Morgen- Ausgabe Nr. 529 A259 49. Jahrg. Redaktion und Verlag: �Berlin SW 68, Cinbenffr. 3 Fernsprecher i Q!7 Qlmt Dönhoff 292 bii 297 Telegrommodreff«! Sozialdemotral Berlin WOLKSBLATT MITTWOCH 9. November 1932 In Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts...... 15 Pf- Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe am Schluß des redaktionellen Teils Jentvaloesa« der GozialdemottaMche« Oavtei Deutschlands Der Wahltag in AGA. ErFehnis erst Mittwochvormittag zu erwarten Jtero Zork, 8. November. Der Wahlakt hat um 14 Uhr mitteleuropäischer Zeit begonnen. Das Ergebnis wird in Europa gegen 7 Uhr morgens eintreffen. Das Wetter ist kühl und bewälkti aus verschiedenen Osrstaaten werden Regenfälle gemeldet. In der Stadt New Uork überwachen 7357 Poli- zisten die 3794 Wahllokale l 19 229 Polizisten sind in der Stadt alarmbereit. Die Washingtoner Ge- Heimpolizei hat Borbereitungen getroffen, um ver- fassungsgemäh den staatlichen Schutz auf R o o s e- v e l t auszudehnen, falls er gewählt wird. Die Polizeistunde ist für Klubs und Tanzdielen auf 9.39 Uhr verlängert worden. Um dem Akasfenandrang der Wähler begegnen zu können, sind in der Stadt New Pork neue Wahlmaschinen eingeführt worden, die recht umständlich sind. In den übrigen Städten und auf dem Lande wird meistens mit Stimmzetteln gewählt. Amtlich ist der Wahltag zum Feier- tag erklärt worden, doch sind die meisten Ge- jchäfte geöffnet. Die Republikaner erhoffen im Hinblick auf das Alkoholoerbot die Unter- stlltzung ihres Kandidaten Hoovcr vor allem auch durch die Frauen. Im Staate New Park wird zugleich über die Auflage einer 39-Millionen- Dollar- An leihe für Erwerbslosen- Hilfe abgestimmt. Da das Wahlgesetz solche Personen von der Wahl ousschlieszl, die aus öffentlichen Wiltcln unterhalten werden, können bei der jetzigen Wahl sehr viele nicht wählen.(Das gab's im kaiserlichen Deutschland auch, die Sozialdemokratie hat es ab- gefchasfl. Red. d.„D.") Der Präsident wird nicht unmittelbar gewählt, sondern 331 Wahlmänner, die Elektoren, die in zwei Monaten.zusammentreten, um den Präsidenten und den Vizepräsidenten zu wählen. Heute entscheidet der Wühler zwischen den Wahl- mann-Kandidaten der Demokraten, Republikaner, Sozialisten und Kommunisten. Am Wahlvorabend gab es einen zweiein- halbstündigen Rundsunkappell der Republikaner an die Wähler. An den Probe- a b st i m m u n g e n des„Literary Digest", aus dem Roofevelt als Sieger hervorzugehen schien, haben sich nur vier Millionen Amerikaner bc- teiligt, die Probestimmzettel waren jedoch an 29 Millionen abgesandt worden. Die T r a d i t i o n spricht für den republikanischen Kandi- dalcn. Die Wahl des Demokraten Wilson konnte nur erfolgen, weil Theodore Roosevelt da- mal? eine Spaltung der Republikanischen Partei herbeigeführt hatte. Uebereinstimmend ist man der Ansicht, daß Hoover verlieren muß, wenn er nicht die 47 Wahlstimmen New Ports er- hält. Da zwischen New Port und Kalifornien ein Zeitunterschied von drei Stunden besteht, kann der Wahlausgang bereits entschieden sein, bevor die kalifornischen Wahllokale geschlossen worden sind. Tn der Lundeshauplstadt Washington, die als 5109000 Arbeitslose (Geringes Sinken der Arbeitslosigkeit einziger Ort in Amerika sich nicht an den Wahlen beteiligen darf, herrscht heute absolute Ruhe. Alle Minister haben die Stadt verlassen und die meisten Politiker weilen in den Hauptquartieren ihrer Partei. Das Ergebnis der Wahl wird den Bewohnern Washingtons durch Scheinwerfer ver- kündet. Rotes Licht kündet den Sieg Roosevelts, grünes Licht den Sieg Hoovers an. lirste Teilergebnisse Rem Dort, 8. November. Aus acht Städten von Kansas, darunter Kansas-City und Topeka. liegen Teilergebnisse der Präsidentenwahlen vor. Danach erhielt Roosevelt ZZ30 und hoover 3290 Stimmen. 3n Denver(ftolorabo) erhielt Roosevelt 3181 und hoovcr 2754 Stimmen. Das Ergebnis von 37 wahldistriktcn von Massachusetts lautet: Roosevelt 13 14ö, hoover 9305 Stimmen. Die ersten Meldungen weisen aus eine außer- ordentlich starke Wahlbeteiligung hin. Namentlich in den Oststaaten scheint die Wählerschaft beinahe vollzählig zur Wahlurne ge- gangen zu sein. Das erste Wahlergebnis traf aus N e w a s h- s o r d in Massachusetts ein, wo Hoover 2 4, Roosevelt 8 S t i m m en erhielt. Auch in Pou(Massachusetts) ist Hoover überlegen mit 37 Stimmen, Rvosevell nur 23. Allmählich lassen sich dann auch Ergebnisse aus größeren Kreisen übersehen. Zum Beispiel bekam Hoover in den 21 Wahlbezirken von Houston 154 Stimmen, Roosevelt 853 Stimmen. In einem Wahlbezirk in Ioplin(Missouri) stimmten 19 Wähler für Hoover, 29 sllr Roosevelt. Martins Station(Ala- bama) meldet 7 Stimmen für Roosevelt, sür Hoover keine einzige. In einer Anzahl Wahl- bezirke von Fort Worth(Teras) hat Roosevelt 123 Stimmen, Hoover nur 17. Zn der zweiten Oktoberhälsle ist nach dem jetzt vorliegenden Bericht der Reichsanstall die Zahl der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Erwerbslosen von 5 150 000 Mitte Oktober auf 5 109 000 Personen gesunken. Bei der Unzuverlässigkeit der Arbeitsanitsstatistik wird man sich aber dieser zahlenmäßigen Besse- rung so lange nicht freuen können, bis der erheblich genauere Monatsbericht des ADGB. über die Beschäftigtenzifsern der gewerkschaftlich organi- sierten Arbeiter und die Ziffern der in den Kran- kenkassen Bersicherten für den Monat Oktober herausgekonimen sind. Erst dann wird sich zeigen, ob im vergangenen Monat gegenüber dem Sep- tcmber tatsächlich keine oder nur ganz unwesent- liche Verschlechterung des Arbeitsmarktes einge- treten ist. Da Ende September die Gesamtzahl der Erwerbslosen mit 3 192 999 und Ende Oktober mit 5 199 lw9 ausgewiesen wird, nüißle sich also im Oklvber der'Arbeitsmarkt nahezu stabil ge- staltet haben. Im Vergleich mit deni vergangenen Jahr hat sich seit Ende August die Situation aus dem'Ar- beitsmarkt folgendermaßen entwickelt: im Jahre 1931 war durch die einsetzenden Saisonentlassungen bei gleichzeitig anhaltender- K o n j u n k l u r v e r- schlechte rung die Zahl der Arbeitslosen um 498 999 gestiegen In diesem Jahr ist die Zahl der Erwerbslosen seit Ende August um 115'>99 Personen gesunken. Nun geben diese Zahlen leider keinen Anhaltspunkt, da durch die massenhaiten Aussteuerungen und das Aufhören der Unterstügungszahlunqen die Armee der'Ar- beitslosen gewachsen ist, die bei d.n Arbeltsämterii nicht mehr angemeldet sind. Aber auch, wenn man all dies einschaltet, so zeigt sich doch, daß sich eine, wenn auch geringe, u. e i l b e l e- b u n g in der Wirtschast durchsetzt, die nicht nur saisonmäßig(Weihnachtsgeschäst) bedingt, sondern konjunkiurmäßjg beeinslußt ist. Dieler leichten Besserung in den Konjunkturindustrien ist es ge- luizgen, die jedes Jahr eintretende B e r �ch l e ch- t e r u n g des Arbeitsniarktes in den Saisonge- werben bisher zu verhindern. Die Regierungspresse wird natürlich versuchen, au-' dieser geringen Besserung sür das Kabinett von Papcn Kapital zu schlagen. Aber das, was sich bisher als Belebung gezeigt hat, ist nicht das Werk der Barone, sondern eine natürliche Entwicklung nach Ueberschreitung des Krisentiefpnnktes. Man muß im Gegenteil befürchten, daß diese Besserung keine nachhaltigen Wirkungen zeitigt, da die von den Baronen ge- trieben? Wirtschaftspolitik jeder ökonomischen Vernunft ins Gesicht schlägt. bellte Wahlbombe Der Sonderzug, der Präsident Hoover nach Palo Alto brachte, mußte infolge eines gehe! m- nisvollen Zwischenfalles bei Winne- mucca(Nevada) anhalten, da ein Brückenwärter die Signale auf 5) a l t gestellt hatte. Als inan ihn fragte, aus welchem Grunde, entblößte er seinen Oberkörper, der mehrere Messerstiche aufwies. 'Als man die Umgebung absuchte, fand man ein Dynamitpaket dicht bei der Brücke und ein zweites Paket in einem Busch. Zentrum sagt: Nicht abwarten! Oer Reichstag muß selber die Initiative ergreifen Unter dem Titel„Nicht abwarten" befaßt sich das Organ der Christlichen Gewerkschaslen, der „Deutsch e", mit der Frage, was nach dem Ausgang der Wahlen werden soll, wir haben Grund zu der Annahme, daß die Aeußerungen des„Deutschen" diesmal mit der Auffassung identisch sind, die gegenwärtig in maßgebenden Zentrumskreisen vorherrschend ist. Der„Deutsche" schreibt: „Hilgenbergs Presse schreib! jetzt, die Deutich- nationale Partei besitze die Schlüsselstellung im 'Parlament und habe jetzt die„Faust an der Gur- gel der parlamentarischen Parteiwirtschait". Sie werde jede Möglichkeit zu einer reaktionäre» Wiederbelebung des Weimarer Parlamentaris- inus über die Bildung einer parlamentarischen Regierung verhindern Diese Offenherzigkeit ist zu begrüße». Die anderen Parteien wissen, was sie von einer„nationalen Konzentration", wie sie Hugenberg will, zu erwarten haben. Es i st ausgeschlossen, daß sich National- sozialisten. Zentrum und Christlich- Soziale da sür hergeben werden. Daraus ergibt sich alles weitere. Die Basis einer Not- und Arbeitsgemeinschaft im Reichstag, wie sieKaas und Brüning sordern, muß so breit wie nur mög- lich sein und in erster Linie eine Stütze bei de» Massen des Bolkes finden. Daß in diesem Augen- blick nicht a» eine Mehrheitsbildung koalitions- mäßiger Art wie früher zu denken ist, ist klar. Es ist eine Regierung zu schaffen, deren führende Männer Vertrauen im Volke haben und eine Mehrheit im Reichstag sinden, die ihnen die Mög- lichteit gibt, zu arbeilen. Der Reichstag soll sie später nach ihrer Politik und ihren Taten be- urteilen. In diesem Sinne muß nun der Reichstag selber die Initiative er- greisen, er dars nicht abwarten, bis die Regierung für gut befindet, ihn einzuberufen. Er muß die Rechte des Volkes, das in seiner überwiegenden Mehrheit seinen Willen unzweideutig zum Aus- druck gebracht hat, zur Geltung bringen und d i e Führung übernehmen. Es wäre falsch, die Vorschläge und Pläne Papens abzuwarien Die Lage ist klar, die Aufgabe ist gestellt. S i e kann nicht g e l ö st w er d e n auf dem Wege einer Besprechung zwischen de in Reichskanzler und den Partei- f ü h r e r n, welche die Hugenberg-Preffe kurz so charakterisiert:„Die Parteisührer sollen verhört werden." Beim Reichspräsidenten liegt die letzte Entscheidung." Es ist anzunehmen, daß das Zentrum im Sinne der vorstehenden Betrachtungen bereits bestimmte Schritte eingeleitet hat. 9. November Es reitet uns kein höh'res Wesen, Kein Gott, kein Kaiser, kein Tribun,... Was war es am 9. November 1918? Eine kaiserliche Diktatur brach zusammen, die das deutsche Volk in den aussichtslosesten aller Kriege und in die unvermeidlichste aller Niederlagen hatte hineinschlittern lassen! Was war es am 9. November 1918? Eine vielhundertjährige Baronsherrschaft wurde weggefegt mit Dhrönchen und Krönchen, Herrenhäusern und Wahlrechts- Privilegien, Herrscherrechten und Untertanen- pflichten. Eine autoritäre Staats- f ü h r u n g, die sich von Gottes Gnaden wähnte und den Namen der Vorsehung un- nütz im Munde führte, oerendete an ihrer moralischen und geistigen Unfähigkeit. Beliebt es den Nationalsoziali st en noch immer, vom Novemberverbrechen zu reden? Sie, die heute so laut gegen die Ba- rone schreien, können wirklich denen, die da- mals die Barone weggejagt haben, nicht den geringsten Vorwurf machen— außer etwa den, sie hätten nicht gründlich genug ge- arbeitet und die Rückkehr der Barone in die Aemter nicht ein für allemal unmöglich ge- macht! Aber es war doch gerade das elende ge- schichtsfälschende Geschwätz vom November- verbrechen und vom Dolchstoß in den Rücken der kämpfenden Front, das für die Rückkehr der Barone die geistigen Voraussetzungen schuf. Adolf Hitler, der Hasser und Be- kämpfer der Revolution, war von Anbeginn an der Schrittmacher der Konterrevolution, Die Baronsregierung von heute, die autori- täre Staatsführung mit dem Vorsehungs- komplex ist sein Werk! Herr v, Papen hat gestern bei einem Fest- essen der ausländischen Presse Deutschland als das Kampsfeld bezeichnet, auf dem der westliche Rationalismus und der öst- liche Irrationalismus zusammen- stoßen. Ratio heißt soviel wie Vernunft— wir können nicht zum Schaden unseres Voltes annehmen, daß die Vernunft eine geographische Angelegenheit ist, an der wir nur beschränkt Anteil nehmen dürfen. Die Redereien vom Rationalen und Irrationalen gehören auch zu den Verwirrungskünsten, mit denen der gegenwärtige politische Zu- stand herbeigeführt worden ist. Der 9. November brachte den Sieg der Vernunft über den politischen Aber- glauben der Vergangenheit. Es war ein Sieg des Voltes über eine hauchdünne Herrenschicht, In dem Maße, wie es gelang, die Vernunft zurückzudrängen und dem poli- tischen Aberglauben an Halbgötter, Dilta- toren und Tribunen wieder Raum zu schaffen, faßte auch die alte Herrenschicht wieder Boden. Der 9. November war ein bedeutsamer Tag in der Geschichte der Klassen- kämpfe. Eine alte Klassenherrschaft wankte und fiel. Die Abergläubischen halten den Klassenkampf für die Erfindung eines bösen jüdischen Hexenmeisters namens Karl Marx, Sie wissen nicht, daß der Klassen- kämpf keine Erfindung, sondern eine ge- schichtliche Tatsache ist. Indem sie jetzt einen regelrechten Klassenkampf von oben erleben, durch den die Barone ihre Herr- schaft neu zu befestigen versuchen, erhalten sie die Strafe für ihre Dummheit, Für uns ist dieser 9 November kein An- laß, Freudenfeste zu seiern. Der 9. Novem- der trägt eine doppelte Tragik in sich: er war ein Kind dernationalenNieder- läge, und er machte die Spaltung im Proletariat offenbar. Hätte damals ein einiges Proletariat entschlossen den Weg betreten, der über die Demokratie zum Sozialismus führt, nie wäre die Demokratie in Gefahr geraten, un!z auf dem Weg zum Sozialismus wären wir schon un- endlich viel weiter. Man spricht von einer Novemberrevo- lution, aber die Ereignisse des 9. November waren nur ein einzelner Akt in einem revolutionären Entwicklungs- prozeß, der nun schon seit Jahrzehnten die Welt erschüttert. Dieser revolutionäre Entwicklungsprozeß ist ohne Spaltungen und ohne Rückschläge nicht denkbar, beide müssen auf Zeit als etwas Unvermeidliches hinge- nommen werden. Aber vor dem Sieg steht die Einigkeit, und vor der Einigkeit steht die allgemeine Erkenntnis, daß eine d e m o- kratische Staatsoerfassung die unentbehrliche Voraussetzung für das Wer- den einer sozialistischen W i r t s ch a f t s- und Gesellschaftsordnung ist. In den Versammlungen singen die Arbeiter— Sozialdemokraten und Kommunisten—, daß uns kein Gott, kein Kaiser und kein Tribun retten kann, und daß wir, um uns aus unserm Elend zu erlösen, das Notwendige s e l b st tun müssen. Die Demokratie ist es, die dem Proletariat den Weg zur Selbstbe- freiung öffnet. Welchen Grund hätten denn die Herren von heute und vorgestern, ihren Klassenkampf von oben gegen die Demo- kratie zu führen, wenn nicht die Demokratie eine Eroberung des Klassenkampfes von unten wäre!? Ihr wollt den Sieg des Sozialismus, so schützt die Republik, verteidigt die Demo- kratie, und ihr werdet siegend beenden, was der 9. November 1918 begonnen hat! Heines macht Aufruhr Dauernde SA-Revolten in Schlesien Wer brach den Streik? Hfazüs und Kommunisten beschuldigen sich gegenseitig Die großartige Aktion der sogenannten „zentralen Streikleitung" im Berliner Ver- kehrsstreik hat als elende Schmieren- k o m ö d i e geendet. Zunächst waren Natio- nalsozialisten und Kommunisten vollkommen einig, indem sie alle Schuld auf die Sozial- demokratie abluden. Dann aber gerieten sie einander in die Haare, und jetzt schimpfen sie sich gegenseitig Streikbrecher. So erläßt die sogenannte Nationalsozialistische Betriebs- organifation eine Erklärung, in der es heißt: Am 5. Streiktage, am Montag, dem 7. No- vcmber, schickten auch die Kommunisten durch ihre RGO.-Funktionäre unter allerlei Bor- wänden ihre Anhänger in die Betriebe und stellten dadurch den noch Kämpsenden den Erfolg in Frage. Am Montagabend oersammelten die Kom- munisten durch ihre RGO. noch den Rest ihrer Anhänger und erklärten unter allerlei lendenlahmen Ausreden den Streik f ür beendet. Sie gingen sogar so weit, ihren Anhängern vorzulügen, daß die Nationalsozialisten bereits den Streik ab- gebrochen hätten. Die RGO. könne darum den Streik nicht mehr weiter führen. Die RGO. verbreitete auch Flugblätter, in welchen sie zum sofortigen Ab- bruch des Streiks aufforderten. Somit ging der Rest der K o m m u n i st e n am Dienstag früh in die Betriebe. Der Montag war der Tag, an dem sich die Fronten restlos klärten. Die Freigewerkschaftlichen und SPD. vertagten zuerst, die KPD. und RGO. folgten brav hinterher. Sie oerließen die Front der um ihre Rechte kämp- senden Arbeiterschaft! Der Abschluß der Reichstagswahl bedeutete für die Marxisten gleichzeitig den Austritt aus der Arbeiter-Kampf- front! Die Nationalsozialisten hielten das Banner des Kampfes bis zum Dienstag mittag hoch und nur unter der Feststellung der Tatsache, daß die Füh- rung der RGO. und der Freien Gewerkschaften die Arbeitersront verraten hatten, den ehrlich ge- meinten Wirtschastskampf der Arbeiterschaft sa- botierten, veranlaßte die Nationalsozialisten auch ihrerseits, den nunmehr aussichtslos gewordenen Kampf abzubrechen. BVG. er! Euer Kampf wäre von Erfolg ge- krönt gewesen, wenn nicht die einheitliche Front der Schaffenden durch sozialdemokratische und kommunistische Funktionäre erdolcht worden wäre! Hier ist der untrüglichste Beweis dafür ge- liefert, daß die Nationalsozialisten die Freunde, dagegen die Marxisten die Feinde des arbeitenden Volkes find. Die Arbeit- nehmerfchaft Berlins soll an diesem Erlebnis lernen, und in Zukunft unter nationalsozialistischer Führung den schärfsten Kampf gegen diese marxi- stischen Verräter führen. Wie aus diesem Aufruf selbst hervorgeht, geben die Kommunisten den Nazis den Vor- wurf des Streikbruchs zurück. So versichert die„Welt am Abend", die Nazis hätten zur Zermürbung der Sreikfront ihr Möglichstes getan und sie seien am Montag als e r st e in die Betriebe gelaufen! Eigener Bericht des„Vormärts" Breslau, 8. November. Der Naziterror in Schweidnitz, der schon in der vergangenen Woche zu einem brutalen Ueberfall hemmungsloser hakenkreuzler aus einen friedlich seines Weges gehenden Reichs- bannermann führte, dauert fort. Znsbeson- dere vor dem Landgerichtsgebäude, wo seit Diens- tagvormiltag wieder das Sondergerichl gegen den Gruppenführer der schlesischen SA. und seine Trabanten verhandelt, reißen die von den Hitler- Jünglingen wohl zu Ehren des Fememörders Heines mit viel Geschrei veranslallelen Krawalle nicht mehr ab. Die Polizei, die häusig vom Gummiknüppel Gebrauch machen muß, ist gegen- über diesem Treiben anscheinend völlig machtlos. Auch in der Stadt streichen größere und kleinere Trupps von SA.