Wählt Liste � SotzioldeuioUea�J SONDER. AUSGABE �Rebaftlon und Verlag, Derlm SW 68, Cinbenftt. 3 (Jernipredjetj Ol 7 Qlmi DSnhoN 702 d«S 707 $elegrammabref)«>©ojloIbemoJrol �Beclln BERLINER VOLKSBLATT GEATIS! 0n Groß» Berlin 10 Pf. Auswärts...... 15 Pf* ©cjugsbebingungeit und Anzeigenpreise siehe am Schluß des redaktionellen Teils Sentvalorgan der Gozialdemokraiifche« Partei Deutschtands llis lusiii'iisil im«' am Awiu SA.«berpuZscht KPD.! Die neue laktik des Faschismus vorgestern war in Verlin Verkehrsstreik, gestern war SA.-P u t s ch zur Verhinde- runz der Arbeitsaufnahme. Die SA. hat die Zührunz übernommen, sie hat die KPD überputscht. Der deutsche Faschismus will neue Wege wandeln. Seit aus seinem Geschäft mit den Baronen nichts geworden ist, ist er so ..arbeitersreundlich" geworden, daß die Arbeiter, wenn sie auf ihn hineinfallen, jahrzehntelang daran denken werden! E'ne- neue„proletarische Einheitsfront" wird sichtbar. Vraunjacken schmücken ihre Reihen. A d o l f h i t l e r ist ihr Führer. Diese proletarische Einheitsfront bringt bestimmt nicht die„Diktatur des Proletariats". Sie bringt höchstens die Diktatur der Bourgeoisie durch den Sieg des Faschismus. Die KPD. steht der nationalsozialistischen „Einheitsfront von unten" völlig ratlos gegenüber. Sie marschiert einfach mit. Die Parole lautet bis auf weiteres:„Umarmt die Faschisten, wo ihr sie tresstt" Der Bruderbund ist geschlossen. Der gemeinsame haß gegen die Sozialdemokratie. gegen die Gewerkschaften und gegen den „vorwärts" feiert Orgien. Slraßenred- ner schwärmen aus und predigen Vut und Geifer gegen die SPD. lZarum gegen sie? Siht sie in der Direktion der BVG.? Rein! Kein einziger der jetzt amtierenden Direktoren ist Sozialdemokrat! hat sie den Schiedsspruch gefällt, ihn für verbindlich erklärt? Rein, kein einziger Sozialdemokrat hat damit etwas zu tun gehabt! Befehligt sie die Polizei? Rein. Polizeipräsident ist bekanntlich der Vertrauensmann Dr. Bracht». Herr VI elcher. IDas wirft man der Sozialdemokratie vor? Daß sie die Löhne gesenkt hat? Aber das hat sie doch nicht getan! Umgekehrt wirft ihr die deutschnalionale Presse vor. daß sie früher die Löhne z u h o ch getrieben halte! Die Gewerkschaften haben alles getan, was sie konnten, um die Lohnminderung abzuwehren. es ist ihnen nicht ganz gelungen, weil die Gegenkräfte stärker waren. Run hat die SA. mit Unterstützung der KPD. die Führung übernommen. Sie verhindert bis auf weiteres das Ausfahren der wagen. Aber ob es ihr gelingen wird, die Aushebung des gefällten Schiedsspruches zu erzwingen. das ist eine ganz andere Frage. Plan tut der SA. bestimmt kein Unrecht. wenn man sagt, daß ihr der Schiedsspruch vollkommen gleichgültig ist. Für sie und ihre Partei geht es um etwas ganz andere», nämlich um den ZN a ch t k a m p f d e s F a f ch i s- mos. Zn diesem Machtkampf des Faschismus ist der Kleinkrieg, den die SA. mit der Polizei führt, ein taktischer Schachzug. weiter nichts. Die KPD. aber? Sie. die oft genug eine politische hilfslruppe der Razis gewesen ist, ist jetzt aus dem besten Wege, zu einer militärischen hilfstruppe der SA. herabzusinken. Arbeiter, hütet euch vor den„Arbeiter- freunden" im braunen Hemd! heule helfen sie euch streiken, morgen werden sie, wenn ihr ihnen folgt, eine Knechtschaft über euch bringen, die in der Geschichte ohne Beispiel ist! Augen auf! Zehl erst rech« am morgigen Wahlsonntag alle Stimmen der hüler n der volksfrciheit: der Sozialdemokratischen parleil GA.