Abend-Ausgabe Nr. 524 B254 49. Jahrg. Rebaktton und Verlag, Berlin SW 68, Linbenstr. 3 Sttnfpw�CTi A7«mt DSnhofs 292 fett 297 Itttgtammaheffei Sozlaltemok-I'Striin BERLINER VOLKS BLATT SONNABEND 5. November 1932 In Groß- Berlin 1l1 Pf. Auswärts....... 10 Pf. Jentvawvsan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Frieden im Gdsbeineb Bis 1. Februar 1933 erfolgt kein Lohnabbau— Die Arbeit geht weiter Für Liste 2! Unser Kampf für Recht und Freiheit! Die gestrige Kundgebung im Sportpalast hat für die unerschütterliche Stärke der Sozialdemokratischen Partei in Berlin das eindrucksvollste Zeugnis abgelegt. Dast sie unter den erschwerenden Umstän- den des B e r k e h r s st r e i k s einen so glänzenden verlauf nehmen konnte, gibt ihr eine besondere Bedeutung. Aufs neue hat sich die sozialdemokratische Arbeiterschaft als ein Zentrum des moralischen Wider- st a n d e s gegen die nationalbolschewistische Verwirrung erwiesen. Ohne ihre Besonnen- heit und Stärke wäre Deutschland schon längst ein einziges Trümmerfeld! Am morgigen Wahlsonntag steht die Sozialdemokratie vor einer neuen Kraft- probe. 3m Dreifrontenkrieg gegen die Re- gierung der Barone, gegen den Faschismus und die KPD. soll und wird sie aufs neue ihre Unerschütlerlichkeit beweisen. 3hr wer- den sich alle zugesellen, die erkannt haben. dast die wirtschaftliche Krise nur mit Sozialismus und die politische Krise nur mit D e m o k r a t i e zu heilen ist. Auch hier ist der Berliner Verkehrsstreik geradezu Sinnbild der Situation. Getreu der Parole, daß der h a u p t s ch l a g gegen die Sozialdemokratie zu führen ist, sind die kommunistischen Arbeiter in eine politisch und moralisch unmögliche Einheitsfront mit den Hitler- Garden gegen ihre gewerkschaftlich diszipli- nierten Kollegen hineinmanövriert worden. Rolfronl mit Hitler-Heil ist die neueste Wode. Aber auch diesem Rausch wird ein kahenjämmerliches Erwachen folgen. Durch das tolle Treiben ringsum geht die Sozialdemokratie aufrecht ihren Weg. Sie ist und bleibt die Partei jener Volksmassen, die in aller Rot und Sorge dieser Zeit ihren politischen Verstand bewahrt haben, und sie ist das gegebene Sammelbecken für jene Schichten, die nach dem Zusammenbruch törichter Illusionen zur Vernunft zurückfinden. 3n Verteidigung und Angriff, im Zerstören alter unhaltbar gewordener Zu- stände wie im Aufbau einer neuen besseren Ordnung der Dinge fällt ihr die entscheidende Arbeit zu. Die Zukunft des arbeitenden Volkes, der Demokratie und des Sozialismus hängt von der Stärke ab, in der die Sozialdemokratische Partei morgen aus der Wahlschlacht zurück- kehrt. Daran denkt, in diesem Sinne handelt jeder Genosse und jede Genossin im unermüdlichen ki""-- für Liste 2! Autoritäre GtaatSsührung Polizei als Allheilmittel 3n der Reichskanzlei fand am Freitagabend eine Bcspreäiung zwischen Vertretern der Reichsregierung und den in Preuhen tätigen Kommissaren der Popen-Varone über den Berliner Verkehrs st reik statt. Blau kam dahin überein, dah die gesamte Berliner Schuh- Polizei heute aufgeboten werden soll, um dem Streik unter allen llmständen ein Ende zu bereiten. Mit Polizei und Auslagenachrichteu allein stell! auch der kommissarischste Reichskommisiar die „össentliche Sicherheit und Ordnung" nicht her. Dazu bedarf er auch eines Mindestmaßes von vertrauen im Volke selbst! Der Konflikt in der Gasbctriebsgesell- s ch a s t ist heute nacht um 2 Uhr nach Verhandlungen zwischen der Direktion und den sreigewerk- schastl'chen Vertrauensleuten beigelegt worden. Wie erinnerlich, hatte die Direktion mit einer Verkürzung der Arbeitszeit von zwei Stunden— zur Vermeidung von Entlassungen— eine weitere Senkung der Löhne verlangt, so daß insgesamt eine verdienslm'nderung von 7 bis 8 Proz. eingetreten wäre, nachdem innerhalb eines Jahres di« verdiensiminderung der Belegschaft der Gasbetriebsgesellschast bereits Z0 Proz. betragen hat. Die Gasbetriebsgesellschast halte mit der not-' wendigen Verkürzung der Arbeitszeit immer wie- der gewartet, während in den Städtischen Gaswerken die Arbeitszeitverkürzung aus 44 Stunden bereits im Januar l9Zl einsehte, als ein Lohnabbau noch nicht stattgesunden hatte und somit die Nach den blutigen Zwischenfällen des Freitag- nachmittags oerlies die letzte Nacht im großen und ganzen erfreulicherweise ruhig. An einzelnen Stellen hatten sich noch Menschenmassen zusam- mengerottet, ohne daß es jedoch zu größeren Zwi- schenfällen gekommen wäre. Im Osten Berlins am B a l t e n p l a tz und in der R e u ch l i n- und Hutten st rahe in Charlottenburg wurden Straßenbahnweichen durch Kommunisten und Na- tionalsozialisten durch Verschmieren mit Zement unbrauchbar gemacht., Während in den frühen Morgenstunden die Straßen noch von jedem städtischen Verkehrsmittel entblößt waren, tauchten in der zehnten Stunde in den einzelnen Bezirken der Stadt die ersten Straßenbahnzüge auf. Auf den Straßen- bahnhöfen hatten sich eine große Anzahl Ar- beitswilliger eingefunden. Auch bei der U- B a h n konnte deshalb bald ein Teiloerkehr und zwar zu- erst auf der Strecke S p i t t e l m a r k t— N ü r n- b c r g e r Platz eingerichtet werden. Sowohl die Straßenbahnzüge als auch die U-Bahnwagen waren durch Schutzpolizeibeamte stark gesichert. Trotzdem zeigte sich, daß manche Straßenbahn- verdiensiminderung die Belegschaft weniger hart traf, begann die Gasbetriebsgesellschast mit der Verkürzung der Arbeitszeit ein Jahr später, als die Löhne schon erheblich abgebaut waren. Dieser Umstand hat zur Verschärfung des Konflikts bei- getragen. Nachdem das Ergebnis der Urabstimmung, worüber wir heute früh bereits berichteten, bekannt war, fanden noch in der Nacht neue VerHand- l u n g e n statt. Die Direktion erklärte sich schließlich bereit, die Arbeitszeitverkürzung ab 15. November eintreten zu lassen, jedoch die Lohn- k ü r z u n g, die eine Angle'chung an die Stundenlöhne der Städtischen Gasarbeiter bezweckt, erst ab 1. Februar ISZZ. Diesem Ergebnis der Verhandlungen haben die Vertrauensleute noch heute nacht zugestimmt. Den Belegschastsmitgliedern ist darüber heute vor- mittag Bericht erstattet worden. Damit ist der Konflikt bei der Gasbetriebsgesellschast beigelegt. züge vom Publikum nur sehr schwach benutzt wur- den, weil man nach den gestrigen Vorfällen noch Befürchtungen hegte oerletzt zu werden. Gegen Mittag hatte die BVG. bereits über 20 Straßenbahnlinien mit etwa 146 Straßenbahnzügen im Betrieb. Außer» dem wurde der Verkehr aus der Hochbahn- st recke Warschauer Brücke— Gleis- d r e i e ck— W e st e n wieder aufgenommen. Es hat den Anschein, daß im Lauf des Tages mit einem ziemlich normalen Verkehr gerechnet wer- den kann. In den Vormittagsstunden zeigten sich in der Umgebung der Strahenbahndepots wieder ver- lchiedentlich Gruppen von Nationalsozia- listen und Kommuni st en. Nirgends kam es jedoch zu neuen Sabotageakten, da die Polizei überall starke Posten ausgestellt hatte. Vollbetrieh in Spandau und Köpenick Auf einem Teil der Straßenbahnhöfe, so aus dem Bahnhof 28 in Spandau, dem Bahn- hos 26 in Köpenick konnten alle Linien in Betrieb genommen werden. Bis 11 Uhr waren 136 Straßenbahnzüge, zum Teil mit Anhänger, im Betrieb. Der Omnibusoerkehr soll vorläufig aus Sicherheitsgründen nicht aufgenommen wer- den. Auf der Stammstrecke der Hoch- und Unter- grundbahn Breitenbachplatz— Vinetastraße in Pankow wurde gegen löK Uhr vormittags der Betrieb wieder aufgenommen, nachdem Leerzüge die Strecke abgefahren hatten. Monatskarten Das Nachrichtcnamt der Stadt Berlin teilt mit: Die Zeitkarten der U-Bahn gelten bis auf Widerruf auch auf allen Linien der Straßenbahn und u in g e k e h r t die Monatskarten der Straßenbahn auf der U-Bahn. Müllabfuhr streikt Sympathiekundgebung mit der BVG.-Belegschaft Gestern abend und heute vormittag fanden in den Depotö der Städtischen Müllabfuhr Abstimmungen über ei- nen Sympathie st reik statt, der zur Unterstützung der BVG.-Belegschaft statt- finden soll. Von den rund llvv Beschäf- tigten stimmten 89 3 für Streik, 155 dagegen, während 20 Stimmen ungültig waren. Infolgedessen hat die gesamte Belegschaft der Städtischen Müllabfuhr die Arbeit niedergelegt. Klagges am Sude Hugenberg kündigt Koalition Braunschweig, 5. November. Zn einer öffentlichen Srklärung künden die Deutschnationalcn heute das Ende der gegenwärtigen Regierung s- koalition und baldige Landtags- Neuwahlen an. Die nationalsozialisti- schen KoalitivnSsrcundc werden als„par- lamcntarische Schwätzer" und alö Parteiklüngel und Bonzen bc- zeichnet, die durch einen großen Bcr» traue nsbruch über die finanzpoliti- schen Absichten Dr. Küchenthals(Einfüh- rung einer Schlachtstcuer, das Zollsystem, Teiloerkehr in Berlin StraLenbahn- und U-Bahnenbetrieb aufgenommen So&ialdemokrnlifche Riesenkundgebung im Sportpidaft SEehnlaufende demonflrieren für Freiheit und Sossialismtis „Der Fall Adegg" Der neue Reichsminister und als Kommissar in Preußen tätige Dr. Bracht schickt uns mit einem Briefbogen„Der Preußische Mi- n i st e r des Innern" die folgende„Auf- läge", die nach der Pressenotverocdnung unverändert und ohne sofortige Stellungnahme wiederzugeben ist: In Nr. S20 vom 3. November 1932 beschäftigt sich der„Vorwärts" in einem Aufsatz mit der Ueberschrift„Der Fall Diels" mit den angeblichen Enthüllungen des„8-Uhr-Abcndblatts" zu der Bekundung des Oberregierungsrats Diels über die bekannten Verhandlungen des Staatssekretärs Abegg mit kommunistischen Abgeordneten. Die Ausführungen der Zeitung geben Anlaß zu folgender amtlicher Entgegnung: 1. Es besteht nicht der geringste Anlaß, den Bekundungen des Oberregierungsrats Diels über die Haltung des Staatssekretärs Abegg bei der Besprechung mit den kommunistischen Abgeord« neten Kasper und Torgler weniger Glaubwürdig- keit beizumessen als den Einlassungen des Staats- sekretärs Abegg. Die allgemeine politische Ein- stellung Abeggs spricht vielmehr für die Richtigkeit der Aussage des Oberregierungsrats Diels. Daß der Staatssekretär Dr. Abegg die ihm zur Last gelegte Haltung bestreitet, ist verständlich, aber in Anbetracht der Sachlage ohne besonderes Gewicht. 2. Es ist bereits in der amtlichen Entgegnung vom 2. November 1932 auf die irreführenden Mitteilungen des„8-Uhr-Abendblatts" festgestellt worden, daß dem Staatssekretär Abegg nicht der Vorwurf der Begünstigung kommunistischer Terrorakte, sondern der Vorwurf zu machen ist, bei der Unterhaltung mit den kommunistischen Abgeordneten diesen zugeredet zu haben, Legalität zu„betonen", wobei es dahingestellt bleiben soll, ob er selbst der Meinung war, daß die Kom- munisten auf sein Zureden hin tatsächlich legal werden würden, oder ob sie die Legalität nur mit dem Munde betonen sollten. Diese Dar- stellung hat der Oberregierungsrat Diels niemals eingeschränkt oder geändert, insbesondere auch nicht dem Rechtsanwalt Dr. Feder gegenüber. als dieser ihn bei einem zufälligen Zusammen- treffen darauf ansprach, warum er das Verhalten des Staatssekretärs Abegg als Hochverrat b«- zeichnet, ihn gleichwohl aber nicht angezeigt habe. Oberregierungsrat Diels hat darauf dem Rechts- anwalt Dr. Feder unmißverständlich entgegnet, daß er zwar den äußeren Tatbestand einer straf- baren Handlung immerhin für gegeben erachtet, bei Berücksichtigung der eigenartigen ideologischen Einstellung des Staatssekretärs Abegg den Kom- munisten gegenüber aber die subjektiven Voraus- setzungen nicht sür vorliegend habe halten können. Die objektive Gefährlichkeit eines solchen Ver- Haltens eines hohen preußischen Beamten bleibt hiernach bestehen; bei den Reichsmaßnahmen war der Vorgang auch nur unter diesem Gesichtspunkt gewertet worden. Berlin, den 4. November 1932. Der preußische Minister des Innern. