Morgen- Ausgabe Nr. 527 A258 49. Jahrg. Rebaktion unb Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 «7«ml Dönhoff 292 bis 297 ffXegtanunabwffe! Sosiafbemotcat 3? / /M-fT. Als Flut war, da war ihm vor dem Absprung bange. Er wollte warten, bis das Wasser noch höher stiege. „Nee, Männeken, jetzt bei Ebbe können Sie nicht springen, Sie sehn doch, das Wasser hat sich verlaufen," Mordtat in der Stadl Braunschweig gesehen, als er in das Haus eines Nationalsozialisten eintrat. Die sofort telephonisch verständigte Polizei erklärte dem Anrufenden, er möge auf seinem Platz bleiben und die weitereu Bewegungen Kaune» beobachten. Das war aber auch alles. Der Anzeigende rief nach zwanzig Minuten und schließlich zum dritten Male nach vierzig Minuten wiederum die Polizei an. ohne daß diese erschienen wäre. Der Fememörder hat in- solgedessen in aller Ruhe seine Sachen packen und sich zum Bahnhof begeben können, wo er, dank der Unterstützung wohlhabender Nationalsozialisten, in Richtung Hannover abdampfte. Zm Zeichen der Barone hat sich der neue deutsche Gesandt« in Belgrad auf seinen alge- legten Freiherrntitel wieder besonnen. Als Bot- fchaftsrat in London und später als Untergeneral- fekretär des Völkerbundes nannte er sich Du- four-Feronce. Jetzt erfährt man offiziell, daß der Reichspräsident am Sonnabend den neu- ernannten deutschen Gesandten in Belgrad Frei- Herrn Dufour von Feronce empfangen hat. Erschossen wurde gemäß Urteil der gewesene Stationsvorsteher von Lublino bei Moskau, B u l a k o f f, als Hauptschuldiger des furchtbaren — bis zum Prozeß verheimlichten— Eisenbahn- Unglücks. Der Henker amtiert l'odesurteil wird in Bayern vollstreckt München, 7. November. Der bayerische Ministerrat hat beschlossen, von seinem Begnadigungsrecht in Sachen der durch das Schwurgericht in Weiden gegen den ledigen Dienstknecht Felix Schieder aus Wenders- reuch wegen dreier Verbrechen des Mordes aus- gesprochenen Todesstrafe keinen Gebrauch zu machen. Schieder hatte im Juli 1931 seinen Bruder, dessen Ehefrau und dessen ein- einhalbjähriges Kind, während sie fchlie- fen, ermordet. Ein 17jähriger Mittäter des Verbrechers war vom Jugendgericht wegen der- selben Mordtaten zur höchstzulässigen Gefängnis- strafe von 10 Jahren verurteilt worden. Benesch und die Friedenspolitik Die Besorgnisse einiger Staaten Ober die deutsche Entwicklung Eigener Bericht des„Vorwärts" Prag, 7. November. Außenminister Benesch hielt am Montag im Auswärtigen Ausschuh des Parlaments eine Rede, der er den Titel gab„Wird sich E u- ropa für Frieden oder Krieg ent- scheiden". Benesch sagte u. a.: „Dreutschland führt einen großen inneren Kampf um seine ernstesten Lebensfragen, und wir würden wünschen, daß seine Entwicklung zu nor- malen Verhältnissen beschleunigt wird. Der vom Hitlerismus bedrohte deutsche Parlamentarismus wurde durch eine Reihe von Neuwahlen und durch das Papen-Schleicher-System erschüttert. Das neue autoritative und auf m i l i- tärischs Faktoren sich stützende Regime in Deutschland hat in einigen Staaten Besürchtungen wachgerufen, es könnten aus den Ereignissen neue internationale Kamplitationen entstehen. Der Frieden und die politische Entwicklung in Europa hängen von der Entwicklung in Deutschland ab. Nach der Lausanner Konferenz trat eine Besserung der europäischen Wirtschaftslage ein. Die Schwierigkeiten der Genfer Abrüftungskonfe- renz haben aber die aufsteigende Tendenz zum Stillstand gebracht. Die Forderungen der beut- schen Delegierten nach Rüstungsgleichheit wurden am 29. August in einer Form präzisiert, die all- gemein als ein Verlangen nach Wiederaufrüstung aufgefaßt wurden. Deutschland hat die Erlaubnis verlangt, sich neue Waffen beschaffen zu können, wie z. B. Tanks, schwere Geschütze, U-Boote. Schlachtschiffe über 10 000 Tonnen, sowie eine bestimmte Anzahl von Milizsoldaten rekrutieren zu dürfen. Ich selbst glaube, daß dadurch Europa in eine Periode neuer schwerer po- litischer Krisen geraten würde, der zuerst zu einem Wettrüsten und zum Schluß vielleicht zu einem neuen unaufhaltbaren kriegerischen Kon- flikt führen würden, und halte daher die Situation für ernst. Rüstungsgleichheit durch Aufrüstung der abgerüsteten Staaten erzielen zu wollen, heißt einen Krieg vorbereiten. Die Gleichheit kann nur dadurch erzielt werden, wenn gemäß Z 8 des Bölkerbundspaktes olle anderen Staaten ihre Rüstungen herabsehen. Es muß loyal gesagt werden, daß sich Deutschland in seiner Sicherheit bedroht fühlen könnte, wenn dieser Paragraph nicht erfüllt würde. Ein Ueber- einkommen zwischen Deutschland, Frankreich und Italien, unter Mitwirkung aller anderen euro- päischen Staaten, keinen Krieg zu gestatten und durch gemeinsames Einschreiten jeden zu bestrafen, der den Frieden stören sollte, würde den Frieden garantieren. Frankreich ist zu einem solchen Uebereinkommen bereit. Von Deutschland und Italien ist vorläufig nicht bekannt, was sie unternehmen würden, wenn in Genf eine solche Frage gestellt würde. Es muß ein europäischer Kontinentalvertrag den Kellogg-Pakt so lebensfähig machen, wie es der Locarnopakt ist. Auch dann könnte noch über strittige Fragen in Ruhe diskutiert werden. Die tschechoslowakische Regierung begrüßt daher den Herriot-Boncour-Plan und würde auch jeden anderen Plan akzeptieren, der die Ruhe in Europa sichern würde. Benesch schloß: das Jahr 1933 werde entscheiden, ob Europa neuen Kriegskonflikten oder einem dauernden Frieden entgegengehe. Unklarheiten/ Widerspruche Die Zeugenvernehmung im Bullerjahn-FrozeV Im BullerjaHn-Prozeß wurde weiter das Zu- sammentrefen Bullerjahns mit der Familie Langner in der Nähe der Wohnung des franzö- fischen Leutnants Jost erörtert. Es wird dabe? sehr eingehend die Stellung Bullerjahns auf der Straße besprochen, wobei auch eine Skizze eine Rolle spielt, die die Position Bullerjahns bei dem Zusammentreffen darstellt. Der Zeuge Georg Langner wurde dabei vom Verteidiger Dr. Rosen- feld in ein Kreuzverhör genommen, dabei kam es zu einem Zusammen stoß zwischen dem Verteidiger, dem Oberreichsanwalt und dem Gerichtsvorsitzenden. Es wurde weiter der E r m i t t l u n g s- beamte Spallek vernommen, der Bullerjahn in der Nähe der Wohnung von Leutnant Jost beobachtet hat. Es ergaben sich dabei Wider- spräche zu früheren Bekundungen des Zeugen, die nicht geklärt werden konnten. Der nächste Zeuge war der frühere Leiter des Werksicherheitsdienstes in den Berlin-Karlsruher Jndustriewerken, Kapitän Papenstecher. Er sagt aus, daß aus dem Verhalten der Mit- glieder der Ententekommission beim Eintreten Bullerjahns ins Lager keine Schlüsse gezogen werden konnten, da sie Bullerjahn nicht gesehen hätten. Wenn Bullerjahn Drohungen gegen die Direktionsmitglieder ausgesprochen habe, so könne es sich unmöglich um den Verrat gehandelt haben, wohl aber um andere Unregelmäßigkeiten im Werk. Am Dienstag findet ein Lokaltermin bei den Berlin-Karlsruher Jndustriewerken in Wittenau statt. Dabei ist die Oesfentlichkeit ausgeschlossen. Der Naziskandal in Eutin Eutin, 7. November. Der seines Amtes enthobene Bürgermeister Dr. S t o f f r e g e n hat gegen den Regie- rungspräfidenten Boehmker bei der Staatsanwaltschaft in Lübeck Strafanzeige wegen Vergehens gegen tj 339 StGB. (Amtsmißbrauch) erstattet. Weiter wird ge- meldet, daß gegen den nationalsozialistischen Stell- Vertreter des Ratsherrn Kahl bei der Staats- anwaltfchaft in Lübeck ein Strafverfahren wegen Begünstigung und Gesänge» nenbefreiung anhängig gemacht worden sei. 23 Opfer des Meeres norwegisclrer und portugiesischer Küste Oslo, 7. Jtoocmber. ?lach einer Meldung der Osloer Zeitung „Morgenposten" ertranken 13 Mann von der Besatzung des an der Küste von Ainnmark gestrandeten englischen Aischdampsers„Golden Deeps". Der Kapitän und die drei Passagiere wurden gerettet. Lissabon, 7. November. Ein Fischerboot wurde am Kap Mondego von einem anderen Boot so hestig gerammt, dah es sofort sank. Bon der 25 Mann starken Besatzung sind 10 ertrunken. Nazianwalt angeklagt Rechtssrwslt Triebel und Direktor Wüst Bor der Strafkammer des Landgerichts III haben sich wegen Betruges zu verantworten der Direktor Adolf Wüst und der aus zahlreichen Prozessen gegen Nationalsozialisten bekannte Rechtsanwalt Dr. Walter Triebet. Direktor Adolf Wüst hatte nach dem Kriege durch erfolgreiche Wirtschaftsspekulationen ändert- halb Millionen Mark verdient. Einen großen Teil seines Vermögens steckte er in eine Sprech- Maschinengesellschaft hinein. Die Geschäfte gingen nicht. Wüst verlor einen großen Teil seines Geldes. Auch Dr. Walter Triebel, Sohn eines Bergrats, betätigte sich neben seiner Anwalts- Praxis auch kaufmännisch. Er gründete ein Büro für Kontorbedarsartikel. Das Unternehmen brach zusammen, Dr. Triebel übernahm die Schulden- last in Höhe von 100 000 Mark. Er konnte seinen Verpflichtungen nicht nachkommen, es wurde gegen ihn 2ZmaI Haftbefehl erlassen zur Erzwingung eines Offenbarungseides. Direktor Wüst wird zur Last gelegt, daß er beim Berkauf eines schlesischen Bergwerks, das früher dem Grafen Rothenburg gehörte, die Taxe über den Wert des Grundstückes falsch angegeben habe. Ferner, daß er durch betrüge- rische Geschäfte mit Oelsardinen einen Homburger, Carlo Walter, geschädigt habe. Rechtsanwalt Dr. Triebel soll dem Direktor Wüst bei dem be- trügerischen Geschäft mit Oelsardinen Beihilfe ge- leistet haben, indem er über ihn falsche Auskünfte gegeben und ihn als mehrfachen Millionär hin- gestellt habe. Zur Verhandlung sind 68 Zeugen geladen, es find für sie acht Wochen in Aus- ficht genommen. Aftt blauem Auge davongekommen Das Schnellschöffengericht hatte den Juwelen- Händler Simon W e i s a g e r wegen vorsätzlichen Devisenvergehenszub Monaten Gefängnis und 5000 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er für seinen Geschäftsfreund, den Juwelenhändler Granaat in Amsterdam, Effekten in Höhe von 684 000 Mark verkauft hatte. In der Be- rufungsinstanz führten die Verteidiger den Nach- weis, daß Granaat, wie eine Reihe von Zeugen bekundete, immer eine Bescheinigung der Reichs- stellen vorgewiesen habe, daß er zur Ausführung von Geld aus Deutschland berechtigt sei, weil er in großem Umfange deutsche Diamantenschletferelen beschäftige. Diese Bescheinigung muß aber ge- fälscht gewesen sein. Die Strafkammer verurteilte unter Aufhebung des ersten Urteils Weifager lediglich wegen fahrlässigen Devisenvergehens zu 6000 Mark Geldstrafe. Vor dem Schnestrtchler U-8ahnheamter verurteilt Dem Schnellgericht im Polizeipräsidium, das schon am Vormittag einige Angeklagte wegen der Streikunruhen verurteilt hatte, wurde gestern nach- mittag ein uniformierter BBG.-Beamter, und zwar der Zugabfertiger Erich T., vorgeführt. Die Anklage legte ihm Widerstand gegen die Staatsgewalt zur Last, weil er in der Nacht zum Freitag am Untergrundbahnhof Wedding gegen einen Polizeibeamten tätlich geworden war. Der Angeklagte war mit mehreren Kollegen tagsüber in Streiklokalen gewesen und hatte am Abend auch noch verschiedenes getrunken. Gegen 2 Uhr nachts beobachteten sie eine Polizeistreife, die am Untergrundbahnhof Wedding ein Streikplakat ent- fernte. T. soll sich in heftiger Form gegen die Polizeibeamten gewandt haben. Als er nun zur Feststellung seiner Personalien auf die Wache ge- bracht werden sollte, leistete er Widerstand. Er gab gestern seine Tat zu und entschuldigte sich mit Trunkenheit, die ihm wegen seiner bisherigen Un- befcholtenheit auch vom Schnellrichter als Milde- rungsgrund angerechnet wurde. Er wurde zu 1 Monat Gefängnis verurteilt. Einer der sonderbarsten Angeklagten, die die Welt je gesehen hat. stand soeben vor dem Pariser Schwurgericht. Der Steueramteinnehmer eines Pariser Bezirks, Jean Tourenq. hatte sich wegen Unterschlagung ösfentlicher Gelder zu ver- antworten. Tourenq hatte nämlich eines Tages sich durch notariellen Akt bestätigen lassen, daß er in seiner Kasse für 805 500 Franken bares Geld und für 4¥j Millionen Franken Steuermarken aufbewahre. Am nächsten Morgen teilte er seinem Vorgesetzten offiziell mit, daß er diese gesamte Summe unterschlagen hätte. Er begründete seine Handlung mit einer u n- gerechten Versetzung, die er als Zunick- sctzung empfand, und verlangte g e b i e t e r i stch, unter Anklage gestellt zu werden, damit er Ge- lcgenheit erhalte, in einer großen Schwurgerichts- Verhandlung seine Vorgesetzten anzuklagen. Alle Bemühungen der Behörde, ihn umzustimmen. blieben vergebens. Er erklärte, daß er die Gelder an sicherer Stelle aufbewahre und erst noch dem Prozeß wieder aushändigen würde. Der Staatsanwalt, der, als sich Tourenq zum ersten Male freiwillig bei ihm gemeldet hatte, ihn hinausgeworfen hatte, weil er ihn für einen Querulanten hielt, mußte schließlich wohl oder übel Anklage erheben. Tourenq blieb volle 16 Monate in Untersuchungshaft. Er 15 Jahre Zuchthaus Für einen Notzuchtverbrecher Das Potsdamer Schwurgericht verurteilte den 2Zjährigen Melker Richard H e h r i s ch aus H ö f g e n bei Jüterbog wegen Notzuchtverbrechens mit Todeserfolg aus§ 177 und 178 und wegen zweier weiterer Notzuchtsälle zu insgesamt 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte hatte in der Nacht zum 22. Februar d. I. bei Jüterbog die 2Zjährjge Haus- angestellte Erna M a i w a l d überfallen und an ihr ein Sittlichkeitsverbrechen begangen, das mit dem Tode der Ueberfallenen endete. Die Leiche hat der Unhold dann unbekleidet auf dem Felde liegen lassen. Zwei ähnliche Verbrechen versuchte der Angeklagte bei Dresden zu verüben. Dort konnten sich die Mädchen aber den Krallen des Unholds noch rechtzeitig entziehen. Der Sachver- ständige bezeichnete den Angeklagten als Psycho- pathen, auf den der§ 51 ober nicht anwendbor sei. Mittler zwischen den Völkern Kürzlich fand im H u m b o l d t- H o u s, Klopstockstraße 55, die Semestereröffnungsfeier des deutsch-ausländischcn akademischen H u m- b o l d t- C l u b s statt. Nach einer kurzen Be- grüßung durch den Vorsitzenden ergriff der Rektor der Universität, Geheimrat K o h l r a u s ch, das Wort, um im Namen der Berliner Hochschulen die hatte nach kurzer Zeit durch seine Frau zwei Drittel der Summe wieder an den Fiskus aus- händigen lassen, das letzte Drittel aber hielt er weiter zurück, weil er befürchtete, daß ihm sonst kein Prozeß gemacht würde. So setzte er seinen Willen durch und konnte in stundenlanger Verhandlung vor dem Pariser Schwurgericht unter stärkster Beteiligung von Publikum, Presse und Anwaltschaft, die überein- stimmend bekundeten, einen solchen Angeklagten noch nie gesehen zu haben, seinem Herzen Lust machen. Der Gerichtsvorsitzende und der Staats- anwalt entrüsteten sich und fragten, wohin das führen sollte, wenn jeder Beamte, der sich zurück- gesetzt fühle, derartig vorginge. Aber Tourenq blieb unerbittlich und lehnte bis zuletzt die Rückgabe der Restsumme ab, stellte sie aber für die Stunde nach dem Urteil bestimmt in Aussicht. Nach einer Beratung von nur zehn Minuten kehrten die Geschworenen mit einem freisprechenden Verdikt zurück. Tourenq dankte ihnen in palhetischen Worten und teilte so- gleich lächelnd mit, wo sich der fehlende Rest be- finde. Er hatte um den Preis von 16 Monaten Untersuchungshaft seine Rache genossen, indem er seine vorgesetzte Behörde durch Vorbringung von allerhand Einzelheiten über Mißstände, Pro- tektionswirtschaft und Unfähigkeit bloßstellen durfte. ausländischen Studierenden in Berlin zu begrüßen. Der Rektor bedauerte, daß die Entwicklung der legten Jahre in mancher Hinsicht den Charakter der deutschen Universitäten verändert hat. Den deutschen Hochschulprosessoren wäre es sehr er- wünscht, wenn an den deutschen Hochschulen nur ein Viertel der Studenten studieren würden, die heute die Hochschulen bevölkern. Dann wäre es möglich, die Wissenschaft um der Wissenschaft halber zu treiben im Sinne des Gründers der Berliner Universität, Wilhelm von Humboldt, und ihres ersten Rektors Fichte. Austragung von Meinungsverschieden- heiten mit anderen als geistigen Waffen seien wohl in den letzten Jahren vorgekommen, seien aber nie so schlimm gewesen, wie die Zeitungen es vermuten ließen. Er, der Rektor, hoffe be- stimmt, daß es wieder gelingen werde, innerhalb der Studentenschaft jenem Geist zur Geltung zu AtUiCUty! Adiiüi�.! txwüJUd&c B&'zjxUs\/(>csiai*d! Sitzung des Erweiterten Bezirksvorstandes am Freitag, dem 11. November, pünktlich 19 Uhr im Sitzungssaal des Bezirksverbandes Berlin, Lindenstr. 3, II. Hof, 2Trp. Wir erwarten vollzähliges Erscheinen. Der Bezirksvorstand. oerhelfen, der Meinungsverschiedenheit mit den geistigen Waffen aus- ficht, die die Universität liefert. Im Namen des Deutschen Akademischen Aus- tauschdienstes begrüßte Staatssekretär Lewald die Ausländer und sprach die Hoffnung aus, daß sie nach Abschluß ihres Studiums als kulturelle Ver- mitller zwischen den Nationen in ihre Heimat zurückkehren mögen. Im Namen der auslän- dischen Studenten dankte Wassil Bajefs den Rednern. Mit dem Gesang der ersten Strophe des Deutfchland-Liedes fand die offizielle Feier ihren Abschluß. Noch einmal Prozeß Schneider-Graf. Die Nazi- mörder H a u s ch k e und Becker, die in der Silvesternacht die Reichsbannerleute« ch n e i d e r und Graf niedergeschossen haben und von deni Landgericht I zu je sieben Jahren Zuchthaus ver- urteilt wurden, stehen am Mittwoch zum zweiten Male vor Gericht. Das Reichsgericht hat das Urteil aufgehoben, und zwar weil der Vater des ermordeten Schneider vom Äammergericht als Nebenkläger zugelassen worden war. Da eine Verurteilung wegen Hausfriedensbruchs nicht statt- finden konnte, hat das Reichsgericht die Zulassung der Nebenklage gerügt und die Sache zur neuen Verhandlung an das Gericht zurückverwiesen. Der Prozeß dürfte eine Woche in Anspruch nehmen. Gerhart- Hauptmann- Abend. Anläßlich des 70. Geburtstages Gerhart Hauptmanns ver- anstaltet das Polksbildungsamt Wilmersdorf am 10. November, 20 Uhr, im Festsaal des Stadt- Hauses Wilmersdorf, Kaiserallee 1/12, einen Haupimann-Abend, bei dem Dr. Lefsson, Dr Chri- stians und Lotte Arndt mitwirken. Karten bei der Auskunft im Stadthaus Wilmersdorf. Hauptportal, von 8 bis 20 Uhr. Gewerkschaftliches siehe 1. Beilage. Hierzu 2 Beilagen Michael Kohlhaas in Paris Die„Unterschlagung" des Steuereinnehmers Dcr„Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit"./ B e z u g s v r e i s c: Wöchentlich 7ö Ps., monatlich Z,Zö M.