-VUM in Schömberg LarriKaden!— Polizei schießt— Verbrüderung zwischen Nazis und Kommunisten Die Berliner Straßen des S ii d e n s und Südwestens boten in den ersten Nachmittags- stunden ein außergewobnlich bewegtes Bild. Die Ankündigung der BVG., daß von 3 Uhr nach- mittags ab ein Teiloerkehr für Straßen- bahn und Autobusse ausgenommen wurde, hatten sich besonders in dem gestrigen U n- ruhezentrum Schöneberg National- sozialisten und Kommunisten zunutze gemacht und sich zu Tausenden auf den Straßen angesammelt. Auch am Halleschen Tor und in der Belle-AUiance-Strahe wogte ein dichtes Gedränge, doch herrschte hier das von der Arbeil heim- kehrende Publikum vor. Das Bild änderte sich schlagartig in der Schöneberger Hauptstraße. National- sozialisten und Kommunisten hielten hier diese starke Verkehrsader in dichter Masse besetzt Wiederholt versuchte die Polizei, zunächst ohne Zusammenstöße die Hauptstraße>u säubern und die Menge in die Seitenstraßen abzudrängen, jedoch bildeten sich immer wieder dichte Haufen, die aus das Erscheinen der ersten Wagen warteten. In der Hauptstraße, Ecke Eisenacher Straße, war vor dem Anrücken des starken Polizei- aufgebots>m Handumdrehen «ine varrikade in einer Länge von reichlich zehn Metern aus Pflastersteinen, Balken. Pslöcken und anderem Baumaterial entstanden, und die Schienen waren durch eingestreuten Kies unfahrbar gemacht. Unter polizeilicher Absperrung wurde ein Lastzug des Berliner Tiesbauamts herangeholt, dcsien Begleit- Mannschaft sich sofort unter dem Gejohle der Menge an das Freilegen der Strecke heranmachte. Während es bis K4 Uhr nur zu kleineren Plänkeleien und mehreren Verhaftungen von radaulustigen Jugendlichen gekommen war, er- eigneten sich bei der Anfahrt der ersten Verkehrs- sahrzeuge schwere Straßentumulte. Als der erste, noch völlig leere, Straßenbahnwagen nahte, erhob sich ein ohrenbetäubendes Pseisen und Johlen und nur mit Muhe konnte die ausgeregte Menge von der Polizei in Schach gehalten werden. Al» nach wenigen Minuten die nächsten Verkehrs- sahrzeuge an der von den Demonstranten besonders dicht besetzten Hauptstraße, Ecke Eisenacher Straße, vorbeikamen, zeigte es sich, daß hier unter nationalsozialistischer Leitung systematisch Tumulte erzeugt wurden. Als ein bereits halbbesetzter Wagen der Linie 4tt diese Straßenecke kreuzte, wurde er von einigen Dutzend nationalsozla- listischer Radsahrer und einer mehr- hundertköpsigen Menge unter dem Rufe„Streik- brecher" und„Herunter mit den Bluthunden" an- gegrifsen. Die Schupoeskorte aus dem Vorder- und Hinterperron zog die Pistolen und gab zu- nächst mehrere Schreckschüsse, daraus ein Dutzend scharfe Schüsse in die Menge ab, die schreiend auseinanderstov Viele warfen sich bei den ersten Schüssen aus den Damm und den Bürgersteig lang hin. Do zu gleicher Zeit die Fahrbahn freigegeben war und zahlreiche Autos in schneller Fahrt herankamen. gab es w ü st e P a n i k s z e n e n In das Ge- schrei der aujgeregten Menge und das Knallen der Schüsse mischte sich der Harle Laut kreischender Bremsen. Eine Frau wurde mit schwerem Ober- schenkelschuß m das nächstgelegene Kronkenhaus geschafft und ein gleichfalls niedergeschossener Mann von mehreren Tumultuanten in einen Hausflur geschleppt. In diesem Augenblick, als die Polizei, darunter auch die Besatzung eines heranrasenden Flitzers. nur aus den Schutz dieses angegrissenen Straßen- bohnwagens konzentriert war, kam aus der Gegenseite von der Rheinstrahe her der erste gleichfalls schon halbbesetzte Autobus der Linie 5. Als dieser Wagen sich in langsamer Fahrt näherte, kommandierte ein unisormierter SS.