Morgen-Ausgabe Nr. 523 A256 49. Jahrg. Reboktlon und Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 S-Nilpr«s- fitf« am Schluß be« rcbatiloniUtn Teil» Jenteatovsa« der Sozialdemottatifche« Kartei Deutschtands putsch statt Ztroilc ksrün am ssreitog Im tsuls klo,»Ick b«i dar BVG. ganügend Personal, um einen Teil- verkehr eröffnen xu können. Das Ausfahren von SlraSenbahnwagen und Autobussen wurde von uniformierter SA. und Kommunisten in allen Stadtteilen mit schweren Unruhen beantwortet. Bis gegen 5 Uhr£8 Wagen der BVG. beschädigt. 17 Fahrer bexiehungsweise Schaffner verletxt. Gegen H8 Uhr Wiedereinstellung de» Verkehr». Wiederaufnahme Sonnabend unter verstärktem Polixeischutx geplant. Die kommunistische Streikleitung hat den Beschluß gefaßt,„den Streik verschärft weiterxuliihre n". Schwere Unruhen in allen Stadtteilen in einer Unzahl von Fällen. Schwerste Zusammenstöße in Schöneberg und an der Usedomstraße. Gegen 9 Uhr abends bisher bekannt: Z Tote, 8 ernstlich Verletxt e. Stärkstes Hervortreten uniformierter SA.» und SS.-Lcjte bei dun Unruhen. An vielen Punkten gemeinsames Vorgehen uniformierter SA. mit den Kommunisten. Ueborfälle auf Soxialdemekraten und Reichsbannerleute, so in der Müllerstraße und in der Landsberger Straße, Sturm auf „Vorwärts"-Filiale Müllerstraße 34a. Massenaufmarsch für die Freiheit! Begeisterte Kundgebung von Zehntausenden für die Sozialdemokratie! SA. iwervutscht KPD.! Die neue T'alrtilc des Faschismus Vorgestern war in Berlin Verkehrsstreik. gestern war SA.-P u t s ch zur verhinde- rung der Arbeitsaufnahme. Die SA. hat die Führung übernommen, sie hat die SPD. überputscht. Der deutsche Faschismus will neue Wege wandeln. Seit aus seinem Geschäft mit den Baronen nichts geworden ist. ist er so „arbeiterfreundlich" geworden, dasz die Arbeiter, wenn sie auf ihn hineinfallen, jahrzehntelang daran denken werden! Eine neue„proletarische Einheitsfront" wird sichtbar. Braunjacken schmücken ihre Reihen. A d o l f h i t l e r ist ihr Führer. Diese proletarische Einheitsfront bringt be- stimmt nicht die„Diktatur des Proletariats". Sie bringt höchstens die Diktatur der Bour- geoisie durch den Sieg des Faschismus. Die KPD. steht der nationalsozialistischen „Einheitsfront von unten" völlig ratlos gegenüber. Sie marschiert einfach mit. Die Parole lautet bis auf weiteres:„Umarmt die Faschisten, wo ihr sie trefft!" Der Bruderbund ist geschlossen. Der ge- meinsame hast gegen die Sozialdemokratie. gegen die Gewerkschaften und gegen den „Vorwärts" feiert Orgien. Strastenred- ner schwärmen aus und predigen Wut und Geifer gegen die SPD. Warum gegen sie? Siht sie in der Direk- tion der BVG.? Rein! Kein einziger der jetzt amtierenden Direktoren ist Sozialdemo- krat! hat sie den Schiedsspruch gefällt, ihn für verbindlich erklärt? Rein, kein einziger Sozialdemokrat hat damit etwas zu tun ge- habt! Befehligt sie die Polizei? Rein, Polizeipräsident ist bekanntlich der Vertrauens- inann Dr. B r a ch t s, Herr Welcher. Was wirft man der Sozialdemokratie vor? Daß sie die Löhne gesenkt hat? Aber das hat sie doch nicht getan! Umgekehrt wirst ihr die deulschnationale Presse vor. dasz sie früher die Löhne z u h o ch getrieben hättet Die Gewerkschaften haben alles getan, was sie konnten, um die Lohnminderung abzuwehren. es ist ihnen nicht ganz gelungen. weil die Gegenkräfte stärker waren. Run hat die SA. mit Unterstützung der KPD. die Führung übernommen. Sie verhindert bis auf weiteres das Ausfahren der Wagen. Wenn es Hecht, für Sozialismus und für die Befreiung der Arbeiterklasse unter dem Freiheits- zeichen der Sozialdemokratie demonstrieren, dann ichreckt den Berliner Arbeiter und die Berliner Arbeiterin kein Verkehrsstreik! Dann erlebt man es, daß schon lange vor dem auf 2l) Uhr angesetzten Beginn unserer letzten Berliner Wahlkundgebung vor dem 6. November der Sportpalast bis hinauf in den obersten Rang besetzt war, und daß dann um 20 Uhr die Männer und Frauen stehen mußten, um an der Kundgebung teilnehmen zu können. Große Transparent« mahnen, daß der Spuk der Barone wie Spreu verfliegen werde. Bon 19 Uhr ab spielt das Reichsbannerorchester. Dann erfolgt der F a h n e n e i n m o r s ch, bei dem die Parteiveteranen, die Delegationen des Reichs- banners, unsere Frauen, unsere Jugend und unsere Sportler mit gleicher Begeisterung begrüßt werden. Unter stärkstem Beifall singen die Männerchöre Fichte-Georginia, Typographia und Berliner Sängerchor die„Hymne" von Nehul und den„Sturm" von Uthmann. Franz Künstler eröffnet die Kundgebung. Er sagt: In 4S Stun- den ist eine Wahl beendet, die wohl die ent- schcidendste der Nachkriegszeit sein wird. Schon jetzt danke ich unseren wackeren Parteigenosse» und-genossinnen. Am 9. August 1931 wollten Nationalsozialisten uird Kommunisten gemeinsani Carl Severing und Otto Braun stürzen. Dieselben Bundesbrüder haben bei der BVG. gestern einen Streik entsessell, nicht um ein« Berdesserung der sozialen Lage der Arbeiter und Angestellten der BVG. zu erreichen. Schrieb doch gestern die„Rote Fahne": Der Streik richtet sich formell gegen einen Lohnabbau von 2 Pf. die Stunde, aber die BVG.-Arbeiter haben durch chren Beschluß bekannt, daß es um mehr geht als um dos! Dieser Satz enthüllt die Absichten der Drahtzieher. Rur politische Absichten im Hinblick aus die Reichs tags ivahl haben Goebbels und Ulbrich zu gemeinsamem vorgehen veranlaßt. Fast scheint es, als ob man Papen in die Hände arbeiten will. Ist vielleicht Absicht der Drahtzieher, in letzter Stunde die Reichstagswahl zu vereiteln? Nationalsozialisten und Kommunisten sind einig in ihrer Aktion für die Reaktion gegen die Arbeiterschaft. Reichsbannerleute sind überfallen worden, und Kommunisten riefen den schlagenden Nationalsozialisten zu: Immer feste drauf los! sStürmische Pfuirufe.) Aber die Berliner werktätige Bevölkerung wird mit sich nicht das Spiel gewissenloser Spekulanten treiben lassen. Darum jetzt erst recht die letzten Stun- den ausgenutzt zum Siege der Liste 2. zum Siege der Sozialdemokratie! Unter lebhaftem Beifall nahm dann Genosse Arthur Crispien das Wort. Kommunistische und nationalsozialistische Störungsversuche wurden rasch durch Entfernung der Störenfriede unwirksam gemacht. ■Aftlmr Crispien: Unter November st ürmen brach 1918 das reaktionäre Preußen-Deutfchland zusammen. Die Sozialdemokratie schuf die Republik als günstigsten Ausgangspunkt für den Sozialismus. Nun meifen sich in diesem Jahre zum fünften Male die Kräfte der feudalen Konterrevolution mit denen der sozialen Revolution. Papen und Hitler wollen den K apitalismus retten, Papen mit seinem sogenannten Wirtschastsprogramm, mit der po!i- tischen und sozialen Entrechtung der breiten Massen, mit aggressiver Aufrüstungspolitik und mit Zoll- und Handelskriegen, Hitler mit seinem wütenden Sturm auf die marxistische Eiserne Front, die er„zerschmettern" will, um das Prole- lariat den kapitalistischen und reaktionären Kräften wehrlos auszuliefern. In Wahrheit ver- dankt Papen, der unabhängig von allen Parteisn fein will, sein politisches Dasein dem Herrenklub der Deutschnationalen Volkspartei und vor allem auch der Nationalsozialistischen Partei.(Lebhafte Zustimmung.) Crispien beleuchtete dann die sogenannte natio- nale und christliche Grundlage der Papen-Regie- rung und sagte: Das sind Wege, die ins tiesere Elend führen, aber keine Wege des Aufstiegs. (Lebhafter Beifall.) Die Papen und Hitler zeigen keinen Weg aus Not und Bedrückung, sie werden uns im Gegenteil eine böse Erbschaft hinterlassen. tNeue, anhaltende Zustimmung.) Hitler und Papen haben den Reichen Geld in die Taschen gesteckt, den Armen aber die Unterstützung gc- kürzt.(Pfui-Rufe.) Wir müssen den entschlosiensten Kampf gegen Hitler und Papen führen.(Bravo!) Ein neuer Novembersturm wird und mutz in Deutschland kommen. Kriegsgefahr und Unter- drückung müssen durch uns überwunden werden, nicht nur die Erringung politischer Freiheiten und sozialer Rechtsansprüche, sondern darüber hinaus die wirtschaftliche Befreiung, die allein erst d i e Erfüllung des Sozialismus bringe» kann. Das ist unser Ziel, und deshalb wählen wir am 6. November sozialdemokratisch.(Lang- anhaltender stürmischer Beifall.) Auf das herzlichste begrüßt, ergriff dann Toni Sender das Wort: Dr. Goebbels erzählt uns davon, wie die Barone vor ein paar Monaten auf dem Rücken der Nationalsozialisten in die Amtlichkeit geklettert sind. Seitdem haben wir die„neue Art der Staatsführung": das Volk wird von einer Wahl in die andere gehetzt, aber auf den Willen des Volkes wird gepfiffen! In Wahrheit ist diese „autoritäre" Regierung von Jntercssentenhaufen abhängig.(Sehr richtig!) Sie spricht von der not- wendigen Anpassung an die Armut der Nation und drosselt deshalb die Bezüge der Rentner und Arbeitslosen, belastet den kleinen Mann mit neuen Steuern und gibt dafür mit offener Hand anderthalb Milliarden Steuergeschenke an die Industrie, 299 Millionen Subventionen, 799 Millionen Lohn- suboentionen und eine halbe Milliarde Zinsge- schenke an den Großgrundbesitz. Sie unter- drückt die freie Meinung, sie faschisiert den Rundfunk, das Hakenkreuzparteibuch ist beste Empfehlung, der R e ch t s st a a t scheint, das zeigt das Verhalten der Reichsregierung nach dem Urteil von Leipzig, erschüttert.(Lebhaste Zustim- mung.) Man spricht von der Gleichberechtigung Deutschlands inmitten der Nationen. Wir alle wollen diese Gleichberechtigung, verlangen aber, daß man mit ihr gegenüber den eigenen Volksgenossen beginne.(Stürmischer Bei- sa.) Die Herrcnschicht hat die letzte Gelegenheit ergriffen, um sich vom Volkswillen unabhängig Aber ob es ihr gelingen wird, die Aufhebung des gefällten Schiedsspruches zu erzwingen. das ist eine ganz andere Frage. Wan tut der SA. bestimmt kein Unrecht. wenn man sagt, daß ihr der Schiedsspruch vollkommen gleichgültig ist. Für sie und ihre Partei gehl es um etwas ganz anderes, nämlich um den W a ch t k a m p f d e s F a s ch i s- m u s. In diesem Machtkampf des Faschismus ist der Kleinkrieg, den die SA. mit der Polizei führt, ein taktischer Schachzug, weiter nichts. Die KPD. aber? Sie. die oft genug eine politische Hilfstruppe der Razis gewesen ist, ist jetzt auf dem besten Wege, zu einer militärischen Hilfstruppe der SA. herabzusinken. Jndesien redet im Rundfunk Herr von Papen. Er kündigt dem Bolschewismus Kampf bis aufs Messer an und sucht sehnsuchtsvoll— wenn auch laut schimpfend— die Bruderhand des Rationalsozialismus. Arbeiter, hütet euch vor den„Arbeiterfreunden" im braunen Hemd! heute Helsen sie euch streiken, morgen werden sie, wenn ihr ihnen folgt, eine Knechtschaft über euch bringen, die in der Geschichte ohne Beispiel ist! Augen aus! Jetzt erst recht am morgigen Dahlsonntag alle Stimmen der Hüterin der Volkssreiheit: der Sozialdemokratischen ParleU Melcher droht �lotkalls Anwendung der Schußwaffe Gegenüber beunruhigenden Rachrichten teilt der Polizeipräsident mW, daß das Berliner Strahen- bild durchaus ruhig(!) ist. vereinzelte Sabotageakte, die gegen Straßenbahnwagen verübt worden sind, find im Lause des Spätnachmittags wieder abgeflaut. Für heute find im Einvernehmen mit der BVG. umfassende Schutzmaß- nahmen für die Arbeitswilligen getroffen, die darin bestehen werden, daß die Polizei mit allen ihr zn Gebote stehenden Wittel n, notfalls durch Gebrauch der Schußwaffe, die Arbeitswilligen nachdrücklich schützen wird. 420 Festnahmen in 24 Stunden Im Lauf« des gestrigen Nachmittags wurden insgesamt 129 Personen wegen verschiedener Delikte seftgenommen. Die Festgenommenen ge- Hören fast ausnahmslos der Kommunist!- s ch e n und Nationalsozialistischen Partei an. Die Zahl der von Donnerstag bis Freitagabend Festgenommenen beträgt insgesamt 42 9. Ein großer Teil der Zwangsgestelllen ist inzwischen nach der Vernehmung bei der Politischen Polizei wieder entlassen worden. Drei Todesopfer Acht Schwerverletzte Die Namen der Toten des gestrigen Nach- mittags bzw. der an den Folgen der erlittenen Verletzungen Gestorbenen sind: Emil kepp, Schöneberg, Grunewaldstraße, 2S Jahre(Rückenschuh) i Liesbeth Schulze, Schöneberg, Gleditschstr. 19, 67 Jahre(Kopsschuß): Georg Horn, Berlin N., Bernauer Str. 37, 56 Jahre. Die Namen der am Freiwgnachmittag Ver- letzten sind: Irma Eilner, Schöneberg, Merseburger Str. 4. 