(davon 87 Ps. monatlich für Zustellung ins Haus! im voraus zahlbar. Postbezug Z,g7 M. einschließlich öll Ps. Postzeitung, und 72 Pf. Postbestellgebuhren. Auslandsabonnemcnt 8,88 M. prö Monat; für Länder mit ermäßigtem Druclsachcnporto 4.6.") M. Bei Aussall der Liekcrung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Ersaß./ Anzeigenpreise; Die einspaltige Millimeterzeile 30 Pf., Reklamezeile 1,50 M.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Ps., jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 25 Pf. Jamilienanzeigen Millimeterzeile 18 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft. Lindenstr. Z. wochentäglich von bis 17 Uhr. Der Verlag behält stch das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor./ Verantwortlich für Politik; Rudolf Brendemühl: Wirtschaft: G. Zllingclhöser; Gewerkschaftsbewegung: I. Stoi»cr; Feuilleton: Herbert Lepdre; Lokales und Sonstiges: Friß Karstädt; Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin./ Verlag: Vorwärts-Vcrlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 68. Lindenstr. 8. Prdte nur Diemtog und Mittwoch. Lsbdnsmittelxusdndungdn von 5,00 M, an. Tolephonlscho und»chriftllcha Bostollungen worden prompt orledlgt. Vorkouf oewolt Vorrat. Menganabgabo vorbohalton. 244 Kabliau gross, ohne Kopf, Pfd. 0,12 Fische und Räucherwaren Grüne Heringe.... 3PId. 0,42 Schollen............. 3 Pld. 0,38 Schellfisch im ganzen, Pkd. 0,12 Seelachs gr., o. K., i. g, PM. 0,16 Rotbars............... Pfd. 0,18 Kabliaufilet.......... Pfd. 0.24 Wurstwaren Speckwurst............ Pfd. 0,85 Jagdwurst............. Pfd. 0.88 ff. Leberwurst........ Pfd. 0,98 Zervelat od. Salami Pfd. 1,15 Schinkenspeck........ Pfd. 1,18 ■D AUSSERDEM: MHB Karpfen lebend.... Pfd. von 0,62 Bücklinge............. Pfd. 0,24 Seelachs geräuchert... Pfd. 0,36 Rotbars geräuchert____ Pfd. 0,38 Fettheringe in Tom., 2 Dos. 0,65 Oelsardinen..... 3 Dosen 0,88 Käse und Fette Harzer................. Pfd. 0,25 Tilsiter vollfett......... Pfd. 0,68 Steinbuscher vollfett, Pfd. 0,68 Margarine.......... 3 Pfd. 0.80 Bratenschmalz........ Pfd. 0,48 Frisches Fleisch Suppenfleisch pfd vo.,0,48 Schmorfleisch pfdvon 0,68 Schweinebauch ptdv 0,72 Schweinekotelett v" 0,80 Eisbein m. Spitzbein, Pfd. 0,48 Hammelvorderfl. yöd„ 0,58 Rinderbacken..... pw 0,40 Rinderherzen p» 0,48 Obst u n d Gemüse Kälterer Böhmer..... Pfd. 0,18 Kochbirnen........... Pfd. 0,16 Feigen................. Pld 0,22 Bananen............ Pfd. 0,26 Zitronen............. Dtzd. 0,38 Rot- od. Weisskohl 3 Pfd. 0.10 i Dose Konserven Haushaltgemüse ans getrockneten Erbsen,... 0,36 Karotten geschnitten...... 0,28 Junge Erbsen fein........ 0,88 Junge Erbsen mittelfein. 0,68 Wirsingkohl........ 3 Pfd. 0,10 Spinat............... 3 Pfd. 0,14 Mark. Rübchen..... 3 Pfd. 0,14 Rosenkohl........... 2 Pfd. 0,35 Sellerie.............. 3 Pfd. 0.20 Kartoffeln......... 10 Pfd. 0.26 Koloniaiwaren Weisse Bohnen... 2 Pfd. 0,25 Tafelreis............ 2 Pfd. 0,25 Linsen.................. Pfd. 0,14 Backobst.............. Pfd. 0,36 Aprikosen........... Pfd. 0,44 ENORM BILUGE ANGEBOTE während unserer WOHLFEILEN WOCHEN BESUCHEN SIE UNSERE SPIELWARENAUSSTELLUNGEN ERSTE BEILAGE DIENSTAG, 8. NOV. 1932 Die Wahrheit über die BVG.-Aktion An die arbeitende Bevölkerung Berlins! EJic ist es zum Berliner Verkehrsstreik gekommen? Wer darüber sachlich urleilen will, lese aufmerksam die folgende Darstellung, hier sind keine Phrasen, sondern Tatsachen! Seit Juni 1S31 wird von den Regierungen in die Gestaltung der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse der in den öffentlichen und lebenswichtigen Betrieben Beschäftigten mit gesetzlichen Mahnahmen eingegriffen. Mit vier aufeinander folgenden Notverordnungen wurden die Eingriffe in das Tarifrecht vertieft und der Teil der betroffenen Arbeitnehmer vergrößert. Den sdmersten Schlag gegen das Tarifrecht führte die Regierung Rapen mit ihrer Notoerordnung vom 5. September, durch die die Tarifabmachungen für alle in öffentlichen Betrieben und Gesellschaften Beschäftigten der Prüfung und Beanstandung durch die Regierungsstellen unterworfen wurden, mit der Maßgabe, daß Rechtsmittel der Gewerkschaften gegen die behördlichen Beanstandungen ausgeschlossen wurden. Trotz dieser schweren gesetzlichen Vorschriften haben die freien Gewerkschaften unter Führung des Gesamtoerbandes, der in allen Stellen hauptträger der Tarifabkommen für in öffentlichen Betrieben Beschäftigten ist, die Lohn- und Arbeitsbedingungen in ordnungs- mäßigen gewerkschaftlichen Auseinandersetzungen mit den Arbeitgebern ohne Zuhilfenahme staatlicher Schlichtungsinstanzen geregelt. Alle Löhne in den öffentlichen Betrieben einschließlich der Verkehrsbetriebe und der Betriebe, die die Bevölkerung mit Gas, Wasser und Elektrizität versorgen, müssen nach den Notverordnungen den Löhnen der Reichsarbeiter bzw. der Reichspostarbeiter gleichgestellt werden. Tatsache ist dak es der gewerkschaftlichen Arbeit bis heute gelungen ist, diesen Lohnabbau abzuwehren. Nachdem für die Berliner städtischen Arbeiter und für die Beschäftigten in den Berliner Gas- und Wasserwerken ab 1. Oktober 1932 die Löhne tariflich neu geregelt waren, mit der Maßgabe, daß sie im Durchschnitt 19 bis 11 Pf. pro Stunde höher liegen als die Löhne der Reichsarbeiter— trotz eineinhalbjähriger Notverordnungspolitik— stand auch für die bei der BVG. Beschäftigten die Neuregelung der Löhne ab 1. Oktober bevor. Die Löhne der BVG. weichen in verschiedenen Bestimmungen auf Grund der Eigenart des Betriebes, soweit das Fahrpersonal in Frage kommt, von den Lohngruppen der übrigen städtischen Arbeiter ab. In jahrelangen gewerkschaftlichen Kämpfen ist erstritten worden, daß die Lohn- und Arbeitsbedingungen, die früher nicht unerheblich ungünstiger waren, nunmehr mit denen der städtischen Arbeiter und Werksarbeiter im wesentlichen gleichgestellt sind. Die Direktion der BVG. Hat jedoch beim Beginn dieser Lohnbewegung verkündet, daß ein Tarifvertrag mit einer Lohnregelung wie bei den städtischen Betrieben und Werken nicht in Frage kommt und hat die gesamte Belegschaft der BVG. in Empörung gebracht mit der unmöglichen Forderung einer Kürzung der Löhne der Veschäsliglen von 14 bis 23 Pf. pro Stunde. In langen Verhandlungen ist von den Gewerkschaften unter Führung des Gesamtverbandes ein Ergebnis erzielt worden, das eine Senkung der Stundenlöhne um 2 Ps. ab 1. November 1932 vorsah. Alle sozialen Zulagen, einschließlich der Zulagen für das Fahrpersonal, und alle übrigen lohntarifvertraglichen Bestimmungen sollten unverändert bleiben. Während der Verhandlungen, die sich mit ihrem Ende auch dem Wahltage näherten, trat die Einheitsfront der Nationalsozialisten und der Kommunisten in Erscheinung. In unzähligen Artikeln wurde der„Gewerkschaftsbürokratie" unterstellt. daß sie einen weitgehenden Lohnabbau hinnehmen würde. Der Stadtverordnete Wisnewsti (KPD.). Mitglied des Aufsichtsrates der BVG. erklärte nach einem Bericht der„Roten Fahne" vom 23. Oktober 1932 vor dem..Einheitsausschuß", bestehend aus Nationalsozialisten. NGO. und Unorganisierten, in chaverlands Festsälen:„Die freien Gewerkschaften werden einen Stundenlohnabbau von 5 Ps. hinnehmen." 3n einer Aufsichtsratssihung der BVG. haben die kommunistischen Vertreter gegen den Antrag der Sozialdemokraten gestimmt, noch dem die Direktion im letzten Stadium der Verhandlung beauftragt wurde, aus der Grundlage der bisher geltenden Lohn- und Arbeitsbedingungen zu verhandeln. Also einerseits in ungezählten Zeitungsartikeln Kampf gegen jeden Lohnabbau, anderer- seits Dolchstoß in den Rücken der für die Arbeitsbedingungen der BVG.-Arbeiter verant- worllichen. am Tarif beteiligten Gewerkschaften.. In einem nicht mehr zu überbietenden Trommelfeuer auf die zu zwei Dritteln unorganisierte Belegschaft der BVG. wurde von den Nationalsozialisten und Kommunisten eine Stimmung erzeugt, die es den Funktionären der freien Gewerkschaften unmöglich machte, allein die Verantwortung für eine endgültige Entscheidung zu tragen. Die Volloersammlung der Funktionäre der freien Gewerkschaften verlangte daher, daß die Gewerkschaften eine Urabstimmung in den Betrieben herbeiführen. Die sonst übliche Befragung der Belegschaft durch die Gewerkschaften war in diesem Falle nicht möglich, da die Gewerkschaften nur ihre Mitglieder befragen können, nicht aber die Unorganisierten. Um wenigstens die Ordnungsmäßigkeit zu garantieren, ist die Urabstimmung von der gesetzlichen Betriebsvertretung durchgeführt worden. Das Ergebnis ist bekannt: keine sahungsgemäße ZNehrheit für Streik, aber auch keine Mehrheit für Annahme des Verhandlungsergebnisses. Unter vernünftiger gewerkschaftlicher Ausnutzung dieses Abstimmungsergebnisses wäre es durchaus möglich gewesen, weitere Erfolge für die Belegschaft zu erringen. Daraus kam es jedoch der nationalsozialistisch-kommunistischen Einheitsfront nicht an. Der Wahlschlager mußte steigen! Beweis:„Rote Fahne" vom 3. November 1932. Sie schrieb: „Der Streit richtet sich formell gegen einen Lohnabbau von 2 Pf. die Stunde... aber es geht um mehr als das." Angesichts des Abstimmungsergebnisses lehnten die beteiligten Gewerkschaften die Unter- Zeichnung eines Lohnabkommens ab. Bei dieser Lage der Dinge wäre es richtig gewesen, die Verhandlungen weiterzuleiten und sich die Waffe des Streiks als letztes Mittel auszusparen. Anstatt dessen trieben die Nazis und Kommunisten aus politischen Gründen zur sofortigen Arbeitsniederlegung. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats der BVG. sah sich veranlaßt, da die Gewerkschaften sich weigerten, den Vertrag zu unterzeichnen, die Vertreter der Gewerkschaften zu laden. Diese forderten nach wie vor neben der Fortzahlung der bisherigen Lohnsatze eine Verlängerung des Manteltarifvertrages in seiner alten Fassung. Die Verhandlungen verliefen ergebnislos. Schon am Nachmittag des gleichen Tages griff der Schlichtungsausschuß auf Veranlassung der Direktion ein. Damit gerieten die Tarifoerhandlungen zwangsläufig in den Bereich der behördlichen Schlichtung. In den Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß begründeten die Direktionsvertreter einen Lohnabbau, der über das bisherige Ergebnis der durch die freien Gewerkschaften geführten Verhandlungen hinausging. Es wurde jedoch ein weilerer Lohnabbau über die Stundenlohnkürzung von 2 Pf. hinaus im Schlichtungsversahren abgewehrt. Der alte Manteltarisvertrag mit seinen für die Verkehrsarbeiter so außerordentlich wichtigen sozialen Bestimmungen, wie: Bezahlung der Wochenseiertage— krankenlohn bis zu 26 Wochen— Urlaub mit vollem Lohn bis zu 19 Arbeitstagen— freie Fahrt aus allen Verkehrsmitteln der BVG. und freie Dienstkleidung usw., wurde bis zum 31. März 1933 unverändert verlängert. Das ist das alleinige Verdienst einer energischen Verhandlungsführung durch die tarifbeteiligten Gewerkschaften. Die Gewerkschaften haben sich bis zuletzt gegen jeden Lohnabbau gewehrt. Sie machten von der gegebenen Erklärungsfrist keinen Gebrauch, sondern lehnten den Schiedsspruch unmittelbar nach der Verkündung ab. Alle gegenteiligen wahlpolitischen Zwecklügen ändern an diesen Tatsachen nichts. Nun setzte der Staatsapparat mit seinem Schlichter ein. Trotz ernster Warnungen sprach der Schlichter die Verbindlichkeitserklärung aus. Dadurch war ein Tarifvertrag mittels staatlichen Zwanges festgesetzt. Die Löhne sind nach dem Schiedsspruch folgende: Für die Technik: Ungelernte........... SS Ps. pro Stunde Handwerker.......... 104„ Männliches verkehrspersonal.... 97„„„ Fahrkartenausgeberinnen...... 79„„, Frauen- und Kinderzulagen von je 2 Pf. pro Stunde bleiben bestehen, sie wurden bisher bis zu 44 Stunden und werden künftig bis zu 48 Stunden gezahlt. Die F a h r e r z u l a g e n für das Zahrpersonal werden in alter höhe weitergezahlt, ebenso die Zulagen für die in der Technik Beschäftigten. Die nationalsozialistisch-kommunistische„Zentralstreikleitung" hatte weder die Fähigkeit noch den Willen, die von ihr inszenierte Streikaktion im Interesse der Verkehrsarbeiter aus- zuwerten. Soviel inzwischen bekanntgeworden, hatte sich zwar eine Kommission von fünf Personen bei der BVG.-Direktion vorgestellt: sie fand sich aber mit der Erklärung der Direktion ab, daß sie mit diesem„Einheitskomitee" nicht verhandle. Die freien Gewerkschaften hatten zum Freitag, dem 4. November, eine Vollversammlung aller freigewerkschaftlichen Funktionäre im Gewerkschaftshaus einberufen und über den Verlauf dieser Bewegung Bericht erstattet. Die Meinung der freigewerkschaftlichen Funktionäre ergab sich aus der Abstimmung über einen aus der Versammlung eingebrachten Antrag, der den freien Gewerkschaften und ihren verHändlern das volle Vertrauen für die Haltung und die getroffenen Maßnahmen ausspricht. Der Antrag wurde mit mehr als 400 gegen nur 3 Stimmen unter starkem Beifall angenommen. 8n der Oeffentlichkeit kursieren Gerüchte, nach denen die freien Gewerkschaften„den Streik für beendet" erklärt hätten Demgegenüber muß mit aller Deutlichkeit festgestellt werden: Di« Gewerkschaften haben keinen Streik verkündet, und demzufolge auch keinen Streik zu beenden. Die VerKeKi-sstillegung in Berlin ist von vornherein eine gemeinsame politische Aktion der Nationalsozialisten und Kommunisten gewesen, wie die dargestellten Tatsachen beweisen. In einem kommunistischen Flugblatt heißt es ausdrücklich:„Dieser Streik ist ein politischer Streik."' Nachdem die Möglichkeit gewerkschaftlicher Betätigung durch die Schaffung eines Zwangs- tarifoertrages beendet war, konnten die Gewerkschaften nur noch ihren Mitgliedern die Mitteilung machen, daß sie sich zur Dienstleistung bereiterklären sollten, soweit sie nicht durch Gewalt gehindert würden und soweit ihnen dies nach der Lage der Verhältnisse zuzumuten wäre. Die politische Aktion, die zur Stillegung des Berliner V erkehrs führte, ist keine gewerkschaftliche Streikaktion. Wenn die Gewerkschaften zur Arbeitsniederlegung auffordern, übernehmen sie die Führung auch mit allen Konsequenzen. Die Führung dieser rein politischen Aktion aber mußte dem„Einheitskomitee" der Nationalsozialisten. Kommunisten und Unorganisierten von vornherein überlassen bleiben. Die Berliner Verkehrsarbeiter find in einer bisher noch nicht dagewesenen Weise für parteipolitische Ziele mißbraucht worden. Die Gewerkschaften haben in jahrzehntelanger zäher Arbeit, Hand in Hand mit einem disziplinierten Funktionärkörper, für die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen der Berliner Verkehrsarbeiter gewirkt und Schäden von ihnen abgewehrt. Ehrlicherweise kann niemand behaupten, daß ihre Arbeit erfolglos gewesen sei! Sie haben in richtiger Er- kenntnis der Verhältnisse lange Zeit vorher nachgewiesen, daß jede weitere Kürzung des Lohnes die ernstesten Konflikte herausbeschwören muß. Der Staat hat durch Eingriff des Schlichters, durch Schaffung des Zwangstarifes, den an den Verträgen beteiligten Gewert- schaften die Hände am ersten Tage der Verkehrsstillegung gebunden. Die zu zwei Dritteln unorganisierte Belegschaft unterstand dem unmittelbaren Einfluß der politischen Faktoren von ganz rechts und ganz links, die mit Hilfe ihres Parteiapparats in jede gewerkschaftliche Bewegung ungehemmt eingreisen konnten. Diese politischen Parteien sinnlos in eine opferreiche Niederlage hineinrennt, zeigt der nationalsozialistisch-kommunistifche So wurde ein politischer Kampf, wenige Tage vor der Reichstags wähl, auf dem Rücken der BVG-Arbeiter und der arbeitenden Bevölkerung Berlins ausgetragen. Schwere Opfer sind nutzlos gebracht worden. Die Verantwortung dafür tragen die Nationalsozialistische und die Kommunistische Partei! So wurde der Berliner Verkehrsstreik ein Musterbeispiel dafür, wie Lohnkämpfe nicht geführt werden dürfen. Wie sie mit möglichst geringen Opfern zu möglichst großen Erfolgen geführt werden können, zeigt die jahrzehntelange gewerkschaftliche Erfahrung. Wie man sinnlos in eine opferreiche Niederlage hinein rennt, zeigt der nationalsozialistisch-kommunistifche Verkehrsstreik. Arbeiter, laßt euch nicht mißbrauchen!.Jetzt erst recht hinein in die Kampffront der freien Gewerkschaften! Gesamtverband der Arbeitnehmer öffentlicher Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs Bezirks- und Ortsverwaltung Berlin Streiter und Streikbrecher „Erfolge" und Niederlagen der RGO- Bom Deutschen Textilarbeiterverband wird un« geschrieben: Aus der Textilindustrie brachte die„Rote Fahne" drei Beispiele des„Verrats der Reformisten". Als erstes die Firma Göritz in Chemnitz, wo der Textilarbeiterverband 2,5 Proz. Lohnabbau ver- «inbart Hab«. Die SPD-Betriebsräte leisteten Etreikarbeet. Der Streik bricht zusammen, Trxtil- arbeiter erkennen den Verrat, 56 treten der RGO. bei! Wie ist der wahre Sachoerhalt? Die Firma Göritz wollte auf Grund der Notoerordnung den Lohn für die 31. bis 40. Stunde um 50 Proz. kür- zen, d. h. also den Wochenverdienst um 10,42 Proz. Nach ergebnislosen Verhandlungen trat die Beleg- schaft in den Streik. Durch Eingreifen des Textilarbeiterverbandes wurde erreicht, daß anstatt des Abzuges von 10,42 Proz. für alle, nur ein solcher von 2,5 Proz. eintrat und nur für die Ak- kordarbeite r. Die Zeitlöhner erhielten keinen Lohnabbau. Dieses Ergebnis wurde von der Be- legschaft mit ZSZ gegen 52 Stimmen angenommen. Wenn nun 56 Arbeiter der RGO. beigetreten sind, dann muh doch wohl ein Teil von ihnen für das vom Textilarbeiterverband erreichte Ergebnis ge- stimmt haben. Auf der gleichen Linie liegt auch der Schwindel vom Streitbruch der SPD.-Be- triebsräte. Als zweites Beispiel bringt die R. F. die Jute- spinnerei Billstedt. Hier trat die Belegschaft unter Führung der RGO. in einen wilden Streik. Vernünftige Arbeiter wurden terrorisiert und geprügelt. Am Zusammenbruch des Streiks hat allein die RGO. schuld, der Textilarbeiterver- band hat sich in diesem Kampf gar nicht hineinge- mischt. Letzterem blieb es lediglich vorbehalten, durch den Tarifabschluß im Niederelbebezirk, der die Notoerordnung abdingt, die Karre wieder aus dem Dreck zu ziehen. Das dritte Beispiel vom„Verrat der Refor- misten" soll die Firma A. H o s s m a n n in Neu- gersdorf sein. Vorauszuschicken ist, daß dieser Be- trieb seit Jahren keinen Betriebsrat hatte und daß die Firma seit langer Zeit unter Tarif entlohnte, weil die„Revoluzzer" nicht den Mut ausbrachten. der Firma gegenüber für ihre Rechte einzutreten. Ab 3. Oktober wollte die Firma aus Grund der Notverordnung den Gesamtlohn um 12,5 Proz. kür- zen. Nach ergebnislosen Verhandlungen trat die Belegschaft am 5. Oktober in den Streit. Dieser wurde gemeinsam von Kozis und Nazis benutzt, nicht um die Firma zu bekämpfen, sondern in der gemeinsten Weise den Textilarbeiterverband zu be- schimpfen! Nach mehrmaligem Verhandeln er- reicht« der Verband, daß: 1. die Firma die ta r i f- l i ch e n Löhne zahlen muß. und daß 2. der Abzug nicht 12,5 Proz., sondern nur 4,5 Proz, be- trägt. Nach diesem„Verrat" der Reformisten ist der Lohn der Arbeiter vielfach höher als vorher, weil die Firma jetzt nach dem Tarif entlohnen muß. Das Ergebnis wurde von einer Belegschaftsversammlung mit übergroßer Mehrheit angenommen. Die RGO.