-wonn, der innerhalb einer dichten Gruppe von Rationalsozialisten stand:„Achtung, Zeuer!" und ein dichter Steinhagel, darunter eine Anzahl dicker Brocken, prasselte gegen den Autobus, dessen Scheiben in Trümmer gingen, während die Insassen sich zu Boden warsen oder zum Ausgang drängten. In den gleichen Augenblicken ersolgte ein neuer, organisierter Ueberfall der Nationalsozialisten. Wieder unter dem Kommando unisor» m i e r t e r SS.-L e u t e stürzte sich auf den Befehl:„Jetzt ran an die Rampe!" ein Rudel Nationalsozialisten aus den in der Hauptstraße noch haltenden Lastzug des Berliner Tiesbouamts und stürzte einen mit dem Material der abgeräumten Barrikade gefüllten Wagen unter den Zurufen der Menge um. Diese Tat der„ausbauwilligen Kräfte" des Herrn von Popen begeisterte die herumstehenden Kommunisten derart, daß ein wahlsondssammler der KPD. einen nationalsozialistischen Lüchjenjungen unterhakte und beide unter den veisallsrufen der Umstehenden im Takt ihre Lektelbüchsen schwangen mit dem Ruf:„Gebt für den wahlfonds!".., Dieser Verbrüderungsakt zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten blieb nicht der ein- zige seiner Art. So erschien in dem SA.-Lokal von Rothbart in der Urbanstraße 47 kurz vor 3 Uhr ein Mitglied der NGO. und forderte die anwesenden tS SA.-Leute aus, gemeinsam nach dem hermannplatz zu ziehen und„ein Ding zu drehen". Gestern noch„Braune Mordpest" hüben und „Rotes Untermenschentum" drüben! heute in treuester Bundcsgenossenschaft vereint! Welchem klastenbewußten Arbeiter sollte da nicht die Scham- röte ins Gesicht steigen! Massen im Gpoilpalast Beigeisterte Kundgebung von Zehntansenden für die Sozialdemokratie! Umheult von der Wut der neuen Eioheitssront von KPD. und Razis, veranstaltete die Sozialdemokratie am Zreitagabend außer sechs überfüllten Versammlungen ia verschiedenen Stadtteilen einen Massenaufmarsch im Sportpalast. Trotz des Verkehrsstreiks waren Zehnlausende von Wählern und Wählerinnen aus den fernsten Skadttellen verlins in den Sportpalast gewandert. um dorl für Freiheit. Demokratie und Sozialismus zu zeugen. Ze lauter der Haß- gesang der Irregeleiteten ihnen entgegenschallt. desto fester stehen ihre Reihen, um die Errungen- schaften der Republik gegen Faschisten und volsche- wisten. gegen die varone und ihre Helfershelfer zu verleidige«. Die Kundgebung im Sportpalast legte ein neues und herrliches Zeugnis ab von der Unbeirrbarkeit und Unüberwindlichkeit der sozialistischen Ueber- zengung. während draußen die Rotoerordnungs- jackcn Hitlers Arm In Arm mit den Kommunisten aus die Partei der Arbeit Pech und Schwefel herabwünschten. bekannten die vielen Tausende. die in der Kundgebung vereinig! waren, ihre Treue zur Sozialdemokratie und zu den Gewerk- ichasteu ia begeisterter Kampjcsslimmung. Die Abgeordneten Artur Erlspien und Toni Sender zeigten, von stürmischer Zustimmung osl unterbrochen, die Roiwendigkeil der demokratischen Selbstbestimmung In einem republi- konischen Deutschland. Der Kamps gegen die frei- herrliche Reaktion, die sich heute breit macht, muß naturgemäß ein Freiheitskampf gegen die freiwilligen Helfershelfer dieser Reaktion, gegen die Faschisten und Kommunisten sein. Ohne deren Zersplitterungsarbeit wäre ein auch nur