19 Jahre(Oberschenkelsteckschub); Martha Bossow, Schöneberg, Merseburger Straße, 42 Jahre(Armdurchschuß); Martha Kilian. Schöneberg, Hauptstr. 8(Ober- schenkelsteckschuß); Fritz Birnbaum, Schöneberg, Steinmetzstr. 61. 59 Jahre(Armdurchschuß): Willi haroth, Berlin N., Schönholzer Str. 3, 31 Jahre(Armschuß): Heinrich Kurzidine. Berlin N., Lortzingslr. 19. 30 Jahre(Unterschenkelschuß); Max Zorochowski. Berlin N., Swinemünder Straße 74(Unterschenkelschuß). jm machen. Sie stützt sich auf die Macht, auf Bazonetten, aber wir sagen ihr, daß wir schon einmal mit Bajonetten fertig geworden sind. (Neuer Beifallssturm.) Wenn sie das anderthalb Dutzend stellungsloser Monarchen wie- der als einzige Ankurbelung in den Betrieb ein- schalten will(Heiterkeit), dann setzen die Arbeiter ihnen den st ä r k st e n W i d e r st a n d entgegen. Die Reaktion will eine Entrechtung der Frauen. Aber wir Frauen werden uns zur Wehr zu setzen wissen(Anhaltende Zustimmung.) Wir rufen den Baronen zu: Ihr täuscht euch! und wir setzen ihrer Politik den Aufbauwillen aller Schaffenden entgegen.(Stürmischer Beifall.) krsti? Künstler begrüßte sodann mit herzlichen Worten den Führer der deutschösterreichischen Sozialdemokratie, Otto Bauer- Wien.„Er bringt uns unseren Gruß „Freiheit" entgegen, wir willkommen ihn aus freudigem Herzen mit dem Gruß unserer öfter- reichischen Genossen:„Freundschaft!" Die Ver- sammlung erhob sich, um in stürmischer Begeiste- rung in die Begrüßung einzustimmen. Dann nahm (Zita Bnner-�ien das Wort:„Euer Kampf gegen die Barone und gegen den Faschismus Hillers ist ein Kampf, von dem die Zukunft der Arbeiterklasse in allen Län- dern in höchstem Matze abhängt. Die Proletarier aller Länder verfolgen ihn deshalb mit leiden- schaftlicher Spannung, wir Deutschösterreicher aber, wir sind noch in ganz besonderem Maße, wir sind doppelt und dreifach interessiert. Am Tage unserer Revolution, am 12. November 1S18, verkündeten wir den Anschluß Deutschösterreichs an Deutschland. Uebermächtige Siegergewalt hat diesen Anschluß verhindert. Aber wir wissen: Euer Schicksal ist unser Schicksal! Jeder Sieg der Reaktion bei euch schlägt zu uns herüber. Wir haben auch unsere Papen, Schleicher und Hitler gehabt, Männer in kleinerem Format. Dies kleinere Format liegt aber nicht nur daran, daß wir ein kleineres Land sind, sondern daran vor allem, daß bei uns die Arbeiterklasse einig geblieben ist.(Stürmischer Beifall.) Ihr dürft den 9. November 1918, wir dürfen den 12. November 1918 nicht vergesien. Damals erhob sich das Volk, und die Throne der Hohen- zollern und Habsburger verschwanden in der Ver- senkung. Die Leute, denen man heute das Märchen vom Novemberverbrecher einredet, waren damals noch Kinder.(Sehr richtig!) Was war denn damals in Wirklichkeit? Viereinoiertel Jahre Krieg lagen hinter uns. wir waren durch Uebermacht besiegt, die Lücken wurden durch Krüppel, Greise und Kinder aus- gefüllt, während von drüben, aus Amerika, eine Million neuer Kämpfer, kamen. Wir hatten keine Rohstosfe mehr, die auf der anderen Seite in Hülle und Fülle vorhanden waren, wir waren zu- sammengebrochen. Da erhob sich das Volk, um von denen Rechenschaft zu fordern, die noch 1917 Eroberungen verlangten und den U-Bootkrieg ver- kündeten pnd dadurch über Deutschland die furcht- barste Katastrophe seit dem Dreißigjährigen Kriege herbeigeführt hatten.(Sehr richtig!) Da- mals erhob sich das Volk, und die Schuldigen, die jetzt wieder regieren wollen, verkrochen sich. Wir nahmen als Erbschaft den verlorenen Krieg, das Chaos, den Hunger, die leeren Speicher und die Wehrlosigkeit. Damals überließ man uns Sozialdemokraten gern die Verantwortung, die Herren fühlten sich damals nicht so„durch Vor- sehung berufen", wie sie es heute tun.(Heitsr- keit und Beifall.) Es kam in diesem Zustand des Zusammenbruchs nur zu einer halben Revo- l u t i o n, und es kam auch nur zu einer halben Demokratie.(Sehr wahr!) Das ist nicht die Schuld einzelner. Nein, das zu behaupten, wäre eine dürftige, allem materialistischen Denken widersprechende Geschichtsauffassung. Die Schuld an der halbheil liegt an was wir übernehmen mußten. dem, (Sehr richtig!) Wir standen in wirtschaftlicher Ab- hängigkeit vom kapitalistischen Ausland. Wir konnten die Demokratie in Staat, Ländern und Gemeinden schaffen, aber wir konnten sie nicht schaffen in den Betrieben! So setzte der Gegenstoß des Kapitalismus, der sich in der Inflation bereichert, der die Rationalisierung ausgenutzt und eine scheinbare Prosperität herbeige- führt hatte, zum Gegenstoß an. Dann kam frei- lich die Weltkrise, diese ungeheuerlichste Blä- mage des Kapitalismus.(Sehr wahr!) Da kamen die Agenten des Kapitalismus im braunen und gelben Hemd und sagten: Dir, Arbeiter, Ange- stellter, Beamter, Bauer und Gewerbetreibender, Der„Vorwärts" erhält von der Reichspresie- stelle„auftragsgemäß" die folgende Auslage- Nachricht, gegen die nach der Pressenotverord- nung in der gleichen Nummer nicht Stellung genommen werden darf. Schriftgröße und Platz sind amtlich vorgeschrieben. Unter den Ueberschrislen„Otto Wels über Papen".„Aus der Vergangenheit eines deutschen Reichskanzlers" bringt die Abendausgabe des „vorwärts" Rr. 52? vom 4. November Behauptungen über Reichskanzler von Papen aus einer Rede des sozialdemokratischen Abaeordnelen Otto Wels, die in den letzten Tagen verschiedentlich in der sozialdemokratischen Presse auftauchten. Nach diesen Behauptungen soll Reichskanzler von Papen als preußischer Landlagsabgeordneler aus- gesordert worden sein, von der Tribüne des preu- hischea Parlaments für das Saargebiet einzutreten. Er habe die ihm angetragene Rede für das Saargebiet mit der Begründung abaelehnt. daß eine derart'ge R�de feine verwandten im Saargebiet schädigen könne. Diese Behauptung ist falsch. Reichskanzler von Papen hat die Rede über das Saargebiet, die in der Zentrumsfraklion des Preußrchcn Landtags vor Iahren erörtert wurde, lediglich aus avi-en- politischen Gründen abgelehnt, um der damaligen Regierungspol'tik keine Schwierigkeiten zu bereiten. Wenn ferner Herr Wels nach der Wiedergabe des„vorwärts" behauptet Reichskanzler von Papen habe vor dem Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtag-, nicht alles resagt, was er als tar.dlagsabgeordneker und Aussichtsratsvorsitzender der„Germania" prcklisch über Zeilungs- svbventionen erfahren habe, so ist anscheinend mit dieser Andeutung die in der sozmldemokratischen Presse erschienene Behauptung gemein», Herr von Papen habe in seiner Eiacns�zaf» als Auisichlsrats- vorsibcnder der„Germania" Subventionen aus össentlichen Witteln besorgen lassen. Auch diese Behauptung ist völlig aus der Luft gegriffen und ebenso wie' andere sallche Anwürfe gegen den Reichskan-ler iere'ts am Z November von der Reichsregierung ausdrücklich dementiert worden. SA.- LairUcaden in der Hauptstraße— Polizei schießt— Verbrüderung zwischen Nazis und Kozis Die Berliner Siraßen des Südens und Süd- westens boten in den ersten Nachmittags- stunden ein außergewöhnlich bewegtes Bild. Die Ankündigung der BVG., daß von 3 Uhr nach- mittags ab«in Teilverkehr für Straßen- bahn und Autobusse aufgenommen wurde, hatten sich besonders in dem gestrigen U n- ruhezentrum Schöneberg National- sozialisten und Kommunisten zunutze gemacht und sich zu Tausenden auf den Straßen angesammelt. Auch am Halleschen Tor und in der Belle-Alliance-Straße wogte ein dichtes Gedränge, doch herrschte hier das von der Arbeit heim- kehrende Publikum vor. Das Bild änderte sich schlagartig in der Schöneberger Haupt st ratze. National- sozialisten und Kommunisten hielten hier diese starke Verkehrsader in dichter Masse besetzt. Wiederholt versuchte die Polizei, zunächst ohne Zusammenstöße, die Hauptstraße zu säubern und die Menge in die Seitenstraßen abzudrängen, jedoch bildeten sich immer wieder dichte Hausen, die auf das Erscheinen der ersten Wagen warteten. In der Hauptstraße, Ecke Eisenacher Straße, war vor dem Anrücken des starken Polizei- aufgebots im Handumdrehen eine Barrikade in einer Länge zehn Metern von reichlich aus Pflastersteinen, Balken. Pflöcken und anderem Baumaterial entstanden, und die Schienen waren durch eingestreuten Kies unfahrbar gemacht. Unter polizeilicher Absperrung wurde ein Lastzug des Berliner Tiesbauamts herangeholt, dessen Begleit- Mannschaft sich sofort unter dem Gejohle der Menge an das Freilegen der Strecke heranmachte. Während es bis Mi Uhr nur zu kleineren Plänkeleien und mehreren Verhaftungen von radaulustigen Jugendlichen gekommen war, er- eigneten sich bei der Anfahrt der ersten Verkehrs- fahrzeuge schwere Strahentumulte. Als der erste, noch völlig leere, Straßenbahnwagen nahte, erhob sich ein ohrenbetäubendes Pfeifen und Johlen und nur mit Mühe konnte die aufgeregte Menge von der Polizei in Schach gehalten werden. Als nach wenigen Minuten die nächsten Verkehrs- fahrzeuge an der von den Demonstranten beson- der? dicht besetzten Hauptstraße, Ecke Eisenacher Straße, vorbeikamen, zeigte es sich, daß hier unter nationalsozialistischer Leitung systematisch Tumulte erzeugt wurden. Als ein bereits halbbesetzter Wagen der Linie 40 diese Straßenecke kreuzte, wurde er von einigen Dutzend nationalsozia- listischer Radfahrer und einer mehr- hundertköpfigen Menge unter dem Rufe„Streik- brecher" und„Herunter mit den Bluthunden" an- gegriffen. Die Schupoeskorte auf dem Vorder- und Hinterperron zog die Pistolen und gab zu- nächst mehrere Schreckschllsie, darauf ein Dutzend scharfe Schüsse in die Menge ab, die schreiend auseinanderstod. Viele warfen sich bei den ersten Schüssen auf den Damm und den Bürgersteig lang hin. Da zu gleicher Zeit die Fahrbahn freigegeben war und zahlreiche Autos in schneller Fahrt herankamen, gab es wüste P a n i k s z e n e n. In das Ge- schrei der aufgeregten Menge und das Knallen der Schüsie mischte sich der harte Laut kreischender Bremsen. Eitze Frau wurde mit schwerem Ober- schenkelschuß in das nächstgelegene Krankenhaus geschafft und ein gleichfalls niedergeschossener Mann von mehreren Tumultuanten in einen Hausflur geschleppt. In diesem Augenblick, als die Polizei, darunter auch die Besatzung eines heranrasenden Flitzers, nur auf den Schutz dieses angegriffenen Straßen- bahnwagens konzentriert war, kam auf der Gegenseite von der Rheinstraße her der erste gleichfalls schon halbbesegtc Autobus der Linie ö. Als dieser Wagen sich in langsamer Fahrt näherte, kommandierte ein uniformierter SS.-Rlann, der innerhalb einer dichten Gruppe von Nationalsozialisten stand:„Achtung. Feuer!" und ein dichter Steinhagel, darunter eine Anzahl dicker Brocken, prasselte gegen den Autobus, dessen Scheiben in Trümmer gingen, während die Insassen sich zu Boden warfen oder zum Ausgang drängten. In den gleichen Augenblicken erfolgte ein neuer, organisierter Ueberfall der Nationalsozialisten. Wieder unter dem Kommando unifor- m i e r t e r SS.-L e u t e stürzte sich auf den Befehl:„Jetzt ran an die Rampe!" ein Rudel Nationalsozialisten auf den in der Hauptstraße noch haltenden Lastzug des Berliner Tiefbauamts und stürzte einen mit dem Material der abgeräumten Barrikade gefüllten Wagen unter den Zurufen der Menge um. Diese Tat der„aufbauwilligen Kräfte" des Herrn von Papen begeisterte die herumstehenden Kom- munisten derart, daß ein Wahlfondssammler der KPD. einen nalio- nalsozialistischen Büchsenjungen unterhakte und beide unter den Beifallsrufen der Umstehenden im Takt ihre Betlclbüchfen schwangen mit dem Ruf:„Gebt für den Wahlsor.ds!"... Dieser Verbrüderungsakt zwischen National- sozialisten und Kommunisten blieb nicht der ein- zige seiner Art. So erschien in dem SA.-Lokal von Rothbart in der Urbanstraße 47 kurz vor 3 Uhr ein Mitglied der REO. und forderte die anwesenden IS SA.-Leute auf, gemeinsam nach dem Hermannplatz zu ziehen und„ein Ding zu drehen". Gestern noch„Braune Mordpest" hüben und „Rotes Untermenschentum" drüben! Heute in treuester Bundcsgenossenschaft vereint! Welchem klassenbewußten Arbeiter sollte da nicht die Scham- röte ins Gesicht steigen! geht es schlecht. Hat dich die Demokratie satt ge- macht, hat dich die Sozialdemokratie geschützt? Wer Geschichte wirklich begriffen hat, weiß, w'e töricht und albern dieser Vorwurf ist. (Lebhafte Zustimmung.) Toren sind es, die da sagen, es gebe nur eine Wahl zwischen der Demokratie und der Diktatur des Proletariats. Nein, es gibt nur eine Wahl zwischen der De- mokratie und der Diktatur der Barone oder des Faschismus. Ihr werdet die Macht der De- mokratie nicht in emem' Wahlkamps wicder- erobern. Aber ihr werdet sie wiedererobern. wenn die Enttäuschung über die Mißerfolge der Reaktion da ist.