- Helden waren bei der Arbeitsaufnahme am 24. Oktober die schnellsten. Das sind also die „Niederlagen" der Reformisten. wie sehen dagegen die„Siege" der RGO. aus? Sie will den Lohnabbau in der Jute Braun- schweig verhindert haben. In Wirklichkeit waren es auch hier die„Reformisten", die in V e r h a n d- lungon vor dem S ch l i ch t e r erreichten, däß der Lohnabbau unterbleibt. Nach"dem Streik sind 38 Arbeiter dem Textilarbeiterverband beigetreten, darunter einige ehemalige RGO.-Leute. Ebenso hatte die RGO. auf den Streik bei der Bald us in Friedrichstal nicht den geringsten Einfluß. Die„Gewerkschaftsbürokratie" hat nicht den Streik abgewürgt, sondern durch Verhandlun- gen erreicht, daß von der Notverordnung kein Gebrauch gemacht wird und nur für die Er- ledigung englischer Aufträge ein Abbau von 2,5 Prozent erfolgen darf, und zwar auch nur für die Dauer dieser Aufträge. Aber warum ist denn die„Rote Fahne" so be- scheiden und meldet von den wirklichen„Siegen" der RGO, keine Silbe? So z. B. vom„Sieg" im Frankwerk in Chemnitz, wo die RGO. jedes Eingreifen des Verbandes verhinderte und er- klärte, lieber den Streik zusammenbrechen lassen zu wollen. Was dann nach einigen Tagen auch prompt ge- fchah, wobei der RGO.-Betriebsratsvorsitzende als erster in den Betrieb lief! Oder wie steht es mit dem„Sieg" in der Fär- berei Jahn in Schönau bei Chemnitz, wo eben- falls nach einigen Tagen Streik die RGO. in die Königsberg, 7. November. In Lauth bei Königsberg ist fast die ganze kommunistische Ortsgruppe zur Sozialdemo- kratie übergetreten. Die Genossen fühlten sich mit Recht von den kommunistischen Draht- ziehern gemein betrogen und dem Elend preis- gegeben. Es handelt sich fast ausschließlich um Kleinsiedler der Arbeitersiedlung Lauch, die von den Kommunisten zu einer Mieterstreikaktion aufge- putscht worden waren und sich daraufhin zu Tätlichkeiten gegen Polizei und Vollziehungsbeamie bei der Exmittierung hinreißen ließen. In dem anschließenden Riesenprozeß wurden die Verführten zu schweren Zuchthaus st rasen ver- urteilt und— wie bei den Kommunisten üblich — von der Parteileitung der KPD. ihrem traurigen Schicksal Uberlassen. Königsberger KPD.-Agita- toren hatten noch die Dreistigkeit, die Verurteilten auf eine allgemeine Amnestie zu vertrösten und im übrigen die Schuld an den Verurteilungen der SPD. aufzubürden, die mit dieser Angelegenheit nicht das geringste zu tun hatte. Empört über dos niederträchtige Verhalten der kommunistischen Fichrer suchten die bedauernswerten Opfer kam- Niederlage„führte"? Hier trat der Nazi-Be- t r i« b s r a t sofort der RGO- bei und lief stolz mit deren Abzeichen herum. Das hinderte ihn aber nicht, am dritten Streiktage als einer der ersten zum Streikbrecher zu werden. Er hat sich seine Arbeitsstelle erhalten, dagegen bliebe» 40 Tex- tilarbeiter auf der Strecke! Ebenso fanden sich bei dem Streik bei der Firma Voigt, Strickerei Irr Themnitz, der auch von der RGO. geführt wurde, bereits am ersten Tage 11 Streikbrecher. Hier konnte nur das Ein- greifen der Organisation den Zusam- menbruch des Streiks verhindern und ihn zu einem Erfolg für die Arbeiterschaft führen. Es würde zu weit führen, wollten wir hier alle Heldentaten der RGO. aufzählen. Dazu mühte der „Vorwärts" doppelten Umfang haben. Es kommt der RGO. und der KPD. ja auch nicht daraus an, den Arbeitern beim Kampf gegen den Lohnabbau behilflich zu sein. Die Arbeiter sollten nur helfen. für die KPD. eine recht zweifelhafte W a h l p r o- p a g a n d a zu treiben. Das Schicksal der Arbeiter ist dabei Nebensache. Nach einer vom Textilarbeiter-Verband aufge- nommenen Statistik hat dieser bis Ende Oktober 1932 in 52 Betrieben für 17 759 Arbeiter den auf Grund der Notoerordnung beabsichtigten Lohnab- bau restlos abgewehrt. In weiteren 40 Be- trieben wurde für 15 995 Arbeiter der Lohnabbau wesentlich gemildert. Dabei ist zu be- merken, daß diese Statistik nicht vollständig ist, weil ein Teil der Berichte noch aussteht. Das sind Zahlen, denen die RGO. absolut nichts entgegen- zustellen hat. munistischer Verhegungspolitik Schutz bei der Sozialdemokratischen Partei mit der folgenden Begründung: „Wir geben hiermit folgende Erklärung ab: Wir haben uns aus eigenem Antrieb an die Orts- gruppe der SPD. Lauth gewandt, um dieselbe zu bitten, für uns Gnadengesuche einzureichen. Wir haben uns zu diesem Entschluß bekannt, weil wir davon überzeugt sind, daß die Kommunistische Partei uns keine Hilfe bringen will. Es ist aber auch wahrheitswidrig ieftgestellt worden, daß wir die Absicht gehabt hätten, unseren exmittierten Nachbarn tatkräftig Helsen zu wallen. Wir müssen es von uns weisen, unsere Interessenvertretung noch länger bei einer Partei zu suchen, die nichts tun will, um uns vor dem Gefängnis zu bewahren. Wir haben auch nicht gewußt, daß Taulien die Absicht hatte, eine„Aktion", wie es die Kom, munisten nennen, für die exmittierten Nachbarn durchzuführen. Wir verurteilen diese Interessen- Vertretung und versichern, daß wir mit der KPD. nichts mehr zu schaffen haben." Getarnter Derein Ein Anschlag im Angestelltenarbeitsnachweis Kaifer-Wilhelm-Straße besagt: Für das Arbeitslager in Hammerstein werden Arbeitsfreiwillige bis zum Alter von 25 Jahren gesucht. Meldung im Nachweis Gormanftr. 13 II bei Stellenvermittler Schinzler. Der Bewerber be- kommt dort einen Papierabschnitt: Melden beim Verein zur Umschulung freiwilliger A r b e i t s k r ä s t e e. V., Berlin W 9, P o t s- damer Straße 134-1. Aus der dritten Etage dieses Hauses hängt eine große Haken- kreuzfaßne heraus. Aber der stumme Portier beruhigt darüber, der Verein hat seine Räpme in der z w e i t e n E t a g e. An der Tür der zweiten Etage aber ist ein Schild:„Arbeitsdienst eine Treppe höher". Also: eine Treppe höher zur Hakenkreuzfahne! Ein langer Flur führt zum Abfertigungszimmer. Die erste Frage ist:„Sind Sie in irgendeiner Gewerkschaft, Partei oder sonstigen politischen Organisation Mitglied?" In dem zur Ausfüllung vorgelegten Fragebogen werden die Fragen, ob noch organisiert oder organisiert gewesen, wiederholt. Junge Leute im Zimmer wurden außerdem gefragt, ob sie mit der NSDAP, s y m- pathisiere». Nur gute deutsche Jugend werde gebraucht, keine Hetzer. Am„Angriff" Oer.Angepumpte wird entlassen Ein Jnseratenaquisiteur des„An- griff" wurde fristlos entlassen mit der Begründung, er habe durch Mitteilungen an Außenstehende die Interessen des Verlages ge- schädigt. Der Entlassene hat nämlich einem Kol- legen, der gleichfalls beim„Angriff" beschäftigt war, an Eidesstatt versichert, er, der Entlassene, habe dem Leiter der Jnseratenabtei- lung, einem Herrn Hindenburg, Geld ge- borgt, das er nicht zurückbekommen habe, er habe auf Verlangen Hindenburgs, wenn dieser in Geldverlegenheit war, öfter Vorschüsse auf seine Provisionsforderungen erhoben und den größten Teil davon an Hindenburg als Darlehen abgeben müssen. Einmal habe Hindenburg einen Vorschuß aus das Konto des Entlassenen erhoben, ohne diesem davon Mitteilung zu machen. Hindenburg habe von Inserenten des„Angriff" seinem Uhren- geschäft in Berlin und einer Weinhandlung in Bingen) Waren entnommen und trog wiederholter Mahnung nicht bezahlt. Vor dem Arbeitsgericht behauptete der ent- laffene Aquisiteur, seine Angaben feien wahr und könnten bewiesen werden, llebrigens sei er nicht der einzige Angestellte, den Hindenburg an- gepumpt habe. Weiter gab der Kläger an, er sei im August entlassen, aber bis jetzt habe der Verlag des„Angriff" noch nicht über die fälligen Provisionen mit ihm abgerechnet. Infolgedessen steh« er jetzt so da, daß er nicht mehr in der Lage sei, seinen Hunger zu stillen. Ein Zeuge bestätigte die Angaben des Klägers, soweit sie sich auf die P u m p- Wirtschaft Hindenburgs und das Borschuß- nehmen zu dessen Gunsten beziehe». Ueber die nicht bezahlte Warenentnahme von Inserenten soll im nächsten Termin Beweis erhoben werden. Zur Sozialdemokratie! K?0.-Ortsgruppe tritt über Sozialer Abbau Aufbau von Seuchenherden Der Volksgesundheit droht, wen in der Wirtschast und vor allem auf dem Arbensmarkt nicht bald eine Besserung sich bemerkbar macht, «in Zusammenbruch, der in Iahren nicht wieder gut gemacht werden kam Die gesundheitlichen Reseroekräst« der arbeitenden Bevölkerung sind unter dem Druck jahrelanger materieller und auch seelischer Not aufgebraucht. Die Unterstützungen liegen weit unter dem Existenz- m i n i m u in. Die Unterernährung ist in zahlosen Familien der Normal z u st a n d. In überfüllten Wohnungen, in die die Not Tausende und aber Tausende von Existenzen zusammen- pfercht, sind die A n st e ck u n g s g e f a h r e n aller Art unheimlich vermehrt worden. Und was tut die R e! ch s r e g i e r u n g zur Behebung dieses Notstandes? Sie ft e i g e r t d o ch diesen Notstand. So mußten die Spitzen- gewerkschasten den Reichsarbeitsminister nach- drücklichst darauf ansmerksam machen, daß die geplante neue Einschränkung der Heil- verfahren in der Invalide nversiche- rung von der Arbeiterschaft unmöglich stillschweigend hingenommen werden kann. Man sollte es nicht für möglich halten, und doch ist es so: man will die freiwilligen Leistungen in der Invalidenversicherung, die 1930 99, K Millionen Mark ausmachten, für das nächste Jahr auf i() Millionen Ma r k herabsetzen. Von diesen 40 Millionen sollen aber auch noch die Unter- Haltungskosten für stillgelegte An- st a l t e n in Abzug gebracht werden. Eine Sinnlosigkeit und Brutalität zugleich! Man muß sich vergegenwärtigen, daß zur Zeit ohnehin fast nur noch die Lungenkranken bei den Heilverfahren in Pflege genommen werden. Will man wirklich nun auch noch den tuberkulösen Ar- bester seinem Schicksal überlassen, und ihn zu einem Herd der Ansteckung und der Zer- stöning der Gesundheit seiner Angehörigen machen? Das Heilverfahren war von jeher das wichtigste Gut unter den Leistungen der In- validenversicherung. Es war noch wichtiger als die R e n t e n l e i st u n g, denn eine gründliche Kur war immer noch wertvoller als ein vor- zeitiges, durch einige Nentenpfennige nur notdürftig gemildertes Dahinsiechen. Den verantwortlichen Stellen scheint erst auf den Protest der Gewerkschaften hin ein Licht auf- gegangen zu sein. Sie versuchen, die Gewerk- fchaften mit dem Hinweis zu beruhigen, man könne ja„zunächst" einmal den neuen Spar- versuch machen und dann später, wenn sich die Verhältnisse wieder besserten, nachhelfen. Wir sind umgekehrt der Ausfassung, daß solange als nur irgend möglich alles vermieden werden muß, was die durch die Arbeitslosigkeit bereits sehr böse mitgenomntene Volksgesundheit noch mehr zerstört. Aber kann man von einer Regierung, die sich ausdrücklich als Gegner des„V e r- s o r g u n q s st a a t s" bekennt, für die wichtigste Ausgabe der Innalidenversicherung Verständnis erwarten? Diese Regierung muß verschwinden. Tariflohn und Gesinnung hinlcsradihale Unternehmer Unter Hinweis auf das Pressegesetz schreibt uns die Firma A. H. Kersten u. Sohn folgende Berichtigung zu unserer Notiz in unserer Abend- ausgäbe vom 4. November: „I. Es ist unwahr, daß wir unter Tarif bezahlen. Wahr ist vielmehr, daß ein Teil der von uns bezahlten Löhne sogar weit über Tarif liegt. 2. Es ist unwahr, daß wir den Gewerkschafts- Vertreter beschimpft hätten, weil er Tariflöhne gefordert habe. Wahr ist vielmehr, daß wir den Gewerkschaftsvertreter zum sofortigen Verlassen unseres Betriebes aufforderten, als er uns„Aus- beuter" beschimpfte. 3. Es ist unwahr, daß unser Mitinhaber Jacoby den Gewerkschaftsvertreter tätlich anfaßte, weil dieser Tariflöhne forderte. Wahr ist vielmehr, daß Jacoby den Gewerk- schaftsvertreter am Arm faßte und ihn zur Zu- rücknahme der Beschimpfung aufforderte, als der Gewerkschaftsvertreter die Beschimpfung ausstieß." Die Firmeninhaber bestreiten also nicht, sich ihrer linksradikalen Gesinnung gerühmt zu haben. Sie behaupten, daß„ein Teil" der Löhne über Tarif liegt, womit sie zugeben, daß die übrigen Löhne unter Tarif liegen. Ob Herr Jacoby den Gewerkschaftsvertreter„tätlich anfaßte" oder ihn„am Arm faßte", ist eine Differenz, die wir nicht zu finden vermögen. Im übrigen wird die Gewerkschaft dafür sorgen, daß ein Antifa-Ab- zeichen noch kein Recht aus untertarifliche Bezahlung gibt. Gteeik der Maßschuhmacher Die Maßschuhmacher stehen seit dem 1. Novem- ber im Streik, um eine» Lohnabbau von lö Proz. abzuwehren. Auf Anruf der Unternehmer hat der Schlichtungsausschuß ain Z. November einen Schiedsspruch gefällt, der die bestehenden Löhne um rund 5 Proz. reduziert. Die Unternehmer haben dem Schiedsspruch zugestimmt, dagegen habe» die Maßschuhmacher in ihrer Branchenversammlung am Sonnabend fast einstimmig beschlossen, den Spruch abzulehnen. Gleichzeitig sprach sich die Versammlung für eine verschärfte Fort- führung des Streiks aus. Ein weiterer Betrieb hat sich im Laufe der ersten Streikwoche der Bewegung angeschlossen. Ein zweiter Betrieb dürste heute folge». Der Kampfgeist der Maß- schuhmacher ist äußerst günstig. Sie lehnen auch für die Zukunft jede Reduzierung ihrer Löhne strikte ab. Der Amtsschimmel Mehrere tschechoslowakische Staatsangehörige haben sich bei uns beschwert, daß sie nach Aus- tunft ihrer Staatsstellen in Deutschland neuer- dings für die Krisen unter st ützung zuge- lassen wären, aber tatsächlich nicht zugelassen wer- den, weil das R e i ch s a r b e i t s m i n i st e r i u m sich mit der Verfügung über die Zulassung allzu- lange Zeit läßt. Wir sind oer Sache nachgegangen und haben folgendes festgestellt: Nach dem Arbeitslosenversicherungsgesetz erhal- ten Ausländer Krisenunterstützung nur dann, wenn ihr Heimatstaat deutschen Arbeitslosen nach- weislich eine gleichwertige Fürsorge ge- währt. Ob das der Fall ist, stellt der Reichs- arbeitsminister fest. Die Tschechoslowaken waren bisher durch Anordnung des Reichsarbeitsministers vom 9. Februar 1927 vom Krisenbezug aus- geschloffen.(Bl. 4«. BS. III 637, BA. 278.) Seit mehreren Monaten teilen die tschechischen Konsulate ihren in Not befindlichen Staatsange- hörigen mit, daß durch einen Notenaustausch zwischen der deutschen Gesandtschast in Prag und dem Ministerium für auswärtige Angelegenheiten in Prag ein de u t sch- ts ch e ch o s l o w a k i- s che s A b k o m m e n, das sich inhaltlich auf den Meinungsaustausch zwischen den Delegierten der deutschen und tschechoslowakischen Regierungen vom 24. Juni 1 932 stützt, zustande gekommen ist, wonach tschechoslowakische Staatsangehörige in Deutschland in Fragen der öffentlichen Wohl- fahrtsfiirsorge den deutschen Staatsbürgern gleichgestellt sind, sobald si« sich in Notlage befinden und hilfsbedürftig sind. Rückfragen bei Wohlfahrts- und Arbeitsämtern bestätigen, daß dort über irgendwelche neue Ver- einbarungen der Staaten untereinander mit Rechts- Wirkung für die tschechoslowakischen Staatsange- hörigen in Deutschland nichts bekannt ist. Dieser Zustand ist unhaltbar. Entweder sind die Schreiben der tschechoslowakischen Aintsstellen in Deutschland richtig, und das Reichsarbeits- Ministerium hat versäumt, entsprechende Ver- fügungen zu erlassen, oder die Auskiinste der tschechischen Amtsstelle» sind nicht richtig, dann wären die gegebenen Auskünfte ein Skandal. Die Angelegenheit müßte jedenfalls sofort ge- klärt wenden. Es scheint hier wieder einmal der Amtsschimmel sehr schwer in Gang zu kommen. Achtung, Mitglieder des DMA.! Der frühere Hauskassierer in der Verwaltungsstelle Berlin, Richard Kröling, der wegen llnredlichkeit ab- gesetzt wurde, versucht bei unseren Mitgliedern, die er bisher kassiert hatte, immer noch Beiträge entgegenzunehmen. Wir bitten zu beachten, daß Kröling hierzu nicht mehr befugt ist und daß etwa von ihm abgegebene Marken nicht als rechtmäßig entnomnien anerkannt werden können. Falls Kröling Marke» ab- zusetzen versucht, bitte» wir. seine F e st n a h m e zu veranlassen. Der neu eingesetzte Kassierer ist mit Ausweis und Lichtbild versehen. Wir bitten, Beiträge nur an diesen Kollegen zu zahlen. Die Ortsverwaltung. »»leiidimgen für titele Rüde» find B t x 1 i n SB 68. Liodellllratie 3. parteinachrichten Groß-Berlin stet»»Ii btt» Beztre-setr-tartal i. Sot. 2 Trevveu recht»,»u richte» lt. Achtung, Ttadtucrordnetenfraktion? Heute, Tienstag, K.?tovcmbcr, 18 Uhr, äußerst wichtige Fraktionssitzung, zu der jeder erscheinen muß., Beginn aller Veranstaltungen 19� Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! heute, Dienstag, 8. Ilovember: 2. tteei». Abteilungstassterer! Nttrlcn zum Filmabend am 30. Navcmber heute noch nicht zu habr». Werden Mitlwochnachinittag zugestellt. 2. Krei». Bildungsausschuh. Der»ursus Deuicke lcmn wegen Verhinderung des Referenten erst am Donnerstag, dem 17. Noaemder, 20 Uhr, bei Röstet, Pntlih. Ecke Salzwedeler Etrahc, beginnen. Der nächste Ntmabend findet am 3b. November statt. 6. Breis. Heute Beginn des Kursus Dr. Karl Schröder„Der Blassenstaat, Einführung in die Grundlagen der inarxistischen Theorie", im Zimmer 3 des Jugendheims Urdanstr. 167, Hof geradezu. Anmeldung dortselbst bereits ab 13 Uhr. Hörgcld für 6 Abende l.öOMt. Breis. 1» tthr. Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder im Heim, Banner Str. 42, Dortragssaal.— Bildungsausschuß. 20 Uhr, Beginn de» Bursus Dr. Oll» Mönchen„Japan, China, Indien" im Jugendheim, Bcrgstr. 29. >i. Abt. Funktianärsißung bei Riickert, Steinmetzstr. 36u. 19. Abt. Unserem noch immer tätigen Genossen August Gehlicke zu seinem 7i>. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche. 2l. Abt. Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder bei Broll, Utrechter Straße. „Besprechung der Wahlergebnisse". 3t. Abt. 20 Uhr Funktionärsistung bei Eoldschmidt. Etalpische Str. 36. 