Morgen- Ausgabe Nr. 533 A261 49. Jahrg. Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Sttnfptwft«!«7 Amt Dönhoff 292 dt« 297 Teleziammab«ss«! Oojiaftomottat Berlin BERLINER VOLKSBLATT FREITAG 11. November 1932 In Groh- Berlin 10 Pf. Auswärts...... 15 Pf- Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe am Schluß des redaktionellen Teils Zentvaloegan der Sozialdemokratischen Oartei Deutschlands Reaktion in der Schweiz Die Sclmei�er Bürger unter Militärstraf recht! Eigener Bericht des„Vorwärts" Zürich. 10. November. Ter schweizerische Bundesrat hat de- schlössen, auch die Zivilbevölkerung den» Militärstrafrecht zu unterstellen. Tieser Beschluß gilt nicht nur für den Uanton Genf, sondern auch für alle übrigen Uan- tone, in denen die Ncgierungen Truppen aufbieten sollten. Außerdem hat der Bundesrat beschlossen, ein Uavallerieregi- ment in Bereitschaft zu stellen. ?rote»tstreih in Lausanne Tie Arbeiterorganisationen von Lau- saune, wo gestern nachts große«»>>npathie- kundgcbungen für die Genfer Arbeiter- jchast stattfanden, haben heute einen Auf- ruf erlassen, in welchem sie zu einem Generalstreik für die Tauer von vier stunden zum Protest gegen die Borfällc in Lausanne und Genf auffordern. Wie es heißt, sind besonders die Bauarbeiter dem Streikaufruf in großer Tifziplin ge- folgt. Die Borgeschichte Bürgerliche Korruption in Genf Um die Ursache des Blutoergießens zu verstehen, muß man die Erregung der Genser Arbeiter- schaft und Kleinbürger kennen, die durch eine u n- geheure Korruption in der von Fami- I i e n c l i q u e n geführten Genfer Verwaltung schwer geschädigt worden sind. In den letzten bei- den Jahren wurden zahlreiche große llnlerschleise ausgedeckt, bei denen sich die Günstlinge der Bankiers und reichen Lürgerssamilien aus kosten des Kantons und der Stadt die Taschen gefüllt haben. Dann brach die Banque de Geneve zusammen, wobei sich herausstellte, daß fast sämtliche Auf- sichtsräle große Kredite verspekuliert hatten, an ihrer Spitze der damalige Präsident der Kanton- Verwaltung M o r i a u d. Die Sozialistenführer Dicker und Nicole, beide Nalionalräte, führten einen heftigen Kamps gegen die korrupte Verwal- tung, was der Sozialdemokratie bei der National- ratswahl ein Mandat mehr einbrachte. Indessen war ihre meist persönliche Kampsesweise nicht immer sehr glücklich. Nicole, als Chefredakteur des Sozialistenblattes„Le Traoail", wurde in verschiedenen Verleumdungsprozessen von der Gen- fer Klassenjustiz zu hohen Geldstrafen verurteilt, während die Hauptschuldigen an den Korruptions- skandalen nach Moriauds Tod ohne Strafe ausgingen. Eine ungeheure Hetze gegen Nicole und Dicker wurde von der saschislen- sreundlichen und der Bankierpresse betrieben. Aus Bkiltwochabend halle die brüchtigte sa- schislische„Union nationale" zu einer Ber- sammlung ausgerusen. in der sie durch össent- liche Anklage aus der hetze gegen Dicker und Nicole für ihre bisher politisch einflußlose Clique polilische Geschäfte machen wollte. Die Vertreter der Sozialdemokratie im Stadtparlament verlanglen ein verbot dieser Versammlung, was die Regierung mit dem Hinweis aus das Versammlungsrecht ablehnte. Darauf organisierte Nicole eine Gegendemonslra- lion aus der großen Straße nach C a r�o u g e, in der das Versammlungslokal liegt, schon am Dienstag hatte sich die Kantonalregierimg in Genf von der Bundesregierung in Bern Truppen ausgebeten. Am Mittwochnachmittag rückten böv Mann der Lausanner Rekrutenschule in die Genier Kasernen, die nahe dem Versammlungslokal lie- gen. Am Abend fanden die Demonstranten samt- liche Zugangsstraßen zu dem Versammlungslokal von Polizisten besetzt und mit Ketten abgesperrt. Nicole hielt eine Rede von den Schultern meherer Parteisreunde, in der er nochmals die K o r r u p- t i o n Revue passieren ließ und zum Halten der Straße gegen die nationalistischen Hetzer aufsor- derte. Ein Kommunist forderte öffentlich zur Re- volution auf. Aber außer einigen Versuchen, die Polizisten hinter die Absperrketten zurückzudrän- gen, geschah nichts Gewalttätiges. Die Arbeiter machten ihrer Erregung lediglich in Rufen Luft. Die Demonstranten zogen im Ge- genteil weiter vom Saal weg, während eine unge- heure Menge N e u g i e r i g e r in die schmale Zu- gangstraße zum größten Platz Genfs von der Carougestrahe abgedrängt wurde. Trotzdem ließ der Chef der Genfer Polizei und Vorsitzende der Kantonalregierung Martin die Truppen a l a r- mieren. Deren erste Abteilung wurde von der Menge angegriffen. Es wurden den Soldaten teilweise die Stahlhelme und Ivassen entrissen. Die Gewehre wurden zum Teil zerbrochen. Die jungen Rkilizrekruten sympathisierten zum Teil mit der Bevölkerung. Ein zweiter Hilferuf brachte dann eine stärkere Truppcnmasse vor die große Ausstellungshalle. Etwa 50 von den 80 Soldaten, die in der Menge steckten, konnten sich zu ihren Kameraden zurück- ziehen. Sofort wurde mit einem leichten tragbaren Maschinengewehr eine Salve über die Menge ab- gegeben, ohne jede Ankündigung, sowie etwa 100 Schuh aus Jnfanteriegewehren. Die Menge war völlig überrascht und glaubte zuerst, es handele sich um Feuer mit Platzpatronen. Aber zwei Tote blieben sofort auf dem Platze und im nahe» Kantonshospital starben im Lause der Nacht und des Mittwochvormittags noch zehn Verletzte. Die Erklärungen des Bundesvorsitzenden Motla, der das Vorgehen des Militärs deckt, sowie die kraftstrotzenden Proklamationen der Genfer Re- gierung nehmen jeden Zweifel darüber, daß man in Genf ein Exempel gegen die Arbeiter statuieren wollte. Die Genfer 5iantonalregierung hat sämtliche Versammlungen verboten, auch jede Ansammlung von Menschen auf den Straßen wird strengstens bestraft. Das Militär ist in A l a r m z u st a n d versetzt, d. h. die Soldaten bleiben in ihren Woh- nungen und müssen sich auf Alarm hin sofort in Ausrüstung und Waffen an die Sammelplätze be- geben. Die Sozialistische Partei des Kantons Genf hat beschlossen, am Sonnabend einen allgemeinen Trauertag für die Opfer abzuhalten, bei dem man mit einer ungeheuren Massenbeteiligung rechnet. Die Ausrufung des Generalstreiks wurde vermieden, da man weiteres Blutoergießen und vergebliche Opfer verhindern wollte. Von den Toten ist einer Anarchist, einer Kommunist und einer Sozialdemokrat. Die übrigen Toten und Verwundeten sind sämtlich Neugierige. Kampsansage an Popen Die Sozialdemokratie führt im Kampf Ter Parteiausschuß der Sozial- demokratischen Partei beschäftigte sich am Tonncrstag nach einem Aeferat von Otto Wels mit der durch den Ausfall der Reichstagstvahl geschaffenen politischen Lage. Gs herrschte volle Ueber- cinstimmung darüber, daß es für die Sozialdemokratie nnr schärfsten und rücksichtslosesten Kampf gegen die jetzige Ncichsregierung und ihre volksfeindlichen Pläne gebe. Tic sozialdemokratische Neichstagsfraktion wird am Tonnerstag, dem 17. November, zusammentreten und weitere Beschlüsse für ihr Borgehen im Reichstag fassen. Fort mit Popen! Die Reichsregierung hat die Absicht, den Reichstag zum spätesten Termin einberufen zu lassen, der nach der Reichsversassung möglich ist. Das ist der b. Dezember. Von anderer Seite wird die sofortige Einberufung des Reichstags verlang«. Der Herrschaft der Papen-Sarone soll so schnell wie möglich ein Ende gemacht werden. Das ist besonders das Ziel der Sozialdemokratie. Aber die Einberufung des Reichstags ist erst möglich, wenn die Zusammensetzung des Reichstags amtlich feststeht. Bei dem Verhältniswahlrech« dauert das mindestens drei Wochen. Zunächst muß das Ergebnis in den einzelnen Wahlkreisen und in den wahlkreisverbändcn festgelegt werden. Dann erfolgt die Zuteilung der Sitze aus der Reichslisle. Da viele Kandidaten in mehreren Wahlkreisen ausgestellt sind, so muh auch erst ermittelt werden, welches der auf sie entfallenden Wandale sie annehmen. Alles das erfordert viel Zeit und ist bisher niemals vor Ablauf von 21 bis 25 Tagen möglich gewesen. Der früheste Termin zum Zusammentritt des Reichstags liegt also Ende November bzw. Anfang Dezember. Die Sozialdemokratie wird ihre politischen Entschlüsse ohne Rücksicht aus den Termin des Reichstagszusammenlrilts fassen. Nachdem am Donnerstag bereits der P a r I e i a u s f ch o ß zur politischen Lage Stellung genommen hat, wird die neue sozialdemokratische Reichstags- s r a k l i o n am kommenden Donnerstag, dem 17. November, zu ihrer ersten Sitzung zusammcn- lrelen. Die Sozialdemokratie wird den Kamps gegen das Präsidialkabinelt Papen, für die Wiederherstellung der Demokratie und die Rechte des Parlaments energisch fortsetzen. Besonders wird dafür Sorge getragen werden müssen, daß durch ein Ausführungsgeseh zum Artikel 48 dem Mißbrauch der Verfassung endlich EinHall geboten wird. Der stärkste Stoß gegen die Papen-Regierung aber wird durch eine im Reichstag selbst erhobene Kritik an ihrer lediglich von Mißerfolgen reichen Politik geführt werden. Selbstverständlich wird die Sozialdemokratie sich auch weiterhin bemühen, das Los der Opfer der Wirlschafts- krife zu bessern. Wiederum werden Anträge aus Erhöhung der Unterstützung der Arbeitslosen gestellt werden. Durch Anträge auf A u s- Hebung der Sondergerichtc und Erlaß einer Amnestie für die Opfer einer u n- gerechten Justiz muh das verletzte RechK- gesühl wiederhergestellt werden. Auch die bereits im letzten Reichstag gestellten Anträge auf Umbau der Wirtschaft werden neu eingebracht werden. Das amerikanische Parlament Verhältnis 3:1 New Pork. 10. November. Die legten Ergebnisse der amerikanischen Kon- greßwahlen sind: 300 Demokraten, 110 Re- publikaner, 3 Farmer- und Arbeiterpartei ge- wähltt! zweifelhaft sind noch 13 Kongreßsitze. Novembersturme Sozialdemokratievorneuen Aufgaben Von S. Aufhäuser „Um die Partei einheitlich aus die ihr er wachsenden neuen Ausgaben geistig und or- ganisatorisch einzustellen, beantragt der Be- zirksparteitag beim Parteivorsland die bat- dige Einberufung eines Reichs- Parteitages."(Außerordentl. Bezirks- Parteitag SPD., Berlin, 8. Oktober 1032.) Das Wahlergebnis vom 6. November ist der Protest eines ganzen Volkes gegen die autoritäre Staatsführung und gegen die kapitalistische Verelendung der Massen. Die Wählerschaft hat sich durch den Familien- streit Papen-L)itler nicht täuschen lassen. Sie hat deshalb nicht nur die Regierung ohne Volk gelassen, sondern gleichzeitig dem Ver- fallsprodukt der kapitalistischen Reaktion, dem Faschismus, eine empfindliche Niederlage beigebracht. Auf der anderen Seite wird der ivahlmäßige Erfolg der Kommunisten nicht etwa als das Bekenntnis der Wähler zur Moskauer Parteipolitik ausgelegt werden können, sondern als eine radikale Demonstration gegen die augenblick- liche Herrschaft in Staat und Wirtschaft. Ohne Hitler kein Papen— ohne Papen keine hundert Kommu- nisten im Reichstag. Der faschistischen Rebellion vom 14. Sep- tember 1930 ist die kommunistische vom 6. November 1932 gefolgt. Aber Rebellion ist nicht Revolution, und aus der gefühls- mäßigen Aufwallung sozialer Verzweiflung läßt sich weder das Dritte Reich, noch ein Sowjetdeutschland schaffen. Es kommt nach dem 6. November mehr denn je darauf an, eigenen positiv sozialistischen Tatwillen zu ge st alten. Darum wäre es verfehlt, unser Handeln in nächster Zeit lediglich von dem Verlauf des von der Reaktion eingeleiteten Kuhhandels über die neue Regierungsbildung abhängig machen zu wollen. Die antimarrislischen Kräfte sind seit dem Wahltag erneut vom bolschewistischen Vürgerschreck befallen: sie blasen zur„natio- nalen Konzentration". Hitler hat sich zwar erneut feierlich gegen den Reichskanzler als Person erklärt, doch hat er keine Kriegserklä- rung gegen dessen System abgegeben. Die Feindschaft gegen die Arbeiterklasse wird auf der Gegenseite alle Schwierigkeiten perso- neller Art überwinden lassen und schließlich ist außer Papen und Hitler auch General Schleicher noch da. Das Zustandekommen einer parlamentarisch vom Zentrum bis zu den Nationalsozialisten getragenen Regie- rung setzt die Mitwirkung Hugenbergs vor- aus, und es wäre eine Illusion, in einer solchen Rechtskoalition noch eine Heimstätte für die Demokratie suchen zu wollen. Die autoritäre Regierung ohne Reichstag wäre H e r r e n d i k t a t u r, die autoritäre Regie- rung mit parlamentarischer Rechtsmehrheit ist"Klassenherrschaft. In beiden Fällen geht es um die Verfassung, das Volksrecht und die Rettung des Kapitalis- mus auf Kosten der breiten Massen. Die klassenmäßige Zuspitzung, die mit dem Signal vom 20. Juli blitzartig ausgeleuchtet hat, wird die Sozialdemokratie veranlassen, ihre Kampfmethoden und Kampf- Möglichkeiten zu überprüfen. Die Arbeiterbewegung muß an dem geschichl- lichen Wendepunkt von heute die Kraft und die Freiheit haben, sich auf die ihr erwachsen- den neuen Aufgaben einzustellen und sich, soweit notwendig, organisatorisch und geistig umzustellen. Das äußere Zeichen der völlig veränder- ten politischen Situation war die Verdrän- gung aller Vertrauensleute der Arbeiter- schaft aus dem Staatsapparat, insbesonder« aus der preußischen Schlüsselstellung der So- zialdemokratie. Das Zusammenwirken der SPD. mit bürgerlichen Parteien in der Nachkriegszeit, wie es bei bestimmten ökono- mischen Kräfteverhältnissen zeitweise not- wendig werden kann, wird immer wieder durch die Klassengegensätze gesprengt wer- den. Die Voraussetzungen, durch die Beteili- gung an Regierungskoalitionen soziale Er- rungenschaften zu gewinnen oder zu vertei- digen, sind mit der herrschenden kapitalisti- schen Wirtschaftskrise beseitigt worden. Heute ist die Kraft aller bürgerlichen Parteien auf die Restauration des erschütterten kapitalisti- schen Systems gerichtet. In diesem Stadium eines absteigenden Wirtschaftssystems wird es nicht unsere Aufgabe sein können, den Verfall des Kapitalismus aufzuhalten. Unsere geschichtliche Mission des Kampfes um eine neue Welt wird die Haltung der Partei entscheidend bestimmen. Die SPD. wird die zum Schutz notleidender Massen er- forderliche tägliche Kleinarbeit nicht auf- geben, und sie wird den demokratischen Kampfboden nicht preisgeben, sondern ihn zäh verteidigen. Aber die neue Periode in der deutschen Politik zeigt zwingende ökono- mische Tatsachen, die es der Sozialdemo- kratie verwebren, ihre Aktivität in der Tagespolitik zu erschöpfen. Wir wollen das von der Reaktion äußerst bedrohte Reichsparlament verteidigen und wieder aktionsfähig machen; aber wir sollen von ihm nicht mehr erwarten, als es die politischen Kräfteverhältnisse zulassen. Die Arbeiterklasse wird sich die demokratischen Abwehrwafsen gegen Unterdrückung und Rot nicht aus der Hand winden lassen, ohne deshalb auf die Stärkung ihrer außerparla- mentarifchen Widerstandskraft gegen die Re- aktion zu verzichten. Im Mittelpunkt aller taktischen Maßnahmen steht der sozio- Ii st ts che Gestaltungswille und der Wille zur politischen Macht. Der Umbau der kapitalistischen W i r t s ch a s t zur planvollen Bedarfswirt- fchaft ist unter sozialdemokratischer Führung zum Inhalt einer großen Volks- bewegung zu machen. Dazu aber ist nicht nur die Einheit der Arbeiter, sondern in gleichem Maße die ideologische Gewinnung des gesamten Neuproletariats unerläßliche Voraussetzung. Der Monopolkapitalismus hat Millionen kleinbürgerlicher Existenzen zermalmt. Ein Scheinsozialismus der„klei- nen Leute", der Handwerker, Bauern, Be- amten, Intellektuellen und irregeleiteten An- gestellten hat zeitweise dem Faschismus Auf- trieb gegeben. Diesem Aufruhr proletarisier- ter, bisher bürgerlicher Schichten und der all- gemeinen Krise des kapitalistischen Denkens Ziel und Richtung zu geben, das alte und das neue Proletariat zur breiten antikapi- talistischen Front zu vereinigen, ist unsere Aufgabe. Die Einheitsfront der Arbeiter aber kann weder durch die Einheitsmanöver der KPD., noch durch mechanische Organisationsverbin- düngen erreicht werden. Das Willens- Zentrum für die Einheit des deutschen Proletariats liegt nur in der sozialdemokratischen A r b e i t e r p o l i t i k Die von der Reaktion gewollte Isolierung aller Werktätigen muß gesehen und politisch vertieft werden. Die