Morgen-Ausgabe Nr. 535 A262 49. Jahrg. Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Scmfpred)«; A 7 tZml Dönhoff 292 bis 297 Trligrammabross«:(Sojiolbfmottat Berlin BERLINER VOLKSBLATT SONNABEND 12, November 1932 In Groh- Berlin 19 Pf. Auswärts....... 15 Pf. Bezugsbedingungen und Anzekgenvreise siehe am Schluß des redaktionellen Teils Aenteatoesa« der Sozialdemoteatischen Partei Deutschlands Vreußen unter reaMonärer Diktatur I�IassenEinauswurk republiLaniscber Beamter Die kommijiarische Verwaltung Preuhens hat die Auslösung des Wohlfahrtsminisleriums;u einem veomtenschub gröhlen Stils in allen preu- HIschen Ministerien benutzt von dem SS höhere Beamte betrossen werden. Davon werden Z in den dauernden Ruhestand, 65 in den einstrveiligen Ruhestand verseht. hier ist die Liste der Opser dieses Beamten- schubs. Es sind vorwiegend So;ialdemokraten, Zentrumsmitglieder, Beamte republikanischer Gesinnung. Staatssekretär Professor Dr. Dr. Scheidt wird mit Wirkung vom t. Februar 1933 ab in den einstweiligen Ruhestand und auf seinen An- trag mit Wirkung vom l. Mai 1933 ab in den dauernden Ruhestand versetzt. Auf ihren Antrag werden in den dauernden Ruhesland versetzte Im Ministerium für Handel und Gewerbe Ministerial- rat L o e s e n e r und Oberregierungsrat Roter- m u n d. In den einstweiligen Ruhestand werden verseht: Ministerium für Voltswohlfahrt: Ministerialdirektoren Meyer, Peters, Dr. Schneider: Ministerialräte Ahrendts, Dünschede, Fischer, herrmann, Dr. Mollwitz, Dr. Marmann, Dr. Pauly, Tesessy. Weck: Ober- regierungsräte Bardow, Voumgarlen, Borchart. Jodehl, Syring, Tillich: Regie- rungsräte Andres, Wachsmuth. Ministerium für Landwirtschaft: Ministerialdirektoren Bollert, Roeingh: M i n i st e r i a l d i r i g e n t Thomas: M> n i st e- r i a l r ä t e Bormann, Jmand, Kummer, Rastell: Oberregierungsräte Albrecht. Klemm: Regierungsräte Ciersdorsf, Dr. Fischer, Grünwald, Retzlaff. Ministerium für Handel: Mini st e» r-aldirektor Merten: Ministerialdiri» gent Jordan: Ministerialräte Frau Al- brecht,. Zrau Trapp, Lwowski, Dr. Ziertmann: Bergrot Lichtermann. M i n i st e r i u m s ü r W i s s e n s ch o s t, Kunst und Volksbildung: Mini st e- rialdirektoren Dr. Jahnke, Dr. hübner: Ministerialräte Becker, Dr. Gaed«, Kestenberg. Seelig, Woldl: Oberregierungsräte Frau Ermler. hollmann, Schneider: Regie- rungsräte Köhler, Voigt. Ministerium des Innern: Ministerial- räte Abramowitz, Hirschseld, kirschmann: Ober- regierungsräte klempin, Zichc: Regie- rungsräte Kock, Lechel, v. Preetzmann. Finanzministerium: Ministerialdirektor Großer, Oberregierungsrat Apitjch Justizministerium: Ministerialdirigent Rosenseld: Ministerialrat Polenz. S t a a t s m i n i st e r i u m: Ministerialrat Pfeifer. von den Angesührten sind die Beamten Sozial- demotraten, deren Rame durch Zettdruck hervorgehoben ist. Mi» Wirkung vom 1. Dezember 193? ab werden verseht: In das Ministerium des Innern: Mi- nisterialdirektor Dr. S ch o p o h l. Ministerialdiri- gent Professor Dr. M ü s s e m e y e r, die Ministe- rialräte Dr. Beyer. Dr K o em i g. Prosessor Dr. L e n tz. Dr. O st e r m a n n, Freiherr v. T s ch a m- m er und Quaritz. witlclshöser. sämtlich bis- her im Ministerium für Volkswohlsahrt: die Mi- nisterialräte Lindenau und W> e m a n n bis- her ün Ministerium für Landwirlschast, Domänen und Forsten. Obcrregierungsrat R o t h e und jzrau Regierungsrot Dr. Mayer, bisher im Ministe- rium für Voltswohlfahrt. In das Ministerium sür Landwirt- schast, Domänen und Forsten Regie- rungsrat S ch e w e, bisher im Ministerium für Voltswohlfahrt. In das Ministerium für Wirlschast und Arbeit die Ministerialräte Dr. Ä ü g l e r, Lehmann und S ch o I tz. bisher im Ministe- rium für Volkswoblfahrt. In das Ministerium für W i sj e n- schaff, Kunst und Volksbildung Ministerialrat Dr. Richter und Frau Ministerialrat Dr. Weber bisher im Ministerium für Volks- Wohlfahrt. In das Finanzmini st erium Ministerial- rat K a y s e r, bisher im Ministerium sür Volks- Wohlfahrt. In das S t a a t s m i n i st e r i u m Ministerial- rat B e r g b o h m, bisher im Finanzministerium. Damit ist die Liste der abgesägten republikanischen Beamten aber noch nicht abgeschlossen! Ueber die Personalien der Hilfsorbeiter entscheiden die Zachminister, d. h. die Kommissare. Der her- auswurs der Hilfsarbeiter, die linker Gesinnung verdächtig sind, erfolgt still und leise, ohne Mitteilung an die Ocsscntlichkeit! Die„n a t i o n a l e K o n z e n> r a t i o n" ist in Preutzen an der Arbeit. Ihre Parole heißt: fort mit den Republikanern, zurück zum alten System der Zunkerdiktatur und der konservativen Partei- Herrschast! SS wirb konzentriert Die nationale Einigheit marschiert Herr von Popen, der Chef des Kabinetts der Barone, will mit den„nationalen" Parteiführern über die„nationale Konzentration" verhandeln. Was„nationale Konzentration" ist, haben die Barone durch ihre letzten Schritte in Preußen sestgestellt. Es bedeutet Bürgerblock mit der Ab- sicht der Diktatur über das werktätige Volk. Gegen diese Absichten ljegen sehr scharfe Bestimmungen und Aufrufe der ch r i st l i ch e n G e- w e r k s ch a f t e n vor, ebenso bestimmte Er- klärungen des Zentrums gegen Herrn von Papeu. Die Nationalsozialisten erklären, daß sie die ganze Macht für sich beanspruchen. Die Papen-Presse klagt:„Schon gescheitert? Verhandlungen ohne Nationalsozialisten sinnlos." Am Sonntag sollen die Besprechungen beginnen. Landtag 24. November Ii.errl beruft ihn ein Landtagsprästdent kerrl hat den Preußischen Landtag nunmehr sür Donnerstag, den 24. November, einberufen. Die Tagesordnung wird später bekanntgegeben. Noch heine schwarzbraunen Verhandlungen Die Verlzandlungen über die Neubildung der preußischen Regierung zwischen der national- s o z i a l i st i s ch e n und der Zentrums- f r a k t i o n des Preußischen Lairdtaas waren im September auf Wunsch der Nationalsozialisten unterbrochen worden und sollten nach dem 6. November, also nachdem das Wahlergebnis für den Reichstag feststand» wieder ausgenommen werden. Wie das Nachrichtenbüro des VdZ. hört, ist jedoch bishernochkein Schrittunter- n o m m e n worden, um die Koalitionsoerhand- lungen wieder in Gang zu bringen. Es ist an- zunehmen, daß die Nationalsozialisten zunächst eine Klärung der politischen Lage im Reich herbeiführen wollen, ehe sie neue Verhandlungen in Preußen anbahnen. Generalstreik in Gens Auf 24 Stunden beschlossen Gens, 11. Rovember. wider olles Erwarten Hat der unter dem Vorsitz von Rationalral Rasselet versammelte Ausschuß des Gewerkschasksoerbandes deskantonsGens Heute abend mit S7 gegen 5S Stimmen bei einigen Enthaltungen beschlossen, für Sonnabend den G e n e r a l st r e i t zu erklären. Die Dauer des Streiks ist aus vierundzwanzig Stunden beschränkt worden. Es scheint, daß die Befürworter des Streiks, die, wie es zuerst schien, in der Minderheit war. im letzten Augenblick die Mehrheit erlangten. Truppenhonzentration bei Genf Eigener Bericht des„Vorroärls" Gens. 11. November. Das Genfer Gericht hat am Freitagnachmittag den Antrag aus Freilassung des Sozia- listensührers Nicole wegen des kriminellen Charatters seines Vergehens abgelehnt. Der Gcneralstaatsanwalt und der Vorsitzende wollten Nicole in heftigen Ausfällen die Ver- antwortung für die Opfer des 9. November auf- laden, wogegen sich Nicole energisch verwahrte. Er bestritt auch jede andere ihm zur Last gelegte Aeußerung. Die Regierung des Kantons W a a d in Lausanne hat am Freitagnachmittag den Stab und die dritte Eskadron des berüchtigten Kaval- lerieregiments mobilisiert, das fast ausschließlich aus Bauer«söhnen besteht und schon zwei- mal seit Kriegsende sich als bestes Klassenkampf- instrument gegen Arbeiter industrielle! Gebiete bewährt hat. Die Konzentration dieser Kavallerie erfolgt in M o r g e s, eine Stunde von Lau- sänne nach Gens zu. Die Vermutung liegt nahe, daß sie weniger sür die geringen Unruhen in Lau- sänne selbst als zur Verwendung in Genf am Sonnabend, dem Beerdigungstag der Opfer erfolgt ist. In Genf selbst ist bisher noch keine Mobilisierung der alarmierten Miliz- ungehörigen befohlen worden. In einem zweiten Ausruf brandmarkt am Freitag die Gesamtpartei der Sozialdemokratie der Schweiz das grausige Verbrechen einer kor- rupten Bourgeoisie, die aus Angst vor den Anklagen und aus Rache blutjunge Rekruten auf die Genfer Arbeiterschaft habe schießen lassen. Die ungeheure Verschärfung des Klassenkampses, der dadurch bedingt sei, falle der Bourgeoisie zur Last. Scharf wird gegen die Verhängung der Militärgerichtsbarkeit über die Zivilbevölkerung, die Truppenalarmierung und das Versammlungs- verbot unter freiem Himmel protestiert. Die Arbeiter werden schließlich zu disziplinier- ten Protest Versammlungen in ge- schlossenen Sälen aufgerufen. Naziabgeorbneter verhaftet Aus seinem Auto wurde geschossen Wuppertal, 11. November. Bon der Attenaer Kriminalpolizei wurde heule vormittag der n a t i o n a l s o z i a l i st i j ch e Reichstags abgeordnete Veller s e st g e n o m- men. In seiner Begleitung befand sich ein ge- wisser T r i m b o r n aus Barmen, bei dem im Juni vergangenen Jahres ein M u n i t i o n s- und Wasfenlager gesunden wurde und der seit dieser Zeit flüchtig war und steckbrieflich gesucht wurde. Die Aerhas- lung des Reichstagsabgeordneten Veller erfolgte im Zusammenhang mit dem Vorfall in der Nacht zum letzten Sonntag, bei dem bekanntlich aus dem Auto des Abgeordneten Veller Schüsse aus Passanten und Polizei abgegeben wurden. fterrenputsch! Sie wollen unter sich sein Das deutschnationale Parteiregiment in Preußen, das als„kommissarische Regie- rung" firmiert, Hat eine Massenentlassung von Beamten vorgenommen, deren Zweck eindeutig ist. Die Verwaltung soll von allen Beamten gesäubert werden, die sich fest zur demokratischen Republik bekennen. Die preu- ßische Verwaltung soll ein Reseroatrecht der Deutschnationalen werden! Dieser Umsturz in der preußischen Verwal- tung erfolgt auf der Grundlage des Ar- tikels 48 zur„W iederherftellung von Ruhe und Ordnun g", gestützt auf die Notverordnung des Reichspräsiden- ten. Damit ist nicht nur der Charakter des kommissarischen Regiments, sondern auch die politische Linie des Reichs- Präsidenten eindeutig bestimmt. „Zweite Verordnung zur Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung" nennt sich der am Freitag erschienene neueste Erlaß des preußischen Staatskommissars. Mit einem einzigen Federstrich werden in der preußi- schen Zentralverwaltung nicht weniger als 140 Referate aufgehoben, um die „geschäftliche Betätigung in den Ministerien einzuschränken, straffer zu gliedern". Alles zu dem Zweck:„Geld zu ersparen!" Voll Bewunderung über diesen Sparsinn einer hohen kommissarischen Obrigkeit wird der brave Bürger ausrechnen, daß damit auch 140 höhere preußische Beamte entlassen worden sind. Weit gefehlt! Der Amtliche Preußische Pressedienst zerdrückt im linken Auge eine Träne des Kummers über die wirtschaftliche Härte und das schwere Los, das die Entlassenen und ihre Familien be- troffen habe. Das rechte Auge des Kom- missars erzählt aber freudestrahlend: glück- licherweise hätten nicht alle 140 höhere Beamte entlassen werden müssen. Die„Geld- ersparnis" beschränkt sich in der Tat nur auf 68 Personen, die in den einstweiligen Ruhe- stand versetzt worden sind, und 25 Referenten wechseln in ein anderes Amt und verwechseln dadurch nur den Schreibtisch. Lesen wir aber die Namen der Gebliebenen und Ent- lassenen, so entkleidet sich der„Sparsinn" der Herren Bracht und Papen so vollständig, daß nicht einmal ein Zwickel übrig bleibt. Nackt und kahl demaskiert und enthüllt sich der Sinn dieser Verordnung und Entlassun- gen als die Politik der Rache, des Parteibuches und des Klassen- k a m p s e s. Entlassen werden fast ausschließlich A n- gehörige der republikanischen Parteien, der Sozialdemokratie, des Zentrums und der Demokraten. Entlassen sind eine ganze Zahl jener höheren Beamten, die zwar nicht das Prädikat des Akademikers tragen, aber wegen ihrer außergewöhnlichen Tüchtigkeit von der Weimarer Volksregie- rung in ihr Amt eingesetzt wurden. Im alten wilhelminischen Staat hätten sie nur mittlere Beamte werden können, trotz aller Kenntnisse, Erfahrungen und Leistungen: so, wie ja auch in der kaiserlichen Armee der be- fähigste und beste Soldat keine Offiziers- uniform tragen konnte, wenn er nicht das „Einjährige" besaß oder den Drill einer Kadettenschule hinter sich hatte. Die Republik hat dieses, auch in der Verwaltung und im Beamtenheer geltende Dreiklassenünrecht zu- gunsten des Volkes und zum Wohl des Staates beseitigt. Dem Tüchtigen war freie Bahn geschaffen. Jetzt kehren wir zurück in das selige Zeitalter des Korpsstudenten, der Kadetten- a n st a l t und der Bürger zweiten und dritten Ranges. Der Dreiklassen- staat ersteht wieder wie zu Wilhelms Zeiten! Der Sludentenschmiß, die Milgliedschajt a» einem feudalen Korps sollen wieder den Befähigungsnachweis für ein höheres Amt bilden! Als das alte System zusammenbrach an der grandiosen Unfähigkeit seiner Minister und seiner Perwaltung, rief fünf Minuten vor zwölf der Reichskanzler von B e t h- mann Holtweg aus: Freie Bahn dein Tüchtigen! Die Republik hat freie Bahn ge- schaffen— setzt gelüstet es dem deutschnatio- nalen Parteiregiment wieder nach dem alten System mit seinem hochmütigen Kastengeist und seiner Absperrung vom Volke! Daß der Haß gegen die Republik sich gegen sozialdemokratische, demokratische und dem Zentrum angehörende Beamte kehrt, kenn- zeichnet den parteipolitischen Charakter dieser Maßregelung. Daß daneben aber Dutzend« von Beamten gemaßregelt werden, deren einziges Verbkechen es ist, daß sie aus dem mittleren Beamtenstand emporgestiegen sind, das enthüllt den Klastenkampfchärakter des Beamtenschubs! Die Herren Barone wollen mit ihren Anhängern unter sich sein! Jhte Kreise soll keiner stören, der sich e M p ö k g e a r- b e i t e t hat. Sie wollen.zurück hinter B e t h m a n n H o l l w e g. Wenn sie sagen: VerfassuNgsreforM, so meinen sie Klassenwahlrecht, Diktatur' des feudalen Besitzes! Wenn sie sagen Reichs- reform, so meinen sie Vorherrschaft des vst- elbischen Junkertums! Seht Nach Preußen! Hier wird vorgeführt, wie die Barane sich die VerfassungsrefotiN und die Reichskeförm denken! Die Herren wollen UNtek sich sein, Sie wollen den Staat als ihre Domäne, sie wallen ihn als den Feind des arbeitenden denio- kratischen Volkes, sie wollen die Werktätigen ausschließen von seiner Verwaltung, Hoch- mütig, aber unfähig, reaktionär bis auf die Knochen, nach dem Muster der HekkeNhaUs- junker des alten Systems. Sie wollen wieder sagen können: Mang uNs mang ist teener Mang, der Nicht mang uns MiNg gehört. Aber die Herren find zu eifrig in ihrem Bestreben, dem Volke zu zeigen, was sie Unter „nationaler Konzentration" verstehen! Sie geben damit dem Volke eine LektiöN, die bitter, aber lehrreich ist. Sie zeigen ihm, wie's gemacht wird! Eines Tages wird das Erwachen für die Barone aus ihrem Taumel der„nationalen Konzentration" erfolgen— und dann wird dös Volk beweisen, daß es gelernt hat? Gegen die Barone i�ntrllxe«jer»cMemtdeineitkntUeh«» Landtagsfraktiofl Die von der sazialdeiiiokratischen FfUttibN SU- ,> Didilsten»rmurnge auf Einfeguutz ssn Unter- fr changsausschüsfen im Preußischen Lrindtag liegen nunmehr vor. Sie haben folgenden WortiNui: Auf Grund des Artikels 25 der Preußischen Verfassung wird ein UniersuchuNgsmisschuß bon 2N Mitgliedern eingelegt, der des, Austrug hat. die Vorbereitungen, Zusammenhönge und Methoden zu UNiersuchen, die bei der Einsetzung des ReichskvMiNissars in PkeußeN Stis GruNd des Artikels itz der ReichsUerfSssuNg ivikt- sani geworden sind. Es wird ein Uniersuchungsausjchust von SU Mit- gliedern aus Grund des Artikels 25 der Preu- ßischen Verfassung eingesetzt. Her Ausschuß wird beauftragt, zii Ulstersuchen, Nach welchen Gfunb- saßen die Persanatpalltik des Reichs- kommissarg in Preußen SllgeMln be- trieben wird, nach welchen Gestl�spuNtleN!Ni einzelnen er Versetzungen, Abberufungen, Bellt- laubNNgen Und Versetzuiign von Beamten in den einstweiligen Ruhestand sowie Beförderungen Und Ernennungen durchfuhrt. £in einem dritten Ukantrag verweist die sozial- demokratische Fraktion auf den vom unter- suchungsansschug zur Prüfung der über Sie preu- ßische Polizei gemachten Peschwerben gesüßten Aeschluß, daß die äußerlich erkennbare Berant- wvrtting für die verfassUNgSGibrig erfälgke Durchsuchung von Räumen des Reichstage und von Schränken der Abgeordneten der stellöertke- tende Leiter �per Politischen Abteilung des Berliner Pokizeipräsidiums, Regierungsrat v. Wer- der, trage. Der gleiche Beamte, dessen Handeln Reichskoiumlssar und Ländtäg gleichermaßen als verfassungswidrig ansahen, sei wenige Wochen nach dieser Amtshandlung zum kommissarischen PollzeiprästbenteN von Bielefeld ernannt kvorben, Die Fraktion verlangt vom Landtag folgende Feststellung: „Die Voraussetzung zür Erhaltung von Sicher- heit und Ordnung, zu deren angeblich notwen- digcr Wiederherstellung der Reichskommissar ein- gesetzt worden ist, ist dir Achtung vor der Verfassung Und ihre sorgfältige Beachtung. Die BefärderUNg eines BeSMIen, der verfSstungs- widrig gehandelt hat, und seine Betrauung Mit der Leitung eiUes hohen Amtes widerspricht aufs schärfste dem Auftrag, zu dessen Durchführung der Reichskommissär vom Relchspröstdenten auf Grund des Artikels 48 der ReichsverfassuNg eingesetzt worden ist." Kulturabbau der Barone Zerschlagimgsarbeit der Autoritären Durch den Rundfunk haben dl« r e p u b l t- ta Nischen preußischen Ministerialbe- a m t e n gestern abend zuerst erfahren, daß sie„i n den ein st weiligen Ruhestand" versetzt sind. Man hat mit der Benachrichtigung des Publikums Nicht gewartet, bis die Betroffenen selbst informiert seien. Die„autoritäre Staats- führung" will zeigen, daß sie schnell arbeiten kann, wenigstens als— RaUsschmeißet! Die Funk— nagelneue Entiossenenliste gibt be- sonders nach der Unterredung, die Papen gestern mit Stto Braun über die„loyale Durchführung des Staatsherichtsurtells hätte, zu Mancherlei Be- trachtungen Anlaß. Es muß deutlich die ab- sichtliche Zerschlagung atker SN RS- publik gemahnenden Einrichtungen des Ministeriums für Wissenschast, Kunst und Volks- bildung gekennzeichnet werden. Allein in diesem Ministerium sielen der Abbauwüt der„Autor!