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt Dr. Bracht. Braun an Hinöenburg Eine ernste Mahnung .Kürzungen der Veamtengehälter usw.) gegen die Interessen des Landes verstoßen hätten. Ein Zusammenarbeiten erscheine kaum noch möglich. Der Zusammenbruch der Harzburger Front nunmehr auch im Land« Braunschweig wurde ausgerechnet in einer Hugenberg-Kundgebung bekannt- gegeben. Auch Thüringen Ls wird verboten! Eigener Bericht des„Vorwärts" Weimar, 5. November. Die sozialdemokratische„Ostthllringer Tribüne" i» Gera ist vom thüringischen Innenminister S a u k e l ab heute bis einschließlich Dienstag nächster Woche ve r b o t e n worden wegen eines Artikels, in dem Kritik andemHaßgebet- erlaß des nationalsozialistischen„Volksbildungs- Ministers" Wächtler geübt wird. Und zwar er- blickt das Innenministerium in diesem Artikel eine Aufforderung zum Ungehorsam an die Schul- kinder! Außerdem hat die Polizeidirektion in Alten- bürg eine für heute einberufene öffentliche Kundgebung der Eisernen Front wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit verboten. Begründet wird das Verbot damit, daß in einer Versammlung am Mittwoch die Ver- sammlungsleitung angeblich nicht mehr Herr der Lage war! SA.-Bandalen Der näcbtliebe Ueberfall Wie bereits kurz mitgeteilt, wurde in der ver- gangenen Nacht von einem SA.-Terrortrupp auf das Reichsbanner-Verkehrslokal in der S t r a- < a u e r Straße 19 ein Ueberfall oerübt. Gegen 23.39 Uhr, als nur wenige Gäste in der Gast- Wirtschaft weilten, fuhr plötzlich ein Lastauto mit dem Erkennungszeichen IA 71481 durch die Stralauer Straße und hielt unmittelbar vor dem Restaurant. Vom Wagen sprangen etwa 39 bis 35 fast ausnahmslos uniformierte SA.-Leute her- unter und drangen mit Hiebwaffen und abge- schnallten Koppelriemen in das Reichsbanner- Verkehrslokal«in. Die Anwesenden setzten sich heftig zur Wehr, wobei vier Reichsbanner- kameraden Kopfverletzungen erlitten. Die Rowdys zertrümmerten dann die Lokaleinrichtung, schlugen die Scheiben entzwei und flüchteten. Als das alarmierte Ueberfallkommando in der Stralauer Straße eintraf, waren die Täter bereits geflüchtet. Die vier verletzten Reichsbannerkameraden wur- den von den Beamten des Ueberfallkommandos zur nächsten Rettungsstelle gebracht. Nach Schluß der gestrigen Kundgebung im Sportpalast wurden an verschiedenen Stellen der Stadt sozialdemokratische Versammlungsteil- nehmer von nationalsozialistischen Wegelagerern überfallen. Mehrere Täter wurden fest- genommen. In R ö n t g e n t a l schössen Hakenkreuzler auf heimkehrende Reichsbannerleute. Der Ueberfall trug sich in der Nähe des berüchtigten Lokals„Edelweiß" zu. Die Schüsse gingen zum Glück sämtlich fehl. Die Täter flüchteten und ent- kamen. Besserung im Befinden Severings. Das Be- finden des Genossen S e v e r i n g, der nach einer Wahlversammlung in Frankfurt a. M. an Luft- röhrenkatarrh erkrankte, ist soweit gebessert, daß er nach Bielefeld zurückkehren konnte. Torgler erklärt Vorüber hat er verhandelt? Der Reichstagsabgeordnete Torgler und der Landtagsabgeordnete Kasper übergeben der Oeffentlichkeit folgende Erklärung: „Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" vom Frei- tag, dem 4. November, veröffentlicht Auszüge aus dem amtlichen Protokoll über Bekundungen, die der Oberregierungsrat Diels über unsere Unter- redung mit dem Staatssekretär Dr. Abegg am 4. Juni 1932 gemacht haben soll. Nach den Aus- zügen der„DAZ." widersprechen die pro- tokollierten Bekundungen durchaus dem wirklichen Verlauf der Unterredung. Es ist unwahr, daß bei jener Unterredung, zu der wir durch den Staatssekretär Abegg und den Oberegierungsrat Diels aufgefordert wurden, zwischen uns und Herrn Abegg irgendwelche Ver- einbarungen, wenn auch nur unformeller Art, ge- troffen wurden. Die Unterredung verlief viel- mehr in der Form, daß wir verschiedene seitens des Herrn Abegg gegen die Kommunistische Partei und kommunistische Presse erhobene Anschuldigungen ebenso richtigstellten und zurückwiesen, wie wir in absolut unzweideutiger Form die Forderung Abeggs auf Abschwächung der revo- lutionären Agitation und Propa- g a n d a der KPD. aufs schärfste ablehnten. Ebenso unwahr ist, daß wir auf Fragen des Herrn Abegg über das Verhalten der KPD. im Preußischen Landtag bei der Wahl des Minister- Präsidenten erklärt hätten, uns Vorschläge über eine der selbstverständlichen prinzipiellen Stellung- nähme der KPD. entgegengesetzte Taktik„durch den Kops gehen lassen zu wollen". Weder wörtlich noch dem Sinne nach ist eine ähnliche Formulie- rung von uns gebraucht worden. Vielmehr wurde in dieser wie in allen Fragen von uns in klarer kaputte Fmaiwen Pressenotiz: Das Defizit in Preußen wächst. mw Das Schreiben, das Ministerpräsident Otto Braun an den Reichspräsidenten gerichtet hat, wird nun veröffentlicht. Es heißt darin: „Die preußische Staatsregierung ist überein- stimmend der Auffassung, daß das Reich seine Pflicht, die Entscheidung des Staatsgerichtshofs vom 25. Oktober dieses Jahres durchzuführen, bis- her nicht erfüllt hat. Die Staatsminister müssen es nach der Entscheidung des Staatsgerichtshofs zwar dulden, daß Zuständigkeiten des Landes in weitem Umfange vorübergehend auf das Reich übertragen werden, sie haben aber Anspruch darauf, daß sie in ihr Amt als Staats- minister und als Landesregierung ohne jeden Vorbehalt wieder ein- gesetzt werden Das ist bisher nicht ge- schehen. In erster Linie habe ich namens der Staats- regierung den Wunsch ausgesprochen, daß nun- mehr die Verordnung vom 2 9. Juli aufgehoben und von allen Sonder- maßnahmen in Preußen abgesehen wird. Wenn Sie, Herr Reichspräsident, es nicht für möglich gehalten haben, diesem Wunsche zu entsprechen, so bedauert dies die Staatsregierung aufrichtig, fügt sich aber selb st ver st änd- lich denjenigen Anordnungen, zu denen Sie nach der Verfassung und der Auslegung der Verfassung durch die Entscheidung des Staatsgerichts- h o f s b e f u g t s> n d. Um so mehr war es aber unter diesen Umständen die Pflicht der Kom- missare des Reiches, der verfassungsmäßigen Landesregierung mit der erforderlichen sachlichen und formellen Achtung ihrer Rechte zu begegnen." Der Brief schildert dann im einzelnen, wie sich die kommissarische Regierung weigere, dem Staatsministerium den ausreichenden amtlichen Apparat und die notwendigen Amtsräume zur Verfügung zu stellen" Zum Schluß heißt es in dem Schreiben: „Nach Artikel 19 Absatz 2 der Reichsverfassung vollstreckt der Reichspräsident das Urteil des Staatsgerichtshofs. Zugleich ist der Reichspcäsi- dent diejenige Instanz, welche nachzuprüfen hat, ob der Reichskommissar bei seinen Maßnahmen sachgemäß verfahren ist. Namens der preußischen Staatsregierung bitte ich Sie, Herr Reichspräsi- dent, die loyale Durchführung der Entscheidung des S t a a t s g e r i ch t s- Hofs zu veranlassen. Zugleich bitten wir Sie, die wenig ritterliche Art und Weise, in der Kommissare des Reichs die Mitglieder der recht- mäßigen Landesregierung Preußen behandeln, abzustellen Wir bitten Sie, Herr Reichspräsident, durch Ihre Anweisung es dem Lande Preußen und dem Reiche zu ersparen, daß nochmals der Staatsgerichtshof angerufen wer- den muß" QcwoUU'WUd vou 9 bis 6 UUc JUsUZ Weise der Standpunkt unserer Partei vertreten, die den schärfsten Kampf gegen die Papen- und Schleicher-Regierung im Reich und die Hitler- Bewegung, auf deren Rücken Papen zur Macht gekommen ist, mit dem rückhaltlosen Kampf gegen die Braun-Severing-Regierung in Preußen stets verbunden hat." Nazistreich in Eutin polizeichek verhaftet Polizei Eigener Bericht des„Vorwärts" Eutin, 4. Novemler. Der Schwabenstreich des nationalsozialistischen Regierungspräsidenten Böhmker, der den deulschnalionalen Bürgermeister seines Amtes entseht hat, löst mitsamt seinen Begleiterscheinungen mehr und mehr ein schallendes Gelächter aus. Trotzdem Ist d-e Amlsenlsetzung noch längst nicht so eine herrliche köpenickiade wie folgender Vorgang, der sich am Freitag in Eutin ereignete. Di« Polizei verhaftete einen flüchtigen National- sozialisten, der wegen einer Anzahl Vergehen im Zusammenhang mit den Bombenattentaten gesucht wurde und sich vorübergehend in Eutin aufhielt. Der oerhastet« Nazi wurde dem Nationalsozialist!- schen stellvertretenden Bürgermeister vorgeführt, der ihn in seiner Eigenschaft als Polizeiverwal- ter jedoch wieder freiließ. Dieser Bürgermeister wußte nicht, daß bereits zwei Polizeibeamte vom Polizeipräsidium in Altona sich aus den Fersen des gesuchten Nazis befanden. Als die beiden Polizeibeamten, ein Polizeileutnant und ein Po- lizeiassiftent, ankündigten, den freigelassenen Nazi zu verhaften, wurden sie von dem stellvertreten- den Bürgermeister verhaftet. Noch ehe aber die beiden verhafteten Polizisten in Gewahrsam ob- geführt werden konnten, gelang es ihnen zu flüch- ten. Sie alarmierten sofort die dem Naziregie- rungsprästdenten unterstellte Landespolizei und verhafteten nunmehr ihrerseits den flüchtigen Nazi Verbrecher, der sich jetzt in Haft befindet. In Eutin hat dieser Streich neben anderen, die sich in den letzten Tagen ereignet haben, das Ge- llöchter noch weiter ansteigen lasien. Körperverletzung frei. Es sei ihn: nicht zu wider- legen, hieß es in der Urteilsbegründung, daß er in Notwehr gehandelt habe. Das Gericht hat sich wieder einmal von den»erlogenen Nazi- aussagen einwickeln lassen. Die väterliche Moh- nung des Vorsitzenden, so etwas„nicht wieder zu tun", dürfte wenig nützen, der Freispruch dagegen enthoben wurde? Richtig, er ist's! Im Juli d. I. befanden sich fünf Khöneberger Jungbannerkameraden auf dem Wege zum Jugend- heim in der Hauptstraße. Ihnen entgegen kamen etwa 18 SA.-Leut«. Der größte Teil der Nazis war bereits an ihnen vorbei, als einer der Reichs- bannerkameraden zu einem anderen sagte: Das ist der Zeitungshändler sowieso. Dieser mag das ge- hört haben, er kehrte um, ging auf den Reichs- bannermann zu, es entstand ein Wortwechsel, der SA.-Mann versetzte den ersten Schlag. Die Nazis stürmten herbei, die Jungbannerleute verteidigten sich, so gut sie das gegenüber der Uebermacht konn- ten, es gelang, den SA.-Mann Kaminski, der mit dem Koppel geschlagen hatte, festzustellen. Seine Verteidigung im ersten Termin, er habe in Not- wehr gehandelt, zog nicht: er wurde verurteilt. In der gestrigen Verhandlung hatte er mit dem üblichen Notwehr-Nazimärchen vollen Erfolg. Er lehauptete, die SA.-Leute wären die Angegrifse- nen gewesen. Da wir in der Uebermacht waren, meinte er mit treuem Blick, hätten wir niemals den Gegner angegriffen! Na, wir haben auch oas schon erlebt, erwiderte daraus der Vorsitzende. Trotz dieser verlogenen Beweisführung wurde der bereits wegen Körperverletzung vorbestraft« Rowdn freigesprochen. Man dürfte ihn in Moabit bald wiedersehen. Vom Auto erdrückt 8�..