(Stürmischer Beifall.) Weder wird eine altmodische Reaktion die Wirt- schast ankurbeln, noch auch wird dies eine neu- modische Reaktion mit faschistischer Diktatur können. Die Generalsdiktaturen haben in I u g o- s l a w i e n und Polen die Wirtschaftskrise nicht gebannt und in Italien hat das auch der Faschis- mus Mussolinis nicht vermocht. Die K r i s i s wurzelt im Wesen der kapital! st i- schen Wirtschaftsordnung.(Sehr richtig.) Nur eine Umwälzung dieser Ordnung kann die Ge- nesung und Lösung bringen.(Stürmischer Beifall.) Es gibt keinen Phrasensozialismus, sondern nur I�Ük? DEN WAHLKAMPF! UtxUcslüizi da* KatHpl tyic fceiUeit umL Bcoi Freiwillige Spenden auf Postscheck-Konto 14157(Adolf Holz), Berlin ganzen Sozialismus. Es gibt keinen anderen Aus- weg und darum vorwärts zum Kampf um die ganze Demokratie! Die packenden Ausführungen Bauers ernteten Beifallsstürme, wie sie im Sportpalast selten er- lebt wurden. Arbeitermännerchöre sangen unter Begleitung des Orchesters und der Spielleute vom Reichsbanner den Marsch der Eisernen Front. Kurt K l a w i t t e r sprach hinreißend und mit herzlichem Beifall bedankt„Die drei Pfeile" von Clara Henriques. Franz Künstler hielt eine zündende Schluß- anspräche, dann ertönte die Internationale. Zum Fahnenausmarfch ward der österreichische Schutz- bundmarsch gespielt, aus Tausenden von Kehlen ertönte der Ruf der Zukunft und des Sozialismus, das Kampfwort der Eisernen Front:„Freiheit!" Nazilibersall auf Vai-teilokal Vier Genossen verletzt Gegen Vj12 Uhr nachts wurde da» verkehrslokal unserer 4. Abteilung in der Stralauer Straße 10 von 15 nnisormierten Nazis über- fallen. Die anwesenden Genossen sehten sich zur Wehr. E» gelang ihnen, die Nazis herauszu- drängen, vier Genossen wurden verletzt. Das lleberfallkommando fand keinen der Täter mehr vor. Die Nazis waren mit einem Au'o vorgefahren. mit dem sie dann flüchteten. KPD.-Zeitungen verboten Die kommunistischen Zeitungen„Volks- wacht" und„V o l k s e ch o", die für Stettin und Brandenburg erscheinen, sind bis zum 13. No- vember verboten worden. Nächtliche Schießerei. In der Weberftraß« und am Strausberger Platz kam es am späten Abend zu einem Kugelwechsel zwischen Demonstranten und Polizei- b e a m t e n. Ob dabei jemand verletzt worden ist, steht zur Stunde noch nicht fest. Es wird oermutet, daß einige Personen Verletzungen erlitten haben, von ihren Gesinnungsgenossen aber in Sicherhett gebracht worden sind. Sin neuer Konflikt" Bei der Gssbetriebsgeselischakt Tic im Laufe des heutigen Tages bei der Gasbetriebsgesellschaft in der Git- schincr Straße durchgeführte U r a b st i m- m u n g über einen neuen Lohnvorschlag der Direktion hat eine Dreiviertel» Mehrheit für Ablehnung der ge» planten Lohnregelung ergeben. * Die Direktion und die Gewerkschaften haben noch in der Nacht nach Bekanntwerden des Ergebnisses die Verhandlungen aufgenommen, um ein gül- liches Abkommen zu erreichen. Falls die Verhandlungm heute nacht zu keinem Ergebnis führen, sollen sie nicht abgebrochen, son- dern morgen fortgesetzt werden, vorläufig droht keine Streikgefahr, da noch nicht alle rechtlichen Wege erschöpft sind. Erfolg der Volksbühne Das Erlebnis einer kleinen verlassenen Mutter, die sich tapfer zurechtfindet, gewinnt schnell und leicht alle Herzen. Heinz Hilperi gestaltet mit Käthe Dorsch, Rosa Valetti, Jakob Tiedtke, Paul Verhoeoen und Erhard Siedel das Wesentliche dieser„Fanny" des Franzosen Marcel Pagnol: den leisen Atemzug des Menschlichen. R. Br� MgeftZMe! Wählt Liste 2— SPD. Von Rudolf Bartel Auch die Einzelhandels-Angestellten sind in kaum zu überbietender Weise der kapitalistischen Willkür und Aus- beutung ausgesetzt Sie haben daher ein er- hebliches Interesse an einer Erweiterung ihres engen Lebensraumes. Der strahlende Glanz der Arbeitsstätten steht in schroffem Gegensatz zu dem trüben Dasein der Einzel- Handelsangestellten. Die lächelnden Gesichter der Angestellten dürfen nicht täuschen, sie sind durch die Arbeitsordnung vorgeschrieben. Kundendienst! Die katastrophalen Wirtungen der K a u f k r a f t o e r n i ch t u n g, an der die Arbeitgeber des Einzelhandels noch immer hervorragend beteiligt sind, sollen durch völlig ungeeignete Maßnahmen wieder beseitigt werden. So glauben die Arbeit- geber allen Ernstes, durch eine Verlängerung der für die Angestellten sowieso schon außer- ordentlich ungünstig geregelten Arbeits- zeit eine Erhöhung der Umsätze erzielen zu können. Dabei weiß heute jeder Lehrling, daß selbst bei ununterbrochener Offenhaltung der Läden nicht ein Pfennig neue Kaufkraft, sondern bestenfalls eine Erhöhung der Un- kosten erreicht würde. Eine andere weitverbreitete fixe Idee der Unternehmer ist der Versuch, die Erhöhung der Umsätze durch das L o s u n g s s y st e m zu erlangen. Die Arbeitgeber glauben näm- lich, den gewünschten Umsatz dadurch zu er- zielen, daß sie die Kaufkrastvernichtung ein- fach ignorieren und jedem einzelnen Ange- stellten vorschreiben, wieviel er im Monat verkaufen soll. Je nach der Warengattung soll er das 20- bis 4l1fache seines Gehaltes umsetzen. Erreicht er diese Losung nicht, so ist er nicht tüchtig. Die Personalleitung ver- warnt ihn und wenn das nichts nutzt, darf er im Stempelkeller über den Segen des Losungssystems nachdenken. Tatsächlich ist dieser Versuch der Umsatzsteigerung ein voll- kommen ungeeignetes und demoralisierendes Antreibemittel, das den Angestellten das letzte bißchen Berufs- und Arbeitsfreude nimmt. Der Angestellte wird praktisch aber auch gezwungen, in jedem Besucher den Menschen zu sehen, der ihn um sein Brot bringen kann, falls er ihm nichts verkauft. Wehe dem Angestellten, der eine Pleite knacht— seine Tage bei der Firma sind ge- zählt. In striktem Gegensatz zu den hohen An- forderungen an die Verkaufskunst der An- gestellten steht die Gehaltspolitik der Einzelhandelsgewaltigen. Schon die allge- meine Tarifpolitik der Einzelhändler wird viel robuster geführt, wie die mancher an- deren, als besonders reaktionär verschrienen Unternehmergruppen: aber die Einzelhändler scheuen sich auch nicht, die tariflichen Bestim- mungen nach eigenem Ermessen zu ändern und unter Anwendung wirtschaftlichen Druckes, unter Verletzung von Treu und Glauben die Angestellten einzugruppieren und untertariflich zu bezahlen. Personal- entlassungen riesigen Umfanges, erheb- liche Kürzungen der von jeher besonders niedrigen Gehälter insbesondere der weib- lichen Angestellten, menschenunwürdige Ar- beitsmethoden und kaum glaubliche Schikanen sind die fortschrittlichen Methoden der ehr- baren Kaufleute. Selbst wenn der soziale Mantel, den sich die Einzelhändler sehr zu Unrecht immer gern umhängen, einen bracht- vollen Zwickel erhält, so bleibt doch der üble Reaktionär zu erkennen, der unter Benutzung der zeitgemäßen Schlagworte nur an seinen Profit denkt. Auch sein lächerliches Argu- ment lautet immer wieder: die Starrheit der Tarifverträge macht die Betriebe un- rentabel. Die Vorgänge bei zahlreichen sehr be- kannten Berliner Firmen zeigen klipp und klar die Verbundenheit des Einzelhandels mit der kapitalistischen Front und ihrer Devise: Abwälzung des Risikos auf den Rücken der Arbeitnehmer. Die Arbeitgek>er des Einzel- Handels denken nicht daran, sich in die auch für sie allein richtige Front der Arbeitnehmer und Konsumenten einzureihen, eine ver- nünftige Sozial- und Personalpolitik zu treiben und an einem Umbau des zusammen- brechenden Wirtschaftssystems mitzuarbeiten. Um so mehr erwächst allen Angestellten des Einzelhandels die Pflicht, gemeinsam mit dem ZdA. und der Sozialdemokratischen Partei durch eine Vergesellschaftung der Betriebe aufbauende Zukunftsarbeit zu leisten. Wer wirklich ernsthaft für die Umgestaltung der versagenden Profitwirtschaft zur Plan- w i r t s ch a f t, für menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen kämpfen will, der gibt am 6. November seine Stimme der Liste 2 Sozialdemokraten! Papens große Geste ABSAGE PßfOSSEM BBAi Wachsende Unruhen Schwere Zusammenstöße im Reich Wuppertal, 4. November. Zwischen Klebekolonnen der National- s o z i a l i st e n und der K o m m u n i st e n kam es in der Nacht zum Freitag zu einer Schlägerei, in deren Verlauf von den Nationalsozia- listen etwa 15 Schüsse abgegeben wurden. Ein Arbeiter wurde durch einen Nieren- schuß schwer, ein anderer leicht verletzt. Zwei Nationalsozialisten wurden in staft genommen. An einer anderen Stell« der Stadt wurde ein Nationalsozialist durch einen Schuß oerletzt. Der Täter konnte noch nicht er- mittelt werden. Zu einer Schlägerei zwischen National- sozialisten und Gegnern, deren Partei- angehörigkeit noch nicht festgestellt ist, kam es um dieselbe Zeit vor einem SA.- Heim. Im Handgemenge wurden ein SA.-Mann und ein angeblich Parteiloser niedergeschlagen und verletzt. Remscheid, 4. November. In der Nähe des Alexanderwerks wurden heute vormittag nationalsozialistische Flug- blattverteiler von Kommunisten angegriffen. Fünf Beteiligte wurden vorläufig fest- genommen und der Polizeiwache vorgeführt. Bereits gestern war es auf dein Rathausplatz zu Ansammlungen gekommen, an denen sich rund Süll Personen, meist Kommunisten, beteiligten, die zu demonstrieren oersuchten. Zu Tätlichkeiten kam es nicht. KAMP1 ARBBTERklM M A MM _ 7cmofenHoffimi»ioD �tSS6rfol«2 in tÄnemäi-h �• Ateserfeltj in, Holl and /�isseifolö in Polen Ausser fdo; in Hallen. iiiill i..;-' So hat auch schon 1914 der Anfang vom Ende begonnen. Arnstadt(Ifjür.), 4. November. In der vergangenen Nacht kam es hier zwischen Reichsbannerleuten und National- sozialisten zu einer Schlägerei, bei der vier Reichsbannerleute und ein Nationalsozialist ver- letzt wurden. Die Polizei stellte die Ruhe wieder her und beschlagnahmte eine Pistole, Schlagringe und eine Reitpeitsche. Darmstodl, 4. November. In Auerbach an der Bergstraße verfolgten mehrere Nationalsozialisten in der Nacht zum Freitag zwei Reichsbannerleute und mißhandelten sie so schwer, daß beide ins Kran- kenhaus geschafft werden mußten. Sechs Nationalsozialisten wurden dem Richter zugesllhrt, der Haftbefehl gegen sie erließ. Skandal von Schweidnitz Gerichtsverhandlung unter SA.-Terror Eigener Bericht des„Vormärts" Schweidnitz, 4. November. Als Heines von seiner Truppe am Nachmittag wieder zum Gericht gebracht wurde, wiederholten sich die Skandalszenen. Aus dem Platz vor dem Gericht kam es zu einem Tumult, da sich die etwa 200 Nazis wiederum den Anweisungen der Polizei widersetzten. Die Polizei trieb sie schließ- lich unter Anwendung des Gummiknüp- p e l s nach dem Wilhelmplatz zu. Dabei wurden die Beamten in der unglaublichsten Weise ange- pöbelt. Mehrere SA.-Leute wurden sistiert, u. a. wurde«in Nazi von zwei Beamten eingebracht, der den abgerissenen Schulterriemen noch schlag- bereit in der Hand hielt. Diese Skandalszenen sind nur möglich geworden, weil die Polizei die Demonstrationen bisher igno- riert«. Man hatte den Eindruck, daß für die Nazis das Demonstrationsverbot nicht bestand. Wie diese offenkundige Verhöhnung der Staats- autorität geduldet werden konnte, ist unerklärlich. Nach Beginn der Verhandlung stellte die Ver- teidigung eine Reihe von Beweisanträgen. Sie verlangt u. a. Vernehmung eines Sachverständigen darüber, ob der von Jaehnke benutzte Spreng- körper im Sinne des Gesetzes als Sprengkör- per oder als Feuerwerkskörper anzusehen ist(bei dem Sprengkörper handelte es sich um eine mit Blättchen gefüllte Artilleriekartusche: der etwa 5 Millimeter starke Deckel liegt auf dem Gerichts- tisch). Rechtsanwalt Bandmann tritt dieser recht- lichen Auffassung mit der Feststellung entgegen. daß Jaehnke zerrissen worden sei. beweise mehr als genug, daß er einen Sprengkörper verwendet habe. Das Gericht lehnt diesen Antrag ab mit der Begründung, es unterliege der Beurteilung durch dos Gericht, ob die Bombe Jaehnkes als Sprengkörper im Sinne des Gesetzes anzu- sehen sei. Längere Erörterungen entspinnen sich um ein Protokvll, in dem der Angeklagte Polomski Heines schwer belastete. Heines soll bei der Unterredung mit Polomski im Braunen Haus in Breslau bedauert haben, daß der Anschlag mißglückte, daß ein SA.