SONDER' AUSGABE Redaktion und Rerlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Strnspr-ch«! A7«ml Dönhoff AI dl» Zg7 T«l«gc-mm»br«s,'ei Sozialdkmotral Btrlt» e e n l.i n e n vol.icsvi.�r? GEATIS! 0n Groß- Berlin 1l) Pf. Auswärts...... 15 Pf- Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise stehe am Schluß des redaktionellen Teils Aentealovsan der Gozßaldemokeatifchen Vartei Deutschlands Warum wieder wählen? Line k'r�s in letzter Ltuncie— un6 unsere Antwort Wählerinnen und Wähler, wann wollt ihr endlich alle begreifen, um was es geht! Ihr feid verdrossen, daß immerzu neu gewählt werden muß! Ihr seht mit Erbitterung, mit Verzweiflung, wie alles drüber und drunter geht, wie die Wirtschaft schrumpft» die Arbeitslosenzahl wächst, Löhne und Unter- stützungen sinken! Viele von euch wolle» aber noch immer nicht einsehen, daß sie selber zu dieser unseligen Entwicklung beigetragen haben durch die Unterstützung von Parteien, die das Volk ins Unglück führen! Die Deutschnationalen sind heute die eigentliche Regierungspartei. Sie unter- stützen offen die Regierung der Barone, den Kurs der sozialen Reaktion, des drohenden Wahlrechtsraubs und des Monarchismus. Ja sie spielen selbst dieser Regierung gegenüber noch den Scharfmacher, sie treiben zur inneren Katastrophe. Die Nationalsoziali st en waren bis vor wenigen Monaten mit den Deutsch- nationalen in der Harzburger Front ver- bündet. Auf ihrem breiten Rücken sind, nach dem Geständnis Dr. Josef Goebbels, die Barone in die Aemter hinaufgeklettert. Die Nazis mögen heute noch so laut zetern und toben: sie tragen die Verantwortung dafür, daß heute wieder die soziale Reaktion regiert. Die Nazis nennen sich vor den Arbeitern Sozialisten. Den Arbeitgebern gegen- über sind sie begeisterte Anhänger der kapitalistischen Prioatwirt- s ch a f t. Sie versprechen den Arbeitern Arbeit, den Landwirten aber versprechen sie ein« Absperrungspolitik, die alle Ausfuhr und damit die noch bestehenden Arbeitsgelegenheiten vernichtet. Den kleinen Geschäftsleuten versprechen sie Hilfe und arbeiten mit ihren.,Aularkie""-Plänen an der völligen Zerstörung des Geschäftslebens. Den Arbeitern oersprechen sie hohe Löhne und den Unternehmern billige Arbeitskräfte. Muß ein Land, in dem für ewe solche Partei des Volksbetrugs 14 Millionen Stim- men abgegeben wurden, nicht durch und durch trank sein? Die Kommunisten wollen nach der feierlichen Erklärung ihrer Zentralinstanzen auch diesmal„den H a u p t s ch l a g g e g e n die Sozialdemokratie" führen. Sie haben keine Zeit, gegen die Reaktion zu kämpfen, der Bruderstreit innerhalb des Pro- letariats ist ihnen wichtiger! Sie kämpfen gegen die Sozialdemokratie mit ähnlichen Argumenten wie die regierenden Barone und die Faschisten Sie wollen, wie sie sagen. ,chie proletarische Einheitsfront"— aber sie wollen sie nur auf die Weise, daß sich die sozialdemokratischen Arbeiter den häusig wechselnden Führern der KPD. blindlings unterordnen. Das aber werden die sozial- demokratischen Arbeiter niemals tun. Wir fragen die Kommunisten: Wie lange soll das Proletariat auf eure„Einheitsfront" warten? Wir brauchen doch die Ein- heitsfront jetzt zum Kampf gegen die Reaktion! Die Einheitsfront gegxn die Reaktion, das ist die Eiserne Front der Sozialdemokratie, der Gewerkschaften, des Reichsbanners, der Arbeitersportverbände. Wer gegen die Re- aktion