Abend- Ausgabe Nr. 526 B255 49. Jahrg. Rebaktton und Verlag, Berlin 5 XV 68. Lindenstr. 3 S«tnfp«ch«r A? Amt DSnhoff ZS2 l>t» 2S? Ttlezrammabnss«! Sozwli-mvtra» Berlin ÜERLIU ER VOLKSBLATT MONTAG 7. November 1932 In Groß- Berlin 1 0 Pf. Auswärts....... 10 Pf. Bezugsbedwgungen und'Anzetgenpreije sieh« Morgenausgabe Jentvalovgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschtands Fort mit Papen und den Baronen! k�in rechtsgültiges Mißtrauensvotum: 514:68 gegen Rapen Das Ergebnis der Wahl Das vorläufige amtliche Endergebnis stellt fest, daß S» 4VS SVK Ttimmen abgegeben worden sind gegen S7 t«S V84 am SI.Jnli. Die Wahlbeteiligung betrug 7S,5 Proz. gegen 84 Proz. am SR. Juli. Der neue Reichstag wird 58'« Abgeordnete haben gegen SV8 im alten Reichstag. stimmen und Mandate verteilen sich wie folgt: Das Kabinett der Barone, das so groß- spurig auf seine Macht und seinem Willen gepocht hat, dem Volke eine konterrevolutio- näre Verfassung aufzuzwingen, mustert im neuen Reichstag, nehmt alles nur in allem, eine Truppe von 68 Mann. Ganze 68 Mann von 582! Das ist ein Miß- trauensvotum des Volkes von unzweideutiger Wucht! Dieses Mißtrauensvotum läßt sich nicht als rechtsungültig erklären wie das Mißtrauensvotum des alten Reichstages! Das Kabinett der�arone ist vom Volke gerichtet! Der neue Reichstag hat 582 Abgeordnete. Die Mehrheit beträgt 292. Eine schwarz- braune Koalition ist unmöglich ge- worden. Ein Rechtsblock, der eine parlamen- tarischs Mehrheit hätte, ist nur möglich, wenn zum Zentrum und den Nationalsozialisten entweder die Deutschnationalen, oder sämt- lich? Splitterparteien stoßen würden. Anderer- seits besteht nach wie vor eine national- sozialistisch-kommunistische Mehrheit. Aus jeden Fall aber besteht eine gewaltige Mehr- heit gegen Papen! Hitler, der Mann, der 35 Mandate verlor, hat einen Aufruf an seine Partei erlassen, in dem er einen neuen Propagandaseldzug gegen Hugenberg und Papen verlangt. Er kündigt an:„Ehe dieses Regiment und die es deckenden Parteien nicht bis zur Bernich- tung geschlagen sind, gibt es kein Verhan- dein." Hitler will also Koalitionsverhand- lungen führen, sobald Papen gestürzt sein wird. Das Kabinett der Barone aber läßt un- bekümmert um das Mißtrauensvotum des Volkes verkünden, daß für das Schicksal des neuen Reichstages die Haltung maßgebend sein würde, die er zu der V e r- f a ssu n g s v o r l a g e der Papen, Gayl und Genossen einnehmen werde! Das Kabinett der geschlagenen Barone zeigt Gelüste, den Weg gegen das Volk und sein Recht weiter zu gehen! Diese Parteiregierung einer verschwindenden Minderheit spielt weiter mit dem Gedanken einer Vergewal- tigung des Volkswillens! Die Front gegen die konterrevolutionären Pläne ist heute stärker als nach dem Juki 1931. Der Widerstand gegen die reak- tionären Diktaturpläne steigt unaufhaltsam! Er wird noch wachsen und noch st ä r- k e r steigen, wenn die Barone sich hartnäckig an die Regierungssessel klammern, um dem Volke ein neues Junkerregiment zu diktieren! Die V e r f a s s u n g s p l ä n e. die der Freiherr von Gaql herstellen läßt, sind an- gesichts des Wahlausganges nicht das Papier wert, auf dem sie entworfen werden! Wenn die Barone das Recht des Volkes mit Füßen treten wollen, so werden sie ihr blaues Wunder erleben! Das Kabinett des Herrn von Papen hat zu verschwinden, und mit ihm die reaktionären Pläne gegen die Volkssouveränität und die demokratischen Rechte des Volkes! Wenn Herr von Papen dem Mißtrauensvotum des Volkes nicht weichen will, so ist es die Pflicht des Reichspräsidenten. das Urteil des Volkes zu Vollstreckern ?apeii8 himmlische Ruhe In ihren ersten Verlautbarungen will die Re. gierung Papen dem Volke einreden, daß sie mit dem Wahlergebnis im ganzen recht z u s r� e d e n sei. Bescheidener kann man kaum sein. Sie läßt mn Montagmittag folgendes verlautbaren: An der S'Iuation habe sich nichts 1v e s e n I- lichesgeänderl. Die Regierung habe keine Veranlassung, von ihrem bisherigen kursabzugehen. Es werde jeht die Sache der Parteien sein, dafür zu sorgen, daß der Reichstag positiv arbeite. Die Reichsregierung sei nach nse vor bereit, ihre Basis zu erweitern wie der Reichskanzler in einer seiner letzten Reden sagte, halte die Reichsregierung die A r m e o s f e n für jeden, der bereit sei, mit ihr zusammenzu- arl eiten. Um ihre Selbstzufriedenheit zu begründen, geht also die Regierung der Barone davon aus, daß der necke Reichstag gegenüber dem früheren keine wesentliche Neränderung aufweisen werde. Aber wenn diese Feststellung zutrifft, dann liegt ge- rade darin schon ein« eklatante Nieder- läge Popens. Denn wozu hat er denn den Reichstag ausgelöst, wenn nicht in der Hoffnung, daß aus den Wahlen ein wesentlich anders aus- sehender Reichstag hervorgehen würde. Verkehr kommt in Gang 45 Straßenbahnlinien in Betrieb 3m Laufe des heutigen Vormittages ist es der BVG. gelungen, aus 45 Straßenbahnlinien rund 4Z0 Straßenbahnwagen zum Teil mit Anhängern in Betrieb zu sehen. Damit waren aber erst 45 Proz. des normalen Verkehrs er- reich». 3m Autobusoerkehr konnten 150 wagen, die sich aus 12 Linien verteilen, die Depots verlassen. Das sind 40 Proz. des normalen Verkehrs. Recht schwach dagegen ist noch immer der U-B ahnbelrieb. Bisher konnten nur die Teilstrecken Stettiner Bahnhof— Tempelhof-Süd- ring auf der Rordsüdbahn. Breitenbachplah— Alexanderplatz und Rollendorfplah— Hauptstraße l Schöneberg) befahren werden. Während sich in der 3nnenstadt der Verkehr schon recht slott ab- wickelte, machten sich in den Außenbezirken die Folgen des Streiks noch recht bemerkbar. Sämtliche im Betrieb befindlichen Fahrzeuge wurden wieder wie an den Vortagen von Schupo- beamten begleitet. Auch auf den Il-Bahnhöfen standen überall Doppelposten. Wie die BVG. mit- teilt, haben sich heute insgesamt über 6 0 00 Ar- beiter und Ange st eilte zur Arbeits- Wiederaufnahme aus ihren Arbeits- und Dienst- stellen eingefunden. Die Zahl der Arbeitswilligen wächst ständig. * In Mariendors an der Kreuzung Dorf-' und Chaussee st rahe wurde gegen 3 Uhr nachts ein Sabotageakt verübt Eine dort befind- liche U m f o r m e r f ä u l e, in der der Stark- ström umgewandelt wird, wurde von unbekannten Tätern in Brand gesetzt. Es erfolgte Kurz- schluß und der Feuerschein war kilometerweit zu erkennen. Do die Starkstromkabel sämtlich zer- stört wurden, gerieten die Schienen unter Hoch- spannung. Glücklicherweise ist niemand zu Schaden gekommen. Die alarmierte Feuerwehr mußte sich darauf beschränken, die Gesahrcnzon« in weitem Umfange zu sichern. Die Täter hatten auf den Schienen Zettel niedergelegt, auf denen geschrieben stand:„Nicht betreten— Lebensgefahr." Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen auf- genommen. An anderen Stellen ist es nirgends zu weiteren Ausschreitungen gekommen. ★ Von gestern nacht bis heute früh wurden 106 Personen, meist Hakenkreuzler und Kommuni st en, wegen politischer Aus- schreitungen festgenommen und der Politischen Polizei des Polizeipräsidiums zugeführt. HiUer-Defenstve Neue Parolen vom Braunen Haus Die Niederlage der NSDAP, hat eine Serie von Hitler-Ausrusen hervorgerufen, in denen heftig gegen Papen und Hugenberg polemisiert wird. Es heißt in dem Hauptaufruf: Keinerlei Kompromisie und kein Gedanke an irgendeine Verständigung mit diesen Elementen! Ich treffe für die Weiterführung des Kampfes daher folgende Anordnungen: 1. Alle organisatorischen Fragen und Ar- bellen der Partei treten ab sofort zurück gegen- iber der Aufgabe der äußersten Ver» itärkung unserer Propaganda. 2. Sämtliche Parteiinstanzen treffen sofort hre Maßnahmen zur Einleitung des neuen stropagandaseldzuges. 3. Ehe dieses Regiment und die es deckenden Parteien nicht bis zur Vernichtung geschlagen sind, gibt es kein Verhandeln! Es ist klar, daß dieser Parolebefehl getragen ist von der Sorge, daß der Rückgang der NSDAP, lawinenartig weitergreifen könnte! Es Enttäuschung reparieren lassen." ist Defensivpropaganda die hier ange- kündigt wird! Politisch will die Deklamation nichts anderes besagen, daß Hitler verhandeln will. Auch mit Hugenberg, aber ohne Papen. Marx stärker als Hitler! Eigener Bericht des„Vorwärts" Wien, 7. November. Die„A r b e i t e r- Z e i t u n g" schreibt zu dem Ergebnis der deutschen Wahlen: „Die entscheidende Tatsache dieser Wahlen ist. daß der Aufstieg der Hakenkreuzler z u E n d e ist. In beispiellosem Tempo halle die faschistische Welle in den Jahren der Krise Deutschland zu überfluten und alle Dämme zu durch- brechen gedroht. Bei den letzten Wahlen hat sich eine Verlangsamung des Tempos gezeigt: bei diesen Wahlen ist zum ersten Male der wirkliche Rückschlag eingetreten. Die Nationalsozialisten haben verloren. Der mystische Glanz, der der Hlllcr-Bewegung so viele Mitläuser warb, ist dahin. Die Legalität, auf die sich diese aus cnt- wurzelten proletarischen Existenzen und Klein- bürgern zusammengesetzte Bewegung festgelegt hatte, hat sie auf dem Boden der Demokratie, den sie wider Willen betreten muhten, geschlagen. Eines steht fest: Deutschlands Zukunft wird nicht faschistisch Für die deutsche Arbeiterklasse bedeutet diese Wohl den Auftakt zu kommenden größeren Kämpfen. Die Tatsache, daß das marxistische Proletariat als Ganzes seine Stellung oerstärkt, daß die Sozial demo- k r a t i e trog widriger Umstände sich im wesent- lichen unerschüttert behauptet Hai, be- rechtigt zu den allerbesten Hoffnungen. Die deutsche Arbeiterklasse ist heute in zwei große Parteien gespalten. Wohl mag der Erfolg der Kommunisten nur ein vorübergehender sein. Namentlich das Ergebnis in Berlin zeigt, daß zweifellos der Verkehrsstreik der legten Tage Zehntausende von Stimmen zu den Kommunisten getrieben hat. Gerade dieses Berliner Ergebnis wird gewiß der deutschen Sozialdemokratie zu denken geben. Ebenso aber werden die Kommu- nisten erkennen müssen, daß ihre Politik, die So- zialdemokratie als Hauptfeind zu betrachten und sie zerschlagen zu wollen, nicht nur ein oerhäng- nisvolles und verbrecherisches, sondern vor allem ein aussichtsloses Beginnen ist. Unser Wunsch ist: Mögen die beiden proletarischen Parteien aus dem für sie wirklich günstigen Wahlergebnis die richti- gen Lehren ziehen." Sozialdemokratie unerschüttert! Eigener Bericht des„Vorwärts" Prag, 7. November. Das dem Außenminister! um nahe- stehende tschechische Montagsblatt sagt, daß sich in den Reichstagswahlen die gute Disziplin der Sozialdemokratie bewährt hat, da die Kommunisten mehr Stimmen von den Hakenkreuzlern als von der Sozialdemokratie ge- monnen haben. Das neue Parlament, dessen Dauer unsicher ist, habe keine Möglichkeit einer Mehrheitsregierung. Das deutschbürgerliche Mon- tagsblatt sagt, daß der jetzige Besitz st andder Sozialdemokratie als ungefährdet und als eiferner Kern bezeichnet werden kann. Eine schwarz-braune Koalition ist nicht mehr möglich.