-Eeute in Lchiesien verunglückt Liegnih, 5. November. Als gestern abend die ersten Teilnehmer einer nationalsozialistischen Versammlung in Grotz-Bau- dih aus dem Versammlungslokal aus die Dorf» riet in einer Kurve ins Schleudern. Der Lastzug mit Anhänger entgegen. Der Anhängerwagen geriet in der Kurve ins Schleudern. Der Lastzug fuhr mitten in d'e auf dem Heimweg befindlichen Versammlungsteilnehmer. Die Arbeiter Hossmann und Krclschmcr und der Schmied hielscher wurden von dem Anhänger an einevlauergedrückt und getötet. Der SA.-Mann Schislan wurde schwer verletzt. Die drei tödllch verunglückten waren verheiralet. kracht:„Bis zum 6. November werde ich's gerade noch halten können." Liebling des Gerichts Nazirowdzr straffrei Die Strafkammer des Landgerichts II Hob Heute das Urteil des Schöffengerichts Schöneberg gegen den bereits einmal wegen Körperverletzung vor- bestraften SA.-Mann K a in i n s k i, der 4 Monate Gefängnis erhalten halte, auf und sprach ihn von der Anklage der gemeinschaftlichen gefährlichen Beamtengehülter Streit auch in Frankreich Eigener Bericht des„Vorwärts" Paris, 5. November. Die Regierung Herriot hatte auf dem radikalen Parteikongreß durch die Ablehnung des Fraktionszwangs bei Abstimmungen eine klare Niederlage erlitten. Wenige Stunden darauf trug Herriot einen Erfolg davon. Trotz heftiger Opposition billigte der Kongreß den Finanz- p l a n der Regierung, der eine Verringerung der Beamtengehälter und Pensionen vorsieht. Der Kongreß hat damit einen kartell- feindlichen Beschluß gefaßt, denn die Sozia- l i st e n sind entschlossen, sich mit allen Mitteln einer Senkung der Gehälter zu widersetzen. Der linke Flügel der Radikalen. der ein Zusammengehen mit den Sozialisten wünscht, will daher eine neue Offensive gegen die Regierung-politik unternehmen, die aber wenig Aussicht auf Erfolg hat. Boykott der Sowjetseier Krankentransport angehalten Eine kommunistische Reisegesellschaft von 70 Per- sonen, die zur Reoolutionsseier nach Moskau fuhr, ist gestern in T i l s i t an der Weiterreise ge- hindert worden. Die Pässe wurden den Besitzern abgenommen. Wie die kommunistische„Rote Hilfe" weiter mitteilt, ist heute sogar ein Transport von E r- holungsreisenden nach dem Kaukasus in Tilsit ebenso behandelt worden. Der Reisezweck ist durch ärztliche Zeugnisse nachgewiesen. Roch gestern aber ist dem Reisekomitee vom preußischen und vom Reichsinnenministerium erklärt worden, daß der Krankentransport nicht gehindert werden würde. Der Mordkomplize Das Verhreehen in der Lutherstraße Der Mord an der 74 Zahre alten Frau Sön'cke in der Lutherstr. 13 hat jetzt durch die Fest. nähme des Komplicen des haupltäters Mann seine völlige Aufklärung erfahren. Der Festgenommene ist der 2S Zahre alte Alfred Schulz, der früher in der Gubener Straße wohnte. Im Laufe des gestrigen Abends wurden Schulz und Mann eingehenden Verhören unterzogen. Sie legten jetzt ein umfassendes Geständnis ab. das in seinen Einzelheiten mit den Ermittlungen und Feststellungen am Tatort über- eintrifft. Schulz war nach der Bluttat aus seiner Woh- nung verschwunden. Als sein Komplice, der 29 Jahre alte Friedrich Mann, am Sonntag, dem 39. Oktober, in der Lange Str. 59 festgenommen wurde, lieh er sich auch in den Lokalen, in denen er sonst verkehrte, nicht mchr blicken. Die Mord- konnnisston ermittelte, daß er von dem Blutgeld sich bei einer Herrenkonfektionsfirma am Köllnischen Fischmarkt einen Mantel bestellt hatte, der geändert werden sollte. Als Schulz den Mantel abholen wollte, wurde er verhaftet. Auf Schulz entfielen von dem geraubten Gelde etwa 1499 M. Bis auf 49 M., die man bei seiner Verhaftung noch bei ihm fand, hatte er alles durchgebracht. „?aprlka" Qoria-Palast Der Schwank„Der Sprung in die Ehe" von Max Reimann war längst filmreif, wie ja alle Schwänke silmreif sind. B. E. L ü th g e hat nach seinen eigenen bewährten Mustern das Manu- skript verfaßt und Karl Böse, ohne seine bessere Vergangenheit daran teilnehmen zu lassen, die landesübliche Regie besorgt. Es wäre nicht viel darüber zu reden, wenn nicht«ine neu« Dar- stellerin sich hier zum erstenmal gezeigt hätte. Franziska(Baal, die Favoritin des Budapester Unterhaltungscheaters, debütiert hierin als„echte Ungarin", die den Teufel im Blut hat staher der Name Paprika). Sie führt einen Wirbel auf, der alles durcheinanderschaufelt, sie steht immer im Mittelpunkt und wenn ihr Bühnentemperament auch noch manchmal mit ihr durchgeht, so ist sie doch eine neue werwolle Figur auf dem Schach- brett unserer Filmdarsteller. Wie sie, um einen sanften Trottel von Gelehrten zu gewinnen, das Stubenmädchen spielt, wie sie alle Verführungskünste an ihm in der Bar ausläßt(sie tanzt fortreißend Csardas), wie sie das Derbe nicht scheuend«in an- mutiges Kätzchen mimt— das alles zeugt von echter Bühnenbegabung. Hoffentlich wird man sie eines Tages etwas Moderneres und Echteres als diese Schwankrolle spielen lassen. Alles andere ordnet sich im Film der Ungarin unter. Paul H e i d e m a n n ist der Ehemann, der gern auf Abwege geht, Paul H o r b i g e r läßt seine Hu- more als schrulliger Gelehrter spielen und Hugo F i s ch e r- K ö p p e, der eben sein 2öjähriges Bühnenjubiläum feierte, gibt seinem Geschäfts- diener eine eigen« Note. r. Die erste Tanzmatinee der Volksbühne findet Sonn- tag, 13. November, vorm. 11.89 Uhr, im Theater am Bülowplatz statt. Diese Tanzmatinee ist dem Gc- dächtnis der jung verstorbenen Vera Skoroncl gewidmet. E- wirken mit Berthe Trümvv und Mary Wigman Platzkarten, auch für Nichtmitolieder. 1,59, 3,— und 2.59 Mark bei Tietz, Werlheim, Bote u. Bock, K. d. W., Karstadt, Dünnbeil und an der Theaterkasse. In den Staatlichen Museen sind wieder eine Reihe neuer Sonderausstellungen zu sehen. Das Kaiser- F r i e d r i ch- M u s e u m zeigt eine Sonderschau „Italienische B r o n; e st a t u e t te n" mit Tierplastiken aus zwei Jahrhunderten. Das K u Pf e r- st i ch I a b i n- t t bringt„D i e t e ch n l s ch e n B c r- fahren der g r a p h i s ch e n Ä un st e und zeigt daneben noch den frühen italienischen Kupferstich und dos graphische Werk Mar Slevogts. Das Deutsche M u! e u m behält seine Sonderschau„Meisterwerke der Landschaftszeichnung" bei und auch im P e r g a m o n- Museum wird das Mosaik nach Leonardcs Abend- mahl noch weiter zu sehen sein. Die staatliche K u n st b i b l i° t h e k stellt neue photographlsche Ar- betten von Renger-Patzsch aus. Maria Jdogün beginnt Sonntag ihre Tätigkeit an der Städtischen Oper als Gilda ,n Verdis „R i g o l e t t o. T-S Rose-Thcater bringt als nächste Nachtvorstellung Sonnabend, u.39 Uhr,„Die un geküßte Eva von Pordes-Milo, Musik von Martin Knopf. Tic Museen sind am Wahlsonntag nur bis 1 Uhr geöffnet Die Anmhen von Schömberg Z�asarnmenstalA am Stadtpark— Erklärung des Polizeipräsidiums Der Polizeipräsident teilt als bisheriges Ergebnis der amtlich eingeleiteten Untersuchung über die Vorfälle, die in der Nacht zum 4. November zur Tötung des Oberzollinspektors Reppich sowie zur Verletzung einiger anderer Personen geführt haben, folgendes mit: Nachdem in den Morgenstunden des 4. Novem- der eine vielhundertköpfige Menschenmenge durch Beamte des zuständigen Polizeireviers von dem Straßenbahndepot in der Pelziger Straße abgedrängt worden war, sammelten sich die Demon. stranten erneut auf dem Rudolf-Wilde- Platz. Das zur Verstärkung herbeigerufene Einsatzkommando drängte den Hauptteil der De- monstranten nach der Stadtparkseite zu ab. Von dort wurde das Kommando mit Steinen be- morsen. Gleichzeitig hörten die Beamten aus der Richtung der Demonstranten Schüsse fallen. Die Beamten gaben zunächst Schreckschüsse ab. Da jedoch das Steinwerfen damit nicht unter- Kunden wurde, schössen die Beamten weiter. Hier- durch wurden die Steinwerfer veranlaßt, in den Stadtpark zu flüchten. Die Beamten konnten nun feststellen, daß an der Treppe, an der sie die Steinwerfer beobachtet hatten, laksächlich das Pflosler aufgerissen und Steine herausgenommen worden waren. Ein später zum Schutz gegen erneutes Vor- drängen von Demonstranten an dieser Stelle auf- gestelltes Kommando hat die Beobachtung gemacht, daß mehrere Personen die dortige Umgebung ab- suchten, wobei ein Mann eine Nickelhülse aufhob und sich eiligst danach entfernte. Nach Beendigung dieser Aktion erhielten die Beamten des gleichen Einsatzkommandos den Be- fehl, die inzwischen erneut auf dem Rudolf-Wilde- Platz angesammelten Demonstranten zu entfernen und nach der Martin-Luther-Stcaße hin abzu- drängen. Da die Menge den wiederholten Aufforderungen der Beamten nicht Folge leistete, vielmehr Droh- und Schmährufe gegen die Beamten ausstieß, waren diese gezwungen, gegen die Demonstranten unter Anwendung des Gummiknüppels vorzugehen Sie drängten die Demonstranten in die Martin-Lucher-Straße. Ein Teil der Menge flüchtete dabei in die Seitenstraßen. Diese Personen sammelten sich dann wieder im Rücken der Be- amten, um den Beamten beim Weitervordrängen durch die Martin-Luther-Straßc hindurch zu folgen. Nachdem die Beamten über die Apostel- Paulus-Straße hinaus vorgedrungen waren, wurden sie vom Rücken her zunächst mit einem Stein beworfen und unmittelbar darauf wurden auch von den Demonstranten, die vor den Beamten hergingen, zahlreiche weitere Steine gegen die Beamten ge- schleudert. Der an der Spitze gehende Führer des Einsahkommandos wurde durch zwei Steinwürfc am Tschako ge- troffen. Auch bei dieser Gelegenheit hörten die Beamten wieder aus der Richtung der Demonstranten Schüsse fallen. Hierauf zogen die Beamten, da auch die Steinwürfe nicht aufhörten, ihre Pistolen. Zwei Beamte, die an der Spitze gingen und sich besonders bedroht fühlten, gaben zunächst einige Schreckschüsse ab. Als trotz- dem die Steinwürfe nicht aufhörten, wurden weitere Schüsse von den Beamten ab- gefeuert. Es bedarf noch der Feststellung, ob durch einen dieser Schüsse der Obcrzollinspektor Reppich getroffen worden ist. Die bisherige Untersuchung hat ergeben, daß die Polizeibeamten am Stadtpark und in der der Marlin-Luther- Straße erst dann von ihren Schußwaffen Gebrauch gemocht haben, nachdem sie in äußer sie Bedrängnis geraten waren und die unmittelbar aus sie gerichteten Angriffe der Demonstranten auf andere Meise nicht mehr abwenden konnten. „.Angrift"-Lügen widerlegt Zu den Darstellungen des„Angriff" in der Nr. 228 vom 4. November ist folgendes zu sagen: Ein Beamter B e r n y s ch e w s k i ist unbekannt. Ein Beamter mit einem ähnlichen Namen ist an dem Vorfall ganz unbeteiligt, da er zur Zeit beurlaubt ist. Ein Polizeibeamter namens G r ö n i n g befindet sich nicht unter den Be- amten des Einsatzkommandos. Auch ist keinem dieser Beamten ein Kamerad namens Gröning bekannt. Die Behauptung, daß der Polizeiober» leutnant Schönawa betrunken gewesen sein soll, entspricht nicht den Tatsachen. Für die weitere Schilderung, daß der Polizei- beamte Gröning als angeblicher Täter von seinen eigenen Kameraden wegen eines Selbstmord- Versuches gefesselt worden sei und vollkommen zu- sammengebrochen auf dem Polizeirevier gesessen habe, hat sich a u ch n i ch t d e r g e r i n g st e A n- h a l t s p u n k t bei den Ermittlungen ergeben. Gröning ist innerhalb des gesamten Inspektion?