-Mann und nicht der Richtige das Opfer wurde. Polomski erklärt diesen Widerspruch mit seiner Auesage in der Verhand- lung zunächst dadurch, daß seine Vernehmung 10 Wochen nach der Begegnung mit Heines statt- gefunden und er die Vorgänge nicht mehr genau im Gedächtnis gehabt und deshalb nur Bermu- tungen geäußert habe. Es folgen Erörterungen über die Vorgänge, die zur Verweisung Wagners vom Gymnasium ge- führt haben. Diese Verweisung soll für Wagner den Grund für die Beteiligung an dem Attentat gebildet haben. Wagner sagt:„Die Juden und die Artikel Paeschkes, in oenen ihm als Schüler verbotene Betätigung in der NSDAP. vorgeworfen wurde, hätten die Veranlassung ge- geben." Paeschke erklärt, sein Vorgehen gegen Wagner hänge zusammen mit dem Verhalten der Schüler bei der Verfassungsfeier 1931. Er habe aber, als Wagner gemaßregelt werden sollte, sich in einem Artikel dagegen gewendet, daß die Schü- ler bestraft werden und die Auffassung vertreten, die Lehrer, die an der Verhetzung der Schüler schuld seien, müßten bestraft werden. Heines pöbelt hier dazwischen, der Neben- klüger bezeichne stets als Hetze, was gegen seinen Schmutzsozialismus gesagt werde. Der Vor- sitzende tritt dieser Pöbelei energisch entgegen. B?mSsn auf Befehl Allensteiner Bombenwerfer-Prozeß Allenslein, 4. November. Am heutigen Nerhandlunostag des Bomben- werferprozesies befaßte man sich in längeren Er- örterungen mit der Frage, ob die Ange- klagten auf Befehl gehandelt hätten. Der Zeuge Kriminalassistent Czer- nietzky bestreitet, die Angeklagten bei der Ver- nehmung durch unrichtige Aeußerungen zu eine>n Geständnis bewogen zu haben. Hierauf er- klärte der Angeklagte Quassel sich zu einem umfassenden Geständnis bereit. Doch bevor es dazu kommt, bittet der Ange- klagte Bethke, zunächst ihm das Wort zu geben. Bethke sagt nun aus. er hätte von den Ueberfällen und Unruhen in Allenstein gehört und auf seiner Dienstreise den Entschluß gefaßt, etwas gegen Abraham geschehen zu lassen. Aus eigener Initiative habe er beschlossen. Abraham eine Handgranate in den Laden werfen zu lasten, um ihn zu schrecken. Er habe Weih den strikten Desehl gegeben, dies aus- zuführen, weiß habe sich zunächst geweigert, worauf er gesagt habe:„Dann lassen Sie es durch Leute Ihres Sturmes machen, morgen werden zwei Handgranaten zu Ihnen kommen. die aber noch nicht gebrauchsfertig sind." Er, Bethke, sei dann am 14. August in München verhaftet worden, und auf der Fahrt von Berlin nach Königsberg habe er dem Kri- minalaffistenten Czernietzky ein umfassendes Ge- ständnis abgelegt. Er habe Weiß ge- schildert, wie er sich die Sache denke. Wahrscheinlich habe er Weiß die ganze Sache so hingestellt, als komme der Befehl von oben. Das sei in Wirklichkeit übertrieben, denn er habe von oben keinerlei Befehl erhalten. Der Angeklagte Weiß stimmte allen diesen An- gaben zu, und Bethke versicherte, er habe zunächst bei seinen Vernehmungen nicht in allen Punkten die Wahrheit gesagt, um seine Kameraden und sich selbst zu entlasten. Der Brief Otto Brauns Der vom Ministerpräsidenten Braun ange- kündigte Brief ist noch am Donnerstagabend im Büro des Reichspräsidenten eingegangen. Der Reichspräsident hat dem preußische» Ministerpräsidenten eine vorläufige Ant- wort erteilt, die die persönliche Unterschrift des Reichspräsidenten trägt, den Empfang des Briefes des Ministerpräsidenten bestätigt und hinzufügt, daß das Schreiben Brauns zur Prüfung an den Reichskanzler weiter geleitet worden sei. Der Wortlaut des Schreibens dürste erst.später veröffentlicht werden. Il'2104 Die Klinge schabt nicht — sie gleitet! F• W O i F F& SOHN»KARiSBUHl einlCRtmngcn für Ultle Rubrik sind B c c I< n SD 68. Lindenilratz» 1. Groß-Verlin st»!»«B da» Bezirktsekrelarlat i. Kos. Z Trrvveu»echt»,»u richte» Unsere nächstenpartei- undAetriebsveranstaltungen „Tie Sozialdemokratie im Kampf gegen kapitalistische Verelendung, für sozialistischen Aufbau." III. Abt. Bohnsdorf. Sonnabend. 5. Noveinbee, 20 Uhr, öffentlich« Kundgebung bei Heimann, Bohnsdorf, Waltersdorfer Strohe 100. Referent Dr. Julius Moses. 13:2. Abt. Blankenburg und 133. Abt. Buchholz. Sonnabend, 5. November, 19� Uhr, öffentliche Berfannnlung bei Panfegrau, Buchholz, Bahnhofftr. IS. Referent Dr. Kurt Löwenftein, M. d. R. 133. Abt. Karow. Sonnabend, 5. November, 20 Uhr, Kundaelntng bei Iagemann, Karow, Pankgrafenstraße 3. Referent Gottlieb Reese. 13f»s Abt. Tegel-Freie Scholle. Sonnabend, 3. November, 19)4 Uhr, im Schollenkrug, Tegel- Freie Scholle, Hermsdorfer Straße, öffentliche Versammlung. Referent Karl Litke, M. d. R. Arbcitsinvaliden Bezirk Kreuzberg. Sonnabend. 5. November. 10 Uhr, Versammlung in der Schulaula Gneisenaustraße 7. Referentin Klara Böhm- Schüch, M. d. R. * Beginn aller Veranstaltungen 19)4 Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 7. und 8.«reis. Heut», 17 bis 18 llhr. Juristische Sprechstunde. Sugendheim Rvstncnstr. 4. Gelegenheit zum stirchenaustritt. II. Kreis. Achtung! Alle erwerbslosen Genosten und Reichsbonnerkumeroben treffen sich heute, 12H Uhr, in der BorwSrts.Filiale Kelziger Str. 27. Keiner darf fehlen. I. Abt. Zllle Genossen treffen sich zur Wahlhilf« Sonntag, 8% Uhr, bei Krcklow, Neue Promenade 7. Z. Abt. Alle Parteimitglieder finden stch zur Wahlhilfe Sonntag um 8V. Uhr bei Michcel, Köpenitler Str. öSe, em. 8. Abt. Die Genosten, die noch nicht zur Wahlarbeit eingeteilt sind, melden stch Sonntag, 8 Uhr, im Rationalhof, Pillowstr. 37. 9. Abt. Alle Mitglieder treffen sich zwecks Wahlhilfe Sonntag, 8 Uhr, bei Hllbner, Wilsnacker Str. 34. 10. Abt. Sonntag, 8% Uhr, alle Parteigenosten bei Stein, Holsteiner Ufer 14. 14. Abt. Alle Parteimitglieder treffen sich Sonntag, 8 Uhr, zur Wahlarbeit im ZentralwahNolal. 20. Abt. Heute, 20 Uhr, Sitzung der Funktionäre und des ASD. bei Pose, Kolonicstr. 1Z. 21. Abt. Heute treffen sich die Genossinnen um 16 Uhr bei Kroll. 22. Abt. Sämtliche Genosten treffen sich zur Wahlhilf« Sonntag, 8 Uhr. in der Vorwärts-Spedition lltrechter Strotze. 25. Abt. Heute abend melden sich die Parteigenossen zur Einteilung der Wahl- arbeit bei Schmidt. 20. Abt. Die Bezirksfllhrer treffen sich Sonntag, 8 Uhr, zur Raterialausgabe bei Klug Danzigcr Str. 71. 31. Abt. Alle Bezirksfllhrer Sonntag. 8 Uhr, zur letzten Einteilung der Wahl- arbeit bei Goldschmidt. «. Abt. Di« nicht eingeteilten«ensssen«elde» stch«»»«tag, 8 Uhr. zur Wahlhilse bei Bauer. Tilsiter Str. 27. 37. Abt. Alle Mitglieder, die noch nicht zur Wahlarbeit eingeteilt sind, melden sich Sonntag, 8>,L Uhr. bei Zcpke, Ebertpstr. 6. Zahlabende am 9. November »allen aus. 39. Abt. Alle Bezirksfllhrer und Wahlheiser Sonntag, 8 Uhr, im Zugendheim Lindenstr. 4. 43. Abt. Alle Genossen finden sich zur Wahlarbeit am Sonntag, 8>� Uhr, in den bekannten Lokalen ein. 45. Abt. Die Genossen treffen sich zur Wahlarbeit Sonntag srllh in folgenden Lokalen: Gruppe Grotz in Frtedenshutte. Wiener Str. 57»! Gruppe Kinski bei Zander, Lausitzer«tr. 25: Gruppe Illdel bei Fiirster, Glogauer Str. 25; Gruppe Rüden bei Florkowski, krllnauer Stratzc Ecke Kottbusser Ufer. Die Abteilungsleiter bei der Gruppe Rüden. 48. Abt. Sonntag, 8 Uhr, bei Laudahn zur Einteilung der Wahlarbeit. 52. Abt. Zur Wahlarbeit finden sich die Genossen Sonntag, 8 Uhr, bei Wolter ein. 53. Abt. Alle Parteimitglieder treffen sich Sonntag, 9 Uhr. bei Schweikert, Erasmusftr. 2, zur Wahlarbeit. 74». Abt. Heute, 20 Uhr, Funktionär« und Wahlhelfer bei Schneider, Pots» damer Str. 25. Alle nicht zur Wahlarbeit eingeteilten Kenosten melden sich Sonntag frllh ebenfalls bei Schneider. 85. Abt. Heut» nachmittag werden die Transparente und das Rhönrad durch Tempelhof getragen. 16 Uhr wichtige Besprechung bei Pommerening, Ber- liner Str. 100. Sonntag treffen sich alle Parteimitglieder in ihren Arbeits- lokalen. Zentralwahllokal und Treffpunkt der Bezirke 3, 4, 5 und 13 bei Pommerening, Berliner Str. 100. Treffpunkt der Bezirke l. 2 und 12 bei Pinger, Dorfstr. 50. 94. Abt. Heute, 19 Uhr, kurze Besprechung des Abteilungsoorstandes und der Bezirksfllhrer bei Schröder, Steinmetzstr. 52. 95. Abt. Um 1? Uhr Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. 99. Abt. Zur Erledigung einer wichtigen Arbeit treffen sich alle Genossen am Sonntag um 8zb Uhr an folgenden Stellen: 147., 148. Bezirk bei Schmidt, Ehausteestr. 27: 152., 154. und 155. Bezirk falte Nummern) im Sitzungs- räum Hannemannstr. 40: 156. bis 159. Bezirk falte Nummern) bei Böttcher, Jahn- Ecke Rungiusstratzc. 99». Abt. Der Abteilungsvorstand trifft sich Sonntag, 9 Uhr, im Einfa.Bllro. Alle übrigen Genossen melden sich zur Wahlarbeit bei ihrem Bezirksfllhrer. 108. Abt. Heute, 18 Uhr, Funktionäre bei Blockwitz zur Einteilung der Wahl. arbeit. 108». Abt. Zentralwahllokal am Sonntag Eitner, Kaiser-Wilhelm-Str. 3. Alle nicht zur Wahlarbeit eingeteilten Genossen melden sich dort. 10«. Abt. Die Parteimitglieder, die noch nicht zur Wahlarbeit eingeteilt sind, treffen sich am Sonntag im Lokal Fahrentholz, Wilhelm- Ecke Kirchstrahe. Dortselbst abends auch Bekanntgabe der Wahlresultatc. III. Abt. ASD. und sämtliche Genossen heut« ab 14 Uhr letzt« Flugblatt» Verbreitung vor der Wahl. 115. Abt. Sonntag, 8 Uhr. finden sich sämtliche Genossen im„Tivoli", Weichsel. stratze 6. zur Einteilung der Wahlarbeit ein. 131. Abt. Am Wahltage ist unser Zentralwahllokal Rommel, Hertaplatz 6. 133. Abt. Sonntag, 6. November, 8 Uhr. Treffen aller Mitglieder zur Ein- teilung für die Wahllokalprvpaganda bei Kaehn«, Berliner Str. 39. 143. Abt. Sonntag treffen sich alle Parteimitglieder zur Wahlhilfe 8 Uhr bei Schmischke, Waidmannstr. 4. 130.»it. 5 raueaveranstattullgen: Abt. Alle Genossinnen beteiligen sich heute an der Flugblattverbreitung. Treffpunkt 15 Uhr am Bahnübergang Wittenauer Strotze. Arbeitsgemeinschast der kinderfreunde. Geschäftsstelle: Lindenstratzc 2. Neukölln, Abt. Paul Levi. IF. und RF.: Heut«, Sonnabend, um 17 Uhr, im Kreisheim. Alle erscheinen. Sterbetafel der Gruß- Berliner Partei-Organisation 27. Abt. Unser Genosse Schindler, Kopenhagener Str. 76, ist ver. storbrn. Ehre feinem Andenken! Einäscherung heuie, 15% Uhr, Krematorium Gerichtstratze. Um rege Beteiligung bittet der Porftand. iW Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen tllr diese Nubrit nur an das 3ugcnds"tretariat Berlin SW 68 Lindenstrave 2 vorn 1 Teepve rechts Abteilungsleiter, berücksichtigt bei der Aufstellung des Dezemberprogramms den 26. und 27.!(2. und 3 Weihnachtsfeiertag). heute, Sonnabend: Reukölln I: 20 Uhr Treffpunkt„Rote Ecke" zum Spaziergang. »Freie Gewerkschafts-�ugend Berlin Boranzcigcl Achtung, Mädels! Am Sonntag, 13. Noocmber, 0% Uhr. findet im Jugendheim des Deutschen Bekleidungsarbeitervcrbandes, � Sebastianstr. 37—38, unsere nächste Mädchcnveranstaltung statt. Nach- dem die Genossin Margarete Hartig uns im porigen Monat in sehr anschaulicher Weise einen Uebcrblick gegeben hat über„Die gesellschaftliche Entwicklung der Frau bis zur Gegenwart", wird die Genossin Hartig diesmal sprechen über„Die Frau in„bracht.pollen" Zeiten. Das Thema dürfte kür alle Mädels von grötz- lem Interesse fein. Seid darum bestimmt und pünktlich zur Stelle. Vortrage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner ,.SchwarPRot-Go!d" Geschäfts st eile: Berlin S 14 Sebaftionftr 37—38 Ho« 2 Tr. Steglitz lOrtsvercin für Steglitz, Lichtrrfelde und Lankwitz): Sonn- tag, 6. November, abends, gemeinsame Rundfunkabbörstundc der E. F. in Lehmanns Festfälen, Lankwitz, Kaiser-Wilhelm-Str. 29—31. Republikanische Rcduervcrcinigung. Montag, 20 Uhr, Vortragsabend mit Diskussion im„Alten Askanier", Anhaltstr. 11. Es spricht Dr. Pollack über „Antisemitismus". Gäste willkommen. Sozialistischer Espcranto-Buad. Untergruppe Zentrum versammelt sich regel- mäßig jeden Dienstag im Metallarbeitervcrbandshaus, Elsässerstr. 86. Unter- gruppe Reinickendorf leben Donnerstan"----- M-—----- 19% bis 22 Uhr. Untergruppe• lerstag im Jugendheim Lindauer Stratzc. Zeit: Reukölln jeden Mittwoch in der Rütli-Schutc. Deutsche Landsmannschaft de« Provinz Pose», Grotz-Berli» E, V. 11. Stiftungsfest am 3. November, 20 Uhr, in der Kindl-Brauerci. Neukölln, Hermann- stratze 214-219. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 11 Uhr. Pappelallee 15, Vortrag des Herrn H. Mfken:„Die katholische Kirche and das Frerdenkertum". E�peranto-Eieh- Gruppe, Heiligegeiststr. 