„Pravo Lidu", Zentralorgan der tschechischen Sozialdemokratie, stellt fest, daß die Position der Sozialdemokraiie uner- schüttelt geblieben ist und die Zusammenstellung einer Regierungsmehrheit schwer sein wird. Nie falschen Propheten �Vas die Nazis vom 6. November erwarteten Am Vorabend des Wahltages veröffentlichte die offizielle Parteikorrespondenz der NSDAP,«in Interview mit dem Pressechef Hitlers, Dr. Dietrich, der den Propagandaflug Hitlers mitgemacht hatte. Das Interview lautet in seinen entscheisenden Stellen folgendermaßen: Frage: Wi« beurteilen Sie nach den bisherigen Erfahrungen ihrer alle Gebiete des Reiches umfassenden Reise die Wahlausstchten der NSDAP.? Antwort: Die NSDAP, wird am 6. November ihren größten und eindrucksvollsten Sieg erringen, den die Gefchichle der nationalsozialistischen Bewegung zu verzeichnen hat. Frage: Können nicht auch Versammlungen leicht zu begeisternder Menschen täuschen? Antwort: Der Begeislerungssiurm von fünf oder zehn Versammlungen in nalionalsozia- listifchen Hochburgen mag eine Täuschung über die allgemeine Stimmung möglich machen. Das ganze Deutschland aber, da» wir im Querschnitt dieser Reise sahen und hörten, schließt die ZNöglichkeit einer Täuschung schlechthin aus. Nach dieser umfassenden und erschöpfenden Erkundung im Fluge durch das ganze Reich kann für mich kein Zwestel mehr sein: Das Volk steht wirklich hinter Hitler und wird am b. November den Wahlsieg der NSDAP, verbürgen. Diese Siegeszuversicht des Pressechefs Hillers griff auf die ganze Nazipreffe über. So dekla- mierte der„Westdeutsche Beobachter" am Tage vor der Wahl: Wir werden sie zerstampfen, die Feinde des Volkes, und erbauen jenes Reich der Ehre, der Freiheit und der Treue, das alle deutschen Wen- ichen als tiefste Sehnsucht im Herzen tragen. In diesem Zeichen: Vorwärts zum Sturm! Ehre und Treue der NSDAP, sind ebenso echt. wie ihre Wohlprophezeiungen richtig sind. Reichstag 6. Nezember Der neugewählte Reichstag muß nach den Be» stimmungen der Verfassung binnen 30 Tagen zu- sammentreten. Da nicht anzunehmen ist. daß man den Zusammentritt besonders beschleunigen wird, rechnet man, wie die Wandelhalle erfährt, in politischen Kreisen damit, daß die erst» Sitzung des neugewählten Reichstages am Dienstag, dem 6. Dezember, stattfindet. Die Eröffnungs- fitzung wird, wie immer, nur die Konstituierung des Reichsparlaments bringen. Erst am zweiten Tage wird das Präsidium gewählt werden. Wie ftchfs in den Ländern? Die Auswirkung der Sonntagswahl au! die Länderpolitik Zweifellos ist das Ergebnis der gestrigen Reichs- tagswahl nicht nur für das Kabinett der Barone und feine Politik von niederschmetternder Wir- kung, sondern es gibt auch für die einzelnen Länder Anlaß zu besonderen Betrachtungen. Was zunächst das von Pape» selbstherrlich aus Veranlassung des Nazi-Landstagsprysidenten unter Ausnahmerecht gestellte größte deutsche Land Preußen anlangt, so würden sich aus dem Vergleich der gestrigen Ziffern mit denen der letzten Landtags- wähl etwa folgende Veränderungen ergeben: Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, daß die preußischen Zahlen sich aus dem Wahlmaterial vom Sonntag nicht ohne Schwierigkeiten finden lassen, da mehrere Wahlkreise mit außer- preußischen Gebietsteilen durchsetzt find und die Trennung der Ergebnisse sorgfältigster Berechnun- gen bedarf. Wie wir hören, werden diese Berech- nungen im Preußischen Statistischen Landesamr erst in einigen Tagen beendet sein. Vorläufig geben wir die Mandatszahlen, wie sie sich in Preußen gestalten würden, nach dem vorliegenden Reichsergebnis(nur Braunfchweig und An- halt find abgezogen), während die bisherigen ami- lichen Mandatszahlen zum Vergleich daneben gestellt sind. Die endgültige Ziffer wird die jetzigen Mandatszahlen noch um einiges verkleinern. Aehnlich würden sich die Verhältnisse in den meisten anderen Ländern verschieben. In W ü r t- t e m b e r g z. B., dessen Landtag aus 80 Abge- ordneten besteht, würde folgende Veränderung eintreten: Rtsoz.(24(23) Sitze, Soz. l3(14), KPD. 10(7). Ztr. 16(17). Dtnl. 4(3), Staatsp. 3(4), Chrsoz. 3(3), Bauern- und Weingärtner- bund 7(9). Der hessische Landtag würde folgende Zusammensetzung zeigen: Ntsoz. jetzt 29(bisher 32). Soz. 17(17). KPD. 10(7). Ztr. 10(10). Dtnl. 2(1), Volksp. 2(1). Landbund—(1). SAP.—(1). Besonders auffällig ist die Verschiebung— außer in Braunschweig und Anhalt— in dem gleichfalls nationalsozialistisch„regierten" Oldenburg. Dort hat die Nazipartei ihre a b- solute Stimmenmehrheit bereits wieder verloren. Sie würde im Landtag nur noch 19 statt 24 Sitze haben, während die Sozial- demokratie 10 statt 9, die KPD. 4 statt 2, das Zentrum 8 statt 7, die Hugenberger 4 statt 2, die Volkspartei ein Mandat(bisher keins) erhalten würden. Landvolk und Staatspartei, die jede bisher ein Mandat haben, würden leer ausgehen. Besonders interessant ist auch die Wahl von Mecklenburg-Schwerin, wo die Nazis noch im Juni die absolute Mehrheit der Stimmen und damit die Regierungsgewalt erhielten. Nach den gestrigen Wahlen sieht das Ergebnis so aus: Ntfoz.. 137 777(Landtagswahl 177 076) Soz... 109 226(.. 108 361) KPD.. 43 234(.. 26 891) Ztr... 3 376(..-) Volksp.. 8388(„ 7 499) Chriftlich-Soziale 2315, Wirtschp. 836, Landvolk 281, Volksrechtspartei 379, SAP. 212, Staatsp. 2038. Die Gruppen von den Christlich-Sozialen ab find im Landtag nicht vertreten bzw. in an- deren Parteien mitenthalten. Die Nazis, die im Landtag feit Juni 30 Man- date gegen 28 andere Parteien innehatten, würden nach den gestrigen Ergebnissen auf 23 gegen 36 Sitze sinken! Die Sozialdemokratie hat gegen- über der Landtagswahl rund 1000 Stimmen ge- wonnen und würde ihre Mandatszahl(18) be- halten. Die Hitler-Dämmerung wird sich bald auch in den Ländern auswirken! Am nächsten Sonntag ist zunächst Bürgerschaftswahl in Lübeck! Gewinn und Verlust Es haben gewonnen Summen Mand. KPD... 688000 11 Dnat... 885000 13 Volksp.. 224000 4 Chrsoz.. 48000 2 verloren Stimmen Mand. NSDAP. 2041000 35 SPD.. 729000 12 Zentrum 361 000 5 Bayr.Vp. 111000 2 Die Jagd nach den Zahlen >VabInaclit im Berliner Rathaus— Wunderwerk einer Rechenmaschine Wahlsonntag abend. Der letzt« Wähler hat seine Pflicht getan. Die Zusammensetzung des nächsten Deutschen Reichstags ist entschieden. Aber noch schlummert dos Wahlergebnis in den verschlossenen Urnen. Erst durch die bis ins letzte durchorgani- fierte Arbeit von vielen Wahlhelfern wird in kurzer Zeit aus den Stimmzetteln das Bekenntnis des deutschen Volkes herausgelesen. Für die Stadt Berlin mit ihren über 3 Millionen Wahlberechtigten ist die Errechnung des Abstim- mungsergebnisfes«ine besonders schwierige Auf- gäbe. Dunkel und verschlafen liegt das rote Backstein- gebäude des Berliner Rathauses in der König- straße. Niemand der wenigen Passanten, die zu Fuß nach dem Alex eilen, bemerkt, daß hier das Zentralwahlamt der Stadt Berlin sitzt. Ziur an einem unauffälligen Seiteneingang ist ein starkes Kommen und Gehen. Boten rasen vor und fahren wieder davon. Der Paternoster bringt immer mehr Menschen in die dritte Etage, wo das Hauptquartier der Presse sich befindet. Das Berliner Nachrichtenamt hat den Iourna- listen hier eine ganze Flucht von Zimmern frei- gegeben. Auch der„Vorwärts" hat ein Zimmer mit Telephonanschluß für sich zur Verfügung. Wo sonst ruhige Beamte ihre geordnete Arbest verrich- ten, reden und schreiben heute aufgeregte Gestal- ten. Auf den Pulten häufen sich Papierstapel und Notizzettel. Plötzlich schrillt auf dem langen Gang eine laut« Glocke. Das Zeichen, daß neue Resultate verkündet werden. In einem großen Raum sitzen Mann an Mann, mit flinken Händen die Ergebnisse notierend, rech- .nend und schwitzend, die Zestungsleute. Schon 14 Minuten nach Wahlschluß lausen die ersten Resultate aus einigen Krankenhäusern am Kreuz- berg und aus dem Polizeikrankenhaus ein. Gegen 7 Uhr kommen die ersten, geschlossenen Stimm- bezirke und bereits um 8.30 Uhr kann das erste Teilergebnis von ganz Berlin an die Redaktionen und Druckmaschinen weitergegeben werden. Di« Telephone rasseln, Zahlen schwirren durch die Luft und die nun Schlag auf Schlag einlaufenden Er- gebnisse können kaum schnell genug verarbeitet werden. Schon werden die Teilzahlen nicht mehr berücksichtigt, nur noch Gesamtergebnisse aus den einzelnen Stimmbezirken haben Interesse. Aus einem Lautsprecher hört man die ersten Ziffern aus dem Reich. Vergleiche mit den letzten Wahlen lassen die ersten politischen Schlußfolge- rungen zu. Aber immer weiter geht noch das Zahlenfpiel. Zwischen zehn und halb elf Uhr ist der Hauptansturm. Die Hälfte sämtlicher Berliner Bezirke melden in dieser kurzen Zeit ihre End- ergebnisse, die nun schleunigst an die Redaktionen weiter gemeldet werden. Das Nachrichtenamt selbst bekommt die Stimm- zissern aus dem Hauptwahlamt im Parterre des Rathaufes. Während aber dort die Zusammen- rechnung längere Zeit dauert, wird hier oben mit den modernsten Mitteln gearbeitet. Die größte Rechenmaschine Europas, eine kolossale Smith Premier amerikanischer Her- kunft, die vom Magistrat ausgeliehen wurde, zählt di« gesamten Stimmen, selbst der kleinsten Splitter- Parteien, zusammen. Die Maschine ist ein W u n- d e r d e r T e ch n i k. Bis zu 36 Spalten können gleichzeitig ausgeworfen werden und die richllge Austeilung der Gefamtfummer wird automatisch kontrolliert. Aber trotz der raffinierten Organisation stnd Zwischenfälle bei der vorher unberechen- baren Wahlstimmung nicht zu vermeiden. Ein be- sondere? Kuriosum passierte bei der vorletzten Wahl, als einer der Vorsteher mit seinem Resul- tat in der Tasche unterwegs seine Freude in Alkohol umsetzte, irgendwo verschütt ging und erst am nächsten Tage im Wahlami auftauchte. Am letzten Sonntag vollzog sich die Zählung schnell und glatt. Aber auf die Endziffer mußte man trotzdem bald eine halbe Stunde warten. War die Maschine defekt? Nein. Aber eine kleine Partei hatte gegen alle Voraussicht über 10000 Stimmen bekommen, während man in der Ma- schine nur vier Spalten für sie vorgesehen hatte. Dadurch kam die Zehntausend nicht mit in das Endergebnis, und es gab eine kleine Aufregung, bis der Fehler entdeckt war. Ilm halb ein Uhr werden die endgültigen Zahlen für Berlin verlesen. Ein letzter Sturm auf die Telephonapparate, dann leeren sich rasch die Zim- m er, die Lichter verlöschen und abgekämpfte Menschen treten hinaus in die ruhige Nacht, die nur von den letzten Zeitungsverkäufern mit ihrem Geschrei belebt wird. Berlins Wahlschlacht ist vorüber. Blick aufs Rathaus Das Berliner Ergebnis der Reichstagswahl umgerechnet Das Berliner Ergebnis der gestrigen Reichstagswahlen, das durch den Verkehrsstreik wesentlich beeinflußt erscheint, würde der Stadtverordnetenversammlung sol- gendes Aussehen geben. Insgesamt sind für die Parteien, die im Stadt- Parlament vertreten sind, gestern 2 750 079 Stim- men abgegeben worden. Diese Zahl ist wesentlich höher, wenn man die für die Splitterparteien zu zählenden Stimmen hinzurechnet. Als Quo» t i e n t ergibt sich die Zahl 12 222, durch die die genannte Gesamtzahl zu teilen ist. Die aus die einzelnen Parteien entfallenden Stadtverordneten- Mandate sind nur so zu ermitreln, weil das Ber- liner Parlament eine feste Zahl von