kämpfen will, muß sich der Eisernen Front anschließen. Wir Sozialdemokraten sagen nicht, daß wir unfehlbar sind. Im Gegenteil, wir suchen immer unsere eigenen Fehler aufzu- spüren, um aus ihnen zu lernen. W i r f i n d die einzige Partei der offenen Selbstkritik! Wir Sozialdemokraten aber sagen: In dieser Zeit, in der die Barone die Demo- kratie mitsamt allen Volksrechten vernichten wollen, ist es ein Wahnsinn, Parteien zu wählen, die. wie die D e u t s ch n a t i o- nalen, die Kommunisten und die Nazionalsozialisten, gleichfalls die Demokratie zerstören wollen. Eine Volksver- tretung, in der diese Feinde der Demokratie die Mehrheit haben, kann nichts anderes sein als ein politisches Affentheater, eine elende, ohnmächtige Schwatzbude, ein Spielball in den Händen der Reaktion. Wir Sozialdemokraten sagen nicht, daß wir unfehlbar sind. Aber wir sagen mit vollem Recht: Alles, was gut gemacht wurde, ist von uns und m i t uns gemacht worden. Die Republik, das gleiche Recht für alle Volksgenossen, jede Art des Schutzes der Arbeitskraft ist von uns errungen und erkämpft. Und alles, was wieder verloren- gegangen ist, ist verloren gegangen durch die kapitalistische Mißwirtschaft und durch den Wahnsinn der Wähler, die gegen die Sozial- demokratie und damit gegen sich selber wählen! Wer deutschnational, nationalsozialistisch oder kommunistisch wählt, der wählt gegen Vernunft, Recht und Freiheit! Wählerinnen und Wähler! Reißt euch los von Parteien, die nur brüllen und zerstören, aber nichts schaffen können. Kämpft mit uns gegen den Wahnsinn der kapitalistischen Ge- sellschaftsordnung, für den Sozialismus! Schleudert die regierende Reaktion ins Nichts zurück durch ein mutiges Bekenntnis zur Sozialdemokratie! kommt zu uns! Stimmt jehl alle für Lifte 2 Sozialdemokraten! Mitglieder der Gewerkschaften! Am 6. November werdet Ihr Euer höchstes Staatsbürgerrecht ausüben. Dieses Recht ist in Gefahr. Wenn die Reaktion siegt, kann es das letzte Mal sein, daß ein neuer Reichstag nach dem freien Wahlrecht gewählt wird, das die sozialdemokratische Arbeiterbewegung nach dem Sturz des alten Kaiserstaates für sich und das deutsche Volk errungen hat. Der Ausfall dieser Wahl wird es entscheiden. Arbeiter und Arbeiterinnen! Ihr habt Jahrzehnte einer harten polltischen Schule hinter Euch. Ihr werdet mit klarem Blick die ungeheuren Gefahren erkennen, die steh hinter den staatspolitischen Plänen der jetzigen Regierung verbergen. Eure Frelheitsrechto, in einer langen ruhmreichen Geschichte erkämpft, sind aufs äußerste bedroht. Eurer Kampf um die polltische Macht Ist In ein entscheidendes Stadium getreten. Die politische Macht der Arbeiterklasse ist der Schlüssel zum Umbau der Wlrltchaft, wie die Gewerkschaften ihn fordern. Ein freiet Deutschland kann nur ein tozialistischet Deutschland sein. Die Souveränität des deutschen Volkes unter den Weltmächten hat zur Voraussetzung, daß das Volk auch über sein innenpolitisches Schicksal souverän entscheidet. Kein Volk ist frei, dessen Arbeiterschaft zur Unfreiheit, zur Hörigkeit verdammt ist. Kämpft für Eure Freiheifl Zeigt allen Gegnern am 6. November, daß Euer Wille zur politischen Macht ungebrochen ist. Gebt Eure Stimmen der politischen Partei, die allein die Rechte und die Freiheit der Arbeiter und Arbeiterinnen wahrhaft vertritt Alle Stimmen für die Sozialdemokratie! Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes Eine Frau mahnt: Verteidigt euer Becht! Der Reichsinnenminister Freiherr v. G a y l hat den Wahlkampf benutzt, um einigen Millionen Wählern anzukündigen, daß sie nach seinem Willen am 6. November zum letztenmal an die Wahlurne gehen, daß sie fortab als Staatsbürger zweiter Klasse behandelt werden sollen. Das aktive und passive Wahlrecht soll u m f ü n f I a h r e. d. h. das Wahlrecht auf das 25. Jahr herausgesetzt, die Zugendlichen sollen des Wahlrecht» beraub« werden. Nach der Volkszählung im Jahre 1925 standen 5,1 Millionen Menschen im Alter zwischen 20 und 25 Jahren, inzwischen hat ihre Zahl sich er- höht. Gegen diese Jugendlichen richtete sich in den letzten Jahren der Hauptschlag der Wirtschaft- lichen und politischen Krise. Keine Altersschicht wurde unbarmherziger von der Geißel der Ar- beitslosigkeit betroffen als die 1% Millionen ju- gsndlicher Erwerbsloser. Herr v. Gayl, sind diese Menschen, die„reif" genug sind, alle körperlichen und seelischen Qualen, die dieses System ihnen bereitst, zu ertragen, nicht „reif" genug, um eine Aenderung ihres Schicksals selbst mit in die Hand zu nehmen? Wir verstehen sehr wohl den Sinn Ihres Planes, Herr Minister: Sie fürchten, daß die um ihr- Jugend betrogene Generation, die in ihrer Verblendung in den letzten Jahren den gewissenlosen Versprechungen der Nazis zum Opfer gefallen ist, jetzt erwachen und sich in Massen den Linksparteien zuwenden werde. Das wollen Sie verhindern! „Abwegig" sei der Gedanke, erklärte Herr v. Gayl, daß die Regierung eine Aufhebung des allgemeinen, gleichen, direkten Wahlrechts und die Einführung eines Zensus plane. Was aber ist es anderes, wenn die Einführung einer„Zusatz- stimme" für die selbständigen Familienernährer und die Kriegsteilnehmer angekündigt wird? Kriegsteilnehmer— nicht wahr, Herr Minister, das sind nur die Männer? Kriegsteilnehmer— das ist Herr Frick, der sich in Pirmasens von 1914 bis 1918 auf Druckposten befand, das sind die Taufende von Helden seiner Art? Kriegsteilnehmer— das find ober nicht die lausende von Frauen, die während des Krieges in den Munitions- und chemischen Fabriken gestanden haben, die mit abgerissenen Gliedern, von Gasen und Sauren zerfressenen Lungen, mit für immer zer- rütteten Nerven aus dem Kriege heimgekehrt sind? Kriegsteilnehmer— das sind nicht die Witwen und Waisen, die Mann, Sohn, Vater und Ernährer aus dem „Felde der Ehre" verloren haben? Für sie gibt es keine Zusatzstimme, für sie gilt der„Dank des Vaterlandes", von dem Sie, Herr Minister, ge- sprachen haben, nicht? Ihnen allen wäre mit einem Dank, der ihre kümmerlichen Renten- Pfennige nicht immer weiter kürzte, allerdings weit mehr gedient! Selbständige Familienernährer— das sind wohl nur die Männer? Und für Gewährung von Zu» satzstimmen kommen nicht in Betracht die jungen Arbeiterinnen, von denen nach einer kürzlich erfolgten Umfrage des Bundes deutscher Frauenvereine 89 Prozent ihr gesamtes Einkommen dem elterlichen Haus- halt abliefern: nicht die jugendlichen Angestellten, von denen rund die Hälfte keinen Pfennig ihres Einkommens behält, das unentbehrlich ist zur Aufrechterhaltung der Existenz ihrer Familien? Selbständige Familienernährer sind auch nicht die Millionen Frauen, die durch Waschen. Aufwartun- gen usw. beitragen zum Familienhaushalt, der ohne ihr Mitverdienen nicht bestehen könnte, ganz