Erkenntnis, daß sozialdemokratische und kam- munistische Arbeiter nur noch auf sich selbst und ihre eigene Kraft gestellt sind, und unter Lösung aller Bindungen an die Regierungs- gewalt im Reich eine konsequente Opposition gegen die Herr- schende Staatsmacht treiben müssen, wird den Willen zur Macht, zur Einheit und zum Sieg der Massen wecken. So müssen Selbsthilfe und Selbstbesinnung den Ausgangspunkt künftiger Aktivität der Deutschen Sozialdemokratie bilden. Sie wird sich als die sturmerprobte Organisation der deutschen Arbeiterklasse bewähren, um den entscheidenden Schlag der Reaktion gegen Republik und Volk abzuwehren und die Macht der organisierten Arbeit in Staat und Wirtschaft zu erobern. Preußen im Reichsrat Ein Vorstoß— Es soll neu verhandelt werden Junf Zahre Zuchthaus hat das Posener Stand- gericht lOsfiziere und ein Richter) dem deutschen Landwirtsohn S t i l o aus Bomst auferlegt, weil er Spionage getrieben haben soll. Er war bei geringer Grenzüberschreitung verhastet worden. Verhandelt wurde geheim und durch Dolmetscher. Stilo versteht nicht polnisch. Die kommunistische Lauern- und Arbeiterbank in Paris ist im Konkurs. Vor kurzem waren der Direktor und die Aussichtsratsmitglieder dieser Bank wegen fiktiver Erhöhung des Stammkapitals verhaftet worden Das Abtreibungsverbot in Dänemark soll abgeschafft oder gemildert werden. Der Iustizminister der sozialistisch-radikalen Regierung hat eine Kam- Mission von Frauen, Aerzten, Juristen und Poli- tikern berufen, die entsprechende Vorschläge aus- arbeiten soll. Nach mehrmonatiger Pause trat am Donnerstag abend der Rcichsral wieder zu einer Vollsitzung zusammen. Presse und Oesseutllchkett waren ungewöhnlich stark vertreten. Für die Reichsregierung war Reichsinnenminister Freiherr v. Gay! mit seinem Staatssekretär Dr. Z w e i- g e r t und dem Ministerialdirektor Dr. G o t k- Heiner erschienen, für Preußen d'e Ministerialdirektoren Dr. Brecht, Dr. Ladt und Dr. L o ß m a n n. Lrldäcnnx Preußens Nachdem Minister v. Gayl die Sitzung eröffnet hatte, nahm sofort Ministerialdirektor Dr. Brecht das Wort, um namens der preußischen Staatsregierung folgende Erklärung abzu- geben: Seit mehr als drei Monaten hat der Reichsrat nicht tagen können, weil die Reicheregierung durch ein, wie nunmehr feststeht, mit der Reichs- Verfassung nicht im Einklang st ehe n- des Vorgehen die preußische Staatsregierung an der Wahrnehmung ihrer Rechte und Pflichten im Reichsrat verhindert hat. Es war der Wunsch der preußischen Staats- regierung, das Vergangene im Reichsrat still zu übergehen. Sie hat daher in eine Aufschie- bung der ersten Vollsitzung des Reich-rats bis auf mehr als zwei Wochen noch der Entscheidung des Staatsgerichtshofs gewilligt. Leider ist es in diesem langen Zeitraum trotz des größten Ent- gegenkommens der preußischen Staat-regierung bis heute nicht gelungen, eine befriedigende Regelung herbeizuführen. Auf Wunsch von Per- sönlichkeiten aus der Mitte des Reichsrats, die sich um eine solche Regelung bemühen und die Hoffnung haben, daß sie bis Sonnabend zustande kommt, und im Interesse anderer letzter Versuche um eine Verständigung steht die preußische Staatsregierung davon ab, die Sach- läge heute genauer darzustellen. Sie begnügt sich mit folgenden Feststellungen: Der Staatsgerichtxhos hat den Vorwurf der Pslichtverlehung gegen das Land Preußen in vollem Umfange für unbegründet erklärt. Er hat die Anwendung des Artikels 48 Abs. l für unzulässig erklärt. Ee gibt also keineReichs- e x e k u t i o n gegen Preußen. Der Staatsgerichtshos ho« ferner festgestellt daß die aus Grund des Artikels 48 Abs. 2 bestellten Reichskommissare niemals Landesregierung werden und auch niemals an d'e Stelle der Landesregierung treten können, wenn Reichskommissare Zuständigkeiten übernehmen. so können sie dies nur in der Weife tun. daß sie der Landesregierung vorübergehend Zuständigkeiten entziehen und sie vorübergehend auf das Reich übertragen. Die Reichsregierung führt diese grundsätzlichen Gesichtspunkte der Entscheidung des Staatsgerichts- Hofs nicht durch. 7>ie Reichskommissare bezeich- nen sich weiter als kommissarische„Landesre- g i e r u n g", also als Ersatz der Landesregierung. Sie erlassen unter �r Dienstbezeichnung preußischer Mini st er und des Preu- ßischen Staatsmini st eriums ihre Schreiben, Verfügungen und Verordnungen. Auch im übrigen versagen sie der Preußischen Staats- rcgierung die Wiedereinsetzung in ihre Aemter als Landesregierung noch immer in weitem Umfange. Diese Lage berührt in einem solchen Maße die Grundlagen der gellenden Reichsversassung. insbesondere der Rechtsstellung der Länder, daß sich die Preußische Staatsregierung für verpflichtet hält. zu geben. dem Reichsrot hiervon Kenntnis Die Preußische Staatsregierung hat nicht nur die Rechte der gegenwärtigen, sondern auch k ü n s- tiger preußischer S t a a t s r e g i e r u n- g e n zu wahren. Sie richtet als Mitglied des Reichsrats von dieser Stelle aus nochmals an die Reichsregierung die dringende Forderung, d i e unberechtigten S o n d e r m a ß n o h m e n in Preußen aufzuheben, mindestens aber die Entscheidung des Staatsgerichtshofs in loyaler Weise durchzuführen und die Staatsautorität, die nicht nur in der Reichsregierung, sondern auch in den Landesregierungen verkörpert ist, selbst vor- bildlich zu achten. Oes Peieh weicht aus Reichsminister Freiherr v. Gayl: Die ganz« An- gelegenheit gehört nach Auffassung der Relchsregie« rung nicht vor das Forum des Reichs- rats, nachdem das Urteil des Staatsgerichtshofs ergangen ist, sondern bleibt, wie schon das Urteil festgestellt hat, Sache der Vereinbarung zwischen den Beteiligten, nämlich dem preußischen Staatsministerium und dem Reichs- kommissor für Preußen. Der Reichskanzler hat in seiner Eigenschaft als Reichskommissar für Preußen in Gegenwart des Reichspräsidenten bereits ge- legentlich seiner Aussprache mit dem preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun die loyale Durch- führung des Urteils des Staatsgerichtshofs zu- gesagt. Die Verhandlungen über die Einzelheiten, die bereits seit längerer Zeil ze» pflogen worden sind, werden demnächst in einer neuerlichen Verhandlung, die der Reichskommistar inzwischen angeregt hat, hofsentlich einen befriedigenden Abschluß finden. Oie neuen Peichsininister Das Schreiben des Reichskanzlers Über die Ernennung von Dr. Bracht und Dr. P o p i h zu Reichsministern ohne Geschäftsbereich wird auf Antrag des preuh. Vertreters Dr. Brecht dem haushaltsausschuh überwiesen, um die Frage der Ernennung der Minister nach der e t a t r e ch t» l i ch e n Seite behandeln zu können. Der Reichsrat erledigt dann eine Unzahl kleiner Vorlagen und Eingaben. Papen an Braun Papen hat dem preußischen Ministerpräsidenten am Donnerstag schriftlich mitgeteilt, daß er zu Be- sprechungen über die Ausführung des Leipziger Urteils zur Verfügung stehe. Ministerpräsident Braun hat aus diesen Brief erwidert, daß er sich zu der vorgesehenen Be- sprechung bereit Holle und nunmehr eine Ver- einbarung über den Termin erwarte. Italien und Frankreich Eän Mussolini-Interview Paris, 10. November. Ein Mitarbeiter des.Paris Midi" ist in Rom von Mussolini empfangen worden. Der Iour- nalist richtete an Mussolini unter Hinweis auf die in Frankreich geäußerten Wünsche nach einer französisch. italienischen Verständi- gung die Frage, was er wünsche; Mussolini antwortete:„Dreierlei!— Erstens, daß man Italien besser kenne: denn man kennt in Frank- reich das heutige Italien nicht. Zweitens, daß man an die Existenz und Dauerhaftigkeit des faschistischen Regimes glaube. Es handelt sich nicht um eine Uebergongserscheinung. deren Ende man abwarten muß.. Drittens, daß man Italien gegenüber auf macchiavelliyische Politik verzichtet. Aufrichtig sein ist nötig, wenn man Verhandlungen zum Ziel? führen will, ferner eine Autorität, die die Ausführung gestattet. Auf die Frage, ob Italien sich nicht mll einer Macht verbunden habe, die nicht gerade aufrichtig gegen Frankreich handle, und deren Spiel angeb- sich in Rom Unter st ützung finde, habe Mussolini mit einer verneinenden Kopsbewegung erwidert:„Auch wir reden und sagen bisweilen etwas, obgleich wir uns bemühen, möglichst wenig zu sagen, aber wir begehen keine Torheiten." Zum Problem Krieg und Friede erklärte Musso- lini, der Krieg habe nichts Verführerisches für ihn: er sei eine Plage der Menschheit. Aber zu behaupten, daß es keinen Krieg mehr geben würde, sei töricht: denn schließlich glaubten die Völker an derartige Behauptungen und ließen sich einschläfern.(!I) Italien arbeit« und steige empor. Der Krieg würde die Wiederauf- richtung stören.— Eine Anspielung auf B r i a n d papen will bleiben Zentrum und Nazis sollen kuschen Ueber die Absichten des Kabinetts der Baron« unterrichtet die folgende amtliche Mitteilung über den neuen Auftrag, den Herr v. Papen erhalten hat:* Reichspräsident o. Hindenburg nahm den Vor- trag des Reichskanzlers v. Papen über die Aus- fassung des Kabinetts zur innerpolitischcn Lage entgegen. Der Reichspräsident betont«, daß er an dem der Bildung der Regierung v. Papen zugrunde siegenden Gedanken einer nationalen Konzentration auch weiterhin f e st h a l t e. Dementsprechend beauftragt er den Reichskanzler, in Besprechun- gen mit den Führern der einzelnen in Frage kommenden Parteien fest- zustellen, ob und inwieweit sie gewillt seien. die Regierung in der Durchführung des in Angriff genommenen politischen und wirtschastlichen Programms zu unter st ützen. Das Kabinett der Barone will also bleiben. Die„Verhandlungen" sollen darin bestehen, daß „die in Frage kommenden Parteien", also Zen- trum und Nationalsozialisten, o e r h ö r t werden sollen, ob sie vor dem Kabinett der Barone ka» pitulieren und als getreue Knechte der Barone die reaktionären Versasiungsplän« und das reakttonäre Wirtschaftsprogramm schlucken wollen. Diese amtliche Mitteilung ist eine neue d i t- tatarische Geste, aus der die Nichtbeachtung des Wahlergebnisses spricht. Der Reichstag soll aus seine Gesegesinitiative verzichten, er soll zum willenlosen Werkzeug der Barone genracht wer- den. Die Barone markieren auf» neue Stärke und Selbstvertrauen. Sie spannen dafür die Autorität des Reichs- Präsidenten ein. sie verbinden diese Autorität mit einem Plan, der in vollem Widerspruch zum Willen des Volkes steht. Das Wort„nationale Konzentration" sagt im übrigen alles. Wer das Wort„national" in dieser Weise mit Popens reaktionären Pro- jekten verknüpft, der kann gleich erklären: das gesamte werktätige Volt ist nicht national! Denn das Nesamte werktätige Volk lehnt diese „nationalen" Programme mit Erbitterung und Empörung einmütig ab! beantwortete Mussolini wie folgt: Es gebe zweier- lei: Politik und M y st i t. Briund habe aus außen- politischem Gebiet Myssik getrieben. Schließlich kam man aus Italiens Aussichten in Afrika unter Erwähnung A b e s s i n i e n s und Tunis' zu sprechen. Mussolini lehnte es jedoch ab. hierzu Stellung zu nehmen und betonte zum Schluß, daß das Volk der Führung durch ein- Persönlichkeit oder einen leitenden Kopf bedürfe. * Wir haben bereits vor mehreren Tagen auf die politische Bedeutung des offensichllichen Versuchs� Frankreichs hingewiesen, sich Italien zu nähern)- Die Initiative dazu isT von Herriöt aUM» gangen, der durch einige freundliche Worte über Italien das Eis gebrochen hat. Das französisch- italienische Gespräch kommt allmählich in Gang. Das Mussolini-Interview zeigt, daß auch die ita- lienifche Regierung nicht abgeneigt ist, diese Bahn zu betreten. Frankreichs Ziel ist dabei, Italien diplomatisch von Deutschland loszulösen, genau so, wie es ihm bereits bei der Sowjetunion zum Teil gelungen ist. Wenn die Regierung der Barone verschwunden sein wird, werden ihre Nachfolger auch vor einem außenpolitischen Trümmerhaufen stehen. koloniale Zugeständnisse? London. 10. November. „Pertinax" sagt in einer Meldung aus Paris an den„Daily Telegraph": Wahrscheinlich wird die französische Regierung bereit lein, die kolo» niale Ausdehnung Italiens zu be- günstigen. Aber in zwei Punkten wird die sran- zösisch« Politik in absehiarer Zeit schwer abge- ändert werden. Es wird kein Zugeständ- n i s auf Kosten der nordafrikanischen Besitzungen Frankreichs gemacht werken, und Frankreich wird dem aus die Kriegsflotten bezüg- lichen Teil oes Hoover-Plones nur zustimmen, wenn die Ueberlegenheit der französischen Flotte gegenüber der italienischen Flotte nicht beseitigt und nicht sehr erheblich verringert wird. ★ Wenn die kolonialen Zugeständnisse Frankreichs sich nicht auf Nordasrika beziehen sollen, das bis- her Italien allein zu interessieren schien, handelt cz sich dann für die französische Regierung ossen- bar oarum, Italiens Wunsch nach Kolonial- Mandaten im Völkerbund zu unterstützen, also Italien nachträglich einen Anteil an der Kolonial- beute von 1013 zu verschafsen. Damit würde gleichzeitig ein deutsch-italienischer Gegensatz ge- schaffen, da auch die deutsche Regierung hofft, auf dem Weg« über Koionialmandaten wieder in den Besitz eines Teils der früheren deutschen Schutz- gebiete zu gelangen. Alle schönen Redensarten Mussolinis über die ungerechten Friedensverträge würden ihn nicht daran hindern, von einem solchen Angebot Frankreichs den möglichst weitgehenden Gebrauch zu machen. Italien dankt Berriot Eigener Bericht des„Vormärfs" Paris, 10. November. Der italienische Botschafter Graf Pignattl hat Herriot den Dank der italienischen Regierung für die italiensreundlichen Worte aus dem radikalen Kongreß In Toulouse und später vor der fran- zösijchen Presse ausgesprochen. Mussolinis„Amnestie" pp* Bluff und Irreführung Deutsches Recht Von Unserem Korrespondenten Cocarno, 10. Nov«mt>er. Die Amnestie zum zchnten Jahrestag soll nach den osfiziellen Meldungen der Presse die um- fassendstc sein, die bisher in Italien gewährt war- den ist. Sie ist das in der Tat, denn nie vorher hat das Land sein« Gefängnisse und Zuchthäuser so bis zum Platzen voll gehabt wie das faschistische Italien. Massenhaft Leute, die hinter Schloß und Riegel saßen, werden die Menschheit wieder durch ihre Gegenwart beglücken. Die faschistische Presse spricht stolz von gegen zwanziglausend gemeinen Verbrechern. die freigelassen werden. Sie gibt auch bescheidene Zahlen von politischen Verbrechern, aber wir wollen vor allem feststellen, daß die heulige Am- nestle sich überhaupt nur aus ganz wenige politische verbrechen erstreckt. Aus Reklamegründen kann der Faschismus die Sache anders darstellen, aber das ist die Tatsache. Amnestie wird gewährt für alle Verbrechen, für die das Gesetz eine Höchststrafe von nicht mehr als fünf Jahren vorsieht. Welche Verbrechen sind dos unter den 61 in den 72 Paragraphen über die Verbrechen gegen den Staat vorgesehenen? Zehn dieser Paragraphen sehen die Todesstrafe vor, zwanzig Höchststrafen über fünf Jahre. Unter fünf Jahren bleiben erstens die Schieberverbrechen in Kriegszeiten, zweitens die Beihilfe, weiter Propagandadelitte, Mussolini-Beleidigung, Be- schimpsung der Landessahne. Schon die Beschimp» fung des Großen Rates überschreitet die Fünf- jahresgrenze. Da nun aber alle antifaschistischen Verbrechen vor das Ausnahmegericht kommen und dieses sich nie an die Höchstgrenze gekehrt hat, so sind auch die von der Amnestie ausgenommen, die bei Anwendung des Strafgesetzes aus sie Anspruch hätten. Die offiziellen Zahlen sind falsch. Wegen Derbrechen des Antifaschismus wurden nicht 1056, sondern 1648 Personen allein vom Ausnahmegericht verurteilt, davon 257 zu Strafen von mehr als zehn Jahren, zu insgesamt 6076 Jahren 10 Monaten und 25 Tagen Zucht- haus. Zu weniger als zehn Jahren wurden 1391 Personen verurteill, zu einer Gesamtstrafe von 4030 Jahren, 9 Monaten. 8 Tagen. Die 423, auf die nach dem Kommuniquä der Stesani-Agentur die Amnestie Anwendung findet, dürften nur zum geringsten Teil unter den Opfern des Ausnahme» gerichts ausgewählt werden. Auf die politischen verschickten findet der „Gnadenakl" keine Anwendung. Da- steht Mar. und �deutlich.im. Artikel<.des De- Sashington. 10. November.