Stadt- verordneten, nämlioj 225 hat. Auf die Sozialdemokraten entfielen also 53 Mandate(jetzt 65), auf die Kommunisten 71(54), auf die Nationalsozialisten 59(13). das Zentrum würde 10(8) Vertreter haben, die Deutfchnationalen 25,6(40), die Volksparteiler gingen auf 2,5(15) Mandate zurück, Staatspartei 3,2(14), Christlich- Soziale 1,2(3) und die Wirtfchaftsparteiler, die jetzt sehr oft bei Abstimmungen das Zünglein an der Waage sind, gingen ganz leer aus, während sie gegenwärtig 10 Stadtverordnete haben. Diese 8 Parteien hätten also zusammen 225 Stadtver- ordnete, wobei wir allerdings bei der Berechnung Bruchziffern in Anspruch nehmen mußten, um ein einigermaßen genaues Bild zu geben. Es ist aber zu bedenken, daß viele Splitter- Parteien bei Stadtverordnetenwahlen kein Jnter- esse an der Aufstellung von Kandidaten hätten und daß die auf sie bei der Reichstagswahl ent- fallenen Stimmen anderen Parteien zufallen würden, so daß sich die Mandatsverttilung ändern könnte. Zudem ist die Wahlbeteiligung zu berücksichtigen. Bei der letzten Stadtverordneten- wähl beteiligten sich nur 70 Proz. der Wähler, während die Beteiligungsziffer gestern aus rund 80 Proz. stieg. Immerhin ist die Umschichtung der Bevölkerung in bezug auf ihre Stimmen- abgäbe sehr interesiant. Streikende vorm Gchnessrichter Ztraken kür kleine Vergehen Das Schnellgericht beim Polizeipräsidium Hat Heute über zehn Fälle von Ausschreitungen im Zu- sammenhang mit dem Verkehrs st reik abzu- urteilen. Mit einem weiteren schwerer liegenden Fall wird sich im Lause des Nachmittags das Schnellschösfengericht Moabit zu befassen haben. Der Arbeiter Artur Meier hatte am Freitag auf dem Strausberger Platz an einer Zusammen- rottung teilgenommen und beim Herannahen der Straßenbahn den Anordnungen der Polizeibeam- ten nicht nur nicht Folge geleistet, sondern den Knüppel eines Polizeibeamten gepackt. Die Sache wurde dem Sondergericht übergeben, da es sich dabei um das Delikt der Zusammenrottung handelte. Am selben Tage rief der Arbeiter Ewald R e i w a l d am Schlesischen Bahnhof dem Straßenbahnschassner„Stolch, Lump" zu. Den Anordnungen der Polizei, auseinanderzugehen, leistete er nicht Folge. Er wurde deshalb zu zwei Wochen Haft und eine Woche Gefängnis verurteilt. Der Nationalsozialist Lehmann, der übrigens von einem kommunistischen Anwalt verteidigt wurde, wie dieser sagte, um zu beweisen, daß es sich nicht um einen politischen, sondern um einen wirtschaftlichen Streik handele, hat aus dem Her- mannplatz den Schupobeamten, die die Straßen- bahnwagen begleiteten,„Schupostreikbrecher" zugerufen. Das war an und für sich nicht strafbar. Als er aber von der Polizei aufgefordert wurde. weiterzugehen, blieb er trotzdem stehen. Auch er erhiell zwei Wochen Haft wegen Nichtbefolgung der Anordnung der Polizei. Schlimmer stand der Fall mit dem BVG.-Arbeiter Rudolf P e t e r s o n. Am Alexanderplatz hatte sich am Freitag eine tausend- köpfige Menge eingefunden. Sie nahm beim Herannahen der ersten Straßenbahnwagen eine drohende Haltung an. Peterson rief„Holt die Hunde herunter". Das Gericht erblickte darin eine Aufforderung zur Begehung von Gewalttätigkeiten und verurteilte den Angeklagten unter Versagung mildernder Umstände zu drei Monaten Gefängnis. Kaufmann erschossen Schüsse aus dem Hinterhalt Lüneburg. 6. November. Der Kolonialwarenhändler Bodendieck wurde heute abend in den Anlagen an der Julius- Wolff-Straße aus dem Hinterhalt erschossen. Es wurden drei Schüsse aus einer kleinkalibrigen Pistole auf ihn abgegeben Der tödliche Schuß drang an der linken Rückenseite in den Körper ein. Ein politisches Motiv für die Tat ist nicht erkennbar. Anscheinend ist der Erschossene das Opfer einer Verwechselung geworden Hoover,„der Engländer" Lensationelle LntküIIunxen und Anklagen Zuchthaus! Gegen streikende Straßenbahner Mährend bisher die anlähl'ch des Slraheu- bahnerstreiks Festgenommenen vor den Schnell' richlcr kamen, sollen nach einer Meldung der TU. etwa 20 verhaftete Kommunisten und Rational- soziolislen vor dos Sondergericht gestellt werden. Die Anklage gegen sie geht aus Trans- porlgesährdung, schweren Landfriedensbruch sowie ähnliche Delikte, die nach der Itotvcrordnung vom S. August mit Zuchthausstrafen bis zu l0 Zahren, gegen sogenannte„Rädelsführer" sogar m°t Zuchthaus nicht unter zehn Jahren bestrast werden. Es handelt sich um Personen, die die Straßenbahn am Fahren gehindert. Steine nach den Wagen geworfen und an Zusammenrottungen teilgenommen haben. Wir haben die Exzesse weder unterstützt noch gebilligt. Aber mögen sich eine Anzahl Personen auch strafbar gemacht haben, ihre Motive und die angewandten Mittel der Gewalt unter- scheiden sich nicht wesentlich von denen der holsteinischen, oslpreugischen, oldenburgischen usw. Bauern, die unlängst mit Gewalt Zwangsversteigerungen verhindert haben. Diese erzcdierenden Landbewohner aber sind freigesprochen worden. Das aller- höchste deutsche Gericht, das Reichsgericht, hat ihnen feierlich den strasausschließenden„über- staatlichen N o t st a n d" zugebilligt- Wir hol- ten das nicht für richtig, wir halten es für ebenso verkehrt, daß man Exzesse gänzlich straffrei läßt, wie daß man sie mit barbarischen Zuchthausstrafen belegt. Was aber das allerschlimmste und abträglichste für dos Ansehen des Staates und der Justiz sein müßte, das wäre ein zwiefaches Recht, wie es jetzt an- scheinend geschassen werden soll: für exzedie- rende Bauern Freispruch, für exze- dierende Arbeiter 10 Jahre Zucht- Haus. Wir warnen nachdrücklichst vor einer solchen Praxis, die die Massen des Volkes in einen Zustand wachsender Empörung hinein- treiben muß. „Naziminister" l�eiehsanwaltdoms beantragt wieder! Der Schriftleiter unseres D e s f a u e r Partei- organs„Voltsblatt iür Anhalt", Genosse Seeger, wurde am S, August 1932 vom Dessauer Landgericht wegen Beleidigung in zwei Fällen i» Tateinheit mit einem Vergehen gegen die Rot- Verordnung vom 8. Dezember 1931 zu insgesamt vier Monaten Gefängnis verurtellt, weil er angeblich den anhallischen nationalsozialistischen Ministerpräsidenten Freyberg öffentlich beleidigt haben soll. Diese„Beleidigungen" werden darin erblickt, daß Genosse Seeger während eines Telephongespräches dem Ministerpräsidenten Freyberg geantwortet haben soll:„Wenn ich es nicht unter meiner Würde Hielt, würde ich Ihnen etwas sagen!"— Im zweiten Fall war der Führer des Destauer Reichs- banners von National sozial! st en Anfang Juli 1932 ermordet worden. Das archaltische Staatsministerium gab eine Pressenotiz heraus, in der festgestellt wurde, daß das Rejchstmnner die Nationalsozialisten planmäßig überfallen habe. Das„Volksblatt" wehrte sich gegen diese Be- Häuptling und stellt« demgegenüber in einem Wahl- plakat fest, daß die Ermittlungen von der unter dem Kommando des„Naziministers" stehenden Dessauer Polizei einseitig geführt wor- den seien. Das Dessauer Landgericht Halle dem Genossen Seeger die Wahrung berechttgter Imeressen ver- sagt. Im ersten und im zweiten Falle habe sich Seeger einer Beleidigung schuldig gemacht, die besonders in dem Wort„Nazi- minister" erblickt wurde.- Gegen das Urteil legte Seeger Revision beim Reichsgericht ein. die vor dem ersten Strafsenat, unter Vorsitz des Senatspräsidenten Gündel, ver- hoirdell wurde. Seeger machte in der Hauptjache geltend, daß der Begriff der Beleidigung verkannt worden sei. Ein« sachliche, aber scharfe Kritik erfülle nicht den Tatbestand einer Beleidigung. Es hätte vom Gericht auch geprüft werden müssen, ob nicht die ZZ 199 und 193 des StGB, hällen an- gewandt werden müssen. Die Wahrung berechtigter Interessen sei vom Gericht zu Unrecht ab- gelehnt worden. Der Ausdruck„Naziminister" sei eine persönliche Gefühlssache und nicht beleidigend. Außerdem rügte die Revision die Ablehnung einer ganzen Reche von Beweisanträgen. Als Hüter des Rechts trat dann Reichsanwalt Jörns, der durch den Prozeß um die Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxem- bürg, bekannt wurde, auf den Plan. Er erklärte, daß die Aeußerungen ohne Zweifel geringschätziger Natur gewesen seien. Die Wahrung berechtiger Jnteresien sei mit Recht oersagt worden. Was den zweiten Fall betreffe, so habe sich der Ange- klagte nicht nur mit einer einfachen Richtigstellung begnügt, sondern er habe der Polizei den Borwuri gemacht, daß sie die Ermittlungen einseitig geführt habe. Daß der Ministerpräsident Freyberg damit in Verbindung gebracht worden sei, beweise, daß der Angeklagte den Ministerpräsidenten habe de- leidigen wollen. Dies komme namentlich in dem Ausdruck„Naziminister" zum Durchbruch. Dieser Ausdruck sei für ein Staatsober- hauptherabsetzend. Der erst« Straffenat folgte dem Antrag Jörns und verwarf die Revision kostenpflichtig. Damit ist das Urteil rechtskräftig geworden. Eins Kritik an dieser reichsgerichtlichen Entschei- dung erübrigt sich, denn sie spricht für sich selbstl Sehr starke Kräfte arbeiten gegen Hoover und nutzen alle Blößen aus, die sich Hoover gegeben hat. Eine nicht unwichllge Rolle im Kampf gegen Hoover spiell das Material, das John Knox in einem Buch„T H o g r e a t M i s t a k e" üb.cr den Präsidenten veröffentlicht hat, und nicht nur sehr unerquickliche Geschäfte des Präsidenten der Vereinigten Staaten behandell, sondern vor allem, zur Verblüffung der Amerikaner, die begründete Behauptung aufstellt, daß hoover gar kein Amerikaner ist. sondern ein Engländer. Welche Bedeutung eine solche Tatfache im ameri- kanischen Wahlkampf hat, versteht man, wenn man sich der mächtigen amerikanischen natio- nalistischen Bewegung erinnert, wenn man bedenkt, daß das hundertprozentig« Ameri- kanertum mit allen Mitteln daran arbeitet, aus Amerika eine auch von England unab- hängige Nation zu machen, die eifersüchtig auf ihre frisch geschaffene Unabhängigkeit Europa gegenüber wacht. Jedenfalls stellt der Verfasser in der legten schon für den Wahlkampf bestimmten Auflage fest, daß Hoover weder selbst noch durch seine Anhänger ein Wort der Rechtfertigung ver- öffenllichen konnte, und nichts gegen das Buch zu unternehmen vermocht hat, trotz der Mittel, die dem Präsidenten die ameri- kanischen Gerichte bieten würden. Hoover kam schon als junger Mensch nach Australien und arbeitet seitdem vorwiegend für englische Firmen. Daß er dabei o f t gegen Amerikas Interessen arbeiten Auf den Straßen des Westens konnte man vor kurzem vielfach noch Damen im schicken, pelzver- brägtten Herbstmantel sehen, über dem Arm einen mollig-warmen Wintermantel aus dickem Woll- stoff oder Pelz. Das waren die Wintersachen, die man den Sommer über in Aufbewahrung hatte. Jetzt ist es soweit, jetzt braucht man diese Sachen. Dazu die wärmenden Ueberschuhe, und dann ist man gewappnet gegen Wind und Wetter. Die so handeln können, haben es gut. Auf den Wohl- fahrtsämtern aber meldet sich jetzt dringlich das Heer jener, deren ausgemergelte, widerstandslose Körper keinerlei wärmende Hülle umschließt, die nicht mal ganze Schuhe, geschweige denn warme Ueberschuhe besitzen: die vor Hunger und kalter Stube und Blutleere und