Morgen- Ausgabe Nr.533 A261 49.Jahrg. Rebaktton und Verlag- Berlin SW 68, Lindenstr. 3 <37 Ctet Dönhoff TK btt 297 T-l-gr-mmadnss«! Sozi-lb-mokn« Bkrlin KERLIK ER VOLKSBLATT FREITAG 11. November 1932 In Groh- Berlin 10 Pf� Auswärts...... 15 Pf- Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe am Schluß des redaktionellen Teils Jentvalorgan de« Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ReaMon in der Schweiz Die Selr�vei�er Bürxer unter!Vl!!itärstrakrecLt! Eigener Beridit des„Vonvärts" 3 ü r t cfj, 10. November. Ter schweizerische Bundesrat hat be- schlössen, auch die Zivilbevölkerung dem Militärstrafrecht zu unterstellen. Tieser Beschluß gilt nicht nur für den Kanton chcnf, fondern auch für alle übrigen.Kam tone, in denen die Negierungen Truppen aufbieten sollten. Außerdem hat der Bundesrat beschlossen, ein Kavalleriercgi- ment in Bereitschaft zu stellen. Proteststreik in kausanne Tie Arbeiterorganisationen von Lau- sänne, wo gestern nachts große«ßmpathie- kundgebungen für die Genfer Arbeiter- schaft stattfanden, haben heute einen Auf- ruf erlassen, in welllp-m sie zu einem Generalstreik für die Tauer von vier stunden zum Protest gegen die Vorfälle in Lausanne und Genf auffordern. Wie es heißt, sind besonders die Bauarbeiter dem Streikaufruf in großer Tifziplin ge- folgt. Die Vorgeschichte Uilrgerlicbe Korruption in Genf Um die Ursache des Blutvergießens zu verstehen. muß man die Erregung der Genier Arbeiter- schast und Kleinbürger kennen, die durch eine u n- geheure Korruption in der von F a m i- liencliquen geführten Genfer Verwaltung schwer geschädigt worden sind. In den letzten bei- den Jahren wurden zahlreiche große Unterschleise aufgedeckt, bei denen sich die Günstlinge der Bankiers und reichen Bürgerssamilien auf kosten des kan- lons und der Stadt die Taschen gesüllt haben. Dann brach die Banque de Geneve zusammen, wobei sich herausstellte, daß fast sämtliche Auf- sichtsräte große Kredite verspekuliert hatten, an ihrer Spitze der damalige Präsident der Kanton- Verwaltung M o r i a u d. Die Sozialistensührer Dicker und Nicole, beide Nationalräte, führten einen heftigen Kampf gegen die korrupte Verwal- tung, was der Sozialdemokratie bei der National- ratswahl ein Mandat mehr einbrachte. Indessen war ihre meist persönliche Kampsesweisc nicht immer sehr glücklich. Nicole, als Chefredakteur des Sozialistenblattes„Le Travail", wurde in verschiedenen Vcrleumdungsprozesien von der Gen- fer Klassenjustiz zu hohen Geldstrafen verurteilt, während die Hauptschuldigen an de» Korruptions- skandolen nach Moriauds Tod ohne Strafe aus- gingen. Eine ungeheure hetze gegen Nicole und Dicker wurde von der saschislen- freundlichen und der Bankierpresse beirieben. Aus Blillwochabend halle die brüchligle faschistische„Union nationale" zu einer Ber- sammlung aufgerufen, in der sie durch öfsenl- liche Anklage aus der hetze gegen Dicker und Nicole für ihre bisher politisch einsluhlose Clique politische Geschäfte machen wollte. Die Vertreter der Sozialdemokratie im Stadlparlament verlangten ein verbot dieser versamm- lung, was die Regierung mit dem Hinweis aus das Versammlungsrecht ablehnte. Darauf organisierte Nicole eine Gegendemonstra» tion aus der großen Straße nach Carouge, in der das Versammlungslokal liegt. Schon am Dienstag hatte sich die Kantonalregierung in Gens von der Bundesregierung in Bern Truppen ausgebeten. Am Mittwochnachmittag rückten K5l> Mann der Lausanner Rekrutenschule in die Genfer Kasernen, die nahe dem Versammlungslokal lie- gen. Am Abend fanden die Demonstranten sämt- liche Zugangsstrahen zu dem Versammlungslokal von Polizisten besetzt und mit Ketten abgesperrt. Nicole hielt eine Rede von den Schultern weherer Parteifreunde, in der er nochmals die K o r r u p- tion Revue passieren ließ und zum Halten der Straße gegen die nationalistischen Hetzer ausfor- derte. Ein Kommunist forderte öffentlich zur Re- volution auf. Aber außer einigen Versuchen, die Polizisten hinter die Absperrketten zurückzudrän- gen, geschah nichts Gewalttätiges. Die Arbeiter machten ihrer Erregung lediglich in Rufen Luft. Die Denwnftranten zogen im Ge- genteil weiter vom Saal weg, während eine unge- heure Menge N e u g i e r i g e r in die schmale Zu- gangstraße zum größten Platz Genfs von der Carougestrahe abgedrängt wurde. Trotzdem ließ der Chef der Genfer Polizei und Vorsitzende der Kantonalregierung Martin die Truppen a l a r- mieren. Deren erste Abteilung wurde von der Menge angegriffen. Es wurden den Soldaten teilweise die Stahlhelme und Blassen entrisse». Die Gewehre wurden zum Teil zerbrochen. Die jungen Blilizrekrulen sympathisierten zum Teil mit der Bevölkerung. El» zweiter Hilferuf brachte dann eine stärkere Truppenmasse vor die große Ausstellungshalle. Etwa SO von den 80 Soldaten, die in der Menge steckten, konnten sich zu ihren Kameraden zurück- ziehen. Sofort wurde mit einem leichten tragbaren Maschinengewehr eine Salve über die Menge ab- gegeben, ohne jede Ankündigung, sowie etwa lllO Der Parteiausschuß der Sozial- demokratischen Partei beschäftigte sich am Tonnerstag nach einem Neferat von CUo Wels mit der durch den Ausfall der Neichstagswahl geschaffenen politischen Lage. Eei herrschte volle Ucber- einstimmung darüber, daß es für die Sozialdemokratie nur schärfsten und rücksichtslosesten Kampf gegen die jetzige Ncichsregierung und ihre volksfeindlichen Pläne gebe. Tie sozialdemokratische Neichstagsfraktion »vird am Tonnerstag. dem 17. November, zusammentreten uud weitere Beschlüsse für ihr Borgehen im Reichstag fassen. Fort mit Vapen! Die R e i ch s r e g i e r u n g Hot die Absicht, den Reichstag zum spätesten Termin einberufen zu lassen, der nach der Reichsversassung möglich ist. Das ist der ö. Dezember. Von anderer Seite wird die sofortige Einberufung des Reichstags verlang«. Der herrfchafl der Papen-Barone soll so schnell wie möglich ein Ende gemacht werden. Das ist besonders das Ziel der Sozialdemokratie. Aber die Einberufung des Reichstags ist erst möglich, wenn die Zusammensetzung des Reichstags amtlich feststeht. Bei dem vcrhältniswahlrecht dauert das mindestens drei Blochen. Zunächst muß das Ergebnis in den einzelnen Blahlkreiscn und in den Blohlkreisverbänden festgelegt werden. Dann erfolgt die Zuteilung der Sitze aus der Reichslisle. Da viele Kandidaten in mehreren Wahlkreisen ausgestellt sind, so muß auch erst ermittelt werden, welches der aus sie enlsallenden Mandate sie annehmen. Alles das erfordert viel Zeil und ist bisher niemals vor Ablauf von Zl bis 25 Tagen möglich gewesen. Der früheste Termin zum Zusammentritt des Reichstags liegt also Ende November bzw. Anfang Dezember. Schuß aus Infanteriegewehren. Die Menge war völlig überrascht und glaubte zuerst, es handele sich um Feuer mit Platzpatronen. Aber zwei Tote blieben sofort auf dem Plage und im nahen Kantonshospital starben im Laufe der Nacht und des Mittwochvormittags noch zehn Verletzte. Die Erklärungen des Bundesvorsitzenden Motia, der das Vorgehen des Militärs deckt, sowie die kraftstrotzenden Proklamationen der Genfer Re- gierung nehmen jeden Zweifel darüber, daß man in Genf ein Erempel gegen die Arbeiter statuieren wollte. Die Genfer Kantonalregierung hat sämtliche Versammlungen verboten, auch jede Ansammlung von Menschen auf den Straßen wird strengstens bestraft. Das Militär ist in A l a r m z u st a n d oersetzt, d. h. die Soldaten bleiben in ihren Woh- nungen und müssen sich auf Alarm hin sofort in Ausrüstung und Waffen an die Sammelplätze be- geben. Die Sozialistische Partei des Kantons Genf hat beschlossen, am Sonnabend einen allgemeinen Trauertag für die Opfer abzuhalten, bei dem man mit einer ungeheuren Massenbeteiligung rechnet. Die Ausrufung des Generalstreiks wurde oermieden, da man weiteres Bluwergießen und vergebliche Opfer oerhindern wollte. Von den Toten ist einer Anarchist, einer Kommunist und einer Sozialdemokrat. Die übrigen Toten und Verwundeten sind sämtlich Neugierige. Die Sozialdemokratie wird ihre politischen Entschlüsse ohne Rücksicht aus den Termin des Reichstagszusammentrilts fassen. Nachdem am Donnerstag bereits der Parteiausschuß zur politischen Lage Stellung genommen hat. wird die neue sozialdemokratische Reichslags- f r a k t i o n am kommenden Donnerstag, dem l«. November, zu ihrer ersten Sitzung zusammentreten. Die Sozialdemokratie wird den Kampf gegen das Präsidialkabinett Pape», für die Wiederherstellung der Demokratie und die Rechte des Parlaments energisch fortsetzen. Besonders wird dafür Sorge getragen werden müssen, daß durch ein Aussührungsgeseh zum Artikel 48 dem Mißbrauch der Verfassung endlich Einhalt geboten wird. Der stärkste Stoß gegen die Papen-Regierung aber wird durch eiue im Reichstag selbst erhobene Kritik an ihrer lediglich von Mißerfolgen reichen Politik geführt werden. Selbstverständlich wird die Sozialdemokratie sich auch weiterhin bemühen, das Oos der Opfer der Wirtschaftskrise zu bessern. Wiederum werden Anträge aus Erhöhung der Unterstützung der Arbeitslosen gestellt werden. Durch Anträge aus A u s- Hebung der Sondergerichte und Erlaß einer A m n e st i e für die Opfer einer u n- gerechten Zustiz muh das verletzte Rechts- gefühl wiederhergestellt werden. Auch die bereits im letzten Reichstag gestellten Anträge aus Umbau der Wirtschaft werden neu eingebracht werden. Das ammkamsche Parlament Verhältnis 3:1 New Pork, 10. November. Die legten Ergebnisse der amerikanischen Kon- greßwahlen sind: 309 Demokraten, 110 Re- publikaner, 3 Former- und Arbeiterpartei ge- wähltt: zweifelhaft sind noch 13 Kongreßsige. Novemberstürme Sossiahleniokratievorneuen Aufgaben Von S. Aufhäuser „Um die Partei einheitlich auf die ihr er- wachsenden neuen Aufgaben geistig und or- ganisatorisch einzustellen, beantragt der Be- zirksparteitag beim Parteivorstand die bal- dige Einberufung eines Reichs- Parteitage s." fAußerordentl. Bezirks- Parteitag SPD., Berlin, 8. Oktober 1932.) Das Wahlergebnis vom 6. November ist der Protest eines ganzen Volkes gegen die autoritäre Staatsführung und gegen die kapitalistische Verelendung der Massen. Die Wählerschaft hat sich durch den Familien- streit Papen-Hitler nicht täuschen lassen. Sie hat deshalb nicht nur die Regierung ohne Volk gelassen, sondern gleichzeitig dem Ver- fallsprodukt der kapitalistischen Reaktion, dem Faschismus, eine empfindliche Niederlage beigebracht. Auf der anderen Seite wird der wahlmäßige Erfolg der Kommunisten nicht etwa als das Bekenntnis der Wähler zur Moskauer Parteipolitik ausgelegt werden können, sondern als eine radikale Demonstration gegen die augenblickliche Herrschaft in Staat und Wirtschaft. Ohne Hitler kein Papen— ohne P a p e n keine hundert Kommu- n i st e n i nt Reichstag. Der faschistischen Rebellion vom 14. Sep- tember 1930 ist die kommunistische vom 6. November 1932 gefolgt. Aber Rebellion ist nicht Revolution, und aus der gefühls- mäßigen Aufwallung sozialer Verzweiflung läßt sich weder das Dritte Reich, noch ein Sowjetdeutschland schassen. Es kommt nach dem 6. November mehr denn je darauf an, eigenen positiv sozial! st ischen Tatwillen zu ge st alten. Darum märe es verfehlt, unser Handeln in nächster Zeit lediglich von dem Verlauf des von der Reaktion eingeleiteten Kuhhandels über die neue Regierungsbildung abhängig machen zu wollen. Die antimarxistischen Kräfte sind seit dem Wahltag erneut vom bolschewistischen Bürgerschreck befallen: sie blasen zur„natio- nalen Konzentration". Hitler hat sich zwar erneut feierlich gegen den Reichskanzler als Person erklärt, doch hat er keine Kriegserklä- rung gegen dessen System abgegeben. Die Feindschaft gegen die Arbeiterklasse wird auf der Gegenseite alle Schwierigkeiten personeller Art überwinden lassen und schließlich ist außer Papen und Hitler auch General Schleicher noch da. Das Zustandekommen einer parlamentarisch vom Zentrum bis zu den Nationalsozialisten getragenen Regie- rung setzt die Mitwirkung Hugenbergs vor- aus, und es wäre eine Illusion, in einer solchen Rechtskoalition noch eine Heimstätte für die Demokratie suchen zu wollen. Die autoritäre Regierung ohne Reichstag wäre Herrendiktatur, die autoritäre Regie- rung mit parlamentarischer Rechtsmehrheit ist Klassenherrschaft. In beiden Fällen geht es um die Verfassung, das Volksrecht und die Rettung des Kapitalis- mus auf Kosten der breiten Massen. Die klassenmäßige Zuspitzung, die mit dem Signal vom 29. Juli blitzartig gufgeleuchtet hat, wird die Sozialdemokratie veranlassen, ihre Kampfmethoden und Kampf- Möglichkeiten zu überprüfen. Die Arbeiterbewegung muß an dem geschicht- lichen Wendepunkt von heute die Kraft und die Freiheit haben, sich aus die ihr erwachsen- den neuen Aufgaben einzustellen und sich, soweit notwendig, organisatorisch und geistig umzustellen. Das äußere Zeichen der völlig veränder- ten politischen Situation war die Verdrän- gung aller Vertrauensleute der Arbeiter- schaft aus dem Staatsapparat, insbesondere Kampfansage an Papen Die So�ialclemohratie führt im Kampf aus der preußischen Schlüsselstellung der So- zialdemokratie. Das Zusammenwirken der SPD. mit bürgerlichen Parteien in der Nachkriegszeit, wie es bei bestimmten ökono- mischen Kräfteverhältnissen zeitweise not- wendig werden kann, wird immer wieder durch die Klassengegensätze gesprengt wer- den. Die Voraussetzungen, durch die Beteili- gung an Regierungskoalitionen soziale Er- rungenschaften zu gewinnen oder zu vertei- digen, sind mit der herrschenden kapitalisti- schen Wirtschaftskrise beseitigt worden. Heute ist die Kraft aller bürgerlichen Parteien auf die Restauration des erschütterten kapitalisti- schen Systems gerichtet. In diesem Stadium eines absteigenden Wirtschaftssystems wird es nicht unsere Aufgabe sein können, den Verfall des Kapitalismus aufzuhalten. Unsere geschichtliche Mission des Kampfes um eine neue Welt wird die Haltung der Partei entscheidend bestimmen. Die SPD. wird die zum Schutz notleidender Massen er- forderliche tägliche Kleinarbeit nicht auf- geben, und sie wird den demokratischen Kampfboden Nicht preisgeben, sondern ihn zäh verteidigen. Aber die neue Periode in der deutschen Politik zeigt zwingende ökono- mische Tatsachen, die es der Sozialdemo- kratie verwehren, ihre Aktivität in der Tagespolitik zu erschöpfen. Wir wollen das von der Reaktion äußerst bedrohte Reichsparlament verteidigen und wieder aktionsfähig machen: aber wir sollen von ihm nicht mehr erwarten, als es die politischen Kräfteverhältnisse zulassen. Die Arbeiterklasse