- tären" ü- a. zum Opfet: Ministerialdirektor bahnte, der Staatspartei nahestehend, der seit dem Ministerium HaSNisch am Ausbau des höheren Schulwesens beteiligt war: Ministerialrat Dr. Gaede sSozialdemokratl, der Prsssereserent war und die Angelegenheiten det Studienassessoren und Rejerendare betreute; Ministerialrat Becker des Sprengstoffgesekes, wegen ver- suchten Mordes sowie wegen Vergehens gegen ß 1 de? Vierten Notverordnung des meichsprksidenten vom«. Dezember 1931 z« fünf Jähren einer Wvche Zuchthaus. Kerner wurden verurteilt der Angeklagte Heines wegen Begünstigung zu sechs Monate« Gefängnis Und dt« Än- geklagten Hayn, Staats und Rauscher ebenfalls wegen Begünstigung zu fe vier Monaten BefäNgNiS. Gegen de« Sticht« klagten Wolter erkannte das Sonderge- richt auf Freispruch. Heines bekam nach seiner Verurteilung wieder einen seiner bekannten Tvbsuchts- anfälle. Er schrie in den Saal, er sei Mit- glied des Ausschusses für Volksrechte und Die Hetze gegen Brolat Was idtt Mit dem anUehlichet» Meineidsverfahren Die Hugenbekg'sche T e is g r ö p h e U- st n i o n haste UNMitielbar nach der Mistellüng, daß das Verfahren wetzen Betzünftigung gegen den Ge- nösttn B'.-0tat eingestellt sei» gemeldet, daß g e- geN Brölat noch ein ErmittlUNgs- vetfahren wegen Meiüeid schwebe. Mit öitsek ÄisteiluNg sollte bffenkundig die Reha- vilitierung Bkolals verdunkelt werdeft. stehet dies angebliche EkmistlüNgsverfähteft wegen Meineids köNnteN weder Brolat noch sein Rechtebeistand NN aMtlichet Stelle eiwas feststellen. D e k Justiz- presse st elte Bar van einem Mein- eidsverfahren ftiktztß bekänni, sie teilte iN bezug auf die Meldung der Telegraphen-Union mit, daß ein Ermittlungsverfahren„in dieser Farm" jedenfalls nicht eingeleitet sei. Broläts Rechtsbeisinnd Dk, Rttbell teilt dazu Bit« „Bei den häufigen Besprechungen» die ich iM Laufe der letzten Monate mit den bearbeitenden Herren der Staatsanwaltschaft I geführt habe und di� wie ich gern anerkenne, nur rein fach- licheü Charakter hattest und mit aller Lssenheit eflihkt Werdest, ist st j e m a l s a u ch st u k a st- eutustgsweise davon die Rede ge- wesest. daß in ikgendeinem Punkt dek Verdacht bSs Meineide best ehe- Die Diskussion hat sich vielmehr In letzter Zeit Nur um den einen Punkt gedreht, ob in der Tat- fache, daß Brolat den Direktoren der Stadtbank und anderen Personen geraten hat. ihre Kleider- rechstüngen bei der Firma Keller u. Furch zu begleichest, etwa eine Begünstigung, nicht der Sklareks, sondern der Stadibankdirektoren, ek- bllckt werdest könste. Ich habe hierbei stets best Standpunkt vertreten, daß ganz unabhängig von dem tatsächlichen Gang der DiNye schon aüs rechtl'che-i Gesichtspunkten gar nicht«ine straf- bare Begünstigung begangen werden könne. protestiere gegen dieses Urteil, das null und nichtig sei. Ger Staatsanwalt erhob sofort gegen das unerhörte Auftreten des hystebischen Raziterrortsten Einspruch Und beantragte etne weitere Haftstrafc gegen Heines wegen Ungebühr vor Gericht. Hohe Zuchthausstrafen gegen Kommunisten Bremen, 11. November. Im Bremer Sprengstoffprazeß wurden ver- urteilt wegen Verbrechens gegen dos SpkeNgstoff- gesey ötk Astgekkigt« Föfftef ZU tlster GesSint- zuchthaüsstraie von acht Iahten, der Ange- klagte Fkiedrichsest zu sechs I 8 Jj k« n sechs Monaten Zuchthaus, der angeklagte Hamann zu einer Geiamizüchthaussiräis SSV füNs Jäh- rest sechs Monäien, ksr Astg-ilägie Köftit zu sllns Jähren sechs MstatsN ZllchtbaUi, dsk Angetläzse CwolSkkzyk zü elftsk Zuchlhalls- sirase vön s i N e M Iaht, dek Angeklagte Hei« vögt.zu zwei JohkSst sechs MöNatsv Zucht' Haus. Bei den Vekurteilte» handelt es sich um Kom- munisten, die am ist. Juli 1932 in der Nähe von Bremen mit Bomben angetroffen wur- den, öle sie aus vorbeikommende Nationalsozia- listen werfen wollten. Durch eine der Bomben wurde eist Polizeibeamter jekkisten. -- Tin T-- T Diesem Standpunkt hat sich nach eingehender Prüfung die Staatsanwaltschaft angeschlossen und mir nach eingehender sachlicher Prüfung schließlich ekklärt, daß man zu dem Ekgebnis gskvmmen sei. das Vekfähken gegen Brolsisus rßchtlichenErSägllNgen einzustellen. Es ist auch hierbei mit keinem W s k k a n g e d e u i s t. daß sich die Einstellung Nilk aus einen Zell»es Bekfahrests gegen Bkoiai bezieht, ssndekn lediglich«in- schränkend hinzugesetzt, daß Sie B e g r g n ö u u tz de? Beschlusses noch a b g e s e tz t werde." Ganz offensichtlich werden neue Berdschtj- g u n g e n gegen dest Genössest Brolat in die Welt gesetzt, die Brolais Rehabilitierung vertuschen sollest. Vvn eistet bisher unbekannien Sielle wird der Versuch gemacht, die niederträchtige Hetze gegen den Genossen Brolat weiter fortzusetzen und mit Nicht beweisbükest Behauptungen neu zu beleben. Wokum kommen die Hetzer Niwk hervor Mit einer klaren Anschuldigung? Die Methw* der Ber- leumsung ist in ihrer ganzen Abjcheuiichkeii durch. sichtig genug! Konkorvat tn Baden Eigener Bericht des„Vormärti1' Karlsruhe, it. Zlovemver. Die bodijche Regierung Hai am Ireliag den Text des Konkordat» verössenilich'. das sie mit der katholischen Kurie in Vom abgrschlassen hat und das nun dem Landtag zur Genehmigung vorgelegt wird. Da» Konkordat enthält li Artikel, in denen insbesondere Drganisaiivns- sragen der katholischen Kirche geregeil Und fest- gelegt werdest. An den zur Zeit des Vertragsabschlüsse» In Badest geilenden Rechtszuständen wird durch den Verlrag nichts geändert, Die sozialdemokratische Löndtagssrakiion hat de- schlössen, sich bei der Beschlußfassung über da» Konkordat der Stimme zu enthalten. Die Fraktion begründet ihre Haltung in folgender Erklärung! „Die sozialdemokratische Landtagsfraktion hat am Freitag, deist Ii. Növember, M Frage dek deM- nächst dem Landtag vorgelegten Konkokdüte Stet- lang genommen. Da mit der evangelischest Kirche die Verhandlungen Noch schwebest, lag der Ve- ratung lediglich der Entwurf mit der katholischen Kirche zugrunde Nach eingehender sachlich ge- führter Beratung wurde von der Landtagsfraktion einmütig astekkänNt, daß auch jetzt Nöch dek Sm 24. öktobek gefaßte Beschluß des ParteiausschusiSs zusammen mit dek Lanotagsfraktiön fük sie bin- vestd Ist. Ienek Beschluß gistg dahin, daß die Landtagsfraktion dem Konkordat die Zustimmung oersagen sdll. Ausdkllckliche Ablehnung war astö nicht veklangt Wörden Wenn auch Sfterkannt wer- den muß. daß dek Inhalt des Konkokbats die Staatsinteressen berücksichtigt, so war doch die Fraktion vcrpsiichtet, den genannten Beschluß eist- zuhalten. Seit die Soüaldemokratische Partei maßgebend an der Regierung veieiiigt ist, hat sie gegenüber KlekUsfragen eistest steutkaien Stand« Punkt eistgenammen. Sie glaubt gegenüber dem vorliegendest Kostkorbat die bisher eistgestöMMene Haltung beibehalten zu sollen und hat deshalb belchlossen. sich bei dek Abstimmung übet das Kon- tbkdak der Stimme zu enthaltest." Erfolgreiche Audenhetze Erfolg der Breslauer Radaustüdenten Die Breslauer antisemitischen Studenten, die am Donnerstag die Böklesungen des ordeatlichen Pkofessors De. E o h n gestökt hatten, haben am Freitag eine Entschließung gefaßi. in der sie die kommissaeische Pkeutzenregierung ausfordekn, Cohn abzusetzen Der sögeuanstie„Waffen- ristg" ektlört, baß er die R a d 0 U d S M 0 st st r a- t i b st e st gegen Prof. ClchN fortsetzest wekde. Der Rektor dek Bkeslauek Universität hat UNtek diesem Druck am Freitag die Vorlesungen bbn Pros. Cahst eingestellt! Die antisemitischen Radaustüdenten deehken die kommissarische preußische RegiekUstg Mit ihkeM ganz besonderen BertraUen und hoffen auf UNtek- stützung ihrer antisemitischen RodaubewegUNg! Zeitungsverbot ausgehoben Wildes mißglücktes Debüt Der Razigeschäftssuhrer und zum Staatskommissar von Birkenfeld neuernannte Hörbekt Wild hatte unser Parteiblatt m Oberstein, den „Rahetal-Bsten" gemag g s Ziffer 2 der Ber« ordnung des Reichspräsidenten vom 14. Illni 1933 auf die Dauer von 14 Tagen wegen angeblicher böswilliger VerächilichMachung seiner eigestest Person verboten. Alls die durch den Rechtsanwalt Dk. ReumaNN- Berlin eingelegte Beschwerde Hai NUNMeyk das Reichsgericht das Berböt äls u n b e« gründet SUsgehöbest. Die Nachricht, dstß der verantwortliche Redakteur und der Verleger unserer Parteizeltung„Nahetal- Böte" vdm Amtsgericht wegen Verbreitung der verbotenen Zeitung zu je 3 Monaten Gefängnis verurteilt Wörden sind, ist Unrichtig. Der vet- asttwörtliche Schriftleiter, Genosse Füllenbach, Ist vielmehr sreigesp röchen worden, Dos Urteil gegen den Geschäftsführer unseres Partei- Verlages ergeht erst in etwa vier bis fünf Tagen. Es ist anzunehmen, daß auch er freigesprochen werben wird. SchUlkeaktion in Anhalt. Das anhaltische Staats- Ministerium erläßt eine Perordnung, durch die das gleich nach der Revolution für die anhaitischen Schulen eingeführte System der kollegialen Schul- leikung beseitigt und da? stllyere System der Schulleitung und Rektoren wieder hergestellt wird. Nazis wollten im Ztlli putschen Der Sieg der„Nassen" Neue Enthüllungen im Altonaer Prozeß ho m b u r g, 11. Jlootmbct. Dn dem Vro,eh gegen die«0 SS.- LeUkt aus Schleswig-Yolsiein vor dem Alkonaer Soodergerichi Melden dutch die ZeUgensuclagrn die vorgSnge i» der Mchl zum t. Lugusi IgZZ, in der aus Annednukg des SiaNdarleNfilytetS und Reichstagsadgeordnelen Modet an zehn Orie» der Provinz handgranaienanschiäge veriibi wurden, immer klarer. Aber auch die politischen Niotioe der Talen erfahren eine gründliche Klärung� So wurde am Arcilag von verschiedenen Zeugen besiSkigl, daß den SS.'Leuken sowohl von dem Siandarlcnführec jlloder als auch von den einzelnen Unlersührern bei verschiedenen Besprechungen versicherl wurde, daß durch die AUssiihtUüg der Aklentate. die ln ganz Deutschland vorbereitet wurden, politische Un- ruhen hervorgcrnsen werden sSliieN. Bei diesen Unruhen sollte dann dle Reichswehr zusammen mit der SS. und Sil. eingesehl werden. Ans diesem Wege wollte die ItSSAP. zur Wach» xelansen. Zn allen Besprechnngen wurden die SS.-cen»e aber such daraus hingewiesen, daß General Schleicher fllt diesen Plan gewonnen sei und das vorhaben bestimmt klappen würde. Von allergrößtem Interesse war die Ver- nehmung des Schisssreeders Lohse aus ReNds- bürg, der bis zum IS. August 1332 der Führer des ES.-Sturmbannes ll/4 war. Lohse soll bei den VörbesprechuNgeN libek die Attentate und auch seine Es.-Leute vör seder Ungesetzlichkeit gewarnt haben. Tatsgchlich kamen ln seinem Be- zirke keine HaNdgkSNStenanschlgge zur Aus- führung. Lohse wurde seines Amtes enthoben. Bei den beschlagnahmten Akten befand sich ein Sonderbefehl der IV. SS.-Standärte vom ig. August 1S3Z. der von dem Ftihkee und Reichstagssvgeordneken Moder unterzeichnet ist. Darin wird mitgeteilt, daß Lohse seiner Dienst- stellung enthoben und gleichzeitig aus der Liste der SS. gestrichen sei. In dem Befehl wird weiter angeordnet, daß dem ehemaligen SS.- Sturmführer LSHse keine Mltteiiungrii mehr zu machen sind und daß darüber hinaus Zeder private Verkehr mit ihm abzubrechen sei. Die Stürme des Sturmbannes 11/4 würden der Standarte direkt unterstellt. Zu der Vernehmung, dle zunüchsi unbeeidigt erfolgt, weigert sich Lohse. die Gründe für seine Dienstenthebung anzugeben, wie er auch be- streitet, an den Führerbesprechunaen teil- genommen zu haben. Der Angeklagte Moder Sibt dem Gericht die itklürung ad. daß die lkatznahmen gegen Lohse nur aus„harmlosen organisatorischen Gründen" erfolgt seien. Der als Zeuge oernsmmene ehauffeur des StaNdarieNführers Moder weigert sich, irgend- welche Auskunst aus die Fragen des Böksttzenden zu geben. Der Kriminallekreiär Eyristiansen« Bendsburg sagt aus, daß er auf Grund der Angaben de« angeklagten KS-Mannes tWlchen einige Tage Nach den HaNdgronatenaiischlüßeN in dem garien de? SS.-Lokals Schützenhof M Rendsburg noch weitere neun Stielhandgranaten, drei Pistolkn 0,8. Waitysr- unh Mauiergiftolen und einen größeren Vorrat von Munitwn ge- funden Habs, die dokt vergraben waren Anschließend wird der Zeuge Thomsen ver- nommen, der sich der, SlaatsaNwaltschast zur Ver- sügung gestellt hat, um als ehemaliges Mitglied der Altonaer SS-, der et bis vor wenigen Wochen angehörte, Aussagen über die chand- granatenottentate zu machen. Ehe dieser Zeuge tm Saal erschien, machte der Vorsitzende die Angeklagte« daraus ausmerksam. daß bei den geringsten StSrungen während der Vernehmung von Thomsen sofort polizeiliche Maßnahmen ergrissen würden. Weiter ordnete er an, daß während der Vernehmung zu beiden Seiten des zeugeulisches mii Polizeibeamte postierten, um eventuelle Ausschreitungen der angeklagten sS.-eeut» gegen ihren srüheren Kameraden zu verhindern. Diese Maßnahme wird aber wieder rückgängig gemacht, als der Nazioerteidiger Freislet und der Standartenführer Moder sük eine reibungslose Durchführung der Verhandlung die Garantie übernehmen. Der Zeüge Thamsen bittet zunächst das Gericht, etwas über die Motive seiner Aus- sagen, die er aus genauester Kenntnis der Dinge mache, sagen zu dürfen. Er führt« ausi Von 1921 bis 1926 gehörte ich züm Freikorps Roß- bach und kam dann zur ÄTDAP. und zur SE. jzier erlebte ich aber gleich zu Ansang Eni- tauschungen über Enttäuschungen. Die Arbeiter wuiden immer nur als Stimmvieh behandelt, und Standartenführer Moder ektlürte ,,Idomeneö" Erstaufführung In der Lindenoper MozUkts Jugendwerk ist leider auch durch Wallelsteins dramatische Strassung und textliche Neufassung, ist auch durch Richard Straüßens musikoiifche Bearbeitung nicht zu retten. Eine Bearbeitung übrigSNe, di« den Organismus der opera sena zerstört, ohne etwas einleuchtend Neues an seine SlSUe zu setzen. Fragwürdige Inszenierung durch Förth, matte Musikalische InterpretationVashlngton Am 16. Dezember sind erhebliche Rate»- Zahlungen aus Darlehen fällig, die USÄ. iM Kriege an seine Alliierten, nach dem Kriege auch an besiegte Staaten gegeben hat. Dle größte dieser Raten ist die britische. Ader es ver- lautet, daß die gestern m Wlllhingtön überreichte Note aus London nur di« BsstStlgung des bereits vereinbarten Zshlungsoussqubs dieser Note enthält Wenn sogar England Nicht Mahr zahlt, wird sich kaum jemänd wundern, daß der Kchatzsekretär in Washington da« Ausbleiben der fälligen griechischen Zahlung öbn 444 929 Dollar de- kanntgibt. Griechenland scheint Nicht einmal eine Benachrichtigung sük Nältg erachtet zu haben, denn Schatzsekretär O g d e n Mills teilt gtelchzestig mit, dies sei der erste Fall, daß ein Land mit der Rückzahlung der Kriegsschulden in Verzug gerate. u n g a k n hat nach Washington wenigstens mit- geteilt, daß wegen Devisenmangel die am 16. De- zember fälligen 40 725 Dollar Nicht kommen werden. Paul Löbe in Wien. Aus dem aM Sonntag beginnenden Parteitag der o st erreicht- schen Sozialdemokratie wird die Sozial- demokratische Partei Deutschlands durch den srllhe- ren Reich-tagspräsidenten Paul Lobe ber- treten sein. Beglaubigte RundfunkreaMon Die Richtlinien der Regierung von Pöpen sük die Gestaltung der Rundsunkprsgramme werbe» jetzt bekannt. Sie sind das Dokument einer hundertprozentigen Kulturreaktion, „Das deutsche Volt", heißt es darin,„ist ein chrlstlich.es Volk. Dek deutsche Rundfunk wahrt deshalb christliche Gesinnung und Gesittung.. Er hat... das staatliche Den- ken und Wollen der Förek zu fbrMen und zu stärken. Dle vetehrungswürdigen aus dek G e- schichte des deutschen Volkes und des Deutschen Reiches überlieferten Güter sind in der Atbelt des deutschen Rundfunks zu achten und zu mehren, Seine Leiter und Mitarbeitet bejahen dieses gesrbichtllche Ekbe. Wer die veröNt- wottungsvollen Bindungen an Volk und Staat nicht anerkennt, hat keinen Platz tM deutschen Rundfunk." In einem weiteren Teil heißt es:„Die vekchit- wörtliche Teilnahme an der Politik als der Sorge für das Gesamtwohl des Boikes setzt das Wissen UM unsere große und besondere Ge- schichte voraus. Darum sdll der Rundfunk die Förer über das Werden des deutschen Volkes und des Deutschen Reiches unterrichten und das Die neuen Programmrichtlinien Göslltzt für deutsche Art stärken... Die er- regenden Frsgsn der Zeit werden so behänvell. daß das Wohl des Ganzen gewahrt bleibt... Was in der Familie als anstößig eMpfun- den wird, ist zu vermeiden. Was das Christen- t u m entwürdigt und die Sitte und Kultur des deutschen Volkes auslöst, ist vom RuNdsunk aus- geschlossen." So weit die Richtlinien. Ihre reaktionäre gegen freiheitliche, demotratische und sozialistische Denkart gerichtete Tendenz liegt aus der Fand. Alls ihnen spricht der Geist eines bewußten, UN- duldsamen, hypekkönservativen Nationalismus mit mönarchistisch-fsudälen Traditionen. Sie legen noch einmal schriftlich sest, was UNtek dem Reichs- ruNdfUNkköMMIssak Schälz im Rundfunk üblich ge- worden Ist. Es bleibt die Frage, wie sich diese Rundfunk richtlinien nach der neuen Kompetenzver- t« i l u n g zwischen dem Reichskommissar und den Staatskommissaren der einzelnen Länder auswirken werden. Die Verhandlungen zwischen Reich und Ländern, SU vor dem Abschluß Zu stehen scheinen, haben zwar von de» diktato- rische» Machtansprüchen des Reichskommissars Scholz manchen Abstrich getan, so daß unter Um- ständen je nach der Kkästeverlellung in den ein- zelnen Ländern eine gewiss« veknünstlge Aus- legung der Richtlinien statthaben könnte, als Ganzes genommen sind sie seddch unbesriedigend. Nach den neuen Vereinbarungen wird das Reich nicht mehr das Recht zur Ernennung der Staats- kommistare haben, sondern di« Länder ernennen die Kommissare IM Einvernehmen mit dem Reich. Die Ernennung der leitenden Peksvnllchteiten bei den einzelne» Sendern geschieht durch di« Gesell« schosterversammlung nach vorheriger Stellung- nähme des Reichskommissgrs, wobei zu beachten bleibt, daß die ReichsrundsUnkgesellschast bei sede« Sender mit 6l Proz beteiligt ist. In den tünst- lerischen Und politischen ProgrammaNgelegenbeiken haben Reich und Länder ein wechselseitige» Belo« recht. In Zweiselssällen Muß die umstrittene Dar- äietung