zermürbendem Untätigsein mit dem Frieren seit Wochen begonnen haben und den ganzen, langen Winter aus ihm nicht mehr herauskommen. & fehlt überall am Notwendigsten Könnte man, wie man wollte und wie man müßte, so gäbe es für die Unterstützungsempfänger Schuhzeug, warmes Unterzeug und warme Ueber- Neidung genug. Wo Menschen, besonders Fa- Milien, nur ein Jahr lang-ohne Einkommen sind— von denen, die bereits jahrelang vegetieren, ganz zu schweigen—, da fehlt es an allen Ecken und Enden am Allernötigsten. Den Kleinen und Kleinsten kann man zur Not immer noch was Wärmendes zusammenflicken, und wenn gar nichts da ist, dann kommen sie einfach nicht auf die Straße. Die Großen aber müssen den täglichen zermürbenden Leerlaus nach dem Nachweis tun, sie pflanzen sich, ob Sturm ob Regen, vor den Zeiwngsoerlagen auf, um den neuen Stellen- markt noch druckfeucht zu erhaschen, sie müssen nach der Stempelstelle und nach der Massen- speisung, sie fragen hier und horchen da. Und Mutter hängt schon morgens um vier das Ein- Holenetz über den Arm und drängell sich am Viehhof beim Frcibankfleisch. Anschließend wird auf den Großmärkten nach Billigstem, wenn es gehl nach Ausrangiertem gefahndet. Ueberhaupt, wer da meint, die Arbeitslosen hätten den ganzen Tag nichts zu tun. der ist auf dem Holzweg. Gewiß, sie schaffen nichts und erwerben daher nichts, aber um sich nur ihr armseliges Dasein überhaupt er- halten zu können, dazu bedarf es gar vieler und oft weiter Wege. Und weil sie alle zu Fuß zurück- gelegt werden müssen, so erfordern sie eine Menge Zeit, ganze Schuhe und wärmende Kleidung. Die Fürsorgerin hält Umschau Jawohl, warm« Kleidung! Aber woher n«h° men? Einen warmen Männerwinter- mantel gibt es nur auf ärztliches Attest. Aus- genommen hiervon sind die Lungenkranken und sonstwie Schwerkranken. Wer seine Knochen noch so halbwegs im Lot hat, der kriegt nur ein« Joppe. Auch damit muß hausgehalten werden, und jetzt, wo die eigentliche Kälte noch nicht da ist, heißt es vorläufig den Sweater unter dem Anzug tragen. Später wird man weitersehen Der dringend erneuerungsbedürftige Anzug wird nach Möglichkeit auch bewilligt. Die Mittel hier- für sind eben knapp, und jedes Kleidungsstück wird von der Fürsorgerin nach allen Sellen auf seine etwaige Verwendungsmöglichkeit beäugt. Wenn Vaters Wintermantel zu eng geworden ist mußte, soll ihn ungeeignet machen, wieder ameri- konischer Präsident zu werden. Bon Australien ging Hoover. wieder für Engländer, nach China, arbeitete' in Bergwerksgeschästen, verdrängte die Chinesen aus ihrem Besitz, es kommt zu einem Prozeß, in dem Hoover nach Aussage eines Hauptzeugen England als sein Vaterland angegeben hat. Der von Hoover getätigte Pertrag wurde von einem englischen Gericht aufgelöst, weil er auf b e- trügerischer Grundlage errichtet sei. China vertauscht Hoover bald mit England selbst. Das sind die Jahre vor dem Weltkrieg. Hoover gründet allmählich etwa 29 Gesellschaften, die er gleichzeitig leitet und die alle zu- sammen pleite gehen. Auch im Kriege arbeitet Hoover zuerst f ll r England, als Leiter des englischen Hilss- komitees für Belgien. Als später während des Krieges Hoover nach Anterika ging, kam er nicht dahin, um als Amerikaner seinem Vaterland zu dienen, sondern als beauftragter Agent der europäischen Staaten. Der H a u p t t r u m p f des Buches für Amerika ist aber die Feststellung, daß hoover sich sogar als Engländer nalurali- sieren ließ. Wahrscheinlich schon 1911. Denn in den Wählerlisten von Eampden Hill figuriert hoover von 1911 bis 191S als Wähler. Es besteht also gar kein Zweifel, daß seit erdenklich langen Zeiten, seit und der Aelleste, der ihn so gern als Nachfolger übernehmen würde, selbst noch ein mantelähnliches Gebilde besitzt, dann wird der getragen« Mantel in der Kleiderverwertungsstellc gegen einen pasiendcn eingetauscht. Findet sich dort nichts Passendes, dann erhält Dater einen neuen, und sein bisheriger Mantel kommt dann wieder einem anderen zugute. Aehnlich ist es mit den Stiefeln. Ist der Aeltestc aus den Schuhen herausgewachsen und sein brüderlicher Hintermann hat die seinigen kaputtgelaufen, dann kriegt der Große neue und der Kleine übernimmt die Nachfolge, wobei natur- gemäß nicht streng auf Paßform gesehen werden kann. Zu klein geht natürlich nicht, zu groß ist nicht weiter schlimm. Da beHilst man sich eben mit einer oder auch mehreren Pappsohlen. Wäre mehr Vorrat an getragenen Kleidungsstücken, so könnten mehr frierende Körper bedeckt werde». Aber die Kleiderverwertungsstelle, besonders in den rein proletarischen Bezirken, hat wenig Sachen. Wer hätte hier, wo die Armen wohnest, etwas Getragenes abzugeben? Eine Klcidersamm- lung verbietet sich hier ganz von selbst, und was die bessergestellten westlichen Bezirke aus ihren Sammlungen den einzelnen Arbeitervierteln zu- weisen können, ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Außerdem liegen da noch vom Vorjahre Im Berliner Oberpräsidium, das am Sophie- Charlotte-Platz zwischen dem Kaiserdamm und dem Horstweg liegt, trat heute vormittag der 4. Strafsenat des Reichsgerichts zusammen, um heute und morgen die Verhandlung des Bullerjahn-Prozesses in Berlin fortzu- führen. Nachdem der Vorsitzende, Präsident Dr. Bünger, die Berliner Zeugen, die hier vernommen werden sollen, eindringlich zur Wahrheit ermahnt hatte, begaben sich die Prozeßbetelligten aus dem großen Sitzungssaal wieder auf die Straße, um den Lokaltermin vorznehmen, der dem wesent- lichen Grund zur vorübergehenden Verlegung des Prozesses nach Berlin bildet. Es handelt sich da- bei um die Nachprüfung der Aussage des Ehe- poares Langner, durch die Bullerjahn im ersten Prozeß belastet worden war. Die Eheleute Langner. die zum Bekanntenkreise Bullerjahns gehören, wohnen am Horstweg also in derselben Straße, in der auch der französische Leutnant Jost wohnte, dem Bullerjahn angeblich das Wasfenlager verraten haben soll. Im ersten Pro- zeß hatten die Eheleute Langner bekundet, sie hätten am 2S. Dezember 1924, also einen Tag nach der Beschlagnahme der Waffenbestände in Karlshorst. Bullerjahn vor dem Oberpräfldium aus dem Sophie-Charlotte-Platz gesehen und dabei den Eindruck gehabt, daß Bullerjahn bei Jost die Belohnung für den Verrat einkassiert habe. Das Gericht versucht heute, an Ort und Stelle den Lorgang zu rekonstruieren. Frau Langner, die zuerst vernommen wurde, gab die Stell« an, Hamilton, die Vereinigten Staaten in Hoover wieder einen Präsidenten hatten, der mindestens ein Jahrzehnt einen fremden Paß besaß und, was für amerikanische Vorstellungen besonders schlimm ist, seine amerikanischen Papiere aufgegeben hatte, um sich dadurch geschäft- liche Vorteil« zu sichern. In Amerika wurden diese Tatsachen zum ersten- mal nach der Wahl Hoovers im Jahre 1929 be- kannt. Da fürchtete man wohl den Skandal und drückte ein Auge zu, obwohl die amerikanische Ver- sassung Ausländer von der Möglichkell, Präsident zu werden, ausdrücklich ausschließt. Noch 1917 gab Hoover bei seinem Eintritt in einem ameri- kanischen Klub als ständigen Wohnsitz London an. Seine Absicht, in Amerika zu bleiben, bestand also damals noch nicht. Hoover wurde int Zusammenhang mit diesen Vorwürjen vor einen Untersuchungsausschuß ge- laden, der aber nicht feststellen konnte, ob Hoover jemals in Amerika gewählt habe. Hoover hat das qualifizierte Wahlrecht in Amerika nie besessen. Er ist dort passiver Wähler geworden, ohne akttver gewesen zu sein. Ob nun Hoover noch einmal passiver Wähler werden wird, das heißt gewählt wird, werden wir am 8. November wissen. Besonders in der Pro- vinz und im Westen spielen die Vorwürse, die Hoover als Ausländer gemacht werden, keine kleine Rolle. Hätte er als Ausländer die ameri- konische Properity durchgehalten, wäre ihm alles verziehen worden. Aber Wirtschaftskrise und als englischer Wähler ins Weiße Haus zu kommen, das wird wohl den hundertprozentigen Uankees zu viel des Guten sein. f'. Ltössinger. eine Unmasse unberücksichtigt gebliebener An- träge vor, die zuerst einmal dran kommen müssen. Und nun die Schuhe! Wenn die Sohlenkarenz- zeit von 4 Monaten bei Erwachsenen, von etwa 2 Monaten bei Kindern herum ist, geht es nach dem Wohlfahrtsamt. Dort werden die kaputten Sohlen vorgezeigt, worauf der Besohlungsschein ausgestellt wird. Ausgerüstet mit diesem, geht es erst zum„Schuharzt" im gleichen Hause, der sein Urteil abgibt, ob der lederne Patient überhaupt noch geheilt werden kann. Ist gar nichts mehr zu machen, wird der B e s o h l s ch e i n gegen einen Schuh s ch e i n umgetauscht, und man holt sich ein Paar neue. Brennend ist jetzt die Schuh- frage geworden. Das Kapitel Wäsche ist womöglich noch viel trauriger. Kaum daß einer mehr als eine Gar-' nitur hiervon hat. Die wird nun eben getragen und getragen, bis sie taffächlich nicht mehr trag- bar ist. Und dann, wie soll Mutter die Wäsche sauber kriegen? Wer gibt ihr Geld fiir Wasch- mittel, deren gerade solch strapazierte Wäsche in ganz besonders reichlichem Maß bedarf. Es ist ja überhaupt schon so, daß in all den Familien, wo das Elend herrscht, nichts, einfach nichts außer Miete und Essen aufgebracht werden kann. Was kaputt geht, das ist für immer dahin. Was fehlt, kann nicht angeschafft werden. Die Lichtrech- n u n g bedeutet bei den meisten längst keine Gc- fahr mehr, der elektrische Zähler und der Gasautomat sind auf unabsehbare Zell wohl- versiegelt. Mit der Kohlenration von zwei Zentnern pro Monat wird in der Küche ein arm- seliges Feuerchen unterhalten, um das sich die Familie schart. an der sie sich umgesehen nud etwa zehn Schritte hinter sich Bullerjahn auf dem Bürgersteig be- merkt haben will. Sie sagt, aus der Frontstellung Bullerjahns habe sie den Schluß gezogen, daß er aus dem Horstweg auf den Sophie-Charlotte- Platz, wo sie ihn nun sah, gekommen sei. Von einem Beisitzer und vom P r ä s i- d c n t e n wurde die Zeugin daraus aufmerksam gemacht, daß Bullerjahn, wenn er tatsächlich aus dem Horstweg gekommen und den Eheleuten Langner in dem angegebenen Abstand gefolgt wäre, im Horstweg eine ganze Strecke lang mit den Langners parallel gegangen sein müßte, so daß es wahrscheinlich gewesen wäre, daß die Eheleute Langner ihn schon vorher, und zwar im Horstweg selbst, gesehen hätten. Der Ehemann Langner bestätigt im wesent- lichen die Bekundungen seiner Frau. Er konnte die Stellung Bullerjahns in dem kritischen Moment nicht mehr genau angeben und erklärte, er habe nur aus den ganzen Umständen den Schluß gezogen, daß Bullerjahn aus dem Horstweg gekommen sei. A. Lilwok, einer der Gründer und bedeutend- iten Führer des„Bund"(Allgemeiner Jüdischer Arbellerbund), ist im Wer von S8 Iahren in New York, wo er die letzten Jahre in der ameri- kanischen sozialistischen Bewegung publizistisch und rednerffch tätig war, nach kurzer Krankheit ge- starben. WmtersaisonlmWoylsahrtsamt Der Massenschrei nach Kleidung und Schuhen Bullerjahn prozeß in Berlin Verhandlung im Gberpräsidium— Lokalter min am Horstweg Rundfunk der Woche Die Säge am laufenden Band In der Berliner Funkstunde