-Leuten herum. Sie belästigen Passanten und fallen über politische Gegner her. Mehrere hundert ortsfremde Braunhosen sind gegenwärtig wieder in Schweidnitz zusammen- gezogen. Uebel tut sich besonders der in Schlesien satt- sam bekannte Nazisührer Kubissa hervor. Dieser Bursche, der im Jahre 193g wegen Beteiligung an der Sprengung einer sozialdemokratischen Ver- sammlung in einen Prozeß verwickelt war, zieht mit einer Gruppe auswärtiger SA-Leute durch die Straßen und macht feine Kumpane auf Reichsbannerleute und Kommunisten aufmerksam. Die Folge dieses terroristischen Vorgehens ist eine Kette von Zusammenstößen. Die von Kubissa ge- führten Nazibanditen stürzen sich mit Totschlägern, Gummiknüppeln und anderen Mordwertzeugen auf ihre Opfer. Am Dienstagmittag wurde auf dem Ring der 32jährige Zähler des Elektrizitäts- werkes Macheiske. der zur Eisernen Front ge- hört, von einer solchen Horde angefallen. Ma- cheiske erhielt mehrere tiefe Messerstiche und mußte in bedenklichem Zustand ins Krankenhaus übergeführt werden Die feigen Messerhelden konnten unerkannt entkommen. Das Auftreten der Nazis in Schweidnitz macht den Eindruck einer wohlvorbereiteten Aktion. Das Hauptquartier der nach Schweidnitz für die Dauer des Prozesses verlegren SA.-Rollkommandos ist, wie in früheren Iahren, die als Nazihochburg bekannte Braukommune. Dort ist seit Dienstag früh auch eine Hakenkreuz-Sanitätskolonne statio- niert. Außerdem patrouillieren Nazisanitäter in der Stadt umher Daraus kann man schließen, daß die SA.-Führer nicht nur mit Zusammen- stößen rechnen, sondern sie planmäßig fördern. Wie die Ortspolizeibehörde mitteilt, wurden in Schweidnitz seit Beginn des Reichenbacher Spreng- stoffprozesses insgesamt 25 Nazis festgenommen. Drei wurden dem Gerichtsgefängnis zugeführt. Vier der Festgenommenen werden sich wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, die übrigen wegen Verstoßes gegen polizeiliche Anordnungen zu verantworten haben. Gegen den Gruppen- fllhrer Heines wurde von der Polizei wegen Aufruhr und Beleidigung bei der Staatsanwalt- schast Anzeige erstattet. Ferner geht aus dem Bericht der Polizei hervor, daß während der Dauer der Unruhen in Schweidnitz bisher drei Reichsbannerleute, zwei Kommunisten, ein Ratio- nalsozialist und ein Polizeibeamter mißhandelt und verletzt wurden. Gegen die Schuldigen wurde ein Verfahren eingeleitet. Die Unruhen in Schweidnitz setzten sich auch am Dienslagnachmillag fort. Laut INitleilung der Schweidniher Polizeiverwallung schleuderte einer der aus dem Platz vor dem Gerichlsgebäude lärmenden SA.-Leute einen iVi Pfund schweren Ziegelstein in den Unter- kunslsraum der P o l i z e i b e r e i l s ch a f t im Gerichlsgebäude. Der Anprall des Steines war so heftig, daß der Fensterrahmen herausge- schlagen wurde und ins Zimmer fiel. Dabei wurde ein Polizeibeamter, der am Fenster gesessen Halle, erheblich verletzt: er trug eine 5 Zentimeter tiefe Kopfwunde davon. Im Lause des Dienstag wur- den neun Personen festgenommen. Sie werden sich wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt. Körperverletzung, wafsenmißbrauch, tätlichen An- griffs auf Polizeibeamle sowie wegen Beleidigung einzelner Polizeibeamter vor Gericht zu verant- Worten haben. Nach der Festnahme stürmte ein Nazitrupp schreiend und tobend hinler dem Po- lizeikraftwagen, aus dem die Berhaslelen wegge- bracht wurden, her. Ein Kommuni st en- s ü h r e r, den die Nazis auf der Straße dauernd versolgt hallen, mußte in Schuhhaft ge- nommen werden. Die Schuld an den Dicnslag-Zusammenstößen trägt nach Aussassung der Polizeibehörde nicht die politische Leitung der NSDAP., sondern die verantwortliche Führung der SA., d. h. also wieder einmal Heines! Da mit dessen Verurteilung gerechnet werden dürste, stehen für morgen nach Verkündung des Urteils weitere Aus- schreitungen bevor. Unter dem Verdacht der Teilnahme an dem Ueberfall auf den Reichsbanner- mann Schackschal am Freitagabend verhaslete die Polizei am Dienstagmillag aus dem Ring einen Nationalsoziali st en. an dessen Hosen Blutspuren zu sehen waren. Der Nazi- sührer Kubissa versuchte den Zesige- nommenen zu befreien. Die Polizei sah sich deshalb gezwungen, gegen den unverschämten hakenkreuzler mit dem Gummiknüppel einzuschreiten. Kubissa brach bewußtlos zu- fammen und wurde von feinen Leuten nach der in der Braukommune eingerichteten Naziver- bandsslation abtransportiert. Gegen Abend trat endlich wieder Ruhe ein. Alle ortsfremden Nazis wurden von der Polizei, soweit sie ihrer habhast werden konnte, aus Schweidnitz abgeschoben. Gegen 20 Uhr waren die Straßen von den hakenkreuz- krakeelern gesäubert. Zuchthauscmtrag in Schweidnitz I�uziiz-eugen wegen Begünstigung unvereidigt Eigener Bericht des„Vormärts" Schweidnitz, 8. November. Nach dreitägiger Pause wurde am Dienstagvor- mittag vor dem Schweidnitzer Sondergericht die Verhandlung im Reichenbacher Attentatsprozeß wieder aufgenommen. I» Fortsetzung der Zeugenvernehmung wurde zunächst Frau Pastor Fuchs verhört. Die Zeugin gab an, daß sie sich an die fraglichen Vorgänge nicht mehr erinnern könne. Der Zeuge Haupt- mann Müller äußerte, daß er den SA.-Mann Polomski unter dem Namen Schmidt„nur zur Er- holung" zu sich genommen habe. Von wem Schmidt zu ihm geschickt worden sei, wisse er nicht. Es sei bei ihm üblich, Gäste freundlich zu bewirten und zu verpflegen. Dabei ist nur merkwürdig, daß Müller diese„Gastsreundschaft" ausgerechnet bei Polomski- Schmidt zuerst in Anwendung gebracht und ihn sieben Wochen beherbergt hat. Von der Staatsanwaltschaft wurde die Frage aufgeworfen, welche Bewandtnis es mit dem für den flüchtigen SA.-Mann Polomski alias Schmidt ausgestellten Grenzübertritts schein nach der Tschechoslowakei gehabt habe. Frau Müller habe nämlich bei dem Reichenforster Amtsvor- steher, der den Schein ausstellte, Schmidt als ihren Neffen ausgegeben. Vom Vor- sitzenden deshalb befragt, bestritt Frau Müller, daß die Behauptung des Staatsanwalts den Tatsachen entspreche. Sämtliche am Dienstag vernommenen Zeugen wurden nicht vereidigt, da bei allen drin- gender Verdacht der Begünstigung besieht. Der Angeklagte Heines erging sich wieder in Beschuldigungen gegen den Kriminalkommissar Iackenkroll. Dieser habe sich bei der Vernehmung der Frau Müller Uebergrisfe zuschulden kommen lassen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Rebitzki- Breslau, bat, von einer Erörterung des angeblich nicht einwandfreien Verhaltens des Kommissars abzusehen, da gegen Iackenkroll bereits ein Ver- fahren eingeleitet(??) worden sei. Das Gericht lehnte alle Anträge ab, auch den, der die Ladung des Amtsvorstehers von Reichen- forst zur Vernehmung über den Grenzschein für Polonski-Schmidr fordert. Nach Schluß der Beweisausnahme wurden heule die Strasanlräge gestellt. Der Slaalsanwalt erklärte, daß er lange geprüft habe, ob gegen die Zlngeklaglen Polomski, Wagner und Wolter nicht die Todesstrafe zu beantragen sei. Er habe diese Frage verneinen müssen und beantragte daher wegen versuchten Mordes: gegen Polomski 5 Jahre 6 Monate Zuchthaus, gegen Wolter ö Jahre Zuchthaus und außerdem wegen Verstoßes gegen das Waffen- geseh noch Z Monate Zuchthaus, zusammengezogen zu einer Gesamlstrase von S Jahren 1 Tag Zuchthaus. Alle drei Angeklagten sollen außerdem zu 5 Jahren Ehrverlust verurteilt werden. Gegen die üvr'gen Anoeklagten wurden folgende Strafen beantragt: SA.-GruppensüHrer Feme-Heines ItZMonateGesängnis, Stabsührer Hayn 9 Monate, SA.-Führer Stab und Rauscher j e L Monate Gefängnis. Die Anterfuchungs- hast solle den Angeklagten angerechnet werden. CA. verboten .Aber nur im Saargebiet Saarbrücken, 8. November. Die Regierungskommission des Saargebiets hat beschlossen, sämtliche militärähnlichen Organisatio- neu der NSDAP., insbesondere die Sturm- abteilungen(SA.), die Schutzstaffeln(SS.) und sonstige Einrichtungen, einschließlich der „SA.-Beobachter",„SA-Reserven", Mowrstürme des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps, der nationalsozialistischen Sanitätskorps, der Führer- schulen, der SA.-Kasernen und der Zeugmeisterei mit sofortiger Wirkung aufzulösen. Zur Begründung wird von der Regie- rungskommission mitgeteilt: „In der Nacht zum 2. November wurde in der Stadt Saarbrücken ein Flugblatt verbreitet, das einen Wahlaufruf für die Nationalsozialisten ent- hielt, zugleich auch die Bevölkerung gegen die Polizeiorgane aufzuwiegeln suchte. Das Flugblatt entspricht auch nicht den Vorschriften des Presse- gesetzes. Um den Verfasser zu ermitteln, fand am 3. November in Ausführung eines Beschlusses der Regierungskommission des Saargebiets in den Ge- schäftsräumen der NSDAP, eine Durchsuchung statt. Bei der Durchsuchung wurden unwiderlegliche Beweise dafür gesunden, daß gewisse Orga- nisationen der NSDAP, im Saargebiet eine Tä- tigkeit entfalten, die in flagrantem Widerspruch zu den Bestimmungen der Verordnung vom 12. Sep- tember 1928 steht." Növers NKckzug Er setzt den Bürgermeister wieder ein Eigener Bericht des„Vormärts" Oldenburg, 8 November. Der deutschnationale Bürger- meister von Eutin, Dr. Stoffregen, der dieser Tage von dem Naziregierungspräsi- deuten in Eutin mit Gewalt seines Amtes ent- hoben wurde, ist von dem oldenburgischen Nazi- Ministerium am Dienstag wieder eingesetzt worden. Stofsregen hatte der Nazi-Regierung ein Ulti- matum gestellt und mit der Beschwerde an den Reichsinnenminister gedroht. Diese Drohung hat die Nazihelden und Naziminister zu dem Rückzug veranlaßt. In der Nacht zum Dienstag erhielt der Naziregierungspräsident den telegraphifchen Be- fehl, die Forderung des Bürgermeisters von Cutin zu erfüllen. Inzwischen hat Stofsregen gegen den Naziregierungspräsidenten in Eutin Strafantrag wegen Freiheitsberaubung und Nötigung gestellt. .Nationale' Wegelagerer �lazis schlagen eine Frau nieder Eigener Bericht des„Vormärts" D a r m st a d t. 8. November. In Ober-Ramsladt bei Darmstadt wurde die Frau eines Reichsbannermannes von einem Trupp Nazis durch hiebe aus den Kops n i e d e r g e- schlagen, so daß sie eine Gehirnerschütterung davontrug. Als ihr Ehemann sie ausheben wollte, erhielt er einen Stich in den Rücken. Oer SA.- Sturmlruppsührer Göbel, der als Täter fest- genommen wurde, gebürdete sich derart, daß ihm Handschellen angelegt werden muhten. In einem anderen Odenwald-Ort wurde ein Reichsbannerauto mit Steinen beworfen. Sechs Nationalsozialisten wurden als Täter fest- genommen. In Köln-Mülheim überfielen etwa zehn u n i- formierte Hitler-Leute, die mit einem Personenkraftwagen angefahren kamen, einen in Opposition stehenden Nationalsozialisten. Das Nazi-Uebersallkommando war mit schweren Knüppeln und anderen Mordinstrumenten aus- gerüster. Der Ueberfallene und sein Begleiter wurden schwer mißhandelt. Zwei Polizeibeamte retteten sie. Die Täter konnten mit ihrem Auto entkonimen. Der Parleiausschuh der Sozialdemokratischen Partei tritt am Donnerstag in Berlin zusammen, um über die politisch? Lage zu beraten, wie sie durch das Ergebnis der Reiä�tagswahlen vom b. November geschaffen ist. Der Preußische Landtag wird nach den Ver- einbarungen zwischen Zentrum und N a t i o n a l s o z i a l i st e n nicht vor dem 22. No- vember zusammentreten. Man erwartet, daß bis dahin sowohl über die politische Gestaltung der Dinge im Reich als auch m Preußen eine ge- wisse Klärung erzielt werden kann. Entsprechende Schritte sind zu diesem Zweck bereits eingeleitet. Das Ziel ist vor allem die Beseitigung Papens. Der aufgeblasene Frosch „Ich bin groß", sagte der Hugen-„Seht", rief er,„schon um 50 Prozent frosch und blies sich auf. meines Ümfangs habe ich zugenommen." Wenn nur nicht ein Malheur geschieht.., Die Bombenleger verurteilt k�ationalso�iaüsfische Attentate in OstpreuLsn und Schleswig-Holstein Kleiner Helfer Papen-Propaganda im Radio Um der heißgeliebten Papen-Regierung doch noch die parlamentarische Unter st ützung der H i t l e r- F r a k t> on zu sichern, rückte am Diens- ta�abend Dr. Fritz Klein von der„DAZ." vor das Mikrophon der Funkstunde. Nach einer be- geisterten Wiederholung der Worte über die „nationale Konzentration" unter„Hintansetzung aller persönlichen Fragen", die Papen beim Früh- stück der Auslandsjournalisten gesprochen hatte, besprach er den Wahlaussall, der für die Regie- rung nicht unbefriedigend sei. Der Sozial- d e m o k r a t i e gestand er zu, daß sie sich im ganzen genommen„überraschend gut ge- halten" habe. Den großen Stimmenverlust der Hitler-Partei führt er natürlich auf ihre Betonung sozialistischer Forderungen und auf ihre Feindseligkeit gegen Papen zurück. Dann redet er den Hitler-Leuten und besonders ihrem Ober- osaf beweglich zu. doch endlich umzuschwenken, denn sonst würde bei einer späteren Wahl ihr Verlust noch größer werden. Hitler habe doch oft genug erklärt, nicht Klassenkamps sondern Volksgemeinschaft wäre sein Ziel. Die schönste Volksgemeinschaft ist eben für den„DAZ."-Mann das Papen-Lager. Der Herr Reichskanzler scheine das auch mit seinen Worten über eine wirkliche „nationale Konzentration" gemeint zu haben. Schwarzbraune Koalition mit Hugenberg und Dingeldey oder, noch richtiger, nationale Re- gierung mit Unter st ützung der Nazis und des Zentrums sei das allein Richtige, aber beileibe nicht etwa als Koalitionskabinett mit Rück- kehr zur früheren Regierungsform durch das Parlament, sondern so, daß das Parlament die autoritäre Staatsführung unterstütze. Das alles müßte bis zum Reichstagsbeginn am S. Dezember unter allen Umständen geklärt sein. So weit ist es nun gekommen: Nicht nur der Herrenreiter Papen beglückt die Rundfunkhörer mit seinen politischen Ergüssen, die— nachweislich— neun Zehntel des Volkes ablehnen, jetzt müssen auch noch seine journalistischen Trabanten vor das Mikrophon um gutes Wetter bitten. Aber auch diese kleine Hilfsaktion ist zwecklos. Papen muß fort! Je eher, desto besser! Reichsrat und Rundfunk Die vereinigten Ausschüsse des Reichs- rats beschäftigten sich am Dienstag mit den Richtlinien für das Rundfunkwesen: das Kulturprogramm, die Satzungen der Reichs- rundfunk-Geselljchaft und der einzelnen Sende- gesellschaften und die Dienstanweisungen für die Rundfunkkommissare. Die Vorbesprechungen mit den Ländern hatten, wie sich herausstellte, noch keineswegs eine weitgehende Einigung ergeben, so daß beschlossen wurde, die Beratungen.zunächst von einem Unterausschuß fortsetzen zu lassen. Es ist zu erwarten, daß die Beratungen noch in dieser Woche abgeschlossen werden. Am Donnerstagnachmittag um 5 Uhr findet eine öffentliche Sitzung des Reichs- rats statt. Die preußische Staatsregierung dürfte in dieser Sitzung mit einer Erklärung hervortreten. Allenskein, 8. November. In dem Allensteiner Bombenattentäter-Prozeß beantragte Oberstaatsanwalt Dr. Brey nach Schluß der Beweisaufnahme gegen den nationalsozia- listischen Sturmführer Bethke wegen Verbrechens gegen§ b des Sprengstoffgesetzes und wegen Anstiftung zum Sprengstoffverbrechen zehn Jahre Zuchthaus. Gegen die Nationalsozialisten I u s ch k a und Franz Weiß wurden vom Oberstaatsanwalt wegen Verbrechens gegen das Sprengstoffgesetz je sechs Jahre Zuchthaus, die gleiche Strafe gegen die SA.- Leute Quassek und K l i m m e ck be- antragt. Gegen die SA.-Leute D e m b k o w s k i, Wilhelm Weiß, Pernack und H e M w i ch beantragte der Oberstaatsanwalt je fünf Jahre Zuchthaus. Gegen die übrigen angeklagten Nationalsozialisten wurde die Freisprechung be- antragt. Am Dicnstagnachmillag wurde das Urteil verkündet. Die Anaek'agten Bethke, Franz Weiß. Quassek und klimmck wurden zu je 5 Jahren Zuchthaus, Drm'kows'i zu einem Zahre Ge- sängnis, Wilhelm We'ß zu einem Zahre Zuchthaus, hellwig zu einem Zahre Zuchthaus, Peinack zu einem Zahr drei Wo- naten Zuchthaus und Iufchka zu neun Monaten Gefängnis verurkeill. Die UütersUchungehoft wurde in Anrechnung gebracht. Alle übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Bombenprozeß in Mona Eigener Bericht des„V ormärts" Hamburg, 8. November. Am Dienstag setzte das Altonaer Sondergericht, vor dem gegenwärtig der Prozeß gegen die nationalsozialistischen Hand- granatenwerfer verhandelt wird, die Ver- nehmung der Angeklagten fort. Als Verteidiger für die angeklagten SS.- und SA.-Leute war der berüchtigte nationalsozialistische Rechtsanwalt und Landtagsabgeordnete Roland Freisler-Kafsel«r- schienen. Das Gericht versuchte die Angeklagten zu Aussagen über die Ausführung der in der Wahl- nach in Schleswig-Holstein verübten Handgranaten- anschlüge zu bewegen. Zn Elmshorn wurde aus einem mit sechs Mann besetzten Kraft- wagen ein« Stielhandgranate gegen eine Gastwirt- schaft geworfen, in der sich das Verkehrslokal und das Parteibüro der KPD. befinden. Außerdem wurden zahlreiche Schüsse auf das Haus abgegeben. Die Handgranale flog bei der Explosion gegen den Bordstein, so daß nur die Fenster der umliegenden Häuser zersprangen. Die angeschuldigten SA.- und SS.-Leute, durch deren früheres Geständ- n i s die Tat restlos geklärt ist, verweigern jetzt die Aussagen und behaupten, sich der Vorgänge nicht mehr entsinnen zu können. Zn Uetersen wurde aus einem Kraftwagen heraus eine Hand- granat« gegen den Laden der Kon- sumgenossenschaft Produktion geschleudert, die aber ihr Ziel verfehlte und das Haus eines Arbeiters, der zu keiner politischen Partei gehört, tras. Auch hier ist die Täterschaft durch frühere Geständnisse geklärt. Zwei der Täter, der Abiturient Adler und der Bäckergesell« Dechow, sind flüchtig. Die übrigen Angeklagten verweigern die Aussage oder geben an, mit der ganzen Angelegenheit nichts zu tun zu haben. Der Anschlag in Barmstedt wurde von dem Führer des zweiten Sturmbanns, Grezesch, der auch die anderen Attentate organisierte, selbst ausgeführt. Er sollt« sich gegen ein kommunistisches Parteilokal richten. Der Täter, der auf einem Motorrad vorfuhr, warf die Stiechandgranate ober versehentlich in die Wohnung des Arbeiters Gottschalk, die sich im Haus neben dem KPD.