Morgen- Ausgabe Nr.531 A260 49.Jahrg. Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 <317«Mi tlänhofl 292 bi* 297 T-l-zramm-brell«! Sojiatttmotrat zogen ist, der Fürsorgeerziehung überwiesen wer- den durften, wenn die Aufwendung besonderer Mittel für die Erziehung bei anderweitiger Unter- bringung notwendig war. Nach der Notverord- nung können diese Jugendlichen zur Verhütung der Verwahrlosung, wenn anderweitige Unter- bringung erforderlich ist, aber ohne Jnanspruch- nähme öffentlicher Mittel nicht erfolgen kann, der Fürsorgeerziehung überwiesen werden. Das gilt nicht für körperliche Verwahrlosung. Bisher war also für Minderjährige dieser Art das Jugendamt zuständig, das ton- fessionell neutral ist. Jetzt werden sie der ton- fessionellen Fürsorgeerziehung über- wiesen Das Jugendamt hatte für diese Kinder Kindergärtenhorte. Fürsorgeeinrichtungen aller Art. Die Fürsorgeerziehungsbehörde bringt sie in Anstalten oder in Familien unter, bei denen sie nur gelegentlich die Erziehung überwachen kann. Achtung! icweiivdu dtoUtUwocdaud! Sitzung des erweiterten Bezirksvorstandes am Freitag, dem 11. November, pünktlich 19 Uhr, im Sitzungssal der Wohlfahrtsschule, Lindenstr. 3, II. Hof 3 Treppen. (Diesmal nicht im Sitzungssal des Bezirksverbandes Berlin.) Wir bitten um bestimmtes und pünktliches Erscheinen. Der Bezirksvorstand.• Dabei wird die Fürsorgeerziehung in unüberseh- barer Weise ausgedehnt. Denn Städte und Land- kreise, die Träger der Jugendämter, sind in solcher Finanznot. daß sie in allen Fällen, in denen sie Auswendungen für diese Minderjährigen haben, Verwahrlosung ankündigen und Fürsorgeerziehung beantragen Das Ende der Fürsorgeerziehung tritt nicht mehr bei der Volljährigkett. sondern mit Vollendung des lg. Lebensjahres ein. Bisher war die Entlassung aus der Fürsorgeerziehung wegen Unäusführbarkeit aus Gründen, die in der Person des Minderjähri- gen liegen, nicht möglich, well ein Vewahrungs- gesetz nicht bestand. Jetzt kann nach Anhörung des Jugendamts entlasten werden wegen Unaus- führbarkeit der Fürsorgeerziehung aus Gründen. die in der Person des Minderjährigen liegen, wenn die Fürsorgeerziehung mindestens ein Jahr ge- dauert hat. außerdem, wenn der Minderjährige an erheblichen geistigen oder seelischen Regelwidrig- leiten leidet. Spormaßnahme? Jetzt, wo durch Fehlen von Arbeit die Verwahrungsgesahr für Jugendliche größer ist als je, wo den Jugendämtern das Geld fehlt, neue schwere Ausgaben zu übernehmen, Jugendliche mit 19 Jahren zu entlasten. Uner- ziehbare aus die Straße zu schicken, wird den Staat schließlich sehr viel mehr kosten, als hier je gespart werden kann! Was soll noch der kostspielige Apparat der Für- sorgeerziehung. wenn Leichterziehbare über- nommen. Schwererziehbare auf die Straße gesetzt werden? Wir sind damit einverstanden, daß die Jugendämter die Erziehungsarbeit übernehmen, aber dann für alle und nach Uebsrweisung von Geldmitteln an die Gemeinden. Was mit dieser Notverordnung gemacht wird, ist Schutz für die Fürsorgeerziehungs-Behörden und die Fürsorge- erziehungsanstalten und Gefahr für die Jugend. Der Prozeß Bullerjahn Qlnstige Aussagen für Bullerjahn Bei der Fortsetzung der Zeugenvernehmung wurde das allgemeine Verhalten Bullerjahns und sein Verhalten während der Revision durch die Militärkommission erörtert. Dabei ergab sich, daß mehrere Zeugenaussagen in ganz anderer Form herauskamen als im Künstlertheater Zilahy:„Die Nacht zum 17. April" Das Künstlertheater, im Wellengang der Krise aus den Händen Dr. Roberts in die Hände der Rotter hinübergeschlagen, spielt einen amüsanten Kriminalreißer. Leopoldine Konstantin ist die Heldin, die eingesteht, den Mord aus Liebesoer zweiflung begangen zu haben, und sie hat doch nicht gemordet. Die Lösung des Geheimnisses ge- schah unter Tränen und das Publikum weinte mit. Ob das berechtigt ist, muß untersucht werden. M. H. ersten Verfahren. Der Lanerverwalter Fi s ch e r hatte früher ausgesagt, daß Bullerjahn sich in auffallender Weise nach versteckten Sachen in den Ecken erkundigt habe. Heute sagte Fischer aus, daß Bullerjahn ja genau Bescheid gewußt habe, daß aber Herr von Gontard die Angewohn- heit hatte, genau in die Ecken zu sehen, und daß Bullerjahn deswegen habe für Ordnung sorgen wollen. Der Umstand, daß ein französischer Offizier einen Schrank mit bestimmter Nummer habe öffnen lassen, wird von Fischer wie von dem Oberstleutnant Dühring als üblich und harmlos zu erklären bezeichnet. Der Zeuge Fischer gab ferner zu, daß drohende Acußerungen Buller- jahns in der Form gefallen sein könnten, wie sie Bullerjahn heute selbst anstellte. Es wurde ferner festgestellt, daß außer Bullerjahn noch «ine ganze Reihe von Arbeitern und Angestellten Kenntnis von dem geheimzuhaltenden Material hatte. Geständnis nach der Wahl Nazimißwirtschaft in Mecklenburg Der nationalsozialistische Ministerpräsi» dent Granzow von Mecklenburg-Echwerin, der Schwager von Goebbels, hat vor der Wahl den Mecklenburgischen Landtag schonend daraus vorbereitet, daß das Defizit etwa 3,6 Millio- n e n Mark betragen werde. Diese Mitteilung war eine Schönfärberei, denn die nationalsozia- listische Wirtschaft hat das Land Mecklenburg- Schwerin in eine schwere Finanzkrise gebracht. Drei Tage nach der Wahl hat nun der Nazi- fraktionsfllhrer Hildebrandt im Landtage mitgeteilt, daß das Defizit 6,6 Millionen Mark be- tragen werde, also fast noch einmal soviel, wie der Naziministerpräsident vor der Wahl zu- gegeben hatte. Außerdem wird jetzt zugegeben, daß die Naziregierung die S ch l a ch t st e u e r ein- zuführen gedenkt und dieBeamtengehälter kürzen will! Diese Pläne sind das Ein- geständnis der Mißwirtschaft. Sie sind wohlweis- lich bis nach der Wahl zurückgehalten worden. Wenn in Mecklenburg am nächsten Sonntag noch einmal gewählt werden würde, so würden den Nationalsozialisten noch einmal soviel Wähler davonlaufen, wie ihnen in Mecklenburg am ver- gangenen Sonntag davongelaufen sind! Und sie lacht schon und spitzt's Mäulchen, Und sie ziert sich noch ein Weilchen Und dann küßt sie den Franz... Ikon auch in Dänemark! Am Hauser-Platz in Kopenhagen wurde bei einer Schlägerei zwischen Kommunisten und jungen Sozialdemokraten der 26jährige Sozialdemokrat Werner Nielsen von den Kommunisten erschlagen. Kabinett und Parteien Um Fapens Rücktritt Meldung der„Telegraphen-Union" Das Reichstabinett trat am Mittwoch zum ersten Male nach den Reichstagswahlen zur Besprechung der politischen Luge zusammen. Zu- nächst hielt in der Kabinettssitzung der Reichs- kommistar für die A r b e i t s d i e n st p f l i ch t Vortrag. Aus Grund seiner Ausführungen wurde beschlossen, die Arbeitsdienstlager auch den Winter hindurch offen zu halten. Sodann wurde«in- gehend die politische Lage besprochen. Es wurde allgemein der Ueberzeugung Ausdruck gegeben. daß eine nakionale Konzentration wün- schenswert sei. Wie verlautet, dürste der Kanzler zu diesem Zwecke im Lause der nächsten Tage die Partei- führer empfangen, um sie über diese Ansicht zu informieren. Ein Rücktritt des Kabinetts oder von Teilen des Kabinetts kommt jedoch nicht in Umfang des Noosevelt-Gieges Ltimmen Verhältnis 15:11/ Wahlmännerverhältnis 8:1 New Jork, 9. November. Nach deu neuesten Zählungen sind für R o o f e- v e l t 14 627 445 Stimmen und für hoooer 10 704 719 Stimmen abgegeben worden. Von den 5Z1 wahlmännerstimmen erhielten Roosevelt 472 und hoooer 59 Nicht wie ursprünglich bekannt- gegeben wurde 78. * Der Vergleich Zwischen den Wähler stimmen und den Wahlmänner stimmen, die die beiden Kandidaten erhalten haben, ist ein neuer klassischer Beweis für die Ungerechtigkeit jedes Wahlsystems ohne Proporz. Etwa 15 Millionen Wählerstimmen und 472 Wahlmänner für Roosevelt, fast 11 Mil- lionen Wählerstimmen, aber nur 59 Wahlmänner für Hoooer— das Mißverhältnis ist offen- sichtlich. Allerdings würde in diesem Falle auch eine proportionale Zusammensetzung des Wahl- männerkollegiums an der absoluten Mehrheit für Roosevelt nichts ändern. Aber die Gegenüber- stellung von 42 Staaten die e>ne Mehrheit für die Demokraten erbracht haben, und der sechs Staaten, die Hoooer treu geblieben sind, ist insofern irre- führend, als sie nicht erkennen läßt, daß die Republikaner nach w'e vor eine sehr starke Partei sind und daß das wirtliche Kräfte ver- h ä l t n i s lautet 15: 11. Die späteren Meldungen heben auch den starken Zuwachs der sozialistischen Stimmen hervor. Vor vier Jahren noch nur etwa eine Viertelmillion, jetzt 1 H Millionen, der Vormarsch ist beträchtlich-, beson- ders wenn man bedenkt, daß nur solche Wähler für Norman Thomas ihre Stimmen abgeben tonnten, die aus reiner lozialistischer Ueberzeugung und mit dem Bewußtsein handelten, daß sie damit aus einen direkten Einsluß aus die Entscheidung verzichteten. New-Porker Korrespondenten bürger- licher Blätter betonen dabei ausdrücklich, daß die Stimmenzahl iür Thomas noch viel großer ge- wesen wäre, wenn nicht die Erbitterung gegen Frage. Nach den neueren Entwicklungen der Dinge ist es auch unwahrscheinlich, daß der Landwirtschaftsmimster Freiherr von Braun zurücktreten wird, da in der Kontingentssrage eine Lösung auf dem Wege ist, die voraussichtlich alle beteiligten Parteien zufriedenstellen dürfte. Die weitere Entwicklung der Dinge dürfte nun- mehr die sein, daß das Kabinett sein« weiteren Beschlüsse davon abhängig macht, ob es den Par- teien gelingt, ein Programm und ein Kabinett der nationalen Konzentration von sich aus zu bilden. Erst wenn dies gelungen ist, dürste die Frage eines Rücktritts überhaupt erörtert werden. Hoooer unzählige Wähler veranlaßt hätte, nicht für Thomas, sondern für Roosevelt ihr« Stimme abzugeben, um ganz sicher zu sein, den bisherigen Präsidenten zu schlagen. Wie steht's mit dem Alkoholverbot? New Jork, 7. November. Die Gegner der Prohibition rechnen mit mehr als 300 Sitzen im Repräsentantenhause und 50 Sitzen im Senat. Damit wäre die für eine Aenderung des Prohibitionsgesetzes not- wendige Zweidrittelmehrheit im Unter- Hause zwar vorhanden, im Senat dagegen nicht. Stark beachtet wird das Anwachsen der sozia- listischen Stimmen. Die Sozialisten dürften auf eine Gesamt- stimmenzahl von l'A Millionen kommen. Während sie im Jahre 1928 nur eine Viertelmillion Stimmen auf sich oereingten. Uebrigens hat sich am Wahltage doch auch ein ernsterer Zwischenfall ereignet Be' einem Zu- sammenstoß in Kentucky wurden drei Per- sonen getötet. (Verfassungsändernde Vorlagen sowie Staatsver- träge erhalten nur dann Gesetzeskraft, wenn sie auch im Senat eine Zweidrittelmehrheit erlangen Die Prohibition ist durch die sogenannte Volstead- Act in der Verfassung verankert worden. Red. d.