vorübergehender Erfolg der varone nicht denkbar gewesen. Besonders deutlich machte das der Führer der österreichischen Tozialdemo- kratie, Otto Bauer, Wien, der in hinreißender Beweisführung darlegte, wie eng verknüpft das heutige Elend mit dem Welt- krieg und seine Auswirkungen ist. Wenn wir in Deutschland wie in Oesterreich 19Z8 nur die halbe Demokratie erringen konnten, so war es nicht die Schuld einzelner: „Wir standen in wirtschaftlicher Abhängigkeit vom kapitalistischen Ausland. Wir tonnten die Demokratie in Staat, Ländern und Gemeinden schassen, aber wir konnten sie nicht schassen in den Betrieben! Toren sind es, die da sagen, es gebe nur ein« Wahl zwischen der Demokratie und der Diktatur des Proletariats. Nein, es gibt nur eine Wahl zwischen der Demokratie und der Diktatur der Barone oder des Faschismus. Ihr werdet die Macht der Demokratie nicht in einem Wahlkampf wiedercrobern. Aber ihr werdet sie wiedererobern, wenn die Enttäuschung über die Miß- erfolge der Reaktion da ist. Weder wird eine altmodische Reaktion die Wirt- schast ankurbeln, noch auch wird dies eine neu- modische Reaktion mit faschistischer Diktatur können. Die Generalsdiktaturen haben in I u g o- s l a w i e n und Polen die Wirtschaftskrise nicht gebannt und in Italien hat das auch der Faschis- mus Mussolinis nicht vermocht. Die K r i s i s wurzelt im Wesen der kapital! st i» schen Wirtschaftsordnung.(Sehr richtig.) Nur eine Umwälzung dieser Ordnung kann die Ge- liesung und Lösung bringen.(Stürmischer Beifall.) Es gibt keinen Phrasensozialismus, sondern nur ganzen Sozialismus. Es gibt keinen anderen Ausweg und darum vorwärts zum Kampf um die ganze Demokratie!" Dieser Appell des österreichischen Sozia- listenführers löste einen begeisterten Widerhall aus. Er wird weiterwirken über die Massen vom Sportpalast hinaus und wird beitragen zum Siege des demo- kratischen Gedankens und des Sozialis- mus durch die Wahl der Liste 2! > Miiller-Löhne und Vapeu-Löhne k'olitisclier �nseliauunAsunterriclit an den Lohntüten Bolfchewistenschreck Ein unzeitgemäßes Plakat der Nazis Bei Goebbels hat die Regie nicht geklappt. Jetzt erscheint an den Anschlagsäulen ein Na�i- plakat, das offenbar vor Wochen vorbereitet worden ist, aber i» die heutige Situation paßt wie die Faust aufs Auge. Man sieht einen furch- teclich großen, barbarisch abstoßenden Rotgar- disten mit grinsender Totenkopffratze bildlich dar- gestellt, der nach der Beschriftung des Plakats etwa folgendes sagt:„Bravo, Herr von Papen, Sie geben mit Ihren Notverordnungen uns Bol- fchewisten die letzte Chance." Und darunter wird dann in großen Lettern beteuert:„Der einzige, der uns vor dem Bolschewismus rettet, ist Adolf Hitler." Den armen Nazispießern wind auch gar zu viel zugemutet. Gestern unterbreitete ihnen der„An- „Nu saZ mal, Maxe, wie is det nu: sind wir für oder gegen den Bolschewismus?" griff" mit lyrischem Schwung, daß die Nazi- straßenbahner Schulter an Schulter mit der heldenhaften kommunistischen R G O. in den Streik getreten sind, gestern tobte man sich im Verbrüderungsrausch der beiden rrrevolutionären Fronten aus, und heute wird wiederum treuherzig und bieder an den Anschlag- faulen versichert, daß Adolf Hitler der einzige wahre Bekämpfer des Bolschewismus sei. „Schulter, an Schulter mit der RGO. auf zum Vernichtungskampf gegen den Bolschewismus!" Wer lacht da? Wo war! ihr? An die Kommunisten und Nazis Nationalsozialisten und K o m m u- nisten