unterbleiben. Kein Zweisel. daß dies« Neuordnung, wenn si« wie ausgezeichnet Tatsache werden sollte, zu den heftigsten Reibungen sühren muß. Die R«gl«rung der Freiherren will es offenbar auf Machtkämpfe ankommen lassen. Ansere Kulturausgaben Sic Lerlagsgcscllschafl des Allgemeinen Sem- scheu(gewerkschaftsbundes bringt soeben in einer kleinen, handlichen Broschüre(22 Seiten, Preis 40 Pf., Organisationspreis 30 Pf.) die Rede her aus, die Genosse L e i p a r t in der Bundesschule des ADGB. in Bernau am Z4. Oktober gehalten hat. Der Titel lautet:„Die Kulturaufga- ben der Gewerkschaften." Ueber diese Rede sind allerlei Gerüchte und Behauptungen i» Umlauf gesetzt worden. Sie bedeutet angeblich eine Schwenkung der Gewerkschaften zum Nationalis- mus. Wir veröffentlichen deshalb hiermit gerade den Teil der Rede, der sich mit der Stellung zur Nation auseinandersetzt. Heimat und Nation. Man wirft uns weiter vor, daß wir nicht na- tionnl feien. Nun, wir wissen sehr wohl, daß alle Kultur auf nationalen Grundlagen erwächst. Uns find 5)eimat und Geschichte Werte. deren Bedeutung für unser Volk wir aufs höchste schätzen. Jede einzelne Geschichte unserer Verbände, die von den Vorständen bisher herausgegeben wurde, ist gleichzeitig eine Geschichte der betreffen- den Gewerbezweige, die mit all der Liebe ge- schrieben ist, die man dem Werden unseres Volkes entgegenbringt. Ich denke hierbei an die Werke von Hermann Müller, August Brinkmann. Otto Kampf dem Lohnabbau 5000 I�letallarlzeiter gekündigt Wetzlar, 11. November. In der Metallindustrie des Lahngaues und Oberhessens droht ein schwerer Ar- beitskonflikt. Der Schlichter hat einen Schiedsspruch gefällt, der einen Ecklohn von 60 Pfennig in der Stunde vorsah. Der Schieds- spruch bedeutet eine erhebliche herab- setzung der Löhne und wurde von den Ar- bestem abgelehnt, von den Unternehmern angenommen. Die am Mittwoch vor dem stellvertretenden Landesschlichter geführten Nach- Verhandlungen sind ergebnislos abgebrochen worden. Infolgedessen ist den gesamten Beleg- schaften auf den Werken der Metallindustrie (Buderussche Eisenwerke in Wetzlar, Stahlwerke Röchling-Buderus in Wetzlar, Karishütte in Staffel bei Limburg, Main-Weser-Hütte in Lollar, Buderussche Eisenwerke in Hirzenhain) zum 15. November gekündigt worden. Eine gestern in Wetzlar tagende Versammlung der Me- tallarbeiter brachte zum Ausdruck, daß man trotz- dem auf der ablehnenden Haltung zu dem Schieds- spruch beharren müsse. Infolgedessen wird am 16. November in sämtlichen genannten Werken die Arbeit niedergelegt. In Frage kommen etwa 5000 Metallarbeiter. Ner EchuhkonslM Vertmndhmgen am 18. November Im Tarif st reit der Schuhindustrie sind vom Reichsarbeitsministerium Verhandlungen auf Freitag, den 18. November, anberaumt worden. Als Sonderschlichter wurde Regierung?- direktor Friedländer- Stettin bestimmt. Schon Ende Oktober fanden im Tarifstreit der Schuhindustrie Verhandlungen statt. Sie schester- ten an der Haltung der Unternehmer. Beim Ab- bruch der Verhandlungen erklärten die Unter- nehmer, daß sie das Reichsarbeitsministerium an- rufen werden. Die Schuhfabrikarbeiter haben in den letzten Wochen gegen die Durchführung der Notverord- nung vom 5. September energisch Widerstand ge- leistet. In vielen Fällen kam es zu Arbeitsniederlegungen. Die auf Grund der Notverord- nung unternommenen Lohnsenkungsoersuche wurden nahezu restlos zurückgewiesen. Hoffentlich hat dieser Widerstand den Unter- »>ehmern gezeigt, daß gegen jede Verschlechterung des Reichstarifvertrages die Arbeiterschaft zu- sammenstehen wird. Jedenfalls find vom Zentral- verband der Schuhmacher hierfür alle not- wendigen Vorbereitungen getroffen worden. Eine von 250v Wie die BVG. entläßt Unter denen, die nach der Aufforderung der Direktion der BVG., die Arbeit wieder auf- zunehmen, an der Arbeitsstelle nicht erschienen waren, befand sich auch eine Reinmache- f r a u. Sie erhielt gleich allen anderen, die nicht zur Arbeit gekommen waren, ihre E n i l a s s u n g. Die Frau reichte beim Arbeitsgericht eine Ein- spruchsklage ein und berief sich darauf, daß von ■ArKeiterbewesimg und Nation Hue, Alexander Knoll u. a., auch an die Geschichte des Handwerks von Rudolf Wissell. Wir wissen in diesem Zusammenhang auch die Kräfte der Tradition zu schätzen, ohne die eine Bewegung steuerlos hin und her treibt. Wir sind stolz auf diese unsere Geschichte. In ihr haben Männer gewirkt, die ihr Bestes für die Freiheit der Arbeiterklasse hingegeben haben. Keine soziale Schicht kann sich der nationalen Entwicklung entziehen. Auch wir haben es nicht getan, als wir im Weltkriege bis zu dem traurigen Zusammenbruch für unser Vaterland gekämpft haben, als wir 1818 die ganze Last des zusammen- gebrochenen Reiches auf uns genommen haben und seitdem eine Aufbauarbeit leisteten, die in der Geschichte einmal eine ganz andere Bewertung er- fahren wird, als es in dieser Zeit der politischen Verwirrung geschieht. Es ist eine Arbeit gewesen, die sich aber auch an uns gelohnt hat. Wir find durch eine harte Schule gegangen. Wir bereuen es nicht, weil wir wissen, daß nur die Schicht am Ende sich durchsetzt, die auch die stärksten geistigen und sittlichen Kräfte in sich trägt. Arbeitsverweigerung bei ihr keine Rede sein könne, denn sie habe sich zur fraglichen Zeit in Urlaub befunden, der auch bei der ange- ordneten Arbeitsausnahme noch andauerte. Am Richtertisch erregte es allgemeine Verwun- derung, daß die Klägerin unter diesen Umständen entlassen worden ist. Die Verwunderung steigerte sich bei allen Zuhörern der Verhandlung zur Miß- billigung, als der Vertreter der BVG. zugab, daß die Angabe der Klägerin richtig fei. Da der Termin aus einem formellen Grunde vertagt werden mußte, riet der Richter dem Vertreter der BVG., die Klägerin weiterzubefchäf- tigen. Merkwürdigerweise machte der Vertreter keine Die legte Ausgabe des„Reichsarbeitsblattes" enthält den Tätigkeitsbericht der Schlichtungsbehörden für 1931, der diesmal insofern sehr interessant ist, als er zahlen- mäßig darüber Aufschluß gibt, wie stark sich die staatlichen Schlichtungsinstanzen durch ihre Unter- stützung des allgemeinen Lohnabbauseldzuges an der Vernichtung der Massenkaufkraft beteiligt haben. Gegenüber 1930 ist im Berichtsjahr die Zahl der Schlichtungsverfahren vor den Schlichtungsaus- schüssen von 3760 auf 6330 gestiegen, die Zahl der Verfahren vor den ständigen Schlich- t e r n von 218 auf 457 und die der Verfahren vor besonderen Schlichtern des Reichsarbeits- Ministeriums von 39 auf III. Die Zahl der Verfahren vor den ständigen Schlichtern hat sich demnach gegen das Jahr 1930 mehr als oer doppelt und die Zahl der Schlichtungsversahren vor Sonderschlichtern sogar säst verdreifacht. Wenn man in Rechnung stellt, daß vor den Sonder- schlichtem größtenteils die Streitigkeiten verbandelt werden, an denen Zehntausende, ja, sogar mehrere hunderttausend Arbeiter beteiligt sind, dann erkennt man. in wie starkem Umfange das Keichsarbeits- miniflerium sich an der Verelendung der Arbeiterschaft schuldig gemacht hat. Die wachsende Abneigung der Ar- b e i t e r s ch a f t gegen die staatliche» Schlichtungs- instanzen, die auf deren Tätigkeit zur Verschlechte- mng der Lohn- und Arbeitsbedingungen zurück- zuführen ist, kommt deutlich in dem Rückgang der Anrufungen der Schlichtungsinstanzen durch die Gewerkschaften zum Ausdruck. Von sämtlichen amtlichen Schlichtungsverfahren kamen zustande auf Antrag der Unternehmer im Zahre 1929 nur 12,9 Prozent, im Zahre 1930 schon 20,9 Prozent und im Zahre 1931 bereits 34,6 proz. Die Unternehmer finden also immer mehr Ge- iallen an den vor wenigen Jahren noch so heftig von ihnen befehdeten Schlichtungsbehörden. Das gleiche trifft auch für die Zahl der Anträge auf Verbindlichkeitserklärung von Schieds- sprächen zu, die von 19 Pro;, aller im Jahre 1929 gestellten Anträge aus 27 Proz. im Jahre 1930 und 32,5 Proz. im Iahre� 1931 stieg. Fast zwei Drittel aller im vorigen Jahre gestellten Anträge auf Verbindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen amtlicher, nichtamtlicher und vereinbarter Schlich- Wir haben für unser Volk Opfer gebracht. Wir taten es im Kriege. Dafür legen so manche mann haften Worte von Karl Legien das beste Zeugnis ab. Wir taten es im Kampfe gegen den Separatismus im Westen und in der Zeit des passiven Widerstandes im Ruhrkampf. Wir haben alles unterstützt, was unser Volk frei und wirtschaftlich wieder gesund machen sollte. Wir wehren uns aber dagegen, daß der nationale Gedanke mit dem aristokratisch-kapitalistischen System gleichgestellt wird. Die überkommene Ordnung ist uns zu eng. Sie ist nicht imstande, unsere Forderungen nach einem menschenwürdigen Dasein der Ar- beiterschaft zu verwirklichen. Sie schnürt uns das Leben ab, das wir in uns tragen. Wir brauchen freie Entfaltung unserer Kräfte auf dem Boden der Demokratie. Mit unserer Gesellschastsauffassung verträgt sich sehr wohl die Forderung nach Zusammenarbeit, nach Ordnung und Disziplin. Wer unsere Bil- dungsstätten und unsere Bewegung kennt, der weiß, welche Opfer wir von jedem einzelnen unter uns im Interesse des Ganzen fordern. bestimmte Zusage. Warum nicht'? Reicht seine Vollmacht nicht so weit, daß er die Direktion zur Wiedergutmachung eines offen- baren Unrechts verpflichten konnte? Er wußte doch, daß die Klägerin sich zur Zeit der Arbeitsaufnahme in Urlaub befand. Es wäre doch klüger gewesen, wenn es die Direktion nicht erst zur Klage hätte kommen lassen. Erneuerer In der sächsischen Bergstadt Freiberg hatte der Magistrat, als der Z e n t r a l» e r b a n d der Angestellten vor einigen Wochen sein tungsstellen gingen von den Gewerkschaften aus. An erster Stelle standen bei sämtlichen Schlich- tungsverfahren reine Lohn- oder Gehaltsstreitig- leiten, nämlich 61,5 Proz. Da aber auch in den anderen Verfahren wegen Arbeitszeitstreitigkeiten oder sonstiger Differenzen größtenteils Lohn- oder Gehaltsfragen mit zu entscheiden waren, betrasen ungefähr neun Zehntel aller 1931 geführten Schlichtungsverhandtungen Lohn- und Gehaltsstreitigkeiten. Die Arbeiter waren an den Schlichtungsverfahren mit 81,7 Proz. beteiligt, die Angestellten mit 17,6 Proz. und beide Gruppen zugleich mit 1,3 Proz. Von sämtlichen anhängig gemachten Schlichtungsversahren wurden 28,8 Proz. noch vor der Bildung einer Schlichtungskammer durch die sogenannten Vorverhandlungen oder auf sonstige Weise erledigt, die übrigen gelangten vor die Schlichtungskammern, die in 56,5 Pro;, der Streit- iülle einen Schiedsspruch fällten, in 9,5 Proz. der Fälle eine Einigung zwischen den Parteien her- beiführten und in 5,2 Proz. der Streitigkeiten einen sonstigen, nicht näher bezeichneten Beschluß verkündeten. Angenommen wurden von diesen Schiedssprüchen durch beide Parteien nur 5.5 Proz. gegenüber 7 Proz. im Jahre zuvor, hinsichtlich der Ablehnung der Schiedssprüche verläuft die Arbeitnehmerkurve ganz gegensätzlich zur Unter- »ehmerkurve. Der Prozentsatz der Ablehnungen von Schiedssprüchen ist auf der Unternehmerseite von 72,9 Proz. im Jahre 1929 auf 66,7 im Jahre 1931 zurückgegangen, aus der Seite der Arbeiter jedoch im gleichen Zeitabschnitt von 19,5 Proz. auf 27,8 Proz. gestiegen. Die Anträge aus Per- bindlichkeitserklärung von Schieds- sprächen wurden in folgender Weise erledigt: 5,5 Pro;.(1930: 4,6 Proz.) der Anträge wurden zurückgezogen, über 48,9 Proz.<44.5 Proz.) wurde nicht entschieden, weil sich die Parteien geeinigt hatten, bei 28,7 Proz.<23,7 Proz.) wurde die Per- bindlichkeitserklärung ausgesprochen und bei 19,6 Prozent<27,2 Proz.) abgelehnt. Es fehlen leider gesonderte Angaben darüber, wie die'Anträge der llnternebmer und die der Gewerkschaften behandelt worden sind. Ts fehlen vor allem Zahlenangaben darüber, in welchem Umfange bei Lohnabbau- schiedssprüchen die Arbeiter und Angestellten be troffen wurden. Aber aus den Lohnstatistiken geht um so deutlicher hervor, wie die Schlichtungs Maschine gegen die Arbeiterschast funktioniert hat. westsächsisches Gaujugendtreffen dorthin einberief, beschlossen, ein Transparent auf- zustellen. Das kostete 60 Mark. Diese vornehme Geste erregte das Mißfallen der Nazis: denn das Treffen erfreute sich eines sehr starken Besuches und verlies außerordentlich wirkungsvoll. Die Wut der Nazis ging so weit, daß sie sogar mehrere Sitzungen des Stadtparlaments, in denen wichtige Fragen der Arbeitsbeschaffung und Winterhilfe für die notleidende Bevölkerung ent- schieden werden sollten, ausfliegen ließen. .haß. vor allem kleinlicher haß, das ist die „Größe" dieser herrschasten, die vorgeben, Deutsch land erneuern zu wollen. Wie anno dazumal Die Bevorzugung der Versorgungsanwärter Die Bevorzugung der Versorgung s- a n w ä r t e r bei der Anstellung hat eine neue Erweiterung erfahren. Der Prozent- fatz der Versorgungsanwärter, die bei ö f s e n t- lichen Behörden beschäftigt werden dürfen. ist für die unteren Gruppen, d. h. für die Haupt- masse der Anwärter von 75 auf 90 Proz. erhöht worden. Im übrigen besteht seit dem 1. Juli zugunsten der Versorgungsanwärter auch ein Vorrecht für berufliche Betätigung in der Sozialversicherung. Für diese fortgesetzte Bevorrechtung der Ver- sorgungsanwärter ist absolut kein stichhaltiger Grund zu entdecken, am allerwenigsten bei einer Betätigung in der Sozialversicherung. BDG.-Nachspiel In anderer Betraeiitung Die durch den wilden Streik bei der BVG. in Mitleidenschaft gezogenen Gewerk schafts- Mitglieder find von dem Verhallen der Unorganisierten und dem der RGO.- und hitter- Leute keineswegs begeistert. Auch wir nicht. Doch gleich dem Gesamtverband und der übrigen beteiligten Gewerkichasten wandten wir uns von vornherein gegen die ungeheuerliche Maßregelung von 2500 Angestellten der BVG. und verurteilten nicht minder die Zucht- hausurteile wegen einiger Steinwürse gegen die Glaswände der BVG. Zu unserem Eintreten für die Opfer des BVG.- Streiks wird uns von einem Arbeiter der BVG. geschrieben: „Ich bin dafür, daß unbillige Härte vermieden wird, aber auch dafür, daß den radikalen Elementen der Standpunkt klar gemacht wird. Was wäre wohl aus uns Frei- gewerkfchaftem geworden, wenn die NSDAP.- Zelle gesiegt hätte? Wir haben in diesen Tagen direkt Spießruten laufen müssen. Vor uns ist ausgefpien worden, wir find als Streikbrecher, Lumpen und Verbrecher beschimpft worden, weil wir gewerkschaftliche Disziplin geübt und unsere Organisation nicht im Stich gelassen haben. Und nun sollen wir für diese blinden Nachläufer der Parolenschuster wie für die fanatisierten An- Hänger von Hitler und Thälmanv uns noch besonders ins Zeug legen? Ich meine, das ist wohl etwas zuviel verlangt. Es ist schon genug, daß die Unorganisier- i e n stets in den Genuß der von de» freien Ge- werkschaften errungenen Verbesserungen oder ab- gewehrten Verschlechterungen kommen, ohne daß sie auch nur einen Finger krumm machen und uns noch als„die Dummen" verhöhnen, die Gewerk- schaftsbeiträge zahlen." „Mehrbeschäftigung" Auf Anfrage des Reichskartells des selbständige» Mittelstandes hat der Reichsarbeitsminister geantwortet, daß die W e i- terbeschäftigung eines Lehrlings. der nach Ablauf feiner Lehrzeit nicht aus einem Unternehmen ausscheidet, sondern als 5zandlungs- gehilfe oder sonst gegen Entgelt im Betriebe weiterbeschästigt wird, regelmäßig als Mehr- befchäftigung eines Arbeitnehmers im Sinne der Verordnung des Reichspräsidenten zur Belebung der Wirtschaft vom 4. September 1932 anzusehen ist. Also der Lehrling hat am l. Oktober seine Lehrzeit beendet und arbeitet weiter, wie er bisher gearbeitet hat.„M e h r b e s ch ä f t i g u n g" sagt die Regierung. Also bekommt der Unternehmer 400 Mark Prämie und das Recht, entsprechend die Löhne zu senken, hat ein Handwerksmeister z. B. zwei Gehilfen außer dem Lehrling, so kann er dann die Löhne der beiden Gehilfen— und des Ausgelernten— für die 31. bis 40. Stunde u m 5 0 Proz. senken. Da der Lehrling natürlich bisher auch ein entsprechendes Entgelt erhielt, kann dem Handwerksmeister unter Umstände,, die ..Mehrbeschästigung" billiger kommen als die Einstellung eines neuen Lehrlings. Der Papen- Plan ist wirklich genial— für die Unternehmer. Hierzu 2 Beilage» Die GchSichtungsmafchine Biae dunkle aber aufschlußreiche Statistik See„Lorwiirls" erscheint wochentägtich ziveimn!. Lonniagz und Montags einmal. Illustrierte Sonntagsbeilage„«oll«ib Zeit", i Kezugspreise: Wöchentlich 7ä Ps., monallich S M.(baoon 57 Vi monatlich iilr Zustellung ins Sau-) im voraus zahlbar. Postbezug S,g7 M einschließlich«0 Pf. Postzeitung, uns 72 Pi. Postbesiellgebiihren. Au-Iandsadonnenirnt M. pro Monat: iilr Sönbcr mit ermäßigtem ftudfachenpotta 4 6.", M. Bei•!! afnll brt Lieieiung wegen höherer Gewalt besteht krin Anspruch ber Abonnenle» auf lirsag Anzeigenpreise: Die einspaltige Rillimeterzeile'bi Ps.. Siekknuzeile t.än M...Kleine A n! e i g e n" bas tettgfbriirtie Wort 20 Pi jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tari,. Worte Uber lä Vuchstab-n zählen für zwei Worte,«rttitsmorft Millimeterzeile 2.7 Pf.-Zamilienan, eigen Millimeterx-ile 1« Pi. Anzeigenannahme' im Hauvigefchüll llinbenftr.. oochentäglich von 8',i bis 17 Uhr. Der Perlag behält(ich das Rech, der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor. I Verantwortlich für Politik: Rubolf»renbemühl: Birtfch-M:®.»lingelböier: iveweetiäiailsbewegung: 3. Steiner, äenilleton Kerbert llep-m Lokales und Sonstiges: Fritz Karftnbt: Anzeigen: Ott« Hengst: sämtlich in Berlin. I Verlag: Vorwärts-Verlag(5. nu b. H.. Berlin. Druck: Porn>ärts.Luchbruckerel unb Lerlagsanstall Paul Einger u. Co.. Berlin EW.