wird sich die demokratischen Abwehrwaffen gegen Unterdrückung und Rot nicht aus der Hand winden lassen, ohne deshalb auf die Stärkung ihrer außerparla- mentarifchen Widerstandskraft gegen die Re- aktion zu verzichten. Im Mittelpunkt aller taktischen Maßnahmen steht der s o z i a- listische Gestaltungswille und der Wille zur politischen Macht. Der Umbau der kapital! st ischen Wirtschaft zur planvollen Bedarfswirt- fchaft ist unter sozialdemokratischer Führung zum Inhalt einer großen Volks- bewegung zu machen. Dazu aber ist nicht nur die Einheit der Arbeiter, sondern in gleichem Maße die ideologische Gewinnung des gesamten Neuproletariats unerläßliche Voraussetzung. Der Monopolkapitalismus hat Millionen kleinbürgerlicher Existenzen zermalmt. Ein Scheinsozialismus der„klei- nen Leute", der Handwerker, Bauern, Be- amten, Intellektuellen und irregeleiteten An- gestellten hat zeitweise dem Faschismus Auf- trieb gegeben. Diesem Aufruhr proletarisier- ter, bisher bürgerlicher Schichten und der all- gemeinen Krise des kapitalistischen Denkens Ziel und Richtung zu geben, das alte und das neue Proletariat zur breiten antikapi- talistifchen Front zu vereinigen, ist unsere Aufgabe. Die Einheitsfront der Arbeiter aber kann weder durch die Einheitsmanöver der KPD., noch durch mechanische Organisationsverbin- düngen erreicht werden. Das Willens- Zentrum für die Einheit des deutschen Proletariats liegt nur in der sozialdemokratischen A r b e i t e r p o l i t i k. Die von der Reaktion gewollte Isolierung aller Werktätigen muß gesehen und politisch vertieft werden. Die Erkenntnis, daß sozialdemokratische und kom- munistische Arbeiter nur noch auf sich selbst und ihre eigene Kraft gestellt sind, und unter Lösung aller Bindungen an die Regierungs- gewalt im Reich eine konsequente Opposition gegen die Herr- schende Staatsmacht treiben müssen, wird den Willen zur Macht, zur Einheit und zum Sieg der Massen wecken. So müssen Selbsthilfe und Selbstbesinnung den Ausgangspunkt künftiger Aktivität der Deutschen Sozialdemokratie bilden. Sie wird sich als die sturmerprobte Organisation der deutschen Arbeiterklasse bewähren, um den entscheidenden Schlag der Reaktion gegen Republik und Volk abzuwehren und die Macht der organisierten Arbeit in Staat und Wirtschaft zu erobern. Preußen im Reichsrat E!n Vorstoß— Es soll neu verhandelt werden ?unf Zahre Zuchthaus hat das Posener Stand- gericht(Offiziere und ein Richter) dem deutschen Landwirtsohn S t i I o aus Bomst auierlegt, weil er Spionage getrieben haben soll. Er war bei geringer Grenzüberschreitung oerhaftet worden. Verhandelt wurde geheim und durch Dolmetscher. Stilo oersteht nicht polnisch. Die Sommunislische Bauern- und Arbeiterbank in Paris ist im Konkurs. Vor kurzem waren der Direktor und die Aufsichtsratsmitglieder dieser Bank wegen fiktiver Erhöhung des Stammkapitals verhaftet worden Das Abtreibungsverbol in Dänemark fall abge- schafft oder gemildert werden. Der Iustizminister der sozialistisch-radikalen Regierung hat eine Kom- Mission von grauen, Aerzten, Juristen und Poli- tikern berufen, die entsprechende Vorschläge aus- arbeiten soll. Aach mehrmonatiger Pause trat am Donnerstag abend der Reichsral wieder zu einer Vollsitzung zusammen. Presse und Oessenll'chkeit waren un- gewöhnlich stark vertreten. Für die Reichsregie. rung war Reichsinnenminister Freiherr v. G a y l mit seinem Staatssekretär Dr. Zwei- g e r t und dem Ministerialdirektor Dr. G o t t- Heiner erschienen, für Preußen d'e Ministerial- direktoren Dr. Brecht, Dr. B a d t und Dr. n d l e r usw. in Freiheit. Beim Bekanntgeben dieser Amnestie hat man eine neue Methode der Irreführung der öffent- lichen Meinung des Auslandes angewendet. Erst hat man die Tatsache der Amnestie verkündet, ihre Anwendung auf die Antifaschisten, die Freilassung der Verschickten— alles in offiziellem Kom- munique. Man verläßt sich nun daraus, daß das Ausland noch diesem Beweis faschistischer Mensch- lichkeit sich nicht weiter um die Angelegenheit be- kümmern werde und es nicht so genau nachrechnen, wieviel Gramm das Mäuslein faschistischer Milde wiegt, das der Berg faschistischer Grausamkeit unter dem Läuten aller Reklameglocken zur Welt gebracht hat. Wir erlauben uns, das Mäuslein genau zu besehen: es ist sehr winzig, denn nur so schlüpft es durch die Paragraphen, die den fafchifti- schen Staat vergittern. In dem Bericht an den König heißt es, daß der vorgeschlagene„Akt der Milde" an„Grandiosität den Ereignissen gleich- kommt, an die er anknüpst". Das ist wahrhastig war. Bluff und Irreführung beim einen wie beim anderen. Man entlastet die überfüllten Zuchthäuser, läßt eine kleine Zahl von Antifaschisten frei und posaunt eine noch nie da- gewesene Amnestie ins Ausland. Im Inland kann man das nicht, weil man sich dort noch er- innert, daß die politischen Amnestien nach den Unruhen von Sizilien und der Lunigiana(1894) und dem Mailänder Maiaufstand(1898) viel um- fassender waren. Notstand— Freispruch! Transportgefährdung— Zuchthaus! Nobelpreis für Galsworthy Beschluß der schwedischen Akademie Die schwedische Akademie hat be- schlössen, den Nobelpreis für Lite- ratur 1932 dem englischen Schriftsteller John Galsworthy zu verleihen. Galsworthy, wohl der repräsentativste Roman- schriftsteller des heutigen England, steht im 6S. Lebensjahr. Er entstammt einer alten wohl- habenden Familie, studierte in Oxford Jura und machte nach seiner Zulassung zum Rechtsanwalt Reisen durch die englischen Kolonien, durch Europa, Ruhland und Amerika. Nachdem schon vorher unter Pseudonym einige wenig beachtete Abenteurerromane von ihm erschienen waren, be- gann seine eigentliche literarische Lausbahn 1900 mit dem Roman„Villa Rubeln", die bereits in jene bürgerliche Welt einführte, der er selbst angehört. Sein Dichterruhm gründet sich auf die vielbändige„F o r s y t e Saga", deren erster Band 1906 erschien. In dieser noch nicht abge- schlossenen Romanreihe zeichnet er die Entwick- lungslinie des wohlhabenden englischen Bürger- tum? auf. Galsworthy ist, wie Gerhart Hauptmann und Thomas Mann in Deutschland, der Repräsentant jener abgeschlosienen Epoche der gesicherten bürger- lichen Existenz, für die die soziale Frage noch kein Problem ist, in die die Fragwllrdigkeit dieses Daseins aber bereits gewitternd hineinleuchtet. Anzeichen des Verfalls und der Dekadenz, Zweifel an den Ansprüchen bürgerlicher Konvention und bürgerlicher Tradition machen sich bemerkbar. Aber noch siegen Konvention und Tradition, und die Befreiung des Menschtums aus den Fesseln einer erstarrten Gesellschaftsform(an die Gesell- schastsordnung selbst wird nicht gedacht) klingt nur als ein Hauch melancholischer Sehnsucht durch das Gesamtwerk Galsworthys. Dieses Aefthetisierende, die Formgesetze des Schönen ängstlich Wahrende, auf innere Vor- nehmheit und Wohlanständigkeit stets behutsam Bedachte ist das typisch Englische an Galsworthys Erscheinung. Es setzt ihn in einen gewissen Gegen- satz zu der jüngeren englischen Dichtergeneration. London. 10. November. Im Unterhaus entwickelte Außenminister S i- m o n den britischen Standpunkt zur Abrüstungs- frage. Nach einer im allgemeinen anerkennenden Würdigung des neuen französischen Planes ver- las er eine Erklärung, in der es heißt: Für die Regelung der Schwierigkeiten, die sich aus der deutschen Gleichberechtigungsforderung ergeben, regt die britische Regierung an. daß Hand in Hand mit einem fairen Entgegen- kommen gegenüber Deutschlands Anspruch auf den Grundsatz der Gleichberechtigung die euro- päischen Staaten sich in einer feierlichen Zusicherung vereinen sollten, daß sie unter keinen Umständen versuchen werden. irgendwelche gegenwärtige oder künftige Schwie- rigkeiten unter sich dadurch zu lösen, daß sie zur Gewalt greifen. Die Anerkennung des mora- tischen Rechtes Deutschlands auf Gleichheit der Behandlung mit anderen Nationen würde für Deutschland unter anderem die Annahme dieser entsprechenden Verpflichtung mit sich bringen. Wenn unsere Hoffnung und unser Glaube in das ehrliche und freundschaftliche Ziel des großen deutschen Volkes gerechtfertigt sind, so glauben wir, daß kein Grund besteht, weshalb jene Ver- sicherung nicht gegeben werden sollte. Ausgehend von der Annahme, daß eine solche Versicherung gegeben wird, wünsche ich ganz deut- lich die Ansicht auszusprechen, die die Regierung über den Weg gefaßt hat, auf dem der deutsche Anspruch auf Gleichberechtigung erhoben werden soll. Ich beschreibe kein Programm, noch gebe ich Einzelheiten, aber drei große Punkte müsien erwogen werden: Erstens die Frage, ob die Beschränkung der deutschen Rüstungen in dem gleichen Dokument ausgedrückt werden solle wie die Be- schränkung der Rüstungen anderer Nationen. Ich glaube, daß die Beschränkung der deutschen Rüstungen in derselben Abrüstungs- konvention enthalten sein sollte, die die Be- schränkung der Rüstungen der anderen definieren würde. Das bedeutet, daß die Artikel in Teil V des Versaillcr Vertrages, die gegenwärtig Deutschlands Waffen und Streitmächte beschrän- ken, außer Kraft gesetzt werden, und Deutschlands Beschränkungen würden in dem gleichen Dokument festgelegt und ausgedrückt sein wie die der anderen Länder. Der zweite Punkt ist ein sehr ernster; er hat nichts mit Dokumenten zu tun, sondern mit der Dauer der Konvention. Wir sind der An» die den Durchbruch zu einer Realistik jenseits der Gesetze der Schönheit unternimmt und damit die Grenzen der bisherigen englischen Kunst sprengt. Als Psychologe, als Gesellschaftskritiker im tiefe» ren Sinn, als Stilist, als Dichter bleibt Gals- worthy trotzdem einer der Ersten unserer Zeit. Die Verleihung des Nobelpreises, die seit Jahren vorgesehen war, bleibt eine Selbstverständlichkeit. England und Gleichberechtigung Erklärungen des Außenministers Simon im Unterhaus ficht, daß die neu ausgesprochenen Beschränkungen für Deutschland ebensolang dauern und den gleichen Methoden der Revision unterliegen sollten, wie diejenigen anderer Länder. Es scheint nicht praktische Poli- t i k zu sein— und tatsächlich bin ich der An- ficht, daß man dadurch das gegenteilige Ergebnis hervorbringen würde, als manche Leute sich vor- stellen—, wenn man zu dieser Zeit versuchen wollte, einer großen Nation eine dauernde Vor- schrist aufzuerlegen, während man für sich selbst und für das eigene Volk eine zeitlich beschränkte Wirksamkeit dieser Vorschrift forderte. Der dritte Punkt ist das schwierigste Pro- blem, das der Gleichberechtigung auf dem Gebiete der Kriegsmaterialien die den Nationen der Welt gestattet sind. Deutschland hat erklärt, daß es nicht die Absicht habe, aufzurüsten, und daß es lediglich wünsche, daß grundsätzlich anerkannt würde, daß die Art der Rüstungen, die anderen Ländern gestattet sind, ihm selb st nicht oerboten bleiben. wenn Gleichberechtigung eingeräumt werden soll, dann muß dieses Prinzip anerkannt werden, und England ist bereit, feine Bereitwilligkeit zu erklären, ia Zusammenarbeit mit den anderen Mitgliedern der Abrüstungskonferenz darauf zu sehen, daß dieser Grundsatz ia die neue Sonoen- tiou aufgenommen wird. Durch welche Mittel und in welchen Etap- p e n dieser Grundsag angewandt werden kann, muß Gegenstand einer ins einzelne gehenden Diskusston in Gens sein. Es ist absolut notwendig. daß Deutschland an diesen Diskussionen teil- nimmt. Inzwischen sind für die englische Regierung fol- gende zwei Punkte klarzustellen: Erstens, das Ziel der Abrüstungskonferenz ist, ein Maxi- mum positiver Abrüstung zu erreichen, auf das man sich allgemein einigen kann, und nicht. Im Namen der Gleichberechtigung ein Anwachsen der bewaffneten Stärke zu autorisieren. Die zweite Bemerkung geht dahin, daß die Ver- wirklichung des Grundsatzes der Gleichheit praktischerweise nicht auf einmal er- reicht werden kann. Deshalb glaube die Regierung, daß ein p r a k t i- sches Programm für ein etappen- weises Vorgehen notwendig fei. Natür- lich würden gleiche Grundsätze auf Oesterreich. Ungarn und Bulgarien angewandt werden. Zum Schluß kündigte Simon an, daß er Ende der Woche in Genf weitere Einzelheiten über den britischen Lorschlag mitteilen werde. Die Schuldigen schreien Verlogene lUPD.-hlet�e Die Kommunistische Partei hat in trauter Ge- meinschaft mit den Nazis den Streik bei der Verkehrsgesellschaft organisiert zu dem ausgesprochenen Zweck, die Gewerkschaften auszu- schalten. Sie haben erzielt, daß auf dem Schlich» tungswege ein Zwangstarif festgelegt wurde, den die Gewerkschaften ablehnen, aber, dem Gesetz entsprechend, befolgen müssen, wenn sie nicht finanziell haftbar gemacht werden wollen. Es ist weiter erzielt, daß Tausend« von Arbeitern und Angestellten gemaßregelt wurden. Durch die kommunistisch-nationalsozialistische Hetze ver- leitet, haben Arbeiter sich berechtigt geglaubt, nach dem Schiedsspruch Gewalttaten gegen sah- rende Straßenbahnwagen begehen zu dürfen. Sie werden jetzt im summarischen Sondergerichtsver- fahren zu schweren Zuchthausstrafen verurteilt, müssen also leiden für das verantwortungslose Treiben derer, die sie zu solchen HaMpngen an- getrieben haben. Der„Vorwärts" und mit ihm die ganze Sozial- demokratie hat gegen diese Anwendung des Son- dergerichtsverfahrens und der gegen nationalsozla- listische Bombenwerser gerichteten Terrorverord- nung schärfsten Einspruch erhoben Das hindert aber das kommu nstische Abend- blatt des Herrn Münzenbrrg nicht, in großer Auf- machung zu behaupten:„D i e S P D.