„VA) Nahezu Zweidrittelmehrheit im Senat New Jork, 9 November. Nach den letzten Berichten wurden bisher 25 Demokraten für den Senat neugewählt, so daß die Demokraten insgejamt 56 Sitze haben Die Republikaner erhielten bisher vier Sitze und konnten damit die Gesamtzahl ihrer Sitze out 34 bringen lDer Senat besteht au- 96 Mitgliedern, je zwei Senatoren für jeden Staat. Redl Im Kongreß erhielten die Demokraten bisher 241, die Republikaner 48 Sitze. Arbeiter und Nation Oder: Zweierlei Maß Die kommunistische Presse ist in den letzten Wochen wiederholt wütend über L e i p a r t her- gefallen, well er sich in seiner Rede in Bernau zur Nation bekannt hat. Die kommu- nisfische Presse, die sich gerade jetzt in nationali- stischen Tiraden überschlägt und behauptet, sie allein kämpfe gegen Versailles, tut so, als ob dieses Bekenntnis für einen sozialdemokratischen Arbeiterführer etwas Neues und Ungewöhnliches wäre. Wir empfehlen den Kommunisten, in dem Buche von Archur Rosenberg:„Geschichte des Bolschewismus", nachzulesen, wie Lenin sich über das Nationalgesühl der klassenbewußten Ar- beiterschaft geäußert hat:„Ist uns, den großrussischen, klassenbewußten Proletariern, das G e- fühl nationalen Stolzes fremd? Gewiß nicht. Wir lieben unsere Sprache und unsere Heimat... Wir sind von National- stolz erfüllt und... wollen durchaus ein freies und unabhängiges, selbständiges, demo- kratisches, republikanisches und stolzes Groß- rußland." So Lenin im Dezember 1914. (Rosenberg:„Geschichte des Bolschewismus", S. 52.) Republikanischer Reichsbund. Zu Borsitzenden des Deutschen Republikanischen Reichsbundes sind gewähU worden: Staatssekretär Ab egg. Polizei- oberkommandeur Heimannsberg und Reichstagsabgeordneter Kurt Hein'g Die Gattin Stalins, Nadeßda Sergejewna Alli- lujewa, ist gestern in Moskau g e st o r b« n. Sie war Stalins zweite Frau. Aus der ersten Ehe Stalins leben zwei erwachsene Kinder, aus der zweiten Ehe ist ein achtjähriger Sohn hervor- gegangen. An dsn ,// {/edoty„VoewcUU BERLIN SWÖ8, LINDENSTR. 3 Ich abonniere den„Vorwärts" zweimal täglich frei ms Haus mit der illustrierten Sonntagsbeilage in Tiefdruck „Volk und Zeit" zum Preise von 75 Pf. pro Woche. Name:________________ Wohnung:......... Neue ungeheuerliche Arteile ?ur drei Steinwürfe— 7 Jahre, 6 Monate Zuchthaus Tas Zondergcricht Ucvuctcittc gestern den Arbeiter Vratcngeier und die Schlosser Zander und Lösche wegen Transportgefährdung zu je Z'A Jahren Zuchthaus. * Die zweite Sonderzerichlsverhandiung des gestrigen Tages richtete sich gegen den Arbeiter Bratengeier und gegen die Schlosser Z a n- der und Lösche. Der erste gehört der Roten Hilfe an, die beiden anderen erklärten, parteilos zu sein. Alle drei befanden sich am 4. November gegen VqS Uhr nachmittags in einer etwa fünf- hundertköpfigen Menge vor dem Treptower Straßenbahndepot. Schupobeamte, die in einem Streifewagen die Straßenbahn Nr. l9l begleiteten, beobachteten, wie Bratcngeier in der Richtung der fahrenden Straßenbahn Nr. 91 einen Stein warf. Während sie damit be- schäftigt waren, ihn festzunehmen, bemerkte ein anderer Schupomann, wie der Angeklagte Zander einen Stein in der Richtung der vorbeifahrenden Nr. 87 schleuderte. Auch er wurde festgenommen. Unmittelbar danach erfolgte die Verhaftung des Lösche, der gleichfalls einen Stein geworfen hatte, ohne den Straßenbahnwagen getroffen zu haben. B. b e st r i t t vor Gericht, einen Stein ge- Raubmord in Genthin 71,jatmAe Opfer eines Verbrechens (Ein Kopitalverbrechen ist in G e n l h i n zwischen Brandenburg und Blagdeburg entdeckt worden. In ihrem Hause wurde die 71 Jahre alte Witwe Helene w a e s er, Alte Platower Straße 27», ermordet aufgefunden. Die Magdeburger Mordkommission hat die Er- mittlungen aufgenommen. Der erste Befund er- gab, daß die alte Frau auf der Hofseite ihres Grundstückes niedergeschlagen und ins Haus geschleppt worden war. Man warf ihr dort in der Stube Bettkissen über den Kopf und e r- stickte sie. Die alte Frau wurde wt aus dem Fußboden liegend ausgefunden. Aus dem Haus, das sie allein bewohnte, find einige Sparkassen- bücher sowie Schmucksachen verschwunden. Die Tat ist wahrscheinlich bereits am Dienstagabend geschehen. Mefserattentat! Die„Brantlenbnrfrer-Tor-Junjfens" Die Kriminalpolizei ist mit der Ausklärung eines rätselhaften Vorganges beschäftigt, der sich gestern in einem Lokal an der Ecke der Kraut- und Lange Straße abspielte und bei dem der 22 Zahre alte Rudi h e s s e, der in einem Männerheim in der Lange Straße wohnt, durch Messerstiche so schwer verletzt wurde, daß er in lebensgcsährlichcm Zustande ins Krankenhaus Friedrichshain gebracht werden mußte. Der junge Arbeiter kam gestern stöhnend in das Männerheim und brach dort plötzlich zusammen. Ein sofort herbeigerufener Arzt stellte fest, daß er mehrere schwere Stiche in den Unter- leib erhalten hatte. Man sorgte für sofortige Ueberfllhrung ins Krankenhaus. Kriminalpolizei wurde benachrichtigt und nahm die Ermittlungen auf. Dabei stellte es sich heraus, daß Rudi h. zuvor in einem Lokal an der Ecke der Kraut- und schleudert zu haben Die beiden anderen waren g e st ä n d i g. Zander erklärte, nicht die Absicht gehabt zu haben, den Straßenbahnwagen zu treffen, er habe nur seiner Empörung Luft machen wollen. Lösche meinte, er habe bloß aus Gründen der Demonstration den Kollegen zeigen wollen, daß sie nicht richtig handelten. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Wagner beantragte gegen sämtliche Angeklagten wegen Land- Fl i e d e n s b r u ch s und versuchter Transportgefährdung je anderthalb Jahre Zucht- Haus. Das Gericht ging über den Antrag des Staatsanwalts hinaus und oerurteilte die Ange- klagten wegen vollendeter Transportgefährdung Zu je zweieinhalb Zahren Zuchthaus. Bon der Anklage des Landfriedensbruchs sprach es sie frei. In der Urteilsbegründung führte Landgerichts- direkter Tolk aus: Nach der ständigen Praxis des Reichsgerichts liegt vollendete Transport- gefährdung bereits vor. wenn auf einen f a h- r e n d e n Zug ein Stein geworfen wird. Die Angeklagten wollten in diesem Falle dem Wagen- führer ins Bewußtsein bringen, daß er sich in Gefahr befinde. Der Steinwurf konnte zur Folge haben, daß er, von seiner Pflicht abgelenkt, ver- sehentlich eine Handbewegung machte, die die In- sasscn des Wagens in die größte Gefahr bringen Lange Straße Streit gehabt hatte. Von der Po- lizei wurden vier Personen festgenommen. Sie bestreiten, den jungen Mann niedergestochen zu haben und behaupten, daß Unterweltler die Täter gewesen seien, die das Lokal betreten und bald danach Streit angefangen hätten. Rudi h. ist so schwer verletzt, daß er noch nicht oerneh- mungssähig ist. Im Morgengrauen spielte sich in der Sieges- allee im Tiergarten ein Ueberfall auf einen Vor- arbeiter ab, der von einem Manne plötzlich angefallen und mit der Pistole bedroht wurde. Der Wegelagerer verlangte die Herausgabe der Bar- schast des Arbeiters. Er kam aber an die falsche Adresse. Denn der Mann, der aus dem Wege zu seiner Arbeitsstätte war, schlug den Räuber in konnte. Das mußten sich die Angeklagten als denkende Menschen sagen. Sie waren höher zu bestrafen als der Angeklagte, der in der voran- gegangenen Sitzung zwei Jahre Zuchthaus er- halten hat: denn dieser hat die Steine in einen leerstehenden Wagen geworfen, während es sich hier um einen mit Fahrgästen besetzten handelte. Das Gericht hat die Angeklagten von der Anklage des Landfriedensbruches freige- sprachen. Wäre es den Ausführungen des Staats- anwalt- gefolgt und hätte es Landfricdensbruch angenommen, so hätte es auf schweren Land- sriedensbruch erkennen müssen, für den die Min- deststrafe zehn Jahre Zuchthaus ist. * Besonders vermerkt zu werden verdient die Auseinandersetzung zwischen dem kommunistischen Anwalt, der zwei von den letzten Angeklagten vertreten hatte, und dem Nazianwalt, der den Nationalsozialisten in der vorangegangenen Ver- Handlung verteidigt hatte. Der kommunistische Verteidiger verwahrte sich dagegen daß der Nazianwalt behauptet habe, nur die Kommunisten hätten Steine geworfen. Es ginge nicht an, jetzt zu sagen, die Nazis seien Engel, die Kom- munisten seien Bengel. Die einen wie die an- deren seien am Streik beteiligt gewesen. die Flucht. Ein herbeigerufener Schupo nahm mit ihm zusammen die Verfolgung auf. Sie erreichten den Burschen am Kemperplatz und nahmen ihn fest. Die Pistole, die der Bandit zuvor bei sich hatte, hatte er auf der Flucht sortgeworfen. Aus dem Polizeipräsidium wurde er sestgestellt als ein 28 Jahre alter Pole Stanislaus S ch o- p i n s k i aus der Blumenthalstraßc im Osten Berlins, der schon mehrmals aus Deutschland aus- gewiesen, aber immer wieder zurückgekommen war. Der Bursche gehört zu den berüchtigten „Brande nburger-Tor-Iungen s", die entweder in den späten Abend- oder' frühen Morgenstunden Passanten im Tiergarten an- sprechen, um sie dann zu überfallen. Der Pole ist deswegen schon wiederholt bestraft worden. Die neue'Jnnnotril'ihrüche aOie neue t iefenhafle f.iSeiikoujlruklioit der Jannoicilzbriirke irlilhl fielt jefal Uber die Spree. Die 3>flafierarbeilen im Zuge der ißrüetteu- und.dlexunderxlrajie find im Qange und bald nird die neue'Jtrüdte dem Verkehr übergeben irerden klinnen. Sparsystem im Bergbau Lieben Bersarbeiter zahlen mit dem Leben lieber dos Schlogwetterunglück auf Grube „S ofia-Iakob a", über das wir bereits in der Wendausgabe des„Vorwärts" vom 18. Ol- tober berichtet haben und dem insgesamt sieben Bergleute zum Opfer gefallen sind, geht uns aus dem Aachener Bergbaugebiet noch folgende Zuschrift zu: Nach den amtlichen Mitteilungen des Unfall- ausschufses der Grubensicherheitskommission beim Oberbergamt Bonn sind die Schlagwetier durch die Lampe des Schieß m ei st ers entzündet worden. Der Schießmeister hatte pflicht- gemäß vor dem Schießen den Arbeitsort mit der Benzinlampe abgeleuchtet und dabei Schlagwetter fe st gestellt. Daraufhin versuchte er mit Preßluft(Bohrschlauch) die Schlagwetter wegzublasen. In der Annahme, daß die Arbeitsstelle nunmehr srei sei von Schlag wettern, wollte er seine erloschene Lampe an zünden.(Die übrigen Arbeiter hatten elektrische Lampen.) Dabei sollen sich die Schlagwetter durch Funken, die durch den Drahtkorb der Lampe schlugen, entzündet haben. Den inzwischen verstorbenen Schießmeister zum Sündenbock machen, hieße jedoch die primäre Ursache des Unglücks geflissenilich übersehen. Die hauplursache des Unglücks liegt in der Tatsache, daß die Schlagwetteranjommlungen nicht rein zufällig waren. sondern nach der ganzen Art des Abbaues und insbesondere der mangelhaften und bergpolizei- widrigen Wetterführung gar nicht aus- bleiben konnten und eines Tages Zwangs- läufig zur Katastrophe führen mußten. „hier gibt's noch ein zweites Anna II."