gab es viele Jahre hindurch Vortragsreihen, deren Sprecher oder Veranstalter in festem Vertragsverhältnis zur Funkstunde standen. Besonders volkstümlich ge- worden waren u. a. die Vortlage von Geh Justiz» rat Professor Eduard H e i l f r o n und Garten- baudirektor Ludwig Vesser; sie sind, ebenso wie die in gleicher Art ausgebaut gewesenen wert- vollen medizinischen Plaudereien von Sanitätsrat F r a n ck, aus dem Programm verschwunden Warum? Man hat diese Nessorts ausgelöst. Der »erbeamtete Freiherren-Rundfunk hat die verhält- nismäßig geringen Mittel für diese ausgezeichneten, allgemein geschätzten und beliebten Fachleute nicht mehr übrig. Ihre Vorträge waren wirklich an ein Publikum gerichtet, mit dem ein erstaunlich enger Kontakt erreicht worden war. Jeder Hörer fühlte sich in seinen Sorgen, seinen Nöten beraten; er wurde es auch, mündlich oder schriftlich. Diese Hörerberatung wurde von den Vortragenden völlig unentgeltlich ausgeübt, und sie bedeutete wahrlich eine Sisyphusarbeit, die nur mit einer ungewöhnlichen Liebe zur Sache und einer ver- stehenden Freundschaft zu den Fragestellern, zum Hörerpublikum, sich„nebenher" erledigen ließ. Das Publikum aus den verschiedensten Bevölkerungs» kreisen war sich darin einig, daß die Vorträge dieser Herren wertvoll und erfreulich zu hören waren, und daß die besondere Bedeutung dieser Darbietungen in dem geistigen Zusammenhang einer Sendung mit der anderen bestand. Tut nichts; der Freiherren-Rundfunk hat für Fachleute kein Geld. Es gab auch einmal eine besonders hübsche Kinderstunde in der Berliner Funkstunde; das waren die Sendungen..K-nder spielen für Kinde r", die von der Märchenerzählerin Lisa T e tz n e r geleitet wurden. Wie in ihren Märchen- vortrügen, so bewies diese Frau auch in Wirklich- keit echtes Verständnis für das proletarische Kind. Ihre Spielschar bestand hauptsächlich aus Kindern, deren Eltern erwerbslos waren, und die sich nun mit ihren erfreulichen Darbietungen vor dem Mikrophon allmonatlich einige Mark(S bis 15) verdienen tonnten. Wie wir erfahren, wird Lisa Tetzner und ihre Kinderschar auf Wunsch des Intendanten Duske nicht mehr beschäftigt. Der Deutsche Studentenverband regte kürzlich bei der F u n k st u n d e Berlin an, auch im bevorstehenden Wintersemester wieder Studentendebatten in das Programm aufzu- nehmen; diese Debatten, die von namhaften Hoch- schullehrern verschiedenster politischer Gesinnung geleitet wurden, fanden das Interesse weitester Volkskreise. In sachlicher Aussprache standen sich hier Studenten aus allen Lagern gegenüber, um sich über politische, kultur- und wirk'schastspolitische Fragen auseinanderzusetzen. Die Funkstunde er- klärte, daß derartige Diskussionen„Ms auf weiteres nicht beabsichtigt sind". Statt der anerkannt wertvollen Darbietungen liefert der Rundfunk hohe Beamtengehälter und Ministerreden am laufenden Band; statt Auf- klärung und Volksbildung nationalsozialistische und freiherrliche Wirtschaftsweisheiten und Militär- spuk. Die Aermsten, die nichts weiter haben, so argumentieren die Barone, hören Rundfunk Viel- leicht bleibt etwas hängen. Die Herren Barone werden sich wundern, wenn einmal die Saat auf- geht, die sie jetzt säen. Tes. Nazis als Etreikmacher Der Zweck ihrer Uebung Aus dem Ruhrgebiet wird uns geschrieben: Bielleicht ist es für die Beurteilung des B e r- liner Verkehrs st reiks und die streik- wütige Haltung der Nazis nicht unwichtig, an die politischen Streikparolen zu erinnern, die aus dem ersten Nationalsozialist!- schen Betriebszellenkongreß, der am 22. und 23. Oktober in Duisburg tagte, fabriziert wurden. Auf diesem Kongreß, unter dem national- sozialistischen Reichszellenleiter Schuhmann, wurde nach parteioffiziellen Zeitungsberichten und nach echt kommunistischem Muster folgendes ausgeführt: „Und wenn die feigen Jammerlappen der Ge- werkschaftsführung jetzt die notoerordnete Frie- denspflicht anerkennen, wenn sie nicht wagen, einen Streik durchzuführen bis zum letzten, so sagen wir; Wenn Herr von Papen uns 99mal einsperren läßt, werden w>r IlXtmal für die Rechte des Arbeiters kämpfen. Um grundsätzlich von den falschen und feigen Ge- werkschaftsführern loszukommen, ist es dringend- stes Gebot, daß aus der Belegschaft heraus die Streikleitung gewählt wird, die mit den Unter- nehmern zu verha�d�Il. ipu.Epst.daw M die Dewähr dafür gegeben, daß die Rechte der Arbeiter richtig vertreten sind, die Rechte, die die Gewerk- schastsbonzen, die satten, kampfunlustigen Löwen, hinter verschlossenen Türen gemeinsam mit den Unternehmern verraten." In einer Entschließung wurde schließlich folgen- des Streikbekenntnis abgelegt: „Jede G e g e n w e h r der durch die letzte Not- Verordnung des Herrn von Papen aufs tiefste verelendeten Volksgenossen ist nicht nur mora- lisch, sondern auch wirtschaftlich berechtigt. Darum stellt sich die nationalsozialistische Betriebszellen- organisation in diesem Kampse an die Spitze der deutschen Arbeiterschaft, nicht aus parte!- politischen Gründen(!), sondern weil die Nationalsozialistische Betriebszcllenorganisation die sittliche Berechtigung und oolkswirtschastlichc Not- wend�gkeit einer Abwehr des Lohnraubes erkannt hat. Bei dieser Abwehr verzichten wir auch nicht auf den Streik! Streik gegen die Verelendungspolitik des volksfremden, herrschenden Systems. Streik gegen den Abbau der Tarife, der sozialen Einrich- tungen, Streik gegen den Versuch, die deutschen Arbeiter für die Sünden ihrer falschen Führer hungern zu lassen. Streik gegen den Lohnraub, für Gesundung der Wirtschaft. Das ist unser S'treik gegen Papen und seine Hoch- f in a n z!" tin Uiihittlv irhUU Gerhart Hauptmann, der in den nächsten Tagen seinen 79. Geburtstag feiert, mit seiner Gattin vor dem Wahllokal in Zehlendorf. Aus dem Wortlaut dieser Entschließung, aber auch aus den einleitend zitierten Sätzen geht ein- deutig hervor, daß die Nazis den Streik nur aus parteipolitischen Gründen bejahen. Ebensowenig wie es der REO. bei ihren maßlosen Streik- parolen aus die Vertretung der Arbeiterinteressen, sondern nur auf die parteimäßige Strategie an- kommt, so wollen auch die Nazis bei den sozialen Feuerchen ihre Parteisuppe aufwärmen. Denn was von den Streikparolen dieser Herrschaften grundsätzlich zu halten ist, geht daraus her- vor, daß zu der gleichen Zeit, wo man auf dem Nazikongreß in Duisburg die radikalen Streik- parolen fabrizierte, Adolf Hitler bei dem reak- tionären Schwerindustriellen Fritz Thyssen zu Besuch weilte. Wohl nur deshalb, um von der Schwerindustrie wieder Geld zu erhallen. Die Hakenkreuzler suchen das Vertrauen der un- organisierten und„revolutionären" Arbeiter zu gewinnen, um es für ihre besonderen Zwecke zu mißbrauchen. Ende des Riesenstreiks der Spinner in haneashire In Lancashire standen 299 999 Textilarbeiter :n der Baumwollspinnerei eine Woche lang im Streik. Der Streik wurde beendet, da die Abstim- mung unter den Mitgliedern der Spinnergewerk- schast nicht die notwendige Mehrheit von 89 Proz. zur Fortsetzung des Streiks ergab. Das vorläufige Lohnabkommen, das eine Lohnkürzung vorsieht. wurde angenommen. Bei dieser Entscheidung spielte— von finanziellen Gründen zur Unterstützung der an dem Riesenstreik Beteiligten ganz abgesehen— wohl auch die Befürchtung mit, die englische Baum- Wollindustrie auf die Dauer zu gefährden. Wie im Bergbau werden auch in der Baumwollindustrie die Arbeiter des einen Landes gegen die anderer Länder ausgespielt. Ebenso' wie in der Kohlen- Industrie ist daher auch für diese Industrie �ine internationale Regelung auf die Dauer unvermeidlich. Preiserhöhungen! Die Kartelle und Papens„Appell" Di§ deutsches Kartelle glauben, nachdem die PreiserHöHungs sperre am 39. Juni ab- gelaufen ist, ihre frühere unsinnige Politik wieder einschlagen zu können. Sie haben zur„grund- sätzlich neuen Staatsführung" das Vertrauen, daß keine amtliche Stelle, die zum Einschreiten gegen Kartellwillkür verpflichtet ist, von ihren Befugnissen Gebrauch machen wird. Zur selben Zeit, da der Lohnabbau und die weitere Senkung der Massenkaufkrasr amtlich gefördert werden, erfolgen fast täglich Preiserhöhungs- b e s ch l ü s s e. Für Porzellan, Papier, Zellstoff, einzelne Textilien, Benzin und kürzlich für Emaillewaren. Die Wirtschaftliche Vereinigung Deutscher Emaillierwerkc hat sich vom Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit ein Gutachten erstatten lassen, das zu der Feststellung kommt, daß die Preise für Stapelwaren bis zu 39 Proz. unter den Selbstkosten lägen. Warum? Weil die deutsche Emaillewarenindustrie besonders stark übersetzt ist. Das heißt also, daß zu viele Fabriken da sind, die alle nur zur einem Bruchteil ihre Anlagen ausnutzen können. Werden nun einzelne Fabriken stillgelegt, damit die übrigen voll und zu niedrigen Selbstkosten arbeiten können? Keineswegs. Das Kartell er» hält grundsätzlich alle Werke und will durch Ermittlung der Selbstkosten zu einer einheit- l i ch e n Kalkulation kommen. Auf diese Weise will man also so hohe Preise festsetzen, die auch den schlecht beschäftigten, teuer arbeitenden Be- trieben den Bestand sichern. Einstweilen hat man die Preise für Handelsware sofort um 19 Proz. erhöht. Die Begründung ist geradezu grotesk: ,Mit diesem Beschluß trägt die deutsche Emaille- warenindustrie bewußt dem Appell Rechnung, den der Reichskanzler an das deutsche Unternehmer- tum gerichtet und der von der notwendigen Ausnutzung der letzten Chance sprach, die der Privatinitiative zur Bereinigung der Wirtschaft- lichen Verhältnisse gegeben ist." Kein Wort von dem Rückgang der M a s j e n k a u f k r a s t, der auf den Absatz jeder Ware drückt und Preis- erhöhungen illusorisch machen muß. Rreugfers Schatten Flottmachungsversuche bei Ericsson Die große schwedische Telephonbau- und Tele- Phonbetriebsgesellschaft Ericsson war ein blühen- des Welwnternehmen, bis die unheilvolle Ver- bindung mit Ivar Kreuger eingegangen wurde. Ivar Kreuger hatte es verstanden, f a st sämtliche flüssigen Mittel zu ent- ziehen. Er war Hauptaktionär der Ericsson- Gesellschaft, und auf seine Veranlassung ging ein großes Aktienpaket dieses schwedischen Unter- nehmens in die Hände der amerikanischen Kon- kurrenz, d. h. der International Telephone and Telegraph Corp. über. Gleichzeitig kam ein Interessentengemeinschaftsvertrag zwischen den Amerikanern und den Schweden zustande. Als vor einigen Monaten Ericsson den Ge- schäftsbericht für 1931 veröffentlichte, ergab sich infolge der Kreuger-Verbindung ein V e r l u st von 23 Mill. Kronen, obwohl— trotz der Krise — das eigentliche Telephongeschäft der Gesell» schaft nicht gelitten hatte Im Gegenteil: der Absatz der Stockholmer Telephonfirma war von 26,1 auf 26,8 Mill. Kronen gestiegen, und auch der Absatz der übrigen Konzernsabriken hatte sich nur von 69 auf 55 Millionen Kronen vermindert. Jetzt werden ernsthafte Bemühungen gemacht, diese große Fabrikations- und Betriebsgefellschaft wieder flott zu machen Es handelt sich zunächst darum, die den Amerikanern oerpfändeten Aktien wieder in schwedische Hände zurückzuführen und gleichzeitig der Gesellschaft neue flüssige Mittel zu verschaffen. Wie es heißt, beabsichtigen schwe- dische Großbanken, eine neue Ericsson- Anleihe im Betrage von 35 Millionen Kronen aufzulegen. Die freundschaftlichen Beziehungen zum amerikanischen I. T. T.