- u n d G e- werkschaftsführer stehen als Schat- ten hinter dem Staatsanwal t." Sie wären sogar die eigentlichen Staatsanwälte gegen die Arbeiterschaft! Man könnte den Prozeß auch nach der Lindenstrahe oder dem Engelufer ver- legen! Wir hängen diese Schamlosigkeit des Kommunistenblattes hier niedriger. Dieselben Per- sonen, die die unorganisierten Arbeiter der BVG. zu Wahlzwecken in Streik und Not getrieben, beschimpfen und verleumden heute wie immer die Sozialdemokratie und die Gewert» schaften, die nicht so leichtsinnig mit dem Schicksal der Arbeiter umzugehen pflegen. Die gleichen Leute fordern aber heute zur Hergabe von BettelsuppenfürdieGemaßregelten auf, um ihre angebliche Hilfsbereitschaft zu be- weisen. Diese Schimpferei und diese Bettelei auf der gleichen Seite Druckpapier kennzeichnen vollends die moralische Verwilderung einer politischen Gruppe, die sich als„Arbeiterpartei" ausgibt! Krawallstudenten Antisemitenlärm in Breslau Breslau, 10. November. An der Breslauer Universität kam es heute vor- mittag zu einem Zwischensall. Eine Vorlesung von Professor Cohn, der erst gestern seine Lehr- tätigkeit aufgenommen hat, wurde von a n t i- semitischen Studenten verhindert. Der Rektor der Universität sah sich schließlich ge- � zwungen, Polizei herbeizurufen, die die Ruhe wiederherstellte. Die Störungsversuche haben sich bei der zweiten Vorlesung Professor Dr. Cohns um 11 Uhr in verstärktem Maße wiederholt. Die Polizei, die nach dem ersten Zwischenfall zurückgezogen worden war. mußte wieder gerufen werden, um die Ruhe- störer aus dem Hörsaal und vom Korridor zu entfernen. Der Räumungsaktion wurde keinerlei Widerstand entgegengesetzt. Professor Dr. Cohn konnte seine Vorlesung durchführen. Bei Erkä tunqskrankheiten,beiSchmerzen rheumatischer, gichtischer und nervöser Art baben sich Togal-Iableiten hervorragend bewährt. Togal beseitigt die Krankheitsstosse aus natürlichem Wege, es ist außerdem batlerientötendl Ein Versuch überzeugt! In allen Apotoeken M. 1.25, 12,6 Llih., 0,46 Chin., 74,3 Acid. acet»all«. Nazi-Gewerkschaftssührer Oberst und Generaldirektor Der letzte Besuch Hitlers bei den westdeutschen Eisen- und Kohlenherren führte dazu, daß der Generaldirektor der Sterkerader Gute-Hoffnungs- Hütte, Oberst von Gilsa, unmittelbar nach dieser Zusammenkunft aus der Deutschen Volks- Partei austrat und zu Hitler hinüberwechselte. Mit ihm gingen die im gelben Werkverein „organisierten" Leute zu Hitler ins„Dritte Reich". wo sie die Vorhut der nationalsozialistischen„Ge- werkschaftsbewegung" bilden sollen. Unter der Führung des vordem kaiserlichen Obersten von Gilsa als„G e w e r k s ch a f t s s e k r e t ä r" hoffen sie ihren Verrat an der Arbeiterschaft mit Druck- Posten in der Industrie belohnt zu bekommen. Oberst von Gilsa, bis 1930 Mitglied des Reichstages, setzte sich bereits seit langem für die gesetzliche Anerkennung der gelben Werksvereine neben den freigewerkschast- lichen und christlichen ein. Er forderte schlankweg Gleichberechtigung der Gelben. Der Herr Oberst und Generaldirektor aber ist sich dar- über klar, daß eine gelbe Bewegung niemals einen sehr großen Anhang in der Arbeiterschaft finden wird, wie das eigentlich für seine Zwecke notwendig ist. Jetzt will er„B e r u f s g e m e i n- s ch a f t e n" in den Betrieben mit einer„Reich s- gemeinschaft"! Den Plan der neuen Schöp- fung des Herrn von Gilsa hat dieser in einem G e- h e i m z i r k u l a r an die Leiter der industriellen Großbetriebe folgendermaßen formuliert: „Glückt es, den Gedanken einer ehrlichen Werksgemeinschast innerhalb der Betriebe a u s Grund der abzuändernden gesetzlichen Voraussetzungen zu schassen, dann ist der Ausbau zur Berufsgemeinschast und Reichsgemeinschast verhältnismäßig einfach. Notmaßnahme Lntlaatune der Gemeinden Zur Entlastung der Gemeinden, die unter dem Druck der Kosten für die Unterstützung der Wohlfahrtserwerbslosen schwer zu leiden haben, ist dieser Tage eine neue Verordnung er- schienen, wonach ab 2 8. November bis 31. März keine Aussteuerung mehr aus der Krisenfürsorge stattfindet. Also eine vorübergehende Verlängerung der Bezugsdauer der Krisenunter- st ü tz u n g. Die Krisenunterstützung wird weiter gezahlt, auch wenn die Bezugsdauer erschöpft ist. Auch dieser Entlastungsversuch zugunsten der Gemeinden ist nur eine halbe Maßnahme. Es wird fetzt ollmählich Zeit, daß durch die Schaffung einer einheitlichen Arbeits- l o s c n f ü r s o r g e für die Ausgesteuerten eine sozial erträgliche Versorgung gewährleistet wird. Schikane ober Dummheit? Am Mittwoch ereignete sich in Neukölln ein kaum glaublicher Vorfall, der zu der Annahme berech- tigt, daß einzelne Offiziere der Berliner Schutz- Polizei das Bestreben haben, noch„zeitgemäßer" zu fein als ihr Chef und Gebieter Herr Welcher. Der Gesamtverband hatte zu Mittwoch abend 11 Ps Uhr für das Personal der„Vereinigten Lichtspiele Neukölln" eine Betriebsver- f a m m l u n g einberufen. Als die Kinoange- stellten in dem Versammlungslokal erschienen, wurde ihnen von dem Inhaber der Zutritt oerweigert mit der Bemerkung, daß die Polizei das Abhalten der Versamm- Die einzelnen körperschasten sehen sich durch Auswahl von unten nach oben zusammen. Bezüglich der Aufgabenverteilung hat die Berufsgemeinschast den großen Rahmen für die Entlohnung und die sonstigen Arbeitsbedingungen festzulegen, während die Werksgemeinschaften die elastische Ausfüllung dieses Rahmens entsprechend den Verhältnissen des einzelnen Unternehmens oder von kleineren Betriebsgruppen zu vollziehen hat." Auf die e l a st i s ch e„Ausfüllung des Rahmens" kommt es dem Generaldirektor, Oberst und Ratio- nalsozialisten an. Wieviel— oder wie wenig— die Arbeiter und Angestellten bekommen, das wird zwischen dem Unternehmer und seiner Werksgemeinschaft„vereinbart". Voraus- s e tz u n g wäre allerdings, daß diese gelben Schutztruppen der Unternehmer rechtlich mit den Gewerkschaften gleichgestellt werden. Gerade diese rechtliche Anerkennung aber hat der frühere Krupp- direktor und derzeitige Reichsarbeitsminister in seiner Stuttgarter Wahlrede ausdrücklich angekün- digt. So sieht die„Kampssront" der National- sozialisten aus, die radikale Reden schwingen. wenn fie Arbeiter ins Unglück reiten, wie beim Verkehrsstreik, praktisch aber entschlossen sind, die Arbeiter den Generaldirektoren auszuliefern. Die Betriebszellen der Nazis in den Fabriken sollen nach dem Willen ihrer Führer zu Keimzellen der w i r t sch a s ts fr i e d lich e n, gelben „Gewerkschaften", zu deren Avantgarden der Un- ternehmer werden. Der Plan des nationalsozialisti- schen Generaldirektors und„Gewerkschaftsführers" von Gilsa kennzeichnet scharf, warum die Hitler- bewegung materiell wie ideell von den Unternehmern unter st ützt wird. lung verboten habe, und zwar auf Grund der Verordnung über den politischen Burg- frieden sowie mit Bezug auf die Notverord- nung, die die Anmeldepflicht für öffent- liche politische Versammlungen vor- sieht. Die Einberufer begaben sich sofort nach dem zu- ständigen 129. Polizeirevier und erhoben gegen dieses Verbot schärfften Protest. Sie machten den stellvertretenden Reviervorsteher darauf aufmerk- sam, daß sich die Anmeldepflicht und auch der Burgfrieden nur auf öffentliche politische Versammlungen beziehe, aber nicht auf Betriebs- oder Gewerkschaftsversammlungen. Der telephonisch verständigte Reoiervorsteher kündigte den protestierenden Versammlungseinberufern schließlich die Ueberführung zur Abtei- lung! im Polizeipräsidium an, weil sie auf der Abhaltung der Versammlung beharrten! Nach mehr als einstündigem Verweilen der Gewerk- schastsvertreter auf dem Polizeirevier erhielten sie endlich den Bescheid, daß die Versammlung u n- berechtigt verböte n worden sei und abge- hallen werden könne. Die Kinoangellellten waren aber, da es inzwischen 1 Uhr nachts geworden war, nach Hause gegangen. Herrn Welcher ist dringend zu empfehlen, seine Offizier« über die Nower- ordnungsbestimmungen besser zu infornneren. Beigelegter Konflikt Hinsichtlich der Neuregelung der Bühnen- arbeiterlöhne in den privaten Berliner Theatern sind nunmehr alle Streitig- leiten beendet. Die Differenzen, die noch mit der Direktion des Großen Schauspiel- Hauses bestanden, sind gestern durch VerHand- lungen zwischen der Direktion und dem Gesamt- verband beigelegt worden. Die Direktion schildert den Gewerkschaftsvertretern die schwierige Lage des Theaters, erklärte sich aber bereit, den Lohnabbouschiedsspruch des Schlichtungsausfchufses nicht durchzuführen, sondern die alten Löhne weiterzuzahlen. Mit dieser Zusicherung sind alle Unstimmigkeiten zwischen der Direktion und dem technischen Bühnenpersonal des Großen Schauspielhauses beseitigt Streik bei Bernharb Käß Bei der Firma Bernhard Käß G.m.b.H. in der Kaiser-Wilhelm-Strahe, die in Berlin die bekannten 8L-Kettenläden unterhält, steht die 422 Köpfe zählende Belegschaft der Herren- konfektionsabteilung seit Sonnabend im Streik. Der Konflikt hat seine Ursache darin, daß die Firma eine mit dem Betriebs- rat abgeschlossene Betriebsoereinbarung ohne Einhaltung der festgesetzten achttägigen Kündigungsfrist von sich ans abändern wollte. Die Gcschäftsleitung hatte ohne vorherige Ver- Handlung mit dem Betriebsrat durch einen An- schlag am Schwarzen Brett neue Lohnbestim- mungen festgesetzt, die eine wesentliche Ver- s ch l e ch t e r u n g der bisherigen Entlohnung darstellten. Gegen diese widerrechttiche Maß- nähme hat sich die Belegschaft gewandt und be- schlössen, durch Arbeitseinstellung das Diktat des Unternehmers abzuwehren. Diese Wwehrbewe- gung wird vom Deutschen Bekleidung?- arbeiterverband unter st ützt. Die Produktionsart be! der Firma Käß ist das Fließband sy st em mit Gongschlag, das sonst in der Herrenkonfektion nicht üblich ist und bei dem infolge der außerordentlich starken Arbeitsintensität eine über den Reichstarif der Herrenkonfektion hinausgehende Enllohnung, wie sie bisher auch bei der Firma üblich war, durch- aus gerechtferttgt ist. Anläßlich ihres Kampfes haben sich die Strei- kenden unter Führung der RGO. in einem Flug- blatt an die übrige Berliner Konfektionsarbeiter- schaft gewandt mit der Ausforderung, in allen Betrieben Lohnforderungen zu stellen, Kampfleitungen zu wählen und Streiks in der gesamten Berliner Herren- konfektion auszulösen. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Kon- fektionsarbeiter sind reichstarislich ge- regelt. Die RGO., die da nichts zu bestimmen und nichts zu verantworten hat, hat an ihrer blutigen Niederloge und den 2599 Gemaßregelten bei der BVG. offenbar noch nicht genug. Die Stteikenden der Firma Käß täten besser daran, ihre ganze Kraft auf ihre Abwehrbewegung zu verwenden. Sie würden damit ihrer eigenen Sache besser dienen als mit den Methoden, die sie in dem Flugblatt der übrigen Berliner Kon- fcktionsarbeiterschaft empfehlen. Kurzfristig verlängert Gestern fanden vor dem Schlichwngsausschuß Verhandlungen statt zur Beilegung des Tarifkonflikts im Berliner Gast- wirtsgewerbe, über den wir gestern aus- führlich berichteten. Der Schlichtungsausschuß trat der Auffassung der Gewerkschaftsvertreter bei, daß die von den Unternehmern gestellten A b- änderungsanträge zum Manteltarif in- folge der Eigenart dieses Vertrages längerer Be- ratungen bedürfe. Der Vorsitzende brachte einen Vergleich zustande, wonach der Lohn- und Manteltarif unverändert bis zum 39. November verlängert wird. Mit Hilfe des Schlichtungsausschusses soll in den nächsten Tagen versucht werden, eine Lösung des Tarifkonflikis herbeizuführen. Wie lange noch? Di« Berliner Anschlagsäulen schmückt gegen- wärtig ein Plakat einer der Nebenstellen der KPD. Die Berliner Bevölkerung wird zu einer Soli- daritätsaktion mit den entlassenen Ar- beitern der BVG. aufgefordert. Die KPD. hat— gemeinsam mit den Nazis— auf dem Rücken der Belegschaft der BVG. ein poli- tisches Reklamegeschäft gemacht. Vier Tage vor der Wa h l haben RGO. und NSBO. be- schlössen, daß die Belegschaft der BVG. in den Streik zu treten habe. Als das Personal am andern Morgen zur Arbeil kam, fand es von Schutzketten der RGO. und der SA. und SS. ver- sperrte Tore. AmTagenachderWahl wurde der streik von der RGO. wieder„abgewürgt", wie chre ge- lehrigen Nazifchüler sagen. Von dem politischen Ergebnis abgesehen, sind 2-Z99 Menschen wirtschaftlich auf der Strecke ge- blieben. Man sollte meinen, daß die kommune-faschisti- fchen Streikmacher angesichts des angerichteten Un- Heils chr Haupt verhüllen und sich in Vergessenheit zu bringen suchen würden. Weit gefehll! Die Ungeheuerlichkeit der Zahl der Gemaßregelten gibt ihnen den Mut und die Möglichkeit, mit dem Un- glück, das sie angerichtet haben, ein neues G e- schüft zu machen. Wir haben schon wiederholt hingewiesen auf das seltsame Zusammenspiel der deutschnationalen Lettung der BVG. und der KPD. Dieses Zu- fammenfpiel ist nicht neu. Es hat die RGO. in der BVG. großgezogen. Die Atmosphäre änderte sich erst, als auch ein Sozialdemokrat in den Vorstand der BVG. berufen wurde. Von diesem Augenblick an setzte eine beispiellose Hetze gegen diesen Sozialdemokraten ein, bei der sich die kommune-faschistische Einheitsfront bewährt hat. Bis man B r o l a t so weil hatte, daß er eine gerichlliche Untersuchung der Borwiirt« verlangte und freiwillig bis zur gerichtlichen Klä- rung in Urlaub ging. Das Feld für Scharf- machcrei war frei. Und nun wagt sich die KPD. wieder hervor, nach- dem sie das Unheil angerichtet hat. Das Spiel beginnt aufs neue. Wie langenoch? Ankurbelung Ein trefsendes Beispiel zur„Ankurbelung" der Wirtschaft durch Herrn von Papen liefert das Deutsche Lichtspielsyndikat in der Friedrichstraße. Das Unternehmen, das Film- Produktion und Verleih betteibt, hatte bei dem zuständigen Gewerbeaufsichtsamt„vorsorglich" die Stillegung ihres Betriebes zum 39. November und die Verkürzung der Sperrfristen über die Entlassung der Ar- beiter beantragt. In der Verhandlung über diesen Antrag bestritt der Vertreter der Firma die Zu- ständigkeit des Gewerbeaufsichtsamts mit der Be- gründung, es handle sich um keinen gewerblichen Betrieb, sondern um einen Handelsbettieb, der nicht unter die Stillegungsverordnung falle. Der Oberpräsident hat aber entsprechend den Anträgen der Gewerkschaften die Stlllegungsverordnung für anwendbar erklärt und auch die Forde- rung auf Verkürzung der Sperrfrist zurück- gewiesen. Von der rund 129 Köpfe zählenden Belegschaft sind bereits 21 Mann vor der Ent- scheidung des Oberpräsidenten auf die Straße ge- warfen worden, siir die jetzt der Gelamwerbanb den Lohn für die Zeit bis zum Ablauf der gefetz- lichen Sperrfrist einklagt. 3n Oesterreich stieg die Zahl der unterstützten Arbeitslosen in der zweiten Oktoberhälfte um rund 12 509 auf 297 7.91. Hierzu 2 Beilagen Der„Vorwärts"«fchem! wochentSglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Illustrierte Sonntagsbeilage„Boll und Zeit". I Bezugspreis«: Wöchentlich 7ö Pf., monatlich z.zz M.(davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zabldar. Postbezug 3,97 M cinschließlich 60 Pf. Postzeitung, und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslandsabonnemcnt ö,k>5 M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachenporto 4.6.) M. Bei Ausfall der Lieferung wegen boherer Gewali bestcbt kern Anspruch der Abonnenten auf Ersatz. I Anzeigenpreise: Die einspaltige Millimeterzerle M Pf.. Reklamezeile 1,50 M.