zu schweigen von den Millionen, die als„mit- helfende Familienangehörige" schwerste Männer- arbeit in der Landwirtschaft verrichten müssen. Sie alle erhalten nach dem„gerechten" Wahl- recht, das Herr v. Gayl plant, minderes Recht Daß mit 2 Millionen Frauenstimmen, die in Deutschland mehr vorhanden sind als Männer- stimmen, die Entscheidung in der Hand der Frauen liegt— das ist es, was Herrn v. Gayl beunruhigt Cr befürchtet— und wir hoffen, mit Recht—, daß in Zukunft auch die Frauen er- kennen, daß ihre Rechte weder bei den Rechts- Parteien noch bei dem Zentrum gut aufgehoben sind, daß sie sich immer mehr der einzigen Partei zuwenden werden, die wirklich für das Recht der arbeitenden Frau kämpft, der Sozialdemo- kratie. Darum soll der Einfluß der Frauen im politischen Leben herabgemindert, soll den Männern die Uebermacht, die sie zahlenmäßig nicht haben, durch eine Aenderung des Wahlrecht» gegeben werden. Es ist gut, daß Herr v. Gayl mit diesem Plan jetzt herausgerückt ist Denn noch ist es nicht zu spät! Noch ist es Zeit, sich gegen diese Pläne zur Wehr zu setzen. Zum letztenmal vielleicht! Jugendliche und Frauen, die sich nicht das Recht nehmen lassen wollen, mitzuwirken am politischen Leben, benutzen das Recht, das ihnen heute noch verblieben ist: sie stimmen am S. Nov«mb«r gegen die Regierung der Barone, die sie ver» Iklaoen will, für die Liste 2 der sozialdemokratischen parte! Deutschlands. �lstkilä«"Wurm. Sozialistische Ordnung? Ja! Kapitalisten-Unordnung? Nein! Arbeit und Brot! Liste 2, Sozialdemokraten! Müller Löhne und Vapen-Löhue politischer Anschauungsunterricht an den Lohntüten Bolschewistenschreck Ein unzeitgemäßes Plakat der Nazis Bei Goebbels hat die Regie nicht geklappt. Jetzt erscheint an den Anschlagsäulen ein Nazi Plakat, das offenbar vor Wochen vorbereitet morden ist, aber in die heutige Situation patzt wie die Faust aufs Auge. Man sieht einen furch- terlich großen, barbarisch abstoßenden Rotgar- disten mit grinsender Totenkopffratze bildlich dar gestellt, der nach der Beschriftung des Plakats etwa folgendes sagt'„Bravo, Herr von Papen, Sie geben mit Ihren Nvlverordnungen uns Bol- schewiften die letzte Chance." Und darunter wird dann in großen Lettern beteuert:„Der einzige, der uns vor dem Bolschewismus rettet, ist Adolf Hitler." Den armen Razispictzern wird auch gar zu viel zugemutet. Gestern unterbreitete ihnen der„An- „Nu sajJ mal, Maxe, wie is det nu; sind wir für oder gegen den Bolschewismus?" griff" mit lyrischem Schwung, daß die Nazi- straßenbahner Schulter an Schulter mit der heldenhaften kommunistischen R G O. in den Streik getreten sind, gestern tobte man sich im Verbrüderungsrausch der beiden rrrevolutionären Fronten aus, und heute wird wiederum treuherzig und bieder an den Anschlag- säulen versichert, daß Adolf Hitler der einzige wahre Bekämpfer des Bolschewismus fei. „Schulter an Schulter mit der RGO. auf zum Bernichtungstampf gegen den Bolschewismus!" Wer lacht Sa? Wo wart ihr? /in die Kommunisten und Nazis Nationalsozialisten und K o m m u- nisten schildern in beweglichen Worten das un- zweifelhaft große Elend des arbeitenden Volkes in Deutschland. Sie rufen zum Kampf für die bedrohten Freiheiten und gewerkschaftlichen Er- rungenschaften. Aber wo wart ihr. als sie errungen wurden? Zhr beide habt gegen die Weimarer Verfassung gestimmi— was geht sie euch an? Ihr habt