-Lokal befindet. Die Hand- granate richtete großen Sachschaden an. Durch die Explosion wurden zahlreiche Fensterscheiben des Hauses zertrümmert. Der Angeklagte, der diese Tat eingesteht, sagte weiter aus, daß er nach Voll- bringung der Tat dem Führer des Motorrades, dessen Namen er nicht nennen will, mit vorgehaltener Pistole Stillschweigen über die Vorgänge der Nacht geboten und ihm bedeutet habe, daß er ein Kind des Todes fei. wenn die Oeffentlichkeit etwas erfahre. Die der Ausführung des Handgranatenanschlages auf den Konsumvereinsladen Produktion in Pinneberg beschuldigten SS.-Leute G e r l a ch und B u r- m e st e r, die dort in den Mitternachtsstunden des 1. August mit einem Kraftwagen vorfuhren und eine Stielhandgranate gegen das Haus warfen, bestreiten die Täterschaft, obwohl diese Aussagen durch Aussagen ihrer Kameraden vor dem Untersuchungsrichter feststeht. Das Attentaat in Rendsburg richtete sich gegen das Parteibüro und Verkehrs- lokal der KPD., auf das zwei Handgranaten ge- warfen wurden, die durch ein Fenster auf den Tisch der Gastwirtschaft sielen, dort explodierten und große Zerstörung anrichteten. Der SA.-Mann R o h w e d e r, der die Handgranate warf, wurde durch herumfliegende Sprengstllcke schwer verletzt und von dem Reichslagsabgeordnelen Moder und dem Slandarlenarzt Dr. Zörst heimlich forlge- schaffl. Gegenwärtig ist er flüchtig. Der weiter an der Tat beteiligte SS.-Mann und Zollwacht- m e i st e r P l ä h n ist geständig. Der Führer des Altonaer SA.-Sturmes, Gastwirt Brockmann, der Inhaber einer be- rüchtigten Nazikneipe ist, wird beschuldigt und durch frühere Aussagen bezichtigt, das Alkenlat aus ein KPD.-Lokal in Altona ausgeführt zu haben. Da aber die zum Werfen der Handgranaten bestimmten SS.-Leute das Abziehen der Zünder vergaßen, blieben die Handgranaten auf der Straße liegen, ohne zu explodieren Ein zweites Attentat, das auf das Altonaer Ge- werkschaftshaus geplant war, kam nicht zur Ausführung, da die hierzu bestimmten SS.- und SA.-Leute in letzter Stunde den Mut verloren. Der Angeklagte bestreitet entschieden, an dem An- schlag beteiligt gewesen zu sein. Ausführlich erörtert wird noch die B e s ch a f- sung der Sprengstoffe, die nach der An- klage der Nationalsozialist B e st m a n n geliefert haben soll. Der Angeklagte Plähn gibt zu, eines Tages ein großes Paket mit Sprengstoff in die Wohnung des SA.-Mannes Heeschen gebracht zu haben, verweigert aber über die Herkunft des Sprengstoffes und über seine Verwendung die Aussage. Am Donnerstag soll mit der Beweisaufnahme begonnen werden, für die zunächst 37 Zeugen und 3 Sachverständige geladen sind. HMer-BlaN verboten �Vegen eines Angriffs auf Papen München. 8. November. Der„Völkische Beobachter" ist heute abend laut Beschluß der Polizeidirektion München mit sofortiger Wirkung bis zum 11 November verboten worden. Das Verbot ist, wie die nationalsozialistische Parteikorrespondenz schreibt, nach§ 6 der Notverordnung vom 11 Juni 1932 ausgesprochen worden, und zwar wegen eines Artikels in der Ausgabe vom K./7. November, dessen Ueberschrift lautete:„Herr von Papen hält eine von Verunglimpfungen gegen Adolf Hitler strotzende Rundfunkrede". Nazi-Noiwehri Ein deutscher„Richterspruch" Eigener Bericht des„Vormärts" Schwerin, 8. November. Ein unmögliches Urteil sällte am Diens- tag die Große Strafkammer Schwerin. Es hatten sich zwei SS.-Leute zu verantworten, weil sie in der Geschäftsstelle der f o z i a l d e m o- kratischen Zeitung„Das freie Wort" eine Karikatur von Dr. Goebbels zerrissen hatten. In diesem Tatbestand sah die Anklagebehörde ein Verbrechen gegen die Notverordnung gegen den politischen Terror. Der Staatsanwalt be- antragte deswegen gegen beide Angeklagte je e i n Jahr Zuchthaus. Das Gericht sprach die beiden Angeklagten dagegen frei und fand dafür folgende merkwürdige Begründung: Es wird fest- gestellt, daß die Nationalsozialisten widerrechtlich in die Geschäftsstelle der sozialdemokratischen Zeitung eingedrungen sind und daß sie das Plakat gewaltsam entfernt haben. Sie sind auch von dem Geschäftsführer aufgefordert worden, das Lokal zu verlassen und sie haben auch dem Geschäftsführer das Plakat entrissen. Trotzdem ist die Straf- kammer der Meinung, daß die Angeklagten ihrem Führer Goebbels bewußt Not- Hilfe leisteten und sie deshalb in Not- wehr gehandelt hätten. Sie seien demnach frei- zusprechen. Der Haftbefehl werde mit so- fortiger Wirkung aufgehoben. Zuchthaus für Spionageversuch. Das Oberste Landesgericht München verurteilte den 53 Jahre alten Kaufmann Ferdinand Wacker aus Germers- heim wegen versuchten Verrats militärischer Ge- Heimnisse zu 2 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Was tat Vullerjahn? Ausschluß der Oeffentlichkeit Der zweite Berliner VerhaMungstag des Bulleriahn-Prozesses brachte zunächst den Lokaltermin in den Berlin-Karlsruher Jndustriewerten in Wittenau. Der Lokaltermin, der unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfand, nahm nicht nur den ganzen Vormittag, sondern auch die frühen Nachmittagsstunden in Anspruch, so daß Senatspräsident Dr. Bünger die Veryandlungen, im Sitzungssaal des Oberpräsi- diums erst nach 5 Uhr abends eröffnen konnte. Nach den Dispositionen des Gerichts soll morgen noch eine Verhandlung in Berlin stattfinden, da die für heute vorgesehenen Zeugen nicht sämtlich vernommen werden können. Der Donnerstag soll sitzungssrei bleiben und am Freitag wird wieder in Leipzig verhandelt werden. Als erster Zeuge wurde heute der Kriminal- bezirkssekretär Schlaf vernommen. Schlaf hat die ersten Ermittlungen der Spionageabteilung des Polizeipräsidiums gegen Bullerjahn geleitet und erklärt auf eine Frage des Vorsitzenden, er selbst habe nicht den Generaldirektor v. Gontard als Vertrauensperson angegeben. Er habe mit v. Gontard auch nie etwas zu tun gehabt. Die Direktoren Gebauer und Hellwig hätten angegeben, eine Persönlichkeit in den Werken be- säße Material für die Schuld des Bullerjahn. Diese Persönlichkeit wünsche aber nicht genannt zu werden. Daraufhin habe er im Auftrage des Kriminalkommissars Göbener den Herren ge- sagt, sie sollten diese Persönlichkeit dem Polizei- Präsidium mitteilen, der Name würde im Ver- fahren nicht genannt werden. Daraufhin habe der verstorbene Direktor Hellwig ohne seine Vermitt- lung dem Kriminalkommissar Göbener direkt den Generaldirektor v. Gontard als Vertrauensperson genannt. Der Zeuge Pagen st echcr, Leiter des Sicher- heitsdienstes in den Berlin-Karlsruher Industrie- werken, schildert ausführlich das nach seiner Mei- nung verdächtige Verhalten Bullerjahns am Tage der Revision durch die Interalliierte Kontrollkom- Mission. Als die Direktion gegen Bullerjahn Ver- dacht geschöpft habe, habe man ihn holen lassen, um sein Gesicht oder das des französischen Leut- nants Jost beim Vorbeigehen an der Kommission zu beobachten. Bullerjahn habe sich zunächst mit Händen und Füßen gesträubt, das Lager zu be- treten, in dem die Kommission am Werke war, und er habe auffälligerweise das Gesicht von der Kom- Mission abgewandt, als ob er nicht gesehen sein wollte. Der Vorsitzende fragt Bullerjahn, warum er sich gegen das Betreten des Lagers so energisch gesträubt habe. B u l l e r j a h n: Es bestand eine Anweisung, daß sich niemand unaufgefordert in die Nähe der Kommission zu begeben habe Als ich direkt auf- gefordert wurde, bin ich ja auch gegangen. Ich kann es mir nicht vorstellen, daß ich mich gesträubt haben sollte, ebensowenig habe ich mein Gesicht von der Kommission abgewandt, denn ich habe doch genau gesehen und in einer Zeichnung später niedergelegt, womit die Mitglieder der Kommission beschäftigt waren und wo sie standen. Aus weitere Fragen des Vorsitzenden erklärt Bullerjahn, er habe ja Kenntnis von Ma- t e r i a l gehabt, das für die Interalliierte Kom- Mission weit wichtiger gewesen wäre als das, was sie an jenem Tage entdeckt hat. Wenn er tatsäch- lich das Lager verraten hätte, dann würde die Kommission weit mehr gefunden haben. Der Vorsitzende erklärt es für wichtig, daß Bullerjahn nähere Angaben über diese Dinge macht. Für die Erörterung dieser Dinge wird aus Antrag des Reichsanwalts die O e s s e n t l i ch- k e i t wegen Gefährdung der Staatssicherheit ausgeschlossen. Gcharsmacherei in der BVG. 2500 Maßregelungen— Unzulässige Methoden Großen Tchouspielhaus ab, so kann man wobl sagen, daß sich sür die organisierten Theater- arbeite? der Beitrag zur Organisation wieder ein- mal gelohnt hat, Hossentlich dient der Ersolg des Gesamtverbandes den noch unorganisierten Theaterarbeitern als Ansporn, ihrer Gewcrkschafts- Pflicht nun endlich nachzukommen. Die Direktion der BVG. teilt mit, daß sie 250(1 Mann von den Streikenden nicht wieder einstellen werde. Diese Mitteilung bekommt ihre ganze Schärfe. wenn man sich erinnert, daß gegenwärtig der Ar- beitsmarkt für absehbare Zeit keine Aussicht bietet, anderweitig in Arbeit zu kommen. Es wird der Direktion der BVG. nicht möglich sein, nachzuweisen, daß es sich bei diesen 2500 Gemaßregelten nur um solche Personen handelt. die Sabotageakte getrieben haben oder gegen das arbeitende oder sich zur Arbeit meldende Personal tätlich vorgegangen sind. Die Direktion der BVG. muh wissen, daß sie gegen die eigentlichen Urheber des Streiks nicht vorgehen kann, denn diese befinden sich außerhalb der Reihen des Personals der BVG. Wenn man jemals be- rechtigt war. von einer Streikmache zu reden, so gewiß bei dem Verkehrsstreik. Die Opfer dieser Streikmache sind die Arbeiter und Ange- stellten der BVG. Unter diesen Opfern hat die Direktion der BVG.— nach welchen Grundsätzen? — 2500 ausgewählt, um sie in die Verzweiflung zu stoßen. Ein derartiges Vorgehen schafft nicht Beruhigung, sondern Empörung. Darüber ist sich wohl heute jeder klar, daß es nie zum Streik gekommen wäre, wenn die Direktion der BVG. in der Frage der Geltungsdauer des Lohntarifs und in der Frage der V c r- längerung des Manteltarifs sich anders eingestellt haben würde. Die challung der Direktion hat den politischen Drahtziehern in der Äommunistischen und in der Nationalsozialistischen Partei den Boden für ihre Agitation bereitet. Es ist unerträglich, daß ein öffentlicher Betrieb der Stadt Berlin von solchen scharfmacherischen Gesichtspunkten aus geleitet wird. Die Gewerk- schaften, die sich mit ebenso großer Entichiedenhei! der Interessen des Personals der BVG. angc nommen haben, wie sich der politischen Streikmache widersetzten, werden es auf keinen Fall ruhig hin- nehmen, daß die Direktion der BVG. die eigene Schuld in vergesienheil zu bringen sucht, indem sie massenweise die Opfer zu Schuldigen stempelt. Gegen diese Methode legen wir schärf st e Ver- Währung ein. Wie sehr dieser ganze Streik nur eine politische Angelegenheit war. die ohne das zufällige Zusammentreffen mit den Wahlen überhaupt nicht aufgekommen wäre, das haben nicht nur die Vorgänge unmittelbar vor Ausbruch und während des Streiks gezeigt, das tritt auch in geradezu grotesker Weise nach seinem Zusammen- bruch in Erscheinung. Genau so wie während des Streits die ch u g e n- berg-Presse in Uebereinstimmung mit der kommunistischen und der nationalsozialistischen Presse zu wahlpolitischen Zwecken mit der Lüge hausiere» ging, die BVG. stehe unter sozialdemo- kratischer Leitung, fährt sie auch heule noch fort, diese Lüge ihren Lesern aufzutischen. Der„Lokal- Anzeiger" der doch wissen muß, welche Rolle Herr Zangemeister, Direktor der BVG. und pro- ininentcs Mitglied der Deutschnationalen Volks- Partei, innerhalb dieser Partei spielt, der wissen muß. daß die anderen beiden aktiven Vorstandsmitglieder der BVG., Herr Lütlke und Herr Quarg, gleichfalls Deutschnationale sind, spricht auch heute noch von der„sozialdemokratischen Leitung der BVG". Selbst dieses reaktionäre Blatt findet die Politik der deutschnationalen Direktoren der BVG. so unerträglich, daß es diese Politik— in den Augen des„Lokal-Anzeigers" der größte Schimpf— als sozialdemokratisch brand- markt. Gerade diese politische Zwecklüge des Hugenberg-Bl-attes zeigt am besten, wie u n e r- träglich die Methoden der deutschnationalen Direktion der BVG. sind. Diese Direktoren haben ein gerütteltes Maß ron Schuld an dem Ausbruch des Streiks. Es kann unmöglich geduldet werden, daß das Personal der BVG.— Opfer des Zusammenspiels dieser Scharfmacherpolitik und der politischen Wahlmache der Nazis und der Kommunisten— jetzt hilflos diesen Direktoren ausgeliefert wird. Der Amtsschimmel Er kommt langsam in Trab Wie wir zu unserer Notiz über die Aus- dehnung der Krisenfür sorge auf tschechoslowakische Staatsangehörige erfahren, ist jetzt endlich eine Anweisung des Reichsarbeits- Ministers ergangen, tschechoslowakischen Staats- angehörigen, die die notwendigen Voraussetzungen erfülle», rückwirkend bis zum l. Oktober die Krisenfürsorge zu gewähren. Wir wollen hoffen. daß die Arbeitsämter nunmehr auch die ent- sprechende Dienstanweisung erhalten. Streik gegen papenlöhne Die Belegschaft der P o r z e l l a n f a b r i k Kahla A.-G. in Kahla(Thüringen), die etwa 000 Arbeitskräfte umfaßt, ist am Montag in den Streik getreten. Die Direktion wollte den Notverordnungsloh nabbau vornehmen. Den Beschäftigten blieb keine andere Möglichkeit der Abwehr, denn die Firmenleitung zeigte kein Entgegenkommen. Vor einigen Monaten mußte die Belegschaft be- reits Stückpreiskürzungcn auf sich nehmen. Trotzdem tat sie alles, um den Betrieb über bestehende Schwierigkeiten hinwegzuhelfen. Jetzt aber ist das Maß voll. Der Streik droht auch auf andere Konzernwerke überzugreifen. Revolutionäre Dressur Kommunistische Landagitation Der kommunistische„Einheitsoerband der Land- und Forstarbeiter" schimpft dauernd auf die „Verräter" des Deutschen Landarbeiterverbandes. Die Führer des Deutschen Landarbeiterverbondes sind demnach schuld, daß die Entlohnung der Landarbeiter so niedrig ist. Wie aber steht es mit der„Gcwerkschafts- bürokratie" dieses kommunistischen Einheit?- Verbandes? Dafür rmr ein Beispiel: Die Landarbeiter im Betriebe des Gutsbesitzers H. in S ch ö n w i e fe bei G u t t st a d t in Ostpreußen sind restlos in diesem kommunisti- schen Landarbeiterverband organisiert. Das hinderte H. nicht, den Hofgängern nur 30 M. Lohn für den Monat zu zahlen anstatt 39 M, wie es der Tarifvertrag vorsieht Wäre der kommunistische Landarbeilerverband die wirk- same Interessenvertretung der Landarbeiter, für die er sich immer ausgibt, dann müßte er unoer- züglich gegen das Vorgehen des genannten Besitzers einschreiten. Bis jetzt haben die Land- arbeiter des Gutes Schönwiese zu ihrem nicht geringen Erstaunen von der Ersüllung dieser selbstverständlichen Pflicht jedoch noch nichts gemerkt. Der kommunistische Landarbeiter- verband tur so, als existierte er nicht Das veranlaßte den zuständigen Angestellten des Deutschen Landarbeiterverbandes, sich des Falles anzunehmen. Er erschien auf dem Gute und forderte die Landarbeiter auf, sich den Lohn- abbau nicht widerspruchslos gefallen zu lassen, sondern Klage zu erheben. Dabei stellte sich heraus, daß der kommunistische Landarbeiter- verband die Landarbeiter nicht einmal darüber unierrichtet hatte, welchen Lohn sie zu fordern haben. Die Bemühungen des Angestellten des Deut- schen Landarbeiterverbandes waren jedoch oergeb- sich. Ein treues Schäflein nach dem anderen des sich so revolutionär gebärdenden kommunistischen Landarbeiterverbandes erklärte, nicht den Mut zu haben zu einem Vorgehen gegen den Besitzer H. Sie sind eben nur dressiert. Sozial- dcniokroten als„feige Verräter" zu beschimpfen. Im Gastwirtsgewerbe Donnerstag Tarikverhandlungen Trotz noch bestehender Verkehrsschwierigkeiten und trog kurzfristiger Einladung war die General- Versammlung des Z�oeigvereins Berlin im Zen- tralverband der Hotel-, Restaurant- und Cafe- angestellten am Montagnachmittag im„Hackeschen Hos" gut besucht.