selbst der gewandte General- direktor war ein wenig befangen in des großen Mannes Nähe. „Wir sind sehr glücklich, daß Herr Crusius dieser Unterredung beiwohnt", begann Ahler mit nicht ganz sicherer Stimme,„wir wer- den vielleicht rascher zum Ziele gelangen." Dann fuhr er fort:„Es handelt sich für uns in erster Linie darum, zu einer Verständi- gung zu kommen. Wenn ich mir gestatte, die Lage unserer Industrie zu präzisieren, möchte ich zunächst feststellen, daß sie heute für alle beteiligten Kreise, mit der einzigen Aus- nähme des Weltlinschen Werkes, eine kata- strophale geworden ist. Ich bin nicht hierher gekommen, um Diplomatie zu betreiben, und ich begebe mich vielleicht aller meiner Waffen, aber ich möchte die Dinge bei ihrem Namen nennen. Die Crusiussche Erfindung hat Ihren Fabrikaten, Herr Weltlin, eine Vormachtstellung eingeräumt, die nicht zu be- seitigen ist. Sie erzeugen heute um etwa dreißig Prozent billiger als wir. Wir kom- men nicht mit. Unsere Fabrikate sind un- rentabel geworden, mehr noch: Sie sind nicht mehr konkurrenzfähig und können es auch in nächster Zukunft nicht werden." Ahler schwieg. Er saß auf seinem Sessel wie ein Schüler, gerade und aufrecht. „Ich wüßte nicht, was ich dagegen tun könnte", meinte Weltlin und er entsann sich, daß er vor noch nicht allzulanger Zeit diesem Manne gegenübergesessen war— nur waren heute die Rollen vertauscht. „Wir haben die Lage eingehend beraten", sagte derGeneraldirektor,„und sehen nur eine Lösung, die wir Ihnen vortragen wollen. Wenn es nicht zu einer Lahmlegung unserer gesamten Industrie kommen soll, müssen wir ein Preis- und Absatzkartell schließen." „Wenn Sie sich meinen Preisen fügen.. „Dann brauchen wir kein Kartell", warf rasch der Syndikus ein. „Immerhin bliebe noch die Möglichkeit des Produktionskartells. Ueber den Schlüssel könnte man sich gewiß leicht einigen." „Sehr liebenswürdig, daß Sie mir gewisse Vorteile in Aussicht stellen", erwiderte lächelnd Weltlin,„aber wir können ohne große Anstrengung den gesamten Bedarf decken." „Das heißt also offene Kriegserklärung, Herr Weltlin", warf der kleine, lebhafte Syndikus ein. „Ich erkläre nicht Krieg, meine Herren, ich ziehe nur die Schlußfolgerungen", erwiderte ruhig der Fabrikant und blies Rauchringe von sich. „Haben Sie auch bedacht, Herr Geheim- rat", fragte Ahler und wandte sich mit leichter Verbeugung zu dem berühmten Mann,„daß durch Ihre Erfindung eine ganze Industrie vernichtet wird?" Crusius schwieg eine Weile und sagte dann:„Ich kann durchaus nicht sehen, daß eine Industrie vernichtet wird. Dieselben Produkte werden doch nach wie vor erzeugt, nur von anderen Händen." „Das ist es eben. Zwanzig Fabriken werden ruiniert, damit eine leben kann." „Also nicht die Industrie wird durch meine Erfindung ruiniert, sondern nur einige Industrielle." „Nicht einige— sondern alle, bis auf einen!" rief der Syndikus, stand auf, ging ein paarmal erregt durchs Zimmer, sagte dann:„Verzeihung, meine Herren", trank ein wenig Wasser und nahm wieder Platz. „Haben Sie bedacht, meine Herren, welche Wirkung Ihre Weigerung auch in sozialer Hinsicht haben wird?" „Seit wann sprechen Sie von sozialen Wirkungen, Herr Generaldirektor?" fragte ein wenig sarkastisch Weltlin, aber Ahler fuhr fort:„Ich möchte Sie auch mit unseren Be- schlüssen vertraut machen für den Fall, daß unsere Verhandlungen zu keinem Ergebnis führen sollten. Wir wären in