39 M. 20 Uhr. Bortrag Rechtsanwalt Breit: El prektiko. Montag, 7. November, Dcntsch. Franzisische Gesellschaft. Mittwoch, 9. November, 20% Uhr, Bor- tragssaal Bayerischer Platz 2, Diskussionsabend über U'esprit äOmocrarigvo ev llravee. Bund religiölcr Sozialisten, Bezirk Steglitz. Die 2. und letzte llirchinwafiler- Versammlung findet am Dienstag. 8. November, 19% Ubr, im Lokal Schcllhalc, Berlin-Steglitz, Ahornstr. 15a. statt. Es spricht Genosse Pfarrer i. R.»ans Francke über das Thema„Die kommende Kirchenwahl!" Kein Trinizwang. Keiner darf fehlen. Jeder tue leine Pflicht und wähle am Sonntag, 13. Rovem- ber, die Liste des Bundes religiöser Sozialisten Deutschlands, Bezirk Steglitz. Di- Dahlzeit ist von 11% bis 17 Uhr. Bereinigung der Freunde für Religio» und Böllerfrirden. Die Freunde des Wahloorfchlagcs„Ebristliche Freiheit" in der Trinitatisgemeindc, Charlotten- bürg, veranstalten Dienstag. 8. November, 19% Uhr, in der Aula der Kaiser Berliner Kraft' und Lieht- Aktiengsesellschatt BilaiiK ujpi;jO..Inni 19.12 Vermögen Grundstücke............................ Verwaltungs- und Wohngebäude...... Kraftwerke............................ Übertragungs- und Verteilungsanlagen. Im Bau befindliche Anlagen............ Inventar und Fahrzeuge.............. Vermietete Anlagep.................... Wertpapiere und Beteiligungen........ Forderungen davon: a) Tochtergesellschaften. 57 559 572,80 b) Sonstige Forderongen 869 119,85 RM 34 802 945.45 7 612 027.01 183 493 107.67 392 923 165.83 8 646 304.53 966 436.83 29 456 595.47 38 428 692.65 716 309 276.44 Verbindlichkeiten Aktienkapital Aktien der Gruppe A.. 160 000 000,— Aktien der Gruppe B.. 80 000 000.— Gesetzlicher Reservefonds.............. Agio-Konto............................ Abschreibung«- und Erncuerungsrücklage Hypotheken............................ Gläubiger.............................. Dividenden-Einlösung: Nicht eingelöste Dividendenscheine.... Anleiheverpflichtnng gegenüb. d. BEWAG Gewinn................................ RM 240 000 000.— 207 964,60 9 990 833.65 143 000 100.67 1 817 628.57 5 701 299,94 5 728,55 289 101 685,05 26 584 040.41 716 309 276.44 CJewiiin- und Verlntktrei-hnnnf am 10..Inni 1912 Ausgaben Zinsen au die Stadl Berlin aus der Überleitung.... 90 833,33 Sonstige Zinsen........ 26 000.— Steuern.................... Konzessionsabgabe........ 22 400 000,— abzugsfähig gemäß Ziff. 12 des Konzessions-Vertrages 1 718 933,— Zuweis, zur Abschreibungs- nnd Erueiierungsrücklagc 17 927 079,27 Abschreibung auf Inventar und Fahrzeuge.......... 161 350,38 Reingewinn............ RM 116 833.33 I 178 075,25 20 681 067,— 18 088 429,65 26 584 040.41 66 648 445.64 Einnahmen Gewinn-Vortrag................ Pacht und Abgabe der BEWAG RM 1 191 327.41 63 457 118,23 66 648 445,64 Wir haben vorstehende Bilanz per 30. Juni 1932 nebst Gewinn- und Verlustrcchnong geprüft nnd bestätigen ihre Übereinstimmung mit den von uns ebenfalls geprüften, ordnungsgemäß geführten Büchern der Gesellschaft. Berlin, im Okiober 1932. Deutsche Treu hau d-Ge*el l seh aft gez. Horschig gez. ppa. Hühner In der Generalversammlung am 4. November 1932 wurde Kapitalertragssiruer auf den Gewinnanteilschein Nr. 2 für Deutschland die Hanptkasse der Berliner Städtische dämm 22, sowie die folgenden Banken einschließlich ihrer Preußische Staatsbank(Serhandlung) RHchs-Kredit-Gesellschaft Aktiengesellschaft Berliner Handels-Gesellschaft Berliner Stadtbank, Girozentrale der Stadt Berlin S. Bleichröder Commerz- und Privat-Bank Aktiengesellschaft Deutsche Bank und Djsconto-Gescllschaft Dresdner Bank J. Dreyfus& Co. Jacquier& Securius Mensdelssohn u. Co. Dresden: Gebr. Arnhold Berlin, den 4. November 1932. beschlossen, eine Dividende in Höhe von i0% abzüglich unserer Aktien Gruppe A auszuzahlen. Zahlstellen sind Elektrizitätswerke Akt.-Ges., Berlin NW 7. Schiffbauer- N iederlassungcn; Essen: Simon Hirsddand Frankfurt/M.: Deutsche Bank nnd Disconto-Gescllschaft Filiale Frankfurt/M. Dresdner Rank J. Dreyfus& Co. Mitteldeutsche Crediibank Niederlassung der Commerz- and Privat-Bank Aktiengesellschaft Hamborg: M. M. Warburg& Co. Berliner Kraft- nnd liicht-Aktlengesellschatt Der Aufsichtsrat: gez. Dr. Elsas, Bürgermeister. Der Vorstand: gez. Dr. Adolph, gez. Dr. Kanffmaan, gez. Dr. R c h m e r. ! ffleiropoi-meaier i r-Tfiea!er'• Täglich so, uhr| j strcsemannsir. Friß! ffaafs neafer Sonnabend, den 5. November staatsoper unter den Linden 20 Uhr Cavalleria ruallcana Baja»! staatiicnos schauspieihaas 20 Uhr Gabriel Schillings Flucht ÄMMP HS Garten Massary Eine Frao, die weiß, was sie will! Sonntag V;5 Walzerlraum VOLKSBUHNE Theater am BBIewelatz L» 1. Norden Z944. Tidlich Ubr C JlhlhlV von Marcel Pagnal f T Deutsch v.Bruno Frank Regie Heinz Hilpert. Dorsch, Tiedtke, Valetti, Siedel, Verhoeven, Stein, Almas scaU Tifl. 5 u.«Vi Uhr BUSTER WEST Die fliegenden CONCELLOS MAX ADALBERT FR. GRÜNBAUM PLAZA IMtSdilet.Brt.. 17 Weickui 4031 IWitst r.toal Slfidl.Opcr Charlotten borg Fraunhofer 0231 Turnus III Sonnabend. 5. Nov 20 Uhr Madame Butterffly Berger, Fidesser, Zador, Hüsch.Gom- bcrt,Kandl,Pechnei Dirigent; Ladwig Tom Birkmaper und sein Wiener Sailen 3 Arconas, 2 Kons 1 tans Koiiscner usw. ] rlora 3434 Rauchen en.| { iOnnaOPM! und Sonniaa aucCj I oadun. 4 II. iu kleinen Freisen; Täglich 8V»: Zu waln. Kdienm v. Bemard Shaw Vloissi, v Thell- mann, Berrens. Evans.Otto. Sima, Wiemann. Deppe. de Kowa. ii'heatem.Wetzienv 1 Steinpl. 5121 3 Er] c jjj. u e r I Täglich 8% Uhr I Sitia[ A l p a r in Katharina Stgs VaS Uhr Bismarcksir.(Knie) Steinpl.(Cl) 6715 Täglich SV* Uhr; Robert und Bertram Älfred Braun. Fritz Hirsdz, SentaSönelaad KomililientiaDS ScMffbaoerd»mm 25 DiWridend.«304-05 Täglich HVi Uhr Auslandreise T.OesterreiditriLSirsiiftld Felix Bressart Maria Pandler Paul Heidemann TUeaier im Aümiralspsiast Premiere 10. November Hans Albers Li H o m Deutsches Theater Weidend. 5201. 8 Uhr Piinz FrleU ton Mmi Sdutrp tob H. ,. Itoil Regie: MaxReinhardt Tnimig, Fehdiner Gustav Frönlich, Kayßler. Wegener Ksnunmpie.'e 6 Uhr Letzte Vorstellg .Rose SSemd mit Panla Wessely Rose- Theater Orri« Fruklortr Stnti 13) l«. Weich ie! E! 3*22 5 Uhr Frau Holle 8,15 Uhr Der Zigeunerbaron 11 30 Uhr Premier« Sie WilM Eva Lessing-Theafer Tägl SV. Uhr Grete Mosheim Oskar Homolka in Pygmalion B. B. B. BeetJoss Baute Bühne Kottbusser StraSe 6 IrOher„Elite- Sänger" .Hier hOnnco Familien Kaflee Kocnen' Igl.äVi ü SmuI. na±n. 3'/» Preise von 50 Pf. an Willi SohsüffSti' Ut.t.»erger Str. SO »v.uhr CÄSIflO-THEISTER«''.vi» Lothringer Strafe 37. inmiiiiimiinminnimttiDi 4 Uhr Täglich 2«: 9 Uhr, Bas seKationolle Kabarett-Programm] Abendpreise I— 3 Mk. Nachm. GedecK 1,25, Juden Sowiehemi 1 1 V, Uhr; NacMeorrtcHuritl Sonntag« aods nachm. 4 Uhr Die Liebe bliibt in Werder Berliner Volksstöck in 4 Bildern mit Gesang und Tanz. Für die Leser Gutschein I—( Personen Parkett 0.S0 M. Fauteuil 0.75 AL, Sessel 1.25 M. 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NOV. 1932 E R STE B E I LAG E Blutige Zwischenfälle in Berlin Bundesbrüderschaft zwischen Hitlers SA. und den Kommunisten Die sortgesehien Versuche der Direktion der VVG.. einen Teilverkehr in Gang?u bringen, führten am gestrigen Rachmittag in fast allen Stadtteilen ,u Hefligen Zusammenstöhen, da sich vor den Strahen- bahndepols groge Ansammlungen bildeten, und die herausfahrenden wogen, die mit polizeischuh versehen waren, nach Verlassen des Depots nach wenigen Strahenzügen mit Steinen beworfen wurden. Ueber die folgenschwersten Zusammen- flöhe, die sich in den ewigen llnruheecken, im Berliner Auhenweslen ereignete, und dem leider mehrere Frauen und Mädchen zum Opfer fielen, wird an anderer Stelle berichtet. Im Lause des Nachmittags wurden zahl- reiche Sabotageakte verübt, die sich in der Zeit von 16 bis 17 Uhr noch derart steigerten, dah sich die Direktion der BVG. entschloh, den Strahenbahnbetrieb und den Autobusverkehr, der teilweise ausgenommen worden war, gegen 18 Uhr wieder völlig einzustellen. An verschiedenen Stellen der Stadt, vornehmlich aber in der näheren Umgebung der Straßenbahn- und Autobusdepots, kam es zu Krawallen. Ueber 20 Strahenbahnangestellte und einige Fahrgäste wurden durch Steinwürfe und Glassplitterverlehungen der zertrümmerten Fensterscheiben zum Teil schwer verleht. Außer der schweren Schießerei an der Kreu- zung Haupt- und Eisenacher Straße, über die wir an anderer Stelle ausführlich berichten, kam es an der Ecke Vorberg- und Hauptstraße zu einem blutigen Zwischenfall der Polizei mit Nationalsozialisten und Kommunisten. Ein Polizeischnellauto, das die Hauptstraße in Schöne- berg entlangfuhr, wurde von. meist halbwüchsigen Burschen mit Steinen beworfen. Als das Auto hielt und die Beamten heraussprangen, wurden aus der Menge einige Schüsse abgegeben Die Schupobeamten erwiderten das Feuer und dabei wurden ein Mann und eine Frau nieder- gestreckt. Der Mann, dessen Personalien noch nicht feststehen, starb aus dem Transport ins nächste Krankenhaus. Als Polizeivcrftärkungen eintrafen und zu Verhaftungen schritten, stellte sich heraus, daß sich unter dea Krakeelern nicht ein einziger BvG.-Arbeiler oder-Angestellter befand. Der ganze Zwischenfall war das Werk national- sozialistischer und kommunistischer Provokateure Bei der Schießerei in Schönebcrg wurde ein Mann getötet und fünf Personen, darunter allein vier Mädchen und Frauen, verletzt. tlllrulietierlle im Norden Eine zweite Schießerei spielte sich unweit des Autobusdepots in der Usedom- st r a ß e im Norden Berlins ab. Dort versuchte ein Passant einen gerade vom Depot ausfahren- den Autobus anzuhalten. Der junge Bursche stellte sich auf den Fahrdamm, um den Fahrer zum Halten zu zwingen. Mehrere Schupo- beamte wollten den Mann festnehmen. In diesem Augenblick stürzten sich wieder Kommuni st cn und Hakenkreuzler im trauten Verein auf die Polizisten. In der Bedrängnis zogen die Be- amten ihre Dienstpistolen und feuerten eine Reihe von Schüssen ab. Fünf Personen wurden durch Schüsse verletzt, einer davon ist inzwischen ge- starben. Zu einer weiteren Schießerei kam es vor dem Stettiner Bahnhof, wo aufrühre- rische Elemente einen Straßenbahnwagen an- hielten und trotz der polizeilichen Beglcitmann- schaft zu demolieren versuchten. Von den Beamten wunden mehrere Schüsse abgegeben. Zwei Demon- stranten wurden niedergestreckt und durch Wagen des Städtischen Rettungsamtes fortgeschafft. Zu weiteren bedrohlichen Situationen kam es auch in anderen Stadtteilen, und in zahlreichen Fällen wurden Schreckschüsse abgegeben. Der politische Charakter der Streik- bewegung bei der BVG., die von einem großen Teil der unorganisierten Verkehrsarbeiter als eine reine Tarifbewegung angesehen wurde, hat sich gestern mit aller Deutlichkeit offenbart. Seil Freitag nachmittag üben die Kommunisten und Rationalsozialisten einen wohlorganisierten Terror aus die Verkehrsarbeiter aus, dem die Polizei sich gestern nicht gewachsen zeigte. Vor den Straßenbahnhösen und Omnibusdepots versammelten sich in den ersten Stunden des Nach- mittags oftmals Hunderte und Tausende von Menschen, darunter viele SA.- und SS.