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckt» Wort 20 Pf., jedes wertere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über 15 Buchstaben'zäblen für zwei Worte. Arbeitsmartt MMimeterzeUe 25 Pf. ssamilienan, eigen Millimeterzeile 16 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstr. Z. wochentäglich von?i.o bis 17 Uhr. Der Verlag brhiill sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor. I Perantwortlich für Politik: Rudolf BrcndcmShl: Wirtschaft:«.«lingclhöser; Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner; Feuilleton: Herbert Lepdi«; Lokales und Sonstiges: Fritz Karftädt; Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin. I Verlag: Vorwärts-Berlag®. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 68. Lindenstr. 8. WERTHEIM Zusendung von 5M an. Obst, Gemüse u. leicht verderbliche Artikel werden nicht zugesandt. Frisdies Fleisch Ochsen-Suppenfleisch 0.45 Ochsen-Schmorfleisch Bchicr aus der Keule, Pfd. 0.65 Ochsengulasch auch gem. 0.65 Ochsenroulade....Pfd. 0 75 Kalbskamm........ Pfd. 0 45 Kalbsbrust......... Pfd. 0.45 Kalbsblatt......... Pfd. 0.45 Schweinebauch o.Beilage 0.65 Schweineschulter->. Big. 0.75 SchwelneschinKen.Pfd. 0.75 Keßler triseb geranelr.» Pfd. 0.65 Lamm-Vorderfleisch Pfd. 0.45 Lammrücken....... Pfd. 0.65 lammkeule........ Pfd. 0.75 laBerl Bratwurst..Pfd. 0.75 Jeden Freitag u. Sonnabend Frische Blut- u. Leberwurst A P Pfund Obst u. Gemüse Tiroler Edelrot..... Pfd. 0.15 Rote Rostock er.... Pfd. 0.20 Bananen.......... Pfd. 0.24 Graubirnen...... 2 Pfd. 0.25 Graue Renetten..2 Pfd. 0.35 Amerik. Aepfel..... Pfd. 0.24 Fr. Ananas i. Gau., Pfd. an 0 50 Rot- u. Weißkohl 3 Pfd. 0.10 Wirsingkohl,Möhr.3Pfd. 0.10 Märk. RQbchen...4 Pfd. 0.15 Sellerie............ Pfd. 0.05 Rosenkohl....... 2 Pfd. 0.25 Schwarzwurzeln..2 Pfd. 0.45 Kartoffeln..10 Pfd. tob an 0.24 34 Pf. Mandarinen Pfund Blattspinat 3 Pfund IVPf. Fisdie Ostseedorsch...... Pfd. 006 Kabeljau->. K.. g*. F.. Pfd. 0.16 Seelachs Rotbars gz. F. 0.18 Kabeljaufilet....... Pfd. 0.24 Zander, Heilbutt Pfd. an 0.38 Bratschollen..... 3 Pfd. 0.32 Grüne Heringe... 3 Pfd. 0 32 Frischer llachs, gz. F., an 0.58 Leb. Spiegelkarpfen, an 0.60 Konserven„„„ 8r.- u. Schnittbohnen..0.42 Erbsen«hr fein 1.00 mtlf. 0.68 Gemischt Gemüse V.. 0b2 Gemüse fein 1.10 nuttclf.0.88 Br.-Spargel et. 1.35 dünn 0 30 Stg.-Spargel c*t. 1.65 mt. 1.4) Apfelmus.............. 0.50 Mirabellen............. 095 Konfitüre Johannisbcer. Kirsch, Erdbeer, Aprikose, l/1 Eimer 0.98 Billige Lebensmittel Soweit Vorrat: Räucherwaren Dorsch............ Pfd. 0.20 Fettbücklinge...... Pfd. 0.24 Makrelen.......... Pfd. 0.28 Seelachs, Rotbars.Pfd. 0.34 Sprotten..Pfd. 0.36 Kiste 0.38 Aale.. Pfd. an 1.80 Bd. an 0.20 Fischmarinad.'/iLt-Ds anO 48 Fettheringe in öl». Tomaten 3 orale Dosen a 270 Gr. 0.95 Kolonialwaren Bruchreis.. 0.11 Taf. 0.120.18 Weiße Bohnen Pfd. 0.12 0.16 Viktoria-Erbsen Pfd. 0.18 0.24 Puddingpulver Pfd. 0.38 0.60 Makkaroni Bruch, Pfd. 0 35 0 46 Eier-Schnittnude n 0.35 0 48 Bosnisch Pflaumen 0 25 0.32 Backobst gemischt...0 36 0.58 Aprikosen..... Pfd. 0 38 0.53 Kaffee gehr..Pfd. 1.90 2.40 2.80 Wurst Hausmacher-Sülze Pfd. 0.48 Hall. Blut- u. Leberw. Pfd. 0.60 Dampf- u. Fleischwurst 0.75 Landleber- u. Jagdwurst 0.84 Feine Leberwurst..0.93 1 08 Holst. Zervelat u.Salami 1.15 Teewurst feine u.grohe, Pfd. 1.18 Filet-, Zervelatw. i Fettd. 1.24 SpeCk fett Pfd. 0.84 mager 0,98 Schinkenspeck i. St. Pfd. 1.18 Gek. Schinken. A Pfd. 0.32 Käse u. Fett Camembert rolli, Halbm. 0.26 Camembert rt, 6 Port. 0.58 Harzerkäse ca. I-Pfd.-Pak. 0.25 Blockkäse(Tils, Art)207o 0.44 Dän. Schweizer 300/o Pfd. 0.64 Brlekäse rollfett.. Pfd. 0.68 Tils., Steinbuscher rollf. 0.68 Margarine........ 3 Pfd. 0.74 Kokosfett........ 3 Pfd. 0.88 Molkereibutter Pfd. 1.12 1.36 Markenbutter Pfd. 1.44 Schmalz 0.48, mit Grieh. 0.52 Geflügel, Wild Tauben...... Stück 0.58 0.78 Hühner frisch Pfd. 0.64 0.88 Brathühner.. Pfd. 0.90 0.98 Enten frisch geschl-Pfd. 0.78 0.98 Hafermastgänse... 0.75 0.88 Hasen gertr.. ausgew. 0.78 0.88 Kan nchen„ 0.60 0.78 Wild- Blatt Rück. Keule schwein von an 0.72 0.82 0 92 Hirsch Pfd. v. an 0 48 0 64 0.85 Reh Pfd. von an 0.78 1.18 1.2f Wildragout........ Pfd. 0 35 Wein 31 Hainf.Kappellenberg 0.70 31 WellenerRlesling...0.80 29 Minheimer Pichler..1.05 28 N erste ner Domtal.. 1.30 28 Rüdesh. Engerweg..1.60 25 Chat. Latour Bardis 1.20 28 Chat Mallerel...... 1.40 Maikammer 0.90 5 Ltr. 4.25 Tarragona 1.05 5 Ltr. 5.00 Deutsch. Weinbrand Ltr. 4.00 ERSTE BEILAGE FREITAG, 11. NOV. 1932 Offensive im Giadtparlameni Die Sozialdemokraten greifen an— Für die Rechte der Verkehrsarbeiter Das Berliner Staötparlament beriet gestern den Etat. Es war bekannt geworden, dag Nationalsozialisten und K o m m u n i- st e n mit Hilse der Tribüne die Sitzung sprengen wollten. Der Zusammenbruch des Verkehrsstreiks sollte den äußeren Anlaß geben. Der wohlvorbereiteten Regie machte der sozial- demokratische Redner einen dicken Strich durch die Rechnung. Für die Etatsrede hatte die sozial- demokratische Fraktion den Genossen Max K r e u z i g e r bestellt. Seine Ausführungen über den Verkehrsstreik, sein leidenschaftliches Eintreten für die Rechte der Verkehrsarbeiter, waren so klar und überzeugend, daß die zum Lärmen aus die Tribüne bestellten Braunhemden und Kam- munisten das Krakeelen nach einigen zaghaften Versuchen einstellten. So hörten auch sie den Nachweis, daß die Berliner Verkehrsarbeiter das Opfer gewissen- loser politischer Drahtzieher geworden sind. Unter dem Beifall der Sozialdemokraten rief der Redner aus, daß auch dieser Streik nicht verloren zu sein braucht, wenn die Arbeiter aus ihrer Niederlage die Schlußfolgerung zie- hen, daß die erste voraussehung für erfolgreiche Führung von Lohnkämpsen gewerkschaftliche Organisation ist. In einigen, mit glänzendem Zahlenmaterial untermauerten Sätzen hatte der Redner vorher die gewaltige sozialdemokratische Leistung in Berlin in den Jahren von 1921 bis 1931 umrissen. Wohnungen für 700 000 Menschen, das gigantische Werk des Ausbaues und der Vereinheitlichung des Verkehrs, Grünflächen, Volksparks, Sportplätze, Hallenbäder und riesige Freibäder zeugen heute von der geleisteten Aufbauarbeit. Als die Wirt- schaftskrise auch die Gemeinden in ihren Strudel zog, konzentrierte die Sozialdemokratie ihre ganze Kraft in den Gemeinden auf die Erhaltung der Fürsorge für die Wohlsahrtserwerbs- losen» während Herr von Papen die Löhne kürzte, die Unterstützungen abbaute und ein Wirtschastsprogramm verkündete, das ein weiteres Sinken der Kaufkraft nach sich ziehen muß. Zum Schluß richtete der Redner im Auftrage seiner Fraktion Forderungen an den Oberbürgermeister, die vor allem der Erhaltung der Selbstverwaltung, dem Schutz der Kommunalbetriebe, der Wohlfahrtsfürsorge und einer modernen Schulpolitik dienen wollen. Am Etat arbeite auch diesmal die Sozialdemokratie aus Verantwortung vor dem Volke tatkräftig mit. Die Sozialdemokratie ist gestern im Stadt- Parlament zur Offensive übergegangen und hat einen starken Erfolg errungen! Die Recle Ri-eiizixei-» Für die sozialdemokratische Fraktion sprach Stadtverordneter Max Kreuziger. Der Redner kennzeichnete zunächst die von den Kommunisten sowohl wie von den Nationalsozialisten vorge- schlagenen Wege zu einer defizitlosen Haushalts- Wirtschaft in Berlin als Demagogie und verant- wortungsloses Geschwätz. Der Redner stellte in sehr vornehmer und entschiedener Weise die Be- hauptung, tn Berlin herrsche eine kommunale Linksdiktatur durch den sozialdemokratischen Ma- gistrat, als immer wiederkehrende Lüge fest. Von 18 Magistratsmitgliedern sind in Wahrheit nur 8 Sozialdemokraten. Gegenüber einer Iahresdurchschnittszahl von 185 000 Wohlfahrtserwerbslosen im Jahre 1931 ist im Haushalt für 1932 mit einer Zahl von 300 000 und einer Belastung von 193 Millionen Mark gegen rund 21 Millionen Mark im Jahre 1928 gerechnet worden. Aber auch diese Zahlen scheinen hinter der Tatsache zurück- zubleiben, Berlin wird im Jahresdurchschnitt mit 340 000 Wahlsahrtserwerbslosen rechnen müssen. Die Gesamtwohlfahrtslasten der deutschen Gemein- den betragen 2500 Millionen Mark gegen 200 Mil- lionen Mark im Jahre 1913. Der Gesamtsehlbetrog in den Etats aller deutschen Gemeinden ist mit mehr als einer Milliarde Mark anzusetzen. Aus diesen einfachen Zahlen ergibt sich mit zwingender Notwendigkeit die ungeheure Notlage der deutschen Gemeinden. Die Notverordnungen der Regierung Papen mit den unerhörten Kürzungen der llnterstühungssähe haben die von den Sozialdemokraten vorausgesagte Wirkung gehabt, daß die Zahl der von den Ge- meinden zu unterstützenden Notleidenden so stark gestiegen ist, daß eben jede Finanzgebarung über den Haufen geworfen wird. Man soll nicht damit kommen, daß in Italien und in Rußland die Haushalt« in Ordnung sind: dort hat das Volk die Zeche bezahlen müsien, indem es in seiner Le- benshaltung weit über den gewiß sehr niedrigen Stand von vor dem Kriege herabgedrllckt wurde. Wenn die Nationalsozialisten sowohl wie die Kam- munisten das für Berlin und für Deutschland auch wollen, dann soll man nach ihrem Rezept ver- fahren. Ueberall wo in deutschen Städten, so in K o b u r g und in Gera, Nationalsozialisten allein in der Stadtverwaltung sitzen, befinden sich diese Städte in einer noch schlimmeren Notlage als Berlin. Nirgends hat ein nationalsozialistisches Rezept angewandt werden können, die Magistrate dieser Städte haben sich genau so wie Berlin um Hilfe an die Regierungen wenden müssen— allerdings mit dem gleichen negativen Erfolg wie Berlin. Die Erleichterungen, die Papen jetzt in Aussicht gestellt hat. bedeuten für Berlin weniger als ein Tropfen aus den heißen Stein. Wie die Stadt die notleidenden Erwerbslosen über den Winter bringen wird, ist noch nicht vorauszusehen. In erster Linie kommt es darauf an, daß durch eine vermehrte Produktion eine Kaufkraft st eigerung be- wirkt, durch die wieder steigender Warenabsatz möglich ist. Das ist der Standpunkt der Sozial- demokratie und der Gewerkschaften schon immer gewesen und sie haben dabei insbesondere stets hervorgehoben, daß nur eine planmäßige A r- beitsbeschaffung durch die öffentliche Hand in der Lage ist, die Erwerbslosen wieder in Lohn und Brot zu bringen. wenn man das Bestreben der Sozialdemo- kratie, die Massen wieder in den Produklions- prozeß zu bringen, als marxistische Mihwirt- schaft bezeichnet, so wollen wir gern zugeben. daß das unser Klassenkampf ist. Ueberall werden wir unsere Kraft dafür einsetzen, Durchschaute Nazilügen Statt Ii) Satire 2�iicIitKaus: Freispruch— Mangelhafte Arbeit der Polizei! In der Nacht des Verfassungstages kam es vor dem R e i ch s b a n n e x l o k a l in der Kiefholzstraße in Treptow zu einem Zu- sammenstoß zwischen Nazis und Reichsbanner- leuten. Der Angriff der Nazis wurde abge- schlagen und sie kehrten, fünf an der Zahl, mit einer Polizeistreife zurück. Das Reichsbanner- heim war jedoch bereits geschlossen. Beim Herum- gehen stießen sie auf den Schlosser Schmal und einer der Nazis erklärte nun, er erkenne in Schmal einen der Leute wieder, die auf chn und seine Kameraden eingeschlagen haben. Schmal und die fünf Nationalsozialisten wurden erst aufs Polizeirevier, dann aufs Polizeipräsidium gebracht. Hier erstattete der von den Reichsbanner- leuten zu Boden geschlagene Nationalsozialist Strafanzeige gegen Unbekannt. In der Gerichts- Verhandlung gegen Schmal erklärten sämtliche fünf Nationalsozialisten— also auch der, der die Straf- anzeige gegen Unbekannt erstattet hatte, und die Kameraden, die gleich ihm im Polizeipräsidium Schmal nicht wiedererkannt hatten—, daß dieser es gewesen sei, der den Kameraden zu Boden geschlagen habe. Die aus Veranlassung des Rechtsanwalts Dr. Bergmann geladenen Zeugen bestätigten dagegen, daß Schmal nicht bei der Schlägerei gewesen sein konnte, da er als letzter das Reichsbannerlokal verlassen habe und dieses erst nach Beendigung der Schlägerei geschlossen worden sei. Die Nazizeugen hatten also wider besseres Wissen den SPD.-Mann Schmal des schweren Landsriedensbruchs bezichtigt, ob- gleich sie wußten, daß ihm als Mindcststrofe zehn Jahre Zuchtl)aus drohen. Es gelang ihnen aber nicht, das Gericht hinters Licht zu führen: Der Staatsanwalt beantragte Freispruch wegen erwiesener Unschuld: er schenkte eben den Zeugen der Verteidigung Glauben. Das G e- r i ch t folgte dem Antrage des Staatsanwalts und sprach Schmal wegen erwiesener Un- s ch u l d f r e i. In der Urteilsbegründung sagte Landgerichtsdirektor S i n a p i u s, daß die N a z i- zeugen nicht glaubwürdig seien und daß besonders auffällig erscheine, wie so der Zeuge, der jetzt in Schmal denjenigen wiedererkenne, der ihn zu Boden geschlagen haben soll, bei der Polizei eine Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet habe. Die organisierte Nazilüge ist diesmal glücklicher- weise durchschaut worden. Möglich sind aber diese Nazilügen nur, weil bis jetzt nicht der Versuch ge- macht worden ist, ossenkundig meineidige Nazi- zeugen vors Gericht zu bringen und sie dahin zu schaffen, wohin sie gehören— ins Zuchthaus. Nicht unerwähnt darf die Tatsache bleiben, daß die polizeilichen Ermittlungen auch in diesem Falle, wie leider in der letzten Zeit so oft, einseitig zuungunsten der Nazigegner geführt wor- den waren. Es bedurfte erst der Bemühungen der Verteidigung, um dem Recht zum Siege zu ver- Helsen. Statt zehn Jahre Zuchthaus— Freispruch. daß den werktätigen Massen geholfen wird. (Lärm und Geheul bei den Komm.) Genosse Kreuziger wandte sich dann dem Ver- k e h r s st r e i k zu. Er wolle es unerörtert lassen, ob es sich für die miteinander verbrüderten Kom- munisten und Nationalsozialisten nicht in erster Linie um einen politischen Streik zur Belebung der Wahlagitation und erst zuletzt um die Abwehr der Lohnsenkungen handelte. Der Aussichtsrat der BVG. wird zu untersuchen haben, ob eine einsichtsvollere Direktion den Konflikt nicht hätte ver- meiden können.(Stürmisches Sehr richtig bei den Soz.) Jedenfalls sind die Gewerkschaften in den KcKiung! IcweiUdec B&zäksvocstaud! Sitzung des erweiterten Bezirksvorstandes am Freitag, dem 11. November, pünktlich 19 Uhr, im Sitzungssaal der Wohlfahrtsschule, Lindenstr. Z, II. Hof 3 Treppen. (Diesmal nicht im Sitzungssaal des Bezirksverbandes Berlin.) Wir bitten um bestimmtes und pünktliches Erscheinen. Der Bezirksvorstand. letzten Monaten bei der Direktion der BVG., die ja jetzt bekanntlich völlig sozialistenrein ist, einem derartigen Verhandlungsgeschick begegnet, daß schon öster der Ausbruch eines Konfliktes be- fürchtet werden mußte. Mit welchen Mitteln von der sogenannten zentralen Streikleitung gegen die Sozialdemokratie gearbeitet wurde, beweist ein Telegramm folgenden Inhaltes: Sozialdemokrat Elsas als Achtgroschenjunge! Gestern nachmittag berief der Sozialdemokrat Elsas, Bürgermeister und Aufsichtsrot der BDG., die Führung der NGO. zur Verhandlung zwecks Beilegung des Verkehrsstreiks. Die drei entsandten RGO.