diesem Falle gezwungen, unsere Fabriken an einem Tage zu schließen." „Ja?" fragte Weltlin und er konnte es nicht verhindern, daß seine Stimme einen freudigen, triumphierenden Ton annahm. „Das würde heißen, daß die sechstausend Arbeiter, die wir im Verband vereinigten Firmen beschästigen, brotlos würden." „Aber die gesamte Produktion fällt dann an mich", warf Weltlin rasch ein,„wir könnten dann neue Leute einstellen." „Unsere Berechnungen ergaben, daß Sie, Herr Weltlin, um den ganzen Bedarf zu decken, kaum tausend neue Arbeitskräfte be- nötigen würden, da Ihre neuen Maschinen die sechsfache Kapazität der unseren haben. Es blieben also noch immer fünftausend Fa- Milien, die rettungslos dem nackten Elend preisgegeben wären." „Ihr sozialer Sinn ehrt Sie, Herr Ge- neraldirektor, aber glauben Sie nicht, daß Ihre Argumentation eher die eines Gewerk- schaftsfllhrers ist? Sie sprachen nicht im- mer so!" (Fortsetzung folgt.) SBweimal arbeitslos 9ileine Skistste aus dem£eben/ Ton Ttlargarethe Silapproth i. Vor einem Krankenhaus»arten Arbeitslose. Es ist gegen Mittag. Sie stehen geduldig in einer langen Reihe, die Vordersten sind schon eine Stunde da. Es ist kalt, der Wind weht. Man bekommt hier»armes Essen. Eine Blechdose voll. Lieschen läuft das Wasser im Mund zusammen. Wenn sie auch so eine Dose voll bekäme, aber es sind schon zuviel Leute vor ihr. Vornedran steht Fritz. Er winkt ihr ab.„Viel zu spät!" Sie nickt nur traurig.„Komm gerade vom Stempeln", sagt sie,„Hänschen ist krank und Mutter hat soviel zu tun." Sie ist blaß vom Frieren, könnte richtige Schuhe brauchen, ohne Löcher in den Sohlen, und eine warme Jacke oder sowas. Das sieht Fritz. Er weiß auch, daß sie nächste Woche Geburtstag hat. Sonst hat er ihr immer was geschenkt, sie ist doch seine Freundin. Aber jetzt langt es zg gar nichts mchr. Keine Arbeit. E.c seit vorigem Herbst, sie seit Frühjahr. Keine Aus- ficht auf Besserung. Der Winter vor der Tür. Notverordnung. Abbau. Wovon, glauben die Herren, können die Arbeiter leben? Sollen sie verrecken? Er ist verbittert. Sieht gar nicht, wie nett Lieschen ihre Locken gedreht hat und wie sie ihn anlächelt. Aber als sie ihm die Hand drückt und gehen will, tätschelt er ihren Arm.„Bleib man, Mächen, langt ooch für beede", sagt er, und sie bleibt wartend bei ihm stehen. So kalt ist es und zu Hause ist kein Feuer. Wenn sich Hänschen bloß nicht aufdeckt! Eigentlich hat sie keine Zeit, hier zu warten, muß nach Hause, kochen, aufräumen. Das Zimmer vom Mieter ist auch noch nicht gemacht. Aber sie hat so schrecklich Hunger! Sie starrt auf die Tür, ob man noch nicht hin- eingelassen wird. Dabei spürt sie in der Tasche das Stempelgeld, hat einen harten Taler in der Hand. Da könnte sie sich mit Fritz tüchtig satt- essen. Aber Mutter würde sie verprügeln. Meint es ja nicht schlecht, die Arme. Muß die ganze Familie ernähren. Den arbeitslosen Vater und die kleinen Geschwister. Sie näht Mäntel für die Konfektion. Den ganzen Tag, die halbe Nacht. Aber sie hungern alle. Zum Glück konnten sie ein Zimmer vermieten, sonst lägen sie auf der Straße. Im anderen Zimmer wohnen sie, kochen, waschen. Mutter sitzt am Fenster. Unaufhörlich rattert die Nähmaschine. Man könnte gut das vermietete Zimmer brauchen. besonders das Bett. Früher schlief Karl darin. er liegt nun auf dem Sofa. Willi, der Vierzehn- jährige, muß bei Lieschen schlafen, und Mutter nimmt Hänschen zu sich. Wie soll es nun wer- den, wenn das Kleine kommt? Manchmal hat Lieschen Angst. Mutter ist so aufgeregt, schimpft und schlägt die Kinder ohne Grund. War immer so gut. aber sie weiß sich in ihren Sorgen keinen Rat mehr. Es war schreck- lich, als sie entdeckte, daß sie in Hoffnung ist. Sie schüttelte den Vater an den Schultern, daß er taumelte.