51. Abt. Lormittags von 10 Uhr ab Meldung aller Arbeitslosen und In» validen der Äblcilung im Jugendheim, Rostnenftraße. Ausweis: Stempel» karte, Rernenbescheid und Mitgliedsbuch, 108. und 108;. Abt. Die Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder findet erst ani 23, November statt. tlt. Abt. 17 Uhr zur Flugblattverbreitung bei Seimann. Erwerbsloie bereits um 1ö Uhr, 421. Abt. 20 Uhr stzunktionärsttzung bei Brllger. 136. Abt.«orftandssttzun« mit Bezirksführern bei Biehne. 139. Abt. Funktionärsißung an bekannter Stelle. Morgen, Mittwoch. S. November: ssiir die nachstehenden Mitgli-der-crsammlungcn und Zahlabend- laute» das Thema:„9. November 1918 bis 1932". 3. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung im Rosenthaler Hof. Rosenthaler Straße 11/12. Referent Sans Bauer., 7. Abt. Zahlabend Bürwalde. Eigung im bekannten Lokal. 8. Abt. Zohlobende in den bekannten Lokalen. 9. Abt. Mitgliederversammlung im„Begler-Eck", Quißowftr. 146. Referent Stadtrat Wilhelm Reimann. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. Abt. Zahlabende in den bekannien Lokale». Abt. Zahlabend« in den bekannten Lokale». Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen.„ Abt. 19 Uhr in der roten Schule, Gotenburger Ettaße Abteilungsversamm» lung. Referenten Genossen Rieck und Wener.,,, Abt. Zahlabende in folgenden Lokalen: Bontke, Schul- Ecke Christiania- straße' otenzel, Echwedcnstr, 13: Wende, Boloniestr. 147: Pose, Bolonie- straftc 15; Tillner, Bolonie» Ecke Zechliner Str. Referenten werden in den Adendcn bekanntgeaeden. Abt. Zahlabende>n folgenden Lokalen: Pimpler, Ziazarcthkirchstr. 41, Referent Marcel Bamendzinsti; Böhm, Marstr. 18; Referent Irist fhengler: Broll Utrechter Str, 21, Referent Scheele: Schrepel, Antonftr, 8, Referent Fcnfclau: Echcrhag und Woitfchach, Reinickendorfer Str, 20, Referent Bnedeman». Abt, Zahlabend- in den bekannten Lokalen., Abt. Disiussions- und Zahlabende in allen Bezirtslokalen. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokale»...... Abt Gruppe Balkan bei Wcnzkc, Carmen.«nloa. Ecke Hoicmannstrage. Gruppe Carl Lcgien im Hermannsheim, Laubenkalnie, Carmen-Sylva. Straße. Thema in allen Gruppen: 9. November 1918 bis 1932. Abt. Zahlabende an bekannter Stelle. Der Zahlabend„Werneuchener Schloß" ist verlegt nach dem Lokal Adermann,«nivrodeftr. 7, Abi Achtung: Unsere Mitgliederversammlung wird auf Dannerstag, den lO November, verlegt. Lokal..Schwedter fzestföle", Schwedter Str. 23. Referent Heinrich Löffler. Funktionäre eine Stunde früher. «bt Zahmbendc in den bekannten Lokalen. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen„ Abi Zahlabende an folgenden vtellen: Müller, Eimplonnr, 31:„Zur Hirfchau-ll-" Simon-Dach-Str. 9. Nescrent Hermann Grünzel: Lofach, 21. 22. 23. 24. 24a 25. 28. 30. 31. 33. Regierungxmaschineile". 34. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 38. Abt. Die Zahlabend« fallen i» allen Bezirken aus. Die Parteimitglieder deleiligcn stch dafür an der Bußtagsveranstaltung der Partei. 39. Abt. Mitgliederversammlung im Bangewerkshaus, Großbeerenftraße. Referent A. Bufchick. 3«s Abt. Zahlmorgen früh 5 Uhr im„Marlgrafen-Eck". Referent Richard Barth. 41. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 42. Abt. Zablabende in den bekannten Lokalen. 43. Abt. Zghlabcndc in den bekannten Lokalen. 47. Abt. Zablabendp an folgenden Stellen: 82. u. 83. Bezirk bei Rorarius, Adalberlftr. 19. Referent: Hugo Poe l ich.»7. Bezirk bei Li«: Raungnstr. 9. Referent: Georg Müller. 98. Bezirk bei Siedentopf. Mnskaucr Str. 35. Re» ferent: Paul Bernstein. 99. und 100. Bezirk bei Taube, Manteuffelstr. 8. Referent: Prof. Strecker. lOI./IOö. Bezirk bei Lehmann, Muskauer Str, 1. Referent: Dr. Ludwig Greil. 48. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 57. Abt. 20 Uhr Zahlabende: l. Gruppe bei Arndt, Bantstr. 51. Referent: Leo Strrnbcrg. 2. Gruppe bei Thunack, Wielandftr. 4. Referent: Günther Joachim. 3. Gruppe in der Sportklause, Wielandftr. 40. Referentin: Ger- trud Ellert. 73. Abt. 49 Uhr pünktlich Mitgliederversammlung. Rcvolutionsseier mit llebcr. tragung der Rede des Genossen Löbe. 89. Abt. 20 Uhr Abteilungsverjammlung im Helmholß-Gymnasium, Rubens- straße. Referent: Alfred Malkwitz. 8t. Abt. 20 Uhr Zahlabende in folgenden Lokalen: l. bis 3. Bezirk bei Blabe, Handiernstr. 60—61. Referent: Genosse Selbig. 4. bis 5. Bezirk bei Ba- ginfli, Stubcnrauchstraßc. Referent: I. Diederich. 6. Bezirk bei Lehmann, Born- Ecke BUstngstroßc. Referent: Dr. Norbert Marx. 82. Abt. 8. Bezirk. Zahlabend bei Thiel, Birkbufch. Ecke Sicmensstraße. Historischer Materialismus. Referent: Oswald Zienau. 87. Abt. Mitglicderverfammlung fällt aus. 94. Abt. Mitgliederoerfammlung im Lokal Bergschloßhöhe, Barlsgarten- straße 6—11. Referent: Max Hendemann, M. d. L. 92. Abt. Bezirksmitgliederversammlungen finden in nachstehenden Lokalen statt: Bezirk 29«, 54 und 55 im Lokal Rippert, Harzer ötr. 88. Referent: Genosse»ranz Rettig. Bez. 51, 58 und 60 im Lokal Iägerheim, Wilden» bruchstr. 81. Referent: Genossin Charl. Dicrkc. Bez. 52, 53 und 57 im Lokal Fiedler, Schandauer Str. 1. Bez. 56 im Lokal Fischer, Heidelberger Straße 31. Tagesordnung in vorgenannte» Bezirken: Besprechung der Reichstagswahl. Bez. 59, 81 und 82 im Lokal Wolff, Kaifer.Fricdrich» Straße 173. Bez. 62, 80 und 85 im Lokal Borchert, Rofeggerstr. 9. Bez. 63 und 79 im Lokal Simon, Bcrthelsdorfcr Str. 9. Bez. 87 und 88 im Lokal Schneider, Rofenftr. 7. Tagesordnung:„Leipart spricht". Wiedergabc der gewerkschaftlichen Bundgebung gegen Popen. Besprechung der Reichs» tagswahl. 93. Abt. Zahlabende in folgende» Lokalen: Danim, Hcrßbergstr. 22. Refc» rentin: Dr. Blara Henriques. Cinkopf, Baifer.Friedrich» Ecke Marefch» straße. Referent: Bernhard Krüger. Schumann, Treptower Str. 90, Ecke Weferftraße, Referent: Dr. Gerhard Luckow. Prißkow, Schöneweider Straße, Referent: Willi Rogge. Just, Niemeßstr. 19, Ecke Kanner Straße. Refe- rent: Martin Stein. Stolz, Böhmische Str. 43—44. Referent: Karl Heßschold. 94. Abt. Die Zahlabende fallen aus. 95. Abt. Mcrtelverfammlungen an folgenden Stellen: Klei», Prinz-Handfern» Straße 34, Referent Dr. Hans Cohn: bei Keusch, Iägerstr. 10, Referent Max Fcchncr, M. d. L.: bei Gricger, Lesstnastr. 9, Referent Georg Stieglitz: bei Haas«, Steinmetzstr. 78, Referent Georg Klaußncr, M. d. L. 96. Abt. Zahlabende wie folgt: Bezirke 101, 102 und 120 bei Lohann, Wipper» straße 18/19, Referent Erich Wcndicke. Bezirke U8 und 119 bei Brandt, Thüringer Sir. Ecke Wipperstraße, Referentin Genassin Burckhnrdt. Be- zirke 121, 122, 124 und 12? bei Bogel, Rogatstr. 50, Referent Eduard Zachcrt. Bezirke 123 und 126 bei Frenkel, Schicrkestr. 35, Referent Genosse Schropp. 101. Abt. Zahlabende in den bekannten Lvlalen. Zahlabend des 3. Bezirks am Donnerstag, 10. November, bei Manz. 102. Abt. Mitgliederversammlung der Bezirke 14—21 fAfA-Hof) bei Falken- Hägen, Neu-Tivoli, Neue Krugallee 34. 106a. Abt. Fahlabcude finden nicht statt. Dafür Sitzung des Abteilungsuor» standes bei Iungklaus, Kalfer-Wilhelm-Str. 5. 110. Abt. 20 Uhr bei Werner, Köpenicker Str. 125, Mitgliederversammlung, Referent Georg Maderholz, M. d. L. 1l5. Adt. Zahlabende am Mitlwach fallen aus. 120. Adt. Die Mitgliederversammlung wird auf eine» späteren Termin ver. legt. Es erfolgt besondere Einladung. 18»: Uhr findet im Jugendheim, Gunterstr, 44, die Gründung einer Kurderfreundegruppc statt, Vom Frei» tag, den 11. November, ab tagt diese Gruppe in der Schule. Mittwoch und Freitag van 18 bis I9V, Uhr. Parteigenossen, schickt cur« Kinder zu den Binderfreunden. 121. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Bänig, Trcskowallee 98, Referent Dr. Otto Suhr. 129. Abt. Zahlabende: 1. bis 4. Bez.„Sänaerheim", Flarastraße. Referent Genosse Ziska. 5. bis 8. Bez. im„Türkischen Zelt", Brcitestraße. 9. und 19. Bez. bei Neumann. Mcndelstr. 17. 133. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Baehne, Berliner Str. 39. 134, Abt. Zahlabende: 1. u 2. Bez. im Lokal„Zur Tanne", Bucher Aue: 3. Bez. bei Sonnet, Schönow«. Ecke Parkstraße. 135. Abt. Zahlabend im Lokal„Zum Pankgrafen", Karow. Pankgrafel, str. 3, Referent Fritz Zimmermann. 136. Abt. Die Zahlabend« finden in den im Oktober verössentlichten Lokalen statt. Für jeden Bezirk ist ein Referent verpflichtet. Die Bezirksfllhrer laden dazu ein. 137. Abt. Zahlabende fallen aus. 139. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 141. Abt. Bei Hoffmann, Edelweißftr. 5, Mitgliederversammlung, Referent Willi Echt«. 142. Abt. 19 Uhr Funttionärversammlung an bekannter Stelle. Donnerstag, 10. November: 1. Kreis. Beginn des Kursus.Dr. iivcgor Bienftock, Donnerstag, 19Vi Uhr, in der Edphidiifchnke, Weinmeiftcrftr. 16/17. 14. Kreis. Achtung drie. BorwärlsagitationI Die Abteilungen wollen die Werbearbeiten möglichst bis zum 15. November abschließe». 29. Kreis. Im Bolkshaus. Scharnwcbcrstr. 114, Fraitionsfitzuug der Klein» gärtner. Mitgliedsbuch legitimiert. Areitag, 11. November: 3. Kreis. Der Kursus der Arbciterbildungsfchule„Der sozialistische Umbau der Wirtschaft", Referent Dr. Braunthal, beginnt am Freitag, 1l. No» vember, 19 Ustr, ini Bereinszimni« des Restaurants im Ledigenheim, öchönstedtstr. 1. und nicht, wie angegebcn, in der Weltlichen Schule. 29. Kreis. Arbeiterbildungsfchulc. Der Kursus Ealomo» Schwarz beginnt am Freitag, den 11. November, 199- Uhr, in Reinickendorf-West, Jugendheim, Seidclftroße,z Uhr Turnhalle Danaustr. 126, Abt. Lichtkämpfer. Jungfallen. Heute, 17% Uhr, im Heim Bergstr. 29. Rate Falken. 17 Uhr im Heim Ganghoferstraße. Alle in Falkenkluft. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation .39. Abt. Am 4. November verstarb unser lieber alter Parteigenosse Franz Lucht im 82, Lebensjahre. Seine Einäscherung ist am Mittwoch, 1? Uhr, Ge- richtslraße. Wir erwarten rege Beteiligung. 78. Abt. Unser Genosse Wilhelm Richter, Ebcrsstr. 17, ist am 5. November verstorben. Ehre seinem Andenken! Beerdigung Donnerstag, 10. November, 1494 Uhr, Apostel-Friedhof, Eachfendamm. Um rege Beteiligung bittet der Borstand. 91. Abt. Am 5. November verstarb uns« langjähriges Mitglied, d« Ge» nosse Ernst May, im Alter von 54 Iahren, i37. Bezirk.) Die Einäscherung findet am Mittwoch, 9. Olovemder, 18 Uhr, im Krematorium Baunrfchulenweg stqtt. Ehre seinem Andenken I 97. Abt. Unser Genosse Johann Karle ist am 5. November nach lang. fahriger Krankheit im Älter von 61 Jahren verstorben. Mit ihm geht wieder einer der alten Kämpfer dahin, Ehre seinem Andenken! Einäscherung am 10. November, 4>/- Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Rege Beteiligung wirb erwartet. Verlangen Sie auch beim Nachfullen von MADDI5UJiiw . Auch auf andere MAGGI-Erzeugnisse, wie MAG Gl'Suppen und MAOGI* heischbrüh würfet, gibt es Gutscheine Enthüllungen aus dem Landbund Geldverschwendung und wenig sachliche Arbeit—„Einstampfen" verlangte Graf Kalchreuth Die Landwirschaftskammcrn, L a n ö- bünde und Bauernvereine kosten jähr- lich nicht weniger als 40 bis SO Millionen Mark! Diese Enthüllung bringt eine Schriit von Dr� Peters, Staatssekretär z. D,,„Die Land- wirtschaftliche Berufsvertretung", die von der Deutschen Verlagsgesellfchaft Berlin(Preis 2,50 M,) eben herausgebracht wurde. Bei der landwirt- schaftlichen Berbondsbllrokratie herrscht über die Veröffentlichung wildeste Empörung. Graf von Kalckreuth vom Präsidium des Reichs- landbundes hat vergeblich das Einstampfen der Schrift oerlangt. Die Gegenkräfte, die hinter der Veröffentlichung stehen, waren stärker. Graf Kalckreuths Verlangen wird be- greiflich, wenn man folgende Stelle liest: „Und zu welchem Zweck werden diese Riesensummen benötigt? Zur Ausrechterhaltung eines 'Heeres von Geschäftsführern, Angestellten und anderen Funktionären und zu Zwecken der Propaganda in erster Linie, zu sachlicher, der Landwirtschast dienenden Arbeit oft nur nebenher. Und es werden nicht nur enorm lausende Einnahmen verbraucht, es werden oft auch Schulden über Schulden gemacht. So ist, um nur ein Beispiel zu nennen, ein großer Prooinzialverband in diesem Jahre ge- zwungen, die Umlage zu verdoppeln, da er den Betrag der Umlage von 1931 für Schuldenzinsen und für fällige Schuldrückzahlungen braucht. Man braucht nur aufmerksam die Presse zu verfolgen, überall findet man, daß Verbandseinrichtungen in Liquidation getreten sind, liest von Konkursanträgen ärgerlich gewordener Gläubiger, muß sogar feststellen, daß Broschüren aus Ver- bandsmitteln verfaßt und verbreitet werden, die sich mit Behauptungen befassen, welche schwerste Verfehlungen maßgebender Verbands- persönlichkeiten— natürlich bei der Konkurrenz— als erwiesen darzutun trachten. Fragt man aber den einfachen Mann auf dem Lande, was er von seinem Landbund oder Bauernverein hält, so ist die Antwort fast immer die gleiche. Man hebt hervor, daß die Buch- führungs- und Steuerberatungsstellen gut und praktisch arbeiten, daß es aber doch möglich fein müßte, diese für weniger Geld arbeiten zu lassen, und daß man ganz im unklaren darüber sei, was eigentlich mit all dem Geld geschehe, das sonst noch einem abgefordert werde. Natürlich sagen so nicht die, die im Ver- bände Posten bekleiden, Räder der Ver- bandsmaschine sind. Und dach gibt es auch bei denen sehr viele ernst und sachlich Urteilende, die erklären, so kann es nicht weitergehen. Sogar führende Persönlichkeiten sagen das, deren Name jeder Landwirt kennt. Versuchen sie aber ihren auf Aenderung des unhaltbaren jetzt abzielenden Willen durchzusetzen, sie erreichen es nickst und scheiden dann müde nnd vergrämt aus der Or- ganisation aus, die oft ihrem Wirken das Werden oerdankt, nun aber ihrem Einfluß verloren gegangen ist." hinter der Veröffentlichung stehen einige dem offiziellen Landbundkurs nicht gerade wohlwollend gegenüberstehende, aber im übrigen auch stramm reaktionäre Herren. Der Führer dieser Fronde ist Freiherr von Wilmowsky, Schwager von Krupp, aus dem Vorstand des Sächsischen Landbundes vor einigen Iahren herausgegrault, und Vorsitzender des vom Reichs- eristihrungsministerium subventionierten Reichs- kuratoriums für Technik in der Landwirtschaft, übrigens eine der wenigen sachlich arbeitenden landwirtschaftlichen Organisationen. Ferner ge- hören zu diesem Kreis der Direktor der„Deutschen Tageszeitung", Freiherr von Wangen- heim, der Präsident der Pommerschen Land- wirffchaftskammer von Flemmig-Paatzig und der ehemalige Staatssekretär im Reichs- ernährungsministerium Peters, der— neben seiner Pension— Syndikus des Verbandes der Kartoffelhändler ist. Die der Kritik angeschlossenen Reformoor- schlage dieser Herren sind in mancher Hinsicht durchaus beachtenswert, so z. B. der Abbau des aufgeblähten Beamtenapparats der Landwirt- fchaftskammern mit seiner Doppel- und Gegen- einanderarbeit, die Schaffung eines Unterbaues für die Landwirtschoftskammern in den Kreisen, und endlich die auch von der Sozialdemokratie längst oerlangte Bertretung der Arbeitnehmer in den Landwirtschaftskammern. Der Wunsch nach Ausschaltung der Parteipolitik wird freilich ein frommer Wunsch sein bei Leuten, die wie die Urheber der Schrift den alten kaiser- und könig- lichen„Bund d e r L a n d w i r t e" wiederbeleben möchten. Aber wegen dieser Resormoorschläge würde der Herr Graf im Reichslondbund nicht so aus dem Häuschen geraten sein. Die„Reformer" wollen auch eine Aenderuvg der Berussvertrelung der Land- Wirtschaft, die heute durch die verschiedensten Vereine und Verbände erfolgt. Am meisten haben sie am Reichslandbund auszusetzen, der infolge seiner Entstehung aus den einzelnen Provinzial- und Kreislandbünden finanziell von diesen ab- hängig ist und das Lied seiner Geldgeber singen muß, d. h. heute der NSDAP. Die finanzielle Belastung der Landbundmitglieder ist immer mehr gewachsen. Daran wird schärfste Kritik geübt. Bei einzelnen Bünden beträgt der Beitrag bis zu 1,50 M. je Morgen landwirtschaft- lich genutzter Fläche— und die jahrelang vom Landbund betriebene Agitation, keine Steuern mehr zu zahlen, hat sich schließlich gegen den Landbund selber gewandt, der jetzt in großen sinanziellen Schwierigkeiten ist. Bei dem zweiten Verband, der Vereinigung der deutschen Bauernoereine, ist es nicht ganz so schlimm. Aber auch hier verschwindet die Berufsvertretung oft hinter der reinen Partei- Politik. Neben diesen großen Organisationen gibt es aber noch eine Unmenge von kleineren, die viel Geld kosten und wenig leisten. So verschlingt eine Pravinzialorganisation des Rcichsverbandes der land- und forstwirtschaftlichen Arbeilgebervereinigungen allein jährlich 250 000 Mark. Das gleiche gilt für den Reichsgrundbesitzerverband, dessen Daseinsberechtigung verneint wird. Dieser Ver- band wurde 1921 gegründet und bezweckt„die Verteidigung, Erhaltung und Kräftigung der wirt- schastlichen und rechtlichen Grundlagen des länd- lichen Grundbesitzes". Da die Reformer die Hoffnung, daß sich die Verbände reorganisieren lassen, aufgegeben haben, so wollen sie den noch dem Umsturz 1918 in den Reichslandbund aufgegangenen Bund der Landwirte wieder aufleben lassen. Straff zentralistisch soll er organisiert werden und sich von jeder Parteipolitik fernhalten. Wir wünschen viel Glück zu dieser neuen Gründung. Gelingt es, dem Bund der Landwirte von neuem Geltung zu verschaffen, so werden zweifellos die Fronten wieder klarer werden. Der Bund der Landwirte wird getreu seiner großagrarischen Tradition auf dem ostelbischen Getreidebau und dem mitteldeutschen Rübenbau basieren, und der Mischmasch, den jetzt der Reichslandbund dar- stellt— ostelbische Junker und rheinische Bauern — wird wieder in seine Bestandteile zersollen. Jedenfalls, der von außen so fest gefügt er- scheinende Organisationskörper der Landwirt- fchaft ist hohl und morsch geworden. Die von einem kurzsichtigen Interessenstandpunkt und von dem Gedanken der Besitzerhaltung diktierte Agrarpolitik hat auch in dieser Richtung zum Bankrott geführt. Daran wird auch der neu zu gründende Bund der Landwirte nichts ändern, stände er auch unter einer noch so„autoritären Führung". Ein letzter Warnungsruf Vor dem Zusammenbruch der Gemeinden Die unhaltbare Finanzlage der deutschen Kommunen hat den Präsidenten des Deutschen Städte- tages, Dr. M u l e r t, veranlaßt, in letzter Stunde eine nochmalige eindringliche Warnung an die Reichsregierung zu richten. In einem Schreiben an den Reichskanzler er- klärt Dr. Mulert, daß zahlreiche Gemeinden vor dem offenen sinanziellen Zusammen- b r u ch ständen. Eine derartige Finanzkatastrophe müßte jede Belebung in der Wirtschaft er- sticken. Viele Kommunen seien heute schon nicht mehr in der Lage, die Steuern und Abgaben an die Länder sowie Kommunalvcrbände abzuführen und ihre Zinsen und Rechnungen zu bezahlen. Diese finanzielle Not habe im laufenden Jahr zu einer Senkung der kommunalen Aufträge an die Wirtschast um 2,5 Milliarden Mark ge- führt. Sodann faßt Dr. Mulert die zur Rettung der Kommunen erhobenen Forderungen der kommu- nalen Organisationen in folgenden Punkten zu- sammen: Die Arbeitslosenhilfe muß vom Gemeindehaushalt finanziell losgelöst und«inheit- lich zusammengefaßt werden, da nur dann die Ge- meinden zu einem Etatsausgleich gelangen können. Die Gemeinden müssen vor der Durchführung dieser grundlegenden Reform aus den Erspar- nissen der Arbeitslosenversicherung und Krisenfür- sorge als zusätzliche Reichshilfe weitere 200 Millionen Mark erhalten. Notwendig ist Verhäuf erstreih! >Veü einem Kartell die Preise nicht hoch genug sind Die deutschen Kartell« sind wieder srisch-sröhlich am Werk, ihre wirtschastsschädigende, absatz- hemmende Verkaufspolitik durch Preis» erhöhungen fortzusetzen. Nachdem die Papen- Regierung das am 30. Juli abgelaufene Verbot von Kartellpreiserhöhungen nicht verlängert hat, find Sie Kartelle sicher, daß von dieser Regierung, der weitreichende gesetzliche Voll- machten zu Gebote stehen, in ihrem Handwerk nicht gestört werden. Den Gipfel von Kartellwillkür erreich: wohl das deuffche Häutekartell, das mit allen Mitteln versucht, der deutschen Wirtschaft den Vorteil aus dem Sinken der Häutepreise auf dem Weltmarkt vorzuenthalten. Dieser„Jntcressenverband dent- scher Häuteoerwertungen" empfiehlt seinen Mit- gliedern, Verkäufe von Häuten und Fellen nur dann vorzunehmen, wenn die Preise nur wenig sinken. Sind Abschlüsse nur bei großen Preis- Nachlässen(entsprechend den Weltmarktpreisen!) möglich, dann sollen die Verkäufe überhaupt ein- gestellt werde». Das paßt zum Arbeits- beschaffungsprogramm, zum Programm der Pro- duktionsoerbilligung und der Pflege des Erports wie die Faust aufs Auge. Ungleiche Eisenmärkte Der Stahlwerksoerband. das Spitzen- kartell der deutschen Eifensyndikate, teilt in seinem Oktobermarktbericht mit, daß sich der A b s a tz i m Inland? bei Stab- und Formeisen sowie bei Halbzeug auf dem Stande des September hielt. Gebessert hat sich die Verkaufslage für Band- eisen und Feinbleche: auch die Beschäftigung in Oberbaustosfen(Schienen) hat sich durch Abrufe der Reichsbahn gehoben. Dagegen war in den Abteilungen für Grob- und Mittelbleche sowie Universaleisen noch keine Besserung des Jnlandgeschäftes festzustellen.