«d. Lindenstr. i,'. ERSTE BEILAGE SONNABEND, 12. NOV. 1932 Anbekannte Soldaten der Justiz Im Schatten der Richter und Anwälte Unsere Rechtspflege stützt sich, was wenig oder gar nicht bekannt ist, auf einen starken Wall stiller Männer im Hintergrund, die die Berge alltäglicher Arbeit abtragen und es so den Führern ermöglichen, erleichtert sich fast ausschließlich den schwierigeren Ausgaben zu widmen. In der Vor- stellung der Rechtsuchenden gibt es auf der einen Seite nur den Richter, auf der anderen nur den Anwalt, Es seien nun einmal für das Publikum die sonst verschlossenen Türen zu den Hinterstübchen gfliffnet, die sich an Richter- und Anwaltszimmer anschließen. Im Hintergrunde der Richter sitzen die Rechtspfleger. Erst im Jahre 1921 kamen sie aus die Welt. Das Reichsgesetz, das sie aus dem Nichts schuf, gab den Landesjustizverwal- tungen vertrauensvoll den Rahmen an, in dem sie die„Rechtspsleger" zur Entlastung der Gerichte heranziehen dürfen. Entscheidend ist, daß sämt- liche Aufgaben, die dem Rechtspfleger danach zu- gewiesen werden können, echte richterliche Geschäfte sind, Geschäfte also, die bis 1921 nur ein aka- demifch voll ausgebildeter Richter erledigen durfte. Die deutschen Länder haben sich dieser Ermächti- gung in verschiedenem Maße bedient. In Preußen geht die Macht der Rechtspfleger recht weit. Sie sind es, die die jedem nur allzu be- kannten Zahlungsbefehle erlassen, jene Aufforderungen, die schnell rechtskräftig und voll- streckbar werden, wenn der Betroffene nicht Widerspruch einlegt. Weit geht ihre Macht in der Zwangsvoll st reckungi sie fassen die Be- schlösse über die Pfändung und Ueberweisung von Geldforderungen und Ansprüchen auf Heraus- gäbe von Sachen. Die Pfändungsgrenze zu er- rechnen, die sich nach der Größe des Gehalts und der Zahl der unterftützungsberechtigten An- gehörigen bemißt, ist das sozial verantwortungs- volle Amt des Rechtspflegcrs. Aber auch vom Gehalt abgesehen hat der Rechtspsleger die Prüfung, ob die Pfändung einer vollkommen un- pfändbaren Forderung(gesetzliche Alimenten- forderung. Mieterrechte, nicht rechtshängige Schmerzensgeldforderungen) oder einer nur unter gewissen Boraussetzungen und zu gewissen Teilen pfändbaren Forderung(Witwen- und Waisen- Pensionen, Militäreinkommen) vom Gläubiger be- gehrt wird, nach den verzwickten Bestimmungen der Prozeßordnung und Versorgungsgesetze selb- ständig vorzunehmen. Er hat endlich die richtige Form zu wählen, in der die Pfändung auszu- führen ist. Der täglichen Erfahrung sind auch jene be- fristeten Einstellungen der Zwangsvollstreckung ge- läufig, die vorgebliche Eigentümer der in fremder Angelegenheit gepfändeten Sachen oder diejenigen beantragen, die auf Grund ihres Vermieter- Pfandrechts Anspruch auf vorzugsweise Be- friedigung aus dem Erlös der Pfandobjekte er- heben. Auch diese Einstellungsbeschlüsse, die das Leben des Gläubigers überraschend verdüstern und jenen zahllosen„S i ch e r h e i t s"- E i g e n- t ü m e r n unserer Tage ihre letzte ehrliche Rettung oder aber auch ihr an Schiebung gren- zendes Herrschaftsrechts eine Weile noch sichern, erläßt der Rechtspsleger. Auch Arrestaufhebungen nach Hinterlegung eines Geldbetrages durch den betroffenen Schuldner sowie säst alle gewöhnlichen Maßregeln der Strafvollstreckung ruhen in seinen Händen. Freilich sprechen die Rechtspsleger nie das letzte Wort. Einwendungen können immer bei dem dem Rechtspsleger übergeordneten Gebicht vorgebracht werden. Auch sind ihnen die gefährlichen negativen Entscheidungen wie die Ablehnung des Zahlunqs- besehlsgesuchs und auch die Unterbrechung der Strafvollstreckung entzogen. Auch der Rechtsanwalt hat ein Hinterstüb- chcn. Dort sitzt der Referendar. Gewiß, man sieht ihn auch manchmal während der Ausbildung unter den Fittichen des Richters sitzen. Aber wäh- rend er hier fast immer nur Schüler ist, gewinnt er im Anwaltsbüro häufig größere Selbständigkeit. Er wächst über den Zweck der Ausbildung hinaus, mit dem er in das Büro eintritt. Wenn der An- walt einen Referendar über das Ausbildungshalb- jähr als Hilfsarbeiter beibehält, wird dieser junge Mann zum Anwalt im Kleinen. Wer weiß denn. daß in manchen Prozessen alle Schriftsätze und Korrespondenzen vom Referendar entworfen wer- den und der Segen, den der Anwalt diesen Werke» mitgibt, in nicht viel mehr als in seiner Unter- schrift besteht? Gewiß, der Anwalt wird die großen Linien des Prozesses im Auge behalten, das übrige aber überläßt er sehr oft vertrauensvoll dem jungen Mann. Die jungen Männer füllen denn auch die Gerichtssäle der Amtsgerichte, zeigen sich sogar auf den Landgerichten und reden wie die Großen. Machten sie ihre Sache nicht gut und ge- schickt, würde der Anwalt sie nicht gewähren lassen. Also verdienen sie es auch, daß sie einmal aus der Bescheidenheit des Hintergrundes hervor- gezogen werden. Und dem sozial Denkenden wird es vielleicht lieb sein zu wissen, daß auch der Führer eines gewaltigen Anwaltsbüros seine Soldaten hat— seine heute noch unbekannten Soldaten. Jluf ein Jtiff gelaufen |..... m I -■■:- ■"■■- Tifffr---■ �• JS MW«-! xÄ mm f in fiigllfdier■öampfrr ijl auf ein Utiff an der rhlneflfehen'.Kiifle gelaufen i)er rOantpfer funk In hur aer Zeil, Paff agiere und lllannfrhafl honnlen durch engllfcheWrleggfchiffe gerellel trerden. Sonntag Kirchenwahl Sozialistische Wahlvorschläge Für diejenigen evangelischen Partei- genossen, die sich ihr Kirchenwahlrecht ge- sichert haben, ist es von Wichtigkeit, zu wissen, in welchen Berliner Gemeinden zu den Wahlen am nächsten Sonntag ein so z i a l i st i s ch e r W a h l- Vorschlag vorliegt, und wie der Spitzenkandi- bat heißt, der diesen Wahlvorschlag der„Reli- g i ö s e n S o z i a l i st en" kenntlich macht. Es sind folgende Gemeinden mit nachstehend ge- nannten Genossen als Spitzenkandidaten: Heilig- Kreuz, Wilhelm Hattendorf: Passion, Ihermann Grosse: Charlotten- bürg- Trinitatis, Fritz Brühmann: Neukölln, Franz Tobel: Britz, Wilhelm Dubberke: Adlershof, Ferdinand Hirsch: Pankow- Hoffnungskirche, Otto Gaulke: Zehlendorf, Max Gottschling: Tempelhof, Friede! Jahn: Steglitz, Willy Schönherr: Rudow, Oskar Heffler: Drewitz, Hauptlehrer Jäger: Güter- gotz, Hermann Hochschulz. Vom Vorortzug getötet! Beim Brückenbau der Reichsbahn in Zehlendorf auf der Höhe der Potsdamer Straße ereignete sich gestern nachmittag ein folgenschwerer Unfall. An der Baustelle ist seit längerer Zeit eine Winterhilfe im Beethoven-Saal. Beginn des Kon- zertes 8 Uhr. Am 18. November geben die Co- median Harmonists in der Philharmonie ein Kon- zert zum Besten der Berliner Winterhilfe. Am 18. November veranstaltet ferner die Schupo- Kapelle für die Berliner Winterhilfe ein Sin- foniekonzert in der Hochschule für Musik. Geldspenden für die Berliner Winterhilfe werden erbeten auf das Postscheckkonto Nr. IM der Preußischen Staatsbank(für die Berliner Winterhilfe). * Der im preußischen Ministerium des Innern amtierende Reichskommisfar hat sich in einem Erlaß an die staatlichen Polizeibehörden damit einverstanden erklärt, daß die staatlichen Polizei- behörden ihre Fahrzeuge mit Pferdebespannung, soweit es die Erfüllung der polizeilichen Aufgaben zuläßt, den örtlichen Organisationen der Deutschen Liga der freien Wohlfahrtspflege zur Durchführung des Winterhilfswerks im bevorstehenden Winter auf Antrag zur Versügung stellen. Es ist zu er- warten, daß die übrigen Länderregierungen mit ähnlichen Erlassen folgen werden. Den Organisa- tionen der Winterhilfe wird anheimgegeben, in geeigneten Fällen sich an die Schutzpolizei um entsprechende Mithilse zu wenden. größere Arbeiterkolonne beschäftigt. Als gestern der 34 Jahre alte Arbeiter Willi Krüger aus der Danziger Straße einen Lorenzug bediente, überhörte er infolge des starken Geräusches einen in Richtung Wannsee fahrenden Borortzug, trog des Warnungssignales. K. wurde von der Lokomotive erfaßt und auf der Stelle getötet. Der Ruf der Winterhilfe Wiecler Kleidersammlung Die Winterhilfe setzt ihre Kleidersammlungen fort. Die Reichswehr wird in folgenden Bezirken sammeln: Lichtenberg am 14. und 15. No- vember, Zehlendorf am 17., 18. und 19. November, K r e u z b e r g am 22. und 23. November. Wer aus irgendwelchen Gründen feine Spenden den Helfern nicht übergeben kann, sende sie direkt an die Geschäftsstelle der Berliner Winterhilfe, Berlin C. 2, Burgstrahe 28; Fernsprecher v 1 Norden 1928. Kempinski speist täglich unentgeltlich 599 Er- werbslose, die Engelhardt-Brauereien 279, die Löwen-Brauerei 2M, das Shell-Haus 69 Erwerbslose. Am 12. November singt Frau Emmi Leisner Lieder von Schubert und Brahms, begleitet von Professor Bruno Walter, zugunsten der Berliner Tob Ludwig Hoffmanns vlehcimer Paurack Professor Tr.-Fng. b. c. Ludwig H o f f m a n n, Stadtbaurat und Ehrenbürger von Berlin, ist gestern abend im Alter von 8V Jahren an den Folgen eines erlittenen Schlaganfalls in seiner Berliner Wohnung verstorben. In Ludwig Hoffmann verliert Berlin nicht nur einen Ehrenbürger, sondern einen Menschen, der auf die bauliche Entwicklung der Reichshauptstadt einen starken Einfluß ausgeübt hat. Ludwig Host- mann wurde am 39. Juli 1852 in Darmstadt ge- boren. In jungen Iahren legte er, nach dem Be- such der Kunstakademie in Kassel, an der Ber- liner Bauakademie das Staatsexamen für den praktischen Staatsbaudienst ab. Die ersten Sporen als Regierungsbauführer verdiente er sich beim Bau der Kriegsakademie in Berlin. Er wurde mit dem Schinkelpreis ausgezeichnet. Kurz darauf kaufte das preußische Kultusministerium seinen Entwurf für die Bebauung der Museumsinsel a», und 1885 erhielt Hofsmann den ersten Preis bei der Konkurrenz für den Bau des Reichsgerichts in' Leipzig, den er�dann von 1886 bis 1895 aus- führte. Nach Studienreisen durch West- und Süd- europa wurde Ludwig Hoffmann 1896 zum Stadtbaurat von Berlin ernannt. Viele Schulen, Asyle, Verwaltungsgebäude und Feuer- wachen sind sein Werk. Zu seinen bedeutendsten Bauten aber gehören das Neue Berliner Stadthaus, das Märkische Museum. das Virchowkrankenhaus und die große Anlage der städtischen Krankenanstalten in B u ch bei Berlin. Weiter leitete er die von ihm ent- worfene Bebauung der Museumsinsel und entwarf die Bebauungspläne für die Stadt Athen. Kranzniederlegung am Ehrenmal. Im Austrage der Deutschen Liga für Menschen- rechte e. V., Berlin N 24, Monbijouplatz 19, hat eine Delegation gestern in den Vormittagsstunden am preußischen Ehrenmal einen Lorbeerkranz im Gedenken an die Toten des Weltkrieges mit der Aufschrift auf der weißen Schleife„Nie wieder Krieg" niedergelegt. oM* _ söd .der*eSten' o-t-" f h* 50�"' r'des �aC"> S!° be�0 .fden." o£jer nbi�'�heiT33<;tun- 0|| Ci>e,te W'"''''cM®1'2 6 getli"5'n Nazis vor dem Gondergerlcht l'ransportxekalrrclimx mit Auto, Zement und Pistolen vor dem Sondergerichk standen gestern Zwei SA.-Leule, der Zljährige kausmann Hans Brandl und der 24jährige Bauschlosser Wolfgang L e h n e r l unter der Anklage der Transportgefährdung, wenn Balis derartiges unternehmen, so tun sie es gründlich mit allen Schikanen, wohl, wie der Bazianwall es im Sondergerichlsprozeh zum Ausdruck gebracht hol, um die Sache hinterher den Kommunisten in die Schuhe schieben zu können. Der Angeklagte Brandt, im Laden seines Vaters beschäftigt, also am Verkehrsstreik vollkomme» un- beteiligt, gab ein« ebenso naive wie oer- logene Schilderung der Vorgänge in der Nacht vom 4. zum Z. November. Er hatte am Tage mit seinem Vater das Auto seines Partei- genossen, des Herrn Erik von Witzleben, benutzt und war zusammen mit diesem und seinem Vater am Abend in der Nazioersammlung in Schönholz gewesen, in der Goebbels sprach. Nach der Versammlung trat an ihn ein Parteigenosse heran, den er nicht kannte, und bat ihn, das Auto des Herrn von Witzleben auf 10 Minuten benutzen zu dürfen. Brandt, der keinen Führer- schein besitzt, sollte chausfieren. Der Angeklagte behauptet, den Parteigenossen wegen der Auto- benutzung an Herrn von Witzleben vermiesen zu haben. Der Parteigenosse kam zurück und erklärte, er habe die Erlaubnis zur Benutzung des Autos erhalten. Man fuhr nun bei einem Cafe vor, wo einige weitere SA.-Leute den Wagen bestiegen. Wohin die Fahrt gehen sollte, nturde dem Angeklagten angeblich nicht gesagt. Alan fuhr nun an verschiedene Stragenbahn- weichen heran, der Angeklagte Lehnert stieg aus dem Wagen und goß Zement in die Schienen. Als der Zement alle war, holte man sich neuen Vorrat, fuhr diesmal nach Reinickendorf- W e st und schüttete auch hier den Zement in die Weichen. Bei der Rückfahrt riesen zwei Polizei- beamte: halt! Die Parteigenossen riesen dem An- geklagten zu, er solle weiterfahren. Plötzlich wurde geschossen. Ob die Schüsse aus dem Wagen kamen, kann der Angeklagte nicht sagen. Damit der Wagen nicht zerschossen werde, wurde gehalten. Alle sprangen heraus und liefen auseinander. Er, Brandt, und Lehnert wurden festgenommen. Aus den Aussagen der beiden Polizei- b e a m t e n und des Chauffeurs, dessen Taxe die Wachtmeister beim Verfolgen des Autos benutzt haben, ging hervor, datz das Baziaulo ohne Lichl gefahren ist, datz noch aus dem fahrenden Wogen vier bis fünf Schüsse gesallen und datz weitere Schüsse von den Nazis beim verlassen des Wagens abgegeben worden sind. In der Nähe des Wagens ist dann eine Pistole gesunden worden und auherdem noch eine Patrone li.ZS. Einer der beiden Wachtmeister will in dem Zeugen von Witzlcben den Chausfeur des Wagens wiedererkannt haben: er hatte, ganz deutlich wahrnehmbar, einen grauen Hut aus, wie Nie Toten von Kuba ILOll Sturmflutopfer Dich» s2)orf, 11. November. Tie Sturmfluttntastrophe in Kuba hat, wie sich jetzt herausstellt, viel schlimmere Folgen gehabt, als man bisher annahm. Tie Zahl der Toten wird sehr verschieden geschäht. Während einige Meldungen von 7, Ell Toten sprechen, lauten andere Nach- richten ans 1KOO Tote. Tic Fischerstadt Vamaguch ist von einer acht Meter hohen Springflut vollständig zerstört worden. Tic Springflut drang acht.Kilometer tief ins Land ein. Tau- sende von Flüchtlingen sind in Santa(?mz und den Nachbarstädten eingetroffen, wo alle Krankenhäuser überfüllt sind. Nah- rungsmittel und Nerzte sind mit Flugzeugen hingebracht worden. Terprozentigen und unverfälschten. Der Reisende war völlig besinnungslos, kam erst am Dienstag- abend wieder zu sich und entdeckte nun das Fehlen seiner Briestasche, in der 13S Mark waren. Trotz des reichlichen Alkoholgenusses wußte er ober den Namen feines„Führers", lief zur Polizei und K. wurde aus seinem Quartier in der Artilleriestraße geholt und festgenommen. Er gibt die Zechtour. die ihm sonst sehr gut bekommen ist, zu, bestreitet aber den Diebstahl. Er wundert sich nur, daß sein Landsmann so wenig vertragen kann. Deoisenasfüre TMich Zwei neue tiaktlzekekle Im Zusammenhang mit den Devisenschiebungen des Geheimrats T i l l i ch vom preußischen Wohl- fahrtsministerium, der, wie mitgeteilt, in der vorigen Woche in seiner Dienstwohnung in der Leipziger Straße verhastet wurde und die auch zur Festnahme des Bergwerksdirektors Gustav Cordes, des Bankbeamten K u b b e r n u s, des Syndikus Dr. Borchardt und des Maklers Heinrich Holländer führte, sind jetzt von der Staatsanwaltschaft zwei weitere Hastbefehle er- lassen worden. Diese richten sich gegen den Ju- melier S m i r n a und den Bergwerksdirektor a. D Hermann Schmidt, die ebenfalls bei den De- Visenschiebungen mitgewirkt hatten und seit der Ausdeckung der Affäre flüchtig sind. Smirna und Schmidt haben die aus ausländischen Besitz stam- er später im Wagen gefunden wurde. Einen solchen Hut trug Herr von Witzleben auch gestern. Der im Auto gesundene Hut wurde Herrn von Witzleben im Polizeipräsidium anprobiert: er patzte. Das Gericht beschloß nach längerer Beratung. den Zeugen von Witzleben wegen dringenden Ver- dachts der Teilnahme an den den Angeklagten zur Last gelegten Verbrechen unvereidigt zu lassen, die Verhandlung bis Montag aus- zusetzen und sowohl den von der Verteidigung beantragten Zeugen zu laden, als auch dem an- wesenden Vertreter der BVG. auszugeben, dar- über Feststellungen zu treffen, wann der Zement beseitigt worden ist. Wieder koke ZucKtKansstraken Schließlich muroe die am Dienstag gegen die beiden Tiefbauarbeiter Weidemüller und Groener ausgesetzte Sondergerichtsverhandlung zu Ende geführt. Die Sachverständigen der Straßenbahn und der Reichsbahn äußerten sich dahin,-daß Sie von den Angeklagten in die Schi«- nen gelegten Steine die Straßenbahn zur Eni- gleisung hätten bringen können. Der Staats-� anwalt beantragte wegen vollendeter Transport- gejährdung sür jeden der Angeklagten 3 Jahre Zuchthaus. Das Gericht verurteilte sie zu je 2i4 Jahren Zuchthaus. Die Angeklagten, hieß es in der Urteilsbegründung, können von Glück sprechen, daß die Steine noch rechtzeitig bemerkt wurden und daß auf diese Weis« ein großes Un- glück verhütet worden sei. wenden Effekten beschafft und so gleichfalls gegen die Devisennotverordnung verstoßen. Die Ermitt- lungen gegen Tillich und Genossen sind im übrigen bereits so weit gediehen, daß mit der VerHand- lung vor dem Schnellschöfsengericht in etwa 14 Tagen zu rechnen sein dürste. Autounglück in Greiz Fakrer und Mitfahrer verbrannt Greiz, 11. November. Am Donnerstagnachmittag fuhr bei Greiz ein mit schweren Maschinen beladener Lastkraftwagen aus Leipzig infolge Berlagens der Bremsen mir voller.'"