gegen das Vetriebsrätegeseh gestimmt. Ihr habt die Arbeitslosenversicherung abgelehnt, habt ihr beide seht ein Recht darüber zu klagen, wenn sie abgebaut wird? wenn es nach eurem willen gegangen wäre, wäre sie überhaupt nicht da. Wo wart ihr beide überhaupt für das deutsche Volk jemals da? Zeigt doch das Recht, das ihr dem deutschen Volke erkämpft habt! Legt doch die so- ziale Errungenschaft vor, die eurem Wirken ent- stammt! Wo wart ihr denn? Ihr wart nicht in den Mauselöchern. Aber ihr wart immer nur die Hunde, die gekläfft haben, gleichgültig, ob die Arbeiterbewegung vorwärts schritt oder zurückging. Ja gewiß, wir sind auch ausgewichen und zurückgegangen— oft genug—, wenn die Kampflage uns nicht günstig genug schien, die angebotene Entscheidungsschlacht anzunehmen. Aber„die ganze Geschichte des Bolschewismus vor und nach der Oktoberrevolution ist voll von Fällen des Lavicrens, Paktierens, der Kompro- misse mit anderen Parteien, darunter auch nnt den bürgerlichen", sagt das nicht euer Lenin? Ihr Kommunisten und ihr Nationalsozialisten habt in eurer ganzen parteigeschichte nicht die geringste positive Leistung für das deutsche Volk aufzuweisen. Euer Stolz sind bestenfalls die Mitglieder- und Wahlziffern, die ihr durch wüste Demagogie für eure Partei und Diktaturidee zufammengelrom- melt habt. Aber erreicht habt ihr nur die Lahm- legung der Volksvertretung und die Diktatur einiger eingebildeter Barone. Die Habenseite eurer politischen Bilanz ist leer. Die Sollseite. das Schuldenkonto, übervoll. Fort mit euch! Millionen verfluchen die privarkapitaliftischc Welt, die sie zum Müßiggang verurteilt. An den Stempelstellen sprich! man mit bitterem Hohn »011 der Papen-Unterstützung und er- zählt von den Hermann-Müller-Löbnen der Jahre 19Z8 und 192N. Die„Alu" ist von wöchentlich 20 M. auf g M. cjcschrumpst, der tarifliche Stundenlohn für den mannlichen Facharbeiter von 107 Pf. auf zwei Drittel davon zusammen- gehauen— und dazu neben dem registrierten Arbeitslosenheer noch ein bis zwei Millionen „Unsichtbare". 1928 war nicht das Paradies, aber verglichen mit heute war es nicht die Hölle des Arbeiters, Augestellten und Beamten, nicht die jetzige Mittel- standsoerzweiflung! Nicht jeder will es wahr haben, daß es soziale Errungenschaften gibt, die von der Sozialdemo- kratie und den Gewerkschaften Schritt für Schritt erkämpft wurden. Aber alle möchte» die„Müller-Löhne" und die „Müller�-Anterstühungen gern wieder haben! Gewiß: auch zu den Zeiten der sozialdemo- kraliich geführten Müllcr-Regierung sind niemand Schütze in den Schoß gefallen. Aber es wurde damals nach sechs Monate langem hartem Kampf der sozialreaktionäre erste Angriff auf Leiswngs- abbau in der Arbeitslosenversicherung ab« geschlagen. Die Krisenfürsorge wurde ausgebaut, der soziale Angestelltenschutz wurde verbessert, für die älteren Angestellten wurde eine besondere Novelle geschahen, die die Wartezeilen verkürzle und«ine Herabsetzung der Altersgrenze durchrührte. Der Z- U b r- Ladenichluß am Weihnachtsabend wurde erzwungen. Aus Mitteln der Lohnsteuer wurde eine Erhöhung der Invalidenrenten und eine Verbesserung der Knappschafts- Versicherung geschaffen. Die Unfall- Versicherung wurde erweitert. Der Schwangeren- und Wöchnerinnen- i ch u tz wurde weiter ausgestattet. Das war sozialdemokratische Gegenwarts- orbeit, das waren soziale Errungenschaften, das