„Du bist daran schuld", schrie sie,„soll ich ins Zuchthaus oder soll ich das elende Wurm lebendig verhungern lassen?" Ihr Gesicht war verzerrt und ihr« Augen glühten im Fieber. Sie wors sich in ihrer Verzweiflung auf das Bett und arbeitete nicht mehr. Am Ende der Woche bekam sie viel weniger Lohn als gewöhnlich. Da raffte sie sich auf, sprach kein Wort mehr über die Sache und arbeitete weiter. „So ein Hundeleben!" schimpft Fritz, und Lies- chen schrickt aus ihren Gedanken auf.„Da steht man und bettelt um einen Topf Essen. Hätte man doch nich nötig, wenn man Arbeit hätte. Und andere schmeißen das Geld für Dreck auf die Straße." Das Tor wird geöffnet. Man drängt hinein. Lieschen verliert Fritz aus d«m Blick. Wartet. Wie er zurückkommt, hat er eine Dose Reis. Der heiße Dunst steigt Lieschen in die Nase. Sie lächelt. Fritz strahlt.„Nu man los!" Abwechselnd schieben beide den Löffel in den Mund. Das ist ein gutes Gefühl, wenn sich der Magen füllt. Warm wird einem dabei. Lieschen ist schon guter Dinge.„Weißt du", sagt sie,„es wird schon anders werden, wir sind noch jung, es geht doch vielen von uns so. Wenn wir erst wieder Arbeit haben..." Fritz winkt ab.„Verdirb mir nich'n Appetit." Sie essen schweigend zu Ende, kratzen mit dem Löffel die Schüssel aus. Lieschen wischt mit der Hand über den Mund.„War fein", sagt sie und sieht ihn zärtlich an. Ihre Hand streift über seinen Arm.„Muß rasch heim. Wiedersehn!" Draußen weht der Wind. Lieschen rennt die Straße lang. Ist froh, wie sie in den Torbogen biegt. Geht den Torweg entlang durch die Höfe. Im vierten wohnt sie. Es riecht muffig. Nach Küchendunst, Kerichteimern. Grau das holprige Pflaster, grau die alte Mietkaserne. Schmutzige Flecke, wo der Mörtel abbröckelt. An den Fenster- stricken Wäsche. Lieschen möchte auch mal in einem hellen, freundlichen Haus wohnen und von dort auf die Straße sehen können. Wenn sie denkt, wie elend ihr Fritz untergebracht ist in einem Raum beim Keller, ohne Fenster! Sie springt die enge Treppe hinauf, die Bretter knarren, es ist düster. Es stinkt nach gekochtem Kohl und nach Abort. Widerlich. Lieschen klinkt eine der Türen auf. Die Mutter steht am Herd. „Wo bleibst du so lang?" fragt sie heftig. Aber ihr Blick ist voll Sorge und ihre Hand langt schon nach einem Teller, den sie mit Suppe füllt. Lieschen ist traurig, wie sie die hochschwangere Frau sieht mit dem blassen, abgehärmten Gesicht. Dort bei der Nähmaschine liegt ein neuer Stoff- ballen. Gleich wird Mutter wieder dort sitzen... II. Die Cafes am Kurfürstendamm sind vollbesetzt. Man trinkt und nascht, liest Zeitung, raucht, flirtet, langweilt sich. Geschminkte Damen, platinblond, grellrote Lippen, grellrote Fingernägel. Schmerbäuche mit protzigen Uhrketten. Blasierte Dandys mit tadellosen Bügelfalten, manikürten Händen. Studenten in Couleur, Schmisse im Ge- ficht. Die Kapelle im Frack spielt Militärmärsche. Was soll man tun? Die Sommerreisen sind vorbei. Für Autotouren ist es zu kalt. Zum Wassersport ebenfalls. Die Wintersaison hat zwar auch ihre