(Gemeint ist das große Gruben- unglück auf Grube„Anna II" am 21. Oktober 1930.) Diesen Ausspruch konnte man schon seit einiger Zeit unter den Kumpels hören, die sehr wohl sahen, daß hier entgegen den bestehenden Bergpolizeivorschriften gearbeitet wurde. Bei dem Abbau handelt es sich nämlich um einen sogenannten Oberwerks- bau, der infolge seiner falschen Anlage vom regulären Wetterzug nicht erfaßt werden konnte und deshalb durch Sondcrbewetlerung(Ventils- toren und Luttentour) bewettert werden muhte. Dabei wurden die abziehenden Wetter entgegen den klaren gesetzlichen Bestimmungen abwärts geführt, ein Verfahre», das beim Abbau nur in Ausnahme- fällen und nur mit Genehmigung des Obcrberg- amtes zulässig ist. Andererseits ist aber auch kaum anzunehmen. daß der zuständige Bergrevierbeamte von diesem ganzen verbotenen Abbau nichts gewußt hat. hier muß Klarheit geschaffen und die Verantwortlichen müssen rücksichtslos zur Rechen- jchaft gezogen werden. Wenn die Zechenleitung, um eine ordnungsmäßige welterslrecke zu sparen. mit dem Leben ihrer Arbeiter so leichtfertig um- springt, dann verdient sie st r e n g st e Strafe: und wenn der Bcrgrevierbeamte von diesem ver- botswidrigen Abbau gewußt und ihn x e d u l- d e t hat, dann muß er ebenfalls st r e n g b e- st r a f t werden. Ein Wort noch zu dem Verhallen des kom- m u n i st i s ch e n Betriebsrates. Er wurde von den übrigen Arbeitern wiederholt da- rauf a u s n> e r k s a m gemacht, daß an der Unglücksstelle häufig, ja, fast dauernd Schlag- u-eltcrunjammlungen vorhanden waren.'Jiua, m den letzten Tagen vor dem Unglück sollen sich Leute einer Schicht darüber beklagt haben, daß sie dauernd in Schlagwettern arbeiten müßten Pflicht des Betriebsrates wäre es gewesen, mit allem Nachdruck auf eine sofortige Ab- st e l l u n g der Gefahr zu drängen, nötigenfalls unter Anrufung der Bergpolizeibehörde. Nach dem Streik Zum Sonnabend ist der A u s s i ch t s r a r der B V G. von Bürgermeister Elsas zu einer Sitzung zusammengerufen, in der zu dem Streik und seinen Folgen Stellung genommen werden wird. Es wird dabei besonders die Frage der Massenmaßregelungen zur Sprache tommen. Bei diesen Entlassungen ist man blind- wütig verfahren. Es haben da offenbar allerlei Zufälligkeiten eine verhängnisvolle Rolle gespiell. Es wird aber gut sein, wenn der Aussichtsrat sich nicht nur mit den Folgen, sondern auch mit den Ursachen- des Streiks etwas näher be- faßt. War es ein bloßer Zufall, daß die Der- Handlungen bis unmittelbar vor den Wahlen verzögert wurden? War es ein Zufall, daß erst der Schlichtungsausschuß nach dem Aus- bruch des Streiks die BVG. zum Abschluß des Manteltarifs zwingen mußtet Und wie kommt die Direktion dazu, durch Massenentlassungen von beispiellosem Umfang allen Arbeitgebern ein schlechtes Beispiel zu geben, wie man nach be- endeten Streiks nicht handeln darf? Diese und ähnliche Fragen bedürfen der Klärung. Wir hoffen, daß der Aussichtsrat der BVG. sich seinen Aufgaben nicht verschließen wird. Sin Wunschzettel Oer fornflillt im Gastwirtsgewerbe Wie wir bereits berichteten, steht heute der Konflikt.im Berliner G a st w i r t s- g e w e r b« vor dem Schlichtungsausschuß zur Entscheidung, der von den gastwirtschastlichen ilnternehmern vom Zaune gebrochen worden ist. Lohn- und Manteltarif für die gastwirtschafl- lichen Arbeitnehmer Berlins waren am 31. Ok- tober abgelaufen, ohne daß vorher eine Einigung über den Neuabschluß der Tarife erzielt worden ist. Die Unternehmer hatten alles getan, um diese Situation herbeizusühren. Beim letzten Tarif- abschluß war vom Schlichtungsausschuß bestimmt worden, daß die Parteien bis zum 10. Ok- t o b e r die Verhandlungen über den Abschluß neuer Verträge so gefördert haben müssen, daß noch vor dem Ablauf der Verträge der Schlich- tungsausschuß im Falle des Scheiterns der direk- tcn Verhandlungen eine Entscheidung tresfen kann. Ueber diese Bestimmung haben sich die Unter- nehmer glatt hinweggesetzt. Aus die am 1 ö. S e p- r e m b e r von ihnen eingereichten Forderungen erhielten die Gewerkschaften erst am 10. O k- t o b e r eine Antwort, die auch den Wunschzettel der Unternehmer enthielt. Die Abbausorderungen der Unternehmer des Berliner Gastwirtsgewerbes sind von so weittragender Bedeutung, daß die Ge- werkschastsvertreter schon aus rein Verhandlung?- technischen Gründen die vorläufige unverän- derte Verlängerung der Tarife vom Schlichtungsausschuß verlangen müssen, um für direkte Verhandlungen über den Neuabschluß des allen Eigenarten des Gastwirtsgewerbes ange- paßten Tarifvertrages Zeit zu erhalten. Die wesentlichsten Forderungen der Unter- nehmer sind folgende: Die G a r a n t i c l ö h n e des Bedienungspersonals sollen um 12'A Proz. und die Löhne des f e st b e s o l d e t e n Personals um 10 Proz. gekürzt werden! Die Hoteldiener und Zimmermädchen sollen nicht mehr den vollen Lohn ihrer Lohngruppe erhalten, sondern nur noch 75 Proz davon. Mit der wahrheitswidrigen Be- hauptung, daß die Hoteldiener und Zimmer- mädchen noch reichliche Trinkgelder erhielten, will man ihnen die Löhne auf einen Schlag um rund 3 5 Proz. kürzen. Für die übrigen Kategorien soll es aber mit den 10 bzw. 1214 Proz. auch noch nicht genug sein, sondern durch die Ein- sührung mehrerer neuer Altersklassen eine weitere Verdienstminderung eintreten. Auch hinsichtlich der Berechnung des Garantielohnes soll durch die Einbeziehung der Zimmerkellner eine Verschlechterung erfolgen. Während die Gast- wirtsangestellten eine Verkürzung der Ar- b e i t s z e i t von 9 auf 8 Stunden täglich ver- langen, wollen die Unternehmer die Arbeitszeit durch Pausen derart auseinander- ziehen, daß nur noch eine zehnstündige Nachtruhe übrigbleibt. Wie wird das Wetter? 3n Berlin: Tagsüber mild, leicht wolkig bis heiter, morgens neblig, schwache bis mäßige Winde aus südlicher Richtung.— 3a Deutschland: Ueberau trockenes, tagsüber mildes, wolkiges bis heiteres, aber meist dunstiges Weiter. Nachts ziemlich kalt, vielfach nächtliche Nebelbildung. (»etuerkselzaftlichcs siehe auch 1. Beilage. Hierzu 1 Beilage. Der..Vorwärts'- erichrint wochrntäglicki zwrimot. Sonntags nun Montags einmal. Zllustrirrtr Sonnlagsbeilag, ,VoI! and Zeit" i Bezugsplcitr: Wöchentlich 7< P,.. inonallich Z,s.> M ldavon«7 Pi monatlich tiit Zustellung ms»uu»> >n> voraus zahlbar. Postbezug Z,S7 M einschließlich SU Pi. Postzeitung, und 72 Pf. Postdestelloediihren. Äuslanosabonnein.nt 5,60 M. uro Monat: fik Länder mit ermäßigtem istiiäsachciipono i 65 M. Bei-Z.stall der Liefciung wegen hähercr Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten aus Erlaß. I Anzeigenpreise: Die einspaltig. Millimeterzeile ZU Pf.. Relluinezeile 1,50 M.„Kleine Anzeigen" das lettgedruckte Wort 20 Pi jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarlt Millimeterzeile 25 Pf. Familienanzcigen Millimeterz-ilc lS Pf. Anzeigenannahme' im Hauplaefchäil Lindenstr 3 wochentäalich von SU bis 17 Uhr. Der Verlag behall sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor. I Verantwortlich für Politik: Rudolf Brendemühl; Wirtschaft:®. Klingethöfei: lScwertfchaftebcwegung: 3, Zteincr- Feuilleton- ÄeiWt Lepd«: Lokales und Sonstiges: Friß Karstadt! Anzeigen: Ott» Hengst; sämtlich in Berlin. I Verlag: Dorwärtz.Berlag®. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärts.Buchdruckerei und Derlogsanstalt Paul Singer u. Eo Berlin SV 68 Lindenstr 6 BEILAGE Eine Gemeinde stellt fich um Arbeitslose Handwerker erhalten Obstland Jtadj faff dreijährigem Bemühen ist es nunmehr der Gemeinde T a p u k h gelungen, rund 260 Morgen für d i e nolwendig gewor- dcne Erweiterung der Obstkulluren zu erlangen. Oer Zorstfiskus hat das gewünschte Terrain Waldboden pachtweise zur Her- sügung gestellt. Dabei sind die Forderungen der Ilaturschuhsreunde berücksichtigt worden, die dahin gingen, dah in unmittelbarer Bähe des Schwiclow- sees kein Wald geschlagen werden darf. Die Ea- puther hassen allerdings, daß die Berliner Batur- sreunde jetzt so zahlreich in ihr Dorf kommen, wie sie seinerzeit hartnäckig um den Bestand der Bäume gekämpft haben. * Der„Vorwärts" hatte im Frühjahr eingehend über die Not Capuths berichtet und dabei nach- haltig die Wünsche der Copulher unterstützt. Denn diesem Obstdorf an der jhavel geht es schlecht. Von seinen 3600 Einwohnern sind etwa die Hülste arbeitslos. Allein an Wohlsahrtslasten muß die kleine Gemeinde jährlich 90 000 Mark ausbringen, und woher das Geld nehmen, wenn halb Caputh aus dem Arbeitsamt sitzt. Denn Caputh ist näm- lich keine reine Obstzüchtergemeinde, sondern es wird vornehmlich von Bauhandwerkern bewohnt, die sich hier angesiedelt hoben, längst bevor die Mörder vom Nazistamm einmal Prozeß Hufelandstraße Das Baziverbrechen in der huselandstrahe in der Silvesternacht lSZI beschäftigt jetzt in mehrtägiger Verhandlung zum zweitenmal das Landgericht I. Die Nationalsozialisten Hauschke und Becker, die vom ersten Gericht wegen Tot- schlages zu je sieben Jahren Zuchthaus verurteilt wurden, schössen damals den Reichsbannermann Schneider im Laden seines Vaters nieder und gleich daraus aus der Straße den SPD.-Mann Gras. Unmittelbar nach der Tal trat die Nazi- mörder-Fluchtorganisation in Funktion. Haujchke und Becker wurden nach Tirol abg�e- s ch o b e n und später von Oestereich an die deutschen Behörden ausgeliefert. Die Aus- lieserung erfolgte nur wegen Totschlages. Die Anklage gegen beide lautete aus Totschlag und aus Friedensbruch. Aus diesem zweiten Punkte der Anklage war der Vater des getöteten Schneider vom Kammergericht als Nebenkläger zu- gelassen worden. Da die Verurteilung jedoch ent- sprechend dem Auslieferungsverträge bloß wegen Barometer der Not Immer melir Wohlfahrtserwerbslose Die Zahl der Wohlsahrtserwerbs- losen in Verlin. d. h. der langfristigen Erwerbs- losen, die weder aus Arbeitslosenversicherung noch kriscnsürsorge Anspruch haben und ausschließlich von den Gemeinden erholten werden, ist im Oktober lgZ2 wiederum g e st i e g e n. Sie betrug Ende Oktober lgZ2 329 957 gegenüber 326 S63 am Ende des Vormonats. Sie hat demnach um 0,9 Proz. zugenommen. Unter den am 31. Oktober 1932 gezählten Wohlfahrlserwerbsloscn befanden sich 9336 Fürsorgearbeiter, am Ende des Vormonats waren es 9586. Siedlung zum Modcjchlagwort wurde. Diese Handwerker werden aus absehbare Zeit keine Arbeit finden. Früher fuhren sie frühmorgens zwischen 4 und 5 Uhr nach Berlin zur Arbeit, heute ist ihnen Berlin völlig ver- schlössen, da Berlin erst einmal seine eigenen Erwerbslosen unterbringt, wenn es überhaupt Arbeit zu vergeben hat. Nun sind aber 400 Ca- puther Einwohner nobenberuslich Odstzüchter. An diese Tatsache konnte man anknüpfen. Allerdings ist der Boden in Caputh rarer als anders- wo: die Pachtgebühren sind dermaßen überhöht, daß die Caputher Obstzllchter in jedem Jahr etwa 35 000 Mark an Pachten ausbringen müssen, wer- den doch pro Morgen bis zu 80 Mark Pacht ver- langt. Hierbei muß natürlich schließlich aller Obst- bau unrentabel werden, zumal die alten fünfzig- jährigen Obstkulturen auch nicht mehr die besten Ernten liesern. Nunmehr hat der Staat 260 Mor- gen Wald zur Verfügung gestellt. Bei der Viel- zahl der landhungrigen Bewerber ist das nichl allzuviel, besonders da jeder höchstens 2 Morgen bekommt. Meist wird es so sein, daß Züchter, die gegenwärtig etwa einen halben Morgen be- sitzen, noch einen Morgen dazu pachten können. Die Pachtlustigen müssen eine Gc- nossenschost gründen, da der Fiskus nur Totschlages erfolgen konnte, hat das Reichsgericht die Zulassung des Vaters als Nebenkläger gerügt und das erste Urteil ausgehoben. Der ganze