waren „marxistische" Leistungen durch den Reichstag für das Volk! Damals hatten die Nazis, Kommunisten und Hugenberger im Reichstag zusammen weniger Stimmen als die Sozialdemokraten mit ihren 133 Mandaten. Im Zweitogereichstag von 1932 hatten allein schon die Nazis und die Kommunisten die absolute Mehrheit. Auf ihrem Rücken kletterten die Hugen- berger zur Macht. Die erste Papenschc Finanznotverordnung vom 14. Juni 1932 belastet die minderbemittelten Volksschichten mit 1500 Millionen Mark Unter- stützungikürzungen und neuen Steuern. Die zweite Papensche Notverordnung kurbelt den Privatkapitalismus durch einen Steuer: chein- regen von 1309 Millionen Mark an: dazu kom« wen weitere 799 Millionen Mark Zlrbeiterkopk- Prämien. Das Geld wird aus den Steuereinnahmen von 1934 bis 1938 im„Borgriif" genommen. Bedenkenlosigkeit ist keine Hererei. In der wirtschaftlichen Krise sind die Kräfte der Reaktion gewachsen. Sie spiegeln sich protzig in dem sogenamiten Siegeslauf der deutschen Unter- tanenbewegung, also der Nationalsozialisten und der Deutschnationalen und in dem Zuwachs der Kommunisten, die aus dem Unverstand der Massen ihre Kräfte zogen. Aus der Lohntüte wird Weltgeschichte geschrieben und bei Wahlen werden die Kräfte des Volkes gemessen. Wären wir Demagogen, so würden wir sagen: Wählt Sozialdemokraten, dann kehren die Müller-Löhne zurück. Rein: Was verloren wurde, kehrt nicht so einfach durch Abgab« eines Stimmzettels wieder! Es mutz neu erkämpft werden. Die gleichen Opfer wie damals und mehr werden nötig sein, um auch nur die Plattform des sozialistischen Befreiungskampfes, die politisch« Demokratie, die geseggebende Gewalt des Volkes zurückzugewinnen. Wir rufen zum Kampfe! Di« Reaktion muß geschlagen werden. Unser Kamps geht mit der sozialistischen Erkenntnis gegen Dummheit, Verleumdung und Verzweiflung, und mit dem sozialistischen Programm gegen die privalkapilalistische Krise. Das ist der Sinn de» 6. November! Thomas Mann für Sozialismus �re Rechnung Bekenntnis vor den Wiener Arbeitern In Wien sprach jüngst der deutsche Dichter Thomas Mann vor sozialdemokratischen Ar- beitern. Er erklärte: Es geschieht zum ersten Male, daß ich, der bür- gerlich geborene Schriftsteller, vor einem sozial- demokratischen A r b e i t e r p u b l i k u m spreche. Ich empfinde das als epochemachend für mein ganzes Leben. Meine Ausführungen sollen nichts anderes fein als ein Bekenntnis der Sympathie für Ihre sozialistische Sache. Mann erklärte dann weiter in seiner Rede: Der große Gegner des Sozialismus ist der Nationalismus. Er operiert mit dem Be- griff Vaterland. Gewiß fesseln uns enge Bande an die Erde unseres Ursprungs. Aber diese Beziehung zum Nationalen hat nichts zu tun mit der großen, als Rückschlag auf die liberalen Ideen des neunzehnten Jahrhunderts geistesgeschichtlich erklärbare Bewegung, die die Gewalt gegen die Freiheit und die Demokratie ausspielt. Diese Bewegung ist der Dienst am Falschen und Lebenswidrtgen. Sie ist eine ab- scheuliche Mischung von Revolution und Reaktion. roher romantischer Dienst am Vergangenen, der sich jugendlich gibt und Errungenschaften für»ich- tig erklärt, die mit der Tatsache Mensch unlösbar verbunden sind. Große Teile der Jugend find stimmungsmäßig bereit, diese verantwortungslosen und menschenfeindlichen Gedanken anzunehmen. Aber ohne den sittlichen Inhalt des Wortes