Reize. Abendgesellschaften, Bälle. Man bereitet sich darauf vor, geht zum Schneider, be- sucht die Modesalons, läßt sich kostbare Toiletten vorführen. Beneidet gelegentlich die Mannequins um ihre schönen Figuren. Praktisch ist so ein Salon. Alles kann man dort haben. Raffinierte btachthemden, elegante Pyjamas, Morgenkleider, Vor-, Nachmittagskleider, Tee- und Tagesend- kleider, kleine, große Abendkleider. Dazu die passenden Mäntel, Hüte, die passenden Juwelen, all der entzückende, modische Kleinkram. Man braucht nur wählen und kaufen. Ein« Stunde später bringt es der Boy in die Wohnung. Ach ja, aber ein bißchen langweilig ist es doch. Man liegt zu Hause auf der Couch, liest Romane, knabbert Konfekt, raucht, erwartet Besuch. Oder man geht zum Fllnfuhrtee. Dort trifft sich die elegante Welt, man sieht bekannte Ge- sichter. Tanzt dort mit einem Freund. Man ist ja noch jung, erst dreißig. Hochblondine. Sehr stolz darauf. Trägt mit Vorliebe Pastellblau und Moosgrün. Schwarz nur zum Reiten. Parfüm: narcissa noire. Der Mann bewundert einen, ja, hat aber keine Zeit. Börse, Konserenzen, Reisen, vielbeschäftigt. Vorige Woche hat er ihr einen neuen Wagen geschenkt. Benz. Schmissige Form, aber die Farbe einfach unmöglich. Er hat nicht ihr helles Blond berücksichtigt. So sind die Männer! Sie seuszt und nippt von dem süßen Wein aus dem Spitzkelch.„Es ist doch langweilig, Lieber, wie?" flüstert sie. Er wirft einen Blick in den Spiegel auf sein peinlich frisiertes Haar:„Ich denke an St. Moritz: nach Weihnachten werden wir dorthin fahren." St. Moritz— ach!" Sie strahlt:„Dort hat man den ganzen Tag zu tun. Weißt du noch, das Bobrennen voriges Jahr? Und die Skitouren? Und abends Tanz. Man kommt nicht zu Atem!" Gnädige Frau versinkt in Nachdenke». St. Moritz. Teuer und schön. Nur beste Gesell- schaft. Mitten im Winter Hochsommerwärme. Auf dem Eis wird serviert. Musik spielt. Kellner auf Schlittschuhen flitzen durch die Tischreihen. Ach, das Leben ist schön..... „Eine kleine Gabe, Herrschaften!" Sie schrickt aus ihren Gedanken auf. Neben dem Tisch steht ein Mann, dreht die Mütze in den Händen. Hat nicht mal einen Kragen um. „Bin arbeitslos, bekomme keine Unterstützung." Gnädige Frau sieht hilflos ihren Freund an. Der betrachtet angelegentlich seine weißen, schmalen, manikürten Hände und räuspert sich nervös. Da kommt auch schon der Ober und führt den Eindringling weg. Die gnädige Frau seuszt.„Daß so ein In- dividuum hier überhaupt rein kann!" raisonniert der Herr. Die Musik spielt. Tanzende Paare in matter Beleuchtung. Parfüm und Zigarettenouft. Gedämpftes Lachen. Gläserklingen. Gnädige Frau hat mitleidige Züge im Gesicht und ein wenig feuchte Augen. Senkt langsam die gemalten Lider. Und weiß, daß sie so ihrem Freund besonders gefällt. Jllio fprach... Katharina von Medici(1SI9— 1589), Königin von Frankreich und von der Bartholo- mäusnacht her als Festarrangeurin weltberühmt, muß auch schon allerhand von Wirtschaftsankurbc- lung verstanden haben. Denn in einem Kreis gelehrter und staatskluger Männer äußerte sie einst:„Es bedarf nur einer guten oder bösen Nachricht, der man drei Tage Glauben schenkt, um ein ganzes Reich zu verderben oder zu retten." »< 4 I'* I* - letze werd ich sie '*j immer '•<------?■ kaufen OOI 85 20-79 Hoch tsl es vtielil m Seid einig! Arbeiter und Arbeiterinnen! 