..Wuchb gegen das Gast Hau s „Silbe r l o ch". Im gleichen Augenblick erfolgte eine Explosion, die den Lastkrastwagen in Brand segte. Die Flammen griisen auch auf das Gebäude und einen Privatkraftwagen über. Der Führer des Lastwagens, Ernst Keller aus Leipzig, verbrannte. Der zufällig mitfahrende Georg Schmidt aus Leipzig trug so schwere Brandwunden davon, daß er einige Stunden später verstarb. Der Brand des Gasthauses konme gelöscht werden. Der Lastkraftwagen und der Personenkraftwagen wurden völlig vernichtet. Line Liraffe geboren Im Berliner Zoo ist eine weibliche ostosri- konische Giraffe geboren worden, 1,35 Meter groß. Sie ist im Fell dunkler als die abessinischen Gi- rossen. Das ist das zweite Giraffentöchterlein, das in diesem Jahre in Berlin zur Welt kam, ein in der Geschichte der Tiergärten noch nicht dagewesener Fall, denn die Giraffen züchten in der Gefangenschaft sehr selten. Bei diesem mun- Opfer eines Pfuschers FaKrlässixe Tötung Gefallenen-Ehrung im Reichstag , Zum Gedenken der im Weltkrieg Gefallenen oder an den Folgen ihrer Verwundungen später gestorbenen Kameraden veranstaltet der Reichs- bund der Kriegsbeschädigten, Kriegs- Das Schöffengericht Berlin-Wedding verurteilte den heilkundigen M e h l h o r n wegen fahrlässiger Tötung zu einem �Zahr sechs Wonalen Gefängnis. Zu dem Heilkundigen war eines Tages eine ältere, an Krebs leidende Frau gekommen, um sich behandeln zu lassen. Wenige Wochen später, während sie noch bei dem Heilkundigen in Be- Handlung war, ist die Frau an der Krebskrank- heit gestorben. Das Gericht, das in seinem Strafmaß über den Antrag des Staatsanwalts — ein Jahr Gefängnis— hinausging, begründete die Verurteilung damit, daß der Heilkundig« sofort habe erkennen müssen, daß es sich uiy eine Krebskrankheit handele. Er habe deshalb die Pilicht gehabt, die Behandlung der Frau abzu- lehnen und diese an einen Arzt ,zu verweisen. Dann wäre auch die Frau aller Wahrscheinlichkeit nach zu einem Arzt gegangen und von ihm mit einer Wahrscheinlichkeit von 75 Proz. geheilt wor- den. In dem Psozeß wurden mehrere M e d i z i- n e r, die einen bedeutenden Ruf als Fachleute auf dem Gebiet der Krebsbekämpsung genießen, als Sachverständige gehört. Sie vertraten im wesentlichen den Standpunkt, daß die Frau bei sachgemäßer Behandlung durch einen Arzt hätte geheilt werden können. Verschieden war lediglich die Auffassung zu der Frage, ob die Frau völlig oder nur vorübergehend hätte geheilt werden können. Ein homöopathischer Arzt allerdings er- klärte, daß er die Behandlmig bei der Frau keines- falls anders vorgenommen hätte, wie sie der Heilkundige behandelt habe. Der.Anschlag auf die Golpa-Leitung Die Politische Polizei ist noch immer mit der Aufklärung des geheimnisvollen Sprengstoffan- schlags auf die Hochspannungsleitung der Elektro- werke A.-G. beim Bahnhof Wuhlheide beschäftigt, ohne daß es bisher gelungen wäre. irgendwelche Spuren von den Tätern zu er- Mitteln. Vom Polizeipräsidium ist sür die Aus- klärung und Hinweise, die zur Festnahme der Täter führen können, eine Belohnung von 1000 Reichsmark ausgesetzt worden. teren Jungtier ist die Vaterschaft ungewiß: hatte doch der Zoo zwei Bullen, von denen er einen nach Hannover abgab, weil die Girasfenmänner sich hier bekämpften. Das Publikum sah das frei- lich meistens für„Liebesspiele" an, aber die Giraffen waren drauf und dran, sich die Rippen einzuschlagen. Giraffenbabys Leben steht noch unter einem zweiten Unstern, denn seine Mutter ist empfindlich und darum hält es für das immer weggestoßen werdende Jungtier schwer, zur aus- reichenden Nahrung zu kommen. Angetreuer Rendant lOVOOO Mark Defizit bei Bornimer Sparkasse Auf Deranlasjung der Potsdamer 5taalsanwall- jchast wurde der frühere Rendant der Bornimer Spar- und Darlehnskasfe, der Kaufmann Otto W e r n i ck e. in seiner Wohnung in Bornim v e r h a s t e t. Es hat sich bei einer Revision in der Bornimer Spar-�und Darlehnskasfe ein Defizit von über 100000 Wark gezeigt, wernicke soll zum persönlichen Bedarf große Summen verausgabt haben. Betrunkener Herrenfahrer Schuldig am Tod eines Arbeiters Ein folgenschwerer Autounfall, der sich in der Nachl zum vergangenen Sonntag in der Poisdamer Straße ereignete und bei dem der 41 Jahre alle Arbeiter Gustav Kohn aus der Hollmanirstraße von einem Auto, einer blauen Limousine, über- fahren und schwer verletzt wurde, so daß er starb, hat jetzt seine Aufklärung gesunden. Der Fahrer des Unfallautos, ein 32 Jahre alter Buchhalter Kurt M., konnte ermittelt und verhaftet werden. Um die Ermittlung des Fahrers hat sich ein Taxenchauffeur verdient gemacht, der den Borgang beobachtet und die Verfolgung des Täters auf eigene Faust ausgenommen hatte. Der Fahrer der blauen Limousine muß wohl ge- merkt haben, daß er verfolgt wurde, denn er gab Gas und jagte durch die Echillstraße dem Tier- garten zu. Es kam zu einer aufregenden Fahrt. Der Taxenchausseur, ein guter Fahrer, versuchte den Wagen zu überholen. Beide Autos befanden sich längst im Tiergarten. Die Taxe jagte an dem Privatwagen vorbei und stellte sich quer über die Straße. Der Chausfeur glaubte, den Wagen so zum Halten zu bringen. Er hatte sich aber geirrt. Der Fahrer der blauest Limousine machte einen scharfen Bogen um die Taxe, raste auf den Bür- gersteig, fuhr durch die Bäume hindurch und ent- kam. In der Dunkelheit und Aufregung hatte sich der.�Taxenchausfeur die Nummer des Autos nicht merken könnest. Kommissar Schneider ge- long es dann, den Wagen 4n einem großen Autofahrbetrieb zu ermitteln. Es stellte sich her- aus, daß ein Buchhalter dieser Firma der Schul- dige ist. Vor der Unglücksfahrt hatte er mit seinen Freunden getrunken. Dienst am Volk Der Beamtenapparat des Staates muß im mo- dornen Staatswesen grundsätzlich anders beschossen sein, als er es in den Zeiten des Absolutismus war. Die W e l t f r e m d h e i t, der K a st e n- g e i st, mir denen einst vom grünen Tisch aus regiert— oder am grünen Tisch der Obrigkeit gedient— wurde, ließ jenen gegen das Volk ge- richteten Bürokratismus entstehen, den«in modernes Bolk nichr mehr zu tragen gewillt ist, den es nicht mehr tragen kann. Dienst, vom echten Bürokraten als Selbstzweck empsunden, muß heute bewußter Dienst am Volte, sür das Volt sein. Die sbziale Umschichtung, die in Deutsch- land immer stärker alle Arbeitnehmer in eine Front stellt, hat den Staatsbeamten zwangsläufig den übrigen Gliedern des Volkes nahegebracht. Er muß, um sein Amt sinnvoll auszufüllen, politisch, nicht bürokratisch denken lernen. In einem Vor- trag im Programm der Deutschen Welle über„Entstehung und Wesen der Bürokratie" entwickelte Ministerialrat a. D. Falkenberg diese Gedankengänge, die er an Lzand von zahlreichen Beispielen aus der ent- sprechenden Fachliteratur belegte. Dabei betonte er, daß ohne jede Bürokratie, d. h. ohne bis ins einzeln« gehende Beamten- organisation, keine Staatsverwaltung auskommen kann. Einige Mängel wird ein solcher Apparat immer aufweisen, die in seiner geistig-technischen Struktur bedingt sind. Wesentlich ist jedoch, daß aus der Bürokratie kein Bürokratismus wird, daß der Menschenapparat sich nicht in tote Appa- ratur verwandelt, die, in sich geschlossen, ohne Berührung mit dem Lebensstrom des Volkes m sinnloser Betriebsamkeit läuft. 0esfcn!liche Belobigungen. Der Referendar Bern- hard H e y e r, in Berlin-Zehlendorf, Eamphauscn- slraßc 5 wohnhast, hat am 21. August d. I. eine männliche Person auf dem Colpi-Sec bei Lehnin vom Tode des Ertrinkens errettet. Der Polizei- Präsident bringt die von Mut und Entschlossen- heit zeugende Tat mit dem Ausdruck seiner An- erkennung zur öffentlichen Kenntnis.— Der Zoll- sekrelär Wilhelm B c r k e f e l d, in Bcrlin-Nieder» schönhausen wohnhast, hat am 4. Juni d. I. in fcer Fnedrich-Karl-Strohe in Berlin-Lichtenberg «in durchgehendes sührerloses Pferdegespann aus- gehalten. Der Polizeipräsident bringt diese von Mut und Entschlossenheit zeugende Tat mit dem Ausdruck seiner Anerkennung.zur öffentlichen Kenntnis. Die gleiche Anerkennung spricht er dem IZjährigen Schüler Rudolf Kautz aus, der bei seinen Eltern in der Graefestratze wohnt. Der Schüler hat am K.September d. I. ein dreijähriges Kind aus dem Landwehrkanal vor dem Tode des Ertrinkens gerettet. Vom Kanin zum Gdelpelz LcKIectüe Konjunktur au« dem Arbeitsmarkt Museen Im Winter Eine Meldung, die auch in die Auslandspresse Eingang gesunden hat, behauptet, daß die Er- wäguug bestehe, die Berliner Museen während des Winters für den Besuch zu schließen, da der Staat die Unkosten für Heizung und Beleuchtung nicht aufdringen könne. Wie wir hierzu erfahren, ist eine Schließung der Institute nicht beabsichtigt. Demnach bleiben also die großen Museen der Reichshouptstadt auch in diesem Winter zu den üblichen Besuchszeiten geöffnet. Lediglich das der Nationalgalerie unterstellte kleine Rauch-Museum in Eharlottenburg, das übrigens auch nicht heizbar ist, wird aus Ersparnisgründen für die Winter- monate schließen. Essen für Erwerbslose In der Wohnstadt Larl Legien Die Arbeiterwohlfahrt unterhält im Altersheim in der D a n z i g e r Straße eine Erwerbslosentüche, die allerdings nur in den Wintermonaten geöffnet ist. Um den starken Andrang abzulenken und den näher nach Weißensee zu wohnenden Erwerbslosen die Inanspruchnahme der Speisung zu erleichtern, hat jetzt die Arbeiter- Wohlfahrt eine Essenausgabestelle in der Wohn- st a d t Carl Legien, G u b i tz st r. 36, einge- richtet. Die„Einfa" hat eine Wohnung mit Zentral- Heizung zur Verfügung gestellt, die Schultheiß- Patzenhoser-Brauerei hat die nötigen Tische und Stühle geliefert, einzelne Parteigenossen haben zur behaglichen Ausstattung der schönen Räume bei- getragen, so daß die neue Essenabgabestelle am Montag eröffnet werden konnte. Da diese Neuerung aber noch nicht genügend bekannt ist und weil noch viele Plätze frei sind. macht die Arbeiterwohlsahrt an dieser Stelle noch besonders darauf aufmerksam. Für e r w e r b s- lose Parteigenossen kostet die Essen- Portion 2 0 P f. Der sehlende Betrag von je 10 Pf. wird durch freiwillige Spenden der Parteigenossen ausgebracht. Von Unorganisierten muß der Selbst- kostenpreis von 30 Pf. berechnet werden. Wie im „Altersheim" können auch in der Gubitzstr. 36 die Mahlzeiten nicht nur an Ort und Stelle verzehrt, sondern auch für Familien der Erwerbslosen nach Hause geholt werden. Schuhbünöler tagen Auf Einladung de» Reichsverbandes Deutscher Schuhhändlcr E. V. tagte der M o d e a u s- schuf) für die deutsche S ch u h w i r t- scha st. dessen Aufgabe darin besteht, durch Fühlungnahme mit in- und ausländischen Mode- Zentren Farben und Modelle der Saison sest- zustellen und ein Ucbcrmaß an Fassons und Far- den zu verhindern. In �s?iner Begrüßung?- anspräche erörterte der erste Vorsitzende des Rcichsverbandes, Heinrich Schimmer, noch genauer die Ausgaben des Modenausschusses. Er bewies an Hand verschiedener Beispiele, welch ungeheure Verluste der Schuhindustrie durch Fehl- dispositionen und eine überflüssige Vielseitigkeit der Lager entstanden sei. Als zweiter Redner ergriff der Vorsitzende des Modenausschusses, Julius Klausner, das Wort. Auch er begrüßte die Reduzierung der unübersichtlich gewordenen Lagerbestände und schnitt dann als ebenso wich- tiges Problem die Frage der Schaffung eines preiswerten Gebrauchsschuhwerks an. Wenn man in Kreisen der Industrie und auch allgemein der optimistischen Meinung ist. daß wir den tiefsten Stand der geschwächten Kaufkraft überwunden hätten, so erweist sich schließlich dgch nach wie vor die Herstellung guter Massenworc als die lebcns- fähigste Verkaufsform. Es sprachen dann noch In den Pelzgeschästen liegen herzerfreuende, sehnsuchlerwcckende Exemplare aller möglichen Fellarlcn, vom schlichten Kanin bis zum kostbaren Breitschwanz. Die einzelnen Stücke sind wirklich schön, ihre Preise sind ganz erheblich gefallen— besonders bei Edelpelzen macht sich dies bemerkbar— und doch— der Verkauf läßt mehr als zu wünschen übrig. Die größten Nackenschläge empfangen in der Pelzindustrie die Großsirmen, deren Zahl sich von Jahr zu Jahr verringerte zum Teil sind sie in Konkurs geraten, zum Teil haben sie sich auf ein Minimum ihrer einstigen Größe reduziert. Und es gibt nicht nur eine Weltsirma in Pelzen, die ein vierstöckiges Ge- schäftshaus von unten bis oben beherrschte und heute nur mehr im obersten Dachgeschoß ein paar Arbeitlräume besitzt. Wenn es dem Grossisten schlecht geht, so dem Detaillisten erst recht, die Lohngewerbelreibendcn oer Pelzindustrie arbeiten heute zu zwei Dritteln für die Zwischen m ei st er, um sich überhaupt halten zu können. Ein paar Reparaturen. hier und da eine Umarbeitung, das ist alles, was sie an eigener Arbeit auszuweisen haben. Die Fertigware beziehen sie vom Fabri- kanten, sie können sich keine Arbeitskräfte leisten, das wirft das Geschäft nicht mehr ab. Die Saison in der Pelzindustrie beginnt normalerweise im August und dauert bis gegen Weihnachten: es war auch im August be- reits eine leichte Abnahme der weiblichen erwerbs- losen Arbeitskräfte zu bemerken<20 Proz. gegen Juli), das steigerte sich dann im September auf 40 Proz., im Oktober auf 60 Proz., so daß die Zahl der weiblichen Arbeitslosen im Juli mit 4631 im Oktober auf 203 sank: bei den Männern ver- ringerte sie sich von 913(Juli) auf 301(Oktober). Trotzdem verschlechtert sich auch der Arbeitsmarkt ziffernmäßig von Jahr zu Jahr: so betrug die Arbeitslosenziffer für weibliche Kräfte in diesem September 796. dagegen im Vor- verschiedene Branchenvertreter und Modckundigc über Art und Zukunft der neuen Schuhmodelle. Es sei erwähnt, daß der größte Teil der kleinen Schuhverkaussgeschäfte heute lediglich durch die Zuweisung städtischer Austrage in Form der durch die Wohlfahrtsämter bewilligten Neuschuh« und Besohlungen vor der Insolvenz bewahrt bleibt. 60 Proz. aller Schuharbeiter sind heule er- werbslos. Am kalten Ofen Die Kente reicht nicht her und hin Der Rentner nimmt gegenüber dem Erwerbs- losen immer noch so etwas wie eine gehobene, vielbeneidete Stellung ein. Bloh vergißt man da- bei, daß der Arbeitsunfähige ja nicht mehr die gc- ringste Möglichkeit besitzt, sein Los zu verbessern. Da sitzt beispielsweise ein Mann mit s ch w e- rer, offener Tuberkulose und hat mit Frau und Kind ganze 69 M. im Monat an Ge- samteinkommen. Davon gehen 32 M. für Miete ab und es läßt sich nicht allzu schwer errechnen, was dann zum Lebensunterhalt für drei Menschen verbleibt. Die kleine Nahrungsausbesserung, die der Mann infolge seines schweren körperlichen Lei- dens bezieht, wird durch Drei geteilt.„Ich kann nicht Butter essen, wenn Frau und Kind trocken Brot kauen sollen", erzählt der Mann und ebenso wird natürlich die tagliche Milch sowie die Speck- ration zur Aufbesserung der gemeinsamen Küche verwendet. Aber es ist ein elendes Leben, das die drei Menschen führen, wo schwere Krankheit und Not ständiger Gast im Hause sind. Jetzt im Winter kommt zu all dem Traurigen auch noch das Frieren hinzu. Der Mann muß seines Leidens wegen allein in einem Zimmer schlafen und das Zimmer soll warm sein. Natürlich ist der Zimmer- ofen ein kohlenverschlingendes Wrack und der Hauswirt will von einer Reparatur nichts wissen. Solange ein Ofen nicht in tausend Stücke zerfällt. ist er eben auch gebrauchsfähig. Es wäre in einem solchen Fall nötig, die Kohlen- beihilfe zu erhöhen, denn schließlich fällt das fort- schreitende Siechtum des Kranken ja doch wieder nur der öffentlichen Fürsorge anHeim. Eine Invalidenrente ist eine schöne Sache, wenn sie ihren Empfänger in die Lage versetzt, wenigstens schlecht und recht davon leben zu können. Aber sie ist ein Hohn, wenn sie zum Bettelpfennig wird. sahr bloß 386, und die Oktoberzifser 1932 mit 203 Erwerbslosen stand im Vorjahr auf der Zahl 98. Durchschnittlich also immerhin ein 50prozentiger Rückgang. Die Stoffkonfektion für Pelzarbeiter, die speziell in diesem Jahr wenigstens nach außen hin viel Beschäftigungsmöglichkeit aus- weist— es gibt ja kaum einen Mantel oder ein Kleid, das nicht irgendein Pelzzipfelchen irgendwo sitzen hat— erreichte leider bei spätem Saison- beginn ein allzu frühes Ende. Sie ist jetzt schon wieder vorbei und hinkt der Saison des Bor- jahres um 40 Proz. nach. Das schlechte Geschäft bei Fertigware wirst seine schweren Schatten aus das Rohmaterial, und wenn Berlin jammert, dann hat Leipzig erst recht nichts zu lachen. Der Rauchwarenmarkt vom August 1931 berichtet von einem weiteren erheb- lichen Rückgang des Pelzaußenhandels, dessen 5)auptursachen das Abwandern zu den billigeren Fellsorten und das Sinken der Preise sind. Die Einfuhr ist gegen das Vorjahr sowohl, der Menge wie dem Werte nach, ganz beträchtlich zurück- gegangen. Das gleiche Bild des Rückganges bildet auch die Ausfuhr: sie ist zahlenmäßig gegen das Jahr 1928 mengenmäßig um 28 Proz., wert- mäßig um 42 Proz. gesunken. Bei der Einsuhr macht sich das starke Anwachsen der russischen Pelz- jabrikalion beiNerkvar, und es muß sich beispielsweise heute ein Fabrikant verpflichten, neben dem gekauften Rohmaterial auch eine bestimmte Menge veredelter Ware mir zu übernehmen. Fehpelz- werk ist fast ausschließlich russischer Herkunft, während die Hauptlieferanten für Ka- n i n B e l gi e n und Frankreich sind. In der Veredelungsindustrie nimmt Deutschland neben England den ersten Platz ein. Unsere heimischen Pelztierfarmen, sieben an der Zahl, befassen sich fleißig mit der Züchtung von Silberfuchs, Nerz, Waschbär, Sumpfbiber(Nutria), Opossum und Iltis. Es spielen jedoch die klimatischen Verhält- nisse in der Beschaffenheit des tierischen Haar- kleides die ausschlaggebende Rolle. Wie wird das Wetter? Wetterbericht für Berlin: Trocken, Bewölkung-- abnahm«, nach kalter Nacht am Tage etwas milder, mähige, östliche Winde.— Für Deutschland: Nirgenös nennenswerte Niederschläge, überall ab- nehmende Neigung zur Nebelbildung, tagsüber, besonders im Westen und Norden, vielfach aus- heiternd und etwas milder. Elternbciratswahl an der 121. Volksschule. Die Mädchenschule Prenzlauer Allee Ecke Äolmarer Straße wählt am Sonntag einen neuen Elternbeirat, da die im Juni vorgenommene Wahl ungültig erklärt worden ist. Wir bitten unsere Leser und Freunde, der Liste„Schul- aufbau" zum Sieg zu verhelfen und unter Be- kannten und Nachbarn, deren Töchter diese Schule besuchen, für uns zu werben. Sinfoniekonzert des Volksbildungsamtes Kreuzberg. Am Freitag, dem 18. November 1932, 20 Uhr, veranstaltet das Volksbildungsamt Kreuzberg im Orpheum, Hasenheidc(Eingang Graefestraße), ein Sinfoniekonzert. Für die Veranstaltung sind das Berliner Philharmonische Orchester unter Leitung des Dirigenten Dr. Frieder Weißmann und die Geigenvirtuosin Elisabeth Bischofs ver- pftichtet worden. Das Programm umfaßt Werke von Berlioz(Fantastische Sinfonie). Hindemith (Violinkonzeri) und Debujsy(Das Meer). Der Eintrittspreis beträgt 0,76 M. für Erwachsene und 0,60 M. für Jugendliche.— Eintrittskarten sind im Volksbildungsamt Kreuzberg, Gitschiner Straße 104/106, l Tr.