„Geschäftsbericht vom 3. Quor- tal" lautete die Tagesordnung: die Delegierten erwarteten aber wohl mit Recht, im Anschluß an den Geschäftsbericht etwas von den schwebenden Tarisoerhandlungen zu hören, obgleich diese natürlich bereits ins 4. Quartal fallen. Die Erwartungen der Delegierten wurden denn auch nicht enttäuscht. Es genügt, hier zu be- merken, daß die Forderungen der Unternehmer derart waren, daß an eine freie Vereinbarung gor nicht zu denken war: es war nur möglich, den am 31 Oktober abgelaufenen Tarifvertrag bis zum 19. November zu verlängern. Donners- tag wird vor dem Schlichtungsaus schuß verhandelt. Aus dem Geschäftsbericht, der vom Ber- lmer Vorsitzenden, Genossen Schneider, vor- getragen wurde, muß erwähnt werden, daß die bekannten Vorgänge bei der Firma K e m- p i n s k i, die sich in der Berichtszeit abgespielt hatten, den Beweis erbracht haben, daß der Zen- tralverband trotz wirtschaftlicher Krise und trotz RGO. bei geschickter Verhandlungstaktik durchaus in der Lage ist, die Interessen der Angestellten wahrzunehmen. Aus dem erfolgreichen Verlauf dieser und anderer Bewegungen darf aber nicht der Schluß gezogen werden, daß es der Vorstand „schon richtig machen wird", sondern er kann und wird das Vertrauen der Mitgliedschaft nur dann mit gutem Gewissen ausnützen können, wenn diese ihre Wünsche und Beschwerden in den dafür vor- gesehenen Branchen- und Generalversammlungen vorbringt. Es wird also in der nächsten Zeit die engste Zusammenarbeit zwischen ehrenamtliche» und besoldeten Funktionären erforderlich sein, um der Gesamtmitgliedschaft gegenüber diejenigen Be- schlüsfe vertreten zu können, die vielleicht einmal sehr rasch gefaßt werden müssen. siebenproz entiger Lohnabbau zu- gemutet. Die Funktionäre hatten ihre Zustim- mung zu dem Schiedsspruch davon abhängig ge- macht, daß der G e s a m t v e r b a n d mit den Leitungen der großen Theater nochmals verhan- dclt, und zwar mit dem Ziel, die altenLöhne zu halten. Auf Grund dieses Beschlusses wurden zunächst mit den Direktionen der Volksbühne und der Rotter- Bühnen Verhandlungen geführt mit dem Ergebnis, daß diese'Bühnenleitungen sich verpflichteten, die alten Löhne bis zum 3 0. April weiterzuzahlen. Ebenso er- klärten sie sich zur Weiterzahlung der übertarif- lichen Zulagen bereit, die bisher nicht nur bei der Volksbühne und den Rotter-Bühnen, sondern auch noch bei einigen anderen privaten Theatern gezahlt wurden in einer Höhe bis zu 13 Proz. über dem Tariflohn. Mit den Direktionen des Deutschen Theaters und des Großen Schauspielhauses gestalteten sich die Ver- Handlungen schwieriger. Die Direktion de« Deut- schen Theaters hat sich schließlich auch bereit er- klärt, die alten Löhne bis zum 31. De- zember d. I. weiterzuzahlen. Noch nicht abgeschlossen sind die Verhandlungen mit der Direktion des Großen Schauspiel- Hauses, so daß in diesem Unternehmen nach wie vor die Möglichkeit eines A u s st a n d e s der Bühnenarbeiter besteht. Die Direktion dieses Theaters scheint über die Stimmung in ihrer Arbeiterschaft schlecht unterrichtet zu sein. Es wäre bedauerlich, wenn sie über den Ernst der Situation erst durch einen offenen Konflikt Kenmnis erlangen würde. Sieht man von dem noch schwebenden Streit im Betriebsunsäste .Am schwarzen Brett Der Betriebsrat beim Telegraphenban- amt III hatte festgestellt, daß in diesem Betriebe im Lause eines Zahres 94 Unfälle vorgekommen sind, bei denen Arbeiter teils leichte, teils schwere Verletzungen erlitten haben. Der Betriebsrat machte eine Aufttellung, worin die Unfälle nach der Art der Verletzungen zusammen- gestellt waren, und beschloß, diese Ausstellung nebst einigen einleitenden Worten durch An- schlag am schwarzen Brett der Beleg- schafl bekanntzugeben. Die Verwaltung des Tele- graphenbauamts untersagte den Anschlag. Nach Der Betriebsrat klagte beim Arbeits- gericht, um die Anbringung seines Anschlags durchzusetzen. Der Betriebsratsvorsitzende führte aus, es solle ja der Verwaltung nicht der Vorwurf gemacht werden, daß sie alle Unfälle verschuldet habe, aber in einer Reihe von Fällen habe es doch an den vorgeschriebenen Ver- hütungsmaßnohmen gefehlt. Der Betriebsrat war mit dieser Aenderung einverstanden, der Vertreter des Tele- graphenbauamts jedoch nicht. Er wollte das Wort „viele" durch„manche" ersetzt haben, denn er könne nicht zugeben, daß viele Unfälle nicht aui Verschulden der Arbeiter zurückzuführen seien. Das Gericht beschloß, die beklagte V e r w a l- tung sei verpflichtet, den Betriebsrat feine Bekanntmachung in der vorgeschlagenen Form(mit dem Wort„viele") anschlagen zu lassen. Buchdrucker wählen �lur freigewerkschaftlich Am Montag wurden in den Bezirksversamm- lungen der Berliner Buchdrucker die Delegier- ten zu den Generalversammlungen für das Jahr 1933 in Vorschlag gebracht. In füni von elf Bezirken gellen die Kandidaten der frei- gewerkschaftlichen Richtung bereits als gewählt, da Gegenlisten nicht aufgestellt wur- den oder nicht die notwendige Unterstützung san- den. Gewählt sind unsere Anhänger im 1., 2., 6., 9. und 11. Bezirk. In den restlichen sechs Bezirken sind k o m m u- n i st i s ch e K e g e n l i st e n zum Teil mit sehr knapper Unterstützung aufgestellt worden, so daß in diesen Bezirken im nächsten Monat eine Wahl zwischen sreigewerkschaftlichen und„oppositionellen" Kandidaten erfolgen muß. Wie nicht anders zu erwarten war, benutzten die K o m m u n i st e n auch die Mitgliederoer- sammlungen der Buchdrucker zur Diskussion i:b»r den Berliner V e r k e h r s st r e i k. um ihn-- allerdings vergeblich— für ihre politischen Ziele auszuschlachten. Ueberall traten unsere Redner den Kommunisten energisch und erfolgreich ent- gegen, wobei sie besonders auf die verwerfliche Verbrüderung der Kommunisten mit den Nazis hinwiesen. Gelbstverwaltung �lach autoritärer Art Bühnenarbeiter Erfolg Konflikt im Großen Schauspielhaus Wir berichteten über den Schiedsspruch, der sür die Bü h n e n a r b e i t e r in den Ber- liner privaten Theatern kürzlich gefällt worden ist. Dem technischen Bühnenpersonal, das ebenso wie die übrige Arbeiterschaft schon erhebliche Lohn- opfer gebracht hat, wurde in dem Schiedsspruch außer einigen Verschlechterungen der Bestim- mungen des Manteltarifoertrages ein Eine der tollsten Leistungen der auf diesem Gebiet recht produktiven Regierung Papen war die Behandlung der Selbstvewaltung der A n g e st e l l t e n o e r s i ch e r u n g in der Ver- ordnung zur Ergänzung von sozialen Leistungen. Der Verwaltungsrat hatte im August den ein- st i m m i g e n Beschluß gefaßt, auf Grund seiner Kompetenz aus der 5. Notoerordnung die 18- Jahr-Grenze für Kinderzuschüsse und Waisenrenten wieder einzuführen und eine Elternrente neu zu schaffen. Das Reichs- arbeitsministerium hat sich beinahe drei Monate besonnen und dann die Entdeckung gemacht, daß der Verwaltungsral zu diesem Beschluß, der nicht ohne Wissen des Ministeriums gefaßt worden ist, gar nicht befugl war, weil— der Vorschrift der Notverordnung die A u s f ü h r u n g s b e st i m> mungen fehlten! Daher enthält die Ver- ordnung mit dem merkwürdigen Titel'„Ergän- zung von sozialen Leistungen" nicht etwa die Ge- nehmigung des Verwaltungsratsbeschlusses, son- der» acht Paragraphen Ausführungsbestim- mungen. Der Deuischnalionale Handlungsgehilsenoerband hatte in lächerlicher Verkennung der wirklichen Situation von der Bestimmung der 5. Notver- ordnung an den Beginn„echter" Selbstverwal- tung in der Angestelltenversicherung datiert. Er wird das Datum dieses Beginns hinausschieben müssen, zum mindesten bis zum 19. Oktober 1932. dem Tag der„Ergänzungsverordnung", in der die Regierung der Selbstverwaltung gestattet hat, mit der„echten" Selbstverwaltung anzufangen. Man konnte angesichts dieses gesetzgeberischen Unfugs aber wenigstens noch die Hoffnung haben. daß nun nachträglich der einstimmige Beschluß des Verwaltungsrats vom August zum satzungs- mäßigen Beschluß im Sinne der Ergänzung?- Verordnung erklärt werden könnte. Aber nicht einmal soweit geht nach dem Willen der Regie- rung die„echte" Selbstverwaltung in der Ange- slelltenversicherung. Das Ministerium hat es a b- gelehnt, die Beschlußfassung vom 2. August 1932 als eine solche vom Gesetz geforderte Satzung anzusehen Es verlangt, daß der Verwaltungsral noch einmal zusammentritt und seine„Selbst- Verwaltung" nach den Vorschriften der Reichs- regierung exerziert. Wenn das dann nach dem Exerzierreglement geschehen ist und dem Mini- sterium sonst weiter keine Klagen über das Wohl- verhalten der Verwaltungsratsmitglieder zu Ohren kommen, dann wird der Herr Minister sich freundlichst überlegen, welche der noch einmal gefaßten Beschlüsse der— verzeihen Sie das harte Wort— Selbstverwaltung er gütigst ge- nehmigen wird. Hierzu'2 Beilagen monallich tili Zustellung ins Huusl Äustall der Liefeiung wegen Wort 20 Pi.. jedes weitere Lindenstr. Z. wochenleigllch Steiner: Feuilleton: Serbert Berlin EW. 68, Lindenstr. 8, E R SIE B E I LAG E MITTWOCH, 9. NOV. 1932 „Unsere Haupt- und Residenzstadt" Auch eine Erinnerung zum 9. November Das fabinetl der Barone kämpf! für die Reaktion. D'e Berliner haben am lehten Sonntag gezeigt, dah sie gegen die Reaktion sind. Zm„vorwärts" wurde veröffentlicht, was der frühere Kronprinz erstrebt, wir wollen heute als geeigneten Beilrag zum 9. Rovember de» Berlinern berichten, was einst, unter der Monarchie, in ihrer Stadt geschah. Sie mögen dann selbst urte'len, ob sie eine Rückkehr dieser Zustände wünschen oder nicht. Vor rund 24 Iahren erschien diese„Ver- ondnung wegen Einberufung des Landtags ver Monarchie vom 2. Oktober 1908":„Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preuhe» usw., verordnen gemäß Artikel 51 der Verfassungs- urkunde vom 31. Januar 1830 aus den Antrag des Staatsministeriums, was solgt: Die beiden Häuser des Landtaes oer Monarchie, das Herren- haus und das Haus der Abgeordneten, werden auf den 20. Oktober 1908 in Unsere Haupt- und Residenzstadt Berlin zusammenberufen. Urkund- lich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrist und beigedrucktem Königlichen Insiegel. Gegeben Jagdhaus Rominten, den 2. Oktober 1908.(Siegel) Wilhelm. Fürst von Bülow. von Bethmann-Holl- weg. von Tirpih. Freiherr von Rheinbaben. von Zlrnim. von Moltke.(Folgen Namen.)" Wenn man mit den Namen— bis auf die Adelsprädikate, die davor stehen—„Venvechselt das Bäumchen" spielt, könnte diese Verordnung beinahe auch von der Regierune des Herrn von Papen. gegengezeichnet sein. Was aber dann nach dem„stenographischen Bericht über die Berhand- lungcn des Preußischen Hauses der Abgeordneten in der 21. Legislaturperiode der zweiten Session 1908/09" in Berlin geschah, das ist trotz der Sehn- süchte aller Potsdämlichen heute doch nicht mög- lich. Lassen wir den Bericht über die„Eröfsnungs- sitzung der vereinigten beiden Häuser des Land- tacs im Weißen Saale des Königlichen Schlosses zu Berlin, Dienstag, den 20. Oktober 1908", sprechen. Es heißt da:...„Seine Majestät der Kaiser und König und die hier anwesenden Prinzen des Königliche» Hauses wohnten dem Gottesdienst in der Schloßkapellc bei und nahmen mit den Obersten Hoschargen dem Altar gegenüber Platz. Rechts vom Altar waren die Staatsminister und das Allerhöchste und Höchste Gefolge, links von dem Altar die Generale, die Wirklichen Geh. Räte so- wie die Räte erster und zweiter Klasse mit den Obersten und Regimentskommandeuren plaziert. Die Plätze rechts von Seiner Majestät hatten die Mitglieder des Herrenhauses, diejenigen links und rückwärts(! Red.) von Seiner Majestät die Mitglieder des Hauses der Abgeordneten einge- nommen. Nach dem einleitenden Gesang und der Liturgie hielt der Oberhofprediger O, Dryander die Predigt, welcher die Worte der heilige» Schritt (die heilige Schrift wird klein geschrieben! Red.) in Psalm 20 Vers 0:„Wir rühmen, daß Du uns hilsst, und in Deinem Namen werfen wir Panier aus", zugrunde gelegt waren. Nach beendigtem Gottesdienst begaben sich Seine Majestät in Be- gleitung der Prinzen des Königlichen Hauses nach der Roten Sammetkammer, die Minister nach dem Marinesalon. Im Weißen Saale versammelten sich unterdessen die Mitglieder beider Häuser des Landtags und die anderen Eingeladenen. Erstere nahmen in der Mitte des Saales dem Throne gegenüber, letztere auf der Lustgartenjeite in den Nischen unter der Tribüne aus der Kapellenseite Ausstellung. Sobald die Ausstellung im Weißen Saale beendet war, erschienen die Mitglieder des Staatsministeriums unter Vorantritt des Präsidenten des Staatsministeriums, Reichskanzlers Fürsten von Bülow, und ordneten sich links vom Thron. Der Präsident des Staatsministeriums machte nunmehr Seiner Majestät dem Kaiser und König die Meldung, daß alles für die Eröffnung bereit sei. Allerhöchstdieselben erschienen daraus in Begleitung Ihrer Königlichen Hoheiten, der Prinzen, im Weißen Saale, und nahmen, mit dreimaligem, lebhastem, van dem bisherigen Prä- sidenten des Herrenhauses, Freiherrn von Man- teunel, ausgebrachtem Hoch von der Versammlung empfangen, vor dem Thron Stellung, während Ihre Königlichen.Hoheiten die Prinzen zur Rech- ten desselben sich aufstellten. Seine Majestät geruhten daraus, aus der Hand des Präsi- Kenten des Staatsministeriums die Thronrede ent- gegenzunehmen und sodann, das Haupt mi! dem Helm bedeckt, wie folgt zu verlesen: „Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtags! Ein Jahrhundert ist ver- rönnen, seit Mein in Gott ruhender Vorfahr, Wei- land König Friedrich Wilhelm III...." Es geht weiter:„Sobald die Verlesung der Thronrede beendet war, trat der Präsident des Staatsministeriums wiederum vor und erklärte auf Allerhöchsten Befehl Seiner Majestät des Königs den Landtag der Monarchie für eröffnet. Seine Majestät der Kaiser und König verließen hierauf unter dreimaligem Hoch, welches der bis- herige Präsident des Hauses der Abgeordneten, von.Kröcher, ausbrachte und in das die Ver- sammlung lebhast einstimmte, in Begleitung Ihrer Königlichen Hoheiten der Prinzen, huldvoll nach allen Seiten grüßend, den Weißen Saal." Zwei Stunden später eröffnete dann im La» d- tagsgebäude in der Prinz-Al brecht- Straße Herr von Kröcher die erste Sitzung mit diesen Worten:„Als Präsident der vorigen Session eröffne ich die Sitzung und bitte Sie, mit mir«inzustimmen in den Ruf:„Seine Majestät der Kaiser, unser Allergnädigster König und Herr, Er lebe hoch! Und nochmals hoch! Und aber- mals hoch!(Das Haus hat sich erhoben und stimmt begeistert in den dreimaligen Hochruf ein.) Von Kröcher fuhr fort:„Meine Herren, das Haus wird den Wunsch haben, aus Anlaß des 30. Geburtssestes der Kaiserin und der an dem- selben Tage stattsindenden Vermählung des Prin zen August Wilhelm von Preußen Ihren Mose- stäten dem Kaiser und der Kaiserin sowie oem Prinzen August Wilhelm und der Prinzessin Braut Glück- und Segenswünsche darzubringen. Ich erbitte Ihre Ermächtigung, zunächst in geeigneter Weise festzustellen, wann und in welcher Form die Herrschasten diese Glückwünsche ent- gegennehmen wollen." Und hinter dieser Bauch- kriecherei steht im stenographischen Bericht oas Wort: Bravo! Bei dem Prinzen, der heute als Prinz Auw! der Reklame-Hohenzoller der Nazis ist, haben die Glück- und Segenswünsche freilich nicht geholfen. Er ist inzwischen von der„Prinzessin Braut" schon lange wieder geschieden. Aber wir haben es jetzt, 1932, erlebt, daß eine gleiche Fürstenoienerei bei der Prinzenhochzeit in Koburg sich ereignete. Da sahen wir auf Photographien die Pg. des Auwi, wie sie in strammer Haltung, bezahlte Lakaien/ die sie sind, am Zlutoschlag irgendeiner„Königlichen Hoheit" standen und mit zusamnrengerisse nen Knochen Männchen machten. Es ist der 9. November. Die Vergangenheit mahnt. Ein Dokument aus der Zeil, da oie Byzantiner mit und ohne Adelsprädikat vor Majestäten und königlichen Hoheiten Kotau machten, muß dem Berliner sagen: Das ist endgültig vorbei! Das Dreiklassenwahlrecht des Wilhelminismus machte solche schändlichen Zustände, machte diese Anbetung der Allerhöchsten in„Unserer Haupt- und Residenzstadt" möglich. Am Gedenktag des 9. November aber sagt der Berliner: Nie wieder! Verkehrsstreik vor Gondergencht Zwei vertagte Verhandlungen Der Verkehrs st reik sindet nun sein I u st i z n a ch s p i e l vor dem Sondergericht. Im Laufe dieser Woche werden täglich Sitzungen ab- gehalten, um abzuurteilen über diejenigen, die sich zu strafbaren Handlungen hinreißen ließen. Aus „Transportgefährdung" steht als M i n d e st- strafe ein Jahr Zuchthaus! Nur beim Versuch kann auf Gefängnis erkannt werden. Zwei solcher Transportgefährdungen, begangen am 4. November, standen bereits gestern zur Ver- Handlung. Im ersten Falle hatten sich zwei Tief- b a u a r b e i t e r, der 33jährige Weidemüller und der 23jährige G r ö n e r zu verantworten. Beide sind seit vielen Monaten arbeitslos. Im anderen Falle war der 22jährige Arbeitslose Schramm angeklagt. Gegen 3 Uhr morgens hatten in der Greifswalder Straße zwei Schupoleute be- obachtet, wie sich zwei Männer an den Straßen- bahnschienen zu schassen machten. Zuerst bückten sie sich, dann trampelten sie aus den Schienen herum. Die Beamten riesen„Stehenbleiben", der ältere Mann leistet« der Aussorderung Folge, der jüngere lief davon, der Beamte rief:„Halt, ich schieße", und gab einige Schreckschüsse obz der Flüchtling lief aber weiter und wurde eingeholt Ein dritter Mann, der Schmiere gestanden haben soll, konnte fliehen. Der ältere Mann hatte in der Tasche Mosaiksteine. Etwa zehn solcher Steine befanden sich in der Straßenrinne, zum Teil fest eingeklemmt. In der gestrigen Verhandlung bestritt der A e l t e r e von beiden die Absicht der Transport- gefährdung. Er habe aus Solidaritätsgesüh! mit den streikenden Straßenbahnern bloß den Ver- kehr erschwere» und die Wagen zum Stoppen bringen wollen. Er habe eben erst mit dem Hin- einlegen der Steine in die Schienen begonnen, als er festgenommen worden sei. Der Jüngere be- hauptete, sich nur gebückt zu haben, weil es der Aeltere getan habe� er habe diesen zufällig in der Greifswalder Straße getroffen. Rechtsanwalt Dr. Beck-Wardan bezweifelte, ob in diesem Falle überhaupt eine Transportgefährdung vorliege, und beantragte die Ladung eines Sachverständigen. Das Gericht gab diesem Antrag statt und setzte die Verhandlung bis Freitag aus. Der zweite Fall passierte in Treptow. Ein Polizeiwachtmeister stieß gegen 3 Uhr nachmittags auf einen jungen Menschen, als dieser zu einem Haufen Pflastersteine, der quer über die Schienen gelegt war, einen weiteren Stein hinzufügte. Der junge Mensch flüchtete in ein Lokal, wurde hier gestellt und war geständig. In der Verhandlung erklärte auch er, an eine Transportgefährdung nicht im mindesten gedacht zu haben. Dieses fei am hellichten Tag bei einem 70 Zentimeter hohen Steinhaufen auch gar nicht möglich gewesen, da der Führer die Steine sofort gesehen und den Wagen gebremst hätte. Da der Steinhaufen sich in der Nähe einer Haltestelle befunden habe, so wäre der Wagen ohnehin langsam gefahren. Der Staatsanwalt beantragte in diesem Falle wegen versuchter Transportgefährdung sechs Mo- nate Zuchthaus, die in eine Gefängnisstrafe von neun Monaten umzuwandeln märe. Rechtsanwalt Dr. Beck-Wardan beaniragte Frei- jpruch des Angeklagten, da nach Lage der Dinge eine Transportgefährdung überhaupt nicht beab- sichtigt sein konnte, also auch ein Versuch nicht vorläge. Nach fast einstllndiger Beratung beschloß das Gericht, auch in diesem Falle einen Sach- verständigen zu hören, Oie Verhandlung wurde bis Montag ausgesetzt. Die Vorsicht, mit der das Gericht zu Werke geht, ist zu begrüßen. Heute stehen mehrere Fälle von Transportgefährdung zur Aburteilung, in denen es sich um S t e i n w ü r f e in die Straßen- Achtung! Hörer! Heute abend einschalten auk Hilversum! Heute abend ttt.tt) Uhr sprirlzt Genoffc Paul Löbc über den hottändisrhen«ender Hilversum auf Welle L!»t! über das Thema Oer 9. November und die Arbeiterschait. Ter Rundfunttommissar 5«Holz hat v e r b o t cn, das: lKcnosse Paul Löbc am tt.?iovember auf deutschen Sendern über den i>.?iovcmber redet. Reichsinnen- minister(Kahl hat auch auf die Peschwerdc des Sozialistischen Kulturbundes hin das Verbot aufrechterhalten. Es bleibt also dabei, das: der Arbeiterschaft das Recht auf den Rundfunk ver- weigert wird, während die Reaktion ihn fortgesetzt für ihre Zwecke miß- brauchen darf. Tie werktätigen Hörer werden es daher begrüßen, daß der Vortrag Löbes auf dem Wege über den Arbeiters ende r in Hilversum gehalten wird, und sie iverden als Protest gegen die reaktionäre Haltung der deutschen Rundfunkstellen heute abend einmütig Hilversu m— Welle— einschalten? bohnwagen handelt. Auch das soll Transportgefährdung im Sinne Des Gesetzes sein und würde mit einen: Jahr Zuchthaus geahndet Daß das Gericht vor einer solchen erschwerenden Fest- stellung eine genaue Prüfung des Sachverhalts vornimmt, ist trotz des Schnellverfahrens sehr not- wendig. Ilugkalastrvphe 13 OHiziere getötet wie die paraguayanijche Oberste Heeresleitung mitteilt, ist im Gran C h a c o ein dreimotoriges bolivianisches Rlililärflugzeug abgestürzt. Dreizehn Offiziere, darunter drei Generäte. fanden dabei den Tod. Die Vorfälle im Humboldchain 3itt1ic:k�eitsvert>recken an Schulkindern Der Zeugenraum im ersten Stock des neuen kriminatgerichlsgebäudes neben dem Verhandlungssaal 413 ähnelte einer Schulklasse. 