— Die Aufwärtsbewegung der Preise hat sich auf dem Weltmarkt im Berichtsmonat für fast alle Walzwerkerzeug- nisse fortgesetzt. Besonders starke Nachfrage herrschte nach Bandeisen. Ein größerer Auftrag ging aus Rußland ein. Erstarrter Kapitalmarkt Lelehung durch Rückflüsse erstickt Auch im September ist nach der jetzt veröffent- lichten Ueberficht des Statistischen Reichsamts über die Boden- und Kommunalkredit-Jnstitute noch keine Lockerung in dem erstarrten Zustande des Kapitalmarktes zu verspüren. Zwar hat sich der B r u t t o a b s a tz im Sep- tember bei Pfandbriefen auf 38,8 gegen 17 Millionen im vorhergehenden Monat erhöht und auch bei den Kommunal-Schuldverschreibungen betrugen die Neuzugänge 2,9 gegen 1,3 Millionen im Vor- monat. Aber diese Belebung des Anleihemarktes, die sicherlich mit einem gewissen A n l a g e b e- d ü r f n i s zum Quartalsultimo zusammenhängt, wurde durch die Rückflüsse vollständig er- st i ck t. Die Abgänge erreichten näinlich durch Rück- kauf und Tilgung im Berichtsmonat 74,6 gegen 63,8 Millionen im August bei den Pfandbriefen und 10,4 gegen 6,9 Millionen bei den Kommunal- Schuldverschreibungen. Die Rückflüsse be- trugen also im September insgesamt rund 85 Mil- lionen, denen Neuzugänge von 41,7 Millionen gegenüberstehen, so daß der Gesamtumlaus weiter um 43,2 gegen 47.7 Millionen im August gesunken ist. Das dritte Quartal dieses Jahres war mit einem Rückgang des Gcsamtumlaufes von 142 Mil- lionen das schlechteste im Jahr. Der Gesamt- umlaus betrug Ende September noch 12,06 Mil- liarden, davon 9,4 Milliarden Pfandbriefe, und lag damit um rund 393 Millionen unter dem Stande des Jahresbeginnes. ferner die Eingliederung der Gemeinden in die Arbeitsbeschaffung. Im Zusammenhang mit den Schwierigkeiten im kommunalen Zins- und Tilgungsdienst wird die Initiative des Reiches für geboten er- achtet, gangbare Wege zu einer Minderung der Zinsverpflichtungen zu finden. Die Frage der kommunalen Umschuldung müsse be- schleunigt gelöst werden. Schließlich weist Dr. Mulert noch auf die Forde- rungen der Privatwirffchast in der Frage der Besteuerung der öffentlichen Be- triebe hin und gibt der Erwartung Ausdruck, daß die Reichsregierung zu einer derartigen Maß- nähme nicht ihre Hand bietet. Die Ab- gaben der Versorgungsbetriebe an die Kom- munen, die höher seien als die Steuern der Pri- vatwirtschaft, gäben neben der Reichshilfe allein die Möglichkeit, wenigstens halbwegs die Unter- st ü tz u n g e n für die Wohlfahrtserwerbslosen aufrechtzuerhalten. Am Schluß des Schreibens fordert der Präsi- dent des Städtetages eine engere staatsrechtliche Beziehung der Gemeinden zum Reich, die ihre Zusammenarbeit und ihre Betreuung nach ein- heitlichen Gesichtspunkten nach sich zieht und da- mit die Wiederkehr solcher unmög- lichen Situationen, wie sie in der Gegen- wart eingetreten sind,«in für allemal verhindert. Die Kurse steigen Die Lörse mit den Wahlen zufrieden An der Berliner Börse sind gestern die Aktien- und Anleihenkurse, nachdem die vorige Woche schon bei steigenden Kursen geschlossen hatte, kräftig w c i t e r g e st i c ge n. Die Spekulanten— das Publikum ist noch immer nicht dabei— waren mit dem Wahlausfall zufrieden, mit der der Börse eigentümlichen sehr einfachen Moral, daß olle Politik gut ist, die dem Kapitalisten klingenden Vorteil verspricht. Daß Hitler Prügel bezog, wird günstig bewertet, weil man von dem etwas gestopften Nazimaul sich mehr Ruhe und Vertrauen für das Geschäftsleben verspricht. Daß der Reichstag wieder keine arbeitsfähige Mehrheit zur parla- mentarifchen Regierungsbildung hat, erweckt Wohl- gefallen, weil dadurch der Kurs der Papenschen Steuergeschenke gesichert erscheint. Auf der Pariser Börse erblickt man in Hitlers Niederlage eine Stärkung des unsympothi- schen Papen-Schleicher-Kurses. Die„Agence Economique", das wichtigste französische Wirt- schaftsblatt, befürchtet aus Hugenbergs Wahl- erfolgen eine Verschärfung der deutschen Kontingentspolitik. Das führende ameri- konische Wiitschaftsblail, das„Journal of Com- merce", bewertet die nationalsozialistische Niederlag« als einen g ü n st i g e n Faktor für die W i e d e rb e l e b u n g der Wirffchaft. Echo aus Dänemark „Die Kontingentierung unmöglich" Das Echo, das die deutschen Kontingentsforde- rungen in der dänischen Oeffenllichkeit gefunden hat, bestätigt den völligen Mißerfolg der deutschen Tomatenkommission. Der Führer der dänischen Unterhändler, Mi- nister Mohr, erklärte in der Zeitung„Politiken", daß die Deutschen durch die Aussprache hoffentlich zur Vernunft gebracht worden seien und die Kontingentierung aufgeben würden, lieber den Umfang der Kontingentierung sei überhaupt nicht verhandelt worden, denn Kontingente für Schlachtvieh, Schmalz und Käse seien für Däne- mark unannehmbar. Dänemarks Schlacht- viehexport nach Deutschland sei von 1929/31 von 200 000 bis auf 90 000 Stück gefallen und im laufenden Jahre noch weiter gesunken. Die Kon- tingentierung der Käseeinsuhr müßte für Däne- mark vernichtende Folgen haben. Nationalisierung Mexikos Bodenschätze verstaatlicht. Di« inexikanische Regierung hat ein Dekret erlassen, durch das die Bodenschätze an Gold, Kupfer, Antimon, Quecksilber, Aluminium, Phos- phaten, Salpeter, Kohle, Platin, Eisen und Wis- muth nationalisiert werden. Das Dekret soll zum Ausdruck bringen, daß die genannten Bodenschätze als Nationalreserven zu betrachten sind. Es heißt, daß die gegenwärtigen Mineral- und Erdöl-Konzefsionen, die sich in den Händen von Ausländern befinden, von dieser Maßnahme unberührt bleiben sollen. Die Ereise im Konsum Die Ermittlungen des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine über die Preise von 23 Be- darssgütern in 33 Städten ergaben sür den 21. September 1932 folgendes Bild: Preis bei den Konsum genossenschaften 21,74 M., Preis im gesamten Einzelhandel nach den Ermitt- lungen des Statistischen Reichsamts 22,98 M. Die Konsumgenossenschaften waren also um 1,24 M. billiger. Die geringe Preissteigerung, die bereits am vorhergehenden Stichtag, dem 24. August 1932, festzustellen war, hat sich sortgesetzt. Die 23 Be- darfsgüter kosteten bei den Genossenschaften am 20. Juli 21,50 M.. am 24. August 21,67 M. und am 21. September 21,74 M. Die entsprechenden Zahlen des amtlichen Index lauten: 22,54 M., 22,74 M. und 22,98 M. Die schon im Vormonat gemachte Beobachtung, daß die Konsum- genossenschaften der allerdings immer noch geringfügigen Auswärtsbewegung der Preise langsamer folgen als der übrige Einzel- Handel, wird durch das Preisbild vom 21. Sep- tember in verstärktem Grade bestätigt. Darenhaue Schocken �zahll Dividende. Der Schocken-Konzern, der in Sachsen und Süddeutsch- land sein Hauptarbeitsgebiel hat, kann für das am 29. Februar beendete Geschäftsjahr 1931/32 eine Dividende von wieder 5 Proz. aus- schütten. Trotz der Verschlechterung der Wirt- schaftslage konnten die Umsätze um 2 Proz. erhöht werden, da das Warenhaus in Chemnitz zum erstenmal fiir das ganze Jahr mit seinem Ilmsatz hinzukam. Dir Ilmsähe im Texlileinzelhandel. Nach den ftoliftiichen Erhebungen war im September, wie die„Textilwoche" mitteilt, noch keine Umsatz- b e I e b u n g im Textilein.zelhandel festzustellen. Der Umsatz betrug wertmäßig 71,1 Proz. der Sep- temberumsätze 1931 urch nach Ausschaltung der Preisveränderungen 84,2 Proz. DIENSTAG, 8. NOV. 1932 ZWEITE BEILAGE Berlins Polizei und Reichstagswahl Schwere Tage auch für die Schupo— Ein aufschlußreiches Wahlergebnis 3n unserer von Krisen geschütlelten Zeil stand die Polizei mehr als einmal vor der Lösung schwieriger Aufgaben. Die Anforderungen, die durch die letzten Tage vor der Reichslagswahl an die gesamte Berliner Polizei gestellt wurden. haben jedoch alles Bisherige noch ubertroffen. Zu der Sicherung des Wahlaktes trat die auher- ordentlich schwierige Arbeit, die der Verkehrs- streik den polizeibeamlen gebracht hat. wenn trotzdem im allgemeinen— einzelne Mtzgriffe sollen nicht entschuldigt sein—, die Beamten ruhig und besonnen ihre Pflicht taten, so verdienen sie Dank und Anerkennung. Seit Donnerslagmittag war die Mehrzahl der Berliner Schutz- polizeibeamlen nicht mehr aus der Aniform gekommen. Die Vorgänger des augenblicklichen Polizeipräsidenten haben nach ähnlichen Rekord- leislungen und anstrengenden Tagen den Beamten stets als Erholungspause und sichtbare Anerkennung einige Urlaubslage gewährt, wir haben noch nicht gehört, dah Herr Dr. M e l ch e r dieser Tradition treubleiben will. * Am Wahltag, für den für die gesamte Polizei hoch st e Alarm st ufe angesetzt war, glichen einzelne Bezirke der Stadt einem Heer- lager der Polizei. Bis zum letzten Wachtmeister Gestern am frühen Nachmittag konnte die BVG. nahezu sämtliche Ttrastenbahn-, Autobus- und U-Bahnlinien in Betrieb sehen. Auf 7« Ttrastenbahnliuien fuhren 710 Ztrastenbahnwagen, zum Teil doppelt behängt. Ter Autobusbetrieb wurde auf 22 Linien mit insgesamt 23» Wagen und der U-Bahnberkehr mit Ausnahme.der Teilabschnitte Gesundbrunnen— Neukölln, Pankow— Alexanderplah, Warschauer Brücke— Zlottbusser Tor, Hermannplah— Grenzallee und Alexanderplah— Friedrichsfelde, durchgeführt. Trotz des ruhigen Straßenbildes patrouillierten verstärkte Schupostreifen durch die Straßen und bis in die Abendstunden hinein wurde die Mehr- zahl der BVG.-Fahrzeuge aus Sicherheitsgründen weiter von Polizeibeamten begleitet. Wenn sich keine unvorhergesehenen Zwischen- sälle ereignen sollten, ist nun endgültig damit zu rechnen, daß der Straßenbahn- und Autobusoer- kehr wieder planmäßig durchgeführt werden kann. Bei Eintritt der Dunkelheit wurden wieder von Rechts- und Linksradikalen an einigen Stellen Steine gegen fahrende Straßen- bahnen geschleudert, dabei wurden verschiedene Scheiben zertrümmert. Wie bekannt wird, ist in einem Falle ein F a h r g a st durch Steinwurf am Kopf erheblich verletzt worden, er mußte die Hilfe einer Rettungsstelle in Anspruch nehmen.— Ein mit besonderer Brutali- tät verübter Ueberfall wird aus R e i n i ck e n- dorf-Ost gemeldet. Dort fielen mehrere uni- formierte SA.-Leute über den Straßenbahn- schaffner Koppermann her und schlugen ihn zu Boden. Erst als ein Schupobeamter dem Straßen- bahner zu Hilse eilte und einen Schreckschuß ab- war alles alarmiert worden, um sowohl die Wahl als auch den Teilverkehr der städtischen Verkehrs- mittel zu schützen und vor Sabotageakte zu be- wahren. Der schwere Dienst hörte auch in den Abendstunden nicht auf, denn auch nach der Ein- stellung des Verkehrs mußten die Straßen weiter gesichert bleiben, um die ordnungsmäßige Ueber- führung der Stimmzettel aus den vielen Wahl- lokalen zu gewährleisten. Als ein erfreuliches Kennzeichen der Wahl in Berlin darf man die Tatsache ansehen, daß die Ergebnisse in den Wahllokalen, in denen über- wiegend Polizeibeamte ihrer obersten Staats- pflicht genügten, für die Sozialdemokratie und die übrigen republikanischen Parteien recht günstig ausgefallen sind. Als beste Stichprobe für die Frage nach der politischen Stellung der Polizeibeamten galt auch bei früheren Wahlen schon das Ergebnis des Polizeikranken- Hauses in der Scharnhorststraße, in dem stets Beamte aus den verschiedensten Revieren und der großen Unterkünfte abstimmen. Bei der Wahl am 6. November wurden im Staatskranken- Haus folgende Stimmen abgegeben: National- sozialisten 40. Sozialdemokraten 13 5, Kommunisten 3, Zentrum 31, Deutschnationale 37, Volkspartei 2 und Staatspartei 6. Die überwiegend größte Stimmenzahl hat also die sozial- feuerte, ließen die rohen SA.-Patron« von ihrem Opfer ab ünd flüchteten. Einer der Hitlerbanditen konnte von dem Beamten eingeholt und festgenommen werden. Der feig« Bursche wurde der Politischen Polizei übergeben. Koppermann mußt« mit schweren Verletzungen in das Jüdische Krankenhaus nach der Exerzierstraße im Norden Berlins gebracht werden. Eine Nazisaalschlacht Die Richter machen» wieder gnädig Vor dem Schnellfchvfsengericht war die Harz- burger Front jünst wieder einmal gespallen: Der eine Teil saß auf der Anklagebank, der andere Teil stand am Zeugentisch und spie Gift und Galle gegen die bösen Buben. Drei Nationalsozialisten, die sich an der Schlacht in der deutschnationalen Versammlung am S. Ok- tober im„Deutschen Hof" beteiligt hatten, mußten sich wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körper- Verletzung oerantworten. In dieser Versammlung hatte eine Gruppe Nationalsozialisten in der Nähe der Rednertribüne Platz genommen und versuchte schon während des Vortrags des ersten Redners, durch Lärmen und Brüllen die Versammlung zu sprengen. Der Versammlungsleiter drohte mit seinem Hausrecht. Ein Nazi rief seinen Käme- roden zu:„Laßt ihn doch erst eine Zeitlang quatschen!" Irgend jemand schrie:„Ruhe!" Das war das Signal zum allgemeinen Tumult. Die Nazis schlugen mit Stühlen und Tischen aus die demokratische Liste erhalten. Es stehen 172 Stim- men der republikanischen Parteien 79 Stimmen der reaktionären Listen gegenüber. Auch hier zeigt sich, daß die Arbeit, die Männer wie Carl S e v e r i n g und Albert Grzesinski für den Staat und feine Polizei geleistet haben, nicht umsonst gewesen ist. Die Mehrzahl der Beamten hat erkannt, daß Volk und Polizei zusammengehören und daß es ein Verbrechen am Volke ist, wenn Maßnahmen dazu führen, wieder jene Entfremdung zwischen der Polizei und den Werktätigen zu bringen, die dem Vorkriegs- deutschland eigen war. Interne Maßnahmen der „grundsätzlich neuen Staatsführung", die manch- mal aus dem Wunsch geboren schienen, aus dem modernen Polizeibeamten mit seinen staatsbürgerlichen Rechten wieder den politisch rechtlosen Soldaten zu machen, waren zudem wenig geeignet, für die Parteien der Reaktion zu werben. Der gesunde Sinn des republikanischen Beamten sträubt sich gegen die Kräfte, denen die frische Luft in den Polizeiunterkünften unerwünscht ist und die jene stickige Atmosphäre der Ka- s e r n e wieder schassen möchten, in denen Freiheit, eigenes Verantwortungsbewußtsein und Ver- bundenheit mit dem Volke nicht gedeihen. Dersammlungsbesucher ein. Der Angeklagte Schmidt, bereits wegen Körperverletzung und unbefugten Waffenbesitzes vorbestraft— er war gerade am 5. Oktober aus dem Gefängnis ent- lassen worden—, warf auch gegen die Polizei einen Stuhl; vorher wollte er mit einem Tisch dreinschlagen; die anderen beiden, der Handlungs- gehilfe Sasse und der Schlächter Henke, kamen nicht dazu. Schmidt behauptete, es liege eine Personenverwechslung vor und bat um Ver- tagung, damit er in der nächsten Verhandlung seinen Doppelgänger mitbringen könne. Der Staatsanwalt beantragte gegen Schmidt 1 Jahr 6 Monate Gefängnis und Haftbefehl, gegen die beiden anderen wegen groben Unfugs je einen Monat Haft. Das Gericht vertagte die Ver- Handlung. Schmidt hatte eine Woche später, d. h. jetzt am Montag, mit seinen Zeugen nur einen Teilerfolg; er wurde nur wegen Widerstandes zu drei Mo- naten Gefängnis verurteilt. Die anderen beiden Nazis kamen sogar mit Freispruch davon. Nazi-Zaekel muß blechen Eine für die Nationalsozialistische Partei äußerst peinliche Klage stand vor dem Potsdamer Arbeitsgericht an. Als Kläger trat der Schriftleiter der nationalsozialistischen Wochen- schrift„Die Potsdamer Wacht", Dr. Graf von Schwerin, auf. Zu verantworten hatte sich der nationalfozia- liftifche Verleger der„Potsdamer Wacht", Re- dakteur Jaekel. Der Graf war seinerzeit bei der „Wacht" angestellt worden mit dem Austrag, mit Potsdamer und Berliner Behörden Fühlung zu nehmen. Plötzlich jedoch wurde der„Wacht" das Geld knapp, Graf Schwerin erhielt keine Bezah- lung und drohte nun mit einer Klage. Daraufhin wurde er plötzlich beurlaubt. Zu dem Termin war der beklagte Nazi-Jaekel nickst erschienen. Fünf Minuten vor Beginn des Prozesses überbrachte ein strammer Nazimann einen Brief, wonach Jaekel plötzlich verreisen mußte. Es erging ein Versäumnisurteil gegen rhu, wonach er dem Grasen Schwerin noch 90 Mark Gehalt nachzahlen muß. Ferner erkannte das Arbestsgericht, daß