(Reuter.) krets:„üibn den Vergünstigungen der vorher- gehenden Bcstimmunzen sind alle ausgeschlossen, die sich am 4. November 1932 in polizeilicher Verschickung befinden oder unter Polizeiaussicht stehen." Wenn also das offizielle Telegraphenbüro meldet, von 1086 politisch Verschickten würden 595 dem- nächst freigelassen werden, so handelt es sich eben um solche, die ihre Zeit abgebüßt haben. In Wirklichkeit beläuft sich die Zahl der aus politi- schen Gründen Verschickten auf ungefähr 2000. Eine„Begnadigung" bei administrativer Ver- schickung wäre übrigens ein juristischer Unsinn. Die Verschickung ist ja keine Strafe, sondern eine soziale Sicherheitsmaßnahme: sie umschließt in der liebe- vollen Umarmung ein und desselben Paragraphen die Zuhälter, Rauschzisthändler, Kuppler und „Umstürzler". Reben der Amnestie, die ja alle juristischen Fol» gen der Verurteilung auslöscht, gibt es einen Strafnachlaß. Alle Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren werden aufgehoben, von allen Strafen bis zu zehn Jahren werden drei, von den Strafen über zehn Jahre fünf Jahre nachgelassen, immer jedoch müssen den Verurteilten bis zu zehn Jahren und über zehn Jahre noch sieben weitere zu ver- büßen bleiben. Schließlich werden zahllose, darunter auch die allergemeinsten Betrügereien gegen den Staat, falsche Steuerangaben, Nahrungs- Mittelfälschung, Schmuggel, Abgabenhinter- ziehung usw. amnestiert. Das Dekret setzt massen- hast Bankrotteure, Betrüger, Wechsel- s ch w i n d l e r usw. in Freiheit. Beim Bekanntgeben dieser Amnestie hat man eine neue Methode der Irreführung der öftent- lichen Meinung des Auslandes angewendet, Erst hat man die Tatsache der Amnestie verkündet, ihre Anwendung auf die Antifaschisten, die Freilassung der Verschickten— alles in offiziellem Kom- muniquä. Man verläßt sich nun darauf, daß das Ausland noch diesem Beweis faschistischer Mensch- lichkeit sich nicht weiter um die Angelegenheit be- kümmern werde und es nicht so genau nachrechnen, wieviel Gramm das Mäuslein faschistischer Milde wiegt, das der Berg faschistischer Grausamkeit unter dem Läuten aller Reklameglocken zur Welt gebracht hat. Wir erlauben uns, das Mäuslein genau zu besehen: es ist sehr winzig, denn nur so schlüpft es durch die Paragraphen, die den faschisti- schen Staat vergittern. In dem Bericht an den König heißt es, daß der vorgeschlagene„Akt der Milde" an„Grandiosität den Ereignissen gleich- kommt, an die er anknüpft". Das ist wahrhaftig war. Bluff und Irreführung beim einen wie beim anderen. Man entlastet die überfüllten Zuchthäuser, läßt eine kleine Zahl von Antifaschisten frei und posaunt eine noch nie da- gewesene Amnestie ins Ausland. Im Inland kann man das nicht, weil man sich dort noch er- innert, daß die politischen Amnestien nach den Unruhen von Sizilien und der Lunigiana(1894) und dem Mailänder Maiaufstand(1898) viel um- fassender waren. Die Regierung gibt weiter bekannt, daß sie in den nächsten zehn Jahren keine Am- nestie mehr gewähren wird. Es könnte fein, daß in zehn Jahren die heutigen Herrscher mehr Interesse an einer Amnestie hätten als die, denen die jetzige Amnestie die Zuchthauspforten nicht öffnet... Hoffnung der Schuldner Englische Note an USA. Der britische Bolschasler übergab heule Slaats- fekrelär Slimfon eine Pole der englischen' Regierung. die sich aus die britischen Kriegsschulden an die vereinigten Staaten bezieht. * Die Abzahlung der britischen Kriegsschulden an USA. ist längst geregelt; sie erfolgt in 63 Jahres- raten. Die Note kann offenbar nur eine Milde- rung. wenn nicht gar die Streichung der ge- wastigen Restschuld bezwecken. Notstand— Freispruch! Transportgefährdung— Zuchthaus! Nobelpreis für Galsworthy Beschluß der schwedischen Akademie Die schwedische Akademie hat be- schlössen, den Nobelpreis für Lite- ratur 1SZ2 dem englischen Schriftsteller John Galsworth y*zu verleihen. Galsworthy, wohl der repräsentativste Roman- schriftsteller des heutigen England, steht im 65. Lebensjahr. Er entstammt einer alten wohl- habenden Familie, studierte in Oxford Jura und machte nach seiner Zulassung zum Rechtsanwalt Reisen durch die englischen Kolonien, durch Europa, Rußland und Amerika. Nachdem schon vorher unter Pseudonym einige wenig beachtete Abenteurerromane von ihm erschienen waren, be- gann seine eigentliche literarische Laufbahn 1900 mit dem Roman„Villa Rubeln", die bereits in jene bürgerliche Welt einführte, der er selbst angehört. Sein Dichterruhm gründet sich auf die vielbändige„F o r s y t e Saga", deren erster Band 1906 erschien. In dieser noch nicht abge- schlossenen Romanreihe zeichnet er die Entwick- lungslinie des wohlhabenden englischen Bürger- tums auf. Galsworthy ist, wie Gerhart Hauptmann und Thomas Mann in Deutschland, der Repräsentant jener abgeschlossenen Epoche der gesicherten bürger- lichen Existenz, für die die soziale Frage noch kein Problem ist. in die die Fragwürdigkeit dieses Daseins aber bereits gewitternd hineinleuchtet. Anzeichen des Verfalls und der Dekadenz, Zweifel an den Ansprüchen bürgerlicher Konvention und bürgerlicher. Tradition machen sich bemerkbor. Aber, noch,.siegen Konvention und Trahition,. und die Befreiung des Menschtums aus den Fesseln einer erstarrten Gesellschaftsform(an die Gesell- schastsordnung selbst wird nicht gedacht) klingt nur als ein Hauch melancholischer Sehnsucht durch das Gesamtwerk Galsworthys. Dieses Aesthetisierende, die Formgesetze des Schönen ängstlich Wahrende, auf innere Vor- nehmheit und Wohlanständigkeit stets behutsam Bedachte ist das typisch Englische an Galsworthys Erscheinung. Es setzt ihn in einen gewissen Gegen- satz zu der jüngeren englischen Dichtergeneration. die den Durchbruch zu einer Realistik jenseits der Zölle statt Kontingente? Der drohende offene Rahinettskonflikt hindert die Entscheidung Die Hetze gegen Brvlat Verfahren wegen Begünstigung eingestellt Wie wir erfahren, hat die untersuchend« Staats- anwaitschaft l in Berlin das Verfahren, das gegen den Genossen Brvlat wegen Begünstigung der Sklareks geführt wurde, eingestellt. Die Ein- stellung, die bereits in der vergangenen Woche er- folgte, aber kennzeichnenderweife erst jetzt der Oesfentlichkeit bekanntgegeben wird, ist„aus recht- lichen Erwägungen" beschlossen worden. Selbst der nationalsozialistische Staatsanwalt F r e i h e r r v o n S t e i n ä ck e r. der aus seinem Naziglaubensbekcnntnis kein Hehl gemacht hat, konnte nichts gegen Brolat sinden und mußte das Verfahren einstellen! Nach diesem Ausammenbruch der Hetze gegen Brolat teilt die Telegraphenunion mit, daß die Staatsanwaltschaft noch ein Ermittlungsversahren gegen Brolat wegen Meineid in drei Fällen be- treibe. Davon hat bisher weder Brolat noch sein Rechtsbeistand auch nur ein Sterbenswörtchen er- fahren! Es wird ausgehen— falls es wirklich betrieben wird— wie das Verfahren wegen Be- günftigungk Die Hetze bricht zusammen, so sehr sich auch die reaktionären Kreise bemühen, sie hinzuschleppen! Nach der vorgestrigen Kabineltssitzung hat man vergeblich aus eine Mitteilung gewartet, was denn nun in der Frage der Kontingents geschehen wird. Am 3. November hat das Reichskabinett den be- rühmten Beschluß gefaßt, daß das reichhaltige Ma- terial der Tomatenkommission erst geprüstund gesichtet werden müßte, bevor in der grund- sätzlich zu bejahenden Frage der Kontingente prak- tische Entscheidungen getrossen werden könnten. Die Kündigen wußten schon damals, daß die Kontingente einfach nicht zu machen sind. weil die Reichsregierung sich'die wirtschaftliche Ver- nunft zur Richtschnur ihres Handelns gewählt hätte, sondern weil einfach die Mehrheit der Minister nicht mitmacht, eine sofortige Regierungskrise die Folge wäre, und weil man vor den Wahlen die deutschen Unternehmer nicht vor den Kopf stoßen konnte. Dann kam nach den Wahlen die Meldung, die Reichsregierung wolle G l e i t z ö l l s statt der Kontingente einführen, natürlich mit dem Ziel, die Zölle so hoch zu setzen, daß sie prohibitio wirken. Es dürfte nun so sein, daß das Reichskabinctt vorgestern auch über die Gleitzölle nicht» b e- schloffen hat, und man darf wohl der„Deut- schen Tageszeitung" glauben, die schwermütig ge- nug berichtet, daß die Kontingentsfrage von neuem vertagt worden sei. An sich sollte freilich auch die„Deutsche Tageszeitung" eine Ver- tagung begreifen: denn nach der Erklärung der Reichsregierung selbst war ja das Material der Tomatentommisston außerordentlich reichhaltig, und zur Prüfung eines so reichhaltigen Materials ist eben Zeit nötig. Auf der anderen Seite darf man sich nicht dar- über täuschen, daß Gleitzölle sich in der prakti- sehen Wirkung, wenn sie das Ziel der Kontingen- tierung erreichen sollten, in nichts von Kon- tingenten unterscheiden. Auch hier wäre die Kündigung der wichtig st en Handels- vertrüge Voraussetzung, der deutsche Jndustrieexport würde genau dieselbe Schädigung erfahren wie bei den Kontingenten und die Krisengesahr im Reichskabinett würde um nichts verringert. Ebenso ist es sicher, daß der Wider- stand der Industrie, der im Kampf um die Kon- tingente erfreulicherweise einen vollen Erfolg zu verzeichnen hatte sich gegen den jetzt verschämt unter dem Namen Gleitzölle verbergenden Export» mord mit unverminderter Energie zur Wehr setzen wird. So wird es also voraussichtlich dabei bleiben, daß die Frage der Kontingente vertagt wird und vertagt bleibt, es sei denn, daß man nach beliebter Methode Herrn o. Braun erlaubt, mit irgendeinem kleinen Zugeständnis. das auch die Unternehmer schlucken können, der Landwirtschaft Sand in die Augen zu streuen. Na�ipräsident abgesägt Der Repräsentant des neuen, das heißt natio- nalsozialistischen Kurses in der ostpreußischen Landwirtschastskammer, Freiherr v. Butt- lar, ist— ausgerechnet am 9. November— von seiner Parteileitung abgesägt worden. Er läßt in der Oesfentlichkeit sein Be- dauern darüber mitteilen, daß es ihm nicht ver- gönnt war, wie beabsichtigt, sich nach ändert- halbjähriger Amtsführung„einmal der Vollver- sammlung zu stellen". Da» sei ihm jetzt unmög- lich, nachdem die Presie den von ihm vollzogenen Rücktritt vorzeitig bekanntgegeben habe. Jeden- fall, hat Herr v. Buttlar so glänzend gearbeitet. daß es selbst der Königsberger Gauleitung zuviel wurde, und das dürfte einiges heißen! Gesetze der Schönheit unternimmt und damit die Grenzen der bisherigen englischen Kunst sprengt. Als Psychologe, als Gesellschaftskritiker im tiefe- ren Sinn, als Stilist, als Dichter bleibt Gals- worthy trotzdem einer der Ersten unserer Zeit. Die Verleihung des Nobelpreises, die feit Iahren vorgesehen war, bleibt eine Selbstverständlichkeit. KrmvaWudenten Antisemitenlärm in Breslau Breslau. 10. November. An der Breslauer Universität kam es heute vor- mittag zu einem Zwischenfall. Eine Vorlesung von Professor Cohn, der erst gestern seine Lehr- tätigkeit aufgenommen hat, wurde von a n t i- semitischen Studenten verhindert. Der Rektor der Universität sah sich schließlich ge- zwungen, Polizei herbeizurufen, die die Ruhe wiederherstellte. Die Störungsversuche haben sich bei der zweiten Vorlesung Professor Dr. Cohns um 11 Uhr in verstärktem Maße wlederholt. Die Polizei, die nach dem ersten Zwischenfall zurückgezogen worden war, mußte wieder gerufen werden, um die Ruhe- störer aus dem Hörsaal und vom Korridor zu entfernen. Der Räumunasaktion wurde keinerlei Widerstand entgegengesetzt. Profesior Dr. Cohn konnte seine Vorlesung durchführen. Die Schuldigen schreien Verlogene R?D.-IdetZte Die Kommunistische Partei hat in trauter Ge- meinschaft mit den Nazis den Streik bei der Verkehrsgesellschaft organisiert zu dem ausgesprochenen Zweck, die Gewerkschaften auszu- schalten. Sie haben erzielt, daß auf dem Schlich- tungswege ein Zwangstarif festgelegt wurde, den die Gewerkschaften ablehnen, aber, dem Gesetz entsprechend, befolgen müssen, wenn sie nicht finanziell haftbar gemacht werden wollen. Es ist weiter erzielt, daß Taufende von Arbeitern und Angestellten gemaßregelt wurden. Durch die kommunistisch-nationalsozialistische Hetze ver- leitet, haben Arbeiter sich berechtigt geglaubt, nach dem Schiedsspruch Gewalttaten gegen sah- rende Straßenbahnwagen begehen zu dürfen. Sie werden jetzt im summarischen Sondergerichtsver- fahren zu schweren Zuchthausstrafen verurteilt, müssen also leiden für das verantwortungslose Treiben derer, d»e sie zu solchen Handlungen an- getrieben haben. Der„Vorwärts" und mit ihm die ganze Sozial- demokratie hat gegen diese Anwendung des Son- dergerichtsverfahrens und der gegen nationalsozia- listische Bombenwerfer gerichteten Terrorverord- nung schärfsten Einspruch erhoben. Das hindert aber das kommunistische Abend- blatt des Herrn Mllnzenberg nicht, in großer Auf- machung zu behaupten:„D i e S P D.- u n d G e- werkschaftsführer stehen als Schat- ten hinter dem Staatsanwalt." Sie wären sogar die eigentlichen Staatsanwälte gegen die Arbeiterschaft! Man könnte den Prozeß auch nach der Lindenstraße oder dem Engelufer ver- legen! Wir hängen diese Schamlosigkeit des Kommunistenblattes hier niedriger. Dieselben Per- sonen. die die unorganisierten Arbeiter der BVG. zu Wahlzwecken in Streik und Not getrieben, beschimpfen ynd verleumden heute wie immer die Sozialdemokratie und die Gewerk- schaften, die nicht so leichtsinnig mit dem Schicksal der Arbeiter umzugehen pflegen. Die gleichen Leute fordern aber heute zur Hergabe von Bettelsuppen für die Gemaßregelten auf, um ihre angebliche Hilfsbereitschaft zu be- weisen. Diese Schimpferei und diese Bettelei auf der gleichen Seite Druckpapier kennzeichnen vollends die moralische Verwilderung einer politischen Gruppe, die sich als„Arbeiterpartei" ausgibt! Bei Sr'ä iunnskranlbeiien, bei Schmerzen rheumatischer, gichtffcher und nervöser Art baben sich Togal» üableiten hervorragend bewährt. Togal beseitigt die Krankheitsstoffe auf natürlichem Wege, es ist außerdem battericntöiend! Ein Versuch überzeugt! In allen Apotöeken M. 1.25. la.S Ulh., 0,46 Chin., 74,3 Acid. acot.»all«. Nazi-Oewerkschastssührer Oberst und Generaldirektor Der letzte Besuch chitlers bei den westdeutsche» Eisen- und Kohlenherren führte dazu, daß der Generaldirektor der Sterkerader Gute-choffnungs- chütte, Oberst von Gilsa, unmittelbar nach dieser Zusammenkunft aus der Deutschen Volks- Partei austrat und zu Hitler hinüberwechselte. Mit ihm gingen die im gelben W e r k v e r e i n „organisierten" Leute zu Hitler ins„Dritte Reich", wo sie die Vorhut der nationalsozialistischen„Ge- werkschaftsbewegung" bilden sollen. Unter der Führung des vordem kaiserlichen Obersten von Gilsa als„G e w e r k s ch a f t s s e k r e t ä r" hoffen sie ihren Verrat an der Arbeiterschaft mit Druck- Posten in der Industrie belohnt zu bekommen. Oberst von Gilsa, bis 1930 Mitglied des Reichstages, setzte sich bereits seit langem für die gesetzliche Anerkennung der gelben Werksoereine neben den freigewerkschaft- lichen und christlichen ein. Er forderte schlankweg Gleichberechtigung der Gelben. Der Herr Oberst und Generaldirektor aber ist sich dar über klar, daß eine gelbe Bewegung niemals einen sehr großen Anhang in der Arbeiterschaft finden wird, wie das eigentlich für seine Zwecke notwendig ist. Jetzt will er„B e r u f s g e m e i n- schaften" in den Betrieben mit einer„Reich s- gemeinschaft"! Den Plan der neuen Tchöp- fung des Herrn von Gilsa hat dieser in einem G e- h e i m z i r k u l a r an die Leiter der industriellen Großbetriebe folgendermaßen formuliert: „Glückt es. den Gedanken einer ehrlichen werksgemeinschaft innerhalb der Betriebe a u s Grund der abzuändernden geseh- lichen voraussehungen zu schassen. dann ist der Ausbau zur Berussgemeinschast und Reichsgemeinschast verhältnismäßig einfach. Die einzelnen Körperschaften sehen sich durch Auswahl von unten nach oben zusammen. Bezüglich der Ausgabenverteilung hat die Berussgemeinschaft den großen Rahmen für die Entlohnung und die sonstigen Arbeitsbedingungen festzulegen, während die RZerksgemein- schaften die elastische Ausfüllung dieses Rahmens entsprechend den Verhältnissen des einzelnen Unternehmens oder von kleineren Betriebsgruppen zu