- bereiches genau so unbekannt wie ein derartiger Vorfall überhaupt. Volksstück in der Volksbühne „Fanny" von Marcel Pagnol Fanny ist die Tochter einer Muschechändlerin aus Marseille; wir kennen sie aus dem„Gol- denen Anker", dem ersten Teil der dramati- sierten Novelle, deren Fortsetzung nun im Theater am Bülwplatz gezeigt wird. Fanny, ein echtes und rechtes Mädchen aus dem Volke, fest zugreifend und von gesundem Willen, ein bißchen sentimental, aber noch mehr fröhlich und lebens- gewiß, liebte den Wirtssohn; sie liebt ihn noch immer, nur daß der Bengel, den das Meer lockte, inzwischen davongegangen ist, weithin über die Ozeane. Die gute kleine Fanny blieb zurück, aber sie blieb, und das ist die Brücke vom ersten zum zweiten Stück. Nicht allein. Fanny bekommt ein Kind. Das ist ein nicht gerade tragischer, aber immerhin ein Fall, der auf irgendeine anständige Weise gelöst werden muß. Fanny, die tapfere Muschelhändlerin, ergreift gewissermaßen das Ungeborene an der Stirnlocke und denkt nicht etwa daran, einem braven abgerackerten Bürger- lein, das sich feit langem um sie bemüht, Hörner aufzusetzen. Fanny geht zum Segelmacher Panisse, der soeben bei ihrer Mutter, einer großartig explodierenden, verdammt salzläugigen Dame des Fischmarktes, vorgesprochen hat, und sagt ihm offen ins Gesicht, wie es um sie steht; sie könne nicht gut annehmen, daß er sie nun noch wolle. Panisse ist ganz und gar anderer Meinung: er ist geradezu dankbar dafür, daß das Schicksal einen leidlichen Ausgleich geschaffen hat zwischen ihm, dem alten Knacker, und dem jungen Blut der Fanny. So marschiert alles, was hinzugehört, auch der Wirt vom„Goldenen Anker", in die Seligkeit eines ebenso schlichten wie redlichen Familienlebens ein. Da erscheint, wie sich das für die dramatische Knotung einer lyrischen Novelle gehört, eines Abends, während der Segelmacher auswärts ist und das Söhnlein schläft, Marius, der Entflohene und Zurückgekommene. Er weih von der Heirat, er entdeckt auch bald, daß eigent- lich er hier väterliche Pflichten und Rechte habe. Bei diesem gefährlichen Atemzug keimenden Un- heile erscheint der glorreiche Gastwirt und zitiert dee Ahnen seines Hauses, Korsaren, Schmuggler und Rauhbeine aller Art; aber noch nie sei ein Schwein darunter gewesen. Und Fanny, obgleich sie auch jetzt noch den Marius ihrer Liebe ver- sichert, fügt hinzu, daß er wohl einmal der Pater des Kindleins gewesen sei, daß aber Panisse an seiner rechten Hand die Wundmale trage, die ihre Nägel gruben, als sie sich im Schmerz des Ge- bärens an dem pfleglichen Notvater festhielt. Und hiermit vollendet sich der Sieg der moralischen Harmonie, die das beinahe rührsame, beinahe spießbürgerliche, aber immer vom Stolz der Ahnen und Seefahrer gekühlte Volksstück fron- zösischer Kleinromantik umwebt. Pagnols Gedicht, im Kern eine gemütliche Jahr- marktsballade, im Fleisch ein ganzer Fruchtkorb voll saftiger Typen und Kuriositäten, wie sie nun einmal in dieses Daseins Buntheit und erst recht im Hafen von Marseille nisten und herumflatiern, lebt von der Atmosphäre, von der Luft, die Men- schen und Dinge umgibt, von der Luft der ge- mächlichen Kneipe und ihres dösenden Wein- dunstes, in den das Rauschen des Meeres, das Rascheln der Ankerketten, das Knurren der Krane und das Dröhnen der Dampfpfeife schlägt. Von der Luft, die noch immer erfüllt zu sein scheint vom Klang der Gascogner Ritterschwertcr und von den feurigen Turnieren der Troubadoure, Kreuzfahrer, Löwenjäger, die längst versimpelten. Um diese Atmosphäre handelt es sich; sie ist das eigentliche Thema der kleinen, gut ausgehenden Tragikomödie, und weil Hilpert diese Atmo- sphäre zu gestalten weiß, weil durch seine musi- zierende Leitung die Szenen von dieser robusten und doch so zärtlichen Atmosphäre sich füllen, ist die von ihm flächig entfaltete Aufführung wie ein Spaziergang durch die Gassen, die Stuben und Kneipen, die kecken Leidenschaften und das freund- liche Gemüt eines zwar noch groß träumenden, aber doch noch mehr behaglich schnurrenden und nur noch gelegentlich und ironisch polternden Volkes. Echt und derb, prall und bieder: ein Volksstück in der Volksbühne. Fanny, das Heldenmädchen(viel französischer als der jungfräuliche Panzer von Orleans), be- kommt durch die reife, in letzten Stufungen des Weibes klingende Kunst der immer wieder Herr- lichen Käthe Dorsch bezwingende Gestalt. Hier ist man der Natur und der gesundenden Gesund- heit näher als sonst. Das gilt um keinen Grad minder für Jakob T i e d t k e, der die väterliche Klucke auf zwei unvergeßliche Elefantenbeine stellt; aus dem speckigen Koloß strömen alle Tu- genden des Herzens, um das Haupt des Zeus- Budiker sprühen die verkohlten Blitze Napoleons. Als Dritter der Musketiere trudelt Rosa V a- l e t t i mit Gemütsschnauze und Mutterliebe. Die lustigste aller rothaarigen Hurien. Sie hat dem Volk aufs Maul gesehen und spukt wie nur irgend- eine Hökerin Glaßbrenners, ein umwerfendes Berlinisch. Dem Marius gab Paul VerHoven die bestürzte Rauheit eines gesunden, je aufs Trockene gesetzten Seemannes; Erhard S i e d e l war Panisse, der Besen, der zwar nicht schießt, aber doch gut und höchst besorglich fegt. st. Breuer. Kriminalist.Alkreci Braun Titania-Palast Der Raine der F ra t e l l i n i hat internatio- nalen Klang. Es sind Clowns, die bewußt eine uralte Tradition pflegen, bei der Maske, Mienen- spiel und Körperhaltung nahezu statisch berechnet sind. Sie sind die intelligentesten Spaßmacher, die jedes Publikum zum Lachen bringen. Die beiden F r a t e l l i n i s, unterstützt von dem vorzüglichen Gino Colombo, die wir im Film sehen, sind die Neffen der Fratellinis, die in Paris den Lirque ck'kiver und ein großes Restaurant besitzen. Doch beim Publikum zieht jeder Fratellini, und darum heißt auch dieser Film„Die G a l a v o r st e l- lung der Fratellinis". Es ist schon ein sehr alter Filmmanuskriptbrauch, eine sensationelle Verhaftung während einer Gala- Vorstellung vorzunehmen. Diesmal hat man das ganze Drum und Dran stark modernisiert. Man läßt Alfred Braun einen Kriminalisten en minia- iure sein, und während im Theater Lachsalven er- dröhnen, und das Publikum nichts ahnt, wissen bereits'Abertausende von Rundsunkhörern, daß man hinter den Kulissen sich auf aufreibender Per- brecherjagd b«fi«d«t. Das Mitglied einer Jazz» kapslle wurde von einer verführerischen Spionin zu vielen Schandtaten mißbraucht. Nach manchen Prügeleien wird man des Mannes habhaft, und die Verhaftung der Dame, die im allerletzten Augenblick noch Alfred, den Vielgeliebten, mit dem Revolver bedroht, erfolgt prompt vor dem Mikro- phon. Das alles erzählt Z e l n i k als Regisseur gefällig und unterhaltsam. Jeder Star bekommt die ihm zusagende Rolle, so ist Alfred Abel ein korrekter Diplomat, Olga T s ch e ch o w a eine verführerische Frau, Max Adalbert ein räso- nierender, herzensguter, musikalischer Textdichter, Margot Walter eine nette Braut, Walter Slezak ein sympathischer Liebhaber und Erich K e st i n ein ulkiger Braun-Ersatz. Die F r a- t e l l i n i s als Clowns und Alfred Braun als Rundfunkreporter spielen sich selbst. Da die Militärschwänke jetzt die Konjunktur sind, hat auch Max Ehrlich einen in Regie ge- nommen, in dem Morgan den Stabsarzt spielt. e. b. Bundkun�-Bietät Die„S t i in m e zum T a g" der Berliner F u n k st u n de wird von dem hellsichtigen Dr. Franz M a r i a u x anscheinend immer auf mehrere Wochen vorgearbeitet. Am Donners- t a g m i t t a g wurde der Tod der so tragisch ums Leben gekommenen Gertrud Bindernagel bekannt. Bor der Sendung der„Stimme zum Tag" teilte man ihn auch den Rundfunkhörern mit; dann aber folgte nicht etwa eine Erinnerung an die große Künstlerin und ihre auf Schallplatten lebendig erhaltene Stimm«, sondern ein Vortrag über— den Verfall altchinesischer Kultur. Am Freitag holten Berlin und der angeschlossene Deutschlandsender die Würdigung der verstorbenen Künstlerin nach; die Veranstaltung wurde sinnig und gesühlvoll in einen„Heiteren A b e n d"«ingebaut. Dafür entwickelt« die Berliner Funkstunde bei anderer Gelegenheit ihre christlich-konservative Seele. Der entsetzlich langweilige allmonatliche „K i n d e r k a l e n d e r", verfaßt von Irmgard von Faber du Faur, gelesen von Maria von F a b e r du Faur, ist im Stil von 1999 gehalten. Er besteht aus sehr frommen und sehr moralischen Geschichten und Berichten; diesmal brachte er noch Ratschläge, wie sich aus den Knochen der Martinsgans Spielzeug anfertigen läßt. Nach der letzten antimarxistischen Rede Dr. Ru- dolf P e ch e l s, der in der Sendefolge der Deut- schen Well«„Fürundwider:Wegweiser durch die Zeit" allwöchentlich vor das Mikro- phon kommt, haben sich wieder zahlreiche Hörer empört bei uns gemeldet; Dr. Pechel solle erst die Lehre von Karl Marx studieren, ehe er darüber rede. Die Forderung geht zu weit; weshalb soll Dr. Pechel seine Vorträge gründlicher fundamen- tieren, als es seine übrigen Kollegen von sreiherr- lichen Gnaden tun? Ob die Lobeserhebungen, die die Funkstunde ihm kürzlich zuteil werden ließ. eine Versicherung auf Gegenseitigkeit darstellen, können wir unseren Lesern leider nicht sagen. Unter den„B a l i a d en u n d L i e d e r n", die am Freitag im Programm der Funkstunde Rolf Ghatberg vortrug, waren wenigstens einige, die uns unmittelbar berührten. Für eine Vortragsdauer von nur 15 Minuten allerdings war das Programm viel zu uneinheitlich. Hatte sich hier die Abneigung der hohen Rundfunk- beamten gegen proletarische Texte ausgewirkt? —U. Der Zeuge vom Hörensagen Die CtfimdlaFe des ersten Urteils gegen Buller jahn Leipzig, 4. November, Im Bullerjahn-Prozeh wurden heute weiter die Verdachtsmomente gegen Buller- jahn erörtert. Am 25. Dezember 1924 und am 7. Januar 1925 ist Bullerjahn am Horst- weg gesehen worden, wo der Leutnant I o st in Nr. 3 wohnte. Der Horstweg ist von der Woh- nung Bullerjahns abgelegen. In den ersten Jahren hat Bullerjahn stets bekundet, daß er eine Familie Langner am Horstweg besuchen wollte. Auf einen Vorhalt des Vorsitzenden. erklärt der Angeklagte: Bei meiner Ver- hastung war das erste, was mir der Kommissar sagte: Sie waren am 23. Dezember bei der inter- alliierten Kontrollkommission und haben 1299 M. bekommen. Dann habe der Kommissar weiter auch davon gewußt, daß Bullerjahn am 7. Januar am Hör st weg gewesen sei. Das sei durch eine ungenannte Vertrauensperson bekanntgeworden. Er habe, so erklärt Bullerjahn, Oer.AnZestluZte Bullerjahn nun ständig unter dem Druck der gefährlichen Schlinge dieser unbekannten Aussagen gestanden. Er sei darauf gekommen, daß die Aussage nur von Herrn v. Gontard stammen konnte, sei aber davon überzeugt gewesen, daß man ihm.nicht Glauben schenken werde, wenn er dies behaupte. Erst als durch den Reichstagsabgeordneten L e v i festgestellt worden war, daß der unbekannte Zeuge tatsächlich Herr v. Gontard sei, habe er die Absicht seines Besuches auf dem Horstweg am 7. Zanuar zugegeben. Der Vorsitzende richtet an Bullerjahn die präzise Frage: Was haben Sie für eine Erklärung dafür anzugeben, weshalb Sie am 25. Dezember am Sophie-Charlotten-Platz waren. 