Freiheit ist der Mensch nicht Mensch. Sozialismus ist nichts anderes als der Pflicht- gemäße Entschluß, den Kopf nicht mehr vor den dringendsten Bedürfnissen und Forderungen zu verstecken, sondern sich auf die Seite derer zu schlagen, die der Erde einen Menschensinn geben wollen. Der geistige Mensch muh sich sagen, dah e* in den wichtigsten Staaten Europas besser stünde, wenn in ihnen statt der bürgerlichen oder sendalen Regierungen Arbeiterreglerungen am Ruder wären, dah dann ein gutes Stück auf dem Wege der Ordnung, Vernunst und Gesundung vorgeschritten werde. Das erst« Bekenntnis des großen deutschen Dich- rers zur Sozialdemokratie wurde von den Wiener Arbeitern, die in gewaltigen Massen zu feinem Bortrag gekommen waren, mit jubelndem Beifall aufgenommen. Bilanz des Herrenklubs 8is haben ctsn Staat ru einer Kri Wohl- kahrtsanstait ru machen versucht... Rapens RegisrungserkiSrung Die Regierung Millionen Mar! ca. 389 ca. ca. 109 190 17 ca. 55 gibt Dem Grundbesitz(landwirrschoftlich, hauptsächlich dem Großgrundbesitz) durch Zinssuboention...... Der Schwerindustrie durch Senkung der Aufbringungsumlage...... Herrn Flick Aktien abgekauft für... Den Treibstofsproduzenten durch Steuererlaß............ Den landwirtschaftlichen Spritbrennereien durch den Beimischungszwang... Den SchisfaHrtsgesellschasten an Abwrackprämien........... Dem hausbesitz durch Subvention, siehe Reparaturen......... Allen besitzenden Schichten durch Ausgabe der Steuergutscheine....... Den Unternehmern an Subventionen durch Lohnprämien....... Entschuldung der landwirtschaftlichen Genossenschosten........ ca. 399 ca. 3214 ca. 12 ca. 59 ca. 1599 ca. 709 nimmt Bon den Arbeitslosen durch Kürzung der Millionen Arbeitslosen-, Krisen- und Wohlfahrts Mar! Unterstützung......... ca. 479 Von den Rentenempfängern durch Kür- zung der Invaliden-, Angestellten-, Unfall- und bestimmter Kriegsrenten Von den Arbeitern, Angestellten und Se- amlen durch Erhebung der Beschäf- tigtensteuer an Stelle der Krisensteuer ca. Von den Kleingewerbetreibenden durch Heranziehung zur Umsatzsteuer... Von den breiten Massen durch Ein- sührung der Salzsteuer...... durch Erhöhung des Heringszolls.. ca. 230 299 ca. 129 ca. ca. ca. 1119 69 39 Und weitere lzundertc von Millionen durch die Agrarpolitik und durch den notverordneten Lohnabbau. kort mit den Wohltätern für die Reichen! Wählt sozialdemokratisch! Wählt die Liste l*n\ Z-SOMjii.A&qjmdndL| Wer weiß, wieviel das gibt? ii �-, 0 Jfali-Jl iepsnjnete. 1 7v*3/ Richtig, aber nun lernt endlich daraus! Brot wird teurer! Der Reichsminister für Ernährung und Land- Wirtschaft ist vom Reichskab'nelt ermächtigt und ia den Stand gesetzt worden, mit beträchtlich verstärkten Mitteln und über den lausenden Dedars an Eosin-Roggen hinaus Roggen für längere Zeit aus dem Markt zu nehmen und dadurch einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage aus angemessene Preishöhe zu schassen. Da» Entsprechende ist für Weizen geschehen. Die Auskausiätigkeit wird'n dem durch die natürliche Marktloge jeweils bedingten Ausmaß lang andauernd betri«. den werden. Die bisher von der Landwirtschaft geübte verkaussdisziplin kann demnach mit voller Berechtigung durchgehalten werden. Antwort: tiste 2 Sozialdemokraten! Verantwortlich: Rudolf Brendemühl. Berlin.— Druck und Verlag: Borwärts-Buchdruckerei und Verlagsanstost, Berlin SW K8, Lindenftr. 3