20 Mädchen im Alter von 12 bis 14 Jahren waren erschienen. um gegen süns Männer auszusagen, die sich an ihnen vergangen hatten. Die Vorfälle im chumboldthain. um die es sich handelt, haben seinerzeit ungeheures Aufsehen er- regt. Man sprach in übertriebener Weise von „Kinderprostitution". Was aber damals die Oeffentlichkeit mit Entsetzen vernahm, war nichts im Vergleich mit dem, was man jetzt im Gerichts- saal zu hören bekam. Die Verhandlung wurde zu einer ungeheuren Anklage gegen eine Gesell- schastsordnung, die derartiges möglich werden läßt. Man stelle sich vor: Aus der Anklagebank fünf Männer im Alter von 63, S8, 54, 48 und 35 Jahren. Die ersten drei vielfach mit Zuchthaus vorbestrafte Sittlichkeitsverbrecher. Zmmer wieder fielen ihnen kleine Mädchen zum Opfer. Man fand aber für diese Menschen keine andere cheilungsmöglichkeit von ihrem unheilvollen Trieb als— das Zuchthaus. Und hatten sie ihre Straf« verbüßt, so wurden sie wieder auf ihre kleinen Opfer losgelassen. So konnten sie jahrelang im Humboldthain ihr Unwesen treiben. Eine gewisse Herta Hecht, die die Zuführcrrolle spielte, ist flüchtig. Im Humboldthain sprach es sich aber Großfeuer im Eckhaus 50 Lriektauiien verbrannt Durch ein verheerendes Grohseuer wurde am Dienstogmorgen der gesamte Dachstuhl des langgestreckten Eckhauses Brückenftrahe 13 und Rungestraße in Serlin SO. eingeäschert. 50 werlvolle Brieftauben, die aus einem Bodenverschlag untergebracht waren, verbrannten. Die Feuerwehr war mit einen« großen Ausgebot von Löschzügen unter der Leitung des Oberbaurates Meuhner und des Oberbrand- meisters höpfner von der wache Luisenstadt an der Brandstelle beschäftigt. Der Brand wurde gegen 3 Uhr bemerkt, als aus den Bodenluken bereits meterlange Flammen hervorschlugen. Als die alarmierten Löschzüge an der Brückenstraße Antrafen, brannte der gesamt« Dachstuhl lichterloh. Ueber zwei- mechanische Leitern und von den Ngchbardächern aus wurden aus sechs Schlauchleitungen gewaltige Wasser- mengen in das Flammenmeer geschleudert. Trotz aller Bemühungen der Feuerwehr konnte von dem Dachstuhl nichts mehr gerettet werden. Be- sonders groß ist der Wasserschaden in den Woh- nungen der vierten und dritten Etage Von der Kriminalpolizei ist eine Untersuchung über die Entstehungsursache des Großfeuers ein- geleitet worden. Die Nachforschungen sind aber ergebnislos geblieben, da durch die Gewalt des Brandes alle Spuren restlos vernichtet wurden. Es wird Brand st iftung vermutet. Brandstifter am Werk Durch einen Zufall ist gestern nachinitlag im Hause Kaiser-Friedrich-Straße 33 in Eharlottenburg ein Dachstuhlbrand, der von verbrecherischen Händen angelegt worden war, rechtzeitig entdeckt und im Keime erstickt worden. Gegen 15 Uhr beinerkten Hausbewohner der oberen Stockwerke auf dem Treppenflur Brandgeruch. Als kurz darauf aus der Boden- tür stickiger Qualm hervordrang, wurde die Char- lottenburger Feuerwehr alarmiert. Der Löschzug traf gerade noch rechtzeitig genug ein, um die Flammen, die sich bereits auf mehrere Boden- kammern ausgebreitet hatten, schnell einzu- dämmen und zu löschen. Bei der Untersuchung wurde einwandfrei Brandstiftung festgestellt. Der oder die Täter hatten Papier und Lumpen auf- gehäuft und mit einer leichtbrennbaren Flüssigkeit, vermutlich Benzin, Übergossen. Es wurde eine Flasche gefunden, die noch einen winzigen Rest Benzin erhielt. Die Kriminalpolizei hat die wei- teren Ermittelungen ausgenominen. Nie Villa in Wannsee Lcblnpfwinkel einer Betrügerfamilie Seltsame Gäste beherbergte vier Wochen hin- durch eine Villa in der Hohenzollernstraße 22 in W a n n s e e. Ein aus Wilna gebürtiger 45 Jahre alter Kommissionär Fritz Simon hatte mit seiner sünsköpfigen Fainilie das Haus gemietet und ist jetzt nach Hinterlassung einer großen Schulden- summe geflüchtet. Gegen Simon ist Betrugs- anzeige erstattet worden. . Die Villa in der Hohenzollernstraße in Wannsee war schon seit geraumer Zeit zu vermieten. Sämt- liche Räume waren möbliert. Ansang Oktober d.I. meldete sich bei dem Inhaber des Hauses, einem bekannten Berliner Gaststättenunternehmer, ein angeblicher Holländer und mietete die Villa. Die Familie Simon engagierte eine ganze Anzahl herum. Es gibt da„Oonkels", bei denen man durch kleine Freundlichkeiten einige Groschen und auch noch mehr für Konfekt, Eis und dergleichen sich verdienen kann. Und die Schulkinder, deren Eltern in unmöglichen Wohnungsverhältnissen leben, die gezwungen sind, ihr Liebstes unbeauf- sichtigt auf der Straße sich selbst und den Ge- fahren der Großstadt zu überlassen, fanden Ge- fallen an dem Treiben der Männer. Sie, die Kinder, ließen sich nicht nur von den Männern verführen, sondern spielten selbst die Verführe- rinnen, indem sie den„Onkels" zuwinkten oder ihnen zupfiffen, als Aufforderung, ihnen zu folgen. Kann man sich eine schärfere Anklage gegen diese Gesellschaftsordnung denken! Di« Jugendfürsorge wird aber an allen Ecken und Enden abgebaut, anstatt sie auszubauen bei der großen Not und dem großen Elend, bei der ungeheuren Versuchung, der gerade jene Kinder anheimfallen, deren Eltern ihnen keinen Groschen Taschengeld zustecken können. Und so gingen die bedauernswerten unbeschützten Kinder von Hand zu Hand. Von einem Ange- klagten kamen sie zum andern und waren dem vollkommen sittlichen Verderb preisgegeben. In zwei Fällen sind die Mädchen auch infiziert worden. Wenn man diese kleinen Mädchen in dem Zeugenraum plaudern und spielen sah und dann hört«, wie sie ihre Erlebnisse vor dem Gericht auspackten, wie sie in raffinierter Weise ihr Alter höher angaben, um den Männern den Berkehr mit ihnen weniger gefährlich erscheinen zu lassen — sie hatten davon in Zeitungen gelesen—, so traute man seinen Ohren nicht. Es ist nun aber einmal so. Die Leute, deren Kindheit und Jugend vor Verführung und Versuchung in der guten Kinderstube oeschützt waren, werden von Verwers- lichkeit und Laster reden. Diejenigen aber, die wissen, wie es in den Elendsquartieren des Pro- letariats aussieht, werden aus dieser Verhand- lung nur den einen Schluß ziehen: Der Kamps um die Ausgestaltung der kommunalen und staatlichen Jugendfürsorge muh schärfer und energischer denn je geführt iverden. Das Gericht verurteilte den 63jährigen Artisten, Händler und Tapezierer Eduard Ho fff k e wegen Sittlichkeitsverbrechen an Minderjährigen in elf Fällen zu 4 Jahren Zuchthaus und 5 Iahren Ehrverlust, den 54jährigen Techniker Hilarius Dunkel zu 2 Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust, den 48jährigen Arbeiter Karl K i st- macher zu 3 Jahren Zuchthaus und 5 Iahren Ehrverlust und den 58jährigen Schneider Herinann Rothe unter Zubilligung mildernder Umstände zu 10 Monaten Gefängnis. Ein Angeklagter wurde freigesprochen. So das Gericht! Haben die Verurteilten ihre Freiheit wieder, so beginnt ihr Tretben von neuem. Dieses Mal vielleicht nicht im Humboldt- Hain, sondern auf irgendeinem anderen Kinder- san.melplatz... Hausangestellte, auch einen Hauslehrer für die vier Söhne, die im Alter von 12, 14, 18 und 20 Iahren stehen und machte große Einkäufe, ohne jedoch an eine Bezahlung zu denken. Man trieb einen großen Auswand, erzählte, daß man aus Scheveningen gekommen fei und auch von dort in Kürze das Automobil erwarte, das zur Vervollständigung des Aufwandes noch fehlte. Das Auto kam jedoch nicht. Simon erteilte in- dessen zahlreichen Handwerkern in Wannsee Aufträge verschiedener Art, kaufte einen großen Radioapparat, ohne zu zahlen, gab auch den Hausangestellten kein Geld, und betrog noch eine ganze Anzahl von Lieferanten, die alle um ihr Geld kamen. Ain 1. November verschwanden die Simons aus der Villa: sie hatten sich die Schlüssel des Hauses eingesteckt und verließen es, als wollten sie Ein- käufe machen. Don da fehlt jede Spur von den Leuten. Tragödie im Kanal? Bine junge Deutsche vermißt Eine 22jährige Deutsche, Anneliese Müller, die mit ihrem Faltboot vor kurzem aus Hamburg in Calais eingetroffen war, hat am Freitag Calais in Richtung London oerlassen. Seit ihrer Abfahrt, die heimlich erfolgte, fehlt jede Nachricht von der jungen Deutschen. Der Hasen- kommandant von Calais ist erst durch ein Telegramm aus England, in dem um Auskunft über den Verbleib von Fräulein Müller gebeten wurde, über die Sache unterrichtet worden. wohltätigkeitskonzerl des Symphonie-Orchesters der Schuhpolizei Berlin. Das Symphonie- Orchester der Schutzpolizei Berlin veranstaltet auch in diesem Jahre wieder mehrere Wohltätig- keitskonzerte. Das erste Konzert findet am Frei- tag, 18. November 1S32, 20 Uhr, in der Staat- lichen Hochschule für Musik, Charlottenburg, Fa- sanenstraße I, statt. Der Reinertrag dieses Wohl- tätigkeitskonzerts fließt restlos der Berliner W i n t e r h> l f« zu. Republikanisches Herbftfest Wie alljährlich, findet am Sonnabend, dem 10. November, das Republikanisch« H e r b st f e st des R« i ch s b a n n e r s Schwarz- Rot- Gold Berlin- K r e u z b e r g im Berliner Konzerthaus„Clou", Mauerstr. 82, statt. Die Festansprache hält Reichstagsabgeordneter Kamerad Paul L ö b«. Ein großes Programm sorgt für Unterhaltung. Ende des Feste- morgens 5 Uhr. Karten zum Preise von 0,75 M. nur im Vorverkauf bei den Funktionären und im Gau- büro. Die Maschine im Handwerk Handwerkskammer stellt Gesellenstücke in der Funkhalle aus In der großen Funkhalle ain Kaiserda«nin hat die Berliner Handwerkskammer eine unentgeltlich zu besichtigende Ausstellung von Gesellenprüfungsarbeiten eröffnet, die sehr interessant ist. Abgesehen davon, daß fast alle Berufe vertreten sind, so daß also die Besucher auch die ihnen am nächsten liegenden Arbeiten von Grund auf zu beurteilen verinögen, bietet die Ausstellung so viele wirklich hervorragende Ar- beiten, daß einem uin den Nachwuchs unserer Handwerker nicht bange sein braucht. Gewiß,«vas die Natur dein Jungen nicht mit- gegeben hat— offenen Blick, Ueberlegungs- und gehörige Denkfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Gefühl für die Forin und den Wertstoff— das kann ihm auch die beste Lehre und der beste Meister nichl beibringen. Wo aber gewisse Prüfungsmethoden den zukünftigen Handwerker das für ihn richtige Handwerk fiiiden hatfen, da wird der Junge auch das richtige und für sein späteres Forrrommen nötige erlernen. Dabei soll durchaus festgestellt werden, daß di« so viel gelobte psychisch-technische Prüfung nicht der Weisheit letzter Schluß ist. Die Metallindustrie ist, entsprechend ihrem Ilmfang in Berlin, am stärksten vertreten. Die Gesellenstücke der Werkzeugmacher beweisen einen hohen Grad der Ausbildung und der Ar- beitsmethoden in den einzelnen Betrieben. Wenn dabei die Lehrlingsausbildungswerkstätten der großen und größten Betriebe mit besonders raffinierten und schwierigen Stücken, fast möchte man sagen, paradieren, so liegt das nicht nur an der maschinellen Ausrüstung dieser Werkstätten, sondern auch daran, daß in kleinen„Buden" gar nicht das Bedürfnis nach so komplizierten Werk- stücken besteht. Man sieht die Schnitte und Stanzen, Drehbankteile sTeilköpfe, Supportes und Vorrichtungen, die einem erwachsenen, werk- statterfahrenen Arbeiter alle Ehre machen würden. Selbstverständlich sind die Gesellenstücke unter Zuhilfenahme aller vorhandenen, arbeitsparenden Werkzeugmaschinen, wie Hobel« und Fräs- Maschinen, hergestellt, das ist gut so, denn die Zeiten sind vorbei, wo in einem kleinen Betriebe eine Hobel- oder Chapingmaschine eine Seltenheit war. Nur hat man früher, wo fast alles mit der Hand gefeilt werden mußte, mehr darauf gesehen, daß der Lehrling auch wirklich einen„geraden Strich" feilen lernte, während das jetzt vielleicht nicht mehr so zum Ausdruck kommt. Als der Schreiber dieses lernte, da war bei seinem Lehrmeister das Schmirgelpapier zum Glattinachen einer gefeilten Fläche absolut verpönt. Der „gerade Strich" mußte mit der feineren Feile, der Schlichtfeile, hergestellt sein, solange das Werk- stück sich noch im Rohbau befand. Schmirgelpapier wurde nur zum Polieren gebraucht. Auch die ausstellenden Dreherlehrlinge haben oft zun« Schmirgelpapier ihre Zuflucht genommen, wenn der Drehstahl nicht eine absolut saubere Fläche am Werkstück hervorbrachte. Doch vielleicht ist man früher in der Beobachtung solcher Handwerk- licher Feinheiten etwas zu weit gegangen— geschadet hat es aber dem Lehrling bestimmt nicht. Auf jeden Fall lernen heute die Lehrlinge auch den Gebrauch aller Werkzeugmaschinen, so daß sie diesen Apparaten nichl hilflos gegenüberstehen. wenn sie die Lehre bei dem kleinen„Krauter" ver- lassen und in den Großbetrieb kommen. Neben den rein handwerklichen Fähigkeiten oerraten viele Arbeiten der Kunst- und Bau- schlosser künstlerische Begabung des Ausführenden. Wahre Prachtstücke von Kunsischmiedearbeiten sind ausgestellt, bei den Mechanikern und Optikern sieht man Meisterstücke der Feinmechanik. Nur schade, daß gerade in der Feinmechanik, der Be- rufsart, die man früher zu den kunstgewerblichen rechnen wollte, heute die Elektrotechnik überragt. die alles billig und in großen Massen herstellen muß und dabei den Arbeiter als Handwerker ver- dirbt. Gepreßte, gestanzte, gegossene Teile werden so wie sie aus der Maschine kommen, zusammen- gestellt und bleiben so, bis ein anderes, neues Stück ihre Funktion übernimmt. Fast ist es so, daß der im elektrotechnischen Betrieb Beschäftigte nur deswegen gelernt haben muß, damit er mit den Akkordlöhnen zurechtkommt. Der Gelernte bcherscht eben die Handhabung des Werkzeuges bester als der Ungelernte, wenn er auch mit diesem Werkzeug kaum eine handwerkliche Tätig- keit ausübt. Unzweiselhast wird dadurch die Arbeit als Handwert degradiert. Diese Gedankengänge sind deshalb angebracht, weil es sich um eine Ausstellung der Hand- werkskammer handelt. So ist es auch— theoretisch gesehen— ein Widerspruch in sich, daß die Ausstellung eine Nebenabteilung„D i e Maschine im Handwerk" beherbergt. Handwerk schafft Hand arbeit, die� Maschine soll als Helfer willkommen fein, als Selbstzweck angewandt verschleiert sie die manuellen Fähig- keiten des Handwerkes, beseitigt sie vielleicht ganz. Doch der Zug der Zeit geht zur Maschine: wo dabei der Arbeiter als echter, richtiger Handwerker zu kunz kommt, wird sich(nein, hat sich schon!) ein neues Geschlecht der Maschincnhandwerker herang«bildet. Die Ausstellung bleibt noch bis zum Sonnlag einschließlich geöffnet. In wenig Worten Der internationale D-Zug 131 Paris— Amsterdam ist bei Buyssinghen 15 Kilometer südlich von Brüssel entgleist. Personen sind nicht verletzt worden, dagegen wurden Wagen beschädigt. * In der Nacht zum Dienstag brannten in A p c n- r a d e(seit 1920 zu Dänemark) vier Wohnhäuser ab. Die Bewohner konnten wenig von ihrer Habe retten. * Nach Unterschlagung von 30 000 Mark ist der 41 Jahre alte Expedient Richard Kant aus Aue im Erzgebirge flüchtig geworden. K. war bei dem Siedlerverein„Eigene Scholle" tätig und lebte in Mylau im Vogtland. Während seiner Tätigkeit bei der Baugesellschaft unterschlug er 30 000 Mark. Als seine Machenschaften bei einer Revision heraus- kamen, flüchtete er nach Zwickau, um dann weiter zu reisen. Man vermutet, daß er B e r li n auf- suchen wird. * In dem Betrugsprozeß gegen Frau Jürgens beantragte der Staatsanwalt neun Monate gegen die Angeklagte. Das Gericht beschloß, die Verhand- lung bis Mittwoch auszusetzen. Das Urteil wird Mittwoch Mittag verkündet. * Wegen gewerbsmäßiger Eisenbahndiebstähle auf den Bahnhöfen Pankow, Tempelhos, Potsdam und dem Verschiebebahnhof Seddin, wo sie plombierte Eisenbahnwaggons erbrachen, verurteilte dos Pots- damer Schöffengericht den polnischen Staatsange- hörigen Joseph Stefanias aus Berlin zu drei Iahren Zuchthaus und fünf Iahren Ehroerlust. Sein Mitkomplice, ein gewisser Leuchtenberg aus Berlin erhielt vier Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust. * In der Nacht zum Dienstag hat sich in der Kaserne des 7. Bayerischen Pionier- Bataillons in München ein schwerer Un- fall ereignet. Ein Gefreiter dieses Bataillons wurde vom Kasernenposten für einen Einbrecher gehalten und nach mehrmaligem Anruf, auf den keine Antwort erfolgte, durch einen Schuß schwer verletzt. Der Gefreite ist noch in der Nacht seinen Verletzungen erlegen. Von Gärgasen gelötet Im Weinkeller umgekommen Koblenz, 8. November. Am Sonntagabend wollte in Hatzenport ein in den 40er Iahren stehender Winzer aus seinem Keller zum Abendbrot Wein holen. Als er nach längerer Zeit nicht zurückkam, suchte die 70 Jahre alte Mutter nach ihm. Als sie in den Keller kam. fand sie ihren Sohn von den am Boden be- findlichen G ä r g a s e n überrascht und bewußtlos niedergesunken vor. Die Mutter beugt sich über den Vergifteten, um ihn ins Freie zu schaffen. Bei diesem Versuch ist sie offenbar auch von den Gasen betäubt worden: denn als am Montag- morgen im Hause des Winzers noch Licht brannte. entdeckte man Mutter und Sohn tot im Keller. Verbot der Freidenker? Der Deutsche Freidenkerverband soll oerboten werden! Gegen diesen Streich wendet sich die gesamte sozialistische Arbeiterschaft in einer großen Protestkundgebung am Montag, dem 21. November, 20 Uhr, im Sportpalast Potsdamer Straße 72. Es sprechen bekannte Vertreter der sreigeistigen Verbände und der Sozialdemokrafi» scheu Partei. FamMentragödie Frau und drei Kinder vergiftet / Haag, 8. November. In dem haager Vorort W a s e n a a r spielte sich gestern eine F a m i l i e n t r a g ö d i e ab, der vier Menschenleben zum Opfer sielen. In der Küche ihrer Wohnung wurde eine Frau, die erst vor einigen Tagen aus dem Sanatorium cnt- lassen worden war, mit ihren drei Kindern tot aufgefunden. Samtliche Gashähne waren ge- öffnet. Der im Nebenzimmer schlafende Ehemann Hot von der traurigen Tat nichts gemerkt. einem strafrechtlichen Einschreiten gegen die mit der Leitung der Genossenschaft befaßten Personen gegeben hat. Insbesondere ist der Vorwurf, daß Vorstands- und Zlufsichtsratsmitglieder unmittel- bar vor der Zahlungseinstellung ihre Spar- guthaben abgehoben und in Sicherheit gebracht hätten, durch die Ermittlungen nicht bestätigt worden. Kein Verfafiren gegen Wirtschaftsvercin Die Seaatsanwaltschaft I Verlin hat das aus Anlaß der Zahlungseinstellung des Beamten- Wirtschaftsvereins zu Berlin, e,- G, m. b. h., ein- geleitete Ermittlungsverfahren gegen die Mit- glieder des Vorstandes und Aufsichtsrates der Genossenschaft eingestellt, da die eingehende Nach- Prüfung der Geschäftsvorgänge keinen Anlaß zu Johann Karls, einer von der alten Garde, ist nach langer Krankheit am Sonnabend, dem 5. No- vember, gestorben. Genosse Karle war jahrelang Viertelsführer und nach der Revolution zweiter Vorsitzender des Onsvereins Neukölln. In den legten Jahren mußte er infolge Krankheit dem Partcileben fernbleiben, doch blieb er mit der Partei innig verbunden. Die Neuköllner Partei- organisation wird ihm stets ein ehrendes An- denken bewahren. Die Einäscherung findet am Donnerstag, 16 K Uhr, im Krematorium Baum- schulenwcg statt. Das Dolksbildunosomk Treptow hat für den Winter 1932 3? folgende Veranstaltungen vorgesehene Sonnabend, den IS. November 1932, Sinfoniekonzert de? Berliner Philharmonischen Orchesters: Sonntag, den 4. Dezember 1932. Opernabend: Ansang Januar 1933: Kammermusik- abend, ausgeführt von Mitgliedern des Berliner Philharmonischen Orchesters: Anfang Februar 1933: Operettenabend: Anfang März 1933: Tanzabend: Anfang'April 1933: Sinfoniekonzert(Neues Bach- Orchester). Der Preis für alle sechsVer- a n st a l t u n g e n ist im'Abonnement 2 M. Vorverkauf bei Bader, Oberschöneweide, Wilhel- ininenhofstr. 