2lngekl.: Ich hatte die Absicht, meinen früheren Arbeitskollegen Herns, mit dem ich bei der Deutschen Maschinenbauanstalt zu- sammengearbeitct hatte, aufzusuchen, um ihn wegen Arbeitsmöglichkeit zu befragen. Das letzte- mal hatte ich ihn etwa ein halbes Jahr vorher im Cafe Vaterland gesehen. Vors.: Herns sagt aber aus, daß er zum letzten Male mit Ihnen im Frühjahr 1922 zusammenge- wesen sei. Da die gemeinsame Beschäftigung zwei bis drei Jahre zurücklag, kann das Zusammen- sein im Cafe Vaterland, das gewissermaßen eine Liquidation der früheren Beschäftigung darstellte, nicht erst ein halbes Jahr vorher stattgefunden haben. Zu dem zweiten Besuch in der Gegend des Horstweges am 7. Januar erklärt B u l I e r- jahn: Der Anstoß zu diesem Besuch war ein Gespräch mit Gebauer und Schweizer am Nach- mittag, die mir sagten, ich könnte nach Hause gehen. Das war mir eine weitere Bestätigung da- für, daß man jetzt nur noch mich allein im Ver- dacht des Berrats hatte. Ich fing an, sinn- los zu handeln. Mein einziger Gedanke war: „Wie reinigst du dich jetzt von dem furchtbaren Verdacht?" Ich wollte den Leutnant Jost zu einer Er- klärung gegenüber der Direktion meines Werkes zwingen, daß ich mit der Sache nichts z>.>. tim habe. Vors.: Auf welche Weise? Sie haben früher angegeben, mit der Pistole in der Hand. B u l l e r- jahn: Ich dachte in meiner sinnlosen Angst allerdings an Gewalt. Nun wußte ich nicht die Nummer des Horstweges. Ich wollte mich bei meinem früheren Kriegskameraden Langner, der Horstweg 38 wohnt, erkundigen, da er die Frem- denpensionate in der nur kurzen Straße kennen würde. Bei Langner traf ich aber nur dessen künftige Schwiegereltern an. Nachdem ich etwa 29 Minuten oder eine halbe Stunde vergeblich auf Langner gewartet hatte, gab ich meinen Plan, zu Jost zu gehen, auf. Vors.: An diesem Tage stand der Zeuge S p a l l e ck als Beobachter auf dem Horstweg, da man schon Verdacht gegen Sie gefaßt hatte. Der meint nun, daß Sie ihn gesehen haben müßten. Sie seien dann weggegangen, nachher wiederge- kommen und schließlich verschwunden. B u l l e r j a h n: Hätte ich Spalleck gesehen, so hätte ich ihn begrüßt. Wenn ich tatsächlich Jost irgend etwas Unerlaubtes hätte mitteilen wollen, so hätte das doch nicht in seiner Woh- nung zu geschehen brauchen. Auf Fragen, wie die Begegnung vom 25. Dezember bekanntgeworden sei, bestätigte Bullerjahn, daß er selbst die Eheleute Langner als Zeugen angegeben habe. Vors.: Wie sind Sie nun dazu gekommen, zuzugeben, daß Sie a m 7. Januar zu Jost gehen wollten B u l l e r- jahn: Nachdem bekanntgeworden war, daß Herr von Gontard der unbekannte Zeuge war, hatte ich keinen Anlaß mehr, mit der Wahrheit zurückzuhalten. Vors.: Lag die Initiative dazu nicht bei den Zeugen Salomon und Dr. Cohn, die Sie in der Haft aufgesucht haben? Buller- jahn: Man forderte von mir, daß ich unbedingt aufrichtig sein solle, nur dann könne mir ge- halfen werden. Das kam zu den erwähnten Er- wägungen hinzu. Meinem Verteidiger hatte ich vorher nichts gesagt, um ihn nicht irre zu machen und etwa zur Nicderlegung der Verteidigung zu oeranlassen, und wie es mit einem Offizialver- teidiger steht... RA. Dr. R o s e n f e l d(unter- brechend): Das ist gerichtsbekannt. Der Vorsitzende bringt nun noch die in der Oefsenllichkeit verbreitete Meinung zur Erörterung. daß das Reichsgericht bei seinem Urteil vom 11. Dezember 1925 nicht gewußt habe, daß es sich bei den Aussagen v. Gontards nicht um eigene Beobachtungen handelte, sondern um die Weitergabe von Mit- t e i l u n g e n anderer. RA. Dr. R o s e n f e l d: Diesen Standpunkt hat die Verteidigung immer eingenommen. Vors.: Es ist aber der Untersuchungsrichter vernommen worden und nach dessen Protokollen hat Herr v. Gontard ausdrücklich erklärt, daß er feine Mitteilungen seinen Beziehungen zu der amerikanisch-englischen Kolonie oerdanke. Damit ist doch wahrscheinlich gemacht, daß auch in der damaligen Hauptoerhandlung dies zum Ausdruck gekommen ist. Reichsanwalt Dr. Nagel erklärt hierzu: Nach den Feststellungen der Reichsanwaltschaft hat der damalige Verteidiger Bullerjahns, Dr. Schwei- Zenatgprasident Bünger zer, selbst bei seiner Meineidsanzeige gegen den Zeugen Porat das Urteil des Reichsgerichts mit der Begründung angegriffen, feine Fassung lasse im Gegensatz zu der Hauptverhandlung nicht er- kennen, daß die Aussagen der unbekannten Ver- trauensperson sich nicht auf eigene Wahr- nehmungen stützen. R.-A. Dr. R o s e n s e l d: Also hat auch Dr. Schweizer genau wie ich festgestellt, daß das Urteil nichts davon erkennen läßt. Rur hal er das als falsch bezeichnet, während ich nichts davon wissen konnte. Damit ist die Vernehmung des Angeklagten Bullerjahn im wesentlichen abgeschlossen. Die noch ausstehenden Fragen sollen bei der nunmehr be- ginnenden Zeugenvernehmung geklärt werden. Der Sonnabend bleibt sitzungsfrei. Sozialisten im AGA.-Wahlkampf GroLsr Stimmenauftrieb erwartet New Hork, 4. November. Die sozialistische Wahlkundgebung, die am Donnerstag abend im Madison Square Garden stattfand, war ein ungeheurer, seit Jahrzehnten nicht erlebter Erfolg. Die Riesenhallc war von 22 999 enthusiastischen Zuhörern besetzt. während in den umliegenden Straßen trotz des kalten Wetters weitere Zehntausende den Reden durch Lautsprecher lauschten. Die Redner wurden begeistert empfangen. Die Begrüßungsdemon- stration für den Präsidentschaftskandidaten Norman Thomas währte 18 Minuten. Thomas rechnete schärfstens mit den beiden bürgerlichen Parteien ab und forderte neben der Durchführung sofortiger Krisenhilfsmaßnahmen und drastischer Vermögenssteuern die Verwirk- lichung des Sozialismus im Staat und in den Ländern. Andere Redner verwiesen auf euro- päische sozialistische Vorbilder, insbesondere auf die Wiener Stadtverwaltung, die das Vor- bild des künftigen New Jork sein müsse. Der Vizepräsidentschaftskandidat Maurer erklärte, das amerikanische Bürgertum werde in dieser Wahl eine unvergeßliche Lektion erhalten. Die Sozialistische Partei befindet sich nach all- gemeinem Urteil am Vorabend eines außer- ordentlichen Aufschwungs. Die An- zeichen deuten auf mindestens 1!4 bis 2 Millionen Stimmen, hauptsächlich in den Industriezentren, hin. Eozialreform? Die Bläne des Reichsarbeitsministers Uebcr die Reformpläne in der Sozialversiche- rung erfährt die Telegraphen-Umon„aus gut unterrichteten Kreisen" folgendes: „Das Ziel der Reform ist Reinigung, nicht Auflösung der Sozialversicherung. Es ist auch nicht beabsichtigt, einige Arten von Ver- sicherungen aufzuheben. Nur ihre Zahl soll vermindert werden. Auf dem Gebiet der K r o n k e n k a s s e n soll durch Zusammenlegung von Gebiets- krankenfassen und durch Vereinigung JIM. WO.- Bacfydd ümL wcdvoiU Berne • sind für die Leserinnen des„Vorwärts" durch Teilnahme an dem Preisausschreiben des,, Vorwärts" Zugewinnen Verlangt werden für den Wettbewei b kleine literarische Beiträge, Niederschriften und knappe Skizzen, deren Tnema frei gewählt weroen kann. Die Einsendungen müssen bis zum 1. Dezember 1932 eingegangen sein Neue Abonnentinnen erhalten auf Verlangen kostenlos den Abdruck der Bedingungen für die Beteiligung an dem Wettbewerb. verwandter Innungskrankenkassen eine Konzentration erreicht werden. Es gibt 2199 Ortskrankenkassen, 425 Landkranken- lassen, 3689 Betriebskrankenkassen und 939 Jnnungskrankenkassen. Dazu kommt noch eine große Zahl von Ersatzkassen. Am 31. Dezember 1931 hatte zum Beispiel eine einzige Stadt rund 179 Krankenkassen: 18 allgemeine und 19 be- sondere Ortstrankenkassen, 86 Betriebskranken- lassen und 63 Jnnungskrankenkassen. Das Bäcker- aewerbe unterhält 16, das Friseurgewerbe 8 und das Fleischergewerbe 5 Jnnungskrankenkassen. Zlehnlich ist die Lage bei der U n f a l l v e r- s i ch e r u n g. Der Einschränkung des Berfiche- rungsbetriebes und des gesamten Wirtschastsappa- rates entsprechend soll eine Konzentration auch im Bestände der gewerblichen Berufsgenossenschasten vorgenommen werden, deren Zahl heule noch 64 beträgt. Die Eigenart der Verhältnisse in den ein- zelnen Ländern soll bei der Neuregelung in weitestem Umfange berücksichtigt werden. Die Zahl der Landesversicherunzsanstalten kann trotzdem er- heblich verringert werden, wie dies in Bayern be- reits im letzten Jahre geschehen ist. Als drittes wird eine Vereinfachung bei der Aufsichtsbehörde angestrebt. Es wird auch da nicht im geringsten daran gedacht, die Be- fugnisse der Länder irgendwie zu beschränken. Die Vereinfachung soll bei den untersten Instanzen, den Versicherungsämtern, erfolgen. Man erwägt, diese überhaupt aufzuheben und die Aufgabe der Beaufsichtigung ganz den Oberversicherungsämtern allein zu übertragen. Es hat sich herausgestellt, daß sich die Oberversicherungsämter für die Beauf- sichtigung der Krankenkassen besser eignen als die Versicherungsämter. Die Oberversicherungsämter sollen Landesbehörden bleiben und der freien Selbstverwaltung der Krankenkassen als unab- hängige fachlich geschulte Staatsgewalt gegenübertreten. Gewisse R e st a u f g a b e n der Versicherungsämter hätten die Landratsämter bzw. die Gemeindeverwaltungen mit zu über- nehmen. Das Reichsversicherungsamt und die drei Landesverfichcrungsämter sollen unverändert er- halten bleiben." Das klingt alles recht harmlos und plausibel. Die Zusammenlegung der Zwcrgkrankenkassen und die Vereinfachung in der Verwaltung der Unfall- Versicherung sind alte Forderungen der Sozial- demokratie und der freien Gewerkschaften. Etwas dunkler sind die Absichten, die mit der Aushebung der Versicherungsämter verbunden sind Jeden- falls ist nach den bisherigen„Reformen" des Reichsarbeitsministers stärkstes Mißtrauen am Platze. Achtstundentag in Brasilien Rio de Janeiro, 5. November. Die provisorische Bundesregierung hat ein De- kret über die Einführung des Achtstundentages in Brasilien unterzeichnet Das Gesetz setzt die Zahl der reinen Arbeitsstunden auf 48 fest. Zu- lässig sind höchstens zwei Ueberstunden. für die jedoch eine Extrabezahlung vorgesehen ist. Im Bundesdistrikt Rio de Janeiro ist das Gesetz sofort in Kraft getreten, in den Staaten ist für die Durchführung eine Frist von einem halben Jahr vorgesehen._ Die Rew-Norker Großbanken lehnten einen Winterkredit von 25 Millionen Dollar zur Finan- zierung der städtischen Erwerbslosenhilfe ab. Vorstellungen des Exgouoerneurs Smith und des Bürgermeisters, New Park vor Hunger- Unruhen zu bewahren, blieben er f o l g l o s. Die Bankiers bestehen auf durchgreifende Re- organisation der städtischen Finanzen. Die Tyrannei der Banken hat der Bürgermeister- kandidat Hillquit öffentlich auf das schärfste gebrandmarkt. Theater der Woche vom 6. bis 14. November. Volksbühne.. Theater am Bülawplatz: Fanny. 13. 11% Uhr. �.anz» matinee. Slaalslhealer. Städtische Oper. Tharl-ttc-b»rg: 7. Zar und Zimnicr. mann. 8. Macbeth. S. Der Schmied van Gent. 10. Pe- truschka.— Gianni Echicchi. 11. Madame Buttersly. 13. Undine. 13. Ein Maslenball. 14. Ztdelio. Schillcr Theater: Robert und Bertram. Staatliches Sch-uspi-Ihans: Gabriel Schilling-»lucht. Staatsaper Unter den Linden: 6. Boheme. 7. Othello. 8. Die Zauderflöte. 9.«i-ncr Blut. 10. Salome. 11., 13. Idomeneo. 12. Der Rosenlavalier. 