- Leute in Uniform, die fast überall das Aus- fahren der Straßenbahnwage» und Omnibusse un- möglich machten. Am stärksten belagert wurden die Strahenbahnhöse 24 in Lichtenberg, Bahnhof 1 in Reinickendors, Bahnhof 2 in der M ü l l e r st r a ß e, Bahnhof S in Tempel- Hof, Bahnhof 11 in Steglitz und Bahnhof 6 in Tegel. Aui den Straßenbahnhöien Auf den Straßenbahnhöfen hatte sich in den frühen Nachmittagsstunden ein großer Teil der Straßenbahnangestellten eingefunden, um die Arbeit wieder aufzunehmen. Die Depots waren in weitem Umkreis durch Polizeiposten gesichert. Trotzdem konnten kommunistische und nationalsoziali st ische Krakeeler an verschiedenen Stellen ihre„Aktionen" durchführen. Aus dem großen Straßenbahnhos in der Müller st raße standen bereits um 14 Uhr Hunderte von Fahrern und Schaffnern, um die Arbeit wieder aufzunehmen. Sobald aber ein Wagen den Versuch machte, den Hos zu verlassen, ertönte auf der Straße ein wüstes Geschimpfe und Steine sowie Eisenteile wurden gegen die Bahnen oeichseuders. Die noch wxiter,W Streik verHarpen- den BVG-Angestellten hielten sich in einiger Ent- fernung von den Radaumachern; sie beteiligten sich an den Zerstörungs- und Sabotageakten nicht. Schon hier draußen im Norden Berlins hatte man den Eindruck, daß nicht mehr die BVG-Ange- stellten streikten, sondern daß Hakenkreuzler und Kommunisten die nun einmal gegebene Gelegen- heit zu ihren Terrorakten mißbrauchten. Wieder- holt wurde die Müllerstraße von der Polizei geräumt. In der W i e b e st r a ß e in Moabit standen um 15 Uhr gleichfalls Hunderte von Fahrern und Schaffner zur Arbeitswiederaufnahme bereit. Un- mittelbar vor dem Straßenbahnhos war so gut wie kein Mensch zu sehen, die Terroctrupps hielten mehr die Bürgersteige der oberen Turm- straße besetzt. In der Nähe des Straßenbahnhofes Kreuz- berg änderte sich das Bild wieder. K o m m u- n i st e n und Nationalsoziali st en hatten sich in größerer Zahl eingefunden, und als einige Bahnen das Depot verließen und die Belle-Alli- ance-Strahe erreicht hatten, setzte ein Steinhagel auf die Bahnen ein. Dabei wurden nicht nur das Fahrpersonal, sondern auch Fahrgäste oerletzt. Von einem Polizeipatrouillenwagen mußten mehrere Schreckschüsse abgefeuert werden, um den Wagen überhaupt erst die Rückfahrt in das Depot zu ermöglichen. Mehrere Burschen versuchten den Polizeiwagcn umzukippen, das mißlang jedoch, und einige Haupträdelsführer konnten gefaßt werden. Aehnlich sah es in der Umgebung der übrigen Straßenbahnhöfe und der Autobusdepots aus. Es jSebt gegen SPD, und Eiserne Front Parteigenossen, Gewerkschaftler, Reichsbanner- leute und Mitglieder der Eisernen Front waren, soweit sie an ihren Abzeichen kenntlich waren, vielfach Gegenstand von Beschimpfungen und An- pöbelungen. In der Landsberger Straße kam es zu einem schweren Zusammenstoß zwischen Nationalsozialisten und Reichsbaimerkameraden. Dabei wurde ein Reichsbannerkamerad verletzt und ein Nationalsozialist schwer verletzt. Ein- greifende Polizei nahm zwei Sistierungen vor. Als sich am Nachmittag in der M ü l l e r st r a ß e unsere Genossen in der Nähe des Straßenbahn- Hofs versammelten, um zum Sportpalast zu gehen, stürzten aus den umliegenden Lokalen H u n- derte von Nationalsoziali st en und Kommunisten und schlugen auf unsere Ge- nassen ein, die sich zur Wehr setzten. Einer unserer fceit So&iaiUUscUe UmUscUuU Für den heute abend, 19K Uhr, im Plenarsaal des Reichswirtschaftsrates, Bellevuestrasse 15, stattfindenden Vortrag des Genossen Otto Bauer über „Krise des Kapitalismus" sind Eintrittskarten nicht mehr zu haben. Genossen wurde schwer verletzt. Auf die„Vor- wärt s"- Filiale Müller st raße 34a er- folgte am Nachmittag ein organisierter Ueberfall, wobei die Fensterscheiben durch Sleimvürfe zer- trümmert wurden. Als die Polizei eintraf, flüch- teten die Täter und entkamen. Auch mehrere Lokale, in denen die Gewerk- schaftsfunktionäre den Verbandsmitgliedern über die am Vormittag im Gewerkschaftshaus abge- haltene Funktionärkonserenz Bericht erstatten. wollten, wurden von Nazis und Kommu- nisten belagert, die die Versammelten am Verlassen der Lokale hinderten. Den Eingeschlossenen war es nur mit Hilfe herbeigerufener Polizei möglich, sich aus ihrer Lage wieder zu befreien und ent- weder die Bahnhöfe aufzusuchen oder nach Hause zu gehen. Klub der Harmlosen Die getarnte Reaktion In einem westlichen Berliner Vorort haben sich seit einiger Zeit 25 Bereine der verschiedensten Art zu einer Nationalen Arbeits- g e m e i n s ch a f t zusammengetan. Damit die Oeffentlichkeit einmal erfährt, was für eine Gesell- schaft sich unter dem angeblich so unpolitischen Stichwort national zusammengefunden hat, seien die Vereine namentlich aufgeführt:• 1. Deutscher Offiziersbund, 2. Kriegerverein, 3. Verein ehemaliger Kameraden der Kavallerie, 4. Verein der Jäger und Schützen, 5. Verein Schwarzer Kragen, 6. Stahlhelm, 7. Reichs- ofsiziersbund, 8. Schützengilde, 9. Verein der Schietzfreunde, 19. Turn- und Sportverein, 11. Sportverein, 12. Sportverein 1911, 13. Män- nergefongverein 1873, 14. Freiwillige Sanitäts- kolonne vom Roten Kreuz, 15. Verein der Zivil- dienstberechtigten, 16. Verein evangelischer Män- ner und Jünglinge, 17. Bläserchor von 1916, 18. Haus- und Grundbesitzerverein, 19. Theater- verein, 29. Radfahrverein„Hohenzollern", 21. Verein der Heimattreuen O st- und Westpreußen, 22. Jugendgruppe des Kriegervereins, 23. Bis- marck-Iugendbund, 24. Königin-Luise-Bund, 25. Stahlhelm-Frauenbund. Die angeblich politisch neutralen bürgerlichen Sportvereine, allen voran der Radfahrerverein „Hohenzollern", das auf seine politische Neutralität so sehr pochende Rote Kreuz, der ganz und gar „unpolitische" Haus- und Grundbesitzeroerein, der angeblich harmlose Theaterverein, alle in einer Einheitsfront mit den eindeutig rechtspolitischen Offiziersvereinen und Stahlhelmgruppen und den die militärischen, kasernenhöfischen und hohen- zollernschen Traditionen hochhaltenden Militär- vereinen! Wenn Ehrlichkeit zu den ausgeprägten Charaktereigenschaften dieser politischen Heimlich- tuer gehörte, dann würden sie sagen; Deutsch- nationale Arbeitsgemeinschast, und jeder wüßte, was los ist. Kassenbottn überfallen Räuber mit Beute entkommen Ein beispiellos dreister Ueberfall wurde gestern nachmittag an der Ecke der Friedrich- und Kronen- straße auf die 29 Jahre alte Kontoristin Ella Maire verübt, die für ihre Firma, die Rahmen- fabrik von Joachim in der Ritterstraße 89, 449 M. vom Postscheckamt geholt hatte. Die Kontoristin hatte das Postscheckamt ver- lassen, von wo sie 449 M. abgeholt hatte. Auf dem Rückweg zu ihrem Geschäft passierte sie die Ecke der Friedrich- und Kronenstraße. Plötzlich kam ein Motorrad heran, auf dem zwei Männer saßen. Der eine stieg ab und eilte auf das junge Mädchen zu. Ehe sie es sich versah, hatte ihr der Mann, der etwa Ausgang der Zwanzig war, ihre Aktentasche entrissen und rannte zu dem Motorrad zurück. Das Mädchen schrie um Hilse und das Ueberfallkommando wurde alarmiert. Mit dem Polizeiwagen verfolgten die Beamten die Täter durch einige Strahen, tonnten sie al 9®„ � viel RaU�. ..�ndeWevon�, Regen' » on' jurcb die sding00' .quemeion— - x*- .Herrliche Zeiten" vor 20 Jahren Zur Erinnerung an die Lebensmittelkrawalle 1912 Auf dem Nettelbeckplotz im Norden Berlins stehen zwei Arbeitslose, von denen einer sagt: „Nee, Mensch, weestc, früher waren doch schöne Zeiten: Knobländer kosteten drei Paar einen Groschen, einen Becher Bier gab es schon für einen Sechser und die Sechserstücken von Hanke waren so groß wie ein Teller". Da taut der andere auf:„Nun halte aber die Luft an. Du weißt wohl nicht mehr, wie du'vor zwanzig Jahren bei dem Krawall in der Med- d i n g h a l l e in ein Margarinefaß gefallen ist. Du standst doch mit der Nase dabei, als der eine Schlächtermeister sagte, was du in deine Brat- pfanne machen sollst, wenn du Hunger hast. Von wegen herrliche Zeiten!" Die Hungerkrawalle in den letzten Oktober- tagen des Jahres 1912 hatten ihre Ur- sache in der Fleischverteuerung. Gegen- über dem Herbst 1911 waren innerhalb eines Jahres gestiegen: die Rindfleischpreise um 25 Pf.. die für Kalbfleisch um 18)4 Pf., für Hammelfleisch um 17 Pf., für Schweinefleisch um 37 Pf. und für Roßsleisch um 9 Pf. pro Kilogramm. Uebrigens ein beredtes Zeichen für die Kaiferzeit, daß damals Pferdefleisch sogar amtlich notiert wurde. Deshalb forderte die Sozialdemokratie die Oeffnung der Zollgrenzen, vor allem die Einfuhr- freigäbe von billigem australischen und argentini- schem Fleisch. Selbstverständlich lehnte die Agra- riersront im Reichstag alles ab. Nun hatte der Berliner Magistrat, um die dringendste Not zu lindern, ein ziemlich beträcht- liches Kontingent russischen Frischsleischs beschafft, mit dessen Berkauf zu billigen Preisen am Mittwoch, dem 23. Oktober 1912, begonnen werden sollte. Zu diesem Verkauf hatten sich 128 Markthallenschlächter in Berlin bereit erklärt. In der Erwartung, zu billigem Fleisch zu kommen, waren deshalb die Arbeiterfrauen be- reits um 6 Uhr morgens vor den Markthallen angetreten, trotzdem der Verkauf des Russen- fleischs erst für 9 Uhr vormittags angesetzt war. Mit einem Male hieß es jedoch: die Schlächter oerkaufen kein Fleisch! Die 128 Standinhaber waren nämlich von den übrigen Schlächtern dermaßen unter Druck gesetzt worden, daß sie sich weigerten, das Russenfleisch zu verkaufen, trotzdem sie es schon in den Kellern hatten. Sie sagten, der Aerdienst von 8 M. pro Zentner wäre ihnen zu gering, außerdem wolle die Innung sie ausschließen. Nun war die Gl- tuation um so heikler, als an jenem Mittwoch auch kein Seefischverkauf in den Markthallen statt- fand. Inzwischen hatten sich große Massen von 5)aussrau«n in den Marschällen ange- sammelt. In der Weddinghalle standen allein 4l10<) bis ZstOll Frauen. Natürlich fühlten sich die Frauen genassührt und schimpften. Die Schlächter, wütend über das Russenfleisch, schimpften nicht minder und plötzlich nahm ein Schlächtermeister in der Weddinghalle eine Wurst und warf sie den Frauen an den Kopf. Nun war der Tumult groß, ein anderer Schlächter hieb einer Frau mit dem Räucherstock über den Kopf, in den engen Gängen fielen die Frauen in Kaufmanns- und Blumenstände und die Schlächter waren ganz außer Rand und Band. Unterdessen waren die Schutzmänner gekommen, die die Markthalle räumten und vorläufig für den Verkehr schloffen. In der Markthalle am Grünen Weg, das ist die heutige Paul-Singer-Straße, tobten die Schlächtermeister ebenfalls über das Russenfleisch, ein Meister sagte zu den Frauen:„Freßt doch Knochenfleisch!" Daraus mußte er seinen Stand schließen und vier Schutzmänner brachten den Grobian nach Hause. Am schlimmsten war es aber eigentlich in der A ck e r h a l l e. Hier wurde an ein paar Ständen Russenfleisch verkauft, da kamen die anderen Schlächter, stürzten sich auf die Frauen, entrissen ihnen das Fleisch und warfen es in den Rinnstein. Auch in den nächsten Tagen kam es noch zu erregten Szenen. An sich hatten die Fischfrauen herzlich wenig mit der ganzen Sache zu tun, aber eine Fischhändlerin in der Andreas- halle konnte es nicht unterlassen, den Hausfrauen nachzurufen:„Freßt Fischköpfe und Kaldaunen, wenn ihr Hunger habt!" Natürlich ging der Krach wieder los und nur mit Mühe gelang es der Polizei, die Fischfrau nach Hause zu bringen. Auf dem Wedding wurde es am Donnerstag ernster. Hier wurde das bekannte Schlächtergeschäft von Morgenstern in der Schererstraße gestürmt, der Geschäftsführer, der bereits 1919 organisiert« Fleischergesellen entlassen hatte, sollte die Menge mit einem Revolver be- droht haben, worauf ein Bombardement mit Ziegelsteinen gegen seine Schaufensterscheiben ein- setzte. Erst allmählich trat in den einzelnen Stadt- gegenden wieder Ruhe ein, nachdem der Berkauf von Russenfleisch endlich in Gang gekommen war. Die Teuerungskrawalle hatten am Freitag und Sonnabend dann noch ein zweitägiges Nachspiel vor dem preußischen Dreiklassenparlament, das natürlich wie das Hornberger Schießen auslief. Auf die Interpellation der Sozialdemokraten ant- wartete der Landwirtschaftsminister von S ch o r- l e m e r:„Von einer allgemeinen Notlage kann man nicht sprechen, denn wir haben reichliche Vor- räte an Gemüse und Kartoffeln, deren Preise so günstig sind, wie wir sie lange nicht gehabt haben. Leider verstehen viele Frauen nicht die Zubern- tung dieser Nahrungsmittel und werfen sich ledig- lich aus diesem Grunde aus die Zubereitung des Fleisches und dann gibt es Fleisch, Fleisch und immer wieder Fleisch. Eine Förderung der Kaninchenzucht würde dem Fleischmangel vor- beugen, in Paris werden jährlich 399 099 und in London 599 999 Kaninchen verzehrt". Das war die herrliche Kaiserzeit! Der Rausch ist verflogen Ein Leser schreibt uns: Für den Sonntag hatte der„Angriff" in großen Ankündigungen die SA. nach Schloß Schönholz und dem Neuköllner Stadion gerufen. Der Stabs- chef in Person, Herr Hauptmann R ö h m, war der Redner. So konnte man denn am Vormittag die SA.- Leute durch die Stadt marschieren sehen, aber wie dürftig war das gegen früher! Wer die Aufmärsche der SA. noch vor einigen Monaten. vor dem 13. August, sah, der konnte auch als Gegner nicht bestreiten, daß die Hitler-Mannen äußerst selbstbewußt und siegessicher einher- stolzierten.