Prozeß soll also jetzt zum zweitenmal aus- gerollt werden. Hoffentlich gelingt es den Meuchelmördern nicht, durch Winkelzüge das Gericht zu täuschen und der gerechten Strafe zu entgehen. Seit Silvester 1931 sind fast zwei Jahre vergangen, die Mörder speku- Die Homnierschast des Partei- Vorstandes veranstaltete am Mittwochnach- mittag nach Dienstschluß im Filmsaal, Linden- straße 3, eine zwar kurze, aber ungewöhnlich einprägsame und wirkungsvolle Revolution s- s e i e r. Im Mittelpunkt der Feier stand die An- spräche des Mitgliedes des Parteivorstandes, Ge- nossen Max W e st p h a l. Er sagte u. a.: In Deutschland hat zur Zeit die Herrentast«. die vor 14 Jahren davongejagt wurde, das Staatssteuer in der Hand. Was wir heute sehen und erleben, ist ein Ersolg des unausgesetzten Kampfes gegen dos demokratische System, ein Er- folg oer Hetze der Nazis und Kommunisten gegen die Republik. Zunächst hat man den Reichs- tax, durch den das Volk sich selbst regieren sollte und wollte, mit ewigem Krakeelen und Stänkern und mit unwürdigen Prügelszenen vollkommen arbeitsunfähig gemacht und ihn da- mit an der Erfüllung seiner wichtigen Ausgaben verhindert. Dann ist man— d. h. eine kleine Clique von zunächst Unbekannten— daran gegangen,«ine neue Verfassung vorzuberei- ten, die man dem Volke jetzt ouszwingen will. Di« Reaktion hat nämlich gesehen, daß wir mit einem Generalpächter Vertrag machen will, und das ist die Hauptsache: vorerst wird die Pacht pro Morgen etwa 10 Mark betragen, steigend in zehn Jahren bis auf etwa 30 Mark: der ganze großzügig eingeleitete Umstellungsplan Capuths verurteilt also den einzelnen nicht von vornherein zum Scheitern. Mit dem Holzschlag wird dem- nächst begonnen, da augenblicklich die Holzpreise im Ansteigen sind. Dann muß der Boden rigolt und die Fäulnis beseitigt werden. Während dieser Rodungsarbeiten zahlt Caputh selbstverständlich die üblichen Unterstützungssätze weiter. Inzwischen hat Amtsvorsteher Genosse Sydow beim Arbeitsamt Potsdam-Nowawes beantragt, im bevorstehenden Winter besonders die Um- schulung der Jugendlichen fortzusetzen. Es sollen diesmal nämlich 25 Mann aus dem Lager Caputh des Freiwilligen Arbeitsdienstes nach Werder auf die Obstbauschule geschickt wer- den. Dieses Arbeitslager umfaßt jetzt 45 Jugend- liche, die mit der Nutzbarmachung von Oedland, Errichtung einer Skisprungschanze, einer Wochen- endkolonie und eines Userweges längs der Hovel beschäftigt werden. 20 Mann sollen im Winter in Caputh beim Schlag von Stangenholz bleiben und die anderan 25 sollen nach Werder aus die Schule. lieren zweifelsohne daraus, daß die Erinnerung der Zeugen an Einzelheiten ihrer blutigen Tat nicht mehr so frisch sein wird wie während der ersten Verhandlung. Gestern wurden die Angeklagten zur Person vernommen und das Reichsgerichtsurteil verlesen. Die Verhandlung geht Freitag Z�IO Uhr im großen Schwurgerichtssaal des alten Kriminal- gerichtsgebäudes weiter. Sozialdemokraten im Begrijs waren, den alten Obrigkeitsstaat zu einem Wohlfahrtsstaat umzugestalten, daß weiter durch unseren und den Einfluß der Gewerkschaften bereits wesentliche Ansänge einer neuen Wirtschaft in Staat und Gemeinden zu ver- zeichnen waren, daß durch den immer größer werdenden Einfluß von Partei und Gewerkschas- ten eine Umbildung der Beamtenschast im Sinne der Republik sich vollzog. Zur Abwehr von Re- publik und Sozialismus propagierten sie den Ge- Sanken, daß alles, was aus dem(doch von ihnen) verlorenen Weltkrieg an Not und Elend entstan- den war, als Folge des republikanischen Systems anzusehen sei. Damit haben sie tatsächlich die Zu- sammenschweihung des Bürgertums zu einer ein- zigen großen reaktionären Front erreicht. Die unselige Spaltung der Arbeiterschaft ist dann weiter ein wichtiger Grund dafür, daß die seit dem 9. November 1918 eingesetzte gesamte Aufbauarbeit zum Abstoppen kam. Hätte das arbeitend« Volk in Deutschland statt dessen seine Kräfte zusammengefaßt zu gemeinsamem Komps, so hätte es ohne Zweifel eine Position nach der anderen nicht nur erkämpfen, sondern auch ausbauen und halten können. Jetzt stehen wir vor DOmERSTAG, 10. NOV. 1932 der undankbaren Ausgabe, aus ungünstiger Posi- tion heraus den Kampf für unsere Ziele fortzu- fetzen. Trotzdem ist zu trüben Gedanken kein An- laß. Kaum ist der Wahlkampf beendet, da hören wir schon aus Lübeck und aus Sachsen von geradezu glänzend verlaufenen Kampfversamm- lungen. Und in dieser immer stärker anschwel- lenden Kampfstimmung wollen wir auch derer dankbar gedenken, die einstmals für Republik und Sozialismus ihr Leben hingegeben haben, aber auch jener treuen Kampfgenossen und Brüder, die heute bereits wieder als Opfer der neuen Reak- tion die Gesängnisse füllen. Wenn in dieser ge- waltig aufkommenden neuen Kampfstimmung jeder feine Pflicht tut, dann wird nicht Hakenkreuz, nicht Sowjetstern, sondern die rote Fahne mit den Freiheitspfeilen den Sieg da- vontragen. Etatreden im Rathaus Großer fax des Ltadtparlaments 3m Stadlparlament erfolgt heule die Beratung des Stadthaushaltspianes für 1932. Die Fraktionen werden durch ihre Redner grundsätzlich zur Berliner Kommunalpolitik Stellung nehmen. Für die Sozialdemokratie spricht aus ein- stimmigen Beschluß der Fraktion Genosse Wax K r e u z i ge r. Die Ausschreibung der drei Stadtrats- p o st e n, die an Stelle der sofortigen Wahl vom Stadtparlament befchlossen wurde, ist außer im Amtsblatt der Stadt Berlin auch jetzt in dem Organ des Deutschen Städtetages erfolgt. Es handelt sich bekanntlich um die Posten von zwei Stadtbauräten, von denen der eine das Tiefbau- wefen, der andere das Verkehrswesen verwaltet, und eines Stadtrats, der Dezernent des Wohl- fahrtswefens sein soll. Die Bewerbungen sind bis zum 20. November an den Stadtverordnetenvor- fteher H a ß zu richten. Der Weg in den Tod In feiner Wohnung in der W e f e r st r. 2 9 il1 Neukölln wurde gestern der 29jährig« Tifchle.« Gustav P. durch Gas vergiftet tot auf gefunden. Allem Anschein nach hat P. die Tai bereits vor 8 bis 10 Tagen begangen. Der Lebens- müde lebte von feiner Frau getrennt und erst gestern war es Hausbewohnern aufgefallen, daß sich in der Wohnung des Mannes nichts regte. Das Motiv zur Tat ist unbekannt.— In der Kastanfenallee vergiftete sich gestern wöh- rend der Abwesenheit ihres Mannes die 64 Jahre alte Frau Helene T. durch Gas. Die Wieder- belebungsverfuche der Feuerwehr waren ohne Er- folg. Auf die gleiche Weife schieden die 3 0- jährige Hausange st ellte Meta S. aus der L i n i e n st r a ß e 2 und der69Jahrealte Rentenempfänger August H. aus der Ma- rienburger Straße 24 aus dem Leben.— Der Selbstmord einer 17jährigen, die in der Wohnung ihrer Eltern in der Graetzstraße in Treptow den Gashahn aufdrehte, konnte im letzten Augenblick verhindert werden. Die jugendliche Lebensmüde fand im Krankenhaus Aufnahm«. Gekänxnis für Frau Jürgens Das Schöffengericht Schöneberg verurteilte die geschiedene Frau des früheren Landgerichtsdirek- tors und jetzigen Kammergerichtsmts Jürgens, Marie Jürgens, wegen fortgesetzten Be- truges zu 6 Monaten Gefängnis unter Zubilligung einer Bewährungsfrist. Der Haftbefehl wurde ausgehoben, Frau Jürgens aus der Untersuchungshaft jedoch nicht entlassen, da gegen sie noch ein anderes Verfahren schwebt. Anser 9. November K.ampf ist die Parole QohhusUui, Jceilaq, Sott nagend Conderverkaufs-Tage Man muss letzt ernstlich die Beschaffung warmer Winterkleidung betreiben, die Sie in unerschöpflicher Fülle bei uns vorfinden. Mäntel und Kleider bester Qualität, auch in kostbarstem Hodellgenre, erhalten Sie zu ungeahnt niedrigen Preisen für alle erdenklichen Figuren. Moderne Pelzmäntel tut echtem Vlscacha euf vorzüglichem Futter, elegant verarbeitet nur SS- Fesche Pelzjacken »US fthinkltM I.-Backs, hochfein gefüttert. teüw, auf Steppfutter nur 49 &rosse Weiten. Wintermäntel aas rorrögl. 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Hundeliebyaber haben ihre Freude an Thalers" klugen Tieren, die Roller fahren und Saltos schlagen. Genosse Franz Walther, von der III. Abteilung, der kürzlich seinen tiO. Geburtstag feiern konnte, spricht den vielen Gratulanten auf diesem Wege seinen Dank aus, da es ihm unmöglich ist, die über 100 Gratulationen einzeln zu beantworten. Lpiel�euZ bei Israel Die Riesenschau weihnachtlicher Freuden für kleine Leute bei I s r o e l, K ö n i a st r a ß e, löst allgemeines Entzücken äus. Zum spielerischen Zeit- vertreib mit den Attributen �der kindlichen Ge- dankenwelt. den Puppen, den Stofftieren und allen sonstigen schönen Sachen, gesellt sich heute vor allem das spiel der Kleinen mit den Dingen des Alltags. Da ist das Miniaturtelephon und der Rangierbahnhof, das Liltputradio und der kleine, bestausgebaute Flugplatz. Da wird gebastelt und herumprobiert und man ist eben über alles im Bilde. Daneben läuft in einer bunten, lustigen Bilderfolge das Heldenwerk des tapferen Schnei- derleins. Man sieht ihn als mutigen Kämpfer mit den Riefen des Waldes, dort als Bezwinger eines massigen Ebers, als kühnen Retter des lieblichen Prinzeßleins und schließlich kassiert er sich als Freiersmann den oerdienten Lohn. Mit Geschmack und Humor bewegen sich die kleinen Figuren, ge- kleidet und zurechtgemacht von künstlerisch begabten Händen. Dann das Puppenniöbellager, da fehlt aber auch nichts, was ein moderner Innenarchitekt zu leisten hat. Beleuchtungseffekte und raffinierte Raumnutzung, Couch, Radio, Wintergarten und Bibliothek, und in der Miniaturküche hat man sich ebenfalls sämtlicher moderner Errungenschaften für eine zeitsparende Kochweise bemächtigt. Die Firma Goldfink. Friedrichstr. 74, bringt ver- blüffende Füllhalterneuheiten. Goldfink-Selbst- öffner und Goldfink-Wunderfüllcr. heraus. Der Selbstvffner öffnet sich durch eine sinnreiche Kon- struktion von selbst ohne Abschrauben oder Ab- ziehen der Kappe. Der Wunderfüller füllt sich durch eine leichte Drehung. »Menvongen für AH« Rs&rti sind •«« Ii■ 83» 68, c-iodenstrobe i parteinachrichtenMMfür Groß-Berlm fiet« an da«®cjlrfs(ef»«tomi 8. Hat. 2 S rennen recht». ,n eichte» P-flinN aller BeranstaltunAen Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe: t. tticis. Freitag, II. November, beginnt in der weltlichen Schule, Damiger Etr. 23, 19',. Uhr. der Kursus„Der Alassenstaat" von Dr. Karl Schröder Er findet an 6 Freitagen statt. Um recht rege Beteiligung Sied gebclett 13. Kreis. Der Film..Silgi, eine von uns", nach dem Roman aus dem„Bor, wätls", läuft ab Freitag, 11. November, im„Kurfürst", ad Dienstag, eine von uns". Nach dem Roman aus dem„Boi ag, 11. November, im„Kurfürst", ad Dienstax Ii). November, im„Tivoli" und im„Mali". Am Sonnabend, dem 12., un ä�nnnta«, dem 13. November, läuft um 1.9 Uhr dei Film„IlUt". »eis. Donnerotag, 10. November, Im Vvltohasto, Scharuweberstr. 114, Fraktionssigung der Kleingärtner. Mitgliedsbuch legitimier!. 74bi.A8t. Freitag, lt. November, Sst Uhr, bei StoSmann, MachNdwer Sir. 2, MitgliederverfaMnilung.„il. November 1018 bis 1932". Referent: Dr. Otto Sriedländer. dl. 4. Bezitt. Heute. 