vollziehen hat." Auf die elastische„Ausfüllung des Rahmens" kommt es dem Generaldirektor, Oberst und Ratio- nalsozialisten an. Wieviel— oder wie wenig— die Arbeiter und Angestellten bekommen, das wird zwischen dem Unternehmer und seiner Werksgemeinschaft„vereinbart". Voraus- s e tz u n g wäre allerdings, daß diese gelben Schutztruppen der Unternehmer rechtlich mit den Gewerkschaften gleichgestellt werden. Gerade diese rechtliche Anerkennung aber hat der frühere Krupp- direktor und derzeitige Reichsarbeitsminister in seiner Stuttgarter Wahlrede ausdrücklich angeklln- digt. So sieht die„Kampffront" der National- sozialisten aus, die radikale Reden schwingen, wenn sie Arbeiter ins Unglück reiten, wie beim Verkehrsstreik, praktisch aber entschlossen sind, die Arbeiter den Generaldirektoren auszuliefern. Die Betriebszellen der Nazis in den Fabriken sollen nach dem Willen itzrer Führer zu Keimzellen der w i r tsch a f ts f r i e d l i ch e n, gelben „Gewerkschaften", zu deren Avantgarden der Un- ternehmer werden. Der Plan des nationalsozialisti- schen Generaldirektors und„Gewerkschaftsführers" von Gilsa kennzeichnet scharf, warum die Hitler- bewegung materiell wie ideell von den Unternehmern unterstützt wird. Notmaßnahme Entlastung der Gemeinden Zur Entlastung der Gemeinden, die unter dem Druck der Kosten für die Unterstützung der Wohlfahrtserwerbslosen schwer zu leiden haben, ist dieser Tage eine neue Verordnung er- schienen, wonach ab 2 8. November bis 31. März keine Aussteuerung mehr aus der Krisenfürsorge stattfindet. Also eine vorübergehende Verlängerung der Bezugsdauer der Krisenunter- st ü tz u n g. Die Krisenunterstützung wird weiter gezahlt, auch wenn die Bezugsdauer erschöpft ist. Auch dieser Entlastungsoersuch zugunsten der Gemeinden ist nur eine halbe Maßnahme. Es wird jetzt allmählich Zeit, daß durch die Schafjung einer einheitlichen Arbeits- l o s e n f ü r s o r g e für die Ausgesteuerten eine sozial erträgliche Versorgung gewährleistet wird. Schikane ober Dummheit? Am Mittwoch ereignete sich in Neukölln ein kaum glaublicher Vorfall, der zu der Annahme berech- tigt, daß einzelne Offiziere der Berliner Schutzpolizei das Bestreben haben, noch zeitgemäßer" zu sein als ihr Chef und Gebieter Herr Welcher. Der Gesamtoerband hatte zu Mittwoch abend 11 K- Uhr für das Personal der„Vereinigten Lichtspiele Neukölln" eine Betrieb sver- sammln ng einberufen. Als die Kinoange- stellten in dem Versammlungslokal erschienen, wurde ihnen von dem Inhaber der Zutritt o e r w e i g e r t mit der Bemerkung, daß die Polizei das Abhalten der Versa mm- lung oerboten habe, und zwar aus Grund der Verordnung über den politischen Burg- frieden sowie mit Bezug aus die Notverord- nung, die die Anmeldepflicht für ö f f e n t- liche politische Versammlungen vor- sieht, Die Einberufer begaben sich sofort nach dem zu- ständigen 120, Polizeirevier und erhoben gegen dieses Verbot schärfsten Protest. Sie machten den stellvertretenden Reoieroorsteher darauf aufmerk- sam, daß sich die Anmeldepflicht und auch der Burgfrieden nur aus öffentliche politische Versammlungen beziehe, aber nicht aus Betriebs- oder Gewerkschaftsversammlungen. Der lelephonisch verständigte Reoieroorsteher kündigte den protestierenden Versammlungseinberufern schließlich die 1l e b e r s ü h r u n.g zar..A b t e.»- lung I /V im Polizeipräsidium an. weil sie aui der Abhaltung der Versammlung beharrten! Nach mehr als einstündigem Verweile» der Gewerkschaftsvertreter auf dem Polizeirevier erhielten sie endlich den Bescheid, daß die Versammlung u n- berechtigt verböte n worden sei und abge- halten werden könne. Die Kinoangeitellten waren aber, da es inzwischen 1 Uhr nachts geworden war, nach.Hause gegangen. Herrn Welcher ist dringend zu empfehlen, seine Offiziere über die Rotver- ordnungsbestimmungen besser zu informieren. Beigelegter Konflikt Hinsichtlich der Neuregelung der Bühnen- arbeiterlöhne in den privaten Berliner Theatern sind nunmehr alle Streitig- keiten beendet. Die Differenzen, die noch mit der Direktion des Großen Schauspiel- Hauses bestanden, sind gestern durch VerHand- lungen zwischen der Direktion und dem Gesamt- verband beigelegt worden. Die Direktion schildert den Gewerkschaftsvertretern die schwierige Lage des Theaters, erklärte sich aber bereit, den Lohnabbauschiedsspruch des Schlichtungsausschusses nicht durchzuführen, sondern die alten Löhne weiterzuzahlen. Mit dieser Zusicherung sind alle Unstimmigkeiten zwischen der Direktion und dem technischen Bühnenpersonal des Großen Schauspielhauses beseitigt. Streik bei Bernhard Käß Bei der Firma Bernhard Käß G. m. b. H. in der Kaiser-Wilhelm-Straße, die in Berlin die bekannten 88-Kettenläden unterhält, steht die 122 Köpfe zählende Belegschaft der Herren- konfektionsabteilung seit Sonnabend im Streik. Der Konflikt hat seine Ursache darin, daß die Firma eine mit dem Betriebs- rat abgeschlossene Betriebsvereinbarung ohne Einhaltung der festgesetzten achttägigen Kündigungsfrist von sich aus abändern wollte. Die Geschästsleitung hatte ohne vorherige Ver- Handlung mit dem Betriebsrat durch einen An- schlag am Schwarzen Brett neue Lohnbestim- mungen festgesetzt, die eine wesentliche Ver- schlechterung der bisherigen Entlohnung darstellten. Gegen diese widerrechtliche Maß- nähme hat sich die Belegschaft gewandt und be- schlössen, durch Arbeitseinstellung das Diktat des Unternehmers abzuwehren. Diese Abwehrbewe- gung wird vom Deutschen Bekleidung?- arbeiterverband unter st ützt. Die Produktionsart bei der Firma Käß ist das Fließbandsystem mit Gongschlag, das sonst in der Herrenkonfektion nicht üblich ist und bei dem infolge der außerordentlich starken Arbeitsintensität eine über den Reichstaris der Herrenkonsektion hinausgehende Entlohnung, wie sie bisher auch bei der Firma üblich war, durch- aus gerechtsertigt ist. Anläßlich ihres Kampfes haben sich die Strei- senden unter Führung der RGO. in einem Flug- blatt an die übrige Berliner Konfektionsarbeiter- ichaft gewandt mit der Aufforderung, in allen Betrieben Lohnforderungen zu st e l l e n, Kampfleitungen zu wählen und Streiks in der gesamten Berliner Herren- konfektion auszulösen. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Kon- fektionsarbeiter sind reichstariflich ge- r e,g e l t. Die RGO., die da nichts zu bestimmen und nichts zu verantworren hat, hat an ihrer blutigen Niederlage und den 2500 Gemahregelten bei der BVG. offenbar noch nicht genug. Die Streikenden der Firma Käß täten besser daran, ihre ganze Kraft auf ihre Abwehrbewegung zu verwenden. Sie würden damit ihrer eigenen Zache besser dienen als mit den Methoden.'die, sie in dem Flugblatt der übrigen Berliner Kon- fektionsarbeiterschafl empfehlen. Kurzfristig verlängert Gestern fanden vor dem Schlichtungsausschuß Verhandlungen statt zur Beilegung des Tarifkonflikts im Berliner Gast- wirtsgewerbe, über den wir gestern aus- führlich berichteten. Der Schlichtungsausschuß trat der Auffassung der Gewerkschaftsvertreter bei, daß die von den Unternehmern gestellten A b- änderungsanträge zum Manteltarif in- folge der Eigenart dieses Vertrages längerer Be- ratungen bedürfe. Der Vorsitzende brachte einen Vergleich zustande, wonach der Lohn- und Manteltaris unverändert bis zum 30. No- vember verlängert wird..Mil Hilse des Schlichtungsausschusses soll in den nächsten Tagen oersucht werden, eine Lösung des Tarifkonflikts herbeizuführen. Wie lange noch? Die Berliner Anschlagsäulen schmückt gegen- wärtig ein Plakat einer der Nebenstellen der KPD. Die Berliner Bevölkerung wird zu einer Soli- daritätsaktion mit den entlassenen Ar- beitern der BVG. aufgefordert. Die KPD. hat— gemeinsam mit den Nazis— auf dem Rücken der Belegschaft der BVG. ein poli- tisches Reklamegefchäft gemacht. Vier Tage vor der Wo h l haben RGO. und NSBO. be- schlössen, daß die Belegschaft der BVG. in den Streik zu treten habe. Als das Personal am andern Morgen zur Arbeit kam, jand es von Schugketten der RGO. und der SA. und SS. ver- sperrte Tore. Am TagenachderWahl wurde der Streik von der RGO. wieder„abgewürgt", wie ihre ge- lehrigen Nazischüler sagen. Bon dem politischen Ergebnis abgesehen, sind 2 50 0 Menschen wirtschaftlich auf der Strecke ge- blieben. Man sollte meinen, daß die kommune-faschisti- schen Streikmacher angesichts des angerichteten Un- Heils ihr Haupt verhüllen und sich in Vergessenheit zu bringen suchen würden. Weit gefehlt! Die Ungeheuerlichkeit der Zahl der Gemaßregelten gibt ihnen den Mut und die Möglichkeit, mit dem Un- glück, das sie angerichtet haben, ein neues G c- schüft zu machen. Wir haben schon wiederholt hingewiesen aus das seltsame Zusammenspiel der deutschnationalen Leitung der VLG. und der KPD. Dieses Zu- sammenspiel ist nicht neu. Es hat die RGO. in der BVG. großgezogen. Die Atmosphäre änderte sich erst, als auch ein Sozialdemokrat in den Vorstand der BVG. berufen wurde. Von diesem Augenblick an setzte eine beispiellose Hetze gegen diesen Sozialdemokraten ein, bei der sich die kommune-saschistische Einheitsfront be- währt hat. Bis man B r o l a t jo weit hatte, daß er eine gerichtliche Untersuchung der Vorwürfe verlangte und freiwillig bis zur gerichtlichen Klä- rung in Urlaub ging. Das Feld für Schars- macherci war frei. Und nun wagt sich die KPD. wieder hervor, nach- dem sie das Unheil angerichtet hat. Das Spiel beginnt aufs neue. Wie langenoch? Ankurbelung Ein treffendes Beispiel zur„Ankurbelung" der Wirtschast durch Herrn von Pape» liefert das Deutsche Lichtspielsyndikat in der Friedrichstraße. Das Unternehmen, das Film- produktiv» und Verleih betreibt, hatte bei dem zuständigen Gewerbeaufsichtsamt„vorsorglich" die Stillegung ihres Betriebes zum 30. November und die Verkürzung der Sperrfristen über die Entlassung der Ar- beiter beantragt.-., Jn-Hkr. Perhandlung über diej�z-g Antrag bestritt der-Pertpeter der Firma die ständigkeit des Gewerbeaufsichtsamts mit der Be- gründung, es handle sich um keinen gewerblichen Betrieb, sondern um einen Handelsbetrieb, der nicht unter die Stillegungsverordnung falle. Der, Oberpräsident hat aber entsprechend den Anträgen der Gewerkschaften die Stillcgungsverordnung für anwendbar erklärt und auch die Forde- rung auf Verkürzung der Sperrfrist zurück- gewiesen. Von der rund 120 Köpfe zählenden Belegschaft sind bereits 21 Mann vor der Ent- scheidung des Oberpräsidenten auf die Straße ge- worsen worden, für die jetzt der Gesamwerband den Lohn für die Zeit bis zum Ablauf der gesetz- lichen Sperrsrist einklagt. Zn Oesterreich stieg die Zahl der unterstützten Arbeitslosen in der zweiten Oktobcrhälste um rund 12 500 auf 297 791. Hierzu 2 Beilagen Set„SortDÖtti" erscheint wochentäglich zweimal, Conntags und Montags einmal. Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit" im voraus zahlbar. Postbezug?.»? M. cinschlicslich 00 Pf. Postzeitung, und 72 Pf. Poslbestcllgebühren. Auslandsabonnemcnt höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Ersatz. I Anzeigenpreise: Die einspaltig? Millimeterzeile 00 Pf.. Reklamezeile t„70 M.■_ W Wort 10 Pf. Rabatt laut Taris. Worte über lü Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 2ü Pf. Familienanzeigen Millimeterzrile lO Pf. Anzeigenannahme im Sauptge schält, Lindenstr. Z, wochentäglich uon 8s0 bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor./ Verantwortlich siir Politik: Rudolf Brendemiihl; Wirtschaft: S. Klingelhoser: Gewerkschaftsbewegung: Z. Steiner; Feuilleton: Herbert iiepere;' Lokales und Sonstiges: Fritz»arstädt: Anzeigen: Otto Heagst; sämtlich in Berlin. I Verlag: Vorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts. Buchdruckerei und Verlagsanftalt Paul Singer»». Co.. Berlin SW. 08. Lindenstr. 3. ____„' Bezugspreise: Wöchentlich 7ö Ps„ monatlich 3.2ä M, ldavon 87 Pf. monatlich für Zustellung in» Hausl im voraus zahlbar. Postbezug 3,97" M. ewschlietzlich 00 Pf, Postzcitung. und 72 Pf. Poftbestcllgebühren. Auslandsabonnemcnt 0.05 M. pro Monat: für Länder mit ermätzigtem Druckfachcnporto<,0ü M. Bei Ausfall der Lieferung wegen .. 1. �>......"''■■- ijj*»>■'—'—""""n: m-"-----".„/> o«„A I e i n e Anzeigen" das fettgedruckte Wort 29 Ps.. jedes weitere> WERTHEIM Zusendung von 5M an. Obst, Gemüse u. leichtverderbliche Artikel werden nicht zugesandt. Frisdtes Flelsdi Ochsen-Suppenfleisch 0.45 Ochsen-Schmorfleisch «einer»tu der Keule, Pfd. 0.65 Ochsengulasch«uchgem. 0.65 Ochsenroulade....Pfd. 0 75 KalbsKamm........ Pfd. 0 45 Kalbsbrust......... Pfd. 0.45 Kalbsblatt......... Pfd. 0.45 Schweinebauch o.Beihge 0.65 Schweineschulter o. Big. 0.75 Schweineschinken.Pfd. 0.75 Kaßler frisch geraueh., Pfd. 0.65 Lamm- Vorderfleisch Pfd. 0.45 Lammrücken....... Pfd. 0.65 Lammkeule........ Pfd. 0.75 la Berl Bratwurst..Pfd. 0.75 Jaden Freitag u. Sennabend Frische Blut- u. Leberwurst ii H_. Pfund•t'OPf. Obst u. Gemüse Tiroler Edelrot..... Pfd. 0.15 Rote Rostocker.... Pfd. 0.20 Bananen.......... Pfd. 0.24 Graubirnen...... 2 Pfd. 0.25 Graue Renetten..2 Pfd. 0.35 Amerik. Aepfel..... Pfd. 0.24 Fr. Ananas i. Ganz.. Pfd. an 0.50 Rot- u. Weißkohl 3 Pfd. 0.10 Wirsingkohl, Möhr.SPfd. 0.10 Mark. Rübchen...4 Pfd. 0.15 Sellerie............ Pfd. 0.05 Rosenkohl....... 2 Pfd. 0,25 Schwarzwurzeln..2Pfd. 0.45 Kartoffeln..10 Pfd. von an 0.24 34p. Mandarinen Pfund Blattspinat d|/\ 3 Pfund IV Pf. Fisdie Ostseedorsch...... Pfd. 0.06 Kabeljau o.k.. gz. F.. Pfd. 0.16 Seelachs, Rotbars gz. F. 0.18 Kabeljaufilet....... Pfd. 0.24 Zander, Heilbutt Pfd. an 0.38 Bratschollen..... 3 Pfd. 0.32 Grüne Heringe... 3 Pfd. 0 32 Frischer Lachs, gz. F.. an 0.53 Leb. Spiegelkarpfen, an 0.60 Konserven. 0om Br.- u. Schnittbohnen...0.42 Erbsen«Kr fein 1.00 müf. 0.68 Gemischt Gemüse V.. 0 62 Gemüse fein 1,10 mittclf. 0.88 Br.-Spargel et. 1.35 dünn 090 Stg.-Spargel ext. 1.65 mt. 1.40 Apfelmus.............. 0.50 Mirabellen............. 0 95 Konfitüre Johannisbeer. Kirsch. Erdheer. Aprikose. Vi Eimer 0.98 Billige Lebensmittel Soweit Vorrat: Räucherwaren Dorsch............ Pfd. 0.20 Fettbücklinge...... Pfd. 0.24 Makrelen.......... Pfd. 0.28 Seelachs, Rotbars.Pfd. 0.34 Sprotten..Pfd. 0.36 Kiste 0.38 Aale..Pfd. an 1.80 Bd. an 0.20 Fischmarinad.,/iLt.-Ds anO 48 Fettheringe in öl u. Tomaten 3 ovale Dosen ä 270 Gr. 0.95 Kolonialwaren Bruchreis.. 0.11 Taf. 0.12 0.18 Weiße Bohnen Pfd. 0.12 0.16 Viktoria-Erbsen Pfd. 0.1 8 0.24 Puddingpulver Pfd. 0.38 0.60 Makkaroni Bruch, Pfd. 0 35 0.46 Eier-Schnittnudeln 0.35 0 48 Bosnisch. Pflaumen0 25 0.32 Backobst gemischt...0 36 0.58 Aprikosen..... Pfd. 0.38 0.58 Kaffee«ehr.. Pfd. 1.90 2.40 2.60 Wurst Hausmacher-Sülze Pfd. 0.48 Hall. Blut- u. Leberw. Pfd. 0.60 Dampf- u. Fleischwurst 0.75 Landleber- u.Jagdwurst 0.84 Feine Leberwurst..0.98 1 08 Holst Zervelat u.Salami 1.15 TeSWUrstfeinc u.probe. Pfd. 1.18 Filet-, Zervelatw. i. Fettd. 1.24 Speck fett Pfd. 0.84 mager 0.98 Schinkenspeck i. St. Pfd. 1.18 Gek. Schinken..H> Pfd. 0.32 Käse u. Fett Camembert vollf.. Halhm. 0.26 Camembert vf.. h Port. 0.58 Harzerkäseca-I-Pfd.-Pak. 0.25 Blockkäse(Tils. Art)2o7u 0.44 Dan. SchweizerdoVo Pfd. 0.64 Briekäse vollfett... Pfd. 0.68 Tils., Steinbuscher vollf. 0.68 Margarine........ 3 Pfd. 0.74 Kokosfett........ 3 Pfd. 0.88 Molkereibutter Pfd. 1.12 1.36 Markenbutter.. Pfd. 1.44 Schmalz 0.48, mit Grieb. 0.52 Geflügel, Wild Tauben...... Stück 0.58 0.78 Hühner frisch Pfd. 0.64 0.88 Brathühner.. Pfd. 0.90 0.98 Enten frisch geschl. Pfd. 0.78 0.98 Hafermastgänse... 0.75 0.88 Hasen gestr.. ausgew. 0.78 0.88 Kamnchen„„ 0.60 0.78 Wild- BlattRiick. Keule schwem von an 0.72 0.82 0 92 Hirsch Pfd. V. an 0.48 0.64 0.85 Reh Pfd. von an 0.78 1.18 1.28 Wildragout........ Pfd. 0.35 \tJ fitl V, Flasche VYC"1 ohne Olat 31 Hainf.Kappollenberg 0.70 31 WellenerRiesling...0.80 29 Minheimer Pichler..1.05 28 Mierstemer Domtal..1.30 28 Rüdesh. Engerweg.. 1,60 25 Chat Latour Bardis 1.20 28 Chat Malleret...... 