„Wir sind die Herren von morgen. uns gehört die Straße!" Und heute? Stim- mungslos, müde, langweilig latscht die Kolonne einher. Es ist kein Zug mehr drin! Die zum Betteln Abkommandierten klötern mit den Sammelbüchsen, aber auch das Publikum ist sehr zurückhaltend. Man gibt nicht mehr oft, man ist entweder schroff abweisend oder man tut, als ob man die Bittenden übersähe. Dabei ist gerade Kirchgangszeit, doch auch diese Schicht, von der gewiß viele bis vor kurzem für Hitler waren, hat scheinbar genug. Hitler ist die Parole von gestern und vorgestern! Früher marschierte Zivil mit der braunen Garve mit, heute kümmert sich kaum noch einer um sie. Man hat wirklich den Eindruck: Der große Rausch ist verflogen! parkanlagen-Bandalen Unter großen finanziellen Opfern ist von der Stadt Berlin der zugeschüttete Luisen- städtische Kanal zu einer schmucken Park- anlag« umgestaltet worden. Alles mögliche ist getan worden, um der Bevölkerung inmitten der Häuserwüste eine Erholungsstätte zu schaffen. Mit großer Mühe sind Blumenbeete geschaffen und die ehemaligen Böschungsmauern mit rankenden Pflanzen und wilden Weinstauden besetzt worden. Bubenhände haben nun, wie uns von Lesern be richtet wird, in den legten Nächten in sinnloser Zerstörungsorbeit zahlreiche Pflanzen und ganze Welnftauden herausgerissen. Erhebliche Werte sind durch diese Vandalen vernichtet worden. Leider ist. Er hat denn auch seinen Kops durchgesetzt. Heidi E i s l e r— wer sonst anders—, der Liebling des Ostens, spielte und zwitscherte die Anne- liefe auf reizende Art. Ihr Liebster, der junge Fürst, war Walter K o ch n e r, flott, stattlich und von angenehmen Manieren. Armin Münch gab in dem Gouverneur Chalisac den aristokratischen Hanswurst sehr drollig. Elsa Verna, Franz H e i g l, Max T o b i e n halsen am Werk, das von Hans Sonden bunt und fröhlich gestaltet worden war und von Franz Richard Haas flott dirigiert wurde. Das Wohltätigkeitsfeft der Berliner Feuerwehr. dessen Reinertrag der Errichtung eines Erholungsheimes für die Berliner Wehr dienen soll/ hatte sich am Donnerstag im Zoo größten Zuspruchs zu erfreuen Oberbürgermeister S a h in und Oberbranddirektor G e m p p vertraten die Spitzen der Behörden. Die T u r n r i e g e der Berliner Feuerwehr riß mit ihren wirklich brillanten aus ungewöhnlicher Höhe stehenden Leistungen am Reck sowohl wie bei den sehr schwierigen Kürfreiübungen die Zuschauer immer wieder zu Beifall hin. Verdienten Sonderapplaus holte sich der Herkules unserer Berliner Feuer- wehr, der Feuerwehrmann M a l l o n, der Zwei- zentnerscheiben stemmte, eine schwere Kette zerriß und mit der bloßen Faust wie mit einem Schmiede» Hammer harten gewachsenen Stein zertrümmerte, eine ganz außerordentliche Leistung. Besonders eindrucksvoll und wirksam waren auch die Leiter- Pyramiden der Turnriege. Jubel löste das heitere Tanzspiel über die Mode von 1919 der Steffi- Nossen-Tanzschule aus. Daß die Berliner Feuer- wehr, deren Angehörige täglich und stündlich be- reit sind, ihr Leben für das der anderen einzusetzen, bei ihren geselligen Veranstaltungen auf die ganz besondere Sympathie der Bevölkerung rechnen dürfen, zeigte sich bei diesem Wohltatigkeitssest erfreulich deutlich, das dank vorzüglicher Bor- bereitung, in jeder Beziehung wohlgelungen war. Winterhilfe der Schupatz. Die Schultheiß- Patzenhofer-Brauerei-Aktiengesellschaft wird auch in diesem Notjahr, wie schon in den beiden letzten Jahren, sich in größerem Urpsange an der Hilfs- aktion zugunsten der durch die Krise besonders hart betroffenen Bevölkerungskreise beteiligen. Die Brauerei wird auf ihren zahlreichen Abtei- lungen in Groß-Berlin und innerhalb ihres sonstigen bis nach Mitteldeutschland und Ober- schlesien reichenden Absatzgebietes Anfang Na- vemder Wohlfahrtsspeisungen einrichten, wodurch an den Arbeitstagen die unentgeltliche Abgabe eines warmen, kräftigen Mittagessens an etwa 799 Bedürftige ermöglicht wird. �arktdallenstänäe vermieten Babelsberger Str. 30. Büro H 1 Pfalzburg 322<) Demnächst Eröffnung! ote Metallbox für Rollfilme 6X9 nur 4.50 Westentaschen Kodak, 4X6V2 neu, nur13,90 Voigtiänd. 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An die zuständigen Polizeireviere und nicht zuletzt an das Publikum in dieser Stadtgegend ergeht darum der Aufruf, die Anlagen unter scharfer Beob- achtung zu halten und vor weiteren Zerstörungen zu schützen, weil eines Tages die Gefahr entstehen könnte, daß die Stadt, besonders in dieser Zeit der Finanznot, die weitere Ausschmückung und Instandhaltung der Anlage ganz einstellt. SPD.- Huiaäac&eiiec! Montag, 7. November, 19 Uhr, Sophien- Säle, Sophienstr. 17/18, Versammlung aller im Deutschen Metallarbeiterverband organisierten SPD.- Metallarbeiter. Tagesordnung: Stellungnahme zur Generalversammlung. Mitgliedsbuch der Partei und des Deutschen Metallarbeiterverbandes muß am Saaleingang vorgezeigt werden. Der Besuch anderer Versammlungen muß an diesem Tage unterbleiben. Der Fraklionsvorstand. Die Lotterie der Arbeiterwohlfahrt Wie alljährlich veranstaltet auch in diesem Jahre die Zlrbeiterwohlfahrt ihre Weih- nachtslotterie. Ihr Reinerträgnis kommt den vielfachen sozialen Einrichtungen dieser großen Selbsthilfeorganisation der deutschen Arbeiterschaft ausschließlich zugute. Wer durch Abnahme eines oder mehrerer Lose(zum äußerst niedrigen Einzel- preis von 59 Pf.) zum guten Gelingen dieses Werkes beiträgt, hat damit einen bescheidenen Teil seiner Verpflichtungen gegenüber der Allgemein- heit erfüllt. Die Plaza am K ü st r i n e r Platz hat das alte von Richard Keßler vertonte Volksstück von Hirsch, Die Anneliese von Dessau, neu herausgebracht und heimste damit im Berliner Osten einen beachtenswerten Erfolg ein. Es geht ja in dem Stück darum, daß der junge Fürst Leopold von Dessau, der später in der Geschichte als der„alte Dessauer" figuriert, sich in den Kopf gesetzt hat, partout die kleine Apothekertochter Anneliese zu heiraten,«ine Episode, die historisch (acfien wann sie sich im Tack Orthopädus erholen können Tack- Orthopädus- Schuhe gewähren Ihren Füßen Stütze und sicheren Halt. 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Architekten, Bauführer, Chemiker, Ingenieure, Techniker, Kunstgewerbler finden ihre Interessenvertretung, Rat und Hilfe durch Rechtsschutz und Unterstützungen, Berufskrankenkasse usw. in der freien Gewerkschaft aller Techniker, dem Bund dertechnischen Angestellten und Beamten Haupt- und Ortsverwaltung Berlin NW 40, Werftstraße 7 1 BANK UND SPARKASSE ALLER ARBEITNEHMER _;_ IST DIE >- f BANK DER ARBEITER. ANGESTELLTEN UND BEAMTEN. S BERLIN Zentrale: 5 14, Märkisches Ufer 32 W a I I s t r a B e 62, 65 Depositenkasse: SW68, LindenstraBe 3 ;"h■s'vv''--■■. i'v "• f. Im Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands sind 200 000 Eisenbahner, Arbeiter und Beamte, zusammengeschlossen, weil sie wissen, daß nur diese Organisation ihre Interessen wirksam vertreten kann. Der Einheitsverband der Eisenbahr er Deutschlands führt zur Zeit einen erbitterten Kampf um die Erhaltung des Arbeitsplatzes eines jeden Eisenbahners und um die sozialen Einrichtungen. Darum, Eisenbahnarbeiter u.-beamte, hinein in die Einheitsorganisation der Eisenbahner ZWEITE BEILAGE SONNABEND, 5. NOV. 1932 ROMAN von STEFAN POLLATSCHEK iCopyright Saturu-Verlag.) „Daß Sie, lieber Weltlin, so entgegnen werden, lag in meiner Erwartung. Ich will offen sagen, daß ich an Ihrer Stelle vermut- lich auch nicht anders spräche. Wir sind eben Kaufleute, und es ist unser Schicksal, die Dinge ganz real zu nehmen, eine Situation auszunützen, unbekümmert um ihre Folgen. Aber ich erlaube mir die Frage, ob auch den Herrn Geheimrat diese Folgen so gleichgültig lassen?" „Ich bin kein Kaufmann", sagte Crusius, „ich verstehe vielleicht nicht viel von diesen Dingen. Der Zweck meiner Erfindung ist nicht der, daß irgendein Kaufmann daran Geld verdienen soll. Verdient er es dennoch, so liegt das nicht an uns, sondern an den Verhältnissen, unter denen wir leben. Wir erfinden letzten Endes, damit es dem Men- schen besser gehe, damit er leichter, müheloser, lustvoller lebe. Wenn eine Erfindung heute die Wirkung hat, daß sie Menschen arbeite- los macht, so ist das nicht Schuld der Technik, sondern schuld daran sind unsere Verhält- nisse, die Gesellschaftsordnung, in der wir leben." „Wir leben aber in dieser Ordnung. Herr Geheimrat", rief der Syndikus.„Sie find' Techniker. Techniker sind Praktiker und Ge- schäftsleute. Stellen Sie sich doch auf den Boden der Wirklichkeit!" „Einigermaßen kann ich das auch von mir behaupten", sagte Crusius lächelnd,„das be- weist meine Mitarbeit an den Werken meines Freundes Weltlin!" „Aber ist es denn notwendig, daß dadurch eine Reihe von Fabriken dem Ruin, tausende von Menschen dem Hunger in die Arme ge- trieben werden?" schrie der Syndikus und lief im Zimmer auf und ab. Crusius blickte den aufgeregten Menschen lächelnd an. Dies genügte. Der Anwalt murmeste eine Ent- schuldigung, trank Wasser in großen Zügen und nahm sittsam wieder seinen Platz ein. „Sie läßt das Schicksal der Menschen, die der nackten Not gegenüberstehen sollen, also ganz kalt, Herr Professor", begann nochmals der Syndikus, suchte in seiner Rocktasche und förderte einen Bleistift zutage, mit dem er auf den Tisch klopfte. „Ich bin wohl kaum dafür verantwortlich zu machen", sagte Crusius leise. „Wer denn?" Dem temperamentvollen Anwalt fiel es schwer, Haltung zu bewahren: „Wer denn, wenn nicht Sie? Es liegt doch an Ihnen, Ihre Erfindung der Allgemein- heit zu übergeben!" „Ich weiß nicht, ob das so ganz in Ihrem Interesse gelegen wäre, Herr Doktor! Lassen Sie uns überlegen. Uebergebe ich heute meine Erfindung der Allgemeinheit, es ent- stünde ein Chaos ohnegleichen, jeder würde sie ausnützen, und letzten Endes hätten Sie recht sehr darunter zu leiden. Und was täten Sie, wenn ich Ihnen meine Erfindung an- biete? Sie würden sie sofort ausnützen, Ar- beiter entlassen und die Allgemeinheit hätte verflucht wenig davon. Stimme ich aber Ihrem Plan der Austeilung des Bedarfes zu, so hieße das, das Endprodukt auf einer Preishöhe zu halten, die durch meine Er- findung nicht mehr nötig ist. Es wäre also ein Schlag gegen meine Erfindung. Und wenn jemand an meiner Erfindung profi- tieren soll, so ist es mir schon lieber, mein Freund und ich besorgen das, als Sie!" „Sie sind ja allerdings eminent praktisch, Herr Professor! Ich dachte immer, so ein Genie sei menschenfreundlich!" sagte verbind- lich der Generaldirektor Ahler. „Es ist die Frage, was Sie darunter ver- stehen, mein Herr", erwiderte Crusius.„Auch das Genie lebt in der heutigen Zeit. Der Dichter, der Maler, der Bildhauer— alle schenkten ihr Werk lieber, als daß sie den Markt aufsuchen müssen. Aber wir leben in der heutigen Zeit und wir passen uns doch nur euren kaufmännischen Grundsätzen an. Ihr wollt durch Handel, Spekulation, durch die Tatsache, daß andere Menschen ihre Ar- beitskraft euch billig verkaufen, Geld ver- dienen und, wenn nun ein Künstler, ein Ge- lehrter, ein Wissenschaftler das gleiche durch eigene Arbeit versucht, dann ruft ihr:„Das sind Gaben des Geistes! Die habt ihr zu verschenken! Ihr habt Wohltäter der Menschheit zu sein"— Ja. meine Herren, so ist es in Wirklichkeit." „Ich will nicht in Abrede stellen, daß wir Durchschnittsmenschen so denken", sagte Ahler. „wir müssen mit unserem Pfunde wuchern. Aber ein Genie hat Verpflichtungen! Kann denn ein Genie etwas dafür, daß es eines ist? Ist Begabung ein Verdienst? Der eine hat sie bekommen als ein Geschenk der Natur, mitbekommen von einer Vorsehung, die nur Auserwählte beschenkt und die an- dern um so mehr benachteiligt. Der Mensch ist ein Gefäß, Herr Geheimrat, in Sie sind Genie und ungewöhnliche Gaben gegossen worden, in mich nicht mehr als ein wenig Verstand. Kann ich für mich, können Sie für sich? Und da in Ihnen mehr ist als in uns. so haben Sie auch größere Verpflichtungen uns gegenüber— so denke ich!" „Oder ins Deutsche übersetzt", fiel Weltlin ein.„weil du ein Genie bist, will er deine Erfindung umsonst. Aber ich denke, meine Herren, daß hiervon keine Rede sein kann." „Sie lehnen also unsere Vorschläge ab?" „Ja, Herr Generaldirektor." Die Herren erhoben sich. Der Syndikus stürzte, kaum einen Gruß hervorsprudelnd, zur Tür, ihm folgte, um Entschuldigung für das Benehmen seines Begleiters bittend, ver- bindlich lächelnd Generaldirektor Ahler. Als sie wieder allein waren, sagte Crusius leise, als spräche er für sich selbst:„Ich weiß nicht, ob wir recht getan haben, Weltlin. Der Mensch ist ein Gefäß— eigentlich sollte man so leben, daß man immer ein reines Gefäß bleibt. Handle ich schlecht?... Da kommt ein einfacher Mensch, keineswegs ein Denker, und spricht eine tiefe Erkenntnis aus— wie geht das zu? Sollten wir nicht wirklich auf alles verzichten und ohne zu überlegen, das verschenken, was uns ge- schenkt wurde?" 