30 Uhr, Fahlahend Bei Pommerenittg, Secllnet Straße ino. Referent wird auf dem Fahlabend belanntgegeben, 8». Abt. Freitag. Ii. November, lO1� Uhr, FUnktionätfitzung bei Kulifch, Sobrechtstkahe 03. 128. Abt. Funltionärfitzung fällt ans. Jrauenveranstalkungen: 0». Rbt. Freitag, II. November, beteilige» fich die Gendssinne» an der Eltern- veranstaliimg der Kindetfreunde Im Keller, Hanstemannftr, 40, Eenoffe Jung spricht über:„Sozialistische Erziehung", Arbeilsgemeinschoist der kinderfreunde. Die nächste Boeftand-sthung findet Feeitäg, 18. November, 17 Uhr. in der Geschäftsstelle statt, Mittwoch, 23. Rovembee, tommen all« Berliner Helfer zur„Offenen Singestnnde". Ott»nd Zeit wie» noch an dieser Stelle bekannt. gegeben. Kreuzberg. Am Montag, dem 14. November, wichllgr Gruppe». letterstßung um 30 Uhr Borckstr. ll. Baden für Jung- und Rote .rollen heute. Donnerslag. in der Bärwoldstraße. Ttelfen IS'U Uhr in der Vorhalle. Auswels und 13 Pf. mitbringen.— Abt. Neichenbetger Dlertel. Heule, ab 1 7>, Uhr, kommen alle Otesttalten z»r Gruppe.— Abt. Görliher Straße. Alle Roten Falle» treffen iich heule Um 18 Uhr in der Schule zum Gruppenabend. Thema: Wir schmücken unser Heim. Bringt Bleistift, Schere und Lineal mit. Gruppe Hohenschönhausen, Es stnd heute nochmals alle Falken im neue» Jugendheim oon 17'. bis 19'. Uhr zusammen. �Sterbetafel der Groß-Berliner Partei«Organisation k. Abt. Der Genoste Ernst Schierz. Mlillerstr. l.'Rb, ist verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Sonnabend, 13. November, 171,4 Uhr, Krema. torium Gerichtstraße. Rege Beleilignng wird erwartet. 99,'. Adt, Die Gendsstn Frieda Hensel Ist verstorben. Ehre ihrem Andenlen. Die Einäscherung findet tu Leipzig statt. 11>SozialistisAeArbejteri'ugendGroß-Verlin EINlettdnNgen illt diese Rubrik Nur an das Jugendlekretariol Berti» SÄ.08 LlndeNsträße 2. Dbfn 1 Stippe rechts. Peoletaillches Oechestee»II 8«Z., Gruppe B. Heute, 30 Uhr, Probe. KMS., Neukölln, Koiser-Frjrdrich-Str. 310. Singeltels der SAZ, Heute Probe»on 18'.', bis 20'. Uhr im Heim Bochumer Straße«>>. Heule, Donnerslag, 20 Uhr. Warschauer Viertel: Arbeitsgemeinschaft. Litauer Sir 18.— Hallesches Tor: Porckstr. 11. Bekenntnis zur Revolution.— Haienheide: Waffertorstr. 4. 19 ü, llhr. Heiteres auf Schallplatte».— Kottbuster Tor: Urbanstr. 107. Mit. gliedetverfammlutig. � Käpenicke« Viertel: Manteuffelstr. 7. Revolutionsfeier. — Südwest: Lindenfir. 4. Arbeitsgemeinschaft.— Schöneberg III: tzauptstr. 18. RrNolUtioilsseier.— zehlenböes-DahleM! Arbeilerbildungssamle, 1. Abend.— Schöneweide Ii Berliner Str. 81. RevalutloNsfeier.— Tegel: Schöneberger Straße 3. Tagespoillit.— Buch: Schuir Lindenhofstraße. Die Bedeutung des 9. November. Nentälln xi;"langhoferitraße. Funttlonärsthunq. Werbe bezir! Aedding: Beginn des ZüngereNkurfus:„Politische Schlag. Wärter" um 20 Uhr Schönstedtstraße fLedigenheim). Referent! Georg Albrecht. Werbebezirt Prenzlauer Berg! Milgliederversammluna 20 Uhr Danziger Straße lAIlershelml. Die politische Stluatlon. Referent: Dr. E. Fränkel. Werbebezirt Ostea: Arbeilsgemeinschost: Marrismus. Litauer Str. 18. Hgk'" chardt. „Der Ouerschnitt" probt pünktlich 19' 1 Uhr Stein- Leiter: Ärtur Ne>> Werbebezirt Neiilölln! metzftraße 114. Werbebezirt Westen: Mitgliederversammlung 20 Uhr Heim Rosinenstr. 4. Genosse R. Abramowitsch spricht über„Rußland". Werbebezi,« Reinickendaes: Bei Matter, EichborNstr. 94, 18 Uhr Gesangs- studio. 28 Uhr Szeneilprobeu. l�reie Gewerkschafts-Zugend Berlin Heute. Donnerstag, 10. November, 191. Uhr, lagen die Gruppen: End- »steni Jugendheim Reichenberger Str. 00. Gcrhart Hauptmann.— Tempelhat: Jngendhelm. Lpzeum Germanlastr. 4—0. Der stugang er- folgt durch den Eingang Gößstraße, auf der Hinteren Seite der Schule. Da» alte und neue Svailie».— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. l8— 19. Revo- lutionsfeier.— Staaken: Jugendheim der 17. Voltsschule, Kartenstadt, Kirch- plaß. Endhaltestelle Aulobus 31. Der 9. November.—«chönh-nlee Im: Jugendheim Tieckstr. 18. Entwicklung der Vewertfchaften.—»chlesifches To,: Ju- gendheim Maiileuffelstr. 7. Dir Fremdenlegion.— Landsberger Plagt Jugend» heim Ebertnstr. 12. Bunter Abend.— Lichtenberg: Iugenoheim Doffeftr. 22. Ein Tag hinter schwedischen Gardinen.— Reu-Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44. Ist der Generalstreik durchführbar?— Osten: Zugendhetm Frantiurler Allee 397, Löns. Zimmer. Der 9. November 1918.— Gesundbrunnen: Jugendheim Rote Schule. Gotenburgcr Str. 2. Nooemdergedenlen.— Schöne- weide: Jugendheim Laufener Str. 2 iRotes glmmerl. GeseUschaftaspiele.— Köpenick! Jugendheim Grünauer Str. 8 iNähe Bahnhof Spindler«seld>. Wir lesen aus„Bub und Mädel".— keweetschaltshan«: Engelufer 24—2.!, Saal 11. Warum Kameradschäilsehe?— geppeilnplag: Jugendhelm Turiner Ecke See- straße fEingang Turiner Straße). Warum Berufsberatung t— Osttreis: Ju- gendheim Frankfurter Allee 307. Kreismädchenabend. Iuqenvgruppe de« �entralverbanves Ver Anaestellten beute, Donnerstag, linden folgende Veranstaltungen statt:»lordost ll: Jugendheim Schönlanter Str. 11. Arbeilsgemeinschost Nr. 3: Das Kom- muntstifche Manifest.— Noeden: Der Heimabend fällt aus. Wir besuchen die Zlrisoinmiuna des Werbebezirt».— Osten: Jugendheim der Schule Litauer Straße 18. Arbeitageinelnfchatl: Einführung in die sozialistische Gedankenwelt 13. Abends. Leiter: Racho«.— Gtealau: Zugendheim Dofsestraße IZimmer 3). Arbeitsgemeinschaft(3. Abends: An, Scheidewege— die chrlstlichen Gewert- schaften»nd ihre politischen Fürsprecher müssen Farbe bekennen. Letter: Rettor Schmidt.— Treptow: Jugendheim Slfenste. 3 fPrivathau»). Revolutions. gedenkobend. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner..Schnjarz-Koi-Golb" G e l ch ä l t« i! e l I e: Berlin S 14 Sedasttonftl 87—38 Hol 2 Ti Tiergarten. 8. Kameradichast. Westen. Freitag, 11. November. 38 Uhr, Kamerodschastsversammlung dei RMert. Bijchlonrrolle.— fjcai- lauer Bei«. Kamerodschasl Kbnigstor. Unser Kamerad Otto Busch ist plöglich verstorben. Ehre seinem Andenlen. Die Einäscherung findet am Frertag, dem 11 Nooember, 19 Udr. im Krematorium Gerichtstraße statt. Beteiligung Pflicht. — Vortrupp. Freitag, ll. November, ISzg Uhr. Baracke lll, Danziger Str. 02/ Der 9 November 1918." Referent: Kamerad Knlppel.— Treptow lOrts. veretn). Donnerstag. i8. November. IKZb Uhr, Mitgliederversammlung im e-oial Kübler Grund", Oberschöneweide, Siemcnsstr. l. Bundeslleidung.— Karlsbarst lKamerodscha«t> Freirog, ll. November 20 Ubr, Kamer-dschafts- vlrsamniinn» dei Krüger. Junker-Jörg.Slr. l. Referent: Kamerad Stiegliß. FuNltionSre"bereits>9'Uhr- Weißensee sOrtsvereins. Freitag, ll. November, ap Uhr, Mitgliederverlammiunq bei Suckwiß.— Oranienburg sOrtsvereins. Freitag ll November. 20 Uhr. Mitgliederversammlung bei Breuer. Mühlen. straße.- Wass.efpartabteilnng. Zug Köpenick. Donnerstag. 10, November, 21 Ubr. Kastenrudern bei Sand, Stadlbahnbsgkv, am Bahnhvk Diergarten. Beginn eines Anfängertursus, Aufnahmen dort. 8-7 tp? Mater im Adnnraisvalast Oicclllon; Rober» OleSeini»::: Telephon: A 6 INerknr 9901 SoomlSta». den 10. Rooemd.. 71 Ute Premiere LILIOM Eine Dorstadtlegende In S Silbern von Franz Molnar Muflk: Theo Mockeben Hans'Albers Serta Sretvs, Anne iore Mosheim, Leonhard Stectel, Gina Zalken- berg, Grete Söll, Ludwig Roth, SmiltaKnrh, Wolfg. v. Schwindt u.a. Regie: Karl Heinz Martin ffaafi Vorverkauf ununterbrochen! meaicr Donnerstag, den 10. November staatsoper Unter den Linden 20 Uhr Salome staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Gabriel Schillings Flucht VOLKSBUHNE Theatar am Bttlowpiatx D 1. Norden 2944. Täglich«Vs Uhr E A tlfclV von Marcel Pagnal rMlarlT Regie: Heinz Hilpert. Dorsch, Tiedtke, Valetli. Siedel. Auch Sonntag 3'/:. Preise 0,7S-4Mark. »v.uhr Cflsino- THEATER»V.uh. Lothringer Strohe 3 7. Ti|l. 3 u.»H Uhr BU8TER WEST Dia fliaiandan CONCELLOS MAX ADALBERT FR. GRÜNBAUM PLAZA tike Sehlis. SM. I iiS>Mtts. Li, liei.l E7 Welchil 4äl I AoRtliuev.Deuiti Deutsches Theater Weidend. S201. Täglich 8 Uhr (Stg. auch 4 Uhr) Mm fraliitl) j Regie: MaxReinhardt Thimlg, Fehdmer Gustav Fröhlich, Kayßler, Wegener Kemmerspieie 8 Uhr ftidiael Krämer von tortan Hanpimonn Klöpfer, Melzer, Trlesch, Flockina v Platcn, Kaiser, Liebeneiner. Regie: K H.Martin r. Theater i d.-, Stresemannsir. Täglich 8Vi; Zu wabr. v Bernard Shaw Moissi, v Thell- menn, Benano, Evane.Oito.Sima, Wiemann, Deppe, de Kowa. sim. Oper Charlottcnburg Fraunhofer 0231 Donnerstag, lO.Nov. 20 Uhr Turnus IV Petruschha Abramowitsch, Qroke, Frank u. d ges Ballett. Dirigent: Ladwig Gianni Sdticdil Mügcn, Friedrich, Fid«sser. Dirig.: Teichmann Sonntags aadi nachm. 4 Uhr- Die üßDc tilötil in Werder Berliner VoIksstUck in 4 Bildern mit Gesang und Tanz. Für die Leser Gutschein 1— 4 Personen Parkett 0.50 M. Fauleüll 0.75 M.. Sessel 125 M. b c h i 1 1 e r kismerckstr.(Knie) Steinpl.(C 1) 6715 Täglich 8V« Uhr; Robert und Bertram ufm itiu, nm öih». Snli SSmlud Stg. 13. 3Vi Uhr Röhrt und Bortram Preis 040 bis 2,00 Theater im AdmiralspalasI Merkur 9901 Heute 3;48 Uhr: Premiere Hans Albers Liliom Deutsches Künstler-Th. Nürnberger Str. TäsllctaSi/;rhr Leopoldine Konstantin In: »le Jfaeht »u Di 17. April lessing-Theater Tagt 8'/« Uhr Grete Mosheim Oskar Homolka in Pygmalion MM ÖUhris Garfen Toni Birxmeyer und sein Uflener Ballett 3 Arconas. 2 Holls (Hans Kottscner usw. Flora 3434 Rauchen an. I>as führende Variete II IIIIIIUII IUI III IIIIIIIII II lllllll III II Sonnt, nachm. Z Uhr bill. Preise Theaierd.wesiens Steinpl. SI2I Täglich 8� Uhr Gitta Ä l p a r in Katharlnn Stgs.>1.3 u. 5 U. 