(Zimmer 27), in den Zahl- stellen und an der Abendkasse erhältlich. In wenig Worten Aus dem kleinen Belt bei der Insel F ü n c n wurde ein seit vierzehn Tagen vermißtes Auto mit vier im Auto liegenden toten Insassen geborgen. Der Wagen dürfte aus bisher noch nicht geklärten Gründen in die See geraten fein. * Bei Ausbesserungsarbeitcn an der Gasleitung wurde.auf.der G o l tz.w i e s e, einer Straße in Stettin, vier Arbeiter von ausströmendem Gas betäubt. Zwei Arbeiter find im Krankenhaus ge- starben. * Nach dem Brand in der Erziehungsanstalt Bühl bei Wädenswrl am Züricher See fand man bei den Ausräumungsarbeitcn bisher die verkohlten Leichen von sieben Mädchen. Fünf Mädchen werden noch vermißt. Bariete im November Scala Aus der Fülle der guten Varictedorbietungen ragen zwei ganz besonders hervor. Die erste: B u st e r West, der Exzentriktänzer und Kava- lier in Riesenstiefeln, führt so groteske Sprünge aus, daß man staunt, wie er glatt wieder auf seinen zwei Beinen landen kann. Zweitens: eine Luftsensation, die fliegenden C o n c e l l o s. In höchster Höhe am Trapez wird ein Mann nach einem dreifachen Salto ausgefangen. In einein kleinen Einakter zeigt Max Adalbert, wie ein schüchterner Schriftsteller energisch wird. Fritz G r ü n b a u m gibt ihm hierin Unterricht und Ferdinand v. Allen ist der vorschußverweigerndc Verlagsdirektor. Das luftige Trio erntet stür- mischen Applaus. Edmund Fritz's Sinzing B a b i e s zergliedern den Gesang in rhythmischen Bewegungen. Ein gut aufeinander abgestimmtes Tanzpaar sind B c r i n o f f und C h a r l o t. Straußscher Walzer und akrobatischer Tanz können sich als harmonisch vollendet sehen lassen. Vier P o l i s zeigen sich als gewandte Parterre- akrobaten. Der Untermann beweist eine außer- ordentliche Kraftleistung, wenn er drei Artisten auf einer Stange über sich ruhig und scheinbar ohne Mühe turnen läßt. Alf. Loyals dressierte H u n d e machen possierliche Sachen. Sie sind gute Jongleure und Springer und machen ihrem Meister Ehre. Fritz Grünbaum konferiert mit Witz und Verve. Wintergarten Freudenbringer aus dem schönen Wien sind im Wintergarten eingekehrt: Toni Birkmeycr mit seinem Ballelt aus Mitgliedern der Wiener Staatsoper. Ob sie nun den obligaten Walzer tanzen, ob einen Ländler, ob sich alle im Finale vereinigen, immer denkt man, wenn map diese Schar rassig schöner Mädchen sieht, an Blüten und Schmetterlinge. Besonders charaktervoll die Polka der Pepita H ö l r i e g l und das Intermezzo der schönen blonden Lisi H a n dl. Ihnen voran aber immer der stets männlich bleibende Meister B i r t m e y« r. Dann gibt es wieder viel zum Lachen: Hans Kolischer, der richtiger Ver- kolischcr heißen müßte, denn er verkohlt alle, aber alle lachen über seinen tollen Ulk. Sehr lustig geht e» auch bei den holländischen zehn B r o x zu, die das biedere Schifferklovier in der Form des komplizierten Accordeons großartig meistern. W i l l M o r r i s, der Mann, der gerne radfahren möchte(und es dann auch glänzend kann), aber eine Viertelstunde long immer wieder verhindert wird. Zwei B» r l e y s: Er ein riesiger Kraftmensch, sie ein listiger, lustiger kleiner Teufel. Drei Arconas rollen auf Rollschuhen kopfstehend auf die Bühne. Der weibliche Partner ist sodann ein ungewöhnlich kühner Obermann auf 10 Meter hohem Most, de» der Unterinann frei auf der Schulter trägt. Schließlich die beiden glänzenden 2lthleten H o l l, der bekannte Jongleur Torino und Pro und Ottare,, die ouf rollenden Kugeln einen akrobatischen Tango tanzen. Eine Gudrun» durch den Tierdort Echicklerftcasie"Nd die �undefangabtenuna Unit Aufnahmen) ocronsialtet fc- o 1 a 1 1 c am 13. November. Trestpunkt Bahnbos?anno. midbritite, Holzmarltstrahe, lirfc Älexanderstraße(10V, Uhr). Die Direktion der„Plaza" bringt am Bußtag, dem 16. November, und Totensonntag, dem 21». No- vember, das Schauspiel„H e i m a t" von Hermann Sudcrmann zur Ausführung. Es finden an beiden Tedgen drei Vorstellungen, und zwar um 2. 6 und 8.16 Uhr zu den üblichen billigen Eintrittspreisen statt. Ein Goldenes Zubiläum, das Zhnen vorteile bringt. Feiern Sie es mit i» den prachtvollen, echt vergoldeten und versilberten Kassetten, die an- läßlich ihres 60jährigen Geschäftsjubiläums die be- kannte Firma Carl Wilhelm!, Bremen, Föhren st roß e, herausbringt. Alle unsere Leser sind freundlichst eingeladen, durch eine Be- slellung an dieser seltenen Feier teilzunehmen. Es ist in der Tat ein außergewöhnlich vorteil- Haftes Jubiläums-Angebot. Die Wilhelmi-Zigarren genießen als vorzügliche Marken in ganz Deutsch- land einen guten Ruf. Das gleiche kann auch von Ogo-Kaffcc gesagt werden! Die Ogo Kasfee-Handelsqe- i e l l s ch a f t Bremen nimmt als Schwester- sirma an dem Jubiläum teil und verspricht den Bestellern eine besondere Ueberraschung. Alles Nähere erfohen Sic aus dem Prospekt, der heute unserer Poslauflage beiliegt. Vi ü N• K A ü ADD Die Klinge schabt nicht - sie gleitet! ' am 604 Die junkerliche Agrarpolitik am Ende Nur die Enteignung des Großgrundbesitzes löst das Verhängnis Die Kontingentsfrage hat innerhalb der Reichs- regierung zur Krise geführt. Den Agrar- interesfentcn gelang es nicht, sich in der Reichs- regierung durchzusetzen. Der Besiegte bei dem Kampf innerhalb des Kabinetts ist der Reichs- ernährungsminister Freiherr von Braun. Daß er die ihm von der agrarischen Presse nahegelegten Konsequenzen noch nicht gezogen hat, ist ein Zeichen dafür, daß er den Kamps noch nicht als verloren ansieht. Der Kampf im Kabinett ist nur ein Spiegelbild des Kampfes der kapitalistischen Gruppen draußen. Sie waren geeint im Kampf gegen die Arbeiter, und dieser Einigkeit verdankte das Kaginett Papen feine Existenz. Der sozialreaktionäre Kitt hielt aber die kapitalistischen Gruppen nur so lange zusammen, als es gegen die Arbeiter ging und— um Steuergeschenke. Als die Reichsregie- rung der Kontingentierung geneigt schien, ging die Einigkeit flöten. Die gut bezahlten a g r a- rischen Syndizi nahmen ihr altes Geschimpfe über die angebliche Besserstellung der Export- industrie in der Wirtschaftspolitik wieder auf. Dabei sind sich alle Einsichtigen auch in der Land- Wirtschaft durchaus darüber klar, daß kein Wirt- schaftszweig in Deutschland ein solches Interesse an der Pflege des Jndustriexports hat wie die Landwirtschaft, denn nur eine kaufkräftige Jndustriearbeiterschast ist eine Sicherung für das Wohlergehen der Bauern. Aber die Einsicht ist bei den Führern der Grünen Front nicht zu Hause. Wäre sie da, dann hätte man schon längst eingesehen, daß die bisherige Agrarpolitik sich lolgelausen hat. wobei Verbraucher und Landwirtschast ge- meinsom aus der Strecke geblieben sind, was alles ist für die Landwirtschaft getan worden. und was ist das Resultat? Die Zölle für die meisten landwirtschaftlichen Erzeugnisse sind so hinausgeschraubt worden, daß sie teilweise mehr betragen als der Wert des zoll- geschützten Pxodukts selber. Kein Zentner Ge- treibe kommt mehr nach Deutschland herein, der nicht unbedingt zur Ernährung notwendig ist. Die B u t t e r e i n f u h r ist so beschränkt worden, daß nur noch die Hälfte der vorjährigen Einfuhr nach Deutschland hereinkommt. Nicht genug damit, wurden und werden Milliarden- betröge, die man dem übrigen Teil der deutschen Bolkswirtschast entzieht, auf dem Wege über Preis st ützungen, O st Hilfe, Genossen- schastssanierung und Zinssenkung der Landwirtschaft zugeführt. Und dennoch geht es der Landwirtschast schlecht. Ihr Ein- kommen sinkt von Jahr zu Jahr. Der an sich gerechtfertigte und auch von der Sozialdemokratie stets gebilligte Schutz der 3n- londsproduktion vor den Preisschwankungen und katastrophalen Preisstürzen am Wellmarkt ist von den Großagrariern zu einer Ueberhöhung der Getreidepreise mißbraucht worden: die Lage der bäuerlichen Veredelungswirt- s ch a s t, die ohnehin unter dem Kaufkraftelend der Städte.leidet, ist weiter verschlechtert worden: durch die mit den hohen Preisen stark aus- gedehnte Getreideproduktion ist die Möglichkeit einer Beeinflussung der Getreide- preise fast geschwunden. Durch die über- spannten Preissorderungen hat sich die Getreide- Wirtschaft selbst das Grab gegraben. Alle S a- nierungspläne für die bankrotten Güter sind zum Scheitern verurteilt, weil sie aus Ge- treidepreisen beruhen, die der vorigen Ernte ent- sprechen, während in diesem Jahre die Getreide- preise infolge der Höheron Ernte erheblich niedriger sind. Selbst wenn die neugeplante Getreide- magazinierungsaktion gelingen sollte und hierdurch die Preise hochgehalten werden. wiederholt sich das gleiche Spiel im nächsten Jahr. Gefährliche Monopol- und Kartellpläne. So ist die Agrarpolitik in die Sackgasse ge- raten, aus der es keinen Ausweg gibt und an deren Ende die Landwirtschaft in ihrer eigenen Produktion erstickt, während aus der anderen Seite Millionen sich nicht mehr satt essen können. Diese Ausweglosigkeit wird heute auch von einer kleinen aber einflußreichen Gruppe in der beut- schen Landwirtschaft erkannt. Einige pommersche Großgrundbesitzer, deren wirtschaftliches Denken durch Beziehungen zur Industrie geschärst ist, haben eingesehen, daß man den getreidebauenden Großgrundbesitzer Ostelbiens und den in erster Linie auf den Absatz von Butter und Fleisch an- gewiesenen Bauern nicht gleichzeitig helfen kann. Sie sagen sich, daß der Getreideprotektionismus nicht entfernt unsere Außenhandelsbeziehungen so schädigt wie die Kontingente für Beredelungs- Produkte, denn Getreide wird aus Ländern ein- geführt, denen gegenüber unsere Handelsbilanz passiv ist, während Butter, Gemüse und Fleisch aus Ländern kommen, die die besten Käuser un- serer Industriewaren sind. In Wahrung ihrer eigenen Interessen propagieren sie die Opferung der Veredelungswirtschaft: Keine K o n t i n- gentierung mehr, möglichst sogar Abbau der Zollschranten für die Markterzeuguisse der Bauern- Wirtschaft, dafiir aber Schassung von Mo- n o p o l e n. In erster Linie natürlich ein Getreide- Monopol, das aber nicht, wie das Getreide- Monopol der Sozialdemokratie, einen AusKeich der Preisschwankungen bezweckt, sondern ebenso wie die Kartellierung der Zuckerproduktion den Groß- grundbesitzern eine Rente aus dem Ge- t r e i d e b a u sichern soll. Um die eigennützigen Wünsche zu verbergen, wird dagegen die monopolistische Regelung der Butter-, Jett- und Margarineproduktion gefordert. Diese neue Richtung, geführt von den pom- merschen Junkern Knebel-Döberitz und Flügge, eng verbunden mit der Schwerindu- strie, will den Monopolkapitalismus in die Londwirtschast einsühren, damit die ostelbischcn Agrarier nicht untergehen. Die Opfer dieser Entwicklung würden die Bauern und Arbeiter sein. Die Bauern, weil sie, ebenso wie bei der Kar- tellierung der Zuckerproduktion bei der Verteilung der Getreidekontingente betrogen werden und außerdem weil sich nur wenige der von ihnen erzeugten Produkie überhaupt kartellieren lassen. Die Arbeiter, weil sie die durch die Kartellierung erzwungene Verteuerung der Nahrungsmittel zu tragen haben. Die bisherige Agrarpolitik erlebt ihr Fiasko, weil sie einseitig die Getreideproduktion in den Vordergrund ihrer Bemühungen stellte und keinen Ausgleich zwischen den verschiedenen Teilen der Landwirtschaft erstrebte. Ihr wichtigstes Ziel war Erhaltung des Großgrundbesitzes und nicht An- passung der landwirtschaftlichen Struktur an vcr- änderte Verhältnisse. Sie ist an ihren inneren Widersprüchen zusammengebrochen. Die neue, von den Großagrariern propagierte Richtung der Agrarpolitik, die der Erhaltung und dem Ausbau der wirtschaftlichen und politischen Machtstellung der Großagrarier dienen soll, ist zum mindesten ebenso verhängnisvgll. Wenn der ganzen deutschen Landwirtschaft und nicht nur einer kleinen Anzahl von Junkern her- ausgeholsen werden soll, ist es notwendig, daß die Großagrarier, die stets versuchen werden, plan- wirtschaftliche Maßnahmen, die im Interesse der Gesamtheit ergriffen werden müssen, in ihrem Interesse umzubiegen, enteignet werden. Bleibt diese Gruppe im Besitz ihrer politischen Macht, so sind sämtliche ograrpolitischen Maßnahmen von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Englische Wirtschaftspolitik Auf abschüssiger Bahn— Neue Zölle und Kontingente Die von der englischen Regierung erwogene Kon- tingentierung 0er Einsuhr'von Schinken und Speck, die eine Drosselung der Importe um 20 Prozent zur Folge hat, ist jetzt beschlossen worden. Dies«? Maßnahmen haben nichts mit den Ottawa-Vertrögen zu tun, sondern sind unter dem Druck der äußersten Rechten im Interesse der englischen Viehzüchter erfolgt. In den betroffenen Staaten haben diese Be- schlüsse unter den Exporteuren große Aufregung verursacht, und zwar besonders in Dänemark, wo man frühestens im Sommer 1933 mit eng- tischen Einsuhrbeschränkungen gerechnet hatte. Auch in den baltischen Randstaaten haben die englischen Maßnahmen zur Einfuhr- drosselung große Bestürzung hervorgerufen. Be- sonders in Reval undKowno befürchtet man schwerste Rückschläge für die einheimische Land- Wirtschaft, weil Estland und Litauen im letzten Jahr große Summen sür den Ausbau von Schlachthäusern, die überwiegend sür den England-Export arbeiten, aufgewandt haben. Inzwischen wird die aus vier Sachverständigen bestehende Zolltariskommission in England mit neuen Anträgen auf Zollerhöhungen von den ver- schiedenen Interessentengruppen bestürmt. Nach- oem erst kürzlich die Zölle für Eisen und Stahl zum zweiten Male in diesem Jahr heraufgesetzt wurden, verlangen jetzt die Unternehmer der Holzbearbeitungs- und besonders der Möbel- industrie«in neues Anziehen der Zollschraube. Auch Anträge auf Heraussetzung des Weizenzolls sind bei der Kommission wieder eingebracht worden. Lim die Auftauung vonBfundguthaben Zur Sicherung der neuerdings erschütterten Psundwährung läßt Großbritannien jetzt kein Mittel unoersucht, um einen Ausgleich seiner ausländischen Zahlungsverpflichtungen zu sichern. So ist die britische Regierung zur Zeit darum bemüht, im Auslande eingefrorene Pfund- guthaben aufzutauen. Der erste Versuch ist jetzt mit Griechenland gemacht worden. Dieses Abkommen sieht vor, daß englische Gut- haben, die in Griechenland aus Sperrkonto liegen, zur Bezahlung griechischer Exporte nach England nutzbar gemacht werden, so daß für England aus der Einsuhr griechischer Waren keine neuen Va- lutaverpslichtungen entstehen.— Ein ähnliches Abkommen yt mit O e st e r r e i ch getrosfen worden, so daß auch in'diesem Falle gesperrte Schillingguthaben englischer Staatsangehöriger zum Ankauf britischer Waren sreigegeben werden. Englands Außenhandel im Oktober Die Bilanz des englischen Außenhandels für den Monat Oktober weist deutliche Spuren des neuen Pfundversails im vergangenen Monat auf. Der Wert des Exportes, der feit Juli stän- dig gesunken war, ist erstmalig wieder um 4,21 auf 30,4 Millionen Pfund gestiegen. Andererseits aber haben sich die im Herbst immer sehr starken Saisoneinfuhren nach England(Lebensmittel- imporle) im Oktober noch um 0,50 auf insgesamt 00,32 Millionen Pfund erhöht. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß die nur geringe und vorübergehend« Exportchance, die der neue Pfundverfall bietet, dadurch völlig überdeckt wird, daß England für seine Importe aus Gold- Währungsländern entsprechend höhere Pfundbeträge auswenden muß. Die weitere Erhöhung der Passivität der Handelsbilanz, die im Oktober 30 gegen 28,8 Millionen Pfund im Sep- tember erreichte, läßt sich tatsächlich nicht nur aus dem gestiegenen Saisonbedarf der englischen Ein- fuhr erklären, sondern zugleich aus den vermehrten Pfundansprüchen, die infolge des neuen Sinkens der englischen Währung im Auslande entstanden sind. Vom Januar bis Oktober d. I. betrug der Wert der Einfuhr 580,5 gegen 710,9 Millionen Pfund Sterling. Der starke Rückgang der Einfuhr ist durch die Einführung der Hochschutzzölle ver- ursacht. Der Export verringerte sich in der gleichen Zeit auf 301,4 Millionen Papierpsund (Durchschnittskurs 1 Pfund— 14 Mark) gegen 324,8 Millionen Goldpfund vom Januar bis Ok- toder 1931(Durchschnittskurs 1 Pfund— 20,4 M). Die P a s-s i v i t ä t der englischen Handelsbilanz erreicht in diesen 10 Monaten 279,1 Millionen Psund, die bei einem Kurs von durchschnittlich 14 Mark etwa 3,90 Milliarden Goldmark ent- sprechen. Sltirht das Auto aus? Die Sonderbelastung in Deutschland In den Monaten Januar bis September d. I. ist die Gesamtzahl der neu zugelassenen Personen- und Lastkraftwagen in Deutschland aus 37 518 gegen 59 806 in der gleichen Zeit des Vorjahres und 82 005 Wagen von Januar bis September 1930 gesunken. Diese katastrophale Entwicklung hebt sich scharf von der Lage der ausländ!- schen Kraftwagenindustrie ab. die sich sehr krisen- fest erwiesen hat. So wurden z. B. in England und Frankreich, aus den Kopf der Bevölkerung gerechnet, sechs- bis siebenmal mehr Kraftwage» in der genannten Zeit verkauft als in Deutschland. Es zeigen sich hier die verheerenden Folgen einer Wirtschaftspolitik, die überwiegend im Interesse schwerindustrieller und agrarischer Jnteressentenhaufen dem Kraftverkehr in den letzten beiden Jahren 250 Millionen Mark neue Lasten aufgebürdet hat. Während die Motorisierung durch diese Politik in jeder Hinsicht gedrosselt wird, können die Nutz- nießer der Treibstossverteuerung Gewinne erzielen, die in der gegenwärtigen Krisenzeit einzigartig da- stehen. So ist die„E b a g" Erdölbergbau 21.-0. Eelle in der Lage, ihren Aktionären eine D i v i- dende von 20 Proz.(!!) zu zahlen. Die deutsche Kraftverkehrswirtschaft aber, die mit ihren Nebengewerben Hunderttausende ernährt, kann vor die Hunde gehen. Der Ver gleich hei dunkers Günstiger Vertrag für die Gläubiger Die seit dem Frühsommer anhaltenden Ver- gleichsverhandlungen des I u n k e r s- K o n- zerns mit seinen Gläubigern sind jetzt ab- geschlossen worden. Zu>dem neuen Ver- gleichstermin am Dienstag waren zahlreiche Gläubiger in Dessau erschienen. Die Lage bei Junkers hat sich nach dem Verkauf des Badeofen- wertes an die Robert Bosch A.