- K o n z e r n sollen allerdings beibehalten werden. Rentable Bergbaumaschinen. Die Maschinen- sabrik Schüchtermann und'Kremer-Baum in Dort- mund, ein Spezialbetrieb für Bergbau- und Auf- bereitungsmaschinen, wird für das Geschäftsjahr 1931/32 die gleiche Dividende wie im Vor- jähr in Höhe von 3 Prozent zahlen. Weller für Berlin: Ziemlich trübe diesig bis neblig, nur geringfügige Niederschläge, schwach« östliche Winde, Temperatur unverändert— Jüt Deutschland: Süddeutschland, Westdeutschland trübe mit etwas Regen, Temperaturen unverändert, Nord- und Mitteldeutschland trübe, diesig bis neblig, geringfügige Niederschläge, Temperaturen unverändert, Norddeutschland neblig, diesig, zeit- weise aufheiternd, Temperaturen unverändert. Hierzu 1 Beilage. Verantwortlich für Politik: Rudolf Brenden! ühl; Wirtschaft: G. Klingclhöfer; Gewerkschaftsbe- wegung: I. Steiner; Feuilleton: Herbert Le- p« r e; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstadt; Anzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Berlin.' Verlag: Vorwärts-Verlag G.»,. b H.. Berlin. Druck: Bortvärts-Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. i Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgcn-Ausgabe des„Vorwärts" verösscntlicht. Tlteatet Ltdtlsptele ustv Staats Theater Montag, den 7. November Jtaatsoper unter den Linden 20 Uhr Othello staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Gabriel Schillings Flucht VOLKSBUHNE THeater am BOlowoiatz O 1. Norden 2044. Tiflllch»Vi Uhr BJiaiBJiV von Marcel Pagroi ■ Mlvlz? Deutsch v.Bruno Frank Regie Heiws Hilpert. Dorsch, Tiedtke, Valetti. Siedel. Verhoeven. Stein. Almas SÄ« Kabarett für Alle 4 Uhr TSalich 2> 9 Ohr | Das Sensation eile Kabirett-Pro-ramm Abendpreise 1—3 Mk. Nachm. Gedeck 1.2» | jeden Sorinafaeno 1 1 V, ÜSr Wacktverelelkmc Lothringer Strahc 37. ■imimmnirniiiiimimiiitiiiHinimiiiMiMiimmiiiMimiimmiii Sonntags auch naefam 4 Uhr Die Liebe blüht in Werder Berliner Volksstück in 4 Bildern mit Gesang und Tanz. Für die Leser Gutschein 1—4 Personen Parkett 0.50 M. Fauteuil 0.75 M.. Sessel l 25 M. 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Abt..... 45. Abt..... 46. Abt.... 7 47. Abt..... 48. Abt..... 7. kreis Lharlottenbnrg 51. Abt.. 52. Abt.. 53. Akt.. 54. Abt. 55. Abt.. 56. Abt.. 57 Abt. 58. Abt.. 8. Kreis Spandau. 9. kreis Mlmersdorf 67. Abt..... 68. Abt..... 69. Abt..... 70. Abt..... 71. Abt..... 72. Abt..... 73. Abt..... 10. kreis Zehlendors 74. Abt..... 76. Abt..... 11. kreis Schöneberg 77 Abt..... 78. Abt.... 79. Abt..... 79a. Abt.... 80 Abt..... 81. Abt..... 12. kreis Steglitz.. 82 Abt..... 83. Abt.... 84. Abt..... 13. kreis Tempelhos. 85. Abt..... 86. Abt..... 87. Abt..... 88. Abt..... 14. kreis Beutölln. 89. Abt..... 90. Abt..... 91. Abt..... 92. Abt..... 93. Abt..... 94. Abt..... 95. Abt..... 96. Abt..... 97. Abt..... 98. Abt..... 99. Abt..... 99a. Abt.... 100. Abt.... 15. kreis Treptow. 101. Abt..... 102 Abt..... 103. Abt.... 104. Abt..... 105. Abt..... 106. Abt..... 107. Abt..... SPD, Batsoz. KPD. Zentr. Dnal. volksp. Staalsp. 37 226 43331 58 OOS 7 556 16 369 5 872 2 811 6 517 4150 4 702 5 702 7 360 36 408 9 691 4 043 5 622 6 589 4 822 5 570 52 528 3 705 4 693 4 546 5 455 5 264 6 057 4372 5 735 5 516 7 090 55 201 5 988 3109 8 669 3 622 5 570 6 291 7 959 7 563 6 353 48 238 8 425 6 933 6 828 3115 10 863 55 654 5 357 5 784 4 799 6 273 6 895 5 636 5 684 4 758 6 267 3 960 49 231 9 065 4 811 2 406 3 881 5 887 8 282 10172 4 710 22 766 29 487 37 588 1880 4 058 6184 6 400 3 999 4 l 16 2 865 7 774 1 776 1 125 32 594 10 268 7 068 5 554 941 3 417 4 999 21 162 12 004 6 090 3 232 17 096 10 573 4 071 695 1627 54 654 6 003 5816 4 239 6 840 6 085 4 760 2 998 3 621. 3 398 3101 3 710 3 025 1062 16 603 4 479 4149 4 649 1 991 2 791 2 027 1168 8 029 3 739 7 684 4 503 4 957 4 899 9 386 45 368 14 868 5 572 7 926 6 844 3 894 6 306 40 316 2164 3 975 3 854 4183 4109 4 514 2 830 3 911 4 444 6 416 45 835 4 916 2 348 8 939 3 416 4179 5126 5 405 6 574 4 938 40 335 7 259 5 063 6 265 1 973 9 614 54 355 8 244 7 773 4 901 7144 5 764 4 302 3 744 3 309 5 028 4 120 64 448 10 993 6 635 2 022 5 695 9 361 10 841 12 465 6 511 29 242 2 226 4 974 6 535 7 677 6185 5 540 4 306 12 397 1800 1 837 47 134 12 907 9 241 6 695 371 6 730 11 133 47 776 30 086 12 864 5 483 22 056 14 142 4 891 1035 2 044 5 365 5 028 3 774 6 612 5 391 3105 2 316 3 429 2 290 2 821 3 500 1812 896 16 591 4 244 3100 4 787 2 282 3 151 2 528 1480 6 969 2 543 8 633 6 444 7 508 12 794 13142 45 549 9 843 5 336 3 918 6 993 11484 7 955 115 563 7 867 10 043 10 467 9 499 11258 12 312 9 349 16126 7 670 10 887 76 412 7 652 3 239 10 021 5 631 8 067 10 342 11 498 10 267 9 380 67 355 20 071 8 821 12 400 5 907 19 676 79 087 5 955 5 864 6 277 5 265' 7 849 10 356 10 620 10 589 10 538 5 801 49 269 8 673 5 727 5119 5 451 8 226 5 724 7 673 2 616 20 529 15 971 854 2116 3 263 3 088 2 609 2 430 1 491 4 374 604 664 26 816 6 693 7 396 5980 514 2 343 3 859 19 087 10 833 5 798 2 454 15 522 8 059 5152 928 1334 1829 816 1404 717 623 802 1 274 9 955 3 052 879 1 449 2 045 1302 1232 3 527 2 134 3 036 1 442 1463 1 400 3 258 22 694 7 780 2 297 4 735 3 669 1287 2 766 7 099 13 482 655 819 920 692 641 860 439 694 602 746 7 573 780 319 1208 771 664 942 964 1 161 756 7 855 1626 866 844 523 1 703 9 552 1 508 1 333 915 1 035 839 652 660 1073 1 018 472 12 459 2 759 807 302 1 153 592 1962 2 408 1321 3 859 8 328 645 994 2 015 1 629 1 015 966 905 2 490 264 681 7 820 2 830 1 849 976 92 761 1327 6 233 3 896 1 703 751 4190 2 475 547 894 272 807 1 373 1 432 1 303 1 291 1 496 l 072 1 200 1 468 2 038 16 593 1751 658 3 226 1 392 1621 2 016 2 013 2 321 1605 11939 2 028 1 830 1672 574 3 216 23 221 3 690 3 667 1 929 » 3 550 2 386 505 1 411 1 174 2 299 1 547 31 802 6 535 2162 446 2 351 4 228 5 637 6 434 3 854 8 384 27 468 2101 3 363 4 365 5 639 4 001 4 081 3 881 11 246 883 2 540 26 488 7 711 4 577 2 264 139 4 152 7 567 29121 16 437 9 394 3 376 10 660 6 994 2 024 573 1 122 7 029 7 559 6 720 8 271 8 827 7 959 8 730 5 430 5 549 4 772 5 910 2 498 2 668 18105 4 217 3 032 7 766 2 159 4 665 2 030 2 002 641 624 468 909 607 454 487 474 349 501 377 301 170 2 251 599 406 1 191 258 502 354 132 t* 46 325 82 188 6 323 13 758 1 409 1 4.38 1 102 2 343 1 717 677 577 918 541 807 1 262 691 239 6 595 1 798 1374 1 243 880 1040 1099 405 954 225 172 160 73 65 67 181 1 833 781 102 415 316 46 154 673 34 40 45 81 79 69 54 46 103 112 890 70 130 254 41 71 90 95 138 95 601 88 III 88 24 160 1 508 299 215 ä 183 95 » 60 72 107 74 3 699 847 253 36 258 429 627 833 413 1 828 3 348 344 388 459 669 384 546 522 2 008 194 454 2 622 824 366 137 9 409 842 4 095 2 223 1 275 536 1034 696 146 64 113 1019 107 III 63 175 142 58 46 70 39 65 73 55 7 608 140 153 151 97 91 102 25 2 086 364 227 477 227 224 157 336 2 807 939 228 706 542 130 262 1 718 85 116 151 170 175 215 148 172 231 307 2148 259 30 425 105 211 203 224 310 252 1 553 212 272 207 61 350 2 512 387 317 •ü 322 208 204 149 239 199 4 775 852 272 59 202 366 993 1 240 682 716 4 281 .327 548 835 1 068 467 497 481 1 163 194 314 3 265 1 309 674 244 34 380 542 2 559 1 429 750 338 1344 867 256 74 147 2 057 303 233 155 309 247 112 61 128 98 102 143 125 36 994 259 222 171 121 176 157 59 SPD. Batfoz. KPD. Zentr. Dnal. Vollsp. Staatsp. 16. kreis Köpenick... 13 056 17109 16 936 1 680 7 036 580 659 108. Abt....... 3 534 4 812 6 763 412 1596 112 147 108a. Abt..... 3516 4795 3752 593 1855 130 188 109. Abt...... 2 681 3 895 3 082 363 1977 253 162 110. Abt....... 772 921 781 65 460 21 38 III. Abt....... 1 255 673 1 523 77 212 15 29 112. Abt....... 955 1486 817 126 579 40 79 113. Abt....... 3 iL 524 253 44 359 4 18 17. kreis Lichtenberg,. 38 052 37 089 54 754 6 239 12 516 968 1 561 114. Abt....... 4 490 3 640 6 666 605 936 56 120 116. Abt....... 3110 2 988 3 746 431 1004 84 129 117. Abt....... 5 258 4 028 7 089 642 1 185 91 167 118. Abt....... 4 331 4 574 5 430 702 1 464 III 191 119. Abt....... 3 654 3 440 6 630 817 432 120. Abt....... 3178 2 889 5 561 486 1020 50 119 121. Abt...... 2 980 5 218 2 519 925 2 719 286 299 122. Abt...... 1 090 959 1 065 114 395 28 42 122a. Abt...... 574 453 1000 172 112 4 15 123. Abt...... 1 588 1 478 1 603 189 439 39 63 124. Abt....... 2 606 1 662 2538 259 625 38 82 124a. Abt... 63« 774 809 64 249 13 41 18. kreis Weihensee... 9 613 13 584 18 467 2 049 3 861 305 396 19. kreis Pankow... 20 926 26 598 24 555 3 223 10 713 848 1 265 128. Abt..... 5 884 7 636 5 803 973 2 468 161 340 129. Abt....... 6 002 8 983 7 025 990 3 928 301 345 130 Abt....... 720 985 1 214 108 249 18 38 132. Abl....... 685 491 822 89 163 8 45 133. Abt...... 984 1 022 2 410 157 594 18 58 134. Abt....... 1 883 1 085 1 116 193 462 41 116 20. Kreis Reinickendors.. 23 343 27 481 34 234 4 449 8 630 1 034 1 150 136. Abt..... 7 016 7 649 11089 1 227 2 045 244 356 137. Abt..... 3 827 3556 5 762 521 947 72 122 ' 138. Abt...... 1 891 3 927 1 760 572 2 206 305 195 139. Abt...... 4 022 5 460 4 982 1 227 1 532 189 175 139a. Abt...... 762 336 379 54 65 12 22 140. Abt....... 1 267 920 2 483 151 203 16 46 140a. Abt...... 2 062 2 205 3151 267 503 66 100 Z41 Abt...... 802 994 1 484 90 325 30 30 142. Abt...... 767 947 1470 93 253 30 143 Abt..... 932 1 480 1678 243 550 68 53 Neue Malerei Dänemarks Im Kronprinzenpalais Im Hauptgcschoh des Äronprinzenpaiais sehen wir jetzt eine der nordischen Ausstellungen im Austausch gegen unsere Wanderschau des vorigen Jahres: neuere dänische Malerei. Man erlebt mit Beglückung bei dieser, uns bisher völlig unbekannt gebliebenen Kunst unserer nordischen Nachbarn das Gemeinsame europäischer Kultur Diese Maler, die die Generation der Vierzig- bis Sechziajöhrigen und die wirklich maßgebende Kunstkchicht in Dänemark revräsentieren, sind Ver- treter eines echten, weil im cheimatboden wurzelnden Euroväertums: und sie stehen so nahe bei unseren gleichaltrigen Künstlern, die jene linnlos umstrittene Oslo-Ausstellung zeigte, bei den Nolde. Kirchner, Kandinlky, Hoser, daß wir sie als Mitltre'ter unseres eigenen besten Wollens emnkinden. Die Begabung der Dänen erscheint, wie schon im 19. Jahrhundert, nur in blühenderer Saftig- keit, als eine beherrschte Ordnunasliebe, eine zur Ironie neigende Klarheit des Geistes, als Liebe zur Natur, leise dem Nomantilch-Empsindenden zugekehrt. Landschalt überwiegt, vor allem bei den bedeutendüen Meistern der Farbe Höst Södergard und Zentben. Fast alle kamen von ihrem nationalen Lehrer Kabrtmann her und landen in Baris den Anlchluß an die großen Probleme der«eit: aber ebenso stark waren die vaiksmäßigen Be>ie6ungen zu ihren Landsleuten Skovanard und Wlllvmsen. zu dem Norweger Münch, zu Nolde und Kandinskv. Sigurd Swane bleibt einem, freilich sehr durchaeistlgten und larbiaen. Imvreisionismus verbaltet. A k I e 1 B e t e r f e n malt sch'ickte Landlchalten in der selten und farbenhellen Art des lnäten Münch: Helae Jensen kräftige Aklbilher von schönem plastischem Nealismus. Führer. zu einer aus dem Jmnreslionismus heranskübrenden Vere'nlachuna. etwa im Sinne »an Münch, mebr noch Matisle. war der 1927 ae- storbene Harald Giersinq Weiler geht Dlak Rüde in der llächenhalten loelllarbigkeit Matisles. und noch stärker in die abstrahierende .Felliakeit des Snätkubismus stoßen Harold .F a n l e n s Landschaften vor Zur heimischen Tradition wenden sich wieder Kraesten I v e r s e n. delie» monumentale Chriltusleaenden an Skovgaard anknünsen, und Ernst Zeuthen, einer der nersönlichsten und stärksten Landlchaster der Dänen. Der dritte Kreis, der sich um die Maler von Bornbolm zusammenschließt, neigt am meisten z» unserer eiaenen Art: nicht aus Nachahmung sondern kra't oejstiaer Berwandtlchast..klier finden wir die beiden größten Koloriiten: Olaf Höst mit seinen sehr starksarbioen Landschaften voll dunkler und romantischer Stimmung. Liebhaber mächtiger Abenddämmerungen und Schneefarbenz und Jens S ö n d e r g a a r d. der uns vielleicht, ob mit Recht oder Unrecht, als der am meisten „nordische" Maler erscheint, voller Dämonie in Farbe und derb-lyrischem Gehalt, ein Nolde nah verwandter Romantiker Jütlands. Diese beiden werden, mit Zeuthen zusammen, den nach- boltigslen E'ndruck bei unseren Besuchern machen. ?aul b'. Sdimklt. Nelson im Eden Am mondänen Ort im Blauen Saal des Eden- Hotels eine mondäne Miniaturrevue. 