schildern in beweglichen Worten das un» zweifelhaft große Elend des arbeitenden Volkes in Deutschland. Sie rufen zum Kampf für die bedrohten Freiheiten und gewerkschaftlichen Er- rungenschaften. Aber wo wart ihr, als sie errungen wurden? Ihr beide habt gegen die Weimarer versassung gcstimmi— was geht sie euch an? Ihr habt gegen das Detriebsrötegeseh gestimmt. Ihr habt die Arbeitslosenversicherung abgelehnt, habt ihr beide seht ein Recht darüber zu klagen, wenn sie abgebaut wird? Wenn es nach eurem Dillen gegangen wäre, wäre sie überhaup! nicht da. Wo wart ihr beide überhaupt für das deutsche Volk jemals da? Zeigt doch das Recht, das ihr dem deutschen Volke erkämpft habt! Legt doch die so- ziale Errungenschaft vor, die eurem Wirken enr- stammt! Wo wart ihr denn? Ihr wart nicht in den Mauselöchern. STber ihr wart immer nur die Hunde, die gekläfft haben, gleichgültig, ob die Arbeiterbewegung vorwärts schritt oder zurückging. Ja gewiß, wir sind auch ausgewichen und zurückgegangen— oft genug—, wenn die Kampflage uns nicht günstig genug schien, die angeborene Entscheidungsschlacht anzunehmen. Aber„die ganze Geschichte des Volichewismus vor und nach der Oktoberrevolution ist voll von .Fällen des Lavierens, Paktierens, der Kompro- misse mit anderen Parteien, darunter auch mit den bürgerlichen", sagt das nicht euer Lenin? Ihr Kommunisten und ihr Rationalsozialisten habt in eurer ganzen Parleigeschichte nicht die geringste positive Leistung für das deutsche Volk auszuweisen. Euer Stolz sind bestenfalls die Mitglieder- und Wahlziffern, die ihr durch wüste Demagogie für eure Partei und Diktaturidee zusammengetrom- melt habt. Aber erreicht habt ihr nur die Lahm- legung der Volksvertretung und di» Diktatur einiger eingebildeter Barone. Die Habenseite eurer politischen Bilanz ist leer. Die Sollseite, das Schuldenkonto, übervoll. Fort mit euch! Millionen verfluchen die privatkapitalistische Welt, die sie zum Müßiggang verurteilt. An den Stempelstellen spricht man mit bitterem Hohn von der Papen-Unterstützung und er- zählt von den Hermann-Müller-Löhnen der Jahre 1928 und 1929. Die„Alu" ist von wöchentlich 20 M. auf 9 M. geschrumpft, der tarif- liche Stundenlohn für den männlichen Facharbeiter von 197 Pf. auf zwei Drittel davon zusammen- gehauen— und dazu neben dem registrierten Arbeitslosenheer noch ein bis zwei Millionen „Unsichtbare". 1928 war nicht das Paradies, aber verglichen mit heute war es nicht die Hölle des Arbeiters, Angestellten und Beamten, nicht die jetzige Mittel- standsverzweiflung! Nicht jeder will es wahr haben, daß es soziale Errungenschaften gibt, die von der Sozialdemo- krati« und den Gewerkschaften Schritt für Schritt erkämpft wurden. Aber alle möchten die„Wüller-Löhne" und die „Wüller"-Unterstühungen gern wieder haben! Gewiß: auch zu den Zeiten der sozialdemo-- kratisch geführten Müller-Regierung sind niemand Schatze in den Schoß gefallen. Aber es wurde damals nach sechs Monat« langem hartem Kampf der sozialreaktionäre erste Angriff auf Leiswngs- abbau in der Arbeitslosenversicherung ab- geschlagen. Die Krisenfürsorge wuvd« ausgebaut, der soziale Angestelltenschutz wurde verbessert, für die älteren Angestellten wurde eine besondere Novelle geschaffen, die die Wartezeiten verkürzte und eine Herabsetzung der Altersgrenze durchführte. Der S- U h r- Ladenschluß am Weihnachtsabend wurde erzwungen. Aus Mitteln der Lohnsteuer wurde eine Erhöhung der Invalidenrenten und eine