dos Dienstverhältnis des Grafen zur„Wacht" bis zum 31. Dezember 1932 fortbesteht. Tolles Funkprogramm 9. Novemher mit Jazz und August Winnig Der 9. November gilt uns Sozialisten als der Tag, an dem das in der Heimat mehr und mehr verhungernde Volk und fein an den Fronten durch Hunger, Not und feindliche Uebermacht dezimiertes und zermürbtes Heer sich dem er- barmungslosen Diktat seiner siegreichen Gegner beugen mußte. Es ist ein Tag furchtbarster, tiefster Tragik, die nur erhellt werden konnte durch den Gedanken, daß das schändliche gegen- seitige Morden der Völker endlich ein Ende ge- funden hatte. Von jeher hat die Sozialdemo- kratie diesen Tag durch entsprechende Feiern würdig begangen. Die neue Leitung der Funkstunde, weit entfernt, den Ernst des Tages zu begreifen, beginnt den Nachmittag des 9. November mit„Heiteren Opern» d u e t t e n" und läßt chn abends um 22 Uhr— das Endergebnis des„großen Krieges" am Abend des 9. November 1918 waren bekanntlich acht Millionen Tote— mit fröhlicher Tanzmusik enden. Zwischendurch erdreistet man sich, an diesem Tage den Hörern einen Mann wie August Winnig zuzumuten, der zu dem Thema sprechen darf:„Gelebtes Leben, Pflicht ohne Ende!" Die feit einiger Zeit so sehr be- tonte„deutsche" Note kommt am 9. November offenbar durch folgende Konzertstücke zum Aus- druck:„Im Wein ist Wahrheit'—„Vioat Bacchus"—„Polkina Humoreske"—„Herbstrosenwalzer"—„Carneoalouvertüre"—„Tausendundeine Nacht" und schließlich durch Tango, Foxtrott, Shimmy, Blues und Jazz. Offenbor zur lebendigen Jllustrierung des Winnig schen Vortrages vom Gelebten Leben wird schließlich auch noch— am 9. November 1932— ein Bericht vom Sechstagerennen durchgegeben. In der Tat, so sieht sie heute aus, die deutsch, Kultur, wie sie Deutschnatwnale und National- sozialisten in trautem Verein im Berliner Rund- funkausschank verzapfen. Sühne für Aoppelmord Zehn Jahre Gekängni» Das große Zugendfchösfengerichi verurteilte den 17jäHrigen Ernst Waldow. der am 2. Rlai dieses öahres das hausbesiherehepaar Laars mit einem Beil erschlagen und beraubt hat. und der auch bekanntlich einen Raubübersall auf LUian harvey geplant hate, wegen Mordes in zwei Fällen in Tateinheit mit schwerem Raub zu der für Zugendliche gesetzlich zulässigen höchst- st rase von zehn Zahren Gefängnis. Sechs Monate der erlittenen Untersuchungshast wurden ihm angerechnet. „Die Humanität der deutschen Novemberrevolution." Im Rahmen einer Erinnerungs- stunde an den 9. November 1918 spricht Pastor i. R. Francke bei der Deutschen Liga für Menschenrechte, Ortsgruppe Nord, am 9. November, 20.30 Uhr, im Restaurant„Humboldt- Hütte", Brunnenstraße 94. Heute Vollverkehr Langsame Zunahme der Beförderungs Möglichkeiten 'hurtdMäTflaJtkm fammtpndglngm, Juno blieb* (ueil Hillionen Raucher den UJert einer gleichmäßig hohen Leistung anerkennen. Dieses ehrende Vertrauen wird Juno stets zu rechtfertigen wissen. Jhre hervorragende Qualität verlangt unhedingl den Ausschluß aller unsachlichen iugahen utie ülerimarken, Guischeine und Stickereien. Nur so kann Juno für alle Zukunft ihren Ruf aufrecht erhalten. Juno steht fest! Reichspost uud„öffentliches Wohl" Freiheitspfeile verboten— Hakenkreuz erlaubt 3m August b. 3. teilte der„ZZ o r w a r t s" mit, daß eine im Bereich des Postamts Berlin N. 4 aufgegebene Postkarte, die auf der Vorder- feite die drei Freiheitspfeile trug, dem Absender unbefördert zurückgegeben wurde. Be- gründet wurde dieses erstaunliche und befremdende Vorgehen mit dem Z 4 der Postordnung, wonach Sendungen von der Beförderung auszu- schließen sind, deren Außenseite oder sichtbarer 3n- halt gegen das öffentliche Wohl verstoßen. Als „gegen das öffentliche Wohl verstoßend" sollen Parteiparolen, Abbildungen von Parteiabzeichen oder sonstige Abzeichen politischer Art angesehen werden. Die symbolhafte Bedeutung der drei Freiheitspfeile bezieht sich u. a. auch auf die Wahrung von Disziplin, d. h. Ordnung. Demnach mühte also, wenn man dem Weisheitsmund der Deutschen Reichspost glauben sollte, Ord° nung gegen das öffentliche Wohl verstoßen. Man sollte nun annehmen, daß die Reichspost sich zum mindesten bemüht, ihrenZensur- und Verbotseifer gerecht und ohne Ansehung der Parteien wirken zu lassen. Davon kann aber nicht die Rede sein. Dasselbe Postamt B e r l i n R. 4 hat am l. November eine Postkarte mit einer offenkundigen politischen Zeichnung, die einen Mönnerkopf darstellt, auf dessen Mütze«ine brutale Faust niederschlägt, glatt und ohne die geringste Beanstandung expediert. Die Zeichnung Rad des 02017 In der Nordsee aufgefischt Rotterdam, 7. November. Das belgische Lolsenboot Rr. 14 Hot In der Nähe de» Feuerschiffes„Maas" ein Rad vom Fahrgestell eines Flugzeugs aufgefischt, das vermutlich von dem vor etwa einer Woche über der Nordsee ver- unglückten und spurlos verschwundenen deutschen Postflugzeug V 2017 der Nachlpostlinie London— Berlin stammt. Der um das Rad befindliche Teil trägt die Kennzeichnung„Tlektron-Metall GmbH., Konstanz- Stultgorl", Typ«55/150. Der neue Winkelried An den Anschlagsäulen liest man«ine Per- sammlungsanzeige der Nazis, auf der neben anderen auch als Referent Emil U n g e r- W i n k e l r i e d als früherer„Vorwärts"- Redakteur genannt wird. Alte Erinnerungen steigen auf: Emil Unger, das ist doch der frühere Berichterstatter und kurz- fristige„Verantwortliche", der wegen„besonderer Befähigung" seine» Amtes sehr schnell wieder enthoben wurde? Richtig er ist's! Aber Wintelried? Jjat er sich den Schweizer cheidennamen beigelegt, um seinen etwas„anrüchig" klingenden Vatersnamen bei den Nazis besser motivieren zu können? Er war doch damals keine so große jheldenfigur! Höchstens mit dem Maule, wenn er in Versammlungen für den K i r ch e n a u e t r i t t in allen Registern über Pfaffen, Religion u. a. wetterte. Wintelried hat nach der Schweizer Sage in einer Schlacht die feindlichen Speere, die in einer Front den Schweizern entgegen starrten, mit seinen Armen zusammengerissen und auf seine Brust gerichtet, um so den eigenen Leuten freie Bahn zu schaffen. Wie aber bewies der neue Winkelried seinen Heldenmut? Als der Krieg aus- brach, hatte er Sorge, daß ihm als„Vaterlands- Verräter" von den Hurrapatrioten eine Ab- r e i b u n g zudiktiert werden könnte. Eines Tages erschien auf der Redaktion de»„Vorwärts"«in Herr, der sich erst nach längerem Raten als Emil Unger entpuppte. Sein wallendes Lockenhaar, seinen Schnurbart und seinen Spitzbart hatte er auf dem Altar des Vaterlandes geopfert. Dann wurde er allgemach begeisterter Kriegsanhänger. Aber auch ihn traf sein unerbittlich Schicksal. Winkelried wurde zu den sogenannten S ch i p p e r n, zu den Armterungssoldaten an- gesetzt. 3n seiner Kriegsbegeisterung hoffte er immer noch, daß Deutschland den Sieg erringen würde, ehe er die Schippe in die Hand nehmen müsse. Monate und Monate verstrichen, der Krieg wütete weiter. Und eines Tages schlug wie eine Bombe bei dem neuen Winkelried die(Be- stellungsorder ein. Doch unser Freund Emil, der den Mut der deutschen Muskoten so oft be- wunderte, zog nicht ins Kriegsgebraus, um die feindlichen Gewehr« zusammenzuraffen und auf sich zu richten. 3m Gegenteil! 3hn erschütterte die Gestcllungsorder zu den Schippern so ge- wallig, daß er zum Arzt ziehen mußte, um sich seinen davon getragenen Nervenchok bescheinigen und kurieren zu lassen. Und da sage noch einer, der jetzige Nazireferent Unger-Winkelried trage seinen schmückenden Bei- namen nicht mit vollem Recht und sei nicht be- rufen, Heldenmut und Tapferkeit den Anhängern des Dritten Reiches zu demonstrieren. ist als politische unverkennbar: denn der Männertopf mit der Mütze zielt auf die Sozialdemokratie. Und nun ein zweiter Fall. Da? Postamt Berlin-Friedenau I ließ am 25. Oktober dieses Jahres einen verschlossenen Brief, der nicht die Adresse des Absenders trug, wohl aber in der Ecke links unten eine kleine Klebemarke mit den drei Pfeilen, zur Ermittlung des Ab- senders an die Oberpoftdirektion gehen, die tatsächlich den Brief öffnete, also einzig und allein wegen der klebemarke mit den drei Pfeilen dos Briefgeheimnis verletzte, und den Brief an den Absender zurückgehen ließ. Außerdem gab auch noch dasPostamtBerlin EW. 11, Anhalter Bahnhof, seinen Senf dazu, indem es mitteilte:„Zurück an den Absender. Wegen politischer Abzeichen ausgeschlossen." 3n der oberen Ecke stand ein Stempel:„Rücksendung gerechtfertigt." Wer für diesen wichtigen Stempel verantwortlich ist, konnten wir leider nicht ermitteln. Da dieser Brief mit der kleinen Dreipseil-Klebe- marke also offenbar durch drei bis vier postalische Hände gegangen ist, so kann man sich vorstellen, welches Gefühl von Wichtigkeit und Bedeutunz den Busen der Beamten geschwellt haben muß, al» sie wieder einmal eine so gefährliche, gegen das öffentliche Wohl oerstoßend« Postsache in Händen erweiterten Kreisleitung. Gruppe„Norden". Donnerstag, den 10. November, Gruppenabend. Vortrag„Das Alkoholproblem in Rußland". Re- ferent: Genosse Philippsohn. Freitag, den 11. November. Gruppenabend.„Aus der Praxis der Gruppenarbeit". Referent: Genosse Fournes. Sämtliche Veranstaltungen, soweit nicht anders angegeben, in der„Alkoholfreien Gaststätte, Gottschedstraße 33", Beginn 20 Uhr. Gäste will- kommen. Heimgegeigt Bier Schultlassen sechzehnjähriger Wiener Gym- nastalschüler besuchten unter Führung ihrer Lehrer ein städtisches Gaswerk. Einige der Besucher glaubten, die Gasarbeiter mit den Zeichen der neuen Heilslehre beglücken zu müssen und verstreuten papierene Hakenkreuze auf den Boden. Die unmittelbare Folge war, daß die Belegschaft sofort die Arbeit niederlegte und der Betriebsrat die Werts- direkfton von diesem Zwischenfall unterrichtete. Die Besichtigung des Gaswerk», dessen Ingenieure belehrende Hinweife gegeben hatten, wurde ab- gebrochen und die hoffnungsvolle 3ugend zum Ausgang geleitet.„Freiheits"rufe bildeten das Nachwort: ein großer Teil der Schüler antwortete mit der Bekundung seiner Sympathie für die rasche und entschlossene Abwehr der Arbeiterschaft. BHnde bitten um Arbeit und Brot Der Verein zur Förderung der wirtschaftlichen S e l b st ä n d i g k e i t der Blinden, Beriin-Steg- litz, der seit 40 Iahren als größte Hilfsorgan!- sation für die Arbeite- und Berufsfürsorge der Blinden in Groß-Berlin und der Provinz Bran- denburg wirkt, erstrebt in Anbetracht der dringen- den Notlage ein« durchgreifende Winter- und Weihnachtshiife für seine Schützlinge. Alle, die sich de» unersetzlichen Augenlichtes erfreuen, wer- den zur Unterstützung dieses sozialen Hilfswerkes ausgerufen. Geldbeträge werden auf das Post- scheckkonto des Vereins, Berlin 85188 erbeten: jedoch auch Warenspenden, die in Berlin von mit Ausweis versehenen Boten abgeholt werden, sind dringend erwünscht und äußerst willkommen. hatten. Aber gut, Dienst ist schließlich Dienst und Paragraph ist Paragraph. Doch siehe da, man ver- steht«s auch im P o st a m t Berlin» Friedenau l genau so wie im Postamt Berlin N. 4, über einen Paragraphen hinwegzuhüpfen. Uns wurde jetzt ein Brief vorgelegt, der am 2. No- vember bei dem Postamt Berlin- Friedenau I ausgegeben, von diesem Amt ge- ohne jede Beanstandung auch expediert worden ist, trotzdem sich in der unleren linken Ecke ein großes Hakenkreuz befindet. Keine Auslegungs- und Deutungstünsteleien irgend- eines Postmannes werden nunmehr imstande sein, uns von der Ueberzeugung abzubringen, daß auf der Deutschen Reichspost mit zweierlei Maß ge- messen wird. Das nationalsozialistisch« Kampf- zeichen, unter dem die wüstesten Ausschreitungen und Bluttaten geschehen sind, darf auf der Deut- schen Reichspost ungehindert passieren. Das Zeichen, das in der Stunde höchster nationaler Ge- sahr die staatsbejahenden, staatserhaltenden El«- mente gegen den Volks- und staatsverelendenden Nationalsozialismus aufgerufen und gesammelt hat, dieses Zeiten wird durch Postweisheit mit dem Makel belegt, daß es gegen das öffentliche Wohl verstoße. Diese einfache Feststellung dürfte der Oeffentlichkeit genügen. Alles weitere wird sich noch finden. Meldet Kindermißhandlung Die Fälle schwerer Kindermißhandlungen der letzten Zeit veranlassen den Verein zum Schutz der Kinder vor Ausnutzung und Mißhandlung zu der Bitte, chm alle Fälle von Kindergefährdung oder Mißhandlung von Kindern umgehend mitzuteilen, damit der Verein eingreifen kann. Er weist gleichzeitig darauf hin, daß der Melder seinen Namen nicht zu nennen braucht. Der Verein hat seinen Sitz in Berlin N. 24, Oranienburger Str. 13/14, und ist telephonisch durch D 1 Norden 2147 zu erreichen. Spiel schafft Arbeit In die katastrophale Notlage der Erzgebirger Spielwarenindustrie trafen plötzlich Bestellungen aus Deutschland und Holland für das P o- D o- Spiel ein. Die Katharinberger Hausindustrie hat nun mehr Arbeit als sie bewältigen kann. Ganz Deutschland und Holland spielt mit erz- gebirgischem Po-Po. Auf ähnliche Act brachte die „Micky-Mous"-Mode für die Gablonzer Industrie für hunderte Familien Arbeit und Brot. Für 10 000 ZNark Beule machten Einbrecher in der Wohnung eines Kaufmann» K. in der München« Straße 9 in Schöneberg. Sie stahlen wertvolle Platinringe,«inen Herrenpelz und«inen Persianer. Bei einem Einbruch in der Ehausseestraße 19 in Mariendorf erbeuteten Diebe für etwa 12 000 Mark Damenstoffe und fertige Konfektion. Lebensrettungsmedaille für einen IZsährigen Schüler. Da» preußische Staatsministerium hat dem 13 Jahre alten Schüler Hellmut G r i e b s ch aus Berlin-Spandau. Kurstraße 2, für sein mutiges und entschlossenes Verhalten die Erinne- rungsmedaille für Rettung aus Gefahr verliehen. Der tapfere Schüler hat am 4. August dieses Jahres einen vierjährigen Knaben, der beim Spielen in den Nordhafen in Spandau gefallen war, vom Tode des Ertrinkens gerettet. Kolonistenschrecken Nach 100 Einbrüchen endlich gefaßt Deutscher Arbeiler-Abslinenlen-vund. Kreis Wedding, Dienstag, den 8. November, 20 Uhr, Kreisgeschästsstelle Sellerstraße 33, Sitzung der Seit längerer Zeit bildete eine unbekannte Ein- brechertolonne den Schrecken zahlreicher Kalo- nisten in den Berliner Vororten M a h l s d o r f, Kaulsdorf, Biesdorf usw., ohne daß es gelang, den Tätern auf die Spur zu kommen, die bei ihren nächtlichen Raubzügen zahlreiche Fahr- räder, Geflügel, Einrichtungsgegenstände und verschiedentlich auch Bargeld erbeuteten. Umfangreiche Ermittlungen der Kriminalpolizei setzten ein, die Landjägerei wurde herangezogen. Die Recherchen führten jetzt zu dem Ergebnis, daß zwei Männer verhaftet wurden, die die zahl- losen Einbrüche begangen haben: ein 23 Jahre alter Otto Sch. aus Mahlsdorf und ein 25 Jahre alter Julius V. aus Höhnow. Die Ermittlungen der Polizei führten von den Vororten nach dem Zentrum der Stadt, wo von Zeit zu Zeit ein schwunghafter Handel mit Fahr- rädern in der„Münz e" beobachtet wurde. Man kam dabei dem 23 Jahre alten Otto Sch. auf die Spur und stellte fest, daß die angebotenen Räder in den Anzeigen der Kolonisten als gestohlen ge- meldet worden waren. Otto Sch. war plötzlich verschwunden, und e« dauerte geraume Zeit, bis man sein Versteck aufstöbern konnte. Er hatte sich in eine einsame Laube in Mahlsdorf zurück- gezogen und ließ sich dort während der Tage»- stunden nicht blicken. Als die Kriminalbeamten seinen Aufenthaltsort festgestellt hatten, umstellt« man in der Nacht das Versteck des Diebe» und holte ihn heraus Noch in der Nacht wurden die Ermittlungen nach seinem Komplicen Julius B. fortgesetzt. Man hatte erfahren, daß B. in der Kolonie„Auf dem Berge" in Höhnow sich aufhielt. Auch hier wurde das Versteck umstellt und der Dieb sestge- nommen. Beide haben zusammen in der dortigen Gegend seit Monaten in ganz systematischer Weise die Kolonien geplündert und brachten die Beute in Berlin in den Handel. Durch die Festnahme sind dt« Laubenbewohner von dem„Schrecken von Mahlsdorf" befreit. In wenig Worten Das Reichsgericht hat die Revision des wegen Falschmünzerei und ungerechtfertigter Doktortitelführung zu fünf Jahren Zuchthaus ver- urteilten Berliner„Rechtsanwalts" C o r n e l Salaban verworfen: ebenso den Revisions- antrag der Frau Salaban, die wegen Beihilfe ein Jahr Gefängnis zudiktiert bekam. 4° Das Oberste Bundesgericht in Washington hat die Todesurteile gegen die sieben Neger von Scottsboro, die sich an weißen Mädchen ver- gangen haben sollen, aufgehoben. * Ein schwerer Sturm wütet über dem Karibischen Meer und ganz Mittelamerika. Der brttische Dampfer„Phemius", der auch einige Passagiere an Bord hat, sandte LOL-Rufe aus. Man be- fürchtet, daß er gesunken Ist. * In dem Golf von Biscaya stießen zwei Fischerboote zusammen. Das eine der beiden Fahrzeuge wurde leck und sank. 10 Mann er- tranken, * Ein zehnjähriger Knabe erstach in einem kleinen Ort bei P i a c e n z a(Italien) seinen zwölfjährigen Bruder im Streit. * In Mülheim(Ruhr) hat sich eine 36jährige Frau erhängt. Auf die gleiche Art folgte ihr, wenige Stunde später, ihr Vater, ein 70jähriger Kastellan in den Tod. Er hinterließ die Erklä- rung, daß ein Leben ohne die Tochter für ihn sinnlos fei. * Der größte Kronleuchter der Welt — übrigens das Werk eines Deutschen— wurde in einem New- Porker Kino aufgehängt. Der Leuchter wiegt 6,5 Tonnen, ist 7,5 Meter breit, 10 Meter hoch und trägt 400 Lampen und 124 Scheinwerfer. Wie wird das Wetter? 3n Berlin: Weiterhin kühl, trübe mit Regen- fällen, schwache bis mäßige Winde aus östlicher Richtung.— 3n Deutschland: Ueberall trübes und kühles Wetter. Vielfach Regenfälle. SPORT Trabrennen zu Mariendorf. Jn-Tune-Rennen: 1. Laetitia(Heckest); 2. Oft««: 3. Erot: 4. Tuncan. Toto: 68:10. Play: 21, 18, 16, 38:10. Ferner liefen: Jnschallab, Tausendkünsller, Thu- nichtgut, Jorda», Jearm. Leib-Garde-Husar, Direktrice, Märker, Hermann AllmerS, Harvest Frisco. N«ll-Cord-Renne«: 1. Anmut lCh, MW): 2. Art- itideS: 3. Mino lodd. Toto: 14:10, Pla»: 10, 10:10. Ferner lief: Malve. Zt.-Roberts-Rennen: 1. Frisco(I. Frömming); 2. Patrizier: 3. Blanko. Toto: 17:10. Plate 18, it, 101:10. Ferner liefen: Tian«, Puchhof, Landstreicher, Perfeus, Allmacht, Ohlendorf, Blanker Hans. Flora-Mc-Kerron-Rennen: 1. Pedonia(Bes.): 2. Ta- »id Tillon: 3. Costa Rica: 4. Cortez. Toto: 208:10. Plate 81, 20, 130, 74:10. Ferner liefen: Hildegund, Rotkelchcn, Huberla, Ala Maler, Helderin, Orient, Inoara(i. dieou., 80 Pro«. Platz zur.). Natrium, Pinie. Delft, Morgan, Jokaste, Herbstaster, Char- mant. Lustiges Mädchen. CaeeilU-ll-Renne«: 1. Coloncl Magowan(Eh. Mills): 2. Christa: 3. Ouäksr: 4. Beta Druien. Toto: 13:10. Platz: 11. 