17: Boges, Baumschulenweg, Bauin- schulenstr. 100:«taffelat, Berlin-Treptow, Rathaus, Neue Knigallee 246, Zimmer 80, und in den Büchereien. „Dculfdir Gartenbauausstellung Berlin 1933." Unter Mitwirkung des Reichsvcrbandes des Deutschen Gartenbaues, der Deutschen Gartenbau- Gesellschaft und des Verbandes der Deutschen Blumengeschäftsinhaber wird in der Zeit vom 20, bis 28. Mai 1933 in der großen Ausstcllungs- Halle l am Kaiserdamm eine.�Deutsche Gartenbau- ausstellung" abgehalten. Berlin, die Stadl der Hochschulen. Zu unserem Beitrag über die in Berlin bestehenden Hochschulen teilt uns ein Leser mit, daß noch das Staat- liche Berufspädagogischc Institut, das der akademischen Ausbildung der Gewerbe- lehrer(Lehrer an den Berufsschulen) dient, Recht auf Erwähnung hat. Es hat denselben Rang wie die pädagogischen Akademien, die der Ausbildung der Volksschullehrcr dienen. Zweiter Sondcrzug nach Hamburg. Der am kommenden Sonnabend/ Sonntag, 12./ 13, No- vember, vorgesehene Sonderzug nach Hamburg ab Berlin, Lehrter Bahnhof, 13.3S Uhr, ist bereits ausverkauft. Infolge der starken Nachfrage»ach dieser Wochenendfahrt hat sich die ReichsbaHndirektion Berlin entschlossen, am gleichen Tage noch einen zweiten Sonder- z u g nach Hamburg verkehren zu lassen. Dieser Zug wird ab Lehrter Bahnhof l 4.04 Uhr fahren. Wie wird das Wetter? 3n Berlin; Diesiges, zeitweise aufheiterndes Wetter mit wenig geänderten Temperaturen.— 3n Deutschland; Im Nordwesten des Reiches an- fangs noch trübe mit leichten Rcgenfällen. Im übrigen Deutschland vorwiegend trocken und diesig, aber zeitweise aufheiternd. Westlich der Elbe viel- 'ach leichte Nachtsröste. Am Tage überall ziem- lich mild. Einieaduagin für viele Rubelt sind B(( I i n SW 68. Liodenstrah» 3. Porfemocftridtfen jof�für Groß-Berlin stels an das Beztrtsjetretartat t. Hof. 2 Treppen rechts, zu richte» 7. 8. tt. 74. 1*. 20. 21. 82. 3:,. 30. Beginn aller Veranstaltungen 19X' Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Kreis. Donnerstag. 10. November. 15 Uhr. Erwerbsloscnzusammenkunft im Heim Nosinenstr. 4. Aussprache über Erwcrbslosenkollektiv Kreis. Heute, 20 Uhr. Mitgliederversammlung und Revolutionsfcier in Kochs Festsälen, Feldtstr. 52. Referent: Max Westphal. Kreis. Donnerstag, 1V. November, 16 Uhr, Zusammenkunft aller erwerbs- losen Parteimitglieder bei Will, Martin.Luther-Str. 60. Mustkalische Dar- bictungen. Referat des Genossen Ladmiral-Paris: Das zeitgenössische Frank- reich. Der Kursus Dr. Franz Neumann:„Demokratie und Diktatur" be- guuit wegen Verhinderung des Referenten erst am Donnerstag, dem 17. November. Kreis. Heute, 15 Uhr, Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder im Heim Kanner Straße 42, Vortragssaal. Kreis. Donnerstag, 10. November, 15 Uhr, Erwerbslosenzusammenkunft in der Aula des Lnzeums Weißensee. Pistorius- Ecke Parkstraße. 9. November 1018 bis 1932. Referent: Dr. Hans Cohn. Kreis. Donnerstag, 10. November, Zusammenkünfte erwerbsloser Partei- Mitglieder an folgenden Stellen: 15 Uhr Reinickendorf-Ost. Schule Hoppe- stroße. Referent: Heinz Löwi, Reinickendorf-West 15 Uhr Außenspielplaß. Referent: Paul Bernstein. Wittenau 16 Uhr im Jugendheim Neue Schule. Referent: Dr. Wilhelm Lewinski.. Tegel 15 Uhr Jugendheim Tegel, Schöne- berger Str. 3. Referent: Hans Marx. Thema in allen Zusammenkünften: 0. November 1918 bis 1932. Abt. Heute Zahlabend in den bekannten Lokalen. Abt. Zahlabcnde am 9. November fallen aus. Abt. Die Zahlabcnde am 0. November fallen aus. Abt. Die Zahlabende am 0. November fallen aus. Die Parteimitglieder beteiligen sich dafür um 20 Uhr an der Revolutionsfeier der SAI. im Jugendheim Tilsiter Str. 4—5 Abt. Die Zahlabcnde fallen heute aus. Abt. Heute Zahlabende in den bekannten Lokalen. Abt. Heute, 20 Uhr. Mitgliederversammlung bei Wurzbacher. Arbeitsdienst- pflicht. Wahlrefultate Referent wird in der Versammlung bekanntgegeben. Abt. Heute Mitgliederversamntlung bei Rosenau, Laubachcr Ecke Varzincr Straße. Nack) den Wahlen. Referent: Erich Huhn. 82. Abt. 8. Bezirk. Zahlabend. Heute bei Thiel. Birkbusch- Ecke Su-mensstraße. Referent: Stadtrat Albert Horlitz. Historischer Materialismus. 85. Abt. Donnerstag, 10. November. Zahlabende der Bezirke 1, 2 und 12 bei Pinger, Dorfstr. 50. 88. Abt. Heute Zahlabend in der Schule Roonstraße. 99t,. Abt. Heute, 20 Uhr, Zahlabendc in den bekannten Lokalen. Verfassungs- fragen sind Machtfragen. 103. Abt. Die Zahlabende am 0. November fallen aus. 119. Abt. Heute fallen die Zahlabcnde aus, dafür findet später eine Mitglieder- Versammlung statt, zu der noch besonders eingeladen wird. 128. Abt. Heute Revolutionsfeier im Gesellschaftshaus, Berliner Str. 102. Musik, Ehor, Spieltruppe.„Der Querschnitt", Ansprache: Emil Barth. Buchkon- trolle. Donnerstag, 10. November, 20 Uhr. Funktionärsitzung bei Fulda. 132. Abt. Heute, 20 Uhr. Mitgliederversammlung bei Klug. Dorfstr. 2. 143. Abt. Nächste Versammlung 16. November bei Schmischke. Waidmannstr. 4. Cichwalde. Mittwoch, 0. November, pünktlich 20 Uhr, Mitgliederversammlung. .?rauenveranstaltungen. 20. Kreis. Wir bitten alle Genossinnen, recht zahlreich an dem Kursus des Genossen Dr. Solomon Schwarz:„Probleme des wirtschaftlichen Aufbaus in Deutschland und Rußland" teilzunehmen. Beginn Freitag, 11. No- vember. 19�.- Uhr. im Jugendheim Reinickendorf. Äest, Scharnwebcrftraße. Außenspielplatz. Hörgebühr für 6 Abende 1,50 M. Sozialistische Studenkenschasl. Orlsgruppc Berlin. Generalversammlung der Ortsgruppe am Donnerstag, dem 10. November. 20 Uhr. im Gewerkschaftshaus, Engelufer. Tagesordnung: l. Die Aufgaben der Sozialdemokratie nach den Wahlen. Referent: Genosse Kurt Heinig, M. d. R. 2. Geschäftsbericht. Referent: Genosse Ludwig Baum. 3. Kassenbericht. Referent: Dr. Ernst Keßler. 4. Neuwahl des Vorstandes. 5. Die Aufgaben im Wintersemester und Verschiedenes. Mitgliedskarten als Ausweis sind mitzubringen. Arbeitsgemeinschaft der kindcrsreundc. Mitte. Abt. Ernst Toller. Heute, 18 Uhr. Revolutionsfeier im Heim Elisabethkirchstr. 19. Alle Falken pünktlich erscheinen. Krcuzbcrg. Abt. Rcichcnberger Viertel. Heute. Mittwoch, kommen alle Rote Falken, Iungfalten und Nestfalken ab 16 Uhr im Heim Rcichenbergcr Straße zusammen.— Alle Abtcilungskassiercr treffen p|P sich Freitag, von 13—14 Uhr, mit Frieda Schmidt an bekannter Stelle. Eharlottcnburg. Heute. 17 Uhr, Falkenvollvcrsammlung. Anschließend Re- volutionsfeier im Heim Rosinenstraße. Alle Falken erscheinen in Falkcntracht. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 43.«l». Am November verstarb plötzlich unser langjähriger treuer Genosse Alfred Ende, Rcichcnberger Str. 90. Die Einäscherung findet am Mittwoch, dem 9. November, 181-. Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. 93. Abt. Am l. November ist unser Genosse Bruno Müblenbcck, Richard- straße 35, an den Folgen seines Kriegsleidens verstorben. Ehre seinem Andenken. Die Bestattung hat bereits stattgefunden. �iSozialisilscheArbeitmugendGroß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das öugcnds"kletariat Berlin SW 68. Lindenstraße 2. vorn 1 Treppe rechts. Singekreis der Arbeiterjugend! Probe morgen, Donnerstag, im Heim Bochumer Str. 8b, von 18 14 bis 20 Uhr. Proletarisches Orchester der SAI. Bunter Abend 10. November. 10 Uhr. im Gcsellschaftshaüs Pankow, Berliner Str. 102. Eintrittskarten zu 50 Pf. sind im Sekretariat crhältich. heute, Mittwoch. 9. November.?0 Uhr: Gesundbrunnen(R.-F.): Kolonicsir. 22. Revolutionsfeicr.— Andrcasplatz I: Bromnrpstr. i. Gedanken der Revolution.— Andreasplatz II: Brommnstr. 1. Revolutionsfeier.— Boltenplatz: Tilsiter Str. 4—5. Revolutionsfeicr mit den Parteigenossen— Frankfurter Viertel: Frankfurter Allee 307. Mitgliedcrver- sammluna.— Petersburger Viertel: Ebertnstr. 12. Revolutionsfcier.— War- schauer Äicrtel lR.-F.): Litauer Str. 18. Revolutionsfeier.— Spandau: Ge- samtgruppe. Revolutronsfeier der Partei.— Wannsee: Restaurant Lindenhof. Heimabend.— Adlershof: Bismarckstr. 1. Revolutionsfcier.— Bohnsdorf und Falkcnbcrg: Wachtelftr. I. Mitgliederversammlung.— Friedrichshagen: Fried- richftr. 80. Revolutionsfcier.— Lichtcnberg-Mitte: Scharnweberstr. 23. Revolutionsfeicr.— Ncn-Lichtenberg: Gunterftr. 44. Revolutionsfeicr.— Lichten- bcrg-Nord: Gunterftr. 44. lO-Minuten-Referatc.— Mahlsdorf: Mclanchthon- straße 63. Revolutionsfcier. Aerbebczirk Tiergarten: Beteiligung an der Revolutionsfeicr der 13. Abteilung um I91£ Uhr in den Arminiusfälen, Bremer Str. 70. Wcrbcbezirk Neukölln: Vorstandssitzung um 10'.. Uhr im Parteibüro.„Der Querschnitt" trifft sich 20 Uhr pünktlich Ofsastraße. * Werbcbczirk Westend: Morgen. Donnerstag, Mitgliederversammlung um 20 Uhr in Eharlottcnburg, Nosinenstr. 4. Genosse Abramowitsch spricht über „Rußland". .vv 5 n,,- .••.1?•'■'■■■■■ ■:s•"■G""• /.■. -••••,-■-■•f Durch den Verkehrsstreik konnten 100 OOO de die Vorteile dieser Groß-Veranstaltung nicht wahrnehmen. Um allen die Möglichkeit zu geben, das Versäumte nachzuholen, haben wir uns entschlossen, diesen Verkauf zu verlängern. Nutzen Sie diese Gelegenheit restlos aus. Die Sortimente sind unverändert groß. Einige Beispiele: Herrensocken modern« Jacquard- muster, solide Qualität Paar................ Pf. Handtücher Reinleinen ca. 46x100 cm, grau mit weißenStreifen, Stck. Pf. Vorhangstoff in schönen Pastell- färben, ca. 120 cm breit,....... Meter Pf. Handschuhe gestrickt, für Damen, Wolle plattiert, farbig oder schwarz. Paar Pf, Flamengo- Tweed für das warme Winterkleid, reiche Auswahl. Meter... Pf. Boucle-Noppe gediegene warme Qualität, in netten Mustern, doppelt breit Meter.............. M. I, Oberhemden weiß, mit guten Seidenglan z-Pope- line-Einsätzen M. / /I Kinderkleider Ä Mk nett gemusterter f Waschsamt mit weißem # i f//i Kragen, Größe 45 'l'A'A(Steigerung 0.25)...M. TU Mantelstoffe Velour oder Diagonal, schwere Winter- q u a I i tä t, ca. 140 cm breit......... Meter M. Köper-Velvet die große Mode für Herbst und Wi n te r, viele Farben, Meter M. 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Die Interessenten sind ZG.-Farbe» für Leuna-Benzin, die deutsche Erdölproduktion, der Ruhrbergbau für Benzol, die Großagrarier für Spiritus und die Benzinimporteure. Sie alle haben ihren Anteil am Benzinpreis, den der deutsche Kraflsahrer zahlen muß. Daß die volkswirtschaftlich überaus wichtige Kraft- vcrkehrswirtfchaft bei so vielen Nutznießern über- maßig belastet wird, ist kein Wunder. Sehen wir einmal die einzelnen Teile dieses Jnter- efsentengemischs von deutschem Benzinpreis etwas nähet an. Da ist zunächst der deutsche Benzinzoll. Er niachte bis Frühjahr 1331 ö,81 M. je 100 Liter Benzin aus; dann wurde er auf 0,(58 M., am 29. Mai 1931 sogar aus 16,23 M. je 100 Liter erhöht. Warum diese plötzliche und ge- waltige Erhöhung? Weil die JG.-Farben, die deutsche Erdölproduktion, der Ruhrbergbau ein Profit-, das heißt Subventionsinteresse daran hatten. Als die JG.-Farben mit ihrer Kohlcoerflllssigung hervortraten, als die deutschen Erdölvorkoinmen als abbauwürdig erschienen, da erfand man auch hier das Zlrgunrcnt der Autarkie. Und wo es sich um die„Planwirtschaft der Dummen" handelt, da darf aus Berbraucher-. kosten ja auch der unrentabel st e Schorn- st ein profitabel rauchen! Jedenfalls hat man im Jahre 1931 die Kraft- Verkehrswirtschaft mit einer Zollsumme von rund ISO Millionen Mark zusätzlich belastet. Eine Erziehungszollwirkung ist kaum wahrscheinlich: Die JG.-Farben produzieren seit Jahre», entgegen allen Prophezeiungen, etwa 100 000 Tonnen und werden in absehbarer Zeit diese Produktionsziffer kaum Überschreiten. Immerhin zahlen sie statt des Zolles von 16,23 M. nur eine Ausgleichsabgabe von 0,73 M. je 100 Liter(vor dem 1. Oktober noch weniger!). und das macht eine Steuersubvention von rund und nett 20 R! i l l i o n e n Mark jährlich. Einsach skandalös find die Sondergewinne des Ruhrbergbaus durch den Zoll und die niedrige Ausgleichsabgabe. Bor dem Kriege kosteten 100 Liter Benzol 16 M., heute etwa 48 bis 49 M. Die Sondergewinne des Ruhrbergbaus aus diesem Nebenprodukt zu Lasten des Kraftverkehrs sind auf mindestens 50 Millionen Mark zu schätzen. Es gibt für die Reichsregierung keine Entschuldigung dafür, daß die Ausgleichsabgabe für Benzol nicht ganz bedeutend erhöht wird, hier ist eine bedeutende Einnahmequelle für das Reich, die nicht genutzt wird, weil die Regierung mächtige Znterestentengruppen offen begünstigt. Sollen die Großagrarier fehlen, wo die Großindustrie so festlich auf anderer Leute Kosten tafeln darf? Die Spritbeimischung zum Treibstosf ist jetzt glücklich auf 10 Proz. erhöht worden, damit man den Brennereien möglichst viel von ihrem Kartoffelsprit möglichst teuer ab- nehinen kann. Zusätzliche Kosten für Kraftver- kehrswirtschaft jährlich wieder runde 30 Mil- lionen Mark. And nun zu den BenzinOmporteuren. Sie haben in letzter Zeit die Oeffentlichkeit geradezu überschüttet mit Kalkula- t i o n e n, die beweisen sollen, daß sie auch bei den heutigen Preisen noch zusetzen, zum mindesten nichts verdienen. Diese Rechnungen geben sich den Anschein großer Genauigkeit, nur sind sie alle verschieden, das heißt auch bei kleinen Differenzen sehr viel: ein Pfennig je Liter macht nämlich bei einem für 1932 auf 1.63 Milliarden Liter geschätzten Absatz schon 16,3 Millionen Mark aus. Da ist zum Beispiel die S p r i t b e l a st u n g, die bei der Erhöhung der Beimischung von 6 auf 10 Proz. den Benzinpreis um zwei Pfennig verteuert haben soll. Das ist schon falsch. So berechnet eine sehr genaue, von Interessenten an- erkannte Darstellung(„Kölnische Zeitung" vom 4. Oktober) die gesamte Belastung bei lOprazen- tiger Beimischung aus 3,2 Pfennig je Liter, die Verteuerung ab 1. Oktober auf 1,3 Pfennig. Da- zu müsse man einen Pfennig sür neue Anlagen, Mischeinrichtungen usw. rechnen, die bisher in- solgc des scharfen Wettbewerbs nicht angerechnet worden seien. Uns werden aber die gesamten neuen?lnlagekosten von Jnteresscntenseite auf etwa eine Million Mark angegeben— das sind noch nicht«in sechzehnte! Pfennig je Liter! Sie spielen also in Wahrheit keine Rolle. Die Verteuerung durch die erhöhte Beimischung stellte sich tatsächlich aus 1,3 Pfennig; die Benzinkonvention hat sich dafür 2 Pfennig berechnet— das sind 0,7 Pfennig je Liter oder 11,3 Millionen Mark jährlich auf den Ge- samtverbrauch zuviel! Kleinigkeiten? Eben nicht! Wenn die Verteilungskosten innerhalb Deutschlands einmal mit 3 P'cnnig, dann mit 3,7 Pfennig, ein drittes Mal mit 4 Pfennig, wenn die Provisionen für die Tankstellen- Halter einmal mit 4, ein andermal mit 3 Pfennig angegeben werden, so zeigt das nicht nur einen sehr bedingten Wert dieser Rechnungen, sondern spricht auch nicht für ein gutes Ge- wissen. Aber eine andere Aufstellung beweist schlagend, daß die jetzigen Benzinpreise tatsächlich zu hoch sind. In den fünf Jahren von 1925 bis 1929 betrug der durchschnittliche Preisunterschied zwi- schen dem amerikanischen Ausfuhrpreis und dem Berliner Preis 12,95 Pfennig je Liter. Im Jahre 1930(erste Benzinkonvention!) ist die Spanne stark gestiegen, im Jahre 1931 erheblich unter den Durchschnitt gesunken. Heute ist die Spanne (unter Berücksichtigung aller Belastungen) mit 13,12 Pfennig höher als im Durchschnitt 1925 bis 1929; setzt man den deutschen Durchschnitts- preis für Benzin an, so macht die Spanne sogar 14,12 Pfennig aus. Wer wollte behaupten, daß heute eine höhere Spanne als in den Jahren 1925 bis 1929 gerechtfertigt sei? Und selbst wenn die Jmportgescllschaften heute nichts verdienten, so sind die Zustände durch ihren Konkurrenzkampf unhaltbar geworden. Das Tankstellen- und Pumpennetz ist zugegebenermaßen stark übersetzt. Das de- deutet, daß alle Verteilungskostcn wegen ihres „fixen" Charakters zu hoch sind. Wenn eine Pumpe durchschnittlich einen täglichen Umsatz von etwa 22 Mark hat, dann muß man allerdings dem Tankstellenbesitzer 4 Pfennig je Liter Rabatt geben. Bei doppeltem Umsatz wäre aber ein Rabatt von nur 2 Pfennig genug! Und so ist es mit allen Verteilungskosten, mit der Verzinsung und Amortisation des investierten Kapitals usw. Die Kraftverkehrswirtschast fordert mit Recht eine Entlastung. Zunächst hat das Reichs- wirtschastsministerium schleunigst die Preise der Benzinkonvention zu prüfen und herabzu- setzen. In anderen Ländern, in Frankreich, Italien, Aegypten hat man auch die nötige Energie gefunden. Eine Herabsetzung der Zölle und der Krastfahrzeugsteuer ist heute, unter den Bodenseereitern des Papen- kabinetts, mehr als je eine hochernste Etatausgleichfragc. Dagegen ist die A u s g l e i ch s a b g a b e zu Lasten der inländischen Produzenten zu er- höhen. Eine wirkliche Entlastung aber kann letztlich nur durch Einführung eines st a a t I i ch e n Treib st offmonopols erreicht werden. Selbst eine so