1.40 Maikammer 0.90 5 Ltr. 4.25 Tarragona 1.05 5 Ltr. 5.00 Deutsch. Weinbrand Ltr. 4,00 ERSTE BEILAGE FREITAG, 11. NOV. 1932 Offensive im Giadtpariament Die LodsidemotH-alen greifen an— Für die Rechte der Verkehrsarbeiter Das Berliner Stadtparlament beriet gestern den Etat. Es war bekannt geworden, daß Nationalsozialisten und K o m m u n i- st e n mit Hilse der Tribüne die Sitzung sprengen wollten. Der Zusammenbruch des Verkehrsstreiks sollte den äußeren Anlaß geben. Der wohlvorbereiteten Regie machte der sozial- demokratische Redner einen dicken Strich durch die Rechnung. Für die Etalsrede hatte die sozial- demokratische Fraktion den Genossen Max Kreuziger bestellt. Seine Ausführungen über den Verkehrsstreik, sein leidensä>oftliches Eintreten für die Rechte der Verkehrsarbeiter, waren so klar und überzeugend, daß die zum Lärmen auf die Tribüne bestellten Braunhemden und Kam- munisten das Krakeelen nach einigen zaghaften Versuchen einstellten. So hörten auch sie den Nachweis, daß die Berliner verkehrsarbeiler das Opfer gewissenloser politischer Drahtzieher geworden sind. Unter dem Beifall der Sozialdemokraten rief der Redner aus, daß auch dieser Streik nicht verloren zu sein braucht, wenn die Arbeiter aus ihrer Niederlage die Schlußfolgerung zie- hen, daß die erste voraussehung für erfolg- reiche Führung von Lohnkämpfen gewerkschaftliche Organisation ist. In einigen, mit glänzendem Zahlenmaterial untermauerten Sägen hatte der Redner vorher die gewaltige sozialdemokratische Leistung in Berlin in den Jahren von 1921 bis 1931 umrissen. Wohnungen für 799 999 Menschen, dos gigantische Werk des Ausbaues und der Vereinheitlichung des Verkehrs, Grünflächen, Volksparks, Sportplätze, Hallenbäder und riesige Freibäder zeugen heute von der geleisteten Ausbauarbeit. Als die Wirt- schaftskrise auch die Gemeinden in ihren Strudel zog, konzentrierte die Sozialdemokratie ihre ganze Kraft in den Gemeinden auf die Erhaltung der Fürsorge für die Wohlfahrtserwerbs- losen, während Herr von Papen die Löhne kürzte, die Unterstützungen abbaute und ein Wirtschoftsprogramm verkündete, das ein weiteres Sinken der Kauskraft nach sich ziehen muß. Zum Schluß richtete der Redner im Auftrage seiner Fraktion Forderungen an den Oberbürgermeister, die vor allem der Erhaltung der Selbswerwallung, dem Schutz der Kommunalbetriebe, der Wohlfahrtsfürsorge und einer modernen Schulpolitik dienen wollen. Am Etat arbeite auch diesmal die Sozialdemokratie aus Verantwortung vor dem Volke tatkräftig mit. Die Sozialdemokratie ist gestern im Stadt- Parlament zur Offensive übergegangen und hat einen starken Erfolg errungen! Die Rede Kreu�ixer» Für die sozialdemokratische Fraktion sprach Stadtverordneter Max Kreuziger. Der Redner kennzeichnete zunächst die von den Kommunisten sowohl wie von den Nationalsozialisten vorge- schlagenen Wege zu einer defizitlosen Haushalts- Wirtschaft in Berlin als Demagogie und verant- wortungsloses Geschwätz. Der Redner stellte in sehr vornehmer und entschiedener Weise die Be- hauptung, in Berlin herrsche eine kommunale Linksdiktatur durch den sozialdemokratischen Magistrat, als immer wiederkehrende Lüge fest. Von >8 Magistratsmitgliedern sind in Wahrheit nur 8 Sozialdemokraten. Gegenüber einer Iahresdurchschnittszahl von 186 999 Wohlfahrtserwerbslosen' im Jahre 1931 ist im Haushalt für 1932 mit einer Zahl von 399 999 und einer Belastung von 193 Millionen Mark gegen rund 21 Millionen Mark im Jahre 1928 gerechnet worden. Aber auch diese Zahlen scheinen hinter der Tatsache zurück- zubleiben, Berlin wird im Jahresdurchschnitt mit 340 909 Dohlfahrtserwerbslosen rechnen müssen. Die Gesamtwohlfahrtslasten der deutschen Gemein- den betragen 2699 Millionen Mark gegen 299 Mil- lionen Mark im Jahre 1913. Der Gesamtfehlbetrag in den Etats aller deutschen Gemeinden ist mit mehr als einer Milliarde Mark anzusetzen. Aus diesen einfachen Zahlen ergibt sich mit zwingender Notwendigkeit die ungeheure Notlage der deutschen Gemeinden. Die Notverordnungen der Regierung Papen mit den unerhörten Kürzungen der Unterslühungsfähe haben die von den Sozialdemokraten vorausgesagte Wirkung gehabt, daß die Zahl der van den Gc- meinden zu unterstützenden Notleidenden so stark gestiegen ist, daß eben jede Finanzgebarung über den Haufen geworfen wird. Man soll nicht damit kommen, daß in Italien und in Rußland die Haushalte in Ordnung sind: dort hat das Volk die Zeche bezahlen müssen, indem es in seiner Le- benshaltung weil über den gewiß sehr niedrigen Stand von vor dem Kriege herabgedrückt wurde. Wenn die Nationalsozialisten sowohl wie die Kam- munisten das für Berlin und für Deutschland auch wollen, dann soll man nach ihrem Rezept ver- fahren. Ueberall wo in deutschen Städten, so in K o b u r g und in Gera, Nationalsozialisten allein in der Stadtverwaltung sitzen, befinden sich diese Städte in einer noch schlimmeren Notlage als Berlin. Nirgends hat ein nationalsozialistisches Rezept angewandt werden können, die Magistrate dieser Städte haben sich genau so wie Berlin um Hilfe an die Regierungen wenden müssen— aller dings mit dem gleichen negativen Erfolg wie Berlin. Die Erleichterungen, die Papen jetzt in Aussicht gestellt hat, bedeuten für Berlin weniger als ein Tropfen aus den heißen Stein. Wie die Stadt die notleidenden Erwerbslosen über den Winter bringen wird, ist noch nicht vorauszusehen. In erster Linie kommt es darauf an, daß durch eine vermehrte Produktion eine K a u s k r a f t st e i g e r u n g be- wirkt, durch die wieder steigender Warenabsatz möglich ist. Das ist der Standpunkt der Sozial- demokratie und der Gewerkschaften schon immer gewesen und sie haben dabei insbesondere stets hervorgehoben, daß nur eine planmäßige A r- bcitsbefchasfung durch die öffentliche Hand in der Lage ist, die Erwerbslosen wieder in Lohn und Brot zu bringen. wenn man das Bestreben der Sozialdemo- kratie, die Massen wieder in den Produktionsprozeß zu bringen, als marxistische Mißwirtschaft bezeichnet, so wollen wir gern zugeben. daß das unser Klassenkampf ist. Ueberall werden wir unsere Kraft dafür einsetzen, Durchschaute Nazilügen Statt 10 Jahre Zuchthaus: Freispruch— Mangelhafte Arbeit der Polizei! In der Nacht des Verfassungstages kam es vor dem Reichsbannerlotal in der Kiejholzstraße in Treptow zu einem Zu- sammenstoß Mischen Nazis und Reichsbanner- leuten. Der Angriff der Nazis wurde abge- schlagen und sie kehrten, fünf an der Zahl, mit einer Polizeistreife zurück. Das Reichsbanner- heim war jedoch bereits geschlossen. Beim Herum- gehen stießen sie auf den Schlosser Schmal und einer der Nazis erklärte nun, er erkenne in Schmal einen der Leute wieder, die auf ihn und seine Kämeraden eingeschlagen haben. Schmal und die fünf Nationalsozialisten wurden erst aufs Polizeirevier, dann aufs Polizeipräsidium gebracht. Hier erstattete der von den Reichsbanner- leuten zu Boden geschlagene Nationalsozialift Strafanzeige gegen Unbekannt. In der Gerichts- Verhandlung gegen Schmal erklärten sämlliche fünf Nationalsozialisten— also auch der, der die Straf- anzeige gegen Unbekannt erstaftet hafte, und die Kameraden, die gleich ihm im Polizeipräsidium Schmal nicht wiedererkannt haften—, daß dieser es gewesen sei, der den Kameraden zu Boden geschlagen habe. Die auf Veranlassung des Rechtsanwalts Dr. Bergmann geladenen Zeugen bestätigten dagegen, daß Schmal nicht bei der Schlägerei gewesen sein konnte, da er als letzter das Reichsbannerlokal verlassen habe und dieses erst nach Beendigung der Schlägerei geschlossen worden sei. Die Nazizeugen hakten also wider besseres Wissen den SPD.-Mann Schmal des schweren Landfriedensbruchs bezichtigt, ob- gleich sie wußten, daß ihm als Mindeststrafe zehn Jahre Zuchthaus drohen. Es gelang ihnen aber nicht, das Gericht hinters Licht zu führen. Der Staatsanwalt beantragte Freispruch wegen erwiesener Unschuld; er schenkte eben den Zeugen der Verteidigung Glauben. Das G e- r i ch t folgte dem Antrage des Staatsanwalts und sprach Schmal wegen erwiesener Un- s ch u l d s r e i. In der Urteilsbegründung sagte Landgerichtsdirektor S i n a p i u s, daß die N a z i- zeugen nicht glaubwürdig seien und daß besonders auffällig erschein«, wie so der Zeuge, der jetzt in Schmal denjenigen wiedererkenne, der ihn zu Boden geschlagen haben soll, bei der Polizei ein« Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet habe. Die organisierte Nazilüge ist diesmal glücklicher- weife durchschaut worden. Möglich sind aber diese Nazilügen nur, weil bis jetzt nicht der Versuch ge- macht worden ist, offenkundig meineidige Nazi- zeugen vors Gericht zu bringen und sie dahin zu schaffen, wohin sie gehören— ins Zuchthaus. Nicht unerwähnt darf die Tatsache bleiben, daß die polizeilichen Ermittlungen auch in diesem Falle, wie leider in der letzten Zeit so oft, einseitig zuungunsten der Nazigegner geführt wor- den waren. Es bedurfte erst der Bemühungen der Verteidigung, um dem Recht zum Siege zu ver- helfen. Statt zehn Jahre Zuchthaus— Freifpruch. daß den werktätigen Massen geholfen wird. (Lärm und Geheul bei den Komm.) Genosse Kreuziger wandte sich dann dem Ver- kehr? streik zu Er wolle es unerörtert lassen, ob es sich für die miteinander verbrüderten Kom- munisten und Nationalsozialisten nicht in erster Linie um einen politischen Streik zur Belebung der Wahlagitation und erst zuletzt um die Abwehr der Lohnsenkungen handelte. Der Aussichtsrai der BBG. wird zu untersuchen haben, ob eine einsichtsvollere Direktion den Konflikt nicht hätte ver- meiden können.(Stürmisches Sehr richtig bei den Soz.) Jedenfalls sind die Gewerkschaften in den t«cktung! Scweiiedec BczicUsi/aesiaud! Sitzung des erweiterten Bezirksvorstandes am Freitag, dem 11. November, pünktlich 19 Uhr, im Sitzungssaal der Wohl'ahrts- schule, Lindenstr. Z, II. Hof Z Treppen. (Diesmal nicht im Sitzungssaal des Bezirksverbandes Berlin.) Wir bitten um bestimmtes und pünktliches Erscheinen. Der Bezirksvorstand. letzten Monaten bei der Direktion der BVG., die ja jetzt bekanntlich völlig sozialistenrcin isr, einem derartigen Verhandlungsgeschick begegnet, daß schon öfter der Ausbruch eines Konfliktes be- fürchtet werden mußte. Mit welchen Mitteln von der sogenannten zentralen Streikleitung gegen die Sozialdemokratie gearbeitet wurde, beweist ein Telegramm folgenden Inhaltes: Sozialdemokrat Elsas als Achtgroschenjunge! Gestern nachmittag beries der Sozialdemokrat Elsas, Bürgermeister und Aufsichtsrat der BVG., die Führung der RGO. zur Verhandlung zwecks Beilegung des Verkehrsstreiks. Die drei entsandten RGO.-Kollegen wurden im Zimmer des SPD- Elsas sofort ohne Verhandlung verhastet. Dazu ist zu bemerken, daß Bürgermeister Elsas niemals der Sozialdemokratie angehörte! Im Kampf gegen die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften ist aber den Kommunisten sowohl wie auch den Nazis jedes Mittet, sei es auch das verlogenste und gemeinste recht. Krcuziger ging dann auf die Ent- stehungsgeschichte und den weiteren Verlauf des Tarifkonsliktes bei der BVG. ein und betonte dabei, daß es den Gewerkschaften gelungen ist, die verlangte Lohnherabsctzung von über 26 Ps. bis auf 2 Pf. herabzudrücken. Unter vernünftiger Ausnutzung des Abstimmungsergebnisses wäre es durchaus möglich gewesen, in erneuten Ver- Handlungen weitere Erfolge für die Belegschaft zu erzielen. Aber das wollte die kommunistisch-na- tionalsozialistische Einheitsfront nicht. Sie wallte den politischen Massen st reik, den sie nun nach der Wahl sang- und klanglos abgebrochen hat. Die Opfer, die auf der Strecke blieben, müssen jetzt von den Gewerkschaften wieder be- treut werden. An den Aufsichtsrat der BVG. rich- tcte Genosse Kreuziger im Auftrage der gesamten Fraktion die Aufforderung zu prüfen, ob wirklich, wie glaubhaft oersichert wird, die Nationalsozia- listische Partei Listen ihrer Mitglieder der BVG.- Direktion als Arbeitswillige eingereicht hat.(Stiir- misches Hört, hört bei den Soz.) So sieht der Ber- liner Verkehrsstreik in Wahrheit aus. Verteidigung der Rommunalbetriebe Der Redner wandte sich dann ganz energisch gegen den Generalangriff der Rechten gegen die kommunalen Wirtschaftsbetriebe. Der Forderung der Deutschnationalen, die Städtischen Werke durch eine Umgestaltung der Aufsichtsräte zu entkommunalisieren, würden die Sozialdemo- Aer» Aifziman denn jeder, der weiß was er will, legt nur UJert auf das UJesentliche die Qualität. Aus dieser Erkenntnis lehnt der anspruchsvoll b Juno-Raucher UJerlmorken, Gutscheine und Stickereien ah. Er he trachtet Zugab en dieser Art als Blender; für ihn ist allein entscheidend das Aroma, die Frische und das volle Format seiner Josetti-Cigarette, und darin ist Juno ujirklich einzig! frafen den stärksten Widerstand entgegensetzen. Zum Wohlfahrtsstaat der Stadt bemerkte ftreustger, daß es unter keinen Umstünden an- geht, daß die Einrichtungen der freiwilligen Wohl- fahrtspflege in erhöhtem Maße in Anspruch ge- nommen werden, nur um dadurch städtisches Per- sonal und städtische Anstalten frei zu bekommen. Der Abbau an Personal und Einrichtungen der aus eine solche Art und Weise erzielt werde, wird von der sozialdemokratischen Fraktion auf das allerentschiedenste abgelehnt. Beim S ch u l e t a t sei zu fordern, daß endlich der Magistrat der Neu- anstellung von Junglehrern seine Zustimmung gibt. An den Oberbürgermeister Dr. Sahm richtet die Sozialdemokratie die Aufforderung, in Zusammenarbeit mit den Stadtverordneten seine Amtsgeschäste zu führen. Mehr als bisher müsse der Oberbürgermeister dazu zurückkehren, die Stadtverordnetenversammlung verantwortlich an der Stadtverwaltung teilnehmen zu lassen. Von der Erfüllung dieser Forderung wird die sozial- demokratische Fraktion ihre Stellung zum Ober- bürgermeister abhängig machen. Oer.Ainvehidkampk tier �rbeitersclmkt Die Arbeiterschaft steht, so schloß Genosse Kreuziger, in schwerstem Abwehrkampf gegen die andrängende Reaktion. Sie wird dabei von der Kommunistischen Partei, die auch vorgibt, Ar- beiterinteressen zu vertreten, auf das schwerste bekämpft, beschimpft und behindert. Die Sozial- demokratic ist solchen Kampf gewohnt. Sie hat die Tage des Reichslügenverbandes überdauert, sie hat Wilhelm, den Zerschmetterer. überlebt, sie wird auch Adolf, den Zermalmer. überdauern. Sie kann wohl zeilweise zurückgeworfen werden. aber sie kann nicht besiegt werden. Bei der Sozialdemokratie wehen die Banner der Zukunft! l Stürmischer Beifall und Händeklatschen bei den Soz.) Begeisterter Empfang Gronau in Friedrichshafen Der letzte Weg Leiseteiuns Gertrud Bindernagels Auf dcni Walüfriedhof Westend an der Heerstraße fand gestern nachmittag um Z Uhr die Trauerfeier für die von ihrem Mann, dem ehe- maligen Bankier Hintze, niedergeschossen« Kammer- sängerin der Städtischen Oper, Gertrud Binder- nagel, statt. Neben dem fast vollständig erschie- nenen künstlerischen uno technischen Personal der Städlischen Oper und zahlreicher Vertreter der Berliner Kunstwelt hatten sich ungezählte Tau- sende auf dem Waldfriedhof eingefunden, um der verstorbenen Künstlerin die letzte Ehre zu er- weisen. Die Mutter der Ermordeten, ihr« beiden Tchwestern und ihre kleine Tochter Erika waren erschienen. Der Sarg war über und über mit weißen Crysanthemen bedeckt. Nach den Worten des Geistlichen überbrachte der Stadtälteste, Genosse Hugo H e i m a n n, Ehrenbürger der Stadt Berlin, in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsmit- glied der Städtischen Oper die legten Grüße und den Dank im Namen der Stadt Berlin. Gertrud Bindernagel herbe gerade in unserer schweren Zeit den hohen Sinn der Kunst erfüllt, der die Er- Der Weltslieger wolfgang v. Gronau ist mit seinem Dornier-wol 0 205? gestern nachmittag von seinem weltslug, der ihn über 4 4 000 Kilometer rund um den Erdball geführt hat. in Deutschland eingetroffen, und zwar in Fried- richshasen, wo ihm in den Dornier-Werken in Alanzell ein feierlicher Empfang bereitet wurde. Friedrichshafen und die umliegenden Bodensee- orte trugen zu Ehren des Weltfliegers reichen Flaggenschmuck, und in der zweiten Nachmittags- stunde setzte eine Bölkerwandernug nach den Dornier-Werken in Manzell ein, wo die mit Girlanden und Fahnen geschmückte große See- Halle und die anschließenden Bodenseeufer bald von einer Kopf an Kopf stehenden Menschenmenge gefüllt waren. Kurz nach>43 Uhr hörte man von Friedrichshafen her den Motorendonner