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Nie wurde ein Volk grausamer seiner Illusionen beraubt als das amerikanische Volk. Denn wenige Monate, nachdem Hoover sein Amt angetreten hotte, brach l» Amerika mit dem großen BSrsen- kroch vom Oktober die W i r t s ch a f t s- krjse mit voller Wucht aus. Und obwohl choooer auch dann»ach sshrlang mit der Couöschen Methode der Gelbstsuggestion dos amerikanische Volk zu beruhigen und die verlorenen Illusionen wieder wachzurufen versuchte, wurde er doch end- gültig von der Wirklichkeit widerlegt: in keinem Land— von Deutschland abgesehen— war der wirtschaftliche Rückschlag so surchtbar wie in den Vereinigten Staaten, in keinem Land das An- schwellen der Arbcitslojcnzahlen und ihr Elend so verheerend wie dort. Als schließlich der Wahl- termin drohend herannahte, versuchte hoover noch ein letztes Mal sein Glück. Er machte die verzweifeltsten Anstrengungen, der Krise Herr zu werden, die kühnsten Wäh- rungs- und Kreditkonftruktionen, die ohne Er- schütterung der Währung noch möglich waren, wurden ausgedacht und verwirklicht, um von der Geldseitc her die Wirtschast zu beleben. Es zeigte sich aber— was von marxistischer Seite schon immer gegenüber der heute besonders stark ver- breiteten Ueberschätzung der Vorgänge auf der Gcldseite der Wirtschaft betont wurde—, daß eine kapitalistische Krise niemals durch mechanische Währungsmanipulationen überwunden werden kann. Das Votum des amerikanischen Volkes gegen 5zoover bedeutet eine Abkehr von dem Irr- «ahn, als könnte jemals ein dauerndes Glück der Völker auf kapitalistischer Grundlage de- gründet werden. Gewiß ist auch R o o s e v e l l in gleicher Weis« wie sein Vorgänger ein Der- treler dieses kapitalistischen Wirtschaftssystems. Aber da» Votum de» amerikanischen Volkes war in Wirklichkeit ein Votum nicht für Roosevelt, sondern gegen hoover. Und es ist nur der un- demokratischen— aber gerade deshalb van der deutschen Baroneregierung so hoch gepriesenen— Präsidialversassung zuzuschreiben, daß die mächtig in die Breite gewachsenen sozialistischen Strömungen nur den unzulänglichen Aus- druck einer Zählkandidatur erhalten und sich im Wahlergebnis nicht genügend widerspiegeln konnten. Deshalb bleibt das konkrete Ergebnis dieses tiefgehenden Stimmungswechsels in der amerika- irischen Wählerschaft lediglich, daß hoover durch Roosevelt, das republikanische Regime durch das deinokratifche, die Herrschaft einer kapitalssltsch>n Partei durch die Herrschaft einer anderen kapitü- listischcn Partei abgelöst worden ist. Au» dem- selben Grunde können auch die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen des Präsidentenwechsels nur viel bescheidener sein als die gefühlsmäßige Bedeutung dieses Wahl- aktes. Immerhin, wenn auch in keiner grundfätz- lichen Frage ein tiefgehender Unterschied zwischen den beiden Parteien besteht, so mag es doch fein, daß Roosevelt, schon um seinen Gegensatz zu hoover zu demonstrieren, dazu gedrängt werden wird, weniger großkapitalistische und damit«rfokg- reichere Wege zur Bekämpfung der Krise zu suchen als hoover. Es mag sein, daß unter seinem Regime der Gedanke der öffentlichen Arbeitslosen- unter st ützung stärker gefördert wird als unter hoover— und damit würde nicht nur ein ungeheurer sozialer Fortschritt erzielt, sondern auch ein wichtiger Hebel für die Wiederbelebung der Massenkaufkraft geschaffen werden. Es mag sein, daß unter Roosevelt der Forderung der Demo- traten nach Abbau der Zollmauern etwas nachgegeben wiro, wenn man sich auch nicht der Hoffnung auf eine radikal« Wen- dung in der amerikanischen hoclischutzzollpoliti? hingeben darf. Es mag auch sein, daß der demokratischen For- derung nach Verstaatlichung der söge- nannten Public Utilities, d. h. der in Privathano befindlichen und vom Staat nur kon- trvllicrten Verforgungsbetriebe entgegengekommen wird, wenn auch nicht verkannt werden soll, daß die Demokraten diese Forderung nicht aus Sym- paihie für sozialistische Gedankengänge aufgestellt haben, sondern nur, weil es angesichts der kata- strophalen Zusammenbrüche aus diesem Gebiet (man erinnere sich nur der berüchtigten Insull- Astäre) populär war, hier gegenüber den Repu- blikanern radikale Forderungen aufzustellen. Und schließlich mag es auch sein, daß von der Abkehr von der Prohibition. die al» Folge des demokratischen Wahlsieges sür den nächsten Sommer zu erwarten sein dürste. gewisse wirtschastsbelebendc Wir- k u n g e n ausgehen. Damit soll natürlich nicht gesagt sein, daß der Alkoholkonsum an sich volks- wirtschaftlich irgendwie vorteilhafter ist als die Prohibition. Im Gegenteil, der große amerika- nische Wirtschastsaufschwung ging gerade In der Zeit der Prohibition vor sich. Aber von einer plötzlichen Konsumumslellung, wie sie die Aus- Hebung der Prohibition zur Folge Hobe» dlirftc, können, wenn sie in den Tlefstpunkt der Wirt- RItzntskrlsi fällt, durch d«n Anreizzu großen Investitionen starke, belebende Wirtungen ausgehen. Man darf diese Wirkungen zwar nicht über- schätzen, st» Verden sich wohl auch zeitlich lange hinau»zkehen. Immerhin verdienen diese Mög- lichkeilen genannt zu werden, ebenso wie die gün- stigen Auswirkungen einer Legalisierung des Al- ksholkonisums aus die S t a a t s f l n o n z e n. In keinem Land aer Welt Ist da» Detlzlt in den Staalesinanzen so giganilsch und trostlos wie in den Vereinigten Staaken. Gelingt es, dieses De- fizit durch Alkoholsteuern— als die de- quemste und politisch heute in den Vereinigten Staaten am leichtesten durchzusetzend« Beste»?- rungsart— stark einzudämmen, so würde damit auch ein wichtiger Krisen- und Unruheherd mis- gebrannt werden. Bei allen wirtschoitlichen Rückwirkungen der amerikanischen Präsidentenwahl handelt es sich ober, wie immer wieder betont werden muß, n u r um Möglichkeiten. Ob Roosevelt wirklich »?n Mut und öle Kraft zur Verwirklichung dieser Möglichkeiten finden wird, muß abgewartet werden. 60-I�ar�-Steuerselteine Können auch verkauft werden Seit dem 1. November sind die Steuergutscheine Mit den Nennbeträgen über 1Ü<) M. und darüber an der Börse eingeführt. Um den Besitzern von Steuergutscheinen über 50 M. die Verwertung ihrer Stücke zu ermöglichen, sollen jetzt auch diese von den Eigentümern vertauft werden können. und zwar zum Durchschnittskurs der 6 Jahres- fälligteiten der an der Börse eingeführten Steuer- gutscheine, der am Tage vorher notiert ist. Durch einen Kursabschlag in höhe von Yt Proz. des Nennwertes werden alle Dertaufsspesen ein- schließlich der sogenannten Manipulationsgebühr abgegolten. Der Eentralverband des Deutschen Bank- und Banklergewerbes, die Berliner Stein- peivereinigung, der Deutsche Sparkassen- und Giroverband, der Reichsverband der Deutschen landwirtschastlichen Genossenschaften, Raifseisen e. B., der Deutsche Geiwssenschastsverdand e. B. und der Verband Deutscher öffentlich-rechtlicher Kredstanstaltcn sowie die Deutsche ZSNlkal- gcnosscnschaftskasse habe» den ihnen angeschlossc- nen Institulen den Ankauf der klelnen Steuergut- schcine empfohlen. K6\n bewegungsunfähig Wohlfahrt erfordert 90 Prozent der Steuereinnahmen Die Ertlörungen, die am Dienstag der Frank- furter Stadtkämmerer den Schatzanwelsungs- gläudigern abgab, wurden am Mittwoch aus»er Giauvigerocksammlung der Stadt Köln von dem dortige» Kämmerer noch unterstrichen. Der Vertreter der Kommune stellte fest, daß auch eine kleine Teilrückzahlung auf die iO Millionen Schatzanweisungen aus laufenden Steucreingängen unmöglich ist. Fast die ge- samten laufenden Einnahmen der Stadt werden durch die Wohlfahrtslasten ausgezehrt. Seit der Inflation hat die Stadt Köln 6 4 3,7 Millionen für die Wohlfahrtspflege einschließlich Wohnungsfürsorge ausbringen müssen. Man muß damit rechnen, daß Im laufenden Finanzjahr bei der wachsenden Verelendung der Bevölkerung 90 Proz. der gesamten Steuereinnahmen für die Wohlfahrt ver- wandt werden müssen. Unter Hinweis auf die bevorstehende Wahl des Glöubigervcrtreters er- klärte der Kämmerer, daß die Stadt dieser Ver- trauensperson selbstverständlich alle Unterlagen zur Verfügung stellen werde. Wie in Frankfurt wurde nach längerer Debatte als Gläubigervertreter der von der Bankengruppc vorgeschlagene Dr. Ball gegen 118 Stimmen von Einzelgläubigern gewählt. Ein Beirat von sieben Mitgliedern wird ihm zur Seite gestellt. Kraftwagen-Frachtführer-Bermittlungs- und Ab- kechnung-stelle), Berlin, zu übernehmen und seine sämtlichen Mitglieder in diese Genossenschaft zu überführen, Gieichzeiiig ist vorgesehen, an verschiedenen Plätzen des Reiches Zweig- Niederlassungen der Genossenschaft zu er- richten, dle die FrachtvekMitttuNg Und Fkachtab- rechnung für die Genossen übernehmen. Kraftgüter-Konzentration Der Reichsoerband Deutscher Auto-Ferntrans- port-Unternehmer e. V., Düsseldorf, der vornehmlich die kleingewerblichen Unternehmer vom Güterfernverkehr umsaßt, hat beschlossen, unter Verlegung seines Sitzes noch Berlin die Ende 1931 ins Leben gerufene„Deukrasracht"(Deutsche Nach der Revolution Der Meinungsstreit in Spanien Der Nationalkongreß d e s Spani- schen Gewerkschaftsbundes(Union General de Trabajadvres), der vor kurzem in Madrid tagte, halte ein schweres Stück Arbeit zu bewältigen. Di« spanischen Gewerkschaften be- finden sich in einem organisatorischen Umbau, der ähnlich wie in anderen Ländern auf dt« Schaffung starker Zentraloer- bände abzielt. Dieser Umbau muß durchgeführt werden zu einer Zeit, wo die Bewegung ge- zwungen ist, auch dem Drang der Arbeiterschaft zu praktischen sozialpolitischen Erfolgen Rechnung zu tragen. Wie überall, wo der Arbeiter die Mög- lichkeit hat, unter Umständen einen direkten Ein- sluß auf die Leitung der Rcgierungsgeschäfte aus- zuüben, so ist ganz besondere die Sturm- und Drangperiode der spanischen Gewerkschaften von dem Meinungsstreit über die Frage der po- l i t i s ch e n Taktik erfüllt. Die Union zählt nach der ossiziellen Statistik des Jahres 1932 insgesamt 1 041 53 9 Mit- g l i e d e r. Das ist etwa das Fünffache der Mitgliederzahl des Jahres 1930. Wie in Deutsch- land, so nahm auch in Spanien rein zahlenmäßig der organisatorische Aufstieg nach der Revolution ein stürmisches Tempö an. Während der Diktatur Primo des Riveras betrug die Mitgliederzahl noch 210 567(1928). Gegenwärtig sind organisiert 971 072 Männer, 41 948 Frauen und 2S 539 Iu- gendliche. Man hatte einen starten Zuwachs nach dem Umsturz erwartet. Der Anstieg der Mit- glieüerzifsern war jedoch so stürmisch, daß die organisatorische Neugestaltung, die zwangsläufig nun folgen muß. naturgemäß mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Der Kongreß hat durch die Annahme verschiedener Statutenänderungen den Weg zum Ausbau kräftiger Zentralverbände frei zu machen versucht Auch in Spanien gibt es Arbeitslosig- kcit. Am 30. Juni d. I. gab es insgesamt 446 263 Arbeitslose, von denen 276108 gewerk- lchaftlich organisiert waren. Kein Wunder also. wenn aus dem Kongreß in der sozialpolitischen Debatte vor allem der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit die Hauptrolle spielte. Der Kongreß sprach sich zur Hebung der wirt- schaftlichen Rüstung de» Landes für ein umfassen- des Programm öffentlicher Arbeiten (Eisenbahnen, Straßen. Häfen usw.) aus. Er forderte die sofortige Durchführung der?l g r a r- reform sowie die Annahme eine» Gesetze», wo- nach die Schließung einer Fabrik al« Krlsenmaß- nähme nur nach Prüfung durch eine paritätische Kommission erfolgen darf. Weiter forderte der Kongreß die Einführung der g e s c tz I i ch e n 4 0- Stundcn-Woche und die Kürzung der Ar- deitszeit auf 3 0 Stunden in gefährlichen oder gesundheitsschädlichen Betrieben sowie sür jene Be- rufe, in denen die Maschinen die Hand- arbeit ersetzt haben. Das Kernstück der Kongreßarbeit lag in der Er- örterung der Taktik, die die spanischen Ge- werkschasten in der nächsten Zeit verfolgen wollen. So mancher Hoffnung, die die Revolution geweckt hat, ist zunächst eine Enitäuschung gefolgt. Kein Wunder, wenn die Zahl derer, die die Frage der Beteiligung der Sozialisten an der Regierung skeptisch beurteilen, zugenommen hat. Wohl er- hielt die bisherige Führung des Bundes unter Cordero ein klares Vertrauensvotum, trotzdem wurden jedoch weder Cordero, der bis- herige Aorfitzende, noch C a r i l l o, sein Stellver- treter, wiedergewählt. Die Neuwahl der Leitung des Bunde» brachte die Gruppe, die die Politik der Zusammenarbeit mit