-G. in Stuttgart erheblich verbessert. Die neuen Vorschläge für die Gläubiger sehen endgültig die volle Befriedigung der Glöeibiger bis zu 500 Mark vor und eine zu- nächst 40proz«ntige Befriedigung der größeren Gläubiger bis zum Jahresende. Diese Gläubiger von 500 Mark au'wärts erhalten außer der 40prozentigen Quote einen Derpflichlungs- schein auf Zahlung von weiteren 2 0 Prozent im Laufe des nächsten Jahres. D>eser Verpflich- tungsschein wird ohne Rücksicht aus die wirt- schastliche Entwicklung des folgenden Jahres ein- gelöst. Außerdem erhallen die Gläubiger noch einen sogenannten Bejserungsschein in Höhe von 20 Prozent, dessen Zahlung jedoch von der wirtschaftlichen Situation des Junkers-Kon- zerns abhängig gemacht wird. Der Treuhänder. Geheimrat v Butlar, erklärte, daß er den Vergleichsvorschlag als geeignet für einen Vergleichsabschluß mit den Gläubigern an- sehe. Es meldete sich aber noch eine Opposition zu Wort, die in erster Linie die Frage der Lebens- fähigteit der Iunkers-Werke nach der Konzern- reform in die Debatte warf. Die Vergleichsvor- schlüge wurden schließlich nach langer Aussprache in ihrer ursprünglichen Form angenommen. Die Leptemherhesserung Rohstoffpreise waren entscheidend Das Institut für Konjunkturforschung teilt mit: In Uebereinstimmung mit der Entwicklung am Arbeitsmarkt Hot die industrielle Produktion von A u g u st auf September leicht zugenommen. Die Indexziffer der Produktion wichtiger Industriezweige(1928— 100) stieg von 51,8 im August auf 53,7 im September... In jeweiligen Preisen errechnet, stellt sich der Brutto- produktionswert im August auf 8,54 Milliarden, im September auf 2,05 Milliarden Mark. Nach dieser Rechnung beträgt die Zunahme rund 110 Millionen Mark. Im einzelnen lassen sich folgende Be- wegungstendenzen unterscheiden: In den Indu- strien, bei denen die Rohstosskosten eine große Rolle spielen(z. B. Leder, Textilien, einzelne Gruppen der SIE.-Metallindustrien usw.), hat sich die Erzeugung im Zusammenhang mit der Preisbesestigung auf den Roh st off« Märkten erhöht: bei der Nachfragesteigerung handelt es sich vorwiegend darum, daß der Handel nun seine Lager vergrößert. Hinzu kommt, vor allem in der Gruppe Kohlen- bergbau, eine saisonbedingte Zunahme der Produktion. In diesem Zusammenhang ist be- merkenswert, daß die Boustofsinduftrien gegen die hier saisonmäßig abwärts gerichteten Kräfte wider- standssähiger sind, als dies z. B. im vergangenen Jahr der Fall war. Die Zunahme der Produk- tion van Walzwerkserzeugnissen schließlich ist in der Hauptsache aus Russenausträge zurück- zuführen. Die Baumwollindustrie im Oktober Die deutschen Baumwollspinner melden sür Oktober, nachdem die Baumwollpreise weiter gesunken sind, bei anhaltend lebhaften Kon- traktabrufen und entsprechender leichter Steige- rung der Beschäftigung eine zunehmende Zurückhaltung der Abnehmer für Neu- auftrüge. Nur Westfalen und Süddeutschland kaufen etwas mehr. Die Baumwollweber berichten von durch- schnittlich guter Beschäftigung: der weitere Ver- lauf des Oktober habe aber wegen der Unsicher- heit der Baumwollmärkte eine absinkende Nach- frage gebracht. Der Export nach Holland und den Nordstaaten habe durch die Kontingents» Politik große Einbuhen erlitten. EreuLen-AhschluV Verlust der Spitzenunternehmung Die Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks- A.-G., in der die vier großen staatlichen Elektro- und Zechenunternehmungen von Preußen zu- sammengesaßt sind, hat in dem abgelaufenen Ge- schättsahr einen Verlust von 3,48 Millionen Mark ausgewiesen, da die staatlichen Unternehmen im vergangenen Jahr keine Dividenden ausgezahlt haben. 'Auf der Generalversamnllung der Gesellschaft wurde infolge der Juliereignisje in Preußen eine Neubesetzung des Aussichtsrats vorgenommen. Der Sozialdemokrat und ehemalige Staatssekretär im preußischen Handelsministerium Dr. Stau d in- g e r schied aus und an seine Stelle trat der Reichs- kommissar Dr. Ernst als Vorsitzender. �um zweitenmal pleite Die Essener Bank, eine große gewerbliche Kreditgenossenschast mit heute nach 6,4 Mill. Mark Einlagen und 4,5 Mill. Mark Bankschulden, hat zum zweiten Male innerhalb dieses Jahres die Zahlungen eingestellt. Sie wurde erst im Februar mit 2,1 Millionen Mark Reichs- Hilfe aus dem 20-Million«n-Topf für Gewerbe- danken saniert. Eine inzwischen vorgenommene Revision ergab weiter«, im Februar noch nicht erkannte Verluste von 1,5 Millionen Mark. Neue Hilse wuroe, abgesehen von 400 000 Mark ,zur Liquid-arion, in Berlin versagt. Die Einleger sollen 25 Prozent nachlassen, den Rest auf zwei Jahre stunden. Große Auslondsauslräge sür den Maschinenbau. Die im Diesel-Motorenbau führende Maschinen- fabrik Augsburg-Nürnberq A.-G. hat eine Anzahl großer Exportaufträge für die starken 140-�8- Diesel-Motoren erhalten. Die Lieferungen gehen nach Polen. Belgien. Luxemburg, Frankreich, Dänemark und Spanien. ZWEITE BEILAGE SONNABEND, 12. NOV. 1932 161 ROMAN von STEFAN POLLATSCH EK] iCopyright Saturn-Verlag. , Kaum war die Durchsicht der Morgenpost beendet, als der Diener den Besuch einer Frau Weißmüller meldete. Die Dame gab an, eine Verwandte des Chefs zu sein. Weltlin nickte und nachdem seine Mitarbeiter sich entfernt hatten, betrat Frau Weißmüller das Zimmer. Sie war seine Cousine und dunkel entsann er sich, daß er sie einmal ver- ehrt hatte— wann mochte das wohl ge- wesen in, welcher Zeitraum lag dazwischen? Er schloß die Augen und es erstand ver- schwömmen das Gesicht eines schlanken, dunkelhaarigen, jungen Mädchens mit hellen Augen. Was war aus ihr geworden? Die Frau, die vor ihm saß, war ärmlich gekleidet, sie hatte weiße Haare und müde, abgekämpfte Gesichtszüge. Ihr Leben war ein schweres gewesen, wie Weltlin dunkel wußte, sie hatte irgendeinen Agenten geheiratet, war nach dessen Tod vollkommen verarmt, und ab und zu hatte er sie mit kleineren Geldbeträgen unterstützt, seit langer Zeit nun hatte er nichts mehr von ihr gehört. Jetzt saß sie vor ihm und erzählte mit larmoyanter Stimme eine traurige Geschichte. Ihr Sohn, der Musiker, sei seit langer Zeit ohne jede Be- schäftigung. Nachdem das Theater, an dem er als musikalische Hilfskraft tätig gewesen war, schließen mußte, hatte er sich bei konzertieren- den Kapellen verdingt, in Kinos gespielt, in Varietes als Begleiter ausgeholfen. Nun aber habe die mechanische Musik(„diese ver- fluchten Erfindungen", wie sich Frau Weiß- müller ausdrückte) die menschliche Kraft ver- drängt, es spielten Automaten und der Künstler könne zugrunde gehen. Sie sprach nervös und gehetzt. Ja, jetzt könnte sich ihr Sohn wieder vorstellen bei einer Hotel-Iazz, jetzt hätte er wieder Aussichten und die Be- zahlung, die man biete, sei gut, er könne bis acht Mark in der Nacht verdienen, aber er benötige einen Frackanzug und der seine sei im Versatzamt. Vierundzwanzig Mark seien daraus geborgt. Frau Weißmüller schwieg. Weltlin schwieg. Er sah einen kleinen blonden Knaben mit einer Geige, dieses süße Wunder- kind war wohl nun der hungernde Musiker, der eine Stelle bei einer Iazz-Kapelle suchte und hierzu seinen versetzten Frack auslösen mußte. Frau Weißmüller, ein wenig ängst- lich geworden, fuhr fort: Sie habe niemanden, an den sie sich wenden könne, allüberall habe man ihr und ihrem Sohn bereits geholfen und sie wage die Bitte, ob nicht Herr Welt- lin diese vierundzwanzig Mark vorstrecken möchte, ihr Sohn werde das Geld bestimmt zurückzahlen, wenn es ihm einmal wieder besser gehen sollte. Weltlin hatte sein Scheck- buch hervorgezogen und hatte, während er das Datum schrieb, noch die feste Absicht einen größeren Betrag auszuschreiben. So sehr er sich deswegen auch später Vorwürfe machte, er konnte sich nicht darüber Rechenschaft geben, warum er gerade nur die erbetene Summe in das Papier eingesetzt hatte. Ueberschwenglich dankend, verließ die Frau das Zimmer. Mit einem unzufriedenen Gefühl, einem dumpfen Stechen in der Herzgegend, blieb Weltlin zurück; er wollte der Frau nach- eilen, doch der Prokurist Lechner und In- genieur Hanau kamen gerade. Eine Arbeiter- deputation, so meldeten sie, wünsche empfan- gen zu werden. Weltlin nickte, straffte seine Gestalt und schon betraten vier Arbeiter den Raum. Aus einen Wink nahmen die Leute an einem Tischchen Platz und der Sprecher begann. Er wolle, so hob er an, die Leitung der Fabrik auf die Stimmung der Arbeiter- schaft aufmerksam machen. Durch den Um- stand, daß das Unternehmen fast alle Fabri- ken der Konkurrenz lahmgelegt habe, sei eine katastrophale Arbeitslosigkeit eingetreten und die Unmöglichkeit, neue Arbeit zu finden, sei offenkundig. Trotzdem nun die Fabrik ihren Absatz vom Woche zu Woche steigere, würden immer wieder Arbeiter abgebaut und jede maschinelle Verbesserung habe weitere Ent- lassungen zur Folge. Die Arbeiterschaft habe nun gehört, daß wieder Neuerungen bevor- stünden, sie sei verängstigt und bitte um Mitteilung, was die Leitung des Unterneh- mens plane. Es sei schwer, einen befriedigenden Auf- schluß zu geben, erwiderte Weltlin zögernd. Gewiß würden Verbesserungen erwogen, der menschliche Geist stehe nicht still und die Maschine selbst verlange gebieterisch ihren Ausbau. Leider sei es richtig, daß eine solche Verbesserung wieder menschliche Arbeitskraft überflüssig machen werde, aber die Leitung werde sich bemühen, mit größter Rücksicht und Vermeidung aller Härten vorzugehen. „Das heißt also wieder Abbau", sagte der Sprecher.„Wieviele von uns werden daran glauben müssen?" „Das steht zur Stunde noch nicht fest." „Die Arbeiterschaft", fuhr der Mann fort, „wolle fragen, ob diese Maßnahme nicht unterbleiben könne. Da das Werk doch so gut wie keine Konkurrenz habe, könnten doch die Preise für das fertige Produkt in der bisherigen Höhe gehalten werden..." „Das geht nicht", erwiderte Weltlin, ein wenig energischer, als er eigentlich wollte, „das geht leider nicht. Unsere Erfindung ist im Ausland bekannt, man arbeitet dort ebenso rationell wie hier. Wenn wir uns nicht anpassen, haben wir die ausländische Konkurrenz im Land, und Zölle einzuführen ist in diesen Zeilen so gut wie unmöglich." Weltlin hielt eine nationalökonomische Vor- lesung und war schön im Fluß. „Wir müssen also mit weiteren Entlassun- gen rechnen", fragte ein Arbeiter. „Es ist noch nichts entschieden", sagte be- ruhigend Weltlin, und er fühlte, daß er wieder am Ausgangspunkte seiner schönen Rede angelangt war. Hier aber halfen keine Reden, er fühlte es, die Leute verlangten nach Beruhigung, die er nicht geben konnte. Man erörterte einige Auswege, doch es zeigte sich, daß hier keiner zu finden war. „Ich fürchte, daß die Genossen nicht zu- frieden sein werden", sagte der Sprecher der Arbeiter und erhob sich. „Wollen Sie damit ausdrücken, daß Sie einen Streik planen?" „Nur politische Desparados können unter solchen Umständen an Streik denken", sagte ruhig und bedächtig der Arbeiter und fügte hinzu:„Die Zeiten sind nicht danach. Aber beten Sie zu Gott, daß wir nicht zu anderen Zeiten so hartherzig sind, wie Sie jetzt." Weltlin, allein gelassen, ging unruhig auf und ab. Warum mache ich denn dies alles' noch mit? Muß ich denn hier den Wüterich, den nimmersalten Kapitalisten spielen? Bin ich es am Ende wirklich? Warum dies alles? Doch er hatte keine Zeit, seinen Gedanken nachzugehen. Der Prokurist Lechner kam mit Leichenbittermiene und meldete, daß er QoUfried tKinkel SEu feinem 50. Todestage/ Ton Siermann Itendel Wollte sich die Gegenwart ein Urteil über Gottfried Kinkel einzig nach der Meinung bilden, die Karl Marx und Friedrich Engels in ihrem offenherzigen Briefwechsel über Kinkel austauschten, so nähme heute kein Hund zu seinem Andenken ein Stück Brot an. Sicher war das historische Recht aus der Seite der beiden, wenn sie, die Jahre, sast Jahrzehnte die Luft des Lon- doner Exils mit ihm teilten, ihn als eitlen, un- wissenden, anmaßenden Schönschwätzer ablehnten, aber Ausflüsse objektiver Gerechtigkeit waren weder die ewigen Bezeichnungen„der dumme Kinkel", der„süße Kinkel",„der verlogene Psaffe Kinkel" noch der Spott über„seiize rotsaffian- lederne Weise" zu reden, noch der Hohn:„Der Bursche predigt Optimismus in säuselnder, Hut- abziehender, schwachmütiger Form." Wer Kinkel durch solche Ausbrüche des Unmuts der Altmeister des wissenschaftlichen Sozialismus ein für allemal abgetan wissen will, dem müßte freilich auch jedes böse Wort der beiden guten Hasser gegen Ferdi- nand L a s s a l l e, Wilhelm Liebknecht und Ferdinand F r e i l i g r a t h bare Münze sein. Der Kinkel, mit dem Marx und Engels in London nicht zusammenkommen wollten noch konnten, hatte überdies auch die sozusagen geschichtliche Aufgabe seines Lebens schon hinter sich; für den Rest seiner Tage zehrte er vom Ruhme der Jahre 1843, 1849 und 1859. Im Vormärz schon kannte man seinen Namen, am meisten am Rhein. Ein Psarrersohn aus Ober- kasiel, zog bereits der Ein-, der Zweiundzwanzig- jährige als Prioatdozent der Kirchcngeschichte an der Bonner Universität und bald auch als Hilfsprediger der evangelischen Gemeinde in K ö l n die Aufmerksamkeit auf sich: noch mehr redete man von Kinkel, als er mit Johanna M o ck e l eine Katholikin und geschiedene Frau heimführte und von der Kirchen- zur Kunstgeschichte, vom Glauben zur Frcigeisterei hinüberwechselte Auch nach dem Lorbeer des Dichters griff er. obwohl nur ein Talent dritten oder vierten Ranges, mit manch geglückter Strophe. An jene Tage, da er, ein leb- Haft sprudelnder Kopf, Anregungen empfangend und gebend, geliebt und bewundert, recht aus dem Vollen zu leben glaubte, erinnerten später die Verse: Im Freundesreigen stand ich stark Beim Becher und in Fehde. Mein Leib war fest, gesund mein Mark, Und golden floß die Rede Schon seine rheinische Heimat, die in K i n k e l s Geburtsjahr 1815 an Preußen gefallen war. und von deren Bewohnern er vermerkte:„Wir selbst kamen uns viel eher als ein erobertes Land vor", wies einem so beweglichen und zukunftsgläubigen Geiste seinen Platz im Lager der politische» Oppo- sition an, und als 1848 losbrach, schwenkte der Bonner Professor begeistert die Fahne der unbedingten Demokratie Im Frciheits- Überschwange dieses Jahres war sein lyrisches Pathos der rechte, auf Massen wirkende Ton. aber als, im Frühjahr 1849, die Revolution auf beiden Beinen zu lahmen begann, bewies Kinkel, daß er, redlich für die deutsche Einheitsrepublik erglüht. doch mehr zu sein verstand als nur ein politischer Schönredner. Nach dem mißglückten Versuche, mit den Bonner Demokraten das Siegburger Zeug- Haus zu stürmen, eilte er aus den Schauplatz der Reichsverfassungskampagne und trat in Baden als einfacher Wehrmann in das Freikorps Willich ein. Als er Ende Juni während der Gefechte an der Tolkmar 3ro: Jnm und die Sandviper Ivan ist der häßlichste Hund von ganz Mostar. Ein riesiger Wolfshund mit einem kaum daumen- langen Schweisstummel. Alle Fremden, die von Dalmatien herüberkommen, lachen über ihn, wenn er auf dem staubigen Bahnhofsplatz wie ein ge- stutzter Terrier herumstreicht Man weiß eben nicht, daß Jnyan seine Rute bei einer Heldentat einbüßte Diese Geschichte von dem abgehackten Schweif des braven Ivan gibt sein Herr, der Weinwirt Josip Pavlic, auf zweierlei Art zum Besten. Wenn man sie umsonst hören will, macht er die Sache recht kurz. Wer sie aber bei einer Flasche Lissa- wein erzählen läßt, erfährt dann genau, warum der Wirt diesen verstümmelten Hund zärtlich liebt und warum er zornig wird, wenn die Fremden über das Tier lachen: Da hackte Josip Pavlic vor acht Iahren in einem Gehölz bei Mostar Stöcke für seinen Weingarten. Seine vierjährige Tochter Maria saß mit ihrer Puppe am Rande des Gestrüpps und neben ihr lag Ivan. Als der Hund plötzlich zu bellen be- gann, achtete Pavlic zuerst nicht darauf, wurde aber dann durch die sonderbare Wut des Tieres aufmerksam und ging mit seiner Art langsam hin- über. Er sah Ivan schon von weitem in Angriffs- ftellung Laut gegen einen Felsblock geben und neben ihm die kleine Maria stehen und glaubte, daß der Hund einen Frosch oder Bogel verbelle. Er rief ihn an, Ivan wich ober nicht von der Stelle und bellte noch lauter, als ob er Hilfe fordere. Der Wirt kam bis auf zehn Schritte näher und entdeckte jetzt zu seinem Schrecken dicht vor dem Kind und dem Hund eine große. Sandviper. Und sah im gleichen Augenblick entsetzt die kleine Maria den Hund zur Seite schieben und mit der Puppe gegen die Viper losgehen. Pavlic schrie auf und stürzte mit einigen Sätzen hinüber, er wäre aber zu spät gekommen, wenn nicht Ivan sich mit einer blitzschnellen Wendung gedreht und das Kind zurückgestoßen hätte. Es siel zu Boden und dafür hing auch schon die Schlange am Schweif des Hundes! Das Reptil war sofort mit einem Haselstock erledigt, dann nahm Josip Pavlic kurz entschlossen seinestAxt, zog den winselnden Ivan zu einem Stein' und rettete ihm mit einem kräftigen Hieb das Leben— So hat mir der Wirt Pavlic an einem glühend heißen Julimittag erzählt. Die hübsche Maria stand dabei am Schenktisch und putzte Gläser, Ivan schnappte nach den Fliegen und wedelte dankbar mit seinem Ehrenzeichen, als er von mir zur nachträglichen Belohnung eine fette Knoblauch- wurst erhielt. eine unangenehme Nachricht zu überbringen habe. Er fei Unterschleifen auf die Spur ge- kommen; der Kassierer, achtzehn Jahre im Hause tätig, habe gestohlen. Die Defrauda- tionen reichten auf fast ein Jahr zurück, etwa zwanzigtausend Mark habe er veruntreut. Weltlin schwollen die Stirnadern an, er fragte:„Was haben Sie veranlaßt?" „Noch nichts!" sagte Lechner,„ich wollte Ihren Entschließungen nicht vorgreifen." „Lassen Sie mir den Mann kommen." Der Mann erschien. Es war ein kleiner, schwächlicher Mensch mit intelligentem, blassem, gequältem Gesicht. Als ihn Weltlin erblickte, erschrak er; er glaubte ein Traum- bild zu sehen, sein Zorn, seine Erregung ver- flogen im Nu. Die Knie des Eintretenden zitterten, er mußte sich setzen, er wäre sonst hingefallen. „Lassen Sie doch die Faxen!" rief Lechner. „Sie hätten es sich eben früher überlegen müssen. Zuerst stehlen, dann um Mitleid flennen, das kann bald einer." Weltlin gebot mit einer Handbewegung Ruhe. „Was fiel Ihnen denn ein, Röchling, nach fast achtzehnjähriger Tätigkeit solche Sachen zu machen?" Röchling versuchte zu sprechen, doch seine Stimme versagte.