im Prinzip privatwirtschastlich ein- gestellte Zeitschrift wie der„Deutsche Volkswirt" vertritt jetzt diese Forderung. Die Einführung eines Staatsmonopols würde Ersparnisse von 200 Millionen jährlich bringen, die voll der Kraftverkehrswirtschast zugute kommen könnten. Z. Nach dem Kreuger-Krach Wie Schweden durch hohe Löhne und niedrige Zölle profitierte Schweden hat weniger Arbeitslose als die meisten Länder Europas, gegenüber dem Produktionsstand zur Zeit der Hochkonjunktur im Jahre 1929 ist bis jetzt die industrielle Tätig- keit nur um etwa ein Sechstel zurückgegangen— dies trotz der schweren Erschütterung, die die schwedische Wirtschaft durch den Zusammenbruch des Kreuger-Konzerns erfuhr, dessen Verluste be- kanntlich eine Milliardenziffcr erreicht haben. Die erstaunliche lviderslandssähigkeit ist freilich erst dann richtig einzuschätzen, wenn man sich die Größenverhöltnisse des Landes vor Augen hält; zwar ist Schweden an Fläche nicht viel kleiner als Deutschland, zählt aber nur etwas über 6 Millionen Einwohner, etwa 1 Million weniger als Bayern. Schweden hat vor allem zwei Reichtümer: W a l d u n d E i s e n e r z. 32 Proz. des Landes bestehen aus Waldungen. Der Holzreichtum bildet die Basis für die Entwicklung einer großen Holzbearbeitungs- und Papierindustrie; für die Entwicklung der schwedischen Zündholzindustrie war der Bestand an Espenwaldungen ausschlug- gebend. Die Eisenerzfördcrung Schwedens betrug 1930 11 Millionen Tonnen, wovon der größte Teil nach Deutschland ging. Heute allerdings sind Erz- förderung und Erzexport auf ein Minimum des damaligen Standes zusammengeschrumpft. Aus der Verarbeitung der eigenen Erze ist eine be- deutende Eisen- und Stahlindustrie aufgebaut. Nur einige Beispiele internationaler Schwedenkonzerne: Zunächst der schwedische Zündholzkonzcrn, der sich zu einem Weltunternehmen entwickelte und den größten Teil der Zündholzproduktion der Erde kontrollierte, noch ehe Kreuger seine betrügerischen Finanzaktionen durchführte. Der schwedische Kugellagerkonzern S K F. be- sitzt Fabrikationsunternehmunge» in zahlreichen Ländern und spielt auf den größten amerikanischen Märkten eine fast monopolartige Rolle. Aus dem Gebiet der Herstellung von Separatoren und Milch Zentrifugen hat die Firma S e p e- r a t o r A. B. eine Weltstellung. Die Staubsauger- sirma Elektro lux besitzt Tochtergesellschaften in den wichtigsten europäischen Ländern. Die Telephonbaufirma Ericsson verfügt in zahl- reichen Ländern Europas und Lateinamerikas über Fabrikationsunternehmungen und Telephon- betriebsgefellschaften. Ebenso reicht der Interessen- bereich des Starkstromkonzerns A s e a weil über die Grenzen Schwedens hinaus. Der Eisenerz- konzern Grängesberg versorgt nicht nur einen großen Teil Europas mit schwedischen Eisenerzen, sondern besitzt auch Erzgruben oder Förderungsrechte in Nordafrika und Südamerika. von anderen Ländern unterscheidet sich die industrielle Entwicklung Schwedens dadurch, daß sie durch Zölle nur wenig geschäht worden ist und daß im ollgemeinen hohe LöhneundhoheGehätter gezahlt wurden. Schweden gehört zu den wenigen Ländern, die noch heute Zollsähe von Vorkriegshöhe haben: lediglich die Einfuhr von Weizen und Roggen ist begrenzt. Infolge des hohen Lohnniveaus hat sich die Kaufkraft des Landes gut entwickelt: die Lebenshaltung war höher als in den meisten Ländern Europas. Dreierlei hat die wirtschaftliche Entwicklung Frei erfunden! Zur Lage der Berliner Baugesellschaften Im Zusammenhang mit einer Besprechung der Notlage der Gemeinnützigen Bauaesellschaften wurde in einem Berliner Morgenblatt die Be- Häuptling aufgestellt, daß auch die städtischen Bauaesellschaften aus eigenem schon heute nicht mehr in der Lage wären, die Hypo- thcken Zinsen zu zahlen, und daß die Bauaesellschaften sich genötigt gesehen hätten, uinfangreichc Kredite bei der Stadtbank in An- sprach zu nehinen. Diese Behauptungen sind, wie das Nachrichten- aivt der Stadt Berlin mitteilt, völlig frei er- f u n d e n. Der Stadt Berlin gehört da? Gesell- schaftskapital der Gemeinnützigen Ballgesellschaft Adamstraße, der Gemeinnützigen Baugesellschaft Berlin-Ost, der Pankower Heimstölten GmbH., der Heimstättengesellschaft Primus, ferner zu 98,8 Proz. das Kapital der Heinistättensiedlung Berlin-Wilmersdorf, zu 73 Proz._ das der Gemeinnützigen Tempelhofer Feld-Heimstätten GmbH., zu 66,67 Proz. das der Gemeinnützigen Ballgesellschaft Heerstraße(der restliche■i.eil gehört der städtischen Wohnungsfürsorgegesell- schafl). Keine einzige dieser Gesellschaften jei mit ihren Verpflichtungen gegenüber den Bank- instituten, die ihnen Hypotheken gewährt haben, rückständig. Keine einzige dieser Gesellschaften sei auch genötigt gewesen, zur Zahlung der laufenden Zins- und Tilgungsverpflichtungen die Hilfe der Berliner Stadtbank in Anspruch zu nehmen. Jin Gegenteil, bei der Stadtbank seien in nicht unerheblichem Ilmsange flüssige Mittel der Gesellschaften angelegt. Im übrigen seien die Ausführungen schon insofern völlig haltlos, als die Berliner Stadtbank auf Grund �der Notverordnung vom 5. August 1931 der Stadt oder städtischen Gesellschaften überhaupt keine neuen Kredite gewähren darf. Schwedens in der letzten Zeit erheblich e r- s ch ü t t e r t: erstens die stark verringerte Auf- nahmefähigkeit der europäischen Länder für schwe- dische Erzeugnisse, zweitens die Abkehr von der Goldwährung, die unmittelbar nach der Loslösung vom Goldstandard erfolgte, drittens der Zu- sammenbruch Kreugers. Die Währungsverschlechterung bildete zunächst natürlich eine Art Schutzzoll, der die Einfuhr industrieller Erzeugnisse aus anderen Ländern erschwert. Diese Maßnahme hat jedoch nicht verhindern können, daß die Erportindustrien einen erheblichen Umsatzrückgang verzeichnen. Der Kreuger-Zu sammenbruch hatte zunächst katastrophal aussehende Folgen. Die Aktienkurse stürzten in wenigen Tagen aus einen Bruchteil, die Börsentätigkeit war einige Zeit gelähmt, die Währung erfuhr eine neue Er- schütterung. Es ist aber bezeichnend für die Widerstandsfähigkeit der schwedischen Wirtschaft, daß trotzdem bald wieder eine Entspannung ein- trat. Der Notenumlauf blieb stabil, die Einlagen bei den Banken, die bis Juni 1932 zurückgingen. zeigten schon im Juli wieder eine Erhöhung. Die Arbeitslosigkeit belies sich nach den Angaben der Gcwerkschasten um die Mitte des Jahres 1932 auf 19 Proz. gegenüber 12 Proz. Mitte 1931. Die Ver- schlechterung, die in den letzten Monaten einge- treten ist, betrifft fast ausschließlich die expor- tierende Industrie. Zweifellos wäre ohne die Verluste aus dem Krcuger-Zusammenbruch die widerslandssähigkeit der schwedischen Wirtschaft gegen die Krisenauswirkungen noch größer gewesen. Am so mehr ist Schweden ein Rk u st e r b e i s p i e l dafür, welche widerslandssähigkeit ein Land entwickeln kann, in dem jahrelang den Arbeitern hohe Löhne gezahlt wurden und das sich von Schuhzöllen und anderen Absperrungsmaßnahmen nach Möglichkeit ferngehalten hat. .Anleihen in Not Kommunale Finanzkatastrophe Am Montag hat der Präsident des Deutschen Städtetages. Dr. M u l e r t, wegen des unmittel- bar bevorstehenden Zusammenbruches zahlreickzer Kommunen einen Warnungsruf in letzter Stunde an den Kanzler gerichtet. Daß dieser Warnungsruf die Finanzsituation bei den deutschen Gemeinden nicht um ein Tüp- selchen zu schwarz gemalt hat, beweist die Z a h- lungsunfähigkeit einer der ehemals reichsten Städte Deutschlands, der Stadt Frank- surt a. Main, die am Dienstag wegen der Nicht- einlösting ihrer Schatzanweisungen eine Glau- b i g e r v e r s a m m l u n g einberufen mußte. Es handelt sich bei diesen Schatzanweisungcn um eine Summe von 30 Mill Mark aus dem Jahre 1928/29, die jetzt zur Einlösung fällig gcwor- den sind. Der Stadtkämmcrer von Frankfurt, Dr. Lehmann. machte den Gläubigern einen Vergleichs- Vorschlag, der eine zehnprozentige Rückzahlung sowie eine Prolongation der restlichen 90 Proz. auf drei Jahre vorsieht. Unter Hinweis auf die enormen täglichen Lasten der Kommune für Deckung des dringendsten Bedarfes des Wohl- fahrtetats mußte Dr Lehmann aber erklären, daß Frankfurt a. Main im Augenblick auch nicht einmal die zehn Prozent, das wären rund 3 Millionen Mark, flüssig machen könnte. Die Ausführungen des Kämmerers zur Finanz- läge der Stadt gaben ein erschütterndes Bild über die Einnahmedrosselung der Kommunen bei dem Finanzausgleich— unter anderem sind die Reichsüberweisiiiigssteuern um 73 Proz. von 24 auf 6,4 Mill. Mark seit 1928 gesunken— sowie die unhaltbar gewordenen Lasten, die durch Ab- walzung der Arbeitslosenunterstützungen vom Reich auf die Kommunen ciitstaiidcn seien. In der Debatte wurde von verschiedenen Gläu- bigern die Auszahlung eines Teilbetrages bis zum . Jahresende gefordert. Wenn ein Gläubigerver- lreter der Stadt ziiin Vorwurf machte, daß sie die Beschaffung langfristiger Anleihen ver- säumt(!) habe so ist dieser Vorwurf ein- fach lächerlich, denn jeder Mensch in Deutsch- land weiß, daß unter dem glorreichen Regime des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht die dcut- schen Kommunen gewaltsam an einer Fundierung ihrer kurzfristigen Schulden behindert wurden. Auch die Stadt Köln, die in allernächster Zeit vier Millionen Mark für fällige Schatz- anweisungcn auszubringen hat, befindet sich in der gleichen katastrophalen Lage wie Frankfurt a. Main. Auf der für heute angesetzten Gläu- bigerversamnilung wird der Vertreter der Kam- mune den Gläubigern auseinandersetzen, daß ohne ein Einspringen des Staates die Mittel für eine zehnprozentige Ausschüttung nicht auszubringen sind. hoste Börse Starke Nachfrage am Rentenmarkt Die Kurssteigerungen, die der ruhige Verlauf der Wahl und das Wahlergebnis selbst an der gestrigen Montagsbörse ausgelöst hatten, setzten sich auch an der gestrigen Börse fort. Auffallend kräftig war die Nachfrage auf dem Renten markt. Sowohl Goldpfandbrief«, wie Reich- schul�buchforderungen, wie auch komniunale Schuldverschreibungen konnten ihre Kurse um durchschnittlich 1 Proz. und vielfach darüber hin- aus erhöhen.— Auf dem Aktienmarkt blieb das Geschäft klein, jedoch wirkten verschieoene günstige Meldungen aus der Industrie befestigend. Stark gefragt blieben Reichsbank mit 129, Reichs- bahnvorzugsaktien mit 893fl und J.G.-Farben mit 97. Schwargkopif konnte sich auf 30%, Orenstein auf 34% und Gesfürel auf 70 gegen 68 Proz. verbessern._ Stollwerck nach der Sanierung. Die führende westdeutsche Schokoladenfabrik Gebrüder Stall- werck A.-G. in Köln, die im vergangenen Jahr wegen großer Fehlerpansioiien sanieren und das Kapital von 16,4 auf 9 Mill. M. zusammenstreichen mußte, erzielte im Geschäiisjaln 1931/32 einen Reingewinn von �231 620 M. Die Derwal- tlliig hofft, durch die Sanierung eine Grundlage kür ein wirtschaitliches Arbeiten bei anziehender Konjunktur gefunden zu haben. Der mengen- mäßige Absatzrückgang war nur gering. Die Schulden konnten um 2,6 Mill. M a h g e- baut werden, darunter die Bankschulden um rund 1 Million. ZWE ITE B E I LAG E MITTWOCH, 9. NOV. 1932 13] ROMAN von STEFAN POLLATSCH EK\ iCopyrigbl Saturu-Verlag.J Albert starrte der Gestalt nach, er nahm nichts mehr wahr. Er hatte einen Moment lang das Bedürfnis, diesem einsamen Menschen, der sein Vater war, nachzueilen. Doch er unterdrückte diese kindliche Empfin- dung, zündete eine Zigarette an und ging zurück ins Kaffeehaus. Weltlin hatte Mühe, die Beine vom Boden zu heben, es war ihm, als schleppe er eine Zentnerlast.„Nur nicht denken!" sagte er sich, doch er konnte der Fülle der hereinströmenden Bilder nicht 5)err werden. Aus dem Photographiealbum entstieg die Gestalt des Vaters, es erschien der verstor- bene Bruder, Albert der Sohn, Frau, Tochter, Susi, der Ingenieur Hanau, Cru- sius, alle, alle waren sie da. Warum um- drängten sie ihn, was wollten sie? Er blieb stehen und schloß die Augen, er glaubte um- fallen zu müssen und stützte sich an eine Mauer. Eine nie geahnie, schmerzhafte Müdigkeit überkam ihn, er war sich nicht mehr klar darüber, welche Straße er über- querte, wo seine Wohnung lag. Mit aller Energie raffte er sich auf, ging ein paar Schritte, und mit Erstaunen nahm er wahr, daß er sich in einer Parkanlage befand. Kaum zwanzig Schritte vor chm stand eine Holzbank. Sie schien ihm enendlich weit ent- fernt, nur mühsam erreichte er sie, fiel form- lich hin und war sofort eingeschlafen. Es war ein dünner, schwacher, unruhiger Schlaf, jeden Augenblick erwachte er, er konnte aber nichts anderes denken, als:„Wenn mich hier jemand sieht!" aber er hatte nicht mehr die Kraft, aufzustehen. Er spürte sein Herz klopfen, preßte die Hand dagegen, es half nichts, das Klopfen, beunruhigend und ein wenig schmerzhaft, wollte nicht nachlassen. Er verspürte starken Durst, die Zunge war trocken. Schweiß stand auf der Stirn, er fühlte ihn, ohne hinzugreifen... Dann fiel er der Länge nach zur Erde und wußte nichts mehr von sich... Als er erwachte. sah er, zuerst aus unendlicher Ferne, dann immer näher und nahe ein Frauenantlitz über sich gebeugt. Er fiel zurück, das Be- wußtfein kam langsam, er konnte sich erheben, den Namen einer Gasse nennen und wenige Minuten später saß er in einem Auto, das ihn nach Hause brachte... Weltlin erwachte am Morgen, ohne sich der Vorgänge der vergangenen Nacht richtig entsinnen zu können. Er ahnte wohl, daß sich da seltene Dinge mit ihm begeben haben müßten, aber von Einzelheiten wußte er nichts mehr. Mechanisch begann er sich an- zukleiden, mechanisch nahm er dann in dem geräumigen Speisesaal das Frühstück und mechanisch durchblätterte er die Zeitungen. Ach ja. da stieg ein Erlebnisfetzen auf: er sah sich im Park auf dem Boden liefen, neben ihm kniete eine Fnur. wer war die wohl gewesen? Irgendwie sah sie doch Susi ähnlich, schien ihm. Sprunghaft glitten die Gedanken dahin, waren wieder in der Fabrik, bei den Maschinen, bei Absatz und Preisbildung. Die Gedankenkette wurde unterbrochen. Erna trat ins Zimmer, reichte dem Vater die Hand, drückte ihm einen leich- ten Kuß auf die Stirn. Es fiel ihm auf, wie schmal seine Tochter aussah. Die roten Farben waren wohl ein wenig Schminke, die Ränder um die Augen sprachen zu deutlich. Und wieder mußte er an Albert denken, der gelächelt hatte, als von Erna die Rede ge- ivefen war.-. Das Mädchen nahm eine Zeitung zur Hand, blätterte stehend, nippte stehend Tee und wollte sich schon entfernen. „Warum so eilig. Erna?" „Du weißt doch, Vater, daß wir jetzt recht aufgeregte Tage haben." „Ja. mein Kind. Die Zeitungen sind ja voll von den Schwierigkeiten, in denen sich eure Bant befindet." Weltlin sah die Schatten um die Augen seiner Tochter. Seine Stimme klang ge- dämpft, als er fragte:„Krüger ist in einer peinlichen Situation?" „Ach. die Zeitungen. Vater! Solange alles gut ging, war er das große Genie, jetzt fallen sie alle über ihn her." „Gewiß, Erna! Es ist immer so im Leben... Ist es richtig, daß gegen ihn ein Strafverfahren eingeleitet ist?" „Ja, leider! Diese Dummköpfe!" „Du bist sehr aufgeregt, Erna." „Der arme Mensch! Alles bricht über ihm zusammen!" Sie nickte ihrem Vater zu und war schon aus dem Zimmer. Weltlin war allein geblieben. Er nahm die Zeitung-zur Hand. Hier stand alles. Der Zusammenbruch der Bank in all seinen Einzelheiten war lückenlos dargestellt, und man konnte sich nur wundern, daß er- fahrene Bankdirektoren solche Fehler begehen konnten, die jeder Journalist nun so klar als Mißgriff erkannte. Da stand auch der Name Krüger. Er war der böse Geist der Bank gewesen, so stand es zu lesen, der von Spe- kulation zu Spekulation getaumelt war und unzählige Existenzen in Not und Elend ge- bracht hatte. Mißmutig zerknüllte Weltlin die Zeitung und warf sie zu Boden. Wie. spricht man nicht auch über mich so? dachte er, bin nicht auch ich der böse Dämon, der Satan? Wieder tauchte das Bild auf. wie er damals— wie lange schien es zurückzu- liegen— vor diesem Mann zitternd gesessen war und sein Ausspruch ihm als Todesurteil gegolten hatte. Wie hatten sich nun die Zeiten geändert! Aber Erna? Was war mit ihr? Wie stand es um Erna und diesen Mann? In der Fabrik erwies es sich dann, daß das Falliment der Großbank auch allerhand Komplikationen für den Weltlinschen Betrieb mit sich brachte. Die Regierung mußte, um den Sparern beizustehen und die Wirtschaft aufrechtzuerhalten, für die Verbindlichkeiten der Bank garantieren, eine Menge Verord- nungen wurden erlassen, man erhielt nur das für Lohnzahlungen notwendige Geld, Rechnungen durften nicht bezahlt werden, man durfte das Land nicht mehr verlassen, jede Stunde brachte eine neue gesetzliche Be- stimmung, und niemand konnte sich in diesem Chaos mehr zurechtfinden. Alle Arbeit ruhte, viele Geschäfte hatten gesperrt, Leute standen auf den Straßen und besprachen ängstlich ihre Situation, jeder hatte das Ge- fühl, als versänke der Boden unter seinen Füßen, immer allgemeiner wurde die Ueber- , zeugung, daß alle Arbeit fürdcrhin völlig zwecklos geworden fei. In den späten Abendstunden verließ Weltlin seine Fabrik mit schlechtem Gewissen. Allerhand Anweisungen waren noch zu geben gewesen, er hatte noch nicht den Äbendrapport des Betriebsleiters entgegen- genommen, die Post war noch nicht unter- schrieben, ja selbst der Prokurist Lechner, der tagsüber vom Telephon nicht weggekommen war, endlich aber doch das für die nächsten Tage nötige Geld beschafft hatte, war nicht mehr empfangen worden, und auch von Susi hatte er sich nicht recht verabschiedet', ein Nicken mit dem Kopf, ein flüchtiger Hände- druck— das war alles! Wieder empfand Weltlin diese quälenden, bohrenden Kopf- schmerzen. Wieder war diese ungeheure Müdigkeit über ihn gekommen, die Beine schmerzten, es war ein angenehmer, gruse- liger Schmerz, der von den Beinen aufwärts durchs Rückenmark schauerte. Mühsam erreichte er seine Wohnung, warf sich, angezogen wie er war, aufs Bett, doch seltsam, er konnte keinen Schlaf finden. Wenn er auch die Müdigkeit fast als körperlichen Schmerz empfand, der ersehnte Schlaf wollte doch nicht kommen. Visionen umdrängten den Ruhenden, der keine Ruhe fand. Gestal- ten tauchten auf, die er nicht kannte, die er gern länger um sich gehabt hätte, aber sie waren nicht zu halten. Kaum erschienen, ver- flüchtigtcn sie sich wieder. Auch klarere Mo- mente kamen, manche Schatten blieben länger.(Fortsetzung folgt.) 