-Kollegen wurden im Zimmer des SPD.» Elsas sofort ohne Verhandlung verhastet. Dazu ist zu bemerkeu, daß Bürgermeister Elsas niemals der Sozialdemokratie angehörte! Im Kampf gegen die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften ist aber den Kommunisten sowohl wie auch den Nazis jedes Mittest fei es auch das verlogenste und gemeinste recht. Kreuziger ging dann auf die Ent- stehungsgeschichte und den weiteren Verlauf des Tarifkonfliktes bei der BVG. ein und betonte dabei, daß es den Gewerkschaften gelungen ist, die verlangte Lohnherabsetzung von über 25 Pf. bis auf 2 Pf. herabzudrücken. Unter vernünftiger Ausnutzung des Abstimmungsergebnisses wäre es durchaus möglich gewesen, in erneuten Ver- Handlungen weitere Erfolge für die Belegschaft zu erzielen. Aber das wollte die kommunistisch-na- tionalsozialistifche Einheitsfront nicht. Sie� wollte den politischen Massenstreik, den sie nun nach der Wahl sang- und klanglos abgebrochen hat. Die Opfer, die auf der Strecke blieben, müssen jetzt von den Gewerkschaften wieder be- treut werden. An den Aufsichtsrat der BVG. rich- tele Genosse Kreuziger im Austtage der gesamten Fraktion die Ausforderung zu prüfen, ob wirklich, wie glaubhaft versichert wird, die Nationalsozia- listische Partei Listen ihrer Mitglieder der BVG.» Direktion als Arbeitswillige eingereicht hat.(Stür- misches Hört, hört bei den Soz.) So sieht der Ber- liner Verkehrsstreik in Wahrheit aus. Verteidigung der Rommunalhetriehe Der Redner wandte sich dann ganz energisch gegen den Generalangriss der Rechten gegen die kommunalen Wirtschastsbetriebe. Der Forderung der Deutschnationalen, die Städttschen Werke durch eine Umgestaltung der Aufsichtsräte zu entkommunalisieren, chürden die Sozialdemo- nfftimcm iagßich, denn jedep, der* uieii? was er will, legt nun UJert auf das UJesentliche-dle Qualität. UMOA Aus dieser Erkenntnis lehnt der anspruchsvolle Juno-Rauclier Wertmärken, Gutscheine und Stickereien ah.Er hetrachtel Zugab en dieser Art als Blender; für Ihn Ist allein entscheidend das Aroma.dle Frische und das volle Format seinen Josetti-Clgarette, und darin ist Juno wirklich einzig! Begeisterter Empfang Gronau in Friedrichshafen kraten den stärksten Widerstand entgegensetzen� Zum Wohlfahrtsstaat der Stadt bemerkte Kreuziger, daß es unter keinen Umständen an> geht, daß die Einrichtungen der freiwilligen Wohl- fahrtspflege in erhöhtem Maße in Anspruch ge- nommen werden, nur um dadurch städtisches Per- sonal und städtische Anstalten frei zu bekommen, Der Abbau an Personal und Einrichtungen der auf eine solche Art und Weise erzielt werde, wird von der sozialdemokratischen Fraktion auf das ollerentschiedenste abgelehnt. Beim Schul etat sei zu fordern, daß endlich der Magistrat der Neu- onstellung von Junglehrern seine Zustimmung gibt. An den Oberbürgermeister Dr. Sahm richtet die Sozialdemokratie die Aufforderung, in Zusammenarbeit mit den Stadtverordneten seine Amtsgeschäfte zu führen. Mehr als bisher müsie der Oberbürgermeister dazu zurückkehren, die Stadtverordnetenversammlung verantwortlich an der Stadtverwaltung teilnehmen zu lassen. Von der Erfüllung dieser Forderung wird die sozial- demokratische Fraktion ihre Stellung zum Ober- bürgermeister abhängig machen. Oer.Ahwehrhampf der Arbeiterschaft Die Arbeiterschaft steht, so schloß Genosse Kreuziger, in schwerstem Abwehrkampf gegen die andrängende Reaktion. Sie wird dabei von der Kommunistischen Partei, die auch vorgibt, Ar- beiterinteressen zu vertreten, auf das schwerste bekämpft, beschimpft und behindert. Die Sozial- demokratie ist solchen Kampf gewohnt. Sie hat die Tage des Reichslügenverbandes überdauert. sie hat Wilhelm, den Zerschmetterer, überlebt, sie wird auch Adolf, den Zermalmer. überdauern. Sie kann wohl zeitweise zurückgeworfen werden, aber sie kann nicht besiegt werden. Lei der Sozialdemokratie wehen die Banner der Zukunsti (Stürmischer Beifall und Händeklatschen bei den So,.) Der letzte Weg öeiset�uns Gertrud Bindernagels Auf dem Walüfriedhof Westend an der Heerstraße fand gestern nachmittag um Z Uhr die Trauerfeier für die von ihrem Mann, dem ehemaligen Bankier Hintze, niedergeschossene Kammer» sängerin der Städtischen Oper, Gertrud Binder- nagel, statt. Neben dem fast vollständig erschie- nenen künstlerischen und technischen Personal der Städtischen Oper und zahlreicher Vertreter der Berliner Kunftwelt hatten sich ungezählt« Tau- sende auf dem Waldfriedhof«ingefunden, um der verstorbenen Künstlerin die letzte Ehre zu er- weisen. Di« Mutter der Ermordeten, ihr« beiden Schwestern und ihre kleine Tochter Erika waren erschienen. Der Sarg war über und über mit weißen Crysanthemen bedeckt. Nach den Worten des Geistlichen überbrachte der Stodtälteste, Ge- nasse Hugo H e i m a n n, Ehrenbürger der Stadt Berlin, in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsmit- glied der Städtischen Oper die letzten Grüße und den Dank im Namen der Stadt Berlin. Gertrud Bindernagel Hab« gerade in unserer schweren Zeit den hohen Sinn der Kunst erfüllt, der die Er- Der Weltflieger Wolfgang v. Gronau ist mit seinem Dornier-wal VZÜöZ gestern nachmittag von seinem Weltflug, der ihn über 4 4 000 Kilometer rund um den Erdball geführt hat, in Deutschland eingetroffen, und zwar in Fried- richshafen, wo ihm in den Dornier-Werken in Manzell ein feierlicher Empfang bereitet wurde. Friedrichshafen und die umliegenden Bodensee- orte trugen zu Ehren des Weltfliegers reichen Flaggenschmuck, und in der zweiten Nachmittags- stunde setzte eine Völkerwandernug nach den Dornier-Werken in Manzell ein, wo die mit Girlanden und Fahnen geschmückte große See- Halle und die anschließenden Bodenseeufer bald von einer Kopf an Kopf stehenden Menschenmenge gefüllt waren. Kurz nach X3 Uhr hörte man von Friedrichshafen her den Motorendonner des Grönlandwals, der über dem Luftschiffbau eine Ehrenrunde zog und sich dann in schneller Fahrt unter dem Geheul der Sirenen und dem Krachen der Böller den Dornier-Werken näherte, wo den aus dem Flugboot winkenden Fliegern die tausend- köpfige Menschenmenge begefftert zujubelte. Nach einer kurzen Schleife ging der Wal auf den Boden- see nieder und rollte bis unmittelbar an die Kai- mauer der Montagehall« heran, von wo er bis lösung von dem Gewöhnlichen und Alltäglichen bedeute. Stets werde man in tiefer Dankbarkeit der großen Künstlerin und ihrer Leistungen ge- denken. Am Sarge sprach dann noch der Inten- dant der Städtischen Oper, Prof. E b e r t, und Präsident Wallauer für die Genossenschaft deut- scher Bühnenangehörigen. * Da sich Kind und Mutter der Verstorbenen in großer finanzieller Not befinden, wird um Unter st ützung der Hinterbliebenen gebeten. Spenden können aus das Postscheckkonto Berlin 720 00 oder bei sämtlichen Depositenkassen der Deutschen Bank auf das Konto Intendant Karl Ebert mit dem Zusatz„Für Ki-nd und Mutter van Gertrud Bindernogel" eingezahlt werden. Gemeinsam in den Tod Aus Verzweiflung über jahrelange Arbeitslosig- keit ging der 34 Jahre alte Arbeiter Friedrich T e i ch e r t mit seiner um vier Jahre älteren F r a u D ora in den Tod. Das Ehepaar wurde gestern abend in. seiner Wohnung in der Oker- straße 31 in Neukölln durch Gas vergiftet tot aufgefunden.— Vom Balkon ihrer im dritten Stockwerk des Hauses Kantstr. 133 gelegenen Wohnung stürzte sich gestern ftüh die ö4jährlge Frau Regina H. auf die Straße hinab. Die Unglückliche war auf der Stelle tot. unmittelbar vor das Rednerpodium gebracht wurde. Die Begrüßungsansprache hielt der württem- bergische Wirtschaftsminister Dr. M a i e r, der namens der Reichsregierung und der württembergischen Staatsregierung sprach, v. Gronau und seine Begleiter, so sagte er, hätten mit dieser Tat, mit der sie den deutschen Namen in die Welt getragen und zu Ehren gebracht hätten, wahrhaft national gehandelt. Deutschland wolle im Welt- verkehr, in der WeUwirtschaft und im Weltmarkt bleiben. Mit Stubenhockern bringe man Deutsch- land nicht zur Weltgeltung, aber auch nicht mit engstirniger Abschliehungspolitik. Schließlich ergriff Wolfgang v. Gronau selbst das Wort und dankte auch den Regierungen und Behörden der mehr als 20 Länder, die auf diesem Weltflug berührt worden seien und in denen man dem Wal und seiner Besatzung überall wahre Freundschaft und Hilfsbereitschaft entgegen- gebracht habe. Sie hätten draußen gesehen, wie groß die Welt sei, aber sie hätten auch gelernt, wie schön die deutsche Heimat wäre und welches An- sehen sich Deutschland wieder in der Welt erfteue. Deshalb müßten sie sich ftagen, ob die Deutschen denn nichts Besseres zu tun hätten, als ständig in Zwist und Hader miteinander zu liegen. In wenig Worten Der Kriminalpolizei ist es schnell gelungen, die Personalien der Lebensmüden festzustellen, die in den späten Abendstunden des Mittwoch vom Funkturm in die Tiefe sprang. Das Mäd- chen ist eine 22 Jahre alte Poschelferin C h a r- l o t t e Lehmann, die bei ihrer Mutter in der Granatenstraße 2 in Reinickendorf wohnte. Das Mstw der Tat ist noch immer unbekannt, da Char- lotte L. weiterhin bewußtlos im Hildegardkranken- haus daniederliegt. * Ein Orkan hat die halbe Bananenernte der Insel Iamaica vernichtet. * Auf der Zeche„Unser Fritz" in Wanne-Eickel brachen von einer unterwühlten Halde von oben größere Mengen Schlammkohle herab, die fünf Personen begniben. Drei Personen waren sofort tot. MotorradungwckimNorden Im Norden Berlins an der E ck« B r u n n e n- und Rügener Straße ereignete sich gestern ein schweres Verkehrsunglück, das ein Todesopfer und zwei Schwerverletzte gefordert hat. Ein mit drei Personen besetztes Motorrad mit Beiwagen prallte auf der Straßen- kreuzung mit einem Lieferauto sehr heftig zu- sammen. Das Rad wurde völlig zertrümmert und der Führer sowie seine beiden Begleiter wurden in hohem Bogen auf das Straßenpflaster ge- schleudert. Der 47jährige Fritz K o r t h aus der Iustusstraße 18 in Reinickendorf erlitt einen schweren Schädelbruch, an dessen Folgen er bereits auf dem Wege ins Virchow-Kranken- Haus starb. Die Begleiter, der 38jährige Gustav Grevel aus der Seestraße 69 und der 31 Jahre alte Otto W a c z k e w i c z aus der Pappel- Allee 39 wurden mit schweren Verletzungen gleich- falls ins Virchow-Krankenhaus eingeliefert. 300 Menschen umgekommen New Z o r k, 10. November. Nach einer Meldung der„Associated Preß" erhielt die Zeitung Information von ihrem korre- spondenlen in Rio Zatibonico aus Kuba, daß bei dem gestrigen Orkan aus den Camaguey-Znseln 300 Menschen umgekommen seien. Beisetzung Franz Luchts. Im Krematorium Ge- richtftraße oersammelten sich am Mittwoch viele ältere Parteigenossen, Freunde und Berufskollegen, um unserem verstorbenen Genossen Franz Luchi die legte Ehre zu erweisen. Die Trauerfeier wurde mit dem Liede„Ein Sohn des Volkes wollt er sein und bleiben" eingeleitet. Im Namen der Hinterbliebenen sprach ein Redner des Freidenker- Verbandes und Genosse Schwahn im Auftrage des Berliner Bezirksverbandes und der 3 9. Abteilung sowie als persönlicher Freund Dankesworte und Abschiedsgrüße. Als Betriebs- ratsmitglied dankte Hans Wolfs im Namen der Geschäftsleitung sovie der Belegschaft des Vorwärtshauses dem Verstorbenen für alles Gute, was er für die Partei geleistet hat. Die Gerhark-Haupkmann-Zeier der Bühnen- genossenschasl am Montag, 14. November, beginnt nicht, wie in der Abendausgabe vom 9. November irrtümlich mitgeteilt wurde, um 17)4, sondern er st um 19 Uhr. Fahrplan des zweiten hamburg-Sonderzuges. Wie die Reichsbahndirektion Berlin mitteilt, wird der zweite Sonderzuq nach Hamburg am 12. und 13. November in folgendem Fahrplan fah- rem ab Berlin 14,04, ab Spandau Hbf. 14,23, an Hamburg Hbf. 18,26 Uhr; zurück ab Ham- bürg 20.33, an Spandau 0,19, an Berlin Lehrter Bhf. 0,33 Uhr. Fahrpreis hin und zurück 3. Kl. 11,60 M.. 2. Kl. 17 Tl.; Fahrkarten sind bei den Fahrkartenausgaben Lehrter Bhf. und Spandau Hbf. sowie bei den bekannten Ausgabe- stellen des Mitteleuropäischen Reisebüros(MER) noch erhältlich. Wie wird das Wetter? 3n Berlin: Meist bedeckt, zeitweise neblig, vor- wiegend trocken, schwache östliche Winde.— 3n Deutschland: In Süddeutschland trübe mit leichten Niederschlägen, im übrigen Reiche vorwiegend trocken und meist bedeckter Himmel mit verbreiteter nächtlicher Nebelbildung, im Nordwesten vielfach Nachtfröste. Tagestemperaturen nirgends wefent- lich verändert. stehen unter stan- diqer Kontrolle des öffentlich ange-� \ st' it stellten und verHerrn Dr. Zell her und des Stadt-Tier- Frankenweileno L b,oo, U. 0.65 Nierst. Domtal 10 U«oo, 1 L 0.85 Utiel span. Rotw. 10 L 9,00, 1 L 0.95 28er Fronsac, rot. Bord. m. R, 1.60 26er Haut Sautern. m. Fl. 1.85 8 Oer Iphöt. Burgweg Boxb. Fl. 1.40 Jam. Kurn Ver5di.,38%t".fl. 2.60 Wachholder.,..1 Ur. m. FI. 2.95 Lübb. Dillgurken, stdr. on 0.05 Senfgurken............ Rtd. 0.30 Portug. Oelsardinen..... 5 Ds. 0.76 Rsdtmarin.l l. Ds. 0,55, Port. Ds. 0,25 Bücklinge.............. Pfd. 0.24 Sprotten..... Kit. ca. 1 Pfd. 0.33 Flundern, geräudiert, V, Pfd. 0.20 Aal in Vs ti. Vi Stödten, Va Pfd. 0.78 Jg. Schnittbohnen..>/, Ds. 0.42 Jg Erbsen m. Karotten 0,89,0.71, 0.58 Stangensparg. mittel'/, Ds. 1.40 Pflaumen m. Stein... Vi Ds. 0.48 Sdiattenmorellenm. Stein �Ds. 0.90 Pflaumenmus„Thuringia*' Topt 0.97 Rübensaft naturrein..... Ds. 0.58 Kunsthonig„Megu5ta"Pait. 0.39 KOLONIALWAREN Bassein sie!,........... Pfd. 0.15 Kartoffelmehl........ Pfd. 0.18 Auszugmehl....... an Pfd. 0.24 Haferflocken.......... Pfd. 0.20 Hartweizengrieß....Pfd. 0,24 Eierschnittnudeln..... Pfd. 0,38 Sultaninen......... an Pfd. 0.26 Mischobst.............. Pfd. 0.36 WURSTWAREN DIVERSE KÄSE BUTTER, EIER, FETTE KONFITÜREN Holst. Rot- u Leberwurst Pfd. 0.58 Dampfwurst........... Pfd. 0.75 Landleberwurst....... Pfd. 0.84 Knoblauchwurst...... Pfd. 0.98 Cervelat u. Salami...Pfd 1.15 Hambuig.Gekochte..Pfd. 1.28 Fettdarmwurst Holst...Pfd. 1.35 Speck mag. Pfd.0.98, fett Pfd. 0.86 Feiner Harzer ca. IPfd.-Pdt. 0.25 Frischer Weißkäse... Pfd. 0.34 Camembert voiit. 2 Sdidt. 0.35 Aiig.StangenkäseaoVfd. 0.42 Tilsiter o. Rd. 20%..... Pfd. 0.45 Briekäse vollfett........ Pfd. 0.68 Steinbusdier u.Edamer Pfd. 0.68 Frühstückskäse..... 