14. Der sliegende Holländer. Theater mit festem Spielplan. «»rsitrstendamm-Theatcr: Der Better aus Dingsda.— Deutsches Theater: Prinz von Homburg.—»ammerspiel-: Rose Bernd. Ab 8. Michael Krämer.— Drutsi�s Kiinftlertheater: Bis 7. Das Märchen vom Wolt. Ab 8. Die Rächt zum 17. April.— Theater in der Strese. maunstrahc: Zu wahr, um schön zu sein.— Komödien» haus: Auslandsreise.— Metropoi. Theater: Eine Frau, die weiß, was sie will!— Theater des Westens: Katharina. — Komische Oper: Bis 8. Man braucht lein Geld... 7. bis 11. geschlossen. Ab 13. Musik um Susi.— Großes Schauspielhaus: Der Studentenprinz.— Lesfin t-Theater: Pugmalion.— Theater am Rollendorsplatz: Der Fürst der Berge.— Admiralspalast: Ab 10. Liliom.— Kleines Theater: Sanoven-Ehre.— R-n-isi-nce-Theater- Bis 9. Geld ohne Arbeit. Ab 10. Heiterer Thoma. Abend.— Rose-Theater: Der Zigeunerbaron. 12. 23-4 Uhr. Die ungeküßtc Eva.— Easino. Theater: Die Liebe blüht in Werder.— Theater in der Behrenstraße: Bargeld lacht.— Plaza: Anneliese von Dessau.— Skala, Wintergarten: Internationales Variete.— Reichshallen. Theater: Stettiner Sänger. Itachmiltagsvorstellungen. Bolksduhnc. Theater am Bülowplatz: 13. Fainvi.— Deutsches Sünstlertheater: 6. 15 Uhr. 13. 17 Uhr. Kai aus der Kiste. 12. 16 Uhr. 13. 15 Uhr. Rotkäppchen.— Metropol'Theater: 6., 13. 14U und 17 Uhr. Ein Walzertraum.— Theater des Westens: 6., 13. 14>.z und 17 Uhr. Försterchristl.— Komilche Oper: 6. Man braucht kein Geld..— Rose-Theater: 12. 17 Uhr. Frau Holle. 0. 17'i Uhr. Der Zigeunerbaron. 13. 17it Uhr. Der Zi- geunerbaron. 14 Vi Uhr. Aschenbrödel.— Easino-Thcater: 6., 13. Die Liebe blüht in Werder.— Plaza: Anneliese von Dessau.— Skala: Internationales Variete.— Wintergarten: 0., 12., 13. Internationales Variete.— Rcichshallen-Thcater: 6., 13. Stettiner Sänger. Erstaufführungen. Dienstag. Kammerspiele: Michael Kramer. Thoivtr'i- o Ttr TT! TTf' .--------„. xammeriprele: wiiajue-«vumvi. Tch e a t e r a m Schisfbauerdamm: Meineid. D�c u t s ch- s K ü n st l- r t h e a t- r:! Mittwoch. D e_____,_____ Nacht zum 17. April.— Donnerstag. A d m i r a I palast: Liliom.— Freitag. Staatsoper: I meneo.— Schauspielhaus Steglitz: Die heil Flamme.— Sonnabend. Komische Oper: M> um Susi.— Lustspielhaus: Das Saus der Last — Zentral. Theater: Die andere Seite. Wetter für Verlin: Etwas kühleres, zeitweise aufheiterndes Wetter. Keine Niederschläge von Bedeutung, schwache Luftbewegung.— Für Deuischiand: Im Nordwesten Wetterbesserung, im Ostseegebiet und Ostpreußen noch einzelne leichte Regeniälle. Im Norden des Reiches Abkühlung, im Süden keine wesentlicheAenderung. Hierzu l Beilage. Verantwortlich für Politik: Rudolf Brendcmühl: Wirtschaft: G. Klingelhöfer: Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner; Feuilleton: Hejbert L e p s r e: Lokales und loonsttges: Fritz Karstadt; Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin/ Verlag: Borwärts-Berlag G.m.b.H., Berlin. Truck: Vorwärts-Buchdruckerei und Verlogsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW Ks, Lmdenslraßc 3. I Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen-Ausgc.be des„Vorwärts" veröffentlicht. BEILAGE VomWZ SONNABEND, 5. NOV. 1932 Wczlll<£22 dctvf ich nicht,€t.b€?S*.• �£22 Ztuslandtsdeutschei? htsi das Wort Ein Auslandsdeutscher schreibt uns: Etliche Jahre war ich nicht in Deutschland, kehrte erst in diesen Tagen heim und bin nun bemüht, hinter all dem Wirrwar dennoch das Gesicht der Heimat zu finden. Damit will ich nicht sagen, daß ich während meiner Abwesenheit nichts oder nur wenig über Deutschland zu hören bekam, denn unsere liebe kleine Erde ist bekannt- lich im Laufe der letzten Jahre noch kleiner ge- worden, Entfernungen bedeuten nichts mehr, und so ist man im südlichsten Afrika oder in Australien genau so gut. nur ein wenig später, über die Ver- Hältnisse in Deutschland informiert wie in London oder Paris. Nur wollte es uns oft schwer fallen, den Zeitungen oder den Berichten von Lands- leuten, die eben aus der Heimat kamen, Glauben zu schenken, wenn die Rede auf die V e r r o h u n g des politischen Kampfes kam und darauf, daß heute in Deutschland niemand wüßte, ob er nicht im nächsten Augenblick durch ein unbedachtes Wort, vielleicht durch ein freimütiges Bekenntnis zur Republik, von einem xbeliebigen Gegner über den Haufen geschossen würde. Wir lasen auch illustrierte Zeitungen, sahen z. B. den Stahl- h e I m a u f m a r s ch in Anwesenheit von Prinzen und Generälen, deren Namen im Weltkrieg eine Rolle spielten, sahen oft und oft Hitlers braune Soldaten im Bild, versehen mit unmißverständ- lichen Kommentaren des Auslandes, das Per- trauen zu einer Republik Deutschland hat, aber sein Mißtrauen eindeutig zeigt, wenn der Kurs nach rechts geht. Wir Deutschen im Ausland hatten es schwer, an die Zustände in der Heimat zu glauben. Um so lieber nahm ich nach langer Abwesenheit meinen für eine Deutschland- reise zusammengesparten Urlaub. Wer es nicht erlebt hat, nach vielen Jahren in ein geliebtes Land zurückzukehren, weiß nicht, wie es ist, in den letzten Stunden vor der Ankunft an der Grenze oder im Heimathasen von einem quälenden und doch so beglückenden Gefühl maß- loser Unruhe befallen zu werden, zumal noch, wenn man die Heimat in Not weiß. Schon einmal erlebte ich eine Heimkehr gleicher Art. Das war im November 1918. Auch damals wußte ich nicht, wie ich meine Heimat wieder finden würd?-1998 war ich nach Süd- amerika gefahren und geriet bei Ausbruch des Krieges auf der Heimreise als Zivilist in englische Gefangenschaft. B i e r' I ah r e mußte" ich im Internicrungslager auf der Insel Trini- dad verbringen. Mitte November brachte ein holländischer Dampfer uns nach Europa zurück, nach Rotterdam, wo wir eine Fahrkarte bis in den Heimatort erhielten. Aber bevor man uns in den Zug steckte, belud man jeden von uns Heim- kehrern, die wir wahrhaftig arm und bloß waren, mit einem ansehnlichen Paket von dick mit Butter und Wurst belegten Broten, gedacht als Reise- proviant durch szolland und Deutschland. Das paßte durchaus zu dem, was wir über unsere ausgehungerte Heimat gehört hatten, und es brachte uns den Kopf etwas tiefer noch, kamen doch auch wir mit leeren Händen heim und waren auf die Hilfe unserer Lieben angewiesen. So fuhren wir durch die überschneiten Felder Hol- lands, versuchten es während der Fahrt mit einem sentimentalen Lied, aber zwei Stunden vor der deutschen Grenze wurden wir stiller und stiller. Ich war seit zehn Jahren fort, andere waren noch länger aus Wanderfahrt, und während der Jahre im Gefangenenlager hatten wir ohne Ermüdung von nichts anderem gesprochen als von dieser Stunde der Heimkehr. Selten hatten wir aus der Heimat gehört. Wir wußten nicht, wer von unseren Brüdern und Freunden noch am Leben war, wer unter der Erde oder zerschossen im Lazarett lag. Wir starrten über die vorbei- sausenden winterlich einsamen Landschaften hin und warteten aus Deutschland. Wartete Deutschland auch auf uns? Brauchte die Heimat uns? Wir konnten es nicht wisten. Un- berührt lagen unsere Brotpakete da. nach denen wir erst griffen, als der Zug hielt. Anderes Gepäck hatten wir nicht. Nichts brachten wir mit als ein unruhvoll schlagendes Herz. Viele Deutsche waren in diesen Tagen über Holland zurückgekehrt. Auch unsere Ankunft war bekannt geworden. Frauen und Kinder standen hart an der Grenze und warteten auf uns. Zwar nicht mit hellen Gesichtern und einem hellen Willkommcngruß, aber dennoch warteten sie sehr. Jammervoll drangen ihre Bitten uns ent- gegen:„Bitte, geben Sie uns ein Stück Butterbrot!"-„Sie haben doch so reichlich. bitte, ein Stück nur!"—„Ein Stück nur bitte!"— „Sic wissen nicht, wie groß unser Hunger ist!" —„Ein Stück werden S!ö"übrig haben!" Bittend streckten sich uns viele Hände entgegen. Zarte Kinder- und magere Frauenhände. So grüßte uns die Heimat. So hungrig und traurig fanden wir Deutschland wieder. Es war nichts zu überlegen gegenüber diesen leidvollen Gesichtern. Auch ich nestelte den Bind- faden meines Pappkartons mit den holländischen Leckerbissen auf, um einen Teil der Brote herauszunehmen. Doch kam ich nicht dazu. Gierig griffen viele, besonders kleine Hände nach dem Inhalt des Kartons, der in wenigen Sekunden völlig ausgeräumt war. Meine Hand, die von einigen unvermeidbaren Kratzern blutete, hielt müde den leeren Karton und ließ ihn müde zur Erde fallen. Ich sah undeutlich, wie einige Heim- kehrer, den leeren Karton in der Hand, verlegen lachten, sah auch, wie Kinder sich die Brote schmecken ließen und fühlte unendlich wach, daß ich in Deutschland war, das länger als vier Jahre im fürchterlichsten aller Kriege gestanden hatte, sah meine Heimat durch diese verzweifelten hungrigen Menschen, sah mich dazu kommen, auch hungrig und bloß, auch durch den Krieg kaputt gemacht. Sollte ich wirklich heimkehren? Einen über- flüssigen Esser mehr abgeben? Die Grenze, eben überschritten, lockte zur Umkehr in die weite Welt! Was sollte ich in der Heimat beginnen? Was die Heimat mit mir? Wir hatten während der Ueberfahrt immer wieder in allen Tonarten die junge deutsche Republik gefeiert, der wir unsere Dienste antragen wollten. Brauchte sie uns? Sie brauchte uns! Hunger und anderes Kriegsleid waren kein Grund, der Heimat den Rücken zu kehren Wir sahen, wie die Kinder sich die Butter von den Fingern leckten und blanke Augen hatten. Was war geschehen? Hungrige hatten ihren Hunger gestillt, lächelten uns an, sich damit entschuldigend für den Ueberfall aus die Brotpakete. Und wir— wir fuhren nun wirklich heim. Das war im November 1918. Jetzt— im November 1932— bin ich erneut heimgekommen Auch diesmal dachte ich, ob es sich verlohne, die Heimat in all ihrer Zer- rissenheit aufzusuchen? Und während ich schon vom Zuge aus auf deutsche Landschaften sah, schien mir, daß es im Augenblick nur einen einzigen Grund geben könnte, gerade jetzt, im November des Jahres 1932, in die deutsche Heimat zurück- zukehren: Wählen! Wählen gegen die Abenteurer und falschen Propheten, die Deutschland in all die Wirrnisse der Gegen- wart gebracht haben und unser Land mehr noch zum Tummelplatz ihrer Machtgelüste degradieren möchten. Ja, nur die Wahlmöglichkeit könnte meinem Besuch einen Sinn geben! Die Stimme abgeben gegen die Feinde friedlicher Ausbauarbeit und internationaler Verständigung, gegen die Widersacher der Republik, gegen alle Lügen und phantastischen Versprechungen, die bis weit über die Grenzen hinaus Kopf- schütteln verursachen— gegen die Unfähigen, die Deutschland regieren möchten und denen dieses geliebte Land nicht noch mehr zum Opfer fallen darf. Ich möchte heimgekehrt sein nach Deutsch- land, um meine Stimme der Vernunft geben zu können, die eine geordnete Zukunft für alle will. Aber ich stehe in keiner Wählerliste. Ich darf n i ch t w ä h l e n. Ich kann nur an dieser Stelle meine Stimme abgeben und damit die Hoffnung aussprechen, heimgekehrt zu sein, um erleben zu dürfen, wie die große Mehrheit der wahlberechtig- ten deutschen Staatsbürger dafür eintritt, daß die Vernunft die Oberhand behält, denn wer möchte heimgekehrt sein aus der Fremde, um eine unfreie Heimat wieder zu verlassen, die der sreie Mensch dann für immer verlassen müßte, weil