15 einfalls- nud pointcnreiche Kleinkunstbilber(rund um e!e- gantes Hotelleben) von Hannes und Schwabach, die durch Rudolf Nelsons charmante, immer ein wenig sei- stparodistische, auf zwei Flügeln aus- gezeichnet variierte Musik in flottem Step- und süßem Tangotempo Farbe und Leben erhallen. An den Flügeln Fritz Freed und Nelson selbst. Werner Fütterer ist eine Art Conferencier, Ernst Berebes urtö Walter Groß glänzen als Berwanb- lungskllnstler in vielen kleinen Rollen. Am amü- santesten ist Hilde Hildebrandt, wenn sie als „Heilige Elisabeth", als„Zeitfurie" die durchaus damenhafte Dame, wie sie in der„Dame" steht, sarkastisch persisliert— im Rahmen der Klein- kunst ein« große Künstlerin. w. Gerhark hauptmann Ausstcllung in Berlin. Die Gerhart-Hauptmann-Ausstellung der Breslouer Städtischen Museen wird am 16. November in Berlin in den Räumen der Iuryfreien(Platz der Republik 4) erössnet. Der Breslauer Arbeits- ausschuß wird in Berlin ergänzt werden. Die Ausstellung enthält folgende Abteilungen- Schle- sien und Hauptmann. Literatur um Hauptmann, bildende Kunst. Ein besonderer Raum wird Hauptmanns Verhältnis zu Berlin ge- widmet sein. Die erste Prioatdozentur für Zeilungswissenschast. An der Universität Greifswold hielt Dr. Hans Traub seine Antrittsvorlesung über:„Zeitung. Film und Funk als wissenschaftliche Ausgab e". Anschließend wurde ihm die akade- mische Zulassung für Zeitungswiffenschast erteilt. Traub ist gleichzeitig Referent im Deutschen In- stitut für Zeilungekunde in Berlin In dar Preußischen Alabemie der Wissenschasten spricht Mittwoch, 7.30 Uhr, Pros. I a c g c r über: „ThukydideS als poliiischer Tcnler". Euttrittskarie» zu 0,50 und 1 Mark beim Pförtner(Wikhelmstr. 38). Mittwoch— Sechstagerennen Das große sportlich-geschäftliche Wagnis im Sportpalast Es haben sich wieder Unternehmer gefunden, die trotz der Schwere der Zeit in Berlin ein Sechstogerennen starten werden. Am Mitt- wochabend, eine Stunde vor Mitternacht, wird der Filmstar Harald Lloyd, der sich zur Zeit in Berlin aufhält, den Startschuß für das 28. Ber- liner Sechstagerennen abgeben. Die 4S-Stunden- fahrt endet demnach am Dienstag nächster Woche um 24 Uhr zum Unterschied von allen bisherigen Rennen, die immer eine Stunde vor dem neuen Tag beendet waren. •k Es ist viel darüber geschrieben worden, ob und unter welchen Umständen das traditionsgemäß fällige Sechstagerennen überhaupt möglich ist. Es ist nun mal ein Geschäftsunternehmen für die Ber- anstalter sowohl wie für die Fahrer; beide über- nehmen ein Risiko, das für die Unternehmer, d. h. für die leitenden Männer des Sportpalastes viel- leicht auf Leben und Tod gehen kann, für die Fahrer insofern, als sie sich nicht nur mit wefent- lich gekürzten Gagen begnügen müssen, sondern vielleicht sogar bei einem Mißlingen der ganzen Beranstaltung finanziell nicht ganz zu ihrem Recht kommen können. So haben sich auch die VerHand- lungen um die Engagements der Fahrer bis in die letzten Stunden hinein verzögert. Immer wieder erreichen uns die Nachrichten von weiteren Erfolgen zäher Aufbauarbeit der Naturfreunde. Zu einem besonders freudig aufgenommenen Ereignis wurde die Jubelfeier auf dem Padafterjoch in Tirol, wo vor 25 Jahren das erste Naturfreundeheim eröffnet wurde. In Deutschland allein wurden acht neue Heim« der Oesfentlichkeit übergeben. Als Ferien- heim besonders zu beachten ist das bei Villmar an der Lahn eröffnete Lahntalhaus des Gaues Mittelrhein-Main. Weit mehr als hundert Gäste können dort untergebracht werden, ein guter Aootsraum für die Wasserwanderer steht zur Verfügung. Für Faltbootfahrer als Stützpunkt wichtig ist auch das Bootshaus der westfälischen Gruppe Hüls und das prächtige Haus der Leipziger an der Elster, das allein 180 Boots- stände hat und auch sonst ausgedehnte Heim- räumlichkeiten enthält. Ein Wanderheim errichtete die Ortsgruppe Sangerhausen im Slldharz, ebenso Alfeld im Westen des Harzes mit dem Leinetal und dem Hils als Wandergebict. Die Ortsgruppe Essen eröffnete ihr Stadtheim, und die Schwein- furter konnten an Stelle des infolge Brand- stiftung abgebrannten kleinen Heimes auf der Hohen Wann am Westhange der Haßberge ein neues schönes Heim einweihen. Von Bedeutung ist auch die beträchtliche Erweiterung des allen Schwarzwaldfahrern bekannten Freiburgcr Natur- freundeheims bei Breitnau, das jetzt über hundert Besuchern Raum bietet. Vergessen sei ferner nicht das neu« Heim der Erfurter in Tambach- Dietharz, das ein Stützpunkt für die Wanderun- gen im Thüringer Wald ist. Schließlich darf als Zeppelin Jan. Taufe eines Kleinluftschiffes Auf dem Flugplatz in Staaken fand am Sonn- abend in der riesigen Lustschiffhalle vor geladenen Gästen die Taufe des K l e i n l u f t s ch i f f e s ?. N. 30 statt. Durch seine Probeflüge über Berlin ist es der Berliner Bevölkerung bereits bekannt; auf blauem Grund leuchten vom Rumpf des Schiffes in hellweiher weithin sichtbarer Schrift Reklameworte für chemische Produkte her- nieder. Dieses Luftschiff soll jetzt auch Passagiere über Berlin oder auch über andere schöne Städte und Gegenden spazieren fahren. Es ist mit einem Siemens-Motor von 100 Ps. ausgerüstet, der ihm eine Geschwindigkeit von gut 80 Kilometer in der Stunde und einen Aktions- radius von rund 1000 Kilometer verleiht. Dos Fassungsvermögen des Luftschiffes ist 2600 Kubikmeter; es weist eine Reihe von Einrichtungen und Neuerungen auf, die selbst größere Luftschiffe nicht besitzen. So können sowohl die Gas- als auch die Luftventile, ferner die Ballastbehälter, Steuerzüge zu den Höhen- und Seitenrudern und alle für die Führung wichtigen Teile im Innern des Schiffes jederzeit, ob in der Fahrt oder am Ankermast. überprüft und— wenn es fein muß— ausgebessert werden. Es hat bisher 35 Probefahrten mit etwa 80 Fahrstunden bestanden, hierbei konn- ten alle Bedingungen erfüllt werden und die zu- friedenstellende Funktion der gesamten Einrichtun- gen des Schiffes festgestellt werden. Der Taufakt wurde nach der Ansprache des Präsidenten des Aeroklubs von Deutschland, Major a. D. v. Kehler, und nach technischen Erläuterungen des Konstruk- teurs des Lutschiffes, Diplomingenieur Naatz, durch Frau Eamille Horn vollzogen. Das Luftschiff er- hielt den Namen„Meteor" Nach dem Festakt fand eine Auslosung von 10 Freiflügcn statt, die glücklichen Gewinner hatten Gelegenheit, das Luft- schiff in Fahrt kennen zu lernen. Bei einem Vergleich der Tellnehmerlisten früherer Sechstagerennen zeigt sich, daß man, offenbar um das Publikum anzulocken, gute aus- ländische Fahrer mehr als früher berück- sichtigt hat. Drei reine Ausländerpaare, nämlich Piet van Kempen— Pijnenburg(Holland). Broc- effrdo— Guimbretiere(Frankreich) und Buysse— Billiet(Belgien) gehen an den Start und einige andere Ausländer sind mit Deutschen gepaart worden. Es ist das erstemal, daß die beiden Holländer eine Mannschaft bilden; beide sind im Berliner Sportpalast als gute Fahrer bekannt, wiewohl van Kempen bereits auf dem Abstieg scheint. Jedenfalls wird er zu beweisen haben, daß er das hohe Honorar als Fahrer verdient. Sein Landsmann, jünger und offenbar auf der Höhe seines Könnens stehend, hat bisher in Berlin in allen Paarungen eine sehr gute Figur gemacht. Broccardo kennt man von seiner Partnerschaft mit dem Berliner Tietz. Er konnte mit ihm vor zwei Jahren das Sechstagerennen in großer Manier gewinnen. Die Belgier sind neue Leute, die im Sportpalast das erstemal starten. Der Oesterreicher Bulla ist mit dem Italiener Bres- ciani gepaart worden und wenn man will, kann man diese Mannschaft als das vierte Ausländer- paar bezeichnen. Bulla ist der hervorragende außerordentlich erfreulich das Schaffen der völlig isoliert wirkenden Danziger Naturfreunde ge- wertet werden, die neben ihrem Wanderheim in Kahlbude nahe der polnischen Grenze ein zweites Ferienheim der Oesfentlichkeit übergeben konnten. Auch die Tschechen waren rührig. Die Warnsdorfer schufen im nordböhmischen Industrie- gebiet in Ztiederlichtenwalde am Fuße des Pliffenberges ein bestens ausgebautes Ferienheim mit rund 80 Lagerstätten, und die Trautenauer Übernahme» eine Pachthütte im Riesengebirge auf der sogenannten Stufenleite. In Frank- reich war die Gruppe Gebweiler erfolgreich niit der Errichtung des Wanderheimes auf Rottenbrunnen in den Vogefen, das gleichfalls 100 Wanderern Unterkunft bietet. Im Alpen- gebiet schließlich erstanden drei neue Heime. Die Kufsteiner eröffneten im Gebiet des Wilden Kaisers vorläufig eine kleine Hütte mit 20 Lagern; später soll dort ein großes Schutzhaus ent- stehen. Die Kärntner Gruppe Villach erwarb die Knappenhütte auf dem Dobratsch. Sie hat Unterkunft für rund achtzig Personen. Ein besonderes Ereignis ober war für die Kärntner die Eröftnung des großen Ferienheimes auf den Karawanken. Das Koschuttahaus hat 16 Schlafräumc, darunter zwei Jugendräume. An 100 Personen können dort unterkommen. Als letztes sei die Skihütte Ardmngalm der Orts- gruppe Selztal erwähnt, die bedeutend erweitert wurde und nun 60 Personen Raum gibt. Die praktische Naturfreundcorbeit nimmt so einen beachtlichen Raum hn der ausbauenden Tätigkeit der Arbeitersportler ein. Arbeiter- Wasserball Volkssport W c i ß e n s e e und die 2. Mann- schoft der Fr. Schwimmer Charlottenburg waren am letzten Sonnabend im Wellenbad die Spielgegner des fälligen Serienspiels. Weißensee blieb zwar erwartungsgemäß Sieger, jedoch wird das Resultat von 8: 5, Halbzeit 4: 3, Toren nicht den überraschend guten Leistungen der Charlotten- burger gerecht. Sie lieferten den zwar ersatz- geschwächten Weißense0rn