(Fortsetzung folgt.) Murglinie verwundet in die Hände der Preußen fiel, machte er sich keine Illusionen über das Los, das ihn erwartete; keine leere Phrase war es, was er in den Kasematten von Rastatt niederschrieb: Den Feinden mild, den Freunden gut, Die Hand noch rein vom Fluche, Kein Blatt voll Haß. kein Blatt voll Blut In meines Schicksals Buche- So werf' ich in den Opferbrand Ein reichbekränztes Leben— O Glück und Stolz, mein Vaterland, Für dich es hinzugeben! Daß am 4. August das Kriegsgericht Kinkel, anstatt ihn vor die Gewehrläufe zu stellen,„nur" zu lebenslänglicher Festungs strafe, nicht etwa Festungs Haft, verurteilte, erregte landauf, land- ab die zähneknirschende Wut der Reaktion, die sich bemühte, auf Umwegen doch noch zum Ziele zu gelangen. Aber, nicht zuletzt aus Furcht vor der öffentlichen Meinung, bestätigte Friedrich Wilhelm IV. den Spruch, nur daß er den Gehaßten, anstatt ihn aus einer Festung Sand karren oder Abtrittsgruben ausfegen zu lassen, in eine„Zivilanstalt" überwies; so hatte der Hohen- zoller wenigstens sein rachsüchtiges Behagen daran, daß der verwöhnte Poet im Zuchthaus, erst zu Naungard, dann zu Spandau, wie ein gemeiner Verbrecher behandelt, Wolle spulen mußte. Diese Folterung eines reinen Menschen, der für seine politische Ucberzeugung litt, empörte indessen über die Kreise der Gesinnungsgenossen hinaus ganz Deutschland und ganz Deutschland jubelte auf, als es am 6. November 1859 dem jungen Karl Schurz durch einen kühnen Streich gelang, Kinkel aus dem Kerker zu entführen, und die Kunde einlief, daß beide unangefochten das eng- tische Asyl erreicht hatten. Wenn sich aufl) Kinkel in London an manchem Emigranten-Hokuspokus übernahm und später als Professor in Zürich zuweilen natiovalliberale An- Wandlungen bekam, so verleugnete er doch die politische Grundgesinnung seiner guten Jahre nicht. Dazu gehörte es, daß er sich nicht nur einen Demokraten, sondern auch einen S o z i a l i st e n nannte. Seitdem er denke und empfinde, so er- klärte er. habe sich sein Herz zu den Armen und Unterdrückten gehalten und nicht zu den Reichen und Gewaltigen dieser Welt; 1848 betitelte er ein von ihm herausgegebenes Organ zur Belebung des Handwerkerstandes„S p a r t a c u s", und 1849 meinte er es, des Todesurteils gewärtig, durchaus ehrlich mit dem Bekenntnis: Der müden schwielenharten Hand Ein sanfter' Los zu werben, Du vierter Stand, du treuer Stand, Für dich geh' ich zu sterben. Euch Armen treu bis in den Tod. Für euch zur Tat entschlossen, Fall' ich ums nächste Morgenrot, Vom kalten Blei durchschossen. Nun war diese Empfindung für die Elenden und Unterdrückten mehr eine Sache des Gefühls als der Erkenntnis, ein, wie es die„Ostseezeitung" einmal nannte,„poetischer S o z i a l i s m u s", aber stark genug blieb sie, um Kinkel der von Bismarck gehetzten deutschen Sozialdemokratie zur Zeit des Ausnahmegesetzes mit Rat und Tat bei- stehen zu lassen; als er am 13. November 1882 starb, erfuhr die Welt aus dem ehrenden Nachruf des„S o c i a l d e m o k r a t" von dieser seiner Verbundenheit mit der geächteten Arbeiterpartei. Mochte Kinkel darum den höchsten Ansprüchen weder als Dichter noch als Politiker noch als Mensch genügen, so wirkt er, im Ganzen gesehen, doch so übel nicht und macht es durch seine Er- scheinung und lein Schicksal begreiflich, daß er mit Veit Valentins Wort eine Weile neben Robert Blum„der volkstümlichste Revo- l u t i o n s m ä r t y r e r" in Deutschland war. Ton gans großen Tieren Torführung/ Ton d)r. J. Weinberg Nein! Nicht Generaldirektoren sind gemeint! Wirklich große Tiere, gegen die auch die größten Elefanten noch relativ klein sind. Launen der Natur, wandernde Fleischberge, jeder groß genug, mit seinen mehr als 1000 Zentnern Fleisch den Iahresbedarf eines mittleren Schlächters zu decken, Kerle, mit 3 Zentner schweren Schulter- knochen und noch nicht 20 Pfund Gehirn, aber mit einem Rückenmark, das am Schwanzanfatz Telegraphenftangendicke erreicht. Tiere, die es heute nicht mehr gibt, die vor Millionen von Jahren im Jura, in der Kreidezeit, in der Stein- kohlenzeit die üppigen Sümpfe mit den an 100 Meter hohen Sigillenbäumen und den Haus- hohen Farnen belebten, harmlose Pflanzenfresser, oder Fische, groß wie Wale, mit Raubtiergebissen, jeder für sich ein kleiner Panzerkreuzer, Schlangen- Halsdrachen, Flugechsen, die im warmen Sonnen- schein wie Eindecker daherschwirrten und sich die zwei Spannen großen Libellen schmatzend schmecken ließen. Eine, nach Menschenbegrisfen riesenhafte Tier- weit, nach Menschengefllhlen— nicht jeder Mensch ist berufsmäßiger Drachentöter wie Siegfried!— schreckliche Welt. Und doch vielleicht harmloser, als man im ersten Augenblick denkt, wenn man das Bild eines Brontofaurus sieht, wenn man vor dem Skelett des Diplodocus carnegii im Naturkundlichen Museum Berlin steht. 12 bis 16 Meter maß so ein Brontofaurus von der Schnauze bis zur Schwanzspitze, und er konnte bequem aus der Dachrinne eines zweistöckigen chauses saufen. Die Ueppigkeit der Pflanzenwelt gewährleistete die Füllung seines riesigen Magens. Plump wälzte er seine Masse über das unter seinen Tritten zitternde Sumpsgelände dahin und die kleinen Augen in dem etwa metergroßen Kopf sahen angstvoll nach seinen fürchterlichen Feinden aus, nach den I g u a n o d o n t e n, die als Fleischfresser von etwa 7 Meter(aufgerichtet) Größe und mit einem wahren Waffenarsenal im Maul nach ihnen in der Art der Känguruhs hüpfend Jagd machten. Denn auch des größten ihrer Gattung, des Atlanwfauriers(36 Meter Gc- samtlänge), beste Waffe war nur die wuchtige Fleischmassc und der von riesigen Muskeln weit aus- greifend geschleuderte Schwanz. Paradox war die Fortpflanzung dieser Riesen: Sie legten Eier! Roy Chapman Andrews hat welche davon in der Wüste Gobi ausgegraben. Eines war dabei, aus dem im Augenblick des Katastropheneinbruches ein junger Ersthorndrache ausschlüpfte. Etwa 30 Zentimeter lang und 20 Zentimeter im Durch- messer hatten diese Eier und die Jungen, die daraus schlüpften, mögen vielleicht 1 Meter lang gewesen sein. Das waren aber nur Eier von solchen Drachen, die es ausgewachsen bis am etwa 3 Meter Länge gebracht haben. Die anderen müssen entsprechend größer gewesen sein. Der kleine Kreuzer der damaligen Meere, der Ichthyosaurus hingegen, brachte lebende Junge zur Welt. Ohne sie zu säugen. Im Natur- kundemuseum in Berlin liegt eine fossile Jchthyo- mama, die von der Versteinerungskatastrophe im Augenblick der Entbindung überrascht wurde. Als Betriebsstoff tankten die bis zu 10 Meter langen Raubfische andere Fischlein, Karpsen, chechtc und ähnliche, soweit ihnen diese nicht von den bis zu 6 Meter langen Schwanenhalsdrachen (Plesiosaurier) weggefressen wurden. Man stellt sich diese Plesiosaurier am besten als riesige Schildkröten von etwa 2 bis 3 Meter Breite vor. Und da, wo heute die Schildpattlieferantin ihren ungeschützten Kops im Panzer verschwinden läßt, da wuchs ein chals mit bis zu 40 Wirbeln heraus. auf dem ein äußerst wehrfähiger Kopf behend über den Wellen hin- und herfuhr. Ueber den Schaumkronen des dramatisch be- lebten Meeres und über den riesigen Sumpf- wäldern rauschten die lauen Lüfte vom Flügel- schlag der P t e r o d a k t y l e n, Fledermäusen mit bis zu 7 Meter Klafterbreite. Die Flughaut war am vierten Finger angewachsen und deshalb hatte dieser meist doppelte Rumpflänge. Der Rumpf selbst mochte etliche Zentner wiegen und an die 2 Meter lang sein. Fallschirm und Flugmaschine in einem— dazu Zähne von beneidenswerter Güte und Schärfe— alles in allem: Ein ideales Flugzeug für Kriegszwecke, schwerer als die Lust, lange bevor es dem grübelnden Menschengeist gelang, dieses Problem zu meistern. Das sind einige wenige Typen aus dem etwa 90 000 Katalognummern umfassenden Zoo der Vergangenheit. 90 000 für etliche— vielleicht— 100 Millionen Jahre! Das ist nicht gar viel! Denn auch die Zahl der heute lebenden Tierarten ist annähernd so groß. Und dennoch hat es unendliche Forschermllhen gekostet, das alles zu rekonstruieren. Wenn auch schon der römische Kaiser Augustus in seiner Billa in Capri eine sehenswerte Fossiliensammlung besaß, mit Ernst ist die Paläontologie im großen erst seit knapp 200 Jahren— die Paläanthropologie ist noch wesentlich jünger!— als Wissenschast anerkannt und bearbeitet worden. Um 1700 fand man an der L e n a m ü n d u n g das e r st e Mammut im sibirischen Eiskeller, das der Zar um 8000 Rubel für die Petersburger Akademie ankaufte. 1862 wurde der e r st e Archäopterix(Urvogel mit Zähnen) in Soln- Hofen ausgegraben und um 600 Pfund Sterling nach London verkauft. 1877 folgte ihm das zweite vollständige Exemplar nach: 20 000 Mark kostete dessen Erwerbung für die paläontologische Sammlung der Universität Berlin. Ein fossiler Ichthyosaurus mit chaut kostete vor dem Krieg etwa 10 000 Mark. Ohne Haut war er billiger. Von den großen Tieren blieben: Große Skelette, große Preise— und die Drachensagen. Rätselhaft, woher die Sagen stammen. Gesehen hat nie ein Menschenauge die lebenden Schreckens- tiere. Und die Krokodile, die Urenkel gewisser Kreidezeitsaurier sind so dumm, daß man ihnen trotz aller modernen Tierpsychologie keinerlei be- sonderes Verständnis für Jungfrauen oder Gold- schätze, das sie eigentlich berufsmäßig haben müßten, zusprechen kann. Jungfrauen schützen sie höchstens ob der Zartheit des Fleisches. Gold aber kennen sie im Gegensatz zu den„großen Tieren" der geologischen Gegenwart überhaupt nicht. Und dann— die Drachensagen sind ja wesentlich älter als die Kenntnis von den Vor- weltriesen! Immerhin: Das ist noch lange nicht das einzige Problem, das an die großen Tiere anknüpft... parteinachrichten für Groß-Berlin SKj"■"~......' Linlendungen für dicfe Rubrik find B« r l> n SÄ SS. Lindenilrahe 3, stet» an das Bezirkafetrelaria. 2. Hof, 2 Trepven rechts, zu richten Beginn aller Veranstaltungen 19/4 Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 7. und 8. Kreis. Sonnabend, 12. November, Juristische Sprechstunde im Jugendheim Nosinenstr. 1<17— 18 Uhr). Gelegenheit zum Kirchenaustritt. 17. Abt. Die Vezirlsfllhrer werden gebeten, die Sammellisten umgehend beim Kassierer Höhne abzurechnen. 2«. Abt. Unserem Genosse» Freitag zu seinem heutigen 80. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche. 21. Abt. Sonntag, 13. November, tresfen sich sämtliche Funltionäre zu wich- tiaer Arbeit um 8 Uhr in der Spedition Tölz, Jmmanuellirchstraße. Die übrigen Helfer pünttlich um 8 Uhr. Jeder Genosse, der helfen will, ist willlommen. 2». Abt. Heute, ab IS Uhr, Rückgabe des Propagandamaterials bei Buchholz. 73. Abt. Heute. 8>� Uhr, wichtige„Vorwärts",Agitation. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen unbedingt notwendig. Arbeitsgemeiuschast der kinderfreunde. Mitte. Alle Gruppen treffen sich am Sonntag, 18 Uhr, im Heim Tieckstrahe zur Revolutionsfeier. Die Ausgestaltung der Feier er- folgt durch die Gruppe Ernst Toller. Montag, 14. November, Helfer- ligung. Dienstag, IZ. November, und Mittwoch, 18. November, findet unsere Helferfahrt bestimmt statt. Prcn-lauer Berg. Sonntag, 18. November, Baracke 3, Helferbei- ' sammensein«leine-- 13. November. Rote Falt »»WWW auherordentliche Elternversammlung im Jugendheim Äastanienallee 81. Mitt- wach, 16. November. Nestfallen. Halbtagsspaziergang. Treffpunkt 818 Uhr Falkenecke. Krcu-berq. Sonntags Veranstaltung: Diesen Sonntag Gruppenfahrten.— Abt. Reichenoeraer Biertel. Wir treffen uns am Sonntag pünktlich um 8 Uhr an der Falkenecke. Essen und Trinken für den ganzen Tag ist mitzubringen. Bringt einen Ball mit. Gegen 18 Uhr sind wir zurück.— Abt. Aotlbusser Tor. Morgen Schnijelfahrt nach der Wuhlheide. Treffen: Rote Falken 8 Uhr, Jung- und Nestfalken 8V. Uhr Kottbusser Tor, Falkenecke. Unkosten 20 Pf. Tcmpclhof. Mittwoch, 18. November, 1ö Uhr, treffen wir uns im Jugend- heim Temvelhof, Gätzstraße. Lichtenberg. Achtang, Rote und Iungfalkenl Sonntag, 13. November, No- vembSrfeier in der Aula der Schule Sieafriedstraße von 1ö bis 17 Uhr. Alle Falken erscheinen in Falkentracht.— Abt. Mahlsdorf. Wir fahren mit dem Autobus um 14 Uhr ab Greifswalder Straße. Neukölln. Abrechnung der Novemberveranstaltung für alle Gruppen um 15 Uhr im Krcisbeim 18 Uhr Borstandssttzung. Die Gruppen können heute, Sonnabend, das Bastelmaterial abholen.— Abt. Britz. I. Alles gesammelte Spielzeug wird im Haus Solidarität„Kinder helfen Kindern", Minning. strafe 8, abgeliefert. 2. Besprechung aller Mitarbeiter Montag, 28 Uhr, im gleichen Haus. Boran-eige! Die nächste Helfersitzung findet Donnerstag. 17. November, 28 Uhr, im Kreisheim statt. Jungfalkcnvollversammlung Dienstag, 15. No- vember, 17si Uhr, im Heim Kanner Straße. lk D Sozialistische Arbeiterlugend Groß-Verlin Einiendungen für diese Rubrik nur an da» Iugendf-kretartat Berlin SW 68 Lindenstraß» 2 vorn I Treppe rechts Abend Sonnabend, Berliner Str. 182. 19. Eintritt heuie. Sonnabend, 12. November. Köpenick II: Nachtfahrt. Treffpunkt 28)-. Uhr Bahnhof Köpenick.— Schiller- park: Treffpunkt zur Fahrt nach Bernau— Uetzdorf 19 Uhr Bahnhof Wedding, Ncttelbeckplatz. Werbebeztrk Bedding: Die Sprechstunde fällt heute aus. Montag Bor- sitzendenkonferenz Schönstedtstr. I. Heute Treffpunkt zur Fahrt 19 Uhr Bahnhof Wedding, Netteweckvlatz. Nachzügler morgen, 8 Uhr, Bahnhof Wcdding.— 18 Uhr Heiinabend Turiner Straße. Werbcbczlrk Lichtenberg: Arbeitsgemeinschaft: Schule in der Treskowstraße 09'� Uhr). Äerbebezirk Rciaickcndorf:„Galgenvögel." Eichbornstr.»4. 18 Uhr Ks- fangsstudio. 28 Uhr Szcnenprobcn.— Morgen, Sonntag, 18—13 Uhr, Funk- tionärkursus in Eittenau, Neue Schule, Hairptstr. 13. Das Programm der Partei. Referent: Heinz Löwi. Gewerkfchasts-�ugend Berlin > Heute, Sonnabend, 12. November, finden folgende Beranstaltunaen statt: Wanderleiter: 18 Uhr Tresfen am Schlesischen Bahnhof- lGlas- kuppe!) zur Fahrt nach Rüdersdorf, Jugendherberge. In der Jugend- Herberge findet eine Aussprache über:„Die Fahrt als Gemeinschaft" statt. Am Äonntagnachmittag Besichtigung des Rüdersdorfer Kalkbergwerkes. Vortrage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Gefchötisstelle: Berlin S 14 Sebastianftr 37—38. Hof 2 Tr Mitte. Der Ortsverein beteiligt sich am Wohltätigkeitsfest des Orts. Vereins Wedding am Sonnabend, dem 12. November. 28 Uhr, in den Germaniasälen, Chausscestr. 118. Jungba. Sonnabend. 12. November, 19 Uhr, in Jungbannerkleidung Bahnhof Aleranderplatz.— Wcdding lBor- "'~'"- Meereskundemuleum». i. Sonntag, 13. 3!o- WMMMDW latz. Unkosten Schöncberg-Friedenau(Ortsoercin). Sonnabend. 12. November, Hcrbstfcst im Bürgersaal des Rathauses, Rudolf-Wildc-Platz. Gäste von allen Örtsvereinen willkommen. Arbeiter- Samariter- Bund e. V.. Kolonne Berlin. Geschäst-st-lle: NO,<3. Sostysir. 4. Telephon: Ii! z Königs, adt 5448. N Achtung, Jugendliche! Am Sonntag, dem 13. November, Besichli- gung des Deutschen Arbeilsschntzmuseumo, Berlin-Eharlottenburg, ~■■— Uhr vor dem Museum. Die Eintritts- Frouenhofcrür. 11—12. Treffpunkt 18% gebühr beträgt 5 Pf. Gäste willkommen. Freie Rationale Schülerschaft(FNE.). Sonntag. 13. November, veran- staltet der Gau Berlin-Branpenburg eine Fahrt nach Erkner. Treffpunkt 8.18 Uhr Bahnhof Zoo(Normaluhr). Tagesprooiant mitbringen. „St»rmvogcl"-Werbevortrag mit Lichtbildern des Kameraden Hermann Erbrecht am Dienstag, dem 15. November, 28 Uhr, in der Aula der Zinnowald- schule, Zehlendorf-Mitte, über„Segelflug". Eintritt frei. Rcichsvereinigunq ehem. Keiegsgcfangcner. Ortsgruppe Neukölln. Zugunsten der arbeitslosen Mitglieder am Sonntag, dem 13. November, 17 Uhr, im großen Saal der Kottbusser Klause, Neukölln, Kottbusser Damm 98, großes W-chltätigkeitskonzert. Das Konzert wird ausgesühr: vom Bandonionverein „Presto 31". Festrede: Erwin Barsanti. Anschließend Gesellschaftstanz uild Tombola. Alle„Ehemaligen", Freunde und Gönner sind herzlichst«ingelade». Scmei-de um Buddha. Sonntag, l3. November, 28 Uhr, im Grünen Saal «Meistersaal), Berlin, Köthener Str. 38. Martin Steinke: Geist, Bewußtsein, Wille, auf Grund des Buddhadhamma. Sozialistischer Ssperanto-Bund. Dienstag im Metallarbeiter-Verbandshaus, Elsässer Str. 88. Mittwoch in Neukölln, Rütli-Schule, Rütlistraße. Don- nerstag in Reinickendorf-Ost, Baracke, Lindauer Eiraße, In der Zeit van 8 bis 18 Uhr abends überall Kursus und Sprechübungen. Schachvcreiuiguug„Schachfreunbe Rcinickenbors-Belt 1938". Mittwach, 18 Uhr, in den Schachräumen in Reinickendorf-West. Scharnweberstr. 87, Ecke Schillingstroße, Lokal„Zum Treffpunkt", Wettspiel gegen den Schachklub Springer 1918 Tegel. Typographische, Orchester! Dirigent Erich Gutzeit. Uebungsswnden i-d-n Freitag, 20)?— 22zh Uhr. im Ideal. Kasino, Neukölln, Seichselstr. 8. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 11 Uhr, Poppelallee 15, Vortrag de- Herrn Dr. K. Sturm: Familie und«khe in der bürgerlich-kritischen Literatur. Thcafcr Sonnabend, den 11 November staatsoper unter den Linden 28 Uhr Die Hugenotten Staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Gabriel Schillings Flucht MMWjN: öuhris, Garten* Tom urKmeyer und sein tuiener Ballett 3 arconas, 2 Hot s tans Koiischer usw.] [.'lon 3434 Muenen en. onnsbend und Sonntag auct| Inadini. 4U tu Kleinen relseul Das führende Variete >rutG\ Sonnt, nachm. 3 Uhr bill. Preise MMM Jn tfilrnjinAggi BETRIEB KEMPIHSKI*C VOLKSBUHNE Theater am BOlewplatx 0 1. Norden 2944. Taglich S% Uhr C 44 von Marce« Pa-rro' ■#elelal■ Deutsch v Brugg FranK. Retzie Heinz Hilpert. Dorsch, Tiedlke, Valetti, Siedel, Verhoeven, Stein, Almas SÄ Kabarett für Alle 4 Uhr Tfiglich 2 x 9 Uhr DusansationelleKabarstt-FrocTunm Abendpreise 1—3 Mk. Nachm. GcdecK I 25 Jeden So» rabena 1 1 yf Uhr: NactitvorsteHuno sv* uhr CflSIIIO- THEATER 8,'«< Uhr 1 Srißi Massary in Eine Frau, öl« wel#, waa sie will! Sonntag>/,5 Walzertraom TheaiemWeslens ISteinpI. 5121 1 Täglich 8% Uhr I Gitta A l p a r in Katharina Stgs.'Iii u. 5 U. Fürl-rtbristel Rose• Theater Oreli Fmklirttt Strsli 13? «>i. Wiidnti E I 3422 5 Uhr Frau Holle 8,15 Uhr Der Zigeunerbaron 11,30 Uhr Die liMMe Eva (RdfirttitW(Rnrfprtrt Eowag. den 13. November 1932, vormittags 11'/- Uhr. -JliUltulsil-üülUM.lj. Synagoge Prinzregentenstraße 69 70 HeiW f oiin: Mch der Wahrheit leben Eintritt ftei! Chor und Orgel Vorstand der Jüdischen Gemeinde vsutsekss Ttteatsr Weidend. 5201 Täglich 8 Uhr fStg. auch 4 Uhr) m Haniirg Regie: MaxReinhardt Thimig, Fehdmer Gustav Fröhlich, KayBler, Wegenet Hammerspiele 8 Uhr Nidiael Krämer von Qerharl Haupimann Klöpfer, Melzer, Triesch, Flockina v Piaren, Kaiser, Liebeneiner. Reale: K H Martin r- Thealer Id.-, siresemannsir. Täglich 8% Mi. «MüIÄ v. Semard Shaw Moissi, v Theil- mann, Bertens, Evans,Otto. Sima, Wiemann, Deppe. de Kowa. 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