14, IL, 12:10. Ferner liefen: Oster- martha, Kiith L.(als 3. disqu., 80 Pioj. Platz zur.), Egal», Bolo Truiem Stephan, Hagen(o. W.), Amalafuntha, Mar» B., Benares, Oulvila, Samson. Toppelwett«: Frisco— Colon«! Magowan 36:10 Puppenrevue bei Wertheim DI« Weihnachtsau, stellung am Sptelwarenlager des Hauses W e r t h e t m, Leipziger Straße, führt sich mit einer ganz entzückenden Puppenreoue ..Wenn Spielzeug lebt" ein. Der große Mittellichchof im Erogeschoß beherbergt ein Puppendorado, wie man es sich schöner und reich- haltiger kaum denken kann. Der mittlere Aufbau Zeigt das große Puppentreffen aller Nationen zu fröhlichem Spiel; da tummeln sich winzige Puppenkinder. Daneben macht der kesfe Ber- liner Schustersunge seinen fröhlichen Ulk und erregt damit Tante Eulalias Mißfallen. Nied- liche, pralle Bäuerinnen liebäugeln mit fröhlichen Jungen», der dicke Koch kneift die putzige Küchen- fee und im Hintergrund lockt die Berg- und Tal- bahn. Rings um das Mittelpanorama gruppieren sich eine Reihe lustiger Bilder. Da ist erstmal der gestörte Kaffeeklatsch etlicher Katzentanten. Neben- an ist große Hundeschau. Ein Stück weiter gibt's große Puppenhochzeit. Am Schützenplatz schwingt der Kraftmeier den Hammer. Schließlich sitzt die spätere Puppengeneration gemütlich wartend am Flugplatz Potsdamer Platz und harrt bei einer Tasse Kaffee, bi» ihre Flugbahn mit Umsteige- berechtigung anschwirrt. Alles lebt, alles bewegt sich und in dichten Scharen ziehen die Menschen- linder an all der Herrlichkeit mit freudigem Staunen vorbei._____ Eine auch für Berliner Berhältnisse ungewöhnlich gute Aufführung der Iohann-Strauß-Operette „Der Zigeunerbaron" kann man jetzt allabendlich im Rose-Theater sehen. In den Hauptrollen sind die Damen Traute Rose, Teresa Gerson. Gerti Kuthan und die Herren Willi Rose, Erich Suck- mann, Ferdinand Asper und Kurt Mikulski be- schäftigt. Am Bußtag und Totensonntag werden Tiin �Rrtiihpr" nnn ftfriphrifh nnn.1____ „Jie Räuber" von Friedrich von Schiller in einer Neuinszenierung von Paul Rose je zweimal um K und 9 Uhr in hervorragender Besetzung auf- geführt. 12) ROMAN von STEFAN POLLATSCHEK\ (Copyright Ssturn-Verlag.) „Ueberflüssig, das ist das richtige Wort! Erst läßt Ihr Euch durch den Arbeiter Geld verdienen, mit dem Geld erfindet und tauft Ihr Maschinen, die ersetzen den Arbeiter, den Ihr dann auf die Straße werfen könnt." „So einfach liegen die Dinge nicht! Auch wir müssen arbeiten! Wenn wir nicht die Ware, die der Arbeiter erzeugt, verkaufen, dann kann der Arbeiter bald nicht mehr ar- beiten!" „Ich will's zugeben, daß solche Funktionen noch notwendig sind! Aber ist es nicht ein krasses Mißverhältnis, wie Ihr heute lebt und jene, die die Arbeit verrichten! Es wäre viel besser in der Welt, man würfe Euch auf die Straße und ließe Maschinen und Arbeiter allein. Sie würden sehen, geehrter Herr, wie schnell wir Ihren sogenannten Kopf ersetzen könnten. Köpfe wachsen viel rascher als Händel" „Wissen Sie was, junger Mann?" sagte Weltlin lächelnd.„Ihre Zeit kommt ohne- dies bald! Ich glaube, unsere Zeit hat sich ein wenig überlebt und bald werdet Ihr uns an die Luft setzen können und machen, was Ihr wollt. Dann könnt Ihr alles besser machen!" „Ja. Ich dachte dich zu treffen, Albert. Ich ging früher aus der Fabrik, konnte nicht mehr auf dich warten." „Ich will dich begleiten, Vater, Vera wird einstweilen im Kaffeehaus auf mich warten." „Das Fräulein kann doch mitkommen." „Nein, Vater, ich habe mit dir zu reden." Gehorsam verabschiedete sich das Fräulein und Dater und Sohn gingen gemeinsam fort. „Ist das jetzt Sitte, Freundinnen auf solche Weise zu behandeln?" fragte Weltlin, und es ärgerte ihn, daß ein lehrhafter Ton in seiner Stimme mitschwang. „Das wird wohl individuell sein, Vater", sagte Albert verbissen und fing unvermittelt an.„Ich wollte dich etwas fragen, Vater, ich wollte dich um etwas bitten. In deiner Fabrik entläßt man wieder Menschen. Hun- derte Arbeiter sollen wieder auf die Gasse gesetzt werden. Muß das sein?" Albert blieb stehen und sah den Vater an. „Ja. Es muß sein, wir haben keine Arbeit mehr für sie." „Deine Fabrik ist doch überbeschäftigt." „Allerdings, doch die inzwischen weiter entwickelte Erfindung Crusius' macht wieder Arbeitskräfte entbehrlich, wir können billiger erzeugen und so den Absatz heben." „Und wäre es nicht möglich, Vater, einzu- halten mit allen Neuerungen und nicht noch mehr Menschen ins Elend zu stoßen?" „Nein, Albert. Glaubst du wirklich, daß es mir Freude macht, dieses Elend mitanzu- sehen? Glaubst du wirtlich, ich unternehme folche Schritte aus Uebermut? Denkst du wirklich, daß ich ohne Empfinden dem Elend gegenüberstehe? Aber man kann sich der Entwicklung nicht entgegenstellen! Die Ma- schine kann nicht mehr still stehen. Wir alle sind in ihre Räder geraten, sind Stoff, den sie verarbeitet." „Ich nicht, Vater!" sagte Albert.„Es ist möglich, daß du von deinem Standpunkt aus nicht anders kannst! Aber wäre es nicht besser, du würfest alles hin und würdest nicht der Henker ungezählter Menschen?!" „Und was hülfe das? Andere kämen und täten dasselbe, nur vielleicht roher und ge- waltsamer!" Die Beiden gingen schweigend nebenein- ander. Dann sagte leise der Sohn: „Das alles hindert nicht, daß dein Name heute mit Verachtung, Haß, ja Abscheu ge- nannt wird!" „Ach, die Zeitungen, die Politiker..." „Möglich, Vater, möglich, doch es ist so. Wenn du nicht umkehren kannst, wenn du wirklich nicht einhalten kannst, dann habe ich eine Bitte an dich: Leg' mir keine Schwierig- leiten in den Weg, wenn ich deinen Namen ablegen will." Welllin war stehen geblieben. Er versuchte seinem Sohn in die Augen zu sehen, doch die Dunkelheit der Nacht ließ nur die Umrisse der Gestalt sichtbar werden. „Du würdest wirklich unseren Namen ab- legen?..." „Was liegt an einem Namen, Vater?" „Gewiß, gewiß, mein Sohn", brachte müh- fam Weltlin hervor.„Gewiß! Ihr seid ja alle so gescheit, ihr jungen Menschen. Doch wenn so wenig an dem Namen liegt, warum willst du ihn dann fortwerfen?" „Weil ich es nicht ertragen kann, daß mein Vater als Ausbeuter, Henker, als leibhaftiger Teufel tagtäglich von unzähligen Menschen verflucht wird Ich kann das einfach nicht mehr länger ertragen!" „Und bleibe ich deshalb weniger dein Vater, wenn du auch einen anderen Namen führst? Bin ich dann weniger Ausbeuter, Henker, Teufel?" „Ich weiß das alles nicht, Vater! Ich weiß nur, daß ich diesen Namen nicht länger mehr tragen will." „Bitte, Albert! Handle, wie du es für not- wendig hältst. Ich habe dir nie Schwierig- keiten in den Weg gelegt. Vieleicht war das falsch. Vielleicht stündest du sonst in diesen bösen Tagen an meiner Seite und ich hätte einen Sohn, einen Helfer bei mir. Handle also, wie du glaubst und kannst. Und emp- siel mich noch dem Fräulein Vera Wagner. Nein, wir wollen uns hier verabschieden. Den Weg nach Hause möchte ich gern allein gehen." Er reichte seinem Sohn die Hand und war schon im Dunkel verschwunden. (Fortsetzung folgt.) lber bis dahin laßt Ihr ja alle Menschen verhungern! Ihr hinterläßt uns nichts als ein ungeheures Chaos, ein Trümmerfeld in wüstestem Zustand!" „Aha, ein Alibi für das Mißlingen ist immer gut", sagte der Schriftsteller Wormser mit ruhiger Stimme, rauchte aus einer großen Zigarre und sah ganz unschuldig drein. „Dich werden wir als ersten unschädlich machen, Literatengespenst!" „Ich habe zur Kenntnis genommen, daß Ihr Geist nicht braucht, daß Ihr Gehirne nicht sprapazieren wollt. Ueber die Art. wie Ihr die Todesstrafe am Geist, exemplifiziert an meiner ganz unwürdigen Person, aus- üben wollt, habt Ihr aber immerhin noch einige Zeit nachzudenken, so unmittelbar dürste ja die Besitzergreifung durch Euch nicht bevorstehen!" „Da irrst du) Genosse— Bourgeois. Die wird früher erfolgen, als Ihr denkt. Ihr liegt ja bereits in den letzten Zügen, Ihr seid schon zum Teil in Verwesung überge- gangen. Ja. spürst du denn nicht, daß du bereits stinkst?" „In deiner Nähe und in diesem Raum", sagte Wormser, die Nase rümpfend,„sind Gerüche so schwer �u differenzieren." „Mlt Literaten soll man überhaupt nicht reden, man soll sie nur prügeln", sagte der Langmähnige und wandte sich wieder Weltlin zu. „Ja, Herr Weltlin, haben Sie denn noch nie ernsthaft nachgedacht, was aus all diesen Menschen ohne Arbeit werden soll? Glauben Sie, daß diese Menschen, die Sie auf die Straße werfen, ewig hungernd ruhig zu Hause sitzen werden? Es wäre strafbare Dummheit, das für möglich zu halten!" „Und was wäre der Effekt, wenn sie die Macht an sich rissen, diese Hungernden? Wäre mit einem Male alles besser und anders?" „Gewiß! Nicht mit einem Male, aber all- mählich." Und eine Fülle soziologischer Ge- lehrsamkeit ergoß sich über Weltlin. „Jetzt stopp ein wenig, halt ein, du Grau- samer!" sagte Wormser.„Gestatte eine kleine Glosse, o Freund! Du sprichst immer, daß die Arbeiter die Sklaven des Kapitals sind. Nun denn: Solltet Ihr da nicht froh und glücklich sein, daß Ihr jetzt befreit werdet und nicht mehr arbeiten müßt! Genießet also also eure Freiheit!" „Und wovon sollen wir leben?!" brüllte der Langmähnige. „Stehlen, Kinder! Stehlen. In der Schluß- folgerung, mein Lieber, sind wir einer Meinung! Mit eurer Politik lockt Ihr keine Katze mehr! Man will euch keine Arbeit geben? Gut! So feiert einmal, der Mensch hat mehr als zuviel gearbeitet. All das, was wir jetzt mitmachen, kommt aus der Arbeit, sind die Früchte der Arbeit. Ihr habt zu lange ge- schrien: Die Arbeit hoch! Das kommt davon: Wenn Ihr die Arbeit leben läßt, läßt sie euch nicht leben. Seid also sürderhin keine Kapitalistenknechte mehr." -„Und was soll daraus entstehen, du Neunmalweiser?"„, ..Abwarten' Alles, meine Lieben, ent- wickelt sich. Es wird schon etwas daraus entstehen. Ich denke: Mord, Totschlag, Brand, Vernichtung und Wiederauferstehung. t:eid nicht so neugierig. Eure Enkel werden es schon erfahren!" �.... Weltlin erhob und verabschiedete sich. Wo- hin sollte er nun gehen. Ein Gefühi unend- licher Vereinsamung stieg in ihm auf. Auf der Straße stieß er fast in ein verschlungenes Pärchen; es waren Albert und das Fräulein Vera Wagner, die gerade in das Kaffeehaus wollten. ,L>u hier, Vater?" rief Albert. Stirbt das Jionmert? ffirief an Wilhelm Surlwängler/ Ton 9>aul ffiekker Paul Bekkert neuetlet Werk befaßt ti&i. mit all den offenen und so sdimer zu beantwortenden Fragen unteres Musiklebens: der Produktion und Reproduktion, der Thealerführung, der Organisation, der Kritik. Wichtig sind freilidi nicht so sehr die Adressaten dieser„Briefe an zeitgenössische Musiker"(Max Hesse, Berlin)— mag auch ihre Individualität, ihre Sendung, ihre Leistung, mag ihre Silhouette vor dem Hintergrund der leit noch so deutlich werden— wichtiger sind die allgemeinen Probleme und deren Lösungsoer suche, als deren Repräsentanten sie aufgerufen werden. So geht es hier auch nicht so sehr um den auch von Bekker hochgeschätzten Dirigenten Furtmängler, als um die Form des Konzerts, seine einstige Blüte und seinen unaufhaltsamen Verfall. Ich glaube, daß das bisherige große Kon- z e r t, und genau so der Konzertdirigent, einer Gattung von ausst erbenden Er» scheinungen angehört. Also Untergang des Abendlandes? Keineswegs. Entsinnen wir uns, daß Konzert und Dirigent noch nicht gar so lange auf der Welt sind. Wer und was hat beide er- zeugt? Die Beethovenfche Sinfonie. Wir stehen jetzt ein Jahrhundert von Beethoven entfernt. Muhte die unmittelbare Nachwelt mit dem Urteil warten, so dürfen wir heut, nach hundert Jahren, ohne voreilig zu erscheinen, sagen, daß Beet- hooensche Sinfonien seit Beethoven nicht mehr geschrieben worden find. Alles was an art- ähnlichen Schöpfungen seitdem erschienen ist, von Schubert, Schumann, Mendelssohn, Brahme, Bruckner, Möhler, Strauß, kann bei äußerster chochschägung seines Eigenwertes der Sinfonie Beethovens nicht verglichen, geschweige gleich- gestellt werden. Es verhält sich zu diesem Vorbild wie etwa die Oratorien des 19. Jahrhunderts zu denen von Händel. Hätten wir uns also über die Möglichkeit eines Ausbaues der Sinfonie getäuscht? Nicht über die Möglichkeit des Ausbaues der Form im einzelnen. wohl aber über die Möglichkeit der Haltung und Fortführung des Wesens der Gattung. Die Sin- fonie stirbt ab, wie früher schon das Oratorium. Mit der Sinfonie aber lebt und stirbt das Kon- zert, denn die Sinfonie ist das schöpferisch ideali- sierte Konzert. Oder glauben Sie im Ernst, daß die nächstfolgende Zell uns eine Komponisten- erscheinung bringen wird, die eine Wellererhal- tung des Orchesterkonzerts und des Dirigenten als wichtigsten Exponenten der Beethooenschen Sin- fonieform rechtfertigen kann? Ich glaube es nicht. Lassen Sie mich dazu einen Bericht geben über das letzte Konzert, das ich unter Ihrer Leitung hörte und das mir in Er- innerung ist wie ein Menetekel des heutigen Kon- zertss und feiner Möglichkeiten Sie führten Beethovens Erste, die Zweit« von Brahms und S t r a w t n I k y s„Feuer- vogel" auf, also repräsentative Werke aus drei Zeitaltern der Konzertliteratur. Wie standen sie zueinander? Gehört Etrawinskys„Feuervogel" überhaupt in den Konzertsaal? Ich glaube: auf die Bühne. Aber Sie brauchten aus den vorher- genannten Gründen ein zeilgenösfisches Werk. Nun hätten zwar Originale zur Verfügung ge- standen, bei den meisten indessen wäre der orche- strale Reiz und die bildhafte Kraft des Vortrages geringer gewesen, und ich oermute, daß Ihnen daran lag, gerade diese Art Ihres Könnens einem modernen Werk gegenüber zu erweisen. Also war die Gegenwart durch einen Notbehelf vertreten— zugunsten der Ausführenden. Das ist mir zu wenig, besonders wenn ich diese Wahl als symptomatisch nehmen muh und ganz beson- ders im Hinblick auf die eröffnende Erste von Beethoven. Wie war das doch? Reproduktion oder Im- prooisation? Ich weiß es Nicht Ich vergaß die Entstehungszeit des Werkes, ich vergaß Furt- wängler und mich, aber ich sah Beethoven, will sagen, ich sah eine unerhört« und immer wieder unfaßbare Lebenskraft und Schaffensenergie, die stetig sich bewegt und Welten emporwirft wie ein« Zentralsonne— und sah sie in der Kraft, Heiter- keit und unbeschwerten Selbstsicherheit ihrer ersten Mannesjugend. Ich dachte wieder, was man immer denkt beim Anhören einer Beethooenschen Sinfonie, wenn sie richtig aufgeführt wird: dies« ist doch die schönst« von allen. Nun kam Brahms. Welch eine Wiedergabe, ohne romantischen Dunst, ohne jene so reizvolle Tschaikowsky-Poesie, die etwa Nlkisch seinem viel- geliebten Brahms stets mitgab, verhalten, gebän- digt und dann wieder plötzlich riesenhaft aus- brechend. Bei aUedem wurde es immer stiller in mir. Die schöne Beethoven-Freude erlosch, es wurde mir eng und enger zumute. Ich sah nicht mehr den schöpferischen Genius und das zeugende Sonnenlicht, ich sah den planetarischen Reflex, still und rein, gewiß, aber nicht die Kraft an sich, nur noch ihr körperloses Spiegelbild. Jetzt aber das Deprimierende: die Erkenntnis nämlich, daß dieser Brahm» es ist, auf den die Hörerschaft am stärksten reagiert, daß sie im Grunde genommen auch im Beethoven imm«r den Brahms sucht und sieht. Sind es nicht gerade Ausführungen dieser idealisierend oerklärenden Art, die solche Grenzen des Geistigen, des Gött- lichen und des Irdischen, des Schöpferischen und des Nachempfundenen verwischen? Di« darüber hinaus sogar die Täuschung erwecken, als sei der Stillstand Brahms«in Wellerleben der Kraft Beethovens? In diesem Stillstand aber lebt unser Publikum seit mehreren Dezennien, seitdem es angefangen hat, das große Ouietio Brahms in sich aufzunehmen. In diesem Stillstand lebt unser Konzert, und wenn es sich richtig re» präsentieren will, so zeigt es jene absteigende Linie, wie das hier erwähnte Programm: Beet- Hoven, Brahms, Strawinsky. Sie aber, Wilhelm Furtwängler, sind es, der diese Botschaft vom Stillstand bringt, der sie bringen muß, und zwar so gut und so überzeugend, wie es nur ihm mög- lich ist: so also, daß seine Kunst uns vortäuschen muß. dies sei eine Bewegung, wo e« doch eine Erstarrung ist. So ist es also mit dem Konzertrepertoire schlechter noch bestellt als mit dem Opern- s p i« l p l a n? Die Oper hat wenigstens außer einem relativ großen Bestand eigenwüchsiger deutscher Werke den Rückhall an einer starken und sachlich wichtigen ausländischen Produktion. Das Konzert ist vorwiegend auf das deutsche Schaffen angewiesen, es kann ausländische Beigaben nur episodisch, im allgemeinen lediglich als Füllsel einbeziehen. Wäre dann nicht die Ausgabe des Konzertes als der Viätte des Beethoven-Kultes mit den daran sich organisch anfügenden Ergänzungen groß und umfassend genug, daß man die nicht hineinpassende neue Produktion grundsätzlich aus- schließen und sich auf die naturgegebene Ausgabe beschränken dürste? Eine unausführbare Idee, werden Sie sagen. Wenn auch der neuen Werke nicht viele sind und niemand sie lebt, weder dos Publikum, noch das ausführende Orchester, noch der Dirigent— wir drauch«n st« doch als gewissermaßen gegensätzlich anregende, um nicht zu sagen paprizierende Zu- taten und nach dem Gesetz der Mischung, wie es auch beim Theater beobachtet wird. Gerade das Theater gelte als Beispiel. Habe ich doch selbst den Gedanken des„musealen" Theot«rs propagiert, wobei ich allerdings stets betonte, daß unter museal die Zusammenfassung alles Lebendigen von der Vergangenheit bis zur unmittelbaren Gegenwart zu verstehen sei— also vom Pergamon-Museum über das Kronprinzen- palais bis zu den Sezessionen. Beim Theater seh« ich diese Möglichkeit der dauernden Erneue- rung durch Mischung der Substanzen als gegeben, beim Konzert sehe ich sie nicht. Das liegt nicht an den Menschen und ihren Begabungen, es liegt am Konzert als Formerscheinung. Hängt e» vielleicht damit zusammen, daß Sie selbst Immer wieder den Drang nach dem Theater haben, obschon dieses für Ihre mit langsamer Schwere arbeitende Natur ein äußerst mühsam zu Hand- habender Apparat ist? Dabei fällt mir ein, daß Sie auch im Theater sich fast nur Werken älterer Herkunft zuwenden-. Pfltzners„Herz" war Ihre erste und ein- zige Neuhell. Somit wäre wohl Bayreuth der richtige Ort für Sie, und Sie wären der richtige Mann für Bayreuth. Hat man aber se erfahren, daß Bayreuth den richtigen Mann gewählt hätte? Bon den Zeiten Hans von Bülows an lastet hier ein Verhängnis, und die kleinsten Dinge regleren 7 Jahre Rheuma- tismus Ob« 7 Jahre habe ich an Rheumatismus gelitten und war zuletzt gänzlich arbeite- unfähig. Nach Verbrauch von sechs Raketen Zinsser-Rheumatismus-Tee kann ich meine Arbeit wieder voll ausführen und ich kann Ihnen nur destättgen, daß ich nunmehr von meinem qualvollen Rheumatismusleiden vollständig befreit bin. «,7?