3 Stüde 0.25 Molkereibutter....... Pfd. 1.12 Tafelbutter............ Pfd. 1.40 Markenbutter......... Pfd. 1.44 Bratenschmalz........ Pfd. 0.48 Griebenschmalz..... Pfd. 0.52 Rohschmalz............ Pfd. 0.46 Schmelzmargarine an Pfd. 0.50 Kokosfett............ 3 Pfd. 0.88 Rhein. Spekulatius.. Pfd. 0.50 Nürnberg. Mischung Pfd. 0.60 Gebäck-Mischung....Pfd. 0.80 Sandgebäck I......... Pfd. 0.80 Dominosteine Dopp.-Füllg. Pfd. 1.00 Pralinen-Misdi.0 Creme pid. 1.00 Vollm.Nußan Nußbruch Pfd. 1.00 Vollm.,Mocca, Nuß, Krok.SCgTft. 0.10 OBST UND GEMUSE WILDUND GEFLÜGEL FRISCHE FISCHE FRISCHFLEISCH Gehacktes............ Pfd. 0.48 Ochsensdimorbrat. getp. o. Kn. 0,78 Schw.Schinkenm.B... Pfd 0.63 Rückenfett bratfertig... Pfd. 0.74 Kaßler-Kamm........ Pfd. 0.72 Kalbsragout.......... Pfd. 0.98 Hammelragout...... Pfd. 0.54 Amerik. Tafeläpfel 3 Pfd. 0.74 Kochäpfel große..... 2 Pfd. 0.35 Ananas!. Gr........ an Pfd. 0.50 Zitronen............ an Dtz. 0.30 Rot-, Weiß- Wirsingkohl 3 Pfd. 0.10 Möhren, Kohlrüben...3 Pfd. 0.10 Spinat.............. 3 Pfd. 0.10 Bestellungen über In den Dachhallen Fr. Suppenhühner.an Pfd. 0.64 Oderbr.Mastgänse an Pfd. 0.75 Jg. Mastenten...... an Pfd. 0.78 Fasanen............ an Stck. 1.35 Fr. Hirschblätter...an Pfd. 0.48 Hirschkeule........ an Pfd. 0.85 Wildschweinkeule....Pfd. 1.00 5 Mark unter F6 B spielen die Kapell Kabeljau o. K.!. G..... Kabeljaufilet...... an Rotbars u Seelachs O.K. Grüne Heringe..an 3 Bratschollen.... an 3 Rotzunge u. Heilbutt... Leb. Karpfen u. Hechte an e r w a I d 0012 .Pfd. 0.16 Pfd. 0.24 Pfd. 0.18 Pfd. 0.35 Pfd. 1.33 Pfd. 0.33 Pfd. 0.60 werden prompt erledigt Gerhard Hoffmann SCHLAGER PER WOCHE Speckwurst, Jagd- A CA Landl- feir.eLeborwurstStck. is Allg. Schweizer A vollfett............. an Pfund V fö O Margarine A 3 Pfund....................... C/// T Sauerkohl A ic 3 Pfund....................... V/IJ Hasen A gestr. u. ausgew..... an Pfd.*» // O Weinbrand 7 Verschn. 38%..... Vi �1. m. Fl. HaushaltKakao A CA stark«ntölt............ Pfund** W Brechspargel A bc kurze Abschnitte......»/, Ds. /O Erdbeerv Kirsch, A Qft Aprikos-Konf. ca. 2 Pfd.-E. 4? Kaffee 7 QA Pfund............ 2,60,2,40'/✓*/ Lebend. Plötzen A Pfund...................... an l//*»® Ssrone.n.............. om Rosenkohl a jc 7 Pfund.......................%S Kaffeestunde für Kinder Die 18. Volksschule geht aus Nachmittags um 3 Uhr hält vor einem großen Kaffeehaus am Kurfürstendamm ein Gesellfchafts- auto. Ihm entHüpfen hundert kleine Mädchen, Schülerinnen der 18. Volksschule Koppenslraße. Leicht verlegen und fröhlich kichernd halten sie in Zweier- und Dreierreihen ihren Einzug in das CafS. Sie trippeln erst mal durch ein Spalier luftballvnbewaffneter, freundlich grüßender Boys, dann empfängt sie drinnen ein musikalischer Tusch. Eine Treppe hoch ist eine lange Kakaotafel gedeckt, und kaum daß sie sitzen, füllen sich auch schon die Kuchenteller und der dicke Koch kredenzt selbst den wohlriechenden Kakao. Während des Essens gibts Musik, dann kommt ein ulkiger Grotesktänzer mit ffarald-Loyd-Brille und wild baumelnden Gliedmaßen. Nun produ- ziert sich eine klein« Cimbaloirtuosin und dann gibt die Märchentante was zum besten. Da ist aber auch ein lustiger Conferencier, der dafür sorgt, daß auch die kleinen Gäste etwas zur Umer- Haltung beitragen. Und er arrangiert mit ihnen fix aus dem Stegreif eine fröhliche Landpartie im Sitzen. Die Münder singen Wanderlieder, die Füße trappeln den Fußmarsch und die Hände mar- kieren den einsetzenden Platzregen. Das gibt ein Mordshallo und zur Belohnung Schokolade und Luftballons. Das Schönste vom Schönen kommt aber noch: Tanz. Die anfängliche Schüch- ternheit ist ball) überwunden und lustig wird darauflosgetanzt. Rektor Haner und Oberschul- rat Dr. Fischer dankten den Gastgebern im Namen ihrer Schützlinge, der richtige Dank aber stand in den glänzenden Kinderaugen und den freudig geröteten Wangen. Lkandal in Berliner Schule Wie uns mitgeteilt wird, hatten Naziburschen an dem Fahnenmast der Treitschke-Schule, Berlin- Wilmersdorf, Prinzregentenstraße, die Hakenkreuz- sahne gehißt. Ein Herunterholen der Fahne war erst möglich, nachdem ein herbeigeholter Tele- graphenbeamter mit einem Kletterbügel erschienen war. Die Schule hat sich schon einmal unrühm- licherweise hervorgetan. Nationalsozialistische Rüpels hatten in der Aula während einer Feier Tränengasbomben geworfen, wobei verschiedene Schüler erhebliche Schäden genommen haben. Es ist endlich einmal Zeit, daß sich die Behörden mit diesen Vorfällen ernstlich befassen und Abhilfe schaffen. Heinrich Mann spricht in der Synagoge Prinz- regentenstraße. Der Vortrag, den Heinrich Mann in der Reche der von der Jüdischen Gemeinde ver- anstalteten religiösen Vorträge Sonntag, den 13. d. M., hält, beginnt pünktlich um 11% Uhr. Er findet in der Synagoge Prinzregentenstr. 63/70, ..Mehrwert'" wird Wirklichkeit! Eines der sich- reichen deutschen Herrenkleiderhäuser, Esders u. Dyckhoff, Verlin, Gertaudtenftr. 8/3, an der Petri- kirche, setzt den„Mehrwert" in die Tat um Klipp und klar durch die in die Augen springenden Vor- teile wird er fünffach bewiesen: siebenfache Kon- trolle des Stoffes und der Verarbeitung—„sorm- gebende" Ausarbeitung durch schnschertechnische Feinheiten— Zuschnitt nach Maßsystem— vor- besserte gerade Achselstellung— und endlich den langersehnten Bequemschnitt. Die volle Bedeu- tung dieses epochemachenden Fortschrittes der deutschen Herrenkleidung ermißt man aber erst am Preis der E. u. D.-Anzllge und Mäntel: schon für 38,— M. ist man glücklicher Besitzer der E. u. D.» Mshrwert-Kleidung! U/snorvf Lohn- und Gohaitsabbau? Eine der Haupturiachen der schweren Wirt- schaftsdepression liegt in dem Mangel an wirt- schaftlichem Verständnis weiter Kreise der Be- völkerung. Millionen Erwerbslose kommen als Käufer kaum noch in Frage, und die noch tätigen Arbeiter und Angestellten kämpfen dauernd gegen einen weiteren Abbau. Ein Abzug von 2 Pf. pro Stunde macht im Jahre SV,— Mk. aus. Um einen Ausgleich für aus- fallenden Verdienst zu schaffen, müssen die Preise dem geringeren Einkommen angepaßt werden. Dieses Ziel kann nur erreicht werden durch Ausschaltung des verteuernden Zwischen- Handels, also durch Verkauf ab Fabrik„direkt zum Verbraucher". Diesen Weg beschreitet seit einigen Iahren mit großem Erfolg die be- kannte Herrenkleiderfabrik Wagner, Alexander- straße 23. Diese Fabrik verzichtet auf äußere Aufmachung, hat keine Schaufenster, keine Lichtreklame, keinen Laden usw., sondern verkauft nur in ihren Fabrikräumen. Die Herrenkleiderfabrik Wagner liefert bereits für 35,— M. einen ganz modernen Ulster- paletot, in tadelloser Verarbeitung, ganz auf Kunstseide gefüttert, unter Garantie von fabel- haftem Sitz. Ebenfalls für 35,— M. erhält man bei Wagner einen Anzug aus garantiert reinwollenem Kammgarn, Aachener Qualitäts- wäre. Auch Herren, die bisher nur Maß- kleidung kannten, und darauf nicht verzichten wollen, brauchen für einen Anzug oder Mantel nur 10,— Mk. mehr anzuwenden, und jedes Stück ipird mit Anprobe extra an- gefertigt. Der Höchstpreis in der Herrenkleider- fabrit Wagner ist 6v,— M. Die obigen zwei Beispiele zeigen schon die große Leistungs- fähigkeit dieser Fabrik. Wie gut müssen aber erst die übrigen Erzeugnisse der Fabrik sein. wenn diese schon für 35,— M. solche Qualitätsware liefert. Wer also objektiv und ehrlich prüft, kommt nur zu einem Ergebnis: Herrenkleiderfabrik Wagner— einziges Geschäft in Berlin nur Alexanderstraße 23— I. Etage. Wagner hat keine Filialen in Berlin. Lassen Sie sich nicht irre- führen! Nur Alexanderstraße 23, gleich am Bahnhof Iannowitzbrücke. Geöffnet durch- gehend von 9 bis 7 Uhr. TUealet Licklspiele ustv Slaals Thefticr Freitag, den 11. November staatsoper unter den Linden 19>/i Uhr.— Errtaulführnnjr Idomeneo staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Gabriel Schillings Flucht VOLKSBUHNE Theater am BQIewpiatz O 1, Norden 2944. TSglidr 81, Uhr C A IMBkIV von Marcel Paeroi »*4 SX«4 T Deutsch v Bruno Frank. Regie Heinz Hilpert. Dorsch, Tiedtke, Valetti. Siedel, Verhoeven, Stein, Almas Siädt.Oper Charlottenbure Fraunhofer 0231 Freitag, 11. Nov. 20 Uhr Turnus IV Madame Butterfly Berger, Feher, Müller, Guttmann, Kandl, Gombert Pechner. Dirigent: Ladwlg P Theater l.d.-, Stresemannstr. Täglich 8% Zu wall!. jiiuüimin v. Bernard Shaw Moissi, v Thell- mann, Bertens, Evans.Otto, Sima, Wiemann. Deppe. de Kowa. Täjl. 5 u. 8y, Uhr I BUSTER WEST CONCELLOS| MAX ADALBERT I FRITZ BBIIRBAUM hw.I 5u.8U.Stgs. 2,5,815 1). Anneüsse v. Dessau Bußtag, z6. Nov. ,, Heimat" lüetropoi-itieaier I Täglich 8'1. Mitgliederversammlung. — Warschauer Viertel: Litauer Str. 18. Mitgliederversammlung pünktlich 19U Uhr.— Warschauer Viertel(R.»F.): Litauer Str. 18. Mitgliederversamm» lung.— Hallesches Tor: Porckstr. 11. Funktionärversammlung.— Luisenstadt: Wassertorstr. 4. Revolutionsfeier.— Friedenau: Offenbacher Str. Ss. Die Ge- schichte der Arbeiterfugend.— Charlottenburg: Rosinenstr. 4. Das Tier in Wort und Bild.— Eichkomp: Schule Liirchcnwcg. 191, Uhr. Was ist der Staat?— Siemensstadt: Neue Schule, Iungfernheideweg. Mitgliederversammlung. Spandau: Jüngere. Lindenufer l. Bunter Abend.— Lankwitz: Annastr. 4. Tagespolitik.— Lichterfcld«: Alirechtstr. 14e. Tagespolitik.— Steglitz N: Flcmminastr. 14d. Die Wahl und ihre Folgen.— Mariendorf: Alte Schule, ITliAvrff-- T ZC*** saV*., a O Lf CQmäA* � Ol.4- 1»— CM IT— � vTT.. Kanner Straße. Heimabend.— Neukölln VII: KMS. Liederabend. Neukölln X fR..F.): Ganghoferstraßo. Arbeitsgemeinschaft, 3. Teil.— Reukölln XI- srlughafenstr. 68. Was brachte die Wahl?— Baumschnlenmea: Ernststr. 16. Mitglieberverfammlung.— Zahanni-thal: Rothaus. Was ist Marrismus?, 1. Teil.— Treptow: Elsenftr. 3. Kapitalismus— Sozialismus.— Adlershof: Bismarckftr. 1. Arbeitsgemeinschaft.— Bohnsdorf und Falkenbera: Gutsbof. Die Ausrufung der Republik.— Friedrichehagen: Friedrichstr. 89. Arbeits. gemeinlchaft.— Köpenick I: Grünauer Str. 5. Was ist Faschismus?— Köpenick II: Dahlwitzer Str. 13. Revolutionsfeier.— Friedrichsfelde: Gunter- flrasie 44. Geschichte der Arbeiterbewegung.— Kanlsdors: Schule Adolfstr. 25. Tagespolitik.— Lichtenberg-Mitte: Scharnweberstr. 22. Russische Literatur.— Ren-Lichtenberg: Gunterstr. 44. Tagespolitik.— Lichtenberg-Nord:(Sunfet. strasie 44. Mitgliederversammlung.— Lichtenberg-Rordweft: Dossestr. 22. Heim. abend.— Mohlsdorf: Schul» Woldenferstratze. Der neue Reichstag— was nun? — Hermsdorf: Roonstrasie. Schallplattenadend.— Lübars: Schulbaracke. Spiel» abend.— Reinickendorf-Ost: Lindauer Strasse. Revolutionsfeier.— Reinicken- dorf-West: Seidelstr. 1. Unser Parteiprogramm.— Freie Sckolle: Sgidnstr. 9. Liederabend.— Wittenau: Neue Schule. Hauptstr. 18. Echallplattenabend.— Nicderschönhanlen: Lindenstr. 47..stampfliederabend.— siarlshorst: Treskow- aller 44. Revolutionstage 1918. * Werbe bezirk Lichtenberg: Morgen, Sonnabend, 19lp Uhr, Arbeitsgemein. fchaft. Treskowallee, Schule. Werbebezirk Reinickendorf: Sonntag, 18. November, von 10—18 Uhr, Funk- tionarlursus in Wittenau, Hauptstr. 13. Das Programm der Partei. Kurbelt der Suff die Wirtschaft an? Von Hoover dem„Trockenen" zu Roosevelt dem„Nassen" Die amerikanische Präsidentenwahl stand im Zeichen der„Prohibition", im Zeichen des Kamp- fes um das Alkoholverbot. Der Wahlsieg Roose- nelts über Hoover ist zugleich der Sieg der „Nassen" über die„Trocknen", der Alkoholfreunde über die Alkoholgegner. In Amerika wie in Eu- ropa gibt es Leute, die glauben und die Meinung oertreten, als könnte die Aufhebung des Alkoholverbots als „Zündung" für die Konjunktur-Ankurbelung wirken. Einmal würden in Amerika große Kapitalbelläge neu in- vestiert werden, was von starker Wirkung auf Bau- markt und Ausrüstungsindustrie sein würde. Dann aber würde die europäische Brauindustrie, speziell die deutsche ein großes Geschäft in Bierausfuhr machen können. Auf der Berliner Börse haben die Aktienkurse der Brauereien am Tage nach Roosevelts Wahlsieg geradezu Luft- s p r ü n g e gemacht: so stiegen beispielsweise die von Schultheiß-Patzenhofer vom 8. bis zum 9. No- vember von 61 auf 67 die von Engelhardt von 92 auf IM, die von Dortmunder Union von 171 auf 176 Prozent. Gestern kamen sie allerdings. wieder schnell herunter, aber die Brauereiaktien gehören nach wie vor zu den„bevorzugten Werten". Wie steht es nun tatsächlich mit den An- kurbelungsmöglichkeiten? Zunächst besteht die Pro- hibition noch unverändert fort. Sie wird auch nicht so schnell aufgehoben. Einmal tritt Roose- vell sein Amt erst am 4. April nächsten Jahres an. Ferner ist das Alkoholverbot fest in der ameri- klinischen Verfassung verankert.und zur Auf- Hebung des Alkoholverbots ist eine Zwei- drittelmehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat erforderlich: im Senat ist sie— mindestens vorläufig— nicht vorhanden. So könnten noch zwei Jahre bis zur rechtlichen Aus- Hebung vergehen. Sehr bald ist allerdings eine Milderung des Ausführungsgefehes dahin, daß Liere zu 10 Prozent Alkoholgehalt als„nicht berauschend" zugelassen werden: außerdem leichte weine. In der Zeit bis zur rechtlichen Aufhebung des Verbots wird das amerikanische Brau- kapital Zell haben und auch alles daran setzen, die Anlagen umzustellen. Denn man darf nicht vergessen, daß immer noch großeAnlagen bestehen, die allerdings nur Leichtbicr oder alkohol- freie Getränke herstellen— es handelt sich also im großen und ganzen nicht um einen neuen Ausbau, sondern wesentlich um einen Umbau und um Per- besjerungen. Außerdem darf man nicht vergesse», daß das, was die Brauereien gewinnen, die aus- gedehnte Kleinindustrie an alkoholfreien Getränken. Eisdrinks usw. verlieren wird. Schließlich wird der angeblich sehr bedeutenden ungesetzlichen Alka- Holindustrie Amerikas nebst dem organisierten Großschmuggel ein Ende bereitet werden. Im Jahr« 1929 soll der ungesetzliche Alkoholumsah fast 2,5 Milliarden Dollar <11 Milliarden Mark!) erreicht haben und damit größer als der Alkoholumsatz des Jahres 1914 mit 1,8 Milliarden Dollar gewesen sein! Dieser ungesetzliche Handel mit seinen üblen Korruptionserscheinungen war es, der die Prohibition dem Amerikaner all- mählich so verhaßt gemacht hat. Der ameri- konische Bund hat zur Durchführung des Alkohol- Verbots ungeheure Kosten aufwenden müssen, die zwischen öv und 400 Millionen Dollar jährlich betragen haben sollen(die letzte Schätzung ist zweifellos eine stark übertriebene Jnter- essentenangabe!). Wie hoch der Alkoholverbrauch