er anders nicht zu atmen vermag. Hans G. Farrell. Frauen, fttüffev, �VccIj ein paar Worte an euch! Wenn fast alle Parteien der Rechten nicht gerne die Frau mit der Politik in Zusammenhang bringen und sie am liebsten wie in uralten Zeiten am häuslichen Herd inmitten einer Kinderschar als Dienerin ihres Mannes sehen möchten— so haben sie doch vor den Wahlen mit allen Mitteln der Propaganda versucht, die Frauen für sich zu gewinnen. Es wird den Frauen allerlei ver- sprachen. Und es läßt sich nicht leugnen, daß die Frauen für so manches aus der Ideologie der Rechten empfänglich sind. Die Ideologie der völkischen Rechts- Parteien verwirst die anstrengende Berufs- arbeit der Frau, sie vertritt die Auffassung, daß die Frauen in den Produktionsprozeß nicht hinein- gehören, und daß sie ihrer ursprünglichen Be- stimmung, Mutter und Hausfrau zu sein, wiedergegeben werden müsse. Viele un- wissende und politisch unaufgeklärte Frauen wünschen sich tatsächlich diesen Zustand. Für die meisten Frauen bedeutet heute die Berussarbeit alles eher als Freude und Befriedigung. Ab- gesehen von der ungeheuren Ausbeutung, der sie ausgesetzt sind, sind unzählige Frauen heute die alleinigen Ernährerinnen einer oft vielköpfigen Familie und müssen noch dabei ihre Pflichten als Frau, Mutter und Hausfrau erfüllen. Dieser Zustand ist für viele werktätige Frauen eine un- erträgliche körperliche und seelische Belastung. Aus dieser Not heraus sind sie deswegen für die un- wahrhaftigen und unwürdigen Versprechungen zu- gänglich. Die Rechtsparteien versuchen noch von einer anderen Seite her die Frauen zu gewinnen. Sie versprechen eine Zukunft, in der die Mutterschaft wieder zu Ehren kommt und der Fluch der Ge- burtenregelung aufhören wird.(Sofern es sich natürlich um reinrassige Nachkommenschaft han- delt.) Auch dieses Versprechen lockt viele Frauen,' denn die unzulängliche, mit Gefahr für Leben und Gesundheit verbundene Geburtenregelung ist einer der wundesten Punkte im Leben der werk- tätigen Frau von heute. Als Köder dient auch die Versprechung, daß im Dritten Reich die Familie als heilige Ein- heit wieder zur Geltung kommt. Der Mann als Oberhaupt der Familie wird seine Autorität wieder gewinnen, und die familienfeindliche marxistische Ideologie werde verschwinden, denn sie habe systematisch die Familie zerstört. Auch die freie Liebesverbindung müsse auf- bören und als unmoralisch verworfen werden. Ein großer Teil der Frauen, die unter dem Zer- fall der heutigen Familie und der Verantwor- 9 Wcllgcschichic warnt £zne geschichtliche Svinnevung/ Von Carl"Peels Eine wesentliche Ausgabe der neudeutschen Baronsregierung, die, bar jeden Vertrauens des Volkes, eifrig bemüht ist, Deutschland kulturell um ein Jahrhundert zurückzuwerfen, ist die Unter- drückung aller Bewegungen, die das Volk innerlich frei zu machen bestrebt sind. All das und Aehnliches ist in der an politischem und kulturellem Rückschritt reichen Geschichte Preußen-Deutschlands schon dagewesen. Just vor 89 Jahren, als nach dem kurzen Bölkerfrühling die eisgraue Reaktion wieder stark wurde, setzte eine beispiellose Verfolgung der kulturellen Institute ein, weil sie darauf abzielten, die gebildeten und wohlhabenden Schichten für das materielle und flltliche Wohl der Minderbemittelten zu interessie- ren. Die reaktionäre Regierung des Grafen Brandenburg, eines der vielen unehelichen Kinder Friedrich Wilhelms lt., den Friedrich Wichelm IV. berufen hatte, jenes Barons- Ministerium der„rettenden Ta t", machte ganze Arbeit. Sie löste den Berliner Handwerkerverein auf, der als eine Schöpfung der Demokratie Lernbegierde und Bil- dungsdrang des Volkes pflegte. Sie verbot den Gefundheitspflegeverein, der mehr als 19 999 Mitglieder aus den arbeitenden Klassen zählte und lediglich sreie ärztliche Behandlung und Medizin'bot,„wegen verbrecherischer Tendenzen". Statt dessen förderte man die i n n e c e M i s s i o n, d. h. die Bekämpfung von Krankheit und Elend durch fromme Traktätchen und Pflege der Staats- gesinnung. Einsichtige Fabrikanten, sozialdenkende Aerzte und der Magistrat griffen bald helfend ein und schassten die Gelegenheit, daß beide Einrichtungen wenigstens später wieder entstehen konnten. szvmsiu jji ZzoqazT äia!9"Itz chnackjazzstnzg MI ergangen, weil man der polizeilichen Schließung gar nicht erst eine Anklage folgen ließ. Klar aber war die Tendenz jener Regierung, die sich nur auf die Autorität des g e i st e s k r a n k e n Königs stützte. Nicht minder systematisch verfolgte man die freireligiöse Bewegung, wies ihre Prediger aus löste Versammlungen auf, weil Frauen oder Jugendliche oder Lehrlinge daran teilnahmen, verbot Beitragszahlungen als„un- erlaubte Geldsammlungen"(indem man nie eine Erlaubnis erteilte), verbot die Verbreitung ihrer Schriften als unkonzesfionierten Buchhandel usw. Die Geistlichen forderten, daß man die Ehen der Dissidenten als Konkubinat be- handle, den Eltern ihre Kinder fortnehme und zwangsweise christlich erziehe. Die edle„Kreuz- Zeitung", heute wieder das Sprachrohr der auto- ritären Regierung, sorderte sogar, diejenigen Ge- richte in Anklage zu versetzen, die eine Ehescheidung aussprächen, weil sie„der Unzucht zu ihrem Lohn und zu einer bequemen Existenz verhelfen, den Bruch der Ehe gesetzlich sanktionieren und den Ge- schiedenen den Weg bahnen, den die heilige Schrift als einen ehebrecherischen brandmarkt." Man stellte auch die F r e i m a u r e r den Freidenkern gleich. Damals sprach der nachmalige König Wilhelm I. das bedeutsamste Wort aus:„es find nicht immer die besten Patrioten, welche am laute st en die Rückkehr zu alten Zuständen forder n", und die Geschichte hat gelehrt, daß es aus die Dauer nicht angeht, den angeblich gefährdeten Glauben zum Kampfruf der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Re- aktion zu machen. tungslosigkeit der Männer zu leiden haben, aber die Ursachen dieser Zerstörung nicht erkennen, wird auch dieser Phrase Glauben schenken. Wir leben noch nicht im Dritten Reich, aber das heutige Regime ist ideologisch sein Vorbote. Wie die Versprechungen eingehalten werden, können wir nur an nackten Tatsachen beweisen. Was das reaktionäre Regime heute macht, schlägt seiner Wortideologie geradezu ins Gesicht. Die letzte Notverordnung schuf die so- genannte Notgemeinschaft der Familie. Das be- deutet, daß die Familie als einheitliches Ganzes unterstützt wird Diese Bestimmung wirkt sich so aus, daß di-enFrau/'-die ja-heute viel cher.y�i!, etwas verdienen kann, jetzt die ganze Fa- milie ernähren muß. Sie muß von ihren paar Pfennigen, die sie als Aufwartefrau oder Heimarbeiterin verdient, für ihren Mann und- ihie erwachsenen Kinder sorgen. Ihnen wird glatt die Arbeitslosenunterstützung ent- zogen. Verdient eines der Kinder in der Familie, und ist es auch nur eine kleine siebzehnjährige Ver- käuferin mit ihren 79 M. Gehalt, so muß sie davon ihre Eltern und ihre Geschwister erhalten. So grotesk und lächerlich es klingt, so ist es trotz- dem wahr, daß kleineKinderin vielen Fällen die Ernährer Erwachsener sind, so zum Beispiel, wenn für sie Waisenrenten oder Pflege- gelder gezahlt werden. Das ist die Wahrheit! Solche Zustände wirken sich auf die ost schon und durch jahrelange Arbeitslosigkeit zerrüttete Fa- milie geradezu verheerend aus. Die Frau hörttatfächlich auf, Frauund Mutter zu sein Der Mann, das Oberhaupt der Fa- milie, verliert immer mehr durch seine Abhängig- keit von der Frau und den Kindern an A u t o r i- t ä t. Unter den Geschwistern herrscht meistens Unfrieden, Neid und Gehässigkeit. Die Folgen davon sind, daß die Eltern in ihrer Not die Kinder auf die Straße setzen oder daß die Kinder selbst fortgehen, aus der Straße verkommen, bestenfalls die Kasernen des freiwilligen Arbeitsdienstes dem unerquicklichen Zuhause vorziehen. So sieht in Wirklichkeit der Ausbau der durch marxistische Beeinflussung zerstörten Familie aus! Die Notverordnung schreckte auch nicht davor zurück, das„unsittliche und die Ehre der deutschen Frau schändende" freie Liebesverhältnis plötzlich als Ehe anzuerkennen, wenn es sich darum han- delte, die Unterstützungen zu kürzen, weil die Be- treffenden in einer„Wirtschaftsgemeinschaft" leben. Wenn es heißt, den Aermsten das letzte zu nehmen, dann hören plötzlich die moralischen Bedenken auf! Oder kann vielleicht heute nach dem brutalen Lohn- und Unterstützungsabbau eine Frau daran denken, Kinder in die Welt zu setzen? Jede Frau kennt genau die Antwort. Genügen nicht diese wenigen Beispiele, um zu beweisen, daß d i e Versprechungen schamlose Lügen sind? Und sehen denn die Frauen nicht, daß sogar die Erfüllung dieser Bersprechungen nur ein Zurückwerfen in die alte Unselbständigkeit und Sklaverei bedeutet? Die Reaktion nutzt die Not- läge der werktätigen Frauen heute zu Propa- gandazwecken aus, und deswegen heißt es, wach- ' s a m sein hinter allem Wortschwall die Wirk- l i ch k e i t, die ganz anders aussieht zu sehen und zu erkennen und bei der Wahl die Konsequenzen zu ziehen. Dr. Marie Faßbende». Um die Demokratie! Soll Deutschland eine Kaserne werden? Der Vahlkamps ist einer der entscheidensten in der neueren deutschen Geschichte. Es geht um nichts weniger als um die Entscheidung darüber, ob Deutschland ein demokratisch und parlamentarisch regiertes Land sein soll, oder ein Land, in dem die Mächte der Vergangenheit mit Hilfe einer ausgehaltenen uniformierten Snuppelgarde eine brutale Herrschaft über die Arbeiterschaft ausübt. Tic Zsrage steht auf Tcmokratie oder Faschismus! Wenn es um eine Jrogc von so entscheidender vedeulung geht, dann darf niemand beiseite stehen. jeder hat 3a oder Nein zu sagen. Auch der Sportler darf dort nicht sehten, wo um das Lebensschicksal seines Volkes gewürfelt wird. Und der Sportverband, der nicht den Mut findet, das seinen Mitgliedern zu sagen, handelt pflichtvergessen! wir Arbeitersportler stehen aus Sieten derer, die den Volksstaat verteidigen. Wir wehren uns gegen die Wiederauf- richtung des Herrenstaates, in dein uniformierte und bewaffnete Büttel das Bolk niederhalten wollen. Wir wollen keinen Staat, in dem die Arbeiter als Opfer der kapitalistischen Mihwirtschast in Kasernen gesteckt werden, um unbezahlten Frondienst zu leisten, wir Arbeitersportler, die wir einen groszen Teil der arbeitenden Zugend ver- treten, wehren uns gegen diesen Rückschritt in die Sklaverei, wir wollen den Staat vorwärts, nicht rückwärts entwickeln, wir wollen durch die Leibesübungen ein freies, menschenbewuhtes Geschlecht heranziehen, ein Geschlecht, das sähig ist. sich sein Schicksal selbst zu gestalten. Zn diesem wolle» wissen wir uns einig mit den Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei. Wir Arbeitersportler stehen mit ihnen zusammen in der(siscrnen Front, kämpfen mit ihnen Schulter an Schulter in einer Schicksalsgemeinschaft. Wir erheben unsere Stimme für die wahre, von keinem egoistischen Hintergedanken getrübte Einigung des Proletariats. Wir wollen um dieses köstliche Gut werben und die Zugend dafür begeistern. Alle Rot, die uns umgibt, wäre leicht zu tragen, wenn die Arbeiterklasse der vereinigten Reaktion in einem einigen Kampsblock geschlossen gegenüberstände. Die Einheitskampssront aller Arbeiter ist die Eiserne Front, hier findet jeder seinen Plah, der ernstlich für die Rechte des Volkes eintreten will. Morgen ist Abstimmungstag! Wahlrecht ist wahlpslich». deshalb, ihr Arbeitersportler. geht srühzeitig zur Wahl. Kein Zweifel besteht mehr. ihr habt zu wählen die Liste 2 nach einem pausenlosen Stand- und Bodenkampf mit einem Unentschieden. Anschliehende und vor- ausgehende Trainings- und Freundschaftskämpfe gaben so recht einen Einblick in das Schaffen des jüngsten Kreismeistervereins der durch gute Aus- bildung von Schülern, Jugendlichen und Mannern beste Wettkampfsportler hervorbringt und stets gern neue Mitstreiter ausnimmt und heranbildet. ZTS?.,»Cüitl Mitte. Montag, 7. Rovcmbrr. 