den Bürgerlichen ablehnt, F-eiebsbanlcentlastung Reich zahlt Kredite zurilck Der Reichsbankausweis vom 7. November zeigt eine neue sehr starke Entlastung von jene» Krediten, die zum Oktoberönde in Anspruch tzenammen waren Die Wechseibestände gingen Ulli?3,7 auf 2783,4. die Reichsschatzwechsel Um 28,0 äus 11,5 UN» die Lombarddarlehen UM 98,6 auf 99,1 Millionen Märk zurück. Zins Girokonto ergab sich eine Abnähme der fremden Gelder Um 23,3 auf 366.2 Milllone» Märt. Der Noten- um laus sank um 117,8 auf 3502,2, der on Rentenbankscheinen um 13,3 aus 394,1 Millionen. Die Gold- Und Devisenbestände höben um 1,2 Millionen auf 939,1 Millionen abgenommen. Dabei ist zu beachten, daß das Reich eine fällige Rote von 3 Millionen Dollor des von dem amerikanischen Bankhaus Lee Hig- ginsan U. Co. vermittelten Kredits zurückgezahlt hat, so daß die Gold- und Devisenbestände der Reichsbank sich ohne diese Rückzahlung ver- mehrt haben würden. Die Notendeckung betrug am 7, November 26,8 gegen 26,0 Proz. in der Vorwoche. Deutschland im Irak Die Ausnutzung von industriellen Lieserrechtcn im Irak-Oelgebiet ist jetzt von der englischen Truppe Thomas Brown, die an der British-Oil- Development beteiligt ist, an ein deutsches Industriekonsortium übertragen worden. Die deutsche Industricgruppe besteht, aus dem Stohlvcrein, der Gute-Hofsnungshüttc, den Man- nesmannröhrenwcrken und der Firma Otto Wolf. Diese Ucbertragung der Lieferrechte im Erdöl- gebiet des Irak sichert der deutschen Gruppe eine Beteiligung van 38 Proz. bei ins- gesamt 100 Millionen Mark industriellen Auf- trägen. In der Hauptsache kommen als Liese- rungen Rohrleitungen, Bohrgeräte und Tank- schiffe in Betrocht. Man rechnet bereits Anfang des Jahres mit dem Beginn der Auftrogs- erteilung. Das Reich wird im Rahmen der zur Export- förderung zur Verfügung stehenden Mittel eine Garantie übernehmen. an» Ruder. Geführt wird diese Gruppe von B e st« i r o. dem Pariamentsprästdenten, S a- borit, dem zweiten Bürgermeister von Madrid, Trtfon Gomez, dem Führer. der Eisenbahner, und Lucio Martine;, dem Vorsitzenden des Landarbeitervcrbandes. Sie waren schon bei Aus- rusung der Republik gegen eine Mitarbeit der Sozialisten an der Regierung. Largo Ca- b a l l e r o, der bisher als Generalsekretär der Führung des Bundes angehörte, wurde wohl wiedergewählt, er verzichtete jedoch zusammen mit drei Freunden seiner Richtung aus die ihnen durch die Neuwahl bestimmten Posten. Aestreiro und seine Gruppe lehnen sclbstvcr- ständlich wie Caballero jeden Spaltungsgedante» auf das entschiedenste zurück. Auch hat der Ver- lauf des Kongresses wiederholt eine gefestigte Dtszi- plin geoffenbart, so daß mit irgendwelchen ernst- haften Komplikationen durch die Umgruppierung der Führung nicht zu rechnen ist. Das ergibt sich auch aus der Kongreßdcbatte über das Verhältnis der Gewerkschaften zur sozial! st i- schen Partei. Die Willenserklärung des Kon- gresses zu dieser Frage lautet: der Bund basiert auf den gleichen G r u n d sä tz e n wie die sozialistische Partei, und beide Organisationen wer- den gemeinsam handeln, wenn das für notwendig erachtet wird. Glänzendes Elend Uintsr den Kulissen Mit dem Abschluß eines neuen Lohntarif- vertrage» sowie einiger Sondervereinbarun- gen für da» technische Personal in den privaten Berliner Theatern ist der Tarif- konflikt in den Privatbühnen noch nicht beigelegt. Es steht noch die Neuregelung der Bezahlung der Schauspleler, Musiker, Chor- s ä n g e r und Tänzer offen. Für die Schau- spielet ist am Montag vor dem Schlichtungsaus- schuß verhandelt worden, jedoch ergebnislos. Die Genossenschaft DeutscherBühnen- ange höriger wollte mit dem Verband Ver- liner Bühnenleiter wieder ein M i n d e st g a g e n- abkommen abschließen, da das alte Abkommen am 31. August abgelaufen war und die Bühnen- lciter es verstanden hatten, die Verhandlungen zur Beendigung des tariflosen Zustande» bis zum Herbst zu verzetteln. Al« die Bühnenleiter schließ- sich am 31. Oktober vor den Schlichtungsausschuß zitiert wurden, erklärten sie kaltlächelnd, daß sie an den Neuanschluß eines Mindestgagcnabkom- mens gar nicht mehr dächten und auch die Zuständigkeit de» Schlichtungsausschusses b e st r e tt e n müßten! Am 15. Oktober hatten die Bühnenleiter noch erklärt, daß sie zum Abschluß eines Mindestgagen- abkommen» bereit wären, wenn der zum 31. Dezember gekündigte Normaltarifvertrag, der für die gesamte deutsche Schauspielerschaft gilt, wieder neu abgeschlossen worden sel. Der Schlichtungsaus- schuß hat am Montag zwar die Notwendig- keit eines neuen Mindestgagenabkommens an- erkannt, dessen Abschluß aber auch von dem Ausgang der Verhandlungen über den Normal- tarisvertrag abhängig gemacht, die bis zum 31. De- zember beendet sein müssen. Zu welchen Auswüchsen die Tarislosigkeit ge- führt hat, zeigt die Tatsache, daß B o l l s ch a u- s p i e l e r heute mit Gagen von 1,50 M. bis 5 M. pro Tag abgespeist werden und nock, von Glück sagen können, wenn ihnen die Theater diese miserablen Gagen nicht noch schuldig bleiben. Vi» zum 31. August d. I. betrug die Mindest- q a g e eines Vollchsausoielers, der drei Jahre am Theater tätig ist, 300 M. monatlich. Wenn man bedenkt, daß die Bühnengenossenschaft angesichts der allgemeinen Wirtschaftslage nur noch eine Mlndestgage von 250 M. gefordert hat, und daß die Mlndestgage» heutzutage Normalgagen sind, muß man zugeben, daß die Forderungen der Bühnengenosienschasi bescheiden sind. Schließlich kann die Theaterkrise, deren Größe von vielen Bühnenleitern stark übertrieben wird, nicht auf dem Rücken der Schauspieler ausgetragen werden, 14] ROMAN von stefan pollatsch ek\ »Copyright Saturu-Verlag.) Wozu lebe ich noch? durchfuhr es den Liegenden. Wozu? Ist mein Leben nicht schon längst zu Ende? Meine Frau ist weit fort von mir, noch leben wir zusammen— aber welche Entfernung ist zwischen uns! Mein Sohn ist weg, er ändert meinen Namen, meine Tochter tröstet einen alten, gebrochenen Mann, vielleicht streichelt sie ihm eben jetzt Gesicht und Hände. Susi? Was ist sie mir? Nichts, nichts, nichts kann sie mir sein! Meine Fabrik? Ach ja, solange sie schlecht ging, glaubte ich, sie wäre mein Lebensinhalt, ich könte nicht leben ohne sie. Aber das war nichts als Stolz und Eitel- keit, und heute, da sich die Dinge wieder zum Guten gewendet haben, sehe ich, wie entbehrlich mir das alles ist. Chimäre ist alles, alles Chimäre! Wozu noch dieses Da- fein? Wozu? Ach, wie müde bin ich! Ein Handgriff und all das ist gewesen, endgültig und fiir immer! Ach. wie herrlich, daß der Mensch dies kann, daß es in seine Hand ge- geben ist, dieses Leben zu beenden! Wo ist meine Waffe? Ja, hier, in dieser Lade liegt sie; ich muß sie nur entsichern, die Hand ausstrecken... Aber die Augen fielen nun doch zu, stoß- weise preßten die Lungen den Atem aus, Welllin schlief. Als er erwachte, waren seine ersten Gedanken bei Erna. Er läutete, fragte nach ihr und erfuhr, daß sie spät nachts erst heimgekehrt war und bereits seit einer Stunde wieder das Haus verlassen hatte. Mißmutig erhob sich Weltlin, die Kopf- schmerzen waren kaum geringer geworden, er mußte alle Energie aufwenden, um nicht neuerlich aufs Lager zu sinken. Im Betrieb waren Hast und Unruhe wo- möglich noch ärger als am Tage vorher, und nur mühsam gelang es Weltlin, das Unge- tüm Fabrik zu bändigen. Gegen zwölf Uhr wurde er angerufen. Erna war beim Telephon. „Vater?" „Ja, mein Kind." ..Komm' gleich zu mir, Vater, gleich... hierher in die Bank." „Was ist's denn, mein Kind?" „Etwas Gräßliches ist geschehen, ich brauche dich!" „Ja, Erna. Ich bin gleich bei dir. Gleich..." Welche Stimme hatte Erna? fuhr es Weltlin durch den Sinn. Als fünfjähriges Mädchen, als ganz kleines Kind hatte sie so gesprochen. Was muß geschehen sein, daß sie wieder diesen Ton findet? Das Auto hielt vor dem mächtigen Bank- palast. Eine unübersehbare Menschenmenge drängte sich vor den Toren. Alle wollten zu den Kassen, um den geringfügigen Betrag zu beheben, den die Regierung den Einlegern freigegeben hatte. Mühsam schuf sich Weltlin durch die erregte Menge den Weg. Gesprächs- fetzen berührten sein Ohr.„Bande!"— „Zuerst stehlen sie unser Geld, mästen sich ihren Wanst und dann machen sie sich noch über uns lustig!"—„Aufhängen müßte man sie alle, die Schweine!"—„An die Laterne mit ihnen!" Ein unbehagliches Ge- fühl stieg in Weltlin hoch, er empfand eine Art Verbundenheit mit denen, die jetzt die lärmende Empörung der Masse traf. Als er daran dachte, daß auch er vor noch nicht all- zulanger Zeit hier als Bittsteller gestanden mar, mußte er still vor sich hinlächeln. Ueber dicke Teppiche— der Schall der erbitterten Verwünschungen war nur mehr gedämpft hörbar— schritt Weltlin zu den Räumen der Direktion. Als er in das Zimmer seiner Tochter trat, stand sie mit dem Gesicht zum Fenster, bemerkte den Eintretenden nicht. „Guten Tag, Erna! Was gibt es denn?" „Verzeih, Vater, daß ich dich gerufen habe. Es war sehr unüberlegt von mir, dich aus deiner Arbeit zu stören. Ich habe auch in die Fabrik telephoniert und wollte dich bitten, nicht zu kommen, doch du warst schon unterwegs." „Also, was ist denn eigentlich los?" „Ach, es war nur der erste Moment der Verwirrung, Vater. Ich war einen Augen- blick lang nervös, aber nun habe ich mich wieder in der Gewalt." „So sprich doch endlich, Erna!" „Du weißt es noch nicht, Vater?" Sie war wieder zum Fenster getreten, preßte den Kopf an die Scheiben und dann sprach eine ganz veränderte Stimme von weither: „Krüger hat sich erschossen— hier— vor kaum einer Stunde.. Nebenan liegt die Leiche." Weltlin erhob sich. Die Nachricht hatte ihn getroffen, aber nur für einen kurzen Augen- blick. All seine Gedanken galten der Tochter. Also ist es doch wahr, was Albert andeutete — fuhr es ihm blitzartig durch den Kopf. Warum hat sie mich belogen? Was muß das arme Kind jetzt mitmachen?! Er war leise und behutsam hinter sie ge- treten und streichelte, ein wenig unbeholfen, ihre Schulter. Erna drehte sich um. Ihr Gesicht schien unbewegt, nichts deutete auf irgendeine Erregung... Wie maskenhaft ihr Gesicht ist, dachte erschreckt Weltlin, zu unserer Zeit pflegte man noch zu weinen und alles war einfacher. Wenn sie doch auch nur weinen könnte! „Eine schöne Bescherung, wie?" sagte sie mit gewollt-teilnahmslosem Tonfall. „Du warst im Zimmer, als es geschah?" „Nein, Vater. Ich saß hier und arbeitete, als der Schuß tönte. Ich hatte keine Ahnung. Am Morgen, als er ins Büro kam, be- grüßte er mich wie immer; er hatte dann zwei Konferenzen; nachher erschienen Herren vom Gericht bei ihm, und als diese gegangen waren, geschah es." „Er hinterließ keine Erklärung— nichts?" „Nichts, keine Zelle! Na. so was pflegt man ja auch nicht mit seiner Sekretärin zu besprechen!" lachte sie laut, übertrieben, theaterhaft auf.