je Kopf der Bevölkerung sein wird, ist schwer zu schätzen. Die langjährige Entwöhnung wird ohne Zweifel eine starke Hemmung sein. In Deutsch- land wurden im letzten Jahre etwa 57 Liter je Kopf der Bevölkerung konsumiert, in den Ber- einigten Staaten vor dem Kriege etwa 8 2 Liter, davon wurden nur 5 Liter aus der Ein- fuhr gedeckt. Eine weitere Hemmung für starken Alkoholverbrauch werden die hohen Steuern sein, gegen die die deutschen Steuern als äußerst milde erscheinen werden. In die Einfuhr werden sich Deutschland, England und die Tschechoslowakei zu teilen haben: diese drei Länder führten vor dem Krieg« zu- sammen etwa 5 Millionen Hektoliter jährlich ein. Auf jedem eingeführten Liter Bier liegt aber heute ein Zoll von 1.25 Mark, das ist das Anderthalbfache des deutschen durchschnittlichen Ausschankpreifes! Wenn also die deutsche Brauindustrie nach Aus- Hebung der Prohibition jährlich etwa zwei Millionen Hektoliter nach den Ver- einigten Staaten ausführen rmrd, dann wird das sehr viel sein. Das wäre aber auch nur ein Zwanzigstel der sehr niedrigen Bierproduk- tion des letzten Jahres und würde einen Wert von etwa 100 Millionen Mark ausmachen. Dagegen wird eine deutsche Spezialindustrie, die der Spezialmaschinen für Brauereien. eine bemerkenswerte Geschäftsbelebung erfahren. da auf diesem Gebiete Deutschland unbedingt führend ist. Den Vorteil wird vor allem eine deutsche Firma, die Enzinger-Union- Werke, haben, deren Aktienkurse dementsprechend in wenigen Tagen von 72 auf 81 Prozent an- zogen. Man rechnet damit, daß die deutsche Mo- schinenindustrie Aufträge von annähernd 100 Millionen Mark auf diese Weise er- halten könnte. Außerdem dürfte deutsches Fach- personal nach Amerika geholt werden. Denn immer noch beruht die Güte des Bieres auf der Fähigkeit des Braumeisters. Alles in allem darf man sich also keine übertriebenen Vorstellungen von den-Aus Wirkungen der Aufhebung des amerikanischen Altoholverbots machen. Je mehr Z e i t bis zur endgültigen Abschaffung vergeht, desto weniger werden diese Wirkungen zu spüren sein, desto weniger werden die europäischen(die deutschen) Industrien davon profitieren. Wenn also Roose- velts Wahlsieg ein Geschäft ist, so ist es das vor- läufig nur für die Spekulanten an der Börse. �ölle nachSubventionen? Durch die Juni-Notverordnung hatte die Reichs- regierung dem privaten Zinkbergbau eine Sub- vention von 6 Mill. M. für das zweite Halb- jähr 1932 zugebilligt. Da die in öffentlicher Deutsche Exportverluste Ausfuhrüberschuß von 1962 auf 847 Millionen gesunken Die Entwicklung des deutschen Außenhandels im dritten Vierteljahr 1932 gibt auf der Einfuhr- wie auf der Exportseite �noch keine Anhalts- punkte für irgendwelche fühlbaren Belebungs- zeichen in der internationalen wie in der deutschen Wirtschaft. Die rückläufige Bewegung der Einfuhr hat sich auch im 3. Quartal fortgesetzt Mengenmäßig betrug die Abnahme gegenüber dem 2. Quartal 3 Proz., wertmäßig aber 7'A Proz., da die Durch- schniltswerte der Gesamteinfuhr um etwa 41- Proz. gefallen waren. Diesem Rückgang entspricht ein Sinken der Einfuhrwerte um 86 Millionen Mark, wovon 47 Millionen aus Lebensmittel, 24 Millio- neu auf Rohstoffe und 13 Millionen aus Fertig- sabrikate entfallen. Als ein günstiges Zeichen kann bewertet werden, daß die Durchschnitts- preise für Rohstoffe nur noch um 3 Proz. gesallen sind gegenüber einer 6�)- bzw. 3"'pro- zentigen Senkung der Durchschnittswerte für ein- gesührte Lebensmittel und Fertigfabrikale. Die Ausfuhr ist mengenmäßig vom Juli bis September um>- Proz. gegenüber dem 2. Quartal gestiegen, wertmäßig aber bei weiterem Fallen der Exportdurchschnittswerte um 6 Proz. um 79 Millionen Mark gesunken, was einem Rückgang von 51- Proz. entspricht. Im einzelnen ist der Exxportwert nach Sowjetrußland um 46 Millionen, nach Frankreich um 25 Millio- nen und nach der Tscheche, um 8 Millionen g e- funken, dagegen nach Großbritannien überraschenderweise um 21 Millionen Mark g e- stiegen. Hier war allerdings in dem vorher- gehenden Quartal infolge des im April in Kraft gesetzten Hochschutzzolltarifs der deutsche Export abnorm zusammengeschrumpft. Die Handelsbilan.; schließt im 3. Quartal mit einem Exportüber- s ch u ß von 245 Millionen ab, so daß sich für die Zeit vom Januar bis September 1932 ein Aus- fuhrüberschuß von 847 gegen 1962 Millionen Mark ergibt. An diesen enormen Exportverlusten sind nicht allein die hohen Schutzzölle und andere Ab- sperrungsmaßnahmen des Auslands schuld, son- dern der verderbliche Kurs der beut- schen Handelspolitik, insbesondere unter dem kurzen Regime der Barone, hat den deutschen Ausfuhrindustrien kaum zu heilende Wunden ge- schlagen, denen schlimmere noch solgen sollen. Greifen wir nur einige der wichtigsten Länder, die von der geplanten deutschen Kontingents- Politik betroffen werden, heraus: Die Handels- bilanz Deutschlands schließt in den Monaten Ja- nuar bis September im deutsch-dänischcn Wirtschaftsverkehr mit einem Aktivum von 37,4 Millionen Mark, im d c u t s ch- f i n n i- schen Handelsverkehr mit einem Aktivum von 15,1 Millionen Mark, im d e u t s ch- i t a l i e n i- schen Handelsverkehr mit einem Aktivum von 33,4 Millionen Mark, im deutsch-schwedi- schen mit einem Aktivum von 100,6 Millionen Markonen drosselt. Wenn sich danach die Preise für die englischen Viehzüchter noch nicht bessern sollten, sind verschärfte Kontingente in Aussicht genommen. Außerdem sind Verhandlungen mit Dänemark, Schweden, Holland und Lettland im Gange, die eine Kontingentsbeschränkung der Schinken- und Speckimporte um 20 Proz. zum Ziele haben. Die Kontingentspläne der Regierung fanden auf der äußersten Rechten begeisterte Zustimmung. Das Organ der Arbeiterpartei kritisiert in scharfer Tonart die völlige Kapitulation der „nationalen Regierung" vor den agrarischen Re- bellen und prophezeit eine allgemeine Fleisch- teuerung in England. Lturni in Kopenhagen Die englischen Kontingentsdrohungen haben in Kopenhagen, wo sich seit Bekanntgabe der deutschen Kontingentspläne eine ausgesprochen pro- englische Stimmung in handelspolitischer Hinsicht durchgesetzt hatte, wie eine Bombe eingeschlagen. Dänemark würde bei einem Schinken- und Speck- export nach England von jährlich 300 Millionen Kronen etwa 60 Millionen Exportwert durch die 20prozentigen Kontingente verlieren. Als Re- pressalie gegen England wird daran gedacht, den Bau der großen Storströmbrücke, für den Millio- nen erforderlich sind, nicht nach England zu ver» geben. Achtzig Fischerdampfer in wesermünde still- gelegt. Die angekündigte Stillegung von 40 Proz. d«r deutschen Hochseefischereislvtte ist durchgeführt worden. Von der Stillegung werden 80 Dampfer betroffen, die zum größten Teil beretts stilliegen oder nach Beendigung der augenblicklichen Fang- reise nicht wieder auslaufen. ver fache Mehrwert der&D Kleidung kw�itu 8in.mt9 Oer % Mehrwert Zusdmiti nach£&D- System Der Mann mit seiner ausgeprägten Individualität verlangt Kleidung mit Charakter. Deshalb sind für den Zuschnitt der echt E&D- Kleidung bis in die kleinsten Einzelheiten durchdachte Richtlinien festgelegt, die ihr „individuelle Eigenart" sichern und deren Durchführung von E&D ständig persönlich überwacht wird. Verständnisvolle Fachleute, Meister der Zuschneidekunst schaffen so £€) die Kleidung der Fersanlichkeii 0#r® Mehrwert:„die siebenfache Kontrolle" Oer Mehrwert: die formgebende Ausarbeitung Der Mehrwert:„Zuschnitt nach E& D-System" Oer Mehrwert folgen in den nächsten Anzeigen Unsere Hauptpreislagen für gute Anzüge und Mantel: falm*dytkk(rff Gertraudtenstr. 8/9, an der Petri-Kirche ZWE ITE BEI LAG E FREITAG, 11. NOV. 1932 151 ROMAN von STEFAN POLLATSCH EK] iCopyriffbl Saluru- Verla; Hinter ihr war Weltlin ins Zimmer ge- treten. Dasselbe Zimmer, in dem er vor einiger Zeit dem Toten gegenübergesessen war. Da stand der Schreibtisch, davor das bequeme Fauteuil, zur Seite der Stuhl, auf dem er gesessen war. Aber— was war das? Am Boden lag Krüger. Ihm zur Seite kniete Erna, ein weißes Tuch, das auf dem Gesicht des Toten gelegen war, hatte sie be- hutsam weggezogen und Weltlin sah in ein übernatürlich weißes Antlitz. An der Schläfe klaffte ein kleines, schwarz umrandetes Loch. Das also genügt, um das Leben entfliehen zu lassen? dachte Weltlin. Und er entsann sich der verflossenen Nacht. Da war er gelegen und hatte selbst an Gleiches gedacht. Die Hand nur hätte er ausstrecken müssen— und er wäre dagelegen wie dieser. Vielleicht wäre Krüger vor ihm gestanden, wie jetzt er vor ihm. vor seiner Leiche stand. Und er fühlte, wie sich ein Krampf in ihm löste, wie seltsame Klarheit sein ganzes Wesen erhellte. Warum tatest du das, sprach eine Stimme in seinem Innern zu dem Toten. Aus Furcht? Aus Ueberdruß? Aus Ekel? Warum? Man hätte dich wohl verhaftet, wie? Man hätte dir den Prozeß gemacht und dich vielleicht auch bestraft? Aber du hättest gelebt! Du wärest im Gefängnis gesessen, hättest Papierdüten geklebt(und Weltlin sah sich selbst im Sträf- lingsgewand dieser Arbeit obliegen), aber du hättest gelebt, du hättest die Sonne gesehen und eines Tages wärest du wieder in Frei- heit gewesen, hättest spazieren gehen können, die herrliche Luft genießen, dich von dxr Sonne bescheinen lassen können. Und nun liegst du da und Stille ist um dich und nichts siehst du und nichts empfindest du, weder Freude noch Schmerz, ein Klumpen Erde bist du, empfindungslos, ich könnte mit dem Fuß nach dir stoßen und du fühltest es nicht, während ich hier stehe und bald im Freien in Luft und Helle atmen werde, du dummer, dummer Mensch! Du meinst, daß dieser Zu- stand doch einmal gekommen wäre, auch wenn du ihn nicht selbst herbeigeführt hättest, daß er auch mich einmal erreichen wird— einmal, einmal! Ja, gewiß! Aber bis dahin hättest du gelebt, bis dahin hättest du ge- atmet, gelitten! Hättest Freude empfunden und Kummer, hättest gesehen, gefühlt und geliebt! So lange wirst du nun tot sein, auf die paar Jahre ist dir's angekommen, du dummer, dummer Mensch?! Du bist geflüch- tet— wohin? Ins Nichts, das dir ja doch nicht erspart geblieben, in die Vernichtung, der du doch nicht entronnen wärest! Und wenn ich nun von dir gehe, du armer, dum- mer Mensch und in der nächsten Stunde tot zu Boden stürze, wenn nüch ein Auto über- fährt, ein herabfallender Stein zerschmettert, ein Schmerz mich tötet— diese Stunde habe ich doch gelebt, die habe ich voraus vor dir, ich lebe und du bist tot!" Weltlin riß sich aus seinen Gedanken. Er sah nach Erna. Die hatte sich erhoben und schritt rasch aus dem Zimmer. So rasch ging sie, daß er Mühe hatte, ihr zu folgen. 4. Als Weltlin frühmorgens die Fabrik be- treten wollte, bot sich ihm auf der Straße ein ungewohntes Bild. In kleinen Gruppen standen Arbeiter vor dem Gebäude. Einige grüßten, andere sahen weg. als sie ihn erblickten. Weltlin dachte zunächst an Streik, aber im Betrieb wurde gearbeitet— wie gewöhnlich. Er erkundigte sich bei Hanau, der ebenfalls über die Ursache der Ansammlung nichts wußte und gab dann Auftrag, die Polizei für alle Falle in Kennt- nis zu setzen..... Die eingelaufene Post, die er mit Lechner und den' einzelnen Abteilungsvorstanden durchsah, war recht erfreulich. Trotz der herrschenden schweren Wirtschaftskrise war der Eingang an Drdres gleichmäßig stark. Die Reisenden und Vertreter berichteten, daß die Konkurrenz nun ganz bedeutungslos geworden sei und kaum mehr Offerten mache. Dabei war es Weltlin gelungen, mit der gleichen Arbeiterzahl sein Auslangen zu finden und wenn sich die Berechnungen, die Crusius an einer vorzunehmenden Berbesse- rung seiner Erfindung eben anstellte, als richtig erweisen sollten, dann könnten noch mehr Arbeiter entlassen, das Produkt noch weiter verbilligt werden. Weltlin sah bereits, während er in den Papieren blätterte und Weisungen an seine Mitarbeiter erteilte, all diese Neuerungen durchgeführt, wurde aber von Lechner aus seinen Träumen gerissen. Der Prokurist wies auf die Geldschwierig- keiten hin, die eine Hereinnahme all dieser Aufträge zweifellos herbeiführen würde. „Ja, Sie haben recht, merken Sie vor, daß ich dann Krüger anrufe." Lechner sah Weltlin vorwurfsvoll an. Zu oft ereignete es sich in letzter Zeit, daß der Chef nicht bei der Sache, daß er geistes- abwesend war. „Ach ja. Krüger ist tot", sagte Weltlin und vor ihm tauchte eine Vision auf: der tote Krüger ging spazieren. Arm in Arm mit Erna und aus einer kleinen, jchwarzumran- deten Wunde floß rotes, dickes, schweres Blut... Der Träumende wurde aufgeschreckt. Er hörte auf sich einsprechen. Es war Lechner. Ein Abnehmer hatte geschrieben, daß er an- dere Waren geliefert erhalten, als er bestellt hatte. Der schuldtragende Beamte wurde herbeigerufen, zitternd trat ein langer, schmaler, etwas ältlicher Mensch im abge- lragenen Bürorock ein. Der Fehler wurde ihm vorgehalten, der Beamte suchte sich zu rechtfertigen. Lechner ließ keine Entschuldi- gung zu: der Schaden werde berechnet wer- den und sei von dem Beamten in monatlichen Raten zu bezahlen. Weltlin stellte fest, daß der Mann von seinem bescheidenen Einkom- men wohl zwei Jahre hindurch an der Ab- stattung werde tragen müssen, doch er mengte sich in die Debatte nicht ein, als be- rührte sie ihn nicht. Es folgten eine Reihe unangenehmer Briefe. Im fernen Osten hatte eine Handels- gesellschaft die Zahlungen eingestellt. Das bedeutete für das Unternehmen einen Verlust von beträchtlicher Höhe. Eine Schiffsladung, die wertvolle Rohmaterialien für die Fabrik führte, war in Genua verbrannt und wenn auch der Schaden durch Versicherung gedeckt war, die Kontinuität der Erzeugung litt empfindlich darunter. Da war das Schrei- den eines Vertreters, in dem von drohender Zollerhöhung die Rede war, hier eine Zu- schrift der Steuerbehörde, die Vorhalte über angegebenen Umsatz und Erfolg machte und Aufklärung wünschte. Da wurde gemeldet, daß Ware in unbrauchbarem Zustand ange- kommen sei, hier kam die Anzeige einer Bank, daß Rimessen nicht eingelöst worden waren.(Fortsetzung folgt.) 