des Grönlandwals, der über dem Luftschiffbau«ine Ehrenrunde zog und sich dann in schneller Fahrt unter dem Geheul der Sirenen und dem Krachen der Böller den Dornier-Werken näherte, wo den aus dem Flugboot winkenden Fliegern die tausend- köpfige Menschenmenge begeistert zujubelte. Nach einer kurzen Schleife ging der Wal aus den Boden- see nieder und rollte bis unmittelbar an die Kai- mauer der Montagehalle heran, von wo er bis unmittelbar vor das Rednerpodium gebracht wurde. Die Begrüßungsansprache hielt der württem- bergische Wirtschaftsminister Dr. M a i e r, der namens der Reichsregierung und der württem- bergischen Staatsregierung sprach, v. Gronau und seine Begleiter, so sagte er, hätten mit dieser Tat, mit der sie den deutschen Namen in die Welt getragen und zu Ehren gebracht hätten, wahrhaft national gehandelt. Deutschland wolle im Well- verkehr, in der Weltwirtschaft und im Weltmarkt bleiben. Mit Stubenhockern bringe man Deutsch- land nicht zur Weltgeltung, aber auch nicht mit engstirniger Abschließungspolitik. Schließlich ergriff Wolfgang v. Gronau selbst das Wort und dankte auch den Regierungen und Behörden der mehr als 20 Länder, die auf diesem Weltflug berührt worden seien und in denen man dem Wal und seiner Besatzung überall wahre Freundschaft und Hilfsbereitschaft entgegengebracht habe. Sie hätten draußen gesehen, wie groß die Welt sei, aber sie hätten auch gelernt, wie schön die deutsche Heimat wäre und welches An- sehen sich Deutschland wieder in der Welt erfreue. Deshalb müßten sie sich fragen, ob die Deutschen denn nichts Besseres zu tun hätten, als ständig in Zwist und Hader miteinander zu liegen. lösung von dem Gewöhnlichen uno Alltäglichen bedeute. Stets werde man in tiefer Dankbarkeit der großen Künstlerin und ihrer Leistungen gedenken. Am Sarge sprach dann noch der Inten- dank der Städtischen Oper, Prof. E b e r t, und Präsioent Wallauer für die Genossenschaft deut- scher Bühnenangehörigen. * Da sich Kind und Mutter der Verstorbenen in großer finanzieller Not befinden, wird um Unterstützung der Hinterbliebenen gebeten. Spenden können auf das Postscheckkonto Berlin 720 00 oder bei sämtlichen Depositenkassen der Deutschen Bank auf das Konto Intendant Karl Ebert mit dem Zusatz„Für Kind und Mutter von Gertrud Bindernagel" eingezahlt werden. Gemeinsam in den Tod Aus Verzweiflung über jahrelange Arbeftslosig- keit ging der 34 Jahre alte Arbeiter Friedrich T e i ch e r t mit seiner um vier Jahre älteren F r a u D ora in den Tod. Das Ehepaar wurde gestern abend in seiner Wohnung in der Oker- straße 3l in Neukölln durch Gas oergiftet tot aufgefunden.— Vom Balkon ihrer im dritten Stockwerk des Hauses Kantstr. 135 gelegenen Wohnung stürzte sich gestern früh die 64jährigc Frau Regina H. auf die Straße hinab. Die Unglückliche war auf der Stelle tot. In wenig Worten Der Kriminalpolizei ist es schnell gelungen, die Personalien der Lebensmüden festzustellen, die in den spsiten Abendstunden des Mittwoch vom Funkturm in die Tiefe sprang. Das Mäd- chen ist eine 22 Jahre alte Posthelferin C h a r- l o t t e Lehmann, die bei ihrer Mutter in der Granatenstraße 2 in Reinickendorf wohnte. Das Motiv der Tat ist noch immer unbekannt, da Char- lotte L. weiterhin bewußtlos im Hildegordkranken- haus daniederliegt. Ein Orkan hat die halbe Bananenernte der Insel Iamaica vernichtet. * Auf der Zeche„Unser Fritz" in Wanne-Eickel brachen von einer unterwühllen Halde von oben größere Mengen Schlammkohle herab, die fünf Personen begruben. Drei Personen waren sosort tot. MotopradunglückimNofden Im Norden Berlins an der Ecke Brunnen- und Rügener Straße ereignete sich gestern ein schweres Verkehrsunglück, das ein Todesopfer und zwei Schwerverletzte gefordert hat. Ein mit drei Personen besetztes Motorrad mit Beiwagen prallte aus der Straßen- kreuzung mit einem Lieferauto sehr heftig z«» sammen. Das Rad wurde völlig zertrümmert und der Führer sowie seine beiden Begleiter wurden in hohem Bogen auf das Straßenpflaster ge- schlsudert. Der 47jährige Fritz K o r t h aus der Justusstraße 18 in Reinickendorf erlitt einen schweren Schädelbruch, an dessen Folgen er bereits auf dem Wegs ins Virchow-Kranken- Haus starb. Die Begleiter, der 38jährige Gustav Grevel aus der Seeftraßc 60 und der 31 Jahre alte Otto Waezkewicz aus der Pappel- Allee 59 wurden mit schweren Verletzungen gleich- falls ins Virchow-Krankenhaus eingeliefert. 300 Menschen umgekommen 71 ew 3 o r k, 10. November. Nach einer Meldung der„Associated Preß" erhielt die Zeltung Information von ihrem Karre- spondenten in Rio Zatibonico aus Kuba, daß bei dem gestrigen Orkan auf den Eamaguey-Znseln 300 Menschen umgekommen seien. Beisetzung Franz Luchts. Im Krematorium Ge- richlstraße versammelten sich am Mittwoch viele äUere Parteigenossen, Freunde und Berufskollegen, um unserem verstorbenen Genossen Franz Lucht die letzte Ehre zu erweisen. Die Trauerfeier wurde mit dem Liede„Ein Sohn des Volkes wollt er sein und bleiben" eingeleitet. Im Namen der Hinterbliebenen sprach ein Redner des Freidenker- Verbandes und Genosse Schwahn ini Auftrage des Berliner Bezirksverbondes und der 3 9. Abteilung sowie als persönlicher Freund Dankesworte und Abschiedsgrüße. Als Betriebs- ratsmitglied dankte Hans Wolff im Namen der Geschäftsleitung sovic der Belegschaft des Vorwärtshauses dem Verstorbenen für alles Gure, was er für die Partei geleistet hat. Die Gerhärt-hauptmann-Feier der Bühnen- genossenschast am Montag, 14. November, beginnt nicht, wie in der Abendausgabe vom 9. November irrtümlich mitgeteilt wurde, um 17)4, sondern er st um 19 Uhr. Fahrplan des zweiten Hamburg-Sonderzuges. Wie die Reichsbahndirektion Berlin mitteilt, wird der zweite Sonderzuo nach Hamburg am 12. und 13. November in folgendem Fahrplan fah- ren: ab Berlin 14,04, ab Spandau Hbf. 14,25, an Hamburg Hbf. 18,26 Uhr: zurück ab Ham- bürg 20,35,' an Spandau 0,19, an Berlin Lehrter Bhf. 0.35 Uhr. Fahrpreis hin und zurück 3. Kl. 11,60 M., 2. Kl. 17 M.: Fahrkarten sind bei den Fahrkartenausgaben Lehrter Bhf. und Spandau Hbf. sowie bei den bekannten Ausgabe- stellen des Mitteleuropäischen Reisebüros(MER) noch erhältlich. Wie wird das Wetter? 3n Berlin: Meist bedeckt, zeitweise neblig, vor- wiegend trocken, schwache östliche Winde.— 3n Deutschland: In Süddeutschland trübe mit leichten Niederschlägen, im übrigen Reiche vorwiegend trocken und meist bedeckter Himmel mit verbreiteter nächtlicher Nebelbildung, im Nordwesten vielfach Nachtsröste. Tagestemperaturen nirgends wefent- lich verändert. Unsere tebens- mittel- Abteilunqen stehen unter ständiger Kontrolle des öffentlich ange- WEINE, SPIRITUOS. DELIKATESSEN Frankenweilenoi. 6.03,11. C.65 Nierst. Domtal 10 L. 8.00, 1 L. 0.85 UHel ipan. Rotw. 10 U 9.00, 1 L. 0,95 28er Frcnsac, rot. Bord. m. Fl. 1.60 26er Haut Sautern. m. Fl. 1.85 30er Iphöt. Burgweg Boxb. Fl. 1.40 Jam. Rum Verjch., 380/i,m,Fl. 2.80 Wachholder....1 Ltr. m. Fl. 2.95 Lübb. Dillgurken, Stck. an 0.05 Senfgurken............ Ptd. 0.30 Portug. Oelsardinen..... 5 Ds. 0.78 Fisdimarln. 1 L Ds. 0.SS, Port. Ds. 0,25 Bücklinge.............. Pfd. 0.24 Sprotten..... Kst. ca. 1 Pfd. 0.36 Flundern, geräuchert,'/j Pfd. 0.20 Aal in Vi u.>/, Stücken, Vi Pfd. 0.78 WURSTWAREN DIVERSE KÄSE iSl'Lü. Holst. Rot- u, Leberwurst Pfd. 0.58 Dampfwurst........... Pfd. 0.75 Landleberwurst....... Pfd. 0.84 Knoblauchwurst...... Pfd. 0.98 Cervelat u. Salami...Pfd 1.15 Hambuig.Gekochte..Pfd. 1.28 Fettdarmwurst Holst...Pfd. 1.35 Speck mag. Pfd.0.98, fett Pfd. 0.86 Feiner Harzer ca. IPfd.-Pek. 0.25 Frischer Weißkäse... Pfd. 0.34 Camembert voilt. 2 Schdi. 0.35 Ailg. Stangenkäse20l>/0Pid. 0.42 Tilsiter o. Rd. 20%..... Pfd. 0.45 Briekäse vollfett........ Pfd. 0.68 Steinbuscher u.Edamer Pfd. 0.68 Frühstückskäse..... 3 Stüde 0.25 OBST UND GEMUSE WILDUND GEFLÜGEL Amerik. Tafeläpfel 3 Pfd. 0.74 Kochäpfel große..... 2 Pfd. 0.35 Ananas!. Gz.:...... an Pfd. 0.50 Zitronen............ an Dtz. 0.33 Rot-, Weiß* Wirsingkohl 3 Pfd. 0,10 Möhren, Kohlrüben...? Pfd. 0.10 Spinat.............. 3 Pfd. 0.10 Bestellungen über In den Dachhallen Fr. Suppenhühner.an Pfd. 0.64 Oderbr.Mastgänsean Pfd. 0.73 Jg. Mastenten...... an Pfd. 0.78 Fasanen............ an Stck. 1.95 Fr. Hirschblätter...an Pfd. 0.48 Hirschkeule........ an Pfd. 0.85 Wildschweinkeule....Pfd. 1.00 5 Mark unter F6 B spielen die Kapell KONSERVEN etc. KOLONIALWAREN Jg. Schnittbohnen.. i/t Ds. 0.42 Bassein Reis........... Pfd. 0.15 Jg Erbsen m. Karotten 0.66,0.71, 0.58 Kartoffelmehl........ Pfd. 0.18 Stangensparg. mittel>/, Ds. 1.40 Auszugmehl....... an Pfd. 0.24 Pflaumen m. stein... i|, Ds. 0.48 Haferflocken.......... Pfd. 0.20 Sdmttenmoreilenm. Stein ViDs. 0.93 Hartweizengrieß.... Pfd. 0.24 Pflaumenmus„fhuringia'' lopf 0,97 Eierschnittnudeln..... Pfd. 0.38 Rübensaft naturrein..... Ds. 0.58 Sultaninen......... an Ptd. 0.26 Kunsthonig„Megusta" Pak. 0.39 Mischobst.............. Pfd. 0.36 BUTTER, EIER, FETTE KONFITÜREN Molkereibutter....... Pfd. 1.12 Rhein. Spekulatius..Pfd. 0.50 Tafelbutter............ Pfd. 1.40 Nürnberg. Mischung Pfd. 0.60 Markenbutter......... Pfd. 1.44 Gebäck-Mischung....Pfd. 0.80 Bratenschmalz........ Pfd. 0.48 Sandgebäck!......... Pfd. 0.80 Griebenschmalz..... Ptd. 0.52 Dominosteme Dopp.-Füllg. Pfd 1.00 Rohschmalz............ Pfd. 0.46 Pralinen-Miscn.o Creme Ptd. 1.00 Schmelzmargarine an Pfd 0.50 Vollm.NußanNuflbrudiFtd. 1.00 Kokosfett............ 3 Pfd. 0.88 Vollm„Mocca.Nuß.Krok.SCgTf l. 0.10 FRISCHE FISCHE FRISCHFLEISCH Kabeljau o. K. i. G...... Pfd. 0.16 Gehacktes............ Pfd. 0.48 Kabeljaufilet...... an Pfd. 0.24 Ochsenschmorbrat. gesp. o. Kn. 0,78 Rotbarsu Seelachs O.K. Pfd. 0.18 Schw. Schinken m. B...Pfd 0.68 Gtüne Heringe..an 3 Pfd. 0.35 Röckenfett bratfertig,..Pfd. 0.74 Bratschollen.... an 3 Pfd. 0.38 Kaß!er-Kamm........ Pfd. 0.72 Roizunge u. Heilbutt... Pfd. 0.38 Kalbsragout.......... ptd, 0.98 leb. Karpfen u. Hechte an Pfd. 0.60 Hammelragout...... Pfd. 0.54 aerwald 0012 werden prompt erledigt en EmiIRdosz und Gerhard Hoffmann SCHLAGER DER WOCHE Speckwurst, Jagd- A CA londl- feineleberwurstStck. Allq. Schweizer A£4 vollfett............. an Pfund v// O O Margarine A JA 3 Pfund.......................*/// TT Sauerkohl A ic 2 Pfund....................... I///-/ Hasen A 2* gestr. u. ausgew..... an Pfd. 4/// O Weinbrand 7 Verschn. 38%..... Vi P'* ni. Fl. � HaushaltKakao A CA •tark entölt............ Pfund U U Brechspargel A&c kune Abschnitte...... Vi D».** /OJ Erdbeer-, Kirsch, A Qk Aprlkos-Kenf, ca. 2 Pfd.-E. ßV O Kaffee; QA Pfund............. 2,60, 2,40!/ S V Lebend. Plötzen A JCt Pfund...................... an 5lnanen..............<7,24 Rosenkohl /> 7/- 2 Pfund.................. v... U /CD eidigten Chemikers Herrn Dr. Zellner und des Stadt-Tierarztes!. R. Herrn Dr. Kaffeestunde für Kinder Die 18. Volksschule geht aus Nachmittags um 3 Uhr hält vor einem großen Kaffeehaus am Kurftrftendamm ein Gesellschafts- auio. Ihm enthüpfen hundert Neine Mädchen, Schülerinnen der ia Volksschule Koppenstraße. Leicht verlegen und fröhlich kichernd hallen sie in Zweier- und Dreierreihen ihren Einzug in das Cafe. Sie trippeln erst mal durch ein Spalier luftballondewaffneter, freundlich grüßender Boys. dann empfängt sie drinnen ein musikalischer Tusch. Eine Treppe hoch ist eine lange Kakaotasel gedeckt, und kaum daß sie sitzen, füllen sich auch schon die Kuchenteller und der dicke Koch kredenzt selbst den wohlriechenden Kakao. Während des Essens gibts Musik, dann kommt ein ulkiger Grotesktäpzer mit charald-Loyd-Brille und wild baumelnden Gliedmaßen. Nun produ- ziert sich eine kleine Cimbalvirtuosin und dann gibt die Märchentante was zum besten. Da ist aber auch ein lustiger Conferencier, der dafür sorgt, daß auch die kleinen Gäste etwas zur Unter- Haltung beitragen. Und er arrangiert mit ihnen fix aus dem Stegreif eine fröhliche Landpartie im Sitzen. Die Münder singen Wanderlieder, die Füße trappeln den Fußmarsch und oie Hände mar- kieren den einsetzenden Platzregen. Das gibt ein Mordshallo und zur Belohnung Schokolade und Luftballons. Das Schönste vom Schönen kommt aber noch: Tanz. Die anfängliche Schüch- lernheit ist bald überwunden und lustig wird darauflosgetanzt. Rektor H a n e r und Oberschul- rat Dr. Fischer dankten den Gastgebern im Namen ihrer Schützlinge, der richtige Dank aber stand in den glänzenden Kinderaugen und den freudig geröteten Wangen. Lkandal in Berliner Schule Wie uns mitgeteilt wird, hatten Naziburschen an dem Fahnenmast der Treitschke-Schule, Berlin- Wilmersdorf, Prinzregentenstraße, die Hakenkreuz- sahne gehißt. Ein Herunterholen der Fahne war erst möglich, nachdem ein herbeigeholter Tele- graphenbeamter mit einem Kletterbügel erschienen war. Die Schule hat sich schon einmal unrühm- licherweise hervorgetan. Nationalsozialistische Rüpels hatten in der Aula während einer Feier Tränengasbomben geworfen, wobei verschiedene Schüler erhebliche Schäden genommen haben. Es ist endlich einmal Zeit, daß sich die Behörden mit diesen Vorfällen ernstlich befassen und Abhilfe schaffen._ Heinrich Mann spricht in der Synagoge Prinz- regentenstraße. Der Vortrag, den Heinrich Mann in der Reihe der von der Jüdischen Gemeinde ver- anstalleten religiösen Vorträge Sonntag, de« 13. d. M.. hält, beginnt pünktlich um II*: Uhr. Er findet in der Synagoge Prinzregentenstr. 69/70, ..Mehrwert'" wird Wirklichkeit! Eines der fiih» renden deutschen Herrenkleiderhäuser, Esders u. Dyckhoff, Berlin, Gertaudtenftr. 8/9, an der Petri- kirche, setzt den„Mehrwert" in die Tat um Klipp und klar durch die in die Augen springenden Vor- teile wird er fünffach bewiesen: siebenfache Kon- trolle des Stoffes und der Verarbeitung—„formgebende" Ausarbeitung durch schneidertechnische Feinheiten— Zuschnitt nach Maßsystem— verbesserte gerade Achselstellung— und endlich den langersehnten Vequemschnitt. Die volle Bedeu- tung dieses epochemachenden Fortschrittes der deut- schen Herrenkleidung ermißt man aber erst am Preis der E. u. D.-Anzüge und Mäntel: schon für 38,— M. ist man glücklicher Besitzer der E. u. D.- Mehrwert-Kleidung! meiterer Lohn- und Gehaltsabbau? Eine der Haupturiachen der schweren Wirt- schaftsdepression liegt in dem Mangel an wirt- schaftlichem Verständnis weiter Kreise der Be- völkerung. Millionen Erwerbslose kommen als Käufer kaum noch in Frage, und die noch tätigen Arbeiter und Angestellten kämpfen dauernd gegen einen weiteren Abbau. Ein Abzug von 2 Pf. pro Stunde macht im Jahre 50,— Mk. aus. Um einen Ausgleich für aus- fallenden Verdienst zu schaffen, müssen die Preise dem geringeren Einkommen angepaßt werden. Dieses Ziel kann nur erreicht werden durch Ausschaltung des verteuernden Zwischenhandels. also durch Verkauf ab Fabrik„direkt zum Verbraucher". Diesen Weg beschreitet seit einigen Jahren mit großem Erfolg die be- kannte Herrenkleiderfabrik Wagner, Alexander- straße 23. Diese Fabrik verzichtet auf äußere Aufmachung, hat keine Schaufenster, keine Lichtreklame keinen Laden usw., sondern verkauft nur in ihren Fabrikräumen. Die Herrenkleiderfabrik Wagner liefert bereits für 35— M. einen ganz modernen Ulster- paletot, in tadelloser Verarbeitung, ganz auf Kunstseide gefüttert, unter Garantie von fabel- haftem Sitz. Ebenfalls für 35,— M. erhält man bei Wagner einen Anzug aus garantiert reinwollenem Kammgarn, Aachener Qualitäts- wäre. Auch Herren, die bisher nur Maß- kleidung kannten, und darauf nicht verzichten wollen, brauchen für einen Anzug oder Mantel nur 10.— Mk. mehr, anzuwenden, und ffedes Stück wird mit Anprobe extra an- gefertigt. Der Höchstpreis in der Herrenkleider- fabrik Wagner ist 60,— M. Die obigen zwei Beispiele zeigen schon die große Leistungs- fähigkeit dieser Fabrik. Wie gut müssen aber erst die übrigen Erzeugnisse der Fabrik sein. wenn diese schon für 35,— M. solche Qualitätsware liefert. Wer also objektiv und ehrlich prüft, kommt nur zu einem Ergebnis: Herrenkleiderfabrik Wagner— einziges Geschäft in Berlin nur Alexanderstraße 23— I. Etage. Wagner hat keine Filialen in Berlin. Lassen Sie sich nicht irre- führen! Nur Alexanderstraße 23, gleich am Bahnhof Jannowitzbrücke. Geöffnet durch- gehend von 9 bis 7 Uhr. TUealet. Lidtlspiele usw Sfaafs Tltcafcr Freitag, den 11. November staatsoper unter den Linden IQV? Uhr.