„Verzeih, Vater", fügte sie gleich hinzu, nahm ihr Täschchen und ge- brauchte andächtig Puder vor einem kleinen Spiegel. Wenn ich ihr doch nur helfen könnte, dachte Weltlin und fühlte schmerzlich und zu tiefst erschüttert: Hier gibt es keine Hilfe, sie muß allein fertig werden... Und wenn sie nicht damit fertig wird? fragte eine teuflische Stimme. Er ließ den Kopf hängen. Nur reden können, irgend etwas reden können! empfand er. aber die Lippen blieben ver- schloffen. „Und wies auch nichts in seinem Benehmen auf die furchtbare Absicht hin?" fragte Weltlin mechanisch und ärgerte sich über seine Worte, denn er wollte etwas ganz anderes fragen. „Nein. Gott, daß ihm die ganze Sache hier über den Kopf wuchs, daß er, der Stille und Abseitige nicht in diesen Kot und Schmutz gezogen werden wollte, ist verständ- lich. Aber, daß er an Selbstmord dachte, nein, das konnte ich nicht annehmen. Hätte ich es geahnt, hätte ich es nur geahnt!!!" „Hättest du es denn verhindern können?" Erna blickte auf ihren Vater und mit einem Male sah sie erstaunt, ein wenig be- glückt und ein wenig beruhigt, seinen besorg- ten Gesichtsausdruck. „Vielelicht hätte ich das oerhindern können, Vater!" sagte sie und sah ihm voll ins Auge. „Ja, Erna!" sagte er nach einer Weile, erhob sich, ging im Zimmer auf und ab. „Es ist alles so seltsam im Leben", sagte er. „Hätte ich es nur geahnt!" wimmerte von irgendwo die Stimme Ernas,„es ist meine Schuld, daß ich es nicht ahnte, daß ich ohne Ahnung neben ihm..." Sie vollendete den Satz nicht, preßte die Lippen aneinander und schwieg. .Glaubst du denn, Kind, daß der Selbst- mord planmäßig vorbereitet war? So etwas geschieht doch meist in einem Moment der Verwirrung." „Ich möchte noch einmal die Leiche sehen", sagte Erna. „Aber Kind!" rief Weltlin. „Ich will ihn noch einmal sehen!" sagte Erna fest und ohne den Vater anzusehen; ihr Blick ruhte irgendwo im Raum auf einem nicht existierenden Punkt „Das Zimmer wird abgesperrt sein", wollte Weltlin ablenken. „Hier durch diese Türe kann man direkt hinein." Sie war aufgesprungen, eilte zur Tür und drückte die Klinke nieder. (Fortsetzung folgt.) 3)er Wann, der nicht Schlafen konnte... 9>orlrät nach der WirklichkeH/ Ton Jtlice Zkerl tRolhhols Können Sie sich einen Mann vorstellen, der nicht schlafen kann? Der IS Jahr« hindurch kein Auge schließt? Sagen Sie nicht, dieser Mann wäre ein Wunder der Technik oder ein Verächter der Schlaftabletten! Dieser Mann war bloß ein Opfer des Weltkrieges... Der Mann, der nicht schlafen konnte, zog als rüstiger Dreißiger ins Feld. Er funktionierte tadellos. Seine Existeny teilte sich wie bei dir und mir automatisch in Wachen und Schlafen. In der Heimat hatte der Mann geschlafen, um tagsüber zur Arbeit wach zu sein. Im Felde wachte der Mann, um möglichst schnell wieder einzuschlafen. Was wollen Sie? Das Feld der Ehre hat andere Gesetze als das Feld der Arbeit! Hurra! Hurra!— Eines schlechten Tages ging dem Mann, der nicht schlafen konnte, ein Geschoß in den Kopf. Der Mann wurde als lebender Toter nach Haus verfrachtet. Das in jedem Sinne feindliche Ge- schoß hatte sein Gehirnzentrum getroffen. Dort. wo die Schlastierven sitzen. Das Zentrum streikte ... das Leben ging weiter... der Mqnn konnte nicht mehr schlafen... Nie mehr. Stellen Sie sich vor: der Mann konnte nicht schlafen. Folglich konnte der Mann nicht ver- gessen. Nicht die Schrecken des Krieges und nicht die Schrecken des Friedens. Der Mann konnte natürlich auch nicht träumen. Er konnte dem Kriegserlebnis nicht einmal mehr auf Stunden entfliehen. Denn die Wirklichkeit war viel grausiger gewesen als der grausigste Traum... War er vielleicht der letzte und wirkliche Kriegs- gefangene?— Wenn Sie sich nun zu diesem Manne noch unsere Gegenwart vorstellen, dann wird Ihnen— vielleicht kurz vor dem Einschlafen— ein Blitzlicht aufgehen, daß dieser Mann ein wahrhaft Verdammter dieser Erde war. Kein Filmstar und kein Heiland schritt je durch solch« Finster- nisse! Kein Nobel-Preisdichter kann ausmalen, wie es in einem immerwachen Kopfe rumort! So arm und so geschlagen ist kein? von Gottes minderwertigen Ebenbildern, daß es nicht in ein paar Stunden Schlaf sein Elend aus Klubsesseln bettet!— Das Gehirn dieses Kriegsopfers glich einer übersüllten Schreckenskammer. Es war eine nie ruhende Registriermaschine, vom Unglück geölt. Der Mann, der nicht mehr schlafen konnte, ver- suchte zunächst alle möglichen Schlafmittel. Er las Unterhaltungsromane, er hörte hintereinander 87 Rundfunkprogramme, er abonnierte sich bei redseligen Frauen... Nichts half. Wo alle ein- mal einschlafen— er wachte. Kleine Episode aus der Kollektion fünfzehn schlafloser Jahre: Der Mann„schläft" im Mittel- stadium der Lcbensverzweiflung mit einer zärt- lichcn Verkäuferin. Er versucht, aus Angst vor der Nachtwache, seine Partnerin mit Liebe und mit Erzählungen die Nacht über wach zu halten. Er ist eine Scheherezade im baumwollenen Schlafanzug, mit müden Zügen und zuckenden Augen. Das Mädchen sinkt schlaftrunken in seinen Armen zusammen und murmelt:..... Stehe den ganzen Tag... hinterm Ladentisch.. Laß uns schlafen!... Schlafen...!" Sie schläft. Der Mann möchte sie ermorden. Das soll Liebe sein? Dumme Gans!— Es war Liebe... Aber ein Mensch, der nicht schlafen kann, kann nicht einmal mehr lieben. Liebe ist nur möglich, wenn der Schlaf die un- erbittlichc Bewußtheit durch Pausen der Bewußt- losigkeit versöhnt. Schlaf ist die Rettungsstation der Liebespaare! Unser Mann hatte den Zutritt zu dieser Rettungsstation im Kriege verloren. Er mußte wie ein Schiffbrüchiger auf dem festen Boden des Schlafzimmers ertrinken.. Im Jahre 1932 hatte der Kranke keine Mittel mehr, sich irgendwelche Nachtunterhaltungen zu verschaffen. Eines Abends fand er sich in einem Obdachlosenasyl wieder. Er betrachtete die schlafenden, zerfetzten Pennbrüder der Reche nach sehr genau.„Ihr Glücklichen!" sagte der Mann ganz laut in die Luft hinein... Nun rannte er wie ein vom Wachsein Be- sessener durch die nächtlichen Straßen. Hinter schwärzlichen Fenstern schliefen die Leute ihre Sorgen aus. Sie verschliefen den Hunger oder die Angst vorm Hunger. Sie ließen die Demüti- gungen und Enttäuschungen des Tages ins Nichts versinken. Sie entflohen dem launischen Büro- Vorsteher, der ratternden Maschine, dem untreuen Liebhaber Maxe, der drohenden Exmission... Ja, die vergaßen für eine Atempause den Straßenkampf, den Geschlechterkamps, den Klassen- kämpf... Der Mann, der nicht schlafen tonnte, kämpfte da unten auf der Straße für sie alle, stöhnt« für sie alle, starb jede Nacht widerwillig den Opfer- tod für eine widerwillige Menschheit... Die Schlafenden reisten unterdessen ins Uferparadies, ins Dritte Reich, nach Müggelsee, nach Kap Heidi....' Der Köpf des Schlaflosen war eine Schreckens- kammer, in der die Miseren der Zeit sich stießen... Eine nie ruhende Registriermaschine, vom Unglück geölt. Ein Archiv für eigene und fremde Verzweiflung... Qloffen Ton XI ne Brendel- Oer Verstand ist legal. Er leitet ab, folgert, entwickelt. Er wird von der bürgerlichen Gesellschaft anerkannt und, als zu ihr gehörig, geschätzt. Man weiß, woran man mit ihm ist. Evolution. Der Geist ist anarchisch. Er tft gegensätzlich, sprunghaft, verwirrend. Er wird von der bürgerlichen Gesellschaft verkannt und, als Outsider, unter- oder überschätzt. Man fürchtet das Unerwartete, Neue. Revolution. Jemand sagt« mir, er könne nicht ohne das „Uebernotwendige" leben, womit er die fröhlichen, Künste und Wissenschaften meinte, die abendlichen Feste, die tägliche Badewanne, den mehr oder minder künstlichen Ozon, usw. Eigentlich lebt niemand ohne das„Ueber- notwendige", insofern jeder, der das„Ueber- notwendige" an Annehmlichkeiten nicht haben kann, durchaus„Uebernotwendigcs" an Sorgen, Aengsten und Mühen hat. Könnte man diese zwei so verschiedenen Begriffe des„Uebernotwendigen" doch endlich einmal in einander dividieren! * „Was für Möglichkeiten!" krähte der Hahn, als er sich mit heftigem Geflatter bis auf den Mist- hausen hinaufgekraxelt hatte. Manche Menschen gleichen ihren Häusern: an der Straße die Wohnräume, im Keller die Vorrats- kammern. Sie machen sich aber nicht gern die Mühe hinabzusteigen, um ihre Schätze zu beleuchten und ihnen die notwendige Pflege angedeihen zu lassen, * Begreifen— ist sinnlich. Verstehen— gedanklich. Wer denkt, versteht. Wer fühlt— begreift. Lasen Sie nicht kürzlich in der Zeitung, daß ein Kriegserledigter, der nicht mehr schlafen konnte, den Gashahn aufdrehte? Wir wissen, daß er anders starb. Melodramatischer sozusagen, wie es einem Opfer aus der großen Zeit zukommt! Eines Abends geriet unser Held nämlich in eine Straßenschlacht. Reden knallten... Schüsse knallten... Schützengraben in der Heimat!— Schrie jemand:„Heil Hitler!"? Schrie jemand „Heil Moskau!"? Der Mann, der nicht schlafen konnte, hörte nur „Heil!" Er dachte:„Was ist Heil? Schlaf... Schlaf ist das einzige Heil." Ein Schlagring saust aus sein Gehirn herunter. Der Mann, der nicht schlafen kann, sinkt um und lächelt... Er lächelt wie Gottvater pcrsön- lich oder wie ein Aktionär, aus den Dividenden ausgeschüttet werden. Zum erstenmal seit fünfzehn Jahren hat unser Mann einen ruhigen Kopf. Seine Privathölle geht in Konkurs. Stjll«... Er schläft. Schläft sofort auf Ewigkeitsvorrat. Er ist glücklich... Er lächelt... Sagt, was ist der Schlaf? Ein Ozean von Baldriantee, in dem jeder Schmerz mit Erfolg ertrinkt... Könnten die Menschen erfassen, daß hinter jeglicher, auch der winzigsten Lebensregung, das Sterben steht, wie würden sie das Leben lieben! * Wenn die Sprache nicht wäre— wie könnte man etwas verschweigen! * Manche Menschen sind hilfreich, um sich selbst zu entlasten. Jltfo Sprach... Als Papst Clemens XIV'.(1769— 1774) einen neuen und hohen Zoll auf einige Waren legte, die England und Holland in den Kirchenstaat einführten, stellte ihm das Kardinolkollegium vor, daß er sich damit die Freundschaft der Eng- länder und Holländer verscherzen würde. „O, wenn die aufmucken," entgegnete der Papst kühl lächelnd,„dann hebe ich die Fasten auf und erlaube auch am Freitag Fleisch zu essen. Dann mögen sie sehen, was aus ihrem Handel mtt ge- jalzenen Fischen wird." * Ein bekannter, sehr gesinnungstreuer und darum auch nicht mit große» Reichtiimern begabter Dichter wird schon eine ganze Weile von einem Schreiberling mit einem Gespräch über die hehren und ewigen Aufgaben der Kunst gelangweilt. Als nun, wie unvermeidlich, just dieser Schmierant(der seine Feder ein gutes Halb- dutzendmal nach dem erfolgversprechenden poli- tischen Wind gedreht hatte) bei der Losgelöstheit der Kunst von allen zeitgeschichtlichen, gesellschast- lichcn und ökonomischen Bedingungen angelangt ist, verliert der Dichter endlich die Geduld und unterbricht das Geschwätz des Ideologiefabrikanten. „Ich arbeite, wie jeder andere Arbeiter auch, um das zu verdienen, was ich zum Leben, und dazu brauche, weiterarbeiten zu können." „Oh, ich aber, ich schreibe nur um der Kunst willen, für die Ehre, um Dichterruhm zu ernten." „Dann versucht eben jeder von uns beiden, mit seiner Arbeit das zu verdienen, was ihm fehlt," lautet die Antwort des Dichters, der sich wendet und geht. M.IM. Weiße Zähne: Chlorodont