Verbesserung der Knnppschafts- Versicherung geschaffen. Die Unfall- Versicherung wurde erweitert. Der Schwangeren- und Wöchnerinnen- schütz wurde weiter ausgestattet. Das war sozialdemokratische Gegenwarts- arbeit, das waren soziale Errungenschaften, das waren „marxistische" Leistungen durch den Reichstag für das Volk! Damals hatten die Nazis, Kommunisten und Hugenberger im Reichstag zusammen weniger Stimmen als die Sozialdemokraten mit ihren 153 Mandaten. Im Zweitagereichstag von 1932 hatten allein schon die Nazis und die Kommunisten die absolute Mehrheit. Auf ihrem Rücken kletterten die Hugen- berger zur Macht. Die erste Papensche Finanznotverordnung vom 14. Zuni 1332 betastet die minderbemittelten Volksschichten mit 1500 Millionen Mark Unter- stühungskürzungen und neuen Steuern. Die zweite Papensche Notoerordnung kurbelt den Privatkapitalismus durch einen Steuerschein- regen von 1599 Millionen Mark an: dazu kom» men weitere 799 Millionen Mark Arbeiterkopf- Prämien. Das Geld wird aus den Steuereinnahmen von 1934 bis 1938 im„Vorgriff" genommen. Bedenkenlosigkeit ist keine Hexerei. In der wirtschaftlichen Krise sind die Kräfte der Reaktion gewachsen. Sie spiegeln sich protzig in dem sogenannten Siegeslauf der deutschen Unter- tanenbewegung, also der Nationalsozialisten und der Deutschnationalen und in dem Zuwachs der Kommunisten, die aus dem Unverstand der Massen ihr« Kräfte zogen. Auf der Lohntüte wird weltgeschlchke geschrieben und bei Wahlen werden die Kräfte des Volkes gemessen. Wären wir Demagogen, so würden wir sagen: Wählt Sozialdemokraten, dann kehren die Mllller-Löhne zurück. Nein: Wa» verloren wurde, kehrt nicht so einfach durch Abgab« eines Stimmzettels wieder! Es muß neu erkämpft werden. Die gleichen Opfer wie damals und mehr werden nötig sein, um auch nur die Plattform des sozialistischen Befreiungskampfes, di« politisch« Demokratie, die gesetzgebend« Gewalt des Volkes zurückzugewinnen. Wir rufen zum Kampfe! Di» Reaktion muß geschlagen w«rd«n. Unser Kampf geht mit der sozialistischen Erkenntnis gegen Dummhelt, Verleumdung und Verzweiflung, und mit dem sozialistischen Programm gegen die privatkapitalistische Krise. Da, Ist der Sinn des 6. November! Pichtig, aber nun lernt endlich daraus! Brot wird teurer! Der Reichsminister für Ernährung und Land- wirlschast ist vom Reichskab'nett ermächtigt und In den Stand geseht worden, mit beträchtlich verstärkten Mitteln und über den laufen- den Bedarf an Eosin-Roggen hinaus Roggen für längere Zeit aus dem Markt zu nehmen und dadurch einen Ausgleich zwischen Angebot und Rachsrage auf angemessene preishöhe zu schassen. Das Entsprechende ist für Weizen geschehen. Die Auskauftätigkeit wird in dem durch die natürliche Marktlage jeweils bedingten Ausmaß lang andauernd betrie- ben werden. Die bisher von der Landwirtschaft geübte Verkaufsdisziplin kann demnach mit voller Berechtigung durchgehalten werden. Antwort: I-ists 2 Sozialdemokraten! Thomas Mann für Sozialismus Kiare Rechnung Bekenntnis vor den Wiener Arbeitern In Wien sprach jüngst der deutsche Dichter Thomas Mann vor sozialdemokratischen Ar- heitern. Er erklärte: Es geschieht zum ersten Male, daß ich, der bür- gerlich geborene Schriftsteller, vor einem sozial- demokratischen A r b e i t e r p u b l i k u m spreche. Ich empfinde das als epochemachend für mein ganzes Leben. Meine Ausführungen sollen nichts anderes sein als ein Bekenntnis der Sympathie für Ihre sozialistische