3n euren Wänden liegt die Wacht! Am 6. November siegle die deutsche Arbeikerschafk über alle ihre Gegner— wäre sie nur einig! Fünf Millionen freigewerkschaftlich organisierte Arbeiter und Arbeiterinnen, Angestellte und Beamte sind einig, sie stehen geschlossen mitten im Harken .Tfompf um den netten iReichstog, weil sie damit zugleich um die Erhaltung der demokratischen Republik um Freiheit, Frieden, Arbeit und Brot für alle ringen. Diesen Kampf führen die Gewerkschaften in der Ueberzeugung, daß sie damit die Sebensgrundlagen der gefamien deuifcften .drbeilerhlaffe verteidigen. Der Sieg in diesem heroischen Kampfe wäre einer aeemten Arbeiterschaft sicher. Er wird von den Gewerkschaften gemeinsam mit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands geführt für eine gerechte Verteilung der Arbeitsgelegenheit, für eine wirkliche Arbeitsbeschaffung, für die bessere Versorgung der Arbeitslosen, für die Beseitigung der egoistischen Profitwirtschaft, für die Verwirklichung des Sozialismus. Der Kampf, den die Gewerkschaften jetzt zu führen haben um Lohn und Brot, um den Wiederaufbau einer zusammengebrochenen Wirtschaft, diefer Mampf ifl euer Mampf! Die Gewerkschaften haben die Arbeiterschaft Jahrzehnte hindurch aus schwerster Unterdrückung und Abhängigkeit herausgeführt und sie zu einer Macht zusammengeschlossen, die heute nicht mehr mit den Mitteln politischer Zwangsmaßnahmen zu überwinden ist. Seid euch mit uns diefer Vlachl bewufH! 3m Kampf um eine bessere Gegenwart und Zukunft ist die unverbrüchliche Solidarität der Arbeiterklasse, der Geist der Kameradschaft erste Voraussetzung für den endgültigen Sieg. Diesen Geist der Solidarität pflegen die Gewerkschaften, er allein hat der Arbeiterschaft reiche Früchte getragen. Wehls ifl den Mrbeilem umfonfl in den Schoß gefallen. Alles haben die organisierten Arbeiter unter schwersten Opfern böswilligen Gegnern abtrotzen müssen. Den staatlichen Schuh für Kranke, Invaliden und für Arbeitslose haben sie in harten Kämpfen durchgesetzt. Galt nicht jede Unterstützung der Arbeitslosen als«Prämie auf die Faulheit"? Wer ist es, der jetzt wieder die Arbeitslosen zur Verzweiflung treibt? Wer kürzt alle Renken und Löhne zugleich, wer beseitigt den«Wohlfahrtsstaat"? Es sind dieselben Reaktionäre wie früher, vielfach nur in neuem Gewände! Kommen sie endgültig an die Macht, dann steigt das Elend der Arbeiter weiter an, die Willkürherrschaft in den Betrieben und Verwaltungen feiert neue Triumphe. Deshalb laßt euch nicht durch verlogene Angriffe gegen die Gewerkschaften irre machen. Noch in den Jahren 1930-1931 standen 22,2 Millionen Arbeiter und Arbeiterinnen in 15 298 gewerkschaftlichen Kämpfen und in 16 091 Betrieben mit 430 077 Beteiligten kam es zum Streik. Die im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund vereinigten 28 Gewerkschaften hatten Ende 1931 für 8,4 Millionen Arbeitskräfte 11 713 Tarifverträge abgeschlossen. Vor vier Jahrzehnten haben sich die Gewerkschaften zusammengeschlossen und in diesen 40 Iahren haben sie(ohne Inflationsjahre) vereinnahmt.... 4575378437 Mark verausgabt.... 3 705 321 447 Mark davon allein.... 