3>es Mailers Meldenlod Sin neudeuijches Xeleftück II ir entnehmen das nachstehende Lese- städc einem patriotischen Lesebuch, das der Verlag J. F. Schulze in München im Auftrage Hitlers für alle Schulen des Dritten Reiches oorbereitet hat. Mangels passender Gelegenheit ist dies Lesebuch nodi nicht herausgekommen. Die Auflage oon 10 Millionen Stück lagert noch in den Kellern. öo nahte der folgenschwere 9. November heran, der die Tragödie des Hohenzollernhauses besiegeln sollte. Gegen Morgen erstattete der Feldmarschall dem Kaiser die entscheidende Meldung: „Majestät! ich kann für die Sicherheit Ew. Ma- jeslät inmitten der Truppen nicht mehr garantieren." Wie unter einem Hieb fuhr der Kaiser empor. Sein Blauauge blitzte: „Wer spricht hier von meiner Sicherheit? Darf ein Kaiser im Augenblick höchster Gesahr an seine persönliche Sicherheit denken? Es geht um Deutsch- land und nicht um meine Person!" Der Marschall senkte sein Haupt. „Majestät, es ist zwecklos. Meuternde Matrosen haben die Rheinbrücken bei Köln und Bonn be- setzt. Bor zwei Stunden hat eine Konserenz der Frontkommandeure stattgefunden. Sie hat fast einmütig festgestellt, daß die Truppen zwar unter dem Befehl Ew. Majestät nach Hause ziehen, aber nicht gegen Deutsche kämpfen würden." Des Kaisers Stirn runzelte sich: „Sic wollen mich nicht verstehen, lieber Mar- schall. Selbstverständlich denke auch ich als beut- scher Kaiser nicht einen Augenblick daran, gegen lllax Marthel: -Den iolen Soldaien Still vom Sturm der Kanonen Ruhen aus die Kameraden, Die Soldaten, die Matrosen, All die vielen Namenlosen, In der Erde, tief im Meere: Brüder in dem Geisterheere! Blut verbindet uns mit allen, Die im Schlachtfeld sind gefallen, All den vielen Namenlosen, Den Soldaten und Matrosen, Die nun frei sind aller Schwere: Brüder in dem Gcistcrheerc! Dunkel alle Toten schweigen. Aufwärts unfre Hymnen steigen. Den Soldaten, den Matrosen, Den verstummten Namenlosen Glorie und letzte Ehre: Brüder in dem Geisterheere! Deutsche zu kämpfen. Trotzdem werde ich mich an die Spitze der Truppen stellen, um das zu tun. was ein Kaiser in solcher Situation tun muß Erinnern Sic sich, daß ich bei festlicher Gelegen- heit einmal meinen Ahnherren Albrecht Achilles zitiert habe: Es gibt keinen schöneren Tod, als inmitten meiner Feinde.— Das, so sagte ich da- mals, sei auch mein Leitspruch. Feldmarschall, be- denken Sie: Welche Blamage, erst schwadronieren und dann davonlaufen! Bor Scham und Schande würde ich keine Nacht mehr schlafen können." „Ew. Majestät denken gewiß folgerichtig." Dem Feldmarschall zitterte die Stimme.„Aber was soll geschehen? Der heutige Krieg schafft andere Bedingungen, als sie zur Zeit des Markgrasen Albrecht Achilles bestanden.." „Ich Hobe mir alles überlegt." Des Kaisers Stimme klang klar und hell.„Ich Hobe mir vier meiner Söhne hierherbestcllt, die mich auf dem letzten Ritt begleiten werden. Eine Anzahl pom- merscher Adliger, an ihrer Spitze Gros Oldenburg Ianuschau, serner verschiedene meiner Ossizicre aus adligen Geschlechtern, ein Freiherr Elz zu Rübenoch, einer aus dem Geschlechtc derer von Gayl, die Herren Generalslabsoffiziere Schampus und Tappscr halten sich bereits seit mehreren Tagen bereit. Eine Stelle der Front ist aus- gekundschastet, aus die der Feind sein Artillerie- scuer konzentriert, sobald sich etwas regt. Zwanzig Gestalten hoch zu Roß wird er sicher nicht über- sehen." Der Kaiser rührte an eine Klingel.„Lassen Sic meine Söhne antreten.. Nun Jungcns, seid Ihr bereit?" Der Aelteste nickte sein unbekümmertes fröh- liches Lächeln:„Die Quartiere in Charleville wuchsen mir längst zum Halse hinaus. Es wurde schließlich langweilig und bloß noch anstrengend. Nach so vielen Französinnen hoffe ich auch ein- mal einen männlichen Franzosen zu sehen." Der Zweite schaute an seiner massigen Gestalt abwärts.„Ich werde wenigstens ein gutes Ziel bieten. Mein Adjutant sagte mir neulich, daß in der Heimat einige Leute hungern sollen, sie leben da von sogenannten— äh, wie heißt es doch— Kohlrüben, und ich habe die ganze Zeit meinem Bauch nichts abgehen lassen." Oskar wiegte bedenklich den Kops:„Ihr' habt gut reden, Ihr kennt die Front nicht. Aber ich bin im August mal ins Schlamassel hinein- geraten. Die Herzkrämpfe, die ich da bekommen habe, vergesse ich mein Lebtag nicht. Aber immerhin, che ich künstig am Ende mit Zinnsoldaten statt mit wirklichen Soldaten Paraden mache..., es sei." „Schade", sprach Auwi,„ich hatte mir gerade einen Plan ausgedacht, wie man durch n a t i o- nale Reden vielleicht das deutsche Volk wieder zur Raison bringen könnte.." „Doch nicht als Versammlungsagitator?" siel ihm der Kaiser erschreckt ins Wort. „Grade! Aber ich sehe schon nach mir den Mann kommen, der das viel besser können wird. Ich sehe, als stünde er leibhaftig vor mir, seinen gestutzten englischen Schnurrbart und ruse ihm. dem kommenden großen Unbekannten hiernnt ein dreifaches Heil zu" „Also Ihr seid bereit", sprach der Kaiser kurz und schlicht. Schweigend waren die todbereiten Paladine ein- getreten. Ein letzter Händedruck und man bestieg die Pferde, kein Wort wurde mehr gewechselt. Die kleine Kavalkade ritt in den trüben November- morgen hinaus. Der Feldmarschall erklomm einen Bcobachtungs- stand. Von hier aus konnte er mit dem Fernrohr die kleine Schar verfolgen, deren Silhouetten nach dein Horizont zu kleiner und kleiner wurden. Plötzlich aber war es. als breche mitten aus der Erde ein Vulkan hervor. Ein ungeheurer Busch von Steinen und Erde wuchs auf, sprang gen Himmel und versank. Bon den Reitern sah man nichts mehr Erschüttert ließ der Feldmarschall sein Glas sinken. Seine greisen Lippen murmelten:„Das Ende der Hohenzollcrn. Gottlob ein würdiges Ende." * Nachwort: Die Behauptung, daß am 9. November der Kaiser und der Kronprinz nach Holland geflohen seien, ist selbstverständlich eine von den Marxisten verbreitete Lüge. Jonathan ffierolniionshumor Leipziger Barrikadenlied(1350) Ein freies Leben fuhren wir, Mer leben stets im Drusel; Der Tag vergeht bei Schnaps und Bier Und abends, denn erholen wir Bei Bayrisch uns und Fusel. Und geht uns mal der Spaß zu weil Dann bau'n mer Barrikaden, Mer wollen keene Kleenigkeit, Mer wollen deutsche Eenigkeit Und haben scharf geladen. Mer wollen keenen Bergerkrieg, Mer sind ja alle eenig; Bei uns, da heeßt's: Tod oder Sieg! Mer schwören for die Republik Un unsern guten Geenig. (Gedruckt 1850, A, Hofmann u. Co., Berlin.) do&tc&dUityiiufi' # ftüZiwütPnud' dpitfidfi�-nü� £Kiirl SchmeUzer: Tom Kirchturm aus Das Äirchdach war alt und ziemlich baufällig, und der Pastor hatte schon oft gesagt, es müsse ausgebessert, auch ein Blitzableiter auf dem Turm angebracht werden. Aber die Bauern hielten die Taschen zu und meinten: es habe nun schon so lange gehalten, es würde es schon noch eine Weile tun: Korn und andere Dinge, die verderben könnten, brauche es ja nicht zu schützen. Und ein Blitzableiter? Pah, der liebe Gott würde es schon nicht in sein eigenes Haus einschlagen lassen! Darükler ärgerte sich der Pastor und nannte die Bauern eine gottverlassene Gesellschaft. Dabei blieb's. Den Spatzen dagegen war das bausällige Kirch. dach gerade recht. Sie wohnten darunter in großen Scharen und hatten zwischen den Sparren ihre unordentlichen Nester, wo sie ihre Jungen sicher vor Katzen großzogen und die kalten Winter- nächte vorbrachten. Und es wurden immer mehr. denn die Jungen siedelten sich wieder unterm Kirchdach an und deren Junge wieder: Platz war ja genug, und Spatzen vertragen sich gut unter- etnander und helfen und unterstützen sich gegen fremde Eindringlinge. Und je zahlreicher die Es- sellschaft ist, desto wohler fühlen sie sich, Zu sressen war auch genug da, denn um das Dorf herum waren Felder und Gärten. Denkt mal bloß, wie viele Raupen und Fliegen und Ohrratzeln da aufzulesen und zu oerspeisen waren! Salin gab's Salat in den Gärten, der so gut schmeckt. Und gar, wenn erst die Kirschen reii wurden! An allen Straßen standen prachtvolle Kirschbäume, und die Spatzen hatten keinerlei Be- denken, mit Gekreisch und Geschilp darin einzu brechen und die süßen Früchte anzupicken. Freilich, die anderen Vögel, die das sahen sagten-„Nein, diese Spatzen! Wenn das bloß gut geht! Sie sind auch zu frech!" Und sie hielten sich fern von ihnen. Wenn die Spatzen mal etwas davon hörten, was die anderen Vögel über sie sagten, schrien sie gleich:„Was wollen die? Die sind wohl nicht recht gescheit? Wir wohnen ja unterm Kirchdach und hören jeden Sonntag die Predigt! Uns kann nichts passieren! Die sollen sich selbst in acht nehmen! Wo wohnen die denn? Irgendwo im Busch! Und von Gotteswort und Orgelspiel haben sie nicht mal einen Begriff!" So ging das nun schon all die Jahre: die Bauern hielten die Taschen zu, der Pastor ärgerte sich, die Spatzen fühlten sich wohl und die anderen Vögel hatten ihre Bedenken. Da gab's einmal im heißen Sommer ein schweres Gewitter Die Spatzen saßen alle wohl- geborgen unterm Kirchdach und hörten, wie der Regen auf die Ziegeln pladderte und zwischen den schadhaften Stellen hindurchtropfte. Sie machten sich nichts daraus, denn man braucht sie! ja nicht gerade an eine Stelle zu setzen, wo's tropft. Auch aus Blitz und Donner machten sie sich nicht viel das war eben so und würde nach einiger Zeit schon wieder aufhören und dann würde die Sonne wieder scheinen und sie konnten in die Kirschbäume fliegen und Kirschen picken. Aber plötzlich gab's einen furchtbaren Knall, die ganze Kirche bebte, und dann knisterte und knasterte es ganz unheimlich: es wurde so seltsam und flackrig licht im Kirchboden, der sonst nie Heller als halbdämmrig war. Es war so be- ängstigend, daß die Spatzen doch lieber in den Regen hinausflogen und sich auf einen Baum setzten. Und da konnten sie nun ja sehen, daß die Kirche brannte, denn der Blitz hatte in den Turm eingeschlagen, aus dem kein Blitzableiter war. Die Bauern kamen mit ihren Löschgeräten ge- laufen— aber da war nicht viel zu retten. Das baufällige Dach brannte licherloh, und der Turm stürzte geradezu über die Kirche hin. „Seht ihr", sagte der Pastor zu den Bauern, hättet ihr rechtzeitig das Dach ausbessern und einen Blitzableiter anbringen lassen, wäre das nicht geschehen. Nun mutz die ganze Kirche neu zebaut werden. Jetzt macht nur eure Taschen auf!" Und die Bauern brummten. Die Spatzen suchten sich neue Unterschluvfe. Das gab natürlich Zank und Geschrei mit den anderen Vögeln, denn die Spatzen drangen einfach in Starenkästen und Schwalbennester und richteten sich darin ei». Sie kamen schon unter, denn sie halfen sich gegenseitig. „Nein, diese Spatzen!" sagten die anderen Vögel.»Sie sind doch zu frech! Aber recht hatten wir ja doch, daß es nicht gut gehen würde mit ihren Diebereien in den Gärten und Obstbäumen. Nun ist ihr Kirchdach hin!" Und sie machten sich daran, neue Nester zu bauen, denn die Spatzen hatten es sich ja in ihren bequem gemacht. >frrcic Gewerkfchafts-�uaend Berlin Heute, Mittwoch, 9. November, Mz Uhr, tagen die Gruppen: Süd- ' Westen: Jugendheim Rorckstr. N(Fabrikgebäude!. Deutsches Recht.— Echbueberg: Jugendheim Hauptstr. Ki(Gartenhaus). Revolutions- gcdenkfeier.— Spandau. Neustadt: Jugendheim Lindenufcr l. Der No- ocmber.— Rordring: Jugendheim Gonnenbnrgcr Str. tv. Revolutionsfeier.— Weiheasee: Jugendheim Weihenses, Caseler Str. 2. Lustiges von Martha John. — Aruswalder Platz: Jugendheim Echönlankcr Str. 11(Baracke t>>, rechter Eingang. Was bringt uns der neue Reichstag?— Rculölln: Jugendheim Bergstr. 2g(Hof), jjeimbesvrechung.— Flughafen: Jugendheim Flughafen- ltrahc 68(U-Bahn Boddinstrahc!. Die Erpanfion des Faschismus.— Sum- boldt: Jugendheim Pntbusscr Str. 22. Revolutionsieicr.— Sckiillerpark: Zu- gcndheim. Schule Schöningstr. 17. Noocmberrevolutiou.— Charlotten bürg: Zugendheim Charlottenburg, Spreestr. Zll. Revolutionsseier.— Banmickulen- wcg: Jugendheim Baumschulenweg, Ernststr. 16. Umbau der Wirtschaft.— Breis Vbcrsprce: Jugendheim Baumschulcnweg, Ernststr. 16. KU., Uhr Reihenvortrag: Umbau der Wirtschast. t�uaendaruvpe des Zentralverbanöes de«- Anaeffellten Heute, Mittwoch, linden folgende Veranstaltungen statt: Schönhauser Vorstadt: Jugendheim der Schule Kastanrenallcc 81. Der g. November K)l8.— Nordosten I: Jugendheim Danziger Str. 62(Baracke Z). Der g Na» vcmber 1918.— Reinickendorf: Jugendheim Lindauer Str. 2. Bunter Abend. — Äijpcnick: Jugendheim Dahlwitzcr Str. 1ö(Gasanstalt am Bahnhof Köpenick). Arbeitsgemeinschaft: Die Geheimnisse der kapitalistischen Warenerzeugung. Leiter: Raue.— Neukölln: Zugendheim Böhmische Str. l— 4, Ecke Könner Straße. Arbeitsgemeinschaft(6. Abend): Wir wissen einen Weg— das Wirt» schaftsbauprogramm der freien Gewerkschaften. Leiter: Krebs.— Südost: Ju- gcndheim Manteusselstr. 7. Revolutionsgedenkabend.— Südwest: Jugendheim Porckstr. 11(2. Hof, Quergebäude, Ausgang I, Zimmer 8). örimoeranstaltung. — Schönebcrg: Jugendheim Hauptstr. lä(Hofgebäude, Sachsenzimmer!. Politische Satire. Vortragender: Theo Morel.— Cdarlottcnburg: Jugendheim Spielhagenstr. 4. Arbeitsgemcinschast: Die Geheimnisse der kavitalistischen Warenerzeugung. Leiter: Huhn.— Spandau: Jugendheim Lindenufcr l. Gedanken der Revolution von 1918.— Potsdam-Rowawes: Jugendherberge No wawes. Revolutionsgedenkabend.— Die Versicherungsgesellschaft„Soraensrci" A.-G. tagt heute von 17 bis 19 Uhr im Vcrbandshaus, Hedcmannstr. 12. Tbka'er im AdmiwSimMst Vortrage, Dereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold" Kejchäktsstell?: Berlin S 14 Sebastionstr 87—38 Hol? Ti Prenzlauer Berg(Vortrupp). Mittwoch, 9. November, 18�. Uhr, Sprechchorprobe beim Kameraden Alt.— Weißensce(Ortsverein). Donnerstag, 19. November, 29 Uhr, Turnhalle. 19. Vortrag kapelle Karl Borchardt Bereinigung ehem. Kriegsgefanacuer, BerUn-Eiide». Donnerstag, 10. November, 20 Uhr, bei G. Krüger, Grimmstr. I. Esperantogruppe Humboldt. Restaurant Nheingau, Wilmersdorf, Binger Strafte 9. Freitag, 11. November, 20 Uhr, Hebungen, Konversation, Lektüre, geselliges Beisammensein. Gäste willkommen. (jj /."IR-y /»"i■'■y //Piff-y /T"' T my yfTnTkv yölTTTTdy y##1T7n*y � Ssnimstag, den tv.Novemb., 71 Ahr Bremwre LIOM EineVorstadtlegende in 8 Silbern von Franz Molnar Musik: Theo Mackeben I reipugun� Restaurnnt Berlins Sfaafs Theafer Mittwoch, den 9. November staatsoper unter den Linnen 20 Uhr Wiener Blut Staatitches Schauspielhaus 20 Uhr Gabriel Schillings Flucht VOLKSBOHNE Theater am Bfilewirsaüz O i, Norden 2944. Taglid. szz Uhr CA hl MV von Marcel Pagrol 1»erfim H Regie Heinz Hilpen. Dorsch, Tiedtke, Valetii, Siedel. Auch Sonntag 31:. Preise 0,7S-4Mark. Willi Sehaeffers N'luahergerStr.SD Kabarett für Alte 4 Uhr Täglich 2* 9 Uhr Das sensationelle Eabarett-Frogramm Abendpreise I— 3 Mk. Nachm. GedecK 1,25 Jeden Sonnabend 1 1'/2 Uhr: Nachtvorstellunc f-Ttieaier i.e.-, Stresemannstr, Täglich S'h. Zu min. msiolusuiu v. Bernard Shaw vloissi, v Thell- mann, Benens. Evans, Otto, Sitna, Wiemann. Deppe. de Kowa. Berta Sretvs, Anne 5ore Bosheim, Leonhard Stecke!, Gina Fallen- berg, Grete Bäck, Ludwig Roth, Emilia Kurtz, Wolfg. v. Schwind! u.a. Regie: Karl Heinz Msetm Tiorverkauf ununterbrochen! tä&.Oper Jnarfottcnbur Fraunhofer 0231 mifmih. 9. Kov ?0 Uhr Turnus IV 28? scüsnfed i*3n nsni Rode. Müller. Friedrich, Berger, Burgwinkcl, Steier, Gombert. Qonszar. Guttmann. Ludwig, Pechner. Heyer. Dirigent; Breisach N0ueKöniost.61-64 Kupfergrab 2132 4 Uhr 8 Uhr TANZ üeorg'e Netisimann u. 12 Atuaktlooeu Bombenstimmung ■■Eintritt ÄÄAAAÄÄA-Aä Wwwwwwwwww Bekanntmachung. Die in der Zeit vom i. Oktober bis 3t Dezember 1931 versetzten Pfänder sind oersteigert worden. Ueber- schlisse sind bis zum 9. No- oember 1933 abzuheben. Staatliches Leiham». ci/»"»i«! Markthallenstände zu vermieten Babelsberg. Str. 39 Hl Pfalzb. 3229 Nähe Bayrischer Platz Krüffiiiinsr«temnHchst! CASI.10- THEATER Lothringer Sir ah c 37. niiiiiiililiimniiiiiili Sonntags auch nachm. 4 Uhr BIß Lißliß UlDlit in Werder Berliner Volksstück in 4 Bildern mii Gesang und Tanj. Für die Leser Qu: schein 1—4 Personen Parkett 0.30 M. Fauteuil 0.75 M.. Sessel l 25 M. Stettiner Sänger Reichshallen-Theater 8.15 Sonntag 3.30 zu ermäßigten Preisen. lYiesodie des Qinclis und das Novemher-Programni R N I Demnächst erscheint im Verlag j. H. W. DIETZ NACHFL., Berlin PreuBen contra Reich vor dem Staatsgerichtshof, vom 10. bis 17. Oktober 1932 Einzig authentischer Stenogrammbericht der Verhandlungen Mit einem Vorwort des Ministerialdirektors DR. BRECHT Lexikonformat. Vornehmer GanzleinensEinband mit Goldfolio. Etwa 30 Bogen. Regulärer Preis RM. 15.00. V C Subskriptionspreis RM. Ein Quellen, und Urkundenwerk von außerordentlich wichtiger und historischer Bedeutung, das in keinem Büro der Behörden, Universitäten, Archive, Parteien, Organisationen fehlen darf.— Auslieferung Mitte Dezember.— Schluß der Subskription 1. Dezember 1932. Vorbestellungen zum Subskriptionspreis nimmt entgegen die Buchhandlung1 J.H.W. Dietz Nachfl., GmbH., Berlin SW. 68, Lindenstraße 2. iTiieaiem-Wesiens ISteinpl. 5121 1 Täglich 81,4 Uhr I Gitta A l p a r in UiatlinHnai Stgs. �«3 u. 5 U. FönPrdiristel meiropoi-itieaier I Täglich S'/i Uhr 1 Srifji Massary in Eine Frau, die weiß, was sie will! Sonntag Walzertrauni Theater im Admiralspaiast Merkur 9901 Morgen Uhr Premiere nans Bibers Liliom Sonnt, nachm. 3 Uhr ruftJE bill. Preise B. ß. Ba Bcndows Bunte Bühne Kotibusser Straße 6 früher„Elite- Sänger' .Hier können Familien HaHse kocltcn* Tgl.BV4 0 Sonnt, nachm. Vh Preise von 50 Pf. an SS in der Gesamtauflage des.Vorwerts" sind besonders wirksan und trotzden sehr(Billig) Deutsches Theater Weidend. 520t 8 Uhr Prinz Filäffl » imlKiis Sdiajspld von H. v. Kleist Regie: MaxReinhardt Thimig, Fehdmer Gustav Fröhlich. Kayßler. Wegener KsmniGrspieie 8 Uhr Midiaei Krainer uerliart Huuniniann Klopfer. Melzer, Tricsch, Flockina v Platen, Kaiser, Liebeneiner. Regie: K H.Martin Komödientiaus Scftiffbauerdamm 25 D 2 Weidend. 6304—05 Täglich H1» Uhr Auslandreise v.Gestmidieru.liirsdil!lil Felix Bressart Maria Paudler Paul Heidemann Lsssing-msater Tägl SV. Uhr Grete Mosheim Oskar Homolka in Pygmalson Sismarckstr.(Knie) Steinpl.(Cl) 6715 Täglich 8V. Uhr Robert und Bertram Alfred Braun. Fritz Hindi. Snta SMmd Stg. 13 3'/, Uhr Robert and Bertraoi Preis 0 40 bis 2,00 Deutsches Künstler-Th. Nürnberger Str. Heute'18 Uhr Premiere Leopoldine Constantin in: IMe Xacht zum 17. 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