— Erstaufführung: Idomeneo staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Gabriel Schillings Flucht mm.0per (.harlottcnburg Fraunhofer 0231 Freitag, 11. Nov. 20 Uhr Turnus IV Madame Butterfly Berger. Feher, Müller, Guttmann. Kandl, Gombert Pechner. Dirigent: Ladwig VOLKSBÜHNE Theater am BiUewpta tz 0 1, Norden 2944. Täglich 8Z4 Uhr von Marcel Paerot o�l■ Deutsch v Bruno Frank. Regie Heinz Hilpert Dorsch, Tiedtke, Valetti. Li edel, Verhoeven, Stein, Almas -TheatBr Id.-, Slresemannslr. Täglich S'/r u rt. mü v. Bernard Shaw Moissi, v Thell- mann, Bertens. Evans.Otto, Sima, Wiemann. Deppe. de Kowa. MMW Tom uirnniGyep und sein Wiener Ballen 3 flrconas, 2 Kol s l.lans Koiischer usw.] | Flora 3434 Rauchen an. i onnaDcod und Sonntao aua» I nailim 4I1• n Meinen' r'lseui ItfrJUKAlLllA Bismarckstr.(Knie) Steinpl.(Cl) 6715 Tätlich 8Vi Uhr Robert und Bertram Mlrtd Braun. Frlti Hindi. Senta Mand Stg. 13 3'/, Uhr Robert md Bertram Preis 0 40 bis 2,00 üASItiO- THEATER Lothringer Strafe 37, ■•iieiiiiiHiuiuiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiuitiiiiiiniiiiiiiiiuiiiiiieuiii Sonntags auch nachm. 4 Uhr Die Lietie»Un Werder Berliner Volksstück in 4 Bildern mit Gesang und Tanz. Für die Leser Gutschein 1—4 Personen Parkett 0.50 M. Fauteuil 0.75 M.. Sessel 1 25 M. Tägl. 5 u. öVz Uh BUSTER WEST CONCELLOS MAX ADALBERT FRITZ GRONBAUMosW. plAza 5ii.8i:,Sljs,2,ä,8iäO. fnnsliesB v. Dessau Bußtag, 16. /vor. „Heimat11 SiÄ Kabarett für Alle 4 Uhr Täglich 2-- 9 Uhr Das sensationelle Kabareit-Programml Abendpreise 1— 3 Mk. Nachm. GedecK 1,25 Jeden Sonnabend II Vj Uff r: Nachtvorstelhmcl Deutsches Künstler-Th. Nürnberger Str. Täellch Sr/.Uhr Leopoldine Konstantin in: Die Xacht zum 17, April Neue KSnigst. 61.61 Kapfergrab 2132 4 Ohr 8 Uhr TANZ George Nettelmann u. 12 Attraktionen Bombenstimmung •«•Eintritt freiiM Sonnt, nachm. 3 Uhr ■ni® bill. Preise DAS MACHT metropoi-ineaier I Täglich 8>n Uhr B Srißt jj Massart? in Eine Frau, die weiß, was sie will! Sonntas V«5 Walzerlreum SteHiner Sänger Reichshallen-Theater 8.13 Sonntag 3.30 zu ermäßigten Preisen. meioöis dss GIÜCHS und das NGvember-Prograrara i'DeaieriWGsieni I Steinpl. 5121 I Täglich 8% Uhr 1 Gitta A l p a r in Katharina Stgs.>,«3 u 5 U. FSrff-rdiristel unter Ausschaltung des Zwischenhandels onnc Glas Liter Vi Fl. Feinster Weinbrand-Verschnitt***....... 2.85 2.25 Reiner deutscher Weinbrand***....... 3.80 2.95 Feinster Jamaika-Rum-Verschnitt........ 3.70 2.90 Pa. Nordh. Branntw. u. Richtenberger ca. 32% 2.25 1.85 Erstklassiger Tafel-Aquavit 35%........ 2.50 2.00 Extra prima Getreidekorn 40%......... 3.20 2.50 Prima Edelliköre, alle Sorten 30%.......— 2.45 Prima deutscher Wermut„Triestine"..... 0.85 0.70 Original ital. VinoVermouth........... 1.15 0.95 Original süße Südweine.............. 1.20 0.95 Echte weiße, süße und rote Bordeauxweine.— I.SO Prima deutsche Weißweine............ 0.85 0.65 Ausschank vom Faß Kostproben gratis in allen mit• versehenen Geschäften Prima Dessertobstweine, suß..... Liter von 0.70 an Sonder-Angebot! t92Ser— 1930er Tischweine— O.80 BERLIN: *N, Brunnenstraße 42 *N, Müllerstraße 144 *N. Chausseestraße 76 O. Koppenstr. 87 *N, Prenzlauer Allee 50 *N, Schivelbeiner Str. 6 »O, Petersburger Str. 42 »SO, Grünauer Str. 15 *SO,KöpenickerStr.134/5 »SW, Bergmannstr. 11 »W.Martin-Luther-Str.86 »NW, Gotzkowskystr. 31 •NW, Wilsnacker Str. 25 •Steglitz: Schloßstr. 121 Lankwitz: Charlottenstraße 34 »Charlottenburg: Wilmersdorfer Str. 157 »Neukölln; Berliner Str. 12, Hermannstraße 27 und Bergstr. 66 »Schöneberg; Kolonnenstraße 7 *Oberschöneweide:Wilhelminenhofstr.40 »Spandau: Potsdamer Straße 23 »Weißensee: Berliner Allee 247 •Tempelhof: Berliner Straße 152 •Pankow: Wollankstr. 98 •Lichtenberg: Wismarplatz 1 Reinickendorf: Markstr. 45 Schmargendorf: Berkaer Straße 5 Potsdam; Charlottenstraße 69 •Oranienburg: Berliner Straße 1 Achtung 1 Für Gastwirte und Wiederverkäufer! Steuergutschein* für 1934 werden iu 10°:° in Zahlung genommen Deutsches Theater Weidend. S201 Täglich 8 Ubr 'Stg. auch 4 Uhr) Prliii Im« von Hing Regie: MaxReinhardt Thimig, Fehdmer Claussen.Kayßler Wegener HBmmerspiele 8 Uhr Htdiael Krämer von ücrliart Uanpimann Klöpfer. Melzer, Triesch, Flockina v Fialen, Kaiser, Liebeneiner. Reale: K N.Martin Rose■ TReater Drall Frankfurter Slrali 137 Tel. Weidiul t 1 3422 8,15 Uhr Der Zigeunerbaron Thealer Im Atimiralspamsl Merkur 9901 Täglich 8Vt Uhr Hans Albers Liliom Komödientiaus Schiftbauerdamm 25 D 2 Weidend. 6304—05 Täglich 81/« Uhr Auslandreise v.Oestemiiiieiii.UirsiMelil Felix Bressart Maria Paudler Paul Heidemann Zimmer I Batt v. RM. 5.- ar 2 Betten v.RM.10,-ar Hotel- Frühstück kompl. RM. 1.50 Berlin 1�: Hotel EXCELSiOR. Eigent. Curt fclschncr C.nf�nnd Halle: Täglich spielt L. Mischa mit seinem berühmten Orchester — 10 Herren— Im Hause; Augustiner- Keller Münclran- Berlin (1200 Fers. Sitzfl.) BciSelbstbedienunc "a Lt 0.48 i', Li. 0.95 GroBer KOchenbetrieb Kleine Preise. Inserate im � Vorwärts sichern Erfolg! 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November. läVaUht, im Krematorium Qerichtstraßc. i Oeutsöier Metallarbeiter-VertiaDd Verwaltungsstelle Berlin Todes-Anzeigen Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß unser RoHege, der Schnittatbeitcc Hermann Jordan geb. 15 Auaust 1868, am 8. November gestorben ilt. Die Beerdigung findet Sonnabend, den 12. November, I>/, Uhr. von der Letcheuballe des Dkmeinde-Friedholes tn Neulblln, Sottlieb-Dunkel-Etraße, aus statt. Den Mitgliedern ferner tur Nachricht. daß am 7 November unier Kollege, der Mechaniker Alfred Karenke geb. 8. Februar 1892, nerstorben ist Die Einäscherung findet am Sonnabend. dem 12. November, l5>/e Uhr, im Krematorium Gerichtstrage statt Rege Beteiligung wird erwartet. Kachruf Am 5. November verstarb ferner unser Aollege, der Mechaniler Alire«l Etacle geb. 8. Juli 1877 Die EinSicherung hat bereits statt- gefunden. Ehre ihrem Andenken! Die OrUverwaUunrt. L Sozialistische Arbei'teriugendGroß-Verlin Einsendungen für btcje Rubrik nur an das Jugendi-kretariat Berlin SW 68. Lindenstraße 2. vorn 1 Treppe rechts. Proletarische» Orchester der TAI.: Heute Probe für Gruppe A tet Heim Lindenstr. 4. Wanderausknnst heute, von 17—18 llhr, geöffnet im Heim Lindenstr. 4. Beginn der Referenten-Schulen Sonnabend, 18. November, im Raum der ArbeiterbUdungsschuIe, SW., Lindenstr. 8, 2. Hos, 1 Treppen rechts, von "...................■boftsfeh 18 bis 19% Uhr:„Einfuhrung in die marxistische Wirtschaft� Pros. Denetke. Von 29 bis 22 Uhr:~"........ bte". Referent: .Deutsche Geschichte». Referent: Prof. „ ,,______ H____.ereits Angemeldete.) Jugendheim Lin. denstrafje 4, vorn 1 Treppe, für Anfänger:„Einfithrung in die marxistische A. Rosenberg.(Zugelassen werben nur bereits AngemL denstraße 4, vorn 1 Treppe, für Anfänge Wirtschaftslehre." Referent: Dr. Manchen. heule, Freitag, 20 Uhr. Zentrum: Waisenftr. 18. Tagespolitil.— Hansa: Bochumer Str. 8b. Mitglieder- versantmlnng.— Moabit I: Waldenserstr. 2(1. Ill-Minuten-Referaie.— Moabit II: Bremer Str. 70. Mitgliederversammlung.— Gesundbrunnen II: Koloniestr. 22. Repolutionsseier.— Webdiaa: WMdenowstr. 5. Leseabend.— Webding sR.,F.): Turiner Ecke Seestraße. Mitgliederversammlung.— Arnim- plag: e-onnenburger Str. 20. Das Sozialistengesetz.— Aiaswalder Platz I: Schonlanler Str. 11, B. 3. Heimabend.— Baltän: Mandelstr. 8. Revolutions. feiet.— Aallplatz II: Sonnenburger Str. 20. Die rusfische Revolution, 2. Teil. — Hohenschönhausen: Hauptstraße, Schloß. Mitgliederpersammlung.— Helm- holtzplatz: Äastauienallee 81. Entwicklung der SAJ.— Hnmannplatz: Gleim- strafte 33. Heimabend.— Nordost I: Danziaer Str. 62, B. 3. Repolutionsseier. — Weißensee: Easeler Str. 2. Das Ergebnis der Reichstagswahl.— Andreas- Platz I: Brommystr. 1. Arbeitsgemeinschaft, 1. Teil.— Frantfnrter Viertel: Franlfurter Allee 307. Heimabeird.— Petersburger Viertel: Ebertpstr. 12. Sexuelle Fragen.— Stralauer Viertel: Goßlerstr. 61. Mitgliederversammlung. — Warschauer Viertel: Litauer Str. 18. Mitgliederversammlung pünktlich WVt Uhr.— Warschauer Viertel(3t.. F.): Litauer Str. 18. Mitgliederversammlung.— Haliesches Tor: Porckstr. 11. Funkti Waffertorstr. 4. Revoluttonsseier.— Zriedea<.„.____________ schichte der Arbeiterjugend.— Eharlotieaburg: Rostnenstr. 4. Das Tier in Wort und Bild.— Eichlamp: Schule Lärchenweg. 19M, Uhr. Was ist der Staat?— Siemensstadt: Neue Schule, Jungfernheideweg. Mitgliederversammlung.— Spandau: Jüngere. Lindenuser 1. Bunter Abend.— Lankwitz: Annastr. 4. Tagespolitik.—' Lichterselde: Albrechistr. 14a. Tagespolitik.— Steglitz II: Zunktionärversammlung.— Luisenstadt: Friedenau! Offenbacher Str. 5». Die(Sc- äiederabend.— Neukölln I: Sander. Ecke Hobrechtstraße. Wirtschaftsgeschichte, 1. Teil.— Neukölln III; Eteinmetzstr. 94. Ausspracheabend.— Neukölln IV: Kanner Straße. Seimabend.— Neukölln VII; KMS. Liederabend.— Neukölln V1U: Schule Riitlistraße. Arbeitsgemeinschaft, 3. Teil.— Neukölln IX: Schule Mariendorfer Weg--—-----"*-<■—■»— kölln X lR..F Flughafenstr. Die Ausrufung der Republik.— Friedrichshagen: Friedrichstr. 89. Arbeits- gemeinschafi.— Köpenick 1: Grünauer Str. 5. Was ist Faschismus?— Köpenick U: Dahlwitzer Str. 15. Revolutionsfeier.— Friedrichs selbe: Gunterstraße 44. Geschichte der Arbeiterbewegung.—«aulsdors: Schule Adolfstr. 25. Tagespolitik.— Lichtenberg-Mltte: Scharnwebrrstr. 22. Rusfische Literatur.— Neu-Lichtenberg: Gunterstr. 44. Tagespolitik.— Lichtenberg-Nord: Gunter» straße 44. Mitqliederversammlnng.— LIchienberg-Nordw-st: Dossestr. 22. Heim- abend.— Mohlsdorf: Schule Waldeuserstraße. Der neue Reichstag— was nun? — Hermsdors: Roonstraße. Schallplattenabend.— Lübars: Echulbaracke. Spiel- abend.— Reinickendorf-Oft: Lindauer Straße. Revolutionsfeier.— Reinicken- dors-Weft: Seibelstr. 1. Unser Parteiprogramm.— Freie Scholle: Egidvstr. S. Liederabend.— Wittenau: Neue Schule. Hauptstr. 18. Schallplattenabend.~ Niederschönhause»: Lindenstr. 47. Kampfliederabend.— Karlshorst: Treskow- alles 44. Revolutionstage 1S18. * Werbebezirk Lichtenberg: Morgen, Sonnabend, 1314 Uhr, Arbeitsgemein. schast. Treskowallee, Schule. Werbebezirk Reinickendorf: Sonntag, 13. November, van 10—13 Uhr, Funk» twnärturfus in Wittenau, Hauptstr. 13. Das Programm der Partei. Eduard Süßkind Kurbelt der Suff die Wirtschaft an? Von Hoover dem„Trockenen" zu Roosevelt dem„Nassen" Die amerikanische Präsidentenwahl stand im Zeichen der„Prohibition", im Zeichen des Kampfes um das Alkoholverbol. Der Wahlsieg Roose- vekts über Hoooer ist zugleich der Sieg der „Nassen" über die„Trocknen", der Alkoholfreunde über die Alkoholgegner. In Amerika wie in Eu- ropa gibt es Leute, die glauben und die Meinung vertreten, als könnte die Aufhebung des Alkoholverbots als „Zündung" für die Konjunktur-Ankurbelung wirken. Einmal würden in Amerika grohe 5kapitalbeträge neu in- vestiert werden, was von starker Wirkung aus Bau- markt und Ausrüstungsindustrie sein würde. Dann abe� würde die europäische Brauindustrie, speziell die deutsche ein großes Geschäst in Bierausfuhr machen können. Auf der Berliner Börse haben die Aktienkurse der Brauereien am Tage nach Roosevelts Wahlsieg geradezu Lust- spränge gemacht! so stiegen beispielsweise die von Schultheiß-Patzenhofer vom 8. bis zum S. No- oember von kl aus 67X, die von Engelhardt von 92 auf 199, die von Dortmunder Union von l7l auf 176 Prozent. Gestern kamen sie allerdings wieder schnell herunter, aber die Brauereiaktien gehören nach wie vor zu den„bevorzugten Werten". Wie steht es nun tatsächlich mit den An- kurbelungsmöglichkeitcn? Zunächst besteht die Pro- hibition nach unverändert fort. Sie wird auch nicht so schnell aufgehoben. Einmal tritt Roose- velt sein Amt erst am 4. April nächsten Jahres an. Ferner ist dos Alkoholverbot fest in der amcri- kanischen Verfassung verankert ,und zur Aus- Hebung des Alkoholverbots ist eine Zwei- d r i t t e l m e h r h e i t im Repräsentantenhaus und im Senat erforderlich: im Senat ist sie— mindestens vorläufig— nicht vorhanden. So könnten noch zwei Jahre bis zur rechtlichen Auf- Hebung vergehen. Sehr bald ist allerdings eine Milderung des Ausführungsgesetzes dahin, daß viere zu 19 Prozent Alkoholgeholt als„nicht berauschend" zugelassen werden: außerdem leicht« weine.' In der Zeit bis zur rechtlichen Aufhebung des Verbots wird das amerikanische Brau- kapital Zeit haben und auch alles daran setzen, die Anlagen umzustellen. Denn man darf nicht vergessen, daß immer noch große Anlagen bestehen, die allerdings nur Leichtbicr oder alkohol- sreie Getränke herstellen— es handelt sich also im großen und ganzen nicht um einen neuen Aufbau, sondern wesentlich um einen Umbau und um Verbesserungen. Außerdem darf man nicht vergessen. daß das, was die Brauereien gewinnen, die aus- gedehnte Kleininduftrie an alkoholfreien Getränken. Eisdrinks usw. verlieren wird. Schließlich wird der angeblich sehr bedeutenden ungesetzlichen Alko- halindustrie Amerikas nebst dem organisierten Großschmuggel ein Ende bereitet werden. Im Jahre 1929 soll der ungesetzliche Alkoholumsoh fast 2,5 Milliarden Dollar <11 Milliarden Mark!) erreicht haben und damit größer als der Alkoholumsatz des Jahres 1914 mit 1,8 Milliarden Dollar gewesen sein! Dieser ungesetzliche Handel mit seinen üblen Korruptionserscheinungen war es, der die Prohibition dem Amerikaner all- mählich so verhaßt gemacht hat. Der ameri- konische Bund hat zur Durchführung des Alkohol- Verbots ungeheure Kosten aufwenden müssen, die zwischen 59 und 499 Millionen Dollar jährlich betragen haben sollen(die letzte Schätzung ist zweifellos eine stark übertriebene Jnter- essentenangabe!). Wie hoch der Alkoholverbrauch je Kops der Bevölkerung sein wird, ist schwer zu schätzen. Die langjährige Entwöhnung wird ohne Zweifel eine starke Hemmung sein. In Deutsch- land wurden im letzten Jahre etwa 37 Liter je Kopf der Bevölkerung konsumiert, in den Ver- einigten Staaten vor dem Kriege etwa 82 Liter, davon wurden nu? 5 Ljrer aus der Ein- fuhr gedeckt. Eine weitere Hemmung für starken Alkoholverbrauch werden die hohen Steuern fein, gegen die die deutschen Steuern als äußerst milde erscheinen werden. In die Einfuhr werden sich Deutschland, England und die Tschechoslowakei zu teilen haben: diese drei Länder führten vor dem Krieg« z u- sammen etwa 5 Millionen Hektoliter jährlich ein. Aus jedem eingesührlen Liter vier liegt aber heute ein Zoll von 1,25 Mark, das ist das Anderthalbfache des deutschen durchschnittlichen Ausschankpreises! Wenn also die deutsche Brauindustrie nach Aus- Hebung der Prohibition jährlich etwa zwei Millionen Hektoliter nach den Ver- einigten Staaten ausführen wird, dann wird das sehr viel sein. Das wäre aber auch nur ein Zwanzigstel der sehr niedrigen Bierproduk- tion des letzten Jahres und würde einen Wert von etwa 199 Millionen Mark ausmachen. Dagegen die der wird eine deutsche Spezialindustric. Spezialmaschinen für Brauereien, eine bemerkenswerte Geschäftsbelebung erfahren, da auf diesem Gebiete Deutschland unbedingt führend ist. Den Vorteil wird vor allem eine deutsche Firma, die Enzinger-Union- Werke, haben, deren Aktienkurse dementsprechend in wenigen Tagen von 72 auf 81 Prozent an- zogen. Man rechnet damit, daß die deutsche Ma- schinenindustrie Aufträge von annähernd 199 Millionen Mark auf diese Weise er- halten könnte. Außerdem dürfte deutsches Fach- personal nach Amerika geholt werden. Denn immer noch beruht die Güte des Bieres auf der Fähigkeit des Braumeisters. Alles in allem darf man sich also keine übertriebenen Vorstellungen von den Aus- Wirkungen der Aufhebung des amerikanischen Alkoholverbots machen. Je mehr Z e i t bis zur endgültigen Abschaffung vergeht, desto weniger werden diese Wirkungen zu spüren sein, desto weniger werden die europäischen Proz. entspricht. Im einzelnen ist der Exxportwert nach Sowjetrußland um 46 Millionen, nach Frankreich um 25 Millio- nen und nach der Tscheche! um 8 Millionen g c- s u n k e n, dagegen nach