« Wilhelm Hoffmann, Insterburg, Kasernenstr. Zinsser-Nhcuma-Tec ssi ein vorzügliches Mittel bei Rheumatis» mus, Gicht, Ischias, Gliederreißen, Neural- gien, Hexenschuß und Krcuzlchmerzcn. Paket Mk. 1.(52. verstärkt(D.R.P.a.» 931 K. 2.25. In vielen Apothtken zu haben, sonst direkt. (Versand-Apotheke.) Verlangen Sic aber ausdrücklich„Zinsser" und achten Sie auf nebenstehende Schutzmarke. Dr-ZinsserchTo.� Leipzig 75 »000 Stottxkrrtnunatn«der Ainssee-Hmi»- mittcl(notariell beglaubipv Unier Engros-Au»>iefeeung«>ager, Berlin C25, Prenzlauer Sit. 20, Tel.'Kupiergraben 2274, weist gut Wunsch Vertauisstellen gern nach in Bayreuth mit unverhüllter Selbstverständlich- feit. Wenn freilich als Repräsentant deutscher Dirigierkunst Herr Elmendorfs genügt, so dürfen Sie sich und dürfen wir mit Ihnen uns trösten. Dann waren Sie, Wilhelm Furtwängler, für das jetzt dort Gewollte wirklich zu entbehren. So bleibt Ihnen das heutige große Konzert mit gelegentlichen Ausflügen in das Phantasiereich des Theaterspieles, in dem die ewige Aktualität der Bühne die Frage nach Vergangenheit, Gegen- wart und Zukunft vergessen macht. Um so drin- gender ruft die Stagnation des Konzertes sie wieder herauf und stellt angesichts einer unanfecht- baren Höchstleistung die Frage nach der Sinn- hastigkeit dessen, was da im Namen und mit dem Aufwand einer großen Kunst geschieht. Hier weiß ich nicht weiter, will sagen, i ch sehe keinen Weg ins Freie. Aber ich frage, ob Sie selbst noch nicht den hier angedeu- teten Zeitpunkt empfunden und mit ihm gerungen hoben? Setzt hier vielleicht die innere Linie der Komposition an? Ist hier der Punkt, von dem aus Menschen wie Gustav M a h l e r, Ferruccio B u s o n i— auf anderer Ebene, ober doch ort- ähnlich, Erscheinungen wie Rubinstein und d'Albert .zum Schaffen gelangten: Drang nach Besteiung aus den bis an die letzte Grenze durchschrittenen Schranken des Nachschöpferischen durch den Sprung in das Chaos des Schöpfertums? Etwas von diesem dämonischen Trieb ins Jen- seits des Ungefchastenen, der Beschwörung einer eigenen neuen Welt, der Neugier und Sehnsuch: über die zur Vollendung gediehene alte hinaus nach dem Unvollkommenen, Werdenden ist in jedem großen Virtuosen. Ein solcher im edelsten Sinne sind und blechen Sie, für uns einstweilen der Letzte aus dem Stamm« Hans von Bülows, der Präzeptoren-Dirigenten— nur daß Sie die Kette runden, die jener begann. So zeigen Sie uns das Land, das hinter uns liegt, in der ob- geschlossenen Vollendung seiner hohen und reinen Schönheit. Hier können und dürfen wir noch ein- mal schauen und erkennen— der Weg in das Kommende aber führt anderswo weiter. fflakenkreus im Sloman Es diniert in den Verlagsanftallen. Strebsame Federn mühen sich um die Wette, die Hitlerei literaturfähig zu machen. Ein sonst ernschaster Verlag wie die G r o t e s ch e Verlagsbuchhandlung gibt zum Beispiel einen Roman von Heinrich Hern heraus: M o i r a. Der Titel klingt un- verdächtig. Aber der Kern der Sache ist, daß die Menschen dieses Romans nicht gut oder schlecht, sondern deutsch oder undeutsch handeln. Ein großer Luxusdampfer schwebt tagelang zwischen Untergang und Rettung. Das gäbe einem Dichter Gelegenheiten in Fülle zur Enthüllung des Mensch- lichen. Dem Schreiber Hern dient diese Situation nur, um darzutun, daß die deutschen Passagiere mutig, edel, aufopserungsfähig, alle Ausländer dagegen, seien es nun Franzosen, Amerikaner, Engländer oder Spanier, egoistisch, eitel, wider- wärtig sind. Die ausländischen Frauen sind zwar auch für den deutschen Cdeling— leider, ach!— verlockend, aber zum Glück überzeugt er sich rechtzeitig, daß sie herz- und schamlose Puppen sind, und er findet nach undeutscher Verirrung an eine Amerikanerin ein blondes Gretchen in Gestalt einer deutschen Krankenschwester(was auch sonst?), die natürlich ebenso heldenhaft, aufopfernd und schamhast ist wie alle Romankrankenschwestern seit 1914. Die Menschen dieses Romans sind nichts als Sprachrohre nationalistischer Zeitungsphrasen, sie beschimpfen sich noch im Augenblick des vermeint- lichen Schiffuntergangs wechselseitig aus dem Luxikon der Kriegsgreuelpropaganda von 1914 bis 1918. Nur die Deutschen lassen es sich natür- lich nicht nehmen, eine hilflos kranke Französin zu retten. Stilproben:„Wenn er(der Held) unwahr, u n d e u t s ch handelt, ist es Schuld der v e r- dorbsnen Amerikanerin, die zur Be- stiedigung ihrer kleinlichen Genüsse den ganzen Erdball nötig hat." Dagegen klagt die Krankenschwester:„Mir hat er ins Gesicht gelogen, die ich ihn, Deutsche den Deutschen, um die Wahcheit gebeten habe, und das nur, weil die amerikanische Puppe ohne Herz die Wahrheit nicht ertragen hätte."... Weiter: „Hätte ihm(dem Helden) die Menge nicht den Weg gesperrt, wäre er zu ihr gesprungen, um dem südamerikanischen Gecken in das schöne, ausdruckslose Gesicht zu schlagen."(„Hier werden Kriegserklärungen an- genommen!")... In dieser allgemeinen Panik beschimpft ein Engländer den Deutschen:„Das werden Sie bezahlen, Sie ehrloser Deut- scher aus dem Pack der Frauenmörder!" Der Deutsche dagegen spottet über einen Franzosen, der sich retten will:„Er kann doch unmöglich das ewige Frankreich um einen so kost- baren Untertanen wie sich bringen."— Als der Held zögert, die todkranke Tochter dieses Franzosen zu retten, bekniet ihn die blonde Krankenschwester mit dem durchschlagenden Argu- ment:„Sie hat uns(Deutsche) nie gehaßt!" 'Auch im Rachen des Todes wissen diese Figuren von nichts als dem nationalistischen Haßkatechismus. Das sozusagen„seelische" Problem des Romans besteht darin, daß der Held zu höheren Zwecken ein falsches Ehrenwort abgibt, wodurch er aber gerade als der sittlich hochstehende Germane erscheint. Ist das Buch etwa zur höheren Ehre Adolf Hitlers und Gregor Straßers geschrieben? Joe. JilaWiche 3>hilofophen Senera(U p. Chr.— 63 n. Chr.) Jedes Leben ist eine Knechtschaft. Man muß sich daher an seine Lage gewöhnen, möglichst wenig darüber klagen und ihr jede gute Seite, die sie hat, abgewinnen. Es gibt nichts, das so bitter wäre, daß nicht der Gleichmut darin einen Trost finden könnte. Es gibt keine schwierigere Kunst als Leben. Für andere Künste und Wisienschaften gibt es überall zahlreiche Lehrer. Selbst junge Leute glauben sich manche von diesen so angeeignet zu haben. um sie auch andere glauben lehren zu können: leben muß man das ganze Leben hindurch lernen und, worüber du dich vielleicht noch mehr wun- dern wirst, man muß im ganzen Leben sterben lernen. * Ich sehe, daß ich nicht nur besser werde, son- dern mich verwandle. Doch oerspreche und hoffe ich nicht, daß nichts mehr in mir sei, das einer Aenderung bedürste. Wie sollte ich nicht noch vieles an mir haben, das der Stärkung, der Ab- schwächung oder der Hebung bedürfte? Aber eben das ist der Beweis, daß mein Herz sich zum besseren gewendet hat: es erkennt seine Fehler, die ihm bisher unbekannt waren. ★ Die Philosophie lehrt handeln und nicht reden. Sie fordert, daß jedermann nach ihrem Gesetz lebe, damit nicht zwischen Leben und Lehre ein Zwiespalt entsteht und alle Handlungen dieselbe Farbe tragen. Das ist die höchste Aufgabe und das Kennzeichen der Weisheit, daß die Hand- lungen mit den Worten übereinstimmen, daß jeder immer sich selbst gleich sei. Wer wird das leisten? Nur wenige, aber immerhin einige. Es ist schwierig und ich will nicht sagen, daß der Weise immer in demselben Schritt gehe, aber doch auf demselben Wege. ic Ein gutes Gewissen scheut die Oeffentllchkeit nicht, ein schlechtes ist auch in der Einsamkeit ängstlich und bekümmert. Wenn � das, was du tust, recht ist, darf es jedermann wissen, wenn es schlecht ist, was hilft es dir dann, daß es nie- mand weiß, da du es doch weißt? Unselig, wer diesen Zeugen mißachtet. 1 Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einlendungen tili diese Rubril nur un da, Zugendletretariat Berlin SW KS. Lindenstraß- 2. vorn l Trepp» rechts. Streichorchester der S«I.! Großer Bunter Abend Sonnabend, Ii). No- „smber, im Gesellschaftsbaus Pankow, Berliner Str. U>2. Eintrittskarten zu W) Pf. sind im Sekretariat erhältlich. heute, Dienstag. 20 Uhr: ArkonaplaK: Elisabcthkirchstr. IS. R-volutionsged-nktag.— Gewerlschasts. Haus: Köpenicker Str. SZ. Gruvpengeburtstagsfeier.— Zentrum: Warsenstr. IS- Revolutionsseier.— Brunnenplaß: Pank- Ecke Wiesenstruße. Gemernschaft in der Gruppe.— Gesundbrunnen U Gotenburger Str. 8. Mrtglrederversamm- lung.— Gesundbrunnen II: Kolonieftr. 22. Politische Gestaltung nach den Wahlen.— Norden: Putbusicr Str. 28. IK-Minuten-Referate.— Schlllerpark: Echöningstr. 17. Tagespolitik.— Wedding: Willdenowstr. ä. Revolutionsseier. — Weddinq-Rord: Turiner Ecke Seestraße. Tagespolitik.— Arn, mploß: Sonnen. burger Str. 20. Nach der 5. Schlacht.— Arnswalder Platz l: Schon lanker Straße II, B. 8. Revolutionsfeier.— Balkon: Mandelstr. 8. Tagesvolitik.— Nordost 1: Besuch der Gruppe Arnswalder Platz I. Tresipunkt l!>>,-, Uhr Dan. ziger Ecke Greifswalder Etratzc.— Weißense«: Jadeabend. Tresspunkt 18% Uhr Antonplatz.— Frankfurter Viertel: Frankfurter Allee 807. Was brachten uns die Wahlen?— Hasenheide: Wassertorstr. 4. 19% Uhr. Der«. November 1S18. — zlöpcnicker Biertcl: Manteusselstr. 7. Sexuelle Fragen, 1. Teil.— Reichen- bergcr Viertel: Rcichcnberqcr Str. 87. Reichstagssitzung.— Südwest: Linden» straße 4. Liederabend.— Friedenau: Offenbachcr Str._5a. Mitgliederversamm- jung und Kurzreferate.— Schönebcrg III: Hauptstr. 15. Kampsliederabend.— Eharlottcnburg: Turnen.— Eharlottenburg-Sud: Kaiserin-Augusta.Allee STb. Arbeiter und Kirche.— Eichl-mp: Turnen.— Westend: Sportplatz Westend. Turnen.— Lichtcrlelde: Albrechtstr. 14a. Mitgliederversammlung.— Steglitz I: Albrechtstr. 47. Revolutionsseier.— Zehlendors-Dahlem: Zinnowaldschule, Seblieffen. Ecke Bölckestraßc. Die Freidenker.— Lichtenrade: Dorsstr. 3S. Die Geschichte der Arbeiterbewegung, 2. Teil.— Neu-Temvelhos: Wintgensstraßc. Tagespolitik.— Britz: Jdealhalle. Revolution 1918.— Neukölln X: Sander- Ecke Hobrechtstraße. Was lehrt uns die Wahl?— Reukölln III: Steinnietz- straße 94. Mitgliederversammlung.— Neukölln IV: Kanner Straße. Tages- »olitik.— Rcütöll» vil- KMS. Erziehungssragen.— Neukölln VIII: Rütli- siraße. Auswirkung der Wahl.— Neukölln X: 19 Uhr Saalbau(Kinder- sreunde), 21 Uhr Mitgliederversammlung, Ganghoserstr. 8.— Treptow: Elsen- straße 8. Wege zur neuen Wirtschaftsordnung.— Neukölln IX: Schule Marien- dorfer Weg. Wie kam der Faschismus in Italien zur Macht?— Köpenick l: Grünauer Str. 5. Revolutionsfeier.— Wittenau: Hauptstr. 18. Revolutions- seier.— Lübars: Schulbaracke. Bedeutung des 9. November.— Riedcrschön- hausen: Lindenstr. 47. Die Reichstagswahl.— Buchholz: Berliner Str. 19. Tagespolitik.— Pankow I: Eörschstr. 14. Tischtennis.— Knmboldtbain: Put- busser Str. 28. Revolutionsfeier.— Lichtenberg-Rordwest: Dossestr. 22. Bunter Abend. Werbe bezirk Bedding: Alle Borsitzenden geben bekannt: Donnerstag, 10. No- vember. 20 Uhr. Schönstedtstraße, Beginn des Jüngcrenkurfus: Politische Schlagwörter. Rcserent: Georg Albrecht. Montag, 14. November, Borsitzenden. konfercnz. Sprechstunde fällt am Sonnabend aus. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Donnerstag, 10. November, 20 Uhr, Mit- gliedcrversammlung im Altersheim, Danziger Straße. Genosse Dr. Fränkel spricht über: Die politische Situation. Gewerkschafts-�ugend Berlin j Heute,>9% Uhr, tagen die Gruppen: Ofthafen: Jugendheim Goßler- siraße 61. Alt-Berliner Humor.— Steglitz: Jugendheim Flemming straße I4d. NSBO. und die Gewerkschaften.— Moabit: Jugendheim Bremer Str. 89—70. Gutheit kommt.?— Spandau-Wilhelmstadt: Jugendheim Sportplatz Sceburger Straße. Jugendbewegung und Iugendverbände.— Pankow: Jugendheim Äissingenstr. 48, Zimmer ö. Zeitungsfchau: Die Wahl im Spiegel der Presse.— Treptow: Jugendheim Elsenstr. 3(am Bahnhof Trep- tow). Notverordnung und Tarifrecht.— Frankfurter Allee: Jugendheim Litauer Straße 18. Der Braunschweiger Rademacher-Schimvf.— Landsberger Platz: Jugendheim Diestelmenerstr. v. Die Französische Revolution.— Lichtenberg: Jugendheim Dossestr. 22. Bunter Schallplattenabend.— Reu-Lichtenberg: Zu. gcndheim Gunterstr. 44. Revolutionsseier.— Ostende: Jugendheim Karlshorst, Treskowallee 44(Kant-Schule). Reihenvortrag: Das Strafrecht.— Arkona-Platz: Jugendheim Schule Elisabethkirchftr. 19. Novemberstürme.— Schönewcide: Zu- gcndheim Hasselwerderstraße, Mädchenschule, im Keller. Die Frau in Sowjet. rnßland.— Adlershos: Jugendheim Adlershof, Bismarckstr. 1. Erinnerungen an der Revolution.— Jugcndgruppe de, S-lamtnerb-abes: Jugendheim Ge- werkschaftshaus, Engelufer 24—25. Gesamtveranflaltung aller Gruppen im großen Saal des Verbandshauses des Gesamtverbandes. Berlin SO, Michael- iirchplatz 4, IV. Stock. Feierstunde im November. 1. Ansprache des Kollegen Polenske vom Berbandsvorstand. 2.„Ein Tag Mittelalter" aus dem Roman von Jan Hus. Gesprochen von Theo Maret.— Die Filmveranstaltung„Nie- mandsland" mußte leider nochmals verlegt werden, so daß dieselbe nicht am 24. November, sondern am Dienstag, dem 29. November, stattfindet. Die Karten behalten ihre Gültigkeit. Luaendqruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute. Dienstag, finden folgende Beranftaltungen statt: Gesund- brnnnen: Jugendheim Schönstedtstr. 1. Diskussionsabend: Was geht iii der Welt vor?— Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44. Arbeitsgemein. schaft: Was ist Kultur? Leiter: Rektor Schmidt.— Nordwest: Jugendheim Lehrter Str. 18— 19. Revolutionsgedenkabend. Vorträge, Dereine und Versammlungen Reichsbund der Kriegsbeschädigte», Kriegsteilnehmer und Krlegerhiater- bliebenea, San Berlin. Heute, Dienstag, 20 Uhr, Monatsversammlung in Ewes Gesellschaftshaus, Große Frankfurter Str. 80. Sfaals Thcalcr Dienstag, den 8. November staatsopen unter den unden 19»/: Uhr Die Zauberflöte staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Gabriel Schillings Flucht VOLKSBÜHNE Theater am Bdlowpiatx O 1. Norden 2944. Täglich 8% Uhr E A fcS MW von Marcel Pagrol ■ ¥ Deutsch v.Bruno Frank Regie Heinz Hilpert Dorsch, Tiedtke, Valetti. Siedel, Verhoeven, Stein, Almas Tägl. 5 u. ey. Uhr BUSTER WEST Die fliegenden CONCELLOS MAX ADALBERT FR. GRUNBAUM PLAZA llhe Sdiles.Mf. Se2i5,Stcs.2,5,8i5|l. E 7 Wtlchtel 4031 Wiess V.Dessau Deutsches Theater Weidend. S201. 8 Uhr Pfim Fneidi von taks Schauspiel von H. t. Kleist Regie: MaxReinhardt Thimig, Fehdmer Claußen, Kayßler, Wegener Kammerspieis 8 Uhr Zum 1. Male fiidiael Krämer von Sernaii Haupimann ( Klopfer. Melzer, Triesch, Fiockina v Platen, Kaiser, Liebeneiner. [Regie: K H.Martin English Eirrle„Perseveranre". Heute, 21 Uhr, im Brän-Stübl, Reue Klrine Hütte, R. 88, Mllllerstr. 178 lRm Äeddingplatzl, englische Lorträge und Dis- tufsion. Gäste willkommen. Der Berliner Zither-Elub übt jeden Dienstag, 2014 Uhr, im Berliner Glubhaus. Ohmstr. 2. Theater im Admiralspaiast Alerkur 9901 Promtere 10. November Kens Albers Liliom slldLOper Charlottenbure Fraunhofer 0231 Dienstag. 8. Nov. 20 Uhr Turnus IV ffacbelh Reinmar, Gentner- Fischer a. G., Andresen, Gottlieb. Feher, Ludwig Dir. Fritz Stiedry Schill ejr Bismarckstr.(Knie) Steinpl.(Cl) 6715 Täglich 8V« Uhr Robert und Bertram Allrtd Braun, Frist Binrii, Senla Söneland Stg. 13. 3V, Uhr Rotiert urni Bertram Preis 0 40 bis 2,00 Zimmer I Bett v. RM. an 2 Gelten v.RM.IO.-ar Hotel-FrQhstQck kompl. RM. 1.50 Berlin bÄ Hotel EXCELSiOR. Eigcnt. Curt Elsdsner C afe und Halle: Täglich spielt L. Mischa mit seinem berühmten Orchester — 10 Herren— Im Hause: Augustiner- Keller München- Berlin (1200 Pers. Sitzfl.) BeiSelbstbedienung Va LL 0.48 Vi Lt. 0.95 Großer KUchenbetrieb Kleine Preise. 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Sihuagssaal 2 Wailiitölitei'-Versainntiuuü aller Invaliden-Mildlieder In dieser Bersammlunq wird Stellung genommen zu den Anträgen, die zu der am 28. November 1982 tagenden Generalversammlung eingereicht worden sind. Mitgliedsbuch und Invalidenausweis legitimiert!_ Aa»uuüi FunKliondre Adnungi der Sdiwa nbledi- Sdiiosser! Die Derlranensmaaner-Ranferenz der Schnrarjblech. Schlosser nndcl um. Liulpianos. ständehal. er erst am Danaerstag. dem gute, gebrauchte, ob 17. Aovsmber, abends 7 Ahr. im 150,—. Reparaturen, Lokal Lliripalde, Schlegelstr. S, stan polieren und moder. Wir dstien die Bcrtraucnsleuic. das zu nisteren. Philipp deachlen___ L'nk Brunnen. Hetalldreber- leltrilRäe t 0 Donnerstag, den 10. Aoaemder. nachmittags 4Vi Ahr. im Lokal oon Araefke, JScinjenttt. 23 Leluiings-Versammlnnd Tagesordnung: 1 Portrag des Branchenleckers Kollegen Na heg an g über:.Der Ausbildung-- gang drr."leialldriherlehrUnze" An-wrache Wir biiren alle Lehrlinge, an dieser Lersammlung leilzunehmen.— Eitern der Lehrlinge sind wMkommen. vir OrtsTerv.Itaag. DeufstJiei Metallarlieitei-VeM Verwaltangwtelle Berlin Kachruf Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Former Hermann Krüger ged. 5. Dezember 1880, am 1. November gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung hat bereits statt* gesunden. Die Orliverwaltatifi. Allen Bekannten und Berwandten, den Genossinnen und Genoffen der 117. Abteilung der SPD. und dem FTGB.. Lichtenberg. den Kollegen und Angestellten vom Herznngsami Lichtenderg, dem Betriebsrat und Geiamtverband, welche an der Ein- äscherung und Beisetzung meines lieden Mannes Gustav Keil teilgenommen haben, sage ich hier- durch vielen Dank. l-olse Kell uerKBuie ][ Tapeten Szillat. Koloniestraße 9. KieidungsstDciw. Uiaschs usui. Verkaufe getragenen Jünglingsanzug, Win- termantel. Stiefel. Berlin-Britz, Erü- ner Weg 4 l rechts. Radm Radioaulageu, alle Marken, gegen kleinste Monat»- raten. Borführung kostenlos. Oftfunk Szilasi, Neander- straße 18. Etagen- aeschäft. Telephon Jannowitz 0435.• |KaüigesücHB| Kabuaebiff«, Platinabsälle. Quecksilber Kinn- meialle, Silber- schmelze Doldschmel- zerei. Ehriltionat. Köoenickerftraße 89. baltestell« Adalbert» straße Nähmaschinen, neu und gebraucht. Äottbusser Damm 0— 71. musik- Instrumente Prachtpianos. zehnjährige Garantie, 800,—. Ge» brauchte 150,—. Monatsraten 15,—. Reparaturen, Stimmungen. Anger. höfers Pianofadrik, Große Frantiurter- straße 48i. 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