20 Uhr, bei Arndt, Schrödcrstr. 2, Handballcrüttung. Jntrrrffenleii zur Vervollständigung der Mannsihaftcn sind als Gäste willkommen.— Zrcikörpertulturbczirl. Dienstag, 8. No- acmber, lO'i Uhr. Hauptversammlung in der Krciä- gcschäftsstelle. Elsässer«tr. 80. Benriatartell ZriedrichsHain. Montag, 7. November, 20 Uhr, Zkartcllslttung bei Gaul, Borhagencr Str. 114. Or- ganisationsausroins mitbringen. KPD. verpulvert Sportgelder „Rotsport" und der kommunistische Wahlfonds Die„roten" Sportler des kommunistischen Spalterladens sind zwar hundertprozentig linien- treu, aber sie haben doch noch so etwas wie kapita- listische oder doch wenigstens eigentumsrcchtlichc Anwandlungen. Die bei ihren Veranstaltungen erübrigten Gelder möchten sie doch nicht restlos an den Wahlsonds der Partei abführen. In diesem Falle versteht aber die Zentrale keinen Spaßi was sich ihr verschreibt, muß es mit Sack und Seele tun So hat sie vor kurzem einfach einen ansehnlichen Ueberschuß bei einer Veranstaltung der Sportler beschlagnahmt und ihn dem Wahl- fonds zugeführt. In einem anderen Fall soll der Stadtverordnete Kirsch einen Ueberschuß ohne Zustimmung der Sportler dem gleichen Zweck zu- geleitet haben. Wie es heißt, Hot die Partei große Forderungen an die Sportler, denn sie soll auch für das vor zwei Jahren in Erfurt beim Reichs- treffen gemachte Defizit von mehr als lOOVOO M. geradegestanden haben. Daß es„Rotsport" schlecht geht, ist ja bekannt. Nicht einmal die City-Druckerei wollte mehr Kre- dit geben, so daß sie bei einer bürgerlichen Druckerei um einen Kredit auf sechs Monate nachsuchen mußten. Wenn man freilich das Blatt der Vereinigung einsieht, dann könnte man zu der Ansicht kommen, daß es dort mit Riesenschritten vorwärts geht. Die Tatsachen reden freilich eine andere Sprache. Angesichts der Ruhmredigkeiten der kommu- niftischen Sportführer und ihrer Hetzereien gegen die Arbeitersportbewegung kann es einmal nicht schaden, auf die innere Fäulnis in dieser Be- wegung hinzuweisen. Es ist aber auch ein Anlaß, die Arbeitersportgenossen darauf aufmerksam zu machen, daß allein die Sozialdemokratie ihre wahre Jnteressenvertreterin ist, und daß sie morgen stimmen müssen für die Liste 2 Die Fliegerei Neue Flugweltrekorde Amerika, das Land mit der größten Luftflotte wie der größten Luftfahrt überhaupt, macht in den letzten Tagen durch wirklich sensationell wir- kende neue Flugweltrekorde von sich reden. Hierbei dominieren die Frauen. Von den Vertreterinnen des schwachen Geschlechts wurden Leistungen vollbracht, die sich in nichts von denen ihrer männlichen Konkurrenten unterscheiden, und wie sie in Europa völlig unbekannt sind. Es flogen Frau Louise Thaden und Frau Frances Marsalis auf einem Curtiß-Eindecker mit 2�0-?L>Motor ununterbrochen 8 Tage und 4 Stunden, wobei sie ihren Betriebsstoff im Fluge ergänzten. Ferner flog die bekannte Ozean- bezwingerin Miß Earhart auf einem Kockheed- Vega-Eindecker mit 45l)-I'8-Motor in ununter- brochenem Fluge von Los Angeles quer durch den amerikanischen Kontinent nach New Port, das sind rund 4<) Kilometer! Als schnellste Fliegerin der Welt präsentierte sich Frau May Haizlip, die auf einem Wodell-Williams-Eindecker mit S4l>-?5!-Motor beim diesjährigen Cleveländer Flugmeeting eine Geschwindigkeit von 405,92 Kilometer in der Stunde erreichte. Wirklich eine phan- tastisch« Schnelligkeit, wenn man in Betracht zieht, daß das schnellste Flugzeug beim diesjährigen Europaflug, der Heinkel-Eindecker. 241 Kilometer erreichte und das schnellste europäische Landslug- zeug überhaupt 323 Kilometer in der Stunde hat und ein Militärflugzeug ist. Der Welt- geschwindigkeitsrekord für Landflugzeuge an sich wurde von Doolittle, dem bekannten Rennflieger, ebenfalls jetzt in Cleveland auf 473,82 Kilo- meter in der Stunde heraufgeschraubt. Aber auch deutsche Erzeugnisse sind bei d.-r letzten Rekordliste vertreten. In der Klasse C der Wasserleichtflugzeuge stellten die Rumänen Pantazi und Grosca auf einem dort in Lizenz gebauten Messerschmitt-Eindecker mit Siemens- Sternmotor von 92 PS eine neue Höchstleistung mit einem Dauerflug von 12 Stunden auf. Was zu berichten ist Letzter I mn-Sonntag in Strausberg. Das Programm für diesen Tag ist besonders reich- haltig und umsaßt nicht weniger als neun Kon- kurrenzen. Einleitend kommt ein Damen-Rennen über 1800 Meter zum Austrag, für das die besten und bekanntesten Reiterinnen in den Sattel stet- gen. Beginn der Rennen um 13 U h r. Die Fotogemeinschast der Naturfreunde bietet Montag, 7. November. 20 Uhr, in der Johannis- straße 14/15 im Rahmen ihrer Johresausstellung einen Lichtbildervortrag über Tieraufnahmen. Die Photoausstellung ist täglich von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Funda-waidorn im Sechstogeseid. Der Sport- palast hat für das am 9. November beginnende Sechstagerennen nun auch dlc beliebten Funda und Maidorn verpflichtet. Rene Devos, der am Montag im Berliner Neue Welt-Ring mit dem deutschen Meister Erich Seelig in den Ring geht, ist von seinem Lands- mann Gustave Roth zum Kampf um die belgische Mittelgewichtsboxmeisterschaft herausgefordert war- den.— Walter N e u s e l ist bereits jetzt für einen Kampf mit dem Spanier Paolino ver- pflichtet worden. Das interessante Treffen soll am 21. Januar 1933 im Pariser Sportpalast stattfinden. Elas Thunberg wieder aktiv. Der nunmehr bereits im 40. Lebensjahr stehende finnische Welt- meister im Eisschnellauf, Elas Thunberg, wird auch in der kommenden Saison wieder mit dabei sein. Er hat bereits angekündigt, daß er die am 19. und 20. Februar in Trondheim stattfindende Weltmeisterschast bestimmt bestreiten wird. keine Hallenradrennen in Breslau. Der Rad- sportbetrieb auf der Winterbahn in der Breslauer Jahrhunderthalle wurde schon im letzten Teil der Wintersaison 1931/32 nur mit gewissen Schwierig- leiten aufrechterhalten. Inzwischen haben sich die wirtschaftlichen Verhältnisse noch verschlechtert, und da alle Verhandlungen, die mit den wenigen Interessenten geführt wurden, gescheitert sind, ist damit zu rechnen, daß während der Winter- saison 1932/33 der Radsportbetrieb in Schlesiens Hauptstadt ganz ruhen wird. Arbeiterringer werben Der Berliner Arbeitersportklub„Alt-Wedding8Z", Mitglied im Arbeiter-Athleten-Bund, veran- staltete am Freitagabend in seiner Trainings- Halle Utrechter Straße 31 einen recht gut besuchten Werbeabend im Ringen. Anfänger und Könner warben hier durch schöne flotte Kämpfe auf der Matte für ihren Sport. In dem Ringen Schlick- eisen-AW. gegen einen anderen Klublameraden wurde gleich ein schöner Kämpf gezeigt, den die flinken Bantamgewichte Loren.z-AW. gegen Kühl- räum fortsetzten. Auch die Mittelgewichte Schulze- AW. gegen Schüler NO. und die Halbschweren Grändorf-AW. gegen Walloschek-LF. trennten sich Rundfunk am Abend Sonnabend, 5. November Berlin; 16.03 Ordiesterkonzort. 17.00 \ls Einlage: Zehn Minuten Film. Ordie'-ter- konzert. 18.00 Deutsches Spradigut(11. F. Christians). 18.30 Violinmusik von F. Schubert. 18.35 Die Funkstumle teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 /ehu Minuten Sport(H. Gehm). 19.20 Für den Siedler und Kleingärtner (E. Hermes). 19.30 Mitteilungen des Arbeilsamtes. 19.35 Zur Unterhaltung(Schallpl.). 19.33 Ketzerei am Wochenende. Zur Unterhaltung. 20.30„Der Waffenschmied", Oper von A. Lortzing. Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königs Wusterhausen: 16.00 Warum im Herbst die Blätter fallen?(Dr. H. Welten). 16.30 Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30 Viertelstunde für die Gesundheit(Prof. Dr. D. Katz). 17.50 Literarische Visionen (Käte Graber). 18.03 Musikalische Wochen- schau(Dr. C. Wörner). 18.30 Deutsch für Deutsche(Dr. J. Günther) 18.53 Wetterbericht. 19.00 Französischer Sprachunterricht (Gertrud v. Eyseren. Lektor C. Grander). 19.40 Christus, die Sehnsucht und das Ärgernis der Menschheit(Pastor O. Riethmüller). 20.00 Aus Stuttgart: Südfunkmischung (Heilere Stunde). 21.00 Aus Köln; Die Schule der Welt(Berliner Komödie). 22.23 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Sonst: Berliner Programm. Sonntag, 6, November Berlin; 6.13 Flinkgymnastik. 6.33 Aus Hamburg; Frühkonzert. 8.00 Mitteilungen für den Landwirt. 8.55 Morgenfeier. 10.05\Vetter- vor hersage. 11.00 Junge Dichter: II. Eller- mann, W. Franck. A. Jnhre. 11.30 Reichs- sendung. Ans Leipzig: Bach-Kanlate. 12.00 Aus Flensburg; Mittagskonzert. 12.33 Kurzgeschichten(Maria Weillieder). Mittagskonzert. (4.00 Unsere Kinder im Kino(Elisabeth Mleinek). 15.00 Aus Stuttgart: Tempo— Tempo(Singspiel f. Kinder). 16.00 Orchesterkonzert. 18.00 Alltag der Weltgeschichte (F. Diesel). 18.13 Wiedffhnlnng: Unterhaltung auf mancherlei Art(Wachspl.). 19.00 Für alle deutschen Sender; Orchesterkonzert. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Unterhaltungsmusik. Während des Abendprogramms: Bekanntgabe der Wahlresultate. K ö n i gs w u s t e r h a u s e n: 11.00 W. G. Oschilewsld: Eigene Gedichte. 12.13 Aus Leipzig: Gustav-Adolf-Gedenkfeier in Lützen. 14.30 Kammermusik. 13.00 Stunde des Alters. 13.20 Zehn Minuten Lyrik. 13.30 Wandern und Sehen(W. v. Scholz). 18.00 Stunde des Landes. Sonst: Berliner Programm. Sonnabend, den 5. November staatsoper unter den Linden 20 Uhr Cavalleria ruslicana Bajazzi staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Gabriel Schillings Flucht Siüdi.Oper Charlotrenbure Fraunhofer 0231 Turnus III Sonnabend, 5. Nov. 20 Uhr Madame Butterffly Berger. Fidesser, Zador.Hüsch.Gom- bert,Kandl, Pechner Dirigent: Ladwig Das führende Vayie'tc j VOLKSBÜHNE Theater am BOIewpiatz O 1, Norden 2944. Täglich»Vi Uhr Cfl agUIV von Marcel Pagroi r MIT IM M Deutsch v.Bruno Frank Regie Heinz Hilpert. Dorsch, Tiedtke, Valetü, Siedel, Verhoeven, Stein, Almas BERNHARD' S Winterneuheiten muß jede Dame sehen! Mäntpl m. Pelzbesatz mdlllCI guteQualitäi. 59-, 39.75, 22.5«, 19.75 Mänfpl mit entzück. iilalllcl pelzkrawaite 49.75, 39—, 29.75, 22.50 If loidor in schönsten IVieiaer Macharten 26.50, 19.75, 12.75, 9.75 Herrliche Blusen und Pullover überaus billig W.Bernhard Ncm Belle-Alliance-Str. 105 u. 101 »v.uhr CflSIHO- THEATER � Ud. Lothringer Strafte 3 7. iiiiiiiiuiiiiimiiiiiiiiiiiinmimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiit Sonntags auch nachm. 4 Uhr DieLißbe blütit in Werder Berliner Volksstück in 4 Bildern mit Gesang und Tanz. Für die Leser Gutschein 1— 4 Personen Parken 0.50 M. Fauteuil 0.75 M., Sessel 1.25 M.. 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