Großbritannien überraschenderweise um 21 Millionen Mark g e- stiegen. Hier war allerdings in dem vorher- gehenden Quartal infolge des im April in Kraft gesetzten Hochschutzzolltarifs der deutsche Export abnorm zusammengeschrumpft. Die Handelsbilanz schließt im 3. Quartal mit einem Exportüber- schuh von 245 Millionen ab, so daß sich für die Zeit vom Januar bis September 1932 ein Aus- suhrüberschuh von 847 gegen 1962 Millionen Mark ergibt. An diesen enormen Exportverlusten sind nicht allein die hohen Schutzzölle und andere Ab- spcrrungsmaßnahmen des Auslands schuld, son- dern der verderbliche Kurs der deut- scheu Handelspolitik, insbesondere unter dem kurzen Regime der Barone, hat den deutschen Ausfuhrindustrien kaum zu heilende Wunden ge- schlagen, denen schlimmere noch folgen sollen. Greifen wir nur einige der wichtigsten Länder, die von der geplanten deutschen Kontingents- Politik betroffen werden, heraus: Die Handels- bilanz Deutschlands schließt in den Monaten Ja- nuar bis September im deutsch-dänischen Wirtschaftsverkehr mit einem Aklivum von 37,4 Millionen Mark, im deutsch-finni- scheu Handelsverkehr mit einem Aktivum von 15,1 Millionen Mark, im dcutfch-italieni- f ch e n Handelsverkehr mit einem Aktivum von 33,4 Millionen Mark, im deutfch-schwedi- scheu mit einem Aktivum von 199,6 Millionen Markie CBooisfahrt Sine Qefchichie aus(USA,/ Don Sylteiter 3>epycr Sejim war mein Freund: ich halte ihn in Friska auf einem Arbeitsnachweis kennengelernt, und wir waren zusammen losgetippelt bis runter nach Montcrey und dort hatten wir in der vornehmen Del Monte Lodge Arbeit gesunden. Sejim als Koch für die kalte Küche und ich als Abwäscher. Wir hatten ein Zimmer zusammen, und«die Arbeit war nicht sehr schwer. Manchmal waren über- Haupt keine Gäste da und wir kochten nur für uns selber. Es war im Sommer, die Berge waren grün und der Himmel hatte jeden Tag eine strahlende Sonne. Und wir hatten viel freie Zeit, der Geschäftsführer klagte, es war ein kleiner Mann mit schütterem grauem Haar,„das Personal frißt ja das Unternehmen bankerott", sagte er, aber die vornehmen Autos rollten vorbei, manch- mal blieb eine kleine Gesellschaft zum Lunch, dann pfiff Sejim und schnitt Tomaten und rote Rüben und ich kriegte davon auch immer etwas ab. Die Nachmittage waren frei. Und das Meer lag blau und weit, wir badeten und faulenzten im Sande, bauten Burgen und Kanäle, und die Sonne bräunte unsere Haut. So gut hallen wir es lange nicht gehabt, so satt zu essen, ein Dach über dem Kopf und die Bezahlung war auch nicht allzu schlecht. Wir bauten ein Lager am Strande und verbrachten die Nächte draußen. Wir waren beide noch nicht zwanzig Jahre und konnten der Romantik eines nächtlichen Feuers natürlich nicht widerstehen. Sejim sang traurige Lieder aus seiner Heimat, Liebeslieder, er stammte aus irgendeinem Nest auf dem Balkan, und dann lagen wir wach, und die gelben Sterne flimmerte» in unsere Augen. Wir versuchten, mit der blonden Telephonistin anzubändeln, aber der waren wir zu gewöhnlich, die verkehrte mit dem Oberkellner Und sonst waren keine Mädchen weiter da, aber im Stalle standen zehn Pferde für die Gäste, die auch nicht da waren, sie standen schon lange und schlugen schon fast die Verschlüge entzwei. Und Sejim und ich ritten los. Immer am Strande'entlang, hopp- hopphopp, und die Tiere waren ganz wild von soviel Weite, und eines Tages flog Sejim aus dem Sattel und knallte in den Sand. Er spuckte etwas Blut, und von den Pferden hatte er genug. Dann machte ich aus Langweile ein paar Gedichte, aber Sejim verstand kein Wort Deutsch, und ich ließ es wieder sein. Es machi eben ohne Publikum nicht den richtigen Spaß. Eines Tages kam Sejim ganz aufgeregt ins Zimmer gerannt.„Eben ist eine wunderbare Frau vorbeigefahren, sowas, solche Augen, und angelacht hat sie mich auch!" Er war sich auf sein Bett und strampelte mit den Beinen...So, vorbeigefahren, na ja", sagte ich und schrieb weiter an einem Briese für ein Mädchen in Deutschland.„Eine Künstlerin ist sie", schwärmte Sejim weiter,„sie malt und in Carmel hat sie eine Villa." Da log er nun aus dem Bett und war in eine Frau ver- knallt, die eine Künstlerin sein sollte und nur vor- beigesohren war. Und auch noch eine Villa, es war ein bißchen unglaubhast. Aber Sejim bestand daraus, der Golflehrer hatte es ihm erzählt, und er meinte, daß wir etwas unternehmen müßten. Carmel by the Sea war ja nun die nächste Ort- schaft, und ich wußte auch, daß es eine Künstler- kolonie war. Ich war schon mal in der Buchhand- lung dort gewesen und hatte einen ganzen Monats- lohn in Büchern vernascht. Aber ich war immer noch sehr skeptisch.„Wenn du sie gesehen hättest!" sagte er, und tanzte wieder im Zimmer umher und sang und pfiff, daß der misanthropische Shorty wütend an die Wand pochte und Ruhe verlangte. Am anderen Tage schleppte er mich mit zum Bootshaus.„Wir fahren hin", sagte er,„wie die Argonauten."„Du hast ja keine Ahnung von diesen Leuten", sagte ich ihm,„du leidest an einer Zwangsvorstellung,, du bist verrückt, Mann, und überdies ist das Meer in dieser Jahreszeit ge- sährlich." Das Meer lag glatt wie eine himmelblaue Tisch- decken-winzige weiße Schaumkronen huschten manchmal aus, es war allerliebst. Ich schaute in den klaren Himmel und prophezeite einen schweren Sturm.„Es liegt etwas in der Luft", sagte ich, „vor dem Taifun im Gelben Meer war es ge- nau so." „Hier, faß mal mit an", sagte er,„na los, eins, zwei, drei, hopp!" Das Boot schaukelte auf den kleinen Wellen. „Es ist Wahnsinn, Sejim", sagte ich,„du kannst nicht mal richtig schwimmen." Er stieß ab und legte sich in die Riemen. Und es war nur ein kleines Boot und das, worauf wir jetzt ganz lustig schwammen, das war der Anfang des Großen Ozeans. Sejim sang und ruderte. Sein Gesicht glühte heiß und freudig, man kannte dem Kerl nicht böse sein. Aber die Wellen waren doch viel größer hier draußen als man am Strande gedacht hatte, und das Boot schaukelte, und an der Spitze zerbrach das Wasser und machte schwipp. Es war ein böses Geräusch und bedeutete sicher nichts Gutes. Wir mußten ziemlich weit hinausrudern um eine Landzunge herum, die ins Meer hineinragte, und ein' Küstendampfer fuhr ganz in unserer Nähe vorbei. „Ist es nicht herrlich?" fragte Sejim und ruderte mit Absicht in das Kielwasser des Dampfers hinein. Das Boot schwankte, versank in den Abgründen schäumender Wellen und stieg dann wieder empor wie eine Lufstchaukel, daß man es bis tief in den Magen spürte. Ich hielt mich fest und redete kein Wort mehr. Denn das reizte ihn nur zu neuen Tollkühnheiten, und ich hatte keine Lust, hier draußen kurz vor Carmel mit diesem Verrückten zu versinken. Aus den Dünen am Strand ragten jetzt die ersten Häuser, wir waren noch immer weit draußen, und sie sahen wie Spielzeuge aus. Sejim zeigte auf einen einfachen weißen Bau, die großen, breiten Fenster fingen die Sonnenstrahlen auf und warfen sie hinaus aufs Meer.„Dort wohnt sie" sagte er. Er ruderte aus dos 5)aus zu.„Sic ist sicher längst abgereist", sagte ich.„Künstler sind merkwürdige Leute."„Du mit deiner Kurzsichtig- kcit", sagte Sejim,„sie steht am Fenster und er- wartet mich." Der Junge war ganz hin. Er hatte die Riemen eingezogen und ließ das Boot treiben. Er wurde melancholisch. Seufzte. Leise gluckste das Wasser am Holz des Bootes. Er war am Ziel und wußte nichts damit anzufangen. So eine Dämlichkeit. „Wink' ihr doch schon mal, wenn sie am Fenster steht, vielleicht kommt sie raus." Aber dazu kam er gar nicht mehr. Wir hatten ganz vergessen, daß wir uns in einem Boote be- fanden und ließen es der Länge nach parallel mit dem Strande treiben. Es war ja so still. Und als wir aufschauten von einem plötzlichen Gelöse, stand die große Welle schon wie eine grüne Mauer hoch über uns. Man konnte sich nur noch instinktiv zusammenducken. Das Boot schlug um, ich wurde gefaßt und hinausgerissen und hatte Boden unter den Füßen als ich zum Stehen kam. Das Boot trieb kieloben in meiner Nähe, unsere abgelegten Kleidungsstücke schwam- man zerstreut umher. Ich spuckte und wischte mir das Wasser ans meinen Augen. Eben kam Sejims Kopf zum Vorschein, puuahh, er prustete und schüttelte sich. Wir schauten uns an. Was war denn eigentlich passiert? Das Meer war doch ganz ruhig. Das war ja wie ein schlafendes Kind so friedlich. Sejim warf einen scheuen Blick nach dem Hause. Da kam wirklich jemand die Treppen herabgeeilt, sie hatte sicher alles mitangesehen, unsere Ungc- schicklichkcit, aber das geschah uns ganz recht. Wir zogen das Boot aufs Trockene und erwarteten sie. Auch mein Herz klopfte. Es waren die Schritte einer Frau, die über den Sand kamen. Dann sagte eine Stimme im breiten Alabama-Dialekt, „Pessuh, die Lady wünscht drei Gallonen Royal Scotch für nächsten Sonnabend. Mei, wir ihr naß seid!" Sejim zuckte zusammen. Wir drehten uns um. Wir verstanden kein Wort. Eine ältere Negerin in einer weißen Schürze grinste uns freundlich an. „Es ist schon mal einer hier umgekippt", erklärte sie strahlend,„das ist eine gefährliche Stelle. Ihr müßt vorsichtig sein, wenn ihr den Whisky bringt." Dann ging sie, breit und schlürfend, und ver- schwand im Hause. Eine Möwe schrie.„Fabel- hafte Frau, Villa, Künstlerin, Scotch Whisky, Moon of Alabama" sagte ich monoton, Sejim war ganz blaß... Wir begannen, das Boot auszuschöpfen. Und kamen wieder zu uns. Es war leck und Sejim stopfte seine Jacke in das Loch. Er arbeitete wie ein Wilder. Und dann hatten wir eine höllische Mühe, das Boot durch die Brandung hindurch zu bekommen. Endlich glückte es, und wir schwammen wieder. Naß und frierend. „Sejim", sagte ich... Er erwiderte mir in seiner Muttersprache. Das klang nicht sehr nett. Aber mit der Zeit wurde er.zugänglicher.„Die haben uns mit ihrem Alkoholschmuggler ver- wechselt, uns!" Er lachte, und dann lachten wir zu- sammen. Es schallte über das Meer. Ganz hinten am Horizont lag ein Schiff. Außerhalb der Bann- meile. das war der Schmuggler. Und Sejim sagte: „Brrrr, die Schwarze! Zum Teufel mit den Weibern!" Er redete wie ein alter Seemann. Mariarine....... i~ lf74 Ga»r. Scbweizngts lebende Karpfen und HecMe Q gQ Pfd. von Frisches Fielsch Kalbskamm., bl� Pfd. v. 0,45 Kaibskoteiett � 0,98 Kalüsroulade..... 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Alle Mitglieder tresfen sich zur„Vorworts".Ägitaiion Sonntag, 9 Uhr, bei Hstbner. 21. Abt. Freitag. 11. Nnpember, 20 Uhr, Sitzung des engeren Abteilungsporstandes bei Äroll. Utrechter Str. 21. 33. Abt. Freitag. 11. Nooember, kostenloser Stenographieunterricht durch den Senosten Maseberg bei Lojak, Benmestr. 8. S raueaverauslaltungen: 20. Slteis. Die Genossinnen werden gebeten, sich red>t zahlreich an dem heule beginnenden Äursus des Genoffen Dr. Ealomon Schwarz:„Probleme des wirfschafllichen Aufbaues in Deutschland und Rusiland" zu beteiligen. Beginn 191z Ubr im Jugendheim Reinickendorf. Weil, Scharnweberstrahe Alfred Henke. Bezirksausschuft für Arbeiterwohlfahrt. 3. Kreis Wedding. 15. Abt. Heute um 19'si Uhr bei Lenz, Denuniner Straße 10. Sitzung der Helfer der AW. mit den parteigenössisdsen ftarnmis. sionsmitgliedern. Arbeitsgemeinschaft der kindersreunde. . Die angekündigte Vorstandssitzung findet nicht heute, sondern IMa! Freitag, den 18. Ronembcr, statt. Heute. I«'/- Uhr, Ausschutzsitzung der geladenen Genossen! Tiergarten, Abt. August Bebel: Eonnlag, Schnitzcliagd. Ab- mausd): gungkatlen'49 llhr Bahnhof Bcussclstrasie und Rote Falken �'.'lä Uhr Wald» Ecke Waldcnscrstrastc. Sonnabend, 17—19 Uhr: Kreishelkerkursus bei A. Paerscb, Essener Strasse 4. jtzeeurberq: Heute, 13 Uhr,.ssassiererkonserenz mit Friede! Schmidt an bekannter Stelle. Friedrichshain: Heute, Freitag. 20 Uhr, sind alle Helfer für Laienspiele im Äreisheim. Sonntag, ab 16 Uhr, Helferrummel im streishelm. Esswaren und Musikinstrumente sind mitzubringe». Kreis Reukölln, Gruppenführer: Tie Abrechnung oon unserer Beranstgl- tung muss spätestens morgen Sonnabend um 1b Uhr im Kreisheim erfolgen. — Dorstgndssitzung morgen Sonnabend um 16 Uhr im Äreisheim. Abt. Lichtkawpfer, Iungfalken: Heute Freilag Pfliditoeranstaltung um 17'/, Uhr im Heim, Bergstr. 29. Abschnitte nicht pergessen.— Nestfalien. Wegen der Fahrt müssen alle Leute, um 17 Uhr im Heim, Bergstr. 29, sein. Sterbetafel der Groß-Verliner Partei-Organisation 128. Abt. Am 29. Oktober perstarb unser langjähriger Genosse Richard Keller. Pankow. Brennerstr. 74. Ehre seinem Andenken. Die Einäscherung hat auf Wunsch des Verstorbenen In aller Stille stattgefunden. Freie Gewerkschafts-Zugend Verlin Film. Ton, Der Filmabend am Dienstag, dem 29. Nooember. im Festsaal des und Bildamtes der Stadt Berlin, Lepetzawstr. 1— ö, bringt den - film:„Niemandsland-. Rezitationen: Martha~'~'— Saubad). Einlaß 191 Lutzendzentrale, Enge WW Freitags bis 19 Uhr. Sonnabends von 9 bis 13 Uhr.— Hellte, Freita'g, 11. Nooember, 19>z Uhr. tagen die Gruppen: Freiheit: Jugendheim Wassertpr. stroße 9. Die Stellung der Jugend im politischen Kampf.— Sharlatteuburg: Jugendheim Spreestr. 30. Andere Gewerkschaften.— Rordring: Jugendheim, Schule Sonnenburger Str. 29. Berliner Abend.— Sraaisurfee Allee: Jugend. heim Litauer Str. 16. Proletarier oor Gericht.— Prenzlauer Berg: Gruppen» heim Gleimstr. 3ö. Das Betriebsräfegesetz.— Sermannplatz: Jugendheim Sanderstr. 11, Ecke Hobrechtstraße. Wir und die Polizei.— Hertzberoplatz: Zu. gendheim Treptower Str. 56. Die politische Lage nach den Wahlen.— Zeppelinplatz: Jugendheim Turiner Ecke Seestraße. Was brachten uns die Wahlen.— Reinickendors.Ost: Jugendheim Lipdauec Straße(Baracken). Die sozialistische' Jugendbewegung und ihre Ziele.— Adlershof: Jugendheim Adlcrshos, Bismorckstr. 1. Zwangloser Breitspielabend.— Flughaien: Jugendheim Mariendorker Weg 69—79. Hat der Streik noch Zweck.— Wedding: Jugendheim Willdenawftr. ö, 2 Treppen, Zimmer 13. Wir gedenken des 9. Na. pember 1918. §3uoen&anippe des �entrawkr�andes der AnaesteNten Heute, Freitag, finden folgende Veranstaltungen statt: Britz: Gemein- schaitshaus in der Hannemannstraße der Bau- und Spargenossenschaft „Ideal". Reoolutiensgedenkabend.— Südwest: Jugendheim Borckstr. 11(2. Hof, Ouergebäude, Aufgang II, Zimmer 4). Reoolutionsgedenkabend.— Unsere Sprech, und Spielgemeinichast Übt heute oou 29—22 Uhr im Jugendheim Schön. lanker Str. 11.— Die Fotogrnpoe tagt ab 16>i Uhr im" Jugendheim Frank. fürtet Allee 307, Ouergebäude, 2 Treppen.— Die Berliner Druckerei- und Bei- lagsgeiellschast m. b. H. lomntl oon 20 bis 22 Uhr im Berbandshaus, Hede- mannstr. 12, zusammen. Dorfrage, Dereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold" 19 e i eh a 1 t s st e 1 1 e: Berlin S 14 Sebastlonstr 37—38 Hof 2 Tc Kreis Osten(Iungba). Sonnabend, 12. November, findet die bekannte Beransfalfung bestimmt statt. Befehle abwarten.— Wedding (Ortsoerein). Sonnabend, 12. Nooember. großes Wohltätigkeitsfest in den Ger- maniasälen. Ehausieeftr. 110. Eröffnung 19)6 Uhr. Beginn 29 Uhr. Konzerf, Tombola, Tanz. Redner: Prinz Hubertus zu Löwenstein. Thema: Der Freiheitskampf geht weiter. Eintritt 30 Pf. Gesellschaft füt konationale Erziehuna E.?. Freitag, 11. Nooember. 29 Uhr, im Kaisersoal des Zoo-Restaurants, Eingang Lichtensteinportal, Nordischer Abend. Gesang: Frau Engel-Lundt. Island. Piano: Herr Birger-Hammer. Norwegen. Schwedische Polksiänze im Kostüm: Iugend-Tanzgrupoe der hiesigen schwedischen Kolonie. Hierauf geselliges Beisammensein mit Tanz. Im ae- selliqen Teil Vorführung moderner Tänze(Tanzschule Slam). Einlaß 19:., Uhr. Eintritt 73 Pf. einschliesslich Steuer. Heimatsoerein Pr. Friedland nnd Umgegend. Versammlung Sonntag, 19 Uhr, bei Kreklow, Neue Promenade 7(Bahnhof Börse). Beitrillserksärungen an A. Bock, N. 24, Iohannisstr. 12. tuter Bund. Vortrag über„Menschenkenntnis durdi Körperforme» und tsausdruckskunde� am Freitag, dem 11. Nooember, 20 Uhr, im Friedrich- WUhelm-Eymnasium, Berlin, Kochstr. 13. Deutscher Freidenker-Berband. Wegen der Protestkundgebung am 21. oember im Sportpalast ersuchen wir die Organisationen diesen Tag anderweitigen Bersammlungen freizuhalten. 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