864 650 450 Mark für Streiks, 251 432 297 Mark für Bildungszwecke Unzähligen Arbeitern ist in Zeiten der Not, der Krankheit, Arbeitslosigkeit und Invalidität auf diese Weise geholfen worden. ä)er Widerfland der Qetterhfchaflen gegen politische Bevormundung und gegen wirtschaftliche Unterdrückung der Arbeiter soll gebrochen werden. Vereinzelt stehend bleibt dem Arbeiter nur die Wahl, sich dem wirtschaftlich Stärkeren hilflos auszuliefern und zu unterwerfen. Denkt daran, daß bis zum November 1918 Millionen es den Arbeitern, Angestellten und Beamten, insbesondere in den öffentlichen Betrieben und Verwaltungen, im Verkehrsgewerbe> in der Landwirtschaft und in der Hauswirtschaft bei Strafe sofortiger Entlassung untersagt war, siä) wirtschaftlich zusammenzuschließen. Die deulfchen Qewerkfchaflen haben das freie Ter einigungsrechl unler fchtreren Opfern für alle ertrolsl. Gestützt auf dieses Recht haben die Gewerkschaften die Wirtschaftslage der Arbeiter in Lohnkämpfen fortgesetzt verbessert. Prüft selbst die Zahlen aus der Statistik des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes: Wieviel Arbeiter hatten bis 1918 Anspruch auf Ferien? Bis Ende 1930 war es den Gewerkschaften gelungen, für 9,5 Millionen Arbeiter und Angestellte den Ferienanspruch tariflich zu sichern. Die Arbeiterschaft begann durch den Zusammenschluß ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Der Erfolg spricht aus den Leistungen der Sozialversicherung(in Millionen Mark): Krankenkassen,... Anfallversicherung... Invalidenversicherung Angestelltenversicherung. Knappschaftsversicherung Alu und Kru.... Die Zuschüffe des Reichs, der Länder und Gemeinden betrugen 1930 etwa 3302 Millionen Mark, 1913 nur 58,5 Millionen Mark. Dazu kommen für 1931 an Wohlfahrtserwerbslose und für öffentliche Fürsorge 2000 Millionen, für Kriegsversorgung 1300 Millionen Mark. Nicht Abbau, sondern Ausbau des Arbeiterschuhes fordern die Gewerkschaften. Allein 1,5 Millionen Unfälle verzeichnet das Jahr 1929, wobei 168 000 Unfälle schwer und 9500 tödlich verliefen. Hier greifen die Gewerkschaften seit Jahrzehnten ein, sie vertreten durch mehr als 6vv Arbeitersekretariate und Rechtsauskunftsstellen kostenlos die Ansprüche aller Mitglieder bis zum Reichsversicherungsamt. Jährlich rollen mehr als 400 000 Prozesse allein vor den Arbeitsgerichten ab. wobei 10 000 ehrenamtliche, von den Gewerkschaften geschulte Arbeitsrichter und Prozeßbevollmächtigte bis zum Reichsarbeitsgericht in Leipzig mitwirken. Das alles und noch vielmehr fleht für die gefamle Arbeilerklaffe auf dem Spiele, wenn eine autoritäre Regierung weiter in der Macht bleibt und diese Autoritäten, d. h. der Machtwille von den Unternehmern im Betriebe ausgeübt wird. Hunderttausende Betriebsräte hätten ihre Rolle als gesetzliche Anwälte der Belegschaften ausgespielt. Wehl MQO. oder Tlastibelriebssellen können helfen, sondern einzig und allein starke Gewerkschaften, die im Reichstag ihre Vertreter finden durch die Sozialdemokratische Partei! Diefe Milfe haben die Jlrheiler fielt fetbfl geleiflel. Millionen Unorganisierte wissen nichts von dieser gewaltigen Selbsthilfeorganisation der deutschen Arbeiterklasse. Diese Millionen werden in der gegenwärtig schweren Notzeit zu Totengräbern an ihrer Klasse. Arbeiter und Arbeiterinnen! Werdet Mitkämpfer! Reiht euch ein in die Front der Mitstreiter gegen die Reaktion, gegen den Kapitalismus. Starke Qetverkfchaflen brauchen wir stum Aufbau einer neuen Wirlfchaflsordnung. Nur über Einigkeit und Solidarität führt der Weg zur Freiheit, zu Arbeit und Brot. ('s gibt nur eine Xiste, für die ein politisch unterrichteter Arbeitnehmer— Arbeiter, Angestellter oder Steamter— kämpfen und stimmen kann: Xiste 2 Sozialdemokraten!