3>ie ffiooisfahrl £ine QefchidUe aus VSJl./ Ton Sylvefier Nepper Sejim war mein Freund: ich hatte ihn in Frisko aus einem Arbeitsnachweis kennengelernt, und wir waren zusammen losgetippelt bis runter nach Monterey und dort hakten wir in der vornehmen Del Monte Lodge Arbeit gefunden. Sejim als Koch für die kalte Küche und ich als Abwäscher. Wir hatten ein Zimmer zusammen, und die Arbeit war nicht sehr schwer. Manchmal waren über- Haupt keine Gäste da und wir kochten nur für uns selber. Es war im Sommer, die Berge waren grün und der Himmel hatte joden Tag eine strahlende Sonne. Und wir hatten viel freie Zeit. der Geschästssührer klagte, es war ein kleiner Mann mit schütterem grauem Haar,„das Personal frißt ja das Unternehmen bankerott", sagte er, aber die vornehmen Autos rollten vorbei, manch- mal blieb eine kleine Gesellschaft zum Lunch, dann pfiss Sejim und schnitt Tomaten und rote Gliben und ich kriegte davon auch immer etwas ab. Die Nachmittage waren frei. Und das Meer lag blau und weit, wir badeten und saulenzten im Sande, bauten Burgen und Kanäle, und die Sonne bräunte unsere Haut. So gut hatten wir es lange nicht gehabt, so satt zu essen, ein Dach über dem Kopf und die Bezahlung war auch nicht allzu schlecht. Wir bauten ein Lager am Strande und verbrachten die Nächte draußen. Wir waren beide noch nicht zwanzig Jahre und konnten der Romantik eines nächtlichen Feuers natürlich nicht widerstehen. Sejim sang traurige Lieder aus seiner Heimat. Liebeslieder, er stammte aus irgendeinem Nest aus dem Balkan, und dann lagen wir wach, und die gelben Sterne flimmerten in unsere Augen. Wir versuchten, mit der blonden Telephonistin anzubändeln, aber der waren wir zu gewöhnlich. die verkehrte mit dem Oberkellner. lind sonst waren keine Mädchen weiter da, aber im Stalle standen zehn Pferde sllr die Gäste, die auch nicht da waren, sie standen schon lange und schlugen schon fast die Verschlöge entzwei. Und Sejim und ich ritten los. Immer am Strande entlang, hopp- hopphopp, und die Tiere waren ganz wild von soviel Weite, und eines Tages flog Sejim aus dem Sattel und knallte in den Sand. Er spuckte etwas Blut, und von den Pferden hatte er genug. Dann machte ich aus Langweile«in paar Gedichte, aber Sejim verstand kein Wort Deutsch, und ich ließ es wieder sein. Es macht eben ohne Publikum nicht den richtigen Spaß. Eines Tages kam Sejim ganz aufgeregt ins Zimmer gerannt.„Eben ist eine wunderbare Frau vorbeigefahren, sowas, solche Augen, und angelacht hat sie' mich auch!" Er war sich aus sein Bett und strampelte mit den Beinen...So, vorbeigefahren, na ja", sagte ich und schrieb weiter an einem Briefe für ein Mädchen in Deutschland.„Eine Künstlerin ist sie", schwärmte Sejim weiter,„sie malt und in Carmel hat sie eine Billa." Da lag er nun aus dem Bett und war in eine Frau ver- knallt, die eine Künstlerin sein sollte und nur vor- beigefahren war. Und auch noch eine Billa, es war ein bißchen unglaubhaft. Aber Sejim bestand darauf, der Golflehrer hatte es ihm erzählt, und es ge- er meinte, daß wir etwas unternehmen müßten. Carmel by the Sea war ja nun die nächste Ort- schaft, und ich wußte auch, daß es eine Künstler- kolonie war. Ich war schon mal in der Buchhand- lung dort gewesen und hatte einen ganzen Monats- lohn in Büchern vernascht. Aber ich war immer noch sehr skeptisch.„Wenn du sie gesehen hättest!" sagte er, und tanzte wieder im Zimmer umher und sang und pfiff, daß der misanthropische Shorty wütend an die Wand pochte und Ruhe verlangte. Am anderen Tage schleppte er mich mit zum Bootshaus.„Wir fahren hin", sagte er,„wie die Argonauten."„Du hast ja keine Ahnung von diesen Leuten", sagte ich ihm,„du leidest an einer Zwangsvorstellung, du bist verrückt. Mann, und überdies ist das Meer in dieser Jahreszeit ge- jährlich." Das Meer lag glatt wie eine himmelblaue Tisch- decke, winzige weihe Schaumkrone» huschten manchmal auf, es war allerliebst. Ich schaute in den klaren Himmel und prophezeite einen schweren Sturm.„Es liegt etwas in der Luft", sagte ich, „vor dem Taifun im Gelben Meer w�V nau so." „Hier, faß mal mit an", sagte er,„na los, eins, zwei, drei, hopp!" Das Boot schaukelte auf den kleinen Wellen. „Es ist Wahnsinn, Sejim", sagte ich,„du kannst nicht mal richtig schwimmen." Er stieß ob und legte sich in die Riemen. Und es war nur ein kleines Boot und das, worauf wir jetzt ganz lustig schwammen, das war der Anfang des Großen Ozeans. Sejim sang und ruderte. Sein Gesicht glühte heiß und freudig, man konnte dem Kerl nicht böse sein. Aber die Wellen waren doch viel größer hier draußen als man am Strande gedacht hatte, und das Boot schaukelte, und an der Spitze zerbrach das Wasser und machte schwipp. Es war ein böses Geräusch und bedeutete sicher nichts Gutes. Wir mußten ziemlich weit hinausrudern um eine Landzunge herum, die ins Meer hineinragte, und ein Küstendampfer fuhr ganz in unserer Nähe vorbei. „Ist es nicht herrlich?" fragte Sejim und ruderte mit Absicht in das Kielwasser des Dampfers hinein. Das Boot schwankte, versank in den Abgründen schäumender Wellen und stieg dann wieder empor wie eine Luftschaukel, daß man es bis tief in den Magen spürte. Ich hielt mich fest und redete kein Wort mehr. Denn das reizte ihn nur zu neuen Tollkühnheiten, und ich hatte keine Lust, hier draußen kurz vor Carmel mit diesem Verrückten zu versinken. Aus den Dünen am Strand ragten jetzt die ersten Häuser, wir waren noch immer weit draußen, und sie sahen wie Spielzeuge aus. Sejim zeigte aus einen einfachen weißen Bau, die großen, breiten Fenster fingen die Sonnenstrahlen auf und warfen sie hinaus aufs Meer!„Dort wohnt sie" sagte er. Er ruderte aus das Haus zu.„Sie ist sicher längst abgereist", sagte ich.„Künstler sind merkwürdige Leute."„Du mit deiner Kurzsichtig- keit", sagte Sejim,„sie steht am Fenster und er- wartet mich." Der Junge war ganz hin. Er hatte die Riemen eingezogen und ließ das Boot treiben. Er wurde melancholisch. Seufzte. Leise gluckste das Wasser am Holz des Bootes. Er war am Ziel und wußte nichts damit anzufangen. So eine Dämlichkeit. „Wink' ihr doch schon mal, wenn sie am Fenster steht, vielleicht kommt sie raus." Aber dazu kam er gar nicht mehr. Wir hatten ganz vergessen, daß wir uns in einem Boote be- fanden und ließen es der Läng« nach parallel mit dem Strande treiben. Es war ja so still. lind als wir aufschauten von einem plötzlichen Getöse, stand die große Welle schon wie eine grüne Mauer hoch über uns. Man konnte sich nur noch instinktiv zusammenducken. Das Boot schlug um, ich wurde gefaßt und hinausgerissen und hatte Boden unter de» Füßen als ich zum Stehen kam. Das Boot trieb kieloben in meiner Nähe, unsere abgelegten Kleidungsstücke schwam- men zerstreut umher. Ich spuckte und wischte mir das Wasser aus meinen Augen. Eben kam Sejims Kopf zum Vorschein, puuahh, er prustete und schüttelte sich. Wir schauten uns an. Was war denn eigentlich passiert? Das Meer war doch gan,; ruhig. Das war ja wie ein schlafendes Kind so friedlich. Sejim warf einen scheuen Blick nach dem Hause. Da kam wirklich jemand die Treppen herabgeeilt, sie hatte sicher alles initangesehen, unsere Ungeschicklichkeit, aber das geschah uns ganz recht. Wir zogen das Boot aufs Trockene und erwarteten sie. Auch mein Herz klopfte. Es waren die Schritte einer Frau, die über den Sand kamen. Dann sagte eine Stimme im breiten Alabama-Dialekt, „Pessuh, die Lady wünscht drei Gallonen Royal Scotch für nächsten Sonnabend. Mei, wir ihr naß seid!" Sejim zuckte zusammen. Wir drehten uns um. Wir verstanden kein Wort. Eine ältere Negerin in einer weißen Schürze grinste uns freundlich an. „Es ist schon mal einer hier umgekippt", erklärte sie strahlend,„das ist eine gefährliche Stelle. Ihr müßt vorsichtig sein, wenn ihr den Whisky bringt." Dann ging sie, breit und schlürfend, und ver- schwand im Hause. Eine Möwe schrie.„Fabel- hafte Frau, Villa, Künstlerin, Scotch Whisky, Moon os Alabama" sagte ich monoton. Sejim war ganz blaß... Wir begannen, das Boot auszuschöpfen. Und kamen wieder zu zcns. Es war leck und Sejim stopfte seine Jacke in das Loch. Er arbeitete wie ein Wilder. Und dann hatten wir eine höllische Mühe, das Boot durch die Brandung hindurch zu bekommen. Endlich glückte es, und wir schwammen wieder. Naß und frierend. „Sejim", sagte ich... Er erwiderte mir in seiner Muttersprache. Das klang nicht sehr nett. Aber mit der Zeit wurde er zugänglicher.„Die haben uns mit ihrem Alkoholschmuggler ver- wechselt, uns!" Er lachte, und dann lachten wir zu- sammen. Es schallte über das Meer. Ganz hinten am Horizont lag ein Schiff. Außerhalb der Bann- meile, das war der Schmuggler. Und Sejim sagte: „Brrrr, die Schwarze! Zum Teufel mit den Weibern!" Er redete wie ein alter Seemann. Bau'. Schweizer Frisches Fleisch Kalbskammo. Ffd.T. 0,45 Kalbskotelett m t» 0,98 Kalüsrouiade..... m 0,98 Kaibsschnitzelmvo» 1,28 Schweinekamm Pfd. t. 0,84 Schweinekotelettpfd, 0,88 Riickenfett 0,74 Hammelvorderfl.™ 0,58 Suppenfleisch m rrm 0,45 Schmorfleisch n»c Keule oüno K-nochcn, Pfd. ▼on UfOil Roulade.. mro» 0,75 Rinderbacken..... m 0,38 Rinderbrust.. 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Nonembcr, 20 Uhr, Sitzung des engeren Abteilung!- tiorstanbes bei Kroll, Utrschler Str. 21. 33. Abt. Freitag, IL November, kostenloser Stenvgraxhieunterricht durch den Eenossen Maseberg bei Lojok, Beymestr. 8. Frauenveranstalkungeu: 29. krei,. Di« Genossinnen werben gebeten, stch recht zahlreich an dem heute beginnenden Kursus des Genossen Dr. Solomon Schwarz:„Probleme des wirtschaftlichen Aufbaue« in Deutschland und Rußland Beginn 19% Uhr im ___________.. zn beteiligen. ttm Reinickenborf-West, Scharnweberstratze Alfred Henke. Bezirksausschuß für Zlrbeiterwohlfahrt. 3. Kreis Dedding. II. Abt. Heute um 19V- Uhr bei Lenz, Demminer Straße 10. Sitzung der Helfer der AW. mit den parteigendsstschen Kommis- stansmitgliedern. Arkieitsgemeinschaft der Sinderfreunde. Die angekilndlgte Vorstand, sizung findet nicht heut«, sauder» - Freitag, de» 18. November, statt. •» Heilte, U'/t Uhr, Ansschußsißung der geladeuen Genossen! ivA/HIIk Dierqarfen, Abf. August Bebel: Eonntaa. Schnitzeliogb. Ad- MKMttz marsch: Zungsalken>49 Uhr Bahnhof Beussclftraße und Rote Falken <''9 Uhr Wald- Ecke Waldenferstraße. Sonnabend, 17—19 Uhr: Kreishelteriursus bei A. Paersch, Essener-Straße 4. Kreuzbcrg: Heute, 13 Uhr, Kalsiererkonferenz mit Friede! Schmidt an be- kanvter Stelle. Friebrichshaint Heute, Freitag. 20 Uhr, sind alle Helfer für Laienfviele im Kreisheini. Sonntag, ad 18 Uhr, Helferrummel im Kreisheim. Eßwaren und Musikinstrumente sind mitzubringen. Krei» Reukölln, VruvvenfUhrer: Tie Abredinung VON unserer Beranstal- tung muß spätestens morgen Sonnabend um lö Uhr im Kreisheim erfolgen. — Borstandssitzung morgen Sonnabend UNI 18 Ubr im Kreisheim. Abt. Lichtiämpfer, Iungfalken: Heute Freitag Pflichtveranstaltung um 17>/« Uhr im Heim, Bergstr. 29. Abschnitte nicht vergessen.— Nestsallen. Wegen der Fahrt müssen alle Leute um 17 Uhr im Heim, Bergstr. 29, sein. Sterbetafel der Groß-berliner Partei«Organisation 128. Abt. Am 22. Oktober verstarb unser langjähriger Genosse Richard Keller, Pankow. Brennerstr. 74. Ehre seinem Andenken. Die Einäscherung hat aus Wunsch de» Berstordenen in all« Stille stattgrfuztden. Freie Gewerkfchafts-Iugend Verlin dem 29. November, im Festfaal des Film- clin, Levetzowstr. 1— 5, dringt den Ton. film:„Niemandsland". Rezitationen: Martha John. Redner: Theodor ..-gjstjn 35 ilmabend am Dienstag ildamtes der Stadt Saubach. Einlaß 1914 Uhr. Beginn 2011 Uhr. Kosten So Pf. Karten in der Jugendzentrate, Engetufer 24—25, 2 Treppen, Zimmer 26, von 9 bis 17 Uhr. Freitags bis 19 Uhr. Sonnabends von 9 bis 13 Uhr.— Heute. Freitag, 11. November, lg>ß Uhr, tagen die Gruppen: Freiheit: Jugendheim Wassertor- siraßc 9. Die Stellung der Jugend im volitifchen Kampf.— Eharlotteuburg! Jugendheim Spreestr. 89. Ander« Gewerkschaften.— Rordring: Jugendheim, Sdiule Sonnenbnrger Str. 20. Berliner Abend.— Fraalsurter Allee: Jugend- heim Litauer Str. 18. Proletarier por Gericht.— Prenzlauer Berg: Gruppen- beim Gleimstr. 35. Das Betriebsrätsgefetz.— Hermannplatz: Jugendheim Sanderstr. 11, Elke Habrechtstraße. Wir und die Polizei.— Hertzbergplatz: Iu- gendheim Treptower Str. 5«. Die politisch« Lage nach den Wahlen.— Zcppelinplatz: Jugendheim Turin« Ecke Eeestratze. Was brachten uns die Wahlen.— Reinickendors-Ostt Jugendheim Lindauer Straße(Barocken). Die sozialistische Jugendbewegung und ihre<"•'— 1,"----- vt.:— Adlersbos, Bismarckstr. 1. Zwangloser" heim Mariendorf« Weg 89—79. Hat der Streik noch Zv gendheim Willdenowftr. 5, 2 Treppen, Zimmer 13. Wir vember 1918. gedenken des 9. No- t�uaendaruppe des Zentralverbandes der Anaestellten Heute, Freitag, sinden folgende Veranstaltungen statt: Britz: Gemein. schaftsbaus in der Kannemannstraße der Vau, und Spargenossenschaft „Ideal". Reoolutionsgedenkabend.— Südwest: Jugendheim Parckstr. 11(2. Hof, Ouergebäude, Aufgang II. Zimmer 4). Repolutionsgebenkabend.— Unsere Sprech- und Spielgemeinfchast übt heute van 29—22 Uhr im Jugendheim Schön- lanker Str. 11.— Die Fotogrupp« tagt ab 18Vi Ubr im Jugendheim Frank. furter Allee 397, Ouergebäude, 2 Treppen.— Die Berliner Druckerei, und Ber- logsgelellsGast m. h. H."'—"-A �» mannstr. 12. zusammen. kommt von 29 bis 22 Uhr im Verbanbshau», Hede- Vortrage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". K e I ch S f f« st r 1 1»: Berlin 6- 14 Sebastionstr 37-38 Hot 2 Tr « Kreis Lflen(Zungba). Sonnabend, 12. November, findet die de. __ kannte Veranstaltung bestimmt statt. Befehle abwarten.— Wedding fOrtsperein). Sonnabend, 12. November, großes Wohltätigkeitsfest in den Ger. maniasälen, Ehausieestr. 119. Eröffnung 19 n, Uhr. Beginn 20 Uhr. Konzert, Tombola, Tanz, Redner: Prinz Hubertu» zu Löwenstein. Thema: Der Frei- hcitskampf geht weiter. Eintritt 50 Pf. Sesellschas« für kouatiauale Erziehung E. B. Freitag, 11. November. 20 Uhr, im Kaisersool des Zoo-Restaurant«, Eingang Lichtensteinvortal, Zlordlfcher Abend. Gesang: Frau�Sngel.Lundt, Island. Piano: Herr Birger-Hammer, Norwegen. Schwedisch,--------"■— schwedischen Kolonie. �.WWH..MWWWU, M. selllgen Teil Dorfllbrung moderner Tänze(Tanzschule Eintritt 75 Pf. einschließlich Steuer. Heimateverein Pr. Friedland und Umgegend. Versammlung Sonntag, 19 Uhr, bei Krellow, Neu« Promenade 7(Bahnhof Börse). Beitrittserklärungen an A. Bock, N. 24, Johanntsstr. 12. uepM Linoleum Szillat. Kolonie- Itraße 9. Hiernungsstoche. UJäscne usw. Leihhau, Lowick, oerfault zu un- glaublich billigen Preisen wenig ge» tragen? sowie neu» Herrengorderobe Herren, u, Damen- pelze. Weitester Weg lohnt Keine Lombardware. Prinzenstraße 195. »in» Trepp«, I Patcutmatratzcn „Primisflma", Aus- legematratzen Me- talldetten, Chaise. >Iongues. Walt«, Stargard« Straße achtzehn. Kein Laden.' Moderne polierte Schlafzimmer, teil- weise zurückgc- nommen«. Außer, ordentlich billig. 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