Sache. Mann erklärte dann weiter in seiner Rede: Der große Gegner des Sozialismus ist der Nationalismus. Er operiert mit dem Be- griff Vaterland. Gewiß fesseln uns enge Bande an die Erde unseres Ursprungs. Aber diese Bc- Ziehung zum Nationalen hat nichts zu tun mit der großen, als Rückschlag auf die liberalen Ideen des neunzehnten Jahrhunderts geistesgeschichtlich erklärbare Bewegung, die die Gewalt gegen die Freiheit und die Demokratie ausspielt. Diese Bewegung ist der Dien st am Falschen u n d L e b e n s w i d r t g e n. Sie ist eine ab- scheuliche Mischung von Revolution und Reaktion, roher romantischer Dienst am Vergangenen, der sich jugendlich gibt und Errungenschaften für nich- tig erklärt, die mit der Taffache Mensch unlösbar verbunden sind. Große Teile der Jugend sind stim- mungsmäßig bereit, diese verantwortungslosen und menschenfeindlichen Gedanken anzunehmen. Aber ohne den sittlichen Inhalt des Wortes Freiheit ljt der Mensch nicht Mensch. Sozialismus ist nichts anderes als der Pflicht- gemäße Entschluß, den Kopf nicht mehr vor den dringendsten Bedürfnissen und Forderungen zu verstecken, sondern sich auf die Seite derer zu schlagen, die der Erde einen Menschensinn geben wollen. Der geistige Mensch muß sich sagen, daß es in den wichtigsten Staaten Europas besser stünde, wenn in ihnen statt der bürgerlichen oder feudalen Regierungen Arbeiterregierungen am Ruder wären, daß dann ein gute» Stück auf dem Wege der Ordnung. Vernunft und Gesundung vorgeschritten werde. Das erste Bekenntnis des großen deuffchen Dich- ters zur Sozialdemokratie wurde von den Wiener Arbeitern, die in gewaltigen Massen zu seinem Bortrag gekommen waren, mit jubelndem Beifall aufgenommen. Bilanz des Herrenklubs 8!« haben cisn Staat zu einer Wohlfahrtsanstalt zu machen versucht... Rapens Regierungserklärung Die Regierung gibt Dem Grundbesitz(landwirffchafllich, hauptsächlich dem Großgrundbesitz) durch Zinssubvention...... Der Schwerindustrie durch Senkung der Aufbringungsumlage...... Herrn Flick Aktien abgekauft für... Den Treibstoffproduzenten durch Steuer- erlaß............ Den landwirtschaftlichen Spritbrennereien durch den Beimischungszwang... Den Schifsahrtsgesellschaften an Abwrack- Prämien........... Dem hausbesih durch Subvention, siehe Reparaturen......... Allen besitzenden Schichten durch Ausgabe der Steuergutscheine....... Den Unternehmern an Subventionen durch Lohnprämien....... Entschuldung der landwirtschaftlichen Genossenschaften........ nimmt Bon den Arbeitslosen durch Kürzung der Arbeitslosen-, Krisen- und Wohlfahrts Unterstützung......... ca. 479 Von den Rentenempfängern durch Kür- zung der Invaliden-, Angestellten-, Unfall- und bestimmter Kriegsrenten. ca. 239 Von den Arbeitern, Angestellten und Be- amten durch Erhebung der Beschäf- tigtensteuer an Stelle der Krisensteuer ca. 299 Von den Kleingewerbetreibenden durch Heranziehung zur Umsatzsteuer... Von den breiten Massen durch Ein- sührung der Salzsteuer...... durch Erhöhung des Heringszolls.. Millionen Marl ca. 129 ca. ca. "cö" 1110 60 30 Und weitere Hunderte von Millionen durch die Agrarpolitik und durch den nolverordneten Lohnabbau. mit den Wohltätern für die Reichen! Wählt sozialdemokratisch! Wählt die Liste Wer weiß, wieviel das gibt? TunX J-20 itponJne tk. 9 OJtfjD-rfiqtOidnilL. Verantwortlich: Rudolf Brendemühl, Berlin.— Druck und Verlag: Vorwärts-Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin SW68, Lindenstr. 3.