einen im Spielfeld völlig offenen Kampf und gaben dazu durch gute schwimmerische Leistungen das Tempo an. In dem ungewöhnlich spannendem Spielverlauf kam Charlottenburg nach einem abgewehrten Angriff Weißensees zum ersten Torerfolg. Kurz danach glich Weißensee jedoch mit einem scharfen Schuß seines rechten Stürmers aus. In der Folge zeigte Charlottenburg eindeutig besseres Zusammenspiel und vorbildliche Schuhentschlossenheit seiner Stürmer. Oft mußte Weißensees ausgezeichneter Torhüter gefährliche Angriffe abwehren. Weißen- fee hatte in seinem schußgewaltigen rechten Stürmer seine stärkste Waffe und schnitt in der Folge sein Spiel auf diesen Mann zu. Obwohl die Flüssigkeit des Kampfes darunter litt, gelang es den Weißenseern dadurch, das Spiel offen zu halten und durch etwas unglückliche Abwehr der Charlottenburger Verteidigung log Weißensee beim Seitenwechsel mit 4:3 in Front. Entgegen der Annahme, daß das bessere Stehvermögen der Weißenseer im zweiten Spielabschnitt dominieren würde, blieben die Charlottenburger auch weiterhin gefährlich. Nach einem weiteren Tor von Weißensee gelang es ihnen 5: 5 gleichzu- ziehen. In dem nun einsetzendem Endkampf gaben beide Mannschaften bei anerkennenswert fair bleibendem Spiel ihr Letztes. Auf der Weltbühne Es war im vergangenem Jahre doch etwas Be- deutendes, als die Freie Turnerschaft Straßenfahrer, der sich in der ungeheuer schweren „Tour de France" so sehr auszeichnete. Natürlich stehen die vier Ausländerpaare vor keiner leichten Aufgabe, denn unter den neun rein deutschen Mannschaften befinden sich mehrere, denen ein Sechstagesieg ohne weiteres zuzutrauen ist. Als stärkste deutsche Mannschaft darf man wohl Tietz— Schön ansehen, die beide mit an- deren Partnern bereits Sportpalaft-Sechstage- rennen gewonnen haben. Mindestens ebenso inter- essant wie diese Neuzusammenstellung ist aber die Verbindung Funda— M a i d o r n. In kürzeren Mannschaftswettbewerben haben die beiden bisher von allen Mannschaften am besten abgeschnitten und nun wollen sie den Leweis erbringen, daß sie auch fähig sind, ein Sechstagerennen zu ge- Winnen. Ausgezeichnete Chancen sind auch Siegel— Thierbach, Buschenhagen— R e si g e r, R i e g e r— E h m e r und Kroll— M i eth e zuzubilligen. Wenn sich Buse auch als Sechstagemann bewährt, so könnte es durch B u s e— M aczynski eine ähnliche Ueberraschung geben wie im 22. Berliner Sechstagerennen durch Dorn— Maczynski. Auch die Gebrüder Nickel und die Sechstage-Neulinge Ahlers— Becker dürfen nicht unterschätzt werden. Starke Felder bringen die zwei Vorrennen am Mittwochabend an den Start. Sie bestehen aus zwei Punktefahren über je 26 Kilometer. Das eine Rennen bestreiten die besten Amateure des Ber- liner Bundesgaues, im zweiten Rennen über ebenfalls 25 Kilometer gehen in Berlin ansässige und trainierende Berufsfahrer an den Start. Groß-Berlin mit ihrer Veranstaltung„Schritt um Schritt" zeigte, daß auch der Arbeitersport in der Lage ist, auf einer weltbekannten Bühne, wie es der„Wintergarten" ist, moderne Körperkultur zu zeigen. Auch in diesem Jahre wird am 13. November der Verein an dieser Stätte unter dem Leitwort„Wir marschieren!" zum Aus- druck bringen, wie wir durch Leibesübungen zur Festkulhir gelangen können. Diese Mittagsoer- anstaltung, die um 11.30 Uhr beginnt, ist ein Zeichen sozialistischer Kultur. Auch das dies- jährige Programm wird allen Besuchern, von denen schon viele aus der Provinz sich angemeldet haben, keine Enttäuschung bringen. Der Preis der Eintrittskarten ist auf 50 Pf. festgesetzt. Die Plätze werden verlost. Karten in den Geschäfts- stellen des Bundes, Königsberger Straße 5 6, des Kreises Elsasser Straß« 86 und der FTGB. Berlin NO. 18, Lichtenberger Straße 3, Tel.: E 3 Königstadt 3656. Winter-Flugdienst Auch nach Moskau und Venedig Am 1. November tritt aus den Strecken der Deutschen Lufthansa und der meisten europäischen Lusloerkehrsgesellschaslen der winlerstugplan in Kraft, der bis zum 26. Februar 1933 Gültigkeit besitzt. Es ist gelungen, den Luftverkehr auf einer großen Zahl wichtiger internationaler und inner- deutschen Fernstreckcn auch im Winter ausrecht- zuerhalten. Nach 12 europäischen Staaten führen Fluglinien der Deutschen Lufthansa, an die 19 deutsche und 14 ausländische Groß- städte angeschlossen sind. Als wichtigste der im Winter betriebenen Strecken seien genannt die Linien: Berlin— Hannover— Amsterdam— London, Berlin— Hannover— Köln— Paris, Berlin— Holle— Leipzig— Nürnberg— Fürth— München, Hamburg— Hannooer— Frankfurt— Stuttgart sowie die Flug- Verbindungen nach den Grenzmarken: Berlin— Breslau— Gleiwitz, Berlin— Stettin— Danzig— Königsberg. Schließlich wird auch die Linie Stutt- gart— Genf— Marseille— Barcelona, die in Stuttgart Anschlüsse an die Nachtschnellzügc nach und von Mittel- und Norddeutschland besitzt, den ganzen Winter über beflogen. Dann wird auch im Winter die Flugverbindung zwischen Berlin und Moskau durch die Deruluft aufrechterhalten. Ebenso werden die Linien München— Venedig und Stuttgart— Freiburg zum ersten Male während der Winter- monate betrieben. Auch die Post-Frachtstrecke nach Saloniki—'Athen wird beibehalten. Das Spezial- flugzeug übernimmt in Wien die aus Nord- und Süddeutschland mit dem Nachtschnellzug eintreffen- den Sendungen und befördert sie am gleichen Tage nach Athen, wo die Anschlüsse an den britischen und holländischen Jndiendienst erreicht werden. Infolge der sehr beschränkten Mittel für den Winterverkehr war es notwendig, Strecken wie Berlin— Kopenhagen, München— Wien, Berlin— Zürich u. a. m. bis Ende Februar 1933 still- zulegen. Auch auf der Strecke Berlin— Dresden— Prag— Wien kann der Bettieb erst am 1. Februar wieder aufgenommen werden. Zum Einsatz für den Winterluftverkehr gelangen ausschließlich Flug- zeuge, die mit den modernsten Navigationsinstru- menten und ausnahmslos mit Funkgerät aus- gerüstet sind und deren Kabinen auch sclbstoer- ständlich durchweg Heizungsoorrichtungen haben. Schwarzes Brett Sartellbczirl SchS-cbcrg-Zriedenail. Montag. 7. Z!o. vcmber, 20 Uhr, bei Schmidt, Ebcrsstr. IS, Ztartellsitzung. Wegen der Werbeveranstaltang mug jeder Verein«er» treten sein klartellbezirk Treptow. Montag, 7. November. 20 Uhr, Aartclltztzung bei Pomp, Niederichöneweide, Hosselwerder. straßc 12. Sonnabend, 19. November, Sartellabend im Vereinzbaus des Rudervereins Vorwärts. gartellbe,irl Schöneberg-Fiiebeaav. Montag. 7. Novem. ber. 2V Uhr, Aaricllützung bei schmidt, Ebersstr. lß. Zrcie Schwimmer Tharlottcaburg. Dienstag, 8. Novem» ber, 20 Uhr, Monats Versammlung bei Germar, Kaiser. Fried rich-Str. 13. Verrückter Naziapostel macht Steuerstreik Ein Musterexemplar in der Nazibewegung ist der 60jährige Kaufmann und Volkswirt Hans Wuthenow in Leipzig. Er gab im Juni 1931, kurz nach Erlaß der zweiten Steuernotverordming ein Rundschreiben heraus, und forderte Fabrikanten und Geschäftsleute, die mit Hitler sympathisieren, auf. der damaligen Brüning-Regierung keine Steuern mehr abzuführen, damit sie sich abwirt- schaftetc. Auch in Naziversammlungen propagierte er Steuersabotage. In Listen, in denen zum Steuerstreik aufgefordert wurde, zeichneten sich viele Geschäftsleute in Dresden, Meißen, Chemnitz, Berlin, Magdeburg, Kottbus und Halle ein. Die Einzeichnungslisten wurden beschlagnahmt und gegen alle Einzeichner wurde das Straf- verfahren wegen versuchter Steuerhinterziehung eingeleitet. Nur gegen den Verfasser der Rund- schreiben konnte nicht strafrechtlich vorgegangen werden, weilerdenZ51hotundgeistes- unzurechnungsfähigist. Viele Geschäfts- leute waren der Aufforderung des verrückten Naziapostels nachgekommen und hatten den Be- Hörden erklärt, daß sie solange keine Steuern mehr zahlten, bis die Brüning-Regierung abgedankt habe. Den Steuersaboteurep wurden Strasbesehle in Hohe bis zu 150 M. zugestellt. Dagegen hatten sie Einspruch erhoben, so daß sich das Schöffen- gericht in Leipzig nochmals mit den Nazi- anhängern befchaitigen mußte. Das Gericht erhöhte die Strafen auf 160 M. und erkannte auch auf Publikation. Nur W ut h«- n a w, der den Nazilcuten den Streich gespielt hat. geht frei aus, weil er fürseine Taten nicht verantwortlich gemacht werden kann, da er fürs Irrenhaus reif ist. Tschechischer Naziprozeß flartes Urteil Nach mehrwöchiger Verhandlung gegen Mit- glieder des„Jung st u r in" hat das Landesgericht verurteilt: acht Angeklagte zu G e- f ä n g n i s von 12 bis 18 Monaten sowie zu Geldstrafen von 1000 bis 1500 Kronen und V e r- luft der Bürgerrechte; zwei Jugendliche zu sechs Monaten Einschließung mit drei- jähriger Bewährungsfrist; drei wurden freigesprochen. Die Präventiv- und Unter- suchungshast wird eingerechnet. Sämtliche Ber- urteilten sind verpflichtet, die Kosten des Straf- Verfahrens zu tragen. Fünf fudetendeutschc Nazi-Abgeordnetx, Jung, Kasper. Knirsch, krebs und Schubert sollen wegen Verbrechens gegen den tschechoslowakischen Staat verfolgt werden; chre Auslieferung ist beim Abgeordnetenhaus beantragt. Rundfunk am Abend Montag, 7. November Berlin: 16.13 Erholung im Sommer oder im hinter?(A. Hauer). 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.30 Gorillafang unter dem Aequator(II. Freyberg). 17.45 Ausgeredinet— Rudern(F. Mahnert). 18.05 Klaviermusik von M. v. Sdiilliugs. 18.30 Dürfen wir Ihnen raten? 18.50 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.35 Die Funkstnndc teilt mit. 19.00 Inler- \ iew mit einem Sportquarlett(E. Schönborn). 19.10 Unterhaltungsmusik. 20.00 Fritz Reuter(zu seinem Geburtstag). 20.43 Lieder. 21.15 Wir erinnern an... 21.30 A. Sdiaeffer; Eigene Diditungcn. 22.00 Wetter-, Tagesund Sportnachrichten. Tanzmusik. 24.00 Wiederholung:„Der Zauberbaum". Königs Wusterhausen: 16.00 Piid- agogisdier Funk. 17.30 Dentsdie Männer im anRerdeiitsdien Südosten. 18.00 Musizieren mit unsichtbaren Partnern. 18310 Die Kriegsschuldfrage. 18.53 Wetterbericht. 19.00 Stunde des Landwirts. 19.20 5 iertel stunde Funktechnik. 19.35 Heinrich Michaelis zum Gedächtnis. 20.00 Aus Königsberg: Simon Dach. 21.00 Ans Dublin: Europäisches Konzert. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im„Aolks- funk", monatl.% Pf., durch alle„Vorwärts"» Boten oder die Postanstalten. Haas Hönisch 70 ZaHre! Heute vollendet unser Genosse Hans Hönisch sein siebzigstes Lebensjahr. In der Schönhauser Vorstadt und auf dem Wedding kennt de» unermüdlid>en und fleißigen Funktionär der Partei ein jeder. Jahrzehntelang hat er treu für die Sozialdemo- kratie gearbeitet. Im Jahre 1911 wurde er als Zeitungsspediteur des„Vorwärts" gewählt. Vor vier Jahren schied er wegen Ueberschreitung der Altersgrenze aus diesem Amte. 23. Abt. Heute abend, 19)4 Uhr, Funktionär- sitzung an bekannter Stelle. 45. Abteilung. Funktionärsitzung heute abend, 19)6 Uhr, bei Zander, Lausitzer«tr. 24. 51. Abt. Dienstag, 8. November, vormittags von 16 Uhr an, Meldung oller Arbeitslose» und Invaliden der Abteilung im Jugendheim, Rosinen- straße. Ausweis, Stempelkarte, Rentenbeschetd und Mitgliedsbuch. Sechzehn neue Heime Erfolgreiche Aufbauarbeit der Naturfreunde