2. Dienstag, der neunzehnte April, war ein schwerer Tag im Leben des Herrn Weltlin. Wenn man es genauer betrachtet, war er eigentlich nur die Ankündigung, die Ahnung eines noch schwereren Tages. Schon des Morgens nahm Weltlin eine seltsame, nie vorher verspürte Unruhe an sich wahr. Er trank seinen Frühstllckskaffee im Umhergehen, die Zeitung sah er mehr als flüchtig durch, kaum daß er die Börsenkurse mir einem Blick überflog, die Zigarette warf er, nur zur Hälfte geraucht, fort. In der Fabrik war er mißmutig, unwirsch. Lechner, der mit der eingelaufenen Post wartete, wurde in wenigen Minuten abgefertigt und der Morgengang mit Hanau durch die Arbeits- räume war fast unerträglich. Er besah weder Rohwaren noch Fertigfabrikat, er hatte kein Wort für Werksührer und Meister, es war ein pflichtschuldiger Besuch, der in einem Tempo absolviert wurde, daß der junge In- genieur kaum Schritt halten konnte. Nur in der Zurichtung blieb er ein wenig stehen. „Hier hat doch einmal ein Arbeiter ge- standen— wie hieß er nur?— der vierzehn Jahre bei mir in Diensten stand und gegen meinen Willen zur Zeit, als es uns schlecht ging, abgebaut wurde. Warum ist der Mann nicht wieder eingestellt worden?" (Fortsetzung folgt.) Qerda Backhaus: Arech ifi wieder entiäuSchi Wir veTöff entliehen gerne diese Arbeit der 17jährigen Genossin von der SAJ., Gerda Backhaus, deren mutige Kritik an„Gilgi, eine von uns" mohl noch in Erinnerung ist. Mag die Skizze in ihrer Haltung auch noch- die Jugendlichkeit der Verfasserin zeigen, so verrät sie doch Keime eines starken Talents. Areck war groß und schmal und blaß. Viele Frauen, die ihn sahen, fanden ihn unheimlich, andere flüsterten sich zu, er sei ein hochinteressanter Mann. Areck selbst wußte nichts davon. Cr haßte die Welt, die Menschen darauf am meisten. Areck hatte immer wirre, strähnige Haare, einen leicht gebeugten Rücken, kalt«, stechende Augen. Vor sechs Iahren war er ein anderer gewesen, vielleicht schon anders als seine Freunde und Be- verschaffen ging. Mutz stahl mit großer Schlau- heit anderen Hunden Knochen und verteidigte seinen Raub oerbissen und haßerfüllt. Aus Marktplätzen schlich er zwischen den Ständen herum und verstand, seinen Magen zu füllen: kr konnte Unmengen vertilgen, dann aber auch tage- lang wieder hungern. Oft blieb er zwei bis drei Tage fort, und wenn er dann zu Areck kam, fuhr ihm dieser durch das struppige, schmutzige Fell und sagte heiser und hart: Na Mutz, da bist du ja wieder! Und Mutz legte die Ohren zurück, klopfte mit dem Schwanz aus die Erde, und seine Augen blickten für einen Moment zärtlich. Mutz war schon vier Tage sort.' Areck ging aus die Suche nach seinem Hund. Das hatte er noch nie getan. Mutz war nie JIM. bOO.- Bacyetd und wedvotU Pzdst sind für die Leserinnen des„Vorwärts" durch die Teilnahme an dem Preisausschreiben über den Roman„Gilgi, eine von uns" zu gewinnen. Verlangt werden für den Wettbewerb kleine literarische Beiträge, Niederschriften und knappe Skizzen, deren Thema frei gewählt werden kann. Ein LebensabriB, ein Bürotag, eine besonders typische oder bedeutsame Szene aus Leben und Beruf, und auch Erlebnisse außerhalb des Arbeitsbereichs sollen kurz geschildert werden. Glaubt jemand ein besonders abenteuerliches oder die Not der Zeit kennzeichnendes Lebensschicksal hinter sich zu haben— das gilt besonders für die zahlreichen Opfer der Wirtschaftskrise—, so ist auch dessen Beschreibung willkommen. Die Einsendungen müssen bis zum 1. Dezember 1932 beim Verlag„Vorwärts", SW 68, Lindenstr. 3, eingegangen und mit dem deutlichen Kennwort„Gilgi" versehen sein. Neue Abonnentinnen erhalten auf Verlangen kostenlos den Abdruck der Bedingungen für die Beteiligung an dem Wettbewerb. JUtU du ausQuebzU* Pceisc: 1. 1 Barpreis 350 RM. 2. 1 Modernes Original N o r a- R a d i o- Empfangsgerät, Wert 265 RM. 3. 1 M e r c e d e s• Kleinschreibmaschine, Wert 240 RM 4. 1 L i n d c a r- Damenfahrrad, Wert 66 RM. 5. 1 Sparbuch der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G. mit einer Einlage von 50 RM. Ferner zehn Preise im Werte von 5 bis 35 RM. kannten, er stellte stets größere Ansprüche an das Leben, aber damals glaubte er noch an Freund- schaft und Liebe. Gerade deshalb, weil er das Leben anders sah, wurde er größer und tiefer enttäuscht. Areck mußte zweimal erkennen, daß es keine Freundschaft gab, und dreimal wurde er von Frauen betrogen. Dann sagte er der Welt Adieu. Soweit es möglich war, lebte Areck für sich allein. Er sprach nur die notwendigsten Worte, und dann war seine Stimme heiser und leise, er hatte das Sprechen oerlernt. Seine ganze Liebe gehörte Mutz, einem Hund«. Mutz war nicht schön, vielleicht war sogar eine Aehnlichkeit zwischen Areck und dem Tiere da, Mutz hatte auch ein zottiges, ungepflegtes Fell, und Mutz haßte alle Tiere, besonders aber andere Hunde. Wenn sich einmal ein Hund an Mutz heranschlich, es kam selten vor, denn auch Hunde hoben Stolz, dann fletschte er die Zähne und seine Augen wurden falsch und tückisch. Wenn einmal ein Fremder Areck ansprach, dann zuckte es höhnisch um seinen Mund und seine Augen blickten noch kälter und abweisender... Areck und Mutz, wie paßten die beiden zueinander und wie liebten sie sich! Areck konnte für seinen Hund nicht sorgen, er hatte selbst kaum etwas zum Esten Es war daher selbstverständlich, daß Muß sich sein Futter selbst länger als drei Tage fort geblieben, warum kam er nicht? Areck schalt sich. Sicher hatte Mutz einen guten Futterplatz gefunden, er fraß sich dick und satt und morgen würde er wieder da sein. Mutz war schon sechs Tage fort... Areck suchte wie ein Verzweifelter, er, der Menschenhasser, der kein Wort zuviel sagte, fragte und fragte nach seinem Hunde. Und die Menschen lächelten über Areck und schüttelten den Kops, denn Mutz war häßlich und falsch gewesen. Und viele nannten ihn einen Narren und begriffen ihn nicht. Mer Areck suchte weiter. Drei Wochen war er nun schon allein. Mutz war fort, Mutz würde nie wiederkommen. Arecks Gesicht war noch straffer, seine Augen noch kälter. Auch Mutz hatte ihn enttäuscht. Mutz war ihm fortgelaufen. Ein widerlicher Haß gegen alles Lebende stieg in Areck auf. Areck sah in das schwarze, unbewegliche Wasser. Dann zog er den Rock aus, lachte noch einmal gellestd auf und sprang hinein Nach wenigen Minuten stand er wieder bei seinen Sachen. Areck war wreder enttäuscht worden, diesmal van sich selbst. Er war ge- schwömmen um sein verhaßtes Leben wie ein Verzweifelter, ohne Denken, ohne Wollen. Jetzt stand er da und zog sich an. Dann ging er nach Hause, naß, arm, haßerfiillt gegen die Welt, gegen sich, gegen das Leben. Zwei Tage später fand man ihn tot auf. Er hatte sich erkältet. Und Mutz hatte man erschossen. IFaller tDehmel: 3)as Volk will— Du Volk, umbrandet vom Strudel der Zeit, von der Welle der Not umfpült, du Volk, das die Lad; der Vergangenheit auf deinen Schultern gefühlt, du Volk, das flandhielt dem Hungertod, dem Krieg und feinen Gefahren,— merk auf, eine neue Knechtfchaft droht und naht(ich mit frechem Gebaren! Die Junker wollen dich knebeln wie einst, deine Rechte dir wieder rauben. Sie fragen nicht, was du denkst und meinst, du sollst nur gehorchen und glauben. In deinem Namen, fo lagen ste dreist, find ste befugt, jetzt zu handeln, in Feffeln zu schlagen den freien Geist, die Staatsform umzuwandeln. In deinem Namen? Volk, spürst du den Hohn, den ste zur Anmaßung fügen? So sicher fühlen die Herren steh schon, daß ste dich lächelnd betrügen. Du Volk, das den Kelch bis zur Neige geleert, das den Mut fand zu neuem Beginnen, sprich aus das Wort, das das Netz zerstört das ste wieder um dich spinnen! Sage es laut, daß es dröhnt und schallt, daß ste bebend vom Platze rennen: „Das Volk will keine Herrengewalt, keinen neuen Zwang anerkennen! Das Volk will fein schwer erkämpftes Recht, es will keine neuen Ketten! Es will keinen Herrn, es will keinen Knecht, es will steh selber erretten! Das Volk will nicht Prinzen, nicht Potentaten, es will kein feudales Aufgebot! Das Volk will selbst entscheiden, beraten! Das deutsche Volk will Freiheit, Arbeit, Brot!" Xttihnis bchäll nicht'Jtcdit Leibniz sagte:„Unser Jahrhundert(es war das achtzehnte und nicht das zwanzigste!) kommt mir vor, wie ein Mensch, der einen großen Ueberfluß von Baumaterialien zusammenschleppt und das Gebäude seinen Nachfahren zu vollenden über- läßt, während er selbst sein ganzes Leben unter freiem Himmel hinbringt." M. M; die Zahnpaste, die von mehr als 6 Millionen Menschen— allein in Deutschland— täglich gebraucht wird. Vorzüglich in der Wirkung, sparsam im Verbrauch, von höchster Qualität. Tube 50 Pf. und 80 Pf. Weisen Sie jeden Ersatz dafür zurück. Arbeit durch Sowjetdeutschland? Kämpft mit uns für Freiheit, Arbeit und Volksrechte! Die Sozialdemokratie hat jede böswillige Kritik Sowjetrußlands immer abgelehnt und bekämpft Die Sozialistische Internationale hat sich an die Spitze der Abwehr von Interventionen gegen Sowjetrußland gestellt. Wo von Rußland zu lernen ist, muß es im Interesse der Arbeiterschaft geschehen. Aber wir verwahren uns gegen die irreführen- den Behauptungen der Kommunisten, daß ein Sowjetdeutschland mit sowjetrussischen Methoden die deutsche Arbeiterschaft aus ihrem Elend befreien kann. Die Wirtschoftsankurbelung durch die Regierung der Barone hat jetzt schon Fiasko gemacht. Für die organisierte Arbeiterschaft ist das keine Ileberraschung. Die Sozialdemo- kratie und die Gewerkschaften haben rechtzeitig und richtig gesagt, daß nur großzügige öffentliche Arbeitsprogramme neue Arbeit schassen können, und daß Popens Steuer- gefchenke von den Unternehmern einfach als Faulheitsprämien eingesackt werden. Sozialdemo- kratie und Gewerkschaften haben selbst großzügige und finanziell auch heute noch durchführbare Programme im Reichstag beantragt. Sie haben «in sozialistisches Umbauprogramm als nächstes Kampfziel aufgestellt, mit dessen Durchführung der Wiederkehr des sinn- losen kapitalistischen Krisenelends ein für olle Mal begegnet werden soll. Wo ist das Arbeilsbeschaffungsprogramm. wo ist das Umbauprogramm, wo sind die praktischen Kampsziele der Kommunisten? Die Kommunisten wissen nichts vorzuschlagen. sie tun nichts, sie haben nur die Parole „Sowjetdeukschland- und führen mit dieser Pa- rote die Arbeiter und Erwerbslosen in die Zrre. Die Kommunisten behaupten, Sowjetruß- land allein kurble die deutsche Wirtschaft an. Sie verweisen auf die 2 Proz. abgezogen werden? Die Arbeitslosigkeit In Dänemark nimmt weiter zu. Sie stieg in der legten Woche um 2649 und hat die bisher höchste Zahl von 1 31 0 6 3 er- reicht. Hierzu 2 Beilagen D-r„Vorwärls" erschein! inoch-ntäglich zaeinrni. Sonntags und Montags-inmat. zituftrierli Sonnlagsdtilag,..«oll und Zeit" l B- z u g s v I- i i c' .=_________________________--------- m--------- JBL-...---- IU—■-WWWW t f e: Älichcntiich 7d Pi., monatlich SLd M cdaoou 87 Pi monatlich tüt Zustelluna•„« im voraus zahlbar. Poitdezuo S.g? M einschließlich 611 Ps. Postzeitung, und 72 Ps. PoNbestellgrbithren. Zluslondsadonncmrnt S.» R. vro Monat; filr Länder mit ermäßigtem Drucksach-noorto»«'. M?ri A. ssal! d-r Li-f«iun„ MM �...... er Abonnenten aus Ersatz, i Zlnzeigenorelset Die» i n I o a l t i g- Millimeterzeile 80 Ps Reklumezeile l,Z0 M. l- j n e Anzeigen" das l-ttgedruckt- Dort ZU Pi iedes m-it-r« häherer Gewalt besteht kein Anspruch der Wort tll Ps Rabati laut Taris. Worte ilber i5 Buchstaben von 814 bi» 17 Uhr � Der Verlag behält sich das Recht der GHIen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 2i Pf. Ablehnung nicht genehmer Anzeihen vor. J Verantwortlich für amilienanzeiaen Millimeterzeile IS.. olitiki Rudolf BrendemKhl; Wirtlchaft: Pf Änzeizeuannähme im Sauptgeschäil (8. alingelhöser; Gewertschaktsbewegungr M » Pt I Lindensir. 8. Steiner, Leptre; Lokales und Sonstiges: Fritz Aarstädt; Anzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Berlin./ Verlag: Vorwärts-Verlag S. m. b. H., Berlin. Druckt Vorwärts. Buchdruckerei und Lerlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin S